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4
HEINRICH SEUSE
Deutsche Schriften
im Auftrag der Württembergischen
Kommission für Landesgeschichte
herausgegeben von
Dr. Karl Bihlmeyer.
•* ^«^.^.
STL'TTCiART.
Druck und Verlapj von W. Kohlhnmmer.
1907-
f
/
nn
Dem Gedächtnis
meines hochverehrten Lehrers
Professor D. Dr. F. X. von Punk
in Dankbarkeit
gewidmet.
Vorw^ort.
Eine kritische EditioD der deutschen Schriften Seuses bedarf
schwerlich einer besonderen Rechtfertigung. Denifles Ausgabe,
in ihrer Art eine treffliche Leistung, kann der wissenschaftlichen
Forschung nicht genügen, weil sie nur eine neuhochdeutsche Über-
tragung des Originaltextes bietet, auf einer nicht völlig ausreichenden
handschriftlichen Grundlage beruht und zudem unvollständig geblieben
ist. Möge daher diese erste vollständige Ausgabe des Urtextes wohl-
wollende Aufnahme finden! Kirchen-, Literatur-, Sprach- und Kultur-
geschichte interessieren sich ja, wenn auch in verschiedenem Masse,
für den liebenswürdigen schwäbischen Mystiker, der den Geist des
deutschen Mittelalters nach seiner schönsten Seite repräsentiert und
durch seine gemütstiefen Schriften noch heute wie ehedem zu fesseln
vermag.
Das Hauptaugenmerk bei vorliegender Ausgabe war darauf
gerichtet, eine möglichst breite und sichere Basis für die Herstellung
des Textes zu schaffen. Zu diesem Zwecke wurden, von sonstigen
Nachforschungen abgesehen , auf wiederholten Studienreisen eine
grössere Zahl von Bibliotheken Deutschlands und der Schweiz nach
Seuse-Handschriften durchsucht, so namentlich die Bibliotheken zu
Berlin, Einsiedeln, Engelberg, Kolmar, Konstanz,
Maihingen, München, Nürnberg, St. Gallen, Stuttgart,
Wolfenbüttel, Zürich. Der Erfolg war ein günstiger, insofern
^ine stattliche Anzahl wichtiger, noch nicht bekannter Manuskripte
aufgefunden wurde, mit deren Hilfe es gelang, den Denifleschen
Text an vielen Punkten erheblich zu verbessern und das Grosse
Briefbuch in guter Rezension vorzulegen. Zum erstenmal werden
in dieser Ausgabe jene elf Briefe, welche Seuse gekürzt in das kleine
Briefbuch aufnahm, in ihrer ursprünglichen Form bekannt gemacht.
Ausdrücklich sei auch auf das bis jetzt unbekannte interessante
VI Vor^'ort.
„Te«tarnent der Minne" (Brief XXVIII) aufmerksam gemacht, gegeu
dcHRcn Echtheit freilich begründete Zweifel bestehen.
Der Kommentar ist im allgemeinen auf das Nötigste beschränkt
worden. Wie viel ich für das Verständnis und die Kommentierung
der schwierigeren mystischen Stellen Denifle verdanke, bekundet fast
jede Seite der einschljlgigen Partien. Mit ihm, dem ausgezeichneten
Kenner der Mystik und Scholastik, konnte ich es auf diesem Gebiete
nicht aufnehmen, und es war auch gar nicht meine Absicht , seine
Ausgabe ganz überflüssig zu machen.
Die Einleitung versucht eine knappe, aber im wesentlichen
erschöpfende Orientierung über Leben und Werke Seuses zu geben,
und insbesondere seine Stellung im Entwicklungsgang der deutschen
Mystik und Literatur zu präzisieren. Am kürzesten glaubte ich mich
in dem Abschnitt über die Lehre fassen zu dürfen, da dieser Gegen-
stand schon genügend behandelt ist und Seuse hierin weniger original
erscheint. Wenn ich in der Einleitung manchmal etwas warm ge-
worden bin, so möge dies mit den Worten des edlen Linsenmann
(in einer Besprechung von Denifles Seuse, Theol. Quartalschrift 1877, 135)
Entschuldigung finden, die ich zu meinen eigenen mache: „Dem
Theologen ist das literargeschichtliche Interesse an den Schätzen der
grossen Literaturperiode der deutschen Theologie im Mittelalter nicht
das höchste. Was die mittelalterliche Mystik für ihre Zeit war,
das könnte und sollte sie auch für unsere Zeit sein, eine Ergänzung
der vorherrschend nomiualistischen Scholastik, eine Lichtseite im
i'eligiösen Volksleben, ein Sauerteig, welcher Gärung und Bewegung
in die erstarrten Massen des kirchlichen Lebens bringen könnte.
Uns ist die Mx-stik eines Eckhart, Tauler und Seuse nicht bloss
romantische Poesie, noch blosse Philosophie, sie ist dazu bestimmt^
Ix^ben zu werden und Gestalt anzunehmen ..."
Unumgänglich schien es, der Ansgabe ein ausführliches
Glossar beizugeben, da wir ein solches bis jetzt von keinem der
bedeutenderen deutschen Mystiker besitzen und doch tür philologische
und literarhistorische Untersuchungen kaum entbehren können. Ich
bin mir freilich bewusst, dass der vorgelegte Versuch etwas recht
Unvollkommenes darstellt. Allein Zeit und Raum verboten, ein
mehreres zu tun. Philologische Zwecke im eigentlichen Sinne lagen
mir fenie; ich glaubte, die spraehgesohiohilioh-lexikalisehe Ausbeutung^
Simses den Germanisten von Fach überlassen zu Si^llen. Um auch
solchen, welche mit dem Mittelhochdeutschen weniger vertraut sind,
die Ausg«W lucänglich /u machen, ist in zahlreichen Fällen die
Vorwort. VII
neuhochdeutsche Bedeutung eines Wortes angegeben. Ich hoflFe
übrigens, in nicht zu langer Zeit eine Auswahl aus Seuse in Über-
tragung für weitere Kreise vorlegen zu können, und behalte mir die
Benützung der Ausgabe für solche Zwecke vor.
Es ist mir eine angenehme Pflicht, für die Unterstützung und
Beihilfe zu danken, die mir von vielen Seiten zuteil geworden ist,
80 insbesondere den Bibliotheksverwaltungen zu Berlin (Kgl. Bib-
liothek), Breslau (Domkapitelsbibl.), Cues (Hospitalbibl.), Darm-
stadt, Einsiedeln, Engelberg, Freiburg (Universitätsbibl.
und Erzbischöfliches Archiv), Giessen, Göttingen, Heidelberg,
Kolmar, München (Staatsbibl.), Muri-Gries, Nürnberg
(Stadtbibl.), Paris (Bibl. nationale), Raigern, St. Gallen, Strass-
hurg (Universitätsbibl.), Stuttgart, Überlingen, Wien (Hof-
bibliothek), Wolfenbüttel und Zürich (Stadtbibliothek), welche
mir teils Manuskripte zur Benützung hieher sandten, teils die Kol-
lationierung an Ort und Stelle ermöglichten, und der Universitäts-
bibliothek zu Tübingen, welche die Entlehnung zahlreicher Hand-
schriften in liebenswürdiger Weise vermittelte. Eine grosse Zahl
von Bibliotheken des In- und Auslands erteilte auf Anfragen nach
Seuse* Manuskripten gütige Antwort.
Für wertvolle Auskünfte und Winke bin ich ganz besonders
den Herren Professor Dr. Ph. Strauch in Halle, Professor Dr. H.
von Fischer und K. Bohnenberger in Tübingen, Hochw. P. P. von
Loe 0. Pr., Prior in Düsseldorf und Herrn Dr. J. Ries in St. Peter
bei Freiburg zu Dank verpflichtet. Herr Professor Dr. F. Vetter
in Bern hatte die Güte, mir eine Abschrift des Büchleins der Ewigen
Weisheit nach der Einsiedler Handschrift 710 zur Verfügung zu
stellen, und die Kgl. bayerische Akademie der Wissenschaften in
München erlaubte, den schon von Preger 1896 edierten Text des
Minnebüchleins wieder abzudrucken.
Der Görresgesellschaft und ihrem verehrten Hen'n Präsidenten
Exzellenz Reichsrat Freiherr Dr. G. von Hertling sage ich für
die Bewilligung eines Stipendiums für meine Bibliotheksstudienreisen
geziemenden Dank. Ebenso der Wtirttembergischen Kommission für
Landesgeschichte für die Aufnahme dieser Arbeit unter ihre Publi-
kationen, und namentlich ihrem Geschäftsführer, Herrn Archivdirektor
Dr. E. von Schneider in Stuttgart für stetes liebenswürdiges Ent-
gegenkommen.
Für opferwillige Beihilfe bei der Korrektur schulde ich meinem
VIII Vorwort.
Bruder P. Pius Bihlmeyer 0. S. B. in Beuroii und Herrn Dr.
A. Hauber in Tübingen ganz besonderen Dank.
Mein verehrter Lehrer, Professor Dr. F. X. von Funk, dessen
Stellvertreter zu sein ich zurzeit die Ehre habe, hatte schon einige
Zeit vor seinem allzufrühen Tode gütigst gestattet, dass das Werk
ihm, dem Altmeister der kirchenhistorischen Wissenschaft, gewidmet
werde. Leider hat er die Vollendung desselben nicht mehr erlebt.
So bleibt mir nur übrig, es als schwaches Zeichen des Dankes für
die stetige herzliche Anteilnahme und die Förderung meiner Studien
auf sein frisches Grab zu legen.
Tübingen, im April 1907.
K. Bihlmeyer.
Inhalt.
Seite
Klttleltans l*-163*
Srster TeU. Die Überllefernns 'S*— 62*
A. Die einzelnen Handschriften 3*— 29*
1. Handschriften des Exemplars 3* — 9*
U. Handschriften der Tita 9*— 11*
III. Handschriften des Büchleins der ewigen Weisheit . 11* — IS*
IV. Handschriften des Büchleins der Wahrheit .... 18* — 20*
V. Handschriften des Brief büchleins 20*
VI. Handschriften des Grossen Briefbuchs 20* — 26*
Vn. Handschriften der Fredigten. Das Minnebüchlein . . 27*— 29*
B. Das HandHchrift«nTerhäItnls. Art miii Weise dieser
Ausgabe 29*— 46*
I. Das Leben Seuses 29*— 36*
II. Die übrigen Schriften des Exemplars 36* — 37*
III. Das grosse Brief buch 37*— 43*
IV. Die Predigten und das Minnebüchlein 4S*— 44*
V. Bemerkungen zur Orthographie des Textes .... 44* — 46
♦
0. Bilder und SpHlclie des Exemplars 45*— 67*
Senses YerltSltnis zur Kunst 67* -62*
JSEweiter Teil. Neases lieben und Werke .... 63*— 163*
A» Jng^nd- und Lernjaltre zu Konstanz und Köln (ca.
12»5-ia27) 63*- 95*
I. (teburtsjahr und -Ort, Abstammung 63*— 70*
H. Jugendzeit, Eintritt ins Kloster, Bekehrung .... 70* — 73*
ni. Der Dienst der ewig<ai Weisheit 73* — 76*
IV. Seuses Kasteiungen 76*— 80*
V. Visionen und Ekstasen 80*— 85*
VI. Studiengang zu Konstanz und KiUn 86*— 90*
MI. Das Bücfilein der Wahrheit 90*— 95*
B. Seuse als Lelitor und Prior. Seliriftstellerisclie und
soelsorgerliche Tätiglkeit (ca. 1327-1848) . . 95*— i:^*
I. Allgemeine? Verbältnisse der Diözese Konstanz und
«les r>ominikanprordens 95* — 100*
*
X Inhalt.
Seite
II. Sense als Lektor in Konstanz 100* — 101*
III. Das Büchlein der ewigen Weisheit, Ilorologium
Sapientiae nnd Minnebüchlein 101* — 111
IV. Seuses Leiden und Heimsuchungen. Seine seel-
sorgerliche Tätigkeit 111*— 117*
V. Seuses Briefe und Predigten 117*— 122*
VI. Verkehr mit anderen Mystikern. Elsbeth Stagel . 123* -127*
Vn. Die Jahre des Exils (1339—46). Seuse als Prior . 127*-130
*
*
V. SfMise in Ulm (ca. VUH—imi)^ soin Tod nnd Nachruhm.
Übersetzungen und Ausgaben seiner Werke 130*— 163
I. Seuses Wirksamkeit iu Ulm 130*— 132*
II. Redaktion des Exemplars 132*— 136*
III. Seuses Tod und Nachnihm. Ikonographisches . . 136* — 140*
IV. Charakteristik von Seuses Person und Werken. Seine
Lehre 141*— 150*
V. Nachwirkung Seuses in der Literatur 150* — 156*
VI. Übersetzungen und Ausgal)en von Seuses Werken . 157*— 163*
Text 1—554
Erste Abtellans:. Menses Exemplar 1—401
Prolog 3-6
Erste» Bach. S^enses Leben 7—195
Erster Teil 7—95
Prolog 7 — 8
I. Kap. Von den vorstriten eins anvahendeu menschen . 8-10
II. Kap. Von dem übernatürlichen abzug, der im do ward 10—11
III. Kap. Wie er kam in die geistlichen gemahelschaft der
ewigen wisheit 11—15
IV. Kap. Wie er den namen Jesus uf sin herz zeichen te 15 — 17
V. Kap. Von dem vorspil gbtliches trostes, mit dem got
etlichü anvahendü menschen reizzet . . . 17 — 22
VI. Kap. Von etlichen Visionen 22—24
VII. Kap. In weler Ordnung er ze tisch gie 24—25
VIII. Kap. Wie er begie daz ingend jor 26—27
IX. Kap. Von den Worten Sursum corda 27 — 29
X. Kap. Wie er begie die liehtmiss 29-30
XI. Kap. Wie er begie die vasnaht 30 -32
XI r. Kap. Wie er begie den meigen 32—33
Xin. Kap. Von dt'Ui eilenden krnzgang, den er mit Cristus
nam. do man in us forte in den tod . . . 34-37
XIV. Kaj). Von der nüzzen tugende. du da heiss^tet swigen 37—38
X\'. Kap. Von kestgung des libes 39-40
Inhalt. XI
Seite
XVI. Kap. Von dem scharpt'en kn'iz, daz er trug uf einem
nifirgen 41 — 44
XVII. Kap. Von sinem gelig^er 44—46
XVIII. Kap. Von dem abbrechene des tränke« 46— 5H
XIX. Kap. Wie er ward gewiset in die vernünftigen schule
zu der kunst rechter gelassenheit .... 53—64
XX. Kap. Von wetöndem undorgene 55—61
XXI. Kap. Von inrlichem liden 61 — 6J^
XXII. Kap. Von dem usker uf sines nehsten heilsamen be-
hulfenheit 63—65
XXUI. Kap. Von menigvaltigem lidene 66 — 70
XXIV. Kap. Von grossem lidenne, daz imc zft viel von siner
liplichen swoster 70 — 74
XXV. Kap. Von swerem lidene, daz im einest zu viel von
eim sinem gesellen 74—78
XXVI. Kap. Von dem morder 78—81
XXMI. Kap. Von wassernot 81—82
XXVIII. Kap. Von einem ruwlin, daz im got einest Hess werden 82 — 8S
XXIX. Kap. Von einer minneklichen rechnung, die er einest
mit got hate 84—86
XXX. Kap. Wie er von lidenne eins males kam uf den tod 87 — 90
XXXI. Kap. Wie ein mensch sin liden in lobricher wise sol
got wider uf tragen 90—92
XXXn. Kap. Wa mite got ergezzet in der zit einen lidenden
menschen sines lidens 93 — 95
Zweiter Teil 96—195
XXXIII. Kap. Von dez dieners geischlichon tohter .... 96—99
XXXIV. Kap. Von dem ersten begin eins anvahenden menschen 99—102
XXXV. Kap. Von den ersten bilden und lere eins anvahenden
menschen, und wie sin ubunge son sin mit
bescheidenheit 103—109
XXXVI. Kap. Von kintlichem andaht eins jungen anvahenden
menschen 109 — 114
XXXVII. Kap. Wie er npign menschen zu gote zoh und lidendü
menschen tröste 114 — 117
XXXVIII. Kap. Von einem vil jemerlichen lidene, daz im hier
inne begegente 117—130
XXXIX. Kap. Von inrem lidenne 130-132
XL. Kap. Welü liden sien dem menschen aller nüzest
und got aller loblichest 132—135
XLI. Kap. Wie er etlichü minnendü herzen von zitlicher
minne zu gotlicher minne zoch 135 — 141
XLII. Kap. Von etlichen lidenden menschen, du mit sunder-
licher trüw dem diener zu gehorten . . . 142—144
XLni. Kap. Wie im Christus vor erschein in eins Serafins
bildi^ und in lerte liden 144—149
XII Inhalt.
Seite
XLIV. Kap. Wie vestklich der muss striten, dem der geisch-
lich pris sol werden 149—153
XLV. Kap. Von dem minneklichen namen Jesus .... 163—155
XLVI. Kap. Gate underschaid enzwfischen warer und falscher
vernünftkait in etlichen menschen .... 155—158
XLVn. Kap. Underscheid enzwischen ordenlicher und floieren-
der vernünftikeit 15b — 160
XLVIll. Kap. Güter underscheid under warer und falscher
gelassenheit 160—163
IL. Kap. Ein vernünftiges inleit^n dez ussren menschen
zu siner inrekeit 163—170
L. Kap. Von den hohen fragen, die du wolgeuptü tohter
fragte iren geischlichen vat«r 170 — 176
LI. Kap. Ein usrihtunge, wa got ist und wie got ist . 176 — 184
LII. Kap. Von dem aller hohsten üherflug eins gelepteu
vernunftigen gerautes 184 — 100
Lin. Kap. Diss bfiches meinunge ein beschliessen mit
kurzen einvaltigen worten 190 — 195
Zweites Buelt. Bfichlein der Ewl|B:eii Weisheit . 196-325
Prolog 196—200
Erster Teil 200—278
I. Kap. Wie etlichü menschen von got unwissentlich
werdent gezogen 200—204
II. Kap. Wie es vor dem krüzgenne ergie 204 — 207
III. Kap. Wie es an dem kniz umh in stund nah dem
ussren menschen 207—209
rv. Kap. Wie reht getrüwlich sin liden waz .... 209—210
V. Kap. Wie du sele under dem krüz kunt ze einem
herzklichen rüwenne und ze einem milten
vergebenne 211 — 216
VI. Kap. Wie betrogen der weit minne ist und wie min-
neklich aber got ist 216—223
VIT. Kap. Wie minnekliche got ist 223—229
VIII. Kap. Ein usrihtunge drier dinge, du einem minner
aller meist mohrin an got widerstan. Daz
ein ist: wie er so zornlich mug geschinen
und doch so minnklich sin 229—230
IX. Kap. Daz ander: war umbe er sich sinen vninden
dik nah herzluste onzühet, und wa bi man
sin waren gegen wiirtkeit erkennet . . . 230—235
X.Kap. D.az drito: war umbe es got sinen vnuiden
als relit übel in zit gestattet 236 —237
XI. Kap. Von ienicr werendem we der helle .... 237 — 240
Inhalt. XIII
Seite
XIT. Kap. Von unmessiger vrode des himelrichs . . . 240 — 248
XIIT. Kap. Von nnmessiger edli zitliches lidennes . . . 248-254
XIV. Kap. Von unsäglicher guti der betrahtunge des got-
lichen lidens 254—259
XV. Kap. Von dem aiinnekosen, daz du sei mit got hate
gehebt unter dem krüze, keret si sich wider
zu sinem lidenue 259 — 262
XVI. Kap. Von dem wirdigen lobe der reinen künigen von
himelrich 262—268
XVII. Kap. Von ire unsäglichem herzleide 268-271
XVni. Kap. Wie es ze der stund nah dem inren menschen
umb in stund 272—274
XIX. Kap. Von der ablosunge 275—277
XX. Kap. Von der jemerlichen schidunge von dem grabe 277—278
Zweiter Teil 278—314
XXI. Kap. Wie mau sol lernen sterben und wie ein un-
bereiter tot geschaffen ist 278—287
XXII. Kap. Wie man inrlich leben sol 288—290
XXIIT. Kap. Wie man got minneklich enpfahen sol . . . 290—303
Gebet 303
XXIV. Kap. Wie man got grundlosklich alle stunde loben sol 304 — 314
Dritter Teil. Die tinndert Betrachtnngen nnd Begehrnngen 314 — 322
Epilog 322-324
Register 324—325
Drittes Buch. Biiehleln der Wahrheit 326—359
Prolog 326—328
I. Kap. Wie ein gelazener mensche beginnet und endet
iu einikcit« 328-329
II. Kap. Ob in der hohsten einikeit kein anderheit muge
bestan 329—331
III. Kap. Wie sich der mensche und alle kreaturen ewklich
haben gehalten, und von irera gewordenlichen
usbruche 331—332^
IV. Kap. Von dem waren inkere, den ein gelazsener
mensche durch den einbornen sun nemen sol 333 — 338
V. Kap. Von den hohen und nützen fragen, die ime du
warheit lies werden von der glichnüsse eins
gelassen menschen 338—352
VI. Kap. Uff welen puncten dien menschen gebristet, die
valsche friheit furent 352—357
VII. Kap. Wie adellichen sich haltet ein reht gelazsener
mensch in allen dingen 357 — 369
XIV Inhalt.
Seite
Tiertes Buch. Brief bfiehlein 360—393
l»rolo«r 3i)U
I. Brief. Von eins anvahenden menschen ledigen vonker
von der weit zft got. Heg^num mundi et omnem
ornatuni saeculi contempsi propter amorem do-
mini mei Jesu Cristi 360- 863
IL Brief. Von einem demutigen undergang eins gotlichen
mensclien. Habitabit lupus cum agno . . . 363 — 367
TIT. P»rief. Wie sich ein mensch sol geben willeklich in liden
nach dem bilde Cristi. Eisbeten der Staglin
ze Tozz. Xigra sum sed formosa .... 367— 36H
IV. Brief. Wie ein ungclebter mensch sich zm im selber
allein sol keren und endru menschen unberichtet
sol lassen. Quomodo potest caecus ducere? . 369— 37'J
V.Brief. Von jubilierender frode. die die cngel und
engelschlichü menschen enpfahent, so sich ein
Sünder bekeret. Exultet iam angelica turba
coelorum 373-378
VI. Brief. Wie sich ein mensch sol halten uuerschrokenlich,
so es gat an ein sterben. Absalon, tili mi, quis
mihi det, ut ego moriar pro te? 37«— 3«!
Vn. Brief. Wie sich ein mensch in ustragenden emptern
sul halten. C'ristus factus est pro nobis obediens
usque ad mortem 381—383
VIII. Brief. Wie sich ein gotlicher mensch in gotlicher suzze-
keit sol haben. Elsbeth Staglin. Annunciate
dilecto, quia amore langueo 384—386
IX. Brief. Wie ein mensch ze rüwe sines herzen in got
sül kommen. In omnibus reqnicm quaesivi . 387 — 389
X. Brief. Von etlichen stuken, die ze volkomenheit horent.
Estot« perfecti 389—391
Xf. Brief. Wie sich ein mensch zii dem gotlichen namen
Jesus sol andehtklich halten. Pone me ut
signaculum super cor tuum! 391—393
Zusäl/e zum Briefbiichlein : Erzählung: von der Verehrung
des Xamens Jesu, Morgengruss und Sprüche . . 393—401
yi weite Abteilung:. Die nicht in das Exemplar anf-
{Cenommenen deutschen Schriften Seases 403—554
I. Das i^rosse II rief buch 405—494
VvoWj: 405—406
1. Brief. Urx L)avi<l senuerat 406-410
II. Brief. Kegnum mundi et omnem ornalum saeculi con-
lempsi propter amorem domini mei Jesu Cristi 410—417
Inhalt. XV
Seite
III. Brief. Surrexi, ut aperirem dilecto meo 417—419
IV. Brief. Habitabit lupus cum agno 420—423
V. Brief. Sonet vox tua in auribus meis, vox enim tua
dulcis et facien tua decora '. 423—425
VI. Brief. Vineae florentes odorem dederunt, et vox tur-
turis audita est in terra nostra 425—427
YII. Brief. Trahe me, post te curremus in odore ung^eu-
torum tuorum! 427- 429
\TII. Brief. Gustate et videte, quoniam suavis est dominus 429—432
IX. Brief. Quam dilecta tabernacula tua domine virtutum! 432—434
X. Brief. Revertere, revertere Sunamitis, revertere, rever-
tere, ut intueamur te! 434 — 487
XL Brief. Audi, fili mi, disciplinam patris tui! . . . . 437—439
XII. Brief. Xijgfra sum, sed formosa, filiae Jerusalem, sicut
tabernacula Cedar, sicut pellis Salomonis . . 439- 444
Xni. Brief. Absalon, fili mi, fili mi Absalou, quis mihi det,
ut ego moriar pro te? 444—446
XIV. Brief. Exultet iam angelica turba celorum! .... 446—451
XV. Brief. Surge aquilo et veni auster, perfla hortum meum,
et fluant aromata illius! 451—454
XVI. Brief. In exitu Israhel de Egypto etc 454 — 457
XVII. Brief. Quomodo potest cecus cecum ducere? . . . 457-460
XVIII. Brief. Nemo potest duobus dominis servire .... 461
XIX. Brief. Christus factus est pro nobis obediens usque ad
mortem .• 462—465
XX. Brief. Annunciate dilecto, quia amore laugueo . . . 466—468
XXI. Brief. In omnibus requiem quesivi 4G8— 470
XXII. Brief. Estote perfecti ! 471—472
XXIII. Brief. Exivi a patre et veni in munduiu ; itenim relinquo
mundum et vado ad patrem 472 — 475
XXIV. Brief. Xos autem revelata facie gloriam domini spe-
culant^s in eandem imaginem transformamur a
claritate in claritatem, tamquam a domini spiritu 475 — 477
XXV. Brief. Mihi autem adhaerere deo bonum est ... 477 — 479
XXVI. Brief. Pone me ut signaculum super cor tuum! . . 479—480
XXVII. Brief. Cum essem parvulus, loquebar ut parvulus . . 480—485
XXVm. Brief.*) Testament der Minne oder Minnere^el . . . 486—494
II. PredliB^ten 495- 536
I. Predigt. Lectulus noster floridus 495 —508
II. Predigt.*) Miserunt Judaei ab Jerosolymis sacerdotes
et levitas ad Johannem, ut interrogarent
eum: Tu quis es? 509—518
*) Der Asterisk bedeutet, dass die Echthoit des betreffenden Stückes
zweifelhaft ist.
XVI Inhalt.
Si-ite
ITI. Predijj:t.*) Exivi a patre et vciii in munduin , iterum
reliuquo muudum 518—528
IV. Predig. Iteruiu relinquo mundura et vado ad patrem 529—53(5
III. Das aiinnebfichleiii*) 537-554
I.Kapitel 537-54;i
II. Kapitel 544-547
III. Kapitel 548—554
Berichtig:ungen und Nachträge 555 — 558
Glossar 659-H28
Verzeichnis der Bilder.
1. Zur Tita.
Abb. 1 (Erklärung: S. 3) 2
Abb. 2 (Erklärung S. 20) 19
Abb. 3 (Erklärung S. 51) 52
Abb. 4 (Erklärung S. 65) 65
Abb. 5 (Erklärung S. 130) 129
Abb. 6 (Erklärung S. 140.) 141
Abb. 7 (Erklärung S. 148) 147
Abb. 8 (Erklärung S. 152) 160
Abb. 9 (Erklärung S. 152) 151
Abb. 10 (Erkläning S. 155) 154
Abb. 11 rErklärung S. 195) 195
2. Zum Büchlein der Ewigen Weisheit.
Abb. 12 (Erklärung S. 253) 255
*} Der Asterisk be b'utet , dass die Echtheit des l)etreffenden Stückes
zweifelhaft ist.
Verzeiclmis der Abkttrznngeii.
Vita = Leben Seuses.
Bdew = Büchlein der ewigen Weisheit.
Bdw = Büchlein der Wahrheit.
,r. x^^ f = Kleines Briefbüchlein.
KI Bfh j
Gr Bfb = Grosses Brief buch.
Minneb. = Minnebüchlein.
Hör. = Horoiogium Sapientiae.
DW = Deutsches Wörterbuch.
H8(s). = Handschrift(en).
Jh. = Jahrhundert.
ÜB = Urkundenbuch.
Archiv oder ALKGM = Archiv für Literatur- und Kirchengeschicht« des Mittel-
alters.
Byga = Buch von geistlicher Armut, hrsg. von Denifle 1877.
Den. = Denifles Seuseausgabe (1880).
Diep. = Diepenbrocks Senseausgabe (*1884).
Eckhart = Pfeiffer, Deutsche Mystiker des 14. Jh. II Meister Eckhart (18Ö7).
Greith = C. Greith, Die deutsche Mystik im Predigerorden (1861).
Lexer = M. Lex er, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, 3 Bde (1872/78).
3I0PH = Monuraenta Ordinis Praedicatorum Historica ed. Reichert (1895 ff.).
Preger I— TU = W. Preger, Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter,
3 Bde (1874/93).
Preger Briefe = Die Briefe H. Snsos hrsg. von Preger (1867).
Preger Vorarbeiten = Preger, Vorarbeiten zu einer Geschichte der deutschen
Mystik, Zeitschrift für bist. Theologie 1869, Iff.
Seeberg = R. Seeberg, Ein Kampf um jenseitiges Leben. Lebensbild eines
mittelalterlichen Frommen (H. Seuse) 1889.
Strauch, Ad. Langmann = Die Offenbanmgen der Ad. L, hrsg. von Strauch,
QF 26 (1878).
Strauch, Marg. Ebner = Strauch, M. E. und Heinrich von Nördlingen (1882).
Thiriot = Oeuvres mystiques du bienh. H. Suso, trad. par Th. T (1899).
Vetter == Th. Vetter, Ein Mystikerpaar des 14. Jh. (H. Seuse und E. Stagel) 1882.
Zfda = Zeitschrift für deutsches Altertum.
Afda = Anzeiger der Zeitachr. f. dtsch. A.
Zfdph = Zeitschrift für deutsche Philologie.
Einleitung.
»» ^9^ *•
U. Scuae, T)«iit«obe äobriftcn.
Erster Teil.
Die Oberliefening<
A. Die einzelnen Handschriften.
Die deutschen Schriften Seuses sind in sehr zahlreichen und
weit zerstreuten Handschriften überliefert Soweit sich ihre Pro-
venienz feststellen kisst, stammen die meisten derselben aus Nonnen-
klöstern, besonders des Dominikanerordens, in Süddeutschland (Elsass,
Baden, Württetnberg, Bayern) und der Schweiz, doch nicht wenige
auch aus Mittel- und Niederdeutschland; na>ch dem Osten (Osterreich)
scheinen Seuses Werke weniger gedrungen zu sein. Insbesondere das
Bdew ist im 14. und 15. Jh. so häufig abgeschrieben worden, dass
wohl fast jede grössere Bibliothek in Deutschland und in der Schweiz
eines oder mehrere Exemplare davon enthält. Es kann sich daher
hier weder bei der Aufzählung noch bei der Benützung der Hand-
schriften um absolute Vollständigkeit handeln; fiamentlich aus Privat-
biblioiheken wird noch dies und jenes Manuskript nachgetragen werden
können. Möglichste Läckenlosigkeit ist jedoch angestrebt bei den
Bilderhandschriften des sog. Exemplars (d. h. des von Seuse selbst
redigierten Sammelwerks, seine der Hauptschriften: Vita, Bdew,
Bdw und Kl Bfb umfassend), beim Leben Seuses und beim Gr Bfb.
Die in dieser Ausgabe benützten Handschriften sind mit fettgedruckter
Chiffre bezeichnet; von den übrigen sind die meisten wenigstens ein-
gesehen worden. Bei der grossen Zahl der zu erwähnenden Manu-
skripte musste die Beschreibung so knapp als möglich gehalten werden.
I. Handsehrlften des Exemplars.
A = Berlin, Kgl. Bibliothek Ms. germ. quarto 840 (acc. 9493),
Perg. 160 Bl. (die Bl. 84 — 87 sind an falscher Stelle gebunden,
sie gehören zwischen 68 iiml 69) 170 x 215 mm, Lagen von ge-
4* ßinleitnng. 1. Die Überlieferung.
wohnlich 12 BL, durchschnittlich 33 Zeiloi auf einer Seite, von
ei7ier, sich aber nicht immer ganz gleichbleibenden Hand in der
zweite7i Hälfte des 14. Jh. sorgfaltig geschrieben. Dieselbe Hand
hat nachträglich Korrekturen vorgenommen, dann und ivann, aber
seltener, auch eine zweite, spätere Hand. Dialekt aletnannischy wohl
nur ganz leicht vom dsässischen beeinflusst. Inhalt: das Exemplar
vollständig mit Prolog, Bildern und einigen gemalten Initialen (über
die bildliche Ausstattung sielte genaueres unter C). Die Kapitels-
überschriften und Anfangsbuchstabeti sind rot. BL 1 ^ oben am Rande
steht von alter Hand (rot): Pater noster et Ave Maria^ darunter:
Gelobt vnd gebenediet sy der werde namen ynsers berren iesn xpi
vnd der hob gelobten juncfrouwe Marien siner mflter eweclicben
an ende Amen. Darauf von jüngerer Hand (15. Jh., teilweise ver-
wischt): lESUS MARIA zarter minneclicber berre vnd frunt . . . bertzen
Amen. Darunter schwarz (14. Jh.): XI bilde. Am Schlüsse Bl. 160''
steht (rot): Explicit. Finis adest vere scbriptor wult precium babere.
Die für die Seuseforschung äusserst wichtige Hs. — sie ist die
älteste und beste Hs. des Exemplars und daher dieser Ausgabe zu-
grunde gelegt — hat merkwürdige Schicksale erlebt. Sie stammt aus
d'Cr Bibliothek des Johanniterhauses zum Grünen Wörth in Strass-
bürg, wurde, wie ihr Zustand zeigt, von den dortigen mystisch ge-
stimmten Kreisen viel gelesen und kam bei der Aufhebung des
Klosters mit anderen wertvollen Hss. jener Sammlung ^) in die Strass-
burger Stadtbibliothek, wo sie wie vorher die Signatur B 139 trug.
Hier umrde die Hs. von K. S chmidt zu eitlem Aufsatz über Sense
in Theol. Studien und Kritiken 1843, 835 ff., der auch manche
Auszüge daraus gibt, benutzt^ ferner in den vierziger Jahren des
19. Jh. von dem bekannten Gei'manisten Franz Pfeiffer, der eine
Ausgabe Semes projektierte^), in ziemlich mangelhafter und ungenaue^'
Weise teils abgeschrieben^), teils kollationiert. Pfeiffers Manu-
^) Vgl. darüber J, J. Witter^ Catalogua Cod. Mas. in bibUotheca sacri
ordinis Hierosolymitani Argentorati aaservatorum , Straaahurg 1746 (unsere
Seusehs. S. 19 unter B 139, doch fälschlich als Papierhs. bezeichnet) : J. Rath-
geber, Die hal. Schätze der früheren Strassb. Stadtbibliothek 1876 j 41 ff.;
C. Schmidt f Zur Geach, der ältesten Bibliotheken zu Strassburg 1S82, 15 f.
K. nieder j Der Gottesfreund vom Oberland 1905, 256 ff.
*) Über diese seine Pläne vgl. K. Bartsch in seiner Biographie Pfeiffers
in ^Briefwechsel ßwischen Jos. ?'on Laasberg u. L, U bland* hrsg. von F. Pfeiffer
1870, XXX f., XL VII.
') Ein Teil der Abschrift ist allerdings nicht von Pfeiffer selbst, sondern
von unbekannter Hand,
Die eine^en EaDdMduifteB.
5«
skriple ') l.-<nnm wich seium Tode ff 29. Mm 1808) in die Iloßihliothek
zu Wifn (=Suppl.. 2778 [N. S. 308 j enthaltmd Vila% Bdw,
Kl Bfh, und Suirpl. 3779 [Nr. 15379; vgl. Tabuloe codd. VIII,
löö f.] enthnltend Bdew, Gr Bfb f». »nicr VI], Prediyi I wtd IV
[f. tintfr VII], und einige Stücke von Eckhart nach Abschrift von
J, Hntipt), ICO sie nuch Dtnißi- für seine Ausgabe heniitzte. Die
Stroashurgcr Hx. selbst galt als verloren, da am 24. August 1870
bei der Belagerung die Stadtbibliothek in Brand geschossen und zer-
niSrl tvurd^. Gross icar daher die Überraschung, als Schreiber dieses
im September 1903 dos verlorene Manuskript in Berlin wieder ent-
deckte. Eingezogenen Erkundigungen zufolge ist es im Srptember
18(i8 aitn dem Navhlasn Pfeifers käuflich erworben worden. Es
liegt die Vermutung nahe, dass der Gelehrte die Hs. zur Benützung
entliehe» halte, Jedoch starb, ehe er sie zurückgeben konnte, und dass
Äi'e darauf als sein Eigentum angesehen und rerkattft ipurde; das»
man in Strasaburg den Verlust nickt bemerkte, ist zwar auffallend,
über dem Krieg konnte die Sache aber wohl in Vergessenheit geraten.
Ein Ziceifel an der Identität der Hs. kann nicht bestehen: nicht
nur ist die alte Signatur B 139 auf dem Bücken des Einbandes
»och deutlich sichtbar, sie stimmt auch aufs genaueste mit den
Exzerpten Schmidts uiul den Abschriften Pfeiffers. Habent sua
fatn If belli!
K = Eiiisiedelit, Slißsfnbliolhek Hs. Nr. 710, Pa,,.9+233
,.on alter Hund numerierte Bl. fol. (208 y< 303 mm), doppetspalHg
in der zweiten ') Hälfie des 15. Jh. sehr sckün geschrieben, reich
mit Miniaturen ausgestattet fs, unter C). Sprache: alemannisch-
achwäHsch. Inhalt: Bl. 5"'~-7"' Register; Bl. I—XXI (alte Be-
zifferung) Gedickt voit Christus und der minnenden Seele (mit
Bildern), das sich auch in der Donaueschinger Hs. Nr. 106 Bl. 1 — 40,
') Ül>»r seinen bis ifUt ganz ungtnügmid ausgmütztoi und besc/iriebentn,
für du GtsckiehCr drr drutsehen Mystik irerlvollen Nachltum vgl. jrltl Otto
Simon, Übtrtiffrrung und /iandschriflenverhältiiln dts Traktates ,,Sehii>i3ter
Katrei', IHss. Hallt 1906. H f.
') Dir tfgtK Hälftt derselben ist nach der Stuttgarter He. Cod. aseit. lö,
freUieh nicht »eilen nachlä»»ig abge^chnrben and noch der Straagburger Hs.
luitlationieit, was Dtniflt XX,e3T und Z/da XXI, IST nicht erkannt hat, in drr
neeifm Uälftt igt nw das Slratsb. Manuskript kopiert.
•) Dmifle XXVIII tedst die Hl. dem Anfang der 15. Jh. lu, ab"- die
CON dtrstlbm Hand geschriebene Einsiedler Hs. 2fr. ä63 ist im Jahr« 1482
vollendet (vgl. Caialogus Codd. mss. in >'ihl. Monast. Einetedl. descript. a. P.
a.Utier I [waaj seo).
6* Einleitung. I. Die Überlieferung.
zu Karlsruhe, Cod. St. Georg. Pap. Germ, 91 Bl. 1 — 80 (ebenfalls mit
Bädern), und Überlingen, Hs. Nr. 22 (=U) Bl. 3-20 findet');
BL XXIII^—CLXXXIIII'^ das Exemplar vollständig mit Prolog;
von da bis Schluss Bl, CCXXIX kleinere asketische und mystische
Stücke (vom christlichen Lehen, von einem geistlichen Kloster nach
St. Bernhard, Bruderschaft der etvigen Weisheit im Auszug
[Bl. CCII—CCIII], von voUkommetier Demut, von den Graden und
Staffeln der Geduld, von einem anfangenden, zunehmetiden und voll-
kommenen Lehen u. a.). Die Hs. stammt laut altem Eintrag Bl. 4**
aus dem Dominikanerimienkloster St. Peter zu Konstanz; ein
Vergleich mit Hs. Nr. 283 und 752 ^) legt die Vennutung nahe, dass
sie wie diese von dem reichen und angesehenen Patriziergeschlecht
der Ehinger — ihr Wappen findet sich in cUlen drei Hss. — dort-
hin geschenkt wurde. Auszüge aus den vier Schriften des Exemplars
nach K bei F. Vetter, Lehrhafte Literatur des 14. und 15. Jh.,
2. Teil: Geistliches (=^ Kürschners Deutsche Nationalliteratur XII,
2 [1889]) 109—247.
R = Hs. der Domkapitelsbibliothek in Breslau, ohne Signatur,
Pap. 293 Bl. fol. (220 x 320 mm), mit Bildern, am Ende des
15. Jh. von Schwester Katharina Menttellwergerin (Bl. 220**) ziem-
lich flüchtig geschrieben. Dialekt: bayerisch. Die Hs. stammt aus
dem Dominikanerinnenkloster zum hl. Kreuz in liegen sburg, und
wurde von Kardinal Diepenbrock der Bibliothek des Domkapitels in
Breslau vermacht. Inkalt: Bl. 1*^ — 244*"^ das Exemplar vollständig^)
mit Prolog (vom Bdw fehlen aber die Kap. 3, 4, 6, 7, vom Kl Bfb
Brief 6 und 7); Bl. 244^^—79** 23 Briefe des Gr Bfb (s. unter
VI); Bl. 279 -^-'82^ Zusatz zum Bfb (393,8—96,5); Bl. 282^^^-93'^
Bruderschaft der ewigen Weisheit.
W=: Wolfenbüttel, Herzogl. Bibliothek Cod. 78. 5. Aug.
fol., Pap. 322 BL, im 15. Jh. (Bd. 322^:1473) in bayerischem
Dialekt von mehreren Händen geschrieben und mit Miniaturen aus-
gestattet. Die Hs. stammt vermutlich aus einem Nürnberger Kloster
und enthält das ganze Exemylar mit Register, Prolog utui den Nach-
trägen zum Bfb, die Bruderschaft der emgen Weisheit und das
*) Ein Brucfietück ist in Man es Anzeiger VIII (1839) 334 ff. abgedruckt,
die Anfange und Überschriften ans U bei F. Vetter, Das Leben der Schwestern
SU Töss 1906, X f. Beschreibung bei A. Peltser, Deutsche Mystik und
deutsche Kunst (Studien sur deutschen Kunstgeschichte H, 21) 1899, 181 f.
*) Beschreibung dieser Hs. bei Simon a. a, 0. 31 ff.
^ Denifles Angabe XXVIII f. dass das Bdew fehle, ist unrichtig.
^etüiSIfleii
Neittij'el:<enbu<:h Mersu'im '). liesc/ireibuni/ in 0. ruit Hviuemün» s
Kntaloij 2. Aht. IV (liim) 7.
f = //(.-. der Freiburger Üittveraitätsbibliothek Nr. 453,
P,tp. 213 Bt. fol. (220 X 2.90 mm) 15. Jh. (BL 212'^ : 1440), in
nlemannisch-schwäbischem Dialekt, das Exemplnr eollsiändig mit Re-
tfisttr, VoiTede, Nachträgen und dir Bruderschaft der eu: Weiak.
tnthallend; frühtr im Besitz des Frauziskam-r-Tertiarierinnmklosters
zu Imigkofen bei Sigmarin<jen, dann des Professors F. K. Gries-
hnber. noch dessen Tod (1866) die Hs. nach Frabviy gelangte.
H — Hs. der Stadtbibliothek in Nürnberg (knU VII, 90,
Pap. 173 Bl. 4" {150x210 mm) vom 15. Jh., in bagenscher
Mnndiirt; sehr fehlerhaft und ohne Verständnis tjeschrieben, früher
dem Dominihiner Konrad Förster von Ansbach zu Nürnberg ge-
hürig. Enthält Bl. 3—66 Bdew ooUständig ; Bl. 67—123 Vita bis
Schluss von Kap. 44, teils stark gekürzt, teils mit Auslmmng einzelner
Kapitel (z. B. 6, 30, 33, 34, 37 usw.), wofür dann andere ah-
ijeteilt und mit neuen Überschriften versehen werden'); Bl. 124 — 3!)
Bdir; Bl. 14i> — 73 25 Briefe, eine Kompilation aus Briefen des
Kl (11 Nr.) und Gr Bfb (14 resp. 15 Nr.) mit den Nachträgen
;«»( A7 Bfb. Vgl. die Tabelle zu VI.
m = fis. der Münchner Staatsbibliothek Cgm 819, Pap.
246 Bl. 8", 15. Jh., in bagerischem Dialekt. Der hüinlt ist, von
dem fehlenden Bdew abgesehen, genau derselbe wie in N mit allen
charakteristischen Eigenheiten und Abweichungen, besonders in der
Vita und im Briefbuch; man ist zur Annahme genötigt, das.i ent-
weder beide Hss. eine getneinsame Vorlage hatten, oder dass eine von
der anderen direkt abhängt (wahrscheinlich m von N). Beschreifiung
der Hs. in Sihmellers Katalog 139. Das Briefbuch der lls. m hat
\V. Preger 1867 unter detn Titel: „Die Briefe Heinrich Susos
>Mch einer Handschrift des XV. Jahrhunderts'^ ediert in der irr-
tümlichen Meinung, darin das endgültige, von Seuse redigierte Brief-
buch geftitiden zu haben (weiteres unter B).
B' = Hs. der Kgl. Bibliothek in Berlin, Ms. germ. fol. 658,
Pap. 2H2 BL, 15. Jh. (zweite Hälfte), in bagerischem Dialekt, mit
Bildern, aus dem Dominikanerinnenkloster Altenhohcnau bei Wasser-
burg in Oberbayern, dann im Besitze Meusebaehs. Besteht aus zwei
') Cbir diteta vgl. Strauch %i, Zfi^h 1902, 338.
*) I}tr Schreiber btgründft sein Verfahren ntn Schluss lies Prologs drr
Vila: doch hon ich daz peet dorami gele-icn in kortzen worteo, U'irf £/. 139":
pecoatum est fieri |>er pliira, qiind pntfRt fleri per imnciora.
8* Einleitung. I. Die Überlieferung.
1 eilen: 1. BL 1 — 85 Heiligenleben, Teil eines PassioncUs; 2, Bl.
1 — 147 Vita mit Prolog des Exemplars und Bdew, aber ohne die
100 Betrachtungen, Text spät und unzuverlässig,
P ^= PariSy Bibliothique nationale, Ms. alletn. 222, Pap. 313
Bl. 4^y 15, Jh., in alemannisch-elsässischem Dialekt, aus dem Do-
minikanerinnenkloster St. Nikolaus in undis zu Strassburg stammend.
Inhalt: Bl. I^—IOO'' Vita; Bl. lOO'^—lW KlBfb ohne Nr. 11
{Pone me); Bl. 118^ — 24^ die Bilder des Exemplars in sehr roher
Ausführmig mit den Sprüchen dazu. Über den weiteren Inhalt der
interessanten mystischen Sammelhs., auf die zuerst F. Vetter^)
aufmerksam gemacht hat, siehe die Beschreibung bei 0. Hu et,
Cataloque des mss. alletnands de la bibl. natiotiale, Paris 1895, 121 ;
vollständiger und genauer bei Simon (s. o. S. 5* A. 1) a. a. 0. 27 ff.
S = Cod. ascet. 15 der Kgl. Handbibliothek in Stuttgart,
jetzt {seit 1901) in der Kgl. Landesbibliothek, Pap. 233 Bl. 4^
(145x210 mm), von zwei Händen in der ersten Hälfte des 15. Jh.
schön geschrieben; alemannische Mundart. Inhalt: Bl. 1^ Sprüche
vom ersten Bilde; Bl. 2^—233^ Exemplar mit Prolog ohne Bdeiv.
Die Bilder fehlen, aber der Platz dafür ist freigelassen. Die Hs.
war früher im Besitz des Dominikanerinnenklosters Ötenbach bei
Zürich laut Notiz auf der Rückseite des vorderen Deckels von einer
Hand des 15. Jh.: Dis buch ist des conventz an ötenbach gentz
(^ gebet es) dur got wider ; später kam sie nach Weingarten (BL 1 **
oben: Monasterii Weingartensis 1674). Bl. 233 "" steht (rot): Ge-
denken t Jobannes geys (wohl Verunstaltung aus Seüs) durch got,
darunter: Gedenkent durch got Jungkher Diethelms von klingen von
dem band wir dis bfich.
S ^ = Cod. theol. et philos. fol. 281 der Kgl. Landesbibliothek
in Stuttgart, Pap. 228 BL 210x310 mm, alemannisch-schwäbi-
scher Dialekt, zweite Hälfte des 15. Jh. (BL 39'' : 1476, BL
228"-: 1475). Enthält BL 1^—39'' das Leben der seL Margareta
von Ungarn^), das sich auch in der St. Galler Hs. 603 (vgl.
Vetter, Viten von Tos VIII), in Cgm 750, in dei' Hs. der Nürn-
berger Stadtbibliothek Cent. VI, 53, und in U (s. S. 9* und
Vetter a. a. 0. XII) findet; BL 42*-— 220"^ Exemplar mit
^) Ein Mystikerpaar (s. S. 97) 57ßO Anm. 47 und 62.
*) Tochter König Belas /F, f 1271 als Dotninikanemonne. Ihre Vita
ist von dtm Dominikaner Garinus 1340 veiftust, von seinen Ordensgenossen
Jörg Valder und Konrad deutsch bearbeitet worden. Vgl. darüber Kaindl
im Archiv für Österreich. Gesch. 91 (1902) 53 ff.; Hist. Jahrbuch 1906, 110.
Die einseinen Handschriften. 9*
Register^ Prolog und Nachträgen zum Bfb, aber ohne Bdetv;
Bl. 220'' '-28'' Bruderschaft der ew. Weish. S^ ist mit f nahe
verwandt ufid hat dieselben zahlreichen Fehler; dem ersten Druck
von 1482 lag eine S^f 'ähnliche Hs. zugrunde (vgl, Denifle in
Zfda XIX, 350 ff.).
U = Hs. der Überlinger Stadtbibliothek Nr. 22, Pap. 321
BL Jol. (210x295 mm) in alemannisch-schwäbischer Mundart, aus
dem Dominikanerinnenkloster Zofingen zu Konstanz stammend, In-
halt: Bl. 3*" — 20 *" Gedicht von Christus und der minnenden Seele
(s. oben S, 6*); Bl. 20 "^ — 125'' Exemplar mit Prolog, doch ohne
Bdew'); Bl. 115 ''—25'' 14 Briefe des Gr Bfb (s. unter VI); über
den weiteren Inhalt der Hs. (Viten von Töss und Katharinental,
Leben der sei. Margareta von Ungarn und des hl. Ludwig, Traktat
von den 40 Myrrhenbüscheln) vgl. die Beschreibung bei Vetter
a. a. 0. X—XIII").
H. Handschriften der Tita.
Ausser den unter I aufgeführten Hss., welche sämtlich als
erstes Buch des Exemplars das Leben Seuses enthalten, sind folgende
noch besonders zu nennen, in welchen sich nur die Vita oder Bruch-
stücke derselben finden.
A ^ = Hs. der Universitätsbibliothek in Strassburg Lgerm. 75,
Pap. 142 Bl. 4^ (145x220 mm), 15. Jh., alemannisch-elsässische
Mundart, aus dem Dominikanerinnenkloster Unterlinden in Kolmar
stammend. Enthält Bl. 2*" — 4*' den Prolog des Exemplars, Bl. 4^
bis 142^ die Vita.
M = Hs. der Münchner Staatsbibliothek Cgm 362, Pap.
116 BL, von denen zwei an falscher Stelle (das 25. nach dem 35.,
das 36. nach dem 38.) stehen, 4^ (145x220 mm) vom Anfang des
15. Jh. oder vielleicht noch etwas früher, ziemlich flüchtig mit teil-
weise stark verblasster Tinte geschrieben, in alemannisch-schwäbischem
Dialekt; enthält die Vita in ganz eigener, von den übrigen Hss. ab-
^) Die Schreiberin begründet Bl. 90^ die Auslassung damit ^ dass das
Bdew „sonst als wohl und gut geschrieben^ in ihrem Kloster vorhanden sei.
In der Tat sind zwei Exemplare des Bächleins aus dem Zofinger Kloster noch
erfialten (s. unter III F^ und FV-
*) Die ebenfalls das Exemplar voraussetzende Kolmar er Hs. Nr. 266 (sie
führt das Bdw und Bfb als 3. und 4. Buch ein) wird unten unter IV auf-
geführt.
10* Einleitung. 1. Die Überlieferung.
weichender Rezension, worüber unter B atisführlich zu handeln ist.
BL 1 ** steht oben : assit principio sancta maria meo. Item der wnder
s^es; unten am Rande von späterer Hand: das bflch von dein diener
der ewigen wizhayt; BL TS"" unten (bei Kap. 38): ich han den
syssen lieb von hertzen. Vgl, auch die Beschreibung der Hs. durch
Strauch in Äfda IX (1883) 140.
Vollständig, aber in ziemlich verderbter Form enthalten den
Text der Vita auch Cgm 4374 Pap. i^ 15. Jh. Bl. 1—129 (vql
SchmeUers Katalog 449) und die 1596 geschriebene Hs. der Uni-
versitätsbibliothek in München Nr. 146.
Nur im Auszug von Kap. 1 — 44 und zwar ganz in der Re-
zension der oben angeführten Hss. N und m findet sich das Leben
Seuses in folgenden drei Hss. :
Ms. Theol. 123 der Göttinger Universitätsbibliothek, Pap.
167 Bl. 15. Jh. in mittelfränkischem Dialekt (vgl. W. Meyers
Katalog II, 363); Hs. dsr StadtbibliotJiek in Mainz, ohne Signatur,
Pap. 15.116. Jh., ebenfalls in mittelfränkischem Dialekt (Beschreibung
von F. W. E. Roth in Zfdph 26 [1894] 67 J.); Wien, Kaiserl.
Hofbibliothek Nr. 3022 Pap. 236 Bl. i^ 15. Jh., niederrheinisch
(den weiteren Inhalt der Hs. in Tabidae codd. If, 180 und bei
Hoff mann von Fallersleben, Verzeichnis d^tr altdeutschen Hss.
der Hof bibliothek zu Wien 1846, 346).
Eine Anzahl von Hss. ^) endlich enthalten Bruchstücke der
Vita: Berlin, Ms. germ. oct. 69 (s. unter VI) Bl. 135 — 49,
264—73: Kap. 49 und teilweise 50, 11, 12, 8; Göttingen, Ms.
Theol. 292 Bl. 55, 131—36 : Kap. 49 und teilweise 20 ( W. Meyer,
Katalog II, 472 ff.) \ Kolmar, Stadtbibliothek Nr. 268 Bl. 174—76:
Kap. 9 (vgl. Bartsch, Beiträge zur Quellenkunde der altdeutschen
Literatur 1886, 314): München, Cgm 455 Bl. 1—6; Cgm 456
Bl. 64—70 und Cgm 457 Bl. 318—23: Kap. 13; Cgm 531 fol.
Bl. 116—24: Kap. 1—9; Muri-Gries, Stiftsbibliothek Cod. 10.
157 Nr. 104, Pap. 16. /17. Jh., enthaltend Kap. 1—33 und im Aus-
zug 40—49; Stuttgart, Cod. theol. et phil. oct. 19 (vgl. unter VI)
Bl. 61—64: Sprüche aus Kap. 35; Cod. ascet. 203 Bl. 101,
176—82, 191 f.: Kap. 6, 49, 35.
Nach K. S chmt dts Angabe in Theol. Studien und Kritiken
1843, 865 Anm. befanden sich in der 1870 verbrannten Hs. der
S trass burger Stadtbibliothek B 146 Teile d^r Vita. Eine Hs.
0 Sömtlieh Pap. und wo nicht anders angesehen dem 16. Jh. angehörend.
Die einzelnen Uaudschriften. 11*
in Privatbesitz (ür. Karl Wichnann), Perg. und Pap. iö. Jh.
(1420), verzeichnet K. Roth, Deutsche Predigten des 12. und 13. Jh.
18S9, 3 Anm.
III. Handschriften des Bfichleins der ewigen Weisheit.
Die Zahl der Hss. des zweiten Buches Seuses ist Legion. Keine
detn Gebiet der deutschen Mystik angehorige Schrift wurde so oft
kopiert wui so viel gelesen. Bei diesem Buche ist man daher auch
in der glücklichen Lage, eine Anzahl alter Pergamenthss., die in
die Zeit Seuses selbst zurückgehen oder ihr wenigstens nahe stehen,
zur Verfügung zu haben. Von den unter I aufgeführten Hss. des
Exemplars ist das Bdew in A K R W f N B ^ enthalten, von
denen aber nur A ufid K zur Rezensierung des Textes verwendet
worden sind. Ausserdem sind zu nennen:
E^Hs. der Stiftsbibliothek zu Engelberg Nr. 141, Perg.
113 Bl. 4^ (118X165 mm), 14. Jh., alemannisclier Dialekt. Be-
schreibung bei B. G Ottwald, Cat^logus codd. mss. in bibl. monast.
Engelb. 1891, 144. Die Kapitelüberschriften und Initialen sind
rot ; die Hs. ist von einer alteren gleichzeitigen und eitier jüngeren
Hand des 15. Jh. nachkorrigiert worden, von lezterer ziemlich will-
kürlich. Leider fehlt etwa ein Drittel des Bdew : der 2. — 5. Sextern
ist vollständig verloren gegangen, von dem ersten sind nur zwei
BläUer übrig. Inc. Bl. V : enwoltest dv (202,12), Schlv^s Bl. 2":
kiÄcegen ergie (204,2); Bl. 3'" beginnt: gerent das dv Mmelichen
(240,26). Da^ Manuskript stammt aus dem Benediktinerinnen-
kloster St. Andreas zu Samen, das sich bis 1615 in Engelberg neben
dem dortigen Mönchskloster befand. Auf der letzten Seite stehen
von zwei verschiedenen Händen eine Reihe von Einträgen, von denen
die für die Geschichte der Hs. bedeutungsvollen aufgeführt seien:
Lieben geistlichen frowen gedenkent ouch min Jo. frikers des alten
Schribers von lucem der vch da half singen dur got. Datum circa
Verene (1. Sept.) Anno domini MCCCLXXVIIP. Weiter unten
von älterer Hand, welche mit der ersten korrigierenden identisch ist:
Gedenkent dvr got. S. (= Swester) Elyzabeten staglin ze töz in dem
kloster vnd ir vater Rfidolfes Margareten ir mfiter vnd drier ir
bräder . fridrihes . otten . vnd Rftdolfes. Gedenkent 5ch eines brüders
hies brüder iohans von Rauenspurg von dem man vch den mersten ^)
0 Goüwald a, a. 0. liest mensten, es hiess aber sicher mersten, woraus
eint spätere Hand meysten gemacht hat.
12* Einleitung. I. Die Überlieferung.
teil ED dis Buch gab. Am der letzteren Notiz geht hervor, dass die
Hs. aus dein üominikanerinnenhloster Töss stammt und in irgend-
welcher Beziehung zu Seuses geistlicher Freundin, Elsbeth Stagel,
die „mit solchem Fleisse und göttlichen Treuen beholfen war^% seine
Büchlein zu „vollbringen^*, d, h. abzuschreiben ( Vita 109, 6 f,),
gestanden hat, sei es nun, dass sie dieselbe selbst schrieb \), oder
wenigstens durchkorrigierte. Die Notiz über den „ Bruder*' d. h.
offenbar Dominikanermönch Johann von Ravensburg'^) will in ihrem
zweiten Teile wohl besagen, dass aus einer von diesem nach Töss
gemachten Stiftung die Kosten der Herstellung der Hs, zum grössten
Teil bestritten wurden. Später kam dieselbe in den Besitz des
Luzerner Stadtschreibers Johannes Fnker^), d-er sie 1378 nach
Engelberg schenkte. Als älteste aller Seusehss, hat sie auch jetzt noch
hohe Bedeutung,
E' = Hs. derselben Bibliothek Nr. 153, Perg. 147 Bl.
*) Dies ist Denifles Annahme (305 A. 1).
') Es lassen sich mehrere Johannes von Ravensburg nachweisen.
Der eine, Sohn des Schuhmachers Heinrich von Bavensburg, war Notar oder
Hofschreiber des Bischofs Nikolaus I von Konstanz (1334 — 44) , Laie, und starb
vor 1380 (vgU Regesta episeoporum Constantiensium II, 17 J, 193; Ph. R Up-
per i, Die Chroniken der Stadt Konstanz 1691, 45 ff.). Ein anderer, aus dem
Ravensburger Patrisiergeschlecht dei' Huntpis ( Uumpiss) stammend, Priester und
Choi'herr am Kollegiatstift Münster' (Beromünster im Kanton Luzern), ist ur-
kundlich zwischen 1340 und 1369 zu belegen (Geschichtsfreund XXXII, 160;
XXXIV, 352; X, 90; V, 199: dominus Joh. de R.; Reg. ep. Const. II, 333
n, 6767, vgl, n. 5994). Doch handelt es sich wahrscheinlich um keinen von
diesen beiden, da die Bezeichnung »Bruder^ doch wohl auf einen Mönch, d, h.
hier einen Dominikaner hinweist. Es ist daher wahrscheinlich Johann von
Ravensburg, staufischer Ministeriale und Herr zu Lmvental (bei Eriedrichshafen)
gemeint, der 1250 in das Dominikanerkloster Konstanz eintrat (Ereib. Diöz.
Archiv 1901, 31, 47 f.) und zwischefi 1250 und 1264 bei Rechtsgeschäften umr
liegender Nonnenklöster seines Ordens oft als Zeuge erscheint (Reg. ep. Const, I,
201 n. 1764: Wirt. Ürk.-Buch V, 181, 212, 215, 285, 298, 301, 360; VI, 132,
139; Zürch. Urk.-Buch III, 218, 246). Sein Name ist in dem Kalendarium
eines Dominikanerinnenkloster (in Konstanz oder Töss?) aus dem 14. Jh., in
der Einsiedler Hs. Nr. 623 Bl. 6^, am 20. Api'il eingetragen.
*) Joh. Eriker de Brugga (Brugg, Kanton Aargau) ist als noiarius von
Luzern öfters bezeugt ; er vereicfUele 1378 auf sein Amt, nachdem er es 17 Jahre
verwaltet und zog sich „in den Hof auf die Laienpf runde'* (wohl am Chor-
herrnstift zu Luzern) zurück, starb am 24. Eebruar unbekannten Jahres (Ge-
schichtsfreund II, 136; IV, 222; XXII, 154). Er schrieb auch die Engel-
berger IIs. Cod. memhr. 125 und schenkte sie 1380 dem Erauenkloster in
Engelberg (G otiwald, Catalogus 133 f.: If. Wacker na gel. Altdeutsche
Predigten und Gebete 1876, 290).
Die einzelnen Handschriften. 13*
(BL 101 fehlt) 8 ® (82x 120 mm) 14. Jh., zweispaltig schon ge-
schrieben in aletnannischem DicUekf, mit gefnaiten Initialen, ebenfalls
aus dem Frauenkloster Engelberg-Sarnen. Die Hs, ist vom Miniator
und ausserdem von einer späteren Hand durchkorrigiert worden. Der
Epilog (325, 18—28) fehlt. Vgl. auch Gottwald a, a. 0. 149.
¥ = Hs. der Freiburger Universitätsbibliothek Nr. 474, ,
Perg. 228 BL 8^ (77x120 mm), 14. Jh. alemannisch, aus Gries-
habers Vermächtnis. Zwischen 212 und 213 fehlt ein Blatt. Ent-
hält Bl. l'-—223'' Bdew; 223''— 28 "^ Gebete zu Maria, die aber
Seuses Stil nicht verraten, vgl. Denifle 500 A. 5. Die Hs. ist von
Franz Pfeiffer in Stuttgart 28. Dez. 1842—10. Jan. 1847 ab-
geschrieben und mit der Strassb. Hs. B 139 kollationiert worden;
die Kopie ist jetzt in Wien, Cod. Vindob. Suppl. 2779 Bl. 1—149
(s. oben S. 5*).
F* = Hs. des Erzbischöflichen Archivs in Freiburg i. B., ohne
Signatur, Pap. 136 Bl. 4 " (148 x 202 mm), Anfang des 15. Jh.,
alemannisch-schwäbisch, aus dem Dominikanerinnenkloster Zofingen
(s. oben S. 9* A. 1). Bl. 1^-^72*' Bdew ohne Vo'mahnmig an die
Abschreiber'; BL 72^ — 73*^ myst. Gedicht: von armfit des gaistes
(dasselbe bei Tauler 1543 f. 332% in Cgm 447 und 455, in Cod.
Berol. germ. quart. 191 Bl. 170—71); Bl. 75''—133'' myst. Trak-
tate (Inc.: Es ist ze wissent daz in der sei obrosten yernunft . .;
Bl. 83": von luterm leben; Bl. 90 ''—102'' deutsche Stücke unter
lateinischen Überschriften : de resurrectione materie hominis', de com-
positione hominis, virginitas, novitas vite usw.; Bl. 108^ Maister
Egghart sprach Cristus mag nit enpfangen werden in des men-
schen sei . . .)•
¥^ = Hs. desselben Archivs, ohne Signatur, Pap. 191 Bl. 8®
(100x148 mm), 15. Jh., alemannisch-schwäbisch, ohne den Epilog
an die Abschreiber, ebenfalls aus dem Zofinger Kloster.
H = Hs. der Universitätsbibliothek in Heidelberg, Cod. Pal.
germ. 446, Perg. 110 Bl. 4"" (130x170 mm), 14./ 15. Jh., ale-
mannisch-schwäbisch, geschrieben von Cfinrad von Wynsperg (Bl. IW).
Beschreibung in K. Bartschs Katalog 1887, 139.
Z = Hs. der Stadtbibliothek in Zürich C 172 (früher 726),
Perg. 146 Bl. 8^ (90>: 125 mm), 14. Jh.', alemannisch; drei
BläUer (zwischen 8 und 9, 19 und 20, 66 und 67) fehlen. Die
Hs. hat sehr guten Text und namentlich die Väterzitate am Bande
am vollständigsten, eine spätere Hand hat Korrekturen, die leicht er-
kennbar wid ohne besondere Bedeutung mid, angebracht. Auf der
14* Einleitung. I. Die Überlieferung.
Rückseite des vorderen Deckels steht: dls buch ist des conventen in
fittenbach. gebend es durch gott wider (vgl. oben S. 8*).
Zu den beachten^Hwerten alten Hss. des Bdew (sämtlich Perg.)
gehören ferner folgende: Aar au, Kantonsbibliothek B 98. 1. a
14. Jh., ohne die 100 Betrachtungen^ aus dem Frauenkloster Uennetsch-
loyl bei Muri; Maihingen, Fürstl. Ötfittgen-lVaüerstein. Biblio-
thek III 1. 8"" 1. 154 Bl. von 1408, aus dem Kloster Kirchheim
im Ries; München, Cgm 174, 124 BL, 14. Jh.; Wolfenbüttel
Cod. 67. 9. Aug., 184 Bl. 8" 14. Jh., Bl. 2^^130'' (ogl. v. Heine-
manns Katalog IX, 134); Zürich, Kantonsbibliothek Cod. 145^
131 Seiten 8^ 14. Jh. aus Kloster Rheinau, unvollständig (Kap. 1
bis 15 fehlen).
Die Papier hss. des Bdew aus dem 15. Jh., soweit bekannt,
seien summarisch aufgezählt: Berlin, Ms. germ. quarto 173 Bl.
2—148; 194 Bl. 3—105'); 1121 BL 1—121; 1135 Bl. 7—100
(aus dem Klosfei' Buxheim); oct. 379 (unvollständig). Angefügt
sei Ms. germ. fol. 1155 Bl. 1 — 71 aus dem 16. Jh. — Bern,
Stadtbibliothek (ogl. F. Vetter in Germania 1877, 357). — Breslau,
Universitätsbibliothek Ils. 1 8^ 27 ton 1402 (vgl. Anzeiger f. Kunde
der dtsch. Vorzeit I [1832] 282). — Eich statt, Seminars-
bibliothek (nach gütiger Mitteilwng von Prof. Dr. Schlecht in Freising).
— Einsiedeln Nr. 623 und 708 BL 122—64. — Engelberg
Cod. 340 (Gottwald a. a. 0. 240). — St. Florian, Stifts-
bibliothek Cod. XI. 276 Bl. 57—146 (vgl. Czernys Katalog 1871,
114). — St. Gallen, Stiftsbibliothek Nr. 961 und 995. — Gotha,
Herzogt. Bibliothek Cod. 138^ Bl. 127—70 (aus St. Klara in Nürn-
berg). — Heidelberg, Universitätsbibliothek Cod. Pal. germ. 28
Bl. 1—81; Cod. Pal. germ. 474 Bl. 1—77 und 570 Bl 1—104
(vgl. K. Bartschs Katalog 9 Jf., 144, 154). — Kolmar,
evangel. Pfarrbibliothek Nr. 321 Bl. 11 — 123 (beschrieben im Jahr-
buch für Geschichte, Sprache und Literatur Elsass- Lothringens XIX
[1903] 20 ff.). — Konstanz, Gymnasialbibliothek Nr. 29 aus
') Enthält Bl 199*'— 212^ das Lehen des seligen Elsbeth von Beute in
älterer, zuverlässigerer Version (alemannisch), als der von Birlinger in Ale-
mannia IX, 276 ff. X,*81ff. 128 ff. nach einer Strassburger und Innsbntcker
Hs. edierte Text. Ich gedenke es in Bälde nach diestr und der Maihinger
He. III 1. 4"" 8. Bl. 254—301 mitzuteilen. In der Berliner Hs. steht Bl, 213—235
Merswins Bearbeitung von Ruyshroeks ,Zierde der geistlichen Hochzeit*. Stücke
aus dem Bdetc hat Bormann »w v. d. Hagens Germania II, 172 ff. ver^
nffenilicJU.
Die einzelnen Handschriften. 15*
{fem Konsiamer Franziskanerkloster. — Maihingen III 1. 4^
5. Bl. 193—304; 1. i® 25. aus Kloster Kirchheim. — Mainz,
Seminarbibliothek zwei Hss., beschrieben von F. W, E. Roth in
Germania 1892, 283 f.; die oben S. 10* erwähnte Hs. der Stadt-
bibliothek in Mainz enthält im ersten Teil das Bd^w (alemannisch)
von 1511. — Melk, Stiftsbibliothek Cod. 72 Bl. 1—174 und Cod.
178 Bl. 1 — 281, beide in bayerischer Mundart (vgl. Catalogus codd.-
mss. in bibl. mon. Mellicensis I [1889] 142 ff., 258). — Die Staats-
bibliothek in München zählt ausser dem oben angeführten Cgm 174
und abgesehen von den kleineren Bruchstücken noch zwölf Hss. des
Büchleins: Cgm 352 Bl. 1—96; 403 Bl. 106—71; 405 Bl. 1—106
aus Wessobrunn; 406 Bl. 59—153; 746 Bl. 127—234 aus Tegem-
see; 759 Bl. 1 — 102 aus St Ulrich in Augsburg (vgl. Strauch
in Zfdph 1902, 236 f.); 765 Bl. 114—240 aus Fölling; 820
Bl. 1—146; 3900 fol. BL 27—69; 4275 unvollständig; 4308 aus
dem 17. Jh.; Clm 15604 Bl. 218 f. aus Kloster Rot am Inn. —
Nürnberg, Stadtbibliothek Cent. VI, 43'' Bl. 122—85; Cent. VI,
81 Bl. 1 — 248 aus dem Dominikanerinnenkloster St. Katharina in
Nürnberg, alte Signatur Iv (vgl. den Bibliothekskatalog des Klosters
bei Jostes, Meister Eckhart und seine Jünger [Collectanea Fribur-
gensia IV J 1895, 133); Cent. VI, 85 Bl. 1—131. — Paris,
Bibliotheque nationale Ms. allem. 303 (vgl. Huet a. a. 0. 138). —
Pesth, Ungarische Landesbibliothek Cod. germ. 15 bezw. 14 in 12^
(vgl. A. Hartmann, Deutsche Meisterlieder hss. in Ungarn 1894, 2).
— Prag, Universitätsbibliothek Cod. XVI G. 25 Bl. 225—343 (vgl.
Serapeum 1859, 56 f.). — Raigern bei Brunn, Stiftsbibliothek
Ms. Theol. 360 Bl. 4—121 aus dem Kloster St. Katharina in Nürn-
berg (vgl. Neuer Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekstvissen'
Schaft 1877, 353 ff.). — Stuttgart, Kgl. Landesbibliothek Cod.
theol. et philos. fol. 19 Bl. 1 — 47 mit einem gereimten Eingang in
14 Zeilen von dem Schreiber: ach höster vatter Jbesu Grist . . .
(vgl. K. Bartsch, Beiträge 366); 4« 57 Bl. 1 ff.; 4"" 98 Bl. 28
bis 80, beschrieben von K. Helm i?i seiner Ausgabe des Evangelium
Nicodemi, Lit. Ve)'ein 224 (1902) IX. — Wien, Bibliothek des
Schottemtifts Nr. 57 Bl. 84—180 (vgl. Hübler, Catalogus codd.
1899, 58 ff.); Hofbibliothek Nr. 2974, nicht vollständig (Tabula^
cod. etc. Ilf 165). — Würzburg, Universitätsbibliothek M. eh. 9.
47 (vgl, Archiv des hist. Vereins für den Untermainkreis IV, 3,
158). — Zürich, Stadtbibliothek Cod. C 108' Bl. 1—122.
Nach der Vorschrift Seuses in seiner Schlussermahnung an die
16* Einleitung. L Die Überliefcrang.
Abschreiber (325,22 f,) sollten nur die hundert Betrachtungen aus
dem Bdew gesondert abgeschrieben werden dürfen. Trotz der dem
Zutviderhandelnden angedrohten göttlichen Rache finden sich doch in
sehr vielen Hss,^) Bruchstücke des Büchleins^, so in den fol-
genden: Berlin, Ms. gernud'' 125 Bl. 25—26; 8"" 42 Bl. 43—60;
8« 69 Bl. 194-200; 8^ 364 BL 115—28. — Büdingen, Fiirstt.
Isenburgsches Archiv 4 Bl. Perg. 14. Jh. (vgl. Zfda X [1856]
290). — Einsiedeln Nr. 645 Bl. 16—69, 16. Jh. — Engel-
berg, Cod. membr. 94^ Bl. 8 — 9. — Frauenfeld, Kantons-
archiv Hs. Y 80 Perg. 14. Jh. (vgl. Katalog der Thurgauet*
Kantonsbibliothek 1887, 489). — St. Gallen, Stiftsbibliothek
Nr. 955 S. 251; 982 Bl. 127—67; 986 S. 135—63; 1142 S. 490
bis 624. — Göttingen, Ms. Theol. 292 BL 231—32. — Heidel-
berg, Cod. Pal. germ. 617 Bl. 273—85; Cod. Salemit. IX, 16
Bl. 36—38. — Karlsruhe, Cod. St. Georg. Pap. Germ. 91 Bl. 30.
— Klosterneuburg, Stiftsbibliothek Cod. 1226 Perg. 14. Jh.
Bl. 26—29 (vgl. Anzeiger f. Kumle d. dtsch. Vorzeit 1861, 310 ff.).
— Kolmar, Stadtbibliothek Nr. 268 Bl. 174—76. — Krems-
münster, Stiftsbibliothek Cod. VI. 184 (vgl. J. Bach im Theol.
Literaturblatt 1868, 210). — München Cgm 58 Perg. 14. Jh.
Bl. 206-8; 215 BL 166—97; 354 Bl. 139—46; 412 Bl. 1—29;
437 Bl. 101—6; 488 Bl. 1—28; 831 Bl. 56—63; 843 Bl. 125—30;
4880 Bl. 261—69. — Muri-Gries Cod. 239 Nr. 103 Bl. 1—6,
10—11. — Nürnberg, German. Museum Nr. 18525 Bl.98—136.
— Stuttgart, Cod. theol. et phil. 8« 19 Bl. 34—44; 8' 24 Bl. Iff.
Besonders häufig wurde da^ 21. Kapitel des Bdew: Wie
man sol lernen sterben etc. separat abgeschrieben — meist von
280,7 an — und mit eigener Einleitung als Sterbebüchlein verbreitet ^
so z. B. in folgenden Hss.: Dresden, Kgl. öffentl. Bibliothek
M 277 Bl. 89—106 (cgi. Schnorr von Carolsfeld, Katalog II,
516 f.). — Heidelberg, Cod. Pal. Germ. 105 Bl. 76—90. —
Karlsruhe, Cod. St. Georg. Pap. Germ. 97 Bl. 7 — 33 (von 1560).
— Mai hingen 111 1. 4'' 23. Bl. 284—96; 1. 4'' 32. Bl. 80—90.
— München Cgm 234 Bl. 177—22; 622 BL 156-62; 763
Bl. 37—44; 835 Bl. 56-74; 841 Bl. 72-89. — Nürnberg,
Stadtbibliothek Cent. IV, 36 Bl. 152-58; VI, 43''; VII, 88.
^) Wo nicht anders bemerkt sind es PapierJiss. des 15. Jh.
^) Besonders häufig Kap. 13 über das Leiden,
8) Vgl. die Änm. zu 27S,^>.
Die ßinzelnan Hiuidachrit'teTii
Von der Erlaubnis, die hundert Betrachtunt/en, irekkc
ihn dritten Teil des Bdeui bilden, separat abzuschreiben und zu ver-
breiten (325,23), wurde reichlich Gebrauch ijemacht '). Sie ßnden Mch
in folgenden Hsk: Bamberg. Kgl. Bibliothek N. 178 Ed. Vlll <i
Bl. 50—100 (lö.llfi. Jh.). — Enijelber,j Nr. 15^ Perij. 14. Jh.
Bl, 9 — 23, — Freibury, Üniversitiitibibltothek, Deutsches Oebet-
huch 15. Jh. 8" Bl. 37 ff. — Karisruhe, Co>L Sl. Oeorg. Perfj.
Germ. 41 Bl, 15 ff.; Cod, St, Fet. Pap. 9; Cod. Licht. 37 vom
14. Jh. (nur der Anfang): Cod. Licht. 99: Cod. iVomenth. 16
•■om 16. Jh. — Kalmar Nr. 271 Bl. 25—38 (aus Unterlinden).
— Maihinyen 111 1. 4" 5. B1.1S7-43; 1.4' 41. BL250—58;
1. 8" 12. Bl 155—88. — München Ggm 455 Bl. 126—48; 763
BL69—75; 851 Bl, 1—17. - Nürnberg, StadtbiÜiothek Cent, V
App. 81 Bl. 23—30; Cent. VI, 86.
Die binher angefiihrfeii Usk. den Bdei" "inä mmt/ich in hoch-
deutschem Dialekt geschrieben. Das Erbauuungsbuch war aber auch in
Mittel- und Nieilerdeutschland nicht weniger beliebt und
verbreitet und wurde namentlich im 15. Jh. sehr oft ganz oder
teilweise abgeschrieben. Eine Hs. in mitteldeutscher (ItessiBcher )
Mvndnrt , Penj. von ca. 14fH>, aber nur frugmenlansch erhalten,
ßndet sich im Fürst!. Hohetizollernschen Museum zu Sigmaringen,
Ha. 18 (vgl. Lehner, Verzeichnis der Hst. 1872, 21); ferner zwei
solche zu Giessen, Universitätsbibliothek, Cod. 778 Bl. 2—216,
Perg. 14. Jh.: Cod. 852 Bl. 22—94, und eine in der BibUotheca
PhiUiiinea zu Cheltenham Nr. 647 BL 1—67 (vgl, lt. Priebsch,
Deutsche Hss. in England I [1896 J 60 f.). Zahlreiche nieder-
deutsche und niederländische Hss. des Bdew oder von Teilen
desselben in Amsterdam, Ebslorf, Flensburg, Greif swalde,
Haag, Hamburg, Hildesheim, Kopenhagen, Münster.
Oldenburg, Osnabrück. Rostock, üpsala, Wolfenhüttel
beschreibt sehr sorgfältig Bore hiing in seinem 1. — 3. , Heisebericht',
Nachrichten der Oötlinger Gesellschaft ikr yVissenschaften, Beiheft
1898, 85, 103, 127, 176 f.. 243. 254 f., 289, 299, 309, 315: 19m),
'I Dits gaiehah bteönder* ujUer Atm Titel: ,Kun oder Tageeüm (nd.
getidtn) von der etetgen Wrisheit^t "itt Vertfilung der Btlrachfungen auf dit
finsrtnm Tag« und Hortu, wie auch M Di*peul)roek* 416 ff.
18* Einleitung. I. Die Oberlieferung.
26, 38, 40, 127, 158, 175, 194; 1902, 44, 85, 214'). Dazu kommen
noch folgeiide: Berlin, Ms. gertn, fol. 76; qiAarto 172 BL 1 — 57 ;
553 BL 1—63; 1253 BL Iff.; oct. 346 BL 1—147 aus der Arm-
waldtschen Sammlung (vgl. Jahrbuch des Vereins für nd. Sprach-
forschung 1883, 132 f.); 349 BL 12—16 (vgL Jahrbuch a. a. 0.);
380 BL 1—26; 393 BL 50—87. — Bonn, Universitätsbibliothek
Cod. 390 vom 16. Jh. — BrüsseL KgL Bibliothek Nr. 2846
(vgl. Jahrbuch a. a. 0. 132 Anm. 2; ebd. ist eine Leidener Hs. des
16. Jh. notiert). — Cues, Hospitalbibliothek M 115 BL 1—67
(Beschreibung unter V). — Darmstadt, Grossherzogl. Bibliothek
Cod. 1847 BL 71—155 (vgL unter VI); Cod. 1956 (vgL Germania
1887, 343). — Greifswald, Ms. theoL N. 8 BL 61S6 vom
14. Jh. — Heidelberg, Cod. Trübner 44 BL 49 ff.; 1474 BL 74 f.
— Sigmaringen, Fürstl. Museum Hs. 45, 48 utid 49, alle drei
Perg. vom 15. Jh.
Zum Schlu^sse sei noch auf einige verlorene bezw. verschollene
Hss. des Bdew hingewiesen. Die verbrannte Stadtbibliothek in Strass-
bürg enthielt deren mehrere, vgl. Witter l. c. (s. oben S. 4* A. 1) 19 f
unter B 139, 140, 147, 148; G. Hänel, Catalogi liborum mss. 1830,
468 f. und K. Schmidt in TheoL Stud. und Kritiken 1843, 851.
Weitere Notizen im Zentralblatt für Bibliothekswesen 1900, 421 und
in Germania 1886, 336 f. Auf ,Catalogue off he library of Dr. Klose
of FranckfoH a. M.' 1835 verweist Strauch, Allg. deutsche Biog^\
XXXVII, 179 (vgL ders., Marg. Ebner XVII, A. 2).
IT. Handschriften des Bfichleins der Wahrheit.
Die oben aufgeführten Hss. des Exemplars AKKWfNmSS^U
enthalten auch das Bdw ; sie sind alle ausser RW und m für diese
Ausgabe herangezogen worden. Abgesondert findet sich dieses Bück-
lein, das wegen seines schxcerverständlichen Inhalts nicht so Mufig
abgeschrieben wurde wie die übrigen Schriften Seuses, in folgenden Hss. :
B = Berlin, KgL Bibliothek, Ms. germ. quarto 191, Pap.
und Perg. 398 BL (150X220 mm), 14. und 15. Jh., aus Daniel
Sudermanns^) Besitz, früher in einem Strassburger Klostef*; in-
^) Zu beachten ist was Borchling, 1. Reisebericht ISO sagt: „Auszüge
aus den Werken Seuses sind wohl häufiger, als man amiimmt, utUei' den ver-
schiedensten Titeln versteckt,^
^ Sudermann ist geboren am 24, Februar 1550 zu Lüttich, war lauge
Jahre Hofmeister bei verschiedenen Grafen und Herren in Deutschland, seit 1588
in Sirassburg y iro er nach 1631 starb: Schwenkfeldianer^ geisüicher Liederdichter
tcressaitle, mn mehreren Händen gesckriebetie mystische Snmmflhü.,
d«r»» einzelne Stücke (1 — XLVIII rot numeriert) erst später zu-
sammengebunäen teurden. Mundart: alemannisch-ehässifch, Haupt-
inhalt: Bl. 1(F — llij' Predigten und Lehren von Bruder Heinrich,
Beichtiger zu Sckönensleinbach ( Bominikanerinnenkloster im Elmas);
hl. 115'' — IS' von dem Sterben des Genannten, aufgezeichnet durch
seinen Ndchfolyei- Johann t>on Mentze^) (Mains); Bl. 132'— 202'
Predigten und Traktate von TmUer, Eckhart, Heinrich von Löwin u. a. *);
Bl. 205—16 12 Perij.-Bl. U. Jh., mgst. Traktat des Bruder Konrad
von Weissenburg, betitelt „Der BamngaHen" , teilweise gedruckt in
V. der Hageng Germania II, 303—10 (vgl. dazu P reger II, 51 f.
und Strauch In Äfda IX, 121); Bl. 219'-— .37' Bdw mit gutem
Text; Bl. 237'—76' Legenden (von der seliqen Schererin, f 1409
zu Strossburg, und von der seiigen Krüppelgreden, Klausnerin zu
Konstantinopel, Barlaam und Josaphat, St. Peternelle) ; Bl. 778' bis
302r von dem Baum göttlicher Lieb und Tugettd; Bl. 352'— 91'
Spräche tun Mystikern (darunter Gregor, Augustinus, Bernhard,
Diongmts; div der deutschen sind bis auf u-eiiige-') von Pfeifer
in Üeitnania III, 225—43 abgedruckt [vgl. dazu P reger II, HO f.
und Strauch a. a. 0. 127 A. 1]); Bl. 391-— 94'- drei Predigten
von Bruder Konnid von Esslingen, Provimial Wolfram ') und Lese-
nieister Nikolaus von Köln (^ von Strassburg), nach der Adelhiniser
Chrtmik im Freib. Diöz.-Arckiv 1880, 180—93 veröffentlicht.
C = Kalmar, Stadtbibliothek Nr. 266, Pap. 137 Bl. 4"
(150x220 mm) 15. Jh., alemannisch-elsässisch, w**s Unterlinden;
der Schreiber bis Bl. 60 schnitt derselbe su sein wie bei A '
(Ph. Wacktrnagd, Das deutsche Kirchenlied I, 666 ff. V, 546—676). Die
zahlreichen von ihm gesammelten Hss. der deuUchtn MysUktr kamoi in dia
KgU Bibliothek nach Berlin; Vtrzeichni» drraelhm und vi»» Surlermanm Sehriftett
(u. a. Aufgaben von Taiüer, Ruysbroei, Eckharl, Stuf) b«i A. F. H. S chntidtr.
Zur Literatur der Srhwmkfeldischtn Liederdichter bis Danitl Sudermann,
Programm Berlin 1867,13 f. 17 f.
') Ein Brief von ihm (f 14ö7) in der Nürnberger Hs. Gent. VII, SO.
Vgl. auch K. SchieUr, Joh. Nidtr 1885, 354 und Joh. Meytr, Ltben d'f
.'ichimeniteinbachfr Schvetitrn tTiibingen, Ünivers.-Hibt. Ha. Md 456).
■) Bl. 203" unten strht schwer leeeriich: dite böcli iat lirQder .. iohans
lenemeister teuschen ordens (?),
') AuffaÜtnderititisr sind gerade die Sprüche des Johannes Futertr (vgl,
Vita 33,1 Artm.) ebrrgangen. Ich werde sie bei and<rer Gtlegrnheil mitttilai.
') SVohl identieeh mit bräder Wolfram finser proflncial, der in den Vilen
vm T'x» <ed. Vflter 67,1) gtnauiil ist. In dei- Fr^ihurgir H». heissC er Wnl/arl.
20* Einleitung. I. Die Überlieferung. ,
(s. oben S. 9*). Enthält Bl. 2^—24'' Bdw; BL 25''— i9^ Kl Bfb
(11 Briefe); Bl 49^—57'' Predigt Lectulm; 57^—60^ drei Briefe
aus dem Gr Bfb: Surge aquilo, Quomodo potest und Nemo poteet
(XV, XV U, XVIII); Bl. 61^—136'' von anderer, späterer Hand
geschriebene Briefe und Predigten von dem Dominikaner Johannes
Nider (f 1438) , götlicher kvnste meister^ seinen geistlichen Kindern
(Nonnen) geschriben and gelert zu den ziten, als er leszmeister^)
waz. Es sind 23 Stücke, meist mit lateinischem Vorspruch (Egredere
de terra^ Exaudiat dominus orationes, Fylia confide, Adoma tha-
lamuni usw.), von Sense beeinflusst, aber ohne seinen Geist^).
Eine spätere, fehlerhafte Abschrift des Bdw eniMlt Cod.
aecet. 203 (4^ 15. Jh., aus dem Kloster Oggelsbeuren) in Stutt-
gart BL 153 — 75, in welchem neben anderem sich auch Stacke V07i
Taulei', Eckhart, Merswin (Ruysbroeks ,Zierde der geistlichen Hodi-
zeiV bearbeitet, vgl. Strauch in Zfdph 19(/7, 124) und der Traktat
von de7i drei Fragen finden. Ein kleines Bruchstück ist in Ber-
lin, Ms. germ. quarto 125 BL 75 — 76*.
T. Handschriften des Briefbfichleins.
Von den bisher beschriebenen Hss, ist das vierte Büchlein des
Exemplars in AKRWfNmPSS^UC, in Nm freilich in eigentümlicher
Wrquickung mit dem Gr Bfb, gegeben. Abschriften einzelner Briefe
finden sich dann und ivann, doch ohne besonderen kritischen Wert,
so in St. Gallen, Cod. 1067 Bl. 235— 41 Brief III, IV, VI, VII;
München, Cgm 456 Bl. 54—60 Brief VI; 843 Bl. 120^ und 123"^
bis 125*- Stücke aus Brief IX, III und II; Muri-Gries, Cod. 239
Nr. 103 Bl. 6—10 Brief III und I; Xürnberg, Cent. VII, 20
Bl. 197 — 201 Stücke aus Brief III und IV, In einigen anderen Hss.
sind Briefe (ks Kl BJb unter die des Gr Bfb gemischt, s, unter VI.
VI. Handschriften des Grossen Brlefbnches.
Ist die Überlieferung der Schriften des Exetnplars eine im
grossen ganzen geschlossene und einheitliche, da sie von Seuse selbst
\) Xider war 1426^27 Profess&r an der Universität und Lektor an der
OrdtnsschuU zu Wien.
') Der 11, Brief ist an WeihnaclUen zu Nürnberg geschrieben (Bl. 109^);
das weist auf 1427 oder 14:^8 hin. Von obigen Briefen Niders weiss ScJiieler
in seiner umfangreichen Biographie (vgl auch seinen Artikel im KirchetHex,
JX*, 342 ff.) nichts. Briefe Niders finden sich auch in Nürnberg Cent. VIT,
20, wohl auch Cent. VI, 46^, ein einzelner in Cgm 372 Bl 141—43; vgl auch
Jo.stes a. a. 0. XXI A. I.
L
5le eiiuelaeB HandBcbriften. 21*
ifei/en l-hidv feinen Lebens revidiert und zur llernu^i/ai/e it^Humit
worden sind, so wird bei den Schriften fÖr BfO und Predigten),
deren Art der Kopierung und Verbreitung mehr oder aeniger dnn
ZuJaÜ ftnheim gegeben tmr, das Bild ein fiel »lantiigfiütigeres und
da» kritische Verhältnis IcotnpUzierter, Von den Briefen enthalten
die einen He», nur einige Nummern, andere etwa ein Duizetid, mehrere
23—36; im einzelnen ist grosse Vfirüition, doch lässt die Aufeituinder-
folge und Textgesinltung der Briefe auf ein einheitliches Schema in
der Anordnunr/ und auf eine Ureorlage schlieasen. Zur Erleichterung
der Übersicht ist am SchlusM diei^es Abschnittes eine Tabelle bei-
gegeben, dnrch welche der Inhalt der Hsa. den Gr Bfb und zu-
gleich dessen Verhältnis zum Kl Bfb statistisch dargestellt toird.
Die einzelnen Hss., von denen bisher der Forschung (Denifie,
P reger/ nur der Ideinere Teil bekannt war. sind folgende:
b = Berlin, Ms. germ. od. 69, Pap. 308 Bi. JOOxHS mm,
mn mehreren Händen am Ende des 14. und im 15. Jh. in aleman-
nisch-elsässiachem Dialekt geschrieben, aus Daniel Sudermanns Besitz,
der die Hs. mit vielen Bandglossen versehen hat, früher einem Strass-
burger Nonnenkloster') gehörig. Hauptinhalt: Bl. 2' — 35' asketischer
Traktat, Lehren einer ,erleuchteten, grossen dottesfreundin', worin
auch der Täweler, der von berSwe, von btcle zitiert werden, mit
quielistischem Einschlag ähnlich der Gottesfreundlileratur , unvoll-
ständig überliefert; Bl. 38'— IW Prolog zum Gr Bfb, 18 Briefe
und Predigt LecttUu», meist unter der Aufschrift (rot): eine gute
bredige; Brief XII ist nach derselben Vorlage doppelt abgeschrieben
fs. S. 439), Nr. II und XX sind unvoUständig : Bl. 112'— 35' Traktat
com .ho/tett Berge' (vgl. Denifie, Taulers Bekehrung 1879, 10);
Bl. 135'-~49' und ä64'—73' Auszüge aus Seuses Vita, Bl. 194' bis
2O0' aus dem Bdew; Bl. 153" — 5f>" Predigt des Lesemeisters bei den
Bnrfüssern bSmirlin"); Bl. im'— 78' Brief IV aus dem Gr Bfb;
Bl. 182'— 91' Traktat von der Messe; Bl. 20O'~306' Stücke aus
') Der Umttand. dnne h im Brief Audi fili I43S,1I Katheriiia ftatt Ängneae
»chreibt. wtiit wohl auf das DofninihaneTinntnklotter St. Katharina bin (rgl.
auch dir Anm. tu Vita 33,11, mas vitderum di« Vermulimit nahe hgf, daiis dan
Bitr in 6 äbtrlieferte Testament der Miitne < Brief X X VIU) an daeseibe Kloster
gesimdt tBnrdm igt.
') Konrad Bömlin ,B6mblinJ, Frantiakaner, gib. um 1380, trat in
Eaelingtn in rfen Orden, 1409 LfMor tu Sch"-äb.-HaU, 1449 tu Hmlhronn r/e-
tlorlrn. Vgl. über ihn K.Brthm t«i Diät.- Archiv fUr Schwatten 1904, 139 f.
DriUtehe Predigtm Bömliiu ßndtn eich auch in Berlin, Ms. germ. r/uarto 194 ;
KarWuht, Cod. St Blas. 71.
22* Einleitung. I. Die Überlieferung.
TauUrs Predigten; BL 218''— ^^O'' mystische Sprüche (Bl 22^: der
von berowe); Bl. 230^ — 43^ Leben der sei. Margareta von Ypern
ff 1237), nach dem Lateinischen des Bruders Rygerus 1391 geschrieben;
Bl. 248^—60^ Testament der Minne od^r Minneregel (vielleicht ron
Sense).
Die Briefe Seines nach b finden sich in Abschrift von Stider-
tnanns Hand nebst der Predigt Lectulus und vielen anderen Stücken
aus Tauler, EckJiart und spateren Mystikern in der Berliner Hs.
Ms. germ. quarto 344; derselbe hat sie darnach in einem Sammel-
werk unter dem Titel: Güldene sendtbrieflf vieler Alten Oottsedigen
Kirehen Lehrer : Als Johann Thaulers, Heinrieh Seüssen, Johan Greützerg
vnd mehr Anderer: In etliche Theil abgeteilt vnd den vhralten
Schrifften durchausz gemäsz gantz vnverfälscht an dasz Liecht ge-
geben. D. S. Anno 1622 (34 Seiten 4^), herausgegeben^).
C = Kolmar Nr. 266, oben unter IV beschrieben, enthält
drei Briefe, davon Nr. XVII unvollständig,
C = Cues, Hospitalbibliothek Ms. 115 (früher D 41), Pap. 118
BL fol., 15. Jh., niederrheinischei' Dialekt, Beschreibung (ungenau)
beiJ, Mar,Tj Verzeichnis der Hss,'Sammlung des Hospitals zu Cues 1905,
Ulf Inhalt: Bl. 1—67** Bdetv; Bl. 67'*-iyi'* vom Leiden Christi,
ine: Elegit suspendium anima mea . . . (teilweise eine Na<:hahmung
des Bdew und der Vita Seuses); Bl, 83"^— 113^ 26 Briefe des Gr
Bfb mit Prolog und vorausgehendetn Register, in 26 Kap. eingeteilt,
Br, X VII utul XX unvollständig; Bl, 113^^—18^ Predigt Lectulus.
d ^=i Darmstadt, Grossherzogliche Bibliothek Cod. 1847, Pap.
342 Bl. 8^ (100x145 mm), 15, Jh,, niederrheinisch. Beschreibung
von F, W, E.Roth in Germania 1887, 341 f. Enthält Bl. 206*-— 68^
24 Briefe, davon X, XVII, XX, XXI nicht vollständiij.
q= St. Gallen, Stiftsbibliothek Nr. iÜO, Pap. 319 Seiten 4^
(135x200 mm), 15 Jh,, alemannisch. Beschreibung in Scherrers
Katalog 363 f. S.13—71 Traktat Audi filia über das hl. Sakrament,
^) Dei' Titel iuich A. F. H. »Schneider a. a, 0, 16; vgl. auch Denifle
in Zfda XIX, 347,370, dessen Angaben durch obiges zugleich ergänzt und 6e-
richtigt sind. Ein Exemplar des Druckes ist in Wolfenbiittel ; er enthält nur
den ersten Teil, eben Seuses Briefe (mehr scheint nicht erschienen zu sein).
Mir liegt ein Exetnplw der üniversitätsbibliotfiek Tübingen vor, mit folgendem
Titel: Der Erste Theil, Inhaltend Etlich schone auszerlesene Brieff auch Kurtse
Predigten, welche Herr Hainrich Seusse vor ohngefehr dritthalbhuiidert Jahren
an Geistliche Juugfraweu geschrieben vnd gefertiget hat . . . abgeschrieben durch
D. S. fohne Oti und Jahr).
enüaSSacti
lier in Hss. oft begeijHet (xo in Berlin, Karlsruhe, Kohiiar, Mftikingen,
Nämbery, Stuttgart, Zürich); S. S2'~85' Brief Habitabit (IV);
S. 137 — 39 und 150 der Prolog und weitere lO Briefe, von denen
die meisten aber unvollständig sind, wie überhaupt g manche Spuren
einer gewissen Übernrbnitung (teils Kürzung, teils Verwässerung)
an sich trägt; S. I3fl und 149 — 50 zwei Predigt6J:3erpte % ine.:
n) Jesam queritis Nazarennm . , , dien wort sprach der engel . . .
h) Delicie mee . . . mir ist gar wunneklJch . .; S. 140 — 49 Predigt
hecttUus, stark ijekürzt.
h = Cod. Heidelberg. 358, 38, Pap. 3-^6 BL, 16. Jh., in
schwäbischer Mundart. Beschreibung in Bartschs Katalog 208.
Bl. 3r~14' Bruderschaft der ewigen Weisheit; BL l'5'—80' 26 Briefe
mit dem Prolog (Bl. 21'), davon aber XVII, XX und XXVI in
der Rezension des Kl Bfb und zmi sehen hinein Bl. W — 19' die Er-
zäilunff von der Verehrung dei Namens Jesu und der Morgengruss
(393,8—396,5); Bl. 80'—84' Vocatim est und Sprüche (396,30 bis
401,8).
m =. Cgm 819 und N = Nürnberg Cent. VII, 90. Über
beide Hss. s. oben S. 7*. iVir haben tu ihnen eine ziemlich fehlerhtiße,
Don einem späteren Abschreiber herrührende Zusammejtachweissung
des Kl und Gr Bfb, in der Weise gearbeitet, dass auf Brief I — ///
des ersteren 14 Briefe des letzteren folgen, dann wieder sieben des
er*teren (IV — X), darauf als 35. Brief Vocatum est mit den Sprüchen,
als Nr. 36 Pone me (XI rom Kl Bfb) mit der Erzählung vom
Namen Jesu und Margemjruss'). Die Inferiorität dieser Überlieferung
gegenüber der in den anderen Hss. des Gr Bfb liegt wtf der Hand
und wird unter B (S. SU* ff.) ausführlicher nachgewiesen werden.
n = Nürnberg Cent. VI, 55, Pap. 344 Bl. 4" (150x305 mm),
15. Jh., (Bl. 319'' : 1447), bayrischer Dialekt, aus dem St. Katharinen-
iioster in Nürnberg, alte Signatur E XXXVJ (vgl. J ostes a. a. 0.
134 f.). Mystische Sammeihs., darin Bl. r—37'' Augustins Hand-
biichlein deutsch; Bl. 37' — 66' innerliche Bede der Seele mit dem
Herzen und des Herzens mit der Seele ; Bl. 67' — 76' Bede Richards
ton St, Viktor mit dem Herrn nach seiner gegenwärtigen ewigen
Glorie; Bl. 97' — 201' Von dem Leben der geistlichen Schwestern;
') Da*« sie von Beute ttammeii, viofar ihre Untgthung sprechen konnte,
tri mOfflirh, aber tiiehi sehr teahrtelii^nlieh. An AHktariläUn trerdtn Augustin,
Bernhard, Ohrysoitomus, Qrtgor und Ambrosive eititrt.
*) Britf Mihi aut. üt mit einem Slflci aus der ersten Predigt verbunden.
24* Einleitung. 1. Die Überlieferung.
Bl. 228''— 9(r 20 Briefe des Gr Bfb, die aber sämtlich stark be-
arbeitet, teils gekürzt, teils erweitert, teils umgestellt sind; der zweite
Teil von Begnum mundi steht nach Nr. XXVI, der erste nach X;
in Nr. II, XI, XVII fehlt ein grösseres Stück.
R = Breslau, Domkapitdsbibliotheky s. oben S. 6*, Enthält
BL 2i4^^—79'^ 23 Briefe mit Prolog, davon aber XIV Exidtet in
der Rezension des Kl Bfb.
S ^= Stuttgart Cod. theol. et phil. quarto 67, Pap. 84 BL
145x205 mm, 15 Jh.^), in alemannisch-elsässischer Mundart Vom
ersten Blatt ist die untere Hälfte weggerissen und zwischen 10 und
11 fehlt ein Blatt Inhalt: Bl. r^—62^ Prolog und 25 Briefe,
in Abschrift^ von t. Pfeiffer in Cod. Vindob. Suppl. 2779 Bl.
158—244 (beendigt 24. März 1851), vgl. oben S. 5*; Bl. 62^—76'*
Predigt Lectulus, nach deren Schluss: Explicit liber Deo gracias
Amen ; Bl. 77"^— 84^ von späterer Hand geschrieben und nachträglich
angeheftet drei Predigten Tatders, Frankf. Ausg. II, 323 ff, 397 ff^
III, 133 ff.
s' = Stuttgart Cod. theol. et phil. oct. 19, Pap. 176 Bl.
100x150 mm, 15. Jh., alemannisch-schwäbisch. Bl. 17^ — 49"" und
136^— 37"^ sechs Briefe aus dem Gr Bfb; Bl. 92 f. Meister Eckharts
Wirtschaft zu Köln; Bl. 125 ff. von zwei Predigern und einer
MüUerin; Bl. 127 ff . von 12 Meistern zu Paris; Bl. 133'' -35^ die
Klagsprilche des leidenden Menschen (397,9 ff.).
U = Überlingen Nr. 22, s. oben S. 9*. BL 115*' 25"^ 14 Briefe,
davon Nr. II nur zur Hälfte.
Z = Zürich, Stadtbibliothek Hs. C 96, Pap. 139 Bl. 4^
(145x210 mm), 14J15. Jh., alemannisch -schwäbisch. Beschreibung
der Hs. bei Vetter, Ein Mystikerpaar 59 f. A. 62; Preger, in
Zfda XX, 374 f. , vgl. seine Ausgabe des Minnebüchleins (s. S.537) 441
A. 1. EntMlt: Bl. r -4P 21 Briefe des Gr Bfb mit Prolog, davon
Nr. XI und XVII unvollständig, II in zwei getrennten Hälften (die
zweite erst nach XIX); Bl. 63^ — 75"" Minnebüchlein Seuses,
jiach dieser (einzigen) Hs. von Preger (zugleich mit den nicht von
Sense stammenden Gebeten Bl. 75''— 80^) und in dieser Ausgabe ab-
gedruckt. Weitere Stücke aus der Hs.: Bl. 100^- -lor Brief eines
Gottesfreundes, 1W — 2P ein gfit lere des Tälers (schwerlich echt!),
12r—22^ Brief Taulers (0, 122^—22^ Sprüche sind bei Preger,
') Deniße Zfda A'iA', 3Ö7 nimmt wohl mit Unrecht daa 14, Jh. an.
') Wie die ühi'igen ßüclUig und ungenau gemacht.
Die einzelnen Handschriften. 25*
Mystik III, 411 ff. ediert, Bl. löP—S^ ist ein Brief elfter Gottes-
freundin, in verderbter Form gedruckt bei Tauler 1543 f. 329^.
Endlich sind noch zu erwähnen einige Hss. von geringerer
Bedeutung, welche nur den einen oder andern Brief aus dem Gr
Bfb enthalten: Berlin, Ms. germ. quarto 125 BL 74 — 75, St. Gallen
Nr. 965 S. 134—35 (vgl. Simon a.a.O. 17) und Cgm 447 Bl
27*" — 27^ haben ein Stück am Br. XI Audi fili; Berlin, Ms, germ.
quarto 149 Bl. 75*'— 77" Br. XII Nigra sum (des 8&sen bredige),
Bl. 125*' ^27'' Br, XXVI Pone me; Ms. germ, quarto 182 Bl. 30
bis 40 Br. XXVI, III und II (von allen aber nur ein Stück und
fnit geänderter Einleitung). — St, Gallen Nr, 1014 (vgl. Sbherrers
Kenalog 386 f.) S. 89 — 116 Br, X Bevertere, aber nur den Anfang
davon, der mit dem Traktat ,von rechter, wahrer, sicherer AndachV ')
zusammengefügt ist. — Göttingen, Ms. TheoL 292 (vgl. oben S. 10*)
bl. 137*"— 47*" Br, XII Nigra sum in ziemlich fehlerhaftem Text
(als g^ bei der Edition 439,9 f. benutzt). — Die verbrannte Strass-
bürg er Bs. F 128 enthielt 23 Briefe in der Reihenfolge von s,
als vorletzten aber den Br. Exivi (XXIII), der in s fehlt (P reger
in Zfda XX, 375).
Die folgende TabeÜe soll die Überlieferung den Gr Bfb in den wichtigeren
Hee.y natnenüieh die Aufeinanderfolge der eineeinen Briefe veranschaulichen.
Die sughich im Kl Bfb enthaltenen sind gesperrt gedruckt, die beigeg ebene
Z(M (in runder Klammer) zeigt ihre Reihenfolge an. Eckige Klammer bedeutet,
dass der betreffende Brief in der Hs. in der Rezension des Kl Bfb enthalten
ist, der Asterisk, dass ein Teil desselben fehlt. Brief XK VIII (Testament
der Minne) ist, weil nur in b sich findend, weggelassen. Zu bemerken ist noch,
dass h Bl, 61 ^ und 66 *" eine Notie hat, womach Br, XXI (In omnibus) und
XXVI (Pone) fälsch eingereiht sind; ersterer sollte eigentlich nach XIX (Chri-
ttus), letzterer nach XXV (Mihi autem) stehen.
^) Kommt häufig in Hss. vor, so in Berlin, Ms. germ. 4^ 174: Karls-
ruhe, Cod. St. Pet. 19; Kolmar 268; Cgm 457; Nürnberg Cent, VI, 43^
(Bl. 274 ^ steht am Rande : Eberhart Madach [Dominikaner prior in Nürnberg
1425—28, vgl. Schieler a, a. O, 73 ff.]) : VI, 100,
26'
Einleitung. I. Die Überlieferung.
Übersicht Ober die Oberlief erang des Grossen Briefbaehs.
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^^pm. Handschriften der Predigten. Da» Minnebüchlein.
Nur die erste Predigt Seuses ist in reicMicket- Weise überliefert,
toas wohl mit der besonderen Wertschätzung susammenhünfft, deren
sie sich bei ihm selbst (131,28 f.) und bei anderen Gottesfreunden
enrfreule; sie begegnet öfters (so in f/Ccgs) unter den liriefen und
erscheint gleichsam als zu diesen gehörig. An der Verbreitung der
übrigen Predigten lag Settse wohl wenig, und daher sind sie nur
mangelhaft erk'dten. Dabei tritt die auffallende Erscheinung zu-
tage, dass für Predigt 2 — 4 fast nur mittel- und niederdeutsche
Hss. in Betracht komme». Es lässt sich dien wohl nur damit er-
klären, dass einerseits das Nach- und Abschreiben homiletischer Er-
zeugnisse der mystischen Literatur im 14. und 15. Jh. in Mittel- und
Niederdeutschlnnd (Niederrhein) ganz besonders im Schwünge war,
andererseits die überragende Kraft und ' Auktorität Taulers als
Prediger diejenige Seitses in den Hintergrund gedrängt hiit. Schon
frühzeitig wurden die Homilien des letzteren — immer von der ersten
abgesehen — mit denen Taulers vermengt. Es ist wohl möglich, dass
eine sgstematische Durchforschung und stilkritische Untersuchung der
Ttiulerüberlieferung neue Predigten Seuses zutage fordert oder
wenigstetis eine bessere Baats für die Tejtesrezensienmg der be-
k<mnten schafft; diese Arbeit lässi sich aber nur im Zusammenhang mit
einer kritischen Taulerausgabe unternehmen.
1. Die Predigt Lectultis ist in folgenden Uss. enthalten:
b = Berlin, Ms. genn. oct. 69 Bl. BS'—tll' (s. oben 8. 21*).
b* = Basel, Universitätsbibliothek Hs. B XI 23, Perg. 226
BL lß°, 14. Jk Beschreibung bei H'. IV ackernaget. Altdeutsche
Predigten 547 f. Enthält S. 314— 6fi die Pr. Lectulus, welche nach
dieser Vorlage bei Wackcrnagel a. a. 0. 552— ßl abgedruckt ist.
Die S. 172 — 314 vorangehenden Gebete zu den Tagzeiten und zur
Kommunion ßei Wackerjuigel 5til — 83) verraten nicht Seuses Stil.
C — Kalmar 206 Bl. 49' —57' (s. oben S. 19*f.).
c = Cues, Ms. 115 Bl. 113'^— 18" (s. oben S. 22*),
g = St. Gallen. Jl/w. 970 S. 140—49 (b. oben S. 22* f.).
' m = Cgm 819 und H = Nürnberg Cent. VII, 90 haben nur
? Btäck aus d-er ersten Predigt (vgl. S. 495 «. ob. S. 23* A. 2).
n'= Nürnberg Cent. VI, 43', Pap. 298 Bl. 4", 15. Jh.,
bwjerischer Dialekt, ans dem Kloster St. Katharina in Niirnberg.
Bl. l-r.-i Traktat i'om U. Sakrament (vgl. oben S. 22*); Bl. 53-136
Buch von wahren Tugenden Alberts des Gr.; Bl. WO — 6'7 Stücke
aiu dem Benner Hugos von Trimlerg; Bl. 248 — 5ß Pr. Lectulus.
28* Einleitung. I. Die Überlieferung.
S = Stuttgart, Cod. theol et phil quarto 67 Bl. 62^— 76"*
(s. oben S. 24*), Abschrift von Pfeiffer in Cod. Vindob. SuppU 2779.
Weiter findet aich die Predigt Lecttdus, meist mit minder-
uertigeni Text, in folgenden Hss.: Bamberg Nr. 178 Ed. VIII 6
(Katalog von Leitschuh 1, 330 f) Bl. 1—22. — Berlin, Ms.
germ. quarto 149 Bl.77''—84%' 174 Bl. 138''— 48%' 580 Bl. 1—8;
1094 BL 102 "^ — lO'' niederdeutsch (vgl. Jahrbuch für nd. Sprachf
1884, 36). — München Cgm 447 Bl. 86—92; 456 Bl. 90—116.
Münster, Kgl. Bibliothek Nr. 501 Bl. 7 — 28, moderne Abschrift
einer älteren Vorlage (vgl, Katalog von Stände r 110). — Nürnberg
Cent VI, 43^ Bl. 135*' — 45"^, im Verlaufe aber stark abweichend.
— Stuttgart, Cod. theol et phil. fol. 155 BL 264—72 (aus dem
Dominikanerklostei' in Rottweü; vgl. auch Denifle Bvga XI). —
Zürich, Stadtbibliothek' Hs. B 2231730 enthält ein Bruchstück der
Pr. Lectulus (vgl. Wackernagel a. a. 0. 259, 552, 558 ff.). —
Die Strassburger Hs. A 88, welche ebenfalls die Predigt hatte
(vgl. K. Schmidt in Theol. Stud. und Knt. 1843, 856), ist rerbrannt.
2. Die zweite Predigt ,Miserunt Judaei^ (Echtheit zioeifelhaft!)
ist handschriftlich fast nur mittel- und niederdeutsch erhalten:
b^ = Berlin, Ms, germ. oct. 329 y Pap. 348 BL, 15. Jh., nieder-
deutsch, aus dem Kloster der Franziskanei'tertiaren in Aachen.
BL 114 — 56 Collacien von Joh. Brinckerink; Bl. 118 J^. Stücke aus
M. Eckhart; BL 274''— 8P Pr. Miserunt.
g^ = Gi essen, Universitätsbibliothek Nr. 850, Pap. 239 Bl.
fol.y 15. Jh. (Bl. 239*': 1460), mittelfränkisch. Beschreifmng in
V. Adrians Katalog 251 f. BL 1-167 der Seelentrost; BL 194 ff.
229 ff . Predigten von Tauler; BL 205 — 29 Marcus von Lindawe
über die zehn Gebote; Bl. 235 ^^ — 39^ Seuses 2. Predigt.
r = hs, der Gymnaßialbibliothek in Rostock, unsigniert
8 BL 4 ^, 15. Jh., niederdeutsch. BeschreibuTig und Abdruck im Jahr-
buch f nd. Sprachf orschujig 11 (1877) 11 — 18.
Dieselbe Predigt ist nd. auch in Brüssel, Bibliotfieque royale
Cod. 14688 y Perg. 14. Jh. Bl. 93*' — llti*'; genaue Beschreibung der
Hs. bei Borchling, 1. Reisebericht 268 ff,, mui von Priebsch in
Zfdph 1904, 58 ff. — Ein Auszug aus der Predigt Einsiedeln
Cod. 708 BL 6 ''—8*' (alemannisch).
3. Die dritte Predigt ,Exivi a patre' (ob echte") war bisher nur
in dem Taulerdruck von 1543 bekannt und ist darnach S. 518 -ff,
abgedruckt. Nachträglich wurde ich auf die Taulerhs. Cod. Vindob.
2739, Perg. 14. Jh. niedsrrheinisch, aufmerksam, welche die Predigt
Das Handschriftenverhältnis.
Weise dieser Ausgabe.
I. Das Leben Senses.
Für den Frolo;/ 'ie,s Ej'emptin:-^ , der der
Art und
Vita iQrnuü'jeht,
lie auch RVW
Exivi Bl. 79''— e?"* enthält; eine Kollation dieser H». folgt in dm
Nachträgen. Jn dendben Hs. Bl. 67** — 92" findet sich unter Seases
Namen die vierte Predigt ,Heruni relinquo'; benutzt wurde eine Ab-
«ciirift von J. Haupt in der ]yiener Jis. Suppl. 277'.» lil. 347'-— 5ff
(cjl. oben S. 5').
4. Das Minnebüchlein ist aüein in z ^ Hg. der Ziirickcr
titadtbibliothek C Ofi Bl. tf3'-75' überliefert (t. oben S. 24*).
und a ^ erste Ihvckausgahe Seuses, Auqsburg 1482; die letztgenannten
Hsg. und der Druck weisen sämtlich sehr rerderbten Text auf.
Für die Heistdlung eines guten Textes der Vita^) sind vor
uilmn AA'KMPS, subsidiär auch B'NIiS'UWf zu benützen. Von
A und M sind die Varianten vollständig in de» kritischen Apparat
aufgenommen, um ein genaues Büd ton diesen Has. zu geben, von
K die meisten, roti A'PS die bedeutsameren, von den übrigen Hss.
und mn x, die sämtlich von Fehlem und Verderbnissen tnimtn^n,
konnten nur in eineebten wichtigeren Fällen die Lesarten verzeichnet
werden. Übrigens ixt bei den ersten Kapiteln — das gilt auch für
die folgeiiden Schriften Scvses — ei» reichlicherer Viiriantenapparnl
beigegeben, der in der Folge auf das Nötigste beschränkt wird.
iVeiUius den besten, wenn auch nicht fehlerfreien Text bietet A,
welche Hs. daher zugrunde gelegt ist. A zunächt stehen in bezug auf
die Güte der Überlieferung K und S, dann folgen A'MP mit schon
sehr vielen Fehlem und Lakunen. A zeigt rerhältnisniäsmg die nächste
Verwandtschaft mit S, S mit P, ohne dass jedoch auf direkte Ab-
hängigkeil zu schliessen wäre; APS bilden eine zusamtnengehSrige
Gruppe, wie eine Anzahl gemeinsamer Lesarten und auffallender
Auvlassutigen zeigen (z. B. 49,13.38; 5f>.8; 72,80; 83,14; 126,5;
') Diere Ätugate sahlt nur 53 Kapitel, Denißr Ö6, Di^mlroek ,^7 and
der irnte Druck 59. Ute baten He», markiei-en bei 8,4; Ü(>,U4: 140,16 ru>nr
finen AbeaU, aber kein neue» Kapitel; Hn aolcht« wird »otist immtr durch tigene
Chernekfift ijrketinzeirlini-t.
30* Einleitung. I. Die Überliefemng.
145,18; 158,24 usw.). Femer stehen unier sich in gewisser Beziehung
die Hss. A und A^, K und M, SP und M, besonders aber M und A^^
die eine Reihe, allerdings meist minder icichtiger Lesarten gemeinsam
haben; in der Hauptsache gibt A^ die Textgestalt von A wieder, wie
es auch den Prolog des Exemplars enthält, der in M fehlt.
Wie man sieht, ist das Hss.-Verliältnis ein kompliziertes und
daher auch nicht möglich, in allen Fällen eine sichere Entscheidung
über eine bestimmte Lesart zu treffen; eine gewisse Bürgschaft für
die Zuverlässigkeit des Textes bieten die Gruppen AA^K, AKP,
KMP, besonders auch A^KMol gegenüber von APS. Jedenfalls ist
es aber in dieser Ausgabe gelungen, den Text gegenüber Denifle an
nicht wenigen Stellen zu verbessern.
Eine gesonderte Betrachtung fordert die Hs, M. Sie zeigt an
zahlreichen Stellen tiefgreifende Äiiderutigen , Auslassungen und
Zusätze^), welche unmöglich alle von blosser Schreiberwillkür her-
rühren können und somit dazu nötigen, die Entwicklungsgeschichte
des Vitatextes zu untersuc/ien. Diese Verschiedenheit von M gegen-
über den übrigen Texteszeugen — ich nenne sie A-Gruppe nach dem
Hauptrepräsentanten — hat Anlass zu einer heftigen Kontroverse
zwischen Preger^) und Denifle^) gegeben. Erster er behauptete,
A und seifie Trabanten stellen die erste, M die letzte, für das
Exemplar bestimmte Redaktion der Vita dar, letzterer, dem sich im
wesentlichen auch Strauch*) anschloss, trat mit Entschiedetiheit für
die Priorität von M ein.
Es kayin nun aber, vollends auf Grund des durch diese Aus-
gabe erschlossenen reicheren Materials, kaum mehr einem Zweifel
unterliegen, dass die Pregersche Hypothese durchaus verfehlt ist.
Wenn zwei Redaktionen der Vita zu untencheiden sind, so kann
man in M nur die erste sehen; das hat Denifle, der überhaupt über
eine gründlichere Kenntnis d^^r Hss. verfügte, siegreich nachgewiesen.
Ausschlaggebend ist allein schon der Umstand, dass sämtliche Hss.
der Vita, welche das Exemplar enthalten oder wenigstens voraussetzen
(im ganzen ca. 20), samt den Drucken die Rezension von A auf-
weisen; es wäre aber doch ein merkwürdiger ,ZufalV zu nennen,
wenn gerade das für das Exemiüar bestimmte Leben Seuses aussei*-
*) Dieselben sind weder hei Denifle noch bei P reg er (s. folgende
Änm.) vollständig aufgeführt,
«) Zfda XX (1876) 406 ff,; Gesch. d, d. Mystik II, 310 ff,
^ Zfda XXI (1877) 126 ff,; Smse XVIII— XX,
*) Afdn IX, 138—40,
Das HdinlachrittflnTerhSItiiW.^
hiUb desaeliien geraten, dm nicht für die Veröffentlichung vorgesehene
dagegen in das gerechte' Exemplnr ( Vita i,0) gelangt itiir«'). Wtittre
Gründe werden im folgenden Erwähnung ßnden.
Ist es nun alter unumgänglich notwendig, anzunehmen, dani^
Seuse seine Biographie zweimal redigiert habeY Vor allem ist zu
nagen, dasa der Text von M öisher ziemlich überschätzt wurde; er ist
weder so alt noch so gut, wie Denifle und Preger meinten*). Eine
Prüfung lUs Variantenapparates zeigt, dass der Schreiber von M
nickt ufort und fort den grösslen Fleifs"') aufgewendet hat, sondern
sich zahllose Nachlässigkeiten zu Schulden kommen Hess. Oft hat
er bei schwierigeren mystischen Partien den Sinn nicht mehr ver~
»landen, irie dies bei späteren Abschriften gewöhüich der Fall ist
(so z. B. 164,13; 165,17; 167,5; 168,15. 24; 170,12. 19; 174,23;
175,26 usto.), häußg macht er Änderungen und Zusätze, um das
Verständnis zu erleichtern (z. B. S,3; 10,llf.; 21,6; 46,5f. 60,6;
62,12 f.; 67,6 f. 10; 70,7 usw.), wobei aber äfters etwas ganz Un-
geschicktes*) und Sinnloses herauskommt (so 12,10; 16,9; 37,15;
34,17; 77,21; 83,20 ff.; 105,26; 108,9; 111,3 usw.); Überhaupt ist
die Tendenz zur Ertedterung d. h. Verflachung und Vertcässerung
des Textes hervorstechend (z. B. 50,8; 57,4; 59,23; 66,4 f.; 70,3;
73,18; 7 5,14 f.; 77,25; 86,23 f.; 87, 23 ff. usw.). Man sieht sich
nuf drund von alle dem zu der Annahme genötigt, dass in M bezui.
nein&r Vorlage nicht so fast die Hand eines Abschreibers, als die
eines Bearbeiters tätig war.
Daneben weist aber M manche Spuren höheren Alters auf i»
Zusätzen gegenüber der A-Gruppe, die nach Ausdruck und Inhalt
HO echt susonisches Gepräge tragen, dass sie nicht als Interpolationen
angesefien werden können''). Bei 15,4 und 82,11 f. Hesse sich der
Aunfail eines Satzteils allenfalls durch Homoioteleuton erklären, nicht
aber bei 133,lf. vnd 159,13 f. Es ist kein Grund abzttsehen, warum
hier Seuse bei einer ziceiten Redaktion sollte gestrichen haben;
') Dit VtitmUuiiff Freggrs II, 34^ ff., Setue aei durch dm Tod gehindert
u-orrfen, stin vierteilige» Werk tu einem Bande tu im-einigen, und wn Schreiber
I dann MUfaÜig die faUche Vita in Ana Exemplar at^genommeti, int doch
mcbl and datu schon durch den Prolog hinrtichmd teiderUgt.
') Vgl. dagegrn da» voreiehtigere Urteil Strauche a. n. 0. 140.
\ ») Denifle, Zfda XXI, 131.
•) Darunter gehört auch 59,2ä die Anselrung eines ntiim Kapitrh mii
astenden Überschrift: Wie er siuli ajuig hielt.
I *) Ich hnbil diaielbni in <Ü_ ^ gt4eW.
32* Einleitung. I. Die Überlieferung.
mindestens ebenso plausibel ist die Annahme, dasa schon im Arche-
tt/pus der A Gruppe die Auslassung durch ein Schreiberversehen
geschah.
An einer Anzahl von Stellen hat M Sonderlesarten von ge-
ringerer Bedeutung, die zwar gegenüber von A und seiften Anhängern
ursprünglißh sein können, aber keineswegs sein müssen und es meines
Erachtens auch nicht sind, da sie sich ungezwungen aus der
schon konstatierten Art des Abschreiber-Bearbeiters erklären lassen
(so 12,14; 50,27; 51,10; 62,15; 80,22; 86,25; 88,9; 99,3; 100,30;
103,10/,; 118,24; 126,20; 135,32; 143,32 f.; 158,25; 168,3; 172,6;
177,23; 179,32; 180,1).
Vo7i besonderer Wichtigkeit ist die Lesart von M 18,11 f.:
daz (nämlich das Gebet Anima niea) er do schreib an dem nach-
genden briefbfichlin (vgl. auch A^ in den Varianten) und der Zu-
satz 155,7: als an dem nüwen briefb&ch(l)iDy daz hie ze hindrost
och stet, aigenlich ist geschriben. Der M-Text kann an dieseti
Stellen, wie auch Preger^) sah, nicht von erster Redaktion her-
rühren, denn er setzt ja das abgeschlossene Exemplar voraus, aber
auch nicht der zweiten, endgültigen Redaktion bei Veröffentlichung
des Exemplars angehören, denn sonst wäre es unerklärlich, warum alle
anderen Hss., von M und teilweise A^ abgesehen, berichten, Seuse
habe den Morgengruss nur an „etliche'' neue d. h. gekürzte Brief"
büchcein geschrieben (18,12). Diese Nachricht muss aber richtig
sein, denn keine alte Hs, enthält den bezw. die Zusätze (vgl. Anm.
zu 393,6). So bleibt nur die Annahme einer Interpolation übrig,
die auch von Denifle^) und Strauch^) gemacht wurde und zu dem
Charakter vo7i M gut passt. Dies gibt uns aber das Recht, auch
den ungeschickten Zusatz in M 175,21: als da vor gesait ist als
eine spätere Einfügung zti betrachten.
Einem Schreiber-Bearbeiter y der sich solche Eingriffe in den
Text erlaubt, wird man auch Auslassungen zumuten dürfen. Vita 63,14
ist in M der Name Anna weggelassen und der Satz entsjyrechend
geändert, 64, 1 — 65,3, enthaltend die zweite der Anna gewordene
Offenbarung samt der Rosenvision, fehlt. Mit Sicherheit ist hieraus
weder auf erste noch auf zweite Redaktion zu schliessen: Seuse
konnte ebenso gut nachtragen als tilgen^). Imtnerhin spricht mehr
') Zfda XX, 407,409; Mystik II, 311 f.
2) Zfda XXI, 128,137.
«) A, a. 0. 139,
*) So auch Strauch n, a. 0,
für Drnißes Auffassung, da es jn, wen
noch lebende Anna JOickidcht ttehtnen
Namen wtyzulassen ; zudem int Kap, 37
genannt, ieelche wahrscheinlich mit der
n der Sc'hri/UUller auf die
wollte, f/enütft hätte, ikreti
— auch in AI — tine Anna
Kap. 2'^ erwähnten identisch
ist. Aber auch Deiiißes Annahme, M verrate hier die erste Redaktimi,
iH nicht zwingend, denn es konnte atick der Schreiber Pon M den
Te^t an der ersten Stelle ändern und an der zweiten die beiden Er-
zählungen streichen, ohne dass irir den Grund Jiiefiir mu erkennen
vermöchten; vielleicht geschah das letztere deshalb, weil in Kup. 34 zwei
aknlichK Erzählungen folgen. Ganz ähnlv-h liegt der Fall auch in
bezug auf den in M fehlenden Passus von dem ,Heuen Biichlein', das
in den Rhein fiel itil,li — 13), und bei den kleinen Auslassungen
51,2—4 nnd 8ö,lS—l'J.
Am tiefsten einschneidend und für unsere Frage am leichtigaten
sind die Abweichungen von M in Vita 130,1 ff. und 177, t ff'. Am
ersleren Ort bringt die Hs. statt der allgemeinen Andeutung, dass
Seuses so schwer verleumdete Unschuld sich herausgestellt habe, die
ganz konkrete Xachrii-ht, der Ordensgeneral and der Provitizial von
Teutonia hätten die Sache genau untersucht und alks als böswillige
Verleumdung erkannt usw.; ausserdem ist die folgende. 10 Zeilen
umfassende Erzählung oon der Erscheinung eines Freundes, der Jenem
früher Unrecht getan, gestrichen. Auch hier stehen mir vor der Alter-
native, Streichung des interessanten Zusatzes in A, oder spätere Hin-
zufägung in M anzunehmen. In der Tat möchten Dentfle*) und
Strauch*) din Zusatz der ersten, Preger'^) der zweiten Redaktion
zuweisen. Aber wahrscheinlich ist keine der beiden Annahmen richtig.
Kinmal finden wir in jenen Worten Seme« sonst so leicht erkennbaren
Stil nicht wieder, die Ausdrucksuvise klingt fremdartig ') und sehr
nüchtern, sodann ist Preger zuzugehen, d«ss Seusc, wenn er einmal
Keine Ehrenrettung durch die höchsten Instanzen des Ordens in
trockenen Worten niederschrieb, sie schwerlich in der zueilen Hedoktion
wieder getilgt hätte. Daher empfiehlt sich auch hier wieder die An-
nahme, dass ein Unbekannter die Interpolation gemacht und die
Änderung vorgenommen hat. Seuse selbst hat sich wohl in bescheidener
Zurückhaltung mit allgemeinen Andeutungen begnügt, — seine Un-
') Zjda XSJ, 13uf.
') A. a. U. 139 f.
■) Zfd-i XX, 4ob; Mystik II, 314 jK
*) Aueh Strauch a. a. O, ßndet die Les
n freschmitct totit aneielienih-r.
Isnticha Soh ritten.
I A pottincher und für
34* Einleitung. I. Die Oberlieferung.
schuld ist ja Voraussetzntiy der (janzen Erzählxnig! — nach seinem
Tode aber hat ein mit den Verhält ninsen Vertrauter ^ vielleicht ein
Ordensgenosse im Ulmer oder Konstanzer Konvent^ die Notiz ein-
gefügt Anregung dnzu mochte ihm die Befnerkung (126^13 f.) über
das Kommen der Ordensoberen (nach Konstanz) gebeny die von selbst
dem Leser die Frage nach dem Ausgang der Untersuchung auf die
Zunge legte; die anschliessende Erzählung über die Erscheinung dt»
verstorbenen Freundes konnte dann als entbehrlich wegfallen.
Wer den Text zu Beginn von Kapitel 51. wo über die
Gotteserkenntnis gehandelt wird, nach der A-Gruppe und M
mit einander vergleicht, erkennt unschwer, dass hier eine einschneidende
Änderung in ganz bestimmter Tendenz vorgenommen tcorden ist.
Während in M nach dem Vorgange Bonaventuras, der hier als
Quelle dient (vgL den Nachweis in den Aiimerkungen zu 176,11 ff.),
und Meister Eckharts^) dargetan wird, dass Gott das primum cognitum
sei und dieser Gedanke dsn ganzen Abschnitt beherrscht, wird in A
der Frage nach dem Ersterkannten ausgewichen und der Ged/wken-
gang in recht gezwungener Weise dahin gewendet, d/iss Gott nicht
in die zerteilten Weseji aufgehe, sondern der Enthalt aller Dinge
sei ^). Kein Zweifel, dass der Text in M besser fliesst und den Ein-
druck d^r Ursprünglichkeit macht. Daher meint Denifle% das
Hervorgehen des Textes von M aus A lasse sich in keiner Weise
begreif euy wohl aber umgekehrt; anfangs habe sich Sense fast sklavisch
an (las fünfte Kapitel des Itinerariums gehalten, später aber, als
er daranging, die Vita zur Veröffentlichung vorzubereiten und die
schwierigen mystischen Fartien dem Provinzial Bartholomäus vorlegte
{Prolog f)jlSff.), habe er den Text „so gut es ging^ geändert, weil
') Vgl Denifle in seinem Archiv II, 619 f.; 587,21: 600,15; 606,6.
*) Vgl Denifle, Zfda XXI, 131 f. Der Versuch Pregers II, 317
nachz uteeisen, dass zwischen A und M kein wesentlicher Unterschied besiehe
und dass die letztere Hs, und Bonavefitura Gott nicht für das ErsierkawUe
halten, verrät so wenig Ke^intnis der scholasiischtn Terminologie, dass er als
ganz verfehlt nicht weiter zu berücksichtigen ist. Vgl auch Denifles scharfe
Zurückweisung im Archiv II, ö2t) A. 1, 587. Dass die Lehre der älteren Franzis-
kanerschule von der ,cognttio in rationibus aeternis^ mit der thomistischen Lehre
nicht harmoniert, — die Herausgeber des Itinerariums fs. Anm. zu 176,6), Scholion
p, 487 ff . suchen vergebens Bonaventura und Thomas in Einklang zu bringen —
hat new'rdings lichtvoll und überzeugend M. Grab mann, J)ie philosophische
und theologische Erkenntnislehre des Matthaeus von Aquasparta (=^ Theoh
Studien der Leogesellschaft H, 14) 1906, 56 ff. gezeigt (S. 60 f. über Bonaventura).
Vgl auch Krebs, Meister Dietrich (s. S. 328) 124 ff.
'-') Zfda XXI, 131 ff.
Das HandachrifteiiTerbältiiiÄ. Art am! Webe ilifscr Aiwgalio. 35
jWie Xe/ire der im Orden slren;/ rorgeschriebeaen ') tltomististhen
Doktrin widersprach.
Die Lösuni/ den Problems ist sicher eine ansprechende, wemi-
gleich nicht rille Bäteel schwinden. Auffallend bleibt dann immerhin,
tBarum Seuse bei seiner „ängstlichen Furcht" (Deniße) nicht besser
dafür sorgte, dass die Spuren der anstüsxiyen Lehre verschwanden,
und u4e er überhaupt dazu kam, in dieser wichtiyen Frage von
Tkonuie, den er so hoch schätzt und dessen Gegner er so sehr tadelt
(Vita 180,16 f., Hör. 151 f.), abzuweichen^ Doch wird man die
Möglichkeit nicht leugnen können, dass er trotsdem jene Theorie, die
sich auf die Auktotität des grossen Angitatinm stützte und von einer
Reihe von Theologen seiner Zeit, vor allein von seinem Lehrer Eck-
hart, vertreten wurde, adaptierte und in seiner mystischen Spekulation
anfanglich zum Ä^mdruck brachte. Viel schwerer wird man zu der
Annahme greifen, — und sie bliebe allein nodi übrig — dass etwa
auch hier der tnteipolator Bon M, der die Notiz 130,lff. einfügte,
seine Hund im Spiele hatte, indem er sich angetrieben fühlte, den
Text der Vita nach Bonaventuras Itinerarium, von dem Seuse so
plötzlich abweicht, zu ändern und zu ebnen.
Dofi BeSMltat dieser Untersuchung ist demnach folgendes: wohl
nur in bezug auf deii Anfang den 51. Kapitels kann man mit ziem-
') Auf dem Gtntmliapilel von 1378 irurdtn dir Dominikaner streng auf
dir Lthrr des hl. Thomat twn Äq^uin verpflichtet und eugltieh eigene Inq^uisilorot
aufgteteüt, durch vrlehe die Nicht-Thonüxten bestraft, aus ihrer Proeine aua-
gietMsen undjcdtn Amtea enthoben iceräen «oliteH (MOPK III, 19H). Ähtdiehc
Batimmuugen wurden öften tBieder/uitl, »o auf dtn Geaeralkapileln eon 1370,
1366, 1309, 1313, 1329, 1343, 1344 usk., ein Btwei», etaes sie nicht immer gmou
eingehalten irurdtn und dose die antithomistischt StrBmung auch im I^edigtr-
arden nicht unbedeutend war. Meister Eckhart und Dielrieh von Freihtrg, die
trotidem hohe Ordensuletlungm h'kleidelcn, sind Zeugen dafür. Über des letzteren
Erkenntnialehre , leeleb» liienfalU antithomielüch i*( und, wenn auch von
anderen philonaphieehen Grundlagen atugekend, doch iit der ffauptnache mit der
der älteren i'mHZiskanerachtdt lusammentrifft , vgl. Ki-tb« a.a.O. 113 ff,,
185'f., 303': ebd. 330' auch aber den Traktat i-oii der Minne (bei Preger
II, 419 ff.).
*f Als Gegininstanz iriVri man weniger beConen dürfen (t>gl. Deniflr
a. lu 0. 134 A. 3), daM Seuse kwi rorhei- (172,1 ff.) den Weg der GoUeserkenntnis
fier ertainras auf arittotelisch-ihomistische Art beschreibt, und dass auch das
mfiff. angeführte Beispiel vom Licht und von den Fledermausaugm der Lehre,
das göttliche Weeen sei da» primum eognttum, nicht recht entiipriehl. Ein der'
artigea IneinanderspieUn tiugustinischer und arietoteliseher Gedanken findet »ich
auah in dem System Bonatienturast M Matthäus von Aquasparla u. a. {vgl. Grab-
^^■M a. a. 0. 5/1 ff., ISO fh
3ü* Einleitang. I. Die Überlieferung'.
licher Wahrscheinlichkeit von einer doppelten Redaktion der Vita
redt'n; einen grösseren Umfang hatte diese schwerlich^). Doch wird
bei dieser Annahme der Avsdriick yfDojypelredaktion*" besser ver-
mieden ^), denn auch die Rezension von M war von Anfang an für
das Exemplar bestimmt^): Vita 18,11 f und 155,7 (s. oben S. 32*) ist
von dem Brief biichlein die Rede, 96,2 wird das Leben als erstes
Buch, nämlich des Exemplars, bezeichnet, und es fehlt auch nicht der
Hinweis auf die Bilderausstattung desselben (103,24),
II. Die flbrigen Schriften des Kxemplsrs.
1. Das Bdew hat eine verhältnismässig sehr alte, gute, aber
doch nicht ganz einheitliche Überlieferung. Von den benutzten Hss,
(s. S. 196) ist der Konformität halber auch hier A zugrunde gelegt,
obwohl wir in EE^Z einen älteren und besseren Text vor ufis haben;
in rein sprachlicher Hinsicht stimmt jedoch A mit diesen Hss. fast
vollständig überein. Relativ den besten Text hat Z, das auch die
Autorenzitate am Rande am genauesten verzeichnet, dann folgen
E und E\ Diese beiden Hss. weisen Korrekturen von einer ältet'en
und Jüngeren Hand auf welche nicht immer mit voller Sicherheit zu
unterscheiden sind, Z nur solche aus späterer Zeit ; die sicher jüngeren
und unrichtigen Korrekturen sind im Variantsnapparat nicht berück-
sichtigt. In E^ und F, welche miteinander verwandt sind, zeigt sich
häufig eilt willkürliches Eingreifen des Schreibers; E^ hat daneben
aber auch oft sehr gute und alte Überlieferung. Verwandt sind
ferner F und F^, E^F und F\ natnentlich aber A und K, denen
sich noch manchmal a anschliesst. AKx, welche das Bdstc in der
Form repräsentieren, wie es in das Exemplar auf genominen wurde,
stehen durch zahlreiche Änderungen , Auslassungen und sonstige
Korruptelen allen übrigen Hss., welche das Büchlein separat über-
liefern, als eigene, minderwertige (jiruppe gegenüber, was zu dem
Schlüsse berechtigt y dass der Vorlage von A keine sehr gute Abschrift
(= X) des Bd^w, das schon ca. 3r> Jahre ror der Redigierung des
^) Höchstetia wäre noch 169,13 f. an ein Kingreifen Seusea aelbsi zu denken,
'^) Auch Denifle redet wiederholt nur hypothetinrh daron (Seuse XX,'
Z/da XXI, 137).
°) Unrichtig sagt Denifle, Seuse XIX: „es steht fest, dass das Lehen
in M von Seuse nicht für das Exemplar heMimmt imr." Dagegen mit Recht
F reger, Mystik II, 3:Jlf.
Das Handschriften yerhältnis. Art und Weise dieser Ausgabe. 37*
Exemplars verfasst war, zugrunde lag^); und zwar muss X in
einiger Beziehung zu der in Töss geschriebemn Hh, E gestanden
haben, dcts zeigt da^ öfters vorkommende Zusammentreffen von A
und E, AK und E, AKol und E, neben d^m jedoch auch die Ver-
bindungen AF und AH bemerkenswert sind. In Zweifelsfällen wird
man sich bei Rezensierung des Textes tw der Regel auf jene Hss,-
Gruppe zu stützen haben, bei der Z vorkommt. Es gelingt auf diese
Weise öfters einen zuverlässigeren Text zu erzielen, als ihn Denifle hat,
der E und E^ bevorzugte,
2. Das dritte Büchlein (Bdw), weniger kopiert und daher
iceniger verdorben, ist ziemlich gut überliefert. Führerin ist A, und
von diesei' Hs, bezw. ihrer Vorlage scheinen alle übngen abzustammen ;
verwandt sind besonders A und B, A und K, A und S, AB und S.
Die Varianten von CNSfm, welche voll Fehlern stecken, sind nur zum
kleinsten Teil angeführt. Gegenüber Denifle, der geringeres Material
benützte, ist der Text an manchen Punkten verbessert.
3. Beim Bfb gilt so ziemlich dasselbe, wie beim Bdw, A über-
ragt alle übrigen Hss., von denen CK PS manche, NUlVfmoL sehr
viele Verderbnisse aufweisen, weit, und nur sehr selten muss von
ihr abgegangen werden. Verwandt sind untereinander besonders A
und S, C und S, AC und S, K und ü, m und N.
4. Die Zusätze zum Bfb '^) sind in mangelhafter Weise über-
liefert, und zwar weichen die Hss., welche das Exemplar enthalten
{RS^Wf), und 7. öfters ab von denen, welche sie in Verbindung mit
dem Gr Bfb bieten (Nhms^). Der letzteren Gruppe wird meistens,
namentlich bei den Sprücheny der Vorzug zu geben sein. Denifle
Jutt, wie es scheint, nur a und m benützt. Zur Grundlage sind
S^ und f genommen, weil diese Hss. die älteren Sprachformen und
defi alemannischen Dialekt am meisten bewahrt haben.
III. Das Grosse Briefbach.
Nach Seuses Zeugnis hat seine geistliche Tochter Elsbeth
Stagel aus „allen*^ Briefen, die er ihr und andern seinen geistlichen
Kindern gesandt, ein Buch gemacht; er selbst nahm einen Teil der
*) Auffallend ist dies aller dings, da Seuse nach Prolog 4,1 ff. über Sthreiher-
Verderbnisse, speeieü im Bdew, klagt und von seinen Bemühungen um ein ,ge-
reehtes^ Exemplar berichtet. Man wird aber von einem mittelalterlichen Schrift-
steller keine aUsu grosse Akribie erwarten dürfen.
*) Vgl. die Anm. S. 393.
$Q* Einleitung. I. Die Überlieferung.
Briefe, kürzte sie und machte ein neues Büchlein (H73,22: diz klein
ding) von elf Briefen daraus, dus er als vierten Teil dem Exemplar
einverleibte ; die Briefe, welche ihm zur Aufnahme nicht tauglich
schienen, vernichtete er (Prolog zum Exemplar 4,18 ff.; Vita 18,12;
Kl Bß 360,1 ff., 373,22 ff.),
Ist nun wirklich das ursprüngliche, ungekürzte Briefbuch der
Stagel unwiderruflich verloren, oder ist es in irgend einer Form er-
halteu geblieben? Über diese Frage ist vor 30 Jahren zwischen
Denifle^) und Preger^) eine heftige Kontroverse ausgefochten
worden, die zwar kein völlig sicheres Resultat herbeiführte, deren
Verlauf aber doch unzweideutig erkennen Hess, auf welcher Seite sich
der grössere Scharfsinn und die umfassendere Kenntnis des hand-
schriftlichen Materials befand^). In seinem ersten Aufsatz hatte
Denifle ausgeführt, dass das ursprüngliche Brief buch nicht, wie man
glaubte, verloren sei, sondern sich im wesentlichen in der Stuttgarter
Hs. Cod. theol. et philos, 4^ 67 (=^ s, s. oben S, 24*) erhalten finde,
während das von Preger 1867 hetyiusgegebene Brief buch des Cgm 819
(s. oben S. 7*, 23*), das dieser für die endgültige, von Seuse für das
Exemplar bestimmte Bedaktion ansah, sich nur als ein ungeschicktes
Konglomerat aus Briefen des ungekürzten und gekürzten Briefbuches
darstelle. Dem gegenüber suchte Preger nachzuweisen, dass die
Stagelsche Sammlung gar nicht erhalten sein könne, da Seuse na<:h
seinen eigenen Worten (373,27 ff,) sie vernichtete; derselbe habe
wiederholt eine Auslese ans ihr veranstaltet : die erste besitzen wir noch
in s (das „alte^ Brief buch), die zweite in den 11 Briefen des ersten
Druckes (das ^neue^ Briefbüchlein), die dritte, für das vierteilige
Sammelwerk bestimmte, die aber durch einen Zufall nicht in das
Exemplar kam, in m.
Das neue Material, das in vorliegender Ausgabe der Forschung
unterbreitet wird, ergibt mit Sicherheit, dass Denifle in allen wesent-
') ..Zu Seuses ursprünglichem Brief buch,'' Zfda XIX (1876) 346—71;
..Ein letztes Wort über Seuse^ Briefbücher ,"" ebd. XXI (1877) 89—136. Vgl
auch Seuse XXVII.
») ,.Dic Brief bücher Susosr Zfda XX (1876) 37:i—41ö. Die Abhand-
lung in Gesch. d. d, Mystik Ily 331 ff. bringt nicJits Neues von Bedeutung bei,
ebensowenig die itersünlichen Erklärungen der beiden Gegner in Afda III^ Sil — 13.
*) Strauchy Afda IX, 138 hält Dmifles Ansicht für glaubhafter, in
AÜg. dtsch. Biogr. 37,179 schliesst er sich derselben rückhaltlos an. Vetter
a. a. O. 59 f. meinte, es habe nicht bloss zwei, sondern mehrere Briefbücher von
abtceichender Heihmfolge und Austrahl der Stücke gegeben, die ..Kürzung^' durch
Seuse sei nur entschuldigende Fiktion eines späteren.
liehen Punkten das £rchlit/e ijeseken hnt, Freier diujt^ijeH irie in bezui/
auf die Vita so auch hier sich auf /alscher Fährtr befand. Was
zunächst das kleine oder neue ((fekürste) Büchlein mit 11 Briefen
anlangt, so kann es keinem Zweifel mehr unierlieijen, dass wir darin
die letzte, in gam bestimmter Tendenz^) bearbeitete vnd in das
Exemplar aufyenommene Auswiild Seusen vor um haben. Gegenüber
dem Zeugnis der Uss., welche dasselbe sämtlich ausser m und N in
einheitlicher Form bieten und als viertes Buch dem Bdtv anfügen,
mnken die Pregerschen Erklärungsversuche und KombinaUonm *) i«
nichts zusammen, m, wozu als Doppelgängerin die fast identische
Hs. N kommt (s. oben S. 7*), kann dagegen unmöglich als Schluss-
redaktion Seuses gelten und ist überhaupt gar keine Originnlarbeit^).
Die Entstehung dieser Kompilation lüsst sich umchuer begreifen.
Der Münchner beew. Nürnberger Bearbeiter hatte ein» Hu. Por sich,
in welcher auf das Kl Bfb das ungekürzte (und wohl auch die
Predigt Lectulus) folgte, — solche Hss. haben wir noch in B und V
— er nahm das ersifre ganz auf, von dem letzteren aber nur die-
•enigen Briefe (14), welche ein abtceichendes Motto trugen und fügte
sie nach Br. 111 (Nigra sum) ein (rgl. oben S. 23*). Dieses Ver-
fuhren hatte notwendig Ungleichheiten in den Überschriften und eine
Reihe nnnützer Wiederholungen zur Folge*).
•) Dk Vitrrfde ajiri^ von einer lere, jtder Brirf itt mit einrr eigenen
Cbtrtehrift »«rmAen, die Kärtung, Zutammtnaeteung and Ähfnlgt dtr Brief«
iit itocA sachliehm Gtnehlipunklen i». S.43* Ä. ]) bewerkstelligt. Aun Vilii
16,ttff. geht htrvor, dass Abschriflen de» Kl lij'b »dtun rar der Scbliien-
redaktion dre Exemplam im Umlauf leartit,
*) Zfda XX, 416; MgnUk II, 3t3f. Vgl. dagtgen nimtntlii-h Denifli-,
Zfda XXI, im.
*) Die eimeluen Argumente Pregers , drr öftere ungeschickt operitrt,
braucAea hier nicht mehr mdtrlegt mvireden; Dtnifle hat die» fast tu ollm
Stacken eitgreich getan, vgl. /Ktandei-e Zfdtt- XIX, 366 f. XXI, 103 f. HO ff.
•) Dies aehon die einleuchtende Krklärang Deniflea, Zfda XXI, Vi5.
Hier eimgr writere Natiten über die Beechaffenheit des Texte» in m N. Da-
Prolog iet deritlbe toie im KlBfb, Die 11 Briefe des leleteren eind, vrttn
auch sehr verderbt, in der Bezetision von A, doch Itat der Kompilatoi' nicht
vinchmäht, tto es ihm jiiunend schien, eineelne Wörter und Phrasen aus dem
T/V Sfh »u übfniehtnen, betw. rineetnes austulasaen, Keil es dort nicht stand.-
i»H/ einige Beispiele hat schon Deniflr, Zfda XXI, llUff. aufmerksam ge-
vtaehl. So ist JIÖ,]3 (ich Zitiere Prtger nach Seiten und Zeilen) iu ilen IJer-
garten = Gr Bfb 411,12: 29,1 steht beBcheideoheit atatl inrkeit = 430,6.- 30,1
du diaz = i37,lo; 61,17 waz will leraii = tST,n : fl,?,JO aa Beinern gebet
= 4iti,3l! «3,3 gotüchen = ■M.VI' .■ HU,! govta peinaJiei = «ö^JiS.' lO.ls fehlt
IM ÜäUehtit = 450,1S. Am Schluss ron Brief II, TU, XXII, XXIV (nach
40* Einleitung. I. Die Überlieferung.
Dem gegenüber weisen s und die dmnit zusammen ztistellenden
Hss. bCc dg g^hnR s^Uz untrügliche Merkmale auf^ an denen tüir noch
die Sfa^elsche Sammlung erkennen können. Der Prolog (405,1 ff.)
redet nicht von einer Auslese wie beim Kl Bfb (360,2 ff .), sondern
weist deutlich auf die Originalhriefe hin ^); es fehlen die redaktionellen
Zusätze, welche Brief IV y V, VI (Anfang und Schlu^s) im Kl Bfb erhalten
haben^), samt — doch ausgenommeti hUs^ — der Erzählung von der
Prejjer) ist ein lateinischer Spruch : hec nobis concedat illc, qui passus est pro nobis
(oder ähnlich) angefügt. Die redaktionelle Bemerkung 64^4 — 7 (Brief Quomodo
polest, vgl. diese Ausgabe 371,32 Vor.), aus welcher P reg er (Zfda XX, 405;
Mystik II, 339 f) für seine Hypothese Kapital schlägt, hat iJenifle, Zfda
XXI, 119 ff. überzeugend als Einschiebsel des Kompilators nachgewiesen.
0 Es ist Seuses Gewohnheit, in den Vorreden und sonst bei Ge-
legenheit sich über die Entstehung seiner Schriften auszulassen (vgl. Denifle
a. a. 0. 100 fj; irie das gekürzte Bfb zu stnnde kam, erzählt er sogar dreimal.
Hier aber heisst es einfach : die (briefe) sante ... Ist das nicht ein deutlicher
Fingerzeig, dass wir keine von Seuse vei'an staltete Sammlung vor uns haben?
Er pflegt sich sonst auch nicht ein, sondern der diener der ewigen wisheit zu
nenneti. Dass ein Satz in beiden Prologen fast identisch ist, darf nicht be-
sonders auffallen, denn Seuse hat auch Verse der Stngel einzelnen Abschriften
des neuen Bfb zugesetzt, und einige davon unter die zu Bild 1 und 12 gehörigen
Sprüche aufgenommen, Preger räumt übrigens selbst die Möglicfikeit der Ent-
lehnung ein (Zfda XX, 380).
2) Brief XVII (Quomodo potest) des Gr Bfb (vgl Kl Bfb IV) erfordert
gesonderte Betrachtung, Er zerfällt in zwei deutlich geschiedene Teile, die nur
ins unter einem Motto, doch durch rote Initiale und Absatz getrennt (468,10),
hei einander stehen, während C c d nur den erstefi, n z nur den ziceiten Teil
enthalten. Im Kl Bfb sind die zwei Stücke mit Br. XVIII {Nemo potest) zu-
sammengeschmolzen und haben eine historische Einleitung erhalten., aus welcher
hervorgeht, dnstt alle drei Teile an dieselbe Adressatin, wemi auch nicht alle zu
gleicher Zeit geschickt worden waren. Da nun im Gr Bfb vor der zweiten Ab-
teilung von Br. XVII dieselbe Einleitung steht, wenn auch ausführlicfter und mit
c/iarakteristischeti Zügen bereicheri (458,10—469,9), wie im Kl Bfb (370,1—21),
so sieht Freger (Zfda XX, 380: Mystik II, 333 f. f darin einen untrüglichen
Beweis der Redigierung durch Seuse selbst. Doch ist die Argumentation nicht
beweiskräftig und schon von Denifle (Zfda XXI, 9aßj genügend widerlegt
worden. Warum soll jene Einleitung nicht schon in Stagels Sammlung gestanden
haben 'f Es ist anzunehmen, das» Seuse den zxceiU^ Teil zugleich mit dem ersten
au dieselbe Nonne sendete : deshalb hatjvner auch kein eigenes Motto, was sonst
bei allen Briefen Seusts der Eall ist. n allein (s. im Variantenapjmrat zu
468,10) kann dagegen nichts betreisen, da diese lls. überhaupt einen sehr stark
und oft willhürlich bearbeiteten Text enthält: auch bei 4:J1,19 setzen n und d
unmoi ivieriertnisc den Beginn eines neuen Briefes nn. Eher noch könnte das
für sich unrerslän'Uirhe Er nm Beginne der Erzählung (458,1(J) auffallen, aber
vielleicht hat die S tag vi hitr geändert.
Dm HandwiinlieDTerhl
^ruwf des Nnmms Jtsit, MoTgengrun» und Sprüchen, und liOer-
)pi ergibt sich das Gr B/b ') hei grnauer Verghichuiuj unzwei-
deutig als dir Vorlage zu erkennen, »ach der die 11 Briefe den
Kl Bffi gekürzt und zusammengestellt worden sind'). Bin Blick in
die Tabelle S, 2H^ {vgl. auch die S. 25* vorangehende Notiz) zeigt, dasa
die Aufeinanderfolge der Nummern des Or Bfb in den Mus,, zu
denen auch die ehemalige Strassburger Hs. F l'^S (s. oben S, 25*)
zu stellen wäre. — die nur wenige Briefe enthallenden Mannskripte
kommen nicht in Betracht — im wesentlichen konstant int ; nur gegen
t^chluita macht sich ein leichtes Schwanken geltend. Verhältnismässig
tim besten scheint die Abfolge des Original)! in s refräaentiert. Es
ist eine interessante Beobachtung und zugleich eine Probe für die
Richtigkeit obiger Beweisführung, dass die Art, wie die Briefe des
') kh ijehnmeht diese BcMtiehnung, nicht wie TJ*niße „UTigt/nirttes" Britf-
haeh, weil mir nicht tiehtr wisnen, ob alle Briefe der Stoffeleehtn Sammlimg
irhalUn tind. Zudem mai/ der «in« odrr andtie noch nachträglich data gt-
kummtn «ein. » ial Nr. XXV 11 nur in drei gpiUcrm Baf., XXV 111 (AV
Echtkeil priUiimiert) nur in einer Bbertieftrl.
') K» i«t pon Inlerrsst Seiteen Vorgr/ieri hierbei eu beobufhteit. Er küret
nicht bloaa, «ondtm macht tbmn utid wann auch kleinere oder grlisstr« ZulStte
I bei Briff IV — VI Einleitungen, ». S. 40*), »erdeuUieht durch Vertaunehung
MiiM Aufdrucke durch einen anderen, bringt kleiiit itilistiache Vtrbes^ei'Hnge»
an. Die SiJrache im Or Bfb int öftere origineller, kröftigcr, weniger gefeilt,
im Kl Bfb glatter, weniger ptr»rmliek. Infnlgr der Küreung wird dtr Gedanken-
gang lUirr nicht immer klarer, z. B. ist 368,27 f.: 370,16: 383,17 ohni die Vor-
tage kaum reratiiudUch. Im einzelnen mUpreehen »ich die Briefe im Kl und
Gr Bfb in folgender Weise (die betreffenden Partien de» Kl Bfb sind immer
rorangattllt und die Briefe de* Gr Bfb mit römischen Ziffern bezric/melt:
1. itegnum mundi lietteht au* 11 1. Trä (360,Vi—362,lU = 410,10- 413,171 und
fintnt Stück von III Surrfxi 1363,20—33 = 418,6-419,16); der 3. Teil von
Hepnum maudi im Gr Bfb, der gant apeeietle Balacldäge für eine Nonne tnl-
halt, iet im Kl Bfb ilbergangrn, ihn al* eigenen Brief antutehen iPregtr in
Zfda XX. 375), iet aber kein gelingender Grund. — 3. Habitabit igt aue eeclu
vrtchitdenen Teilen tuaammengesettl : al 363,4—364,16 = IV llabitabü;
*) 364,16— 3S = V Simet 423,18— 434,3:i : c) 364,30—366,2— VI Vineae
436,23-36; dl 365,3— Hl = VIII Guetatr 430,5— U: el 365,11-366,6 = X
Htoerlrrt i3ti.4— 437,13: f) 366,7—37 = XI Audi 437,31-43.9.7. — 3. Nigra eum
iti aus XII ttark gtkuret. — 4. In Br. Quomudo poteat rntapricht 369,4-371,3^'
IM wesentlichen X Vll und 371,33—372,35 X VIII Nemo potrat. — 6. ExuUet
= XIV. — 6. Ahaaton = KIII (tietnlich erirritert). — 7. (Chriattul, 8. fAunun-
tiaiet and 9. (In omnibual gtbra die Vorlage Br. XIX— XXI unKeaentUch
mrändert irirder. — 10. Eiiote healehl aue twei Teilen: at 3Slf,M—390,ä7
= XXII 471Ji—47L'.ll ; b) 391,1— 10 = XXIV Hob autm 476,7— 34. — 11. Pone
iiu= XXVI am Schluaa crwtiterl.
42* Einleitung. I. Die Überlieferung.
•
Kl Bfb aufeinanderfolgen und wie die einzelnen kombiniert sind,
deutlich erkennen lässt, dass Seuse eine Sammlung vor sich hatte,
welche die Briefe so ziemlich in gleicher Reihenfolge und Anzahl wie
s enthielt^).
Man wende nicht mit P reg er '^ ein: Stagels Sammlung ist ja
von Seuse vernichtet worden, wie kann sie dann erhalten sein ? Wir
können doch nicht annehmen, dass Elsbeth ohne sein Wissen und
Wollen eine Briefsammlung veröffentlichte! Darauf ist zu sagen,
da^s die Absicht einer Veröffentlichung in den Worten des Prologs
nicht notwendig gefunden werden muss; sie haben einen guten Sinn,
wenn Elsbeth die Briefe auch nur für ein Kloster bestini$nte%
Übrigens ist ein eigentliches Verbot, die Briefe anderen mitzuteilen ,
auch nicht gegeben worden, die Bedenken Seuses gegen eine weitere
Verbreitung (7,9ff\y 113,24 ff.) bezogen sich zunächst nur auf das,
was er von seinem eigenen Leben, seinen Übungen und Leiden erzählt
hatte, und davon enthält da^ Gr Bfb nicht viel. Dass sich Seuse
in seiner Meinung, das ursprüngliche Brief buch sei bis auf den ins
Kl Bfb übernommenen Re^t vernichtet, getäuscht hat, ist richtig und
immerhin auffällig. Aber die Tatsachen verlangen die Amiahme:
es muss noch ein zweites Exernjüar des Briefbuches, sei es in der
Hand der Stagel oder einer Gesinnungsgenossin (vgl, 113,24 ff.),
existiert haben, das erhalten blieb. Völlige Aufhellung des Rätsels
wird uns wohl nie gelingen.
^) Vgl, die vorige Änm. Warum im Kl Bfb von Nr, IV — VI eine andere
Ordnung beliebt ist, ist leicht ersichtlich. Er war detn Lehr zweck angemeesen,
gleichartiges zusammenzustellen : Br. I — V behandeln geicissermassen die Anfangs-
gründe des geistlichen Lehens. Das Wort ,,alle*' im Prolog (4,19) ist nicht zu
pressen ; es wäre auch kaum möglich gewesen, dass Elsbeth alle, möglicheneeise
weit zerstreuten Briefe Seuses in Abschriften zusammenbrachte, Dass uns nur
ein ^Brucltstück^ (Denifle, Seuse XXVIII) der Sammlung erhalten sei, ist
daraus aber nicht zu folgern (vgl, auch Pregcr II, 333), Die in die Vita
verarbeiteten Briefe sind selbstverständlich nicht in die Stagelsche Sammlung
aufgenommen worden: dafür waren manche von ihnen nicht geeignet und es
musste geniigen, sie auf jene Weise vor dem Verlorengehen bu betoahren, Dass
Br, XX Annuntiate in allen Uss. des Gr Bfb unvollständig ist, dürfte lediglich
Schuld der Abschreiber sein, die den Schluss, weil völlig gleichlautend mit dem
Kl Bfb, icegliessen.
») Zfda XX, 376 f. 379 .^^Mystik II, 332 f.
•) So Denifle, Zfda XXI, 93. Gane verkehrt ist es zu sagen, die
Erwähnung des ..neuew Bfb setze voraus, dass ein ,^dltes'^ existierte und be'
kannt war {Fregvr, Zfda XX, 3t>9 A. 1 : Mystik II, 333). „Neu^ heisst es
doch nur mit Büclsicht auf seine Entstvhuug aus Stagels Sammlung, von der
Seuse dreimal ereöhlt.
^ Du HunlachrifleiiTeriiÜtiuA. Axt und Welse dieeer Äntgfabe. 43*
^^V Wog (lau HuTidxchriftencefhälinis in bezug uuf dos
Qr Bfb betrifft, so i»t es nicht leirhl, ein klares Bild /liemov und
eine »ichere Orundlaye für die Te-jctgestnltung zu gewinnen, und dies
insbesondere deshalb, treil fast bei jedem Brief dw ZalU der Ihn
äberlieferiiden Hss. sich nnder)! zusammensetzt und weil es an einer
eigentlich fahrenden Hs. fehlt. Sämtliche Texteszeugen sind vom
ArcheU/pn.1 nchon ziemlich weit entfernt, und keiner denselben ist frei
ron zahlreichen Verderbnissen und Auslnssungen. Verhältniasmässig
nm besten ist z, dann folgen b und s, hierauf ch HU, Cds^; recht
ichUschien Text haben mN, g zeigt viele starke Eingriffe des Schreibers,
und n ist wegen seiner zahlreichen Erweiterungen und Streichungen
eher eine Umarbeitung ais Abschrift zu nennen. Nach dem (iesagien
ist auch der kritische Wert der einzelnm Hss. zu bemeseen. Eine
gewisse Sicherheit für richtige Lesart gibt das Zusammentreffen von
z und b. Verwandt sind folgende fiss.: b undC, b und c, b und s,
b und U ; d und s; g und n; h imd R, h und s; m und N, n und z;
s und «'; U und z; bks, bhlis, bmN, dmX, hmN, hÜs. hlts', hRas\
gm. Die Varianten sind bei Brief I und lll fast nollstäiidig an-
'jr'jeben, hei IT die meisten, von IV an musste mit IHicksivht auf
den Baum eine bedeutende Einschränkung eintreten, indem nur mehr
^JJB. wichtigeren, für die Testgeschichte bedeutsamen Abweichungen
^^fcrt wurden.
^^^m In 8]irachlicher Hinsicht ist z zugrunde gelegt, weil diese IIn.
^v^lSge ihres Alters und ihrer Muiulart dem Original am nachten
■stehen dürfte; doch sind nicht alle Inkonseiiuemen der Schreibung
«klaviseh kopiert, für das und dz ist stets daz geschrieben und
zufisehen waz (Belat.) und was ( Verb.) unterschieden. Bei den
Briefen, welche in z nicht stehen, ist ■•< bevorzugt unter Berücksichtigung
«Ml b und V. bei Br. XXIIl b und bei XXVII s'.
tl. Die Oberlieferung der ersten Predigt (Lectuius) ist kfitir
krs gute; auch die relativ beste Hs. b', welche zur Grund-
lage genommen ist, hat nicht wenig Fehler. Als zusammengehörig
erweisen sich namentlich b und fi ", i ' und s, b und C, Ö und c,
C und c, g und s, /»' und s, ferner bCc, bb*C, gn^s. g zeigt be-
sondere gegen Schluss starke Kürzung. Von den Varianten sind
, nur die wichtigsten verzeichnet.
IT. Die Predigten nnd da» Mlnaebachlein.
44* Einleitung. I. Die Überlieferung.
2. Bei der Predigt Misenmt wie bei den beiden folgenden ist
wegen des unzulänglichen Materials nicht immer ein sicherer Text zu
erzielen. Für die ersfere ist in S2>rachlicher Hvisicht die mittel'
fränkische (hessische) Ha. g^ beniHzf, die aber in sachlicher Beziehung
wegen ihrer zahlreichen Interpolationen weniger Vertrauen verdienU
Sie ist zu verbessern durch b\ und namentlich durch die Gruppe bh\
Für die Predigt Exivi stand nur der schlechte Abdruck in der Tauler^
ausgäbe von 1543 zur Verfügung, d-er hier mit einigen Konjekturen
und mit Ausgleichung und Beduzienmg der inkonsequenten und ver-
wilderten Schreibungen unedergegehen ist; vgl, jedoch oben S. 28* f Für
die vierte Predigt haben wir eine ältere Hs. niederrheinischen Dialekts,
die aber d-as hochdeutsche Original noch stellenweise durchblickefi
lässt, und den Taulerdruck, über den Zusatz in letzterem vgl. die
Betnerkung S. 536.
3. Das Minnebilchlein ist bis jetzt nur in z gefufiden
worden, wornach es schon Preger 1896 edierte (s. S. 537). Für
den mitunter tnangelhaften Text hat der erste Herausgeber iveniy
getan, es ist hier durch vorsichtige Konjektur an einigen Stellen eine
Besserung versucht worden. Ausserdem ist der Text nicht wie bei
Preger diplomatisch genau abgedruckty sondern wie beim Gr Bfb
leicht retouchiert. Da^s die in Pregers Edition 466 — 71 angehängten
Gebete nicht von SeUn'ie stammen, wird später gezeigt werden.
y. Bemerkungen zur Orthographie des Textes').
Der Einheitlichkeit halber, und zugleich^ um diese Ausgabe für
philologische Zwecke möglichst brauchbar zu machen, ist beim Exemplar
die Schreibart der vorzüglichen Hs. A, obwohl sie sich nicht immer
konsequent bleibt'^), möglichst beibehalten worden. Wo geändert ist,
sei es um das V'erständnis zu erleichtern '^ oder weil ein offenbarer
Schreibfehler oder eine falsche Lesart vorliegt^ wird die Lesart von A
^) Die folgenden (rrundsätee sind tunlichtsi mit dm von der „deutschen
Kotnmittifion*' dtr KgL Freuasisclun Akademie der Wissenschaften für die Her^
ausgäbe der „deutschen Texte des Miti 'Inlters^* aufgestellten in Übereinstimmung
gebracht trorden. Vgl. lieft 1 der .,7't'.<7t": Friedrich von Schwaben, hrtg, von
Jellinck 11H)4 S. VL
-) Xammtlich in der Anwendung ran w, ss, z, sz herrscht starkes 6'chivankefi,
Beim Te^vt des Bdew zeigen sich sowohl bei Vokalen (z. JJ. n, oi), als bei' Kon-
sonanten ( häujigere Dopplung!) Abweichungen gegen friihtr.
^ Aus diesem Grund ist in einigen wenigen Fi^lkn waz ( Verb.) in was
getindcrt, wo es nahe mit waz {Helat.) zusammetisteht.
(tu Vtirianlenapiiarat eerzric/iHel. ^on der Hegel einer yewiueii
Wiedergabe oon A ixi jedoch ferner in ftdtfenden Füllen abgewichen
morden : statt der Schreibung e. welche die Hg. bis auf einigemal
festhält, ist stein 6 gesetzt; u und v, i undj sind nach dem Lautwert
verteilt; Abbreviaturen') sind aufgelöst, Eigennamen gross geschrieben
und willkürliche Grossschreibungen bei anderen K örtern beseitigt,
iVorttrennung tind -Zusammensetzung soune Interpunktion noch
moderner Weise geregelt. Bei der Ansetzung »euer Abschnitte habe
ich mich möglichst an die {^Zeichen in A gehallen, jedoch öfUrs auch
nach Denißes Vorbild bei längeren Auslassungen Unternbteilnngen
gemacht. In Spen-druck isl gegeben, was in der Hs. rot geschrieben
oder unterstrichen ist. Zw bemerken ist noch, dass zwischen 3 und ii
in A nicht immer mit Hicherheit unterschieden werden kann; es ist
in diesen Fällen die nach der Analogie wahrscheinlichere Lenarl
gewählt.
Vorstehende (rruudsätze sind im wesentlichen auch hei den nicht
im Exemplar stehenden Schriften in Anwendung gebracht worden,
jedoch mit etwas mehr Freiheit in bezuy auf Beseitigung inkonse-
quenier Schreibinigrn. Hiis einzelne ixt "clmn unter III und 1 1' gesagt.
C. Bilder und Sprüche des Exemplars.
Seuses Verhältnis zur Kunst.
Aus Anlass der Redaktioit drx Exemplarx hat Seuse dasselbe
mit Bildern und Sprüchen ausgestattet, welche den Zweck haben,
„von dieser falschen niederziehenden H'elt wieder auf zu dem minnig-
lichvn Gott reizlich zu ziehen" (4,'^ f.). Sie sollen den Eindruck der
Worte verstärken, das Unsichtbare und Unaussprechliche, soweit es
möglich ist, der Anschauung und dem Verständnis nakerücken (rgl.
193,24). Sicht als ob Seuse die mgstische Spekulation selbst in Linien
und Farben hätte bannen wollen — „wie kann man bildloses bilden?"
fragt er selbst f 191,6), und erklärt seine ^entworfenen Bilder' und
„verbildeten Worte" der blossen Wahrheit ferner und ungleicher, als
ein schwarzer Mohr der schönen Sonne ist (193,32 f.), — sondern
sie stellen teils die mystischen Erlebnisse in symbolischer Weise dar,
') xpa ist in Crialus. JA.» in .fMu« aafgelr,«t, toiV diu Hs. auc/i manch-
mai ausführlich schrtibl.
46* Einleitaug. I. Die Überlieferang'.
teils halten nie die in der Beschauung gezeigten Phantasiebilder fe^.
Eine Ausnahme macht nur das elfte Bild, welches, auf Bitten der
Stagel wohl sclion früher entworfen (190yi7 ff,), den Ausgang der
vernünftigen Kreaturen aus Gott und ihren Wiedereingang in über'
aus sinnreicher Weise veranschaulicht y und von Seuse selbst im
53. Kapitel der Vita erklärt wird.
Der Entwurf der Bilder und allem nach auch die Autführung
stammt von dem Autor selbst, denn sie sind von höchst origineller
Erfindung und ganz organisch aus den Einzelheiten des Textes, den
sie illustrieren, hervorgewachsen, tragen auch in allem den Stempel
seiner reichen und edlen Phantasie.
Bilderhandschriften des Exemplars sind uns in AKRWB^,
teilweise auch in P, erhalten% wozu noch die Druckausgaben von
1482 und 1512 kotnmen. Die Ausführung der Bilder im etnzdnen
zeigt entsprechend der mehr oder minder grossen Gewandtheit und
Sorgfalt der Illuminatoren manche Unterschiede, wenn auch der
Hauptcharakter der Komposition gewcJirt bleibt; von den beigegebenen
Sprüchen fehlt in den jüngeren Hss, ein Teil (namentlich die latei-
nischen), noch mehr in den Drucken. In der vorliegenden Ausgabe
sind aus den vier Haupthss. AKR W die bezeichnendsten Bilder aus-
gewählt und nachgebildet^); alle aus der ältesten Hs. A zu nehmen
ging nicht an, weil hier verschiedene Bilder sehr roh ausgeführt und
mangelhaft erhalten sind. Die folgende Beschreibung und Wieder-
gabe der Sprüche bezieht sich jedoch zunächst auf Hs. A *), wo das Ori^
ginal Seuses wohl am treuesten wiedergegeben ist; die wichtigeren
Abweichungen von K und den anderen Manuskripten sind verzeichnet,
ebenso die bedeutsameren Varianten zu den Sprüchen, Übrigens ist
bei den letzteren in A der Text vorzüglich und nur an ganz wenigen
Stellen zu verbessern.
1. Bild (yibb.l S, 2 nach K) in A BL P vor dem Prolog. Oben
steht: Disu bild bewiseni der''^^ Ewigen wisheit mit der sele geisch-
«) die K
^) Denifle kannte davon nur K und B; er gibt in seiner Ausgabt jeweHa
genaue Beschreibung der Bilder und Sprüche erster er Hs. Reproduziert sind
bis jetzt von den Bildern der Hss. nur Nr. 11 nach K bei Denifle^ Nr. 1
naoh B bei A. S al z er ^ Geschickte der deutschen Literatur 1904 ff,, Beilage 61,
^) Durch ein Verseilen ist bei einem l'eil leider ein zu kleiner Massstab
genommen worden, so dass die Details nicht alle leicht erkennbar sind.
•^ Di*' einzelnen Bilder sind in der Hs. von alter Hand mit Ziffei' I-XI
(Bild 6" und 9 sind als eines gerechnet) numerieti.
Ider und Sptflcbe om ExemplK
lieh ^emalielsebaft") (rol). Link'' David (übi^ der betreffenden
Person steht je ihr Name) müfotgendtn Sjirüchen: loicitiiii sapiencie
timor (iomini (Ps. 110,10; Siriich 1,16; vgl. Bdew 287,7). Ein anvang
der getlichn wisheit ist got flisechlich dienen in vorchtlicher behfit-
keit; recht'' S&lomon: Der sunnen bild ist nit'') eo tin, sin vbertriffet
der Sternen scbin ( Weish. 7,29: vgl. 4fM>,Sf.). Unter David Die
ewige wieheit mit den Sprüche»: fili, concupiscie sapienciam ete.')
(Sirach l.'^iH) Kind mins, begeret du der getlichen wieheit, so be-
halt die tugent der gerelitikeil ; unter Salomun Der diener der Ewigen
wisbeit, neben dem steht: hanc amavi. Diz ban icb gemintiet vnd
YSges&cbet von minen jungen tagen vnd ban mir ei vserkorn ze einer'')
geroahel (Weish. 8,2; v(ß. 200,14 ff.). Unten linkt Job mit den
Worten: Sapiencia non iniienitar in terra Boauiter Diuentinni {Job
2H,i:-if.}. Wer sines libe» mit zartbeit wü pflegen, der endarf sieb
der Ewigen wisheit minn') niemer angeuemen. Der weit minne
mÖBS er lan, der die Kwigen wisheit ze einem Hep wil ban; rechts
Aristotilez: Sapientis est ordinäre (Jrixtut., Metaph. 1,2 982a 17 f.).
Wer diser wisbeit wil pflegen, der aol ordnen alles sin leben (egl.
llorol. 210). Die einzelnen Personen tragen Spruchbänder, auf denen
die deutschen (nicht die lateinischen) Sprüche gtehen. Die ewige
IVeisheil (mit Königsmantel und Krone, die Wellscheibe mit Sonne,
Mond und Sternen nuf der Bnixt haltend., vgl. 103,17) und der
Diener (im Dominiknnerhabit, den Namen INS avf der Brust, bart-
los [eo stefs in A.'J, ohne den Kram von Hosen, den er in K und
\V trägt) tind in ganzer f'igur, die vier übrigen Personen im Brust-
bild; David und Stdomon tragen die Ki'migskrone, Job und Aristoteles
npilzige Matze. In KB'KWx steht die ewige Weisheit rechts, Seuse
Unk», die Spruchbänder fehlen zum Teil, im übrigen sind die Ab-
weichungen unbedeutend.
2. Bild (Abb. 2 S. 19 nach W) in A Bl. 8\ Vorher steht: Diz
nagend bilde bewiset eins wolannabenden menscben raizzlicb gcsflche
nach getlichem tröste (rot); auf dem Bilde selb^^t: Er bat mich vnd
ieh in minneklieh vinbuangen. dez stau icb aller ereaturen ledig vnd
bin mit in vnbehangen. Dan Bild "teilt Seuse dar — über ihn
sUtht: der diener der Ewigen wisheit — in sitzendem- Stellung, auf
Keinem Schosse umarmen sieh die ewige Weisheit in kleiner Figur und
lies Dieners Seele, die nach mittelalterlicher Art aüt nacktes Kind
") gemahelechafft mit der sei geiBtlichen B'ß '') alt fi-hll B' W •^j ctc
ftUt KU •*) funem K meinem B' >) mlan fehlt ER
48* EinleituD^. I. Die Oberliefenuig.
abgebildet ist. ^) Kecht^^ und links stehen zwei Engel (in W nur
einer rechts und fünf kleinere oben, s. Bild), die auf den Diener
hinzeigen; in K .schweben sie in der Luft und halten einen Kranz
von Bösen um Seuses Haupt.
H. Bild- (Abb. 3 S. 52 nach W) in A El 22r Oben sieht: Dix
nagend bild meinet eins wolzAnenienden menschen f bigen durpracb
(rot). Das Bild stellt dar^ wie Maria, auf einer Bank sitzend, und
das Kind Jesus dem knieenden Seuse (über ihm steht: der diener'),
er trägt von jetzt an den Rosenkranz, der sein Haupt wie ein
Heiligenschein umgibt) zu trinken geben. Rechts von den Figuren
steht: wer sin vichlichkeit mit strengen wirigen ^) f bongen hat da
hin geleit, dem wird von got erlobet sins libes pflegnAs in erden*
licher messikeit. In K ist das Bild durch eigene Zutaten des McUers
(gotischer Baldachin, prächtiger Thronsessel, reiche Gewänder, allerlei
Hausgeräte mit realistischer Beobachtung dargest^ellt) verschönert.
4. Bild (Abb. 4 S. 65 nach A Bl. 28"), Doppelbild, vor dem
steht : Dis nagende bilde mit dem reselohtem ringe betütet tnengerkd
liden, in den ein warer gotesfründ mftss beweret werden (rot).
Oben Seuse (überschrieben: der diener) mit dem Kranze und mit
den roten Malzeichen an den Händen und Füssen (vgl. zur
Erklärung 64,24 ff 0 inmitten seiner Ordensbrüder (links und rechts
je drei Dominikaner), ein Engel ihn umarmend; links oben eine aus
den Wolken reichende Hand mit Kreuznimbus, die göttliche Vorsehung
(dextera Dei) bedsutend^). Unten Anna in nonnenartiger Kleidung^
knieend, mit einetn Kreuzchen in der Hand, von einem Efigel nach
oben auf den Diener hingewiesen. In K steht das Bildchen mit
A7ina vor dem anderen.
5. Bild (Abb. 5 S. 129 nach K) in A Bl. 57 r Oben: Diz nagende
erbermklich bilde zeget den strengen vndergang etlicher vserwelter
gotes fründen ^) (rot). Auf dem Bild selbst stehen folgende Sprüche
(über deren Zuteilung zu den Figuren die Abbildung zu vergleichen
ist) : Liplichü f bang dv tut we, aber eines gelassen menschen voller
vndergang tasentstunt me.
Wer in sinem bitern liden ane himelschen trost och mftss sin,
daz ist grosse jamer vor allem^) pin.
") der dioner fehlt KBW *) wirdigen B^W ^) der ganze Vorepruch
fehlt K d) aller KPJiW
') V(jl, Krebs, Die Mystik in Adelhausen {s. Anm. zu 113,14) 82.
^ Vgl. F, X. Kraus, Gesch. d. christl Kunst I (1895) 117 ff.
Got rou birael der hat mich gelassen, dez lid ich ewarlich")
ffK alle luEifiBe.
Dn bist worden ein äffe viid ein torc, vnd an den eren swerzer
<)enn ein more.
Ein beaer lieger Tnd ein falscher trieger von'') billich liden
sol, wan er bat es verechuldet wol.
Mit essich vnd mif^) galten, wellen wir in trenken mit Bchalleu*'),
Einen hingeworfenn geheimen Bol nieman klagen, wan buI in
dv vntier lassen gnagen.
Ein füetQcb boI man hin werfen den hunden vi den mist, wan
CS erelos vnd vnsuber ist; dz fAstüch sol sich nit waren, es sol sieb
von billich lan mennlicb zerzerreu.
In li^r Mitte links: frater eram leonum et socius stmcionum'),
daritttier Job (3o,'-!9; mjl. Hör. 114): Min briider waren mir grimm
lewen vnd minO gesellen yngehür") Strassen, Dun Bild stellt dnr,
wie Seuse von boxen Geistern und flttrvh Verleumdung der Menschen
geptinigt wird. Er steht in der Mitte, die Kapuze fiw über die Augeit
herabgezogen und die Hände über dem Kopf zusammenschlagend,
böse Geinter in allerlei Spukgestidten ( Ajf'e, Habe, Schwein u. s.w.)
giessen und fpeien Feuer und Üchirtfel auf ikn, einer bedroht ihn
mit einem Bohrer (vgl. 6L,L4ff.), ein anderer mit einem Pfeile
( 131,22 f.); rechts obun befindet sich die verriegeile Himmelstür,
die Trostlosigkeit bedeutend, links in der Mitte ein mit sjiitzigen
Nägeln beschlagenes Kreuz (vgl. Kap. IG), auj' dem der Name I H S
eingegraben ist und von dem zwei Geissein mit je drei Zacken herab-
hängen (43,4 f.); in K sitzt auf dem Kreuz noch eine Eule. Am
Kleide des Dieners nagen und zerren »llerUi Tiere: Hund, Löwe,
Strnuse, Sehlange, Skorpion, Rechts befinden sich mehrere Personen^):
drei Dominikanerinnen, von dtnen eine einen Kessel trägt und dem
Diener mit einem Schwamm Essig reicht, ferner drei Männer (Domini-
kaner, oder ein Mönch und zwei Laien'!'); mehrere von den Persotien
deuten mit dein Finger auf Seuse. Unterhalb davon zwei Füchse,
welche ein kleines Tier zernagen , und ein Hund mit dem Fusstuch
im Maul (58,6 f.).
6. Bild (Abb. f. S. Hl nach U) in A Bi. V2'. Vorher liest man:
') ifaeh flw&rlich i»l vud tum grösiten Teil heraurradiurt A *) von
fdtU K *) mit/eAh A "i schal A aohslle KP •) dir tat. Spruch frhll EPS
t) min fMl A ') fast ganz teegmiiitrt A
') In K, tnc t» echeinl, ticci Dnintnikaner und drei Ilntainikantr innen.
)<>•>, DsBlisha Sohtman. ^1
50* Einleitung. I. Die Überlieferung:.
Disv**) nagenden'') bild gebend ze versten die trostlichen vnderlibi,
die got einen lidern vnderwilent lat werden (rot). Marin mit
Königsmantel und Krone auf dem Haupte, das Kind auf dem Arm, das
eine Paternosterschnur oder einen Rosenkranz in der Hand hält — in R
hat Maria eine Rose — erscheinen Seuse (überschrieben : der diener),
der dakniet und die Arme ausbreitend zu Jesus spricht: Ach zartes
herzentrat. Auch rechts herüber, teilweise noch über Maria steht
HERZTRÜT. Links ein Engel stehend, in den Wolken ein weiterer
kleiner Efigel mit einer Harfe (in K zwei Engel mit kleiner Orgel
und P salter iuni ).
7. Bild (Abb, 7 S. 147 ymch K) in A BL ()5^: Christus erscheint
als gekreuzigter Seraph dem knieenden Seuse, über dem der diener*)
sieht. Vorher die Worte: Diz nagend bild lert den menschen, wie
er nuzzberlich sol liden (rot). Bei dem oberen der drei Flügdpaare
ist geschrieben: lern liden cristförroklich, beim mittleren: trag liden
gedulteklich, beim untern : enpfah liden willeklich, zwischen Christus
und Seuse: Ach herr, 1er mich, daz ich knnne liden nach dibem
aller liebsten willen. Da^^i Kreuz ist in W und ol, wie in der spät-
mitielalterlicheu Kunst häufig, ein Rosenstrauch mit ausgebreiteten
Asten (cgi. auch Bild 12). Es ist nicht unmöglich, dass das Bild,
welches den Grundgedanken d-er Mystik: die Nachfolge Christi sym-
bolisch zusammenfasst , von der Darstellung der Stigmatisation des
hl. Franz von Assisi^) beeinflu^st ist. Eine tnoderne Düsseldorfer
Nachbildung (Stahlstich) s. hei Den ifle. Das geistliche Leben ^1880,
Titelblatt.
H. u. .9. Bild (Abb. fi S. 150 nach W, 9 S. 151 nach K) in A Bl. 67 %
zwei zusammengehörige Bilder: Seuse empfängt himmlische Tröstung
und wird als geistlicher Ritter investiert. Vorher die Worte: Diz**)
nagenden bild bewisent aller gotlidender menschen himelschen trost
in zit vnd ir gross erc vnd loblich wirdekait, die sii son besizen in
in ewikait (rot). Auf dem oberen Bild Seuse (überschrieben: der
diener«), neben einem Stuhle Gehend und von einem Engel umarmt,
rechts ein kleinerer Engel auf einer Leiter mit einer Harfe (K: Hand-
orgel), ferner ztrei weitere mit Buch und Geige, ganz oben die ewige
") die K ^) radiert A '^) K fügt hinzu: der ewigen wiszhait
•') die k «) fehlt K
^) Vgl IL Thodcy Franz con Assist und die Anfänge der Kunst der
Renaissance in Itcdim '1904, 144 ff,, der 10 italienische Darstellungen des
wunderharcn Vorganges aus dem 13. Jh. aufftVtrt. Die spätere Kunst bis 1500
hält den durch Giotto (f 1337) geschaffenen Typus fest.
taheit (Christus) mit Mnrin in Brustbild. ÄH'a weichen in un-
Uutendeii Einzelheiten nb. Atif tievt Jiilde die Sprüche: Der yon
der Ewigen wielieit vod von dem") balligen enge!') ist vmbvangen,
den nag enkein acbedlich vngeliick niemer erlangen.
Mit himelscher aüzlkeit, götliclier wisheit vnd eugelBchlicher
Zartheit ergezzet got slu diener aller Ire wider wert! keit. Auf dem
unteren Bild reicht Christus die ewii/e Weisßieil (Brustbild: in
B' und H wird ein Emjel daraus), von Wolkennivibvä umgebe»,
dem kttUenden Seu»e (über ihm fleht uieder: der diener') eiyien
Hing, drei Engel bringen Schuhe, liitierkleid, Oihiel und eine Krone,
rechts oben blasen zwei Engel die Posaune, ein dritter schlägt die
Pauke. Unterhalb ein Schild mit Topf heim; dan Feld ist toeiss
und rot und mit cijiem Kranz von Hosen geziert, darüber steht I H 8 *)■
Rechts hieoon zwei Bitter auf Pferden mit ettiem Fähnlein, das
ebenfalls mit IHS gezeichnet ist, hinter ihnen ein Knappe. Dazu
yekoren die Sprüche: Rltterllchi'i klaid ?nd ere eon »d ewektich
niesBen, die sieb hie dar got lldens vud midens nit Innd verdriesBen.
Wer sich gütlicher rlttcreciiaft iiimet an, der sol in allem liden
eine mannes herz in vnverzagter wiee b&n.
Utn den Schild herum steht: Dz wiss ield betütef) luterkeit,
daz rot geduitekelt.
Garn utitcn am Rande ist in A notiert: äh obren bild bArend
herab. Darnach hätte der Illuminator die Bilder fuhch gruppiert;
auch in den andern Has. ist die Reihenfolge dieselbe. Zum
fratändnis des zweiten Bildes vgl. Kap. 20 und 44.
10. Bild (Abb. 10 S. 154 nach K) in A Bl.f>8': Die Ewige wia-
I» königlicher Gestillt mit Szepter (in K auch Reichsapfel) hält
unter dem weit ausgebreiteten Mantel*) eine Anzahl Personen: links
Seu.'ie (überschrieben: der diener). rechts seine geistliche Tochter,
[1 B'liW h) engein £'«»
") fthh K rfi betötet fehU AP
) FhantattUch ist es, wenn f. J. Mont auf Grand diesu Bilde» Seuse
als Lfhrmei»ter und Aukioriläl in der Htraldik antithl (Diöz.-Arehiv von
Sehteaben X [1893/ 64; XV [1697] 140>.
^ Das Büd seheint Itciußusst von der Jdee und Darstellung der Schule-
inMschaft Maria (vpt. 117,14. 547,3iiff.), die gerade im 14. Jh. in Domini-
kanirkreism aufkam, vgl. E. Krebs in .,Freibwger Münsttrblätler" I (1905);
Kraus, Qesch. der chrisll. Kuiul II, 1 (lti97) 433f.: Peltitr (». o, S. 6')
171 f. Gant im Einklang dumit sieht, dats in A aitf Bild 9 und 10 dit ewige
Weisheil in weiblicher Form, hartlOK und tnil gelbem Haar dargfsUUt ist; in
E wird auf Bild 10 deutlich Maria daraus.
d
52* Einleituug. J. Die Überlieferung.
nher der Elisabct") (rot) steht, im Dominikanerinnenhabit, auf einem
Throne sitzend und von einem Engel gekrönt; neben ihr ein Buch^).
Seme und Klsbeth halten einen Kranz von Rosen, inmrhalb dessen
IHS*) sieht, rechts von ihnen sind ein Mönch und eine Nonne des
Dominikanerordens , unterhalb eine bürgerlich gekleidete Frau mit
zwei Mädchen (diese beiden fehlen in K) und drei Männer, welche
sämtlich nach den von der Stagel ausgeteilten Namen I H S die Hände
ausstrecken. Links oben ein kleiner Engel mit einem Buch% in K
noch einer rechts den Mantel haltend. In B^RWol fehlen verschiedene
Einzelheiten (Thron der Elsbeth, Kranz u. s, w,). Vor dem Bilde
stehen die]Worte: Diz nagend bild zeiget, wie ein AbernoUes herz
gotes das selb och gern gemainsameti vil andren menschen (rot):
auf demselben: In minen getlichen schirm'') wil ich sü nemen, die
minen nameu JesQS in ir begird wen tragen.
11. Büd (Abb. LI S. 195 nach A Bl. 82^), d<is wichtigste von aUen*),
den mystischen Weg darstellend. Einleitend die Worte: Disü nagendü
bild bezeichnent der blossen gotheit iewesentheit'') in persenlicher
driheit vnd aller creaturen ns vnd wideringeflossenheit vnd zegent
den ersten begin eins annähenden menschen vnd sinen ordenlichen
darpruch dez zänemens vnd den allerhehsten vberswank vberweslicher
volkoraenheit (rot). Links oben drei einander umschließende Ringe
(vgl. 191,25 f.) und eine2Art Triptgchon mit der Überschrift: Diz
ist der ewigen gotheit wisloses abgründe, daz weder anvang hat
noch kein ende. Aus der Einheit des göttlichen IVesens gehen
die drei göttlichen Personen hervor, in ganzer Gestalt dargestellt,
links Gott Vater bärtig y in der Mitte der hl. Geist mit der Taube,
die anderen Personen^ umfassend als die Liebe, die aus beiden au^
geht, rechts der Sohn gesenkten Blickes, womit das Leiden angedeutet
ist. Dazu die Worte: Diz ist der pevsonen driheit in wesenlicher
einikeit, von dem cristanr gelob seit. Als erstens geschopfliches
Wesen folgt der Engel: Disu figur ist der ussfluzz engelschlicher
natur; daneben ein Dämon, abwärts schiessend, welcher den Engels^
Sturz symbolisiert. Darauf als zweites Geschöpf d^r Metisch in
"-'') fehlt K c) gehrin A <«) getrennt tjeschrieben IT, \^ fehtt B^R
*) Bedeutet offenhtir die von ihr gemachte Sammlung der Töseer ViUn;
vgl. 97,^ ff.
'■') Bedeutet wohl Seuses Schriften ; vgl. 394,23,
='j Abbildung nach K bei Denijle 302.
Bfider and 8i»11die des Exemplus. Setues VerhUttÜB nur^Kunst. 53*
FraumigtslaW^) : Dtz ist menschlicbn gescbaffenbeit gebildet nach
der gothcit. Jetzt scheiden sich die^^Wege: die einen weitd«» sich
zu der Lust der Welt und gehen mit ihr zugrunde, daher rechts
luden ein tniurnde« Liebespaar (ein Ritter mit dem Schwert wm-
ijürtii kiiii eine modisch gekleidete Frnit an der Hund; in K Jüng-
ling und Mädchen), über welchem steht: Diz"j ist der weit minne,
dv Dimt mit jatner ein ende, und hinter ihnen der Tod in teuf-
lischer Fratze mit der Sense") (über ihm stdit: Diz ist der tSt*),
— die anderen kehren sich zu Gott vnd gelangen auf dem Wege
der Reinigung, Erleuchtung und Einigung zur höchsten y'oUkommen-
/uit. Deshalb die mit einer Kette gefesselte ( versinnbildet Bezähmung
der Leidenschaften), knieende Nonne mit dem Spruch: Minen") ker wil
ich ST got nemen, wan diz ist gai- ein kurtzee leben, und die daneben
steheiule in grosser Figur, die von Pfeilen und Svhu-eiiei'n verwundet,
von Schlange und Skorpion (in K auch von einem Hunde) bedrängt,
steh dfir Betrachtung des Leidens Christi hingibt; sie half mit der
rechten Hand ein grosses Kruzifixhild und spricht: Ach Ifig, wie
icb müz sterben vnd mit Cristas gecrutzget werden! Durch Meiden
und Leiden kommt die Seele zur rechten Gelassenheit, dargestellt
durch eine tceibliche Gestalt, welche mit herabgesunkenem Haupte,
geschlossenen Augen und schlaffen Armen in einem hohen Lehnslvhl
sitzt") und zu der die Worte gehören: Gelassenheit mich berSben
»vil, WS min'') ie waz ze vil. Der Weg fahrt weiter über das schon
erwähnte KruzifisbUd zu einer Halbfigur, ebenfalls wie schlafend und mit
herabhängenden Armen dargestellt, welche denZustand der Besehanung
iiersinn bildet: Die sinne sint mir entwörcket, die hoben kreft sint
vberwürket. Die folgenden Bildchen stellen die mystische Vereinigung
dar: a) die Seele im Schosf.e der Gottheit: Hie ist der geist in
geBwnngen md wirt in der driheit der personen fundeu; li ) in der
h&chsten Beschauung, in den Abgrund des göttlichen Wesens starrend
und doch wie in einem „Ausschlag" (vgl. 193,10. 189,13): lob bin
«) äa» K >•) Uoa» der tod B'KÜW ') Einen B'H •<') minnfl /'
Taynu B' lieb U imio ist Gvntl.^de« Meinigru)
') BriK. als Könne dargtsMU. irobl deshalb, weil das Bild auf BUImi
Htr Stogrl, also lunächat fßr yonne», enttoorfen wurdt.
^ Di« Üarstrllung ial vifHticht von einem Bildt der TolfJtanityklm an-
gtrtgt, dem Entslehung man geitöhnlie/i mit der gras»eu Pent des li. Jh.
<13tS-50l in Zutammenltaitg bringt; vgl. Kraus II, l, 44tiß'.
*) Bei dieser und drr folgtnden l-'igi*r ist in K und noch mehr in aniUren
E»a. die PoinU iiemlieh verwitcht, rgl das Bild'hrl Drniße.
54* Einleitung. I. Die Überlieferung.
in got vergangen, nieman kan mich hie") erlangen (vgl. Gr Bfb 478/i3);
c) als letztes Ziel: „des Geistes Überfahrt^* (193,11*), wo in Gott
der Beginn und das Ende eins wird: In dem inschlag han ich aller
ding vergessen^ wan es ist grundlous vnd vngemessen.
Das ganze figurenreiche Bild-, dessen kurze Erklärung Seuse
selbst gibt (191,30 ff.), veranschaulicht somit geschickt den Werde-
gang der Mystik im einzelnen Individuum; der Weg ist durch eifie
kräftige rote Linie, welche die Figuren verbindet und jeweils in der
Gegend des Herzens in ein Ringlein (der „Seelengrund^^, vgl. 192,4 f.)
einmündet, bezeichnet. Aber nur in A ist der Entwurf noch klar
und scharf erhalten, schon K und noch mehr spätere Hss. haben
wesentliche Bestandteile weggelassen *); in den Holzschnitten der beiden
Drucke ist die Bedeutung der Figuren und Sprüche kaum mehr zu
enträtseln.
12. Bild (Abb. 12 S. 255 nach A BL 109''). Einziges zum Bdew
gehöriges Bild, eigentlich eine Verbifidung zweier Bilder, die in K
denn auch getrennt sind. Einleitend die Worte: Diz nagenden bilde
ineinent ein süsses trSsten mit himelschen worten aller trarigen herzen
(rot). Oben Christus am Kreuz, dessen Fuss ein Kosenbaum ent-
spriesst; oberhalb des linken Querbalkens ein geflügelter bärtiger Kopf,
wohl Gott Vater darstellend (in K deutlich ein Engelskopf). Links
unten steht (in K kniet) Seuse (überschrieben: der diener*); rechts
auf dem Baum da^ Kind Jesus, Rosen auf den Diener werfend
(vgl. 102,18 ff.). Dazu die Verse:
Alles liden wenden tut, der Jesus treit in sinem mAt.
Rosen wil ich brechen, vnd yf sü liden trechen.
Jesus min herz verwundet hat, gezeichent'') da min Jesas stat*).
Zum unteren Bild zwei Engel mit Spruchband: Wer sunder
lieb von got wil han, der sol in lait von billich stan. Lidens sei
er tragen vil, der gottes früntschaft haben wil. Es ist Christus als
Schmerzensmann^ dargestellt, yieben der Geisselsäule stehend (vgl.
198,24 ff. und Anm. ebd.); Seuse (überschrieben: der diener**), auj
einer Bank sitzend, berührt mit der Hechten die Wunden Christi
«) hie fehlt KW «•) «• <r) fehlt K n bezaichnet K
*) So fehlt in W der Entjelssturz, die Figuren stchm sehr dicht auf"
eitMuder, die Linie itft verwirrt und selbst unterbrochen : ähnlich auch in J5* und H.
*) Diese drei Verse hat Seuse tcohl aus den Sprüchen der Siagel ikher~
nommeny vgl 3Uti,14f. ^f. 401,3 f.
•*l Ein in der mittelaUerlivhen Kunst häufiges Motiv, vgl. Kraus 11^
i, 306 f.; Pelt::er tQ:i ff.
Csgl. 199,8) und greift mit der Linken in ein Pstilterium (»gl. 250,18
Anm.), das ihm ein Engel übergeben. Rechts sitzen zwei weibliche Pereoneit
( eine davon Nonne '^ J, über denen äeht: DazBintzwei lidendü menschen
(vgl 253,19. 198,17 f.). Das obere Bild ist in W und in den beiden
Drucken eimte abgeändert schon beim Schluss non Kap. 34 der Vita,
also bei der dazugehörigen Ersä/diing gegebe«.
Ausser den bifher beschriebenen zwölf grosseren Bildern finden
sicA ('» mehreren Hss., namentlich in den älteren und teilweise auch
in den Drucken, noch einige kleinere, meist als Initialeneerzierungen.
Et ist 2u vei-muten, duss auch diese auf Seunes Hand zurückgehen.
Bei Beginn des Prologs zum Exemplar (3,2) eine schöne gemalte
Initiale I und in dieser zwei Engel mit Wappenschild, auf dem I H S
iteht (AKB^Wx), ähnlich wie auf dem 9. Bild; beim Anfang der
Vitti (7,2) eine Initifde E mit Brustbild Seitses, betend und um das
Haupt den Bosenhram (AK, in W einfacher); zu 17,5 der Name
IHS mit Goldfarbe getnali (AB^KB): 96,5 hntiale C mit Pelikan
die Jungen nährend ( A K), vgl. 99,2 ff. ; 155,14 bei Beginn des
»liekulativen Teils der Vitn ein Adler mit ausgespannten Flügeln in
der Initiale S (AKol); 196,3 bei Anfang des Bdew der Name IHS
und Brustbild Seuses (wie oben) in der Initiale E (AKW ; in oe
UarsteUung der Verkündigung Maria); 2011,14 Initiale H mit einer
nackttf}i menschlichen Figur ^= die Seele (A); 320,4 (Bdtv) Initiale E
rot und blau (AW; in K wie bei 196,2, in W und « Bild der Ver-
kündigung Maria); 360,2 und 10 (Bfb) je eine farbige Initiah
(AKW; in R und x Bild des Dieners mit Buch und Äbtsstab (!)).
Aus»erdetn haben H' und die beiden Drucke zum Schfuss des 34. Kapitels
der Vitn ein kleinen Bild: Anm in der Burg betend (vgl. Anm.
:u 102.2).
Was das Technische und Künstlerische der Bilder anlangt, so
sind sie in .iB^PR W in der bei der deutschen Buckmalerei des a«*-
gehenäen Mittelalterg so beliebten lavierten Federzeichnung ') ausgeführt,
oft roh und unbeholfen, sehr mangelhaft in Perspektive und Anatomie,
aber d^ich flott im Vortrag, nah und treuherzig, con bemerkenswerter
') Vgl darüber Jan tische k, Guebiehle der äeaUchtit Mahrei IsW,
lOäjr.; R. Rautmeh, Einleitende 'ErBel^ungen »« anrr GMchichU df
dtüUelieii Jlnndechriftmiilustration im np/llmn Mittetaher 18äi: Klein-
»ehmidl, Zur »üddtutschfn Bttehmalerei d-s niinlerm'MttUlalWe, in der
iiiUMtiiitchrift : ..Hie vhriMkhe Kumt" IT (190516) S.'^ff. SeSff.
M
56* Einleitung. I. Die Überlieferung.
Gewandiheit im Ausdruck der Seelenstmmungen und in der CharakUri-
siervng der Personen, Zur richtigen Beurteilung ist unchtig, im Äuge
zu behalten y d($ss die Bilder nicht Selbstzweck sind, sondern nur
dem Bestreben dienen, zum Wort die Illustration zu liefern. Im
einzelnen sind manche Unterschiede, zwischen den verschiedenen Hss.
Am nächsten steht d^m Original yl, i7t welcher Hs. die Bilder noch am
meisten archaistisch sind; die Farbe ist sehr matt und unschön, Teile
der Zeichnung sind, mitunter selbst unkoloriert gelassen. Stilkritisch
betrachtet stellen sich die Darstellungen wohl am nächsten zu der um
1350 zu Konstanz entstandenen „Armenbibel*' ^), £ und W vei--
einfachen das Detail, geben den Gestalten mehr Rundung und Fülle
und wirken kräftiger durch lebhafte Kolorierung, Ähnlich ist es
auch bei den bemalten Holzschnitten des ersten Druckes ^) (Augsburg,
Anton Sorg 1482); die des zweiten Druckes (Augsburg, Haus Othmar
1512) sind zwar saMich dieselben, haben aber künstlerisch viel ge^
Wonnen: sie sind in den mittlerweile aufgekommenen neuen Stil «w-
gearbeitet und können daher der Bemalung entbehren, R, Muther^
meint, es lasse sich fast mit Sicherheit sagen, dass der Künstler,
welcher die Umarbeitung vornahm, Hans Burgkmair war.
Eine besondere Stellung nimmt K ein (vgl, oben S, 5*f.), Die
wohl von einem Berufsschreiber und -Illuminator*) hergestellte Prachths,
bringt die Bilder noch mehr miniaturenartig und unter Benutzung
der älteren Manier der Deckmalerei, in kmftigen, leuchtenden Farben
(viel Oold), Hier allein macht sich auch die realistische Richtung,
die in der ersten Hälfte des 15, Jh, in der Buchmalerei Oberdeutsch»
lands sich regt und zum Durchbruch gelangt, in etwa geltend, so
z, B, beim dritten Bild (s. o. S, 48*)^ ferner in dem zierlichen Rankenwei'k
») Hrsg. von Laib und Schwarz 1867, ^1892, Zur richtigen Datie-
rung vgl, Schreihers Einleitung zu P, Heitz, Bihlia pauperum 1903, 29,S4f,
^) Vgl. R. Muther, Die deutsche Bücherillustration der Gothtk und
Friihrenaüsance 1887 I, 31 Nr, 168; II Tafel 70 und 71 (Reproduktion des
1. und 10, Bildes),
») A, a. 0. I, 165 Nr. 983,
*) Vermutlich ist e,s dei'selbe, der auch an der Ausschmückung der Ein'
Siedler Hss. :283 und 752 tätig war. Auf Bl. 60 der ersteren steht: Anno salutis
1482 Johannes Satler presbiter mc fecit, auf deni ersten Blatt der letzteren:
1483 liensli me ivcii. Vielleicht ist es der im Konstanter Ratshuch 1471 unter
anderen Malern und Goldschmieden eingetragene maister Haus (Ph, Rupperi,
Konstanzer geschichtl. Beiträge II [18^0] 10J2), Ein bischöflicher Nokir
namens Gehhard Sattler ist 1469 bezeugt (J. Eiselein, Geschichte und Be-
Schreibung von Konstanz 1801, :J56).
erwähnten Initialen, besondere aber au/ dem zwjfjebenen
nmungsbiifie Bl. 4 fi>in Engel, zwei Wappenschilder haltend, unteti
f'n Heh und Hirsch, in den Ranke» hilbsche Dröleriesj.
^^^F i)if Illmtrierung von Seuses Saminehrerk eriJß'nH uns einen
t 4u^ick auf ein interess'antes, noch nickt genügend erforschtes Gebiet:
die Beziehungen zwischen deutscher Myntik und deutscher
A'unst'). Wenn Mystik und Kunst verwandt sind, und nie sind
e» — denn beide richten sich vorzugsweise an dasselbe Seelenvermogen,
die Phantasie, künstlerische Konzeption und visionäre Sehauung
ietaen gteichmässig imiei'e Gestaltungskraft und eim ausgeprägte
Indiciduvlität voraus, — so wird eine gegenseitige Beeinflussung not-
"'^ndig die Folge sein und auch bei Sense') wird sich dies irgendwie
"«fxeigen lassen. Und in der Tat , wenn bei irgend einem dsr
deutschen Mystiker, so bei ihm, dem phaniitsiecollsten und poetischesten
') Die neutaU SpuiaUUeratur : A. Pellser, Deutsche Mystik und deut-
'^A* Kunai lö9y, und Ü. Bintee, Der Einftusa dtr Mystiker aaf die älttre
Kö/iMr Maitrschule, Brulauer Dias. 1901; ders. in WtstdeuUche Zeitachrift
^IfSesff. (BeJtprtehiing vim Sehtibler-Aldtnhoven, Geschichle dtr Kölner MeUir-
"ftHle IWSI, befriedigt tcmig: ihre- Vii-f nsaer lassen i-iehtiijea Vtislffnänia der
'"SWii, wir abtrhaupt hiHoriaehe Schulung aehr rtrmisam (egh über Ftltitr
*>« Kharft Urteil Finke» in Ältinannta 1901, 129: 1903, 276ff.). Immer noch
'*ti%titxrt tat daa achöne Kapitel bei Scknuaae, Geschichte der bildendsn
Jf^*Wfa in Mittdalter VI (ISGl) 27—60. In der umatrittmen Frage, ob die
^""t^rtunde (auch Srmt.'i auf die Kölner Malerachule (Wilhelm von Herle,
^''^•Minn Wynrich w. a.) an der Wende des 14. Jh. einen EinJIuss ausgeäbl,
^^flen dU Bemerkungen von Kraua II, l,3S0f. wüAJ daa richtige trrffen
'*■•' HiMge S6ff. ist die Sacht sehr abertrieben). Wie atle groaaen Erscheinungen
""f dem fjthiete des rtÜgiöaen hrhens hat aiehir auch die tnilttlalterliche Mystik,
"^eh« gerade die edelsten in ihren Bnnn eng und ihre EiMpßndungeteeit bt-
**"*"!(«, der bildenden Kunst Anregungen gegeben, die allerdinga oft mehr nach-
"'*nytjiaden als stalietisch auftutählen sitid. Eiir Matthias Grüneieald hat de»
^^B»*B der mytttachtn Idem jängat in musterhafter Wetae fr. Schneider
^ Stil. Mar Aligem. Zeitung 1304 iVr. 334 und 235 nachgewitaen (die knitende
•ftiehengeatalt auf dem Isenhtimer Allarwerk ist nicht Maria in JuxlaposUion,
"i* anehPellter 64,174 noch annimmt, KOndern Feraonißtation der „mtjinenden
&*• ob Braut Christi),
*) Siehe die eingehenden, aber nicht immer überzeugenden Awfführungen
ki Ftltter Ȋff., Hintse 15ff.2Sf. Vgl. auch Kraua II, 1 439: .Wag
bm man aOe» für die Anschauung der Zeit und der KOnstler aua Heinrich
äuohrnml-
58* Einleitung. I. Die Überlieferung.
ufiter ihnen. Seuse war eine künstlerisch empfindende Natur. Sein
reichbegabter, für aUes Schöne so empfängliclier Geist begnügt sich
nicht mit nebelhaften Phantasiegebilden , er stellt sowohl das in der
Vei'ziickung Geschaute wie die innig meditierten Begebenheiten der
Heilsgeschichte, besonders des Leidens Christi, plastisch greifbar vor
unsere Augen; mitunter ^glaubt man geradezu Beschreibutigen von
Gemälden zu lesen*' *). Ebenso spricht sich seine malerische Begabung
in der Freude an bildlichen Darstellungen aus. Seiner Andacht will
er „in bildreicher Weise** (103,15) genugtun: schon in der Jugeiid
lässt er die ewige Weisheit in minniglicher Gestalt^) auf Pergament
malen und nimmt das Bild mit auf die hohe Schule, um es täglich
anzusehen (103,10 jf.), veranlasst die Ausstattung seiner Kapelle mit
Bildern und Sprüchen der Altväter (60,12, ff., 104,1 ff,) und atuleren
andachtigen Materien (Nafne Jesu, Rosenbaum des zeitlichen Leidens
und Baum der weltlichen und göttlichen Minne, vgl. 396,21 ff.), und
sendet eine Kopie der erstgenannten an Elsbeth Stagel (107,1 f.).
Er kennt genau die Einzelheiten der künstlerischen Technik und
redet gerne davon (60,16, 64,11 f. 323,17 ff\; Hör. 60, 150), schildeH
die Himmelswonne mit dem Brunnen des Lebens ') und den einzelnen
Choren der Heiligen (242,3 ff,, 243,24 ff.), den Efujelstanz (21,6 ff.),
die Madonna mit dem Kinde (267yl4ff., vgl. 15,10 ff.; Hör. 142)
in so lebhaften Farben und mit soviel Anmut und Holdseligkeit, dass
man meinen köymte, er habe Bilder der alten Kölner oder flamischen
Malerschule oder der Sienesen und Florentiner des 14. und 15. Jh.,
namentlich seines Ordensgenossen Fra A)igelico da Fiesole*), vor
Augen gehabt. Da^ Leiden Christi stellt er, Kapitelssaal, Kreuzgang
mui Chor der Kirche seines Klosters zur via dolorosa machend und
die einzelnen Stationen des Leidetisweges in Betrachtung miterlebefut,
in so dramatischer Lebendigkeit sich und un4i vor, daes man mit
Fug bei ihm die Idee der Kreuzwege, deren Darstellung doch erst
'y Strauch in Allg. (lisch. Bioyr. 37,176.
-) WoM ganz ähnlich tcie auf Bild 1 (8. o. S. 47*).
=M Vgl. dazu auch die Vi »ton der Beli von Lieftenberg zu Töss, Viten 31,16 f.
^) T>er Vergleich Angelicos mit Seuse liegt nahe^ vgl. Denifle XI V, 413,
Über den ..mystischen Mahr** par cjcceUence handelt ausgezeichnet Schrörs in
Zeitschrift für chrisil. Kunst W98y 193 ff. u. ö. Vgl. das Urteü Meschlers
in Stimmen aus Maria Lanch 1897 1, 409: „ Angel icos Werke sind die höehtU
mystische Poesie der Farbcy so wie die Schriften Susos und anderer die Myttik
des Gemütes sind:*
r Bilder nnd SprUahe 6m ExempIarB. äeuM« Vertilltub zur Knatt. 59*
. Jk. auftaucht, eorgebildet sehen (Uirf). Endlich hat er,
»einem künstltriacken Drange folgend tiach dem Vorbilde früherer
Mifatiker*) seine Schriften selbst mit Bildern ausgestattet, die, wenn
sie auch iti vielmi mit dem Ai>pnrat herkömmlicher Atischauungen
arbeiten und sich mitunter Kokl nttch direkt an Vorbilder anlehnen'),
doch (ds Game» für originelle Schöpfungen gelten dürfen.
Ein persötäiches Verhältnis Seiises s^tr Kunst ist nomit un-
btstreitbitr. Nicki ebenso leicht ist die Frage su beantworten, ob er
in irgend einer Weise auf die Kunstübung seiner und der folgenden
Zeit eingewirkt hat. Es ist bereits su denSprücken S98,10f. darauf
hingewiesen worden, dass athlreiche in der ehemaligen Dominikaner-
kirche zu Konstanz, dem jetzigen Inselhotel, aufgefundene Fresken
des 14. Jh., Martyrien darstellend vnd die Hand eines tüchtigen
Meisters verratend'), neuerdings in Beziehung zu Seuse gebracht
worden sind. Vielleicht mit einigem Recht; aber beweisen lässl sich
fuer freilich nichts, und Jedenfalls ist Sense nicht selbst dabei als
ausübetider Künstler tätig zu denken, wie Peltzer^) annehmen machte.
JEbensQwenig werden wir etwas darüber ausmachen können, ob sein
Wort oder Beispiel für die Kunstpfiege hi den mgstisc/ien Domini-
icanerinnenklöstern .ilemanniens, wie ide für Unterlinden, Klingental,
') Vj/i. Prltier Öiff., im einzelm-n v-altl cu irtit gtJterui. Die erste Er-
I dta Kreutvrgt scheint bei dem Dominikaner Alvarua von Cordota
ft J*30 oäir 14309) m »tin ivgl. Kalhatik 1896 I, 326; Thuratan, The
Station» of the Gross, London 1906). Sehr ivahrscheinlieh sind die Kreueweffe
aus einer Verbindung non b'blitchtn Pansioiuiiizenfn mit Voi-wUrfen der mysti-
achen Kontemplation enletanden (Kraux II, l,Sf>e,>.
1 So Btigen namentlich swri Wiesbadener und SeiiUlherger Uns. i«. XII
bette. XIIll des Liber 6'dviae der hl. Hildegard zahlreiche Miniaturen, meial
Visionen dtr Mystilitrin darsteUend. Au^ührliche Beschreibung bei A. von
ÖehtlhUuser, Die Miniaturen der UniversüäUbibliothek tu Heidelberg 1
(ISST) 75 ff.: Peltzer Mff. (ebd. 41 f. aber eine Bilderks. der Werke Elisabtth»
ron Sehmiau).
*) Bei mehreren Bildern ist oben .ichon darat^' hingetvieten worden (MatUel'
lehaft Marin, der Tod und das tamindt Paar, Christus al» gekieutigter Seraph
und ah Schmertensmanii, diis Kreui als Hosenbaum),
'] Ißm- weitere Spuren von Wandgemälden in der Kirche (Kretnigungs-
yrup/ie an der nördlichen Letlnernisehe, teilumsr erkalten) und im Kreuegang
vgl. M. Wingtnroth in Zeitfchrift für Getchiiläf dts Oberrheins N. F. 20
(19001 433 ff.
1. U. 101.
GO* Einleitung. I. Die Überlieferung.
Adelhausen und namentlich Töss bezeugt ist^), von Bedeutung war.
Dagegen wird man den Anteil Seu^es an dsr Anregung und Be-
fruchtung ^ welche die mittelalterliche Kunst durch die symbolischen
VorsteUmigen der Mystik^) empßng, ziemlich hoch eifischäfzen dürfen,
denn geraderer hat sie in so ungemein zaiier mul poesievoUer Art
ausgebildet und angewendet: so die Vorstellung von der etvigen Weis-
heit, die bald auf Christus bald auf Gott Vater, in getcissem Sinne
auch auf Maria ^) bezogen mrd, von der minnenden Seele als Braut
Christi, die Symbolik der Farben ßesonders roty grün, weiss, gelb,
vgl. 64,7. 199,2. 244,2 usw.), Blumen (Bösen*), Lilien, Veilchen,
vgl. 33,10 ff., 59,8 ff., 64,7 ff., 25 ff., 102,19 ff., 224,21 ff.) und Edel-
steifte (242,8 f. 252,25. 271,20); auch die Übertragung hofischer
Anschauungen in da^ Religiöse, z. B. bei Schilderung des Himmels
(242,8 ff. 432,26 f. 457,1 f), und die sinnige Naturbetrachtung des
Mystikers ist in diesem Zusammenhafig zu ertvähnen. Ganz besonders
aber dürfte das biblisch begründete Bild von der geistlichen Ritter-
Schaft, das bei Seuse Lieblingsmotiv ist (vgl. 55,19 ff., 149, 4 ff., 205,7 ff.,
252,14 ff., 370,22 ff.. Hör. 29, 81, 122), durch ihn seine Volkstunüich-
keit wie seim Einführung in die Kunst gefunden haben. Anfangs
wurde es in Literatur und Kunst wie bei Seuse noch mehr im
Sinne einer speziellen Berufung aufgefasst, sjjäter aber auf jedes
Christenleben übertragen. „ Von der deutschen Mystik lässt sich eine
direkte Verbindungslinie ziehen bis auf Dürer (vgl. dessen Kupfer-
stich von 1513: Ritter, Tod und Teufel) und Erasmus (vgl. sein
') Vgl. Pelteer TOff.j der aber auch hier wie öfters zu weit geht, über
Töss siehe besonders die Monographie von J. B. Mahn^ Bauten und Wand'
gemölde in Töss (== Mitteilungen der antiquar. Gesellschaft in Zürich XKVI,
H. 3) 1906. Der Kreuz gang war mit biblischen Fresken aus dem Ende des
15. und Anfang des 16. Jh., zum Teil aber auch aus früherer Zeit, ausgestattet.
— VöUig aus der Luft gegriffen ist es, wenn F. J. Mone im DiöB.' Archiv
von Schwaben XVI (1898) 128 meint, dass einige plastische Figuren neben dem
Südportal des Übei'linger Münsters (Johannes der Täufer und Sebastian [nicht
Judas!]) nach den Angaben Seuses gemacht worden sein,
^ Vgl. Peltzer 158 ff\ Freilich ist nicht zu vergessen, dass manche
derselben ihren eigentlichen Nährboden in der kirchlichen Liturgie hohen. Doch
ist die Poesie der Farben- und Blumensprache durch die Schriften der deutschen
Mystiker, besonders Seuses, aufs höchste ausgebildet worden (vgl. Kraus 11, 1,444).
*) Vgl. oben S. 61* Anm. 2, Dieses Ineinanderspielen ist der allegorischen
Auslegung des Weisheit^sbuches und der Liturgie der KircJie geläufig,
*) Peltzer 202 wagt die Vermutung, dass Seuse zuerst das Motiv der
Böse als Sinnbild des Leidens und des liosenbaums als Symbol des Kreuzes
in die deutsche Kunst eingeführt habe.
,Enchiridion tttilitis c/tristintti' lii02, deutsch und illustriert von Urs
Graf 1520*)," und — /«ys« uir hinzu — schon £u der DaisteUany
der „Streiter Christi" auf item Kölner Dombild und (fenter Altar.
Vielleicht ist Sease überhaupt der erste, der dag Motiv künstlerisch
rem-ertet hat (in seinem 9. Bild).
Anregung liat Seuses Illustrierung des Exemplars auch der
deutschen Holzschneidekunst des 15. und 16. Jh. gegeben, wie
.ichon bei Besjirechung der alten Drucke ausgeführt wurde. Aunser
diesen Bildern ßnden sich mtHrfnch zu Devotionsztrecken hergestellte
t'inblattdrucke , welche sich an Seuses Werk anlehnen*}. So stellt
ein bemalter Holzschnitt, um 1470 zu Augnburg oder Nürnberg ent-
iitimden, das Christkittd dar, in eitlem Korbe Rosen tretend und mit
Spruchband, auf dem paciencia steht; unterhalb eine fünfzeilige
Unterschrift, die mit geringer Änderung den Sprächen beim 12. Bild
Seuifes, von dem die Komposition ja sichtlich beeinßusst ist, entspricht
(Ich wil rögen brecben . . . Wer sander lieb . . . Liden sol er haben
vil . . . tgl. 398,4 — 9); vtu Exemplar davon im Kgl. Kupferstich-
kabinet zu Berlin, Leicht variierte Kopien dieses Holzschnittes mit
denselben Versen befinden sich zu München und Nürnberg (Ger-
manisches Museum); von letzterer ist noch der Holzstock, früher dem
Klarissenkloster SöfUngeti bei Ulm gehörig, Eorhunden "). Noch näher
berührt sich mit detn 12, Bild ein um 1470160 in Schwaben, wahr-
scheinlich in Ulm beziv. Sößingen, entstandener bemalter Holzschnitt,
in zuxi Exemplaren zu Stuttgart (Landesbihtiothek) und Nürnberg
(Germanisches Museum*} erhalten: Seuse knieend mit dem Kranz
con Rosen und dem Monogramm IHS, rechts oben Maria (bezw.
die ,ewige Weisheit'} mit Krone, Szepter und Reichsapfel, unten der
Hund mit dem Eusstuch, links das Jesuskind auf einem Rosenbaum,
'* P. Wther, Beür/Ige ta DürerK WdioMschauw^ (Studien xur deut-
lichen Kunglguachichle H. 231 1900, 30. Ebd. 18 ff. angthende littrariwhe und
kungl historische Naclnutisungm, Eine intareasanlr Slfllt ans Tauler 6«
Pelttcr lS6f.
•) Genaat Beechreibutty dtr folgemien fünf HoUgchnittt bei W. L.Schrei-
brr, Manuel de l'amateur de la grnmre sitr böig et »ut milat au XV' <i«c/«
IilSSl) 23if. Nt. ttil—23: 11(1892) 176 f. Nr. 1698, 1699.
') Vgl, Katalog der im Gtrm. Museum tu Nürnberg vorhandtami Holt-
etöekt I (ISfäi 15,- Abbildung S. IS und bei (EsutniOtiH), die SoUschnitte
dtt 14. und 15. Jh. m Germ. Museum 1874, Tqfel S6.3.
*) DitMS Exemplar wie der thm ertoUhntr UoleMack umr früher im Ut-
»Ott DOn frofeas&r Baseler in Ulm.
l-^k.
62* Einleitanja:. 1. r>ie Üherliefenuig.
Kosen auf Sense werfend, unten das Wappen von Ulm. Als Utiie)^
sckrifi trägt da» DewoHoHnbild die Verse:
Der selig hainrich ms ze costentz geborn am bodmersee
Nam die ewig wysshait zftm gmahel gaistlicher ee
Sein gespoDS tet im den namen verwannden
Amandas hiesz sy in nennen in allen lannden
Sein leben wz er in irm dienst vertzeren
Des frödt sich vlm die sein grab vnd hailtam halt in eren.
Abbildung nach dem Nürnberger Exemplar bei Essenwein (s. S. 62*
Anm. 3) Tafel 92 und danmch in verkleinertem Massstab bei Demfle
(Titelbild), Derselbe Holzschnitt, aber mit lateinischen Versen (Hie
est beinriens constancia quem generauit Sasz etc.), ist in Berlin \).
Weiteres soll später, wo von der Ikonographie Seuses gehandelt
ivird, Erwähnung findsn.
») Vgl, Schreiher a, a, 0, II, 176, Nach Käreher (Freib. DiöM.-
Archiv 1868, 215), der sich auf eine briefliche Mitteilung Sigharis berufte
befand sich im Dominikanerinnenkloster AUenhohenau — dorther stammt auch
die Hs, B^y s, oben 8.7* ein fünf Fuss hohes Bild Seuses, wie er in einer
Vision den Hund mit dem Fusstuche erblickt. Bei Murer^ Helvetia eaneta
314 ein Holzschnitt mit ähnlichem Büd wie das oben Buletst genannte, doch mit
anderen Sprüchen und im Hintergrund das Konstanser Predigerkloster,
**-^m^ *»
Zweiter Tcfl.
Seuses Leben und Werke').
A. Jugend- und Lernjahre zu Konstanz und Köln
(ca. 1295— 1327).
I. Geburtsjahr und -Ort, Abstammnng.
Nur weniges ist uns über den äusseren Lebensgang Seuses,
insbesondere über seine Geburts- und Abstammungsverhältnisse iiber-
0 VerzHehnis der Literatur (Detaüuntersuchungen werden zutreffenden
Orts angegeben): 1. Biographien bezw. Monographien: F. Brieka,
Jüesai 8ur la vie, les ecrits et la doctrine de Henri Suso, Thhse, Strasbourg 1654,
48 p, (unbedeutend); W, Volkmann, Der Mystiker H, Suso, Programm DuiS'
hurg 1869, 63 8,: F. Vetter ^ Ein Mystikerpaar (s, Anm, zu 96, 7; beachtens-
werte Anmerkungen); R, Seeberg, Ein Kampf um jenseitiges Leben, Lebens-
bild eines mittelalterlichen Frommen (Seuse) in protestantischer Beleuchtung,
Dorput 1889, 148 S, {im literarhistorischen Teil gut, in der Beurteilung vor-
eingenommen), gekürzt unter dem Titel: „H, Seuse, Der Gotterfreuful^ auf-
genommen in B. Seeberg, Aus Religion und Geschichte, Gesammelte Auf sätze
und Vorträge, I (1906) 188—246; Th. Jag er, Heinrich Seuse aus Schwaben,
Basel 1893, 160 S. (populär -erbaulich). — 2, Grossere Abhandlungen
tn Sammelwerken, Aufsätze und enzyklopädische Artikel: Acta Sanctorum
26, Jan, II (Antwerpen 1643) 662 — 89 (ganz nach Surius, daher ohne selb-
ständigen Wert); H. Murer ^ Helvetia sancta, Lucem 1648, 315 — 46 (ebenfalls
nach Surius, doch mit eigenen, nicht immer zuverlässigen Zutaten); Fr, St ei II,
Ephemerides Dominicano-sacrae I (Dilingeti 1691) 145—64 (mit Vorsicht zu
henützen!); Quitif et Echard, Scriptores Ordinis Fraedicatorum I (Paris
1719) 663—59, II (ebd. 1721) 821 (wertvoll, meist kritisch und quellenmässig);
A Touron, Histoire des hommes illustres de Vordre de S, Dominique II
(Paris 1746) 436 — 60 (erbaulich); A, Weyermann, Nachrichten von Ge-
lehrten usw. aus Ulm, Ulm 1798, 499—608; K. Schmidt, Der Mystiker
H, Suso, TheoL Studien und Kritiken 1843, 835—92; ders. in Memoires de
VAcadhnie royale des sciences morales et politiques de V Institut de France,
64* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
liefert, und aus d-em wenigen können icir nur mit Mühe das zu-
cerlässiye herauslesen. Ein einfaches Mönchleben setzt eben die Federn
der Geschichtsschreiber weit weniger in Bewegung als die Taten
derer, die auf der Höhe der Menschheit wandeln. Kein seiner Zeit
nngehöriger od^r ihr nahestehender Chronist ^) nennt seinen Namen,
t. II savants itrangers 1846, 396—436 (mit dem deutschen AufsatM beinahe
identisch); St, Bormann, Über den Mystiker H, Suso, v, d. Hagens Ger-
mania II, 172—81: Fr, Böhringer, Die deutschen Mystiker des 14, und
15, Jh. (Die Kirche Christi und ihre Zeugen II, 3), Zürich 1866 (2. Aufl,
Stuttgart 1877) 297—441 (sehr brauchbare, warme Darstellung); K, Greith
in Kath, Schtoeieerblätt^ II (1860) 65 ff., 137 ff., 399 ff.; ders., Die deutscht
Mystik im Predigerorden 1861, 71 ff,, 219 ff, 303 ff.; J. Bach, Meister Eck-
hart, 1864, 164—70; E. Böhmer in Giesebrechts Damaris 1866, 291—327;
L, Kärcher, H. Suso, Abhandlung über Ort und Zeit seiner Geburt, Freib.
Diöß.'Arch. 111(1868) 187—220: W,Freger, Vorarbeiten su einer Geschickte
der deutschen Mystik, Zeitschr. f. historische Theologie 1869, 119 — 37 (kritische
Untersuchung der Lebensdaten); ders,, Gesch. der deutschen Mystik II (1681)
309 — 416 (viel wertvolles Material neben manchem Anfechtbaren, vgl, die Kritiken
von Strauch, Afda IX (188d) 136—44, und Denifle, Deutsche Lit,-Ztg,
1882, 201 ff.); Fr, Bevan, Three friends of God (Tauler, Nikolaus von
Basel, Suso), London 1887, 301 — 88 (wissenschrftlich wertlos und tendenziös);
Seh. (Schurer ?), H, Suso, ein Originalbild dieses grossen schwäbischen Mystikers,
Diös.-Arch. von Schwaben III (1886) 41, 49 u. ö. (erbaulich, kritisch wertlos);
A, Baumgartner im Kirchenlexikon F* (1888) 1721—29; Ph. Strauch
in Allff. deutsche Biographie 37 (1694) 169—79 (treffliche Zusammenfassung);
H. Suso the Mystic, in The Church Quaterly Review 61 (1905) 164—61 (mir
unzugänglich) : Cohrs in Rtalenzyklop, f. prot. Theol XIX* (1907) 173—76
{mangelhaft). Zu vergleichen sind auch die Einleitungen in den Ausgaben
von Denifle und Thiriot (s. u.) und die (aber nicht vollständige und su-
verlässige) Aufführung der Literatur bei U. Chevalier, Repertoire des sources
hist. du moyen-dge, I Bio-Bibliogr., 2. Sd. Paris 1906, 2101 f. Auf einem Irrtum
beruht es, wenn K ob er st ein, Deutttche Nationalliteratur K*, 447 Anm. 36
und Strauch a. a. 0. 179 eine populäre Darstellung des Lebens Seuses von
Denifle in ,Alte und Neue Welt', Einsiedeln 1883/4, Heft 10 u. 11 angeben; es
handelt sich um eine kurze Biographie Heinrich Seuse Denifles,
*) Der Dominikaner Joh, Meyer at^s Zürich (1422 — 86), eifriger Sammler
und fleiasiger Chronist seines Ordens — über ihn jetzt zusammenfassend P. Albert
in Zeitschr. f Gesch. des Oberrheins 1898, 255—63; 1906, 504—10; vgl. Rieder
in Freib. Diöz.-Arch. 1906, 291 f. — weiss an verschiedenen Stellen, wo er von
Seuse spricht, so im ,Chronicon de Praedicatonbus^ (Mone, Quellensammlung I,
221), im ,Liber de illustribus viris ordinis fr. Praedicat. (ebd. II, 167), m
,Leben dir 32 ersten Meister des Predigerordens'' (Addhauser Sammelband im
Ereiburger Stadtarchiv Bl. 303, nach gütiger Mitteilung von Herrn Archivrai
Dr, P. Albert), und in der Vorrede der Tösser Viten (ed. Vetter 4ff,)j so gut
tote nichts eu berichten, was er nicht aus Seuses Schriften geschöpft haben kannte.
Gebnrtejahr und -Ort, Abstammung. 65*
und die Urktwd^'.n und Büchersehätze der Kloster ^), in denen er
/jewirkt, sind durch die Ungunst der Zeit fast ganz verloren gegangen.
So sind wir zur Eruierung der Lebensdaten Seuses in der Haupt-
sache auf seine eigenen Schriften angewiesen, die aber weit mehr das
innere Seelenleben als die äusseren Umstände beiücksichtigefi, und
zudem bei dem Mangel einer streng chronologischen Ordnung nur
wenige sichere An/talts^p unkte bieten. Da und dort, namentlich in
d^r Vorrede zur Druckausgabe von 1512 und bei den nur mit Vor-
4cht zu benützenden Hagiographen Murer und St ei II y finden sich
einzelne ergänzende Notizen,
Seuse erzählt selbst (Vita 44,4 f.) ^ dass er am St, Benediktus-
tag (21. März) in ,diese elende WelV geboren worden sei; das Jahr
erfahren wir nicht Die Athsichten der Neueren, um von älteren,
uiüialtbaren Meinungen ^) abzuMhen, schwanken zwischen 1295 ^) und
1300^), beide Zahlen rund genommen. Der erstere Ansatz hat mehr
Wahrscheinlichkeit für sich, das ergibt sich au4a Rückschlüssen aus
anderen d<itierbaren Ereignissen in Seuses Leben '*). Wenn er, wie
j^äter gezeigt werden soll, um 1324 nach Köln übersiedelte und um
rlieselbe Zeit durch Eckhart von seinen quälenden Zweifeln, die 7iach
-f^einer Bekehrung (im 18. Jahre, vgl. 8,4 f.) gegen 10 Jahre ged^auert
^intten (63,2), befreit wurde, so werden wir ungefähr 1295 als Ge-
burtsjahr anzunehmen haben ; doch sind 1 — 2 Jahre Spielraum zu
"j Das Archio des Konstanzer Predigerklosters ist in deyi Hefoifnations-
94nruhen (ca. 16:i7) verloren gegangen {vgl. Monc, Quellensammlung IV, 39):
x:on der Bibliothek ßnden sich Spuren noch in dt;n ziraneiger Jahren des 19. Jh.
rvgl. E. von Zeppelin in Schriften des Vereins f. Gesch. des Bodensees Vly 24).
Jn Ulm ist nur das Kopialbuch des Predigerklosters erhalten (im Stadtarchiv),
tias aber Seuses Xom:fn eu seinen Lehzeiten nicht nennt (vgl. Kornbeck im
Mitteilungen des Vereins f. Kunst u. Altertum in Ulm und Oherschwahen 1891,
Heft 2, 11).
^) Literarhistoriker wie Altamur a, Bellarmin, Dupin, Cave u.a.
setzen Seuses Tod teils um 1306 an und lassen ihn schon 1323 mit Thomas
von Aquin zur Kanonisation vorgeschlagen werden, teils rucken sie ihn über
1369 hinaus! Nach einer handschriftlichen Notiz von 1516 in einer Ausgabe,
die Diepenbrock (vgl. sein Suso 16 A 1) hesass, wäre er schon 1260 geboren.
^ So Wey ermann, Volkmann^ Preger, JJenifle (Seuse XIII:
.^zwischen 1295 und 1300'\' Das geistl. Leben XXI: .,um 1295^), Seeherg.
*) Murer, Steill, Quetif und Echard, Schmidt, Böhringer,
Greith, Kärcher, Vetter, Strauch.
^) Die Virsuche Pregers, Vorarbeiten 124 ff., aus der Abfassungszeit
einßelner Schriften auf das Geburtsjahr Seuses zu schliessen, sind hinfällig,
da sich jene Datierungen als unrichtig erweisen.
11. Scute, Deutsche Scbriiten. 5*
(>6* Einleitunji?. IT. Seuses Leben und Werke.
lassen (wohl 1293 — 95). Damit stimmt dann auch, wenn Mar er ^) ihn
1365 (richtiger 1366) im Alter von 70 Jahren, Joh, Meyer^ ,gar
alt an den Jahren^ sterben lässt, und eine Notiz aus d^m 15. Jh.
in Clm 15312 BL 84 '^ besagt: decrepitus obiit anno domini 1366.
Die Frage nach Semes Geburtsort'^) häfigt enge mit der
nach seiner Abstammmvg zusammen. In der Von'ede der Druck-
ausgäbe von 1512 f. 1^ ist berichtet, er habe eigetitlich Heinrich
von Berg geheissen, sein Vater sei ein adMger HetT van Berg im
Hegau getcesen, seine Mutter, deren Namen er selbst ans Verehimfig
für sie annahm, hiess Seüsserin. Murer*) und St ei 11^) wissen zu
erzählen: um das Jahr 1205 vermählte sich ein Hen' von Berg odtr
Berger aus Konstanz mit einem Fräulein von Saussen aus Überlingen,
beide aus altem und vornehmem Geschlecht; um 1300 wurde ihr
berühmter Sohn geboren, der in der Taufe den Namen Heinrich
erhielt. Darüber hinaus erfahren wir bei späteren Schriftstellern*^)
nichts weiteres von Belang.
Obwohl die angefühiien Nachrichten ziemlich spät sind, so darf
doch wohl die übereinstimmende Angabe, dass Seuae au^ einem adeligen
Geschlecht von Berg .stamme und dass seine Mutter eine gebürtige Su$
oder Süs (so die ältere alemannische Namensform) war, für glaub-
würdig gelten. Zweifelhaft aber bleibt, ob der Wohn^titz der Eltern
und Geburtsort des Sohnes Konstanz oder Überli}vgen ist. Von den
zahlreichen adeligen Geschlechtern von Berg, die im 13. ut\d 14. Jh.
in Schwaben und in der Schweiz ansässig waren '), ist am ehesten
') Helvcüa s. 346. Die Zahl 70 ist jtäoc/t mit Rücirsicht auf Ps, 89, 10
nicht zu pressen. Ein lajtsus viemoriae ist es, wenn Murer 315 Seuse doch
um 1300 geboren sein Ifisst. P reger, Vorarbeiten l:iti meint^ er habe die Zahl
1:^05 als Geburtsjahr in einer alten Quelle gefunden.
^ Kurze Chronik des Prvdigerordenss Tübinger Cniversitätsbiblfaihek,
Ifs. Md 4ötf de3 15. Jh. (aus Inzigkofen; s. oben S. 19* A. 1).
•') Ich habe über Seuses Abstammung und Geburtsort ausführlich in
Hist.-pol Blmter 130 (lUOÜ II) 4t;— 5S, 10t]—17 gehandelt: hier eine kurze
Zusammenfassung mit einigen Nachträgen,
') Hehftia s. 315.
') Ephemerides J, 14ti. Sieill fügt am Schlüsse hinzu: Haec ex MS.
Antiq. Adellius., was sich wahrscheinlich auf ein*' (jetzt verlorene i^) Schrift des
.loh. Megcry der zu Adtlhausen lebte, bezieht.
'') So bei Sari US in der Voirede seiner lateinischen Übersetzung SetiSfs:
Tiiifeli n u s , Consta ntia lihenana lUti} , :i60 : (J u e t if et K c hard I, 663 usv.
'') So in Württemberg zu Berg <)A. Ehingen, liarensfmrg, Tettnan^, in
der Schireiz zu Berg am Irchd, bei Arbon und bei Weinfelden. Im Hegau
-- con den Grafn von Ueiligenberg, dir Sevin, Kaiser Botharts l**ronhiif
an (lim Kuuittoiizer P atrizierge^cklecht von Berg ru denlcen,
Uiene Herren von Berg »asiten, wie es »chfint, ursprünglich als Mini-
eterialeii (k.i Bischo/s eon Konstam zu Berg bei Weittfelden im
Kanton Thurgaii, wich der Mitte des 13, Jh. aber zog Ulrich von
Berg wie manche andere Landedelleute in die Stadt. Aiige/iörige
des Gegc/Uechtes s/iielvn in der groKnen Zun/thewegung des 14. Jh.
ÜbtrUngtn 1900, 71 ahm Gtitnd mit SttMt in Bttithung bringt, wird abtu-
»thai »ein — tuitj im Überlingen lägst nirh ein adfligtn (hechlteht von Berg
nicht naehweisftt. — Nach twH Berichten avn dem Uominihanerordtnaarekiv
in Rnm, Vrlcht der Rrgennl/urger Fredigti'kiinvent im Jd, Jh. (den einen 1754,
dtn andern wtnig früher} an dtn Ordensgenrral bfnr. an da» Grneraliapilrl
sandte (eerBfftntUeht in Analreia fh-dinis Praedicatorum VIII [tyioj 691, H'Jfl;
Auetug in Zdinehr.f. kath. l'heol. 1M3, äOöff.J, wUrdt Seuge eon eitlem Griffen-
gttchltchl iion Berg and ,Sauaenbrrg abelammen. Es loird nJliiilieh darin gtsugl,
diui- der Vater Siueee (HenriciiH coines de Honte et Ssiueuberg-, quibnsdam Subo
dictne) im Jährt 1300 am Tage dr» Aposlth Thomas iSl. Det.) gestorben und
im Krtuegang äfii Jiegfnaburyer Klosters begraben, die Überreste aber iliSO in
tiit tagen. Albertuiliaprllt ül/ei-tragen und in einem Grabe mit dem brllannten
JJominikaner Joh. UeroÜ if 1468) btslattrt uxirdrn eein. Art einer benUehbarteu
•Sänl« hallt man eine Inschrift (nicht mehr erhallen) mit eintr Notit über die
hridm Toten angebracht. Ich glaube nicht, doKS mit diesem rehr npSlen Zi-ugnis
»rgrnd eitPai aneufangm ist. J-k sieht mit dem Prolog der Ausgahe eon 1612
und anderen Srrichten durchaus im Widerspruch. Schon das Datum 1300
trwtckt Misetrauen, denn damaUt vor Seuee, drm der Vater nach srinrm Tade
rrechienen edn soll <Vita ää, ^Iff-I. erst ein jMtar Jahrr alt. Seinr Familir
gthSrtt auch schverlieh dem Hoehadei an. Es gab ferner gar kein Gra/en-
^taehUeht ,von Berg und Sausenbei-g' : die Burg ,Satigenberg (2'/s ft'id. eOdtoeullieh
von MüUheim im Breisgau) war im Beeitäe der Marhgri^frn ron Baden-Haeh-
herg und erst 1306 nannte, sich rin Zweig des Geschlechtes infolge Teilung des
Beeiltex BaehbvrgSaueenberg iidrr Hachbtrg-Rötteln (». die Hegesten der Mark-
grafm von Baden und Uachbrtg. I bearbeitet von B. Erster lUOO, h 60ff.
Kindter von Knobloch, f>he.-badische» Getehlechteriwh l [189HJ äoitf.).
Es «eheint gane, alt ob jene Nachricht durch fwien findigen Gelthrtrn au» dtvi
Namrn Saueenbtrg (Sueenberg = Berg dr^ 8aao, vgl. A. So ein, Mhd. Namtih-
buch 19*13, 196; Krieger, Topograph. Wtbch. von Baden II', 7^91 heraus
komirinierl irorden icäre. Man mag auch die Vermutung wagen, data Markgraf
Heinrich II von Hachberg, der um 139a in dm Deutschorden trat und 1300,
unbiikannt «ro, starb (vgl, Fester a.a. O. h II, 94) im Htgmsburgrr Duminikanrr-
kluitrr bestattet wvrde nnd dast sein Grab später Anlas» eu jetirr Legende
gab. liier sei angefügt, dose dns neue Material, das Dcniflr nach einrr
Mitteilung Strauchs iii DeuUche Lit.-Ztg. ISbl, 84: Afda IX, 143 ,• Alig.
dtech. Biogr. 37, 179 aafgefundeti haben sollti; sich, irie er mir selbst 1901
engte, auf die nl)mgenanntci', in ihm- IJ-'dittliciiri anfange sehr AbtrschiilitCH
Berichte beschrSnkt.
()8* Einleitunjü:. II. Sense« Leben und Werke.
zu Konstanz tviederholi eine Uolle^). Konrad dictus Tuchsciierer
de licryej 128G bezeugt ^^)j war lieUcivht Heusvs Vater, — manclif
Patrizier verschmähten es nichts ein vornehmeres Handwerk, wie d<is
der Tuchmacher, bezw, Tuchhandel zu hetreiben. In Ulrich von
lier(jy Chorherr bei St, Johann in Konstanz, d-er 1298, 1301 und
1307 nrkundet % dürfen wir wohl einen Oheim des Mystikers sehen *).
Damit ist nun auch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit gegeben,
dass Seuse selbst in Konstanz geboren ist. Das älteste Zeugnis, dos
wir besitzen, die Unterschrift des oben S. 02* beschriebenen Ulmer
Holzschnitts von ca, 1470 besagt deutlich: hainrich füs ze costentz
geborn am bodmersee. Im Ernste kann wohl nur Überlingeti
Konstanz die Ehre, Geburtsort Seuses zu sein, streitig machen, und
in der Tat haben nicht wenige, nachdem früher Konstanz in der
Vorderhand gewesen war, den eingehenden Darlegungen Kärchers'*)
folgend, wenn auch teilweise mit Reserve, sich für erstere Stadt
entschieden ^), Doch sind die Beweise schwerlich stichhaltig, Kar eher
legt mangels älterer ^Nachrichten das Haupfgewic/it auf das negative,
bereits als unhaltbar nachgewiesene Moment, dass sich in Konstanz
kein Geschlecht von Berg nachweisen lasse, ferner auf drei in Über-
lingen aufbewahrte Seusejwrträts, welche die Aufschrift tragen, dat^s
der DargesteJlte ebendort (um 1300) geboren sei, ttnd auf die Lokal-
') Seit l:ili] öfters in Konstanz urkundlich bezeugt: vgl, die Zusammen-
stellung in Hist,-pol. BL a. a. O. 61 ß., ötiff. und daeu Heg. ep. Cntutt, II
M. 5814, 603Ü (IStiS und 1301 Knnrad von Berg), n. 6317 (Johann von Berg
[de Monte], Kleriker, öff'entlichir kaiserlicher Xotar), n. 6440, 6441 (1377
Bruder Huhert von Berg /de Monte], ep, Uossensis, Weihbischof Heinrichs 111
von Konstanz). Nicht hieher werden gehören : f rater Johannen de Berg connrsus
(1319) und F, Thomas de Bergen (1361), beide im Xeci'ologium des Freiburgir
Dominikanerklosters nrreichnet f Freib. Diöz,-Arch. X V^I, 4:2).
-) Würftemb. l'B IX, 79: Fürstenb, ÜB V, lini: K. Begerle, Die
Knnstanzer Uat.slisten l}<9ti, 63 f. Das Haus derer von Berg lag (1360) in der
Paulsgassc und hifss ,Bur Taschen*, vgl. K. Beyerle, (rrnndeigeniumsverhüli'
nuise im mitiehdterl. Konstanz II i 190:2) 37 5 f,: Marmor, Gcschichtl. TrtjtO'
graphie von Konstanz ItiOO, 1^0,
'^) Cod.dipJom. Salem. II,ö3t^: III,li?9: Reg. Kp. Consi. II n. 3,H)8,3Q19:
Freih. Dün.- Archiv 1903. 131 f. In der Urkunde von 130 J wtrden sein vir'
storbener l'ater Man/uard, seine Matter Mcchthild und seine Schttester Mar*
garet a genannt.
*i Dies ist auch die Ansicht Begerles, Fr eilt, Diöz.- Archiv 1903,137,
'*) S. den oben S. 63*' Änm. 1 zitierten Aufsatz: vorher schon ähnlich im
Vreih. kath. Kinhcnblatt lüiit:. .76V.\r"., 371 f., 3iSlf.
'•; So namentlich hcnifle, Pregrr, Siran eh.
Geburtsjahr und -Ort, Abstammung. 69*
traditiofiy welche cUis Haus Nr. 492 in der seit 1889 so genannieih
Susogasse als sein Geburtshaus bezeichne. Allein jene Bilder gehören
d^m 18. f frühestens 17. Jh. an und haben somit ganz geringe Auk-
torifäf, die Tradition aber für das angebliche Susohatis ^), das vor
einigen Jahren mit Hilfe der badischen Regierung pietätvoll restanrieH
wurde und immerhin eine Sehenswürdigkeit der Stadt bildet, ist mit
Sicherheit kaum über 100 Jahre zurück zu verfolgen, ja ihr Vor-
Iiandensein wird von Sevin^) ganz in Abrede gestellt.
Es bleibt aber, wenn auch Seuse selbst allem tiach zu Konstanz
geboren ist, doch die Möglichkeit offen, dnss Seuses Mutter aus Über-
lingen stammte, wie auch Murer und S teilt berichteti. Dann würde
sich am ungezwungendsten erklären, wie man dazu kam, Überlingen als
Heimat Seuses, der sich nicht nach dem Vater, sondern nach der
Mutter nannte, zu bezeichnen. Zwar lässt sich der Familienname
Sus, Süs^) im späteren Mittelalter in den Gegenden am Bodensee und
») Näheres Hist-poh Bl, a. a. (). 113 f. Bas im ältesten Teile Überlingens
gelegene Haus kann nach dem Urteil Sachverständiger seinem Kerne nach wohl
in das 14. Jh. zurückreichen; vgl. /*'. II. Kraus , Kunstdenkmäler des Gross-
herzogt ums Baden I (1887) 666 f.; H.Sevin, Üherlinger Häuser buch 1890, 60.
-) Kaiser Rotbarts Fronhof 72.
'^) Die älteren Hss,, welcfie dem alemannischen SpracJigebiet angchönn,
schreiben durchweg Süs, Suse, oder auch SuR(e), Heinrich von Nördlingen: der
Susze (Strauch, M. Ebner XXXI, 22) und der Süsse (LI, 86 f.). Dem Suse
entspricht in schwäbiscMayrischer Mundart Seuse, dem Sus — Saus. Erstere
jF^orm ist besonders durch die Augsburger Aufgabe V07i 1482 verbreitet worden
■uiui durch Denifle wieder in Aufnahme gekommen; Suso ist das latinisierte
*Süse uiul kommt schon im 14. Jh. vor (so in dem später zu erwäJinenden
J^pitaph von 1366). Der Personenname Sus (sus) scheint nach Förstvmann,
^ItdetUsches Namenbuch /* (1900) 1373 zu dem ahd. süson, süsjan, mhd. süstn,
^usen, nhd. sausen gu gehören; ein Suso findet sich zuerst im 9, Jh. {Tradi-
tionen Corbeienses ed. Wigand 1843, 244), Ebenso pflegte auch Seuse selbst
meinen Namen abzuleiten: nach dem Prolog von 1612 — die Anekdote scheird
fßliiuhhaft überliefert — munterte er bei seinen Predigten seine Zuhörer und sich
selbst auf mit den Worteti: Merckt auflP, wanu der seüss will seüssen^ oder: Nu
wolan seüsz, du must seusen ; wenn er das Volk strafen wollte, sprach ei-:
Da mäsz der seüss seusen, das euch die oren seüseu ; oder, wenn er sich nicht
getraute, etwas zu sagen: Der seüsz getar da nit seüseu. Vielleicht liegt auch
in Vita 27,21: süsent uf in die hohi eine derartige Ansjjielung vor. Ohne Grund
bringen St eill, We y ermann und K ä r eher den Namen mit dem mhd. stiege
(dulcis) zusammen (vgl, auch die Ubtvschrift der Vita 7,1 nach M : der wnder
sües). — -411/ einer Verwechslung von G und S scheint es zu benihen, wenn in
der Hs, S (s. oben S, 8*) geys, und bei Zittard, Kurze Chronica des Domini-
kanerordens, Uilingen 1596, 47,63 {doch vergleiche am Schlüsse die Errata and
70* Einleitung. IL iSeuseH Leben und Werke.
Oberrhein f:erschie(l^ tätlich nach weisen % doch scheint auch in Über-
lingen eine Familie dieses Namens existiert zn haben, da sich in
einem Anniversarienverzeichnis des dortigen Pfarrarchivs 152S ein
Jahrtag für Siisanna Süserin, ihre Vorfahren und Nachkommen^
notiert findet^ Kaum wird man, wie Sevin (s. oben S, 6ß*
Anm, 7 ) will, die eine halbe Stunde westlich von Uberlingm gelegene
Süssen- bezw, Siessenmühle hier hereinziehen dürfen, da dJc Ableitung
dieses Namens ganz unsicher ist'^),
II. Jugeudzeit, Eintritt ins Kloster, Beltehmng.
Die Eltern de.H jungen Heinrich *) von Berg waren, wie er selbst
erzählt (23,21 Jf\, 142,17 ß',), sehr ungleichen Charakters; schroffe
(iegen^ätze standen einander gegenüber , wie wir es im Mittelalter
Strauch, M. Ebner 364) Geins geschrieben ist: es ist aber auch möglich, dojts
eine Konfundierant/ mit dem Wiener Vrofessor und Dr, theol. Johannes Geuss
(Geizig f 1440, vorliegt, der verschiedene asketische Schriften verfasete (die Uss,
721 und 756 in Giessen enthalten Coliationes super Ave Maria und Sermonet
von ihm).
') So in Wil bei SU Gallen (St. Galler ÜB 111, 360,426 ll32ü des 8Ü8en
niüli/; IV, 053), in Strassburg (vgl, Anm. zu 74.2) und Basel (Siiser, ÜB JIJ,
142 f.; IV, 173,261): vgl auch So ein a. a, O. 443, Ober die in einein Briefe
Heinrichs von Nördlingvn (Strauch XXIX, 37 f.) vorkommende Sussin ze Hoch-
stctten vgl. die Anm. zu 74,2.
-) Genaueres Hist.-pol, Bl, a, tu (), KKi Anm. 2.
•') Von einem Bersonennamen Süs, oder von ahd, sioeza^ WeideplaWif
Vgl. Buch, Oberdtsch. Flurtiamen 1860, 259: ders. in Schriften d. Ver. f.
Gesch. d. Bodensees XI, 113; Krieger a. a. (). 1132,
*) SchuuTlich echt ist der Xame Johannes, der sich in manclien Hss.
des Hör. (MO in Clm 1860S, 1^137: Cod. Mellic. 106 usw.) und namentlich
in den Hss. der nltfransösischen ÜbtrsHzung ditscr Schrift ( t^uetif et Kchard I,
653: Theol. Stud. und Krit. ItHo, 852), dagegen nur ganz vereinzelt in
deutsrhin Hss. (s. oben S, S*: vgl. >S. f;9* Anm. 3) Jindet, - - Der Name
Amandas, ,Liebetrnut^ oder ,Herj:rnfraui^ (vgl, 140,7), ist nicht, wie
rielfach geschieht (K ü rv h e r 20t): Vetter 2't : Strauch 169 uew,) als
Klostername aufzufassen — die Ihnninikamr jjjlegten damals bei der Profess
den Namrn nicht zu ändern, ■ - sondern gewissermassen als Seuses nom de guerrt
als Mystiker, den tr nach seiner Krzühlung in der Jugend von der ewigen
Weisheit selbst erhielt (Hör. 216: in eti visionis gnitia quodam novo et luystico
nomine ab ipsa [Sapientiti] vocatus frator Amandus; vgl. tbd. 17,222). Es wäre
sonst nicht zu erklären, doss der Xamt xcedtr in einer deutschen Hs., noch hei
Heinrich von Nnrdlingcn oder Joh. Meger odtr in Seuses Kpitaph vorkommt,
sondern nur in zahlreichen Hss. des Hör. (rgl, Strange 5; QuHif et Kchard I,
653, 656 f.: (Um 7819, 14604 usw.): düse schöpften ihn eben einfach üus
nicht iifltrn antreffen '). Der VaUr wnr durchaus u-fllUch ifemtiii,
die Mutter dayegeH eine .heilige' Frau, ,mit deren Herz und Leih
Oott Wundtr') wirkte bei ihrem Lehen'; sie war .voll Gottes" und
hätte gente darnach ,lieiUg', U. h. ihren Übungen der Frimmiijkeil
und Askc'»' ijelebt, allein d-es Mannes rauhe Gemiitmrt war dein
abgmtigl, und so ßd ihr manches Leiden zu; sie tcar ,aUe ihre Tage
eine groxse Leiderin'. Beide Eltern starben tvohl, efte der Sohn,
neben dem nur noch con einer Tochter'), die Klosterfrau wur, die
Rede ist (70,17 Jf.), das volle Mannesalter erreicht hatte. Auf seinen
<i eist und Charakter hat die Mutter massgebenden Einßuss auageübt;
das überviächtige religiöse Üe/iihl, dfis die edle Frau einst .minnesiech' ')
machte und am Karfreitag oor Teilttahtne an den Leiilvn des Ge-
kreuzigten sterben lieng, das iiebeswarme, weiche und sinnige Gemüt
mit dem Zug ins Elegische ist als ihr Erbteil auf ihn übergegangen.
Wahl glaublich ist es daher, wenn berichtet wird"), er habe steh
gftäler nach der Mutter Geschlecht genaniU; schon ]3:i8 bezw. J347
ttennt ihn Heinrich con Nördlingen ") sehlevhtteeg ,den Süssen', und
unter dem Stichwort ,d«r Stise' ging später die Vita (vgl. 7,1) bezw.
il/is Exemplar in die Welt.
Den von Jugend auf kränklichen (56,16 f., 280,1 f.. Hör. 83,
ln6) Knaben, der wohl für einen weltlichen Beruf nicht recht tnugen
mochte (vgl. 146,11 ), bestimmten die Eltern für das geistliche Leben
und //rächten ihn im Alter rion lü Jahren den Dominikanern in
JConstans als Novizen. Dax idyllisch am Ausßnns des Rheins aus
i. TT e. 7 tlts Bor., wie auch /, Ji. NolUn, um ,Schlu»fe de» Bm-ht« in Clin
'7819 und 1S313 draltieh zeigt". üntiUreffmil ist f», wenn der l'riilog eon
35tü tiagt, S*iut habe dtn Nameu Amandu/i bti Lebenleu geheim gthatlen, der-
eelbe »ei erst nach xtineiH Tode in »einen OJfcnbai-ungen ff^unilen wurdtii. Aber
<r utand ja in arm 1334 publieierten Horologium! Ein Dominikanrr Amandwi
iet 1396 (Basier ÜB III, Uli u. 13<)3 (ah Priniintial doh Teulmin, vgl.
Pregrr, Vorarbeiten 391 btitugf.
te') Ein intcrtutantt» Beispiel ertShlt Stuse Hör. Llfj.
•) Das Wort wunder i244) ist nicht bucltstäbtieh tu fassen, simdtrii
wich auf du« J42,36jl'. eraäUU Vuthommnit (vgl. auch 07,4. 103,4).
*) Murer ■31,'> sjiriclii Boit mehreren Kinrlem, Kcl'UirrUch als suvtrliissiger
^-....„lerstatler.
■) Gant dasselbe mied von Btli fo« Sure in Thts (Vilm ed. V'ilir
1 Elisabeth ron Hsulingen «« WUer erzählt.
[ ») Prolog drt ßrackts von 1513.
b^ Büege oben 3. US' Anm. 3.
72* Einlcitim«^. Tl. Seuscs Lehen und Werke.
dejn Bodensee gelegene Inselklosfer^) (vgl. 48,8 f.) war foHan die
längste Zeit seines Lebens seine Heimat j und die Handschriften d^s
Hör. *) bezeichnen ihn mit dem offiziellen Titel als frater Henricus
Su80 (bezw, fr. . Amandus) ordinis praedicatoram conventus (od^r
domus) Constantiensiß. Der Predigerorden stand damals in Deutsch-
land auf dem Höhepunkt seines Ansehens vnd seiner Exj^ansivkrafty
und übte als der vornehmere, die Wissenschaft ex ]yrofes>o pflegende
Zweig d^r Bettelorden auf die Söhne adeliger Familien immer noch
eine nicht geringe Anziehung aus *); im Innern des Ordens freilich
begann die ursprüngliche Zucht, welche fast das ganze 13, Jh, stand-
gehalten hatte, sich zu lockem, und es zeigten sich manche bedenkliche
Spuren d^s Niedergangs. Das Konstanzer Kloster machte hierin
keine Ausnahme '). Es hat Seme später bittere Seelenpein verursacht^
als ihm gesagt wurde, seine Eltern hätten hei Gelegenheit seiner Auf-
nahme ins Kloster, die sonst nicht vor dem 15. Jahre geschehen
durfte, ein grösseres Geschenk gemacht (62^:^3 ff., vgl, die Anni. dazu).
Wir wissen nicht, ob dabei wirklich eine Unordnung vorkam — der
Kontert spricht schwerlich dafür, — jedenfalls aber spiegelte seine
aufgeregte Seele ihm vor, ^.s- sei Simonie gewesen, und er litt gegen
zehn Jahre schwer darunter, bis ihn Meister Eckhart durch rer-
nünftigc Belehrung von seinen Skrupeln befreite.
Die ersten fünf Jahre des Klo.'<ferleben.<i verflossen ohne etwas
Aussergewöhnliches ; wie der rückwärtsschauende Asket in strenger,
wohl allzu strenger Selbstbeurteilung erzählt f Vita 8, 4 ff.; Bdew Kap, 1;
Hör. 15 ff'. 56)^ trug er zwar .geistlichen Scheint d. h. das Ordens-
gewand, das nach aller Anschauung , rechtlich betrachtet, an sich
schoyi den Mönchscharakter verlieh '), aber sein Gemüt blieb jun-
gesammelt^ er begnügte sich mit dem Gewöhnlichen, ohne sich besondere
sittliche Anstrengungen zuzumuten. Doch .seine ideal angelegte Natur
fand bei dieser Halbheit auf die Dauer kein Genüge-, er war in
seinem Innern stets unruhig und unbefriedigt, ein unbestimmtes
••) 1236 (/eg rundet, i/^i3 ron Kauter Joseph II aufgehoben, seil lS7i
, Insel hotel\
') Vgl. oben ö'. 70* Änm. 4.
•') Vgl. Fiiike^ Ungedruchii Domimkanerhricft dis 13. Jh, lisDJ, 10.
') Vgl. Vita 'J,üOJ). J4ö,:JoJf'. ^ach Hör. VJ gingen manche Mönche
nach der Xon in div S'tndt, um Bikanntv zu b(Sut'hni : dir disciirsus inutiles
evaü^elizantiiim tadelt /sV«,vt scharf ( l. c. 111). \Vriterr.s üher die Zustünde
im l'redif/crftrdi ft uitti'r /) 7.
■•) \'g/. li. Schert r, Kirchenrecht 11 (If^UI) tSOö*.
Der Dienst der ewigen Weisheit. 73*
Sehnen und Dürsten nach etwas Grosseniy das die ganze Seele aus-
füUtj bewegte ihn unablässig ^). Die innere Umwandlung, psychologisch
schon lange vor bereitet, verdichtete sich in seinem 18. Lebensjahre,
also um 1313^), zu dem durchgreifenden Ent-schluss (der geswinde
ker 8,14), sein Leben fortan ohne Uückhalt in den Dienst Gottes
zu stallen. Durch einen ,verborgenen lichtreichen Zug von Gott^
fühlte er sich mächtig gestärkt, durch Kampf und Askese hindurch
nach der ^höchsten Kunst rechter Gelassenheit (o3,6 f. 15) zu ringen.
Und er führte seinen Vorsatz aus, obwohl dem Anfänger Zweifel
über das Gelingen und fremde Einreden, selbst Spott, nicht erspart
blieben (8,21 f. Hör, 18 f.) und er unter seinen Klostergenossen
keinen gleichgestimmten Freund fand, der sein Streben hätte unteryti'ffzen
können (9,20 f). Mit rf^r Ablegung einer Lebensbeichte (-13,13 f
99,20 f.) begann er seine ,Vita nuova', die er in all ihren Phasen
mit rückhaltloser Offenheit und unnachahmlicher Zartheit schildert.
III. Der Dienst der ewigen Weisheit.
Die Religiosität Seuses nach seiner Bekehrung nahm eine ganz
^charakteristische, ihm eigentümliche Ausprägung an. Wir sehen in
yjir von Anfang an zwei verschiedene, scheinbar sich widersprechende
Jiichtungen neben einander herlaufen: die gefühlsmässig-schtvärmerische
9^nd die asketisch-selbstquälerische,
^Er hatte von Jugend auf ein minnereiches Herz\ bekennt er
^j)on sich selbst (11,27 y vgl, 12,14 f, Hör. 10). Seiner lebhaften
J^hantasie genügte es aber nicht, Gott nur im allgemeinen als das
Jdcal der Güte und Schönheit sich vorzustellen, es r er langte ihn nach
Einern Sgmbol, oder besser einer Personifikation der göttlichen Voll-
fcommenheitenj die ihm greifbar nahetreten und mit der er in Verkehr
treten konnte. Er fand diese in der „ewigen Weisheit^, In seiner
Vit(i (Kap. 3) und noch deutlicher im Hör, (15 ff.) berichtet er, wie
er zu dieser Vorstellung kUm und welche Entwickhingsstufen sie bei
ihm durchmachte. Angeregt von den ,Lil>ri Sapientiales* des alten
Testamentes, besonders dem Buch der Weisheit, den Sprüchen Salomos
lind Jesus Sirach, deren Aussprüche über die „ewige Weisheit** seit
*) Die Erzählung ti,4Jf', erinnert nn diejenige der hl. Gertrud im Legatus
divinae pietatis, lievelat. Gertrud, ac Mechthild, 1 (1675) 103 ff.
') Unrichtig Seeberg 135: „seine Btkehrutfg geschah am St. Agnestag.
also am Ul, Jan. 1313**. Aber es handelt sich hier (Vita 10,11 f.) um eine
Vision, die ,in seinem Anfangt, d. h. in der ersten Zeit nach der Bekehrung
,tfich ereignete.
74* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
alters von der theologischen Spekulation nicht bloss auf die Eigen-
"ichaften Gottes, sondern auf eine eigene göttliche Ugpostase, den
Logos, gedeutet und in der kirchlichen Symbolik und Liturgie des
Mittelalters vielfältig in diesetn Sinne verwendet wurden (vgl. oben
S. 51* A. 2 u, S, 60* A. S), fasste er sie zunächst ganz allgemein ah
den hibegriff alles Schönen und Liebenswürdigen, identifizierte sie
aber dann fortschreitend mit dem ,ausquellenden Ursprung der blossen
Gottheit^ (14,30 f.), d. h. mit dem göttlichen Wesm an und für sich,
darauf konkret mit der persönlichen, menschgewordenen ewigen Weis-
heit: Christus, ohne jedoch die allgemeinere Auffassung ganz auf zu-
gebest, und lässt auch, wie es in der Liturgie geschah bezw. geschieht^
die Bezugnahme auf Maria dann und wann miteinfiiessen.
Seine Seele rang nach bildlichem Ausdruck seitter inneren An-
schauung und begehrte die Geliebte zu sehen; sie zeigte sich auch
wirklich seinen ,inneren' Augen in bedeutungsr ollen, der hl, Schrift
entnommenen Bildern: sie leuchtete wie der Morgenstern inui strahlte
wie die aufgehende. Sonne, bald erschien sie ihm als schöne Jungfrau,
bald als edler Jüngling, bald als weise Meisterin, bald als stattliche
Minner in, und sprach zu ihm gütlich: ^Sohn, gib mir dsin Herz!*^^)
(14,10 ff. Hör. 20 f 57). Die Worte Pauli ron Christus als ,Gottes
Kraft und Weisheit^ (I Kor, 1,24), ,iH dem alle Schätze der Weis-
heit und Wissenschaft verborgen sind* (KoL 2,H), Wiegen ihn weiter
auf die zweite göttliche Person hin, durch deren leidende Menschheit
er zur Gottheit vordringen solle (Hör, 21,25; Bdew 203,8ff.). Als
Sinnbild der ewigen Weisheit in letzterem Sinne erschien ihm der
Name Jesus (400,20 ff'. ), und ihm widmete er einen bis ins kleinste
geregelten Kult, der in der ,Bruderschn/t d4*r ewigen Weisheit^ in
weitere Kreise verbreitet wurde (Kap. 45; 393,8 ff.). Daneben führte
er aber doch stets die Idee der ewigen Weisheit auf ihren lJrsi)rung
und Quellpunkt, das Wesen Gottes als den ,grundlosen Abgrund aller
Zartheit, Schönheit, llcrzenlust und Lieblichkeit' (14,29 ff. Hör. 22)
zurück. Einen unauslöschlichen Eimiruck machte es auf ihn, als er
am St, Agnestag erstmals in einer Verzückung corübergeliend jenen
\) Aus der prfivhiiyt'U Schildtrung der Viia hat Herder den Vorwurf
zu aeinein schönen (rcdichie .JJir cwuje Weisheit'* (abgedruckt hei Diep. 21 — 24)
(jenommcn. Eingehenden (Quellennachweis hat R.Kv hier geliefert in , Berichte
der Kgl. aiichfi. Gesellschaft der Wiss.' 7667, l<)5—24 (dir Aufsatz inceitert m
Köhlers Kleineren Schriften III llSOOj 107-21) und festgestellt, dojss Herder
nicht den Urtext, sondern Murer, Jlelvetia s. 31UJf\ benutzt und das Gedicht
1796 verfassi hat.
Der Dieust der ewigen Weisheit. 75*
Zustand des Sichselbstverlierens und der mystischen Einigung mit
Gott erlebte (Kap. 2, Hör, 22), auf den alle Mystik hinzielt.
Was er da sah, kann er nicht beschreiben: es war formlos und
weiselos' — die Vision war also mehr eine intellektuelle als eine bild-
liche^) (vgl. Hör. 22: in hoc fontali principio nee forma erat nee
materia) — und doch war es alles Entzückens voll; er konnte nur
^ch selbst vergessend einstarren in den glanzreichen Widerschein der
Gottheit. Als die Erscheinung zu Ende war, sank er erschöpft wie
ohnmächtig zu Boden, seine Seele und Gemüt aber waren voll jhimm-
lisclten Wunders', und lange Zeit blieb ihnen der fühlbare Eindruck
davon *).
Die Liebe zur ewigen Weisheit ist fortan die überirdische Atmo-
sphäre, in der Sense schwebt, „Diener der ewigen Weisheit*^ die
stehende Bezeichnung, die er sich gibt. Was nur je irdische Minne
an Lobspriichen erdenken kann, häuft er auf dieselbe: sie ist sein
Serzentraut (217 ,4:. 140,7 ), seines Herzens Kaiserin (15,17), sein
jfröhlicher Ostertag, des Herzens Sommerwonne, seine liebe Stunde
C 27,1 f., Bdew 223,23 ff., Hör. 58 ff.), mit ihr glaubt er sich vermählt
tele Franz von Assisi mit der Armtit (vgl. Hör, 217), und strömt
€.i€n Jubel seines Herzois über diese Gnad^ in Worten voll stibmischer
Megeisterunq aus (Kap. 3; Hör. 215 f., vgl, Preger II, 362 f). Er
^m4)idmet ihr, besonders in den Tagen seiner ,blühenden Jugoid^ (110,4),
<:la sein Antlitz noch vo7% frischer, blühende^' Farbe war (110,14),
^nen Dienst voll rührender Zärtlichkeit ^), wie es ganz seiner poetisch-
womantisehen Anlage, seitier ritterlich-adeligen Erziehung entsprach,
^nd fühlte sich darin unaussprechlich selig; seine tägliche Lebens-
ordnung, seine ,kindlichen Andachten^ (110,3), seine Naturbetrachtung
sind unter diesen Gesichtspunkt eingestellt. So wenn er ein neu£s
Oewnnd anlegt, oder sich zu Ader lässt oder die Tonsur erneuert
(110,4 — 25), wenn er Lieder singen oder Saitenspiel erklingen hört
(15,3 ff.), unterlässt er nicht sie zu ,meinen* und um ihren Segen
zu bitten; das Weltall mit allen Geschöpfen ruft er zu ihrem Lobe
€/t//(Sur8um corda! Kap, 9). Zu Ehren der ewigen Weisheit verfasst
er ein eigenes Gebetlein lateinisch und deutsch als ,Morgengruss*
(18,12 f, 395,18 ff.) ^ dessen V^ er breitung er .sich angelegen sein lässi,
») Vgl Anm. eu 342/J6ff.
*) Zum Vergleiche ist sehr lehrreich die dichterisch'Symholif<che Schilde-
rung der Ekstase bei Bichard V07i tSt. Viktor, Benjamin Maior IV , 23 (ange-
führt bei Krebs, Meister Dietrich [s. Anm, zu 328,17] 133 A. 4).
*) Hübsche Schilderung bei Bö hringer 304 — 6.
76* Einleituiijr. TT. Seuses Leben nnd Werke.
setzt sie in holder Spielerei als Tisch (/enossen vor sich hin, d<9«a m
ihm Sjms und Trank mpw (Kap. 7), erhittH oon ihr am Netijahr
wie die JUnylintje in Schwaben ein Kränzlein (Kap. 8), und setzt
am ersten Mai als seinen (jeistlichen Maibaum das Kreuz mit allerlei
lüumenzier geschmi'tckt (Kap. 12). Er lässt sich auch die ewige
Weisheit in minniglicher Gestalt, wie sie Himmel wui Erde in ihrer
(reu alt hat, auf Pergament malen^ nimmt das Bild mit auf die hohe
Schule nach Köln nnd bringt es wieder zurück in ,seine Kapelle'
in der Predigerkirche ::u Konstanz, in der er gewöhnlich seiner An-
dacht pflegte (103,14 ff.). Wie er in einem eigenen prächtigen Jw-
dacht^buche. dem Bücldein der ewigen Weisheit, das Lob seiner
(ieliebten rerki'nulete, soll später Erwähnung finden. Seine Liebes-
inbrunst ging sogar so weit, dass er einmal in seiner Anfatyszeii
mit einem eisernen Griffel sich den Xamen Jesus als bleibendes Mal-
zeichen in die Brust eingrub^), .gleichwie weltliche Liebhaber den
Namen ihrer Dame am Kleide tragen'; unvertilgbar blieb er da bis
zu seinem Tode, nur zwei vertrauten Freunden und Elsbeth Stagel
offenbarte er das Geheimnis (Kap. 4; 148,3:^ ff. 393,12/.; Hor.76,221;
Minneh. 538,5 f.).
lY. Seuses Kastelun^eii.
,Zur Minne gehört ron altem Uvvht Leiden^ .Jeder Minner ist
auch ein Märtgrer^ ( 13^5 f.), das war Seuses Überzeugung, der auch
hierin die Idee des mittel tilterlichcn Frauendienstes ins Religiöse ilber-
trägt% Der ewigen Weisheit zu lieb ist er daher bereit, alles, auch
das sch/rerste zu leiden (31,13 ff., ITor. 18fi5). Vnd er wartet nicJtt,
bis Leiden von selbst kommt, sondern beginnt bald nach seimr Be-
kehrung damit, seinen .wilden Mut\ den ,verwöhnten, widerspenstigen
'i Ähnliehes tn'rd cr::ähh von der hl. Kadff/undiA (y 587) und Ii!ditha
(Y iff^4t, Vf/l. Zoch'ivr, Ashcsr und Möudduin H- (lt<ii7) 4^*9 : ders,, Dan
Krvuz (-hri.sti Lh'tö, :Ji} : von (liriaiinn Khnt'V, n/l. Lochner, Lehe^i nnd
(rcsichtc der Chr. J\ ts'tjj, 11: ferner von Veronika Giuliani /-J- 1727), vgl.
Stimmm aus Maria-J.ntich n*o't II, :Jti4.
-I Vf/L Hör. SI : iiiilitiac siM'cii's amor fst: I.e. U f.: litore quot eonehae,
tot simt in iiiiKuu ([«»Ions . . . Kovolve iiiiiunirra et stiipi'uila, «juao le^^riHti et
iiiulivisti. qiiiu' ]in)li])Uilur liuius niiiiidi amatoifs o\ aiiuire viuiissimo su.<^tiDuenlnt•.
Xoiiiu- iii*4(Miiis('L'i>ns, e-iMii ail notiriaiii tuaiii ])crveint iuveiii'iu 4iien(lam tibi notum
in tantiMii t'iiisse rascinatmn. iit i)b aniorrui unius ]Mi<'lIao iVrnim quoddaui carni
snat' intixuin portarct? Mnn fühlt sirh aun^illkürlich an die Liebestollheiten
ririchs rrtn I.irhienst.in (rinnrt, dor .sich um neini-r Ihnne irillen einen Finger
nhharhtt!
Seuses Ka8teiun8:en. 77*
'Leib% seine ,lebendige Naiur^, mit der er sich überladen fühlte (9,19.
26. 39,3 ff,, 108,18 ff., Bdew 200,20), durch ein erfinderisches System
von Äbtotungen und Knsteiungen zu bezwingen und zu unterjochen.
Die Eingrabung des Namens Jesu in die Brust ist schon erwähnt
worden. Seine Zunge hielt er in strengster Hut, so doM er inner-
halb 30 Jahren bei Tische nie das Stillschweigen brach (Kap, 14);
zehn Jahre blieb er in seinem Kloster abgeschieden von aller Welt
(59,30 f., 103,5 ff.), trug lang ein härenes Hemd und ei)ie eiserne
Kette um den Leib, schlief des Nachts wohl 16 Jahre in einem engen,
mit Nägeln besetzten Unterkleid, die Arme in Sc/Uingen gespannt
ocfer die Hände in lederne Handschuhe gesteckt, die mit spitzigen
Messingstiften versehen waren (Kap. 15). Acht Jahre trug er ein
mit scharfen Nägeln und Nadeln beschlagenes hölzernes Kreuz unter
dem Kleide auf dem Bücken, und nahm mit demselben wie auch mit
einer eigens präparierten Geissei häufig Disziplinen (Kap. 16). Un-
gefähr acht Jahre schlief er auf einer alten Türe oder in einem
enijen Stuhle sitzend, ohne hinreichende Bedeckung im Winter, wärmte
^ich gegen 25 Jahre nie am Konventsofen und mied alles Bad, ass
laitfje Zeit nur einmal des Tages und brach sich nicht nur, wie im
Orden zu geuHSsen Zeiten üblich, das Fleisch, sondern auch Fisch
find Eier ab (Kap. 17), enthielt sich zwei Jahre des Obstes (25,8 f.),
t-rmik viele Zeit keimten Wein ausser am Ostertag (46,19 f.) und er-
laubte sich tmr ein ganz kleines Mass Wasser (Kap. 18). Nach der
-J^IetlCy die sehr früh am Morgen stattfand^), wachte er, auf blossetn
Stein im Chore stehend bis zu Tage (47,8 f). Vom 18. bis 40. Lehens-
^ Jahre trieb Seme diese ,marterlichen Übungen'^), an deren Glaul-
\) Das ^Officium nocturnum* ivurde nicht überall zur gleichen Zeit ah-
gehalten (um Mittemacht oder 1—2 Stunden später, vgl. Mortier, Histoire
<ieM maitres generaux de Vordre des frere^ precheurs I [Paris 1903 J ÖSlf,). In
JConstans variierte man^ wie es scheint (vgl, 47,3 f.), nach der Jahresseit,
') Es mrd kaum gelingen, wie es P reg er, Vorarbeiten 124 ff., 130 ff.,
ttilwnse versucht hat, jene Kasteiungen in Seiises Ltben chronologisch zu
Jixiereti, Dazu sind die Zeitangaben zu unbestimmt; etwas Schematisieren mag
dabei wohl mituni erlauf tti. Aus 59,30 f. dürfte zu folgern sein, dass Seuse die
ersten zehn Jahre nach seiner Bekehrung (cn, 1313—23) in Konstanz blieb. —
Beispiele gleicher oder ähnlicher Abtötnngen^ wie Seuse sie übte, können aus dir
Heiligengeschichte und auch fius der deutschen Mystik in Menge beigebracht
werden; vgL z. B. Zöckler, Askese II-, 521 ff, 457 : ders,, Kreuz Christi
244^5; Greiih 351 f 382^3^8,414 (aus Katharinental und Töss); Pe.:,
Bibliotheca ascetica VIII (1725) 107,156,297 u. ö. (aus Unterlinden); Krebs,
AdelhaUsen 99; Lochner, Christina Ebner 1872 passim ; Strauch, M. Kbncr
79yitfff. (vgl, Anm. S, 302 ff J. Auch Mechfhild von Magdeburg u^dmete sich
78* Einleitung, fl. Seuses Leben und Werke.
Würdigkeit wohl nicht zu zweifeln int *), %ind wir glauben es ihm gerne,
wenn er erzählt, dass er sich dadurch viele Krankheiten zuzog
(51,17. 45,18 ff.), und dass zuletzt seine ganze Natur verwüstet und
verdorben war, so dass nichts mehr übrig blieb, als sterben oder da-
von laifsen (52,8 f. 55,3). Das Resultat seiner Kasteiungen aber
fasst er in d^n Satz zusammen, dass alles nur ein ^uter Anfang'
und ein ,Durchbrechen seines ungebrochenen Menschen' gewesen sei,
worauf erst die ,hohe Schule der rechten Gelassenfieit' folgeti soüe
(53,1 ff., 3,10 ff\).
Die. Beurteilung von Seuses strengen Abtötungen mrd wohl stets
je nach dem Standpunkte ein^ vei'schiedene sein. IVer die körperliche
Askese prinzipiell verwirft oder sie wie z. B. Seeberg^ nur unter
dem Gesichtswinkel der Reformatoren betrachtet, wird notwendig zu
einer mehr oder weniger scharfen Verurteilung gelangen. Doch dürfte
es in unserem Falle richtiger sein, Seuse zunächst aus seiner Zeit
und seinem Charakter heraus verstehen zu lernen; manches wird sich
dann begreifen lassen, zum Teil wohl auch entschuldigen» Die Aus-
Übung von Busswerken, mitunfer selbst in einer für unseren ver-
feinerten (ieschmack abstossenden Form, lag ganz im Geiste des
Mittilalters und galt als ein Teil der für jeden pfichtmäMigen Nach-
folge Christi, nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel- zu dem Zweck,
die vollkommene Herrschaft über die sinnliche Natur und dadurch
die wahre sittliche Freiheit zu erlangen. Seuse selbst spricht sich
wiederholt deutlich genug darüber aus p^'K^^ff-, ^h^f) 10^,1 fy 107, J6,
108,18 ff., Bdew 289, 2 ff., Bf b 473,20 ff.. Hör. 17 if. Das augustinische
fjjer Christum homineyn ad Christum Deum' (vgl. 34,9 ff ., 168,10.
184,13 ff'., Bd4?w 2o3,i^ lf\, Hör. 25), Losungswort der ganzen mittel-
alterlichen Mystik^), vom hl. Bernhard in seinen Homilien zum Hohen
vom iiO.—4(K Lebtnsjaftre svlnreren Abtötungen (ed. (iall Mord 94 f.). Über
Kasieiungen der AnacJioreten in der Wüste s. unten.
•> Nach einer Andeutung .öX^,7 f.s7 da^ BtHchtete sogar nur ein Ttü.
') :^7 ff., vgl. dtrs. in Jiealenzgklop.f. pratest. TheoL 11^, 138. Bichiigir
dagegen Behring er SJöf. K. Fiehiger, l'hcr die Stlbstterleugnung bei
den Hfiaptvertnicrn der deutschen Myaiik des MitlelalterSj Gymn.-Programm
liritg JSf>9 und ItHH), behandelt nur J\ckhart, Tauler und einige sjHitert Mystiker,
') Auch Eckhart denkt irots seines iSupronaturalismus nicht anders (vgl
rjnffn'2U,14ff., 400,7 ff.), ebenso Tauhr t Uifh-gc Ini Fiebiger a. a. O., 2. TeÜK
Eine reiche Sammlung mn Stellen aus diutschen Mystikern bei Denifle, Das
gei.stl . Lvhen 91 ff. Vgl. auch die Ausführungen ron Denifle Über ^Ansckai^
ungen dtT katholischen Lthrer bis Luther über dir Kasteiungen und die Dis-
kretion'' in ,Luthtr und Luthertum' J- < UH/4f 301~-l(i (Siiitff. über die deutschen
Liede mit glühetuler Begeisterung vorgetratfen und ausgelegt, hat der
schwäbische Mystiker mit (fem ihm eigenen jugendlichen Feuer und
Ungestüm, dmt am Uehsten nach dem äussersten greift, aufgenotnmen
und ihm nachgelebt, nicht bloss in sinniger Meditation dfr via dolorosa
des Erlösers (Kap. 13; egl. Bileir Kiip. 14), sondern in grtiusfimer
Wirklichkeit. Wer wollte leugnen, dam er durch uhermnss gefehlt
hat, auch wenn man den Mmsstnb mittelalterlicher Ethik mdegt'f Aber
er ist trots seiner übertriebenen Askese alt geworden und teilt mne Ver-
irrung, die er später selbst bereut haben mag, mit andern Frommen vor
und nach ihm*). Und es tnlu-affnet unsure Kritik, wenn teir sehen,
wie ir Elsheth Slagel gegenüber, die seine Strenge nachzuahmen sucht,
He untersagt, weil sich nicht alles für alle schicke (107,7 ff.), und
i'uch in Leitung seiner anderen geistlichen Töchter eine zarte Dis-
kretion und rühmenswert« Kindheit in hesug auf die Askese zeigt
(3fi4,lljf., :i88,21f., 469,25/., Hör. 43,222). In Jenem Unefe an
Bl$belh gibt er uns auch den Sch'iissel zum Verständnis seines eigenen
nchonungslosen Vorgehens: die Altväter der Wüste, deren asketische
Sprüche er an die Wände seiner Kapelle malen Hess (60,12 ff'.,
1(13^5 ff.), deren Lebensbeschreibungen er täglich las und meditierte
fifor. 116), haben es ihm angetan, sie will er nachahmen (vgl. 1(17,21 ff.).
J)ie Collationen Cassians sind seine Richtschnur, der ,summus philo-
^ophus' Arsenius sein Vorbild (Hör. 9, 41, 152, 172 ff.). Wir kömun
<iie Nachahmung der alten Anachoreten in Semes AbtDtvngen fast
.Zug fär Zug nachweisen^). Es gab im 14. Jh. im Dominikaner-
*3rden, wie später noch genauer zu zeigen sein wird, gegenüber dem
^ark grassierenden Litxismus eine streng reaktionäre Uichtung, welche
<iie Bädtkehr zu den alten Idealen, die bei (iründung des Ordens in
fJeltang gewesen waren, belaufe und mit dem allchristUchen MiJnchs-
vtesen manche verwandle Züge au/weist"). Auch Seuse hat zu ihr
, Diiffminffisch. des Millelallfm }fiHU,
nn, Lehrbuch der Moi-alt/it'/l. lhiTt>,
Mgulikoi, ftmn- Thomasius-Ste
S9fiff. and /6r da» Allftmtinr Lins
in, 167, 264 f. 4(10.
') .So s. It. mit dem hl. Bernhard {nyl. Aiiib. m tOfi.V. 521,9/.).
') So für da» Meiden den Dadeg. die Knlhallgamkril in Speise und Tränt,
da» Nachtwaclutn, da» nittmd Schlafen, das Wohnen in gtrnc rngn- Zelle, die
KatUiting durch HiUt and Kälte, hifrenrv Hemd und eiserne Kette, die Ali-
»ehlifsiiitng von den Menschen. Vr/I. die ZusammensleUung bei Lucius- Anrieh,
Die Anfänge da Hriligmkallus 19H4, 307 f., and lur Bntrh-ilung C. Butter,
Tht Laueiae Htstonj nf Paltadim iText and Sludirs VI, 1) ]8äB, ISSff.
*> Ihren Ausdruck hnl diese Hiehtan;/ tiamentlich aurh in der Cranica
Ordmi* Pfafdicatorum des Cialraipio de la Flammii fi'nn 1343, hritg. in MOPB
80* Einleitung:. IL Öeuses Leben und Werke.
yehört und in aeiner Jwjendzeit ihr im Uhermass (jehuldigi. In
reiferen Jahren i^iM- seine Ansichten gemässigter. Freilich^ schreibt er
an Elsbethy sollen die weichlichen Me'nschen zu diesen netten Zeiten
jene strengen Ülningen hei anderen nicht verwerfen oder in arger
Weise beurteileny denn sie wissen nicht, was inbrünstiger Ernst nUi
gottlicher Kraft erzeugen mag, zu tun und zu leiden um Gottes willen
— wiewohl manch grosser Heilige sich hierin übersehen habe, — aber es
sei doch besser, vernünftige Strengheit zu üben als unvernünftige, und
weil die rechte Mitte schwer zu finden, sei es geratener, ein wenig
darunter zu bleiben, als sich zu viel hinäberzuwagen ; schaue jeder
Mensch auf sich selbst und merke, wa^ Gott von ihm will (107,24 ff.)!
y. Visionen und Ekstasen.
Es ist nicht verwunderlich , dass Seuses ermtes Ringen und
Streben durch jene inneren Tröstungen und Einsprachen, Visionen
und Ekstasen belohnt wurde, denen wir im Leben jast aller Mystiker
begegnen. Anhebend mit jener schon erwähnten Verzückung am
St. Agnestag schUd^^rt uns die Vita eine reiche Fülle ausserordent-
licher Erscheinungen und Erlebnisse mgstischer Natur *), nicht selten
in reizvoller, hochpoetischer ]Veise, Hieher gehört jenes schöne Ge-
sicht, wie das Christuskind als ^minniglicher Schiller' defn Diefier
vorsingt und in einem Körbchen Erdbeeren bringt (31,15 ff.), wie
jUnserv Frau' mit dem Kinde ihm zu trinken gibt (49,iff. 28 ff.),
ferner die Vision von der Investierung als geistlicher Ritter (55,21 ff',),
von der Begnadigung seiner geistlichen Tochter (101,7 ff.), der Ihddi-
gung des himmlischen Hofes an Maria (111,17 ff\), die Rosenvision
(64y2lff.}, die Erscheinung ^unserer Frau* mit dem Kitule als ^Herzen-
trauV (139,.'i4 Jf'.l und die Vision Christi als gekreuzigter Seraph
(I44f25ff.)y die himmlische Messe an Weihnacht (''^^(>,3ff,). Bald sieht
er auf seinem Herzen^ wo er den Nomen Jesus eingegraben, ein goldenes
Kreuz strahlen (T/,3ff.), schaut seinen eigenen Leib durchsichtig
wie Kristall (vgl. Anm, zu lo3,2 ff\) und die ewige Weisheit seine
II, y, 7W/7 y gefunden, der zahlreiche Beispiele (tus den Vitae pairum und den
Collationen Cassian-s anfilhrt und zeüjiy wie die eriti*'n Brüder des Prediger-
ordKna nach dein Vorbild der ÄlIvt'Her sich haffUü hätten. Ähnlich auch schon
in den Vitae frairnni Ordinis Praalicaiorum des Gerard von Kracheto (f l'J71\
hrs<j, in MO PH I, JSUHt, die ^Seuae jedenfalU kannte,
'i IJieher (nhitren allr Jene St lUn, n:o die Ausdräckf ^abgeschiedener l!^»-
hlük\ jUnsiU/ltrher T'mfanff, .lichter Schlaf', .Kntsinknnff*^ oder , Vergangenheit
oder yRuhi' der i aussen n) Sinne\ ,stilhs Ruhleiu' und ähnliche vorkommen.
Seele in tmifiiiHdie.r Wonne untarmen und ihr .Mifiite.tpiel' mit. ihr
treiben (20,12 ff.), knl oft mit den Engeln .himmlische Kurzweil'
und mrd rov ihnen in seinetn Leide getröstet, horl überirditn-hen
Gexmiy utul Musik (17,35ff., 18,23 ff, l^dff-, 2l,8ff. 2Hff.,
31,löff., fi4.l9ff., 69,Uff., H9fiff., 1(>9,17 ff, lll.9ff. usir.).
Einmal verrät er Elaheth, was er bisher noch keiiiem Menschen t/estitft,
aber sich Jetzt doch zu xagen getirängt fühlt'), dums er in geinem
Anfang zehn Jahre lang täglich zweimal die geixtliche Freude dfs
,Juhels' gehabt (173,13 ff.); später, nach seinem grossen Leiden, Hei
ne ihm in bleibender H'eise iuteil geworden, doch so, dass mau
äunaerlich nichts an ihm merkte (175,22 ff.; vgl. 341,17 ff.). Oft hat
er tiuch Visionen zukünfftger und oerborgeiier Dinge, erhält Kennt-
nis, wie ea im Himmel, in Hölle und Fegfeuer auxuehe (22,21 ff'.),
und steht in reger Kommunikation mit den Seelen des Purga-
iofiums und den Verklärten des Himmels, deren nicht wenige., dar-
unter Meister Eckhart und Johannes der Fuoterer, Meister Burtholo-
■müfis von Bolsenhidm, sein eigener Vater und seine Mutter, Elsheth
Stagel, und verschiedene andere Freunde und Bekannte ihm er-
scheinen (22,28ff:, r>,7 ff., 23,21 ff., 143,11 ff., 194,23 ff:, 128,1 ff'.,
^28,28 ff., 130,9 ff., 144,12 ff., 148,20 ff.). Jedes wichtigere Vor-
kommnis in seinem Leben, oollends entscheidende Wendepunkte des-
selben {40,28 f., Ö2,10ff'., 63,9 ff., (>3.]0ff.. 632,14 ff.) sind durch
Viaionen und himmlische Offenbarungen, die ihm selbst oder Gottes-
^reunden und -Freundinnen über ihn zuteil werden (22,3ff\, 44,16 ff.,
Al,19ff.. 59,7 ff., t)3,14ff.. 64,3 ff., 70,3 ff., 102,6 ff., 115,l4ff.),
markiert. So wird ihm auch neues Leiden programmatisch vorher-
verkSndigl (64,21ff.. 87,3ff.. 117.29ff.), in visionärem Schatun
Belelirung über das Leiden (.58,24 ff., 85,24 ff., 90,18 ff., 93,6 ff.)
oder Weisung über Abfassung nnd Ver'ifftntlichm'g seiner Schriften
gegeben (6,7 ff., 7,19. 198,15 ff ., 253,17 ff., 322,21ff.. 373,29 f.,
Nor. 13f.).
Auch Wundergeschichten, in denen Seuse aktiv oder pa-isiv
eine Bolle spielt, obgleich nicht viele und nicht in so krasser Aus-
führung wie bei manchen Hagiographen des Mittelalters, feiner
auch als meist in den Dominikanerinnenviten des 14. Jh., werden
erzählt. So wird ein Maler in auffaltender Art von seinem Augen-
leiden geheilt (60,22 ff.), ein Mann durch eine hitntnlrsche Stimme
*) Ähnlich rrdet dtr hl. Btrnhard,
innerrn Erfahrungen und Gr-heii
und doch nickt schiDeigeH tann'
i.
I andere eu belthrtn, von en'nm
«in Mann, der tu »prtchtn hrnigi
Fl Cant. n.J).
82* Einlcituug. II. Seuses Leben und Werke.
vom Selbstmord zurüch/ehulten (132y7ff,)y der Wein wunderbar
vermehrt (140,25ff.)y dem Konvent in (kr Not unerwartet Gdd
(jebracht (25,14 ß,y 146,9 ff,), dem ermatteten Diener ein Rösslein
zum Reiten gesendet (138,32 ff.), seine Feinde werden durch Jähen
Tod bestraft (70,13 f., 128,23 ff., 148,8 J\), Man wird nicht
fehl gehen, wenn man die meisten dieser V^orkommnisse unter die
Gattung der „anmutigen Klosternocellen^^) einreiht, welche in gleicher
oder ähnlicher Form zu Dutzenden in den Klösterti von Mund zu
Mund liefen und in der hagiographischen Literatur, die ja Lieblings-
lektiire Jener Kreise war, nacherzählt wurden '^). Seuse ist natürlich
auch in diesen Dingen ganz Kind seiner Zeit, aber im eigentlichen
Hinne wundersüchtig wie etwa Cäsarius von Heisterbach, Thomas
von Chantimpre und sein Ordensgenosse Gerard von Frachefo^ war
er nicht; in dem Falle des blutenden Kruzifixes hat er sogar eine
bemerhemwerte Probe nüchterner Auffassung gegeben (67,16 ff,,
vgl. auch 60,28 f, 141,7 ff.).
Auch ührr die Visionen, Ekstasen und Offenbarungen urteilt
Seuse, wo er als geistlicher Lehrer und Führer darüber redet, wie
alle ernsten Mystiker^) mit gesunder Zurückhaltung und Vorsicht:
Jene süssen Gaben seien nicht notwendig — nicht darauf, sondern
auf die Reinheit d^s Lebens und die Vollkommenheit des Willens
komme es an, — aber auch durchaus nicht zu verachten; bei ihrer
Beurteilung sei grosse Vorsicht anzuweyiden, da man sich leicht
täuschen könne, deyi richtigen Massstab gebe die hl. Schrift Wid
Lehre der Kirche (183,16 ff., 197,16 ff, 385,12 ff., namentlich
Pr. Exivi 524,21 ff. [wenn echt]; Hör. 13 f). Je intellektwller,
d, h. bildloser, geistiger eine Vision % desto edler sei sie umi dem
») Michael. Gesch, des dtsch. Volkes III (1903) 169.
') Zahlreiche Behqe hei Krebs a, a. 0, 94 ff., 113 f.; Günter, Legen*
denntudien 1900, 16^, ff. (103 A. 3. u, 4 über die Weinvertnehrung).
^ Vgl. oben S. 79* Änm. 3. Auch Reichert in seiner Ausgabe
(MO PH 1,2) nennt Gerard leichtgläubig, ja geradezu abergläubisch.
*) So namentlich David von Augsburg^ De compos. Uly 3 n. 6: aliae con-
solationcMi, sicut non sunt necesnariae salutJ , sie etiam suspectae sunt et saepe
falsae et tictae et deceptoriai^ ut visiones, revelationes, prophetiae, sensuales oblec-
tationes, miraculorum Operationen, maxime modenüs temporibus, licet quandoqne
verae reperiantur, sed in paucis. I gl. auch II, 24 : Uly 67 n. 3 : Mic hnela.a, 0. 141.
'-*) Die Visionen werden seit Augustin in körperliche y imaginäre und intel-
lektuelle eingetcilty vgl. Anm. zu lis3ytiff.: Denifle 277 A. 7: KirchmUx.
VTII', 2094: XII-, 2/XaS./'.; Jo/y, Fsgchologii der Heiligen, deutsch von
Pletl 1904. ti9Jf'., 14rtf., und besonders das treffliche Werk von Poulain.
Des grüas d'orainni, Traite de theologie viystique, 5. ed, Paris 1906.
1 und Kki-faseit,
Ziel der KontemplutioH, welches in dem mitteUosm Schawn der blossen
<i»ttktit lieyt, desto näher (183,6 f., 343,26 f., 391,2. 476^ f.,
(86,29), Man wird diese drundsätze auch auf die im Leihen Seuses
iMat berichteten amserordentlichen Erscheinungen anwenden dürfen,
tjosaeti «ich diese nun freilich keinesweye in Bausch und Bogen als
..krankhafte HallminnÜQmn eines überreizten Gehirns" ') ausgeben
— dJe Ehrlichktit der Berichlersiatlung und die Lauterkeit von
Seuaes Absicht ist von keiner Seite bestritten, — »u ist doch hei aller
Baserve, die dem Historiker geziemt, wo er ein (iebiet betritt, hei
dem sich Natur und Übernatur berühre», zu betonen, daita das Psgchisch-
/dbliche in Jenen Zttständlichkeiten eine nicht yeringe Holle spielt
und manches wohl auch paUiologiachen Charakter an sich trägt. „Es
scAeint Seuses eigene, aber höhere Naiur zu sein, die in dieser Weise
hervorbricht, Trost und Erleuchtung sucht und gewinnt . . . Die Lauter-
Jceil der kimtnlischen Erscheinungen, die Sussigkeit der Gesilnge, dies
etiles, u-ns ihn »o wunderbar ergreift, — was ist dies anderes, als
^btn lU.r heimliche Dichter und Sätu/er in ihn, der getoeckt worden
ist und nun in ihm spieit'f Aber auch im Inhalt sind diese Nacht-
jf«ichbf ganz der Reflex der Taggesichte: es ist immer d^r Suso,
«der erscheint uiut spricht, das heisst, die Jenseitigen sprechen ganz
in «einen Ideen und VarsVillungen . . Sogar die momentanen Stimmungen,
Entithrungen, Leiden reflektieren sich in diesen Zuständen und flnden
Äi ihnen ihre Tröstungen, Heilungen, ihren Ersatz" % Und das ist
"•cÄf auffäll^, denn Seuses durch fortgesetzte Kränklichkeit ohnehin
^^^serst empflndliche Natur musste durch dit übermässige Askese
i<'fK4>eHdig in einen Zustatui abnormer Reizburkeit versetzt icerden;
') Vitter, Mystih^rpaar 34. Gewiss sagt lltuiflt mit Rechl (Seuvt
^* *■').■ „wer 9lh Visionen für Ersengnissr einer krankliaften I'hantasit und
fa^ /(JiMfnn«ii antirhi, mu«s auch die gante Gtschichtr der Mystik als eint
'^'~*'*nih'il»gtaehiehte ansehen-. Aber im einstinen I'alle tniril mau so lang
'"'-^" natürliche Ursachen erkennen mäsuen, län sich der äliemalUrliehe Kii}flu»B
"^''^:, AnUil an ä*n i'isionm nicht Übtrteugend nachweisen lässt (Schau a im
*'"»-<Afnter. XW» 1010). Und es ist Lius^nmanns Wort (Theol. Quartal-
<c^»-^, j^3 gj^^j j„ beachten: „dem hohen und abernaiarlichen Charakter der
''^•* «(ff 1(11 mitteiallerlichen Mystik wird dadurch noch kein Abbruch grian, ditsa
^ Visionm frommer PerHunea oft genug liin Merkmale des subjektiven niniscA-
f'^"«« Gtaubms ai>d Verslündniise* nn sieh trugen'. Vgl. auch die treffenden
\!"*'^ '"' ZSckier. Atkese I\ iOf. und Michael a. a. 0. 20Uff. Über
** Sttilung der neuerrit Ptycholugie und Physiologie eit den mgstiaehen Er-
"''•^inmii/rn vgl. namentlich J. Brssmer, Störungen im Seeienldien WM, 92ff.:
*^«A James, Ihr varieties of religioas experience. London ' JUUS.
') Vöhri,.y.-r H2:if.
84* Einleitung. EI. Seuse» Leben und Werke.
iva^ er in der Betrachtumi mit ißühendeth Affekten erwogen, was seine
Phantasie mit leuchtenden Farben ihm coryemalt, leicht ward es dem
in der Stille der Nacht — die meinten Visioien stellen sich früh
am Morgen nach der Mette ein^) — im Chor der Kirche od^r in
i^einer Kapelle knieenden Mystiker , der ja ganz in der Sphäre des
Übernatürlichen lebte und a^isserordentliche Erscheinungen erwaii^te^
zur Wirklickeit '^). Ein rein innerer Vorgang wird gleichsam dialogisch
gespalten und gestaltet sich in dsr dramatisch veranlagten Dichter-
Seele zum äusseren Geschehnis, zum Gespräch und Verkehr mit den
Himmlischen ^). Unwahr werden aber diese Erscheinungen dadurch
noch lange nicht, dass wir den Anteil der Natur darin feststellen;
man kann mit Gör res*) sagen: „wie vieles immer diesen Gesichten
aus der Fersönlichkeit beigetreten, doch fiat in ihnen eine Gotteskraft
gewirkt,*^ Übrigens gibt uns Seuse selbst in der Vorrede zum Bdew
einen wertcollen Fingerzeig zur Auffassung seiner Visionen, wenn er
sagt (197,22 f,): ,die Gesichte, die hier stehen, geschahen nicht in
leiblicher Weise, si^ sind allein ein ausgelegtes Gleichnis* (Hör. 11:
visiones in sequentibus contentac non sant onines accipiendae secondam
literara, licet multae ad literam contigerint, 8cd est figurata locutio).
Es steht nichts im Wege, die^^e Erklärung auch auf manche Visionen
d4^r Vita anzuweyulen %
') Vgl, oben 8, 77* Anm. 1.
-) So erklärt Krehs a. n. O. 7^ ff,, 103 a fisprechend verschiedene Visifmen
von Adelhausen und anderen Domini knnerinnenklösfern. Auch Gör res (Vor'
rede bei Diep, 124) deutet das Vita 49,36 ff, ersUhlte Vorkommnis symbolisch
(ähnliches geschah in Töss der Adelheid ro/i Frauenberg, Viten ed, VetUr
04,24 ff.: vgl. au<h Günter a. a. O, 166). Lucius a, a, O. 34(Jff.y 350 ff, fasst
alle ausserordentlichen Ereignisse und V^isionen im Leben der Altväter als Hallu-
ginationen auf, darin sicherlich zuweit gehend — richtiger urteilt Butler
a, a. (), 192 ff,, — im einzelnen bringt er manches brauchbare Material gur
Vergleich ung hei. Seuse mag auch in dieser Beziehung von den Vitae patrum
heeinflusst sein, s. B. in be-rug auf die dämonischen Tnfestationen,
^) Vgl. Michael a, a, 0. 210, wo ein Beispiel aus dem Legatua dir,
pietatis der hl. Gertrud angeführt wird. Beachtenswert ist die niUhteme Äussi'
rung Eckhaiis 634, 3 ff.
*) Vorrede in Diepenbrocks Ausg, 124.
••) iSo urteilt auch Seuses Ordensgenosse Echard (Quitif ei Echard /,
656) mit der Brgründung: ille enim per li^raUm colloquii cum Deo et Christo
yisionuniqiK' locutioncni Hcribendi modus plunmuui Haecnlis XIV et XV praesertim
apud spiritunlcs invaluit. ut. videre est in Thoma Kemponsi, Catharina de Senis,
Birgitts fSueca, Alano a Rupe aliisque sanctis viris ac feminis.
engug n Koortanz tmd
/m Ltbeii der Mi/nfiker ist es etwas ganz geteÜhtiHchf-s '), iliisu
H^ten des inneien Trostes und der fühlharen Gnade abwtchseln
mit Perioden der Trockenkeit und tiefsten Niedergeadilagenheit, Aach
Seiise machte diese Erfahrung'). Im 21. Kapitel seims Lehens erzählt
er von seinen innerlichen Leiden (vgl. auch "4ö6,Q5ff., Hör. 1V7;;
Wühl neun Jahre war er von Glnubenszweifeln heimgesucht, acht Jahre
qtUilie ihn ungeordnete Traurigkeit, zehn Jahre glaubte er sich tpegen
'imonistischer Aufnahme ins Kloster auf ewig verloren ') (g. oben S. 72').
Ks ist nicht nmunehinen, dass diese Feinen ununterbrochen die an-
gegebene Zahl von Jahren dauerten — das würde mit anderweHigen
Angaben nicht stimmen, — aber sie traten immer wieder von Zeil
zu Zeit auf. Hieher gehören auch die entsetzlichen Anfechtungen
und Quälereien, denen er von Seiten der bösen Geister ausgesetzt zu
sein glaubte (Gl,13ff., iU,T ff., 370,li>ff.. 4ö8,2lff., vgl. lOßff.,
Jlö,lHjf.). Wir können es seiner Erzählung Jetzt noch nachfühlen,
meelch« Freude ihn beseelte, als er dieses Durchgangsstadium der vin
jjurgativa ') hinter sich hatte.
Tl. Studiengang zu Konstanz nnd K91n.
Mir kehren nach diesem Exkurs Über die religiöse Entirick-
iu7ig Scuses, welcher manches zeitlich später Liegende der Übersicht-
iichkeit halber vorausnehmen mmste, zu seinem äusseren Lebensgang
zurück.
Es ist bekannt, welch hohen Wert der Dominikanerorden von
Anfang auf die wissenschaftlichen Sttuiien legte ''), teie er dieselben
Kl weise Bestimmungen regelte und den Studierenden ihre Auf-
>) Vgl. M. B. Joly «, a. <>. 65.
■) Di» t'olgemngm, dit Schmidt «4ü, Voikmann 34 «tid Sreherff
ij für den Charakter Staue« daraus ziehen, sind nicht aulrrffend: tgt.
litnifU 638.
') Eine ahniiche AnjKchlung hatte Jütei Sehidthatin tu Törg, Viten TJ.IL'JI'.
') Di» Mpttiker r^den von einer Rtimgung der Serie und des (rrielt«
(purgatio paaeiva) und vergleichen die Ürönet d%*»er Leidrn mit der Hiiilmptin
\ fff.rcAr.ifer. VIII\ :,mjf.: Sehram [g. Anm. lu 497.31/.] I, a79ff., S99ff->.
I =) Vgl. eher das Studienteeern der Dominikaner: Drni/le im Archiv /,
JW/.; Pregrr, Vorarbeiten «ff.: Baur im l-'rcib. Diiis.-Arch. JyOl, 4ff.;
Hauek, Kirchettgrsch. DcutseMands IV,466ff.: Dnuaia, Eesai sur Porgani'
galioa de« il%dr» datt» Vnrdrc dm frires Prreh'ura au XIII ft XI l' niclr,
J'aris 7SS4.- M'irtier a. a. 0. I, 644ff..- li. Feidtr, Orseh. der wiastn-
tehaflt. Studie« t'm Framixkantrorden 3004, wn aurh die iiarnÜfle KiiMch-
lung dt» trrdigerordens heritcheiehiigt ist.
86* Einleitung. IL Seuses Leben und Werke.
<j(ibe durch mancherlei PrivUegien und Auf^mihmen von der strengen
Ordensregel erleichterte. Die Kenntnis der ,grammaticalia* , d. A.
rf^w Latein j der Logik und Bhetorik, war heim Eintritt in d^i Orden,
irenigiitens in der früheren Zeity eigentlich vorausgesetzt^); andernfaüs
musste einer sich erst in der Klosterschule genügend dann ausbilden,
ehe er zu den höheren Studien — anfangs nur Theologie, seit der
zweiten Hälfte des 13, Jh. auch Philosophie — übergelien durfte.
Diese begannen aber nicht gleich nach dem in der Regel einjährigen
Noviziate ^), sondern es ivurden vorher noch zivei Jahre der Erlernung
dss ,divinum officium^ (Chorgebet) und der ,regulares observantiae*
(Ord^nskonstitutionen) gewidmet^). Darauf folgte das achtjährige
philosophisch-theologische Studium, zuerst drei Jahre ,logicalia' (artes)
und zwei Jahre ,naturalia% im wesentlichen auf Grund der Schriften
des Aristoteles über Logik, Naturphilosophie und Metaphysik, d<inn
drei Jahre Theologie, einen einjährigen Bibelkurs und zweijähriges
Studium der Sentenzen des Petrus Lombardus umjassend*), Mittel-
punkt des theologischen Unterrichts war die hl. Sch7'ift% Leitstern
die im Orden ofßziell vorgeschriebene Lehre d£s Thomas von Aquin
(s, oben S. 35*), dessen Werke ifters zur Erklärung der Scfitefizen
noch bei gezogen wurden ''). Mit diesem geschilderten Studiengafig war
die Bildung d^r gewöhnlichen Ordensmitglieder abgeschlossen, und sie
konnten, nachdem der Befähigungsnachweis geliefert war, zu der
eigentlichen Ordenstätigkeit, der Predigt und Seelsorge übergehen.
Die Priesterweihe sollte nach der Ordensvorschrift nicht vor d(m
2o, Lebensjahre empfangen werden'^.
Es scheint, dass Seuse jene achtjährigen Studien in Konstanz
selbst hat machen können, wenigstens ist wahrscheinlich, dass sich
') Consta, im Archiv L -i'a?. vgl. M <f P H IJJ, 17 : Felder a a. O, :!ä6f,
-) Constif. (Archiv I, J20l, ^03t.
») Cap. (jni. 1305, ISlt, ISUi (MO PH IV, l:Jf., Ctii, 58). Ich führt
nur die in die Jiujendzeit Svuses fallenden Beschlüsse an unter Ubergehung dfr
früheren und späteren, und herücksichiigc nur die »Siudienordnung, icie sie sich
in der zweiten Hälfte des 13. Jh, herausgebildet hatte (vgl. Felder a, a, O. 464 jf',)
und für die Folgegeit in fielt uug hlieh.
•) Cap. gen. 1305, 13<t9, 13 U, 1315, 1325 (MO PH IV, 13, 3ti, 56, 62,
'*>i, io/j. Für das einzelne rgl. Felder a. a, O, 525 ff,
^) Felder a. a. 0, 401 ff,: J^aul, Die bibliscJien Studien im Prediget^
Orden, Katholik 1002 IL 2fi0jr.
"i Das Genernlkapifel ron 1313 iMOPH IV. (i5) schreibt vor, dass ad
minus trcs vel quatuor iirticuli (1<^ (ioctrina fratiis Thoms^e gelesen werden müssen,
'■) Cap, gen. 1242. 1311 (MO PH III, :J3: 1 \\ 51).
schon zu »eiiiff Zeit doKelhst wie in einiiji» andern xädileutschrn Prerliijcr-
konvtnten ein ,studium yarticulnie' oder ,i>rovinclale' befand'); moylich
ist ober auch, dann er die Theologie oder einen Teil derselben in
Stftissburff absolvierte*), das eine bedeutendere Ordemschute besass.
Für die Taleiiivollere« gab es jedoch in dem „grossartigen
Sehulf^stein' ^') der Dominikoner noch eine weitere GMegenheit tur
Awbildutu/, Uiejemgen, uelche gut gesittet waren und begründete
Hoffnung gaben, dftss sie später als Lehrer tüchtiges leisten würden*),
durften ein ,studiuni generale' oder ,soUemne' besuchen, deren jtüe
Provinz eines besasi/. Hier blieben die Studierenden (stiidentes) ge-
leöhnlieh wieder drei Jahre"); es wurde Schriftkunde und Studium
der scholastischen Theologie nttf breiterer Grundlage beirieben, in Ver-
iindung mit praktischen Übungen (J>i8putationenJ. Vas deutsche
Genera Istudi um war seit etwa 1248 in Köln') und blieb auch da-
aelb$t, als die deutsche Promnz ISOH in die Provinzen Teutonia und
') Saeh dta in Solu. Qaartnhchr. 1H97, ^7 ff. edieiten Akttn der l'rovin-
.sialkapttrl imn Teutonia 1396, 1400 und 1402 trar um die Wende des 14. Jh.
•Fl KonttauM ein Studium der Thrologie.
') Dt't ilit Annahme I'rrgtr», VurarbrUen ISO: Mystik II, 3S5. Im
Jahre 13Zö empörttn rieh die Thtiilogie ttudicrrndm jungen Dominikaner in
^Strasaburg grgfn den dortigrn Prior und irurden eur .Strafe von der Schult
vennftm; Seu»e findet sich nicht unter den namenüich aufgeführten Mietetätem
iMOI'H IV, WO). — Einen inta-esmnten, uMcreni Veratändni* twn Teitver-
jiehlfierten, mthrfach satyrisch gehaltenen Rückhliek auf seine Studienmt (dum
de stu<iiu oA ■tudhim pergeret, Hör. 149) gibt Settae Sor. 149ff., vgl. lG9ff.
£r fiehl in tiner yisitm twei SehuUn, in der rrtten leerden die aiKg liberales
«I. mechuucae (m u}rrden genannt die aetrologi, physici, geomelrici. muBieii
iltlthrl, dir, iweite ist die Bcola theologicae veritatiB. In dieser »ind SchBler
undLehrtr in drei Klussta geteilt (gane wie es in Wirklichkeit an den Iheolo-
gisehtn Kakuiläten irnr, tgl. Felder a. a. 0. 53Sff.), aber da» Bäd ist ein
wenig befriedigendes: tiielr btircibrn die Wissenschaft nur, um Ehrenstelltn su
erlangen — dits gab seit Und:- des 13. Jh. im Dominikatifmden unausgtstUt
tu Klagen Anlass, vgl. Monier a. a. 0. II ili,06) 164 f., 3bÖf., 447 ff., ^47 ff.;
btsonders die Würde eines .jiraediculor iienerali*' war angealrebl, — andtre
verloren sieh in Spitejindigkriien und ei'sannen opmionum novitates mii'abilcs,
icährend die itine Lehre des doctor egregins (rnaa siae spioa, aot «ine nube,
affenbar Thotnas von Aqaini missachtet und bekämpft wurde. Nur Schüler
4rr obersten Klasse hatten dit richtige Art »tudendi Baoram Hcripturain, indem
r nach Wissen, simdern auch nach der l'nllkunimenha't und hiebe
B strebten: dies sind auch die geeignetsten für l'r/Uaturcn und Lshrstilhh.
\ ") G, Kaufmann, Gesch. der deWscheri Universitäten I (JSft*) 56W.
1 ') Cap. gm. 1306, 1317, 1323, 1336 (MOPIl II', 13, 102, Itb, 167 f.i.
I •) Cap. gen. I33f7 (MOPH IV, 176).
i •) Vgl. Itenifle, Gesch. der UniversitiUen I tlfibö) 307 ff.
88* Einleitung. IL Seuses Leben und Werke.
Saxonia (jeteilt ivurde, für die erstgenanntey in d^ren Umkreis auch
der Komtanzer Konvent lag.
Es ist ein riilmUtcfies Zeugnis für Seuses wissenschaftliche Be-
fähigufhg, da^s auch er unter den wenigen Erkorenen war, die nach
Köln auf die Hochschule geschickt wurden» Er encähnt seinen
Aufenthalt daselbst an mehreren Orten (143,10. 19, rgL 103,21. 152,27).
Wann die Übersiedlung geschah, ist nicht sicher, doch lässt seine
grosse Begeisterung für Meister Eckhart schliessen, dass er ihn nicht
erst kurz vor seinefn Tode (1327) kennen lernte, sondern einige Jahre
zu seinen Füssen sa-ss, und dies führt uns etwa auf das Jahr 1324.
Sein Leben der Askese setzte Seuse auch in Köln fort, doch statid
er jetzt nicht mehr allein, er fand einen gleichgesintiten Freund, mit
dem er einige Jahre zusammenlebte und bis über d4^n Tod hinaus
verbunden blieb (143,19 ff.). In dieselbe Zeit fällt auch dw Tod
seiner Mutter (Karfreitag 1326 oder 1327). Sie erschien ihm darauf,
me er erzählt, in verklärter Gestalt und tröstete ihn in seinetn Leiden
(143,10 ff.) ; ihr Bild lebte als das einer Heiligen in seiner Seele fort.
Von einschneidender Bedeutung für seim Enftvicklung als Theo-
loge und Mystiker wurde seine Bekanntschaft mit Meister Eckhart
und das Schülerverhältnis, in das er zu diesetn gefeierten Lehrer
an d^r Schule zu Köln trat. Mag er auch schon früher dessen Idsen
aus seinen Schriften gesogen haben oder ihn bei eimm Aufenthalt in
Oberdeutschland vorübergehend persönlich kennen gelernt haben, jed-eti^
falls datiert hauptsächlich aus der Kölner Studienzeit seine hohe Be-
geisterung und treue Anhänglichkeit an den Meister '). Wäre es uns nicht
durch andere Zeugnisse verbürgt, wir könnten es allein schon an Seuse
ermessen, welch machtvollen Eindruck Eckhart durch seim Lehre
und sein heiliges Leben auf ideal gesinnte jüngere Ordensfnitglieder
ausgeübt haben muss; zu d^r kleinen, aber um so treueren Gemeinde
von Anhängern, die er besass^^), — von einer Schule Eddiarts kann
man nur im weiteren Sinne sprechen ^) — gehörte neben Tauler
^) Als ein Nachhall seiner Stimmung zu Köln mag die Schilderung gelten,
die Seuse Hör. Iö4 von der dritten Klasse der Theologie Studierenden (e, oben
S. 87* Anm. :*) f/ibt: tertii prope mag;iHtrum consederant et aqiiam sapientiae
salutariR ex orc eins hihentes iuel)rial)antur in tantum, ut scipsos et omDinm
alioruni oMiviscerentur, et cordi* et aiiimo, ocnlis ac facie sursum tenderent, et
(luodamniodo in abvssum divinao spernlationis ac dulcedinlB imuiersi et absorpti
ad divina conloniplanda raporentnr.
-) Vf/i. die Vorndc zum Ojms iripartituin im Archiv II, Ö33,5ff, und
Pregvr I, 354 f.
') Denifle im Archiv 11, 6:i:t.
namentlich auch Stvae. Obicolü nicht blind gegen die Schwächen neim«
lienkens ntnnt er doch den Verewlijien in der l'ita nie anderg nl« den
.seiigen' oder ,/ieiligen' Meister (22,28 ff. 83,4. 99,12), und redet mit
grosner Wurme von dem ,eälen Trünke' seiner ,siissen Lehrt' (99,12. 14).
Wir dürfen annehmen, das» tieuse d4m Prozexs yegtn Eckhiiri, der
om Anfang des Jahres 1326 ') angestrengt wurde und seinem Leben
einen so tragischen Ausgang gab, vielleicht auch detsen Tod (1327 %
Köln niiltrleU hat. Seine Anhänglichkeit an dr'n Mei!>tfr ver-
all dien aber nicht zu erschüttern. Bald nach seinem Tode
^aehien ihm derselbe nach seiner Brxählung (22,28ff.) in ,übtrschwäng-
licher Herrlichkeit', ,in Gott vergottet', und charakteristisch ist seine
Antwort auf die Frage d^s Jilngers, welches die beste Übung sei,
um zur Vereinigung mit Oolt zu gelangen: sich selbst mit tiefer
fJetaesenheit entsinken, alle Dinge voti Gott, nicht ron der Kreatur
nehmen und sieh in stille G eduldigkeit setzen gegen alle
i*:i)l/i8chen Menschen.
in sein Heimatkloster ist Setise trahrscheinlich 1327 zurück-
gekehrt. Vorher wird er, wie es Sitte war% einen einjährigen prakti-
ftehen Lehrkurs zur unmitlfibaren Vorbereitung auf das Lehramt
^Mitgemacht haben. Man kann die Frage au/werjen, warum der so
»vorzüglich befähigte Dominikaner nicht wie andere hervorragende
.Mitglieder seines Ordens »ach Paris gesandt icurde, um daselbst diu
Jdagisterwürde zu erwerben*)? Liegt der Grund in dem Misstrauen,
<3ttta man gegen den ßehiiler des der Häresie verdächtigen Meisters,
<Jer aus seiner Verehrung für ihn kein Hehl machte, hegen mochte'^
^8 i»t möglich. Jedenfalls war es aber auch seine eigene asketische
Michiung, die ihn der weiteren Verfolgung der wissenschaftlichen
Sioufbahn abwendig machte. Aus den interessanten Bekenntnissen
«I« Hör. lälff., 172 ff. geht hervor, dass er sich im Verlauf seiner
iitudien, namentlich mährend des philosophischen Kurses stark an-
geekelt füfdte durch die Art und Weise, wie er viele seiner Genossen
die Wissenschaft nur au-t ehrgeizigen Motiven betreiben sah. Eine
') Vgl. A. Pummerer, Der gtginviärtitje Stand tlfr Evkhar^foriiehnng,
I. Mttsler Ü.s Ltbtnsgang . Programm der titelln melutina in fdäläreh
1903, Hoff.
»J A. o. 0. äSf.
■) Cap. gen. 1305 (MdVII IV, i:ii.
*) Ntwh dm Prolog von If-Lä sollte .Ve«»* nuf der lloehsehule cu Köln i?)
Ihiklur (^ Miigütrr) der hl. Sehiift trerden, aUr die eu-igr Weüiheil ii-idtni'el
M ihm nun;. Ähnlich Murer. Sltill u. n.
J
90* Einleituiifj. II. öeuscs Lcbeu und Werke.
Zeitlang drohte ihn dieses unlautere Strebertum selbst zu erfassen^
abf r seine tiefer angelegte Natur riss sich los und trieb ihn zu einem
entgegengesetzten Extrem^ einem Leben strengster Zurückgezogenheit
gleich dem der Änachoreten der Wüste, hin (vgl. oben S. 79* *). Er
verliess die Schulen, qaas ab aliis salubrius regi^) aestimabat (Hör. 75),
und gab sich ganz dsr spiritaalis philosopbia hin, welche schon auf
Erden einen Vorgeschmack des Himtnels zu geben imsiande ist
(Hör. 73).
TU. Das Büchlein der Wahrheit').
In die Kölner Studienzeit fallen tioch andere für Setise be-
deutsafne Ereignisse seines Lebens. In den Jahren 1326 und 1327
ist seine erste^) Schrift, das Büchlein der Wahrheit entstanden, -welches
Eckharts Einfluss noch am stärksten zeigt. Zwar hat Preger^
aus dem Prolog desselben gefolgert, dass Seuse es erst nach voll-
endetem 40. Jahre (also nach 1335) cerfa^st haben könne, damals,
als er seine Kasteiungen aufgab, um in die höhere Schule der voll-
kommenen Gelassenheit eingeführt zu werden. Aber die Beweisführung
ist nicht stichhaltig, da d^r Begriff der Gelassenheit im Bdw und
in d-er Vita sich nicht deckt: hier ist die praktische Bewährung der
*) Hör, 173: copit ad honores ac promotiones plus quam oportoit aspirare
temporales.
*) Den Anstoss gab nach Hör, 173 eine Vision, in weicher er auf datt
Wort des Altvaters Arsenius: foiiK et origo omnium bonorum homini spirltoali
est in cella sua iugit-er commorari {vgl. Vita 104,6 f.) venciesen wurde. Es
wird hinzuzudenken stin, dass Seuse sich damals entschieden jener Sichtung
im Dominikanerorden anschloss, welche die allzu starke Betonung der Wissen»
schuft und besonders der Philosophie (mundana philosophia, Hör, 174) als
Preisgabe der ursprünglichen Ideale des Ordens verpönte^ wie dies schon
Gerard von J*Vachetn getan (s. oben S. 79* A, 3, vgl. Felder a. a, 0. 455
und Th. Wehofer im Jahrbuch f Philos. u. spekuL Theol XI [1897] 17 ff,).
^) Dieser Ausdruck lässt schlie.ssnij dass bei Seuse wirklich die Erwer-
bung di'S Magisiergrades in Vraga kam: ^magister regefis^ hiess der an der
Spitze des Lehrkörpers einer theologischen I*'akultdt stehende Lektor (Felder
a. a. 0. Ö38), Vgl. auch Hör. lo4: praelationes ac rcgimina.
') Über die Abfassungsverhälfnisse und -Zeit des Bdw, Bdew und Hör,
habe ich ansführlicher im Jlist. Jahrbuch 1904, 170 — 9<J geliandeU.
'") Ich seht hier von dem dritten Tvil des Bdetr (die hundert Betrach-
lungen) ab, der vielleicht iwrhtr entstanden ist.
*•) Vorarbeiten 126 f: Mystik II, 329 f., 359, Uenifle XXVI, 6'ee-
birg 49, I3tifi\ und Strauch, AI lg. dtsch. Biocfr. 37, 170 lassen das Büch-
lein zwischen 1327 und 1329 rafasH sein.
Dm BfldWsin in Wshriiril.
91*
OeduUt in Hrimsuchitigen und Widerwärtigkeiten, dort uher, wenn
iMicÄ nickt rtunech/ieaslicfi, die mystische Vereinigung der Seele mit
Gott gemeint; dass seine Mortifikationen aUe sc/inn zu Ende seien,
s(*St8euse im bdtv nirgends. Niiherhin bestimmt sieh die Abffissungs-
zeit tUs Bdw nach der den Bdsir: es tnims vor dem iHzteren verjiisst
jw«, denn Hör. 14, iro Seitsp über die EnlMehuiuj den Bdrw Ayf-
fcAlms gibt, sagt er: tinienB, ne istud tjuoqiie laitiiiliter piiim opus
eomtn (aemiilomin) dentibUB dilaceraretur. ihitrr der nngegr/ff'enen
Schrift kann, soweit tcir wiesen, nur das Bdw gemeint sein. Nvn ist
nber das Bdeic, wie spiiter tmc/igeieieseti wird, 1327/28 entstanden, aho "
tnttset das Bdw eorhcr fallen, und zwar, da im sechsten Kapitel
Heister Eckhart in einer Weise eingeführt ist, dass man ihn nur
als gestorben denken kann (354,5 f.: ich hnn vernomen, daz ein
hoher meister ai geweseii), ist der Schluss nach des Meisters Tod
noch 132? verfall. Die vorausgehende Jiaupt}iartie (Kap. 1—5)
fcitrde wahrscheinlich schun vorher während Eckharls Prozess, in dem
f» nick ja um ähnliche Fragen handelte, wie sie in dem Biichlein
"vntilitrt werditn, niedergeschrieben.
Seinem Inhalt nach ist das Bdw eine in Dialogform (der
•Jünger fragt, die [ewige] Wahrheit antwortet) gekleidete Ausei»-
"ndersetzung über die höchsten Fragen der Mystik: Gott und Gottes
W«p», aeine Einheit und Dreipersönlichkeit, Schöpfung und Mensch-
vtrdung, Vereinigung d^r Seele mit Gott hienteden und im Jenseits,
Freiheit und sittliches Betragtn des Menschen^). Es ist die einzige
Schrift Seuses, wenn man oon Kap. 46—53 der Vita absieht, welche
*«* ei proftuso mit der sj^ekulativen Mystik h^fasM, nach Denifles^)
Vrtril das schwierigste Büchlein unter den Schritten der deutschen
'fystiher. Besondere das fünfte Kapitel leidet an Dunkelheit und
^fhitjereerstäniÜichkeit. Seuse ist im Bdw nicht der pj-aktisch gerichtete
^y^tiker, der ans der FüMe des Herzens redet, vielmehr tciegt der ■
"^»tt-akte, lehrhafte Ton vor und verrät den noch im Schulgetriebe
'tfhetiden Anfänger. Die Auswahl der behandelten Fragen ist
"""■«SÄ die polemische Tendenz bestimmt-: dos Büchlein richtet sich
™f*»£ich zunächst gegen die Begharden und Bruder des Jreien
"^tes'), welche einerseits den Wesensunterschied zwischen Gott und
') Khtt gmauerr Analyse uinl Eiitieicklunn der Lehre äta Ililm titi
'''■•Sir //, 386-400.
1 8e>ut XXV.
•) VfL Anm. su a3,14ff. Weittra über dieer Stktrn hei Jundt.
&^*U{rt du panHifisme pojiulaire aa moyen-äge, i'arit 1875, 47 ff.: Delacroij,
J
92* Einleitimir. IL Sciises liCben und Werke.
der Seele in der Beschauung pantheistisch verflücJitigen, andererseits
in falscher Auffassung der Wiedergeburt detn mit Gott Geeinten
alles erlauben und so in Libertinismus ausarten. Vorübergeheiut
(340,3 Jf\) scheint Seuse auch eine rigoristische Richtung der Askese
(die Fraticellen'^) zu bekämpfen ^ welche die Nachfolge Christi rein
äusserlich, nicht im Geii>te auffassie und die Liebe hintansetzte. Im
sechsten Kapitel nimmt er seinen verehrten Meister Eck/uirt, jedoch
ohne seinen Namen zu nennen, gegen die Begharden (daz wilde)
in Schutz, indem er in taktvoller Weiifv deren Berufung auf einzelne
unvorsichtige und paradoxe Sätze jenes als unberechtigt abweist
und ihnen gegenüber die gesuiuie kirchliche Lehre entwickelt ^)^ Man
wird in Rücksicht darauf kaum sagen können, Seuse trage im Bdw
Ecklwrts Lehre vor% denn den materiellen Inhalt der angefochteten
Sätze macht er sich keineswegs zu eigen. Übrigens ist das Andenken
an den Meister in dem Büchlein durchweg noch ein sehr frisches
und lebendiges.
Das Bdw fand in gewissen Kreisen — zweifellos dieselben,
welche gegen Eckhart so gehässig vorgegangen tcaren — ei'ne uw-
(/iifhsiige Aufnahme. Es darf uns das nicht überraschen: Eckhart
war eben gestorben, aber sein Prozess war noch nicht entschieden
und die Erregung der Gemüter dauerte fort, da taucht Seuses Schrift
auf, ganz im Sinn und Geist des Meisters, wenn auch ohne dessen
Extravaganzen und von untadelhafter Orthodoxie, sie rühmt jenen
als den ,hohen Meister' und scheint ihn zu rerteidigen oder wenigstens
zu entschuldigen, — was Wutuier, wenn der Schüler in das Ver-
h/ingnis des Lehrers hineingezogen wird und sich harte Anklagen
gefallen lasseti muss'^ Verschiedene Andeutungen über Anfeindungen
Essai sur U mysticisme specuhiiif en AUemagne au XIV sitcle^ Paris 1899,
77 ff,: H. Haupt in Healenzyklop, f. prol. TheoL Il\ 5:>3f., IH\ 4tö7 ff.
Vielleicht hat Haupt Becht (I1I'\ 470 fj^ wenn er meint^ es mache den Ein'
druck, als ob hei Seuse nicht so fast tine ntjentliche Sekte, als eine krankhafte
Richtung und ein Überschwang der mystischen Eeligiosität übeHtaupt be-
kämpft werden,
^) Näheres im Kommentar zu S, 354 -67.
'-') P reger ^ Vorarheitcn U?. Wenn dvrsdhe, Mystik II, 369, meint,
Seuse setze sich durch seine Verttidigung Evkfiai'ts in Oegensate eur pdpst-
lichen Vtrdammttngshulle von J329. welche eine Verteidigung oder Billigung
der verurteilten Sätze Eckharts verbiete, so erweist sich diese Ansicht bei der
frühn'tn Datierung drs BQehh'ins als unrichtig: sie beruht ohnehin auf einer
falschen Auslegung des Textes,
und Verfdiji'nyen m der Vilo (5,11/., 68,17 ff.) und im Hot: (13 jV)
fiuen sich kaum mtf etwas anderes als auf Jene Widerwärtigkeiten
lieziehen, welche die VerÖßentUcHung des Bdw Seuse zuzog. Es wird
iitBer Zeitpunkt auch mit jenem zummmenfallrn, wo ihm im Traum-
^ekt der verstorbene Meister Eckhart und seine »elige Mutter
tntkientn und ihm Miihmtng und Trost gaben: er solle sich in stille
Gtdjildigkeit setzen gegen alle wölfischen Menschen, Gott werde ihn
m keiner Widerwärtigkeit verlassen (23,11 f. 143,12/.).
Die Anfeindung verdichtete sich sogar zu einer formellen An-
klnge vor dem Ordens/orum. Seuse erzählt im 23. Kapitel seines
heb^n^: zu einer Zeit sei er auf die- Anklage zweier ,Vomehmen*
l'wohl Ordensbrüder in höherer Stellung) hin vor eine Ordensversfimm-
luiiff in den Niederlanden zitiert worde». Es wurde ihm unter ^vielen
anderen Sachen' namentlich das vorgeworfen, er mache Bücher*),
'« denen stünde falKche Lehre, ron der aUrs Land verunreinigt würde
ftut ketzerischem Unflat. Man setzte ifim mit harter Rede scharf zu
und drohte schwere Strafe an, ,u'ieu}ohl ihn Gott und die Welt darin
unschuldig wusste'; er litt ,grosse Unehre und Schmach' (ti9,8f.), aber
iu einer eigerUlichen Bestrafung scheint es nicht gekommen zu seih.
Diu Ordenskapitel, auf dem Seuses Sache perhandelt wurde, kann
tine VermmitUung de^ ganzen Ordens (Generalkapitel) oder der
Prorinz Teutonia. zu der auch die Niederlande (Brabant) gehörten,
yeweten sein '); auch bei Prooinsialhapitein hatten nämlich die ,ittqui-
titores kaerettcae pravltatis' anwesend zu seht*), y'on den in dei-
^1 mm 1337 bis 1334 — dieser terotinus ad ijuem ist annunehmen
""'?*« der Datierung des Hör., ^. unter B III — in den Nieder-
landm abgehaltenen Ordensversammlungen *) ist das filr umern Fall
') Seiue fuhrt hirr eine »ehr scharfe Sprache gegen stine (und Eekhartu)
Vi«!*, er niu*«fe wiaien, das» der OrdmegentTtü Uui/o von Vauctmain, dem
** *e /iehrift widmete, ktin Gegner drr mystischen Hichlung sei.
') Äueh wenn Sruat cart^t nw tine Schrift (das Bdtr) nerfassl hatte,
*'»»!« doch veraUgtmeinernd ge-aarfl werdrn, rr tnaehr keittrisehe ,Büeher' (so
••e* richtig Preger II, 330 gegen Denifl« XXVI): rieHrietU handdte e»
"^ ttber auch noch um eine ander» uns iinfieknnnte (latrinsteh' if) Schrift.
*) Vgl. An», eu 3tt,3.
') Cop. gen. I27S, 1285 (MO PH III. 181, 1'38).
*) tSSO Generalkapitel tu Maastricht: 1327 Provineialkap. su Antwerpni,
^" *» Direeht. Die Frovintialtap. und -Pi'ioren werden nach dem yerteichnig
'■*■ Meiert in Cod. Basil. E III 13 St. 136ff. cititrt (Publikation durch
"' ^. von Lot sirht bevor; mir »tand eine Abschrift ton Prof. L. Baur in
*'^n« lur Verfügung).
d
94* EiiileituDg. n. Seuse» lieben uod Werke.
z
uireffoide sehr wahrscheinlich d^ts P rovinzialkapitel von Anttverpen
1327 ^). Provinzialprior von Teittonia war damals (1326 — 31) Heifp-
rieh de Ligno'^), und die Provinz befand sich, wie aus verschiedenen
Anzeichen hervorgeht y in Unordniiwj und Verwirrung, In einem
päpstlichen Schreiben^) com 1, August 1325 wird beklagt, dass Un-
friede und PaHeiiuigen unter den deutschen Datniiukanern herrschen
und dass (i ewalttütigkeiten und Missbrauch der Amtsgewalt gegen
sittenstrenge Untergebene vorgekommen seien (quod quamplores fratres
laudabilis conversationis et vitae graves ab eorum superioribos sant
perpessi iacturas etc.)j und es wird d'fther eine Visitation und Re-
formation der Provinz Teutonia angeordnet, zu der auch der bdcanfUe
Mystiker Nikolaus von Stra^sburg als Vertrauenstnann beigezogen
wurde. Der eigentlidie Grund jener Wirren lag aber darin, dass
der Ord^n in Deutschland in eine strengere und laxere Richtung
gespalten war; wenn nicht alles trügt — das spärliche Quellen-
material erlaubt es nichts in der Sache ganz sicher zu sehen, — so hat
es sich auch bei d^m Prozess Eckharts um einen Zusammenstoss beider
Bichtungen gehand-elt. Es ist aus den Akten erwieseti, dass bei dem-
selben Neid, Parteigehässigkeit und niederträchtiges DenunziafUentum*)
inn- und ausserhalb ßes Ordens eine Hauptrolle spielten; de$i Feinden
Eckharts gelang es sogar, den päpstlichen Kommissär Nikolaus, der
Eckharts Angelegenheit zunächst in einem diesem günstigen Sinne
entschieden hatte, in dessen Schicksal zu verwickeln und bei d-em erz-
bischöflichen Gerichte in Köln seine Exkommunikation als ,Begünstiger
der Häresie' zu erwirkeUf welches Urteil aber vom Papste bald dar-
auf wieder aufgehoben wurde'') (erste Hälfte von 1327). In die
unmittelbare Folgezeit^ als die Verwirrung in der Provinz Teutonia
noch fortdauerte, fällt auch das Vorgehen gegen Seuse. Wir wef'den
\) Entsprechend dn- späteren Datierung des Hör, entschieden gici
DenifU 98 für das Generalkap. zu Brügge 1330 ^ P reg er, Mystik II, 3S^^
:ifj() und Steherg 144 für das ProvinziaJkap, von Hcrzogetibusch 1336.
-) Nach dem vhen zitierten Verzeichnis ♦/. Meyers; vgl. auch Jundu
n. a. O. :it<7ff. Pregcr^ Vorarbeiten 31 hat falschlich de Lingo,
^) Veröffentlicht von Denifle im Archiv /T, 314 ff., von HautilUr-
in Anaheia Argentinensia I (lD(.Ot ii-'iff.
') Zwei sittlich anrüchige Dominikaner, fr. Hennann de Summo und
Wilhelm (de Xidecken) traten hauptsächlich als Ankläger gegoi Eckhart auf,
vgl. J* n min er er a. a. 0. :J3ff.
■') In einer Btschivtrileschrift tratt-n bich deshalb vifv FraticelUn, dai unter
Wilhelm von Occam, grgen I*njjst Johann XXII auf, vgl. P reg er I, 4S3f.:
Denifle in Zfda A'A'iA', :.u;(): Pummtrcr a. a. 0. 3S, 3J2f.
kown fehlgreifen, wenn wir die tieferliegende Ursache desselben wie
bei Eckluirt in dem Hass und der Abneigung^) gegen den unbeijitemen
^ptritualen'^} nehen; die Ankitige u-egen heteradoxer Lehrmeiniing war
mehr Vonennd und auch tatsächlich nicht zu enreisen_, denn sonst
">äre Seuse wohl nicht straflos nusijegnngen. Immerhin dürfen wir
M als einen Nachklang der gegen Eckhart und Seuse gerichteten
Verhandlungen au/fassen, wenn das Generalkapitel zu Toulouse 13SS
Bestimmungen gegen einige (aliqai) Ordensbrüder erlässt, welche in
ihren Predigten vor dem Volke quaedam Btibtilia behandeln, iras
das Volk lacht in Irrtum fiihn-n könne, und auch den Lektoren
tintehärft, in ihren quaeetiones und leotioncs nicht .^nkh •jefiifnlirhe
Ih'nge vorzutragen ^.
W
Verhältnisse der Dinzeiie Kuustauz und des
UomiDihanerordens.
B. Seuse als Lektor und Prior.
Schriftstellerische und seelsorgerliche Tätigkeit
^(ca. 1327— 134S).
'1 ie xchoH erwähnt, ist Seune vermutlich im Jiihre 1327 nach
inz zurückgekehrt, sei es vor oder nach Jenem Kapitel, auf
<Jem er so hart behandelt tvurde. Auf dem Heimweg — die Prediger
»Mussten stets zu I'ass reinen in Begleitung eines ,Gesellen' (socius),
*iffl. Antn. SU fHi,l<l — beßel den geplagten Afann schwere Krankheit,
tiie ihn dem Tode nahe brachte (6S,27ff.); damals mag sich auch
, f^nc so ergreifend erzählte Begegnung mit ilem Mörder am Ufer des
I Mh«ines abgespielt haben ( Kap. 20 ).
') Vgl. Hnr. 13/.: aemDli, qui nunc (|uui|iie aicut olim invidia stimiikute
fikcta quae<iue licet bona depr&vare aut penitua onniillare nnn deststiint, divina
chariamata aiipellantw sapentitioBa ßgmeDta, et saiictuH reyelatioDSB fantasrii'aa
deceptiones sanuhinuiiqiie genta patmni eete dicnut narratoriiim fahuluBuni . . .
ip«i vero sua« nolnintDodo adinrcntioiiea topicas Tel propoBifioDea dabios sei|uutitiir
usquam «letuonetrationea certaa.
*) Spirilualifi ivila, jihiloxnphin, hämo atw.t inl Hn Liehlingtaatdrufk
Stute» im Hör,
") MOF/l IV. JHO: njl. Drniflf in Zfd-i XXIX, 362: Piimmerer
-.. o. ". 34f.
9(5* Einleitung. IL Seuse« Leben und Werke.
In der Heimat traf Seuse recht inierquickliche Verhältnisse
an *). Nach detn Tode des Bischofs Heinrich von Klingenberg (1306)
war die Glanzzeit des Bistums Konstanz vm'iiberj es geriet immer
fnehr in Schulden und die Vertceltlichung zog immer weitere Kreise;
die zwiespältigen Bischofswahlen wollten nicht enden^ Insbesondere
war es auch der unselige Kampf zwischen Ludwig detn Bayer und
der Kuriey der seinen Wellenschlag in die Bodenseestadt warf.
Bischof Rudolf III ron Montfort (1322—34) hielt bis zum Jcihre
1332 zum Papste, dem er seine Erhebung verdankte, während sich
die Stadt und ein Teil der Geistlichkeit (namentlich rf/> Franziskaner)
auf Seite Ludwigs schlugen, weshalb 1326 wie über andere Reichs-
städte so auch über Konstanz das Interdikt verhängt wurde; von da
an war der öffentliche Gottesdienst zwölf Jahre lafig eingestellt, eine
Massregel, die notwendig das kirchliche Leben aufs schwerste schädigen
musste. Der Bischof änderte im Laufe des Jahres 1332 seine poli-
tische Gesinnung, unterwarf sich 1333 dem Kaiser und empfing von
ihm die Regalien, was die Verhängung des Bannes auch über ihn
zur Folge hatte% Nach seinem Tode fand. 1334 eitie Doppelwahl
statt; der Kandidat der Majorität, Nikolaus von Frauenfeld (1334 — 44),
trug, vom Papste bestätigt j den Sieg davon. Dem unterlegenen Be-
werber Albrecht ton Hohenberg kam Ludwig der Bager mit Waffen-
gewalt zu Hilfe j aber ohne viel auszurichten; von Mai bis August 1334
hielt er sich am Bodensee auf und helageiie 14 Wochen lang ver- -
geblich das feste Meersburg, in das sich Bischof Nikolaus einge- -
schlössen hafte^.
Die Dominikaner standen von Anfang an treu zum P(q>ste,^'
doch nicht ohne Ausnahme, wie verschiedene Verordnungen der General —
kapital von 1325 — 30 gegen Brüder der Provinz Teutonia zeigen,^
welche die päpstlichen Erlasse nicht ausgeführt hatten *). Im Innerrmr^
des Prediger Ordens war wie bei anderen Orden seit Ende des 13. Jh^ "
') Vgl. zum folgenden besondei's K. M aller, Der Kampf Ludmgs d, B "^
tnit der Kurie I (1679) passim; lieg, Kp. Const. II; J. Knöpfler, Kaisetm
Ludteig (L B. und die Reichstädie in Schwaben, Elsass und am Oherrhein, mi
besonderer Berücksichtigung der städtischen Anteilnahme an des Kaisers Kamp„SS^
mit der Kurie, in ,Forschungen zur Gench. Bayerns^ XI (1903) Iff., W3ff, Ein^^
gute ÜbiTsicht der kirchenpolitischen Ereignisse zu Konstanz gibt K, Beyerl^
im Fn-ih, Diöz.- Archiv 1904, Iff.
-) Heg, Ep. Const. II n. 43.16.
') A. a. O. // w. 4435.
•) MO PH IV, WO f. IfiS, 17Sf 197, Vgl auch P reg er II, S90f;
Pflugk'Unrttung in Zritschr.f, Kirch eng esch, XXI (1900) 217 ff.
rine Erschlaffung eingetreten, die sich in der folgenden Zeit in be-
denklicher Weise stcif/erte^); Minsbräuehe, unter denen Minsacktung
der klösterlichen Disziplin, Beibehallnng und Erwerb von Privnt-
eigentum*), leichtsinniges HckuldennmcheH und Vernachläsxigmig <Ui-
Studien, Haschen nach Ehrenstellen und Privilegien nller Art, in
Frnufttklö8tern Üppigkeit vnd ZuchÜosigkeit') eine Hauptrolle sjiielen,
drohten sogar ieÜweise einen raschen Verfall herbeizuführen. Die
Schriften Seuses sind voll von Klagen darüber, die schwerlich über-
treiben. Im sechsten Kapitel des Bdew und noch eingehender
Hor.43ff. (Aufichrift: PlaDctus') super esttncto fervore devotionis
in diveräis perBonis utriusque sexas moderni teinporis) schildert er
tlas KUisterwesen seinrr Zeit in Fortn einer fision unter dem Bilde
einer alten, zerßdlenen Stndt mit ruinösen Mauern und Gräben, voll
wilder Tiere in Mensehengestnlt. Obwohl die Zahl dfr Outen an sich
betrachtet immer noch eine grosM sei (Hör. 48: licet [electi, inste
et pie inter alios converBantes] in magno adhuc numero inreniantnr
in onmi statu et religioac ac aetate utriusque sexue), so überwiege
<ioch weit die Zahl derer, die weltliche Herzen unter geistlichem Oe-
'f^ande tragen, denen Verstösse gegen Gehorsam, Armut und Keusch-
Aeit beinahe zur Gewohnheit, ja zur Ehrbarkeit geworden seien, und
riie ihre Vergehen durch sophistische Auslegung und Deutung der
Ordensregeln zu. beschmigen suchen. Eine Gegenbewegung gegen jene
Unordnungen machte sich zwar schon bald von innen heraus geltend.
»o *■« der römischen Provinz eon seilen einiger eifriger Refornifreunde,
<iie von den Laxeren Spiritualen (auch ,spigolist(ie' oder ,de spiritu'}
rfettannt trurden, an denen aber das Gener aiknpitel PO» 1321 nichts
') l'gl. auch oben S. 73*, 94*. Ein* quelimmllMigf Srhiltlerunff der Zu-
Jit/Indn und der Reffirmoertuchf nnftr dem OräentmeUttr Heroäue (1318 — 23)
fjti Morlitr a. a. 0. II. Müf.
*J Do* Otnnatkapiltl non 1318 (MOPE IV, 108) klagt: cum quwi
nbiqae comnunitaB pereat tlc.
') Staa nieler Belege cenntite ich auf da» Leben LiutgarU V07l Wilticfter»
fSSiine, i^ueltmeammtung 111,460/.), die Sarrier Fitd^tm eon ea. 1360 (bei
IVacktrnagrl a. a. 0. S83ff.) uni/ Statte Briefe {nammtlich Gr B/b II,
VI, viu, XIV, XVII- XIX, xxvn).
') Wir hefindtn un« in der Zeit der Rr/orw- und Streileehriften : Alvara
Ptiago vafatsle 1333 »tinen Traktat ,l>e planeta cccletiar'. Konrad von Mi-gm-
hteg 1337/8 »rin Gedicht ,Planelui »cclesiar in Gtrmnniam' (Auszüge vm
Grautet im Ukt. Jahrb. 19vl, 631 ß.), ergirrer nix Anhänger de» rapsit»,
ItttUirtr als tolehtr Ludwigs d. B.. hride aber alt Btfi<rmfrcundr aas warmer
kirehUehrr fjfientuguag.
ale ihre mit gewissem FAgensinn festgehaltenen Sonderheiten in GtUi
und Fanten, die leicht zu einer Spaltung im Orden führen konnten,
auszusetzen u>usate '). In Deutschland standen auf Seite der strengeren
Richtung natnenüich auch die Gottesfreunde und Mystiker, icie Eck-
hart, Tau/er, Seitse'^), Nikolaun von Stressburg, die aber gerade des-
wegen, wie mr bereits sahen, von den laxeren Elementen gerne als
ifreie Geister' und Häretiker (vgl. Anm. zu S3,liff.) gebrandmarkt
und verfolgt wurden. Im Jahre 1325 (vgl. oben S. 94*) regte der
Ordensgeneriil Btirnabas bei Papst Johann XXII eine Reform det
Provinz Tiutonia an ; der Provimial Heinrich de Ligno oppdlt
dagegen an den Papst, der ihn aber 1331 seines Amies enthob
der Proiim in der Person des Franzosen BeiiMrd Carrerius einet^ -^ »
Generaivikar gab, der im gleichen Jahr zum Provimial gewählt'^^lt
wurde'). Papst Benedikt XII be«ciied 1333 den Ordensmeistemr r^ar
Hugo nach Avignon, nm mit ihm über Abtchaffung verschiedenem -^sr
Miasbräuche im Orden zu beraten *). Zu einer durchgreifendem, -^n
Aktion kam es aber damals nicht, und als vollendet die Pestjahr~--^e
(1348 — 50) die Zucht und Ordnung allenthalben auf lösten "), iruul^^^
das Übel noch ärger.
Der allgemeine Niedergang des kirchlichen Lebens, die unhei^ ~f-
vollen kirchenpolitischen Verhältnisse in der ersten Hälfte des 14. Jh -,
dazu eine Reihe erschütternder Nnturereigniase seit den dreiasig^^'
Jahren^: Erdbeben, Überschwemmung, Heuschreckenplage, Miseirach^ *
und Seuchen, mit ihrem reichen Gefolge an sozialem Elend alle^" »"
') MOFH IV, 187: vgl. Mortitr a. a. 0. II, öötiff.
'] In der Joh. Meyertehen Chronik dtr (ieneralineislrr dt* l'redigr^^
Ordens Hehl beim 15. General Barnahas (1324 — 33) die BtmerkMng: bi diiC' -
zitten lebten vil heiliger brfiiier, den von hertzen we tett der abgftug der obieir"
Tiuitz des urden« uud Akz man« nit reformiereu moctit, imder den was bysondc^'
Ventiiritius, H. Sühh, Johannen Tauler, tneiHter Bckaid etc. (nneh dem Ckettn
hamtr Cod. Phitlipp. 36BW .S'. p- siliert bH Priebach a. a. 0. I, 80).
") Notii in Joh. M eyera Liilf der ProvineiaU, briJundt a. a. O. 2t^
(doch tteht hier fälichlich Tan-mius. ». dofffgen MOPH IV, 211); (y
K. Müller a.a. 0. I, I58f. 341.
*) Ueicherl in Rüm. Quarlatachr. 1897, 38il mit Beleg aus dtn vatm
kanigchra Akten.
') Vgl. dit Klagen de» GeneralkapittU von 1363 (MOPH IV, 3lbff.^'
") ZmatiimeTisieiliingen bei Preger II, 299: III, 92: Strauch, A(^-
Langmann loa; GranrrI, Meüter Joh. von Toledo, in den Sittttngtherieliit^
dtr Mfmehier Akademie, phil.-hist. Kl. 1901, SäUff.
Allg. Verhältnisse der Diözese Konstanz und des Dominikanerordens. 99'''
Art ^) haben bekanntlich einen Hauptanstoss zur Verbreitung des
mystischen Lebens gegeben und die Ehnpfänglichkeit dafür in vielen
Herzen geweckt. Eine tiefe Erregung ging damals durch die Geister,
apokalyptische Prophezeiungen wurden ausgestreut, viele glaubten das
Ende der Welt nahe^): in dieser Not der Zeit zogen sich ernstere
Gemüter gerne in das innerste Heiligtum der Seele zurück^ um hier
das Feuer idealer Begeisterung und eines mystischen Gnadenlebens
zu hüten und zu nähren. Von diesen Gottesfreunden ^, wie sie sich
nannten, nicht im Sinne eines freikirchlichen Geheimbundes, sondern
eines innigen Zusammenschlusses aller Gleichgesinnten zur gegenseitigen
^Forderung und Erbauung, ging eine geistige Befruchtung zunächst
in klösterliche, dann aber auch in Laienkreise aus, von ihnen wurden
die religiöseti Bedürfnisse der tiefer Angelegten befriedigt j sie erzeugten
mne mystuich-asketische Literatur in der ans Herz redenden deutschen
Muttersprache, ihr Leben wurde zum Sittenspiegel für den vielfach
werweltlichen Klerus*).
Unter der Schar dieser Wackeren steht als einer der Edelsten
Seuse, Von dem, was er in langer, mühsamer Selbstzucht für sich
selbst errungen, feilte er als abgeklärte Persönlichkeit die goldenen
J'r ächte in Wort und Schrift an aridere aus, ÄUein unter dem
Gesichtspunkt der Seelsorge gefasst, hat er vielleicht die gesegnetste
Wirksamkeit unter den una bekannten Mystikern entfaltet ; als Schrift-
steller von geimlltem und bewusstem Können und anziehender Eigenart
*) Eine sehr häufige Erscheinung ist mrtschaftlicher Büchgang und Vei'-
armung der Klöster; zahlreiche Belege für den Oberrhein bieten die Beg, Ep,
Consi. II passim; Hauviller a, a. 0. /, CLXIIff.; Mone, Quellensamm-
hmg II j 38 A.l: III,. 117. Bezüglich des Konstanzer Predigerklosters vgl,
Vita 140,14 ff. y für Töss: Beg. Ep, Const, II n, 4703, n, 177 (1344); n. 5430,
5439 (1358),
«) Vgl. Preger II, 300; III, 92; Grauert a, o. 0,227 ff.; Vetter,
Mystikerpaar 51 A. 6, Seuse spricht wiederholt von ,mundus senescens^ (Hör. 9,
164) j von fOppropinquans mundi terminus* (Hör. 50, 105, 108 ; der Ausdruck
findet sich aber schon in der Vita S. Dominici, vgl, Dominikanerbrevier 4. Aug.
leeUo IV),
•) Vgl. Antn, zu 34,10. Bei Seuse ist die Bezeichnung ganz allgemein für
jeden Frommen (z. B. auch die Märtyrer, vgl. 117,31 ff.), namentlich aber für die
Anhänger der mystischen Devotion gebraucht. Ein herrliches Lob der Gottes-
freunde Hör, 48: electi, qni iuste et pie inter alios conversantes ... in medio
natioms pravae et perversae, velut luminaria lucentia in hoc mundo caliginoso
(vgl. Phü, 2,15), verbo vitae proximos quoque illuminant et inflammant etc.
*) Vgl. Linsenmann, Dei' ethische Charakter M. Eckharts, Programm
Tübingen 1673, 20,
Eiuleituug. n. Seuses Leben uti<I W(
^^^K
errielle er auf begrenztem Gebiete Erfolge, wie naeh Thovntu
Kmtipeii uohl kein zweifer im ausgehenden MiUdaiier.
II. Sense als Lektor In Konstanz.
Nach Konstanz zurückgekehrt widmete sich Seuse zunächst
noch einige Jahre ntehr internen Aufgaben des Klosters und schrift-
stdlerisr.her Tätigkeit. Wir dürfen als sicher annehmen, dass er
seiner Ambildung entsprechend im heimatlichen Konvent ah Lektor
t-enemdet wuriie'); denn die Ordensstatuten schreiben vor, dass krin
vom Generalstadium Zurückkehrender zum Prior — das wurde Seuse
später — gewählt werden dürfe, bevor er nicht zwei, bezw. drei
bis vier Jahre das Lekturamt verwallel habe '). Jedes Kloster musste
Lektor haben, dessen Amt es war, die gesamte wissenschaft-
liche Ausbildung nicht bloss der eigentlichen Studenten, sondern der
Klostergemeinde überhaupt zu leiten; denn auch die älteren Religiösen,
selbst der Prior, sollten so viel als möglich dem Unterricht, der in
Vorlesungen (gewöhnlich über die kl. Schrift) und Disputationen
bestand, beiicohneu. Dem Lektor stand für die Abhaltung von
Repetitionen und zur Überwachung der äusseren Studienordnung ein
,magister sludentium' zur Seife; entsprechend seiner wichtigen und
angesehenen Stellung genoss er rerschiedene Privilegien: Entbindung
von der Missionsarbeit, teilweise auch com Chorgebef, eigene Zelle ustc.
Über Semes Schicksale in jenen Jahren sind wir nur unroU-
kommen unterrichtet. Verschiedenen Andeutungen im Uor. (I12ff.,
»gl. 132 f.) ist zu entnehmen, dass schwere Heimsuchungen über ihn
kamen'^: ein teurer Verwandter, sein einziger zeitlicher Trost stirbt,
die ,Wölfe' rauben zwei seiner Obhut anvertraute Schaf lein, die
Feinde stürmen mit Beschimpfungen und giftigen Verleumdungen
gegen ihn an, sein blühendes, mit grossem Fleiss von Jugend au/
bebautes Arbeitsfeld wird ihm entzogen, die ,cathedra honoris' um-
gestürzt*). Die letzteren Worte können m. E, nur darauf bezogen
') has diitkte Ztugnin, das man bisher aut Vila ä9,iS einnahm, indr»m-
man le*er = Lektor los (»iatt lesser = Aderlaiser), fällt jtitt vf-g. Übrige«^"
nrnnl ihn Joh. iftyer ,lector et j/rior* (Mont a. a. 0, IV, lä).
*) Cap. gm. 1321, 1334, 1336 (MOPH IV, 133, 163, 16ä). Ober da^
Ltkloramt im allgemeinen vgl. Pregrr, Vorarheiltn 9; Haaek a. a. O. itV
469/.: l^eldtr a. u. 0. 36bff., 367 ff.
') Darauf betitht »ich wo/d auch Vita ST.Hff.
') Hör. 113: etenim nemus viriditate folionim veniistum cum magno Ulioro
et stu^o ti piieritia inea plaatavtram, cathedrae honoris unntentJTum, de qn»
Du Bttchlein der ewigen Weiiheit, Horologinm etc.
101*
Verden, dtiss Seme infolife verleumderischer Anklagen des Lektorats,
«Wo swiscMn 1329 und 1334, entsetzt wurde : das ,a puerüia' ge-
fjtmztf und gehegte ,n«mus oenustum' ist die WisHmschaft, die
,ealhfdr<r honoris' die Lehrkanzel des Lektors. Als Nachklang der
hitteren Erfahrung, die Seuse damals machte, dürfen wir es ansehen,
wen» er Hör. 54 die ewige. Weisheit eingehende Hnischläge darüber
erttiUn tdsst, icie sich ein Prälat oder l'orsteher bei Anklage gegen
itti'ährte Brüder verhalten solle: oft zeige es sich bei genauerer
f/ft(er»uchung, dasa gerade die Ankläger die Schuldigen seien, welche
Fehler der Vorgesetzten vorschützen, vm seihst der verdienten Strafe
zw enUjeheti ').
m. Dhs Büchlein der ewigen Weisheit, Horologiani Sapientiae
und MinnehUchlein.
In die Zeit zwischen 1327 bis 1334, die Seuse zurückgezogen
>•' Konstanz zubrachte, fällt die Abfassmig zweier seiner Haupt-
'"'firijien: des Büchleins der etcigen Weisheit und des Horologium
Snpi^ntiae.
Über die Entstehungsgeschichte des ersteren Werkes spricht sich
Sewjie im Prolug zu demselben und zum Jlor. rins. Darnach bilden
*«*«en Grundstock die hundert Belmehtungen, weiche jetzt den drittett
*^Bit ausmachen. Diese wurden ihm einstmals ,eingeleuehtet' . als er
*'"« ^wohnlich nach der Mette das Passionsdrama geistig durchlebte
(yita 30,14; Bdew 10(1,2 ff., 314,1!) ff.. Hör. 12). Das war um
J*»»« Zeit, wo er sich die Marter mit dem nägelbeschlagenen Kreuze
KufiMg et honorem me receptunun sporaham. Cunique inm tetupua udesset, at
Ueo Tiuerer labore, cathedra KuhTerütur et Jiemus in nlteriuB cuiuüilnm redigitnr
^^'iDiiiiuDi et labor nmnis perdilur ac äniH iuUntux fniRtratiir.
') PruektuB rel rectur frutnim i« cum sis, licel in minimo gnüu, äha»
•* hi« non eUltm adliihere tideni liis, gui ceWros deferro couBneverunt etc.
^*efft,, Vararhalen IZiff.: Mystik 11, 3ä6ff. 3S1: Seeber<t, 9Sf. u. a.
^^hUr^nfn aus dififr und der in voriger Atitnrrkung litterteit Sitite, Stuee sei
*■■»<«** Prior geirrten und auf detn Gmrralkapitcl eu Brügge 1336, auf dem
"* •Mit Namtti nicht gmaimttr i'rlor von Konstam alieolvirrt wurde (MOFlt
'^< SVll, ahgritUI aordm. Ich giaubf mit Unrecht, denn jmt .Stfllen ßndfn
'*' »A/rr Jietithung auf das Lektorat tint viel btaaert Erklärung: fo-ner atriUn
^*' Mr„rtt Vita ttSßff. die Erhrliung mm Pr/Ilnttn — 1343J4 icurdf Seusr
I-ri.
•«T, egl. Anm. su 1*5,14
- aia flwat 2ieuts für ihn hin
" I^Rum gtaulilich, da»* er J336 vnltr dem Ordensrnfieler Bugo,
"iMior IN GuntI staiul, aiigetetel uiurdt.
und endlich i
J
102* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
bereitete (i2^6ff. ^). Er übte nun täglich diese hundert Betrach-
tungen mit ebensoviel Prostrafionen, schrieb sie auch deutsch nieder
und teilte sie anderen frommen Personen (Gottesfreunden) mit
(197,5 ff,, Hör, 12), Im Laufe der Zeit schloss sich an die Be-
trachtungen eine Reihe von weiteren Erwägungen und Erleuchtungen,
aus denen er den ersten und zweiten Teil des Bdew zusammenstelUe.
Seuse versichert, dass aUes in Gegenwart der fühlbaren Gnade, gleich-
sam aus göttlicher hispiration und Nötigung niedergeschrieben worden
sei% und d<iss er das Konzipierte stets genau daraufhin geprüß
habe, ob es mit der hl, Schrift und der Väterlehre in Einklang stehe
(W7,13ff,, 199,16 f., 823,30 f., Hör. 10—13). Aus Furcht jedoch,
es möchte der neuen Schrift eben^so ergehen wie dem Bdw, wollte er
dieselbe anfangs geheimhalten oder gar vernichten; doch die ewige
Weisheit habe dies durch deutliche Zeichen und Offenbarutigen ver-
hindert, und Maria mit dem Kinde in einer Erscheinung die Mit-
teilung der Schrift an alle gottliebenden Seelen angeordnet (Hör. 14).
Die Abfassungszeit des Bdew'^) fällt vor diejenige des Hör.,
welches sicher 1334 geschrieben bezw. vollendet ist. Zur genaueren
Datierung ist eine Stelle aus dem 21. Kapitel beizuziehen *), wo die
ewige Weisheit dem Diener, d^r vom Tode noch nicht gern hören
will, sagt: Sihe, dannan riecbent (mehren sich) ietzent die unbereiten,
erschrokcnliclien t5de, dero die etette und kl6ster voll eint (279,33 ff.;
vgl. 287,15 f., Nor. 168). Man wird diese Worte schwerlich anders
als von einer Seuche verstehen können; die starken Ausdrücke waren
sonst kaum erklärlich. Nun wissen die Chroniken der Zeit in den
Jahren 1327 bis 1334 nur von einer einzigen Seuche zu berichten:
') Dass diese Marier gerade vom :->S.— 4(). Jahre dauet-te (Preger, Vor-
arheittn IQ4 ; Mystik II, 3i}8), lösst sich nicht beireisen, es kann auch etwas
fniher gewesen sein,
-) Ifor. U: supernae inspirationi hoc ad^^clil>ite, quae, ut testie est mihi j
L)eu8, me die noctuqae quiescere noii penuisit, donec eius coactioni acquievi. .
/.. c. 13 : notandani, qiiod originule hiiius operis certi» t-emporibns et non nisi J
in pracseutia magnae gratiac coiiHcriptum fuit. Non enim predictus discipnlus^
. . . yidebatur ibidem habere modiim ag-entis vel dictauüs 8od modum quemdain r
divina patientis.
^) P reg er { Vorarbeiten 124J\; Mystik II, 818, 361) lässi es LVnschenmif
Ur^r und 1336 entstanden und J337 6 veröffentlicht sein, Denifle XXV un^^
tStrauch , Allg, dtsch, liioyr. 37, 170 yebefi kein genaues Datum innerhäOß^
der dreissiger Jahre an.
^) Tlor. li'fO ist diese tStelle veggelassr^i, wohl weil eine Anspielung auf^
lokal' und zeitgcsrhichflicfi^ Vrrh<iltnisse für rüumlich und teith'ch ferner —
Stehende keinen Wert hatte.
Johnnn von WinierHiuv ereäUt ah Augenzeuge von einer pestartige»
Krankheit, tvehke hn März 1328 fiemud^rs in Ober- und Mittel-
deutncfilanrl grosse Verheerungen anrichtete, und er hebt gerade jene
funkte besonders hereor, auf die es beim Vergleich mit Sense an-
kommt: da^ rauche, uneorbereitete Hinscheiden vieler ohne die Sakra-
mente dtr Kirche'). Damit hnben wir nun ein Mittel an der Hand,
die Entstehungsgescitichte des Bdetc genauer zu skizzieren. Die
hundert Betrachtungen sind tSü? oder schon früher entstanden,
nach und nach folgten mit längeren Unterbrechungen (bei Kap. 5,
lygt. lU8,l2ff. Hör. 13, und Kap. 16, vgl. 332,31 ff.) bis März 1328
JCap. 1—20: der Schlass des Werkes samt dem vorläufig ausgelassenen
Xd. Kapitel wird im Frühjahr 1328 noch rasch zu Ende geführt
^forden nein, da 279,13 ff. die folgenden vier Kapitel progi-ammatisch
angekündigt werden. Die Publikation des Büchleins ist möglicher-
p-celee erst itpäter erfolgt').
Das Bdew gehört seinem Inhalt hocÄ der praktischen Mystik
»rtn, e« ist eine allgemein verständliche Krbauungsuchrifi (ein gemeitiö
■ ere.3,/9; l'J7,28}, bestimmt für , einfältige Menschen, die noei haben
^iebresten abzulegen' (198,11). Namentlich sind Klosterleute und unter
<iieaen wohl in erster Linie Nonnen, Seuses geistliche Töchter, ins
^iuge gefasst (vgl. Kap. G, be.^. 218,1 ff.}. Schon der Titel der Schrift:
^er Ewigen Wieheil buchli (324,3 f.) drückt den Fortschritt aus,
*ier in ihr gegenüber dem Udw liegt : Sache der Weisheit ist es, das
J^fben zu ordnen (egt. Hör. 210 und oben S. 47*), nachdem die
^eujige Wahrheit' (327,25) den Verstand erleuchtet hat. Der Zweck
Wct Büvideins ist nach Seuses Angabe'), ,die göttliche Minne, die in
dieser jüngsten Zeit in manchem Herzen zu erlöschen beginnt, in
') Ctironk-'in td. Wyt« 38öii, UM f. : anno, quo imperaWr Ludovicus suciindii
in Italift liemorabatnr, pegtileiitJu ingeriK in Gennuuia orbi tarn exceBÜro su^viebat
in popnlo t^iDpnn^ iiimilrageüiniiill, (juod quantloque una liie in civitAt« fiaailiensi,
uhi tiuic praesens ewin, I. ftmera reperta fueraiit tniuiiiandn. In Mainz neitn
täglich :J<io—3(JO Menechen gutorbfn; in Winttrthur und andenrärlt habe der
KleruK nicht hingerticht, um dir A'ttrbnu/iiamtntt tu »pmden und vitlt seien
,unem(Aen' ijettorbtn.
*) Ich verkenn« die &'cltun'erigktit nicht, «reicht in dtr Annahme liegt,
dost Seutf «0 rateh kinUrginatidtr das Udw und Bdtw otrfasat habe, abrr die
Beieeisgründe si-heinm mir durchsehlayend.
*) Bmauer Hör. 9 : divina B&pieiitiu . . . iti pravaeuU opere inLciidit priuci-
pulitcr noii iioidem iufonnikre nescientea . . . sed reaccemlere extiucloa, Irigidus
tuHaramare, moveFo tepidoB, indevotoA ad devotioncm pTOTOcare k somno tip^li-
geatiae Uirpeates «d virtutum Tiplantiuiu excitare.
104* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
etlichen wieder zu entzünden^ (324,4/,; vgl, die Anm. dazu und
200,5 ff.). Diesen Zweck zu erreichen werden in 24 Kapiteln die
kraft' (/sten Motive entwickelt. Entsprechend dem 203,8 ff. aus-
gesprochenen Satze yper Christum hominem (passum) ad Christum
Deum^ bildet den Hauptinhalt ^) die Betrachtung des Leidens des
Erlösers; um diesen Kern schliessen sich Erwägungen über die Grösse
der Sünde, die Trüglichkeit der Welt und den Adel der Gottes-
minne, die Strafgei'echtigkeit Gottes, Gedtdd im Leiden, über Himmel
und HöüCj die ,reine Königin vom Himmelreich* und ihr ,unsägliehes
Herzleid'. Der zweite Teil des Buches gibt ganz konkrete Ermahnungen^
yWie man soll lernen sterben', ,wie man innerlich leben s(dV, über den
Empfang der Kotnmunion und die Pflicht des immerwährenden Gottes-
lobes. Um die Darlegungen lebendiger und anregender zu gestalten m
(vgl, 197,26/,, Hör. 10), ist die Lehre in Form eines Zwiegesprächs^ ^
zwischen der ewigen Weisheit und ihrem Diener gegeben; es wird
auf diese Art zugleich die innigste persönliche Verbifulung zwischen
der anima fidelis und ihrem Bräutigam Christus hergestellt. Mit
Recht kat man das Bdew die ,schöuste Fruc/it der deutschen Mystik^
genannt^. Es lässt sich an innerem Wert neben die Homilien des
hl. Bernhard, die Seuse wiederholt zitiert und verwertet (vgl. besonders
254,20 ff,), oder neben die hnitatio Christi des Thomas von Kempen -m^-^n
stellen. Zutreffend urteilt F reger*) darüber: „so viel Seuse auch
i)on anderen entlehnen mag, er prägt allem seine Eigenart auf; es
ist alles von seiner zarten Empfifuiung durchwoben, von seiner Innig-
keit vergeistigt, von dem milden Feuer seiner Liebe durchglüht^',
„hl herrlicher Weise offenbart sich in dieser Schrift ein in Liebe
an seinen Erlöser hingegebenes (iemüt und eine durch eigene Erfahrung i^^^rtg
gereifte Gottesweisheit, die ernst und milde zugleich, mit einem Rufen, ^ -m^.n,
das aus dem innersten Herzen kommt ^ ron dem Unfrieden zum^^^^m
Frieden führen will, und mit Worten voll Geist und Leben, voU%^^l
Licht und Schönheit Sinn und Herz ergreift und in ihre Kreise^'^r^^-se
zieht J' Man tvu^ste im ausgehenden Mittelalter ihren Wert auch ztt^^^^ff
schätzen : das Bdew war in der zweiten Hälfte des 14. mid im 15. Jh^
^) Gute Analyae und Darstdlung der Lehre hei P reg er II, 876 — öff-
*) Über die Dialogform in der miltelaUerlichen geistlichen Literatur vgK-
\V. WackcrnaycL desch. der deutsch. Lit. P (1679) 4^9, Anm. 43. l
dort ausgesprochene Vermutung, iSeuse luihe die Gesprächsform vielleicht
dem Lucidarius entlehnt, ist durchaus prohlefnaiisch.
3) Denifle XXL
') Mystik LI, >}b9, 366.
ihs geUsenste deutsche Andachtsbuch , wie Ute ungemein i/roi"ie Zahl
dei- Hnn. zeigt ').
Wohl nicht sehr longe nach Vollendimg den Bdew machte sich
Seusit an eitle Übertriiguiiy d^trSchrt/t ifis Lnteimsche'). Verschiedene
drihide mögen ihn dazu bewogen haben: f/er HwjwtcÄ, auch in
theologischen Kreisen '), besonders in MUnchskiöstern, mehr Beachtung
zu finden und Gutes zu stiften, die Absicht, durch die griissere
Präzision des lateinischen Ausdiiicks und durch Vorlage bei der
Aöchgie» OrdensiJistam gegen Aiigriffe und Verleumdungen mehr ge-
schützt zw sei», nicht zuletzt auch die echt mittelalterliche Erwäyuwf,
*ias» in .deutscher Zunge' gar zu viel verloren gehe von der ursprüng-
lichen Kraft und Wärme der Worte, ,die in der lauteren Gnade
empfangen werden', niedergeschrieben aber ,crka/ten und verbleichen
wie die abgebrochenen Bösen' (19^,14 ff.). Aus der Bearbeitung ist
»nAftfu et» neues Werk geworden, das gegenüber dem deutschen eine
3tlarke Vermehrung des Stoffes aufweist und auch einen neuen Titel:
Horologium Sapientiae*) erhielt. In einer Vision sah niinüieh
') Oben S. Il'ff. sind ca. JIM), mit drn Bruph»tüektn ca. ISfl Hss. auj-
^rführt. In manehrn ff»g, dtg J&remplars teurde das Bdev: auiijtlasaen, vnil
«» xnnst in Ahaeltrifttn ainrk vrrbrtiltl war; vgl. oben iS\ 7*^.
") y'rratttie Anmehttn iHe die dtg Surias, tlan Hur. »ri die frtii Über-
iraffung den Btleie ine Lateinitche dareh einen Unbfkannten, von Quilif und
Erhard I, tiöif., da« Büchlrin sei urgprüngUch lattiniKh verfaaat, von
Diep.' Iff., iSehmid 661 und Volkmana ää, die Abweiehungm de» taiH-
iMcArn Werktg vom drutairhen säen Verderbnitge imd InUrpdlationm der Ab-
fchitiber, brauchen nicht mefir iciderjiyt tu werden.
'\ l'ffi. Hör. 67 : surgunt »impliuBs illiterati et Jndouti ... et nos suhtilia
lexcntea ac veritatis viam ceteri» demonstraiitps . , Eya agit*, cmifrattes et sodalc» !
') A'aeb dm 24 Standen des Tau*» Ital das Warb 24 (18 -^li) Kapitel.
Ilenifte XXIJI hall -■» für icahrsehtinlich, dass sich Sease btim Uor. in
bring auf Titel und Auswahl des Stoßes an ein fremdes Muittv angelehnt
hat. Mögiieh, dass der Titel rnn ditn .Hornliiifium detolioiiis circa vitam Christi'
rinfg Dominikaners UerUwld aus Uf-tn Anfang des 14. Jahrb. entlehnt ist (dasdbe,
ca. 14SH und /Ifter gedruckt (Rain S99iJ- 9Hl, ist tbenfaOs eint Ühtrsttsnng einte
druttchen Originals, der Verfasser wahrscheinlich identisch mit dem Bearbeiter
der .Summa co nfessaruni' des Johannes ron Freibwg, vgl, Dietttrie in
Ziechr.f. KirchmgeeehlchU 26 119061 U7 f.; J-in kr in Alemannia mi3, 163 ff.):
inhaltlich besteht keine Abhaniiigktit, Das Hur. devutionia wurde später öfters
mit dem Hör. Sapienltae verwechstlU Cht ÖttUH s. XV Bl. 1—66 tnlhill
da* Hör. Seuses unter dem Titel: Hm: itureum dininae sajAentiae; in Calal.
m.3,28 ist aber fUlscMich ein Johannes deS. Lateparto 1= Joh.wn Freiburg'fi
ai* Verl'asstr angegeben. V/jl. ^-uin Titel auch Gertrud, Leg. div.piet. IV, 5,36
(Utetl. 1, 3L2, 4IJ4J.
106* Einleitung:. II. Seuses Leben und Werke.
Setise sein Werk unter dem Bilde eines kmistreichen, mit den schönsten
Rosen geschmückten Uhrwerks, dessen Cymbalschläge die Herzen mit
himmlischefn Klange nach oben zogen (Hör. Vf.), Manche Dinge,
die Sense in dem poptdären Werkchen zu sagen sich nicht getraute
oder nicht für passend hielt, hat er hier eingeschoben, so namentlich
Betrachtungen über das Kloster- und Studienwesen seiner Zeit (s. oben
S. 87* f., 97*), über den kirchenpolitischeti Kampf zwischen Ludwig dem
Bayer und der Kurie ^), auch mancherlei mehr oder weniger versteckte
*) AVn interessanter Exkurs Hör. 61—64, der in der kirehenpoUtischen
Streitliteratur der Zeit Beachtung verdient (vergh auch Preger, Mystik II,
:i94f. ; ders. in AbhandL der hayer, Akademie der Wissenschaften, phü.-hisit, KL
XIV [1877] 46). Es ist eine Allegorie, als Vision eines homo Dei dargesteilt
mit folgendem Inhalt : im Westen der civitas christiana tritt ein Widder (Lud'
zeig der Bayer) mit zwei Hörnern auf, eine eiserne Krone auf dem Haupte
(Krönung Ludteigs mit der eisernen Krone eu Mailand am 31, Mai 1327),
dem 70 oder mehr Füchse folgen, die ebenfalls Kronen erhalten (die italienischen
Ghihellinen?) ; m'ele treten aus Furcht oder Leidenschaft oder Einfalt des
Geistes auf seine Seite. Trotz Bedräng ung, Verbannung ustc. durch den Widder
leisten manche vom populus Dei Widerstand, indetn sie Gott mehr fürchten als
die Menschen, und sie unterstützt der dux iiliorum Dei, loci eiusdem supremus
gubernator, vir utique per omnia laudabilis et magnanimus iustitiaeque zelator
(Papst Johann XXII; er war den Dominikanern besonders gewogen uml wird
vom Generalkapitel und Ordensmeister öfters dem Gebete der Brüder empfohlen^
vgl MOPH IV, 110: V, 253: Marti er a, a. O. //, 514, 634 f.) ; vergebens
sucht der Widder ihn mit seinen Hörnern vom Throne zu stossen (Erhebung
des Petrus von Corvara als Nikolaus V zum Gegenpapst), Da begibt ersieh zu dem
princep8 totiua mnltitudinis (Friedrich der Schöne von Österreich), betört seinen
arglosen Sinn durch Einflüsterungen, zieht ihn auf seine Seite und gewinnt so den
Prinzipat (Trausnitser Vertag zwischen Ludwig und Friedrich vom 13. März 1325,
hezw, Vertrag von Mihichen rom 5, Sept, 1325). Die Not der Getreuen wächst, als
der Widder mit gewaltiger Heeresmacht gegen seine Gegner auszieht (Bömerzug
Ludwigs 1327—29) ; sie nehmen Zuflucht zum Gebet, und siehe: der Widder stürzt
plötzlich zur Erde (Fiasko des Römerzugs), eines seiner Homer zerbricht (Bück'
tritt de^ Gegenpapstes, August 1330) : et exinde coepit potestas eius deficere et decre-
scere de di(; in diem. — Aus der Schilderutig geht hervor, dass Seuse entgegen
anderen Mystikern (vgl, P reg er II, 291fl',) ein scharfer Gegner Ludwigs und
treuer Anhänger der Kurie war: er folgte also der Parole seines Ordens und
der Tradition des oberrheinischen Adels, der zumeist auf Seiten des Habsburgers
aiand. Die Angabe, dass Ludwigs Macht von 1330 an immer mehr dahinschwinde,
trifft eigentlich nicht zu : trotz des Misserfolgs in Italien war seine Lage in
Deutschland nicht ungünstig, namentlich die siiddeutchen Städten hielten treu
zu ihm (vgl. Knöpft er a, a. (). 36Jf, ; Assmann, Handbuch der Allgemeinen
Geschichte II, 3, neubearbeitet von Viereck 1906, 129 JK). Man kann die Schluss-
Worte irohl nur dann erklärlich finden, wenn man annimmt, dass sie zu jener
Zeit geschrieben irarden, wo Ludwig sich mit dem Gedanken trug (Nov. 1333 bis
ewigen Weisheit, Hornlogiuni tt«. 107'
B«mim»ce}\zen an Vorkomrumsse seittes eigenen Lebens (s, oben S.lOiff.*).
Dit hundert betrnchhmgen vind der Kurze halber weggelassen (Uor. JÜJ,
gegen Sckluss ist ein mues Kapitel (11, '7) eingefügt mit der Über-
schrift: Qaaliter multi fidelee poeeitit aapientiam divinam despousare
ttc, dns i» deutscher Bearbeitung ah ,linidenichaft dvr ewigen Weis-
heit' ictite Verbreitung fand (s. unten S. llG'f.). Der darin (Hör. 233}
encäinte Cnreas de aeterna Sapientia, den Ausgaben des Hör. (jedoch
nichi der aon Strange) gewöhnlich beigedrucict. int ein Heikel »formular
nach Art der Hören des Breviers, aus Paaltnen, Hymnen (Jesus
duicia fnemoria) und Lektionen bestehend und zum Gebrauche der
Verehrer der ewigen Weixheit bestimmt. Veiniutlich stammt atich da.<
Aeiffegebene Ofticium Miseae de aeterna Sapientia von Sense.
Was Seuse com JSäew bezeugt, dass es im Zustande höchster
^Erhebung des Gemütes geschrieben sei, gilt auch für das Hör., ja
9fon fliesem noch mehr. Fast jede Seile zeugt dßfür; öfters weiss
.sich die glühende Begeisterung kaum mehr in Worte zufassen (vgl. oben
S. 7b*), Seuse zeigt sich auch im Hör. als Schriftsteller con be-
deutenden Gaben, lUr nicht seinen »tum siwplex, sermo imperitaa et
incnltna (Hör. 10) hätte zu entschuldigen brauchen. Etwas frostig
/>erührt es uns nur dann und wann, wenn er mit scholastischen
-Kunstausdrücknt Oj>priert; im übrigen ist die Sprache überaus ge-
■wandt und biUierrtich, voll Bhythmus, und oft bricht der Beim
heriior. Der Inhalf ist wie in den Werken Bernhards ganz durc/i-
triinkt ton Worten und Sentenzen der hl. Schrift und voll von Au-
spielungen auf liturgische Texte der Kirche, die nur dem Kenner
itufstossen. Kein Wumltr daher, dass das Werk die weiteste Ver-
breitung fand, vor allem in den Kreisen der Gottesfreunde. Am
äl. September 1339 schreibt Heinrich von Nordlingen pom Basel ans
an Margarrta Ebner, er habe ein Tauler gehuriges Buch, das man
nent Orologinm Sapientiae ze latin, an den Prior von Kaisheim zum
Abschreiben gesendet, sie möge es sich oon ihm Uihen und ebenfalls
Jani I334J, tttguiisltn »ein« Vettere Heinrich mn Niedirbagem xurüektutraten.
Di« Kuiult hiervon kam gans uneriearui — in der Tal »ind die Beieeffgrände
J.udwig» auch nicht klar, vgl. dir rertehiedeixtn Uypoihtxm fiti Aasmanu
a. a. O. 137 A. ä — und niusele bei tten Gtgnrrn dm KaUrrn dm Kindrurk
hrrt-arrufen, dam »tin« StrUung rmehBUtrl »ri (vgl. K. Müller a. a.0. 1,335 >.-
die vergtbUchf Belagerung Meersburg» pom Mai bis August 1334 (vgl. ahen 3. f*6*l
ditatr nicht dazu, sein Ann'hrn tu erhöhen. Za dieser politisehen Situatinn,
tetlcht in der arstm Hälfte des .Inhret 1334 gegeben tear, passen lieu»es IKord' am
htmen, weder vor noeh nachher ßndra wie in dm drtissigir Jahren eine ähntiehi ,
narh J.'J.Vfc eullruui ki'nnten sie anmöglieh geschrieben sein.
m
108* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
kopieren^). Es murde überhaupt LieblingsUlctüre in den Klöstern
des ausgehenden Mittelaltersy und zwar nicht nur in Deutschland^
sondern auch in den Niederlanden, Frankreichs Italien und Englaniy
wie die sehr grosse Zahl der Handschriften und eine Beihe von
Übersetzungen beweisen^).
Seme hat das Werk seinem Ordensgeneral Hugo von Vauce-
main gewidmet, der, auf dem Generalkapitel zu Dijon 1333 erwählt,
den Orden bis zu seinem l^ode (1341) leitete^ Er ühersemdte w
ihm mit einer schwungvollen Zueignung im Prolog (Hör. UfO ^"r
Prüfung und Begutachtung*), Wir dürfen daraus wohl schliessen^
d^ss Seuse in den Augen seiner Vorgesetzten rollstündig rehabiliUert
war; dies dürfte übrigens schon bei Neubesetzung des Provinzialats
ran Teutonia 1331 (v(/L oben S. 98*) der Fall gewesen sein. Der ter-
minus a quo für die Vollendung des Hör, ist demnach das Jahr
1333, Einen sicheren Anhaltspunkt für die Bestimmung des End-
termins gibt uns eine Bemerkung Seuses im Prolog (Hör. 11 f)'
Er redet hier nämlich von den literae exbortatoriae des Ordensgenerals
Hugo, worin dieser filios dilectos admoDitione paterna ad pacem et
fraternam caritatem, ad disciplinae rigorem et ferrorem devotionis^
ad conformitatero Christi Jesu ac omniam virtutam perfeetionem
') Strauch, M, Ebner WXV, 82fi\, vgl ebd. S. 36;iff. Wir sind U-
rechtigt, obengenanntes ,Orologiuin' mit Seuses Hör. su identijigieren, wie auch
Prcger, Vorarbeiten ti6, 120: Mystik II, 3'ri3f. gezeigt hat, BenifJe XXIII f.
war in diesem Punkte zu vorsichtig (vgl, auch Strauch m Afda IX, 143:
M. Ebner 303/.): die von ihm notierten ,meditationes* ülter Tod, Gericht
und Holle einer Kren^smunsterer Hs., die aus einem ,Orologium Sapientiae^
stammen sollen, sind in Wirklichkeit aus dem ^Tractatus de spirituatihus aseensi^-
onibus* des Fraterherrn Gerhard von Zütphen, s, meinen Nachweis im Hist,
Jahrb. 1904, 177 f.
-) Über die Übersetzungen später, Eine neuf kritische Ausgabe des i
Hör, Kffre wünschenswert, da die Edition St rang es (Köln 1661) viele Mangel 1
hat. Ich verzeichne für einen künftigen Herausgeber eine Anzahl guter Per- -
gament/iss, des 14, Jh.: München Clm U(i04, 15 747, 24isll ; Erlangen Nr. ö66; "-
Göttingen, Ms, Theol. 151 : Basrl B VIII 4: Nürnberg, Stadtbibl. Cent. V, 76: -
Wien, Cod. 30O5, 3961: Hnligenknuz C 155, Weitere Hss. bei Quetif und ^
Echard I. 65ti und bei Haenel /. c. passim.
'') Vffl,M(fPH IV, UUi, 2U0. :i79: Quetif und Echard J, XVII, «
otsOf, ti5o: Denifle im Archiv II, :J17 (Hugo wurde 1320 magister theidogiae -
in Paris: rgl. Hör, 11: vos, qui honore mairisterii theologicae Bcientiae polletis).
*] ÜlprigenK durfte kein Dominikmur ein Werk veröffentlichen, bevor
.fratres periti\ div der (imeral odtr Prorimial aufstellte, es geprüft hatten
fCap.gen. 125tJ, 131(i : MOPH HI, 78: IV, 93),
«rmnhtie, und miseros qaoque huiua mUDcli sectatoree, at huno mun-
äom fngitivum ae fallacem deaerant et ad veram ac aeternam sa-
pientiam veniaat, durch IVorl und Beispiel der Ordensbrüder einladen
iatfse. I)it?e Worte sind nun aber, wie ich im Historischen Jahrbuch
1904, 180 f. im eitizebien nachgewiesen habe, nichts anderes als eine
gedrängte, teilweise wörtlich heriiberyenommene Inhnltxangabe der
ersten Encyklika Hugos, die auf dem Generalkajtitel von 1333 (in
ärrr Pßngstwiiche ) erlassen wurde '). Mit den folgenden sechs Rund-
»chreihen (1334, 1330, 1337, 1339, 1340, 134r) zeigt Seuse da-
ffeffen keine Bekanntschaft. Damit ist der Beweis geliefert, dass er,
als er das Hör, coUendete bezw. den Prolog dazu »chrieb, die erste
h^ncyklika Hugos und nur diese vor Augen hatte, dass also der Ah-
tchtuss des Werkes zwischen Mitte 1333 und 1334 fällt. Berück-
t*chliyen icir weiter die in Kap. 5 tor ausgesetzte politische Situation
^s. oben S. 106* Anm. 1), so werdeti wir mit Fug den Zeitpunkt der
W""" "'"■'■ '""'
I Dem Bdeiv und Hör. sieUt sich inhaltlich eine kleinere, zeitlich
•»icht genau fixierbare Schrift an die Seite, welche vielleicht auf
Seuse selbst zurückgeht oder doch sehr wahrscheinlich in irgend einer
^ieziehung zu ihm steht: dos Minnebächlein ( Text S. 537— 54).
t^on Preger in einer Züricher Hs. aufgefunden und 1»96 erstmals
sdiert (s. S. 537) enthält es in drei Kapitän in Form von geistlichen
.Ansprachen innige Gebete mtd Betrachtungen über das Leiden Christi,
rier entsprechend dein Titel das ,wahre Minnebuch' (537,12; vgl.
^53,24) genannt wird, und ii/ier die Schmerzen Marlens, Ob die
einziehende Schrift wirklich von Seuse herrührt, ist schwer zu sagen.
J)en Beweis der Echtheit hat Preger, Mystik II, 344— 47, und in
■neiner Ausgabe S. 441 — 54 zu fuhren gesucht. Seine Argumente lassen
Mich noch vermehren und verstärken, doch ist zu allem Anfang zu
vagen, dass die in der Hs. immittelbar folgenden (iebete (Pregers
Ausgabe S. 40G — 71j sicher nicht von Seuse rerfassl .tind, wie schon
^^^^0 G*druckl in MOPH l', 2äu^64.
^^B^ MOPB V, au— 73.
^^^^V^ Uamit fallen auch die DiUimtngtwsaciir Prtgtrs, Vorarheiltn
rtl^^ (^irisehm 1334/8 abgtfatsl^) und Mystik II. 327, 361 (,l33T'fi voll-
tndtt't. IJtni/lf XXIVf. wagU heive genauere Datierung iwieclien 1333
und 1341, ühnlieh Strauch, Allg. disrk. Biogr. 37, 171.
L
ItO* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
aus ihrem ganz abweichenden Stil (auffalletide Häufung der ESpUheta
und Bilder uaw.) hervorgeht^); sie gehören überhaupt nicht zum
Minnebüchlein, Die Haupiargumente für die Echtheit des letzteren
sind folgende. Aus Vita 109,11 f. kann man schliessen, dass Seme
nicht nur ein Büchlein (Bdew) ,von dem minniglichen Gott^ gemacht
hat, und auch die Idee und der Titel des Minnebüchleins lässt sich
in Bdew 2o9,ll (vgl. Hör. 33) angedeutet finden^. Das Zusammen-
treffen der Schrift mit dsn entsprechenden Abschnitten des Bdew
und teilweise axich mit Briefen Seuses bis aufs Detail des Ausdrucks
und auf Lieblingswörter des Mystikers ist sehr häufig und eklatant
(vgl. die Nachweisungen im Kommentar meiner Ausgabe genauer
als hei Preifer). Wir finden ferner in der ganzen Schrift denselben
Rhythmus der Sprache mit dem durchbrechenden Reim, dieselbe poeti-
sche Anschaulichkeit und tief innige Empfindung (vgl. namentlich den
Eingang des dritten Kapitels 548,4 ff.), wie in sicher echten Schriften
Seines, und das alles in ganz einheitlicher Form, ohne die Unter-
schiede, die bei einer blossen Nachahmung wohl zutage treten würden.
Fügt man endlich hinzu ^ dass, wie S,.537, 543, 554 angegeben ist, ^^i
das Einleitungs" und Schlussgebet des ersten und das abschliessende ^V«
Gehet des dritten Kapitels sich wörtlich mit den Lektionen des von «^-«n
Seuse verfassten ßursu^^ (s. oben S. 107*) decken — ob die lateifüsche ^m^e
oder deutsche Form früher ist, lässt sich kaum entscheiden — und S:^ ^d
dass gleich zu Anfang (538,3 ff\) allem nach auf Seuses Vermählung ^^j^tg
mit der ewigen Weisheit und das Eingraben des Namens Jesu in die ^"«i>
Brust (Vita Kap. 3 und 4) hingewiesen wird, so scheint die Beweis — "^7^
kette geschlossen zu sein. Und doch stehen der Annahme d-er Echtheit^'^-^t
schwere Bedenken von Seiten des Stils und Wortschatzes entgegen rL, Mrm:
die Ausdrucksueise ist nicht so prägnant und packend, wie etwa inm^^'^tn
Bdew, sondern hat etwas Schwerfälliges und Langatmiges (vgl. z, B, '^^^,
die vielen koordinierten Sätze mit do), es kommen ungewohnte Konstruk'-^^ 'A-
tionen vor (z. B. 541,5, 542,7) und finden sich manche Wärter, d»"*^w
- si
^) Äoch einific weitere Gründe stehen entgegen: die Gebete hesiehen sic^'^^^
nicht hlos.s auf das Leiden Chrittti, sondern sind cum Teil giemlieh a%«i«fr«"»^*
fl ehalten : sie hahcn fast alle die Anrede ,Herr Jesu Christ e*, während vorhtm, 'J^^er
das Merr* fehlt : endlich würde dn^ dritte Kapitel hei Annahme der Eckthei "^ ^'^
unrerhahnismüssig langer als die beiden andern.
^ Tn den Vitac fratrtim des Gerard von Fracheto, ed, Beiehert 217 f> ^'^'^
erzählt t dass in jeder Z*lle eines Dominihantrhlosters ein Bild des Ge
kreuzigten an die Wand gemalt war: utpot^* liher vitAe expensQH et liber d^^
jirte iiinori» I){'i.
SciiBiMi Leiden und IfeimHuchiin^eii. Sebii
Seu8e sonnt nicht yebraucht'). Schwerlich knitn man diese Verschiedfn-
heitrn dadurch erklären, dass man die Schrift für ein Jugendaerk
Staats ausgibt. Eher noch wird die Annahme eimta für sich haben,
Hags e" eich um eine lateinisckf, von Sewe selbi<t verfasste VorInge
handelt — so erklären sich auch die lateinischen Anfangsworle der
tinzelneti Abschnitte am besten. — die von einem geintesEerwandten
Schiller (oder tiii-llcicht von Ehheth Stngel?) unter Benützung seiner
Schriften deutsch bearbnitrt wurde''}.
lY. Seases Leiden und IIeiiu»uchuagen. Suiiie seelsorgerliche
Tätigkeit.
Der Zeitjiunkt, wo Seiwe von seinem Lehramt, das ihn im
Jiloster zurückhielt, entbunden wurde und das Nor. zum AbstJilus^
brachte (1334), wird wohl so eiemlich mit demjenigen zusammenfallen,
#**o er sich innerlich angetrieben fühlte, das Leben der ÄbgescklosBen-
Ateit aufzugeben und sich ansschliesslich der Sorge um das Seelenheil
firn ^ächiten ZU widmen (63,9 J'.). Kr erreichte nun sein 40. Lebens-
. ^abr, das \ne bei anderen Mystikern 80 aiteh bei ihm einen Wemie-
^yunkt bildet '): er lägst von den strengen Abtötungen ab, um in die hohe
SSchule der collkommenen Gelassenheit einzutreten, die vor allem darin
Aeeteht, fremde Widerwärtigkeit*), Verschmähung und Verfolgung
■) Z. It. &3ä,lJ verwürtzt; SSä,13 güalich aie Adjektiv; 539,17. 549,lä.
^63,19 ambhalltcn; 541,0 herteog; Ö41,ll. 14 pfeller, -lieh; S43,13. B45,S6.
■aiU,I8 wwsc (vgl daijfgm :i73.e. 330,16): 645.S eotacliSpfen; ö45,15 kleoken,
- «gBÜicli; M£,<? erbimn>>n; 546.15 wflET, 5öO,2U irrten; 647,11 berliclii; 547,S!>
Kimelachhut. Als aachtiehe Dictrgmt v'on allerdingg nicht gronsrr Bedeutunfi
«rtr« «M notitren, dost nach Minneb. 545,^6/, Maria unt«r dem Krruer hrinahr,
wuieh Bdt« 263^1/., ■41Q^2g. vairkUth ohnmächtig icurdt. Die Meinung wor
■m» Seuee* Z»it über diuen Punkt bd den T/ieohgen guttitt.
*) ßamach itt die S, 537 grmnchCe Betnrrimng ;u priitisitrim. Delii/lr
kernet XII halt die Echtheit für tvriftlhaft (vgl. ders., Da, gei^tl J.thin '1S80,
XX: jtnäffiiehfrtBtist tion SeuKc' : *}895, X: ,kaiim von Sruse erlbat verfa»il'i.
^ einem der Zorieher Ha. heiliegtndm Briefe vom 9. Juli 1879 A«6l er älmlichr
Grinde »w die oben genannten hervor und vnaulel, diu Minnebüchltin »r.i
«Am Umarbeitung rintt latcininchen Schrißcheng, mm mnem Schüler Seunt» und
Al »einem Geiete geeehrieben.
•) So bei Sfeehthild von Magdeburg, Sugabrotk und andcrrji. W. Wacker-
magtl loeiet in Zfda VI, 2BS die Mtinung suräck, (da kUnntr der bekannte
Stitert ecn Schu-abrn aller auf Seuets Lebensänderung turüehgehtn. Eine Spur
davvn findtl itieh erst in Hebele Facetten und Kirchhofn WendunmtU. Vgl.
tMCh J. Hartmann, Schwabrmi.itgfl mu, 30.
') Mit Unrecht nimmt Fregtr, Vorarbeiten lä4ff. an, erst nach dem
40. I.ebniejahre eeim dweerr Leiden über Seuee gekommen. 8n ea-ttu^iv kfinnm
Einleitung. H. Seiwes Lebe» uuil Werke.
mit Geduld, ja mit Freudigkeit aufzunehmen (Kap. 19, vyl. oben
S. 90/.*). Erst wenn er dies gelernt, kann er tlftt geistlichen Ritter-
schlag empfangen (55,16 ff.). Dreierlei Leiden besonders werden Sewse
vwausoerkündigt: Untergang seiner uelilic/ien Ehre, Untreue und Lieb-
losigkeit seitens der Freunde, innere Trostlosigkeit und Verlassenheit.
Und sie kommen auch wirklich über den armen Mann in einer Menge
und in allen Formen, so dass sie ihm etwas Alltägliches in eeittevi
Leben werden und er ihr Ausbleiben als etu>us UngewöhrUicfits
empfindet (82,22 ff.). Mit ergreifenden Zügen erzählt er in der
Vita eine Reihe seiner schmerzhaften Erfahrungen: er wird <its
Diebstahls der wächsernen Exeotobilder in einer Kapelle und de»
Betrug» mit einem blutenden Kruzifix beschuldigt (Kap. -^3), muss
seine eigene Schwester, die in Sünde fiel, unter Schmers und Schande
ins Kloster zurückbringen (Kap. 21), kontmt zur Pestzeit als angeb-
licher Brunnenvergifter in Todesgefahr (Kap. 25), hat ein gefähr-
liches Abenteuer mit einem Raubmörder im tiefen Waide zu bestehen
(Kap. 26), wäre bei einer Pastorations fahrt einmal beinahe im Rhein
ertrunken (Kap. 27), wird wiederholt auf den Tod krank (Kap. 23
und 30); adelige Herren wollen ihn töten, weil er ihre Töchter und
Geliebten zum geistlichen Leben verführt (Kap. 28), desgleichen dir
ungeratene Sohn eines Chorhernt, weil er sich durch ihn finiimidi t^
nachteiligt glaubt (Kap. 43); er muss von seinen Klostergenossen Schtnüh-
ung und Beschimpfung leiden (Kap. 29; 145,23 ff.), von anderen üble
Nachrede erfahren wegen seines Verkehrs mit den Sündern (Kap. Si)-
Das Schlimmste aber geschah ihm eon einem feuflischeti Weibe, das ti«
der Unzucht beschuldigte (Kap. 38) und dadurch weithin in Verruf
brachte. Durch diese Flut von Leiden hindurch ward Seuse eia
,gelassener' , ,durchgeübter' Mann; Friede und Freude in allen Dingtii
war zuletzt der Gewinn, den er ans ollen Heitnsuchungen zog (130,16ff.)-
l)ie meisten der erzählten Leiden hängen mit der intensiven ettl-
sorgerdehen Tätigkeit zusammen, die Seuse in Jenen Jahren zu entfatttn
begann (vgl, 114,19 ff.). Gleivhsnm nur zufällig wird uns von seinen
Pristoraiionsfahrten erzäMt (vgl. 87,31 f., 117,17. 120,18 f., 153.14),
auf denen er von Konstanz aus in die Schweiz (109,31 f., 138,26 f.),
in das Elsass (75,16. 81,6), den Rhein hinab bis nach Aachen
(153,10f.) und in die NiederUinde (78,22) kam. Wir werden dt»
eifrigen Mann einen gros^ten Teil des Jahres auf der Wanderschaß
ahtr erine Worte nicht gemtint sfin; vgl. 33,11/., 54.3€. 6a,l7ff., 14S,13i Bor.
Ii2g. Nur im Unternctiüd von den gellmtgeu'.lhlteii Leiden, die JeUl au/hore»,
uind die fremden Heivuiuehungai tu betont.
iden Hiid HeimauoliunKeii. Seine welsorgerliche Tätigkeit. 113*
denken hohen, wobei er, wie es der Beruf seinen Ordens mit sich
ichte, dem Voike in SUtdt und Land predigte (vgl. 112,24. 14!),?).
ich war er nicht eigentlich ein Prediger und Seelaorger für die
lasen, wie ein Berthold von Ihgensburg, seine Domäne war die
nzelpantoration. für die er ein wahren Charisma gehabt zu haben
\eint. Er verkehrte dabei in hohen und niederen Krdeen (117,U.
i,iff.), mit Kloslerleuten uiul Laien, ivetxs ebenso die Tirfgesunkenen
I lockenden Hei-zenatönen zu gewinnen (Kap, '-Hi; lVi,2ff„ IW^ff.,
1,30 ff.) wie auserwähUe Seelen zur Beschaulichkeit anzuleiten.
n Harten, mildes il'esen tnusste benondtrs für die Frauen etwas
ziehendes haben, und an sie hat er sich nie Heinrich von Nörd-
•/en porzugsweise und mit grimtem Erfolge gewendet. Seiner fic-
icleren Anlage kamen aber auch die Verhältnisse seines Ordens
gegen, dessen Aufgabe es unter anderem war, die seiner Olihut
lerstellten Frauenklöeter, welche gerade in Oberdeutschland besonders
tlreich waren^), seelsorgerlich sn leiten. Nachdem sich der Orden
•en die Übernahtne der schweren Bürde, welche nicht selten die
ten Kräfte absorbierte und die Pflege der Wissenschaft beein-
4!htiffle, lange gesträubt hatte, wurde ihm die ,vurii monialium'
rch Papst Klemens IV 1267 definitiv übertragen*). Die Prediger
hmen sich nunmehr mit allem Ernste der Angelegenheit an, und
ar waren es in der Regel rf/V gelehrten Brüder, Magistri und
ktoren der Theologie, Kelche mit der geistlichen Leitung der eiel-
:h hochgebildeten^), zum guten Teil aus adt-Hgen Häusern stammen-
t Nonnen betraut >curden% Es ist durch Denifles^) Unter-
') In der JFVopt'fw Ttutuuia warm es iit B*ginn des 14. Jh. 70 Dumini-
terinnen- und 46 — 48 Ifoniiaikanfrkiösler (Archiv II, 6431. Die ohnefUn
\on höh» NormaUahl (.W der Nonnen in den eintelnen Klöetem v^rdr oft
tree/iritUn: en wartn es in Ölenhaeh 1ä86 ISn (Preiftr II, 26til, in Töte
\4 und 13&H ca. IHO Schwcatera I Hrg. Ep. Cnntt. II n. 177, n. 5439).
•) Vgl. Mortier a. a. 0. I, Ulff., ÖH4g.; henifU im Archiv II,
Ijf.: L.Baur im I-rrib. Ititk.-Arehiv 1901, tilff. 46.
') Btiepitlf bitttn dit VU*n in Mtngt. VitU Nonnen konnten lateinisch
d vfrfa/iaten asktlinehe Sehrifttn. Vgl. Prer/er II, S/H.
') Vgl. in der Inetruktia« des l'rvviatials Htrmann ein Mindm (1286
90J betüglich der cura mnnialium die Vorschrift: providele, ue refectione
«ant (»oroKB) verbi Pei, «pd sicut eTiiditioni ipBarum conveiiit, per Tratrea
otoa aaepius praedicetur i Archiv II, libii). Dir. Dominikaner veneeiUm aber
der U«gtt nicht ständig am Sitze der Nonnenkiösivr. »ondern bef:uehtfn die-
bm nur von Ztit eu Zfil : ffir den tiiglichen Gottcsdiensl war ge^nöhnlich
. WeUgtiatlichtr als Kaplan angestrltt.
') Archi« II, 641ff.
H. 8«ute, OenUrlio Sthrfflo". B'
114* Einleitung. It. Seuses Leben und Werke.
snchungen klargestellt, dass dieser Umstand sehr viel zum Aufkommen
der mystischen Predigtweise in Deutschland 'beitrug. In Predigten
xoid Kollationen (vgl. Anm. zu 47,21) machten die Dominikaner die
No7inen in deutscher Sprache mit der scholastischen und mystischen
Spekulation bekannt und bemühten sich mit vielem Erfolge, dieselben
nicht nur zu genauer Befolgung der Ordensregel anzuhalten^ sondern
auch ihrer Frömmigkeit ein gediegenes Fundament zu geben. Die
Problefne der Mystik wurde die erlesene und begierig aufgenommene
Kost der G oitesfreundinnen in den Klöstern und Beginenhäusem.
]Vie andere Predigerkonvente hatte auch derjenige zu Konstanz
eine Anzahl Nonnenklöster dss gleichen Ordern zu leiten ^). In seinen
ftermini^ (vgl. Anm. zu 119,10) lagen im 14, Jh, die Dominikanerinnen-
klöster zu Katharinental bei Diessenhofen, zu Meersburg, Buchhorn
und in der Nähe davon Löwental, Münsterlingen, Habstal, Engen,
Siessen bei Saulgau, und drei Klöster zu Konstanz selbst, genannt
Wily St. Peter an der Brücke und Zoßngen% In mehr als einem
dieser Klöster wird auch Seuse zeitweilig gewirkt haben. Näheres
über das innere Leben erfahren wir aber nur t>on Katharinental, ^\i
wo im 13. und 14. Jh. eine Pflanzschnle der Mystik war; hier
scheinen in der Tat die Spuren seimr Tätigkeit in den Lebensbildern
einzelner mystischer Nonnen noch erkennbar zu sein^. Auch zu -^^^i^
weiter entlegenen Klöstern hatte Seuse Beziehungen, vor allem zu ^^^ssu
Töss*) bei Winterthur, wo seine bedeutendste Schülerin Elsbeth Stagel^^^'^el
^) Bischof Gerhard von Konstanz verkündete 1318 seiner OeietUehkeit. ^Im-^ntf
da^s alle Schwestern des Augiisiinerordens der Seelsorge der Predigerbrüde^r^^ier
unterstehen (Keg. Ep. Const, II, 471 n, 78).
*) Vgl. Quetif und Echard I, X; König im Freib. IHöM.-Ärcki9'» i^tiv
XIII, 209 (nach der Statistik des J. Meyer); L, Baur ebd. 1901, 32, 4ifcA-Ä=-i«^,
•H 56, 70, 81 j\
^) Dies auch die Annahme Bächtolds, Lit.-Gesch. der Schweix 189Sl,'^^92,
üiy, und schon Murers 349, Es ist aber zu beachten, dass wohl die ««»(«r-a^-* <«•
d^- in den Mten von Katharinental (ed. Birlinger in Alemannia löW^'Sr^^T,
150-84; Aus:;üge hei Mar er 349 ff.) vorkommenden Nonnen vor Seuse lebim^r*^^^^
An Seuse erinnern Klsheth Ileimhurg und Elsheth von Stoffeln, Adelheid Ffeffer^^'^^^-
hart (aus Konstanz) und Anna von Ramsicag (verkehrt mit Eckhari^ um 1324?) <..^*5^v
in bezug auf die Andachten, Kastei ungcn, Visionen und die sinnige Katui ^
bctrachtung der Schwestern zeigt sich manche Ähnlichkeit mit Seu»e, Kot
AdvUieid ist gesagt {15:J): unser« herren fründ hctten haiinliclii und minn zft im. "^^^
') Vgl. die Anm. zu 90,7 und die dort zitierte Literatur, femer Greit^ ^
29öfK, 3(J3ff.; Vetter. Mystikerpuar 12ff., ri3ff,: K. Schiller, Das mystiteh^^^
Leben der Ordensschwestern zu Töss. Berner Diss. 1903 (nur als MaieriaUem- "
Sammlung brauchbar). In dtn 'lösstr }iten finden sich riefe Analogien
i'iin^'^ämBn^^g^ "Time seelw
(e.S. 124* ff. Hebte, vermutlich mich zu Öteiibach^) bei Zürich, A ä f l -
hausen^ hei Freiburg und Unterlindeii*) zu Kolm-ir, — liiuUr
Statten des bescliauUchen Lebms, Wie eiele Verdienste Seuse um die
dort zu findende Blüte der NoHiienmystik hat, können trir nicht aus-
machen, Bßa4:htensaerl ist, dass die von seiner geistlichen Freundin
Elabeth Ber/asste Vitemnmmlung Don 2'(1sh eine Heike ähnlicher literari-
scher Produkte veranlasst oder wenigstens beeinßusst kat, die »wen"
das Vorbild an Tiefi der Aujfasautig nicht erreichen, aber doch
in ihrer Gesnmthert einen reizvollen Hinblick in die reUgiüsen Ideale
und Slimnmni/en jenen Kreites frommer Frauen gewähren. Adolf
Harnnck*) hat mit Bezug darauf das Wort gesprochen: „M'elcher
Historiker mit hellen Sinnen wird an diesen Früchten der Mystik
teilnahmslos oder ochelzuckeml vorbeigehen können, welcher Christ
teini nicht mit herzlicher Freude aus dem Quell lebetidiyer Anschau-
ungen, der hier gesfirudelt ist, schöpfen, wer wird nickt zuversichtlich
als Geschichtsforscher lezeagen, dass eine evangelische Reformation
um 1200 (1300? ) ebenso unmöglich gewes&n wäre, wie sie um 1500
vorbereitet war''^yc
Von Seuses Methode der Pastoration wie überhaupt von seinetn
Verkehr mit den G ottesfreundinnen können wir uns auf Grund der
Erzählungen in der Vita, seiner Briefe und Predigten ein deutliches
Bild machen. U'eil über dir schwähischen Lande hin und in den
Stiuex £e6«n (vgl. die Zugammtimtellung bei HchUlerl. lioch ist auch hia-
aneHnthmftt, data vitk der Schvtstam »ehon gestorben teareit, alf Stusi nach
THaH kani; jtdtnfaüs kann man nicht lagen fiiQ Gretth in Eath. Sc/Meiierbl.
1860, T-1) dasK er die mystiseht Sehule daselbM ,ge»chaffar hnb*. Chrimologtseh
ganz unmüglieh iil, va» Greilha.a. O, 143 mtint, äagn Seuat to Jahre Jemg
Stiehtvatrr der Piinseann Etgbrth von Ungarn (f 133GI tu TBse aar.
■) Vgl, Hfurtr SI6. Nach der Tradüim kam Seast (iftern ih das
l'rtdigerilosler nach Zürich, iiUo wohl auch nach (ilenbarh ; EUhtlh ron Eyke
iOfi) erinnerl gatit an ihn (vgl. l'regrr 11, ä64l.
*) So die Annahmt Kürehers 19S.
*) Vgl. Ingold, Notier »ur l'fgligr et le eanvcnt des dominicain/' de
Calmar !8äi, 33.
•) Dogmtngetchichlt III' (ifiüTI 394.
") Charaktn'ittik und Elasnifieierung der myttinchtn VitenlittraUir von
Diniflc in LH. Rundnehau 1879, i3Hf. und Afdn V, 360.- vgl. auch
M. Kieger, Vit OoUee/rtunde ItiTB, 337 ff . Über das Allgemeine handln gut
Michael, Geschichte des disch. Volkes III, Uli ff.: Prtger II, ä53ff. und
aammilieh die öftei-« eilicrU Schrift von Ereht über Adflhauien, dit a-di
dit Fiten von Tue«, Katharinental, Uuterlindfii und Kirrhberg nim Vtnjkich
d ht den richtige» IHeriirhieiwiachm Zmuvnnenhaitg sirllt.
116* Einleitimg. 11. Scuses Leben und Werke.
anstossenden Gebenden besass er eim grosse Zahl begeisterter Junge-
rinnen, „geistlicher Töchter^ oder „Kinder^, teils in der Welt, meist
aber in den Klöstern und Klausen (vgl, 116,23 ff,, 140,17 ff.). Manche
adelige Tochter hat er durch Wort und Beispiel für dem geistliche
Leben gewonnen und bewogen, die väterliche Burg mit der Kloster-
zeUe zu vertauschen (83,12 ff.). Stets fasst er die Beziehung der
Seele zu Gott unter dein Gesichtspunkt eitles geistlichen Liebesverhält'
nisses — charakteristisch für das Zeitalter des Minnescmgs, —
von der falschen, trügerischen Minne der Wdt, die mit Lieb (Freude)
anfängt aber mit Leid endet (455,21), will er hinführen zur treuen
Liebe Gottes, die hienieden anfängt und immer und immer währet,
zu Christus dem himmlischen Bräutigam (137,11 ff.). Dünkte ihn ja,
dass sein Lieby das er zu minnen gab, besser sei als alle Lieb dieser
Welt (139, 23 f.). Eine toundersame Macht muss die Persönlichkeit dieses
Mannes ausgeübt haben. Wir erkennen dies aus der unbegrenzten, fast
schwärmerischen Anhänglichkeit, mit der seim geistlichen Töchter an ihm
hingen: sie scheuen ihn in ihren Gesichten, empfangen Offenbarungen
über seine Schicksale und Leiden, empfinden selbst seine Schmerzen
mit, werden durch himmlischen Befehl an ihn gewiesen (44,14 ff,,
51,17 ff., 117,9 ff.). Seine Auffassung von dem seelsorgerlichen
Beruf war auch die idealste: er dünkt sich eineti Kärrner Gottes,
der aufgeschürzt durch die Lachen fährt, um die Menschen aus der
tiefen Lache ihres silndlichen Lebefis wieder an die Schöne zu bringen
(3&5y24ff'., 407,32 ff.). In ihm vereinigte sich vieles, was anziehen
7nusste: reiche Lebens- und Herzenserfahrmig, die in die Tiefen von
Leid und Freude geschaut hat, Reichtum an Liebe und innerer Teil-
nahme — sein mildes Herz war sprichwörtlich (vgl, 117,1), — Klug-
heil und Milde in den Anforderungen gegen andere bei grösster Strenge
gegen sich .selbst, unverdrossener Eifer, der nicht ablässt, auch wenn
es auf den ersten A)üauf nicht gelingt.
Man hat öfters fälschlich angenommen^), dass Seuse unter den
Gotfesfreundcn einen besonderen Bund, die „Bruderschaft der
ewigen Weisheif^ gestiftet habe, und berief sich zum Beweise
dafür auf die Regeln der genannten Bruderschaft, welche sich teils
im Anschluüs an das Exemplar in den beiden ältesten Drucken^)
(etwas gekürzt) und in manchen IIss,^ teils separat in verschiedenen
') So z. B. K (Ircher J216f.: Schmidt 867 f.
') 146:if. lOrjr^llor; t512f. 146*'— ,61 r; Diej).' 490—604,
6«nuei Briefe und Predigtea.
117"
Uss. ßndtn^). Allein jene Annahme hhtt/ zutinmnien mit der früheren
iiftümlichett Anschauung, ah oh die 0 otte-tfreunde einen Geheimbiind
mit separatistischer Tendern gebildet hätten'*). Sie hat auch an dem
Texte der ,Brudersch(ift' keinen Anhnltsjiutikt. Die deutsclie Fassung
derselben ist, wie eine. Reihe von Hss. und die Drucke angeben *),
nur eine freie Übertragung eines Kapitels des Hör. (II, 7 ; vgl. oben
S, 107* ), die tcohl erst im 15. Jh. gefertigt wurde und nl/fin nach
nicht von Seuse stammt. In diese .Ausgabe ist sie daher nicht auf-
genommen.
^^^p V. Seases Briefe nnd Predi^^ten.
Seuses Brieficechsel ist ganz in den Dienst der Seelsorgr gestellt:
wan er durch mündliche Unterweisung bei seinen geistlichen Töchtern
begonnen, setzte er brieflich fort; nur selten sind persöfüiche Ver-
hältnisse darin berührt, rein ipelUiche Dinge gar nie. Mir haben es
Elsbeth Stagel zu verdanken, dass uns eine Anzahl eon Seuses Briefen
erhalten sind, und zwar nicht nur die in die Vita verarbeiteten, die
sich nicht alle mehr mit tiicherheit ausscheiden lassen, »otidem auch
eine ausführlichere Sammlung von ungefähr ^ Nummern (das
Ursprüngliche Briefbuch d^r Stagel), und ein von Seuse selbst
tpäier veramtalteter u}ui als viertes Buch dem Exemplar ein-
verleibter Auszug von 11 Briefen. Übet- das Verhältnis des Gr uttd
ICl Bfb zu einander ist schon oben S. 37* ff. das Nötige gesagt worden.
Jjie 11 Briefe, welche Seuse selbst redigiert hat, erscheinen in dieser
^-lusgnie zum erstenmal in ihrer ursprünglichen Gestalt publiziert '); im
•Exemplar sind dieselben stark gekürzt, mit Stücken aus anderen Briefen
kombiniert nnd so geordiut, dass darin in gedrängter Form eine
^vollständige ,Lehre' (3(iO,ä) von der Bekehrung bis zur höchsten
') Z. S. in He. K, B, S', W,/, h (h. oben S. ff"/., ä', 23'), ferner in den Hm.
-S-i« Th-tudea S£ 277 St. 83—89: Heidelberg, Cod. Pal. germ. 57(1 Bl. 104— tO;
-»Carlaruhe. Cod. Ltchtent. 99; Maihingen II t 1. S'»/.- München Cgm 405,
-iSO», 831; Nümbtrg Cent. V app. 81 Bl. 3~2ä; Cent. VI, 44 Bl. 196— S03;
^^ent. FI, Sß Bl. 131—44. S/Imtliehe Bts. gthöreu dem 15. Jh. an.
») Vgl. die Anm. tu 34,10.- Denifle fl37 f. und oben .S. 99*.
') Ih dem Druck con I48ä utelit f. S03': Piia hLTnurli fjescbriben slal
^uB UL ze t«ütH<:he braacht von der weiizheit bSclie in Intriu.
') In Pregtrt Auegabt (3607) rind dieselben in der Ketension rfrc
-Jil B/b gefclim, vgl. oben ä. ää", 30*.
118* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
Stufe des mysthchen Lehens (jehofen wird^). An Elsbeth sind sicher
drei Briefe: }^igra sum (Nr, XII bezw, III), Annuntiats (XXbezw.
VIII) und Pone mv (XXVI hezu\ XI) gerichtet^), letzterer jedoch
nicht an sie allein, sondern als eine Art Zirkular schreiben zugleich
an andere Nonnen in Töss (rgt. auch die Anm. zu 479,13). Über
die Adresse der anderen Briefe Uisst sich nichts Genaueres sagen:
sie sind wohl sämtlich an Nonnen gerichtet und setzen zum Teil sehr
verschiedene Charaktere und Verhältnisse voraus; Nr. I, III^ VI,
Vllly IX j XI, XXI, XXIV, XXV sind für mehrere bestimmt,
Nr. XVII und XVIII für dieselbe Enipfangerin (vgl. S. 40* Anm. 2).
Die Echtheitsfrage braucht bei der weitaus grössten Zahl auch jener
Briefe des Gr Bfb, von denen nicht Stücke in das Kl Bfb auf
genommen worden sind (Nr. l, VII, IX, XV, XVI, XXV), schwerlich
besonders erörtert zu werden, denn sie tragen nach Ausdruck und
Inhalt das Gepräge der Susonischen Autorschaft an der Stime,
Zweifel dagegen kann man hegen bei Nr, XXIII Exivi, Nr. XX VII
Cum essem parvulus und namentlich bei Nr. XXVIII^ dem hier
erstmals edierten Testament der Minne (Minneregel). Brief XXIII
ist eigentlich eine Predigt ^) und weicht in seiner aphoristischen Form
und seinem stark mystischen Inhalt von d^n übrigen Briefen ab; doch -a
ist es wohl möglich, dass Seuse einmal eine seiner Predigteti im Ausztig "^
als Brief versandte. Zudem ist das Stück in sechs Hss. in enger —
Verbindung mit echten Briefen überliefert. Wir sind also woh
berechtigt, die Echtheit anzunehmen. Dasselbe gilt für Nr. XXVII,
worin detaillierte Vorschriften für das Verhalten einer jungen Nonne-
in einrr zu Seuses Art wohl passenden Form gegeben tverden
Schwieriger ist die Frage zu entscheiden bei dem Testament de
Minne. Gewiss ist es ein sehr interessantes Stück, von eifier Gefühl
') Brief J— T behandeln die Anfangsgrunde des tjeistlichen Lebens: Ä
hehr von der Welt, Fcstiyheit gegen die Versuchungen, Geduld im Leiden^
Hr. VI dii Vorhtreitung auf das ISUrhtn, VII gibt Vorschrifitfi für eiti
Vorsteherin, VIII — X enthalten Verhaltungsmu^sregcln bei mystischen E\
fuhrungen, XJ eiujfjirhii Vtrehrung des Namens Jesu und eifriges Gebet a
,Krnne aJhr Chung^. Vgl. auch oben S. 39''— 4'^.
'-) Vetter, Mgatikerpaar 02 findet mit Unrecht einen Widersprttel^
: irischen oyn.fi und 194,14 Jl'.. denn das jungst an erst »rem Ort ist nicht zeitlich
sondern InkaJ gemeint, in Hinsicht auf den an letzter Stelle im Bfb stehendetm
Brief Pone me.
1 \'gl. nawentlieh die charakteristischen Eingangs- und (fbergang,
fiirmeln (4i,yi. In. 471,1,7} und den nur in (' übtrlieferten Schlues (476,1
bis 19).
Senseii Briefe und Predigten.
119*
leärme und ehier dichlerhch gehobenen Daratdlutig, wie sie in der
nysfischen Korrespotidem kaum ikresylelchen findet, und zrigl sehr
viele Anklänge an Seuee, allein die Bedenken gegen die Echtheit von
des Gesnmtchnrakters, des Sfües und Wortnc/iatzes sind so
dass wir es bei einem non Uquet bewenden lassen müsstn ').
ni(At von Sense selbst, so ist der Brief jedenfalls von einem
i nahestehenden Mystiker verfasst.
Ihrem literarischen Charakter nach mnd die Briefe Seuifes,
') Leider tourdt vernäuml, S. 486 eine dieehetäglieha Btmtrkung tu
inachtn. Ucug drr Brief »thr etark nn Siutr trinnert, litgt auf der Hand ;
"• rfen Anmerkungen ist dit itarhe, teilweise vörtlie/ie Btniitiung ron Brief
filX, XII, XI y und XXVI dea Gr BJl und sonstige Anlehnung an
S*»»r* Schriflai nachgtwireen. Dit Entlehnungen sind nicht blase äusBer-
^* ^atgtkltbt, mmdtm organiech mit drm Gancen verhundtn. Et ist »ehwer
»j«'»/eA«n, wie ein »o hochbegabter, diehterineh veranlagter Mystiktr, als
'**'<;A#n tith Jtr Schreiber des Briefes ausv!fiitt, der in huhem Altrr, unmittelbar
meinem Tode stehend, tum letitenmal Bcinrn geisllichen TBchlrm »ehreilit
"'*<' ihnen die Summe seiner Lehren iieht, da£ukam, die Briefe eines anderti
' stork tu plündern! Man ixt an mitttlaltrrlichen Plagiaten manchem gewöhnt,
">"• hier stehen vir vor einem psychologischen Bätsei. und doch vei'hieten
'•"er» Bedenken, dir Echtheit ohne wttleree aiieunehme» (Professor Dr.
^^rauch-Haile hat mieh durch gütige bri^liche Meinungsäusserung in de«
"*rfgnAtn bestdrkti. Der gante Ton des Briefes ist äbersehwänglicher, sHea-
'^Aer, als man es bei Stute gewohnt ist, und nähert sich der Art Heinrichs
• Slfrdlingen ! mitunter wird der Stil tänddnd, spielerisch und durch
*■* Obermaes des Gefühlt unklar. Der WtirUchate eeigt eint Keikr von
^•*«b-aci«i, die wir tonst bei Stuee nicht ßndm, z. B. 4811,19 minoendiep ;
*^B,lsf. tt^esatW »iäe (klingt mehr Taaleriteh 1) i 489,3 gefiillicli ; 492,6 quil;
*^fi nünneDfingerliu ,- wohl tpättrer Sjirachgebrauch sind: 467,18 lumpen und
'*Ppeii, *wy,2 gromnlle, 4li3,l3 wetteiof .- das uardle Bild von der griebe (4Sl,3<Jl
"**fct Seusee Feinheit nicht gtil an (doch vgl. Hermann von Fritslar 53,39 und
^feifftrt Anm. S. 421), die Ausdrücke 492,1! f. sind lu stark und tu wn-
""»• für ihn. Bedenklicher ist nvch der viermalige Gebrauch (/<r Phrase (der
'il »irdige) ran gotte«! tmd der juucktröwen (48(l,r. 489,3. 34. 433,5), diu nicht
*"*wii*ieA ist (Öfter das Vorkommen des Ausdrucks ,der megdr kint' und ähn-
'■«Atf-pj,!. W. Grimm, Goldene Schmiede XLVIIIf.; Joites, DieWaldeneer
'«'' diu porlutherische Bibelabeiseteung 18S6, 37; ders.. Die Tepler Bibeliiber-
•"•"•hj) 18&6, 21 ff.}. Auch v>at 487,18 ff. Ober den Empfang der Kommunion
S'"ifft ist, findet »ich sonst nicht bei Sense., dagegen ähnU'ch leohl bei Tauler,
'^'' Denifle Bvga XXXlVff. Man kilnnte darauf hinweisen, da»« die
""^Ugen Briefe Siuses aus Jlitigeren Jahrm stammen und daher markiger und
^fTnigtr sind, dieser letxte dagegen die Abnahme der geistigen Krqft in Stil
I ""^ Inhalt sum Auedrnck bringt. Aber schKerlivh sind damit dit Unterschiede
^Lf^tfmd trldärf.
1
L
120* EMeitong. IL Seoaes Leben and Werke. I
wie iinnmülich S trnuch ') und Stei n li n usen '') Iieieonjehubrn I
haben, nicht Briefe im modernni Sinne des Wortes, sondern ijeisl- 1
liehe Sendschreiben, religiöse Aneprachtn in Brie/fvrtn. Ah äUf^U I
»ns erhaltene eigentliche Brief snmmlung in deutscher Spracht hat
die Korrespondenz Heinrichs von Nördlitu/en mit Margareta Ebner- '
zu gelten. Von diesen Briefen heben sich Seuse» Schreiben ab durc^~~
verhältnismässige Armut an persönliciien Beziehungen und durch «»— ^
wmt geringeres Mass an kulturhistorischem Einschlag, stehen ahe-= — r
hock über ihnen und nehmen ihrer Emj/findsantkeit und Übei ^
schwänglichkeit gegenüber ein durch Tiefe und Echtheit der Empfind unr^^ j\,
durch anmutige, hochpoetische Sprache, die „oft von trunderbare^^ -tr
Schönheit"") ist (vgl. z. B. Brief XII. XIV und XV des Gr Bfbm^).
Ihr hoher Wert ist tätigst anerkannt utui gebührend gepries».-^^
worden'). Preger'') Bagt mit Recht: es sind Pastor albriefe, ic^^ -rit
sie besser das Mittelalter nicht hervorgebracht hat, voll seelsorgerlich^^rr
Weisheit, die uns Bewvnderung abnötigt. In hohem (irade Iti^i. ~^li
Seuse darin die Gabe der Unterscheidung der Geister, die jedem ^^säm
zu raten weiss, was nach seiner Individualität und Lage das H^m^l-
samste ist: er warnt vor Halbheit und straft die Lässigen, ermunf^^^rt
die Zagen, tröstet die Leidenden und Sterbenden, hält die Ungeduldigem
zurück, jubiliert über die Bekehrten, gibt weisen Rat für den CjV
brauch der mgstischm Gaben. Einige Male macht er auch gc^^ni
konkrete und ins einzelne gehende Vorschriften für das VerhaFMe»
seiner geistlichen Töchter (Brief II zweiter Teil und XXVIl im
Gr Bfb). Es sind intime Schilderungen des Seelenlebens von Aoäk»'
psgehologischem Reiz, und seine Worte haben hier ein^ noch gröK^ert
Eindringlichkeit als in seinen anderen Schriften.
Von Sensen P redigttätigkeil^) sind nur .-^purlirbc Rfn^
erhalten. Ohne Zweifel hat er auch idi^ Volksreihier feine h»H^*'
') Marg. Ebner LXIlf.
■) Guehic/ite des deuUchen Briefe» 1 (18091 14}.
>) Steinhauaen a. a. O. 14.
') Vgl. namtnilifh l'rr<ier, Brieft 20ff.; Mystik II, 36üff.; Otnif^'
XXVIJ.: Steberg G4f.; fl/ihrrng.,- 4S6~:S1 : Thi-iots frant. Ü^«^
sdiung (s. a.l 1, LXVIf.
') B/iefc m
") Vgl. über Snue aU PreOiger bfiondera Btihringtr 431—3$: Crite ^'
Gtech. der dUrh. Prrdigt im Miltdattrr 187ä, 3S7ff.; Liiisinmat/tr, Gt*^^
der rrvAigt in lUuUchland unu: 1866, 433-äe. St/ir mansrihaft lüwtoriir^
nrientitrt int l: II. Albert, Gfsch. der Predigt in littUscMaud lU {HtlHiJ iVif-
Gaben nUlU eerteii(/net und war beim Volke beliebt und hochauf/a-ehen ');
aÜPin keine tinziye vor der Menge ijehnUene Predi/jt ist uns iiber-
liefeit. Was wir besitzen, «ind einfache, in Nonnenklöstern ge-
hiUiene und von den Zuhörerinneit aufgezeichnete Homilie», die ähn-
(ichiH Inhtilt wie die Briefe haben: Aufforderung znm Verlassen
der Welt, zum Absterben seiner selbst und zur gänzlichen Hingabe
an Gott. Sie richten sich nicht an die Gesamtheil, sondern an das
einzelne Individuum, das sie belehren, antreiben, trösten wolim. Am
meinen praktisch gehalten ist die erste Predigt, welche auch die
weiteste Verbreitung gefunden hat, während in der dritten das mystische
Element vorwiegt. Nacli der fonnalen Seite hin entbehren dJe Predigten
einer streng togischen Gliederung der Gedanken, zwischen Text und
Therna besteht nur ein loser Zusammenhang, von SchriftstelUn ist
spärlich Gebrauch gemacht; im übrigen ober eignen auch ihnen die
'Onstigen Vorzüge der Smonischen Diktion: wurme Innigkeit und
Lebendigkeit der Sprache. Im ganzen kann man es als eine der
Taulerischen ähnliche Art beseichnen, die uns in den Homtiien ent-
gegentritt, obwohl Seuse, wenn wir nach den geringen Fragmenten
Urteilen dürfen. Tauler an rednerischer Kraft und allseitiger Kenntnis
Und Erleuchtung des Lebens nicht gleichkommt'').
Die mangelhafte Überliefervng der Setise-Predigten ist schon
oben S. 27* f. erträhnt worden. Erstmals wurden die vier in dieser
-^iusgabc stehenden unter denen Taulers 1543 gedruckt, aber erst in
*4er lateinischen Übertragung con Seuses Werken durch Surius (Köln
~M.5ö5) erscheinen sie unter seinem Namen. Die Echtheit der ersten
-Predigt ,Lectuiu8 noster ßoridus' ist gesichert, da Seuse sie selbst in
«Jcr Vita }31,29 zitiert'}, und auch bei der vierteil ,Iteriim relinquo'
»cerden wir — i'on dem Anhang in der Tuulerttusgabe (^gesehen, vgl.
^die Bemerkung S. 53t! — nicht ernstlich daran zweifeln dürfen, da
■^e in einer Hs. dis 14. Jh. unter Seuses Namen geht (vgl. S. 38* f.)
»ind 532,14 ff. eine auch in der Vitn Kaj>. 19 vorkommende Erzählung
'meiedergegeben ist'). Bei der zueiteti (.Miserunt Judaei'J und dritten
') Sein Andciikfn lebte im Volke fort, vgl die ohen .V. öS" A. 3 silierten
-Äneidalen, ipomach er seine Jledt mit lirui Sausen dtn Windfx tu furgltiehutt pjlegtt.
") Linse nmaycr a. a. 0. 43tS urteHl tu gOnntiff aber Stmiii, wenn er
-ihn aber Tauler sUdlU Vgl. ai*eh Prtger Hl, Ulf..- 1/enifle, TaiiUrs
liekthrung 72ff.
"i Eitu mgalieche fndigl übrr deneeVien beliebten Ttxt in rinei- liam-
burger Us, tititrt Snrchling, erster Rasrherichl 131 f.: vgl. auch SehuUe
in Zschr.f. Kwehtngeseh. XI, 610 fTi-aktat Veghea).
'} Lflitsree Argument wärt für sich aUein allerding» kaatii bticeieend.
122* Einleitaug. II. Seuses Leben und Werke.
(,Exivi n paire*) Predigt jedoch halten sich die Gründe pro u}\d
contra so ziemlich die Waye: sie zeigen wohl manche Berührungen
mit der vierten Predigt und mit anderen Schriften Seuses (siehe
d^n NavJnceis in meinem Kommentar), aber es findet sich in ihnen
manches Fremdartige im Inhalt und Ausdruck, und auch mit Pre-
digten Taulers ist die Ähnlichkeit nicht ulibedeutend. Es wird daher
geraten sein, die Frage in suspenso zu lassen, zumal auch eine hand-
schriftliche Bezeugung für Sense fehlt ^). Diepenbrock^ 604 — 9
hat nach Tauler 1543 f. 141^-42'^ (Frankfurter Ausg. IT, 209 f.)
als Nr, V eine weitere Predigt , Lazarus mendicnns* auf den ersten
Sonntag nach Trinita tis; dieselbe ist aber ofenbar unecht, da sie
sich im ersten Teil als ein Auszug aus Kap. 6 des Bdew (219,13
bis 222,17) und im zweiten als Bearbeitung des Briefes II (Regnum
mundi) aus dem GrBfb erweist'^. Eine sechste Predigt: ,Ego sum
pastor bonus^ auf den zweiten Sonntag nach Ostern, bei Tauler f.
gS^^gcjra (t^ankf Ausg. II, 51 ff.; vgl. Diep.' 597 Anm. 1), kann
ebenfalls auf Echtheit schwerlich Anspruch erheben, da sie nur eine
Überarbeitung des siebten Briefes aus detn Kl Bfb ist, mit Hinzu^
filgung einer Einleitung^
*) Denifle, Tauhrs Bikehrany .76* meint, die zweite Predigt sei nach
Stil und Inhalt Tauleriachi auch weise die folgende Predigt fEgo vox clamantit^
(1543 J\ :i3^*) auf die V redigt Miserunt zurück. Oh aber die^e Verweisung alt
ist? Die Einleitungen mancher Taulerpredigten sind int^mliert oder iklter-
haupt erst später gefertigt.
*) Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass ein in der Mitte stehendes Hein
Brucfistück unhekanntvr Herkunft, schwungvoll und durchweg gereimt, auf
zurückgeht. Ich lasse es daher hier abdrucken (Tauler f 141^): Danimb, liebe:
kinder, verlaHsct die weit blosz, dan sie ist so gar triiwelosz: ir wollust ia
uurcini^keit, ir rat ist hoi^'art und goitzi^keit, ir dienst ist süesz, ir Ion is
kranck, ir blnm ist schon, ir f nicht ist stanck, ir Sicherheit ist Yerratoiig, i
hiilf ist ver^^ifftuni?, ir verheischen ist liegen, ir halten ist triegen. Fttr freu
«nbt sie reüw, schände für erc, falschhcit für treüw, für reicheit gibt sie gros;
anuut, für owi^ loben den ewijrcu todt, dann wer in diser zeit erkuist lust der
weit, da er <<:ot mit vcriuist, wenn es dann komt ans scheiden, so mfisz
derben alle(r) beiden. Kr i^edenkt nicht, wie lüstig es da sein mag, da tansen
jar ist ein ta^; bei das es ist zu seiniV), alda(r) da eine nacht ist tauscDt j
und ninimrr sol werden niorjJ:en, vor diser nacht stet uns wol zö sorgen.
•*) Hier einige weitere ]\'oti::rn über verschiedene Predigten, die schon für^
Sense in Ans^truch genommen worden sind. Xicht Seuses Stil zeigt eine he^-
Jostes a. a. (K V)'i — 6' aus einer Fr* ihurger (Schweiz) Hs, publizierte Predigte
romedite amici . . habcrit hochzit und Wirtschaft . . (dieselbe in Sudermann^
Abschrift in Jtcrh'n, Ms. germ. guarto :i44 Bl. ^i.s — :^J; nach einer Notiz ebd^
in seintr ,lIartnonia^ f. 97^' grdrucktt. dir d*r Herausgeber mit Reserve ihm gu-
Verkebr mit anderen Myitikem. Etibeth Sta^ 123*
VI. Verkehr mit anderen Myatikeru. Rlsbeth Stagel.
Mir werden amumhmen haben, dtins Sense mit einer Reihe
seilgenÜsHscher Mystiker, die fast alle seitiem Orden atiffehorlen, be-
gannt und befreundet war. Auisaer Eckhart ist aber nur einer in
Jt^inen Schriften mit Namen genannt: der ,heiliye Bruder' Johannen
der Fuotcrer^) von Strassbunj (23,1. 13 ff.), der 1325 als Mii-
ylicti des Basler Predigerkonvents nachgewiesen ist und aus nw/esehener
S/tß-rtssburger Familie stammt; geitauere» über ihn wissen wir nicht,
"»««' von seinen Predigten sind mtr • unbedeutende Sprüche rrhalUn,
ti*e »Ott seiner Bedeutung keine Vorstellung geben (vgl. Anm. zu 23,1).
^^r-fts Sense auch mit Tauler befreundet war und dass sich ihre
■^^^tnsirrge mehr als einmal kreuzten, ist so gut wie sicher. HoAr-
»c^cinlich hatten sie einander schon beim StuJium in Köln kennen
''^••'«■»t »ffcAf. — Dir Frediijt Audi tilia . . Ii&r tohter min . , Tn den heiligen
"*t^:ft4gen naoh metten . . (dir Anfang aus einer Maine» Ue. von F. W, E.
^i o th in Germania ibSS, WOf.gtdruekt, vgl, auch Iltnifle, Luther P, 30!f,
•^*^S ,- diffftht Predigt kUM in zini Nürnberger Um. : Cml. VI, 4I>* Ptrg. 14. Jh. :
^«■»»l. VII. 20 Pap. 16. Jh.; identisch ist damit wohl die bei Bor<:hling,
■'- Reisebericht lOOff. 316 ciUerti I^rrdii/I einer Himhurgir Bk.: eine Predigt
*»• Virsen über denntlhen T'xt in Sesitee Hoths, vgl. Germania lä9S, 385)
*■ i**nert in ihrtm sehwungvulleH Eingang mit der prUehligin Naiurtehildtrung
**Ä»- an Sense, ist abxr in dar t'orUetgung, dit vom Klnxtrrlrben bandelt, iitaenl-
'•cA HHchtemei: - Pr$grr I, 217: ij, 2Sff. w«/ in dtn Traktaten V^VII
'*«• Pfeiffer, Mystiker I, 301f. Seuses Art ßndrti: Strauch in Afda IX.
' *** Jf. sehreibt sit aber nach genauerer »praehlichrr Vergltiel»*ng wie der lieraua-
Or-t^^ff „,1 Itfcht David von Augghurg tu. — Die .Pridigt unsertr liehen Frtrn
•** JSntdtr Htinrich» Person auf dem Hofe zu Ki'iln', leelche in sehr vielen Hss.
»'«»*-<("«»( igediruekt in Pfeiffers Germanin IJI, 343), ist nicht, tri> e. B. bei
^*^ aciernagel, Altdlach. Pred. Si7 angenommen wtrrf, eon A'raiie, simdern
■***»• Heinrieh van Löwm. vgl. Prager II, 131; Strauch in Alemannia
■^ ->CJ, «f. — Übifr iwei Prediglfragmentr in der 8t. GaUtr Ha. $70 s. obm
***'- J3*. — Ca. Th. Murr, MfmarabiUa bibUoth. puhl. Norim(.erg. II (1768)
'^^^noHert nittr Hs. der XOrnbrrgrr filadlbibliolhek (aux der BibUoth. Ebneriana,
•'"'*"***«»■ tmhugitnal K. 67 Pti}/. 4°, rnthaltnid .Conciimes de tempore, de sanetis
"^ ^uadragtsimale tlenriri •Susonts 0. PrJ. Die Angabe dürfte irohl auf einer
^'vrehslung beruhtn : die Ha. seihet ist in der Nürnberger StadtbibUoihek niehl
^^^r jtl Jindm. rbrigtns bemerkt auch }(. Braun in seiner Ausgabe des
■f^r 1734, LI, fJoltfr. Olearius verteichae in seiner BiU. Scripl. ecelesiast. I,
^^^^ Strmttnea dt tempore, de tanctie et qitadragraimalr van Suso, wid er fügt
••»«, von diesen Predigten befinden sieh nrri Hss. aus dem 14. Jh. mit be-
^^^cliiliehrn Fragmenten in der Imbofschen und Thomaasinschen Bibliothek :u
^^-ünherg.
t) Denifle 36,336 holte Um anfangt, von K. Srhmidt verleitet. Tucrer
^«nOHnt, aber die sichere Leeart ist f^tottrtr.
M
124* Einleitung. II. Seusea Leben und Werke.
gelernt '), und wenn Sense ,n(tch seiner Gewohnheit^ öfters nach Stras»-
bürg fuhr (81,6), so tvird er dort wohl auch mit Tauler zusammen-
getroffen sein. Das Hör. Sciises besass Tauler, tvie schon enoähnt
(S. l(}7*f.), bereits wenige Jahre nach seiner Abfassung. Freund un^
Gesinnungsgenosse unseres Mystikers war auch Heinrich von Nord-
lingen, der geistliche Berater der Margareta Ebner, von
Verhältnis zu Sense spater noch die Red^ sein wird. Als Charakte\
wie an GeiH und allseitiger Bildung steht Heinrich nicht so ho€>
wie Seuse, er war eine allzu weiche und etwas oberflächlich
Natur ^).
Die folgenreichste Bekanntschaft, die Seuse in deti Jahren sein
seelsorgerlichen Tätigkeit machte^ war die mit der begabten, ihm kot
genialen Dominikanerin Elsbeth Stagel^ zu Töss, die bis.
wiederholt schon zu erwähnen war. Wahrscheinlich trat er u
1336/7 mit ihr in Verkehr, denn damals lagen seine Stengen
ungen schon einige Zeit hinter ihm (vgl. I(y7,19f,), Elsbeth stamm
aus altem, angesehenem Züricher Geschlecht^). Sie war noch ei
') Vgl Vre 9 er III, 93 ff.
-) Strauch, M. Ebner L XXI ff. Die Offenbarung der Chrietina
über einen gewistfen Heinrich, dessen Name mit dem Taulers in den H4\
geschrieben sei (Lochner 34), besieht sich sicher auf Heinrich von NördUng<
nicht auf Heinrich Seuse; vgl. iSt rauch a. a, 0. LX; Denifle,
Bekehrung ^6 ff. Der Irrtum findet sich auch in der Vorrede zur
ausgäbe von 1543, die wohl von Canisius stammt (s. u. C V).
^) Vgl. Anm. zu 96,7 and ausser der dort zitierten Literatur Preg
Briefe löff.; Schiller a. a. 0. 11 f. Bei Murer heisst sie SteigUn tmd
lein, bei Steill und Zittard Steiglehi und Steiglin. Ausser dem, Ufas S&ue
Elsbeth berichtet, wissen wir so gut wie nichts von ihr. J. Meyer hat
Tösser Viten in der Nürnberger Hs. Cent V, 10 ein Lebensbild der Stagel
ausgeschickt (gedruckt bei Vetter 3 — 11)^ bringt darin aber durchaus
neue selbständige Nachricht.
*) Das Geschlecht der Stagel (weibliche Fom^: Staglin; ^tiag^ bedi
wohl Steinbock, das Wappen des Geschlechtes führte den Kopf tines Boleh
vgl. Vetter, Mystikerpaar 10,52) erscheint seit dem 13, Jh, häufig in
künden (vgl, Züricher ÜB III— V passim) und wiederholt auch m Verhind\
mit den Klöstern Töss und Ötenbach (vgl. die Angaben bei Vetter a. eu 0.
and erlosch im 15, Jh. Elsheths Eltern und Brüder sind, wie schon
S. 11* f. erwähnt, in einem wahrscheinlich von ihr selbst gemachten Eintrag
einer Engelberger, früher Tössei' lls. des Bdew dem GedäcIUnis empfd
Der Vater liudolf, am lUndvrmarkt wohnend, liatsherr, empfing 1S23
Herzog Leopold von Österreich die Fleischbank in Zürich mu Lehen für
und seine Nachkommen gegen 10 Ü 9 seh. jährlichen Zinses, vgL Züric
Stadtbücher des 14. und 15, Jh,, hrsg, von Z eller-W erdmüller I
^unge ungeübte Schwester' (98,9 f.), als «> sich hochgemuten Geisten
in die Theosophie Ec-kharU vertiefte (97, log. 99,10 ff.), lln fh-
aick darin nicht zurechtfand, schrieb sie an Seitse, den sie wohl bei
einem Besuche in Toss kennen gelernt hatte, und bat um Aufkläruntj;
er erklärte sick auf ihre Bitte bereit, ihr geistlicher Fährer zu
t^crden (98,1 — 101,28). Es entwickelte sich nunmehr zwischen den
f>c*den gleichgeainnten Seelen ein edles Freundschaftsverhältnis, dos
tft^rch iciederholU Besuche Seuses in Töss (109,31. 394,2. 13 f.)
»»W durch lebhafte Korrespondenz (97,19. 98,1. 31. 99,1. 10. 100,12.
U*l,4. 107,1.7.18. 109,3 f. 114,10. 17. 130,28. 155,20. 194,10. 393,8;
ryi. oben S. 118'), gelegentlich auch durch Übersendung von kleinen
G! «schenken (vgl. 107,1. 368,28. 443,19 ff.) genährt wurde und bis zu
Eisbeths Tod, der wohl um 13ß0'), oder schon etwas früher amu-
■^^tssen ist, dauerte, Seuse entwirft im swetten Teil seiner Vita ein
"nsiehendes BiUt von der Persönlichkeit seiner geistlichen Tochter.
S«e hatte nach ihm einen ,heUigen Wandel von aussen und ein
^y*fftische8 Oetnät von innen' (96,8 f.) und ,uiohnte als ein Spiegel
"i/e*- Tugenden unier den Schwestern' (97,1). Mit aller Entuchieden-
Äe/f wandte sie sich der asketischen und mystischen Bichtung su und
****cÄfe in allem ihren geistlichen Vater, an dem sie mit unbegrenzter,
^i'itveise ans Schwärmerische streifender (vgl. 394,2ff.) Verehrunt/
*»nSf, nachzuahmen. In der harten Schule des Lebens gereift warnte
*»* w'e aber ebenso vor den Gefahren übermässiger Spekulation wie
"or- indiskreter Kasteiuny und wies sie auf den Weg der Nachfolge
^'^9-isti durch Demut, Busse und Selbstverleugnung (98,1 ff. 107,7 ff.).
"»•sf nachdem die gelehrige Schülerin sich in den Elementen des geist-
'«c^«n Lebens genugsam geübt hatte, hielt er es an der Zeit, sie in
**»*« theoretische Mystik einzuführen, damit sie sich ,wie ein junger
^^Üer mit den wohlgewachsenen Fittichen der obersten Kräfte ihrer
*^*«fo in die Höhe des beschaulichen Adels" erschwinge (156,3 ff,).
"*<(i Knp. 46 — 53 enthatten im wesentlichen die Untenveisungen,
**i^ er ihr darüber gab.
Eb-beth war geistig sehr regsam und wie manche Dominikamr-
''^^»■iHen hochgebildet — sie verstand Latein und übersetzte die ihr von
'~y* A. I. Auch ihre Brädrr Friedrich, OUo und Rudolf und andfrr Glieder
^^^ GiicItUvhlta (Johann, Heinrich, Frier) sind im 14. Jh. meäerholt beteugl
***S»l. Vttter a. a. 0.: Zäriehtr StadtbÜchtr I und II [». Heffielerl).
') So Murcr 345: Bucelinim 3D9. Pregrr, Brie/r 19: Mystik H,
'^*"* kommt von unriehtiijm ^''>rauesftrung^n aus auf drn Anfang dtr fiinfdgn-
**ifr, vgl. dngegnt feiler, MyaHkfrpanr ."ia.
126* Einleitung. IL Seuses Jjeben und Werke.
Seuse 'übersandten lateinischen Sprüche in deutsche Verse (H97,5ff.) —
und hatte auch lebhaftes literarisches Interesse. Sie zeigte dies nicht bloss
als eifrige Sammlerin und Äbschreiberin asketischer und mystischer
Traktate (96,18 ff,) und als verständnisvolle Gehilfin Seuses ,bei Voll-
bringung* seiner Büchlein (109,7), ihr Vo'dienst ist auch, wie schon
erwähnt, die Sammlung seiner Briefe, und auf sie geht die Idee
und der Kern seiner Biographie zurück. Wenn er nämlich zu ihr
zu Besuch kam, so tcusste sie ihm mit weiblicher Klugheit die Ge-
schichte seines geistlichen Lebens zu entlocken; was sie durch solch
,gbttliches Kosen* (llii,23) von ihm erfuhr, schrieb sie heimlich auf,
bis er eines Tages des ,geistlichen Diebstahls^ inne ward, die Aus-
folgung der Aufzeichnungen verlangte und d<is Erhaltene verbrannte.
Als er des anderen Teiles der Aufzeichnungen, den Elsbeth eermutlich «^^
zur Aufbewahrung anderswohin gesandt hatte (vgl, 113,24 ff.), auch^^.-^h
habhaft wurde und ihm dasselbe Schicksal bereiten wollte, wurde
,durcfi himmlische Botschaft von Gotf verhindert (7,9 — 8,2),
Jahre lagen die Memoiren bei ihm verschlossen, bis er sie mchi w^,ht
lange vor seinem Tode überarheitetCf ergänzte und als erstes Buc^^ii^ch
des Exemplars der Öffentlichkeit übergab.
Ausser den genannten literarischen Werken ist von Elsbeth- ^^hs
Hand noch eine Originalarbeit, eine Sammlung mystischer Lebern
bilder am Töss, erhalten, die Seuse in seiner Vita (07,1 ff.) rühmenm^
hervorhebt. Wir haben darin wohl die erste schriftstellerische Leisiun^^^^ ng
der Stagel zu sehen, die vielleicht schon vor ihrem Bekanntwerde '^^^^n
mit Seuse begonnen wurde ^). Das Werk — es ist erst 1906 90^=> ^on
F. Vetter vollständig herausgegeben worden, vgl. Anm. zu 90,7 —
enthält ungefähr 40 Lebensbilder von nteist verstorbenen Schwester '^^^sern
seit Gründung des Klosters (1233 ) bis gegen 1340, und ist ter^ s^eib
') Ah(/e8chlossen aber icurde fiie trohl erst spifter, denn es scheinen su'^ ^^^steh
in den Vifen einige Reminiszenzen an Seuses Schriften au finden (Atrfar:m^'^<i^
der Viten: Estote perfecti etc. (Mt. 5,48), wie heim X, resp, XXII Brr^^^^ri^
SeuseSj der wohl an Ehheth (jerichtei s*'in kann; Viten ÖJ^f29 besBCS füstätf^^^töch
vielleicht von Cr Bfh 44.%UJK heinjltisst ; Viten 67, LU f. der Ztreck der Sammlu^^^l»^^
nhnlich wie in Seuses Bdew 334,3 ff. anr/erf eben). Die Ausführungen P reg iim^ ^^ ""'j
Briefe lUf. ühr dif Ahfnssunyszeit der Sammlung (ca. 1340) mögen im^ ^^'
sffchlich das lUchtitje treffen, wtnn auch seine Voraussetzungen Mum Teil b.* *"•'
richtig sind. Oh die Lttjendf der Prinzessin Elsheth von Ungarn {bei Vett'^ ^^^
yfi — 12(J), die nach dan von J. Meyer iviedci'gegebenen Epitaph (ebd, 121) • ^*»
31. Okt. 1330 nach :}sj (ihrigem Khisf erlchen starb (die chronologischen Angäl^^ '^^e/i
scheinen aber nicht (janz uhrriin zustimmen), ebenfalls con der Stagel verj
ist, hlsst sich nicht sivhn- .sagen, vß. Vetter a. a. (K XVIII f
Die Jabre des Exils (ia^&-46). Seuüe kls Prior.
127-
niJch eigenen Wahrnehmungen Ehbeths, teils nach mündlichen und
schriftlichen Berichten anderer nbgefasst; unter den gleichartigen Pro-
dukten zeichnet ea sich durch gewandtere Darstellung und tiefere Äuf-
fmsang aus und gibt ein auachauliches Bild von dem hachetUwickelten
religiösen Leben jenes Klosters. „ Wir finden in diesen Schilderungen
jugendliche Gestalten coli frischauf knospender (i ottestninne , lernen
eine Beihe adeliger Witwen kennen mit den oft ergreifenden Er-
fahrungen ihres Vorlebens. Wir vernehmai lon den hohen Eigen-
schaften einer Anna von KUngnaa und einer Jützi Schultkess, Don
d*n besonderen Tugenden einer Beli von Liebenberg, von der chor-
und prediyteifrigen Oultu von Schönenberg und Mnrgnreta Fink, die
wie ein irdischer Lngtl unter den Schwestern wandelte. Wir wandern
mit den Schwestern ins , Werkhaus', wo sie ihren Flachs spannen
und dabei fröhliche Lieder sangen, ins Schreibzimmer, wo unter Leitung
eines Suso viele Schwestern fieissig waren, Bücher abzuschreiben oder
selbst abzufassen, in den Chor, wo Schwester Metzl von Klingenberg
die Mes^gemmje mit herrlicher Stimme und tiefer B&hrung sang, ins
,Siechhaus' mit seitieni erfinderischen Reichtum an Liebeswerken. Das
rührendste und ergreifendste BUd deutscher Mgstik zu Töss, lieblich
wie ein junger Maienmorgen, fleckenlos wie eine Lilie, aber ist Elsbet/i
1 Ron Ungarn, das von seiner Stiefmutier ins Kloster gestossetie Königs-
I
rll. Die Jtihre des Kxils (1339—46). Seuse als Prior.
Jtis Ende des Jahres 1338 wnr Seuse, von seinen Pastorations-
Missionsfahrten abgesehen, in Konstanz geblieben. Aber nun
kamen unruhige Zeilen infolge des schärferen Vorgehens Ludwigs das
Bayern ■). Die Erklärung der Unabhängigkeit des deutschen König-
tums vom Papste durch den Kurverein zu Sense (W. Juli 1338)
stärkte Ludwigs Stellung bedeutend, so diiss er es wagen konnte, a^f
dem Reichstag zu Frankfurt (6. August 1838} die päjistlichen An-
»präcAe auj' Übertragung der kaiserlichen Gewalt zurückzuweisen und
zugleich die fernere Nichtbeachtung der Exkommunikation und des
Interdikts, sowie die allgemeine Wiederaufnahme des ÖffenÜicheu
Gottesdienstes bei strenger Strafe zu befehlen. Die Bürgerschaß
If
') H. Kirtke, Genrliti-he und klrrika!r GfgekirhUauffassung. Eint Änl-
«m K. Lampricht 3897. 17: vgl. auch Hi>t.-poI. Sl. 16GS I, 3S.
») Vgl tutn folffnidn, K.Mallfa. n. O. II i ItitH') 76ff.: Asfm.f.in
0. 142 f.
128* Einleitung, ü. Seusca Leben und Werke.
zahlreicher Reichsstädte unterstützte sein Vorgehen tatkräftig. In
Konstanz wi^rde der Geistlichkeit bis Oktav von Epiphanie (IS, Januar)
1339 Frist zur Wiederabhaltung des Gottesdienstes gewährt; sie gab
dann auch zum grössten Teil gegen den Willeti des Bischofs d^m Drucke
der Bürgerschaft na-ch. Über die Schicksale des dortigen Prediger-
klosters sind wir durch den Chronisten Heinrich von Diessenhofen ^),
der als Domherr zu Konstanz die Ereignisse miterlebte, genau unter-
richtet Die Konstanzer Dominikatier fO^gteti sich, vofi vieren ab-
gesehen, tvelche, dem Prior ungehorsam, ^profanierten' , dsm Gebote
des Rates nicht und mussten daher die Stadt auf zehn Jahre ver-
lassen; acht derselben fanden in Diessenhofen unweit Konstanz, iroA/T
b3i den befreundeten Dominikanerinnen zu Katharinental (s. obet
S, 114*), die übrigen ausserhalb der Stadt im SchottenUoster ein Unter-
kommen. Die Diessenhofer Verbannten führte der neugewählte Bischoj
Nikolaus Pf ef erhart (1346 — 51) am 25, April 1346 bei seinem feier--^ -ma-
nchen Einzug in die Stadt mit zurück, und sie durften in ihreft^r^. ?m
fnselkloster unbehelligt bleiben, obwohl sie das Interdikt weiter be^^ be-
obachteten und bei verschlossenen Türen zelebriertest, ivährend dim^^^Sdie
vier genannten ,schismaiischen' Brüder weiter öffentlich die Hess--
sangen. Doch scheinen sich die papsttreuen Dominikatier wegen diese
unerträglichen SpalUmg nach einiger Zeit zu den Brüdern, welch^^ -he
im Schottenkloster waren, zurückgezogen zu haben. Am 15. Janua'^:^ s^r
1349 kehrten sämtliche Prediger mich zehnjähriger Abu^esenheit i^ 'W
ihr Kloster zurück. Doch dauerte daselbst die Spaltung des Konvenm S'^nts
immer noch fort, bis am 4. April 1349 die Bürgerschaft von KofUftatm^^-^^nz
auf ihr Ansuchen com Bischof Absolution empfing und das Interdi^'^^ikt
aufgehoben wurde.
Welches in diesen wirren Zeiten Seuses Schicksal war, eniziei^T^'^^f^^
sich zum grössten Teile unserer Kenntnis. Als entschiedener Gegn^ *^^f^^'
des Kaisers war er natürlich auch unter den V^erbannten. Aus eine^^ ^^tew
Briefe Heinrichs von Nijrdlingen^) erfahren wir, dass dieser,
er am 21. Dezember 1338 nach Konstanz kam, Seuse nicht me^,
dort antraf. Vielleicht war derselbe einstweilen ausgezogen, um fT
seine Mitbrüder ein Obdach zu suchen ^. Ob er sich die folgern
Jahre unter den acht Brüdern in Diessenhofen oder bei der
^) livi Böhmrr, Fontes I \\ W ff. 3u, 60, 63, 66, 71. Vgl. die
Stillung bei K. Müller n. n. O, II, lf4, 99 ff. 231, 24^f,: Pflugh-Harttw V
a,a. 0,186 ff.: A, Hauher in Wtfr/f. Vierttlinhrsh,/. Landeageach, 1906, 31T ^^/l
') Bvi Strnueh, M, Khnn- XXXI. :?1: ryLehd.S.356f.
■'j So dit fin.sprrchnidt Vmnufunt/ Preyers, Vorarheifen Slf.
J
Die Jahre des Ezila (18S0— 4e). Seuie ab Prior.
129*
derer, f/iV im SchottenMosUr sieh lej'nnden, aufhielt, UUst aich nicht
ncher entscheiden '). Viel/eicht spricht für ersterc Annnhnie die Tul-
»tche, dans er nach der Erzählung der Vitn (145,14 ff.) in jenen
Jakrrn — es mtiss wetfen der d^ibei eripähtiteu Teuerung l'M'^ oder
1344 gewesen sein, vgl. Anm. zu 145,14 — zum Prior gewählt
vurilt. Über die Führung diesem Amtfif erjtihren wir nur, dass die
Brüder »ich in d*r Erwartutig nicht täuschten, die sie in jener
ifcAmren Zeit iiuf ihn geseist hntten: trotz seiner offenkundigen
Geathüftsunkenntnis (140,5 f.) wm- auch das Zeitliche unter ihm gut
l^sorgt, sodass er sogrir nlle Schulden des Klosters nbheziihlen konntt
n46,ißf.).
Wenn Seuse sich zur Zeil des Exils in Diessenhofen aufhielt,
»o isi er wohl auch l'-i46 mit den iihrigen Brüdern nnch Konstanz
^ftrüdcgekrhrt. Konstum ist wenigstens allem Anschein nach der
ScAauplats jener furchtl/nren Heimsuchung, die durch Verleumdung
tines schlechten Weibes wohl im Jahre 1347 ''■) Über ihn kam. Bis
in die weite Ferne, wohin voi'her seine ^romehnte Heiligkeit' (lSO,0f.)
""schoiien war, wurde die leide Märe getragen und sein guter Ruf
iugrunde gerichtet; selbst seine besten Freunde wandten sich von ihm
"i, unter ihnen sehr wahrscheinlich bei dieser Gelegenheit auch
ottnrich von Nöi-dlingen (rgl. Anm. zu 124,15), Soeh dauerte das
•«iffeheure Wetter des Leidens' {130,1) fort, als man Siuse, wohl
""' JRücksicht auf die Ehre des Ordens, in ein anderes Kloster ver-
'tlzte.. Möglicherweise ist er mit dem durch das Oenerulkapitel von
hon 134S*) abgesetzten Konstanzer Prior identisch. Wie er erzählt
'^'^(i,13f.J, war er bereits ,anderswo trohnend', als der ürdensgeneral
""<' der Proüineifü von Teutonia miteinander in die Stadt kamen,
""> Stuse verleumdet worden war, und die Angelegetiheit untersuchten,
^"türtich stellte sich Seuses Unschuld heraus (vgl. oben S. 33* f.).
^"» Generalkapitel des Dominikanerordens fand nun in der ganzen
'^eit von 1330 — 1370 in Konstanz nicht statt. Es muss sich also um
"" ausserordentliches Kommen des Generalmeisters, öder, was wahr-
"^'»tlicher, um das Provimiatkapitel gehandelt haben, das 1354 in
'I Prrgvr, Vorartieittn 134; Mystik 11,364,368 nimmt lu euvfrsiehlUeh
^ «rrt»-r an. Aun drr Eriahluttg Vita I-iGßff. — drr Chorltnv war am
"■■•»X Morgen sthr rateh cur Hand ~~ könnte man virüricht auf KOHstane
••• -^Mfeathalleort »chUfMtit. '
*i Vgl, Prnjrr, Vorarhrilrn !35f. Dn» Datum int aus dfwi ijleich m
r» Brief Hrinrieha von Ni^jUingm eu i-rschliessrn.
MOPÜ IV, 324.
130* Pjinleituiig. II. Seuses Lcbeu nnd Werke.
Ko7istanz tagte *), und bei dem sich ausnahmsweise auch der oberste
Leiter des Ordens einfand. Durch die furchtbare Pest, die von
1348 — 1350 wütete '^), mochte die Sache in den Hintergrund gedrängt
worden sein; hei dem Kapitel von 1354 bot sich aber Gelegenheit,
darauf zurückzukommen. Damals trat eben der Provinzial Johann
von Zweienbergen von seinem Amte zurück und Seuses Gönner
Bartholofmlus von Bolsenheim übernahm die Leitung der Provinz
Teutonia-^). Ordensgeneral war 1352 — 67 Simon de Lifigonis*),
C Seuse in Ulm (ca. 1348 — 1366), sein Tod
und Nachruhm. Übersetzungen und Ausgaben
seiner Werke.
I. Seuses Wirksamkeit in Ulm.
Wir wissen nicht, ob Seuse, als er um das Jahr 1348 roc
Konstanz versetzt wurde, gleich nach Ulm übersiedelte; doch ist dies
wahrscheinlich "). Im Anfang des Jahres 1348 hatte der dortigm
Predigerkonvent, der ebenfalls wegen Beobachtung des Interdikts 133^
vertrieben worden war^), nach Ulm zurückkehren können'^), hbrigev^
zeigt die Erzählung in Kap, 25 der Vita, wornach Seuse zur Zeit dm
schwarzen Todes in einem Dorfe am Rhein beinahe dem unheimliche.
Verdacht d^^r Brunnenvergiftung zum Opfer gefallen wäre, dass tm
*) Vgl, die Listf Joh. Meyers (s. oben S» 93* A, 5.).
•j Die Jffhen Todesftllle^ welche 1Uiij23ff, erwähnt werden^ mogm dnm^
im Zusammmhang stehen. .
^) Vgl, Jundt a. a. 0. :ib9.
') Qurtif et Echard /, XVII: MOPH IV, 339 n. 16; F, 290,
') J'jinc handschriftliehe Xotiz von lÖJb (rgl, oben *S'. ßÖ* A, 2) sagt, Ät— -
habe lange in Ulm gewohnt. Murer 346, Bucelin 299 und Weycrma^^
öO't lassen ihn dagegen erst wenige Jahre vor seinetfi Tode nach Ulm gelang ^
J)^r Ihner Dominikaner Fdi.v Fabri (Tiist, Suevorum I, 114; vgLSulg^^
Ännnles Zwiefalt. I [IfWSj 276; Steill L 163) meini, Setise habe 1339 in l
Zuflucht gesuvht; sei dann mit den dortigen Dominikanern vertrieben wortT' *
7«s Jahrv sei das Kloster frrr gestanden und der Mystiker erst 1357 mit seif
Ordensgt nossen nactt Ulm zurückgtkeh^'t !
*) Heinrich von Diessenhnfen 32.
') Als Ulm vom Banne ahsolrin-t vurdv (29, Jan, 1346, vgl, Ülmtr
II, n, 311 1.
Saniea WiÄMmkeit in Ulm. 131*
■'unh jetzt noch seine Fredigttvmidentngfn fortsetzte^). Über sein
Irlieti umt seine Tätigkeit in Ulm sind uns nur sttkr spärliche Nach-
nchtea übrrlieferl. Gereift und gelävlerf durch die letzte »chicere
Hrimmichiing, und belohnt mit ,inmiiickein Herzetisfrieden , stiller
Buhe und Hchtreichrn Gnaden' (130,17 f.) sollte er hier in Ruhe
leineii Lebatsabend lieschliessen, Voss er in Ulm noch einmal Prior
gtuordeit sei% ist eine unbeicienene Annahme, und ebemoipeniy he-
Hründet die Nachricht, welche, wie es scheint, zuei-H bei Touron^)
auftaucht, und darnach in die Darstellungen von Schmidt,
liöhringr r, Vetter u. a. überg^antjen ist, dass er 1363 auf dem
ßentralkapitel Don Magdeburg neuerdings wegen Ketzerei angeklagt
»Orden sei*). Eine glaubwürdige Tradition") berichtet in anmutiger
^'eise von seiner Frewidvchaft und seinem innigen Verkehr mit
^alther von Bibra (wohl = Biherach a. R.), d^r unUr Abt Ulrich II
(J346 — 71} Cellerarins in dem mihe bfi Ulm gelegenen Benediktiner-
■) hi* Karlsruher H». Cod. St. Georg. Pap. G^m. 75 von 1448 Bl. 4—r,
("•»t Xiinyin» Kalaiog 29 und A. Keller, Vtrztichnia aitdeulni-hir Hmi.,
^•g. twi Sirvtrs 11/90, 36) Olieriieffrt Brüder lieioricha BÜBseo gebet ainB 1 a u t-
pr«digere lon Ulm ("= Bdfw 303,1 ff.).
^ Kärcher 198. 213 nach der Uaternchrift rints Üherlingtr Sruer-
fvrireit, Walirt:ebeinlich litgt eint Verwechslung mii dftn DlmfT Dominikanrr
■fitiniieh drr PrioV vor, drr 1361 und 1353 bfteugt ist (Ulm*r ÜB II n. 367,
^*>>, aber einrm in Ulm anfUssigea Genehlechtf fPriul, Priel) angrhSrt. Von
f'taier iJtminiknnrrpriorfn in j>»fn Jahrm sind eu betrgrn: 1347 Kunrad von
Poehautwla ( Ulm»r ÜB II n, 494) ,- 1364 und 1363 Somad Traber (ibd. n. ßSfi;
"«?.£>. Const, II n. 6886); 1367 Johann iJyeme, gtiwml .drr SehHbrr-
'^iliHgfr ÜB II n. läSÖ). in dem trhaUetien Kopialbach dea Klottrrt
'■■ ebm S. 65* A, I) iwrrf Sruets Nnme erat im 1.',. Jh. (». unlen S. IHT') gt-
"«»nl. Über di* Gi-eehichtr des Klogttrx handeln Kornbeck a. o. O.
'»• S.66' A. II 11—31; E. Käbling, Ulm unter Kalter Karl IV mtS,
^OlVff., 68 ff., 177 ff., S66ff., 305f.
^ Histolrt rtc. (». S. 63' A. 1) II, 45fi.
') In den Akten dt* Kapitels fMOPH IV, SHTff.i find'i »ich keine S},ur
') lirr Btrieht findet »ich eiterst in den ungedrneklen Annalts Wiblingani
i" f'oliobände, noch jettt in Wibllngen) den Priori Meinrad Heuehlinger,
^'' ikh auj da» Fragment m'imi' Vüa des seligen Wallher, das in Andech»
'^"fieteahrt werde, beruß; gekürtt in dem gedruckten Äussug aus dansäben
"fic .Teimjium honorie lirt virorum honorit tnonachorum Wiblmgttuiiiim'
"»■. Augeburg 1703. Das .Seime und Walther betreffende aas den Annale» teilt
} in Diöt.-Archiv von Schwaben XVII (1899) 56 f. mit: vgl. auch Braig,
I GtAchlchte von Wiblingen 1834, mf. und J. Hartmann in Blatter
Ktrehengmdi. läOO, l*.l ,/'. In dm Annale» findet »ich ein Büd :
I W'alther im üesprikh« auf freiem Felde, mit Ulm im Hintergrund.
"«.. Augtbui
I "»tfp im D
^■K« GtAcl
132* Einleituiif?. II. Seuses Leben und Werke.
kloster WihlingeH war. Die beiden FreumU hatten sich mit Erhuhnh
ihrer Vorgesetzten manchmal am Ufer der liier zu frommem Zwit'
(jesjyräch zusammengefunden *).
IL Bodaktlon des Exemplars.
FAne Hauptarbeit Seuses in seiner letzten Lebetiszeii war die
Ilednktion und einheitliche Zusammenfassung seiner vier HauptschrifUn:
der Vita, des Bdew, lidw und Bfb. Seine Biographie lag, tcenn
auch vielleicht schon etivas überarbeitet, doch im wesentlichen in der
Form vor, die sie schon Jahre zuvor durch seine geistliche Freundin
Elsbeth erhalten hatte (vgl. oben S. 126*). Das Bdeic und ,äUck
mehr sriner Bücher^ ('^y^)j ^- ^'- ^'ohl das Bdic utid Bfb (s. oben
S, .!/,9* Anm. 1), waren ,in fernen und nahen Landen* (4,2, vgl. 87,31.
124,10 ff.) verbreifet worden y jedoch durch die Schuld nachlässiger
Schreiber oft in cerstümmelter und fehlerhafter Form (4j3ff.). Es
lag Sense aber sehr viel daran, ein ,gerechtes Exemplar*, ein Muster-
buch seiner Schriften zu hinterlassen ,nach der Weise, wie sie ih^
des ersten von Gott einleuchteten* (4,6 f.). Daher machte er sich
daran, den Text zu revidieren und die vier Schriften zu einew
Korpus zusammenzusteUeny das er mit einem besonderen Prolog^
und mit eigenhändigen Zeichnungen ausstattete. Der Zeitpunkt (lieser
redaktionellen Arbeit lässt sich annähtrnd bestimmen, Seuse über-
gab nämlich, um sich gegen Angriffe, wie er sie Jrüher erfahrtn,
zu schützeny den s^pekulativen Teil der Vita (Kap. 46 — 53) dem ihm
wohlgesinnte)» Prorinzial von Teutonia Bartholomäus von Bolsenheim
zur Prüfung und Begutachtung. Als dieser das Werk billigte vnd
Seuse ihm auch die übrigen Teile (du gemain lere 5,22) vorlegen
wollte, starb der Meister. Derselbe sei ihm aber, so erzählt der
Mystiker y da er in Verlegenheit war^ was zu tun sei, nach seinem
'; Supra Hierum convenientes sacra miscebant coUoqoia, laudes celebrabuit
divinafi, coelcHtia pertractabant ^audia, necreta manifestabant rovelata divüiitiu
tanta aiiiinoruiu suaviUte ac dulcedine, ut coelicolas non terrijE^nas dixisses
(aus llfuchliiuftrs Annalts), Die Anhhnung der ü'^rzählung an den Berieht hei
Greif. M.y JJiaL 11, 33 ff. (vgl. Brev. Rom. 10. Fvhr. Lectio IV et V) über die
geistlichen Unterredungen des hl. Benedikt mit seiner Schwester Scholastika, der
einem Benediktiner wohl bekannt sfin musste, springt in die Augen. Damil
stimmt znsnmmrn, dnss Stuse nach Hvuihlingers Bericht seinen IfVeiind wegen
seines Glaubens mit Abraham und wegen seiner Liebe eu geistlichen Dingen
mit Benedikt i: fr glichen habe.
*) Ohnr triftigen Grund hat Vittir, MystikerpcMr 68 seine Juehtheü
in Zweifel gezogen.
Sedsktioii du Exemplsn. 133*
Tmlt .in einem Jkhtrtichea Gesicht' erschienen und hiibe ihm laind-
'jrtan, er solle die Schrift nlien gutherzigev Menschen, die in rechter
i/fiiiuii'j dnrnach ein Vertanf/en trügen, mUteilen (5,12—fi,H>). Nim
'■'I Mfinter ßnrlholomäun nach zuverlässigen Berichten 1362 ge»torbm
Oyl. Anm. zu 5,18), wir hnhen deinniich die Bedtiktion und Ver-
''fentlichting des Exemyiarx nnf 1362 hezv, 1362J3 nmttsttzen.
Diu Aufzeichnungen der Stfigel älter Seuses Leben haben also
"■■*< 6« diestm Anlass durch seine eigene Hnud die definitive Form,
in der sie »ns jetzt vorliegen. erh'iUen. Seuse hatte aus begreiflicher
Segelt, die Uehrimnisse seines Seelenlebmn bei Lebzeitm der Oß'ent-
l'fAßeeit preiszugeben, ursjirünglich die Absicht, seine Biographie bis
«TcÄ Beinern Tode liegen zu Inssen; allein die Befürchtung, sie möchte
dann aus Missgunst oder Nachlässigkeit unterdrückt trerdrn, und die
ürtt^ung, mehr cor Angriffen imd Verunglimpfungen gesichert zu sein,
■*»•»! er sie sflbM seinen Obern torlege, betrogen ihn, sie f.chon früher
'1 KtröffenfUrhen (4,2'J ff.). Er Überarbeitete daher jene Aufzeich-
naragen und legte ,in der Person' der Elsbeth, die nicht lange vorher
St9t<trben war, ,etwait guter Lehre' hinzu (8,2 f,). Die letztere Be-
i'^rMenng dl\rfU sich namentlich auf Kap. 4fi — 5H beziehen, welche in
f^rtn eines (Jesprächs ztnischen Seuse und seiner geistlichen Tochter die
^itterteei«ung in der eigentlichen Mystik entholten. Im einzelnen lässt
'><:h nber der Umfang der Bearbeitung nnd Ergänzung nicht mehr
't»timmen : manchmal liegen zwar die Fugen der Komposition nach
****« fcgl. S. 134* Anm, 2), auch lassen sich zahlreiche Briefe, welche
"'^ Sttigd hineingearbeitet hat, noch herausschälen '), aber In den
""ivten Fällen sind Seuses Zusätze und Änderungen von Elsbtihs
Ar^tit nicht mehr zu unterscheiden^).
■) ygl. die NachieeUungeu von Frcufr, A/ila I, 3llä : Z/du XX, .17}
«^ Dtnifl», Zfda XXI, W/.
') S/iäirr himugefügt sind jedtnfalla die Vorrede der Vita, Kap, 33
•■<' 4ä (dit hier ersählU Vition halte teahrncheHilich EUbrlh), ferner der
*■**«*» tfiMi Kap. 36 und Ö3. Ich möchte nl» sehr tmlirseheinlich annehmen,
■''•« S'ittet Ridnktion ilärker »itigtffriffen hat, als eti auf den ersten Blick
ffhnnl. ÜheraUin dtr Vita geigt aich »ein feina- Stil, «i"i'n Stthelischer Sinn und
t'int ihfoloffftehe Durehhildung, leomii die Dar»tt1lang in den Töeeer Viten
Primat nicht Jconkurritrm Aa»n, Auch Irgt sieh jme Annahme nahe, wmn
i*"*» Verhattniii, in dem das Kl Bfb mm Qr Bfh steht (vgl. oben S.41'
J»*. Sj, inn Äugt fassm. Lehrreich ist et OUeh tu sehen, wie vrrichieden im
DtaH dit fJeschichle von dem Hunde mit linn ?'usstuch im Gr Bfh (443,4 ff.)
»»i in der Vita (Sti,3ff.) enShtt irird, ofticoW vir nicht roMWi, oh die Stagel
ät GuckitiUf difelit aiM Briuf XII kerObergenoinrntn hat: dort ein getrisses
134* Kinlcituiig. II. Seiiscs Leben und Werke.
Das Werk ist, vom Prolog abgesehen, in zwei, bezw. drei Teile
eingetellf: der erste (Kap, 1 — 32) beschäftigt sich ausscUiesdich mit
Sense selbst und schildert meist sein Leben vor dem Bekanntwerden
mit Elsbeth ; der zweite Teil (Kap, 33 — 4o hezw. 53) beginnt mit ,des
Dieners geistlicher Tochter* und gibt an der Hand von Seuses Leben ^
eine Art Anleitung zum vollkommenen Leben, Besonders van diesem ^^^
Teile gilt, was Sevse im Prolog zum Exemplar (3,2 ff.) sagt, dass ^-^«g
seine Vita in ,bildgebender Weise^ erzähle von einem anfangenden, ^»^i,
zunehmenden und vollkommenen Menschen, Die eigentliche mystische:::^ slie
Lehre wird in den letzten Kapiteln, welche gewissermassen einetm-m -^tsn
eigenen dritten Teil bilden und von Seuse jedenfalls stark übef'arbeitew ^^^ut
sind^), entwickelt. Schon aus dieser Inhaltsangabe erhdlt, dass di^m^Sdie
Vita keine Autobiographie im modernen Sinne des Wortes ist; si^^-s&sie
berücksichtigt fast nur die innere Entwicklung des Helden und zu- ^m 5?«.
qunsten des asketischen Zweckes ist die sachliche Gruppierung stat^ ^r^att
der chronologischen bevorzugV^), Wir werden dies aber, wie Denifle^' -^^e^
mit Recht sagt, so wenig bedauern dürfen^ ah dass Ängelico d'Se^ da
Fiesole seine Gestalten nicht nach streng anatomisdien Verhältnisse '^^sAen
gezeichnet hat; Scuses minnereiches Herz lernen wir am besten cSc:^ da
kennen, wo es sich ganz frei und ungezicungen ergiesst RiickhaUU^^^los
und mit gewinnender Nah'etät enthiiUt er darin seine ganss^-^aze
Seelengeschichte in einer Anschaulichkeit, die alle abstrakte Charal^^ i- .
teristik weit hinter sich lässt und gibt uns eitlen Typus der Avr T/f-
schauutuj, die er sich von der Entwicklutig eines ,geistlichen Mensche ~n^
gebildet, „Nicht leicht wird ein anderer gefunden werdeny der « lie
'Sichgehenlassen, hier knappe mrkunyavolle Zusnnimetifatfsungy stilistische Ae^sMf-
feilufig, üherhaupt Seuses reife schrifWdlerittche Kunst,
^) Der Ehbeih wtrden diese Lehren trohl meist in Briefform zugekomn^-^^^*^
.sein. Dem steht nicht entgez/en, dass es öftrrs heissi: er (der Diener) be^^^*^'
sie (die Tochter) .sprach' (15ti,l3. UL 170,27. 17 Iß. 25, 172,1 usio.), denn sol^^T^^
Form* In kommen auch in unzneifelhaften Briefen vor {B, B. 99,1, 107^20. 130, ^-^^^)
und gehören wohl erst der späteren lie.daktion an,
-) VtjL Vetter, Mystikerpaar 60, 61; Seeberg 136 f, UnvereUlnäT ^ ^[^
ist z, li, 2(>,^4, da erst im Kap, 15 von der betreffenden Kcusieiung ereäkU wi%
auch 104,7 — 9 irird nur durch Verf/leieh mit Hör. 173 f, verständlich. So
.sich ZvHangaben in der Vita ßnden, sind sie allgemein gehalten oder dw.
ein jrohl^ oder ähnliche Zusitlze verallgemeinert. Das mahnt Mur Vormn
damit vonilitje Schlüsse, tn'e sie dann und wann bei Preger vorkomfJ^^ ^"
(rgl. auch Strauch, Afda IX, 14o), vennieden werden, Zuweifjfehend
es dagctjeny irtnn Veiter a. a. O. Ol in den Zeitangaben lediglich y,ph^*'
tastischf-n iSchematismus^' oder auch .^spateren Zusatz*' sehen möchte,
■••) Seuse XVIII.
Bxemplara.
Brfurschmnj seines innei'nten Seelemjrundes dftn eiiiii/rrmnüseii kundhjen
Forscher so leicht gemaeht hat, wie diese durch ihre iitiner/älschte
Lauterkeit big in ihre tiffate Verboiyetthnt duixhsichtige Natur" ^).
K. Sehmidf) und nach ihm Vetter^) und Bächtold*) haben
die Lebensgeschichte Seiises bei aller Anerkennung des hohen sittlichen
Ematts, der darin waltet, und ihres poetischen Schwunges als „einex
der phantastischsten Erzeugnisfe des Mittelalters' , W. Scherer^ ob
,eiH heiliges Seitenstilr.k zu Ulrich van Lichlenstein» unheiligen Lieben-
mewoirtn" bezeichnet. Es lässl sich über solche Urteile nicht streiten,
da sie eon einevi zum voraus eingenommenen Standpunkt aus gefiUU
find, aliein wir iierden Pregtr") wo/U mehr Recht gebrn, der sie
.eines der schönsten christlichen Lebenfbilder und J'aai einzigartig in
ihrer Aitsprügniuf neHnf^.
In der deutschen Literaturgeschichte dürfen Seuses geistliehe
Memoiren auch deshalb ein be^ojideres Interesse in Ansprttch nehmen,
ireil sie wohl das erste Beinpiel einer vom Helden selbst verfassten, bezu:
autorisierten und herausgegebenen Autobiographie in deutscher Sprache
sind"). Sie stellen sich zugleich in einen grossen literarhistorischen Zu-
sammenhang, der von den Confessiones Augustine über die Historia
ealamitatuvi Abälards und die Vita miova Dantes zu Goethes Dichtung
und Wahrheit führt"). An Auguslins genialer Selbstschilderung im
husondsm hat sich auch Seuse wie so viele andere gebildet und die
irrgänge seines Rerzenn ans den Wegen der , Ungleichheit' zum Frieden
'« Oott in bewusster Anlehnung an sie gesc/üldert (vgl- besonders
I) Gärre» bei Diiii\ 117.
^ Theol. StudifH und Kiil. lfH3, «W.
■) M}/sHlieriiaar 3ä. In rhtigen T*Ueii der Vita tailt Vrttei- SJ, S7 dir
'Spuren tiiier dritlfn Hanil ßndm, auf dertn Rtehnutig namentlich dit ,tcundtr-
^täubigm und achwürmrritchvn' KriäMungm des ir»Un Teiles kamen. Allein
^*3tder der handeehriftUehi Brfuiid noch drr Inhalt edl-nt gibt einrn Anholls-
9-Maakt für dne dtrartige Annahme.
') Lit.-Gisch, der Schtaeie 21ö.
^^^K ^ Gtseh. der dtteh. Lit. 1883, äH8.
^^^L ■) Briefe 16: Myatik II, 368.
^^^K <) Vgl. auch da» schöne urteil hei Schnaase a. a. O, VI. 41 f.
^^^1 •) Vetter a.tt. 0.2ä: Strauch, Altg.dtsch. Biogr.aT, ITL',- Sethtry IX.
i ^ VgLKraus a. a. O. II. 3,1, 8ff. imrf namentlich F. von Jirtuld,
4}bM- die Anfängt der Selhrthiographit und ihre Entwicilung tM MillelaUer,
£rtanger Urktorirlmedr 18S3. Brachlungsicprt ist S. fi/. der Uinietit, dass
auch in den Monrhirvmanen der Vitae pa(rtnn, welche dir Virhfrrtxehung und
Empfehlung der Askese dienen, TtW's in autoliingraphiseher Form gegehen ist,
Ütiue maß auch hien'in Anregung mijifanscn hnhc-n (vgl. oben S. 79' f.).
lidpw K"j). 1; Hör. 15 ff.; Mtmeb. 546,29 f.). hihillUch sielu sich
das Werk dfn Bettelmmches aus dem 14. Jh. jedoch näher zu jeiitr
myslischeii Offeiibnrunys- und Vieivusliieratur, die seit dem 12. Jh.
auftaucht und die ritterlich-höfische Kultur mit ihrem Mlnnedienrt-
und Schönheitsbedüv/iiis, ihren weichen SlimmuHgen und ihrem Formen—
sinn u>ieder>ipieffeit'), freilich in Strahlen, die (/ebrochen sind durcf»
das Prisma der religiösen Auffassung. Zur Steigerung und Ver —
tiefung des persönlichen lanenlebem, zur Veredlung und Verfeinerung^
de» religiiisen Gefühls sähst bis zum SiissUchen und Weichlichen, h<r ^_ j
diese Literatur, deren Trägerinnen fast ausschliesslich Frauen orf^^^,~ j
dock wenigstens frauenhaft empfindende Seelen sind, ungemein ci^^ '
beigetragen. Es ist gewiss bezeichnend, dass auch die Lebenserinir ^^ ^ '
rungen Senses nicht zuerst von ihm selbst, sondern nach seinen 6^^;—-.
Rächen und Briefen durch seine geistliche Tochter Elsbetk Sla^^m^ i
gesammelt und niedergeschrieben worden sind, und dass er seihst e9~stt '
später nach Überaindung mancher Bedenken auf ihre Idee einging ^^^ J. i
Im zweiten Teile der Vita (Kap, 33) hat Seuse zugleich 'i i'i ■ a r I
geistlichen Freundin ein Denkmal gesetzt. Fs scheint, dass sie ni<T.^t J
lange vor der Redaktion des Exemplares starb (vgl. oben S. 12»^^U,
nachdem der geistliche Vater sie noch einmal besucht hatte ( 304,12 J^^,
Nach ihrem Tode erschien sie ihm, wie er erzählt (l&4,22ff.}, **
einer Vision ,in schneeuelssem Gewand iro/U geziert mit lichtreic^t^''
Klarheit voll himmlischer Freude' utid zeigte ihm an, dass sie ttt^"
,in die blosse Gottheit rergangea' sei. ElshHh hat in Seuses Lei*^'*
eine so grosse Bolle gespielt, dass beide poh einander so wenig s*
trennen sitid, als Margaretu Ebner und Heinrich von Nördlingen.
in. Senset« Tod ntid NHvhrtihm. Ikonographlsches.
Datum und Ort von Seiise.i Tod sind in zurerlä^siger \i'eii^
überlieferl. Er nlurb am >i6. Januar 13(10 zu Ulm*) und wurde ir*
') i'gl. »'. Schrrer, a. a. 0. 339: „die Selu't/ten iltr MyMikrr a«i
ihrer J'riitntnrn yeri-hrrrltmen warra die letale Zußticht des hnfiac/im Grhlf:
Zartheit ttnd Formtmitut uaren nur noch hier eu Jlaut."
>) Vgl. Beeold a. a. 0.18.
') .Siehe die im Text gleich darauf titiertt NoUm aus Ct»' 7801: dir glrichif
Angaliln in Hs. S (*. ahm S. &•) Bl. 233' von tinei- Hand dt* 15. Jh.: Es
wiaseo, dius der selig brfider lieinrich aäa int von diaer zit gMcheideu m
deui iNX du man ziilt vnn xps ^eburt Mm.' und LXVl in dt'Uj cnnfi'nl ze iiliu
itb da bcyiaben und stat die iarj;«! uf sim grab iiud stflfb \if CoiiTefsio
»oncli pftUli apoHtoli; (ihtiUch auch in dfrHy.fm.S. 7') Bl. V^f; IStitJ in die wn-
Bcoöogniimi
der Prediyerkinke daselbst (jetzt evangelische DreifaUigktitfkirche)
degrabea; da» Grab befand sich nach der Ulmer Tradition und nack
ölten Zeugnissen in der Kirche selbst^), tieben dtm Altar d^-s Itomintkaiier-
heiligen Petrus i>on Verona (f J252), keinenfaUs, wie einige Sjjütere ')
mrinten , im Kreuz'jring des Klosters, In einer Münchner IIs. des
Uor., Clm 7Sl'J lil 24fi" befindet sich, von einer Hand des 15. Jh.
iwtiert, die (iiabschrift des frater AinanduB Sewez: Ohiit venerabilis
patcr frater Heinricus Susn Auno rfoniini MCCCLXVI menBe Januarii
die XXV obdormivit in dornioo propter quod ganrleamus in evis
dilecto^). fi'ir ha//en darin zuyleich einen deutlichen Beweis für
die Verehrung, die er schon zur Zeil srinea Todes in Orden^kreieen
and darüber hinaus genoss : »um sah ihn bald allgemein als Heiligen
an, und der Titel ,beatus' wird ihm im 15. Jh. wiederholt gegeben.
Sein Andenken erlosch auch in Schwaben und speziell in Ulm in der
Folgezeit nicht '). Laut Eintnaj im Kopialbuch der Ulmer Domini-
kaner Bl. 22ii stiftete noch nach der Mitte des 15. Jh. eine Frau
Katharina Weltzlerin, Witwe des Ulrich Waltzlin, Hofvizekanzlen
bei Kaiser Friedrich III, ein ewiges Lic/U cor das Grah des
vi-ratoms s. Pauli| und hei ./. Mt!,vf, Chn-nicon dt Praad. iMunt I, L'^l),
Liber de iUasU: vir. ord. I^atil. (ebd. II, 157) m. ,Lrhen der 33 tmUn Meiettr'
II. 8. 64' Ä. 1). Wmn Mtj/er in dm evei Intttgenannten HVrAen Ä»«*w Toti
%uf ,sant Paahu ttekrrtiug' nnattet, ihn aber doch am Iß. Januar alerbentätnl,
'0 üeffl n-uAl fin tapsm caianti vor; auch in drr 'l/iüecan Koastani und ita
laminikitnerord^i feierte man coavemiit PntiH am 35. Januar. Bri L. AI her tun,
U eriri» Uliutr. ord. Pratd. l. Vf. 226: M urtr 34fi; Stoilt I, 164: Buct-
>'hw« 3110 u.a. wird 1366 ata Todtsjahr angtgthen, ob infulg« fnlnehf Übtr-
wftruag oAm- andrrtr Berrchnung ilra Jahreaaitfanga (Caleulua Ftortnttnus
it Jahrftheginn am S5. Mars poelnumefanda'f), Idnat sieh nirht Iriehl ent-
') J. Mei/fr im ,Lel/rn der 32 erstm Mtistf" : ist erlioh begraben in
;r predier kiklien au l'lm ; Clm 1631ä ». XV St. bd"*: aepullu» in ccclenia
medicatorum iiixta aitarr saiicti petd martyris; Aaggahe des llor. Parin I51I
'rotoff: sepidtui «tite altare b, Petri m.; ehenso die IJlmer Tradition 6« Wnger-
ana ärw. Jirr Prttraallar befand »ich ,in der Ecke bei der BUterlin Be.-
■äfmia- fKnrnherk a. a. 0. IT).
*) H'iV e» schnitt, euersl Murer 346.
'i Vorher gtbm itie Worte Notii veracitcr Epitapluiim oompilfttoris liuiiii
bri <dee Hur./, Dir AUkiirzunym aind aiifgiicel. Vgl. auch die Noiit (iim
r#. S obm .y. 130' Anm. 3.
') Vgl. auch oben ü. 61'f. die Notiren über Ulmrr hccir. Süßingw
lev<^ion»bildti- de» 15. Jh.
L
138* Eiiileituuji^. II. Seusee Lebeu und Werke.
Heiigen Heinrich Seuse ^). Aber schon vorher war sein Name durch seim
Schriften über Deutschlands Grefizen hinausgedrungen. Besondere
in den Kreisen der Fraterherrn war er hochverehrt. Als der Windes-
heimer Prior Joh. Vos (f 1424) beim Konzil zu Konstanz weilte^
besuchte er mit anderen , Devoten^ voll Andacht die ZeUe des Mystikers,
,der auf Antrieb des hl. Geistes da^s Horologium geschrieben'^). Papsi
Gregor XVI bestätigte nach eingeholter Informeition im Jahre 1831
seine VertkmMg utid gestattete die Feier des Festes im Dominikaner'
ordeti am 11. MäT2%
Das Grab Seuses ist seif m$kr «& drei JahrhundeHen vet^
schollen. In den Jahren 1617 — 21 wurde das ßekif «far Prediger-
kirche, das schon lange vorher baufällig gewesen war, niedergeriesm
und in veränderter Gestalt wieder aufgebaut; nur der gotische Choi
und die südlich an ihn angebaute Sakristei nebst einem anstossenden
kleinen gewölbten Raum (Kapelle) blieben vom alten Bau übrig. Durch
diesen Umbau und durch spätere Auffüllungen und Veränderungen
des Terrains infolge der Festungsbauten ist die Örtlichkeit so völlig
umgestaltet worden, dass kaum eine Hoffnung auf Wiederauffindung
des Grabes besteht. Widerspruc/isvoll ist die Erzählung Murers^),
*) Lampa» ante sepulchnim boati Henrici Stisz nutrienda est ob reveren-
tiaiu dicti patris et pro benefactoribas per inodum participationis ardere debet
et donata a Domina Catharina Weltzlcrin, que couventiü dedit 45 Üor. pru
continaatioue. De hoc non habentur literae (Kornbeck a. a. 0. 17 f.).
-) J. Buschy Chronicon Windtshem. ed. Grube (Geschichtsquellen det
Provinz tSachsen XIX 1886) c. 41 p. 357. Von einem anderen Windesheimer
Fnder xoird die Nachahmung von Seu^e^t Kasteiungen berichtety ebd. c. 108.
^) Vgl, Stadler ^ Heiligetdex. II (1861) 641. Seuse wurde ,per viam
cultus^ seliggesprochen ohne eigentlichen Prozess.
*) Helv. s. 346 : der Leichnam Seuses sei 1613 beim Umbau der Kirche voti
den Werkleuten im Kreuz gang gefunden worden, der Bürgermeister habi
befohlen das Grab wieder zu schliessen, aber ein Katholik (der spätere Ulmtf
Werkmeister Leonhard Buchmiller) habe ein Stück des Mantels abgeschnitten
wovon er (Murer) auch einen Teil besitze. Der Bericht, von der Jahreszakk
ganz abgesehen, kann schon deshalb nicht stimmen, weil Seuse nicht im KreuS'
gang, sondern in der Kirche begraben war. Murer ist auch sonst unsuverlflssi^
(vgl. JJenifle in Zfda XIX, 348 A.D. Über die Verhandlungen des Jähret
166S vgl. Weg er mann 503 ff, (Auszüge aus der Koi-respondtnz ztcischet
liischof und Hat); (xiefel im Diöz,- Archiv von Schwaben II, 68 f. uno
Kfircher 191 f., 204. Die Vermittler machten seitens der Katholiken dei
Dekan des Chorherrnstifts Wengen Georg Föderh and der Ratsherr Johann
Adam Kimlen. Buch milier erklärte bei seiner Vernehmung durch den Hat
man h<ibe seinerzeit (also vor über 60 Jahren) zirar einen Leiclinam gefunden
aber nicht im Kreusgang, sondern in der alten Kirch t' , der Habit sei erhalten
SetisH Tod niitl XachnAHL IkcnographischeB. I38*i
imni-n-h 1613 der Ltickmm Smses wohlbehnlti'H vmd Lsblk-h duftend
ijf/iimUn worden sein soll. Die Bfmühiiwjen (/es KoiiBtanter Üisckofs
h'ranz Joftimn con Prasaberij im Jahre 1066, ffe/muens daiäher at
erfahren und ihn a>iffe/)lich ffe/tiiidetten Leicktmm ausgelte/ert zu
n-fittlten, nchltiyen fehl. Ebenso erfolglos waren die Nncbgrabungen,
Welche vermistfiltel wurden, als Ulm im spauixchen Erhfolgtkrieg 1702
Ott ruber gehend ron den Bayern und Franzosen besetzt war*). Als
man 1896 in dem neben der Sakristei gi'legenen Uatime, der ohne
fwrttnd schon Siisokapelle genannt wurde, atUüsslirh der Einrichtung
*:tnee HeizatUnge Grahnrbeiien eomahm und unter dem Bilde eines
JJotninikiiiiers, dns sich am Schlusssiein dts Gewölbes befindet, Geheim
Sf«funden wurden, tauchte die Meinung auf, man sei auf Seimts
(Grabstätte gestossen. Dass diese Annahme nicht richtig sein kann,
ffeht schon aus dem Gesagten hervor^ und sie ist auch von sachver-
**tändiger Seite sofort in überseitgeniier Weise zurlickgewiesen worden').
Über Ausseien und GesttUi Seuses ist nichts überliefert umi
trbetiaowenig besitzen wir ein beglaubigten Porträt von ihm; dass die
Uarstellungen auf d-en Bildern iles Exemplars keim'. Portrütähnlichkeit
f*esitzen, bedarf in Anbetmeht der Art und Zeit ihrer Entstehung
AceitKS Btweisee. Einiges ilconograpkischtis Material zu Seiise ivurde
Schott oben S. 61*f. beigebracht, wozu nachzutragen ist, dass Mone')
futtf ein weiteres Exemplar eines hrmnlien Seuseholzschnittes auf-
ffrforsen, dir Leichnam aliar i'crteenl und ohne lieblichta Grriteh. Auf Antrat/
«4er evaiigduchrn Gn'täMikeit, von der ein fiutaehtrn tiitgeholl wurde, aehlug
tjfr Rat das Sittgfsueh des HinthoJ'g ab.
') Vgl. \V tytrmaun &06f. und 11. Braun in seiner Autyatie des
Jtor. (173a IL. Dtr KurftirsI Ma.i: ümmanarl r<m liayern sehrieh am
JS7. Febr. 1704 an den Bischof i-oh Kmmtans MarquarJ lUidoif eon Roth in
tileaer Angdrgtnhfit nyl. Ciitfel a. a. 0.691. Auch 1776. iits rine Kapelle
tUr Kirelie ahgrbruchtn wurde, aotltn dir Katholiken nachgegraben hahrn
^Wryermann ai7).
0 Vgl. namenüich ,UeuUche/i Vtdiisblair vom lü. August 1090. Mit
I nricht sahen Oräneieen und Mauch (Ulms Kunstlehen im Mifldallir
llytO, ljr> m dem Bild Hn 2'iirlrät ü'tuais und nannte letcierer (Mitt. des l'ereins
J. Kunst a. Alt. lüti, M) jenen i/ewölbten Baum SiMiikapelle. Das Bild, einen
Dominikaner darsitlUnd mit HtiUgtnschrin, einer Sonne auf dtr Brust tind
Ktleh mit Hostie in der reehlm Hand, dürfte eitl richtlgtr at(f Thomas vott
Afui» lu lieeirhen rrin : e» gab in drr Tat in der Prtdigtrhirvh» eine ,fai>fU/i
fftoma« de Aquino^ (Knrnbeck a. a. O. 17).
I Quftlensammlung II. lil Anm. Dos Bild ist in die Baskr U«.
9 von Mrger* Über de illustr. vin'n 0. Pr. eingeklebt.
140* Einleitung. IT. Seuses Leben und Werke.
itierhsam macht j vnd dass nach Wey ermann 507 ein Bild: Seuse
mit dem Monogramm IHS auf der Brust, unten den Hund mit
dem Fusstuch und im Hintergrund Ulm darstellend, zu Augsburg
bei Götz d' Glauber in Kupfer gestochen wurde. In Übe^iingen be-
fi)iden sich noch drei ton einander wenig verschiedem Seuseporträts^),
sämtlich Ölgemälde (Brustbild), welche Seuse in der gewöhnlichen
Weise als Mann von mittlerem Alter, bärtig, mit gewinnenden Zügen,
auf der Brust das bekannte Monogramm und um das Haupt einen
Kranz von Rosen, darstellen. Keines der Bilder geht aber über das
17. Jh, hinaus, künstlerisch sind sie wertlos. Ahnlich verhält es sich
mit mehreren kleineren Seusebildern, welche sich noch jetzt im Domini-
kanerinnenkloster Zoßngen zu Konstanz befinden, wo die Verehrung
Seuses sich durch die Jahrhund^i*te erhalten hat; im Hintergrund
befindH sich auf einigen derselben das Konstanzer Predigerkloster,
Ein Zeichen der hohen Wertschätzung, die man im Orden für Seuse
hegte, obwohl er noch nicht kanonisiert war, ist auch der Umstand,
dass auf den seit dem 15. Jh. häufig sich findenden Dominikaner-
stummbäumen unter tvenigen deutschen Ordensmitgliedern auch seine
Figur angebracht ist% Am interessantesten ist wohl ein bis jetzt nicht
beachtetes Ölgemälde, das sich in d^r Sammlung des Herzogs von
Urach auf dem Schlosse Lichienstein befindet (Nr. 43). Seuse ist
darauf in ganzer Figur mit Heiligenschein auf Goldgrund gemalt,
bartlos, mit energischen Zügen, in der rechten Hand einen Kranz
con Rosen, in der linken einen Griffet, mit dem er sich auf dsr
entblössten Brust den Namen I HS eingegraben hat. Das Bild stammt
aus der Ulmer Schule des ausgehenden 15. Jh. und ist etwas handr
werksmässig a usgefüh rt.
In der modernen religiösen Kunst wird Seuse gewöhilich ab-
gebildet, nie er vor der himmlischen Weisheit kniet und das Mono-
gramm IHS auf der Brust trägt (ähnlich wie auch Bernardin
von Siena ^).
^) Zwei im Kultur historischen Muffeum, eines (das hesterhaUenr) im Be-
sitze von Stadipfarrer Dr. von Räpjtlin. Es ist wohl tnngh'chj dass dem Maler
das Bild hei MiirfT (s. oben S. 6:J* A. 1) als Vorlage (jedient hat. Vgl. über
die Bilder auch meine Darlegung in Hixt.-poh BL lf.02 II, 114 f.: K/Ircher
197 ff. : Preger II, 34t) A. L' ; Peltzer 106,
^ Einen solchen Stammhaum von 1473 {Holzschnitt} beschreibt Schreiber
a, u. 0, IL 20fiJ\ Nr. 1776. In der fünften Beihe nach Thomas von Aquin und
vor Margaret n von Ungarn stellt Set« beinriciis süsse. Vgl. auch Peltger 108,
^; Kraus a, a. O. II, /, 434.
aJ-re!*B^-fiSrie'*VtiM
IV. Charakteristik von Senses Person and Werken. Seine Lehre.
Blickrii wir noch thimal zurück auf dait e.infacke itnd doch so
reic^ Leben Seuse» und suchen mr uns ein einheitiicfie-i Bild von
feister Persönlichkeit und seinen Werken su inachm'). Der »lies
beherrschende Grundzug «eines Wesens ist die Liebe, der Reichtum
an ^inne' (1J,27), der nicht nur das eigene Inwre erwärmt und ent-
tA9%4fl, HOndern auch nach aussen überquillt, um andere su beglücken.
Se»»M ganze Beliffiomtät ist von dieser Liebe gestaltet- und durchgossen,
II» seinen Schriften weht ein jolianneischer Gast. Darum htisst er
lucA mit Recht Amnndit!', der Lielietraute. Seuse hat aber seine
Ltchf nicht bloss in lyrischen Ergünsen ausgeatmet, sonder» nach
G S rres*) schünem Wort episch nein Leben in ihr gefnsst vnd diesra
L^bm zu einem grossen Epos der Gottediebe ausgedichtet. Nach alt-
fffrwaeiiiem Urteil ist er der liebenswürdigste und anziehendste unter
I «e»« deutschen Mystikern. Auf seinem Leben liegt der h^zerq^uickende
St»9tnenschein einer reinen, kindlichen Natur voll in/ierer Harmonie
"'•rf tines unerschütterlichen Glaubens an Gott und die Menschen. Mit
^ wcl-tk liebreicher G each^'tigkeii mÜlU er sich ab, alles mit der Wärme
^*« durchquellen und zu durchströmen, die ihn selber beseelt! Wie
"■«*») er andere zu trösten und aufzurichten, ob ihm auch das eigene
B~^»t verblutet! Man sj}richi eon einer Mystik des Leidens'):
^««se ist einer ihrer edehten Vertreter in Tat und Wort. Seine
?«»«» Vita ist unter dem Gesichlapunki des Leidens geschrieben,
*"*« wahre ,Historia adamilatum' ; sie zeigt, wie tb'e mystisc}ien
"*'*^ulengaben am dem Mysterium des Leidens ßiessen. Vielleicht ist
""^ schöneres über die läuternde und stählende Kraft des ,christ-
■'*»*3niycn' (145,4) Leidens geschrieben Kurden, als im 13. Kapitel
"^■^ Biieie, wo Seuse tins den Schatz des Leidens aufschliesst; es sind
'"'^Arhaß „goldene Worte, die nicht nur i-om Standpunkt des mittel-
"^^^rlichen Monchtutns dieses Beiuort verdienen" ').
Als zweiter Grundzug in der Individualität des Mystikers lässt
**^^A Jas tiefe Gemüt bezeichnen, das eine hervorstechende Eigenschaft
'j Zur CharaiUrigHi Stusu vgl. btaondtrt l'regfr II, 371—74:
•* ^ihriafffr 436—41; Ghyfm bei Ditp. 117 ff.; Slriueh in Atlg. dineh.
^eigr,a7, 171/.
*) Bti Ditp. i:.V.
*) Vgl. Linetnmann in Tbeol. Q-irliiUi-hr. mSL'. G5ä; 1'. W.
eppltr. Diu Prnbtem de» LcicUim i'i ihr Moral '190i, lli ,tf'. 74 : Jol;/
^0.1»3ff.; Biihringtr 4IJi>^7 , U-iru.trk, Doffm'-ngrgi-/,. IIP, J.W.
•} Straueh o.a. 0.171.
142* Einleitung. IL Seuses Leben und Werke.
des deutschen und speziell des schwäbischen Stammescharakiers ist.
Den schwäbischen Dichtern von der Hohenstaufenze'tt bis auf unsere
Tage eignet jenes sinnige und sinnende Mitgefühl mit Natur und
Menschen, jene Herzens- und Blutwärme , die anzieht und sich an-
gezogmi fühlt, gepaaii mit Phantasie und poetischer Gestaltungskraft
und mit jener eigentümlichen Schwermut, die in der Tiefe der deut"
sehen Volksseele wohnt ^). Freilich wird die Empfindung auch manch-
mal zur Empfindsamkeit, das Weiche bekommt einen Anflug von
Sentimentalität, So ganz auch bei Sense. Nicht ohne ein gewisses Hoch-
gefühl scheint er sich einen Sohn der schwäbischen Erde (7,2),
Schwaben sein Land zu nennen (26,3). Er ist wie seine Mutter
ein Schwabe par excellence. Man hat mit Recht gesagt ^), dass dieser
unvergleichliche Mann des Gemütes in bezug auf die Überfülle der
Herzenszartheit und den lyrischen Schwung seines Denkens und
Filhlens eigenfiich nur einen Nebenbuhler hat — Franz von Assisi.
Mit diesem teilt er auch die Liebe zur Natur, das sinnige Leben
und Weben in ihr. Auch im kleinsten Kreatürlein sieht er eine
Staffel, Gott zu nahen (455,18 f), einen Abglanz von Gottes Schön-
Iieit, Lenzeswonne und Maienzauber, Vogelsang und Blumenduft,
die Schönheit des gestirnten Himmels und die Majestät d&i Gewitters
bringen ihm Entzücken^); ,aller Tierlein und Vogelein und Gottes
Kreatürlein Mangel und Trauern* geht ihm an das Herz und er
sucht ihm abzuhelfen, wie er nur immer kann (85,13 ff.). Wenn
man schon den Satz aufgestellt hat, erst die Renaissance habe die
Natur entdeckt, so ist das nur in beschränktem Masse richtig; auch
die deutschen Mystiker, vor allem Sense, haben ihren Anteil an der
Erschliessung der Natur für das Geistesauge, ivenn auch zugegeben
werden muss, dass ihre Palette noch ziemlich farbenarm ist und dass
die Natur sticht an und für sich, solidem nur als Spiegel der Voll-
kommenheiten Gottes ihr Interesse fesselt*),
Li der Stärke von Seuses Charakter liegt aber doch in gewissem
0 ygl' ^' ^- die Charakteristik Hartmanns von Aue bei Saran, H.v. Aue
als Lyriker ]889y 96 f,; ferner R. Krauss, Schiväb. Lit.-Gesch. I (18&7) 11 ff,
^ A, M. Weiss, Apologie des Christeniuim IIP (1897) 825.
") Vgl. statt vieler Belege (namentlich die Briefe sind voll prächtiger
Xaturhilder), besonders 17yl7 ff., 172,7 ff., 304,12 ff., 406,16 ff., 409,14 ff., 4.26^ ff.
Hör. 56, 70, 187, 199.
*) Vgl A.Biese, Die Entwicklung des Naturgefühls 1889, 197 ; Kraus
a, a. 0.11,2, 1, 19 ff. Über Seuses Xaturgefiitd besonders Hintee (s. oben
S. 57* A. 1) 26 ff. und Dnlgairns. The German mysiics, in Dublin Review
44 (1858) 96.
Siune aueh wieder seine Schwäche : die Gefahr, lier O'efiihlsschwSrmerei
SH cerfalten. In dfv Tat vHroiinsmi wir hei ihm, utenigaten« in seiner
früheren Zeil, mitunter den niichterneti Sinn, die Abgeklärtheit und
t/leichmässige Haltung, und mrinsen zviveürn ein allzvstarkes Schwelgen
1» Gtfühien wtd Empfindungen, ein Schteanken zwischen enlgegen-
geseUten Stimmungen, eine gewisse ÄHi/nÜichkeit und Verzagt/ieil, ein
rSArntliges Jnmtnern konetatieren. Aber doch wiirdeit wir ihm Unrecht
I»«, leoUten wir dtirnus, wie Seel/erg^) tat, einen harten Vorwurf
Soffen ihn schmieden. Wenn man bedenkt, dass Sense in seinem
tjtnun Wesen eine geradezu jungfräuliche Zartheit zeigt, dfiss seine
^'•irperliche Kraft durch übertriebene Askeiie geschwächt war, nament-
lich aber, dass dii^ Mittelalter, und volUnds eine so unmittelbare
yatur me Seuse, an der auch gar nichts Gemachtes und Geziertes
i'if starke Gefählsäusaerungen hebte, — so werden wir cersteken
""»rf entschuldigen. In ikm schwachen Körper wohnte doch eine
^«»'OMcAe Se^e. Seuse ist eben in allem , auch in der ,t:omplexio
"Ppositornm' seine« C/ntrakteif, eui echter Sohn des Miüelnlters, einer
**iner reinsten Vertreter*).
Der dritte Grundeug in Seu.^ets Clutrakter, van dem rorigen
^'gentlich untrennbar, ist sein romantisch-ritterlicher Geist.
'" der Mystik ist dies nichts Neues. Auch der wundersame Heilige
"ON Assisi ist ganz durchdrangen von den ritterlichen Anschauungen
^r Kremfakrerzeit, die er ins [ielirjiöse überträgt und in lyrischen
i Ausdruck bringt % Selbst Frauen wie Mechthild von
. ') Namtatlich S.djff.iieinee Wm-krg. Seeberg Obertrtibt Üftirg und ist
1 Dingra nicht genügend nrinniitrt. Er meint, Staat habt ea nicht
' giaehlostcnen Einheit eines grossen CharakUrs gebracht (S.87I und ßndel
"offof „sehvSchffehc sittUeht Stimmung" hei ihm (S. 143)1 Las konfeseioneHt
"f^rneitt ist gana unnötig stark htrtingtingen. Wenn 8. äl gant htsondtrg da*
^halttn Sense» gtgen seine Sebvesttr getadelt wird, dass er nämlich luerst
*"* seinen Schmers und die Zerstörung seintr Ehrt dtnke (Vita 71,ä4f.),
*" **( dabei nicht btrüeksichtigt, dass die Aeusserung des Schmtrets im Mitltl-
'•*• «IM andere war als bti modetiitn Menschen, i'itle Belegt dafür bietst
^- Zappert, Über de» Aiudruek des giitligen Sehtneries im Milttlatter,
^^^^iuehrifttn der Ahad. dtr Wiss. tu IFim, phil-hist. Klasse V (18S4) 73 ff. ;
"ff*- aucA A.Schullz, Das hof. Lthsn II, 47a.- Schönbach, Bartmann
^"^ Au» 448. Auch Maria lifsx man seil drm 13.114. Jh. unter dem Krtuse
*"^ in laufen Klagt- und Jammergtsebrti ergthen (MtHneb. 54fi,lS. 647,10:
^^*K 389,37 ff. 270,10: i>gl. Zapp er I a. a. (I. 137/.).
*) Vgl. Weis» a.a.O. V" {16981 848; ti'ihringtr 440: Strauch
a. SchnUrtr, l'ranz von Assist 1906, 12Sff.
144* Einleitung. 11. Seuses Leben und Werke.
Maydebunj und Gertrud d. Gr. zeigen unter religiöser Hülle mJnnli'ch'
hriegerisclien Geist und ihre Schriften stehen unter dem Zeichen der
höfischen Kultur^), Noch weit mehr ist dies hei Seuse der Fall.
Er verleugnet auch in keinem Stücke — selbst nicht in seinem Lieb-
lingsausruf: waiFen! — seine adelige Geburt und Erziehung. Man
darf mit S t r a u c h *) sagen : „ Die ritterliche Zeit spiegelt sich in
Seuse besser wieder als hei irgend einem anderen Dichter der Epi-
gonenzeit; der Glanz des Rittertums strahlt fast noch ebenso hell '^^ ^1
bei ihm wie in dessen schönsten Zeiten, die damals schon vergangen ^ ^^i
waren^. Sein ganzes Leben hat Seuse als geistliches Biitertum auf- — ^^^T-
gtfasst, als Lehensdienst im Solde einer himmlischen Hemn, der — ^ -^r
ewigen Weisheit^). Von derselben ritterlich-romantischen Auffassung ^^^"^ ^g
ist auch seine Ma r / e n r e r e h r u n g *) beseelt, die bei ihm eine grössere -sü^ — 'e
Rolle spielt als bei den anderen deutschen Mystikern. Er widmet^^ — -s/
von Jugend auf treuen , Dienst^ der ,zarten, geblümten, rosigen Magd,.
(fOttes Mutter* (110,29 f.), und zeichnet im Bdew die ,süsse Königin
des himmlischen Landes* (243,1 f.) mit derselben „kindiichen Innigkeii
und mit detn gleichen engelsreinen Affekt*^ *), icie eUra später Stephan
Lochner seine Madonna im Uosenhag oder Fra Angelico seine Madonn
della Stella malt. Er beweist dadurch, irie tief und rein er da^
Ideal edler Weiblichkeit erfasst hat. Aus dem Marienkult entsprifigt
auch sein ntterlicJus Ih nehmen gegen die Frauen überhaupt: um dei
Gottesmutter willen bietet er allen Frauen, selbst dem ärfnlirhstei^
Weibe, gerne Zucht und Ehre (49,11 f., vgl. 128,9 f. 205,18 f.).
W. Wackernagel^) hat Seuse einen „Minnesänger iim^
Prosa und auf geistlichnn Gebiet^ genannt und andere Liferar —
historiker'') haben dieses treffende Urteil übernommen. Er ist dei ^
*) Vgl. zu Mechfhihl Siran c h in Allg. ätsch. Biogr. 21, 156; Michael
a. a. O. 191: bu Gertrttd Hevelat, I, (HO und Michael 180. Ferner Ptlttet^
a. a. (f. W4f.
^ Allg. ätsch. Biogr. 37, 178.
•') VffJ. oben S. tJO*, 75* und dazu Weiss a. a. 0. P (1894) 7S3ff.
*) Seusf folgt darin nur der Tradition seines Ordens, vgl. Greitk 335ff,^
Haucky Kirc/ungt'sch. Deutschlands IV (190:^) 395/. Die HaupUteiien smdc
17,19 ff y 39ySff., S6,:iOff., 41,1.'^ ff., 89,2 ff.. 110,29 ff., 117,12 ff., 243,1 ff. und b^^
sofiders Bdew Kap. Ifi, 17, 19, 20 (Hör. 137—46). Im Sinne des hl. Bsmhartf
nennt Seunv Maria eine .gniidige Mittlerin und Stihnerin* zwischen den Mensehsrs^
und der ewigen Weisheit (264,1 f.), das ,mittdlose Mittel aü r Sünder^ (263^5 f.).
i'hcr die Ident iß zierung Marias mit der ewigen Weisheit s, oben S\ 60*, 70\
•'•) Denifle 413 A. 1.
'•) Gesch. der dentsclnn Lit. /■', 4:?9.
') Stf namentlich \\\ Scher tr a. a. (t. :J38.
Charakteristik Ton Seuses Person und Werken. Seine Lehre. 145*
figeNtliche Poet, genauer ausgedrückt der Lyriker unter den deutschen
Mystikern ') und mehr Dichter als mancher seiner verseschmiedenden
Zeitgenossen ; in der Geschichte der deutschen Nationalliteratur ver-
dient er daher auch einen Ehrenplatz^), Seine geistliche Liebe ist
ganz in Formen gekleidet j welche an die weltliche Liebeslyrik erinnern ;
es ist tcohl auch kaum zu bezweifeln, dass er wie das hößsche Epos^)
so auch den Minnesang y der in Schwaben ja ganz besonders zu Hause
«^r, gekannt hat und von ihm beinflusst wurde *). In jenen feurigen
Wor/^w, womit er die Junge, wohlgeborene Tochter^ die ihr Herz
iiiüjypige Minne verstrickt hattCj für Gottes Minne zu gewinnen sucht
(^^ylOff,), spricht gleichzeitig der Minnesänger und der Mönch,
Ober- seine Rede ist noch jetzt ein wunderbarer Zauber gebreitet, der
gefattgen nimmt. Mehr noch als bei Mechthild von Magdeburg klingt
seine Sprache wie Musik, nie ist sie abstrakt und nüchtern, sondern
«
ifntner lebensfrisch, farbenreich und schwungvoll, voll treffender Ver-
suche und Bilder, nicht selten auch von prägnanter Kürze, voll
*) Denifle, Taulers Bekehrung 86 sagt zwar, wenn man nun ncüiezu kon-
^^^^tianeü Seuse zum Unterschied von den übrigen deutschen Mystikern als den
'^^reter der dichterischen Richtung der Mystik bezeichne, so sei es an der
^**^, dieses Urteil zu korrigieren, denn Tauler sei nicht weniger poetisch als
^ '^nd an Reichtum der Phantasie könne sich Seuse mit Tauler nicht messen.
^*fein es ist sehr fraglich, ob Denifle imstande ist, die allgemeine Auffassung
^^^Mustossen ; er hat sein Urteil in seiner Seuseausgabe auch nicht wiederholt.
^ fidler ist gewiss nicht in gleichem Masse Romantiker und Lyriker icie Seuse,
*'" ^eMitzi nicht dessen Kraft, das ganze Leben poetisch zu verklären und in
^<^hterisch gehobener Sprache darzustellen, seine Bilder sind ästhetisch weniger
f^*^ Und nicht so abgerundet.
•) Vgl. z, B, seine warme Würdigung hei Seh er er a. a. 0. 2S8f. und
^**^ch Vogt in H. Pauls Grundriss der german. Philol. 11^ (1901) 3ö7 f.
^^''auch, Ällg. dtsch. Biogr. 37,170 nennt Seuse geradezu den ^.letzten
^^eliiochdeutschen Dichter, mit dem die Periode abschliesst^^ , und Vogt
^' ^' O. 357 meint, Seuses Vita sei wohl das poesievollste Prosadenkmal der
^^^iode.
*) Vgl. die Anm. zu 66,6 f. 112,16 und namentlich Hör. 18 (schon S. 76*
'*• -2 zitiert). Über Kenntnis der Artussage in geistlichen Kreisen vgl. ScJiön-
^^'cÄ, Hartmann von Aue 446 f.
*) Dieser Einfluss verrät sich besonders in seinen Xaiurschilderungen, in
"**■ Verbindung von Frühling und Liebe, Winter und Trauer, in dem Apparat
'^^er Bilder und Vergleiche (Vögel, Blumen, Tanz und Spiel usw.). Bei Vita
*^^ff' wird man an die geistlichen Tagelieder erinnert. Der bekannte term.
^^K für Abfassung und Vortrag lyrischer Poesien: singen und sSigen begegnet
^^erhoU bei Seuse (16,6. 56,0. 610,6).
H. Seate, Deaiiohe Schriften. 10*
146* Einleitim»!:. IL Seuses Leben und Werke.
Sah vnd Sinniykeit^), Seuses Werke bezeichnen einen Höhepunkt
der deutschen mittelalterlichen Prosa; das alemannische Idiom ist
ihrin in seiner yanzen Biegsamkeit und Fülle angewandt ohne alle
Manieriertheit und Künstelei, in naiver, unlewusster Schötiheit^).
Man hat schon oft rühmend hervorgehoben, welche Bedeutufig den
deutschen Mystikern zur Ausbildung einer guten deutschen Prosa
zukam y und wie sie es^ verstanden haben, auch das Abstrakteste in
deutscher Zunge treffend wiederzugeben^), Seuse hat seiften wohl-
gemessenen Anteil an diesem Verdienste, Nicht als ob er eigentlich
nn sprachschöpferisches Genie gewesen, allein er hat es wie kein
Zureiter verstand-eny auch die feinsten Nuancen des Empfindungslebens
treffend und plastisch in einer anmutigen und bilderreichen Sprache
auszudrücken, welche in der Seele des Hörers oder Lesers unwillkürlich
ähnliche Empfindungen auslöst. Als Virtuose des religiösen Gefühls
hat er das Wort seinen innersten Anschauungen und Empfindungen
^) Vgl. seine schönen WorUtpiele, z. B. 174,9 f., 2'Jl;if,, 234,13 ff., 249,22 ff.,
L'fiy,10f., 299,f!f., 312,31 f., 431,33 f., 433,17. 455,21 ff., 462,15/., 463,21. 478,3/,, —
ferner den hUtifigen Gebrauch von Sprichwörtern und Sentenzen, so s. B. 13,bff.^
384,12/., 407,19. 420,19. 424,13. 441,12/., 445,18. 460,9/., 462,5/., 463,17/.^.
23/., 464,26. 483,16. i>15.:K). 535,19/ B i r li n g e r /ültri in Alemannia 1877^
56/. 14 Sprüche aus dtm Bdeir an. In Seuses Hede bricht nicht selten der^
Beim durch (2. B. 224,16 ff.) und Assonanzen sind sehr häufig; er liebt ess"
iiamenilich, den Schluss eines Ahschnitics, z. B. in den Brie/en 437,13. 456,6/.^
400,29/ j 477,5 durch Heim zu bezeichnen, über den Gebrauch des Reimes im
den deutschen Predigten des Mittelalters vgl. Wackernagel, Altdeutsche
Fred. 324/
') Seuse selbst schätzt seine sehr i/i stelle rische Kunst und die Ausdrucks^
fffhigkeit des Deutschen gering ein (Bdew 199,1 4 ff. : vgl. obeti S. 105*); das JLateifS
stand ehvH den Theologen im Mittelalter immer hoch über den VulgärsprachtHm
•\) \'gl. namentlich B/ei//er in seiner Ausgabe der deutschen Theologie
und in Germanin III, 409: Wacker nag cl, Lit.-Ge.fch. /*, 423/ Preger
in der Ausgabe des Min neb. 432 ff . über Seuse speziell: Preger a. a, O. 437/.;
B ö h r i n g e r 41 1 : S eebe rg ? 1 /. Auf Kinzelunt-:rsuchung kann hier nicht
eingignngen Wtrden. Gegenüba' Kramm in Z/dph XVI, Iff. Ihat Deni/le
im Archiv II, 4J.'i/. davor gwarnt, dif Verdeutschung der scholastischen Kunst"
aus'lriirhe durch die Mgsfi/ctr allzuhoch anzuschlagen. Zu gründlieher Unter'
suchung sind bis jetzt aber kaum die ersten An/änge gemacht (vgl, auch
J<>.st( s (I. (I. n. js. S. l.y^l VIII/.). Auch ist noch nicht er/orschi, welchen
Auf dl dl. Predigt di.r Betlei nitnchv und die Mgstik an der über/ührutig der
drutschen Sprar/tt awi der rittcrlich'hößsrhen W^iit in die bürgerlicJh theologische
Sphfire int s})''iter(n Mittelalter gehfdjt hat 1 rgl. den Bedeutungswandel bei
WnrtiTn wie guot, milt. tugmthaft u^n\).
Charakteristik von Seuses Person und Werken. Seine Lehre. 147*
zugebildet und mitunter auch in neuen Formen denselben dienstbar
gemacht ').
Nicht sehr viel ist über Seuses Lehre zu sagen ^), Durch
logische Zergliederung und systematische Zusammenfassufig laufen
-steine gottinnigen Gedanken Gefahr, den lieblichen Zauber, der über
— sHe ausgegossen ist, zu verlieren, Seuse will mehr nachempfunde)i
Mnd genossen, als verstandesgemäss aufgefasst sein. Seine spekidativen
Mredanken entwickelt er in den letzten acht Kapiteln der Vita und
Jm Bdw, seine Grundsätze über das asketische und mystische Leben
-^esanders im Bdew, in den Briefen und Predigten. Um ein zu-
sammenhängendes, methodisch durchgeführtes System handelt es sich
bei ihm weder in der spekulativen noch in der praktischen Mystik.
In keiner von beiden Beziehungen kann er eigentlich originell oder
bahnbrechend genannt werden: er trägt das von Väterzeiten her Über-
lieferte und durch die Scholastik systematisch Bearbeitete mit grosser
Pietät vor und macht kaum einen Versuch, darüber hinauszukommen.
Seuse ist in allem der getreue Gefolgsmann seines Ordenslehrers
*) Einzelne Beispiele hei Preger a, a. 0. 436, Surius in der Vorrede
seineti lateinischen Übersetzung (Köln 1555, 5) urteilt über Seuses Sprache:
Sermo eins Germanicus inagnam habet gratiam, adeo ut Latino sermone eam
assequi non potueritn, W, von Scholz als modemer Dichter schreibt in der Vor-
''ede seiner Auswahl (s, u.) S. IX f,: „Ein Dichter spricht^ ein starker Beweger
**nserer schönen, anschaulichen, gedanklich nicht zersetzten^ reichen alten Sprache,
^n Mann, der zu dieser Sprache von Geburt an begabt ist, dem selbst Gedanken
J^zst naturgemäss leuchtende Anschauung, Vision werden . . . Suso ist vielleicht
^ein ganzer Erzählungskünstler : er sieht als Erzähler über das einzelne Erlebnis
*^icht weit hinaus. Aber das weiss er mit Kunst aufzurollen. Wo die ruhigere
-^irzählung zum Ereignis zusammendrängt, da fasst ihn im lebhaftere V er gegen-
'^€?ärtigen dtr Rhythmus des Geschehens selbst. Sein Atem geht rascher, seine
'Satee werden knapper, seine innere Anschauung reiht hart Moment an Moment^
f\}gh Kap. 26 der Vita), Wie viel die Modernen in sprachlicher Hinsicht an
«ifen deutschen Mystikern lernen können, zeigt z, B. P. Ernst, Der Weg zur
--^arm. ästhetische Abhandlungen 1906.
*) Seuses Lehre entwickeln, freilich zum Teil nicht immer richtig, weil
<Mhne genügende Kenntnis der Scholastik: Preger II, 375—415; Schmidt
-^6SS5; Böhringer 365—424; Volkmann 48—62: Greith 303—25.
'Weitere Aufschlüsse findet man in Denifles trefflichem Kommentar. Eine
^tUe Entwicklung der Hauptgedanken der deutschen Mystik, die auch auf Seuse
nnwtndJbar ist, bei Krebs , Meister Dietrich 127 — 34 ; T homasius- Seeberg
o. a. O. 290—315.
148* Kinlcitungr. IT. Seusea Leben und Werke.
Thornas von Aquin ^), den er aufs höchste verehrt (vgl. oben S, 35*,
87* A. 2), Daneben ist er freilich auch Schiller Eckharts^, allein
er folgt dem Meister nur so weit, als die strenge kirchliche Lehre
mit seinen AvfsteUungen harinoniert^)^ und vermeidet sorgfältig und
mit Glück die Klippen, an denen jener gescheitert. Von Pantheismus
oder Quietismus kann hei Seuse keine Bede sein; er hält in seinem
Weltbilde die Immanenz und Transzendenz Gottes fest und verteidigt
den Begharden gegenüber den wesentlichen Unterschied zwischen Gott
und der Menschenseele auch in der höchsten Beschauung (vgl. 350,21 J^.,
354,13f.),
In einer Hinsicht ist Seuse jedoch durch und durch originell:
in der Art, me er die mystische Lehre vor allem auf sich selbe}"
angewandt und sich zu einem durchge übten Geisfesmann herangebildet
hat. Er wirkt mehr durch das, was er selbst war, als durch das,
was er tat und lehrte, Seuse ist auch der einzige deutsche Mystiker,^
von dessen Persönlichkeit wir uns ein ganz klares, scharf umrisse nef^
Bild machen hönnen. Weit mehr als bei Eckhart und Tauler, voim-
denen wir überhaupt nicht sicher wissen, ob sie auch praktische
Mystiker waren, steht bei Seuse die mystische Devotion, dcis innere
Erleben im Vordergmnd und beeinflusst auch seine Spekulation ^).
Auch wo er sich mit mehr theoretischen Fragen befasst, hat er stets
praktische Ziele: Unterweisung der fortgeschritteneren Gottesfreunde
oder Polemik gegen irrtümliche Auffassungen, im Auge. Sein TVr-
*) iber die strittige Stelle zu Beginn von Kap, 51 der Vita, wo Stmt
in der Frage der Gotteserkenntnis sich euerst der älteren Franziskanerschule
ufid Eckhart angeschlossen zu haben scheint, vgl. oben S. 34* f,
') Stärker benutzt ist Eckhart namentlich in Kap, 52 der Vita; vgl, auch
Bdw Kap. 1 und 6. Vita l/OJf. ist der pseudoeckhartische Traktat ^Sehwe^ter
Katrei^ bezw. seine (Quelle benutzt; vgl. dazu auch Krebs, Meister Dietrich
144 A, 1.
^) Daher betont Seuse in den Prologen seiner Schriften (5^21, 197,16 ff.
328,2 ff., Hör, 13) immer ganz besonders die Zusammenstimmung mit der Reuigen
Schrift^ (scrijttura sacra im ireittren Sinne gebraucht, vgl, die Anm, zu 107^20),
') K. Müller in Zntschr.f. Kirchengesch. VII (1885) 116 ff. (vgl. auch
T ho masi US 'Seeberg a, a. 0. :2yi; Deniflc im Archiv II, 626 f,) betont
mit Hecht, dass Pregers Darstellung, tvelche sich voifiehmlich, ja fast aus-
sc?ilicssiich für die dogmen- und literargeschichtliche Seite der Mystik interessiert,
den eigentlichen Kernpunkt derstlhen nicht treffe: das eigentümliche in der
deutschen Mystik sei nicht die ,,Lchre^, in der sie sich eugestandenermassen
ganz auf dem Boden der Scholastik bewege, sondern die mystische Devotion im
weitesten Sinne des Wortes. Das trifft ganz besonders auf Seuse tu.
Charakteristik von Seuses Person und Werken. Seine Lehre. 149*
hältnis zu Eckhart und Tauler pflegt man yew'öhnlich in die Fonyiel
zusammenzufassenj dass Eckhart die Mystik vorunegend von der Seite
der Erkenntnis, Tauler von der Seite des Willens, Seuse aber von
der Seite des Gefühls erfasst habe ^). Wie alle Vergleiche so hat
auch dieser seine Schwächen, wenngleich er in der Hauptsache zweifellos
das richtige trifft An spekulativer Kraft steht Seuse Eckhart jeden-
falhi nicht gleich, obwohl seine Begabung auch nach dieser Seite hin
nicht unterschätzt werden darf^, an Gemütsinnigkeit und dichterischem
Sinne steht er über Tauler , der ihn aber seinerseits an Klarheit und
j>raJctischer Erfassung edler Verhältnisse des Lebens, wie an edlem,
^nciritiglichem Pathos übertrifft. Wie bei jenen beiden Koryphäen
<i^r deutschen Mystik bildet auch bei Seuse die areopagitische Form
der Mystik, die durch die Viktoriner erneuert worden war, das
J^nochengerüst seiner Spekulation, aber mehr noch als sie belebt
njcnd erfrischt er dieselbe durch die bernhardinische Art der Frömmig'
A:eit, die in der bräutlichen Liebe zu Jesus gipfelt^). Der Grund"
r^edanke seiner Mystik kann nicht besser und bündiger ausgedrückt
fi erden, als er es selbst tut mit den Worten (168,9 f): ,ein gelassener
JMensch muss entbildet werden von der Kreatur, gebildet werden mit
-Christo und überbildet in der Gottheit'.
Seuses Gelehrsamkeit geht nicht über das im Zeitalter der
Scholastik gewöhnliche Mass hinaus*). Seinen Aristoteles hat er
€jut studiert und zitiert ihn gerne als ,hohen* oder ,weisen' Meister
^171,12. 177^15. 388,3. 428,1). Als Kronzeuge seiner Spekulation figu-
riert der fliehte* Dionysius (190,4. 390,1. 471,6). Er kennt und be-
nutzt auch Boethius, unter den Kirchenvätern besonders Augustin
und Gregor d. Gr.; unter den mittelalterlicheyi Theologen haben ihn
namentlich der ,süsse Herr Sankt Bernhard^ (254,17) und ,das
klare Licht, der liebe Sankt Thomas, der Lehrer^ (180,16 f.), zum
Teil auch B onaventura (vgl. Vita Kap. 51) beeinfiusst. Noch
0 Vgl Wackernagel, Altdeutsche Fred. 431 ,- Preger 11,373; Greith
mf.; Strauch^ Allg. dtsch. Biogr. 37 y 176.
*) Unrichtig sagt Schmidt 886 f.: ^ Seuse konnte kaum zu einem Ge-
danken kommen, der nicht unter sichtbarer Gestalt seiner Phantasie erschien . , .
Darum unü ihm auch das Philosophieren nicht gelingen,'^
■) VgL besonders K. Müller, Kirchengesch. II, 1 (1897) 38 f.', Loofs,
Leitfaden der Dogmengesch. *1906, 630 f. : Ilarnack, Dogmengesch. IIP, 396 f.
*) In naturwissenschaftlichen (vgl. z. B. 1^,6 f., 99,3 ff.^ 266,34 f,) und
historischen (vgl, die Legenden von J. Chrgsostomus, Paulus und Ignatius,
Vita 50,22 ff. ; Bfb 392,21 ff.) Dingen zeigt er die ganze Naivetät seiner Zeit.
150* Einleitung. IL Seuses Leben und Werke.
riel weniger als bei irgend einem anderen deutschen Mystiker können
bei ihm vorreformatorische Tefidenzen, eine ,evangelische Grundrichtung^
nachgewiesen werden^) ; er ist ganz und gar katholisch und mit allen
Fasern auf dem Boden mittelalterlichen Kirchen- und Christentums
festgewachsen. Wenn er manche Formen der kirchlichen Irommigkeit
verinnerlicht und ihnen die Glut seines Lebetis eingehaucht htU^, so
ist das sein persönliches Verdienst, das ihn aber in keiner Weise
über seine Zeit hinaushebt.
T. Nachwirkung Seases in der Literatur.
Seuses Werke waren nicht bloss zu seiner Zeit, sondern auc/m^
in den folgenden Jahrhunderten sehr beliebt^) und viel gelesen; «&
haben dementsprechend auf die spätere geistliche Literatur einen nich^
unbedeutenden Einfluss ausgeübt, der freilich im einzelnen oft schwef^
nachzuweisen ist*). Manche Verfasser von asketischen Traktaten und
Briefen, sowie Prediger des 14. und 15. Jh. haben Sense benutzt
und oft mehr oder weniger wörtlich Teile aus ihm her übergenommen %
^) Die Versuche bei Volkmann 30 f. ; Albert a. a, 0. III, 160 f. ;
Lechler, Wiclif I (1873) 150 f. sind hinfällig; vgl. dagegen Deni/le 3%
A. 5 ; Schmidt 892: Seeberg4Sf.;Thoma8iu8-Seeberg a. a. 0. 299 A. 4.
0 VghPreger II, 372.
^ Vgl, die Schreibernotiz in Es. M (s. oben S. 10*): ich han den Sjsseu
lieb von hertzen und eine ähnliche Bemerkung von einer Hand des 16./ 16. Jh.
auf dem letzten Blatte eines Exemplars des Druckes von 1482 (in der Kgh
Landesbibliothek zu Stuttgart): man soll das mit gülden puchstaben schreiben
prueder . . . (das folgende teils unleserlich, teils toeggeschnitten).
*) Vgl, Strauch in Allg. dtsch. Biogr, 37, 178: ,.es wäre eine dankens-
iverte Aufgabe, dieses Nachwirken einmal im Zusammenhange zu verfolgeti.^
Auf Vollständigkeit kann es hier nicht abgesehen sein,
^) Benützungen von geringerer BediMtung sei^n hier summarisch auf-
geführt: die Verfasserin des Traktates ,Buch der göttlicfien Liebet in der Ein-
siedler Hs. 752 {VfjL Simon a, a. O, [s, oben S. Ö* A. Ij 31 ff.) hat Sause»
Vita und Bdew mehrfach benützt; in einer asketischen Schrift über Geduld im
Leiden, Kohhar Hs. 3o2 und Zürich, Stadtbibl. Hs. C 127 (beide 16. Jh.»,
jimhn sich Stücke aus dem Bdew: in der Maihinger Hs. III 1. 4^3. ist in
Fassionshetrnchtungcn einiges aus Vita und Bdew vertcoben^ und ähtUich auch in
Cod. Norimh. Cent. IV, 30; die 1()0 Betrachtungen sind benütgt besw. nach--
geahmt in Cod. Berol. genu, oct. 4:J und Cod, Norimb. Cent. VI, 63 und VII, 34
ilOi) Artikel, ron Lesemeister Gerhart zu IJntwUnden 1425 gepredigt); in der
Maihinger Hs, IIJ 7. 4'' 8, Bl. 179—04 ein Brief mit dem Motto ,Habitabit
hqms' ähnlich dtinjenigin ran Seuse. Auf weitere Benutzungen Seuses in Hss.
^u Birlin, Cues, Sf. GnUen, SUrnhrrg ist schon oben S. 22*, 26* und 2ti* auf-
merksam gewacht imrden.
Nachwirkung Seuses in der Literatur. 151*
Die Benützung von Bdew 232,16 f. und Brief Audi fili 437 ,16 ff,
durch Rulman Merswin^) ist im Kommentar zu diesen Stellen
erwähnt; in dem Schürebrandtraktat (ed. Strauch 50,14), rf^r zur
GottesfreundJiteratur gehört, werden die zwei angeredeten Nonnen
auf die Schriften der hl. Kirclienväter und der ^erleuchteten Gottes-
freu^ide^ Tatäer und Seuse hingewiesen *). Die schöne Parabel von
der Eungkeit (das Vöglein, das alle hundertausend Jahre ein kleines
Jvörnlein vom Berge abbeisst), v:ohl erstynals durch Seuse in die
Literatur eingeführt, findet sich bis ins 18, Jh. sehr häufig in ver-
schiedener Variation in poetischen und prosaischen Werken (vgl. den
s^u 239,12 ff. zitierten Aufsatz E. Köhlers). Möglicherweise ist
<Much der Gebrauch des Wortes ,Fusstuch^ (58,7 u. ö., vgl. da^ Eegister)
^^ur Bezeichnung des geduldigen Leidens ohne allen Widerspruch
<J,urch ihn aufgekommen^). Der unbekannte Verfasser eines Lehr-
^i^f/stefns der deutscheyi Mystik (bei Greith 96 — 202), welches teils
ous älteren Theologen, teils aus verschiedenen deutschen Mystikern
€Jes 14. Jh. zusammengefügt ist, hat aus Seuses Vita und Bdw grössere
^ibschnitte wörtlich entlehnt, ohne seinen Namen zu nennen % Eben-
*) Dana das Buch von den neun Felsen, das bis neuestens vielfach Seust
zugeschrieben und in die Ausgaben seiner Werke aufgenommen wurde ^ nicht
Ton ihm stammt, braucht jetzt nicht mehr bewiesen zu werden, „Sowohl der
äusseren Form wie dem inneren Geiste nach herrscht zwischen ihm und den
achten Schriften Seuses ein wesentlicher Unterschied, und zwar ein so gttvalliger,
wie zwischen Seuse und Rulman Merstoin^* (Denifle XII). Ifem letzteren ist
es trotz der Bestreitung durch Ried er (Der Gottesfreund vom Oberland, eine
Erfindung des Johanniterbruders Nikolaus von Löwen 1905, 98 ff,) allem nach
immer noch zuzuschreiben (vgl, gegen Rieder namentlich Strauch in Zfdph
19(j7, 121 ff,). Über Komposition und Quellen des Traktates vgl, die eindringen-
den Untersuchungen Strauchs in Zfdph 1902, 235—311,
*) In dem noch ungedruckten Gottesfreundtraktat: Leben zweier heiliger
Klosterfrauen in Bayern (Margareta und Katharina) Jindet sich eine Vision,
in der beide Frauen mit roten Rosenkränzen geschmückt erscheinen (Strauch
in Realenzykl, f. Protest, Theol. XV IP, 210,15 f,: vgl, ebd, 212,23 ; 216,40), und
ähnlich im Zweimannenbuch ed. Laue her t 1896, 12,10 und in einem Briefe
des Gottesfreundes bei Rieder a. a. 0,109*, 42; offenbar ist Seute {vgl. die
Stellen oben S, (JO*) Vorbild gewesen,
*) Fs findet sich z. B, in den Viten von Töss (S, oben S, 120* A, 1), in
Ruysbroeks ,Buch von zwölf Tugenden^ (vgl. Jiöhringer (JloJ und bei Ivgolt
(Goldenes Spiel ed, Schröder 15,10),
*) Bei Greith 123, 126, 129 ff',, 152 ff., 174. Über diese Koiiipilaiion, die
Greith viel, zu hoch eingeschätzt hat, vgl. M. Pahncke, Untersuch umjen zu
den deutschen Fredigten M, Eckharts, JJiss. Halle 1905, 6ff.; Krebs.
152* Einleitung. II. Seuse» Leben und Werke.
fftUs noch /H.<i IL Jh. gehört <l4ir süddeutsche Prediger, dessen Samm^l'
icerk: SernwHei* de tvmpore et de sanctiSy das im 15. und 16. Jh.
hihfßfj yedruckt und fäUchlich Alhert dem Gr. zugeschrieöen wurde,
einitfemtd Seft}<es Ifor. zitiert^),
Ks ist bekannt, dass die asketische Literatur am Atisgany rfe?*
11, und im 15. Jh. an Orit/inalita't und Tiefe gegenüber der voran-
gehenden Periodik bedeutend abnimmt] sie gebraucht zwar noch viel-
fach Wendungen der deutschen Mgstik und benutzt deren Erzeugnisse,
fibcr ohne imstande ::u sein, ihrem hohen Gedankemchwung zufolge»
und ihre poesievolie Redeweise nachzuahmen. Der Basler Minorii
Otto von Passau zeigt sich in seiner Schrift: ,Die 24 Alten oder
der goldene Thront die er für G ottisfrennde verfasst hat (ca. 1383)^
inhaltiich ron den deutschen Mgstikern nicht unberührt, aber er zitiert
Sf'e nicht'-). l>ie Abhandlung seines Ordensgenossen Markus fo»*
Lindan (f lSi)2) über die zehn Gebote, die ebenfalls cornehmlich
dir Gottvsfrennde /fcriieksichtigt und in Xomienklöstern viel gelesen
H:iirde, t-trent einige Maie Zitate aus dem Hör. ein ^). Wänner sind
die Jieziehftngen des Dominikaners Joh. \ider (f 1438) zu Sense,
znar nicht so sehr in seiner Erbanungs.^chrift: jDie 24 goldenen
Ifftrfen', nuewohl er ihn auch hier in der Vorrede und sonst einif/f
Mide zitiert, als vielmehr in den .^chon oben S. 20* erwähnten U9^
gedrnckten geistlichen H riefen an KlosterfraueUj die einen recht her2r
liehen Ton anschlagen ^), und in einer ebenfalls, wie es scheint, bi»
jetzt ffnbekffnnt gebliebenen Anweisung für seine geistlichen Kindei^
,wie sie sich der ewigen Weisheit vermählen sollen^ (in der Kar fe-
rnher lls. Cod. St. Georg. Genn. 103 Bl. 138—54 [von 1572, (ff''
Mri.strr Jh'etnvh ÜH-, :*UL\ Eiiu hvsserc and rollst findigere Hs. in Zürit*^*
Stafithihl. C 10"^''.
') l'f/l. Crut'l n. n. 0. .»li'J : .1. i n s f u m n yt- r o.a. <). 4tilff.
-1 Vffl. , St rauch in Alhj. dtach. Biogr. 'J4, 741, f : Deutsch in Btif^'
i'ii:»//:fojß. f\ /n-nfvst. The'd. XI\'\ .'^i? JK
') 1'///. ('rntl a. a. (f. 40 J : (r cffrk'i n , Der liilderkatechismtu
/.». .///. /.s.'**;.. /'.'.//: lofff.
• I /h\.s'. tht H sind irohl nach Srhntunstt intntrh im Elsa»» gerichitt, trenignUnt^
»rt'rd :„ diu ron ./. Mei/t.r t/eurlielfrtcn Srhönrnstthiffaeher Vitcn (a. oben S. 19*"
A. /' ji'sagt. Xt'd'-r hnln' an die Srhn\sttntj deren Vicarius er itnr (vgl. auch
S'hi'l.r if. 'I. ff. 141 ff. I, riih' Brirfr t/e.srhiithrn. dir m>ch in tinrm Budit
trhdffin s-eitn. her > cht SiUsrsrhc Ausruf ^Wajl'm' kehrt in den Briefw
nnhrinal.^ iri-dtr. Zn\i an Sl.isv trinmntde liriffr br 2 ir. Predigten von Nidtr
nhrr de '/'ife .Xif/ra s- im- und .Osrnlefur m*' in (\)d. Xoriinh. Cent. VII, UO
Nachwirkung Seuses in der Literatur. 153*
iU^n Kloster Ur.^pring], cgi. Läng ins Katalog 79), die ersichtlich
Sense nachahmt^). Der Geist Susonischer Devotion, den Nider in
den Frauenklöstem seines Ordens anzufachen suchte, findet sich in
iler zweiten Hälfte des 15, J)\, in anziehender Form ganz besonders
f*ei der Äbtissin des Klarissenklosters (Bickenkloster) zu Villingen,
C' rsula Haider aus Leutkirch (f 1498). Die edle Frau, eine
echte Mystikerin, herangebildet in der Schule der Elsbeth von Reute,
^st in ihren Andachten, Visionen und Offenbarungen, über die sie
^if/enhändige Aufzeichnunge7i hinterlassen hat^), stark von Seuse be-
einjltisst Auch ein schönes geistliches Lied der Äbtissin von Frauen-
**lhy Katharina von Renichiiigen (1518), weist Erinnerungen an die
^^/cfüre des Mystikers (iuf%
Besanders lebhaft war die Verehrung für Seuses Person und
' ^ ^^^ke auch in den religös angeregten Kreisen der Niederlande (vgl,
o^f*/* S. 138*), Zwar hat die Forschung das Verhältnis der nieder-
^'^^^t^chen Mystik zur oberdeutschen noch wenig aufzuhellen vermocht,
^^u^i^i persöfdiche Betiihrung und Ideenaustausch, sei es mündlich
^^^^^~ durch Übersendung von Briefen und Schriften, lässt sich mehr-
A«fc>i konstatieren. Der grosse flämische Mystiker Ruysbroek
^ ^381) ist sicher von Eckhart beeinflusst worden; vielleicht hat er
^ ^9^ Meister selbst noch in Köln gehört und bei dieser Gelegenheit
■''*^^i Tauler und Seuse keimen gelernt. Bei seimn Fahrten in die
^^^erland^ (s, oben S. 112*) mag der schwäbische Mystiker auch
0 Es wird im einzelnen durchgeführt, wie die Nonnen ein geistliches
^ _ ^ppelin* aus allerlei Blumen toinden sollen (vgl, dazu Vita Kap. 8 und 12),
y ^'^^miuilieh stammt eine in derselben Hs. Bh 309 — 407 befindliche Bearbeitung
^^ Bruderschaft der ewigen Weisheit, in die verschiedenes aus der Vita und
* '^^^ren Schriften Seuses hineingearbeitet ist, ebenfalls von Nider.
*) Aufgenommen in die Chronik des Bickenklosters, hrsg. von Gl atz
. Verein 161) 1882. Vgl. darin iS.22f. die Vision vom Bosenstrauchj 41 ff.
ehrung der ewigen Weitheit (nach Art von Seuses , Bruderschaß*), Ö7 Er-
iinung Marias; 112, 128, 130, 136, 14() einzelne Reminiszenzen an Seuse.
«) Bei Greith 325 ff. ; Damaris J865, 328, Die Verse: Du hast die ros
flücket, Jesus, mein herzenstraut etc, erklären sich am besten aiM Seuse. —
^♦cA Geiler hat Schriften Seuses gekannt und beniHzt {vgl. Realemyklop. f.
*^tesU Theol. /F', 796). Im übrigen ist aber seine Richtung diejenige Gersons,
,^^^<i die deutschen Mystiker flössen ihm eher Missiraucn ein : er meint, die
'^^ider Seuses über die bräutliche Vereiyiigung der Seele mit Christus könnten
^*Ar die Phantasie gefährlich werden (Pred. und Leren f. 17, gittert bei
^h. Schmidt, Histoire liieraire de VAlsace I [1879] 427). — Einige weitere
Notizen über Verbreitung Seuses im 15. Jh. bei L. Keller, Die Reformation
Und die äUeren Refarmparteien 1S&5, 264 f.
154* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
jenen j (kr so manche verwandte Züge in seinem Leben aufwei^t^)^^^
besucht haben. Die mystischen Grund^jedanken sind bei beiden die
selben, wenn auch jeder sie in eigentibnlicher Art auffa^st in
darstellt; selbst lieyniniszenz^n''^) aus Seuses Werken fehhn nich
ganz bei liut/sbroek, der verhältnismässig erst spät schriftstellerisch
auftrat Der Mystiker Johanti von Schönhof en (f 1431) zi
Grönental schrieb einen ,Prologu^ zu den ,Centum meditatione^
Voyninicae jmssionü^ Seuses, der aber inhaltlich nur eine Umschre
bung und Erweiterung der deutschen Vorrede Seuses (314,11 ff.
darstellt^). Unter d^n Fraterherrn*) ist besonders Gerhard Gro
zu nennen, der den Gläubigen Seuses Hör. und Bdeu? tcamh z
Lektüre empfahl '"*) und das erstere Werk auch in seinem erst wüäng^
entdeckten flämischen Traktat J)e simonia ad beguttas^ zitiert *). Au
Thomas von Kempen, der in seinen Lehren im wesentlichen
der oberdeutschen Mystik übereinstimmt, hat alletn nach Seuse
kannt und benutzt'^). Unter den angeblichen Verfassefn der L
tatio Chrii^ti figurierte auch Seuse^)!
et
*) Z. B. in dem Verhältnis zu seiner Mutter, in der Abfassung
Schriften infolge höheren Antrishs und in der Bekämpfung des üpptgcn
lebens und der , freien Geister^- vgl. die Belege bei Böhringer 443 ff,, 454, 4
*) So Jifidet sich in dem ,BHch von zwölf Tugenden*" (Ausgabe Ru
broeks von Da cid II I, 104), dessen Echtlieit allerdings bestriUen wird,
Stelle Bdew 'JUAff. Vgl auch S, 151* A, 3.
'') Er findet sich z, B. zu Trier, Stadtbibl. tls. 496 Bl. 74; Bambt — ="^ *^:
Kgl. Bibl. Cod. Q \'I 73 Bl. S und ist nach einer Pariser Hs, bei Quiii,
Echard I, 05^ abgedruckt.
^) Die lAternturgattung der geistlichen Minntbriefe* pflegten die Brü^-*
des gemeinsamen Lebens gerade .so lebhaft wie Seuse, vielleicht auch t^
ihm angeregt : freilich ist der Inhalt meist nüchterner und praktisch
Vgl, W. Moll-Xujjpke, Die vorrefonnaf arische Kirchen geschickte der Nied^'
lande II (1895) 349.
•') In einem Briefe von Viso, hrsg, von P reg er in Abhandlungen di^
Minichncr Akademie, jJiiL-hist. Klasse XXI (1894) 35,
•') Bei Lange nberg, (^ neuen und Forschungen sur Geschichte tUf
deutschvn Mystik 1902, 3'2.
') So die Angabe des tüchtigen Thoma^henners Pohl im KirchenUx.
XI-, 1077. Da Thomas selten Autoren zitiert, sind Belege schwer su gehen:
doch vgl. seine naiv-kindlivlie Andacht zum Kinde Jesu, seine Verehrung der
Passion Christi, seine Ausführungen über das , Spiel der Liebe* in den ,Scrm(mts
de incarnatione. rita et jtassione Ihnnini' (Analyse hei Böhringer 7:^6 Jf',,
734 ß\). Die (jitrmnnisincn des Thomas und seine BiTührungen mit den deut-
schen Mystil\rn ht handelt ])t niflf in /Asrhr. f. hath. Theol, 1883, €97--70fK
") Vgl. Fal.ririus. Jiihlivt/,. lat. medii aeri II ( 1754) 2U^.
er
»if.
->f
Die Mystik lä^sf sich nls Unterstr'ömung der relii/iösen
Jiet'tguny auch das ynme 16. Jh. hindurch in der katholischen
unti protestantischen Kirche verfolgen. In der letaleren ist Settse
aii^tiings, vieUeicht eon einigen Sekten abgesehen'), wohl kaum be-
krtrtni — erst die Pietisten zeigen wieder Berührung mit ihm, —
iväJiiend Taultr von Anfang an eine Hauptrolle spielt; in der
kfxtholischen Kirche dayeyen, teeniystens in germanischen Ländern,
hf*^ jener seine Beliebtheit nie ganz eingebüsst. Es ist nicht zufällig,
drraa Seuse im 16. und 17. Jh. auch innerhalb des Jesuitenordens, der
vorg seinem Stifter her einen mgstiscfieii Zug besass% bekannt uttd
vey~*kfi war; wenn eine Zeitlang in demselben Orden eine antimystische
Strömung die Oberhand gewann, so rührt dies daher, dasa ntan
fürdUetr, der quieHstischen Sekte der Alu7nbrados Vorschub su
km»tin, htztc. der Begünstigung derselben angeklagt zu werden, was
tatsächlich selbst den Ordensgeneralen Ignatius und Franz de Bot^a
^^£festo»sen icoc'). Unter den deutschen Senseverehrern ist haupt-
>^*^Mich Petrus Canisius (f 1597} anzuführen, der inmitten eines
'"^^^ischfu Kreises zu Köln aufgewacJisen war*) und mit Männern
"^V rfffi Karthäusern Surius (Übersetzer Taulers, Seases und Rays-
^^^^ks) utid Landsberg (Herausgeber der hl. Gertrud) verkehrte. Er
'^^otittaltete 1543 zu Köln eine uertvolle neue Taulernmgiibe%
"* deren Einleitung er wiederholt nuf Sense Bezug nimmt: den
') Oh. £. Lulhardl, Gt»ch. der christl. Ethik II ilS.93) .5.9 /öA.-( —
«Awsrft'cÄ '»'' ß'ckt — die Wuniln dtr toiedetiäufeiüehen ÜeweffUHd auf dit
*"•*«<:*« Myfitik turäek. Thoma» MOnser sei mit Suso und bmanderfi mit
^***<irr vertraut gtwteen.
*) Vgl. s. B. Holt, Bit geisUichtn Übungen dfs Ignatius v. L., eine
ftfr^httloguKhe Studit (SammUiiig gemtinvtretindl. Vorträge und Schrifttn aiM-
''"*» Gtbiet der Theol. und ICcligiontguchickte, Htft 41) 190Ö.
■) Fjjt J-'. S. Rrusch, Utr Index der verboltnen Bücher I (Ifl63) 589.
*'" Jt*uilengenrral Everard Mercurian verordnitr 1676: Neqtie spiriliioles
l'Uil^Q,^ qiii instituto DOetro nÜDiu cODreniunt, iiostrig peniiittantur, ijuale« sunt
_*<*leniB^ Kitsbrüchins, Henr. Subo, Roaetum, Heni, Herz {lies Herp), Ära aw-
'J**idi Deo, Raym. LnllOB, GertrudJB Opera et Mechtildia et alia hiliuBinodi.
' _'«il jero liorum libronim nspiam gersetur iu nostris collegiis nisi es P. Pro-
'^''^Älis senteDtU / Fritdrick , Beitrage lur Gtechiehte drs Jesuitrnordrns
"Wi. 47i.
') Vgl. P. Drtui», P, Canitius, der erste deiU$fhr Jesuit iSchriflen dtf
^*rti,u, /. h*formatioiisg<seh., Heft 38) 1S02, Gf.
') Dasa er der HerauKgeber war, ist nicht gan; xiehei; aber sehr u'ahr-
W*«WieA, vgl. R CtttHsii Epialulae *t Acta eii. Braunubtrger I (W['il) !tä :
iM. ;s—^3 ist die Vvrrede dtr Tauirrausgabe abgeiiruckt.
ä
156* Einleitung. U. Seusea Leben und Werke.
jCursus de aeterno Sapientin^ schätzte er besofiders hoch *). D
edle Jesuit t rledrich Spe (f 163 5) zeüjt sich „im Leben un
Dichten nahe mit Sense verwandt^ *^). Die empfindsame Jesuslieb
seiner ^TnitznachtigaV und die treuherzigen Untei'weisungen seine,
,Giddenen Tugendbuchs' knüpfen gerade in dem Besten, was sit
bieten und wo sie sich von d^m verderbten Geschmack der Zeitgenossen
abtvenden, an die Tradition der älteren deutschen Mystik an. Viele,
namentlich der Gedankenga}ig, die Parabeln und die Sprache ic
letzterein Werke erinnern unwillkürlich an die Art Taiders un
Seuses^). Si)e ist ein zartbesaiteter Sänger der Gottesminne,
sinniger Naturbetrax:hter wie jener. Auch die pietistischen ui
mystischen Dichter des 17. ufid 18. Jh., zu denen er überleitet, w
Angeius Silesius (Johann Schejfler^), Daniel Sudennann^), Kno
con liosenrothf Spener, Frank, Tersteegen u. a. bieten manche Be-
rührungspunkte mit ihm, wie überhaupt mit den Ideen und B
strebungen d^r deutschen Mystik "). Endlich hat am End^ des 18.
Herder mit feinem Gefühl den poetischen Gehalt der MySi
Seuses erfasst und sein Loh der ewigen Weisheit in einem schwut
vollen Hymnus erneuert (s. oben S. 74* A. 1). Im 19. Jh. ist duf
die Romantik, die in ihm Fleisch von ihrem Fleische erkan
die Aufmerksamkeit weiterer Kreise wieder auf den schioäbisc
Mystiker gelenkt worden.
*) Bra nnshcrger , Enisiehunff und Entmchlung der KcUechismen ^cMts
P. Canisiiut 1S93, 125 f.
^) Strauch in AUg. dtsch. Biogr. 37, 17S.
^ (r. Balke y Spea Trutz nacht igal (Deutsche Dichter des 17. Jh,
IS? 9, XXXIV. Vgl. auch Diel, Fr. Spe H901, öl f. und die mir nicht
g (ingliche Schrift von H. Schachner, Naturhildtr und Naturhttrachtm
den Dichtungen Fr.s v. Spe, G gninaj^.-Programm von Kremsmünster 1906.
') Vgl. die Vorri'dc 1'^ Hing er. s zu seiner Ausgabe des ,ChenihiniSi
Wandersmann^ 1895, XXX VI 11. Oh Seh. Suso gekannt hat, iH dorn-
zweifelhaft : er erwähnt ihn nicht unter den mittrlalterlichen Mystikern, dit
studierte. Im siebten Sonett (KU i ng er S. 149) erinnert die Klage des 1
dammtm an Bdetr ;?65,7, aber dies genügt nicht, um Abhängigkeit zu konstatii
Seh. kann auch aus eimm anderen Erhauungsbuch (einem Sterbebuvklein,
Anm. zu 'J}s,2(j) gesch'ijift liahm.
•') Vgl. üben S. i.s* A. ;?. Seine Lieder bringen mitunter direkt Texte
Mystiker, namentlich Tauft rs, in Vtrse : an Seuse erinn€rt Nr.S37 Itei Waek
na gel Bd. V.
'•) Vgl. A. Uitschl, Gesch. des Pietismus III { IH84) 63 ff.: „,
/// Poesie und Prosa"'.
l
i
Übersetzungen und Ausgaben von Seuses Werken. 157*^
TL Obersetznngen nnd Ausgaben von Seuses Werken.
Der Beliebtheit, welche Seuses Schnfte7i von Anfang an geflossen,
eutspricht ihre weite Verbreitung durch zahlreiche Hss. und Druckaus-
gabeix und durch Übertragung in fast alle europäischen Kulturs2)ra-
ch^^i^). Auf die von Borchling beschriebenen und auf weitere
ni ^derdeutsche und niederländische Hss. des Bdew bezw. des
ITor, ist schon obeti S. 17* f aufmerksam gemacht worden ^). Zum
Gebrauch bei der Privatandacht wurden die hundert Betrachtungen
in den Niederlanden allgemein verwendet ^). Die Allegorie vom Kampf
des Widclers und der 70 Füchse gegen die Söhm Gottes aus dem Hör,
(s^ chen S. 106* Anm. 1) musste im Jahre 1572 bezw. 1573 sogar
dajzru dienen, in einem Flugblatt gegen die Spanier — der Widder ist
Herzog Alba — Stimmung zu machen^), 1627 wurde die Vita Seuses
z^ Anticetpen in niederländischer Sprache Iierausgegeben^).
Eine altenglische Übersetzung eines Auszugs aus dem Hör,
(l^. Jh.) in sieben Kapiteln (The seuen poyntes of trewe loue or
Orologium Sapientiae) hat K. Horstmann in Anglia X (1888)
^^^—89 ediert; derselbe Auszug wurde um 1490 bei Caxton in
" ^stminster gedruckt. Der erste englische Druckt des jHorloge de
^^i^ience^ erschien schon 1483 ^), eine Übertragung von Diepenbrocks
^n.sgabe durch Rychard Baby zu London 1867, 2. A. 1868^). Eine
^^nische Übersetzung des Hör. aus dem 15. Jh., wohl in einem
^* ^ittinerkloster entstanden und zum Gebrauch bei der Tischlektüre
^^^titnmt, hat C. J. Brandt unter d^m Titel ,Gudelig Visdoms bog
* ^cinsk oversaetelse' etc. in der Sammlung ,Dansk Klosterlaesning^ zu
^) Leider ist es ohne Einsicht in die llss. und die oft seltenen Drucke
^^cht immer möglich, genau zu unterscheiden, oh es sich um eine Übersetzung
^^^ ^dew oder des Hör. handelt; meist ist das letztere der Fall.
») In Cod. 8224 der Bihl. des Arsenals in Paris (Catal. VI, 444) ist eine
^^tiet-i^ Übertragung des Hör. von ca. 1380.
") Vgl. obe9i S. 17* A. 1. und Meghoom, Susos honderi artikelen in
^^^CKland, Archief voor Nederlandsche Kerhgeschiedenis I (1886) 173 ff. Ein
*^»<€»-er Beleg hei Langenberg a. a. 0. 109, 160.
*) Prophetie Een wonderlike ende gesteht etc., gedrukt buyien Nooncits
*^^^ ." vgl. Graesse, Tresor des livres rares et jtrecieux VII, 450.
*) Hct Leven van den Salighen Henricus Suso door Johann van Heren"
^^k^ 233 S. in 12^.
•) Notizen über Hss. der englischen Übersetzung des Hör. bei Quit if
^ ^chard I, 658; Oudin 1066.
^ Graesse V, 5() vergeichnet einen iceiteren Druck s. a.
'^ Vgl. die Bezension von J, Bach im Theol. Literaturblatt 1868, 209.
158* Einlcituug. IL Seuses Leben und Werke.
Kopenhagen 1865 herausgeyeben. Zwei ßirffitthterimien, Karen Jeiw
TochUr und Kirsiin Hans Tochter , i'iher setzten das Hör, um loOC
unter detn Titel: ,\Veckei' gottseligen Geistes' ins Schwedische^)
Bedeutsamer ist, d/iss das Hör, schon im Jahre 1389 untei
dem Titel /Jrloge de Sapience' als WerTc eines frere Jehan de Soubs^
haube ^= Schwaben) ron einem unbekannten lothringischen Minoriien
Magister der Theologie, zu Cha^telneuf ins Französische übersetz
wurde (de latin cn roumans donnee). Die gereimte Vorrede^ erzählt
dass die Lbersetzung auf ll'unsch d-es Maistre Dimenche de Port
Lizentiaten des bürgerlichen und kanonischen Rechtes, gefertigt um
am 28. April 1389 oollendet worden sei. Dieselbe wurde von einen
Karthdusennönch zu Paris 1493 bei Verard als eigene Arbeit heraus
gegeben und König Karl VIII dediziert; Neudrucke ebd. 1499 un*
1[)3<K Die Suriussche Bearbeitung der Werke Seuses wurdt co
Fr. N. Le Cerf ins Französische übersetzt und zu Paris 1586 um
W14 gedruckt^ f eine Übertragung des Bdeio und Bdtc nac
Surius von dem Kanonikus D. de Vienne erschien Pari4 1684 w *
1701. Die Übersetzer Chavin de Malan et Cartier (La vie et ^
epitres de H. de Suzo, Paris 1842) und Cartier (Oeuvres du
Henri Susoj Paris 1856) arbeiteten nach der italienischen Ausgtr
des Dominikaners Ignazio del Nente (Vita ed apere spirituali q
beato Enrico Susone, Firenze 1642, Rotna 1663, Padua 1675, Pq9
1697, Orvieto 1861), die aber selbst wieder nach Surius gefert^
worden war*). Weit brauchbarer als diese sehr fehlerhaften A^-*
gaben ist die neue Übersetzung des Dominikaners G. Thiri
(Oeuvres mf/stique>i du b. Henri Suso, 2 Bdr Paris 1899), uelcT
die Dcnijlesche Ausgabe zugrunde legt — für die bei Denifle fehlenel^
*) llrRij. von Jierfß ström in ihr Sammlung der ySmnsha Fomskrt[,
,S(fUskaptt' ; V(fh 11. Schuck in IL Pauls (rrundn'ss der germ. FhiloL J
(1901) V3!2: Kr ng h-T onni ng , DU- hh lUrgiita rnn Schweden 1907, 12^
-) Zum grassU'H Teil gulrncht hn Queiif d Echard I, 663 und €?*
K. Brunnrr in Mitttilnngin dfr hadisvhni hist, Kommission n. 20 (BeüiMi
zur Zischr, f. (i(sch. drs Ohvrrhnmt JSUb, 7ü). Bti (Juitif a. a. 0. und Ä
Brunmr 61, in. löf. 78 yaehudse übtr Ilss, zu Paris und anderwärts.
") Touron a. a. (f. II, 54'/ führt norh die Übertragung eines D(nnini
lanrrs. Lj/nu /7J5 an.
') fi messe y, nO und Chi valirr us. S, fJ4*) :}101f. führen weiter a».'
(h-ologin dellii sn/,i,n.:a ans dtni Franzns. äftersifzt, Ven. de Luere 1611; Sc^
Harri, \iianrll,,j-:„rifnS.. Verona Kl;::»: Loreneo Morera, Historia ^
la ciilrt }/ m ififjms dr los h. fran II. S., Barcelona 1024. Stucke von Stuft
t'nth'fV Thnnas dt Ix* o ca her t i . Ah'nnnff» ts/,irituaL Barcelona 1068.
m ÜhwtetKuagoi und Aflsgkben von 8ea>e* Werken. 159*
Brig/'e des Or Bfh ist Preyer bfiiiitzt, für die Predij/kn Dieiien-
ifnick — und der eine gute Einleitung fornngeht.
In» Lateinische wurden die deutschen Schriften Seuses schon
'Hl 15. Jh. ffoji finem Karthäusermönch übertragen; daa Werk befand
■'irh nach Jok. Mei/er') in den Bibliotheken der Predigerklöslei' zu
Hirne/ und Nürnberg, ist aber jetzt verschwunden. Nach dem Drucke
"■n J512 übersetzte sie in freier Weise auf Wunsch des Abtes
Lndwig Blosius der Knrthüiiser Laurentius Stirius (II, Susonis
Of'ßra), Köln bei Quenlel 155Ö; rr gab auch vier Predigten nach
'l*r Taulernusgabe von 1543, das unechte Bitchlein con den neuii
fdseti, den Cursus und das Officium de aeterrui Sajiientia bei. Nett-
drucke der Aufgabe erfolgten Köln 1588, W15 und Neapel lb'58.
"*e Suriussche Ausgabe wurde durch Anselm Uofmunu, Köln Hi61,
•nieder inn Deutsche zurückübersetzt.
Von den deutschen Ausgaben sind die beiden ältesten die
'<^^on üfters zitierten Drucke: Augeburg 1482 bei Anton Sorg*),
lOe ~i^ U6 Bl. (die Vita ist besonders beziffert) fol. (Panzer 1,124
'Vi-. 144) und ebd. 1512 bei Hans Othniar 223 BL fol. (Panzer
A S38 Nr. 710). Beide enthalten diis Exemplar mit den Nochträgen,
**c ßntderschaft der ewigen Weisheit und die neun Feinen, der aneeite
^»*Kct ausserdem ein längeres Vorwort utid Nachwort des Druckers.
t--*»er die Ausstattung mit HolzschniUm s. oben S. 46* ff. Die erste
At^Sffobe ist allem nach eon dem bekannten Ulmer Dominikaner Felix
f^€tbri besorgt'), und zwar, wie schon Denifle*) gegen Preger'')
') Nolit in grintm Lthen der Mutter Seusta, daa er dtn Viten von Tirsa
^•*»*II«6«n hat, ed. Vetter 96, 36 ff.
1 SMuani'orl de» Druckerc f. 146': Gedruckt Tnd voUeüdet ist dicz
i'VeU (des geleicb noch bossers den Isien uit kuod ist sein leben ze bessern, ge-
"Wt der Seüue) tuu Antonio sorg e(c- Ein Extmpiiir mta dir Kapitetabibliolhtk
"■ WaU*^« (frühir einem Walduter NonnenkloitUr jKlaiMt} ijehdrig), stand
"■'■ »n danken«u)trter Wei»« längert Zeil tur Verfügung.
1 Vgl. die Vorrede vm löl^f. !'*■; ho das (bßch) on Ordnung hin vnd her
?"*föwet i^eweefji lät, so haf der wirdig lesEiuaistCT brflder Felis Fabri z6 Ulm
^ ail flei*E zitsamen t'^leBeu rnd in Ordnung gesetzt in lateinischer sproch.
^ fobri fc/ion ISOS »tarb, fo Amin «ich «eint Beihilfe ii^hl nur nif/' dm Dntck
ron X4(Ü beeogin habtn. Was die ScJitUKgicurte btdt-ulat, tat ficht rvchl klar;
^>trteheinlieh liegt ein Irrtum dia ßruckera ror. M«rer 316 und Weytr-
"»"n a>3 itgl. aueh Eealentgkl. f. proleal. Thenl. V, 733) aprtehen, offenbar
•cUsrif unterrichttt, von einer ÜbernetBung des Lebtna Seusea aus dem Laleiai-
nhen im Deutsche.
1 Zfda XIX, 34rff.
') £ri^e 2ff.; Zfda XX, 413 f.
I
I
J
160* Einleitung?. II. Seuses Leben und Werke.
nachgetrienen hat und aus dieaer Äiist/abe noch deutlicher erhellt,
nach einer späten und schlechten Hs. (cgi. oben S. 9*). Die zfveite ist,
obwohl Meister IL Othmar den Sorgschen Druck herunterzusetzen
sucht (f. 218*', 220''), nur ein durch neue Fehler venyiehrter Abdruck-
der ersten. Eine Gesamt ausgäbe der deutschen Schriften Seuses wurde
erst wieder im ersten Drittel des 19. Jh. versucht, als inan unter
and-eren Schätzen des Mittelalters auch die deutschen Mystiker wieder^
ans Tageslicht zog. Melchior von D i ep enbrock (nachmals Kardina T
und Fürstbischof von Breslau, f 185S) veröffentlichte eiive solche^
unter dem Titel: Heinrich Susos, genannt Amandus, Leben unoi
Schriften, nach den ältesten Hss. und Drucken mit unverändertem
Text in neuerer SchrifUpraclie fierausgegeben, Regensburg 1829,
-1837, '^1854, ^1884. Die Ausgabe ist nach den beiden ältesten
Drucken bearbeitet unter Hinzuziehung des Cgm 362 und einiger
jüngerer Münchner Hss, für die Vita und das Bdew; es ist auch
die Bruderschaft der ewigen Weisheit und das Neunfelsenbuch darin
aufgenommen. Für ihre Zeit verdienstlich ist sie wissen schaftlicfi von
keiner Bedeutung, da Diepenbrock für die Verbesserung des Textes
fast nichts getan hat^). Immer noch sehr beacfitetis- und lesenswert
ist die ausführliche Einldtung, welche Josef von Gör res dazu ge-
schrieben hat (4. Auji. S. 25 — 13(>J; er handelt darin geistreich und
mit brillantem Stil über die kirchenpolitischen und religiösen Verhält-
nisse des 14. Jh., über Wesen und Bedeutung der Mystik, und gibt eine
schöne Charakteristik von Seuses Person und Werken^). Ganz wertlos
*) Vgl. auch DtniJ'lc X,
-) VijL darithtr J. Galland, J. von Oörr&f lti76, 479ff.: A. Wibhelt,
J, von Görrffi als Liicrarhistorikvr lbi99, 71ß\ Der Brief Diepenbrocks (vofn
13. Mdrz :7^,V7 ), frort u *r auf V\'ranla.ssunf) Clemens Brentanos GÖrres um ein
Gdt'itfnvofl fiu' sdne Ausgabe, ersucht, steht bei Gör res, Gesammelte Briefe III
(Jb74^f 2!)4jr. Nach Empfang der Einleitung schreibt er am ^. Sept. iaL*9
enthusiastisch an Görrca: ..Welche Freude macht mir dieser herrliche Atifsatg,
und welche irird er dem bessern Publikum machen! Es ist icundersamy wie
alles lebendig irird, und sich (trganisch gestaltet und sein tiefstes Leben a%f'
schliesst Vor ihrem Blich', und fcie trejK'nd ihre Hand das Erschaute malen
kann. Sie sind kein Poef, kein Philosoph, kein Theolog, sondern das Dreieins
aus allrn, und Theologie, Philosophif und Poesie ist lebendig innewohnend in
Ihnen in Gv.isf. Suh' und Lrib, zu n'nrr Pirsönlirhkeit sich gestaltend^ (a,a.O,
:iö9). Der Ili.sfnriktr J. Er. Böhmer riihmt*' besonders die Schilderung der
kirchenpolifischen Vi rhifltnisse durch Görrrs und schrieb in einem Briefe: „In
seinni Anschauuugni ist rinr Grossartigkrit und ein Tiefldick, wovor ich er-
staune. Wir voti den J.il-endiit könnii sich finer solchen Divinationsgabf
rühmen, wie er sii bvsitzt!'^' id. Jnnssi n, Böhmers Leben I [1868] 283 fX
Übersetzungen und Ausgaben von Seuses Werken. 161*
i'^i die 1863 in Wien erschienene Ausgabe: Amandus des seligen ^ ge-
^iannt H. Suso, Leben und Schriften, drei Bändchen (I Büchlein
t?€>n den neun Felsen, II Bdew, III Leben und Lehren Susos).
yVissenschafÜichen Anforderungen entsprach bis jetzt nur Denifles
^Bearbeitung : Die deutschen Schriften des seligen Heinrich Sense aus
c^Tetn P rediger or den, nach den ältesten Hss. in jetziger Schriftsprache
herausgegeben von P. Fr, Heinrich Seuse Denifie aus demselben
rden, erster (einziger) Band München, M. Huttier 1880, XXX und
44 Seiten. Sie bietet nebst einer gediegenen literarhistorischen Ein-
itung die Schriften des Exemplars vollständig samt den Nachträgen
<3£azu. Der zweite Band, der nach dem Tode des grossen Gelehrten
C^f 10, Mai 1905) sicher nicht mehr erscheinen wird^), sollte Forsch-
M.^ngen über Seuses Leben und Lehre, den Text des ungekürzten
^riefbuchs, der Predigten, des Hör. und der Bruderschaft der ewigen
Weisheit, anhangsweise auch den fiursus de aeterna Sapientia^ und
<i<is Minnebüchlein bringen. Denifle hat in seifier Ausgabe, um Seuse
€:iem allgemeinen Verständnis zu erschliessen , mit viel Glück eine
sprachliche Erneuerung versucht, dabei sich aber doch „durchaus und
JSiwar fast sklavisch*'^) an die Hss. angeschmiegt. Benützt sind für
den Text die besten Denifle bekannten Hss., vor allem A (in Pfeiffers
Abschrift), ferner KMBUm, für das Bdew E und E^, für das Bdw
tiuch B; Varianten sind jedoch nur bei einzelnen wichtigeren Stellen an-
<fegeben. Was der Ausgabe^ einen bleibenden Wert verleiht, ist nament-
lich die im Kommentar gegebene Erklärung der schwierigeren mystischen
Anteilen, in welcher der enge Zusammenhang zwischen Mystik und
Scholastik deutlich ans Licht gestellt wird und Deniße überhaupt
vüt magistraler Gelehrsamkeit seine umfassenden Keimtnisse ausbreitet.
Eine populäre Auswahl aus Seuse nach Diepenbrock mit Görres^
Ehen diese Ausführungen fanden aber den Tadel des Clemens und Christian
Brentano; vgl, Görres' Verteidigung in einem Brief vom 1:2. Alflrz 1830 an
seine Tochter Sophie („ich stimme überall für die frische^ grüne Wahrheit, ohne
(die Furcht"") in Ge^, Briefe I (1668) 314, M\ von Scholz in der Vonede
seiner Ausgabe (s. o,) XIV bezeichnet Görres* Einleitung als ^inhaltlich teilweis
wirr, gedanklich unklar"", sagt aber doch, dass sie in „ihrem stürmischen Sprach-
rhyihmus, ihren melodisch steigenden und fallenden Perioden, ihrer aus unserem
alten Wortschatz erworbenen Fülle''" ein grosser Genuss für den Lesei- sei.
^ Noch vor einigen Jahren äusserte Denifle die, freilich utopistische
Hoffnung, noch einmal zu Seuse zurückkehren zu können,
^ Seuse XXX.
*) Vgl, über dieselbe auch Strauch in Dt seh. Lit.-Ztg. IStil, 83 ß'. ;
M, Grabmann, P, H. Denifle 1905, llf,
H. SeuBe, DeatBche Schriften. 11^
162* Einleitung. 11. Seuses Leben und Werke.
Eijüeitung und mit den Holzschnitten des ersten Druckes hat jüngst
W. oon Scholz lierausgegeben (Heinrich Suso, eine Auswahl aus
seinen deutschen Schriften [= Die Fruchtsc/iale Bd. XIV], München
und Leipzig 1906 ^ XCI und 219 S.); ei^ie ähnliche Auswahl in zwei
Bänden soll im Verlage von E. Diederichs in Jena erscheinen. Eine
tollständige kritische Ausgabe Seuses im Urtext blieb nach Denifles
Veröffentlichung immer }wch ein dringendes Bedürfnis; namentlich
Strauch^) hat das zu wiederholten Malen betont. Mit Seuses
Sprache wird man sich erst drmn in erspriesslicher Weise beschäftigen
können. In dieser Beziehung y z, B.für Untersuchungen über Sprach-
schatz und Syntax verspricht er grössere und sicherere Ai^sbeute, als
etwa Berthold von Regensburg, Meister Eckhart und andere hervor-
ragende Prosaiker des 13. /14. Jh., für die wir wohl niemals so srw—
verlässige Texte bekommen werden wie für Seuse. Von dem Original--
tert sind aber bis jetzt nur ganz geringe Bruchstücke nach verschiedenem-
Hss. an zerstreuten Orten veröffentlicht^); die Absicht eine Seuse-
ausgäbe als zweiten Band der ^Bibliothek älterer Schriftwerke def
deutschen Schweiz^ y herausgegeben von Bächfold und Vetter-, durch
Letztgenannten besorgen zu lassen, wurde nicht ausgeführt. So soll
vorliegende Edition die Lücke ausfüllen.
Drucke von einzel^ien Schriften Sefises seien zum Schlüsse sum-
marisch aufgezählt: dt/s Leben Susos wurde 1744 zu Dillingen ge-
druckt, d/is ,Buch von der ewigen Weisheit^ in ^verbesserter Schrift-
sprac/ie' von Rauche nbichler, Augsburg 1832 herausgegeben; das Bdew
und die Bruderschaft der ewigen Weisheit sind gekürzt enthalten in
,Der ewigen wiszheit bethüchlein^, Basel 1518^), neugedruckt Dillingen
lf)f^7 und Neu-Ruppin 1861*); ein ^Manual odsr Handbüchlein der
ewigen Wegszheit' (Ahriss des Lebens Seuses, Unterweisungen und
Gebete) erschien 1022 zu Konstanz bei J, Sprenger, Die Suder-
mannsche Ausgabe von 22 Briefen (l(i22) ist oben S. 22* zitiert.
0 Äfda IX, 13^: Alhj, (lisch. Biogr, 37. 179.
') V(jl. ohni S. 7* f.; U* Anm, t ferner die Änm. zu 211,1, 236,1, 480,18,
4Uü,t. 009 J. Ö37. K inj- eine Stücke aus dem Jidtw nach F hei If\ K, Grie^f
haht'r. Alte unfjedruckle deutsche Sprachdenkmale 1844, 36 — 47 (dasselbe sctum
in ff' r nah aber. Vaterländisches 1842, 292—303); aus dem G^r Bfh nach s
in Z/da X/X, 36()ff. XXI, 103 ß',
•') Wrlhr Kr, 1094. Kxnnplarc des Druckes z. B. in Mainz, Stadt-
hihlinthek {K(jl. Zfdph 1894, 00). Zürich, Kantonshihliothek ; AusBüge darau9
hei Hasak. I)<r christliche Ginuhr des dcuUchen Vrdkes heim Schlüsse des
MiHdaltns 1868. :*8l ff.
^) Gr (i ( SS r T/, 1. 531.
Übersetzungen und Ausgaben von Seuse» Werken. 163*
Von d^m Horologium sind folgende Afii<yahen zu nennen:
die älteste s. L et a. (Paris 1470? )y nachgedruckt PaHs 1479 ; ferner
die Ausgaben zu Venedig 1492, 1536; Köln (Jo/i. Landen) 1496,
löOl, 1503, 1509; Nürnberg 1479, 1724; Paris (J. Petit 1511,
ebd. 1578 unter den Exercitia S. Gertrudis; Neapel 1658^), In
neuerer Zeit wurd^ das Hör, herausgegeben von lieg, Braun 0. Pr,,
Köiti 1724 und von Jos. Strange ebd, 1861; beide Ausgaben sind
fiÖ€>' recht mangelhaft und sollten durch eine neue kritische ersetzt
fr^/'cfen (vgl. oben S. 108* A. 2). Die ,Centutn meditationes' sind
atf.^.<;er in den meisten Ausgaben des Hör. da und dort in Andcu^hts-
bif ehern, z. B, im Precordiale devototum, Strassburg 1489^, gedruckt,
^€7-*^ ,Officium de aeternn Sapientia' erschien Parpt 1578 und Luxem-
bt€?V/ 1605.
') Obige NoHzeii nach (r messe K, ;Vy.- Murr, Memornhilia JI,^4^;
^^- JJraun, Hör, XXIII ff,
-) Vtjl. Grieshaher, /Sprachdenkmale 5,
Erste Abteilung.
Seuses Exemplar.
8«Qae, DeatBche Schriften.
Dlz ista«r prologns, da« Ist dd vorred dlss bäehes.
In diseni esemplar stand geschhben vier gatil biidilii. Uaz
«ret Beit überal mit biidgebender wiae von eiiu anvaUenden lebene
lind ^'it togeDlicIi ze erkennCD, in w«ler ordenhafti ein reht an-
Tabender mensch gol den ussern and den inren menschen ricbteii
nah gotes aller liepsten willen. Und wan gütü werk ane allen
zwirel rae wiaent und dem mensclien neiawi relit ein herz erlapbent,
me denn wort allein, bo seit es für sich an hin mit glichnusg^ebender
wise von mengerley haiügen werken, du in der warheit also ge-
Bchaben. Es eait von aim ztjnemenden menschen, wie er mit
raiden und mit lidenn und übenne einen durpruch 8ol nemen durch
sin selbs unerstorben vicblichkeit hin zu grosser lobliehen heilikeit,
Wan oeb etlichü menschen sind, dero sin und müt na dem aller
nehsten und besten xe ervolgen ringet und in aber underschaides
(tebristet, da von sü veriert und venviset werdent. hier umb git es
vi! guten underscbaid warer und valscher vernünf'tekeit und lert,
wie man mit rehter ordenhafti zii der bloseeo warheit eins seligen
i'olkomen lebens sol komen.
Daz ander biichli ist ein gemelnü lere, und sait von betrabtung
unserg herren marter und wie man sol lernen inrlich leben und
A - Hs. Brrliii 4' 840 ( Strasahurg B 139): A' ; Straesburg Un.Sibi.
L 75; -S' - Bedin foi.658: K Eingitddn TIU; M - Cgm 363; 2f = i«Jrn-
tnrg Ctnt. VII, 90; P^ Paria Bihl. nat. 222: li . Brtalau Domkap.Bm.;
* = Stuttgart Aaett. 16 . S' - StuUga,-t Theol. tl pHü. 381 : Ü - Öberlinge»
HS: W^ WolfenfiÜttd 78. 6 Aug.: f - l-Y^hufg ün.Bibl. 463: * -I. Druck
1482. — In MNP fehlt der Pi-olog. Vor denuilbm in AKRWB'a em Sild
(Abh. 1 nach K Bl. 29'): DaviA, Salomoa, der Ditiv-r (.Sttt»e). die Hwige
Weisheit, Job und Ariatotele* mit Sprächtn.
1 Jtott Übertehrift: hie taiiet an des süseu ielien und auder gute leer A'
disB IhI der prologus diss bGchs und die vorred des» dieners der Ewigen
witchaic, darin g&r vil troat und imdervrisBnng fanden wirLi Eine« yeclichen trnisl-
lichen meoschen U red S deä bücblins, das da helsoet der Seilaae [süiHC
W)<tW 2An^' Tuaigweoī te\\.\ fehlt KA'U 20 lernen] leren J'
4 Prolog des Exemplars.
selklich sterben und des gelich. Wan aber daz selb buchli und
etliehü me siner b&cher na lange in verren und in nahen landen
von mengerley unkunnenden sebribem und schriberin nngantzlich
abgeschriben sind, daz ieder man dar zu leite and dar von nam
nach sinem sinne, dar ninb hat 8& der diener der ewigen wisheit i
hie zft samen gesezzet and wol gerihtet, daz man ein gereht exem-
plar vinde nach der wise, als sü ime dez ersten von gote in
Iahten.
Daz dritt buchli, daz da heisset daz bfichli der warheit, des
roainang ist: wan bi ansren ziten etlichä angelertü and doch ver- l(
n&nftigü menschen die hohen sinne der heiligen sehrift von den
lerem verkerlich hain genomen nah ire selbs eigem and wilden
grande, und sü och also hein angeschriben, and nüt nach der meinnnge
der heiligen sehrift, so wiset es hie den menschen in den selben
höhsten sinnen mit anderscheid uf den rechten weg und af die [2^] U
ainvaltigen warheit, da dar inne von got nach cristanlicher nemang
gemeinet ist.
Daz vierd b&chli, daz da heisset daz briefbüchliy daz sin
geisehlichA tobter och zesamen brachte ass allen den briefen, die er
ir and andren sinen geischlichen kinden hat gesendet, and si ein ac
bflch dar us bäte gemachet, ass dem hat er genomen enteil dero
brieven und hat es gekurzet, als man es hie na vindet. Dez knrzen
büchlis mainung ist, daz es ein underlibi geb und ein lihtrang eim
abgescheiden gemüte. Und du himelschen bilde, du hie vor and
na stand, sind dar zA nüzz, daz ein g5tlicher mensch in sinem 2
usgang der sinnen und ingang dez gemutes alle zit etwaz vinde,
daz in von diser valschen niederziehenden weit wider af zft dem
minneklichen got reizlich ziehe.
Es ist och ze wüssen: do die quaternen diss ersten sinnen-
richen bfiches heinlich beschlossen lagen vil jaren und dez dieners js
todes beiteten, wan er sich in rechter warhoit ungern dar mit bi
sinem lebenne keinem menschen wolt offnen, ze jungst do seit im
sin bescheidenheit, daz ze disen ziten nah dem gegenwürtigen lofe
der abiieraenden menscheit besserr und sicherr weri, daz daz buchli
mit gotes urlob wurdi geofnet sinen obren, die wil er lepti and er
sich wol uf ellü stiik diser warheit versprechen könde, denn na
2 etlicher ^S* 6 reht A^a W 11 f. von der lere in verkerlich h. g. KU
12 ergem A 16 meinung ASA^R 20 sinen fMt SR 23 underlibong
KURaW 2^deBA'aUW 81 dar mit ä: S2^oJehhKUa 34 besser
SKU sicher SA^ sichrer K(^ 1^5 Pinem A^U
sinem tode, ob jocb daz also gevieli, «laz etliohu UQrerBtandoü mea-
nclien, der rede nit ze ahten iet, daz du hier umb in verkerlioher
urise valsch urteil dar über wurdin gebende, die sin guten meinung
dar inue nit wöltin au sehen, ald die von ir grobbeit kein bessers
5 iD in selber kunneu verstau. Wau es möliti wol alBO sin ergangen,
dai es na sinem tode den lawen und gnadlosen weri worden, die
kein erbet dar mit betin gehabt, daz es l'urbau got ze lob begirigen
meDSthcn weri geuieiusamet, und müsti also unnuzberlich sin rer-
gangen. Ocfa in6hti nin geseheben, daz es blinden an der bekantnust
10 ald den argen an dem gemüte dez ersten weri worden, die es von
ireiD gebrestlichen Ungunst hctin under gedruket, als och me ist
beecbehen. Dar umbe erbaldet er sich mit ainer götlicbea kraft
,uid BÜndert usser disem buch die aller höhsten sinne und die aller
irswenksten materien, die iene hie staod, und gab sie selb dez
ze öberlesene einem hohen meister, der waz von got mit
gnadeuricben lügenden wol begäbet und waz an gütlicher kunst
uin bewerter [3'] niaister. Dar zu waz er über tütscbes land in
bredier orden gewaltige prelat, und hiess maister ßartholo-
maeus. Dem entwürt er es demüteklich, und er überlaz es mit
SD eiaem ganzen wolgevalten sines herzen und meinde, es weri alles
ttament als ein togenlicher süzzer kerne uss der heiligen schrift allen
wolgesebenden menöcben. Dar nach da dii gemain lere ward zft
disem gesezzet, uf daz daz ieder mensch daz sin hie fundi, und er
7 diiruh inich(!) KU 14 gsAifehU KU 22f. zu d. wart gesellet -*'
VA aiiuie hier u>it öfttra --
f'**nälunijen. Sammlungen von
= genleiUiae, Sprüche, Aussprüchi, TAesen, Ab-
Vätergtellen tnnl Slvtenlutn aus sehoicutischen
*"**' msftlüchen AoUiren (Sentemen, auch Summen genannt) sind »fit lieni
^^- •'A. sehr häufig : vgl. Denifie in ALKGM I, öSti. IB Bartholomaeus von
®«^enA«w. Übtr ihn *. Deniße 8 A. 1 a. ALKGM II, 334.- Preger, Vor-
^'^"'ttn 33f..- Junät, Hittoire du panthfiime populaire au moyta ägc, Paria
^**7&^ 2K9a..- Poinsignon im Frcibuiger Diöeeaanarehiv XVI, llf., 16, 43; QuHif
^-^cjiard, Scriptorea ordinia Praedieatorum I (1719), SHT ; Sl*ill, üphemtridt»
7^*W»»'niC(ino-jiocrae I (1691), 23. Er gtammte au» einem angeaehtntn, frühtr
^ tJnUrdtat», seit dem 13. Jh. im Breiagau ana(is»igea Adeiageschtechl
^^'ttitsr von Knobloch, Oberbadiseht» GaichUchttrbuch I [1838], 140/.), war
***»jr im Siraasburger PrtdigerkloaUr, Prior in Freiburg (?i, Magister der
J*^<*iogi<: in Paria und magister aacri palatii apnstolici, lau 1351 in Paris die
■ '"««»ren (MÜPU IV [1899], 337) und venealUle von J3Ö4 bis tu seinein
****« 1362 (Nekrotogium des Freiburger Bominikanerktiiiilers, Poinsignon
■ **• 0.42 u. Adelhauaer Chronik des Joh. Mei/er a. n. (I. lu) das Provinxialat
•*•* Tautimia.
6 Prolog des Exemplars.
im daz gemein och wolt han gez6get, do znkte der minneklich got
disen edeln maister von binnan. Do der diener yernam, daz er
tot waZy do ward er gar sere betrübet, wan er nit wüste^ waz im
dnr mite ze tun was. Also kom er sin mit vil grossem ernst an
die ewigen wisheit und bat si, daz si in in der sacbe dez besten e
bewisti. Dar na neiswen do ward er erhöret, und der vorgenand
maister der erschain im vor in ainer liehtricher gesiht und tet im
kund, daz es gotes g&ter wille were, daz es färbaz wurdi gemain-
samet allen gutherzigen menschen, d6 mit rehter meinnng und
jamriger belaugaug sin betin ein begeren. l^
Swer nu gern ein guter seliger mensch wardi und gotes sunder
heinlichi gern heti, oder den got mit swerem liden gemeinet heti,
als er gewonlich phliget ze tflne sinen sundren fründen, dem wen
dis bAch gar ein tröstlicbü behulfenheit Es git och gfithenrigeik
menschen ein liehtrich wisunge ze götlicher warheit und yemAnftigen
menschen einen richtigen weg zu der aller höhsten selikeit.
1 erzöget A' 2 diseui S do er die rede yemam A^ 4 wik ^
7 [der] erschein A^W 10 jomrigem belangen A^E 12 sweren hden A
Erstes Buch.
Seuses Leben.
Erster Teil.
Hie Tahet an daz erste tail dizz bAches, daz da halsset der Sdse.
Es waz ein brediger iu tülHcheiii lande, von gebart ein Swabe,
der. nam geschribeii sie an dem lebenden bilcb. Der hat begird, daz
er wurde und hiesse ein diener der ewigen wisbeit. Er gewan
knnteami eins heiligen erlabten niensctieD, der ein vil erbetseliger
lidender nienscb waz in diser weit. Der menscb begert toq im,
daz er ir etwaz aeiti von lideae useer eigenr enpfindunge, dar abe
ir lideudes herz ein kraft mfibti nemen; und daz treib si vil zites
mit ime. Wenn er zfi ir kom, do zocb si im us mit heinlicben
fragen die wise sines anvanges und fürgangs und ctlicb ubunge und
liden, die er hat gehabt, dii seit er ir in gÖtlicher heimliebi. Do
ei von den dingen trost und wieung bevand, do schreib si es alles
an, ir selb und och andren [3^] menschen ze einem behelfen, und
tet daz Terstoln vor ime, daz er niit dur von wüste. Dar na neiswen,
do er diser geischlichen dnpstal innen ward, do straft er si dar
umbe, und mäste im es her ns geben. Er nam es und verbrand
es alles, daz im do ward. Do ime daz ander teil ward und er im
in glit^her wise ocb also weit lian getan, do ward es understanden
mit himeUcher botschatt von got. du im do geschah, dii daz waute.
1 Rolt übcmt-hriß: dis isl Jus aflsen luben P Assit principio saiicta
Uariu med Item der wniler «Ses; darttnler: Hie valiet — Stue; am untern Band;
Du b8eh von dem diner der ewigen wijKha,vt M daz leben eins prcdi^^a
d«r do hies sfise AT daz da — Si'iae fthlt A' 5 heil, fehlt A' 6f. erber
selifrer PM erber selig' lidender A' 7 enger M dar Qmb Ma 9 körnende
wu> A' 11 du] do M 12 aiXen fehlt 8 13 an) h\ P 14 tfll M er]
M A' aeiawi A' 17 [do] ward i' Öcli ward M 18 in fehlt A'
18 tuümelicher M du im daz M
S Vgl. Hör. 137: euiu» nomen *it i» libro vitae (Jt. 4,3; Dan. 12,1;
1^ «MW.; 6 EUheth klaget, Stvts (/eitüie/ir Tochter .- vgl. Kap. 33.
b^^s Vgl.
8 Leben SeuBes, Prolog und Kap. L
Und also bleib dis nagende anverbrennet, als si es den meren teil
mit ir selbes banden bäte gescbriben. Etwaz guter lere wart och
na ir tode in ir person von im dur zfi geleit.
Der erst anvang dez dieners beschab, do er waz in dem aht-
zehendem jare. Und do er dero selben jaren fünfu geischliohen c
scbin hat getragen, do waz dennoch sin gemute ungesamnet; cht in
got behüte vor den meisten gebresten, du sinen lünden mohten
swechen, so duhte in, dez gemeinen möhti nit ze vil werden. Hier
inne waz er doch von got neiswi bewaret, daz er ein ungenügde in
im vand, wa er sich hin kerte zfi den dingen, du ime begirlicb ic
waren, and dubt in als es weri neiswaz anders, daz sin wildez herz
friden sölte, nnd was im we in siner unniwigen wise. Er hate alle
zit ein widerbissen und konde doch im selb nit gebelfen, nnz daz
in der milte got dar von entledgot mit einem geflwinden kere. Sü
namen wunder ab der geswinden endrunge, wie im geschehen weri, 19
und sprach eine dis, der ander daz, aber wie es waz, daz rfirte
nieman, wan es waz ein verborgen liehtricher zug von got, und der
wurkte geswintlichen den abker.
1. Kapitel.
Ton den vorstriten eins anvahenden menschen. ac
Do im diso indruk von got beschah, do erhftben sich bald
etlich vorstrite in ime, mit dien in der fient sines heiles wolt han
verierret. Und die waren also: daz inrlich triben, daz im von got
waz worden, daz vordret von ime einen lidigen vonker von allem
dem, daz im ein mitel mohti bringen. Dem widerstand d6 an- 21
vehtung mit einem inschiessenden gedank also: „bedenk dich baz,
es ist liht an ze vahene, es ist aber mülich ze volbringen.^ Der
iure rülf der bot ffir gotes kraft und sin hilf, der widerrfif meinde,
es enwer kein zwivel an gotes gewalt, es weri aber zwivellich, ob
1 also fehlt P 3 [in — im] darzu geachriben M Amen S 4 rote
Überschrift : von dem gotlichen intruck Cap. I X; die übrigen Hes. haben hier
kein neues Kapitd. 9 ungemügd M 12 entfrideii P alle fehJtt A^
17 der fehlt M 18 acker A^ 22 erstriteu P mit dion fehlt Ä^ dem KB
24 vordret] vertreip P vorker M 25 mitte A^ 28 iorüffe Ä^ [der]
bot (bat A') für PA'Wa got P
TeCra SeuBM. "^i^iTl. g
T welle. Dez ward er och bewiset kuntüch, wan daz bat der milt
^t beweret mit sinen guten gebeiBseo usser sinem götlichen munde,
las er werlichen [4'] helfen welle allen den, die es in einem natnen
ta rahent. Do du gnade in disem strite an ime gesigte, do kom
ün Tientlicher gedank in fründeg bilde und riet im also: „es mag
fftt sin, du 8olt dich besron, aber du solt nit ze vaat dur hinder
tomen. Vah es an also messeklich, daz du es mugist volbringen,
da solt VHst exsen und trinken und dir selb gutlich tun, nnd solte
lieh da mite vor sünden hüten. Bis n-ie gCit du will in dir selb,
und doch also messeklich, da/, die Kit von ussnen keinen grusen ab
lir nemen; nach der lüten rede: ist daz herz giüt, so ist es alles
^t. Du macht mit den Kiteu wol fr&lich sin, und doch ein gAter
nensch sin; endrü menschen wen och »e bimelricb komen, die doch
lit hein eio so übiges leben," Hie mite und dez glich wart er do
;ar yast aogevobten; aber dis betrogen rete widerwarf dö ewig
vieheit in ime also: ^swer den helen viech, der da heisset ein al,
>i dem sweif wil haben und ein heiliges leben mit lawkeit wil an
rahen, der wirt in baiden betrogen; wan so er wenet haben, so ist
BS im endruuneu. Wer och einen verwcnten widerepenigeu lip mit
zarüieit wil überwinden, der bedarf guter sinnen. Der die weit wil
haben und doch got volkomenlieh dienen, der wil unmöglictier
dingen phlegen und gottes ler selb felscben. Dar nmb, wilt du ab
la»en, so las» och ze frumen ab," In disem gevehte waz er neiswi
lang; ze jungst gewan er ein getüretekeit und kerte sich vemiügent-
lieh von den Sachen.
Sin wilder m&t nam des ersten menge» sterben von dem er-
^föchene. daz er tet von öpiger geselschal't. Etwcn überwand in
^ natur, daz er zfi in gie dur ein lihtrung sines gemütes, und be-
'^ah gemetnlich, daz er fröliche dar gie nnd trurige von in gie;
^o da red und kurzwil, die sü färten, waz im unlustig, und aber
' sine waz in nnlidig. Underwilent, so er zu in kom, so äptan
an mit sÖlichen worten. Eine sprach also; „war. sunder wise
** dn dich an genomen?"* Der ander sprach: „ein gemein leben
1 er fehlt PK och) also Jtf 1 f. wan es üer mUtr gottes beweis PA"
»^■wiart M 5 fründ,) frÖmdea 1' 7 also an P 9 sdnd F 10 grusen]
:«s-B-ong P 11 es fthlt S 12 wol fröl. sin mit d. I. S 13 »in mit
*«-«(i m., H-eim die och K himel MaXEW 15 rede KA' rflderil) P
»U irae) luinnc K 17 swauz MR 21 yÖUeklich PN v. wil dienen M
'^ vnlt. d, J' -23 <k\\] es P Awh A^ 31 dö sine rede P 32 wisen P
* *n dich K
wen daz sicherst." Der dritte seite: „es nimet nienier gilt ende."
Und also gab in eine dem andern. Er Awei^ als ein etumbe and
gedahte: „wafen, zailer got! Ea ist nüt besser denn fliehen. Hettist
du DU dis red nit gehöred, so k&nd si dir nit gescbaden." Ein
ding waz im do ein pinliches liden. daz er nieman bäte, dem er s
sin liden klagti. der daz selb siicbti in der selben wise, als [4*] im
geriifet waz. Dar nrabe gie er eilend und lieblos und enzoh sieb
mit groser gezwungenheit, daz im dnr na wart ein grössii süsekeit.
11. Kapitel.
Vou dem libernatiirliclien abzog, der im do ward. ]0
In sineni anvang do geechah eins ruales, daz er kom in den
kor gende an sant Agneseti tag, do der convent hat enbissen ze
mitem tag. Er waz da alleine und ßtfind in dem nidren gestnle
dez rehten chorca. Dez selben zites bat er ennderlicb gedrenge von
swerem liden, daz im ob lag. Und so er also stat trostlos uinl i*
nieman hi im noh umb in waz, do ward sin eol verznket in dem
Übe neiss uss dem übe. Da sah er und horte, daz allen zan^n
unsprecblich ist: es waz formlos und wiselos nnd hate doch alle
formen und wisen fr6denrichen last In ime. Das herz waz ^ri^
und doch gesatet, der mflt lustig nnd wol gefüret; im waz wünschen »
gelegen nnd begereu engangen. Er tet nüwen ein steren in den
glanzenrichen widerglast, in dem er gewan sin selbs und allef
dingen ein vergessen. Waz ez tag oder naht, dez enwust er nil-
Es waz dez ewigen lebens ein usbrecbendä süssekeit nach gegen-
würtiger, etillestender, rüwigen enpfintlicbcit. Er sprach dar na: *
„ist dis nit bimelriL-h, so enweis ich nit, waz himelrich ist; wsn
alles daz liden, daz man kan gew&rten, enmag die fr5dc nit tou
hillich verdienen, der si eweklich sol besizzen." Dise überswetite
zag werte wol ein stunde neiss ein halbe; ob du sei in dem lip
Ibelibi oder von dem lip gescheiden weri, des enwüst er nit. Do fr ^
4 unred M 6 in ir [solben] ivis M mz A 7 L-rzoh M lli. In
K u. an Mut agnesun lag do besthach daz er kain gänd in den chor M 14 ö»
»und. g, A' 17 iieiwB«-! A' 19 weHelo» P 21 vergantrt'ii A' vngan?*"
ÄA' SSfinffhllM 24 Ef] er A' 25 stillender .d' 27gew«rteaJf
:
L'l. Jamu
Vgl. n Kur. .
A* 27 grviutMX
wider zfi im selb kom, do waz im in aller wise als einem meneelien,
der von einer andren weit ist komen. Dem lip geschah als we von
dem kurzen ogeiiblik. daz er nit wände, daz keinem menschen ane
den tod in Sit kurzer friet so we möht geschehen. Er kom wider
5 oeiswi mit einem gnindlosem siifzen. nnd der lip eeig nider gen
der erde wider ainen dank als ein mensch, dem von nnmaht wü
jebreeten. Er erschrei inrlicli und ci-sürzet Jngruntlich in im selb
nnd sprach: „owe got, wa waz ich, wa bin ich nnV" und sprach:
„ach herzkliches göt, disü stunde enmag von mincm herzen niemer
10 me komen." Er gie da mit dem übe und ensah noch enmarkte-
aswendig nieman nüt an ime; aber [5'] sin sele und möt waren
inwendig vol himelsches wundera; die himelschen blike giengcn nnd
widergieugen in siner innignsten inrkeit, und w&z im neiswi als ob
er in dem lüfte swebti, Die kreft siner sele waren erfüllet dez
15 süssen bimelsmakes, als so man ein gAt latwergen usser einer bäheen
schfitet und du hiihs dennoch dnr na den guten smak behaltet.
Diser hiraelscher smak bleib im dur na vil zites nnd gab im eitt
faimelseh senung nah got.
111. Kapitel.
Wie er kam in die geistlichen genishelschaft der ewigen wlshelt.
Der lof, uf den sin leben dur na vil zites gerihlet was mit
inriicher übunge, waz ein steter tlizz emsiger gegenwurtikeit in
minneklicher vereiniing mit der ewigen wisheit. Aber wie daz des
ersten gewnnui einen anvang, daz mag man merken an einem
bnchlin der wisbeit in tütsch und in latin, du got dur in bat ge-
maebet.
Er hatc von jugent nf ein minneriches herz. Nu erbütet sich
dii ewig wisheit in der heiligen scrift als mtnneklicb als ein Intseligü
I' Ö einem menBchen PMS'W 8 sprach
und] noi'li A' 16 lectuaricri ÄÄ^ electuoriuin
17 bleib [im] M 20 ffeiatL fthtt M 21 dur
gpgeow.] wirdekait M 24 f. siiicu buchischen
2 des beschall h dem 1,
fthü in 10 dem fdill A'
afS' W 16 dur iia fehlt M
na ffhU P 22 das waz M
«S'JVIT/
15 t'ieotniarinm, latwftrje, latwSrjc iLexer t, 1840/.) = dick etngelioehtei-
.Safl vergchitifUtT Beii- und Würtkräuttr, ah Salhe in einer Büchge ndtr in
SUiftgenform aufbtteahrt: vgl. M. Htyne, Fünf Bacher detOfn/ier Haaitalltr-
lamer III (1903), 1.14/. 25 Büchlein der twigtn WeithHt und Borolngium
Sapietiiia
12 Leben SeusM. Kap. HE.
minDerin, du sich finlich uf machet, dar umb daz si menlich wol
gevalle, und redet zärtlich in fr6wlicbem bilde, daz si ellü henen
gen ir geneigen muge. Underwilent seit si, wie betrogen and^
minnerin sien und wie recht minneklicb und stet aber si sie. Hie
von wart sin junger m&t gezogen, und geschab im von ir, als so ein i
pantier sinen isüssen smak us lat und du wilden tier dez waldes zft
ime zühet. Dis reizlich wise hate si gar dik und ein minnekliches
Iftderen z& ir geischtichen minne, sunderlich an den bucbern, d& da
heissent der wisbeit b&eher. Wenn man du ze tisch laz, und er
denne derley minnekosen horte dar ab lesen, so waz im vil wol ze u
mAte. Hie von begond er ein elenden hau und gedenken in sinem
minnerichen mute also: „du soltest reht versftcben diu gelük, ob dir
disu hoh& minnerin möbti werden ze einem liebe, von der ich als
grössü wunder b6r sagen, wan doch din jungez wildes herz ane
sunder liebi nit wol mag die lengi belibeu.^ In den dingen nam n
er ir dik war, und viel im minnektichen in und geviel ime wol in
herzen und in mute.
Es geschah, so er momendes aber dar ze tisch gesass, so rAfte
fii US der wise Salomon und sprach also: „Audi, fili mi! Hör,
kint mins, den hohen rat dins vater! Wellest du hoher minne 2i
pflegen, so solt du zu einem minneklichen lieb die zarten wisheit
nemen, wan si git iren minnern jugent und mugent, edli und rieh-
tum, ere und [ö""] gefür, grossen gewalt und einen ewigen namen.
Si machet in minneklicb und lert in wesen hoflich, lob vor den
]&ten, rAm in den scharen; si machet in lieb und werd got und den '^
lüten. Dur si ist daz ertlich geschafen, dur si ist der himel ge-
2 frolichem PA'W' 4 siiit SaN 5 also M 8 lÄder 3f sunder Ä/'
in d. b. P 9 zu tüHclie (!) PaW 10 der minn der lay kosen M 11 eilend
Ma W 14 liortc P herz also wüdez M 15 die lengi fehU P 16 dik
fihU A' 18 dar fthlt A^aNW de röfte im [us] A^ 19 mi etc. Ka
22 tugtrnd u. in. M 24 Si — 26 scharen 7iach 26 lüten M 25 got von
d. 1. P 26 beschaffen P [int] der A^
6 f. Zuerst hei Aristoteles, Bist. Anim, JX, 6 (p, 612 a,12 8B.) ermähU,
dann im Physiologus (Fr, Lauchert, Gesteh, des Phys, 1689, 19, 176 f^ 199 f.),
bei Vinzens von Beauvais, Spec. nat. XX, 99 und bei Seuaes Zeitgenossen
Konrad von Mcgtnherg (f 1374), Buch der Natur ed. Pfeiffer 1861, IST.
9 Als „ Weisheitsbücher'* (Libri sapientiales oder morales) wurden im Mütd"
alter sämtliche Lehrschriften des Alten Testamentes bezeichnet^ besonders die
Libri Salomonis quinque (Sprichw., Höh, Lied, Pred,, Wsish,, Siraeh).
19—13,2 Weisheit K, 7 u. 8, besonders 8,2, 10, 18, Sprichw. K. 1-^ bes.
^,19, 4,1'
refltnet und <Uz abgrAnd nndergründit. Der si bat, der gat ge-
werlicb and scblafiet rfinklicb nod lept sicberlicb." Do ei dis
ich6n rede also bort lesen vor ime, do zeband gedabte sin sendes
herz also: „owe, wel ein lieb daz ist! Wan ni6bti mir dii ze teil
s werden, wie wer ich denn so recht wol beraten!" Daz widerzugen
frfiindä bilde, und gedabt also: „sol ich minnen, daz ich nie gesach,
daz ich enweiss, waz es ist? Eh ist besser ein handvol mit besizene
denn ein husvol allein mit wartene. Der boh zimbret und web
minnet. der gewinnet anderwilent bungermal. Disii herü minnerin
m weri gut lieb ze haben, liessi si ire dienet dez libes wol and zärtlich
pflegen. Nu spriebet si also: „gi)tü mnrsel und starken win und
langes schlaffen, wer dez wil pflegen, der eodarf sich der wisheit
mione niemer an genemen." Wa wurden ie keinem dicner so hertü
gpil für geworfen":" Ünz widerspracb ein g6tlicher gedank also:
]B «der tninne von allem reebt höret zä liden. Nu ist doch enkein
Werber, er sie ein lider, noch kein minner, er si ein martrer. Dar
nmb ist nit nnbillicb, der so höh minnet, ob im etwen ein wider-
wertiges begegent. Nim her für alles daz nngeliik und Verdrossen-
heit, daz die weltminner müssen erlidcn, es si in lieb ald leid."
I' *> Ab dieem nnd derley insprecbene ward er denne aber vestklich ge-
rterket ze volhertene. Des gelich heschah im vile. Etwen hat er
j ^At«n willen, underwilent Hess er sin herz aber uf zerganklich
I minne. So er denne bin und her gesfichte, so vand er iemer etwaz,
I dem der gantze ker sines herzen widersprach, von dem er denn ward
'ffi bim wider getriben.
Eins tages las man in ze tische von der wieheit, da von sin
hen ingruntlieh bewegt ward. Si sprat-b also: „sam der schSne
■"osbom blüget nnd als der hohe liban unversehniten smaket and
"'s der nnvermischet baisam nichet, also bin ich ein blondes, wol-
*" riechendes, unvermischtes lieb an urdruzz und ane biterkeit in
ff'^ndloser minneklichcr süzzekeit. Aber alle ander minnerin hein
"•••«eü wort und bitem Ion, ire herzen sint dez torfes seginan, ire
2 schnffet KP
'^»"Jacht zehand Ä'
leptl gat S loft P 3 also fihlt .V liort leseu also M
\ wel] wie KaW fi doch aUo .1/ 7 waz ilaz i«t P
.efehll .V 12 dPji endarf A' bedarf MW 14 alu»
f^Klt K 17 etwen] mrgeat A' wider wertik fit P 20 denne fihlt K
■**•*»■ JMl A' ersterket M 36 in] im MaW, fehlt K 27 gnintUth
'^'**Vt M 28 litiliöin M lilian A' 30 uiidmzi A 32 hersien] herrcn A
I
7 Vfil. Predig, ifi.
■^'"^rA 'ii.18. 30. SI.
H — l.'i Vgl.SpHckic.t
l'yl. Pird. 7.27.
14 Leben Seuses. Kap. III.
hend sint isenhalten. ire red gesüstü [6'] gift^ ire knrzwile erenrob.^
Er gedahte: „wafen, wie ist dis so war!*" und sprach frilich in im
selb: ^gewerlich; ez mfts recht sin^ si mfis reht min liep sin, ich
wil ir diener sin/ Und gedahte: „ach got^ wan m6hti ich die
lieben näwan einest gesehen, wan möbti ich nüwan einest zft ir t
red körnen! Ach wie ist das liep gestalte daz so vil losflicber
dingen in im hat verborgen? Weder ist es got ald mensch, frow
oder man, kunst ald list, oder waz mag ez sin?^ Und als verr er
si in den usgeleiten bischaften der schrift mit deh inren ogen ge-
sehen mohte, do zogte si sich ime also: si swepte hob ob ime in u
einem gewalkten throne, si luhte als der morgensteme und schein
als du spilndü sunne; irü kröne waz ewikeit, ire wat waz selikeit,
irö wort süzzekeit, ire umbfang alles Instes gnuhsamkeit. Si waz
verr und nahe, hob und nider, si waz gegenwärtig und doch ver-
borgen ; si Hess mit ir umb gan, und moht si doch nieman begriffen, ii
Si reichete über daz obrest dez h6hsten himels und rftrte daz tiefst
des abgrundes ; si zerspreite sich von ende ze ende gewalteklich und
richte ellü ding us süsseklich. So er iez wände haben ein schön
jungfroweu, geswind vand er einen stolzen jungherreu. Si gebaret
etwen als ein wisü meisterin, etwen hielt si sich als ein vil weiden- 2
lichu minnerin. Sie bot sich zu im minneklich und grfizte in vil
lechclich und sprach zu ime gütlich: „Prebe, fili, cor tu am
mihi! Gib mir din herz, kind mins!"* Er neig ir uf die fasse
und danket ire herzeklich uss einem demütigen gründe. Dis ward
ime do, und nit me moht im do werden.
Dar na ge wonlich, so er also gie verdahte nah der aller
lieplichosten, do tet er ein inriich frage und fragte sin minnesüchendes
herze also: ^ach herz mins, l&g, wannen flüsset minne nnd ellA
lütselikeit? Wannen kumt ellü Zartheit, Schönheit, herzlust nnd
lieplichi? Kunt ez nit alles von dem usquellenden nrspmng der
blossen gotheit? Wol uf dar, herz und sin und m&t, dar in daz
grundlos abgründ aller lieplichen dingen ! Wer wil mir nu werren?
Ach, ich urobvach dich hüt nach mins brinnenden herzen begirde!"
Und denne so trukte sich in sin sele neiswi der ursprünglich usfloss
1 gesüflseste S 2 wafen fehlt M 4 wan fefUt MaW 5 an ge-
sehen M 9 mit [den] K 11 gewilketon trone gewulketen S 14 doch
feMt S IG rillte A^ 17 erspreite P 18 wolt haben oder wende haben A*'
22 lech.] lübkiich (?) P 26 f. aller liepsteu MW 30 us wellenden M 31 wol
uff wol uff Ka W 33 Ach fehlt S
16-18 Wtish. 8,1, 22f. SpricJiw. :J3^6.
Lebpii HeiiBes. Kap. IV.
15
les gfttes, ut dem er bevand geiBchlich allez, daz »cli6ti, Ueplich
und begirlich wax; daz waz alles da in unsprechlicfaer wise.
Hie mite koui er iu ein gewonbeit, wenn er loblieder horte
<C singen oder BÜZ'/.a eeitenspil erklingen oder vod zitlichem lieb bort >
fi tagen a\d singen, so wart im mn [6'] herz und mfit geewintlicb
ia gefürt mit einem abgesclieiden inblik in sin lieplichostes lieb,
TOD dem allee Hep ttüsset. Wie dik dnz miunekllcb liep mit minne-
weinenden ogen, mit uszerspreitem grundlosen lierzen sie umbvangen
und in daz minnenricb herz lieplieb gedruket, daii weri unsäglich.
10 Im geschach hie von dik reht, als so ein müter ir sugendez kinilli
hat nnder den armen uf der schösse steude: als daz mit sinem
hebte und bewegte siues liblis gen der wartenden inüter enbor vert
nnd sins herzen fröde mit den lechlichen geberden ei-zöget, also für
herz dik in sinem libe gen der ewigen wisheit lustrieben gegen-
keit in einer enpfintlichen dnrfloasenheit. 8o gedabt er denne:
'e herr, weri mir nu ein künegin gemehelt, dez gaeti sich min
we, nu bist du mins herzen keisrin und aller gnaden geberin!
/n dir ban ich richtums gnflg. gewaltes als vil ich wil. Alles des,
(la.z ertrich hat, wolt ich nit nie haben!" Und alsus betrahtende do
' (vard sin antlüt so frälich, sinn ugen so gütlich, sin herz ward
jubilierende und alle siu iuren sinne diz singende: „Super salu-
t ^ tn eta, ob allem glükd, ob aller Schönheit, du mins herzen glök
nsxd Schönheit: wan gel(tkt Iiat mir mit dir gevolget nnd alles gAt
hflkn ich in dir und mit dir besessen."
IV. Kapitel.
VV^ie er den minnekllchea ttamen ienan uf isin herz zeicliente.
In den selben ziten ward neiswaz unmeziges f&res in sin ael
S^sendel, daz sin herz iu g6tlicher minne gar inbrünstig maehete.
^•'ns tages, do er sin bevand in ime und sere wart kaiende in g6t-
I lieber minne, do gie er in sin celle an sin heinlichi und kam in
'^'•' ininneklich betrahtunge und sprach also: „ach, zarter got, wan
2 tla fehl! A' 4 ringen oder — bort M, /thU ÄSPKÄ'aNUW
* «Tserapr. a 9 in /«W( M 10 also, a!g »o M tint P 12 zarten
**Ma' 13 der Uepiichon gebSnl M den litplichen geberden ttW 16 ganti]
~^^ P 18 dea, daz daa Ma 20 antlüt] berz M 24 dir (traitt/]
^»rd, K 29 enpfand P« 31 ein] sin M wan fihll Ma
21 ff. Vyl. Weisli.7,10/.
J
Leben äeaicB. Kap. IV.
kfind ich etwas minnezeiohenB erdenken, daz ein ewiges minnezeieben
wen enzwischnn mir und dir ze einem Urkunde, daz ich din nnd
du mioB herzen ewigü minne biet, daz kein vergessen nietoer me
verdiigen m&bti!" In dieem inbrünstigen ernste warf er vornan
sinen scbapren iif und zerlies vornan sinen bfisen, und nam einen i
grifel in die band und sacfa sin berz an und sprach: „ach, gewaltiger
got, nu gib mir hüt kraft und macht ze volbringen min begirde.
wan dn m&st hat in den grund mins herzen gesmelzet werden"
Und vie an und stach dar mit dem grifel in daz flaisch ob dem
herzen die richti, nnd stach also hin und her und nf und ab, dde )0
er den namen IHS eben uf sin herz [7'] pezeichent. Von den
acharpfen stieben wiel daz bl&t vagt nss dem fleische nnd ran über
den lip abe in den büsen. Daz waz ime als minneklich an k
sehent von der fürinen minne, daz er dez smerzcn nit vil ahtei«,
Do er die getet, do gie er also verserte und blutige nss der cell nfli ,
die cancell under daz crucilixus nnd knüwet nider und sprach: „eyi,
herr mine und mins herzen einigü minne, nu lüg an mins hen»
grossen begirde! Herr, ich enkan noch enmag dich nit förbu in
mich gedruken; owe herr, ich bite dich, daz du es volbringest oirf
daz dn dich nn fiirbaz in den grund mins herzen drnkest und dlneoW
heiligen namen in mich also zeichnest, daz du uss minem henei
niemer me gescheidest. " Er gie also ininnewnnt \'il zites, nw
neiswen über lang, do genns er, nnd beleih der nam IHS eben of
dem herzen stende, als er begert bäte, und waren die bilchBtabeo
umb sich wo! als breit als du breiti eins gescblichten halmes, DiidS
ala lang als ein gelid des ininslen vingers. Er trftg den nanten
also uf sinem herzen unz an sinen tod, und als dik sich daz heiw
bewegte, als dik wart der nam bewegt. In der nuwi waz es gu
schinber. Er trug in in der heinlichi. daz in nie kein mensch gessb,
denne eine sin gesell, dem zöget er es in götlicher heinlichi. Sn*
in dnr na üt widerwertigs an gie, so sah er daz minneklich minne-
zeichen an, m ward im du widerwert ikeit dest lihter. Sin eelhit
etwen in einem minnekosen gesprochen: „Herr, lüg, die minner lüaa
weit die zeichent irü liep nf ir gewani, ach minne minü, ao bu
ich dich in daz frisch blüt mins berzensafes gezcichent.' '
1 iiiin[i<-z.) iiiiiuikUrh (!l .V 6 die] sb .V 8 noch htte P den £
II ttach den griffrl .In mit io d. f. M 11 üafMl S und von Ä' 13 allH 5
-q»! miiiH — 18 Herr frUl S "wigi) MA^ 22 ako gm et M Vf
P iffi dftl i'iii r oU dd b. - 36 lane /Ml K 26 An MA^
t /MI M in noc^ menscb A'
.e'ieii St^uäts. Ka|), V.
Eins liiak's iia iiieli, iln er von siiiciii gebet koui. da icie w
III 9in cell uod sass also uf sinen stnl, und naiii dei' altvcter bfieli
iiiider «in hobt zCi einem küsBin. In dem enisank er im selb nnd
ijucht in, daz neiswaz liebte» us drungi von sinem herzen, und er
■» Iftgto dar: do ersehein nf sinem heraen ein ^ulilin tröz, und dar
in waren verwürkel in erhabenr wise vil edelr stein, nnd die liihten
^cmul schon. Atso nam der diener sin kaiien und scbifig si i^ber
daz berx und meinde, daz er daz usbrehend klar liebt gern beti
bedeket, daz cz nieman mobti hau gesehen. Dn liruiinen die us-
I^ngent glenz als wünneklieh. wie vast er sü barg, daz es nit half
Hb irc kreftigen sclionbeit.
V. Ka
Von den) rorspil gütliches trostes, mit dem got etllcbti
anvahoadii menschen rfizzet.
.So er nah siner gewonheit nadi der uiettin in sin kapell kom
und dur eins mwelis willen in sinen stnl gesass — dis sizzen waz
kurz und weret nit länger, denn unz daz der wahter kunte den
ufgenden tag, - und denne giengen im "eh iiT sinü ogen. und viel
gcswind of sinü knü und grUzte dcit ut'breclienden liebten morgen-
*■ stßmen, die zarten küngin von bimolrich. und meinde: als du kleim't
vögelii in dem sumer deu liebten tag grüzent und in frölieh enpbahent.
idso in der f'rölicben begirdc grfizt er die liehtbringerin des ewigen
Lnges. «ud spraeh denn da wort nit einvalteklich, er spnieb sii mit
'■iuem siissen stillen gedÖne in siner sele.
> Eins males sasH er also der selben zit in siuer rllwc, do hört
pr neiswaz in siner inuewendckeit als berzklicb erklingen, daz alles
siu herz bewegt wart, und du stimme sang mit einer Intcr süsser
hellnng, under dannen do der morgenetern uf gie, und SRug disü
Wort: „Htella Maria maris bndie proeessit ad ortum, der
1 na ineti fehli K auch ilet metti M 2 siuem M ^ in im ». ASi'
5 im uff P (i [iiic| crluhleii /' H iiBbrpehcnd Sl' 13f. mit — reJa^ier.
fehlt M etlichen anileliligen m. A' 15 So] do K 17 ilaz ft/ill M
31 griiBxl«» A' and [in| M euph-j xulicnt A' 22 alao |iij| K 23 nit.|
mitf!) .V 24 Bossen AA/'J' stillen -nizzcn M 27 \nm/t/.lt ,1/ 2« (tanticnj
.li-iu P 2Ö arf urium fehlt !•
2 ftltveter, vgl. Kap. 35. b In AKHB' tin kitinte ISild: ihr Xumc
IHS tnit yrosgeii guldenen Budigiahcn in farbiger Umrithmuni/. 2H Aus
dem ä. Hetpotmoriwn der MaliiUn um l-'rn' Mtin'ä Geburt (^'. Se/ilJ, fi.ii.7i dem
Dominikantrogicmm.
I X/UPtl'ti
18 Leben Seuses. Kap. V.
nierstcrn Maria ist hüt her für gezogt/* Dis gesang erhal als über-
imturJicli wol in ime, daz im alles sin gemüt verflöget ward, und
sang mit imc frolich. Do su es mit einander hüglich us gesungen,
(lo ward iin ein unsagliclier umbvang, und in dem ward zfi irae
gesprochen aUo: „so du mich ie minneklicher umbvahest und ie un- i
materilicher küssest, so du in miner ewigen klarheit ie minnekliciier
und ic lieplicber wirst umbvangen." Also giengen im die ogen uf.
die trehen waletan im daz antlut abe, und grftzte den nfgendeu
morgonsterncn nah siner gewonhoit.
Dar na uf den griizz gie der ander morgengrftz och mit einer u
venje der zarten ewigen wisheit mit dem lobrichen gebetiin, daz er
sehreib an etliehü nüwe brieflmchli, und vahet au: Anima mea
desideravit etc. Hier uf gie denne der drite grüz mit einer
venje dem höhsteu minnerichstem geist« von Seraphin, der in der
aller hitzigosten furinen minne uf flammet gen der ewigen wisbeit, 15
dar umb daz der hizzige geist sin herz inbrünstig in götlicher minne
mneheti, also daz es in im selb brunni und ellü menschen durch sinü
niinncrichü wort und lere enzunti. Dis waz do sin teglicher
mt)rgengriiz.
Einest an der vasnaht hat er sin gebet gezogen, unz daz der 2i)
wahter den ta*r blies. Also gedaht er: „sizz enklein, e daz du den
lichten morgensternen [8'] enpfahest". Und do im also ein vil klein
die sinne in ein rüw kamen, do erhüben die hiraelschen jnngling
mit hoher stimme daz schon respons: Illuminare, illuminare
Jerusalem etc., und daz erklang als unmesseklich süzz emniten 25
in siner sele. Do sü kumme ein vil wenig gesungen^ do wart dez
himelschen gedones du sei als vol, daz sin der krank lip. nit nie
moht crliden, und giengen im du ogen uf, und daz herze gieng über
und flussen die inbrünstigen trehen über abe.
1 für] \i\\ .y Dis] daz P 4 iin>alit'(!) .1/ 5 und |i(*] M uu-
11111 trrliclHT P 10 d. rt. i,Tuz S mit e. v. och ^1/ 1*2 au etliche mynno
hin lüach icf do sdiroib an dem iiachgciidon brieflmchlin M an dem nagendt?
in'iwcii lirirtlnK-hlin A^ 1:5 «'tc fchll KP hier lI^ ASP 16 inbn'mstijjrer
AS inlnnnstijiTr hitzipr miniK' .1' 18 wort] wi-rck P 20 verzojren P
24 daz! dm p 20 i\a/. f'e/,h S di>z A' 2\) abc| al .1/
l'J nuw«* li. ::=- f/ekiirzte hriffhüchhiu. 14 venjo. venia = Prostrution
louf die rac/tfi Seite des Körpers. ryL Cnust. FF. Ord. Praed. JJist, 1 c. Ü
n. l-j'i I. *J4 -/. lU'.sp(nisnri'(iii der .Mntifiiu <iii iljdjilKUtiv nach dem Domin."
Urrricr (Js. tio.I).
^^^^^^^^^r V. ^^^^^^^^^^p^^^l
^^^H \}a t-r einest also sass der selben /il, rio was im vor in ciDer ^^^|
^Hp«ilit. iT wU^\!U^ vcM-fiiivt Werl luirlcr hw\. Also dlllit ^^H
H y/lKv 9s <' ^^ ''^'-^ I^^H
^^^^B^^p^^jäyT^^v\ Mflai
I^^Siiii^^^^l
ft M
^^^■diiz Fin i?ii^-el gar gütlich vor im stünde ze siner rclitcii liand. ^^H
^^^v dk-ner vert ^oswind nl' und nnnnvalteL den ^Tininnlen en^'ct, ^^H
^^H* 1 .-iii.T feUl P i vfn P stnnt ^^M
20 Loben Seuses. Kap. V.
und umbschlüsset in und trukt in an sin sele, so er iemer minnek-
lichest kondc, dnz reht kein mitel was enzwischen in zwein, dez in
duhte, und hfib uf mit kleglieher stimme und mit weinenden ogen.
und sprach us einem vollen herzen : „owe, engel mine, den mir der
minneklich got ze trost und ze hfit hat geben, ich bite dich dur die "
minne, die du zc got hast, daz du mich nit lassist.** Do cntwürt
der engel und sprach also: „getarst du got nit getrüwen? Lüg,
got der hat dich also lieplich umbvangen in siner ewikeit, daz er
dich niemer wil gelassen."
Und eins males nach einem lidenden zitc do geschah eins h
morgens frti, daz er och umbgeben waz mit dem himelschen ingesinde
in einer gesiht. Do begert er von ire einem klaren himelfürsten.
daz er im zogti, in weler wise gotes verborgnu wonung in siner
sele gestalt were. Do sprach der engel zu im also: „nu tft einen
frölichen inblik in dich und Iflg, wie der minneklich got mit diner i"
minnenden sele tribet sin minnespil." Geswind sah er dar und sah,
daz der lip ob sinem herzen ward als luter als ein kristalle, und
sah enmiten in dem herzen rftweklich sizen die ewigen wisheit in
minneklicher gestalt, und bi dem sass des dieners sele in himelscher
scnung; du waz minneklich uf sin siten geneiget und mit sinen l><j
armen umbvangen und an sin gotlich herze gedruket, und lag also
vei^zogen und vereofet von minnen under dez geminten irotes
armen.
*
[y] Er hate im seil) erniiwret i»tlichü band, und do ward an
der engel naht, do waz im vor in der gesiht, wie er horti engelsoh- 2:
liebes gesang und süzzes himelsches ged6ne. Da von ward im als
wol, daz er alles sines lidens vergass. Also sprach ire [O""] eine zft
ime: „sih, als du gern hörest von uns daz gesang der ewikeit, also
1 iimbschüsset M 2 dezj daz P H der fehlt S 10 einemj
dein S 12 irej erst (!) P einen KA^ 14 einem A 17 ward fehlt A^
18 ensach .V ruwekl. fehlt M 22 verzogen und fehlt M und von
minnen K 24 Es K 27 ainu M 28 als gern du von uns h. M
ainikeit. ^f
2:i In AKliWB^a ein Bild: die eiviyt Wdsheit und de» Uien^^s Sede
umarmtn aivh auf titinem Schoss (Abb. :2 nach W Bl. 14^), 24 Vgl.
Kap. Ib. 25 Vorabend den lYHcs filier Kngel { Michaeli arfeM), das am
Uli. Sept. gefeiert wurdf.
Lebeu Seuses. Kap. V. 21
huren wir von dir gern daz gesang von der ewigen wisbeit.*^ Und
sprach aber dur na also: ^dis ist des gesanges, daz die nserwelten
heiligen werdeut frölich singende an dem jüngsten tage, so sii an
schowent, daz sü in iemer werender fröde der ewikeit sint
ö hostetet."
Er hate dur na einest an ire liohzit vil stunden in semlicher
schowung ir fröden verzeret, und do es nahete dem tage, do kom
ein jungling, der gebarete dem glich, als ob er were ein himelscher
spilman von got zii im gesendet. Mit dem kamen neiswi menger
O stolzer jungling in glicher wise und geberde als der vorder, denne
so vil daz der erst etwaz wirdekeit hate vor den andren, als ob er
weri ein fürstengel. Der selb jungling kom als recht wol gemütek-
lich zu ime und meinde, sü werin dar umb her ab von got zft im
^^esendet, daz sü im soltin in sinem liden himelsch frod machen,
^ und sprach, er solti sinü liden uz den sinnen werfen und inen gesel-
schaft leisten, und er müsti mit in och himelschlich tanzen. Sü
zugen den diener bi der band au den tanz, und der jungling vie an
ein frölichez gesengeli von dem kindlin Jesus, daz sprichet also: In
(lulci jubilo etc. Do der diener horte den geminten namen Jesus
^* aho süsseklich erklingen, do ward sin lierz und sinne alse recht
Wol gemftt, daz ime verswand, ob er ie liden hat gehabt. Nu
itiget er mit froden, daz sü taten die aller hohsten und die aller
JViesten Sprünge. Der vorsenger der kond es als gar wol rüren, und
cier sang vor und sü na, und sungen und tanzeten mit jubilierendem
^ herzen. Der vorsenger machete die repctitio wol drivalt: Ergo
Tnerito etc. Dis tanzen waz nit geschafen in der wise, als man
in diser weit tanzet; ez waz neiswi ein himelscher uswal und ein
widerinwal in daz wild abgründ der götlichen togenheit. Dis und
<lerley himelsches trostes ward ime unzallicli vil in den selben jaren.
1 ^ern von dir SM [von] dir MA^ ewi«;Tii fehU 3/" 3 frolich
^eftU M 4 in fehlt M 0 einest fthh A^ liohz. ains nachtz M
?«ruiidonl streng: iibnntr K, fehlt M 7 frod .V 14 konion und «resendet M
15 inenj ein P KJ oeh mit in M 20 u. sin sinn M 21 ie fehlt A^
22 daz] was A^ 23 riiiren A ri vieren MÄ^fS^ regieren Kall 24 jubi-
lierenden S 26 in der wise fehlt M '21 diser] der PM
18 Vgl, Uoffmafin v. Jutller.shbeu, In dulci jahilo, ein Beitrag zur Ge-
si.'hichte der deutschen Poesie, 2. A. 1S6U 8f. 40 — 6o : Ph. Wackernagel, Das
deutsche Kirchenlied II, 4b:iff. Dir Überlieferung des Mischliedts ist ver-
schieden: Hoffmann Ifietet eine niederländische Ftissung des lö. Jh. mit d'tn
Tiefrain Ergo merito in der ersten Strophe.
22 Lebiin Seuses. Kap. VI.
lind alier meist zfi den ziten, so er mit grossem liden waz umbgeben,
und dö wurden im denne dest lichter ze lidene.
Einem heiigen menschen waz vor in einr gesiht, do er üher
alter waz gegangen mess sprechen, daz er wurdi hiter mit eiur ^re-
zierde einr durluhten minne, und sah, daz du g6tlich gnade her ab
towetc in sin scle, und daz er ward eins mit gote. Do kamen
hinder in stende gar vil lütseliger kinden mit bannenden [10*^] kerze«
zft dem alter, eine na dem andern. Sü zerspreiten ire arme nnd
umbviengen in, ein ieklicher sunderlich, so sü iemer lieplicbest konden^
und trukten in an ire herzen. Sü fraget von wunder, wer sü weriiÄ
ald waz sü meindin? Sü sprachen: ^wir sien üwrü geswisterpt
mit lobe und frode in ewiger selikeit, und sien bi üch nnd hütefti
üwer ze allen ziten.** Si sprach: „ach lieben engel, waz meinet:,
daz ir den herren so reht minneklich heind umbvangen?" Sit
sprachen: „do ist er uns als herzeklich liep, daz wir vil tünes mit
im haben, und wüssist, daz got unsaglichü wander würket in sine-r
sele, und waz er got ernschlich hat ze bitene, dez wil im got nieni^r
versagen."
VI. Kapitel.
Von etlichen Visionen. -
Do in den selben ziten hat er gar vil vision künftiger uitö
verborgenr dingen und gnb im got neiswi ein ehptintlich kuntsaimi-
als verr es denn moht sin, wie es in himelrich und in helle und i ^
vegfür stünde. Es wjiz im gewonlich, daz vil seien im vor erschinei^r
so SU von diser weit geschieden, und im kund taten, wie es i«^ -
ergangen weri, wa mit sü ir bfisse hetin verschuldet und wanii"^
man in gehelfen möiite, oder wie ir Ion vor got weri. Under der»'
andren erschein im och vor der selig me ister Eghart und d6*^
1 irross«*n .1 7 lurzcn (hirc/ifttrichen, darunter korzen M hen»^**
ASPä' 8 Mi| i\\\ ASA' 12 iiiirl an M IoIm' xindfehU P 15*1«^!
so S 17 rnivfiiclies /* liirtriK- A (le/| dz PM 22 gfiib im liC»*'
ir<.>van .1/ 2:*» liimolr. |umll /' 24 vil ir«?\v(»nl. M vor iiu Jf ^iöii'^i
iiii(I) M 2iS \v t\hli J* 27 von ^»"ot -V 2S ilo iTschein .V
2S Kck/tart shirh hafd nach seiner Erhlärnntj vom 13. Vtbraar Pif''
In flasKcUic Jahr lallt wohl auch die \'ision.
i
Leben Senses. Kap. VI. 23
heilig brfider Johans der Ffitrer von Strasburg. Von dem meister
ward er bewiset, daz er waz in nbcTswenkcr günlichi, in die sin
sele blos vergotet waz in gote. Also begertc der dioner ZNveier ding
von im ze wüssene; daz ein waz: wie du menschen in got stündin,
5 du der nehsten warlieit mit rcbter gelasscnheit ane allen falsch ^ern
gnfig werin. Dez wart ime erzöget, daz dero menschen ingenonien-
heit in die wiselosen abgriindkeit nieman möhti gewSrten. Er frnget
aber fürbaz also: ein mensch, der gern dar zu kemi, waz dem du
fürderlichest Übung weriV Uo sprach er: „er sol im selb nnh sin
selbsheit mit tiefer gelasscnheit entsinken, und ellü ding von got
niit von der creatur nemen, und sich in ein stille gedultkeit sezzen
gen allen wülfinen menschen.**
Der ander bröder Johans der zogte im och in der gesiht die
wünneclichen Schönheit, mit der sin sele verkleret was; und von
^^ dem begert er och, daz er im ein frag uz rihti. Du frag was Jilso:
er fraget, welü under [10^] allen Übungen du weri, du einem men-
«^chen aller wirst teti und im aller nuzest weri? Do hftb er uf und
•sprach, daz mit wetünders und nüzers dem menschen weri, denn da
«ler mensch in gelasscnheit von got im selber gedulteklich us giengi
^ und also got dur got liessi.
Sin eigne vater, der der weit kint zemal waz gewesen, der
erschein im vor na sinem tode, und zogte im mit einem jemerlichen
JUiblik sin angstliches fegfur, und wa mit er daz aller meist bäte
1 heilig] selig S mtrtrAKPMA'U furer >S t'ucrci- afS' (Denffles An-
S^ftbeu 30 A. 1 sind untichtig) den maisterii M 5 mit der reliten g, M
T gewart<)n M 8 dem] im -4^ 11 sich still in ain j^. s. M 15 uz fehlt P
10 er fraget fehlt A"^ 17 wirs AK 18 und — weri fthU S 21 drr
f ciceites)] d\ir AA^ durch (!) K 22 mit] in M
1 Johannes der Futörer ^e/*öri einer angesehentcn^ nichtpatrizischcn Sfra.ss-
^nrger Familie <in : 1338139 und 1341142 wird Clawea Fiiterer von der Kürschiur-
^anft in den Hat gewählt (Strassh. ÜB VII, 89^, 89:0- l'^^i^ sind Wilhelm I\
t.:ivis Argentin. u, f Alexander F. canonicus am St, Thtnnaskajtitel urkundlich
9,tzeugt (a. a. O. 377). Johannes F. erscheint 1325 {ebd. III, 322) als Mit-
glied des Basler Predigerkonvenis ; der 1386 genannte {ebd. \'II, fio2J gleich-
namige Strassburger Subprior wird wohl ein Verwandter von ihm gewesen min.
Fragmente mystischer Predigten von „Bruder Johans der fvterer ein brediger"^
stehen in der Berliner Handschrift Ms. germ. quart. 191 (XV. Jh.) PI. 374''.
383*\ 386*., 387*", 389^. Die ziemlich ungeschickt zusammengestellten Sprüche
geben aber keinen Btgrijf von F.s Bedtutung als Prediger; Bl. 385'' nennt .ste
ketthrintn = Dominikanerinnenkloster St. Katharina zu Strassburg als Ort
der Predigt. Vgl. auch Denifle 63(i Anm.
24 LcImmi Scuses. Kup. VII.
verschuldet; und seit im usgeseheidenlich. wie er im helfen solte.
Um! daz tet er. Und er zogte sich im dur na und seit im, daz er
lidig dur von waz worden. Sin heilgü raiiter, mit der herzen und
libe got wunder wurktc bi ir lebene, du erschein im och vor in
einer gesiht und zogte ime den grossen Ion, den si von got enpfangen 6
hatc. Des glich besdiah im von unzallichen vil seien; und hier ab
nam er do lust. und gab im vil zites einen bildrichen ufenthalt in
der wise. die er do ffirte.
VII. Kapitel.
lu weler Ordnung er ze tisch gie. i<
So er ze tisch solte gan, so knftwet er nider mit inrlicher l)e-
trahtung sines herzen für die ewigen wisbeit, und bat die vil ge—
trulicb. daz si mit ime ze tische giengi und mit im enbissi, nnd
sprach zu im also: „aller süssester Jesu Criste, ich lade dich mi^
grosser begirde mins herzen und bite dich, als du mich milteklicli IB
spisest, daz du mir och hüte diu zarten gegenwiirtikeit verlihest.**
So er über tisch gesass. so saste er den geminten gast der reinem"»
sele eben für sich zu einem gemassen und sah in vil gütlich an =
etwcn neigte er sich uf die siten sines herzen. Zu einer iekliclie«»
trabte, die man im für saste, bot er uf die Schüssel gen dem himel- 30
schon büswirt, <laz er im sinen heiligen segen dar über teti, Dn*i
sprach dik in einer minnericher früntlichcit: „ach zarter gemassen*
nu isse mit mir. herr mine, nu grifi» vor dar und isse mit diner»"»
kneht!** I.'nd derley minn(»kosendü wort hat er gen ime.
So er trinken wolte, so bub er den ko])f uf und bot im i»* ^
och vorhin, daz er trunki. Er trank do ob tisch gewonlich füm^
trünke und tet die uss den fünf wunden sines geminnten hcrrem ^
wan aber lll"^] wasser und blut uss der gotlichen siten ran, hir**"
uiiilie tet er disen trunk zwivalt: den ersten muntvol und do»^
jüngsten noss er in der niinne dez minnerichsten herzen, so di^
ertlich geleisten niag, und in der inhizigosten minne dez hohsten geistc^^
von Serapliin. daz die mit sinem herzen wurdin völleclich geteilC^-
I ^I!^lM••^(•ll(•i^l. ,1/ 2 IM- «Tzoigte IWa 4 vor naiswie M 5 v<» ^*
iror fehlt A' r, hrs] dis N 7 do] ileiine P 10 «rie engen P 13 [va^J
eiib. P 14 s^pracli also z. i. P 17 gt'sass /VA// A^ 18 för 8lch eben M-
"22 iiiiiiiJi'klicheii M 25 iif nach liub er N 26 du fehlt MA^ 28 wt^
frhlt M blüt u. WMssrr P .Idi AS P :^0 miunrichon M 31 hitzisrwt« i^'
:\2 wuril .1/ vOll. ühlt M
Leben Seuscs. Kap. VII. 25
Die spise, du im nit linpfig waz, bot er ze tunken gen dem minnewunden
herzen mit gutem globen, daz si im denne nit m5hti ge^chaden.
Er sAhte lust an opse, und daz wolt im got nit gestaten. Im
waz vor in einer gesibt, wie im einr !)uti einen apfel und spracb:
0 «nim hin, daz ist daz, da du lust an suchst.'' Do spracli er:
.nein, alle min lust lit an der minneklichen ewigen wisheit.*^ Do
meinde er, daz weri nit war, er sfthti sinen lust ze vil an dem ops.
Und dez erschamt er sich in im selb, und was zwei jar, daz er nie
keines opses enbeiss. Do du zwei jar mit belangnng hin kamen
iM und in dem nagenden jare daz ops ersessen waz, daz dem convent
nit opses ward, und er mit mengem strite sich selber überwand,
'laz er kein sunderheit ob dem tische wolt haben mit opse, do bat
er ^ot, weri es sin wille, daz er es esse, daz er denne den convent
allen opses beriete. Und daz geschah. Do mornend ward, do kom
^ ein frömdü person und brachte dem convent ein gftt teil nüwer
Pfenning, und wolt nit enbern, wan kofti liberal nuwan epfel dur
tnit. Und daz geschah, also daz sü vil zites gnög baten, und also
vie er dankberlich ops wider ze essen.
Da/ gross ops teilt er in vier teil: du drü ass er in dem
* nnnien der heiligen drivaltekeit, daz vierde teil in der minne, als
*lu hinielsch mi^ter irem zarten kindlin Jesus ein epfelli gab zc essen.
i.)az selb teil ass er nnbeschniten, wan es du kindelü also nnbe-
J^chnitten pflegent ze essene. Von dem winnahttag unz etwi lang
<\nr na so ass er nit daz vierde teil: er bot es in siner betrahtunge
clor zarten miiter, daz sii es ir lieben jungen sunlin gebi, so wolt
or sin in den worten enbern. So er underwilent ze geswintliehen
uf die spise oder trank viel, dez erschamt er sich vor sinem erberen
^einassen; und so er diser Ordnung keiner ob tische weri ab ge-
gangen, so gab er im selber ])nss dar über.
•^ Es kom einest ein guter mensch von einr andren stat zu ime
und seit ime. daz got in einer gesiht zu im heti gesprochen also:
^wellest [11 ^'] du ein ordenliehes tischsizen haben, so gang zfi
minem diener, und haiss dir alle sin wise sagen."
1 iiünnonden P 2 ^CHch. mohtc P 4 Imti aiiuT MA^ 5 uim]
nü P 7 duz] es A^ 0 hin| us P 10 vorsczzon .1/^* 11 selluM-
fehlt M 12 sunderhert A 13 s'ur fehlt S lJ-3f. dem c. allen opses A^
16 erbern ASF dar uml) P 18 danklich wider obs M 21 zarten fehlt M
26 ze fehlt M 27 sinen A.bKA' irgl. 22,17) 23 keiner fehlt S :31 lietti
zn im A' «resprochen het [also] M ;35 sin] die S
VIII. K;i|)itel.
Wie er bourie daz iii^end jor.
Als ze 8wabeii in hinein lande :in etliclien Stelen giMviiiillüli
ist an dem ingenclein jarc, so ^nnd die jniigliiig dcz tiahtee u» in
iiDwisheit und liiteiit de/, gemeitcn. daz ist. 8Ü singend lieder ujnl j
spiechent scliönü gedibt und bringent es zn, wie sü mägeut mit
hoflicher wise, daz in Ire liep schapel geben. Daz viel sineai
jungen ntinuencfaen lieizen also vast in, so er es liorte, daz er wh
der selben nabt für sin ewiges liep gie und bat oclt de/, gemeito.
El gie vor tag för da/, bilde, da du rein mnter ir zartes kirn). ]>
die schönen ewigen wisbeit uf iie schoss an ire herz bat gctlrnkd.
und knäwete nider nnd hrib au /.e singen in stillem süssen golto'
siner sele ein sequenci der mftte.r vor an, daz si im erlopti eiii
scbapel ze erwerbene von ir kinde, und da er es nit wol kÖndi, 'In*
si tili da hülfe, nnd ward im dik als einst und als not zc weimii. 'ö
duz im die heisscn trelien über ab waletan. So er da iis gesaiir-
80 kert er sich denn gen der berzlieben wisheit und neig ir iiider
uf die füsse. und grhzte sie von dem tiefen abgründe sincs bencn
und rflnide si mit lobe an schöni, an ndcl, an lugenden, an zarlbtit.
an friheit mit iemer weiender wirdekeit über alle seh6n jungfroffen "^
diser weit, nnd tet daz mit singene, mit sagene, mit gedenken nnd
mit begirden, so er iemer best konde, und wünschte denn, dai rf
in geischlicher wise aller minner und niiiineklicher birzen ein vnr'
lofcr wen. und aller lieplicber gedenken, Worten und sinnen fi«*
orthaber weri, dar umbc daz er die wirdigen gnil uiinneklieh vo«»
ire nnwirdigeni dicner könd geloben. Und sprach denn ze jung^*
fehtl .1/ 5 miwlNliBil lioirij/irii aiis UBwi^iE»" ^
11 Itial] t^ednikti .1/ 15 als ij.il ii. .i. oriist S*
it WIÜ-. r -jn ,.iLlliiili.T }• «-flrdeklidisii -^^
lieit A iinwigwi-nli
19 tiiirciil .1/ -2
■>G vcinYigca A'
3 fl'. Üfrci- die ahmanimdiea Volkugebraachr in der Ncitjahrsnaehl, n«*^^
(in» AnniHgeu der Grlithlcn (frii/ier ^Kriinetingen-' genannt! noch Jeltl ii*'* ■*
R'iUr »pieU, vgl. E. H. Mciier, Itadiichtn Vnlkdchtn im 1». Jahrhundrrt lli^^f
^■Off., 4HS. Dt'i gemeiten bitcn — hw da» Angmihme, liit Litimg«^^
biUtn (von gcmi-it — »eh'm, xlaUlidi, lieb): Grimm DW li', 337Jff..- Sekmi'-f-
Itr 11', 4^iy. Denifle Jfl; um KränzUiii xingm. schapel Kraus roa llhi»"*'
odtr itcie hieti käiutiicher Kram, Bniiil odur Diudem (oft mit Pfrim i«ffl<'
iifii 'Iie Stime geKehliityjen, nln Schmuck für Jungfraum. hroutu und MHiwf-
vgl. Leia-II, Ii5!i.- Iill' VJII, i'luhf.: A. ScbulH. Dns hü/. £<*M l'.SSO.H^
Leben Seuses. Kap. IX. 27
also: „ach, du bist doch, liep, min frolicher ostertag, niins herzen
sumerwunne, min liebü stunde; du bist, daz lieb, daz min jnngez
herze allein minnet und meinet, und alles zitlich lieb durch dich
hat verschmähet. Dez lass. herzentrut, mich geniessen, und lass
ö mich hüt ein schapel von dir erwerben! Ach miltes herz, tft es
dur din götlichen tugende, dnr din natürlichen güti, und lass mich
hüt an disem ingendem jare nit 1er von dir gani Eya, wie stündi
es dir, süssü [12*] süssekeit? Gedenk, daz eine din lieber kneht
uns von dir seit und sprichet, daz in dir nit sie nein und ja, in
lo dir sie nüwan ja und ja. Dar umbe, mins herzen minne, l)üt mir
hüt ein liepliches ja diner himelschen gabe^ und als den toben
minnern ein liepliches schapel wirt gegeben, also müss miner sele
hüt ze einem guten jare etwaz sunderlicher gnaden ald nüwes lichtes
von diner schönen haut geboten werden, zartü trütü min wisheit!"
^^ Dis und dez gelich begond er do und gie niemer ungeweret dannen.
IX. Kapitel.
Ton den Worten Sursum corda.
Er wart gefraget, was sin gcgenwurf weri, so er mess sang
Und er vor der stillen messe die prefation an hüb: Sursum
^ c?orda! Wan du wort nach gemeiner hellung sprechet ze tütsch
5ilso: Sursum, süsent uf in die höhi ellü herzen zfi gotel Du wort
Giengen im als recht begirlich uss sinem munde, daz du menschen,
^lü es hortan, einen sundern andaht dar ab m6htin han genomen.
Diser frage entwürt er mit einem inneklicben süfzen und sprach
also: „wenn ich du selben lobrichü wort Sursum corda sang in
der messe, so geschah gemeinlich, daz min herz und sele zerflussen
von götlichem jamer und begirde, die min herz uss im selb an der
stunde verfl6gten; wan es erhüben sich denne gewonlich drierley
höh uftragender meinungen. Etwen kom einü, etwen zwo, etwen
'^ alle drie, in den ich ward ufgeswenket in got und dur mich alle
creaturen.
3 und meinet fehlt M 6 guti] gnad ASP 10 iiüwanj nur
denno P 11 liepl.| minneclichez iS' »roben P 12 liciA. fMt M 14 schonen
fMt K werden geb. 6' 15 nienuii] der niinner (!) M 21 süsent-
sehent P 23 dar al> nach ^nenoraen M 24 inrlichen M 2i\ ncwon-
lich P und nele fehlt P zortlos PM 29 nianungen P kam zwo P
SC Paulus, II Kor. 1,19,
>8 Leben Seuses. Kap. I\.
„Du erst inlubtend meiuunge was also: ich nam für niinü
inrü ogen inicli selber nah, allem dem. daz ich bin, mit lib und sele
und allen niinen kreften^ und stalte umb mich alle Creatoren, die
i^ot ie geschftf in himelrich und in ertrich und in den vier eleroenten,
ein iekliches sunderlich mit namen, es weri vogel des luftes, tier 5
des Waldes, visch des wassers, lob und graz dez ertrichs und daz
nnzallich grien in dem mere, und dar zu alles daz klein gestuplach,
daz in der sunnen glänz schinet, und ellü du wassers tröpflü, du
von tow ald von schm* ald von regen ic gevielen ald iemer me
^revallent, und wünschte, daz dero ein iekliches heti ein süsses uf- lo
tringendes seitenspil. wol gereiset uss mines herzen innigostem saffe.
und also uf klanktin ein nüwes hochgemutes [12^] lob dem geminten
zarten gote von ewen ze ewen. Und denne in einer huglichen wise
zortaten und zerspreiten sich die minnerichen arme der sele gen
der unsäglichen zal aller der creaturen, und waz sin meinunge, sü ih
alle frutig dar inne ze machen, recht als so ein frier wolgemüter
vorsenger die singenden gesellen reizet, frölich ze singene und ire
liorzen ze got uf ze bietene: Sursuni cordal"
„Du ander meinunge waz also,"* sprach er, „ich nam her für
in minen gedenken min herz und aller menschen herzen und hinder- 2
dahte, waz lustes und fröden, waz liebes und frides die gebruchent,
die irü herzen got allein gebeut, und da wider, waz schaden und
lidens, waz leides und unrftw zergangklichü minne in treit ire Unter-
tanen, und rnfte denn mit grosser begirde zft minem und zfi den
selben herzen, wa sü sind, über ellü ende diser weit: „wol uf, ir
;revangnü herzen, uss den engen banden zerjianklicher minne! Wol
uf, ir schlafenden herzen, uss dem tode der sünden! Wol uf, ir
üpigcn herzen, uss der lawkeit üwers tregen, hinlessigen lebens!
Habent üch nflf mit einem gautzen ledigen kere hin zu dem minnek-
lichen p)te: Snrsum cor dal"
„Du dritte meinunge waz ein früntlicher rhf aller gut williger
nn*::elasenr menschen, dn verierd gand in in selber, daz sft weder
I 1 mn Bunde (roh A mmmuix P '.) <;estalt M 5 warin A'
7 kk'iii fehlt A^ ijiostüppc *V .stüphtcli .1/ s tropiifcn P 10 daz ./V/r// M
12 kUnkeii uuwcs ./VA// ^ 13 in eiin'r| nieiner (!) iC hüjrl-] frolichen i^
14 z«'rbreiti'ii .1' iiiinnoklicIuMi vor niimicr. durchstrichtn A 15 und — mein.
teUlt M Hi all.- fJilt M 18 u«^ |zr| h. P uf fehlt M 19 II am Rande
• rot I A ;l z\V(» iiunmiii;:»' V 20 in min her/. A^ 22 allein] aller ding 3/
<la fddt J' 2.") unl x\\' wol ut M wol - 20 mmnv fehlt A^ 29 uff
Mch S uft* fi'hlt P nfnuiekl.I liinn'lsclien P 81 III a. Hand imii A
ynintliflH'N riiftVii P -VI vcririd] virrdi- di V
Lübcn Seiises. Kap. X. 2i^
an got noh an der creatur hein, wan ir lierz bin und her mit der
zit zerstrowet ist. Den ruft ich und mir selb «f ein getürstige.s
wagen unser selbs mit einem ganzen abker von uns und von allen
creaturen."
5 Und dis waz sin gegenwurf in den Worten Sursum corda.
X. Kapitel
Wie er begle die Uehtmiss.
An unser frowen tag zu der liehtmiss bereit er vorhin drie
tag mit gebete ein kerzen der himelschen kindbeterin, und du kerz
was gewunden mit drin strängen also: der erste in der meinung ire
reinen, jungfröwlichen luterkeit, der ander ire grundlosen diemütikeit.
der dritte ire mflterlichen wirdekeit, du dru si allein hate under
allen menschen. Dis geischlichen kerzen bereit er vorhin alle tai:
mit drin Magniiicat. So denn der tag kom der ker/wihi, frü, c daz
ieman ze kilchen giengi, so gieng er für fronalter und wartet da
in siner betrahtunge der kindbeterin, wenn sü kerne mit irem
himelschen horde. Do sü nahte der ussren porte der stat^ so für-
lüf [13'] er in sines herzen begirde sA alle, und lüf ir engegen mit
dem gezoge aller gotesminnenden herzen. Er viel in der Strasse
für si und bat si still haben mit ir gezoge ein wili, unz daz er ir
eins gesungi. Er hfib denn uf und sang mit geischlichem stillen
gedöne, daz der mund gie und es doch nieman horte, die prose:
Inviolata etc., so er iemer minneklichest konde, und neig ir von
gründe, so er daz sang: 0 beningna, o beningna, und bat si,
^ daz si die muten güti an einem armen sunder erzögti, und stftnd
denn uf und volgete ir mit siner geischlichen kerzen in begirde, daz
Bi die brinnenden flammen des götlichen lichtes in im niemer liessi
erlöschen. Dar na so er denn zft der schar aller n)innenden herzen
kom, dien hftb er denne an daz gesang: Adornaetc, und ermant
O sü, daz sü minneklich den heilant cnpfiengin und begirlich sin kind-
A V |k
2 verströwet S gestrowet P zerstöret -1* 3 leben und wagten 6' al)ker
g&iitz P uns selben M 8 zft fefUt F 10 bewunden F 11 ire] in M
12 den dritten ASKMA^ 18 aUe fehlt A^ 19 viel uider A^ 20 uuz^
und K 24 so] do AS 25 an im e. M 26 in der be«". M 29 dienl
denn M so afS^
23 f. Aas dei' 1. Veifper von Maria Lichtmess (:^, Ftl/ruar) nach detn
Dominihanerhi'eviei'. 29 Antiphon hei der Kerzenpro Zession an Lichtmess.
:5Ü Leben St'uses. Kap. XI.
beterin uinbfiengiii ; und fürten 8i also mit lobe und gesange nnz
zfi dem tempel. Dar na trat er mit berzeubegirde dar^ e daz du
kindheterin hin in kemi und hern Simeou den suu gcbi, und knAwet
tVir si und hAb sinn ogen und hend uf und bat si, daz si im daz
kindli zogli und im daz och ze küssen erlopti. Und do si im daz e
gütlich bot, so zers|>reit er sin arme in du endlosen teil der witen
weit, und enpfie und umbfie den geminten einer stunde ze tuseut
malen. Er geschowete sinii htibschu öglü, er gesah sinu kleinu
hcndliL er ergrüzte sin zartes mündli, und ellü sinü kintlichü gelidlü
dez himelschen hordes dursah er. und ht^b denn uf sinu ogen und
i4'schrei von wunder in sinem herzen, daz der himeltrager so gross
und so klein ist, so schön in dem himelrich und so kintsch in ertrich,
und begie sich denne mit im, als er im es denne ze lAne gab^ mit
tiiingen und mit weinen und mit geischlichen Übungen, und gab in
denn geswinde siner mftter wider^und gie mit ir hin in, nnzdaze& j
alles volbraht ward.
XL Kapitel.
Wie er begie die vasnaht.
So denne du vasnaht nahete, des abendes, so man allelnja leit,
uuil die unwisen lut diser weit an vahent verlassen ze sine, so vie ^
or an in sinem herzen ein himelsch vasnaht zesamen tragen. Und
di'i waz also. Er betrahtct dez ersten den kurzen schedlichen lost
diser liplichen |13\| vasnaht, und wie etlichen umb kurzes liep
langes leid volget, und sprach einen Miserere dem werden gote für
alle die si'inde und unere. du im in dem selben verlassen zit geschiht- ^
1 saiiire P :> hin] hif .1* horru hcti A' den] im .1/ geben Ä^
.'S iK-li daz .s' .")t. ir. «laz srt-bot «> teüj tal P 9 griiszet A^ ellü /e/i// 3'
10 durNalil «iaz saln- P 11 in fehlt M IH esl di^s A^ mit »inpen -^'
14 iXAh fihlt .1' IT) mit ir ixw ''^' gie denn M 20 luiwrsen A nnwi«et»
irnwniM'lirn .V d«'rlo^son -P 21 liinnlsili /V/i/^ 3/ 22 dez ersten /<•*// ^^
21 >o l.iniTi'*' I. P 2") den . . /.ittii P
11» \'oit licr l>,v/.»r am Santsfu^j r^r :<i.fttuiitfe;tima fn'tt Ontern Iwri '''
A'\'in ' •/'//. iium /(({ :ntt tin\s this .1. ht^tn in. daitdctt. dimiitcre, tfepelirtK J/»^^
"itcr tC'trtu >itt .>V/;/. ntnh der Snu s'/mhnlisiht /''euHichkeiten dtimit «»^
■•'t.dtii. \'t!, iir'ttfend, /.eit'tchnuihi I, ... Ihuung€ rd. Henschü L i^'
2l.>Tt. /'(i" l'i^tmuiitn-- i't'in is: im .vjVi/;/, ;.t/. liadtn, vtn der Baar his :tff*
liodt.tsxt, noci. jtt:l -'(•<.> :./V'n 't'-haff, v-n. }'. H, Mffftr a. a. 0. L'O'J^'
21 i'^. '0, ■••/n .' 'I'. ■;*.. .'\i % H s.<.;'ii! ■'>: .Ji'.ra '• itr.
liia lasiiaLt liiesr^ er der frehureii vasiiaht, wan si'i Dir bessei-s er-
i^^niicnt. Lli'i linder vastiRlit way- ein betrabtunge de» vtirepils der
civikeit, wie gut mit Hlnen userwelh-n fninden deiinoli in liixeni
lödtni^em übe mit liimelscliein tröste cpilt, und naiii denn lier für
> mit dankberern lobe, wh/ im deü ivorden was, und Ueee im mit
In dein splberi anevalienden zite wart im ocli einest ein geiscli-
lit-li n vasnalit von got, und du w«z also. Er whz an der vasnaht
vi>i- der conplet in ein warmes Btübli pepanftcn, daz er Bifh wolle
wei'inen. waii in fror und liungret in. Alier im tet uit als we als der
tiil-ast, den L-r leid, lind do er da sali Heiscli essen und guten win
trinken und er liunprigii und lurstige ivas, do ward er von innen
Pviret, und gie Ijalde üb und begund sieh selb erbarmen, und ward
D gmnd sins herzen inneklich süfyende. Des selben nabtcs was
vor in einer geBihte. da/, er weii in einer sicchstuben. Also
; er ussrentlmlb der stulieu neiswen singen ein bimelsclies gesang,
dnz ged&ue erklang als eiisseklich, daz nie kein nnti'irlicliü
pf so süsseklich sprach, und was dem glieb, als ob ein zwcll-
liriges schftterli da sungi alloine. Der diener vergass aller liplielier
|»'iiis« und loset dem simsen gedönc, und sprach mit begirlichem
lierz«!): nach, iva/. ist da/, da singet? Ich geborte doli ufertrieb nie
} gedüue!" Do entwürt im ein stolzer Jungling, der stfind
jklin<i eprncli also: „du solt wi'i»seu, daz dise wolsingonder knabe
• singet, und daz er dicli meinet mit sinem gesang." Do sprach
*• diener: „owe, gefall mich gotl Ach himelscher jungling, beise
me singen!" Er saii^ über, da/, es in dem lui't boh ersclial, und
_£,^S '^"1 drii hinielscbit tieder us uod us, Do daz gesang us wnz,
k fcom der selb wolsingender knab. de/, in duhte, hin in dem lüfte
dem vensterlin der stuhen. und bot dem juugling ein hübsches
ttli, daz wa/. vol roter (ruhten, und die waren glich roten zitigcn
"4>*eni, und waren gross umb sieb, Der jungling nam die zeineii
™*l dem kiiaben und l)or [14'] sü dem brüder mit fröden und
"pi^s^cb: »Löge, geselle und geewisteigit, dis roten fruht hat dir din
•rtiat und Hin himelscher herr gesendet, der wunneklich knab nnd
1 l>e»wrei] NiiderK .V 5 niuij wan A 7 anveliWnileii M 10 liuujfit-t
W J' II ,.rU^i,i s fleiscli hsIi v. S 17 nafürl. ftliU S 21 <[hx
*»'■ J'.M 24 Do — 27 und m fthU K 26 ilcm] <leii A^ hohe lult S
"'"*» i! 2» will febli M ile/. in liiilite fekU J' 38f. hin in zB li. v. in
^i^ lufle der -t. ^^ 30 fri.hl .1/ Hl Di-r jniiiil./cÄ// il :U «Iriz zciiilin V
Kiiplel, eoinpUioriutR iil ihn hiri-.kiii-lie Abciidgclitt.
32 Leben Seiiscs. Kap. XII.
81111 (lez liimelschen vaters, der dir och gesungen hat. Ach, wie hat
er dich so recht liep!" Do ward der brftder enzündet und rot under
sinem antlüt von fröden, und enpfie daz körbli begirlich und sprach :
„eya, wol niinem herzen I Dis ist mir ein liebü sandunge von dem
minneklichen himelschen knaben; des sol sich min herz und min
sei iemer gesten." Und sprach do zft dem jungling und ztt dem
andern himelschen gesinde, daz dawaz: ^ach lieben fründe, ist nit
billith, daz ich disen himelschen gnadenrichen knaben lieb haheV
Ja, gewerlich, ich sol in von billich lieb haben, und waz ich wftsti,
daz sin aller liepster wille weri, daz w61ti ich iemer tun!" Und i
kerte sich hin z& dem vor genanten jungling und sprach: „sag mir,
liebe jungling, han ich nitrehtV" Der jungling lachetc gutlich und
sprach; Ja, du hast recht! Du solt in billich lieb haben, wan er
hat dich furbaz gemeinet und geeret denn vil ander menschen. Dar
umb hab in vil lieb. Und sag dir: du mtist liden und mftst och i:
furbaz nie liden denn vil ander menschen. Dar umbe bereit dich
dur zfl!" Der diener sprach: „ach, daz wil ich von herzen gern
tfm, und bite dich, daz du mir gehelfest, daz ich in gesehe und daz
ich im gedanke siner schönen gäbe." Do sprach er: „nu gang her
zft dem venstcrlin und tfi einen ogenblik!" Er tet daz venster uf, 2(
— do sah er vor dem venster stan den aller zartensten. minncklichsten
schftler, der mit ogen ie gesehen ward. Und do er zft im woltc
dringen dur daz venster us, do kert er sich lieplich umbe gen ime,
und neig ime gütlich mit einem früntlichen gesegnen und verswand
vor sinen ogen. Also zcrgie du gesiht. Do er wider zu im selb ü
kom, do danket er gote siner gftten vasnaht, du im waz worden.
XII. Kapitel.
Wie er begie den meigen.
An der nacht des ingenden meyen vie er an gewonlich und
saste einen geistlichen meyen, und erete den etwi lang alle tag einest S
Under allen den schonen zwiern, du ie gewfthsen, kond er nit
2 recht fehlt S 6 gcstcnj <i:efrowen P 10 trem tuu P 12 han]
hat A^ 16 iiie fehlt M menschen andrü *S' 19 {u^oben P 23 und
do M M allen fehlt M
29 ft". Das Maicn,stiv/ren, Maibaumset zen ( Ernchteii eines mit Blumen
und Jiündern geschmückten Tannen- oder Jh'rkenha unten oder "Zweiges vordem
Leben Seuscs, Kap. XU. :;3
glichers vinden dem schönen meyen, denn den wnnneklichen ast des
heiligen crüzes, der blander ist mit gnaden und tagenden und aller
schöner gezierde, denn alle meyen [14^] ie wurden. Under disem
meyen nam er VI venjen, und hat iedü venje in ire betrahtung
5 ein begird eins zierens dez geischlichen meyen mit den schönsten
dingen, du denn der sumer mohte für bringen. Und sprach und
sang in siner inrkeit vor dem meyen mit dem hymnus Salve
crux sancta also: „gegrüzet sist du, hymelscher meye der ewigen
wisheit, uf dem da gewahsen ist dn fruht der ewigen selikeitl
10 I. Dir ze ewiger gezierde für alle roten rosen büt ich dir hüte
ein herzkliches minnen;
IL für alle kleine vyol ein diemiitiges nigen;
III. für alle zarten lilien ein luterliches umbvahen-,
IV. für allerley schon gevcrwten und glenzenden blftmen, die
^^ kein beide ald anger, wald ald owen, bome ald wisen in disem
«chönen meyen hein fürbraht ald ie wurden ald iemer werdent,
büt dir min herz ein geischliches küssen;
V. für aller wolgemüter vögelin gesang, daz sü uf ie keinem
meyenrise frilich hein gesungen, büt dir min sei ein grundloses loben ;
VI. und für alle die gezierde, so ie kein meye in der zit ward
gezieret, erhebt dich min herz hüte mit einem geischlichen singene,
und bite dich, daz du, gesegneter meye, mir helfest, daz ich dich in
diser kurzen zit also gelobe, daz ich dich, lebendü fruht, eweklich
werd niessende."
Und alsus ward der mey begangen.
l jjlicher [viiidenl den seh. m. .1/ 2 n. mit tilgenden SM :i denn]
und A^ ie] nie S nnd disen m. A^ 4 hatj bat A^ 5 dez fefiU 31
10 zierd M 15 ald owcn] nnd A' 16 ie] ieraer J* 19 frolich s 20 nnd
fehlt M war M 20 f. gez. wart >S'
Hause der Geliebten) ist internationale Sitte: oflers werden auch grosse Mai-
häuine im Dorfe en-ichtet. Für Alemannien vgl. E. H. Met/er a. a. 0. 221 ff..
504; Schriften des Vereins für Geschichte d^^s Boden.stes VI {1875), 147 f.
Hör. II, 7 (p. 225): tunc (sc. prima die meiiffis maiij consuUum est, et inaxime
in partibus Sueviae terrae Almaniae, quod adtdescentes de nocte silvas pttunt, ei
urbares viriditate foliorum venustas precidunt et ßoribiis ornatas prae foribu.s
loeant, uhi se puiant habere amicas, in signum amicitiae et fidelitatis. In dem
Maibaum ein Bild des Kreuzes zu selien, war dem Mittelalter sehr geläufig.
ngl. die Lieder vom ^^geistlichen Maien^'' hei Hoffmann von Faller sieben, l)as
deutsche Kirelienlied * 1861, 122 ff., und Fredigten Geilers von Kaisersherg
aber den „Baum des hl, Kreuzes.'^ 7 Hymnus vom Fest Kreuzerfindung
(3, Mail.
II. Sense, Dcatsche Schriften. .S
34 Loboii Sousos. Kap. XIIJ.
Xlir. Kapitel.
Ton dem eilenden krüzgang, den er mit Cristus nam^ do man
in US fttrte in den tod.
üot der hat in an der crsti vil zitcs verwennet mit himelschem
tröste, und waz dar inn so gar verliket: waz die gotheit an horte, 5
daz waz im lustlich, so er aber unsers herren marter solte betrahteu
und sich dar in mit naclivolge solt geben, daz waz im swer und
bitter. Dez ward er eins males von gote herteklich gestrafet, und
ward in ime gesprochen also: „weist du nit, daz ich daz tor bin,
dur daz alle die waren gotesfrund müssent in dringen, die zft rechter 10
selikeit son komenV Du mftst den durpruch nemen dur min gelitnen
nienscheit, solt du warlich körnen zfi miner blossen gotheit" Der
diener erschrak und waz im ein sweru red. ledoch begond er es
in sin gemerk nemen, wie wider es ime waz, und vie an ze lernene,
daz er vor nit konde, und gab sich gelassenlich dar in. Hie vie 15
er an, daz er alle nehte na der meti an siner gewonlichen stat, [15']
daz waz in dem capitel, sich erbrach in ein cristformig mitliden
alles des, daz sin herr und sin got Cristus vor hate geliten. Er
sttmd uf und gie von winkel ze winkel, uf daz daz im ellü trakheit
enpfieli, und daz er raunder und waker in des lidens enpfintlichkeit 20
belibi. Er vie es an mit ime an dem jüngsten nahtmale und leid
sich mit ime von stat zfi stat, unz daz er in brachte für Pylatus.
Ze jungst nam er in vor gerihte also verteilten, und gieng mit im
US den eilenden crüzgang, den er tot von dem rihthus unz under
den ^algen. Und den krüz^rang begie er also: 25
:] zu dem lud F 4 mit dem h. t. .V 5 dar an M so fddi P
verblikt M 7 iiaclivol^eu FKjV 8 er - 0 ward fehU K 13 swerüj
«rrossü M 16 daz w fehlt A^ a. nelite tet M sine P 17 daz er
hl d. c. sich orbiach M 18 daz] so P 19 und zu w. A^ 22 brachte]
bciralito A^
10 l'h^r die Bezeichnung gotesfrund .v. Dcnifte tSo A. 1 and namentlich
di treffliche Zuffammenfaffsung von Strauch in Meahnzyklopädie für proiest.
Theolof/ie Xl'II^ {]i)05), :>04f An Joh. h\J4f, Ps. 138,17 u. Jak. X\23
tinknüpftnd, iH p, zunächst IfJ/titheton für Kvangclifitcn und Apostel^ dann
liht'rhriujft fiir Heilige- und Fromme, und wird von den Mystikern de« 14. Jh.
schärfer formuliert als Ideal des durch Christus zur Freundschaft und Kind"
Schaft Gottc!^ erhobenen Menschen. Kine W'rwendung des Ausdrucks in anti*
hirchlichein Sinn (hei den Waldensern) läuft danehn her.
Sn er kom an die swellen des capitels, do kmiwet er iiider
und küste die ersten ftisstapfen, die er tet, do er also verteilte sicli
uinlj gekerte und in den tod wolle gan, und vieng denne an deu
snlmeii von iniBers herren marter: Üeus, Deus mens, respice etc.,
5 und f?ic dur mit zö der liir us in den krüzgang. Xu wurden der
gassen viere, dur die er mit ime wart gende:
Die ersten gaaseii gieng er mit inie ua in den tod in der bc-
givde. daz er liaide, i'riinden und zerganklichem gftte wßlti us gan
und liden im ze lobe trostloses eilende und willig armüt.
10 ZTl der andren gasten bat er einen fiirsaz sich zc gebenc in
einen binwerf iiab zerganklicher ere und wirdekeit, in ein willeklicb
versniebt von aller diser weit mit der betralitnnge, wie er och waz
worden ein wurm und ein binwerf aller menschen.
An dem anvang der dritten gasBen knflwet er aber nider mit
15 einem kues der erde in einem frien ufgebene alles unnotürftiges ge-
maches und znrtbeit dez libes in du ser sinea zarten libes, und leit
für siuü ogen, als da stat, wie clHi Hinü kraft erdorret und sin natur
ertodet. Und so sn in vor an hin also jemerlich triben, so gedaht
er. wie billich da von elli'i ogen ernasaen s5ltin und ellü beraen
2u ersäfzen siltin.
Ho er denn kom an die vierdcn gasaen, so knüwet er nider
enmitten in den weg, als ob er knüweti vor dem tor, da er mflste
für in US gan, und viel denne engegen für in und kuste daz ertricli
und ruft in an uud bat in, daz er nit ane in in den tod giengi, das
-25 er in mit im liessi, wan er reht au ime mfiate hin gan. Uud bildet
daz, so er iemer eigenlicbest konde, in sieh und sprach dazgebetli:
Ave rex imster, fili David etc. und Hess in denne ffir gan.
Dar na knfiwet [15"] er änderest nider also gekerte gen dem
tore und enphie daz kriiz mit dem vers: 0 crux ave, spes
w uniea etc., und liess es oeb fi'ir gan. Denn kndwet er nider gen
der zarten müler, die man in grundlosem herzeleid da hin für in
fftrte, und nam war, wie kleglich »\ sich gehftb und der heisseu
1 diel 'ieii M do] m) Ä' 2 ersten] enden A' 5 wuidun] woren P
tl eileude] ende K 12 daz och M 18 als ein wurm A' 16 scr] sele A'
17 du Btul] die sltick P kraf A 19 ousaen M 22 in dem wen M
2ii srrtett PK 27 Hess fehlt P 26 iindenvetbe 8P :■)! laid .V
4 Px. ^l. 13 P». ?/. ;. 17 f. iV. 21, 16 f. 27 Anliphna
bei dtr ProstMvm am PaliHKUintaij nach Doiiiinillantrrilim. 29 Strophe
aitn dem nchSntn Hannas \'ej,illa repw j^odivnl des Ymantiuri Forluiialun
(OH Kreuatffiiidung nnd iii dtr Passiotigzeit ffteuniien).
36 Leben Seuses. Kap. XIII.
trehen und eilenden süfzen und ir trureklichen geberde, nnd meinde
Sil mit einem Salve Regina und kuste ir ffistapfen.
Dar na stund er gcswind uf und trat sinem herren bald na.
unz daz er an sin siten kom. Und daz bild waz im etwen als
gegenwurtig, reht als ob er liplich an siner siten giengi, und ^^edahte .5
also, do der küng David von sinem küngrich was Verstössen, wie
de die frümsten riter an siner siten umb in giengen und im früntlich
behulfen waren. Hie gab er uf sinen willen, waz got mit im tete.
daz daz sin halb stet were. Zc hindrost nam er die epistel her für,
die man in der karwtichen liset uss dem wissagen Isaias^ du sprichet: 10
Domine, quis credidit auditui nostro etc., du als eigenlich
sin usfüren in den tod begrifet. Und mit der gie er ze des kores tur
in und gie die stegen uf uf die canzell. So er also kom nnder daz
krüz, da im eins males die hundert betrahtunge sins lidens wurden,
da kniiwet er nider in dem anschowene dez abziehens siner kleider 1.5
und des grimmen annegelens sins herren an das krüz; so nam er
aber ein disciplin und negelt sich mit hcrzklicher begiei'de zö sinem
herren an sin krüzz und bat in, daz sinen diener weder daz leben
noh der tod, noch lieb noch leid niemer von ime gescheiden möhten.
Noch einen andern inrlichen krüzgang hat er, und der waz 20
also : so man daz Salve Regina ze conplet sang, so saste er in sinem
herzen in betrahtunge, als ob du rein mftter noh zu der seihen zit
bi ir liebes kindes grab in muterlicher trurkeit ires begraben kindes
were, und daz es zit were, daz si wider hein gefüret wurdi, und
er si wider hein füren solte. Also machet er in sinem herzen drie 25
venjen, mit dien er si in betrahtunge wider hein fürte:
Die ersten ob dem grabe, so man an vie den grfiz Salve Re-
gina; so neig ir sin sele, und enptie si in geischlicher wise under
sin arme und klagte ir zartes herze, daz do in der selben zit so voi
waz biterkeit, versmeht und totlicher trurkeit, und trost si mit einem 3u
l eil, süfzenj ellciidez schrien M maiitc PMA^ 4 unz] und M
in im P 5 ob fehlt A^ 8 s. willen in »^^otz willen, waz got MA^ 10 du
da sp. M 11 du fehlt P i:^ stie^ M 18 diener fehlt A"^ 18 f. [daz]
leben n. [der] tod M 19 molite PM 20 und fehlt S 21 ze der c. M
23 in] ir M 27 T aw Rande (rot) A 30 waz so vol S trurk.] bitter-
kalt .1/ einem t'elill S
6tt. II Kon. J5,15ff. 11 /.s\ 53,1. 13 f. IV//. Pt'oloy des Bdew.
21 Die Antiphon ISalve Regina wird im Dominikanerorden seit c. 1230 (Theol.
Quartal fichr. 1906, 74 (f.) alle Tage nach der Kinnplet in Prosession gesungen,
wobei der Htbdomadar die Brüder mit Weihwasser besprengt; vgl. Vita 47,17,
Leben Seuses. Kap. XIV. 37
ennanene. wie si dar uinbc [16^] nn weri ein küngin der wirde-
keit, unser zttversiht und ünsrü süssekeit, als an dem gesang stet.
So er si denn brahte under daz tor ze Jerusalem, so fiirtrat
er si an dem wege und löget wider gen Ire, wie eilendeklich si
n kom ingende also blutnisig dez hizzigen bltttes, daz uf si hate ge-
tropfet, daz von den ufgebrochncn wunden ab floss ires durgem inten
kindes, und wie si gelassen und berobet waz alles ires trostes; und
denn enpfie er si aber mit einer inner herzklichen venje in den
Worten: Eya ergo advocata nostra etc. und meinde, si s61ti
10 sich wol gehaben, wan si nn were unser aller ein wirdigü fursprechin,
und bat si, daz si in der minne dez eilenden anblikes irü erbarm-
herzigü ogen zft ime kerti und ime den werden sun na disem eilende
lieplich ze schowen gebi, als der ruf des gebetes begert.
Aber die driten inrun venje machet er vor der türe des huses
15 sant Annen ir mftter. da si in ward gefüret in ir leide, und tet
daz mit einem genadene und bevelhene in ire miltekeit und in ir
mfiterlichen süssekeit mit den andehtigen worten: 0 clemens, o
pia. 0 dulcis Maria, und bat si, daz si sin eilenden sei en-
pfiengi an siner jüngsten hinvart und ir belciterin und schirmerin
20 were vor den bösen vienden dur du himelschen tor hin in die
owigen selikeit.
XIV. Kapitel.
Ton der ndzzeu tagende, du da heisset swigen.
Der diener hate ein triben in siner inwendekeit, daz er mohti
Jö komen zfi gtltem fride sines herzen, und duchte in, daz im swigen
1 nu danimbe S im fehlt P 3 II (nn Bande (roii A 4 wider
fe?Ut M 5 blütriinsig >SPM li jijft.iuintt.'n 1* 8 inner herz.] inrklichen
PM 9 Kya fehlt M 10 wirdij^^ fehlt M 12 u. ime- do P 13 gert M
14 in am Jtande (rot) A 15 s. Annen ir swoster ASPKMaNS^Uf sant
iacobo ir swcster A^ 23 da fehlt A^
2 Salve Nerjina : vita, dulredo et spes nostra. 9 Im Salve Rer/ina.
12 f. Ebd. : et Jesum^ henedictum fruvtum rentris tui, nohis post hoc exilium
ostende. 15 Es muss offatbar „Mutter^ statt .^Schwester^ (so alle Hss!)
heissen , denn von einet* Schwester Marias Namens Anna tceiss die Legendfr
nichts. Die St. Anneni-erehrum/ war im 14. u. 15. Jh. , besonders auch in
Deutschland^ sehr verbreitet: vr/l. E. Schaumkelle Der Kultus der hl. Anna am
Aasfjantj des Mittelalters lt>93.
38 Leben Seuses. Kap. XIV.
fürderlicb dar zu weri. Dar urabe hielt er sinen mund in sölicher
hüte, daz er inrend XXX jaren sin swigen ob tisch nie gebrach,
denn ze eim einigen male, do er von einem capitel fftr nait vil
brftdern und sü assen in dem schife, do gie er im abe.
Uf daz daz er siner zungen liberal dest baz gemeistern möhte
und mit ze vil mit rede usbrüchig were, do nam er in siner be-
trahtunge drie meister, ane dero sunder urlob er nit reden wölte;
und daz waren die lieben heiligen: nnse vater sant Dominicus,
sant Arsenius und sant Bern hart. So er reden wolte, so gie
er in der betrahtunge von eime zft dem andern und bat urlob und l
sprach: Jube domine benedicere! Und wenn du red moht
beschehen ze rehter zit und stat, [IG""] so hat er von dem ersten
meister urlob; so du red im von ussnan enkeinen anhang gab?
so hat er von dem andern; und so si im inwendig enkein un-
lidkeit brahte, so duhte in, daz er ire aller drier urlob bete, 1
und denne redde er. So daz nit waz, so duhte in, daz im ze
swigen were.
So man ime zft der port rftfte, so fieiss er sich diser vier
dingen: des ersten, einen ieklichen menschen gutlich ze enpfaheu;
daz ander, kurzlich us ze rihten; daz dritte, trostlich ze lassen; daz 2"
vierde, unbehenket wider in ze gene.
1 dar zu fürd. M 2 inrend] in 1*M nie gebr. ob t. P 3 einigen
fehlt M b dest] beste S 13 so im PA' 14 si fehlt A' 15 ir drier
alier M 16 So dis M 19 menschen fehlt M 20 zö einer kurzwile 6'
21 unbelienkend M
3 Ordensvei'sammlungj entweder aller Procinziale mit dem Gaieral cfe.*
Ordens ( Gener alkapitel) oder aüer Prioren einer Provinz (Provinzialkapiteh.
Sie wurden jährlich abgehalten, und zwar das Generalkapitel in der Pfingtii'
oktaVf das Provinzialkapitel nach den Konstitutionen von 12^8 an Michaeli
(:J9. Sept,), nach den Konstitutionen Haimunds von Pennaforte (123ii/40) zu
unbestimmter Zeit^ doch meist an Maria Geburt (S. Sept.) : vgl, Preger, Vor-
urheiten 7 und Reichert, Feier und Geschäftsordnung der Prov,Kapitel des Domini-
hanerordens des 13. Jh., Römische (^uartalschrift 1903, 101 ff. Die Akten der
Generalkap. sind herausgegeben von Reichert: Monumenta ordinis fratruvi
Praedicatorum historica, t. III^X 1896 ff., die Akten der deutschen Provinzial-
kap. sind bis auf kleine Bruchstücke (Finke in Rom. (Juartalschrift 1894,
374 ff\, Reichert ebd. 1897, 287 ff'. ^ verloren gegangen. 9 Arsenius d, Gr.,
t 449 als Einsiedler in Äggpten ivgl. ASS Jul. IV, 617 ffJ, von Seuse hoch
verehrt. Er erzählt Hör. 173—76, wie er von itbetiriebenem Streben nach
Wissenschaft und Ehren sich zur Lebensweise des .^summus phihsophus
Arsenius^' bekehrt habe. 11 Bitte um die Benediktion vor den Lektionen
des Breviers und heim Tischgebet.
Leben Seiises. Kap. XV. 39
%
XV. Kapitel.
Ton kestgung des libes.
Er hate gar ein leblich natiir in siner jagende. Do du he-
gende ir selbes bevinden und er markte, daz er mit im selben über-
5 laden was, daz was im biter und swere. Er sfichte mengen list
und gross bussen, wie er den lip macheti undertenig dem geiste.
Ein herin hemde und ein isnin keten trfig er neiswi lange, nnz daz
daz blüt wart von im zem brunnen gende, daz er es mftste ab legen.
Er hiess im heinlich ein herin niderkleid machen und in daz nider-
10 kleid riemen, da waren in geschlagen fünfzeg und hundert spiziger
nagel, die waren moschin und scharpf gevilet, und waren dero nagel
spizz alle zit gen dem fleische gekeret. Er machete daz kleid gar
enge und vornan zesamen gerigen, dar umbe daz es sich dest neher
an den lip fügti und die spizigen nagel in daz fleisch drungin. und
15 machete es in der hohi, daz es im unz an daz grübli her uf gie;
hier inne schlief er des nahtes. In dem sumer, so es heiss waz
und er vil müd von dem gene und krank waz worden, ald so er
ein lesser waz und er denne in den erbeiteu also gevangen lag und
in daz gewnrm also pingete, so lag er underwilent und grein und
i^ grisgramet in im selb und wände sich von nöten umb und unib,
als ein wurm tot, so man in mit spizigen nadlen stiebet. Im waz
dik, als ob er in einem anbeshufen legi von angschlichi des ge-
würmes; wan so er gern heti geschlafen ald so er entschlafen waz,
so sugen sii und bissen in wider strit. Er sprach etwen zu got mit
^vollem herzen: „owe, zarter got, wel ein sterben dis ist! Wen die
morder ald starkü tier tödent, der kunt geswinde dur von; so lig
ich hie under disen ungenemen wurmen und stirb und kan doch nit
2 (jOertfchnft fehlt S 3 lieplich A' 4 im sell)«"n| ir P 7xi
überl. A^ 6 lip fehlt M 8 müs M 10 spit/er P tVinfzog n. h.J
anderhalb h. M 11 messin .1/ irevilet] genep^elt /' 15 uuz fehlt M
an] in P 16 des fehlt P 17 [er] vil S von dem j^a'ne fthlt M ald]
als -4* 18 lesser ASPA^ lanser Ä'3fa L" lasser / (iJeviJle: Leser = Lehior!)
19 er fehlt M 20 in sich und in im seih S 21 na^el PA' 23 ald]
als A' 24 sugen] suny:en .1/ 25 wol SP 26 g:eswinde| balde P schier M
27 diseni ung. i^ewiirmc M
18 Üher Aderlass in Klöstef'u dm Dominikantrordtii 4mal jf'ihrh'ch,
vgl. Konstitutionen, ALKGM /, :*0() : V, 540) siehe Strauch, Marg, Ebner
33(S A. gu XV, 46 u. Thiriot I, 174 A. ^; M. Heyne, Hausaltertümer III,
WS ff. Vgl, auch Seuse Vita K 36.
40 Leben Seiises. Kap. XV.
ersterben." Du nehte wurden in dem winter niemer so lang noh
der [17'] sumer so heiss, daz er dur von liessi. Und daz er in
diser marter dest minr underlibi gewuune, do erdaht er noch eins:
er band umb sin kelen ein teil eins gurteis und an daz machet er
mit listen zwen lidrin ringe; da schlofte er sin hend in und beschloss 5
die arm dar inne mit zwein marhenschlossen. und die Schlüssel leit
er für daz bet uf ein bret, unz er ze meti uf stund und sich selber
entschloss. Sin arme waren also in den banden ietwedrent an der
kelen ufwert gespennet, und hat du baut also versichert, und weri
du cell ob im gebrnnnen, er enmohti im selber nit haben gehulfen. 10
Dis treib er, unz im die hend und arme waren vast zitrend worden
von dem spanene; do erdaht er ein anders.
Er hiess im machen zwo lidrin hantelen, als die crbeiter
ptiegent ze tragene, so sü dorne gcwinnent, und hiess im einen
Spengler dar an machen mosehinu spizzigü steftlü umb und umb, 15
und leite die des nahtes an. Er tete daz dar umbe, ob er in dem
schlaffe daz herin niderkleid w81ti von im werfen oder in keiner
ander wise im selber behulfen sin in dem gnagene, daz im tet daz
gewurmme, daz in denn die steften in den lip stechin; und daz ge-
schach och. AYenne er im selb mit den henden wolte helfen, so fftr 20
er schlaffende mit den spizzigen steften in bfisen und krazte sich:
er machet als grulich krezze, als ob in ein ber under sinen spizigen
klawen heti zerkrawet. Daz erswar denn in dem fleisch an den
armen ald umb daz herz, und so er über vil wachen genesen waz.
so gewürset er sich denn aber, und uiachete nüwe wundan. Dis 25
marterlicli iibung treib er wol XVI jar. Dar na do sin adren und
natur erkeltet und verwüstet waz. do erschein im vor in einr gesiht
an dem pfingstage ein himelsches gesinde, und kunten ime, daz es
got nit lenger wolte von inie haben. Do Hess er dur von und ver-
warf es alles in ein abfliessendes wasser. iM)
l erstorl).] stebrii (!i M 4 an daz fe/tit P 5 schlofte] beslos P
0 nialeuslos>en S luareii schlössen K nialslossor J* marchsclilossen M 8 iet-
wedor >itc s ietwederbalb 3/ 9 uswert A^ gespannen PM 10 vcr-
lnuini'n M niolit .1/ 11 va.st waron M w or t] m fi'hlt P 13 im
frhh .1' bantquch«']]! S hantschfich MafS^ 1.5 nicssinfi M stefftzli A'
stot't .1/ <T«TlHlin /' 17 von im] hin .1/ 18 naj^ent MA^ 20 behelfen A^
21 sclilntr. feliK P stedudn P in den bnsen SPM 22 gekretze A^
2:3 orknwvor S zeikianiniet I* zerkratzet A^ 2(5 matrrlich A XXI ASP
adren] andren K 27 sin natur .1/ 29 ijot fe/tJi A^ von im wolt SM
:io ein fc/tlt M
Leben Seuses. Kap. XVI. 41
XVI. Kapitel.
You dem scharpfen kruz, daz er trüg uf Ksineni ruggen.
Vor allen andren übnngen hat er einen begirlichen inval, etwaz
Zeichens an sinem übe ze tragene eines enpfintliehen mitlidens dez
5 pinlichen lidens sines gekrüzgeten herren. Also machet er ini selb
ein hültczin kriiz, daz waz in der lengi als eins mannes spang und
hate dez sin [17'] ordenlichen breiti, und schlug dar in XXX isniner
nagel in sunderlicher mainunge aller siner wunden und siner fünf
Qiinnezeiclien. Daz krüz spand er uf sin blossen ruggen enzwischen
m die schulteren uf daz fleisch, und trog daz tag und naht steteklich
VIII jar dem gekrüzgeten herren ze lobe. Dar na in dem jüngsten
jare schlug er och sibeu nadlen dar in, also daz die spizze dur daz
krüz etwi verr drangen und dar inne stekend bliben^ und daz
ander teil brach er hinnen ab. Diser spizziger nadlen verwunden
15 trug er ze lobe dem nahtringendeu herzleide der reinen gotes müter.
daz ir herz und sele zu der stunde sines jeraerlichen todes so gar
durwundete. Do er dis krüz dez ersten uf den blossen ruggen ge-
^j)ien, do erschrak sin menschlichü nature dar abe, und meinde, er
niöhti es mit mitü erliden, und nam es her abe und widerleite
20 enklein die scharpfen nag(jl an einem steine. Du unmanlich zagheit
gerow in balde, und machet sü alle andrest wider spizzig und scharpf
mit einer viln, und nam es wider uf sich. Es riflet im uf dem
ruggen, da es beinoht was, und machet in blfitig und verseret. Wa
er sass oder stund, da waz ime, wie ein igelhut uf ime lege; so in
2') ieman rürrt unverwenet ald in stiess uf daz gewant, daz verserte in.
Daz im dis pinlich krüz dest lidiger were, do ergrub er hinnan uf
daz krüz den lieben namen IHS. Mit disem kiüz nam er vil zites
alle tag zwo disciplinen in sölicher wise: er schlug hinnen mit der
fust uf daz krüze, so trungen die nagel in daz fleisch und gesteketen
:^ü dar inne, daz er sü mit dem gewande müst her us zuken. Die
schleg uf daz krüz tet er als togenlich, daz es nieman wol moht
gemerken. Die ersten disciplin nam er, so er mit betrahtung komcn
2 uf s. r. trug- V 5 hoiTfu] heizen (!) M 6 sprang P 7 dez]
dz PM sin fehlt P 8 manunge P 10 nacht u. tag M 12 och fehlt .V
nagel A' 14 er fehlt K hin ab P 16 u. ir sele P 17 rftcken blos P
19 hi nute P 21 bero P andrest /c/i/^ M anderwerbe P 23 da] daz SA'
beinoht von anderer (alter) Hand A 25 [in] stiess M 26.28 hindenan
SPM 27 ihs am Rande M :U tot er uf d. krüz S nit wol M
42 Leben Seuses. Kap. XVI.
waz zft der sul, da der schön herr als grülich gegeislet ward, und
bat in, daz er mit sinen wunden die sinen heilti. Die andren nani
er, so er fürbaz under daz krüz komen waz, und dar an genegelt
ward, und negelt sich zu inie, niemer von im ze scheiden. Die
dritten disciplin nam er nit alle tag, er tet es, so er im selb ze vil 5
Zartheit oder ungeordenetes lustes hate verbeuget an trinken, an
essen ald sSlichen Sachen.
Er hate sich ze einer zit misshütet, daz er zwain jungfrowen,
do [18*^] sü oflFenlich in der gemeinde bi im sassen, ire hende in
sin hende hat genomen ane alle b6se geverde. Da unbehütekeit 10
gerow in geswinde, imd meinde, der ungeordnete lust müsti gebüzet
werden. Do er von den jungfrowen gie und in sin kapeil an sin
heimlichen stat kom, do schlug er sich umb dis missetat uf daz
krüz, daz ime die spizigen nagel in dem rnggen gesteketen. Er tet
sich selb och umb die missetat ze banne, daz er im selber nit wolte 15
erloben, na nieti hin in daz capitel an sin gewonlichen stat sins
gebetes ze gene zfi dem reinen himelschen ingesinde, die im an der
selben stat in betrahtunge gegenwürtig waren. Dar na neiswen, do
er sich gentzlich wolte versünen umb dis missetat, do waget er sieh
hin in vil bluklich, und viel dem rihter vor an ze fussen und nam 20
vor ime ein disciplin mit dem krüze, und gie do ietwedrenthalb umb
und umb vor den heiligen und nam XXX disciplinen, daz im daz
blüt den ruggen ab ran. Und also erarnet er den lust vil bitterlich,
den er hat gehabt unordenlich.
So man meti hate gesungen, so gie er in daz capitel an sin 25
heinlichi, und nam da hundert gestrachter venje und hundert
knüwender, ein ieklich venje mit sunderlich betrahtunge; und die
taten im vil we von dez krüzes wegen, wan wenn er daz krüz also
strenklich an sich gespien und naher an den lip getreib, als der
einen reif tribet, als er ze der zit pflag ze tüne, so viel er nider uf :^>
die erde und nam die hundert venjen, und von dem nidervallene
so jresteketen in ime die na';^, und so er denne uff stfind, do zukt
4 [z(^] lu^escheidi'ii Ä^ 9 sü] die A^ 10 böse fehlt A^ geberdi' P
11 in /VA// 3/ 14 krüz] ertricli V 15 zu buii umb d. in. P IG hin
fMt A"^ 17 ;L,^osiiid(' J/ 18 stat fthli F 19 wolt ^^äntzlich M 20 in
fdiU iM* bhikl.) belienklicli P [vor] an ze fözz .1/ 20 f. vor im
nam er A^ 26 stracker P 28 vil we ime S 20 stetteklicli A^ nohe P
81 nidtr vall M 32 in fthlt A' doj und A'
2G f. I '(jl, B(/.ac Vorrede und 3. Teil < die ICO Betrachtungen ). Gestreckte Venie
iift die eigentliche Fro.stration im unterschied vom blossen Kniefall (vgl. oben 16,14i.
Lebeu Seuses. Kap. XVI. 43
er si denn her wider us, und aber von dem nidervallene stachen
s& nüwü löcfaei*; und daz waz im gar pinlicfa; wenne sü nüwan an
einer stat beliben in im stekende, so waz es lidig.
Vor diser übunge hat er ein ander. Er hat im selber ein
5 geisel gemachet uss einem riemen; den schftf er ime beschlahen mit
möschinen spizzigen steften, die waren scharpf als ein grifel, und
giengen die zwen spiz ietwedrent für den riemen, also daz ein
iekliches drispizig was, mit welen ort es den lip trefe, daz es
wunden machete. Hier us machet er ein geisel, und stund vor meti
10 uf und gie in den kor für gotes fronlicham, und nam da stark [IS""]
disciplinen. Und daz tet er neiswi lang, unz es die brftder innen
wurden, do lies er dur von.
An sant Clemens tag, so der winter an vahet, tet er einest
ganz biht. Und do es heinlich wart, do beschloss er sich in der
15 ceil^ und zoh sich bloss ud unz an daz herin niderkleid ; er nam sin
geisel her für mit den spizigen dornen, und schlug sich selben über
den lip und umb die arme und du bein, daz daz blüt von obnen
nider ab ran, als so man eime schrepfet. Es waz sunderlich ein
krumber steft an der geisel, der waz gestalt als ein heggli, waz der
2«) ergreif fleisches, daz zarte er da hin. Hie mit schlug er sich als
vast, daz im du geisel in drü stuk zersprang, und im ein stuk in
der hant bleib und die spizz umb die wende füren. Do er also
blutende da stund und sich selber an sach, daz waz der jemerlichest
anblik, daz er in dik gelichte in etlicher wise der geschöwde, als
25 do man den gem inten Cristus freiscblich geislete. Er ward von er-
bermde über sich selb als reht herzklich weinende, und knüwet nider
also nakende und blutige in dem frost und bat got, daz er sin
sünd vor sinen muten ogen dilgeti.
Dar na an der pfafenvasnaht gie er aber als och vor under
30 des conventes tisch in sin cell, und do er sich blos ab gezoh, do
gab er im selb gar grimm schleg, daz sin blfit den lip ab floss.
So er noh vaster wil schlahen, do kom ein hrüder, der hat daz ge-
1 denn her fehlt S 1 f. st. si ime S 3 belibcu fehlt M stekoteii M
5 schöfj hiess M 6 spitz, meschinen A^ stacheln P 9 f. uf vor m. M
17 und umb d, bein SMA^ 18 schraffet P sundeil. — 19 steft] ein sundei
Stachel P 19 daz waz waz daz P 2S uf stunde A^ jemerlich P
25 fleischlich SM 25 f. ermbermde A 29 och fehlt P
l'd 23. Nov. 14 Beicht über das gange Lehen, 29 Sonntaij Esto
mihi ((^inquagesimOf Fastnachtsaonntag), auch Herren' oder P f äff enfast nach-
genantU, s. Grotefendj Zeitrechnung I, 56,
44 Leben Seuses. Kap. XVII.
schelle iieiswa gehöret, und er rauste hören. Er nam ezzich und
saltz und bereib sin wunden dur mit, daz sines smerzen dest nie
wurdi.
An sant Henedictus tag, an dem er in dis eilend weit ward
i^eborn, gie er under dem inbiss in sin capell ; die beschloss er und 5
zoh sich US als och vor. Er nam die geisel her für, und vie an ze
schlahent. Also ward im neiswi ein schlag uf den lingen ann und
traf die ader, du da heisset mediana, neiss ein ander dur bi. Do
du als vast trotfen ward, do sprang daz blfit her us. daz im der
runs des ])lütes flos über den fftss ab dur die zehen uf den estrich u»
und da swebte. Ime geswal der arm behendelich gross und ward
blawvar. Hier ab erschrak er, und getorst nit me schlahen. In
der selben zit fl9'J und an der selben «tunde, do er sich selber
also schlug, was ein heiligü jungfrow, du hiess Anna, du waz an
ir gebet an einr andren stat uf einer bürg. Der waz vor in einr 15
gesiht. daz si wurdi hin gefüret an die stat, da er die disciplin nam.
Do si die herten schleg an sah, daz erbarmet si als übel, daz si
hin zu im trat, und do er den arm hat uf erhebt und sich wolte
schlahen, do undergie si ime den schlag, und der ward ir uf ir arm,
als si duhte in der gesiht. Do si zft ir selber wider kom, do vand 20
si den schlag gezeichent mit swarzen totblüten an dem arme, als si
du geisel getrofen hate. Si trfig du kuntlichen Wortzeichen mit
irrossem smerzen vil zites.
XVII. Kapitel.
Von sinem geliger. 2.^
In den selben ziten ward im neiswa ein eltü hingeworfnü tür;
die leit er in siner cell an sin betstat under sich, und lag dar ufe
ane alles betgewand. Ze einer behulfenheit sin selbes hat er ein
vil tunnes metli uss ror gemachet: daz leit er uf die türe, und daz
1 orhont A^ 4 er nac/i weit .1/ G für lier K 8 neiss] oder Kl*
9 trn]»lieii«l (tropften) 3/u4'«/' 12 torst ^If 18 zu im hin zu S 19 under
irie — 20 in| A^ 19 uf den arm V 20 selber zu ir S 2B grossen A'
26 tür waz IjIii ireworfteii I* 27 sin J* 29 vil tunnes] nüwes KU vil
fthlt M iiier/.liii S
4 :<fJ. Mär:. SA'ena mtdianii, die mittlere JUutacUr am inneren
EUf-nlxKien. im MittdaUfr häufuj zum Aderlass henittzi, a\ M. Höfler, Deutsches
Kranhlu'Usnanunhurli 1891^, 4(/S, 418.
Leben Seiiscs. Kap. XVII. 45
erwand im an den knüwen. Under sin hobt für ein küssi leit er
ein seckli gefüUet mit erwisstro, und dar uf ein vil kleines küsseli.
Er hate enkein betgewaud liberal, und als er des tages gie, also
lag er des nahtes, ane daz daz er die schü ab zoh; und einen
5 tiken mantel tet er umb sich. Aisus gewan er ein jemerlich geliger,
wan daz hert erwisstro lag im knolloht under dem hopt; do stach
in daz krüz mit den scharpfen nagel in den ruggen; er hate be-
schlossnü band an den armen und daz herin niderkleid umb die
huflFen; do waz der mantel gar swere und du türe hert. Er lag
U) also verjamert, daz er sich nit geleichen mohte alseinbloch: wenn
er sich wolt umb keren, so geschah im we, wan so er schlaferlich
hinder sich uf daz krüz üt vaste viel, so drangen im die nagel hin
in in daz gebcin, und denne Hess er mengen süfzen zfi got. In
dem winter beschah im von frost gar wc, wan in dem schlafe so
15 er die füsse wolt streken nah gewonheit, so wurden sü bloss uf der
tür ligende und erfruren ime; so er sü denn zfi im hin under zoh
und also hüb ungestreket, so ward daz blüt wütende in den bein;
daz tet im vil we. Im wurden die füsse vol gesühtes: do geswullen
ime du bein, als ob er wassersühtig w61ti werden. Du knü waren
20 blutig und verseret, [19^] die huifen vol schnatan von dem herin
niderkleid, der rugg was von dem krüz verwundet- der lip waz ode
von masslosi, der mund türr von turstiger not, die hend zitreden
von kraftlosi. Und alsus in diser marterlicher wise vertreib er sin
tag und nahte.
25 Dar na endert er die übunge, die er hate mit der tür, und
zoh in ein kleines celleli und machet den stül, da man uf sass, im
selb ze einer betstat; der was schmal und als kurz, daz er sich
dar ufe nit mohte gestreken. In disem loche und uf der türe bleib
er ligende wol VIII jar mit sinen gewonlichen banden. Do hat er
•^0 ein gewonheit, daz er na conplet in dem winter, so er in dem
convent was, in kein stuben noh über des convents oven dur keiner
2.6 erüwsstro A erweisstro SP arbszstro K liabiTstro afs^ I3 Iiet au
kein ^[ und] denn M 7 in den ruggen nach krüz M hate fthlt S
11 scbafferlich A^ V6 [inj in MA^ 15 stereken S nach «Icr gew. M
16 under] wider M 17 ungestr.] im gestreket A^ in dem bain M 18 do]
des M und A* 20 .schnattra K 22 der mund — not fehlt M waz türr P
zittern P 23 diser] der P 25 endet A^ 2H f. im selb nach betstat 3/
28 nit mohte dar nfF S
24 Dei' Zusatz bei Diepenftrock (- 1837, 36: * 18ti4, 173) findet steh nur
in dem Druck von 1512 fol. 18^ und fehlt in allen Handschriften,
46 Leben Seuses. Kap. XVIII.
wermi willen nie kam wol inrend XXV jaren, wie kalt es was, es
fügtin (lenne ander Sachen. In den selben jaren meid er ellu bad,
beidu wasserbad nnd sweisbad, dur nngemach sines zartsüchendes
libes. Er was vil zites, daz er sumer und winter nuwan einest an
dem tag ass, nnd nit allein mit dem vastene ane fleisch, mer dur 5
zft ane visch und ane eyer was. Vil zites ftpte er sich an s&licher
armiit, daz er enkeinen pfenning wolt enpfahen noch handien, weder
mit urlob noh ane urlob. Neiswi vil zites sah in an sölichü luter-
keit daz er sich .selb niene an dem übe wolte krazen noh an ruren,
denn allein an henden und füssen. 10
XVIII. Kapitel.
Ton dem abbrechene des trankes.
Er vie einest an die wetunden übunge, daz er im selb ein vil
klein masse uf saste ze trinken; und daz er der masse dest minr
vermisti, baidü innen und usse, do schuf er im selb umb ein k&pfli 15
uf die selben masse, und daz trüg er mit im, so er us gie. In
grossem turste was es im nüwan ein erkülen des tärren mundes, als
der einen siechen menschen in siner hizze labet. Er waz vil zites,
daz er überal enkeinen win trank denn allein an dem ostertag ; dem
hohen tage tet er es ze eren. So er etwen als turstig waz und im 20
selber von strenkheit sinen turst weder mit wasser noh mit wine wolt
büzen, und er denn vil jemerlich uf zö got sah, do ward im einest
von got iuerlich geentwürt [20'] also : ^Ifig du, wie ich stund turstige
in sterbender not mit enklein ezzichs und gallen, und waren doch
alle külen brunnen des crtrichs min eigen!" 25
Es geschah ze einer zit vor den winnahten, daz er gar ver-
rfichet hate uf alles liplich gemach, und nam an sich drie übunge
1 inn'nd) in PM XXX A' 2 fugte P fugti A' 3 usserbad A'
<lurcli gemach und ungemach S 4 f. az nach eincBt M 5 nit — 6 was]
waz an flaisch, an fisch, an aigcr dar zu 3/ 10 und an fussen iSMA^cc
12 Überschrift fehlt S dem fehlt P 14 uf — masse fehlt K 15 inn
u. uss M umh fehlt S 19 fiberal fehlt M 22 zu got uff S 23 innek-
licli (!) M 23 f. in sterb. not turstige S 24 gallen wart ieli getrenket A^
25 (lis APA'a
8 an s«.'lien tnit aachlichem ö'uhjc/it und pcrsönlivheni Objekt - einem so
und so scheinen, gut dünken: vgl. Grimm I)W I, 466; JI. Fischei', Schwab.
Wörterb, /, ;JÖ!/. 25 Der Zusatz hei Diepenhrock ( * 37 : * 174) fehlt in
allen Hss. und steht zuerst in der Ausgabe von lol'J fol.18''.
ane die {gemeinen, die er lange hate gehuiit. Du eist wks, daz er
na der incti vor dem froualter uf den blossen steinen also stendc-
bleib unz ze tage, und daz waz umb die zit, so die nchte aller
lenkest sind und man vil frii meti !nte. Du ander waz, dnz er an
B kein warm stat gie weder lages nob nuhteB. noch kein wermi von
der glilt an die hende ob dem alter wolt nemen: und geawulien im
die hende grosliehen, wan es der selben zit aller keltest wax. Na
conplet gie er also kalte uf sinen sli^l schlaffen, na mefi stftnd er
vur dem alter nf blossem stein nnz ze tage. Dii drit Übung waz,
10 daz er im selb allez trank ab brach diir den tag, wie iibel in tnrste,
denn eht des moiges ob tisehe, und denn so turst in ui'it. So es
aber bcgond abenden, so turst in als reht nbel, daz ellu sin nature
na triukene rang; unrl daz verbflb er alles mit mengem bitterlichen
smer/en. Der mund ward ime als türr von innen und nssnan als
IS einem siechen, der an einor siilit üt. Do zerschrant im sin zunge,
daz si dur na mc denn in einem jar nie kond verheilen. So er ze
conplete also türre da stfind und man daz wichwasser nah gewonheit
iinib gab. so tet er mit begirde den lürren miind iif, und ginet wite
geu dem sinengwadel uf daz gedinge, ob im en kleines trSpfli
^ wassers uff sin türren zungen vieii, daz si da von joh e« wenig
erktilt wi'irdi. So er denn ze collaeion oder ob tische also tnrstige
den win von im saste, so hiih er etwen sind ogen nf und sprach :
1 i^'elialiij «tt'ni 1' 4 iiLi^ti luie] liat mwlti K ö Mi il. Iiendc fdUl M
8 sinciij ftinen K S iilossen atcini-n P 10 sclli fthU K |ab] hnic)i 7'
11 L-ht fthli P 13 nirngen A 16 zeifcliaiid M zenpü'lt P ITf. gab
nach wichw. M 20 joli] ducL M, fthü P 21 1'. den wi aJso durstigiT M
G f. Zur Erwärmimg drr t'ingtr hei der MeKKC wrde im kalten Winter
tili Gtfäni' mit Koliltn auf den Altar ganttllt ; vgl. Caertm. (h-d. Pratd. 11, 1 a.
IL 5i>3 iThiriol 1, 74): J. Saun; Sgnibolik des Kirchtngebäudeg läu:!, Uli.
17 Vgl. oben Aam. gii B6,^i, 21 t'ollatio (coUätii, colUicie ; Lexer I,
iStiöJ ist die schon bei den alten Ordtn ^Rtg. St. Bcuedicti c. 42; Chrodtgang,
reg. can. c. 21 > und elieiiao hti den llominikanam übliche Btieichnung für die
abendlichi Tiiehltsung, bei der viel die CoUalionts Palrum ( UiiterrcdungtH
mit den Vättm) dt« Johannen Ca/tnian gebraucht wurden : in der folg» erhielt
die Abetdtaahheit selbst, oder der Trunk bei derselben, besandfra an f'astlagen
tim Dominikanerorden vim 14. Sejit. bis Ostern aunser den Sonntagen, femer
alte Freitage und sonst einige Tage des Jahres.- vgl. Ctmstitutiones, ALKOM
I, 19t«; V, !>HSI den Namen C'dlati", .Statt der Lesung konnte auch unter
Leitung des Lektors oder Priors ein l'orlrag oder JJisjmtation über theologische
Fragen oder eine Besprechung über geistliehn Hinge stattfinden ; in l'rauen-
kl^Sstem oder Beghinenhäuncrii hielt der Beichtvater oder ein anderer Geint-
48 Lebeu Scuses. Kap. XVin.
^owe, liimelscher vater, nim hin ze einem opfer mins herzen sapt
(lis kill trank, und trenk diu kind dur mite in dem tiirste, als er
stund turstige an dem krüze in sterbender not.** Etwen gie er über
den brunnen in dem grossen turste, und sah daz klinglent wasser
an in dem überzineten kesselin, und sah denn uf zc got mit hcrzk- :>
lichem süfzene. Etwen so er als gar überwunden waz. so sprach
er gar von ingrunde: „owe, ewiges gut, diner verborgen gerihtenl
daz [20 ""l mir der breit Bodense so nah ist und der luter Rin umb
und umb mich iiüsset, und mir en einiger trunk wassers so tür ist!
Wel ein jemerlich ding daz ist!** lo
üis zoll sih uf daz zit, so man liset daz ewangelium, wie
unser herr wasser in win verkerte. Do sass er des selben suunen-
tages ze naht mit jamer ob tische, wan im ward daz essen mit
grossem turst nit ze liebe. Do man den tischsegen gelas, do ilte
er geswinde in sin capell, wan er enmoht sich von überwundem 15
lidene nit me enthalten, und brach us und flos hin mit bitterlichen
trehen und sprach: „owe got, du erkennest allein herzliden und
herzennot: wie bin ich in dis weit so recht erbetselklich geboru, daz
ich in aller genügde so reht grossen gebresten müss liden!" Do
er in diser klag stund, do waz im in siner inwendekeit, wie neiswas 20
in sin sele sprechi also: „hab gftten müt, got der wmI dich schier
fröwen und trösten; nüt enwein, frume riter! Gehab dich wol!"
Du wort erhügten neiswi sin herz, daz er uf hfib und nüt moht
genzlich weinen, und aber von smerzen moht er nit genzlich frolich
sin, denne mit dem, daz im die trehen ab vielen, do zwang in ^5
neiswas inrliches ze lachene uf ein götlich künftig aventüre, du im
kürzeklich von got werden sölte. Also gie er ze eonplete. Der
1 min M 2 (l«'ni| den 3/ 4 dem fehlt M 7 von gruiido P
8 so] als i^ar M Hin fehlt P 11 DisJ daz A' daz ew. liat S 12 f. mit
jomer nach sas8 er P i:i |ze naht] 0I1 tische mit J. M 14 so irrosscm N
15 raolit SM 18 liertzc müt A' 19 mäss/e//Z^ S 23 daz] des A' 26 inr-
licli P iimeklicli M gotlich fehlt F
licher derartig'.' Konferenzen. Die Kinrichtung trard besondi^rs in Nonneic
Llösterii von grosser Bedeutung für die luirderting der Mystik : zahlreiche
Predigten oder Traktate Kckharts (vgl. Pfeifer 643 \ Wackernagel, Altdeutsch
Predigten und Gebete 1876, 158, Ul), Taulers und Seuses sind auf diese Weist
efitstandcn. V^gl. JJucange s. r, : IJenifle in ALKGM II, (J41JF.; Wackernagtl
a. a. (). 307, 37'j f. : Lecoy de la Marche, La chaire franraise au mögen dge
' IStif), :Jlff'. 8 t. Das Dominikanerkloster, jetzt Inselhotel in Konstanz
liegt auf einer kleinen Itisel am Ausfluss des Rheins aus dem liodensee.
11 f. 2. Sonntag nach Epiphanie.
loihea JieiiBPB. Kap. XVIll.
nund saog mit zitreiidem herzen, nnd in dem dubt in als wie er
schier alles eines lidens sölte ergezzet werden. Und daz geschah
och kurzlich dnr na. Uud in der selben nalit hüb es an enteil also:
im waz vor in einer geslht, wie nnse frow kemi mit dem lieben
B kindlin Jesas in der gestalt, als do er nf ertrich waz und sibenjerig
waz. Es bralite in der hand ein krügli mit frischem wasser; daz
krugli waz liberglestet und waz enkJein grösser den en coDventkojif.
Also nam iinse frow daz krügli in ir hand und bot es im, daz er
trunki. Er nam es und trank mit grosser begirde und erlaete sinen
10 turst na wünsche.
Kr gie do einest liber veld. uud uf einem schmalen stige do
bekom im gende ein armü erberii frowe. Do dn frowe nahe zfi im
kom, do weich er ir ab dem trachen wege und trat neben aieli in
die nessin und lieas sü für gan. Du frowe kerte sieh umb uud
15 sprach also: „lieber herr, waz meinent ir hie mite, daz ir, erbere
herr und pnester, [21'] mir armen frowen als demüteklich wichend,
und ich üch vil billicher solti han gewichenV Do sprach er: „ey,
liebii frowe, min gewonheit ist, daz ich allen frowen gern zubt und
ere but dur der zarten gotes mAter willen von himelrich." Si hfih
■21) uf irü ogen und Ir hende gen dem hiniel und sprach also: „nu bit
ich die selben erenwirdigen frowen, daz ir von diser weit nienier
gescheident, üch bescbefa etwas sunder gnaden von ir, die ir an
Ans allen frowen erent". Er sprach; „dez helf mir du rein frow
von hinielrich!"
26 Es geschah kiirzlich hie na, daz er na gewonheit in grosser
genügde mcngerley trankcs einen tnrstigen mand ab tische bat ge-
tragen. Do er des nabies nider kom, do kom fftr in stan in einer
gesihte ein bimelsches fruwliidies bilde, nnd das sprach zfi im also:
„ich bin es, du mQter, du dich in der vordren naht bat getrenket
30 USB dem krüglin, wnd mein, wan dich nls übel türstet, so wil ich
von erbermde dich aber trenken." Do sprach er vil bluklich zft ir:
1 mit kehl II uiid mit /,. Ii. S 3 d»i itmli kiiralich S und fehlt A'
M] er A' 10 iia| mil M 11 ste^'e Kl' 12 atmüfthlt M erberfl] er-
beiten P 13 ('[itwrich J' und trst ni-'beii ^iuli in Ztik 14 nach kertc eich
Dinb ASi* 16 als dfinüt. fehlt ASP cntwichent M 17 uuJ ich — jfe-
wicheo fthll A^P entwichen M 17 f. acli frow liübü M 13 luQtk'r
gme»KP von iiiiiinlr. willen ,W 21 ewirdige i' 22 (jn ad AM 23 de«]
iu A' 26 gesclialj aber liural. M 26 frowl.J frolictiz M, fehlt ASP das
/Ml M 29 getrenket hiil A' 31 ^treucken P ir] im ASP
H. Stiiir, Daiiii.cl>B aebririeri. 4
ijj
50 Leben Seoses. Kap. XVUI.
^ach reinü fraht, du hast doch nit in der baut, da mite du mich
mugist trenken.* Do eutwürt 8i und sprach: ^ich wil dich trenken
mit dem heilsamen tränke, daz von minem herzen flüssef Do er-
schrak er, das er nit konde geentw&rten, wan er sich des als un-
wirdig erkande. Do sprach si gar gütlich zu ime: „wan sich der 6
hi)nelseher hört Jesus als lieplich in din herz hat gesenket, und daz
selb din t&rrer mnnd als snr hat erarnet, so sol es dir ze snnderm
trost von mir werden. '^ Und sprach: ^es ist nit ein lipliches trank,
es ist ein beilsames geischliches trank warer luterkeit.'^ Do Hess er
es zfl gan und gedaht in im selb: ^nu solt du reht gn&g trinken, lo
daz du dinen grossen turst wol mugist erlöschen. '^ Do er wol hat
getrunken des himelschen trankes, do bleib im neiswas in dem
munde als ein vil kleines weiches knöUeli, daz was wiss, als daz
himelbrot geschafen was ; daz behüb er in dem munde neiswi lang
ze einem waren urk&nde. Dar na enbrast er an ein herzkliches 15
weinen, und danket gote und siner lieben mfiter ire grossen gnaden,
die er von in hate enpfangen.
Der selben naht erschein unse frow einer gar heiligen person
vor, da was in einer andren stat, und seite der, in weler wise si
in [21^] heti getrenket, und sprach zu ir also: „gang hin und sag 20
roins kindes diener von mir, als man vindet geschriben von dem
hohen lerer, der da heisset Johannes Chrysostomus, mit dem
guldin munde : do der ein schüler was und vor einem altar knüwete,
da du himelsch müter och in der form eins bülzin bildes ir kind
uf ir schösse mftterlichen tränkte, do hiess daz mfiterlich bild ir 26
kint ein willi uf halten, und Hess den vor genanten schüler och von
irem herzen trinken. Da selb gnade da ist im och nu in der gesiht
von mir worden, und ze einem Urkunde der warheit so nem dez
war, daz sin lere, du von sinem munde get, vil begirlicher und
lustlichcr nu fnrbaz wirt ze hörene denn vor." Do er dis erhörte, 30
do hob er uf sin hende und herz und ogen und sprach: „gelopt
2 tii ime *V 4 f. als unwirdig] mit würdig P 5 der] min M 7 als
8ur fehlt M 8 trost komen und von mir w. M 9 geischl. fehlt M 11 ge-
loschen iS 13 kleines fehlt A^ weiches fehlt S weiches kleines P
14 daz — lang] er hfib ez naiswic lang in d. munde M 17 in] ir J.* 18 des
8. nachtz M gar hiil. fehlt M 20 f. hin zu mins k. d. luid sag im von
mir P 23 der) er ASPA' 26 hiez SPK dem S 27 [du] ist MA'
nu wSrlich [in der gesiht] M 28 der warheit fehlt M 30 nu förbaz nach
denn vor M zu hör. nu fürbaz würt -S' 31 und euch sin herze S
14 Das Manna, vgl. II Mos. 16,14 ff.: IV Mos. 11,7: Ps. 77,24,
r
LeiiPii SciiKM,
aic di'i ader der ueüiesseudeit goiheit, und i'ibcrlopt siü du süss
mflter aller gDaden von mir arroen unwirdigen mensehen diser
biuiebcheii gäbe!" Ein gliehes vindet man oeh an dem ersten tail
des büchcB, daz da haisset Speetiluni Vini^entii.
6 Diüii hciligä pereon hüb aber an und sprach zfi inie also:
„noh eins sol ich ü sagen. Ir soud wüssen, daz mir unse frow mit
ir lieben kinde hinaht in einr gesihte für koni, oud bat unse frow
in ir h;ind ein ecbönes trinkvae mit w.isg<'r. Daz kind und dt
l'rowe reddan minneklicbii wort von ttch. Also bot sü dnz vass
10 mit dem Wasser gen dem kinddin and bat, daz es sinen segen dar
über tete. Es tet einen heiligen segen fiber daz wasaer, und ge-
Hwinde do ward daz wasser ze wine. Und sprach also: „es ist
aatig, ich wil nüt, daz der brfider sich me hier inne übe. daz er
MIC ane wtn sie; er eol nu binnan für win trinken von siner ver-
1& /erter natur wegen." Und do es im also von got genrlobet ward,
iln trank er fi'irbaz win, als er ocb dnr vor hate getan.
[ä2'J Er waz do in den ziten vil krank worden von dem
überlaste der vordren iibungen, die er so lange hat getriben. Es
orschein unser hene vor einem heiligen gotegfrund und hate ein
2(1 bAcbsen in der hant. Si sprach ztt im: „ach lierr, waz meinet du
mit der böbsenV" Er sprach: „do wil ich minen diener arznen.
der ist siech." Also [23'] gie unser herre zö dem diener mit der
biicbeen und det die uf, do was in der büchsen frisches hl&l. Des
blätes nam er her us und gtreicb es an des dieners herz, daz es
I £5 zemal bIDtig wart, und streich Im do an ein hend and fusse und
SD 8in6 gelider ellü sament Do sprach bi z^ inie: „ach. min herr
1 da — »io /«Art P 2 disw — 4 Viiicenlü ffhti M 3 gnbi^u F
•6 lunse liebe fr. Ä> 7 hat fMi S 9 wnrt, fehtt M 10 nnd bat/e/itt M
IX f. geswtnde) kp stunde J' 12 do fehlt S 13 sich der brSdcr S mer
■ich M hier] dar S aicli dnz [?| M 14 fiir| bin M 20 Itfichi-bn dweh-
ttriehen, am Ramlt bOme 1' 23 f. das blSt P 24 i'« - 25 streicb /«/./( S
26 do] daz S 2ti an feMi A
4 riwcMJ von Btaurais. .Sjite. lüat. VIII, 84 (eon einem krankm
I Klttiker). Ähnliche» uird n-iähli vom hl. Bernhard (vgl. Vacandard, Vit de
Ä Btrnard II [1895] T8/.), von Lukardt* von Oherweimar lii. Jh.; Analecta
Bi>a(Mdiaaa 1839, 31&), in den OffenhamngtH dtt Alanu» de Rupe ff U75 .
vgLH. HoUapftl, St. Domimkus und dir Rnsenkrunc 1903,21 ff.) and anderen
L Marieniegenien (A. Poneekl, Miraeulorum B. V. Mariae ». VI— XV Index,
Anal. Boll. ISüS, Ml ff. Nr. 184, 461, 514, 667). 16 In AKRWB'it ein
im
Leben Sl'u
Kap. XVIII.
and min got, wie zeichiiegt da in so? AM wUt du ime dinn fücf
zeicfaen in truken?" Er sprach: „ja, ich wil ein herz uud alle sin
Datnre mit lidenne niinneklicheu zeichnen, und wil in denne arznen
Dnd gesunt gemacben, ich wil einen incnscbfin us im machen nah
allein minftn herben."
Ahh. 3.
Do der diener HÖlicli iibig leben nach dem asseni ineuschen,
als da vor enteil stat geecbriben. hat get'üret von siuem ahtzehenden
jare nnz uf ain vierzegst Jar, and ellü sin natur verwüstet was, daz
aiti me dur hinder waz, denn sterben ald aber von derl^y übunge
lassen, do liess er dur von, und ward ime von got gez6get, daz du lo
diuü] die Ä^ 2 miiiiiEaichen jlf
fehlt M 6 iiliiij] rtiijiiü A'
2 f. \,h
strenkheit untl die wieen alle sament nit andere wen gewesen, denn
ein gfkter anvang nnd ein durprechen sines angebrochen menschen,
und meinde, er mästi noch fürbaz gedrungen werden in einer ander-
ley wise, s<i im iemer reht lieschelien.
6 JtlX. Kapitel.
VCn) er wAi'd gewi^et in die verniinftigen schiile zii aar knnst
rechter gelni^senlielt.
F,e sass der diener ze einer zit nach der meti in sinem stöle,
und in einer verdahtekeit entsunken im die sinne und duchte in in
10 'ler inren gesiht, daz ein gtoltzer juugling ohnan ab her kemi und
riir in stiindi, und sprechi zfi im also; „du biet giiti lang in den
nidren schi^leu gewesen und hast dich gmlg dar inne geiibet und
bist zitig worden. Wol uf mit mir! leb wil dich nu fnren zfi der
liübsten achtele, du in diser zit ist, da solt du nu lernen mit fliese
15 die bÖbsten kunst, du dich in gfitLicben i'rid sol sezzen und dinen
heiligen anvang zfi eim seligen end bringen." Des was er fro and
fitfind uf. Der jungling nam in hi der band und fürte in, als in
duhte, in ein vernünftiges land, da was neiswaz scbSnes buses und
daz was glich, als ob es geiscblicher lüten wonung weri. In dem
20 wonten, di der selben kunst pblageu. Do er hin in kom, do ward
er gütlich enpfangen und Ueplicb griizet von in; sü ilten hin zfi
dem obresten [23'] meister und seiten ime, es weri eine komen, der
w<i och sin junger sin und w51ti die kunst lernen. Er sprach:
,den wil ich vor under ogeu an sehen, wie er mir gevalle." Do
35 er in gesab, do lachet er in vil gütlich an und sprach: „nu wüssent
d«z von mir, daz diser gast wol mag werden ein frnmer scbfilpfaf
diser hohen kunst, wil er sich gedulteklich geben in den engen
notstal, da er inne mftss bewerct werden." Der diener vei-stflnil
der verborgnen Worten dennob nit; er kerte sich zö dem jungling,
SO der in hate hin in gefuret, und fragte in also: „eya, lieber gesell
minr, sag mir. waz ist da h&bst« schftle nnd ir kunst, von der da
8 Er A- 10 her ab J- U sprsch F U scliöle - 15 liSbgten fehU
A^ diaer] der P nu] iiim- P, fthU S 18 lana fehll A' da] daz M
nwiwo Bin "ch. hu9 P 18 t'. hus [und — gelich] M 19 weri, dem wax
dwt hiiB tätlich M 21 liüi iu P '24 under ngeti vor nn iS :!5 sscb SM
VÜ gStl. in i* ^ geben «;<h\. F
18 IT. VqJ. die Sel'ihhru.1/, Ilnr. II, I ,<•,/. S'ranf/c t49fj.
A
f)4 Lelien Seuses. Kap. XIX.
mir hast geseit?" Der juDgling sprach also: „üu hohe schul und
ir kunst, die man hie liset, daz ist nit anders denn ein genzä, vol-
komnü gelassenheit sin seUis, also daz ein mensch stand in sölicher
entwordenheit, wie im got ist mit im selb ald mit sinen creaturen,
in lieb ald in leide^ daz er sich dez flisse^ daz er alle zit stand 5
glich in einem usgene des sinen, als es denn menschlich krankheit
erz&gen mag^ und allein gotes lob und ere sie ansehende, als sich
der lieb Cristus bewiste gen sinem himelschen vatter." Do der
diener dis erhörte, do geviel es im gar wol und meinde, er w6lte
der kunst leben, und es enniöhti nüt so swer sin, daz in des möhti 10
geierren; und wolte da buwen und vil unmüssiges werkes haben.
Daz werte im der jungling und sprach also: ,,disä kunst wil haben
ein ledig müssekeit: so man ie minr hie tfit, so man in der warheit
ie me hat getan ;^ und meinde ein s51ich tftn, in dem der mensch
sich selb vermitelt und nit luter gotes lob meinet. 15
Nah diser rede geswinde kom der diener zu ime selben und
sass also stille ; er begonde diser rede tief na gedenken und merken,
daz es lutni warheit ist, die Cristus selber lerte. Er begond in im
selben mit im selben einreden und sprach also: ^Ifig inwert genote,
so vindest du dich selb noch eigenlich und merkst, daz du nob mit 20
allen dinen ussren ubungen, die du dir selb usser dinem eigen
grand an tet, bist ungelassen ze enpfahene frömd widerwertikeit.
Du bist noh als ein erschrockens hesli, daz in einem huschen ver-
borgen lit und ab iedem fliegenden blate erschriket. Also ist dir:
ab zfivallendem lidene erschrikest [24'] du alle din tag; ab dem 25
anblik diner widersachen entvarwest du; so du soltest under gan,
so fluhst du; so du dich soltest bloss darbieten, so birgest du dich ;
so man dich denne lobet, so lachest, und so man dich schiltet, so
trurest. Es mag wol war sin, daz du einer hohen schftl bedörftist. "
Und also mit einem inneklichen süfzen sah er uf zft got und sprach so
also: „eya got, wie ist mir dii warheit so bloss geseit!** und sprach:
,owe, wenn sol ich iemer ein reht gelassenr mensch werden?**
5 aldj und P 6 uf j^eu J/ oh ftidt F 9 dis] daz M es] er
A' er wolte fehlt M 12 disü] die S 13 getöt M 19 mit im selben
fehlt KA^ mit im selb in im selb M [ein] reden P alscy fehU KPM
20 daz fehlt SM 24 lit] ist A' och dir ^f 27 üühst [da] PA* [duj
dich S 28 lachestu S und fehlt P 29 trurestu S
18 ly. Luk. lOJlJ.
Xeoeii Sense«. Kap. J
XX K api tel.
Von wetnndeni nndergeiie.
Do dem diener dei!ey UBser übungeo, di im an sio lelien
giengen. worden von got abgesprocbeo, des wart sin vermugtü
6 natar so fro, daz er weioetc von frSden. So er hiuderdahte ginä
strengii band, und viav. er eblicb erliten und erstriten hate, 8o sprach
er in im selb atgo: „im dar, lieber berr, nu wil ich hinnas für ein
mÜEsig und ein fries leben han, und wil mir vnA lassen sin. Ich
wil minen turst mit win und mit wasser wol buzen, ich wil un-
10 gebunden uf minem strosak schlafen, des ieh dik mit jamer han
begert, daz mir daz gemach vor minem tod vou got wurdi. Ich
han mich selber gnft lang verderbet, es ist zit, daz ich hinnan für
geriiwe." SSlich vermessen gedenke und derley invelle lüfen im
als do umbe in sinen sinnen, owe, und wüste aber nät, waz got aber
15 in hate gedaht!
Do im mit disen ergezzlichcu gedenken neiswi meng wachen
gar wol was gewesen, do geschacb eins males, daz er gesass in
ginem gewonlichen bctstül und kom in ein betrahtunge des war-
baften wortes, daz der lidend Job sprach: militia est etc., des
20 menecben leben nl' diseui ertrich ist nit anders denn ein riterschaft
In dieer bctrahtnng entsunken im aber sin sinne und dubt in. wie d6rt
her in kemi ein suber Jüngling, der was gar mnnlich gestalt. und
braht mit ime zwen klflg riterschCih und endrü kleider, du riter
pdegent ze tragene. Er gie zö dem diener und leit im an dö ritcr-
2fi kleit und sprach z(t im: „bis riter! Du bist unz her kneht gesin,
und got wil, daz du nu riter siest." Er sah sich selber an in den
riterscbühcn und sprach mit grossem wunder sines herzen r „wafen
gotl wie int es mir ergangen, waz ist uss mir worden! Sol ich nu
riter siuV Ich pflege hinnan für vil lieber mins gemaches," und
30 sprach zQ dem jungling: [24'] „sid nu got wil, daz ich riter sie,
weri ich denne löblich in einem strite riter worden, so weii es mir
3 dryerlej (1) A' 4 ab ijehrochen K desj do A' vemudete P
B M>1 gw M voBl vor .V So [er] A' 6 sii] do M 9 tnrst] irost (t)
A* 12 liin(f gn'ig SP 13 gerflwe] mit rfwe K ger6weti A' 14 als
fihU A'' «ini'til den S Hinein sinn M 22 hi fehlt P 23 klflg fehlt K
26 kneht} ritter A* 27 sch'ihen ASP 29 pflfige AM/ vil ffhli .V
18 Vgl ohci, i!,,-Kf. 19 Jolj 7,1.
Mk
56 Leben Seuses. Kap. XX.
dest lieber." Der jungling kerte sich einend ab und lachete und
sprach do zfl ime: ;,bis ane sorge, dir sol noh strites gnüg werden!
Wer die geischlichen ritterschaft gotes wil unverzageklich füren, dem
sol vil me grosses gedranges begegnen, denn es ie tete hie vor bi
den alten ziten den verriimten beiden, von der kechen riterschaft du 5
weit pfliget ze singen und ze sagen. Du wenest, got hab dir dinä
jocb ab geleit und dinü band hin geworfen, und sülest nu gemaches
pflegen: es gat noch nit also, got wil dir din& band nit ab legen,
er wil sü allein endren und wil sü vil swerer machen, denn sä ie
wurden." Hier ab erschrak der diener vil übel und sprach: „Eya 10
got, waz wilt du nu mit mir beginnen? Ich wände, es heti ein
ende, so gat es erst her für, es gat mir nu erst an die not, des
mich dunket Ach, herr von himel, waz meinst du mit mir? Bin
ich allein ein sünder und ist menlich gereht, daz du din rflten an
mir armen also übest, und si an mengen menschen also sparest? 15
Dis tribest du mit mir von minen kindlichen tagen, in den du min
jung natur mit sweren, langwirigen siechtagen krüzgetest, und wände,
ez weri nu gnüg!" Er sprach: „nein, es ist noh nit gnüg. Du
müst ze gründe in allen dingen gesüchet werden, sol dir recht be-
schehen." Der diener sprach: „herr, zog mir, wie meng liden ich 20
noh vor mir habe." Er entwürt und sprach: „lüg ufwert an den
himel: mähst du die unzallichen mengi der Sternen gezellen, so
roaht du och diuü liden gezellen, du dir noch künftig sint; und als
die Sternen klein schinent und doch gross sint, also son dinü liden
klein schinen vor ungeüpter menschen ogeu, du doch na eigenr en- 25
pfinduug dir gross werden ze tragene." Der diener sprach: „ach
herr, z6g du mir du liden vorhin, daz ich sü wüsse." Er sprach:
„nein, es ist dir weger, nit ze wissen, dar umb daz du nit vorhin
erzagest. Doch under den unzallichen liden, du dir künftig sint,
so wil ich dir nüwen drü nemmen: 30
1 ein halb ab P 2 do fehlt P 4 grossere P hie vor det P
6 [den] alten M von der kechen r. der M 6 f. din joch SP 8 es gat
— ab legen fehlt ÄSP 10 her ab ^P 11 nu fehlt S 13 hiraelrich S
16 manigein SA^ 16 von] in M 17 crüzigost PM 19 ersuchet K
21 noh fehlt A^ hab vor mir S 22 mengi der fehlt K 24 und — 25
schinen fehlt P gross] klein A^ 26 f. enphintnust M 27 du fehlt MA^
28 weger fehlt M ze fehlt SP vorhin nit SÄ^ 29 verzagist MA^
den feliU S 30 nemen S
6 f. Krinnert an die erste Strophe des Nibelungenliedes ; es tpird aber
wohl an die Helden der Artussage gu denken sein.
iJaz ein ist: du si-lilügde dich selben bie ber mit diiien eignen
banden und bortest, m du wnitest, und batest erbermde ftber diob
selb. leb wil dicb nu dir selber iiemen, and wil dieb ane alle wer
den frftniden ze baiidcin geben. Da mftst dn einen berlieben nnder-
6 gang [25'] ncmen diner iurnemekeit in etlichen blinden inenpchL'n,
von dem truke dir uirs sol gescheben. denn von dem seharpfen krüz
(tiues verwundeten ruggen; wan in dinen vordren Übungen wurde
<lit in den lüten groes erbabeu, aber bie wirst du under gescblngeu
und mflst ze nibtCi werden.
10 Da7. ander liden ist: wie mengen bitlern tod du dir selb hast
angetan, so ist dir doch daz beliben von gotes verhengde, daz da
hast ein zart, llebsttchende natur; und es wirt gesebebende, daz an
dien steten, da du suuderlicb lieb und trfiw sfthst, daz du da gross
untruw und groSB liden und nngemach wirst babende. Üaz liden
IS wirt als menigvaltig, daz denuoh du nienscben, du dicb mit sunder
Irüwe meinent. müssen mit dir von erbermde geliten werden.
Dax dritt bdeii ist; dn bist bis ber ein suger und ein ver-
wenter zertitng gewesen, und bast in g&tlicber süssekeit als ein viech
in dem mer geswebt. Daz wil ieb dir nn zuken, und wil dich las-
20 sen darben und tonen, daz du haide, von got und von aller der
weit solt gelassen werden, und mfist von (Winden uml vienden her-
lieh dureiltet werden. Daz ich dir es kurzer alles, daz du an vabeat
dir ze lieb ald ze trost, daz nitlss alles binder slob gan, und was
dir leid und wider ist, daz sol alles fiir sieh gan."
25 Der diener erschrak bier ab, dnz ellA sin natur erzitrete, und
wüst nf toblicb und viel da nider an die erde in krüzwise, und
röfte 7.Ö got mit sebriendem herzen und mit hiiwlender stimme und
bat in, m&bt es sin, daz er in denne überhübe dez grossen jamers
dar sin milten veterlicben güti ; möhti es aber nüt sin, daz denn
80 der bimelsch wille siner ewigen Ordnung an ime volbraht wurde.
Do er also gelag in den n6ten ein gAt wili, do sprach netswas in
ime also: „gehab dich wol! U-h wil selb mit dir sin und wil dir
I sclhon f,-/,li M ■' liiiiLdni.-ii A 3 ja idi wü K [Höh] dir iiu S
nemmcu ^V 4 fromdeu enpliellien niid z. li. gebi/ji M kcrüchen M 6 tmrst
SP 8 under] nider A' II docli dnz dir S verheiignuBt lU du da
AS IS snniler M 14 [gro^s] üdeu M 17 ist, dax du bisher e. s. M
bi«] nutz P 1!) da«] dis A' -21 ii. von vieudeii A' 23 lieb] leid (!) S
26 ersuttren M 26 wiiat) ffir ,1/ 27 uff zfi got P büwl.l lierter A'
80 der] sb * an ime fthti M
58 Leben Seuses. Kap. XX.
helfeDy dis wuuder alles gnedeklich überwinden.^ Er stand uf und
ergab sich in die bend gotes.
Do mornend ward na der mess, und er in der cell sass trurig
und verdahte af disü ding und in fror, wan es winter was, do
sprach neiswas in ime: „tA uf der celle venster, und lüg und lern!'' 5-
Er tet nf und lüget hin: do sah er einen hund, der lüf enmitteu in
dem kruzgang und trüg ein verschlissen ffisstüch umbe in dein
munde, und hat wunderlich geberde mit dem füstüch; [25^] er warf
es nf, er warf es nider, und zarte löcher dar in. Also sah er uf
und ersufzet inneklich, und ward in ime gesprochen: y,reht also wirst 10^
du in diner brflder munde. ^ Er gedaht in im selb: „sid es andere;
nüt mag gesin, so gib dich dar in, und lüg eben, wie sich daz füsn-
tüch swigende übel lat handien; daz tu och du!" Er gie hin ab,
und behielt daz füstflch vil jaren als sin liebes kleined, und so er
wolte US brechen mit ungednlt, so nam er es her für, daz er sich l&
selb dar inne erkandi und gen menlich stille swigeti.
So er etwen sin antlüt unwertlich gekeret hate einend ab von
etlichen, die in trukten, da ward er von innen umb gestrafet und
ward gesprochen: ^gedenk, daz ich, din herr, min schönes antlüt
nit kerte von dien, die mich an gespözeten." Es gerow in übel. 20-
und er kerte sich hin wider vil gutlich.
An der ersti, so im ein liden begegnete, so gedaht er also:
^owe got, wan heti dis liden ein ende, daz ich sin were ab komen!"^
Do erschein im vor daz kindli Jesus in einer gesiht an unser frowen
tag ze der liehtmiss, und straft in und sprach also: „du kanst noli 25
nit wol liden, ich wil dich es leren. LAg, wenne du in einem liden
bist, so solt du nit sehens haben uf des gegenwüiligen lidens ende,
daz du wenest denn ze rflw komen; du solt dich under dannen, die
wil ens liden wert, bereiten, ein anders liden gedulteklich ze
enphahene, daz höret dur zu. Du solt tun als ein jungfrow, du 30
rosen brichet: so du einen rosen ab der rosenstudeu gebrichet, so
1 als M 8 er fehlt K 7 eiiieu . . . fäzguder ^S' 8 f&sgader S
10 und (zweites) fehlt ASKA^ 11 rannde umbo getragen Ä^ munde och
geworfen und gezerret S Kr] und Ä^ 12.14 der (den) fäzguder S 14 sin
sclbcrs 1. k. ^y liebes] selbes A^ 16 gen fehU M swige S 17 einent-
halben [ab] P 20 [an] yerspoitzten P an spüwen 3/ an spoteteu A^ 22 von
anderer Hand am Rande Nö. bn. (= Nota Bemhardus) A er feJdt S er
also] als er M 23 dis liden] ez 3/ 25 ze fehlt P 26 wol] volle A^
29 ens] ein P ])creiton fehlt S 30 als fehlt ^f
19 f. Js. 50,6.
f'geoügt ir Dit, si nimt in ir siniie einen fiiraaz, wie si noh me her
ab gewinne. Also tö och du; bereit dich Torbin dnr z&, wenn diB
liden ein end hali, daz dir geswind ein anders begegent,"
Under andren goteefninden, die im sinii künftigü liden vorhin
5 kund taten, lin koat zu ime ein fürnemer heiliger mensch und eeite
ini, daz m an der enge) hohzit na meti gar ernstlich got über in
heti gebeten; do dnhte si in der gesiht, wie si wnrdi gefüret an die
slat, do der diener was, nnd sah, daz ob im uf gie ein scheue ros-
boni, lind der waz wit und breit unib sich; er waz einer wiinnik-
10 liehen gestalt und was vol schöner roter roaen. Si Ifijtete hin gen
dem himel: do duht si, du/, du snnne schon uf giengi ane alles ge-
wülk mit vil glastes: in der sunnen glast stflnd ein schönes kindlio
in criizwisc. Also BJih si, daz uss der sunnen [26"'] gie ein glast
gen des dicners herzen, der waz als kreftig, daz alle ain adren
IB und gelider enztindet wurden. Aber der rosbom neigte sich en-
zwischen, und heti gern mit sinen diken esten der snnuen schin
gen sinem herzen gebindert. Da/, enmoht er nit getan, wann du
nebrechenden glenz waren als stark, daz sii durdrungen alle die e*te
und lullten hin in in daz herze. Dar na sab si, daz daz kind bcr
■20 US kom gende uss der snnnen. 8i sprach zft im also: „aeh liebes
kind, war wilt du?" Es sprach: ^do wil ich gan zft uiinem ge-
minten diener." ti\ sprach: „ach zartes kind, waz meinet der
Bunnen glast in dines geminton herzen?" Es sprach: ,,do hab ich
sin rainneriches herz als klarlicb durglestei, daz ein widerschin de»
•2R glasles sol von sinem herzen us dringen, der menscblichii herzen
8ol minneklich zO mir ziehen; und dt-r diker rosbom, der da l>e-
tütet sinü manigvaltigü liden, du im künftig sint. der enmag daz
nit gehtnderen, es mtiss adelich in im volbraht werden."
Wan abgescbeidenbeit eim anvabcnden menschen als nüz ist,
30 do ward er ze rat, daz er bleib in sinem kJoster me denn X jnr
abgcscheiden von aller der weit. So er ab tisch gie, so bcschloss
I benügt M mit •'itieui f. A' 3 bagtgne K 5 kündetea ^ ü I. über
in ^t betten g. M 8 [daz} ob im iif gen A' 10 rolcr schonir M
12 kindlin] knebli S 14 dor] das A' 15 eiieündet] enzukct M 1!> [in]
in S 21 f. geminleti fthli K 23 sprach rA im also M 25 sinem] mim'iii K
UB] ul SM id iniieklicli A' 29 iteueK Kn,: mit der Ühertvhrifl: Wie er
rieh ajnig liidt M 31 deii dirr .U
6 Vfil. Anm. ru :;0,iä. 2fl ff, Vgl Ihi: IT-If.
.M^
ßO Leben Senses. Kap. XX.
er sich in giner kapeil und bleib alda. Er enwolt weder an der
port noch anderswa mit frowen noh mit mannen einkein lang red
haben noh sü an sehen. Sinen ogen hat er ein kurzes zil geben,
für daz su uit solten sehen, and daz zil waren fünf fasse. Er
bleib alle zit da heime, daz er weder in die etat noh in daz land 5
komen wolte, und wolt allein siner einikeit pflegen. Disü hüt ellü
half in nit, wan in den selben jaren vielen af in gar berlichä liden,
von den er ward als swarlich gedrungen, daz er im selb und andren
menschen ward ze erbarmene.
Daz im sin gevangnüst dest lichter wurdi, als er sich selber 10
du X jar ane isen hate in geschlossen nah blipnust in der capell,
do frumt er von einem maier, daz er im entwarf die heiligen alten
veter und ire sprach und etlich ander andehtig materien, die einen
lidenden menschen reizent zu gedultekeit in widerwertikeit. Daz
selb wolt im got nit lassen ze lieb werden, wan do der maier hate 16
entworfen mit koln in der capell die alten veter, do ward er siech
an den ogen, daz er nüt me gesah us ze strichen. Also nam er
urlob und sprach, daz werk müsti also beliben, unz daz [26^] er
genesi. Er kerte sich zu dem maier und fraget in, wie lang dar
giengi, daz er genesi. Er sprach: uf XII wüchen. Der diener 20
hiess in die nidergeworfen leiter wider uf zu den entworfen alten
vetem rihten, und gie die leiter uf und streich sin hende an du
bilde und bestreich dem maier sinü wetfindü ogen und sprach: f,in
der kraft gotes und der heilikeit diser alter veter gebüt ich ü,
meister, daz ir morn des tages her wider in koment und an üwern 25
ogen genzlich genesen siend." Do mornend frft ward, do kom er
frölich und gesunde und danket got und ime, daz er genesen waz.
Aber der diener gab es den alten vetern, an der bilde er die hende
hat gestrichen.
1 alda] da K 4 fuzz M 5 uf daz land M 6 nit komen w. M
allein sin in siner ein. [pflegen] M höt fehlt A^ 8 warlich MÄ^ 9 ze
erb. wart A^ 10 vanknust M 12 frumt er von] froget er noch P ent-
würff P 13 ainem M 14 zö gedultiklich in in der wid. (!) M in widerw.
fehlt 6' 18 werk fehlt M 21 wider fehlt S 22 uf fehlt S 24 und in
der h. M 26 morn her w. i. k. dez tagz M in fehlt F 28 die] sin M
1 Nach H. Mar er, Helvetia Sancta (Lueem 164S, 329) war Seuses Kapeüe
„in dem Prediger Kloster zu Costantz, neben dem Chor su der rechten Hand,
wie man auff den Lethner gehet, ander det Stiegen^ noch im 17. Jh, zu sehen,
12 flf. Vgl dazu Kap. Jö.
Gut der tet die glich do in den selben ziteu, als ob er di'n
bösen geisten und allen menschen über in erlobet heti in zc pingen.
Unzalliehen vil erleid er do von den b6aen geisten. die im mit an-
genomnen jemeriichen bilden mit wilder freidkeit so vil leides und
5 Hdens an taten, baidü tag und naht, wachende nnd scfalaifende, dar
im vil we dar von besehah,
Ze einer zit kam er in ein anvehtung, daz in gelöste fleisch
ze essene, wan er waz vil jaren ane fleisch gewesen, Do er daz
fleisch geass und sinen lust erst gebAzte, do kam in einer gesihte
10 für in stende ein ungchürü helachä person und sprach den vers ^
Ädhuc escae eorum erant etc.. nnd mit bellender stimme
sprach er zO den, die da unil» sti'inden: „dise niünch hat einen tod
verschuldet, und den wil ich im an tön." Do sä im daz nit wollen
gestaten, do zoh er us einen gn'ilichen negber und sprach zu im
16 also: „sid ich dir nu anders nit getön mag, so wil ich dinen lip
doch mitdisem negber pingen und ze dem mund in boren, daz dir
als we müas geschehen, als gross din lust mit fleisch essen ist ge-
wesen," und fftr im do mit dem negber gen dem munde. Zehand
geawnlleu im du kinnbein und die zene und vcrswal im der mnnd,
20 daz er in nit mobte ut' getnn und wol uf drie tag weder fleisch noh
ander ding nioht essen, dennc so vil er dur die zene mftst sugeu.
XXI. Kapital.
Ton inrllchem liden.
Under andren sinen liden waren dru inrü liden, du im do vil
26 pinlicb waren. Dero was eins unrelit invelle von dem globeii. [2T]
Im viel in sinen gedank also; wie moht got mensch werden? und
des gelich menges. So er dem ieme begegente, so er ieme verierrete.
In dieser anvehtung liess in got wol uf IX jar mit schriendem
herzen und weinenden ogen uf zft gote und ze allen heiligen umb
W hilf. Ze jungst neiawen, do es got zit dahte, do half er im genz-
lich dur von, und ward im von got grfisaä restekeit nnd erldhtunge
des glohen.
■.i vil iirbeil. 5
12 dar iiiiib Ä" 11.1
20 wol uf get. M
iiii] in AS 5 «lafende u. wachende S S gluit S
i.lti näpper K negbor P uegebar vi' 19 kinbocken P
3 innerlichen 3 28 wol nf feliU S
',80/., vgl. IV Mo». 11,3.1.
J
02 Leben Seuses. Kap. XXI.
Daz ander inrlich liden war nngeordnetu trurkeit. Im waz
emzklich aU swer in sinem gemute, als ob ein berg nf sinem herzen
leg; and waz daz ein teil da von: sin geswinder abker waz so
scharpf; daz siner leblichen uatnr vil gross gedrang dur von besebah.
DisA not werete im wol VIII jar. 5
Aber daz drit iurlicb liden waz, daz er gewan anvebtung, daz
siner sele niemer rat würdig und eweklicb m&sti verdammet sin, swie
recbt er teti ald wie vil er sieb übti, daz daz nibtes nit bulfi, daz
er der bebaltnen eine wurdi; es weri alles vor ns bin verlorn.
Hie mite bekümberte er sin sinne tag and uabt So er solte ze kor 10
gan oder 6t anders gutes tun, so kom du anvebtang ber f6r and
spracb vil kleglieb: ,,waz hilfet dieb gote dienen? Es ist dir nu-
wan ein flfleb, din wird docb niemer rat. Lass nuwen enzit dar
von, da bist verloren, wie da es an vabest.^ So gedabt er denn:
^eya, icb vil armer man, war sol ich mich keren? Gan ich uss 15
dem orden, so wird ich der belle ze teil, blib icb denne, so wirt
min docb niemer rat. Ach herr got, ward ie keinem menschen wirs
denn mir?^ Er stflnd etweu verdabt in im selb und lies meogen
erholten sufzen mit niderwalenden trehen; er klopfete an siu herz
and spracb also : „owe got, sol min niemer rat werden V Wel ein 20
kleglieb ding daz ist! Müss ich hie und dort erbetselig siuV We
mir, daz ich von miner mfiter lip ie geboren ward!"
Disü anvehtung viel im zu von ungeordneter vorte: im ward
geseit, daz sin enphahen in den orden weri geschehen mit under-
tragene zitlichs gutes, dannen du s6nd komet, du da heisset sy- 25
monia, da man ein geischlicbes umb ein liplichs kofet. Daz sankte
2 emzklich] aue underlas S Bin. herzen] im S 5 im] in S 7 mus 3/
9 68] er P US fehlt PA' hin fehlt M 11 tön götz M komen P
he för -4 11 f. und — kleglieh fehlt M 121. dienen, daz sprach er vil
klaglich, ez ist dir doch nun ein fl., dir wird niemer r. M 13 in zit 8 ein
zit -4* 15 vil armer] grundarmer M 19 erholten] verholten K heimlichen S
20 also fehlt P 21 dort und hie SP 23 von fehlt M 25 dannen von P
23 ff . /Scu,se trat schon mit 13 Jahreti (Vita 8,ÖJ in das Dominikaner-
hlo8t<.r zu Konstanz^ während sonst eine Aufnahme vor dem lö, Jahre ohne
besondtre Erlaubnis des Provinzialjiriors verboten war (Generalkap, von 1266,
1.2S3, J;,'Ü4, 13l:>, MOPH III, 129, 223, 273; IV, 58). Ob wirklich Simonie
dabei vorkam (ein blosses Geschenk wäre solche nicht gewesen, vgl. A. Leint,
IMe Simonie 1902, Uff, 130 ff J, wie Preger 11,349 und Seeberg 13 annehmen,
wird nicht sicher auszumachen sein, Boss er selbst seine Furcht eine „ww-
geordnete*^ nennt, spricht eher für das Gegenteil.
er in »\a lier/, udz er hinder Ah liden kom. I)n dJH freidig liden
gewerete wol uf X jar, da>; er sich gelber in dem zit allem nie an
^ah, denn für einen verdampneten menschen, do kom er zö [27'']
dem heiligen raeister Kgghart und klaget im sin liden. Der half
B im dnr von, und also ward er iTlöset von der helle, da er so lang
waz inne gewesen.
XXII. Kapitel.
lan dem nsker nf sJnes nebstea heÜNKiuen behulfenhelt.
I
^^^H Do er ril jareu stner inrkeit liate ptli'gen, dn ward er von got
l^^Kiben mit raengerley oft'enbarnnge uf sines nehsten heil, daz er
dem och gnTig solti sin. Was im eblich grosses lidens vieli nf dis
gilt werk, daz waz ane zal nnd ane masH, wie menger sei och dnr
in gehälfeii wurdi. Uaz KÖgte got einest eim userwelten gotesfrAnd,
und hiess Anna und was och sin gaiscblichü tohter. Uii ward eins
95 males in ir undafat verzukct, tind sali den diener uf aiiiem hoben
berg mess sprechen. Si sah ein nnzallich mengi in im nnd an im
hangen, und was eins nit als dnz ander; ein iekliches als vil ez
me gotes hate, als vil hat es och nie stat in ime, nnd als vil ez im
inrlicher lag, als vil hat »ich och got zft im gekeret. Si sab, daz
20 er ernschlich aber su ellii bat den ewigen got, den er iu sinen
priesterlichen henden hate; und si begert von got, daz er ir kund
tele, waz du gesiht heluti. Des ward ir von gote geentwürt also:
„du unmessig znl dero kinden, du an im hangent. daz sind elh'i di'i
menschen, du iu siner bibt ald lere sind, ald in ane di<z mit sunder
25 trfiwe meinent. Dö bat er mir alsu in getragen, duz ich ir leben
nf ein gflt ende ivil richten, und sü von minem frilichen antlüt
niemer gescbetden son werden. Waz im eblich lidens hier nf mag
Valien, des sol er alles von mir wo! ergezet werden,"
1 üftz liiU'u M 2 tvcrl M
alleiD PKA' i Dür] das A' .'>
lieh] utUdi M 1'2 f. dar in A'
Do der wz iii einer uidälit. 'lo wur
diener der wizhait 3/ 16 in im
och inrklichBn I. M 19 inrlich P
gecnt. A' 2G richten] uf entholtcii .
g«Kh. w. il eblicb] ebelklitliz .1/
XI Jur i' lillem 'tun ulleiii koriiijiert A
so fehlt -4' 8 heilaanien ffhll M 1 1 eb-
14 [und] dir h. j1' nud hiess — 15 diener)
. ai verzukt und sali in dem )^mi den eeLbeo
und fthlt P 18 [me] aUt M 18 f. im
zäj gen M 20 [er] ernachl. A'' 23 aUo
' brin^u M
■28 gevalleii l'K
27 I
i] Ion A' «I
wol fekU SM
64 L--'-i: 'j'var*.?. K *r-. XXII.
£ daz ilü selb vor ^enand edel creatur den liiener der ewigen
wii^beit erkandi, do gewan si von got ein inrlieh triben in ze sehen.
Und geschah aine«t, do ward <i verznket. and ward za ir gesprochen
in der gesibt. daz si hin kemi. da der diener waz. und in gesehi.
Si sprach: .ich erkenne sin nit nnder der menge der brAder.^ Do 6
ward zu ir gesprochen als«:^: ^er ist gut ze erkennen ander den
andern: er hat einen grünen ring umb sin hobt, der ist nmb nnd
nmb mit roten and wissen rosen vermischet ander enander als ein
r6sin schapel. and betütend die wissen rosen sin laterkeit and die
roten rosen sin gedaltekeit in menigvaltigem liden. daz er müz er- lO
liden. Und als der galdin sinwel ring, den man den heiligen nmb
daz hobt pfliget ze malene. [2d '] als der bezeichent ir ewigen seli-
keit. da s6 iez besessen hein in got, also bezeichent der rteelohte
ring menigvaltikeit dez lidens. daz die lieben gotesfriinde mnssent
tragen, die wil sü noch in der zit mit ritterlicher übang got dienend 15
sind." Dar na fürt si der engel in der gesiht hin. da er waz, nnd
si erkand in balde bi dem röselohten ringe, den er nmb sin
hobt hate.
In dem selben lidenden zite was sin gröster ufenthalt von innen
der himeiscben engel emzigü behulfenheit. Eins males, do er waz 20
komen in ein Vergangenheit der ussren sinnen, do waz im vor in
einer gesiht. wie er wurdi gefurt an ein >tat. da waz gar vil der
engelschlichen geselschaft. and ir aine. der im aller nehst waz,
sprach zo im: ^tü din liend her tur und lAg!'' Er bot die band
her tur und läget, so siht er. daz enmitten uf der band entsprang 25
ein schöne rote rose mit sinen grünen bletlin. Der ros ward als
gross, daz er die band unz an die vinger bedahte. und ward als
schön und liebtricli, daz er den ogen grossen Inst brachte. Er kertc
die hend umb ussnen und innen, do waz es bedentbalp ein wnnnek-
licher anblik. Er sprach mit grossem wunder sines herzen: „eya. 30
lieber gesell, waz betütet disü gesiht?" Der jungling sprach: „es
betütet liden und aber liden. und och liden und aber nnd och liden.
daz dir got wil geben, und daz sint die vier rote rosen an beden
1 K .l;iz — r,5,;3 jrot fehlt J/ -Kiz h/dt ^' 2 \oii ffot fehlt S
4 hin] hfiii A' 0 irut fehU A'^ 10 ni.niiiivalti;:» n .S' 10 f. erl.] liden P
J2 als f.hit S 19 ileu s. 1. /iten AW 24 d.r spr«oli nP für her K
2G 1»<TJ «li<- P 21 fi] sü P tlif junir'-r«!' uniz an «lii- liaiit 1>. -4* 28 vil
li»'lirr. A' *:v\ ^n P :V1 und a)..T — ü.I.mi ühU SPK
Iientleu und beden riisseii.'' Der diener ersülzet uuil spi :il']i : „hiIi
zarter herr, lUz Hden dem menscfaeii als relit we tot, und rä in doch
>:aisrblic)i als schou /.irret, daz igt ein wönderlicU gelese von got!"
Alil.. l.
A Ih AKUWlIcc n'n bum. :u>Bi Bilder; VeiMC mü dtm Ki-ant um dai
Haupt innitlrn Mintr üi-ädtr und Anna mit dem Engfl <Ahh. 4 nach A lil. 2tt"
a. Sruic. D-niKb» Schriften. 5
1
J
()6 Leben Seuses. Kap. XX III.
XXIII. K apitel.
[21)*^] Ton meni^Taltigem lidene.
Er kom eins males zA einem stetlin gegangen, und bi der stnt
nahe was ein hülzin bilde, ein crucifixuS; daz waz mit einem hüslin
iimbmachet; als etwa gewonheit ist, und meinden die lüte, es ge- 5
schehin vil zeichen da. Dar umbe brabten sü wehsinü bild und
vil wahses dar, und hankten es da uf got ze lobe. Do er für das
crueifixus ward j^ende, do trat er hin zft und knüwet für daz cruci-
tixus. Do er ein wili gebetete, do stund er uf und gie mit sinem
gesellen hein in die herberg. Dis knüwen und beten, daz er vor lo
dem bilde hat getan, hat gesehen ein töhterli, daz waz ein kind
von sibeu jaren. So hin wirt in der naht, do kamen diebe zö dem
bilde, und brachen uf die tür und verstalen alles daz wahs, daz sü
da funden. Do ez tag wart, do kamen du mere in die stat und
für den burger, der des selben bildes pfleger was. Der fragte den 15
dingen na, wer daz gross mord heti getan. Do sprach daz vor ge-
nant kind : es wüsti wol, wer daz heti getan. Und do man es vast
an kom, daz es verjehi und den bSswiht zogti, do sprach es: „es
ist nieman schuldig an der missetat denn der brüder,^ und meinde
den diener; „wan," sprach es, „den sach ich nehtind spate bi dem 20
l>ilde knüwen und do in die stat gan." Dis rede des kindes nam
der burger in für ein warheit, und seit es fürbas umb und umhe.
daz der b6se lümde also dur die stat wart gend über den brüder.
und ward des swachen dinges gezigen. Es ward meng bösü urteil
über in gende, wie man in sölti verderben und als ainen bösen man 25
schier ab der weit tun. Do er disü mere erhörte, do erschrak er
übel, wie gar er sich unschuldig wüste, und mit einem inneklichen
süfzen sprach er hin zu gote: „ach herr, sid ich nu liden sol und
)i und jMt AS 4 f. lu'ilzin hi'iseiin übenuachet M 5 f. «^-eschehe
vil zeicbens -V 6 f. dar nach bild SM 7 zÖ gotz ^►b M 9 sinen
Ka 10 bcin fehlt SP in] an S 14 da fehlt K kam P 16 vor
bildes ist kindes durcJistrichen M 17 wer ez li. ^. 31 vaster M 18 es
spracb M 20 n^bt KM 23 also] aU MA\ fehlt SK
lU gesellen. JJic reisenden Predigerb rüder mussien stets einen ^socins^'
hei sich haben {vgl. Kap. ,25 zu Beginn), durften weder Wagen noch Pferde be-
nutzen und hatten Uterac testimoniales initzuführen (Constitutiones in ALKGM
1^224: \\ ödl : Kontana ^ Constitutiones. Derlaraliones aic. O. Praed. , liow
76n5, 34a ß. : MOPH III. 12, Ifj u. öfter).
Loboii ^>(Mir4t's. Kap. XXIIT. (i7
mäss, ^ebist du mir denn gemeinü liden^ du mir nit nnerlicli werin,
du wölti ich frolich liden; nu grifest du mir in min lierz mit dem
undergang miner eren mit den Sachen, da von mir aller wirst ge-
schiht.** Er bleib also do in dem stetlin, unz es verredet wart.
o Es geschah an ainer andern stat, daz ein gross geschell Aber
in ward gende, so vil daz dii selb stat und ellü dii gegin dnr mit
umb gie. Es waz in der stat ein kloster^ in dem waz ein steinin
bilde, ein [29"^] crucifixus, und daz was, als man seit, ein ebenlengi
der masse, als Cristus was. Da fand man eins males in der vasten
10 frisches blut an dem selben bilde under dem zeichen der wunden
siner siten. Der diener kom och mit den andren dar lofende, daz
er daz wunder gesehe. Do er daz blftt ersah, do bot er sich hin
zu und enpfie ez an- sinen vinger, daz es alle die sahen, die dar
umb stftnden. Hie ward der zftlof aller der stat gross, und triben
15 in dar zft, da/ er must uf stan oflFenlich vor der weit und mftst
sagen, waz er gesehen und griffen heti. Daz tet er und seit es,
doch in der gewarsamkeit, daz er enkein urteil dar über gab, ob
es weri von got dar komen oder von den menschen; daz Hess er
hin zu den andren.
20 Disü mere erschullen verr in daz lande, und Icit ieder man
dur zu, daz er wolte, und ward für geben, er heti im selb in die
vinger gestochen und heti daz blftt uf daz crucifixus gestrichen, daz
man wandi, daz daz bild blfiti von im selb, und hat einen lof ge-
maohet von siner gitekeit wegen, daz er der weit daz gut ab neme.
25 S61ich bos rede treib man von ime in andren stetten und seiten:
do die burger der seihen stat innen wurden der grosen valscheit
do möst er nahtes endrinnen von der stat, und sü ilten im na und
woltan in han verderbet, wer er nit endrannen; sü buten gross gelt
2 mit fefUt M 8 von] mit tS 4 also] ald M nutz daz M 5 ^ro88
i^eseheli] gröt geselle (!) P B ^endo/e/*Z< MA^ gej^i K 6 f. dur mit — ixi^\
da mit z<^ schaffen liet M H ein eb. , als m. sait SM 9 f. in der vasten
hach Inldt; M, nach blÖt A^ 10 f. siner verwimten siten M 13 an] in M
15 uf fehlt M 16 ireffriffen PM und seit es fehlt S 21 die] den M
23 f. dar ffemacluMi 3/ 24 ^ritikeit P 26 und seit<»-n fehlt ASa 28 ffelt]
9 flf. Ein ganz (Ihnliches Vmhommni», wohei zwei brauen 1348 zu Kon-
stanz einen Betrug versuchten, berichtet der Chronist Heinrich von Diessenhoven
(Böhmer j Fontes rer. germanic, IV [1868] 66), Ergählimgen von blutenden
Kruzifixen sind ilhrigens im Mittelalter häufig : vgl. E. v. Dobschütz. Christus-
hilder (Texte u. Untei-s. XV III) 1809, 281** A. 3.
(58 Leben Seuses. Kap. XXlll.
Über in, swer in brehti lebent oder toden. Üis und derley bos red
was vil. Wa disü mer hin erschullen, da kripften sü es uf für ein
warheit, und enpfie sin nam meng schelten und flächen : es ward
meng freidig urteil über in geben. Etlich waren och da in der
bescheidenheit, die in erkanden, die sprachen, er weri unschuldi^^. >
Die wurden als gremlicb widerworfen, daz sü müsten swigen und in
lassen under gan. Ein erberä burgerin der selben stat, do du horte
daz pinlich wunder alles, daz der armer man mit Unschulden erleid,
do kom si von crbermde zu im in sinen n6ten und gab im einen
rat, daz er sölti brief und insigel nemen von der stat anderswa hin lu
siner unschulde, wan menlich in der stat wol wüste, daz er un-
schuldig waz. Do sprach er: „eya, liebü frowe, weri dis lideu
alleine und keins me, daz got über mich verbeugen wölte, so wölt
ich mich wol verbrieven; nu ist daz liden und dero glich also vil,
[30'] du mir teglich zft vallent, daz ich es niftss got enphelhen und 15
dur zu ungetan lassen."
Ze einer zit für er abwert in Niderland ze einem eapitel. Da
waz im vorhin liden bereit, wan es füren ire zwen fürneme wider
in dar, die vil unm&ssig waren, wie sü in swarlich betrüptin. Kr
ward mit zitrendem herzen hin für geriht gestellet, und wurden vil 20
Sachen uf in geleit, dero was einü: si sprachen, er macheti bücher.
an den siündi falscliü lere, mit der alles lant wurdi verunreinet mit
kezerlichem unflat. Hier umbe ward er vil übel gehandlet mit
scharpfer rede und ward ime getröwet, wan wölti im gross liden an
tun, wie in got und du weit dar inne unschuldig wüste. An disem 25
sweren gedrang gnüget got nit, er macheti den hufen noh merer.
Er sante im uf der widervart siechtagen an, und gewan einen starken
riten; dar zu erhfib sich ein sorklich geswer inwendig nah bi dem
1 boöer MA^ 2 Wa] da M kripften - nfj be^neif mau si'i .^
4 freidig fehlt S 5 uud [die] spracbeii S so die sprachen MA^ er] es A'
6 grimeclich *.V tpiiulich M 7 iu der SM 14 daz] der M 15 all tag 3f
17 abw. in uid.] aber in ander lant P 18 fi'ir durcfistrichen unter wider M
20 zitr.] zürnigein A^ 21 dem] daz M falschfi biicber M 24 gar s^tohs
SK 25 dar inne fehlt M
17 ft". Wahrscheinlich das I*rovinzialkapücl zu Antwerpen Io:J7, nicht
das von Herzogenhusch 1335 {Freger, Thiriot) oder das General kapitd von
Brvgge 1336 (Denifle), Es kann sich nur um das Bdw handeln; dieses war
aber anfangs 13ii7 fertig^ und nach Vollendung des Bdew {1328) fürchtete
Seuse (Uor, 14), es möchte „auch dieses fromme Werk** von den Zähnen seina
Gegner zerrissen werden.
L»'hon Seiisfs. Kap. XXni. 69
herzen, l'nd also, baidü von inrein gedrang und ussrem laste kom
er von nöten unz uf den tod, daz im nienian daz leben gehiess.
Sin geselle luget in dik an, wenn im du sele us giengi.
Do er in einem fromden convent vil ellendeklicli ze bet gelag
5 und dez nahtes von noten des grimmen siechtagen nit mohte schlafen,
do begond er mit got ein rehmmg her für nemen und sprach also:
^ach gerehter got. daz du min kranken natur so gar überladen hast
mit bitenn lidene, und min herz durwundet mit grosser unere und
verschmeht, dii mir geboten ist, und daz ich also mit biter not, baidii
10 ussnen und innen umbgeben bin! Wenn wilt da an mir boren, milte
vater, ald wenne dunket es dich gnfigV*' Und nam in sinen mftt
die totlichen angst, die Cristus leid uf dem berge. In diser betrah-
tungc kroch er ab dem bete uf den sessel, der vor dem bete stund,
und gesass also^ won er enmohte von dem geswer nit ligen. Do er
15 also ellendklich gesass, do was im vor in einer gesiht, wie ein
^Tossü schar dez himelschcn ingesindes kemi zft im in die kamer
im ze tröste, und die himelschar vieng an ze singen einen himelschen
reyen; daz erklang also süsseklich in sinen oren, daz ellü sin natur
verwandlet ward. Do sn also frolich 8ungen»und der siech <liener
20 so trurklich do sass, do [SO""] gie ein jungling ztt ime und sprach
gar gütlich: „war umbe swigest du, war umbe singst du och nit mit
uns? Du kaust doch moI den himelsang?^ Do entwnrt im der diener
mit besoftkeit sines trurigen herzen und sprach also: „ach sihst du
nit, wie we mir ist? Wa gefrowete sich ie kein sterbender mensch V
'2h Sol ich singen? Ich sing iez den leiden jamersang. Gesang ich ie
fnSlich, daz ist nu ein ende, wan ich warten nu der stunde rains
todes". Do sprach der jungling gar frolich: „Viriliter agitel
Oehab dich wol. bis frolich, dir wirt nit! Du wirst noh ein sölich
gosang bi dinen tagen tiinde, da von got in siner ewikeit wirt ge-
.50 lopt und menig lidender mensch getröstet." In den dingen volletan
im sinü ogen und enbrast an ein weinen, und geswinde in der selben
stund zerbrach daz geswer, daz er bäte in im, und fftr von ime,
und irenas uf der stat.
1 Vini «Irin ,y 2 iiiciiian im P 4 laii' KA^ 18 <la vor 3/ 14 won
- 15 o^f'sar*s fehlt K voiij vor M 21 nüt och PA^ 26 im <ler st.]
iintiiT stimrlen A^ 27 atr«' «*rc. M 28 <ln 29 t\mdi} f^hlt M 29 von
rthU M :i0 voll.l wall.'t.Mi P IM crbra-st M
27 Ps. .7Ö,.'.V).
70 Leben Seuses. Kap. XXIV.
Dar na, do er wider heim kom, do koni ein seliger gotesfrund
zft ime und sprach also: „lieber herr, wie daz si, daz ir of diser
vert nie denn hundert miie von mir siend gewesen, doch so ist mir
üwer liden vil gegenwärtig gewesen. Ich sah mit minen inren ogeu
eins tages den goilichen richter sizen uf sinem stille, und von sincr 5
verhengde do wurden zwen bös geiste us gelassen, und du triben
lieh urabe dur die zwen fürnemen, du üch daz liden an taten. |)n
röift ich zu got und sprach: „ach milter got, wie mäht du dis gros>
biter liden an dinem fründ erlidenV" Er entwürt und sprach also:
„do han ich in mir userweit, daz er in solicher lidender wise na 10
minem einbornen san gebildet werde; und doch so müss von miner
gerehtekeit daz gross unrecht, daz man im ttit, gerochen werden mit
zwein jungen toden dero, die in gepinget hend.'* Daz geschah also
schier dur na in der warheit, daz es vil kuntlich ward mengem
menschen. 15
XXIV. Kapitel.
Von grossem lideniie, daz ime zä viel von slner liplicheu
swoster.
Der diener'hate ein liplich swöster, du waz under gehorsami
geischliches lebens. Dis fügte sich, do der brftder anderswa ward jn
wonende, daz si begond us brechen und sich zii schedlicher gesei-
schaft fügen. Eins males, do si waz usgevarn mit der geselsehafr.
do misslang [31*^J ir und verviel in sünde; und von leid uiid un-
gemach, daz uf si gevallen was, do gie su usser ir samnung und
verluf sich, er enwüst nit war.
Do er wider hein kom, do murmlet man du leiden mere: eint»
kom zu im und seit ime, wie es gevarn waz. Do ersteinot er von
leide, und erstarb im sin herz, daz er gie als ein sinnloser mensch
Er fraget, wa und war si weri; im koud nieman gesagen wa. Er
gedaht also: „nüwes lidens ist reht al)er hiel Xu erzag nit. Ifig. :;(
)5 liiiiidertl tust'iit <!) M G verlirngen .1/ 7 ücli . . . ücli| in ... im M
10 userwclt /t'A/^ A' 18 Jun«ieiiJ innigen S doroj den -V 14 kintlich r
iiini^eii A 22 tugeti Ä' 20 wjir| wa (!i .1/ M) m'iwos) iiiines .y lid«>
A Vuhm .SMA^a vorzajr .1/
18 Xacfi Murer (Helr. sancttt Jälf suH iSeuifcs ^Srhircstt r in dem J/oumn-
h'uuerianenklosler 6'L Peter zu Kontfianz {I:^ö7 ijtyriindet) (,ewest.n sein.
21 \\. VyL dazu den letzten Ah.'ichnift des Jirufes (^hiomodo j>utes1 m^
Kl lifh.
25
Lebcu Seur^es, Kap. XXIV. 71
ob <lu ieiuer der armen verdorbnen sei niu^ist wider gelieifen, und
opfer reht but din zitllch ere dem muten got, wirf hin alle mensch -
lieb schäme, und spring zh ir in die tiefen lachen und hab si nfl''
Do die bruder in dem kor stunden, do tet er ainen gang dur den
5 kor, daz im ellu sinü varwe engie, und ime waz, wie ellu sinu herli'i
ze berg giengin. Er engetorste zft nieman gan, wan ieder man der
schämte sich sin; und die vor sin gesellen waren, die Hüben von
ime. So er rat ztt sinen frftnden sftchte, so kertan su ir antlüt un-
wertlieh von ime. Do gedahte er an den armen Job und sprach :
10 „nu müss mich der erbannher/ig got trösten, sid ich von aller der
weit gelassen bin.**
Er fragte umb und umb, war er sölti. daz er der verlornen
sele na ilti. Ze jungst do ward er gewiset an ein stat, da gie er
hin. Nu waz es an der lieben sant Angncsen tag, und waz kalt:
15 es waz in der naht ein gus wassers komen, und waren die bcehe
gross. Do er über einen bach soltc springen, do viel er von kraft-
los! in den bacli. Do er mohte, do stftnd er uf, und waz siner inren
not als vil, daz er der usren wenig ahtete. 8o er hin kuut. do
ward si im in einem kleinen häslin dort neiswa gezoget. Da tet er
20 die eilenden trit hin, und kom ingend und vand si da. Do er si an
blikte, do viel er nider uf den bank, da si sass, und geswand im
zwirent uf einander. leso er zft im selber kom, do hhb er uf heiser-
lich ze schriene und ze weinen und die hend oi) dem hobt zesamen
ze sehlahene, und sprach: „owe, min got, wie hast du mich gelaul'*
25 und vergiengen im denn du ogen und gestfind im der nmnd und
geragetan im die hende, und gelag also hingescheideu in der unmaht
ein wili. So er denn aber zfi [31 ""J im selber kom, so nam er sin
geswiistergit under sin arme und sprach: „owe. kind mins, owe,
swüster minü, waz hau ich an dir geleptl" und sprach: „owe. zartü
:^j jungfrow sant Angnes, wie ist mir din tag so biter worden I" und
seig denn aber da nider, und vergiengen im die sinne.
Do stfind sin krenkü sw6ster uf. und viel im ze frtssc mit
grossen bitterlichen trehen und sprach kleglich zu im also: „ach
1 arim'ii fehlt M 4 <lur] do M 5 vaivve] naturc A^ wio im M
() uetorste SMA^ 0 «Ion] der A 10 f. [der] weit M 15 gusswus.ser M
1(> bacli fehll K 20 f. au «,^eblikte AK 22 Ic do SM 25 verijrieiiiiirii A
denn fthlt ASp 27 doini fehlt M 28 ^reswust.] swester P
14 ^^/. Jan.
72 Leben Souses. Kap. XXIV.
heiT uud vater mine. wel ein kleglicber tag der waz, der mich in
dis ertrich ie brahte. daz ich got han verloren und nch so grossez
lidens han gestateti Dar umbe we und scbam und süfzen mineni
eilenden herzen ienier und iemer me! Ach getrüwe widerbringer
ininer verlornen sele, swie ich üwer red und beschowde nit wirdig 5
sie, so nement doch in uvver getruwes herz und gedenkent, daz ir
got niene me trüwen mugent geleisten noch im glicher gevvürken,
denn an einer verworfenen Sünderin und einem überladen herzen.
Got der hat ü doch gen allen erberaiklichen dingen erbarmherzig
gemachet; wie wend ir denn mir armen hingeworfnen sünderin er- 10
bermd versagen, und ich got und der weit bin ze erbaiinen worden
an diser stunde, so mich min sweren schulde so balde und so un-
wüssent allen menschen ze einem unwerd hat gemachet V Daz ellu
menschen verwerfent und verpfuhzent, daz sfichent ir; da sich min
ellü menschen von billich schament, da gant ir uwerm wetündem 15
laster under ogen und süchent mich. Herr, ich bit ücb mit einem
iemer werenden herzleide, gestreket und geneiget under üwer fiisse,
daz ir got an mir armen vervallen sünderin erent und mir luterlich
dis mord und übel vergebent, daz ich an ü und wider min armen
sei han getan; und gedenkent, han ich an diser weit üwer ere ge- 20
sweeht und üwerm lib und leben abgebrochen, so gedenkent, daz
ir sunderlich ere und ewigen trost da von sond enphahen, und land
üch erbarmen, daz ich du arme müd bin, du in den strik bin ge-
vallen, und in zit und in ewikeit daz an herzen und an sele iemer
me erben müss, und mir selben und allen menschen ein burdi muss 20
sin, und land mich üwren armen dürftigen hie und dort sin. Nüt
h6hers begert [32'] min herz niemer me, daz ich na rehte üwer
geswistergid iemer me geheissc ald sie, wan nüwan nah erbermde
so land mich üwer verlornes geswistergit sin, und na rehte uwern
funden wol erarneten dürftigen. Und diser grund der ist als war in au
minem herzen : so man mich üwer swöster heisset ald mich ieman
in diser wise zogan w61ti, daz daz minem herzen ein sunderlicln'i
biterkeit ist. und ich dike ein erbarmen über üch han. so ir da sind,
1 \vrl| wio ,SFKMcc inj iitt" .^f 2 f. ^ross liih'ii M H üvstatt-t]
ircscliJiffcii .V 5 u. i'nver Ix'schowiniüc >V 0 liorz mich 11. i:. <S' und fe/tlt
KM H aimn M 9 «'rbarmhtrziiren .1/ 10 denn fe/iU M ]G u. du
ütr^'n M einem fehil M 18 annen sünderin. du vervallen ist J7 21 iiwvv
SM 2a ieh arm mfit bin (!) .U Mn] ht SPMa 24 daz fehlt M 2(i hi.-
t!iin und dort M 27 lioln'r M 2'<.29 yeswistcr P iemer me) nii-mer ^
;>0 funden t'cItU ASP durftiizcu sin M 32 in m. herzen -V suud«'r -s
Leben Seiises. Kap. XXIV. 73
daz ir mich geg;en\viiiteklich sehend und da von h'den mfissent, daz
ich an u weiss, allez daz sich ein herz von natur schämen sol, daz
ir 11 dez nit erwerren mngent. Und ander gemeinsami ensol noh
eninag ich niemer me von ü noh mit u gehahen, wan daz sich üwrü
o ogen und oren min erschamen und crschreken müssent. Disü wer-
endü ding wil ich elh'i liden und wil sü got für min histerberend
^\md opfren, daz ir ein miltes erbarmen und ein getruwes besren für
mich armen Sünderin gen got habent, und miner armen sele wider
ze huldcn helfent."
10 Diser kleglichen rede entwürt der brüder, do er zu im selber
koni, also: „owe, heissen trehen, brechent us von einem vollen herzen,
daz sich von herzleid nit me enthalten mag! Owe, kind mins, owe,
v'inigü iVöd mins herzen und miner sele von minen kintlichen tagen,
an dem ich wände fröd und trost geleben, kum her und lass mich
lo dich truken nn daz tot herz dins eilenden brflder! Lass mich daz
<intlüt mines geswüstergids durgiessen mit den bitren trehen miner
i>gen, lass mich ob minem toten kind erschrien und weinen! Owe,
rusend liplich tode. kleines we. owe, sei und ercn tod, grosses we!
Owe. leid und liden mines eilenden herzen! Ach got, owe, erbarm-
en herzige got. was hau ich gelept! Owe, kind mins, kum her ztl mir!
Kht ich min kind noh funden hau, so wil ich min klag und min
weinen ab lassen, und wil dich hüt enphahen in der gnad und er-
l)nnnde,. als ich beger, daz mich sündigen menschen der erbarm-
luMzig got enphah an miner jüngsten hinvart, und wil dir gern
•J5 lutcrlich vergeben daz unmessig leid und liden, daz ich hau von dir
gehabt und nnz min ende haben muss, und wil dir din missetat
krel'tklich helfen biizen und besren gen got und gen [32^ J der weit."
Oaz erbarmete ellu du menschen, du es sahen und den jamer be-
denthalb horten, als übel, daz sich nieman moht enthalten, er müsti
:^» weinen. Und also mit kleglichem gehabene und gütlichem tröstene
erweichte er si, daz si gfiten willen gewan. sich schier wider in
geliorsami ze gebene.
Dar na, do er mit unsäglicher schäm und grosser kost und
erbeiten daz verlorn schefli hate dem muten got under sinen armen
1 ge^^tMiwurcklicb .1/ 4 uoh mit ü fehlt K 5 f. weruiidü A \ve-
tüücle MctfS^ «) ich ffliU K 10 f. also nach ]>rü(ler S 14 trost halben und
iiv\. S Ui niin> liel»eii g. .1/ 20 L^clopt di A/ 21 «»htj sid M 24 an
2.') vt'igelM'n fMt M 25 t. von dir hahv PA^ 29 n. moh molito .1/
:>3 und — kost fehlt K und mit gr. k. und mit arbeiten M
74 L(*b<*ii Seuj«es. Kap. XXV.
wider braht, do fügte der erbarmherzige got, daz si an einer vil
trostlicher stat ward enphangen, denn si vor waz, und ward dar na ire
ernst so gross gen got, und ire wol behüte heilig wandel so bestetet
in tugenden unz an ir tod, daz er ward gen got und gen der weit
an ire wol ergezzet alles leides und lidens. so er ie hat gehabt. 5
So der getrüw brftder sah, daz sin liden als reht wol geraten was.
dar an hat er lust und fröd, und gedahte au gotes heinlicheu
Ordnung, wie ellü ding dem guten koment ze gute. Und denne
so sah er uf ze gote in grosser dankberkeit, und zerfloss im sin
herze in dem gStlichen lobe. 10
XXV. Kapitel.
Von swerem lidene, daz im einest zä viel von eini sineui
geselleo.
Im ward eins niales, do er us wolt varn, ein gesell geben, ein
leybrftder, der waz nit wol besinnet. Den fürt er ungern, wan er 15
hinderdahte, waz er eblich unertekeit von gesellen hate erliten ; und
gab sich doch dar in, und nam in mit ime.
Nu fügte sich, daz su kamen in ein dorf vor frügem inbiss;
da was des selben tages jarmarkt, und kom gar vil allerley volges
dar. Der geselle waz nass worden von dem regen, und gio in ein 20
hus zu dem füre und meinde, er enmöhti nienr komen, daz er scliiiti
ane in, daz er ze schaflFen heli, er w^ölti sin da beiten. Do dtr
brftder erst uss dem hus kom, do stund der gesell uf. und sa.ste
sich ze tisch zu einem wilden gesinde und gütgewünnern. die och
zu dem Jarmarkt waren komen. Do die sahen, daz im der win zr 25
wol ersehoss, und uf waz gestanden und under der hoftür stninl
2 troKtlithoii Aö'PM denn fehlt M :\ inj w. brliutcii haili^aMi w. A'
4 iniz| bis M 5 ie| liie K 16 liindenl.J vor «lullte S <'h<'lklidi M
18 ffiirte i's s. P 21 inohte SKA^ iiieiirl iiicdert M iiieiinr ^1' 22 /.'
Scilla Hell (lo 6' 25 /.('| so .1/
2 W'ftliJ In einem ^heschlosstitcu" ä. Ii. anter Khuiaar iftelainUi} KloMn .
Oh die in einem Brief Hcinrivhx von Xördlingcn an Mnrijanto IJnur (Stnmch
A'A'/.V, o'i iS. :.'I4f ifcnnnntc Sussin su Höe/isfrtten i Augu.stin.rinutnklostf ,•
hei Inllitnjen) riue Wrwnndie Seusefi oder tjnr de.ssen Schwester wnr^ läNst
sich nicht entsr/tciden. Aach eine Strasshurgtr Patrizierfaniiii dts Jl. .fh.
hiiSfi Sa.tffCj »Süsec, Sths'' (Vf/l. tSlrassh. Uli V — VII passimK H Rom. s.*>-.
uiub BJL'b galeiide. do grifeii sü in «iit; und spraclien. i?r heti in
cini^ii kes verütoln. Under iluiinen do dis bösen lüt mit imu «1h<>
freideklich nnih giengen. do komen dort her fi'ir vier neiss (üof
verröchtpv liaraelier. uiid vallend in och an und spracheu, der bu^
i, manch weri ein gifttrager; waii es waB in den sellien ziteu. do da/
[33'] gesi'hell waz vun der gift. Also riengen sii in und niachetuu
ein gross gebreht, daes inenlich zA lüf. Do er sah, wie e» gie iiml
daz IT geyangen waz, do heti er im selb gern gehult'eii, und kerte
sich um und sprach zti in also: „haltent ul' ein wili. und stand
LI stille und land mich v.e red komen. so wil ich ü vergehen und sagen.
wie es gevsrn ist. wan es ist leider übel gevarn", Sil hielten utillc,
und menlich loset zfi. Er hob uf und spraeh alsü; „Ifigent, ir »lerkent
wol an mir. daz ich bin ein torc und ein uuwieer man, und hnt man
kein übt uf mich. Aber min geselle der ist ein wolkunnender wiser
b man, und dem hat der «rden bevulu giftseklb, die sol er in die brunncn
versenken hin und her nnzint gen Elsas abbin, da er iez hin wil, nnd
wil alles dax verunreineu mit böser gift. da er hin kumt. Lügent.
daz er üb bald werde, ald er stift daz mmd, daz uienier me geheilet:
und hat iez ein sekli her hb genomeu und hat es in den dorfbruunen
1 getan, dar umbe daz alle die. die her knment ze markte, müssin
sterben, alle die des lirunuen Irinkent. liier umbe bleib ich und
woU mit mit im bin iis fran. wan es mir leid ist. Und zc einem
1 gi.iacbeiil Jtii'liciil &■ -2 inil. iiw/r/Ul M Jf tür/elUl AfA' iidMJ
uus S na» ji' nee M 4 verrftrlik'r| icrre liort lier A' 5 wiTJ] ht ■■•
II vei^C M \t hUd kS in M 13 i'iii ton' liin S 14 I'. wölk, mau und
ein wiaer inuu M 15 f. er triicren iiml liiii in d. b. ve». und hvr i!) Uf
16 nn« SKMA' 17 vrrgift .li is ver!i--ilet .v 21 nilc /eklt .1.1/4'«
B Htinriih von Diesaeiihiwru L-rsählt iBöhmtr, Fnnits t\',flfiff.l: wilhrtnii
Her furehthareu Ptit , „nehirareer Tod' 13*7—601 morden reu Nor. l3tS hü.
Stpl. 134f> alle Juden von K'iln bin aneh Örlerrtivli hinein rtrltfaiiat, licnn diit
Vnlk bi'Keliuldiglr nie, nie hättfii lelbut ndcr dnrrh nitgtsUftelt Cheialtit du
Brunnen vrrgifttt. In Koimtuin vtrarJiütteU iimu die Wa/intrbt^liälUr der Jaden,
besog das Trinlm-uimtr aus dtm Bodensee und vtrbrannit an ij. Märi 1114!'
JiO Juden in einem ciytn» ijtiinimtrten ütbuude. — Margartla Ebner begehrt
2u wiesen, ob die Jadeit an dtm r-gemrinen Sleiinn" echuläiy »ei»n, und e» uird
ihr in der EnlrUrkUHi/ gtantworiel: ,.(« toüiv icahr' (Slraueh, ilarg, Ehitei
15S,3ff.l. Ein JfVanitslianer buekuldigte 1349 in einer Ihvtligl eint jjrosur
Antaht Straseburger Üilrgtr, nie hätten Oifl bei Meh und gebniKhlen ta, um
Mensehen lu vergiften (Strastb. ÜB V, :;lö)! Weitere» ». U. Hinigtrr. Dn
»ehvari« Tod 18n?. tiß. 38ff. L. L-irtn^tcin. (Itfeh. der .ladt-» oi» ll.'dri--
see I iismi.
76 Leben Seuses. Kap. XXV.
iirkünd. daz ich war sagen, so sond ir wüssen, daz er hat ciueii
grossen bftclisak, der ist vol dero giftseklin und vil gnldinr, die er
und der orden von den Juden hein enpfangen, uf daz daz er dis
mort volbringe." Do dis red erhörte daz wild gesind und alle, die
dar umb stunden und hin zu waren gedrungen, do tobten si und 5
schrüwen mit luter stimme: „hin bald über den morder, daz er uns
nit endrönne!" Eine kripfte einen spiess, der ander ein mordax.
und ieder man als er niohte, und lüfen mit wilden tobenden siten,
und stiessen du hüser uf und klosen und wa sü in wanden vinden,
und stachen mit blossen swerten dur du bet und stro, daz der jar- lo
markt alle zfi ward lofende. Es kamen och dar frömd erber lüte,
die in wol erkanden, und do si in horten nenimen, do traten sü her
für und sprachen zfi in, sü tetin übel an ime, er weri gar ein
frumer man, der ungern kein s61ich mord hegicngi. Do sü in nit
funden, do liessent sü dur von und fürten den gesellen gevangen 15
für des dorfes vogt, und der hiess in besliessen in ein gaden.
Dis zoch sich wol uf den tag. Von disen uöten wüste der
diener nit. denn do es in zit duht, daz es vastender |33^] inbiss
were, und sich versah, daz sin geselle bi dem füre wol ertruchnet
were, do kom er gende und wolt enbissen. Do er in die herberg 20
kom, do hüben sü uf und Seiten ime du leiden mere, wie es ergangen
waz. Do lüf er balde mit erschrokem herzen hin in daz hus, da
der gesell und der vogt inne waz, und bat für sinen gesellen, daz
man in liessi. Do sprach der vogt, daz möhti nit sin, er wolti in
in ein turn legen urab sin missetat. Daz waz im swcre und unli- 25
dig, und lüf eins hin daz ander her wider unib hilf. Do vant er
jiieman der im dez vor weri. Do er daz lange mit grosser schäme
und bitterkeit getreib, ze jungst do schuf er mit sinem grossen
schaden, daz man in Hess.
Kr wände do, daz sin liden ein ende heti, do vil es erst ane; 30
wan do er sich mit lidene und mit schaden von den gwaltigen hat
2 liuldin SPKA'a 7 nit] üt M kripttel nam S 8 [wildml
Tob. Stirnen un«l sitten S siten] sinnon P 14 frumer] tYirnonuT S 17 den
mitten dao- p 18 vast der i. // 11) tniken > 24 moliti] maii M
28 izescliufl' K Bl scliadenj schänden S sehanie P
18 hiiiflc 638 wohl anviclitiii : fast der Imhiss ^^ hohe J^Jssentf.eit (So
nlleiii l\ ! ) : vielm-hr: faatinider Imhias = Morgvnmahl an einem (für den Orden
t'orgeschrii'henaii J'asttof/. In dtii Konstitutionen (ALK GM I, 1[is . 1. ."».V6')
sind die Tatje am/eyclnn, (in denen nur .j/uadraffesiinnii,s rif/us'^ „im na dirtff
fjenommen nurden durfte.
erbvcelien. do ward es im orsi gende an sin lein'ii. Do vr von dein
vngt gie, wül uf die vesjierzit, do waz es under da/. ;;eniein volj;
und hi'iben erscliidlen, er wpri ein gjfttrager; und die »cbrüwen uf
in als of einen inorder, daz er mit niitii g:etor8te für daz dorf konieii.
D Sü zögtan uf in and sprachen: „Idg nientich, daz iHt der gil'ttrager!
Kr endrännct tas tala, er mfiss ert6det werden! lu iiilfet eukoiu
Pfenning geu uns als gen dem vogte." So er denn wolt endrännen
und abwert iu daz dorf entwichen, die gchröwen noh vaster uf in.
Ire ein teil pprauhen: „wir BÜllen in ertrenken in dem Rine," —
10 »an der ran bi dem dorf ab, — die andren rOftan: „neina, der
unrein morder verunreint daz wasser alles, wir miUen in verbrennen!"
Kiu ungehüre gebur mit einem iftssigen seLoppen erwuste einen
spiess und trang dur sii alle hin für und rfift also: „hSrent mich,
ir herren alle sament! Wir knnnen disem höaen kezzer nit läster-
te licbei-s todcB an getim, denn daz i<-h disen langen spiess enmiten
dur in ribe, als man tfit einer giftigen kroten, die man spisset. Also
land micb disen gifttragei- also nekent an disen spiess rihen und
niglingen uf haben und in disen starken zun vast stossen und ver-
sichern, daz er nit valle; lassen den anreinen toten c&rpcl windturr
ao werden, daz cllü du weit, dö viir in uf ald ab gat, des murdevs
bab ein ansehen and ime na sinem lästerlichen tode fli\che, daz er
an diser weit und an enr weit dest feiger [34'] sie, wan daz hat
der g;'und bös wicht wol verschnldet." Daz horte der eilend diener
mit mengcm bitem schreken und mit erholten sitfzcu, da/ im von
2ß angst die grossen frehen über daz antlüt ab runnon. Ellü du
menschen, du umb den ring stünden und in sahen, wurden biterlich
weinende, und etlichü du klopfeten von erbermd an ir herz und
schiftgen ir hend ob dem hopt zesamen. Aber nieman getorst vor
dem fraidigen volg nnt sprechen, won si vortan, daz man sü och
30 an grilTe. Uo es begond nahten und er gie hin und her und bat
mit weinenden ogen, ob sich ieman dnr got über in wolt crharnien
1 ^tbrnchen Ä' eubroubcii A' '^(. volk komeu uud [lifibeu] erecli, &
6 data A' daland S dole P tnta M tiik'ii A' 7 als] oder P denn] denen A'
dieD A' 10 1>i] ia A'M 15 vomitea] enent S 17 gifterer A gifter
PA^afS' üekeiit] iielieut l!) -1' 19 luten] bösfn 5,^' körpper P 20 abj
nidor P murdes SP 21 bab ein] gebain (!) .W flachen M 24 von]
vor M 26 aber duK wang und duE untlttt M 2% iHe wurden M 27 [da]
klopft. K 29 fraiden M nät] im S nütz M won tiie voriiml von
Turhten M 31 w&ite über in SM
L
78 Leben Seuses. Kap. XX V7.
und herbergoii, do vertreib man in herteklich; etlich gutherzig frowen
lietin in gern behuset, do engedorstan si.
Do der eilend lider also in des todes nöten was, und ime ellü
menschlichü hilfe enpfiel und man nüwan wartet, wenn sü in an
grifen und in totin, do viel er nider bi einem zune von jamer und 5
von vorten des todes, und hfib uf sinu eilenden verswullen ogen zu
•liem himelschen vater und sprach also: „owe, vater aller erbennde,
wenn wilt du mir hfite ze staten komen in minen grossen n6ten?
Owe, miltes herz, wie hast du diner miltekeit gen mir vergessen!
<)we vater, owe getruwe milte vater, hilf mir armen in disen grossen lu
nöten! Ich enkan doch in minem vorhin toten herzen nit ze rat
werden, ob mir lidiger si ze ertrinken ald ze verbrennen ald an
einem spiess ze ersterben, dero tSden ich iez müss einen nemen.
Ich bevil dir hut minen eilenden geist, und la dich erbarmen minen
kleglichen tod, wan sü sind nahe bi mir, die mich wen toden!" 15
Disü jemerlichü klag du kom für einen priester, und der lüf dar
mit gewalt und zukte in nf uss ire henden, und fürt in hein in sin
hus und behielt in die naht, daz im nit geschah, und half im mor-
nent frfi enweg usser sinen nöten.
XXVI. Kapitel. 20
Ton dem morder.
Er kom einest von Niderland und gie den Kin uf. Do hat
-er einen jungen gesellen, der moht wol gan; und geschah eins tages.
daz er dem gesellen nit wol mohte gevolgen, wan er waz do vil
raüd und krank worden. Der gesell vergie sich vor an hin vor im od
wol uf ein halb mile. Er lügte hinder sich, ob er ieman sehe, mit ^
dem er gienge dur den wald, an den er vil nach [34^] komen waz,
und was spate an dem tage. Der wald waz gross und sorklich,
wan vil menschen dar inne ennordet wurden. Er stund stille vor
dem wald und beitet iemans. Do kamen dort her an zwei menschen :^o
2 gehiiset SPM 12 ertrenkcii >y ver])rinnet ^f 13 [zc] erat. M
19 usser] von M 24 gesellen] selben P 28 und was fehlt SPM
29 menschen] Kit M 30 und do k. M
15 V(jl. Ps. Ln,U. 21 if. Dieses Kap, hat eine frappante Parallele
an einem Abtnteuer im Lehen der gleicheeüigen Mystiken n Luitijard von Wit-
ticlien : rgl. Mone, Quellensammlung zur hadischen Landesgeschichte IIT, 46Hf.
Leben Seiises. Kap. XXVI. 79
und du gieiigen gar röschlich ; dero was eins ein jungü siibrü frowe.
daz ander waz ein vil grülicher langer man rait einem spiesse und
einem langen raesser, und bäte einen swarzen schopen ane. Er
(Mschrak ab dez vortlichen manues ungestalt und Iftgete umb sich, ob
o er ieman sehe her na gan. J)o sah er nieman. Ergedahte: „owe,
lier got, waz lütes ist dis! Wie sol ich tala dur disen langen wald
komen, ald wie sol es mir hüt ergan?" Und machet ein krüz über
<in herz und waget es.
Do SU in den wald kamen vast hin in, do trat du frow hin
10 lür zu ime und fraget in, wer er weri ald wie er hiessi. Er seit«.
Si sprach: „lieber herr, ich erkenn üch wol von dez namen wegen.
Ich bit üch. daz ir mir biht hSrent." Si hüb an und bihtet und
sprach also: „owe, tugenthafter herr, do klag ich ü, daz mir als
{rar übel ist geschehen. Sehet ir den man, der uns na get? Der
15 ist ein rehter morder, und mordet die lüt hie in disem walde und
anderswa, und nimt in denn ir gelt und gewand, und schonet nie-
mans uf ertrich. Der hat mich betrogen und usgefüret von minen
erberen frunden, und raftss sin nvip sin." Er erschrak ab diser
rede, daz ime na geswunden waz, und lügte umb sich vil jeraerlich.
20 ob er ieman sehi ald horti, ald ob er in keinen weg möhti end-
rinnen. Do ensah noh enhort er nieman in dem vinstern walde,
denn den morder im na gende. Do gedaht er: „fluhst du nu also
miide, so hat er dich bald erlofen und tödet dich; schrigst du denn,
daz höret nieman in diser wüsti, und bist aber tod." Und sah uf
25 vil ellendeklich und sprach: „ach got, wie sol es mir hüt erganV
Owe tod, owe tod, wie bist du mir so nahe!" Do du frow gebihtet,
do gie si hinder sich zu dem morder und bat in heinlich und sprach:
„eya, lieber geselle, ga hin und biht och! Sü sind da heime in
gutem globen gen ime: wer im gebihtet, wie sündig er ist, daz den
'^> got niemer well gelassen. Dar umb tu es, ob dir got joh von sinen
wegen an dinem jüngsten sufzen ze helf kom.'^ Do sü «also runeten
mit enander. do erschrak er voll und gedahte: „du bist verraten!"
Der morder sweig [35'] und gie hin für. Do der arm man sah,
daz der morder mit dem spiess gen im trat, do erzitrot und erschrak
36 ellü sin natur abe und gedaht: „eya, nu bist verlorn!" wan er en-
wüst nit waz sü hatent geredet. Nu waz es da also geschafen.
10 seit AVA^ 8«dt irs *y sagt er ir. wie er hiesz afS^ 12 mir] min 1'
16 u. ir gewallt P 20 im keinen w. AK in keines weges S 26 owe tod
nur einmal M 81 dinen M 35 ab im S bist du 4S' 36 also do M
80 Leben öeuses. Kap. XXVI.
(laz der Rin nebend an dem wald ab ran. und gie der sniale wr«:
iif dem porte und sehikte es der morder also, daz der brftder müste
^an wassershalb und er gie vvaldeshalb. Do er also g\e mit zitren-
dem herzen, do hftb der morder an ze bihten und verjah im alle
die totschlege und du mord, du er ic begangen hate. Sunderlich 5
seit er ime ein grüliehes mord, dar ab sin herz erstarb, und sprach
also: „ich kom einest her in disen wald dur niordens willen, als
ich och nu hau getan. Do kom mir zu ein erbere priester, dem
bichtet ich. Der gieng nebent mir hie, als ir iez ttind, und do du
biht US kom," sprach er, „do zoh ich diss messer us, daz ich bi lo
mir trag, und stach es dur in und stiess in von mir über daz port
ab in den Rin."
Ab diser rede und geberden des morders erbleichet und ertr»-
det er als gar, daz im der kalte totsweis über daz antlüt und dur
den bfisen ab ran, und erzagte und erstumbet, daz im alle sin sinne 15
entgiengen, und blikte ie neben sich, wenn er daz selb messer in
in stechi und in och hin ab stiessi. Da er von angsten iez da
nider wolt sin gevallen und nüt me mohte, do lüget er vil jemer-
lich hinder sich als ein mensch, der gern dem tod weri endrunen.
Und sin jemerlich antlut daz ersah daz fröwli, und loft hin zu und 20
kripft in also nidersigenden under ir arme und hüb in vast und
sprach: „gute herr, fürtent uch nit, er tßtdet üch nit!" Der morder
sprach: „mir ist vil gutes von üch geseit; des sond ir hüte ge-
messen, daz ich ü wil lassen leben. Bitent got, daz er mir ai*men
morder an miner jüngsten hinvart dur üch ze staten kome." 05
Under dez waren sü uss dem wald komen. Sin geselle sass
dort vor dem walde under einem bome und beitet sin. Der morder
und sin gespile giengen für. Er kroch zu sinem gesellen und viel
da nider uf die erde, und zitret sin herz und alle sin lip, als so
eins der rite schütet, und lag also stille neiswi lang. Do er wider- 30
kom, do stund er uf und volgie den weg, und bat got mit ernste
und mit einem [35^] inneklichen süfzen über den morder, daz in
got liessi geniessen sins giften globen, den er zu im gewan, und
daz er in an sinem jüngsten süfzen nit liessi verdamnet werden.
5 W fehlt M 6 erstarb] eröchrak P 11 vuu mir fehlt P IH 1^^.
bärd 3/ 20 sin] daz M [daz] ersah M 21 kripft] begreif 6' 22 cu-
ffthrtent üch nit, er entfjt üch nit noch tötet üch iiit ^f 23 vil gutz ist
mir M 29 und a. h. lip fehlt M alle jMt K :U folget« *y
Leben Seiises. Kap. XXVII. 81
Dez ward im ein solieher gegenwurf von got, dar an er enkcinen
zwivel wolte han, daz er gölte der behaltnen eine wesen und von
got niemer gescheiden hier umbe.
XXVII. Kapitel.
5 Ton waSNernot.
Er waz aineet gen Strasburg gevarn nah siuer gewonheit.
Do er wider hain wolte, do viel er in einen ungehären giessen des
Rines und daz nüw büchli mit im, dem der bös vient vil gever
waz. Do er in des todes not vast abwert ran unbebulfenlich, do
10 fftgte der getrüw got, daz uf die selben stunde von geschiht ein
junge nüwe ritter von Prüscen dar kam; der wagte sich hin in ztt
im in daz trüb sturmig wasser, und half im us von dem jemerliehen
tode und och sinem gesellen.
Eins males für er us in einer gehorsami, do es kalt waz. Lnd
15 do er also spislos allen den tag unzint spate in dem kalten winde
und frostigen weter hate gevarn uf einem wagen, do kamen sü
neiswa zft einem trüben wasser, daz waz tief und schnei, als e&
von dem regenweter waz worden. Der kneht, der in fürte, übersah
sich neiswi, daz er ze nahe uf daz port kom, und warf umbe. Der
20 brüder schoss ab dem wagen und viel in daz wasser, daz er dar
inne an dem ruggen gelag. Der wagen viel hin na und viel eben
uf in, daz er sich in dem wasser noh hin noh her mohte gekeren
noh kein hilf von im selber han, und ran also man und wagen
neiswi verr abwert gen einr müli sines Undankes. Des lüf der kneht
26 dar und ander lüte, und Sprüngen hin in in den wag und kripftan
in und hetin ime gern her us gehulfen; do lag der swer wagen uf
im und trukt in hin under. Do sü mit grossen erbeiten den wagen
ab ime brahten, do zugen si in her us also triefenden an daz land.
Und do er her us kom. do gefror <laz gewand bald an ime von
2 er hie uinh M :^ hier muhe fehlt MA^ (i Er — IS i^esellen
fefUt M 9 abwart vast P 11 ritter uaz Strasburg vou prösseu Ä^ hin
[m] SM 15 untz SKM 17 tief] trübe P 18 der übers. M 19 neiswa S
21 hin] im M eben] obnau 3/ 22 weder hin 8 [uoh] hin M 23 wagen
u. m&n S 26 in [in] SM wagen (!) P kripftan] erwustcnt S begripfton M
8 Sehr wahrscheinlich ist das 132ti vollendete Bdetc gemeint (gegtn^
Prtger II, 317). 11 Ein Ritter des Deut^chordens, der in Strasshurg eine
Niederlassung besass.
H. Sense, Deatache Sohriftan. G
S2 Leben Seuse». Kap. XXVllI.
grosser keltiii. Er ward zitrende vou frost, daz im die zene in ein-
ander klaperten, und gestAnd also jamrige still ein will und sah uf
ze gote und sprach also: ^wafen got, wie sol ich tön ald waz sol
ich an vahenV Ez ist spate gen der naht, so ist einkein stat noh
dorf hie umbe, da ich mich erwarmen mug ald mich raug generen. r>
Mftss ich nu hie also sterben? Daz ist ein kleglicher tod!" Er
[36'] kerte sich hin und her, do sah er d6rt verr an einem berg
ein vil kleines wilerli, und da kroch er hin also nasse und frostige,
und do waz och du naht hie. Er gie umb und umb und bat her-
berg dur got. Des ward er von den husern vertriben, daz sich lo
nienian wolte über sii erbarmen. Do <::rbegond im der frost und
erbeit umb daz herz gan, daz er sins leben8> begond fürten. Er
fiprach mit einem luten ruf zfi got: „herr, herr, du m6htist mich as
mer hau lan ertrunken, so weri ich dur von komen. lieber denn
daz ich nu von frost hie an diser strass müss sterben." Die kleg- 15
liehe rede erhörte ein gebur, der in vor hate vertriben, und erbar-
met sich über in und nam in under sin arme und fürte in hin
wider in in sin hus, und also vertreib er och die naht mit erbet-
selikeit.
XXVm. Kapitel. 20
Ton einem riiwlin, daz im got einest liess werden.
Got der hat in des gewönnet : wenn im ein liden ab gie, so
waz geswind ein anders da bereit. Hie mite spilt got mit ime
ane underlass, denne einest do Hess er in müssig gan; es vverete
aber nit lange. 25
Er kom in dem selben müssigen zite zu einem frowenkloster
gende, und sinü geischlichü kind frageten in, wie ez umb in stünde.
Do sprach er; „ich fürte, daz es iez übel umb mich stände, und ist
da von: ich bin iez wol vier wochen gewesen, daz ich weder an
lip noh an eren von nieman bin angerennet wider min alten gewon- 30
1 V. grossem frost M 2 stund ST 4 so eiiist S'P 4 f. aiikaiii st.
noch kain d. M 5 mich [mug] M erneren S'PM 6 sterben also M
9 [und] do M 9 f. der hcrberg M 11 sü] in iS" 11 f. Do heg. im
fürten U Do [begond — lebens] begond er im fürten ASPKA^afUS^ 13 f. as
raS.r 7t als mer S 15 ich [nu] M hie fehlt SP von frost nach mfiss M
16 (Ue erhört M 17 hin fehlt K 18 [in] in M 21 rüglin (so stets) P
23 da fehlt PS 24 dennoht M 26 den s. m. ziten P
Lebeo Seuses. Kap. XXVIII. 83
heit, und fürte leider, daz min got hab vergessen.** Do er also ein
vil kleines wili bi in gesass an dem venster, do kom ein brüder
des Ordens und rilfte im hin us und sprach also: „ich waz nu kürz-
lich uf einer bürg, und der herr fraget ü na, wa ir werint, vil
5 herteklich. Er hüb och uf sin hant und swür dez vor menlich, wa
er üch funde, da w61t er ein swert dur üch stechen. Daz selb hein
getan ire etlich frcidig harscher, sin nehsten fründe, die üch ze
etlichen kl6stern hier umbe hein gesüchet, daz sü iren bösen willen
an üch volbringen. Dar umb sind gewarnet und hutent üch, als
10 lieb üch üwer leben sie!** Ab diser red erschrak er und sprach ztt
dem brüder: „ich vvüsti gern, wa mit ich den tod verschuldet heti.**
Do sprach er: „dem hen*en ist geseit. ir habent im sin tohter als
och vil ander menschen verkeret in ein sunder leben, daz heisset
der geist, und die in der selben wise sind, die heissent die geister
15 und die geisterin, und ist ime für geleit, daz daz sie daz verkertest
volg. dar uf ertrich lebt. Und noh [36^] me: ein ander freidiger
man, der waz da und der sprach von üch also: „er hat mir einen
rob genomen an einer lieben frowen: si zühet nu die stuchen für
und wil mich nit me an sehen, si wil nüwan inwert sehen; daz
20 mfiss er gearnenl" Do er disü mere gehorte, do sprach er: ^gelopt
sie got!'* und ilte bald hin wider an daz venster und sprach zu
sinen töhtrau: „eya, minü kint, gehabend üch wol! Got hat an
mich gedaht und hat min noh nit vergessen," und seite in du herten
mere, wie man im umb wolgetan übel wolti Ionen.
2 vil fehlt M 5 och fehlt P 9 sint ir g. M 14 der geist —
heissent fehlt ASP geister] geist P 18 stuchen] stürtze P den schloger M
19 nu nit me S 20 eramen M 20 ff . sprach er gen sinen tohtran: „eya,
minü kint, gehahent üch wol, gelopt sie got I" und ilte bald zu in an daz v. und
«pracli : „got hat etc.'* M 21 wider hin in 4^ 24 wie — Ionen fehlt P
woltüne S
2 //* den Krauenklöstern mit atretiger Klausur durfte und darf der
Verkehr mit der Aussenwelt nur durch ein Sprachgitter (redevengter) yeachehen.
14 ff. Die ^Stelle zeigt, dass man die Gottesfreunde öfters mit den Begharden
■und Brüdern (Schwestern) des ^J^reien Geistes^ zusammenwarf, welche in der
ersten Hälfte des 14. Jh. besonders am Oberrhein auftraten und von der
Inquisition wiederholt verfolgt wurden (1310 zu Mainz, 1317 zu Strassburg,
1319 ff. zu Köln; 1339 drei Begharden zu Konstanz hingerichtet, Begesta
eftiscoporum Constantiensium II [1904] n. 4567). Auch Luügard von WiUichen
lourde Betrügerin und Ketzei'in gescholten (Mone a. a. O. III, 443), und Tauler
sagt, dass die Gottesfreunde von ihren Gegnern die „neuen Geister^' genannt
und mit dem Schimpfwort ..Begharden" bedacht lüurden (Böhringer, Die deutsche
Mystik [18ÖÖ] ^36 mit Quellenbelegen 822, 824).
84 Leben Scusoh. Kap. XXIX.
XXIX. Kapitel.
Von einer mfnnekliclien rechnung, die er einest mit got hate.
In den selben lidenden ziten und in den selben steten, da er
do wonte, so der diener underwiient in daz siechhus gie, daz er
sinera kranken übe eins g:emecblis gestateti, und so er ob tisch sass .5
swigende nah einer gewonheit, so ward er geübet mit spotred und
mit unverwüsnen worten, daz ime an der ersti vil we beschah ; und
erbarmet sich selb als übel, daz im dik die heissen trehen du wangen
ab waletan^ und daz ime die trehen mit der spise und mit dem
tränke in den mund trungcn. Er sah also swigende uf zu gote 10
und sprach mit inneklichem süfzen: „ach got. gnüget dich nit mit
miner erbetselikeit, die ich tag und naht lide, nur müss och min
spisli ob tisch mit grosser widerwertikeit vermischet werden?" Dis
geschab im dik und vil.
Eins males, do er ab tisch gie, do moht er sich nit nie eut- 15
halten, er gie an sin heimlichi und sprach zu got also: „eya, lieber
got und ein herr aller der weit, bis milt und tugenthaft ^^en mir
armen menschen, wan ich mftss hüt ain rechnung mit dir haben,
des mag ich nit enbern. Und wie daz sie, daz du nieman mit
schuldig noch gebunden siest von diner grossen herheit, so gezimt •>«)
doch wol diner unmessigen güti, daz du ein volles herz lassest sich
mit dir erküleu von dinen gnaden, daz nieman andern hat, dem es
klage ald der es tröste. Herr, ich zügen daz an dich, wan du ellü
ding weist, daz mir daz hat gevolget von niiner muter libe, daz ich
en miltes herz hau gehabt alle min tag. Ich gesah nie keinen 25
menschen in leid noch in betriibde, ich lieti ein herzklichs mitliden
mit ime, und enmoht nie gern hören weder hinder den menschen
noh [37'] vor in reden,., daz ieman beswcren möhti. Dez müssen
mit mir alle min gesellen jehen, daz es von mir selten ie gehöret
ward, daz ich ie keins bröders oder keins andern menschen ding 3o
bösreti mit minen worten, weder gen den i)relaten noh ane daz. denn
.") ^omachos M ob dem tisch M 0 mit dfiii fehlt M ] 1 luMiiigt M
nit [mit] PM 13 spise PA^ ob tisch fehlt A" 17 bis] wis 3/ 20 «r»--
bunden noch schuldigf S nocli ^eb. fMi M 23 ziigoii [dazj K 26 leidl
liebe S 27 f. dem m. noch vor im M 29 mit fehlt S 29 f. selten urtch
daz ich M 80 ding fehlt 6'
4 siechhus, besondere Abteilung des Klosters für die kranken Brüder.
Leben Seunes. Kap. XXTX. 85
niler menschen din^ bessren, als verr ich inohte. So ich daz nit
inoht getAn, so sweig ich ald ich floh dur voD; daz ich es nit horti.
ÜA menschen, du gelezzet waren an ir eren, den was ich von er-
bermde dest heimlicher, uf daz daz sü dest baz wider ze ir eren
5 kerain. Dero armen getruwe vater hiess ich, aller gotesfründen
snnder frund waz ich-, ellü du menschen, du trnrig ald beswerd ie
zu mir kamen, dt funden iemer etwas rates, da su i'r6lich und wol
getröstet von mir schieden, wan mit den weinenden weinet ich, mit
den trurenden truret ich, unz daz ich si müterlich widerbrahte. Mir
li> getet nie kein mensch so gross herzleid, so er mich nüwan dur na
initlich an laehete, so waz es alles da hin in gotes namen, als ob
es nie weri beschehen. Herr, ich wil geswigen der menscheit,
dennoh me: aller tierlin und v6gelin und gotes creatürlin mangel
und truren, so ich daz sah ald hört, so gie es mir an min herz,
15 und so ich in nit moht gehelfen, so ersofzet ich und bat den obre&ten
milten herren, daz er in hulfi. Alles daz in ertrich lebt, daz vand
gnad und miltekeit an mir. Ach und du, milter herr. gestatest
etlichen, von den der lieb Paulus sait und su namd sin valschen
binider. ach herr, daz klag ich, dnz su in so grosser grimmkeit sich
2<> gen mir bewisent, als du, herr, wol weist und es offenbar gnftg
ist. Ach, milter herr, daz sich an und ergezz mich sin mit dir
i^elben I ^
Do er ein g&t wili sin herz also mit got erk<e, do kom er
neiswi in ein stilles ruwli und luht im in von got also: „din kint-
2':} Hchu rehnuug, die du hast gen mir getan, kunt da von, daz du nit
alle zit eben war nimst dez geliten Cristus worten und wisen. Du
solt wiissen. daz got nit von dir gnüget eins gütigen herzen, daz du
hast, er wil noh me von dir, er wil daz och: wenn du von ieman
wirst mit Worten ald wisen berlich gehandelt, daz du daz nit allein
Hü gedulteklich lidest. du mfist dir selb als gar under gan, daz du nit
gangest schlafen, c daz du hin zfi dinen widersachen komest und
daz du, als verr es denn muglich ist, ire wütiges herz machest
riiwig mit dinen süssen, demütigen [37 ""j worten und geberden; wan
mit sölicher senftmütigen demut benimest du in swcrt und messer
1 daz n. m. — "2 daz ich fehlt K ü lieswer F 7 da] daz Sa
9 trurigen SPA' 10 f. gütlich dar nach 3/ IH milten fehlt S 18 von —
19 ich fehlt M naradj mante A^ mciiide P 29 Idaz] nit S 31 hin
fehft SM
Ht. Vfjl. Rnm. J:.\lö. 18 IJ Kor, 11,'.6: Gal. :JJ.
86 Leben Scuses. Kap. XXJX.
und machest su unmehtig iu ir schalkheit. Sih^ dis ist der alte
volkomen weg, den der lieb Cristus lert siu junger, do er sprach:
^Iftgent, ich send ü als du scheflü under die wolfe." Do der diener
zu im selb kom, do duht in dise volkomen rat ze mülich, und waz
ime swer, dur na ze betrahten, und noh vil swerer ze ervolgene. 5
Und doh gab er sich dar in und begond es lernen.
Es geschah einest dur na, do hate ein leybrftder. der waz ein
suter, vil übermütklich mit im geredet und berlich missboten. Do
sweig er vil gedulteklich und wolte es da mit gnüg hau lassen
gesin. Do ward er von innen vermant, er müsti noh baz' tön. Do 10
ze abent wart und der selb brüder in dem siechhus ass, do gie der
diener für daz siechhus stan warten, wenn der eonvers her us
giengi. Und neiswen, do er her us koni, do viel der diener für in
und sprach mit demutigem flehene: „eya, lieber tugenthaftiger vater.
erent got an mir armen, und hab ich ü betrübet, so vergend mirs 15
luterlich dur got!" Der brftder gestund still und sah uf mit wunder
und sprach mit einer hüwlender stimme: „wafen! wes begand ir
Wunders? Ir getatent mir doch nie kein leid, als wenig als den
andren; ich hau üch berlich betrübt mit minen schalkhaften worten.
ir sond mirs vergeben, daz bit ich." Und alsus ward sin lierz «re- 20
stillet und kom ze fridc.
Ze aineni male do er ob tisch sass in dem ^^asthus, do niisse-
bote im es ein briider mit schalklicher rede. Do kert er sieh g( 11
ime vil gütlich und lachet in ane, als ob er im etwas sunders kleine-
des heti geben. Des wart der brüder in sieh selb geschlagen, daz 25
er gesweig und sin antlüt och gütlich her wider gen im kerte. Dis
seit der brüder nah inbiss in der stat und sprach: „ich bin hüt als
berlich ob tisch geschendet, als ich ie ward: do ich es dem diener
ob tisch berlich missbot, do neigte er sin antlüt vil süsseklich gen
mir, daz ich schamrot ward; und daz bild sol mir iemer gfit sini" K>
4 Volk.] nocli koineii F t-ar ze lu. M o dur lui swer« r ftldi A^
G lernen] liden .1/ 0 hau nachf/eiroffeti A, fcUh SKM 10 sin sV iiincni A
13 kom] g-ien«.- 6' 14 tu^enthafter SFMA' 15 mir>J mir KM U\ >\m\\ P
der i^cst. M 17 hinvcUeudrr S 18 wunder S don] dir ,S 2n mir M
es mir A^ verii. durch got A' dez M ich üch >Sl' 2'-\ aber aiu ^in
brüdrr J/ 24 f. ain sunder klainet h. geg-ebiMi. Do wart M 25 ib-r l»nider!
er JI 27 f. ob tisch als brrlich M
'^ Lii/c. Idyi. 12 cunverse, coiiversus ^r-r Laicnhntdn-.
Lt'ben Seuses. Kap. XXX. 87
XXX. Kapitel.
Wie er von lldenne eins niales kam uf den tod.
Es geschah ze einer zit, daz im in neiswi menger naht, so er
erst U88 dem schlaflFe uf schrak^ — do vie neiswaz in im ze an
5 vahene den salmen von unsers herren marter: Dens, Deus mens,
respice in me; [38 "^J den salmen sprach der eilend Cristns, do er
an dem galgen des crüzes in sinen nöten von dem hinielschen vater
und von menlich gelassen waz. Ab disem emzigen insprechene, so
er erst erwachete, erschrak er übel und vort ime. Er ruft zu im
jo an daz krüz mit bitterlichen trehen und sprach also: „owe, min herr
und min got, sol und miiss ich aber ein nüwes krüzgen mit dir
erliden, so ere dinen reinen unschuldigen tod an mir armen, und
bis mit mir und hilf mir alles min liden überwinden!" Üo daz krüz
kam. als im vor waz gesin, do begonden im ungchürü liden, von
1.5 den hie nit ze sagen ist, vil vast wahsen und von tag ze tag meren
und wurden ze jungst als gross, daz sü ersuchten den kranken man
doch als gnote, daz sü in brahteu uf den jüngsten puncten sins
lebens. Wan do er eins abendes ussrent des conventes was nider
an sin bet gegangen rüwen, do hindergie in ein kraftlosi, daz in
L>o duhte, daz im von ainaht wSlti gebresten und daz er iez miisti aller
ding vergan. Er gelag also stille, daz sich kein ader an sineni lip
riürte. Do dis innen ward ein gctruwer gütherziger mensche, der
sin do pflag, den er zft got hate gezogen und in vil sur erarnet
hate, do lüf er dar mit leid und bitterkeit und greif im uf sin herz.
25 daz er markti, ob kein leben noh da werc. Do waz es gelegen,
daz es sich als wenig rfirte als in einem toten menschen. Des sank
er nider von grossem leide und hüb an mit nidergiessenden trehen
und jemerlichcr klag und sprach also: „owe, got, des edlen herzen,
daz dich, minneklicher got, so minneklich mengen tag hat in inie
:M) getragen, daz dich so Instlich mengem wiselosem menschen trostlieh
hat usgesproelien mit Worten und scrift in allen landen, wie ist daz
3 daz man im K ueiswi fehlt 6' 4 f. ze anfechtende S 7 dciu
him.] sinem ö' valer fehlt K 9 so erschrak M 11 aber] iemer S
12 reinen fehlt v IB wahsen (und| A' 18 uzwendi^ 6' usser M 19 Jicrt-
liu P 20 aniaht I iiumaht P anduhto ili -V 22 tu', wurden dCi getruwen kalt-
herzigen menschen, du sin do i)fia«j:en, (hi . . si (24» die lüfen dar grift'cn
.... (25) si luarkden (26) snnken si n (27) und ir ainü [hiil»] au M
5 P.S. :J1.
^8 Leben Senscs. Kap. XXX.
lünalit vergangen I Wcl ein übel mer daz ist, daz daz edel herz
sol fuleu, und daz es nit noh vil lenger got ze lobe und mengem
raenschen ze trost solte leben!" Und alsus mit erbermklicher klag
und mit weinenden ogen neigte er sich ie dar und greif im uf daz
herz und gen dem munde und an die arme, ob er noh lepti oder tod 5
weri. Do waz kein bewegde da ; daz antlüt war ime erbleichet, sin
mund erswarzet und ellü lebliehi waz da hin als eines toten menschen,
den man uf die bare hat geleit. Daz werete wol als lang, daz man
under danneu weri ein mil weges gegangen.
Sines geistes gegen wurf, [SS""] under daunen do er also ver- 10
gangen lag, waz nit anders denn got und gotheit, war und warheit
na ewiger ins webender einikeit; wol geschah daz. e daz er begöndi
also vast swachen und von im selber komen. Do vie er an neiswi
in im selben ze einkoscne mit got und sprach also: „ach, ewigii
warheit, dero tieffü abgruntlichkeit ist verborgen allen creaturen, 15
ich din armer diener versieh mich, daz es nu ein ende sie umb mich,
dem min vergangnu kraft glich tttt. Nu red ich iez an miner jüngsten
hinvart mit dir, gewaltiger herr, dem nieman liegen noh triegen
kan, wnn dir ellü ding offenbar sint; so weist du alleine, wie es
zwischen dir und mir stat. Hier umbe such ich din gnade, getrüwer 20
himelscher vater, und wa ich ie keinen usbruch han getan in kein
unglichheit uss der nehsten warheit, ach got, daz ist mir leid und
rüwet mich von allem minem herzen, und bite dich, daz du daz mit
dinem kostboren blüt verdiigest nah diner gnade und miner noturft.
Gedenk, daz ich daz rein unschuldig blüt han alle min tage mit lob 25
und wirdekeit höh erhaben, als verr ich mohte. und daz mftss mir
nu au tniner jüngsten hinvart alle min sünde ab wescheu. Eya,
knüwent nider, daz beger ich, alle heiligen und sunderlich min
gnediger herr sant Niclaus; hütend üwer hend uf und helfent mir
2 nocli nit SM 3 sol M erbarmbertziger JP erbarmherzlicbiT M
4 naiyton .si ... i^rift'eii M i> wol ain inil wegz war g. M 12 inswenben-
(ler A ins\v«'nk«'ii(ler S 12 f. also vast beguiul M 17 verganiiü A 18 mit
dir fchU AS 20 mir und dir .1/ 21 gegen dir ban g. A^ 25 «redenkest S
29 irnc«!. milter b. KM
22 iiuirlicbbeit dem lateinischen äissimilitudo (Au(/.. Couf. VIJ, 10: in
i'tfjfionc diss'imih'tudinis I nachgchildei ^^ Entfernung ron Gott. S. fiuch lldew
K. 7 Anfnnfi und Heinrich ron Xördlinfffn, bei Strauch^ Martj. Kbner LH, 22,
29 St. Nikolaus, am Bodensce viel verehrt, war auch Patron des Konstanter
J'redigerhlosters : doch wurde er iilterhaujtt als Helfer in Not und Bedrängnis
angerufen.
Leben Sense«. Kap. XXX. 89
den herren biteii umb ein gut ende I Ach reinü, zartü, miltü muter
Maria^ büt mir hüt din hant, din gnedigen band, und an diser
jüngsten stunde enpfah min sei uf gnade in dinen schirm, wan du
bist mins herzen trost und fröde alleine. Ach, frow und mAter minü^
5 in manus tuas comroendo spiritum meum, in din hende, in
din gnedigen hende bevil ich hinaht minen geist. Eya, lieben engel,
gedenkent, daz min herz lachete alle min tag, so ich üch nüwan
horte nemmen, und wie dik ir mir in minem eilende hend himelsch
tVüd geraachet und mich heind vor den vienden behütet; eya, zarten
In ireist, nu get es mir nu erst an min jüngsten not imd bedarf hilfe,
eya. nu helfent und schirment mich vor dem grulichen anblik miner
rienden, der bösen geisten ! Ach, herr von himelrich, ich loben dich,
daz du mir nu an minem tode ein so reht gfit bescheiden ende und
bekantnust hast verlüwen. und var nu von hinnen mitt ganzem cristam
lö globen ane allen zwifel und ane alle vort, und vergib allen [39 'J
den. die mir ie kein leid getaten. als du vergebe an dem criice
den. die dich toten. Herr, herr, din götlicher fronlicham, den ich
hüt in der mess enpfie. wie krank ich waz, der müss min behüter
und min beleiter sin hin zA dinem götlichen antlüt. Und min
*in jüngstes biten, daz ich nu tun an minem ende, ach zarter herr von
himelrich, daz get über minü liebü geistlichü kind, du sich mit
sundren trüwen ald mit bihte fruntlich in disem eilend zA mir hein
keret. Ach, erbarmherzige Cristus, als du an dinem jüngsten hin-
seheidene din lieben junger dinem himelschen vater mit trüwen beviel,
*25 in der selben minne sien sü dir bevoln, daz du in och ein gftt heilig
ende verübest. Nu nim ich einen lidigen abker von allen creaturen,
und ker mich hin zft der blossen gotheit in den ersten Ursprung der
ewigen selikeit."
Do er also dis und derley neiswi vil in im selben geeinredete,
3n (\o entgie er im selb und kam in die swachheit, von der geseit ist.
1 zart«' reine K luiltn fehlt *S 2 hend .... lieml 6' din giied.
band fehlt M :i schirm] .schriu AS 5 in din hende fehlt M 7 daz mir
luin KM U) nii erst fehlt ,s 14 verli'ihen PA^ verlihen SKM 15 und
[an»*l s 17 h(?rr [herr] 6' 19 heleiterj behalter S dinem] dem K
21 liehu fehlt SMA' 22 f. [liein] «rekeret M 24 mit trfiwen fehlt M
hevelchte SA"^ bcfnlht .1/ eupfelcht K 25 sfi fehlt M heilijf gut FM
21 f. [der] ewiger sei. .1/ 29 iroredete P rK) von diT] (h> von jP
5 Ps. 3(t,(i : Luk. 23,46: auch hn kirchlichen Abendgebet (Komplet:
in mrinus tuas. domine de j und in den Sterbegeheten gebraucht, 16 Luk.
^3,34. 23 f. Joh, ir,ifß\
,^^m
90 L«>^>en Seu»eö. Kap. XXXI.
Do er und eiidrü menschen wanden, er sölte vergangen sin, dar na
neiswen do kom er wider zu im selb, daz erstorben herz begond
wider leblich werden und du krenkü gelider wider zft in selber kernen,
nnd genas, daz er ward wider lebende als ie von erst.
XXXI. Kapitel. .5
Wie eiu mensch sin liden in lobricher wise sol got wider iif
tragen.
Üo der lidende diener disen langwirigen kämpf mit tiefer be-
trabtung binderdahte und och gotes verborgnü wunder dar inne an
sab, do kert er sich eins males zu got mit einem inneclicben süfzen lo
und sprach also: „ach zarter berr, disü vor genantü liden du fiint
uswendig an ze sehene als die scharpfen dorne, die dur Heisch und
bein tringent; dar umbe, /arter herr, so lass usser den scharpfen
dornen dero liden etwas süsser fruht us dringen einer guter lere,
daz wir erbetseligö menschen dest gedultklicber liden und unser liden 15
in gotes lob dest baz kunnin uf tragen.^
Do er dis neiswi vil zites von got hat begert ernschlicb, do
geschah eins males, daz er neiswi ward verzuKet in sich und über
sich selb, und in entsunkenheit der sinnen ward in im sir/eküch
gesprochen also: „ich wil dir hüt erzögen den hohen adel niins lidons, 20
und wie ein lidender mensch sol sin liden in lobricher wise dem
minneklichen gote wider uf tragen.'^ Von disen süzzen ingesproehnen
Worten zerfloss im sin sele in sinem übe, und in der Vergangenheit
der sinnen l^d""] von grundloser volli sines herzen do zerspreiten sich
neiswi die arm siner sele in du witen ende der weit in himeln und 25
in erde, und danket und lobte got mit einr grundlosen herzklieh(Mi
begirde und sprach also: ..herr, ich han dich unz her in niinen ge
dihten gelopt mit allem dem, daz histlich ald minneklich mag gesin
in allen creaturen. Eya, aber nu so mnss ich aber frölieh uf bivoluMi
mit einem nüwen reyen und selzenen lobe, daz ich nieme (Mk:in(U', :>(>
denne daz es mir uu bekant ist worden in dem lidene. Ind da/
ist also: loh beger von niins herzen grundlosen nl)gnnule. daz clh'i
5 lider .1/ <> loldidnT 3/ ufj in A' S So jA'yP laiikwiiirii .1/
V> liindenl. fehlf S 15 daz] dar ASPMA^ arlx'it Miiiix lideiidii in. M
17 hrtt ^(^n liot b. .1/ 10 wart nriswic K 21 l(d)]ichcr .1/ 27 iinz]
liis M 27 1. in niincni ix^W\\\ M M rs| er P «-rkant J*
Leben öeuscs«. Kap. XXXI. 91*
du lideu und leid, du ich ie geleid^ uud dar zu aller herzen we-
tändes herzleid, aller wunden smerzen, aller siechen abzen, aller
trurigen geniüten säfzen, aller weinenden ogen trehen, aller vertrukter
menschen verschmeht, aller armer dürftigen witwen und weisen ge-
5 bresten, aller tnrstiger und hungriger menschen törre mangel, aller
martrer vergossen blüt, aller frölicher blander Jugend willen brechen,
aller gottesfründen wetftnden Übungen und ellü du verborgnu und
offenbarü liden und leid, du ich ald ie kein erbetseliger lidender
mensch ie gewan an IIb, an gut, an eren, an frinden ald an unmüt.
10 ald daz hein mensch iemer me erliden sol unz an den jüngsten tag.
daz dir daz sie ein ewiges lob, himelscher vater, und dinem ein-
bornen lidenden sune ein ewigü ere von ewan ze ewan. Und ich,
din armer diener, beger hüte aller lidender menschen, die vil liht
iren liden nit kondan rehte tön mit gedultigem dankberen gotes lobe.
15 der getrtwer fürweser beger ich sin, daz ich dir irü liden an ire
stat hüt loblich uf trage, in weler wise sü geliten hein, und opfren
dir es an ire stat, als ob ich selbe daz alles sament nah mines herzen
wünsch an minem Hb und herzen allein erliten heti, und büt ez hüt
ut* an ire stat dinem einbornen lidenden sune, daz er eweklich dur
20 von gelopt werde und du lidenden menschen getröstet werden, sü
sien noh hie in disem jamertal ald an enr weit in dinem gevvalt.
^,0 ir ellü mit mir lidendü menschen, sehent mich an und losent.
waz ich ü sag : wir ermü gelider süllen uns trösten und fröwen ünsers
wirdigen hoptes, daz ist dez minneklichen einbornen sunes, des, der
2.5 uns vor geliten hat und uf ertrich nie [40 '] gftten tag gewan, Lügent,
und weri in einem armen geschlehte nüwan ein richer werder man.
daz geschieht alles froweti sich sin. Ach, wirdiges hopt unser aller
lidcr, bis uns gnedig, und wa uns gebristet rehtcr gednltekeit in
keiner widerwertikeit von menschlicher krankheit, daz volbring du
'6ii gen dinem lieben himelschen vater! Gedenk, daz du einest ze hilf
kem eim dinem diener; do er wolte in lidene verzagt sin, do sprechd
du zu ime: „gehab dich wol und lüg mich ane! Ich waz edel und
arm, ich waz zart und eilend, und waz uss allen f roden gebor n uud
waz doch vol lidens." Hier umbe wir, dez keiserlichen herren framen
36 riter, erzagen nit, wir, dez wirdigen vorgengers edlen nahvolger.
2 schinrrz S (5 froIicher fehlt -S' 5) cre ö' 13 armer lideiulcr d. M
14 irii M 15 dir] «liirch P 23 amieii lidor 31 frowen u. tr. P 24 des
der] do der A' 25 erlitten M 28 in — 29 krankheit fehlt P 30 liobeu
fehlt A'
'92 Leben Seuses. Kap. XXXI.
gehaben uns wol und liden uit ungern ! Wan weri nit anders nuzzes
noch gutes an lidene, wan allein, daz wir dem schönen klaren Spiegel
•Cristus so vil dest glicher werden, es weri wol angeleit. Mich dunket
eins in der warheit: ob joch got glichen Ion wölti geben den lidenden
und den nit lidenden nah diseni lebenc, ji^ewenich, wir soltin dennoch 5
den lidendeu teil uf nemen allein durch der glichheit willen, wan
lieb glichet und hüldet sich liebe, wa es kau ald mag.
„Eya, mit waz baltheit geturren aber wir uns dez an nemen,
daz wir dir mit ünserm lidene glich sfilen werden, edelr herrV Owe,
liden und liden, wie bist du so gar unglich! Herr, herr, du bist 10
allein der lider, der lidene mit schulden ursach nie gegab; owe, wer
ist aber der, der sich des nmge gesten, daz er lidene nie kein ursach
hab geben? Wan waz er einend ane schulde der lidenden Sachen,
so hat er andrent daz busswirdig was. Hier umbe so sezzen wir
uns, ich meine ellü du lidenden menschen, du ie geliten, zu einem 15
grossen witen ringe umb und umb, und sezzen dich, zarter truter
unschuldiger bftle, enmiten under uns in den ring dero selben liden-
den menschen, und zerspreiten unser turstigen adren wit uf ginende
von grosser begirde gen dir, usklinglender gnadenricher brunne.
Lügent wunder! Daz ertrich, daz aller meist von türri zerschrunden 20
ist, daz enphahet aller meist dez nassen regens sturmige flüsse, und
so wir gebresthaftigÄ menschen dir ieme schuldiger [40^] sien worden,
so wir ieme mit ufgezertem herzen dich in uns schliessen und wellen,
als din götlicher mund selb hat gesprochen: wem lieb, wem leid,
<lar din lidenden hintrieflfenden wunden geweschen und aller ding 20
unschuldig werden aller missetat, von dem du ewiges lob und ere
solt von uns haben und wir gnade von dir enpfahen, wan in diner
gewaltigen vermügentheit wirt ellü unglichheit abgeleit."
Do der diener ein göt wili also stillr gesasse, uuz daz sich dis
alles in der innigosten inwendikeit siner sele mit gi-ossem ernst ge- 30
offenbaret liate, do stfind er frSlich uf und dankete got siner gnaden.
2 daron schonen KA^ schonen fehlt M 4 ;^^ot joch 1* i\ der) «les A'
7 hnldetl hihh't A^ liebe] lieber K wa| wan iV 8 niit| in ASP ge-
waltkait M aber muh an neniinen M 9 mit und siner liden (!) M
1) lierr 10 herr (erstes) fehlt M U mit seh.] noch schnld M IS ehiet-
halh ,y 14 anderthalb S 17 buhe r 18 uf] und K 19 uskliuirondiT
MA^ ^uadlicher M 21 [stürmi^e] ein gcflüsse F sturmi^ßfen Huzz M
22 schuldiir -^ 25 [hin] triet!". M 27 trinich-u K 29 unz| hi> a.S'' und
ASA' :U) iuniirosten A'Ä/^ S
Loben Seiises. Kap. XXXII. 93'-
XXXll. Kapitel.
Wa mite got ergezzet lu der zlt einen lidendeu menschen
sines lidens.
An dem frölichen ostertag, do waz dem diener eines male»
5 gar huglich /.e mAte, und gesass also na gewonheit an sinem rüwlin.
Do begert er von gote ze wussenne, waz ergezzunge dfi menschen
in diser zit von got söltin enpfahen, du dur in menigvalteklich hetin
geilten. Und in enr entsunkenheit luht im in von got also: fröwent
uch wol gemüteklich, ellu lidendu gelassnu menschen, wan ire ge-
10 daltekeit sol herlich gelopt werden, und als sii hie sind vil menschen
ze erbarmen worden, also wirt sich eweklich menger mensch frowent
in got ire wirdigen lobes und ewiger eren. Sü sind mit mir erstorben,
sü son och mit mir frölich erstan. Drie sunder gaben wil ich in
geben^ die sind als wirdig, daz sü nieman kan geschezzen. Einii
15 ist: ich wil in geben wiinsches gewalt in himeln und in ertrich, daz
alles, daz sü iemer gewunschent, daz daz geschiht. Daz ander: ich
wil in mitien götlichen frid geben, den weder engel noch tüfel noch
mensch noch kein creatur mag nemen. Daz dritist: ich wil sü als
inneklich durküssen und als minneklich umbvahen, daz ich sü und
20 sü ich, und wir zwei ein einiges ein iemer me eweklich sülin hüben.
Und wan langes beiten unrüwigen herzen we tftt, so sol für dis gegen-
würtiges stündli eins einigen ogenblikes lang dis liep nit gesparet
werden, denn nu an vahen und es eweklich niessen, als verr es denn
die tddemlich menscheit nach eins ieklichen gelegenheit minr und
25 me mag erliden.
Diser frölichen mcren waz der diener fro, und do er ztt im
selber kom, [41 '] do sprang er uf und ward inneklich lachende, daz
es in der kapell, da er inne waz, lute erhal; und sprach frölich in
im selben also: „der gellten hab, der gang her für und klage! Weiss
2 menschen fehlt S 4 (lera| ainem KMa 8 erlitten .V enr]
einer S 9 gelassnu fehlt K 10 herzlich M 11 men^er m. ewenklich IS
mensch fehlt M 15 himelrich VM 16 d. ander ist M 18 i^enemen KA^
^eneramen M ist fehlt S 19 minn.] inneklich iS 20 sü mich SK
21 biten M uiirnwigem 3/ für J. 28 nu] im M 27 do — uf
fMt M
15 Wunsches j|rcwalt (optio omniuvi) Vermögen alles Heil und Segen
ßu schaffen (Lehrer 111,997): vgl. Jak, Grimm, Mythol. i^ H-^ff-
19 f. Vgl. Joh. 17, n—QS.
•94 Leben Scuses. Kap. XXXJI.
got, ich versprich .mich selb wol, daz mich des dunket, daz ich nie
liden gewunni uf ertrich; ich enweiss uit, waz liden ist, ich weiss
wol, waz wüune und fr5d ist: Wunsches gewalt ist mir geben, dez
menig veriertes herz müss manglen, waz wil ich me?"
Dar na kert er sich mit siner vernünftekeit zft der ewigen f
warheit und sprach also: i,ach ewigü warheit, nu bewise mich diser
verborgnen togenheit, als verr man es den gew6rten mag; du war-
lieit mengem blinden menschen so gar unkund^ist.^ Dez ward er
von innen bewiset also: liig, dien menschen, dien reht beschiht in
dem durpruch, den ein mensch vor an hin müss nemen mit einem k
entsinkene im selben und allen dingen, dero doch nit vil ist, dero
^in und müt sind als gar vergangen in got^ daz sä neiswi umb sich
selber nüt wüssen, denn sich und ellü ding ze nemene in ire ersten
Ursprünge. Und dar umbe hein sä als grossen iust und wolgevallen
in einem ieklichen dinge, daz got tAt, als ob sin got lidig und müssig ic
atande und es inen na ire sinne hab geben us ze würken. Und also
in diser wise gewännent sä Wunsches gewalt in in selb, wan in
•dienent himel und erde und in sind gehorsam alle creaturen in dem,
daz ein iekliches tut, daz es tut, oder lat, daz es lat. Und sölichü
menschen enpfindent nit leid von herzen in keinen dingen ; wan daz 2(
-heiss ich leid und liden von herzen, daz der wille mit wolbedahter
bescheidenheit wölti erlassen sin. Wan nah dem ussern ze redene
so hein su empfinden wol und we als ander läte, und tringet in
etwen naher denn andren von ire entgrobten Zartheit, es enhat aber
da inne nit stat ze belibene, und nach dem ussein so blibent sä vest 2c
vor ungehabtkeit. Sn werdent hie äberges<ist, als verr es mäglicb
ist, von ire selbs entgangenheit, daz ire frod ganz und stet wirt in
allen dingen ; wan in dem gütlichen wesene, da sich ire herzen band
vergangen, ob in reht ist beschehen, enhat leid kein stat noh be-
trübde, sunder frid und fröd. Als vil dich nu eigne gebrest [41^] :k
hin zühet, daz du sunde tost, da von billich leid und betinibt kumet
einem ieklichen menschen, der si übet, als vil gebrist dir noh diser
selikeit; als vil du aber sund midest und dir selben dar innc us
6 lind warheit fehlt A^ 9 dem meusclien dem M 10 durch-
brechen ili 12 ninne 6' 0:1x1 fehlt S 13 enwissen 3/ IG ireu sinneu M
«gegeben M 20 in] von S in keinen wei>- und dingen .V 21 volbedahter M
23 enpfunden kSPK 25 so fehlt PA^ 26 vor] not (!) M liie vverd. si M
28 da] daz ^M 32 menschen fehlt KA^ 33 f. uf gast A'
31 f. Vgl, Whn. ^,9.
Leben Seuses. Kap. XXXII. 95
^ast und in daz vergast, da du noh leid noh swarheit luaht haben,
denne daz dir leid nit leid ist und dir liden nit liden ist, daz dir
ellu ding ein luter frid sind, so ist dir reht in der warheit. Und
«laz geschult alles in der verlornheit des eigen willen ; wan sü werdent
5 von in selb getriben mit einem jamrigen turste bin zu dem willen
gotes und siner gerehtikeit, und der wille gotes smakt in so wol
und hein so vil günlichi dar an, daz alles daz, daz got über sü
verhenget, daz ist in so lustlich, daz sü nit anders enwellen noh
begerent. Daz sol man nüt also versten, daz hie mite dem men-
10 sehen sie abgesprochen biten und beten z& got, wan gotes wille ist,
daz er wil gebeten werden; es ist ze verstene nah dem ordenlichen
usgene der sinsheit in den willen der hohen gotheit, als geseit ist.
Nu lit aber ein verborgne stoss hier inne, der mengen men-
schen 8t6s8ig machet, daz ist also: „wer weiss," sprechent sü, „ob
15 es gottes wille ist?" Lug, got ist ein überweslichü sacbe, du einem
ieklichen ding inrlicher und. gegenwürtiger ist, denne daz ding im
selben sie, und wider dez willen kein ding mag beschehen noh bestan
einen ogenblik. Dar umbe müss den we sin, die alle zit wider
gotes willen strebent und ire eigen willen gerne fürtin, ob sü m6htin;
20 die hein frid als in der helle, wan sü sind in betrübde und trurikeit
alle zit. Aber da wider einem entplozten gemüte entwürt got und
frid alle zit gegenwürteklich in den wi-derwertigen dingen als och
in den wolgevallenden, wan er werlich da ist, der es alles tut, der
es alles ist; wie mag inen denne der lidend anblik swer sin, da
25 sü inne got sehent, got vindent, gotes willen gcbruchent und umb
den iren willen nüt wüssent? Ich wil geswigen alles dez liehtrieben
trostes und himelschen lustes, mit den got verborgenlich sin lidenden
fründe dik uf enthaltet. Disü menschen sind neiswi reht als in dem
himcl[42'^]rich; waz in geschiht ald nüt geschiht, waz got tut in
30 allen sinen creaturen oder nüt tut, daz kumt in alles zft dem besten.
Und alsus wirt dem menschen, der wol liden kan, sins lidens in der
zit ein teil gelonet, wan er gewinnet frid und fröd in allen dingen,
und na dem tod folget im daz ewig leben. Amen.
2 leid [is?t] 3/ 3 sind] yi xV 7 dar ione P 11 ordenl. fehlt M
12 dez sinsli. MA^ 13 die mengem K 14 daz ist fehlt S 16 innerklich
u. gegenwtirtig M 21 f. und frid fehlt 8 25 an sehent Ä' 27 siner M
28 ufenthaltent K reht fehlt M 31 kau liden M 32 wol gel. ein
mil M 33 amen fehlt PM
29 f. I 'gl Rom, i^.^ö.
96 Leben SeiiHCs. Kap. XXXIII.
Zweiter 1 eil
Hie vahet au daz ander teil dLss ersten bäclies.
XXXIII. Kapitel.
Ton dez dieners gelschllchen tohter.
Confide filia! Es was in den selben ziten dez diener.s, o
von dem geseit ist, ein geischlichu tohter bredier ordens in einem
beschlossen klostcr ze Tozze. dii hiess Elsbet Staglin mid hate
einen vil heiligen wandet von ussnan und ein eugelschliches gemüt
von innen. Der edle ker, den si nam zft gote mit herzen und sele.
was so kreftig, daz ir enpfielen alle üpig Sachen, da niit sich menger lo
mensch sumet siner ewigen selikeit. Alle ir fliz waz stellen nah
geischlicher lere, mit der si mohte gewiset werden zu einem seligen
volkomen lebene, dar na elh'i ir begirde rang. Si scrcib an, wa ir
ut lustliches werden mohte, daz si und endru menschen gefürdren
mohte zu götlichen tugenden. Si tet als du gewirbigu l)inlu. du daz 15
süss hong uss den menigvaltigen blflmen in tragent.
2 Ubtrarhrift fehlt P dissj dcsz KM 7 tozze teilweise radiert A
toHse S tose A' tezze A^ Elisabet S' KlHahct stei»»eiiiii A^ 11 st^Uent M
14 f. zii gotl. tu^. nach werden inoht« M daz - - 1.') mohte fehlt P 15 <laz
si tet M rcht als >y 16 deiil .lein M
5 Matth. *J,:<i2. 7 Töss, Dotiiinikancrinneukhstrr. südwestlich von
Winterthur am J^'Iusm 2'öas (jeU(jeu , 1^3:i mit Hilft der Kyburgtr Grqf'cn
(jey rundet, gdaiujte bald zu grosser Bliite und mar ein ilnnptsit: des mysti-
schen Lebens. Es trurde J5:Jö row Züricher Rat aufgehoben und ist jetzt
Fabrik. Ton d^r Literatur ist besonders beachtenswert Greiths Aufsatz in
Kath. SehwcizerbWter 1860, (JöJ/. 13} f. cii^y fj\ und H. Sulzer, Das Domini-
kanerinncnkloster Töss, 1. Teil: (beschichte. Mit 1:J Textillustrationen und
4 Tafeln, Zürich 1903, 4:^ S. 4" (= Mitteilungen der autitjuarischen Gesell-
schaft in Zürich XX V'I, :Ji. — Kl.sl)ctli Staffel oder Stagflin, Seu.ses begabte
geistliche Freundin, von der schon in der Vorrede der Vita die Bede war.
stammt aus angesehenrr Zürielier Ji'amilie (ihr Vater Rudolf irar Rat^herrj.
trat wohl in den dreissiger Jahren des 14. Jh. zu Tnss ein, wurde um 1337 mit
1d dem kloeter, da si woiiete nnder den swöatran als ein Spiegel
aller lügenden, do braht si zft mit irem kranken libe ein vil gft(
btich; da Btet an under andren dingen von den vergangnen faeiligeo
Bw&stran, wie selklich die leptan und vraz grosses Wunders got mil
.'] in wnrkte, daz ril reizlich ist ze andaht gfttberzigen menschen.
Du selig tohter gewan kuntsami dez dieners der ewigen wis-
heit: z6 dez leben und lere ward &i von gote mit grossem andabl
gctriben. Si zoh im us verborgenlich die wise sines durpruchcB zft
gote nnd sereib es an, als es da vor und hie na etet gescbribcn.
U) In irem ersten anevang wurden ir ingetragen von neiswem
hohe und veinünltlg sinne, die vil überswenk waren: von der blossen
gotheit, von aller dingen nihtkeit, von sin selbs in daz [42*] niht
gelassenheit, von aller bilden bildlosekeit und von derley sinnen,
die mit 8ch6nen Worten bedaht waren und dem menschen lust in
lö trbgen. Es lag aber etwas verborgen schaden da hinder einvaltigcn
und anvahenden menschen, wan im gebrast alzemal notnrftiges
nnderschaides. daz man du wort mohte hin und her ziehen uf geist
nnd uf natur, wie der mensch gemftt waz. Disu lere waz gfit in
Ire, nnd kond im aber doch nit gettin. Si sereib dem dieuer, daz
20 er ir dar inne ze staten kerne und si uf den rehten weg wisti.
Jedoch hat si des vordren lustes in der selben lere geliket und dar
umbe meiude si, daz er grob lere underwegen liessi und ir von den
vordren hohen sinnen etwas sehribi.
1 ei fehlt M 3 verj:.! vor genauteu P 8 im) in M (iie Sbigeo
vfia aiiix durbr, M 9 t,'e»chr. aiät M 10 f. von najawl hohen a. Temünf-
tigCQ sinnen P 12 in] Bin M 15 verborgene Schadens M 16 uiBQgchen
fthlt M -Jl erlücket i* gellchet ^> 33 hohcu /ehlt AS
State bekannt und »tarh um 1360 (imch andern schon e. 133V). Vgl. äbvraie:
Preger II, 365—69- K, Vattr, Ein Myalikarpaar des U. Jh. {E. Slagel und
SmseK Basel 1802 /= Offmtl. VoHriige gehalten in der Sehvtie VI, 13). Ihr
Werk - sie ist die trste SehriftsttUirin Zürichs, vgl. B'ichtold, Literatur
guchichtt der Sehvreis 16S2, 213 ff. — sind uaitsef dem Grundstock von A'eutea
Vila und der Sammlung »eintr Briefe (Gr Bfbi die oben erwähnltn Lebens»
btschrciliunyen der Schmestern von Töas, welclit Mu den besten Produkten ditstr
Oatlung gehören und tcokt schon vor ihrem Sekannluierden mil Seuse begonnen
Uiurden. Bis vor kureem Ufarm nur Aussäge davon fctt JHurer u. Greith
gedruckt: eint vollständige kritische Ausgabe von F, Vetter erschien 1S06
f= Deutsche Tejie das Mittelaltere, hrsg. ron der Freuss. Akademie Bd. VI).
6 Vgl. Prolog der Viia (T,öß:i. lü ff. Aus der Lehre Meister Eck-
harls. dit Settsf im folijmden einer treffenden Kritik uiitenvirfl .• vgl. auch
lieniße im Archiv II. i-::7 f.
a. Ssntc. Dtuuche äcLcirieo. 7
98 Leben Seiises. Kap. XXXIII.
Der diener screib ir hin wider also: „gütü tohter, fragest da
mich von den hohen Sachen uss wunder, uf daz daz es dir bekant
werd und daz du kunnist von dem geist wol reden, so han ich dir
schier dar us berihtet mit kurzen worten. Dez darfst du dich aber
nit vil fröwen, wan du mäht dur mit in einen schedlichen iergang 5
komen. Rehtü selikeit lit nüt an schönen worten, si lit an göten
werken. Fragest du aber nah den dingen dur ein lebliches ervolgen,
80 la die hohen fragen noch underwegen und nim söiich fragen her
für, die dir gemesse sind. Du schinest noh ein jungü ungeüptü
swöster, dar urabe dir und dinen glichen ist nüzzer ze wiissene von lo
dem ersten begin, wie man sül an vahen, und von übigem lebene
und guten heiligen bilden, wie diser und der gotesfründ, die och
einen götlichen anvang baten, wie sich die des ersten mit Cristus
leben und lidene üptin, waz sü eblich erliddin und wie sü sich von
innen und von ussnan hieltin, ob sü got dur süssekeit ald dur herti- 15
keit zugi, und wenn ald wie in du bild ab vielin. Sich, da mit
wirt ein anvahender mensch gereizet und gewiset, fürbaz in daz
nebst ze komen, wie daz sie, daz got dis alles m&hti dem menschen
in einem ogenblik geben; daz pfligt er aber nit ze tüne, es möss
gemeinlich erstritten und [43'] ererbeit werden. 20
Du tohter screib im hin wider also: „min begird stat nüt na
klfigen Worten, si stat na heiligem lebene, und daz hau ich müt,
reht und redlich ze ervolgene, wie we daz iemer mag getün, es sie
miden, es sie liden oder sterben oder waz daz ist, daz mich zu dem
nehsten mag bringen; daz müss volhertet werden. Und erzagent 25
nüt ab miner kranken nature: was ir geturrent heissen, daz der
natur we tut, daz getar ich ervolgen mit hilfe der götlichen kraft.
Vahent dez ersten an bi dem nidresten und wisent hin durch, als
man ein junges schftlerli dez ersten leret, daz zu der kintheit höret,
und es aber und aber fürbaz wiset, unz es selber wirt ein meister :J(>
der künsten. Ein einig bet han ich zu üch, der sond ir mich ge-
weren dur got, dar umbe daz ich nit allein gewiset werde von üch,
mer daz ich och gesterket werde in aller widerwertikeit, du mir
2 von — 3 werd fehlt J» 4 bedarfst M aber fMt M 7 löb-
liches P 8 sol. [fragen] M 11 übigem] iibungeu M übiiigeu P 14 ebel-
klicb M 16 ald wie] ad wie A imd wie M 17 ain vaheiider m. K
18 niohti fehlt S dem] den AA^ 24 liden . . . miden P 32 werd gewiset M
3 geist, vgl. oben 83, 14 Jf\ 18 daz nebst == die höchste Stufe der
Vollkommenheit.
I mag;." Erfraget, waz da bet weri, St sprach:
„lierr, ich han gehöret sagen, daz der pellicsDUS s6lieher natur sie,
daz er in eich selben bisset und sinn jungii kind in dem neste von
veterlicher miniio mit sinei
i mein ich, daz ir ze glicher wi
tiigent und mit geischlicüer spi
iigen blät spiset, Acfa herr, und da
'ise also mir, üwerm luretigeo kinde,
ise üwer gftter lere f'ftrent, und nit ze
verr ei^chent, denn daz ir üch selb nahe grit'ent; wan so es üh ie
neher ist gewesen in usgewürkter wise, so es ie enpfenkliclier ist
miner bedingen seie."
Der diener gcraib ir hin wider also: „du zogtest mir nn knrz-
lieh neiswaz äherswcnker sinnen, die du dir selb batest iisgelesen
HS8 der süssen lere dez heiligen maister Eghards, daz du, als
billicb ist. so zärtlich handledest; und bin in grossem wunder, daz
du na so edelm tränke dez hohen meisters dich als turstig erzögest
nn des klaiuen dieners grobem trank. Aber so ich es rcht an sihe,
so spür ich mit fruden din grossen wizze in der saeb, daz du als
gewirbig bist mit fragen, wie der erst anvaug sie eins hohen siebern
lebens, ald mit welen Übungen ein mensch dez ersten sül dur zD
komeu."
a^, XXXIV. Kapitel.
Von dem ersten begin «Ins anraheudeu menschen.
„Der anvang eins heiligen lebens, tohter, der ist misslich: ainer
sus, der ander [43'] so. Aber dem anvang, dem du na fragest,
Ton dem wil ich dir sagen. Ich weiss einen menschen in Cristo,
•2b do der an vieng, do rurade er des ersten siner geivusni mit einer
ganzen bihte und waz do alle sin Sizz, wie er der bibt reht gctete,
daz er alle sin missetat einem wolbescheiden bihter für leti, dar
umbe daz er von dem bibter, der an gotes stat da sizzet, daz er
von dem tnter und rein giengi und im alle sin sönd vergeben wenn.
2 pellic] venix (!) M 3 in dem nest* fehlt M 4 velerl.] natur-
li(^he^ M 5 (also) mir tiigent als öw. t. k. S 6 öwer) und P 7 ir]
ich M 10 wider] wiher A 10 f. hfirzlioh fehlt M II iiaisweun M
15 klainen ftkll K 18 erster A «lur zS] zfl dir SA' 29 werfent S
3 ff. Vgl. F. LaueheH, Gctck. des Pbytiologu» lb89, 8, 170, 311 : Konrad
von Megmberff, Buch der Natur eä, P/eifftr 'JiO: der „Schtrar^wäld^ Prediger'
(13. Jh.) bH Griathaber, De.ilsehe. Predigten I flS44f, lO'i. 2ö Vgl. oben
Kap. 16 (43, IS f.).
100 Leben Senses. Kap. XXXIV.
als Marien Magdalennn beachah, do si Gristus mit ruwigem
herzen und weinenden ogen sin g6tlicb ffiss wusch, und ir got alle
ir sünd vei^b. Daz wat des selben menschen erster anvang
zft gote."
Dis bilde nam du tohter vil eben in ir herze, nnd wolt im 5
geswind genflg sin und viel mit begirde dar uf, daz ir der selb
diener dar zu der best weri, daz si ime ir biht teti, und meinde
och dar inne, daz si von der biht wegen sin geischlichu tohter
wurdi und im dest baz in götlichen trüwen beroln weri. Nu lagen
die Sachen also, daz du bifate nit moht mit Worten beschehen. Do ]0
nam si alles ir leben her für, daz in der warheit rein und luter
waz, und wa si sich ie hate nach irem sinne verschuldet, daz screib
si an an ein gross wehsin tavel, und sand im die also beschlossen und
bat in, daz er ir aplass sprechi über ir sünde* Do er die bibttavel
US gelass, do stund ze hindrest dar an also: „min gnediger herr, 15
nu vall ich sündiger mensch für üwer fasse und bit üch, daz ir mit
üwerm minnerichem herzen mich widerbringent in daz gdtlich herz,
und daz ich üwer kind heisse in zit und in ewikeit.^ Ab der tohter
wolgetrüwendem andaht ward er herzklich bewegt und kerte sich zft
gote und sprach also: „erbarmherziger got, waz sol ich, diu diener, 20
hier zft sprechen? Sol ich si von mir stossen? Herr, daz möhti ich
einem hündlin nit getftn; herr, teti ich daz, daz stündi vil liht dir,
minem herren, übel. Si sucht die richheit dez herren in sinem knehte.
Eya, zarter herr raine, nu vall ich mit ir für din tugenthafften füsse,
milter got, und bite dich, daz du si erhörest. Lasse si geniessen 25
ire gftten globen, ire herzklichen getrüwens, wan si scriet uns na.
Wie tete du der heidinn? Ach miltes herz, Iftg, din gi-undlosü milte-
keit ist uns als herzklich vil genimet, und weri es noh vil me, du
soltist es vergeben. [44'] Eya, miltü miltekeit, ker dinü miltü ogen
zft ir, sprich ein einiges wörtli zft ir, sprich also: Confide filia, 30
2 und mit M 5 eben war *S' 8 geischl.J gotliche K 13 an [an]
MA^ 14 er [ir] M sünde] schulde S 19 hertzenandaht K 21 herr
fehlt M 29 vil miltü m. 3/ 30 und sprich e. e. trostlichz w. M
1 ff. Luk. 7, 37 ff. 4ä, 10 Elsheth Slagd war zu Töss, Seuse wahr-
scheinlich in Konstanz. 13 Wachstaftln wurden im Mitttlalter noch lange^
namentlich für Niederschriften von vorübergehender Bedeutung^ mitunter auch
zu Briefen verwendet : vgl. Wattenbach, Das Schrifhcesen im Mittelalter ' 1896 f
81 ff.; Michael, Gesch. des deutschen Volkes III {1903), 3f 26 f. Vgl.
Matth. lö, 22 ff. die Erzählung vom kananäischen Weibe. 30 f. Matth. 9.22.
fides tua te salvain l'ecit, din gQte glob hat dich behalten, nnil
hab 68 Btet an rniner slat, wan ich hau daz miu getan und ban ir
gewünHchet ganzen aphis aller ir BÜDden."
Er Bchraib ir bi dem selben boten bin wider also: „daz du
5 begert hast von gote dur den diener, daz ist beechehen, und solt
wuBseii, daz es im alles vorhin von got erzSget ward. Dez selben
morgens frft waz er nah einem gebete nider gesessen in ein stilles
1-üwli, und in einr Vergangenheit der ussren sinnen was im vur vil
der götliclien logoi. linder dem andern ward im neiswi ingeliihtet,
10 wie got die engclschlichen nature heti gesundert in ire förmilicher
wise, und wie er iekliohem also sin sunderiiebeu eigt^^nscfaaft nah
sanderlicher ordeulicher nagescheidenheit heti geben, daz er nit kan
geworfen. Do er ein gßt will mit den eugelscb liehen junglingen
himelseh kürzwil hat gehabt und im sin gemüle fr&Hch war. von
15 dem übei-flnssigen wunder, daz sin scle befanden hate, do waz im
vor in der selben gesihte, wie dn kemist in gende für iti stan, da er
sass under dem engelsohliohen gesinde, und mit grossem ernst knü-
wetast du nider für in und neigtast din autInt eben uf sin herz, und
knAwetast also mit dinem geneigten antliit uf sinem heiv.en ein gOt
20 wil, daz es die bistenden engel au sahen. Also nam der hröder
wunder ab diner getürstekeit. und doeh do stand es dir als beilkücb
am-, daz er es dir gütlich geetatet, Waz dir da uf dem eilenden
herzen genciget der himelsch vater gnaden teti. daz weist du vil
wol, nnd man sah es an dir; wan nah einer göten wüe rihtest du
2B dich nf, — do ward din antlöt so frölich und so gnadenricli gestalt,
daz man es kuntlich brufen mohte. daz dir got neiswas sunder
gnaden hat getan und noh tun wil dur daz selb herze, also daz got
dur von gelupt und du getröstet wii-st."
3 fielt»« hat die Beicht iiaitt kofiekl nicht als iiakramtiitah atifgefasst,
aondent nur als eint Art „ fftmHtentrtcheMtchaft" i Deuißi 14S A. 3) : er sendtt
ihr dämm nicht die Abtolalioii, sondern teiliuehl lie nur. Eintm abieesinden
Prir*ter schriftlich in beichttn hat Thomas ron Aquin veruritill (S. Th. 6'ttpi)l.
q. 9 a. 3) und Papst Kttmens VIII 1003 als anffültig vmcor/m (Daatittgur,
Enchiridion symholorum ' 169il n. M'3}.- vgl. .fchanM, Snkramenlunlthr» 1833, 583.
10 ff. Naeh rf«f Lnhre des Thomas van Agmn (S. Th. I q. 6ua. 4: vgl.
Lekhart 3TH, 3iif.) bildet jtdrs Engdindiriilmim sugleich eine ei/jene Engtl-
apsdes: vgl. SchesUn, Handbuch dtr ktilli. lJ<igm>ilik II flbTSK .>e/. und
Denifie i« At-chio II, 437 A. 1.
102 Leben Seuses. Kap. XXXIV.
Dez selben glich etwas bescfaah do och einer götlichen person,
du waz ein edlü jungfrow uf einer bürg und hiess Anna, und waz
och alles ir leben ein luter liden. Mit der wurkte got sinü grössü
wunder von jugent uf unz an ir tod. E daz du [44^] den diener
erkandi ald von im ie üt heti gehöret, do si ainest an ir andaht 5
verzuket waz, do sah sie, wie in dem himelschen hofe die heiligen
got schowent und lobent. Do begert si von irem lieben herren und
boten sant Johansen, zu dem si sunder gnad hate, daz er ir biht
horte. Do sprach er vil gutlich zfi ire : ^ich wil dir geben ein guten
bihter an miner stat, dem hat got ganzen gewalt über dich geben, la
und er kan dich wol trösten in dinem manigvaltigen lidene.^ Si
fraget in, wer der weri, ald wa, ald wie er hiessi. Des ward si
alles von im bewiset. Si dankte got und hüb sich mornent frfi uf
und kom hin zu dem kloster, da si hin von gote gewiset waz, und
fraget im na. Er kam zfi ir an die port und fraget si, waz ir Sachen 15
werin. Si hfib an und seite und bihtet ime, und do er horte die
götlichen botschaft, do Hess er es zfi gan und rihte si us.
Du selb heiligä tofater seit ime, daz si eins males heti gesehen
in dem geiste einen schönen rosbom wol gezieret mit roten rosen,
und uf dem rosbome erschein daz kindli JESUS mit einem roten 20
rosenschapelin. Under dem rosbom sah si sizzen den diener. Daz
kindli brach der rosen vil abe und warf si denne uf den diener,
daz er zemal mit roten rosen bezetet ward. Do si daz kindli fragte,
waz die rosen bezeichetin, do sprach es: „die mengi dero rosen daz
sind du mengvaltigü liden, du im got wil zu senden, du er fiüntlich 25
von got sol enphahen und sü gedulteklich liden."
1 beschach im do M von ainer g. p. MA^ geistlichen P 5 von
im nach heti M 7 irem] ünserm A^ 7 f. und boten fehlt M 10 f. geben
über dich und der M 12 der] er SP 14 [hin] v. gote M 20 dem roten
rosbom (!) M 20 f. roterrosen seh. A rotroselin seh. F 25 wil got M
zÜ fehlt K
2 Die hier genannte Anna ist wohl idtntiifvh mit der in Kap. 10 {44,14),
aber verschieden von der in Kap. 22 u. 37 erwähnten. Die Wolfenhütlhr Hs.
Bl. 6*7«', die erste Druckausgabe von 14b2 BL Ö8^ und die zweite von 1012
Bl. 4ü^ haben hier ein kleines Bild: Anna in der Burg betend. — J)ic beidai
bei Seuse vorkommenden Anna sind wohl nicht zu identifizieren mit der in einem
Brief Heinrichs von Nördlingen (LIIj 61 i vom, Jahre 1348/49 genannten Gottes-
freundin Anna zu Basel; vgl. Strauch, Marg. Ebner 389.
8 Der Apostel Johannes war der bevorzugte Heilige in den mystischen
Kreisen, besonders der Nonnenklöster, aber auch im Dominikanerordeyi über-
haupt: vgl. Greith 332 ff. 402: Strauch, Marg. Ebner 292.
Leben Seuses. Kap. XXXV. ] 03
XXXV. Kapitel.
Ton den ersten bilden und lere eins anyahenden menschen^
und wie sin ubunge son sin mit beseheidenheit.
Do der diener des ersten an gevie und sich mit bihte gnög
o bäte geliitert, do machet er dar na im selb mit gedenken drie kreiss,
hinder die er sich in geischlich hüt hate beschlossen. Der erst
kreiss waz sin celle^ sin capell und der kor; wenn er in disem
kreiss was, so dufate in, er weri in guter Sicherheit. Der ander kreiss
was daz kloster alles ane allein d& port. Der drit und der ussrest
lü waz du porte, und hie bedorft er guter hütnust. So er uss disen
drin kreissen kam, so duht in, im weri als einem [45'] wilden
tierlin, daz usser sinem loch ist und mit gejegde umbgeben ist, so
bedarf es gftter listen mit sin selbes hüte.
Er hat im och do in sinem anvang ein heinlich stat, ein capell
15 uss erwelet, da er sinem andaht nah bildricher wise m6hti gnüg
sin. Sunderlich hat er im in siner Jugend heissen gemalet an ein
bermit die ewige wisheit, du himel und erd in ir gewalt hat, und
daz si in minneklicher scbonfaeit und lieplicher gestalt ubertrifet aller
creaturen Schönheit, dar umbe er si do in siner blünden jugent im
20 selben ze einem liep hate us erkoren. Daz minneklich bilde fort er
mit ime, die wil er ze schul für, und säst es für sich in siner celle
venster und blikt es an lieplich mit herzklicher begirde. Er braht
es wider bein und verwurkt es in die capell mit minneklicher
meinunge.
25 Waz aber endrü sinü bild do werin nah inrem gegenwurf, als
es im und andren anvahenden menschen zu gehöret, daz mag man
5 im dar nach PM selb fehlt M 10 f. disen kraisen allen drien M
13 list SM 14 im selb M 16 in sinen jungen tagen S malen SPA^
17 hat in ir g. M 18 liplicher S 19 si fehlt M 21 schulen P ie
fAr sich M 26 anvah. fehlt M
14 capell, vgl. oben 17,lö, 60,1, 16 ff. Vgl. das Bild der ewigen
Weisheit und die dazu gehörigen Sprüche vor dem Prolog des Exemplars,
Von der Gemahlschaft der ewigen Weisheit handelt das dritte Kap. u. Hör.
15 ff, 21 Seuse icurde um 1324 an das Generalstudium du- Domini-
kaner nach Köln geschickt, wo er Schüler Eckharts war (vgl. Kap. 42 und
Einleitung).
104 Leben Seuses. Kap. XXXV.
merken an den gemaleten bilden and guten Sprüchen der alten veter ;
und dero Bprucfa ist ein teil hie na geschriben, als sü in der capell
sind entworfen, und die sprechent ze tütsch also:
Der altvater sant Arsenins fragete den engel, waz er sftlti
tfin, daz er behalten wurdi. Do sprach der engel: „du solt fliehen 5
und solt swigen und dich ze r&w sezzen."
Dar na in einer gesiht laz der engel dem diener ab der alt-
veter buch also : ein Ursprung aller selikeit ist, sich selb still halten
und in einikeit.
Theodorus: Luterlich sich halten git me künsten denne vast 10
studieren.
Abbas Moyses: Sizze in diner celle, du sol dich ell& ding
leren. — Halte dinen ussern menschen in stilheit und den inren in
luterkeit.
Abbas Johannes: Der visch usrent dem wasser und der 15
münch ussrent dem kloster.
4 Arsenius auch am Rande AS 8 seilikeit A 10 ff. die Namen stehen
in ASPKMA^ rot am Rand oder vor den betreffenden Sprächen (deren Zuteilung
in einigen Hss. mitunter unklar ist, in andern teilweise abweicht) Theod.
abbas AS 12 Moyses abbas AS 15 abbas fehlt AS
1 ff. Die von Seuse öfters genannten und so hoch geschätzten (vgl.
Hör. 41y 45, 116 f, 152, 172 ff.) altveter sind die Anachoreten der Wüste, Das
Altväterbuch (VÜae oder Vitas paiinim), ein aus verschiedenen Möncfis-
geschichten von Athanasius, Hieronymus, Palladius (Historia Lausiaca, vgl.
die Ausgabe von C. Butler, Cambridge 190 i) und andern zusammengesetstes,
nach und nach immer mehr anschwellendes Sammelwerk (Ausg. von H. Ros-
weyde, Antwerpen 1615 ; bei Migne Patr. Lat. 73 u. 74), war eines der ge-
lesensten Bücher in den Klöstern des Mittelalters (Seuse, Hör. 116 : collaciones
ac vitas patrum, quas cotidie legis ac relegis), wurde frühe gedruckt (vgl.
F. Falk, Die Druckkunst im Dienst der Kirche 1S79, 36, 85) und in Über-
setzungen und Auszügen weit verbreitet (poetischt Bearbeitung des 13. Jh. hrsg.
von Franke 1880, 1. Heft : ProsaausBug in mitteldeutschem Dialekt hrftg. von
Palm, Lit. Verein 72 [1863], in alemannischer Mundart [c. 1350] von Nebert
in Zfdph 1903, 371 ff.). Seuse hat seine Sprüche aus den Verba seniorum
(apophthegmata patrum), bei Rosweyde in lib. III, V — VII, gesammelt. Das
AUväterbuch galt ihm als ,.nucleus totius perfectionis"^ (Hör. 175) und die
Aht Ölungen der Anachoreten sind ihm bis ins einzelne vorbildlich gewesen.
1 i. Hör. 173 f. berichtet Seuse von einer Vision, wie ihm ein Engel aus
den Vitae patrum vorlas: fons et origo omnium bonorum homini spirituali
est, in cella jugiter commorari (vgl. Migne, Patr. Lat. 73, 801 und Hör. 173:
x.uge, tace, quiescs : haec sunt principia salutis).
Leben Seases. Kap. XXXV. 105
Antonius: Liplicbu kestung und berzenandabt und von den
luten fliehen gebirt kinsebkeit. — Du solt enkein kleid tragen, an
dem man &pkeit mug merken. — Der erst strit eins anvabenden
menseben ist, sieb wider frassbeit kecblieb sezzen.
5 Pastor: Da ensolt mit keinem menseben zürnen, anz er dir
welle din rebtes oge us breeben.
Isidorus: Ein zorniger menseb ist gote missrellig, wie grössü
zeieben er tut.
[45''] Iperieius: Es ist minr sAnde fleiseb essen, so es ze
10 miden weri, denn sinen nebsten binderklafen.
Pyor: Es ist gar b&s, frömd gebresten her für nemen und
eigen gebresten ze ruggen stossen.
Zaebarias: Es mfiss ein menseb gross versebmeht liden, sol
im iemer rebt bescheben.
15 Nestor: Du mftst vor ze einem esel werden, solta götlicb wis-
beit besizzen.
Senex: Du solt nnbeweglieb in lieb und in leid stan, als der
toten bein tut.
Helias: Blaiebü varwe und ein verzerter lip und demütiger
^ Wandel zierent wol einen geiseblieben menseben.
Hilarion: Wan sol einem ze geilen rosse und einem un-
künschem libe sines füters ab breeben.
Senex. Ein vater sprach: tfi hin von mir den win, wan ein
tod der sele lit dar inne verborgen.
25 Pastor: Der ward nie ein geiscblicher menseb, der sich nob
klaget und an zorne und nndergene und vilredc sich nob nit kan
gelassen.
Cassianus: Als sich der sterbend Cristus an dem erüze be-
wiste, dar nah sol unsrü bewisunge gebildet sin.
30 Antonius sprach zu einem brüder: menseb, hilf dir selb,
anders weder ich noch got wen dir niemer gebelfen.
Arsen ins. Ein frowe bat einen alten vater, der er ir gedebti
zu got; do sprach er: „ich bit got, daz er din bild usser minem
herzQn verdiige."
1 [und] von M 2 ensolt kein P 5 solt M 11 prior SP
13 Zacharius K verschmachait M 15 soltu du Ä 18 bein] kein (!) M
21 Hylarius A' 26 [und] von vilr. M 27 lassen M 30 sprach — brüder
fehlt K zä einem menschen eime brüder S
17 Senex bedeutet einen mit Namen nicht *bekantUen Altvattr.
106 Leben Seuses. Kap. XXXV.
Macharius: Ich tiün minem übe vil hertekeit au, wan icb
von ime vil anvehtung haD.
Jobannes. Ein vater sprach: ich behfib minen willen nie
noh gelerte nie mit worten, daz ich selb nit tet mit werken.
Senex: Vil schöner worten ane werk ist üpig als der bom,
der vil lobes treit ane frucht.
Nil US : Swer bi der weit vil mfiss wandeln, der mflss och
meng wunden enpfahen.
Senex: Mugest du nit anders tfin, so solt du dur got diner
Celle hüten. l
Ipericius: Der sich kunschklich haltet, der wird hie geeret
und von got gekrönet.
Apollonius: Du solt dem anvang widerstan und dem schlangen
sins hoptes varen.
Agathon. Ein vater sprach: ich han dru jar einen stein in li
minem mund [46'] getragen, daz ich geleroeti swigen,
Arsenius: Mich hat dik gerüwen reden, aber swigen gerow
mich nie.
Senex. Ein junger fragte einen altvater, wie lang er swigen
sölte: do sprach er: „unz daz man dich frage.** 21
Sancta Syncletices: Wirst du siech, dez fröw dich, wan
got hat an dich gedaht ; wirst du krank, daz gib nüt dinem vastene,
wan die not vastend, die werdent och siech; wirst du geübet mit dez
libes anvehtunge, fröw dich, daz ein andre Paulus mag uss dir werden.
Nestorius. Ein gute brflder sprach: du sunne überschein 21
mich nie essende.
Johannes. Der ander sprach: noch mich zürnende.
Antonius: Die gröst tugent ist: mass kunnen haben in allen
dingen.
Paphnucius: Es hilfet nüt wol an vahen, wan bring es denn in
zu ainem guten ende.
Abbas Moyses: Waz dich eines lutern gemütes mag ent-
sezzen, daz solt du miden, wie gut es schinet.
Cassianus: Ellü vollkomenheit endet da, wenn du sele mit
allen iren kreften ist ingenomen in daz einig ein, daz got ist. si
7 'SihiH fehlt K vil mfisj*] wil müssig M 20 daz feldt FM 21 sin-
clccios aS* sinclerices K aiiklemles (!) .1/ 24 us dir niügc F 80 Pafuncius
AFA' Pafriiicius 3/, fehlt K 32 abbas Moyses fehlt K
21 Ihr Name lautet sonst Synchtica (Miyui;, Fatr. Lat. 7o, ÜVÖ u, o.).
24 Vgl. II Kor. IQ, 7 ff.
Disü bild und lere der alten veter sante der diener siner yeisch-
■n tohter, und si Dam es in sich und kerte es uf den weg, daz
er raeinde da mite, daz si nah der alten veter strenger wise iren
lip oh mit grosser keetgnng sölti üheii, und vie au, ir selben ab ze
5 brechene nud sich ze pingen mit herinen hemdem und mit seilu nnd
^rülichen banden, mit scharpfen isninen nageln und de/, gelich vil.
Do der diener dez innen ward, do enbot er ir also: „lii'hü
tohter, will du din geiseblicbes leben nah miner lere rihten, als du
es an mich hast gevordret, so lasse sÖlich übrig strenkheit under-
10 wegen, wan es diner frßwiichen krankheit und wol geordneten uature
nit zft gehöret, Der lieb Cristits sprach nut: „uement min krüz uf
üch," er sprach: „ieder mensch neme sin kruz «f sich!" Du solt
nüt an sehen ze ervolgen der alten veter strenkheit nob die herten
übunge dines geischlii'hen vaters, da solt usser dem allen dir selb
15 och ein valit nemen, daz du wol niugest emtigen mit dinem kranken
Übe, daz dfi untugeud in dir sterbe und mit dem Übe lang lebest.
Daz ist ein wirigü iibunge und ist dir daz beste,"
Si begerte von im ze wüssene, war umhe er so streng [46')
Übung beti gehabt, und er daz selb weder ir noh andren menschen
20 wßlti raten, Do wiste er si uf die heiligen scrift lind sprach also:
„man vindet gescriben, daz hie vor ander den alten vetern ire etlieh
ein unmenschlich und uugelobüch strenges lehen fürten, daz ze disen
nüwen ziten etlieben weichen menschen ein gr&wel ist allein dur
von boren sagen; und merkent nit, waz inbrünstiger ernst erzögen
25 mag mit gÖtlicher kraft ze tftn und ze lidene diir got. Einem s6-
lichen inbrünstigen menschen werdent ellü nnmüglicbü ding mäglicb
ze volhringeo in gnte, nls David seile, er wölte mit gotes hilf dur
ein gantz mur dringen. Es stat och an der nltvater hflch gescriben,
daz ire etlieh in selber sölich gross strenkheit nit an taten, die doch
:so baide uf ainem zil enden wollen. Sant Peter und sant Jobans
5 f. und mit grül. 1
fthit K 17 würdige P
vil -V la menacli] man
T dsx s. M 23 grlil U
12 Mattli. I6',JJ, -20 Hitr wie oft hat (i^T AaaürHck : (heiliget Schrift
(aaera gcrijitiira oder paginal eine viel Weiler* Bedintung als jdMt un<{ 6«-
tekhnet die VättrUhre oder die thtMiloffigefi* WUtenechaß überhaupt: vgl.
H. Ftlder, Gesehiehte der wiasenscbaftiührn Studien im J^Vantiehnneronkn bis
um die MiUt des 13. Jh. iyu4, 493ff..- Michael, Geschichte da drutuchtii
Volkes III 11903), 48 A. 1: SchÖnbaeh, Über Hartmann nm Aue IbUd. W2U
■26 f. Vffl. Phil. 4.1ä. 27 Pg. J7,oO.
108 Leben Seuses. Kap. XXXV.
wurden ungelich gezogen. Wer kan na da/, wunder alles os gerichten,
-denn daz der herr^ der ein wundrer ist in sinen frAnden, und der
von siner grossen herschaft wegen mit mengerley wisen wil gelopt
werden? Dar zu sien wir och ungelich genatürt: dflz eines menschen
gfite füg ist, daz füget dem andern niht. Dar umb sol man n&t dar
fär haben, ob vil liht ein mensch sölich strenkheit nit hat gehabt,
•dnz er dar umbe gehindert werd, daz er zfi dem nehsten nit müg
komen. Den selben weichen menschen sind och sölich streng Übungen
in andern nit ze verwerfen noch in arger wise ze urteilen; lüge
allein ieder mensch zu im selb und merk, waz got von im well, und
sie dem gnüg und lasse ellü endrü ding beliben. Qemeinlich ze
sprechen so ist vil bessrer bescheiden strenkheit füren denn unbe-
scheiden. Wan aber daz mitel mülich ist ze findene, so ist doch
weger enklein dar under ze hüben, denn sich ze vil hin über wagen ;
wan es geschiht dik, so man der natur ze vil unordenlicb ab
prichet, daz man ir och dur na ze vil müss unordenlich wider geben,
wie daz sie, daz sich hier inne menger grosser heilig hab übersehen
von inbrünstigem ernste. S61ich strenges leben und du bild, von den
geseit ist, mugen den menschen nüzz sin, die sieh selber ze zart
habent und ire widerspenigen natur uf [47'] ire ewigen schaden ze
mütwilleklich bruchent; daz höret aber dir und dinen glichen nit zu.
Gott der hat mengerley crüzze, mit den er sin fründ kestget. Ich
versieh mich dez, daz dir got einer anderley krüz well uf dinen
ruggen stossen, daz dir noh pinlicher wirt, denn semlichü kestgung
sie; daz krüz enpfah gedulteklich, so es dir kome!"
1 erzogen M 3 gelopt] geübt -4* 7 dem] den M 9 in andern
menacheii nit ze werfent M 11 f. am Rande Benihardus AK 12 besser SM
ze furen K 13 am Rande In collationibns patruni AK mitel] miden K
16 ze vil och [dnr na] M unord. müs PM 20 wider spenigung K 22 mit
den] da mit M 24 soliche K
2 Rs. Ui,36. 11 ff. VgJ. Bern, j senno 3 in drcumas. n. 11: hoc
< /v/o timendum est ei, qui tanta ddeciatione (sc. in devotionis gratia) omnia
facit, ntf dum sequilur offtctionem, corpus destruat per immoderatam eaerci»
tationem, ac dtinde ntcesse haheai, non sine magno spiritnalis exercitii detH-
mentOj circa debilüati curam corj;oris occapuri, Enjo .... necesse est lumine
discretionis . . . ; haec nimirum docetj ne quid nimis. Vgl, auch Gw'go, £p, ad
fratres de Monte Bei I, 11 (inter, opp. 6'. Btrft.. Venet. 1781, III, 191).
IB ff. Jo?i. Cass. , CoUationis Rat r um II, 10, 17 Seuse selbst beging
diesen I\hler (rgl. Kap. 18 Schluss), wie ror ihm auch der /*/. Bernhard
(Vacandard. Vic de S. Bernard, I fJ69öJ 45 ß'.), Franz von Assist, Mechthild
von Magdeburg (ed. Gall. Morel 94 f.) n. a.
Dar Dah, do nit vil ziteB hin kom, do greif got die geischlicb
tobter an mit langwirigem siechtageii, daz sie wart an dem übe ein
sieche dürftig unz an ir tod. Si enbot ime, wie es ir ergangen waz,
als er ir vor hate geseit. Er screib ir bin wider also: „liebü tobter,
ö got der hat nüt allein dich dur mit getrofen, er hat och mich in dir
gelezzet, wan ich nieman me bab, der mir mit etlichem ÜiBHe und
gätlicben träwen bebulfen sie minö biichlü ze volbringen, als dn tet,
die wil du gesund werd. Hier umbe bat der diener got getrnwlich
aber dich, ni&hti es sin wille sin, daz er dir denne gesuntheit gebi.
10 Und do in got nit wolte bald erhören, do zurnde er mit got eines
früntliches zümens und meinde, er enwolte von dem minneklichen
gote nit me bücblü machen und wülti och sinen gewonlichen morgen-
gT&z underwegen lassen von nnmiit, ob er dich nit wider gesund
maeheti. Do er also in der unrfiw sines herzen nider gesase in der
IQ kapeü nah einer gewonheit, do entsanken im naiswi die ginne und
ducht in, es kemi ein engelschlicbu schar hin in für in in die kapeil;
die sangen im ze tröste ein bimelsches gesang, wan sü in do in der
selben zit in sunderu liden wüsten, und fragten in, war umb er als
trarkitch gebareti and nüt mit in och eunge. Do verjah er in sin
20 nnordenlich entrihtunge, die er gen dem lieben got bäte, daz er in
in der bete diner gesimtbeit nit hat erhuret. Do meinden sü, er
sAlte ab lassen und sölti nit also tAn, wnn got heti den siechtagen
über dich verhenget dur daz aller beste, und daz sölte din krikz sin
in diser zit, da mit du siiltist erwerben gross gnad hie nnd manig-
■23 valtigen Ion in dem himelrich. Dar umbe bis gedultig, tobter minü,
nnd nim es uf allein als ein fnintlicb gäbe von dem minneklichea
gote."
XXXVI. Kapitel.
[47^] Ton kintlichem aiidaht eins jungen anrahenden
üQ menscheU'
Disü siecbü geischlicbü tobter bat einest den diener, do er dar
waz komen und si gesehen wolte in ire krankheit, daz er ir etwaz
3 sitche dürre iliirftige Ä' 6 gi-strofl'et i' 10 bald fehlt M 11 zoraes S
wütSM 14 machen A' SO du:] do JVf QOt:ii>[m] PMA^ 31 diafi] die S'
6 ff. Mitr ist wohl nicht die Teihtakme an der Äbfatsung ätr Vita und
des Gr Brfb, sondern das Abschreibm and Verbreiten des Bdw u. Bdete ge-
meint. Dil- aus TSfs stammtnde Engelberger Hk. (AV. U1> dts Itlsitren Büch-
leins ist fielleicht von Elslitlh gelbst geschrirhtn. 31 f. Naeh TSiib.
110 Leben Seuses. Kap. XXXVI.
Seite von götlichon dingen, du nit grossen ernst in trugin und doch
^inem gotlichen gemüt lustlich werin ze hören. Und er seit ir von
sinem kintlichem andaht und sprach also:
Do der diener dennoch einen blanden müt hate in siner jugende,
do hat er neiswi vil zites ein wise, so er erst geliess ze ader, daz
er uf der selben stunde einen ker nam zö dem geminten gote under
daz krüz, und böte sinen verwunten arm her für und sprach denne
mit inneklichem süfzen: ,,ach herzeklicher fründ minr, gedenk, daz
gewonlich ist, daz lieb ze lieb pfliget ze gene, so man gelassen hat
umb gutes bli^t. Nu waist du, lieber herr, daz ich nit liebes denn
^ich allein han ; dar umbe kum ich zu dir, daz du mir die wunden
segnest und mir gflt blöt machest."
In den selben ziten siner Jugend, so er etwen hat geschorn,
und dennoh sin antlät in schöner ufgezünter varwe waz, so gie er
hin zu dem schönen herren und sprach: „ach zarter herr, weri min
gestalt und min mund als rösloht als aller roter rosen schin, daz
wölti diu diener dir behalten und nieman andern geben; und swie
du allain daz herz an sihst und dez ussern nüt vil ahtest, geminter
herr, so büt dir doch min herz ein minnezeichen, daz ich dur mite
zft dir und zu nieman anders kere."
[48'] So er denn einen nüwen rok ald kapen an leite, so gie
er etwen hin dez ersten an sin gewonlich stat und bat den himel-
sehen herren, der in dez kleides beraten hate, daz er im glukes und
heiles dar in wunschti und im hülfe, daz er es in sinem aller lieb-
sten willen verschlissi.
Hie vor in siner kintheit hat er ein gewonheit: so der schön
sumer kam und du zarten blüralü erst entsprungend, so enthielt er
sich, daz er der blümen nit wolte brechen noh handien unz an daz
zit, daz er sin geischliches liep, die zarten geblümten röselochlen
magd, gotes muter, dez ersten gemeindi mit sinen ersten blümen.
So es in zit duhte, so brach er der blümen mit mengem minnek-
lichen gedanke und trüg sü in die celle und raachete ein schapel
dar US, und gie hin in den kor ald in unser frowen kapell und
1 von geistlichen dingen oder gotlichen A^ 2 war M 8 herzlieber M
10 lieber S 16 und m. mund fehlt M 24 dar in fehlt M 27 blumlü]
blümen P ernst entspriiigent M 30 dez ersten fehlt S gememdi A
sinem MA^ 31 f. innekl. K 32 e. rainklich schapel M
18 V'gl. I Kall. 16,7. 21 fl'. Das Glücktvünschen und Beschenken
beim Tragen eines neuen Kleides ist noch jetzt in ^Schwaben Volksgehrauch.
knöwcie für die lieben frowen demütekücb, und saste ir bilde da/
miDneklich scbapei iif in der meinan^e, wan si der aller scboiist
bIQin were and daz si sinee jangeD herzen sunierwunne weri. da/,
si den ersten blüoien von ir diener uit versmaiieti.
ö Eins males do er die echunen also liate gekr&net, do was im
%'or in einer gesibt, daz der bimel offen were, nnd sab die liebten
engel klar uf nnd ab varn in lichter wat. Also hört er daz aller
schönet gesang in dem himelschen hoi'e von dem frolichen ingesinde,
daz ie gehöret ward. Sü snngen sunderlich ein gesang von unser
lu t'rowen, daz sprach als recht süzeklich, daz es sin aele von grosser
Wollust zerfloste, und was dem glich, daz man von ir singet an aller
heiligen tage an der sequenci: Illic; regina virginuui, traus-
cendcna culmen ordinum etc.. und ist der sin dez gesanges,
wie da rein küngin obswebt in ereu nnd wirdekeit allem himelschen
15 her. Er hob och uf und sang mit dem himelschen ingesinde; siner
sele bleib do vil hindisches smakes und jamers na gote.
Dar mi einest do bat er ze ingendem meyen siner aller liepsten
biraelschen frowen na gewonlieit ein sohapcl von rosen uf gesezzet
mit grossem andabt, und dez selben morgens frfi, won er neiswannen
•20 komen waz und müd waz, dez wolt er im selb gnügd an schlafen
han gcstatet und [48'] wolt die jnngfrowen ze der stund nit han
grüzet. Also do es zit waz nah siner gewonheit und er uf solt stan,
do waz im ze glicher wise, wie er were in einem himelschen köre,
und da sang man den Magnihcat gotes miUer ze lobe. Du daz us
ü5 kam. dt) trat dü jungfrow diTt her für und gebot dem brftder, daz
er an vieugi den vers: 0 vernalis rosuln, daz sprichet: o du
fines sumerliohes r&seti! Er gedabte, waz si da mite nieiudi, nnd
doch wolt er ir gehorsam stn und bfib an mit einem frättchen gemüte:
0 vernalis rosula, und zehand ire drie ueis viere jungling des
8 8. herzen jungü s. M 4 versiuahen K 10 sÜKzeklich reht M
■ iaiäRt.M 11 zerflosB PJ/ 12 sequeniz M IQ Umelsioakx M 2Ü dea|
do M gnSg SM 22 gegrüzt .^'M 'i7 suniiTrSseliti Jlf 29 neis] ald K
r M
12 f. lUic — ordinum, ej^citnet np*td Dominum, noslrorum laptas crimi-
num, i»l eine Strophe des Ht/mnus Sapertiae matrin gaadia , rtpraaentet
eeeUtia (con Adam von Si. Viklor verfaaxt) : t'pl, Ckevalitr, Eepert. hymnalog.
Nr.l9S33 11,030/. (IJI,S87I.- Mone, Lat. Hymnen 111,10: Daniel, Theft.
hymn. V, 109. 36 Se/iuem über die Antiphon Alma redtmpiorin mnUr,
vgl. Gull Morel, Lai. Hi/mneu den MiitelnUer» IS6G, 139: Chemiici a. a. ü.
jVi-, 1.1879 II, :m:
112 Leben Senses. Kap. XXXVI.
faimelschen ingesiades, daz in dem köre stand, viengen an mit im
ze singen, dar na du ander schar ellA sament widerstritz, and sungen
so wol gemutklicfa, daz es als susseklich erschal, als ob ellü Seiten*
spil da erklungen; und den überschal mohte sin tödemlichu natnre
nit lenger liden, und kam wider zu im selben.
An dem nehsten tag nah unser frowen tag Assumptio, do ward
im aber grössu fröd erzöget in dem himelschen hofe, and wolt man
nieman hin in dar zu lassen, der unwirdeklich dar keme. Do der
diener gern heti hin in gedrungen, do kom ein jungling und kripft
in mit der hant und sprach: „gesell, du hörest iez ze disen ziten
nit hin in; belieb hie usse, du bist in schulden, nnd müss vor diu
missetat gebüzet werden, e daz du daz himelsch gesang magist
hören« ^ Und fflrt in neiswa hin einen krumben weg in ein loch
ander der erde, daz waz vinster und waz öde nnd jemerlich gestalt.
Er enkonde nob hin noh her komen als eine, der gevangen lit, da
er weder die sannen nob den man mag gesehen. Diz tet im we,
und vie an ze sAfzen und sich übel gehaben umb sin gerangnust.
Dar na schier do kom der jungling zA ime und fraget in, wie er
möhti. Er sprach: „äbel, übel!*' Do seit im der jungling also:
„wüssist, daz du obrest fürstin von himelrich ieze mit dir zürnet
umbe die schulde, dar umbe du och hie gevangen bist ** Der diener
erschrak gar übel und sprach: „owe mir vil armen! waz han ich
wider si getan?" Er sprach: „do zürnet si, daz du als ungern von
ir brediest ze ire hohziten; und gester an [49'] irem grossem hohzit
verseitest du diner meisterschaft, daz du nit woltest von ir bredien.** :
Er sprach: ^owe, gesell und herr mine, lüg, mich dunket, daz si
als reht grosser eren werd sie, daz ich mich ze klein dar zu dunke,
und bevil es den alten und den wirdigen, da mich dunket, daz si
wirdeklicher kunnin von ir bredien denn ich armer mensch.** Do
sprach der jungling: „wüssist, daz si es gern von dir hat, und ist :
ir ein generaer dienst von dir. Dar umb tu es nit me!" Der diener
vie an ze weinen und sprach zu dem jungling: „ach herzklicher
2 widerstrit SPMA^a 3 erhal S 5 lenger fehlt M 6 assump-
tionis Ka^ 9 e. gross jungling S begreif .S' 10 mit] bi SM 13 nais-
wi K 14 und waz jem. g. M 15 lit] ist A^ 16 den sunnen n. die
man S 19 übel und ü. M 29 von ir k. -5'
6 AUo am 10. August. 15 In einem lieft-n Burgverliess; vgl,
Lanzelot 1680: In einen tum er in warf^ Da er fnmnen noch den mänen sach
{A. Schultz, Das höfische Lehen I- (I889)y 44 f.).
Leben Seuse«. Kap. XXXVI. 113
jangling, versun mir es gen der reinen mfiter, wan ich geloben dir
bi miner trüwe, daz es mir nit me beschiht." Der jungling lachete
nnd tröste in gutlich und ffirt in nsser der gevangnüss wider hein
und sprach: ^ich han es an der himelfürstin g&tlichem antlüt und
5 Worten, die si hat gen dir, gemerket, daz si wil, und hat iren zorn
gen dir ab gelan und wil iemer mfiterlich trüwe gen dir han."
Er hate do ein gewonheit, so er uss der celle hin ab gie ald
hin wider uf, daz er gewonlich sinen weg machete dur den kor für
daz sacrament, und gedaht also: swer einen herzklichen fr&nt ienc
10 nf siner Strasse hat, der machet sinen weg gern enklein dest lenger
dur eins lieplichen erkosens willen.
Ein mensch begerte einer vasnaht von gote, wan er si von
keiner creatur haben wolte. Und in einer entgangenheit siner sinnen
do waz im vor, wie der lieb Cristus kemi in gende in der gestalt,
15 als do er XXXjerig waz; und meinde, er wölte im sin begirde er-
füllen und ein himelsch vasnaht machen, und nam einen becher
mit wine in die band und bot in den drin menschen, du och da
Sassen ob tische, einer nah der andren. Du erst seig da nider kraft-
los, du ander ward och enklein swach, aber du drit ahtet sin niht.
20 Und seit im do den underscheid eins anvahenden, zünemenden und
volkomen menschen, wie sich die misslich haltent in götlicher
süssekeit.
Mit disem und derley götlicheu kosene nam du red ein ende.
Si screib es alles an heinlich und sante es neiswa hin ze gehalten
25 und ze verbergen in ein beschlossen lade. Eins males do kom [49'']
ein gutü swester zu der, du es behalten hate, und sprach also: „eya,
liebü swöster, waz hast du verborgens götliches wunders in diner
lad? Lüg, mir waz hinaht vor in einem trome, daz ein junger
himelscher knab stünde in diner lade, und hate der ein süsses seiten-
1 ez mir M 7 am Bande Nö bn (= Nota Bemhardus) A 8 hin w.
hin uf 3f 9 also fehlt S 13 Vergangenheit P eigenheit A^ 16 und im K
18 seig] sag M 24 behalten M 25 lade] lande S 26 du — hate fehlt A^
28 in einer gesiht M
14 f. Als ydanger, zierer ÄeiTc**, „ö/ä er waz umb drizzig jar^ (d, h, zur
Zeit seiner öffenüichen Wirksamkeit) erscheint Christus auch den mystischen
Nonnen in Engeltal, Adelhausen, ünterlinden, Töss; vgl, E, Krebs, Die Mystik
in Adelhausen (in „Festgabe"" für H, Finke 1904) 93 A. 3,
H. Seme, Deutsche Schriften. 8
114 Leben Seuses. Kap. XXXVII.
spil in sinen banden, daz man nemmet ein roböbli, und da machet
er nf geischlich reyen, die waren als reislich, daz menlich dur von
geischlichen last und fröd naro. Ich bit dich, gib es her us, daz
du beschlossen hast, daz wir endrü es och lesen. ^ Si sweig und
wolte ir nit dar von sagen, wan es ir waz verboten.
XXXVII. Kapitel.
Wie er üpigd menschen z6 gote zoh nnd lidendü mensehen
tröste.
Es waz der diener einest lang zit gewesen, daz er siner geisch-
lichen tohter nihtesnit hat enboten. Do screib si im einen brief, daz lo
si wol bedörfte, daz er ir etwaz enbuti, da von ir lidendes herz er-
lupfet wurdi, und sprach also: ein armer mensch nimet im selb
ein trßstli dar ab, so er etlichü noh ermrü menschen vor im siht,
denn er sie, und ein lidender mensch gewinnet ein gfit mütli, so er
höret, daz ander sin nahgebur in noh grösren nöten sind gewesen 15
und in got dar us hat gehulfen.
Und screib ir also: dar umbe, daz du dest gedultiger siest
in dinem lidene, so wil ich dir got ze lobe etwas von liden sagen.
Ich wüste einen menschen, uf den vielen von gotes verhengde ber-
lichä liden an sinen fürnemen zitlichen eren. Des selben menschen 20
gütü begirde lag dar an alzemale, daz er got von ganzem grund
sins herzen begerte minnen, und daz er daz selb minneklich liep
allen menschen mohti wol gelieben und von aller ander üpiger
minne ziehen; und daz geschah och an vil personen, baidü mannen
und frowen. Da er dem tüfel daz sin entfröradet und es gote wider- 25
brachte, daz mute den bösen geist übel, und erschain guten menschen
vor und trowte im, er wölte sich an im rechen.
1 rubobli M robobli Ä' roddel P 3 und frod fehlt M 4 lesen]
losen K 5 w. verborgen APKM verborgen waz S 10 nütz M niht S
11 dorfte K 16 geholfen hat M 20 zitl. fehlt Ä' 23 f. üppiger ander
in. 3/ 26 einem guten ni. S
1 robobli (Lextr II, 513: rubeblin) = KuJttbe, rebeU, rebec, arabisch
rebah, eine kleine eweisaitige Geige, Taschengeige, roddel (F) = rotte (Lexer
II, 509), eine Art Zither oder Harfe, später identisch mit dem PsaÜerium,
Vgl. 0, Fleischer bei H. Paul, Grundriss der gennan, Philol III (1900), 672 f.;
A. Schulte, Das höfische Leben I-, 554 f.
taeusea. Kap. SSSVH;'- '
Sunderlich do kom er aineet zö eitn kloster eine aöUcheii
ordenR, in dem die geiscfalichen herren pllegent ir anoder woiidq;
haD nnd die geiBcliliclien frowen ir ordens och siiiider ze sine. In
rlem kloster dti waren zwo geiachlich nnd vil gewesen personen, ein
5 man nnd ein frowe. an [50'] einander verkleil)et mit grosser minne
nnd scbcdlicher hainliehi; und daz hate der tiifel bedeket in ire
baidcr blinden herzen, daz sü die iniRHctat an sahen, als ob es kein
fcelirest noh siind weri, und in von got weri geurlobet. Do der
diener de» bainlicb gefraget ward, ob es also mftbti bestan in goles
ui willen in der warheit, do sprach er: „nein, mit nihtfi!" und seit in,
daz daz lieht falsch were und wider crietCLlich lere, und schäf, daz
sü dnr von Hessen nnd sich luterlich dur na hielten.
IJiider daunen do er daz tet, do waz ein heiligü person, hiess
Anna, an ir andaht und ward verzuket in dem geiste, und da sah
15 si, daz ob dem diener in den lüften ein gri°iB8Ü sclisr tüfellicher
geister sieb samnetan, nnd die sehrüwen alle eament: „mord und
mord Aber den bösen niünch!" Sä schalten und flftcfaeten ime dar
nmbe, daz er sü von der selben gevelligen »tat vertriben hate mit
einem rate, und swfiren dez alle sament mit fraidigen geberden, daz
20 BÜ ieiner w<in uf in stellen, daz sü sich an ime gerechin, und
wan BÜ im weder an übe noh an gftte nit mübtin 7-fi körnen, daz
sü in doch an der fürnemekeit siner eren vor der weit grosslich
woltin bescbalken. SCi wöltin unerlichü ding nt' in trecheu, und
hflä sieb joch vor ursach, wie gnot er iemer möbte. so woltin sü
25 es doch mit falschen listen zfl bringen, daz es geschehe. Dar ab
erschrak der beiliger mensch gar übel und bat unser frowen, daz
si ime zc hilf kemi in den künftigen nuten. Do sprach d6 milt
müter gütlich zfl ire: „sü mngen im not getün ane mins lieben kindes
rerbenguus; waz der über in verbenget, das ist und wirt sin uehstes
3ü und sin aller bestes. Dar umb haiss iu göten m&t haben!"
2 S. [geiscMcheu] berren phiegen ainer gustlieheo sonder womui^ ujid
die g. fr. och ir □rik'n.'^ besimder sind in dem kloster. Dn waren ... M 4 z.
gar geigcbl, S 7 baiden K 8 im jtf 9 wart gefraget M 15 in dem
Inft M 18 liette vertriben I>M 19 fradigen A mit sinen frdd. g. Jtf
21 nit fehlt M 22 so im M 24 er joch iemer wölte S 28 zfl ir gutlicli 3f
I ff. hopptlkh'gter verachitdentr Oiuleit (Benediktiner, Auguatintrehitr-
herren, Prämofstrattmter), olivnhl vom kanoitüehen Rtehl verboten (c. 33 C.
X VIII y. 3), bestand*» auch im gpättren MittcUdttr eielfach, lo in SüddnUseh-
land tu Zvfitfalttn, Obermaic/ital, Wäsucnau, Säckiiiffen, KStüg^tldtn, iCngel-
herg, St. Johann im Th'irtal, Sylo (i. El»aas}. 14 Vgl. die Aim. tu J03,S.
116 Leben Seuses. Kap. XXXVII.
Do si daz dem brAder geseite, do begunde er ime vil übel
fürten die fientlichen samnung der bösen geisten und gie, als er dik
pflag ze tun in sinen gedrangen, hin nf uf den berg, da ein capell
staty du gewihet ist in der ere der heiligen engel, und gie nah siner
gewonheit betende ze nun malen umb die capell in der ere der IX 5
kören der himelscben scharen, und bat sü ernschlich, daz sü sin
gehilfen werin wider alle sin fiende. Do mornent frfi ward, do ward
er gefüret in ainer gaischlichen gesiht uf ein schön veld. Da sab
er umb sich ein vil gross schar [50^] der engelschlichen jnngherren,
die im woltan helfen. Die trostan in und sprachen zu im also: „got 10
der ist mit dir und wil dich niemer gelassen in kainen dinen DÖten ;
dar umb lass nit abe, du zühest dö weltlichu herzen ze götlicher
minne!"
Hier ab ward er gevestnet und varete genot, daz er wildes und
zames got widerbrechti. Er hat einen fraidigen man umbgangen 15
mit sinen guten worten, der waz XVIII jar gewesen, daz er nie bäte
gebihtet. Der gewan von gote gnad zu im und bihtet im als ruweklieb,
daz sü baide wurden weinende. Der starb kurzlich dur na und nam
ein selig ende. Er hate einest XII gemeiner sünderinn bekert von
ire sündigem lebene. Waz er eblich von dien erliti, daz ist unsag- 20
lieh. Ir bliben aber ze jungst nüwen zwo stet.
Es waren hin und her in dem lande neiswi meng person, fröw-
lich bildes, baidü weltlich und gaischlich, du waren von krankbeit
ires gemütes berlich vervallen in suntlich gebresten. Die armen
töhtran baten nieman, dem sü vor schäme getörstin verjeben 25
ir wetündes herzleid, denn daz sü dik von angstlicher not in die
anvehtung kamen, daz sü sich selber woltan han ertödet. Do du
1 ime vil] sich gar P 3 uf [uf J 6'K 12 du weltl. fehlt M 16 XXVI S
19 gemeiue süuder S gemeiner sünder vil P 20 ire si'ind. leb.] iren Bünden S
ebelklich (so stets) M 21 a])er fehlt M 22 f. froliclies A^ 25 die
hetton M 25 f. ai getörstin verjehen ir schäm ires wetönden berzlaidz M
26 vor M 27 woltin K
27 Selbstmord hezw, Anfechtung zum Selbstmord ist im späteren Mittel'
alter nicht so selten, wie es scheinen möchte. Die Erzählungslittratur^ besonders
Caesarius von Heisterbach (Dial. mirac. 4,4(j—4ö) und Thomas von Chan'
timpre bieten manche Bei^pide, Vgl. auch Vita K. SU: Büchlein von der
Gnaden Überlast 6,K\ und das bei Strauch, Ad. Langmann J17f., Inhofer,
Der Selbstmord lbS6, 344 ff., Schönbach, Über Hartmann von Aue 466 ufid
Michael y Gesch, d.' deutschen Volkes II {18li9t, 'Ju:j A, 1 zusammengesteüte
Material.
Leben Seu8e8. Kap. XXXVm. 117
menschen vernamen, daz der selb diener ein miltes herz heti gen
allen lidenden menschen, do erbaldetan sü sich; daz sü zfi ime kamen,
ein ieklichü zu der zit, so es ir an die not gie, und klagten ime ir
angst und ir not, da mit sü gevangen waren. So er sah du armen
5 herzen in dem jemerlichen lidene, so ward er mit in weinende und
tröste sü gutlich. Er halfif in und wägete dik sin zitlich ere vast
umb daz, daz er in an sei und eren wider gehulfi, und Hess dar uf
Valien mit böser zungen rede, was gevallen mohte.
Unter den andren kom einü zu ime, du waz von hoher geburt,
10 und seit im in der bihte, do . si als gross rüwe umb ire val gewan,
do erschein ir unser frow vor und sprach zu ir also: ^gang hin zu
minem kaplan, der sol dir wider helfen.*' Si sprach: „owe frow,
ich erkenn sin nit.** Du mfiter der erbermde sprach: „lüg her under
minen mantel, da han ich in in minem schirme, und geschow du
15 vil wol sin antlüt, daz du in bekennest; der ist ein nothelfer und
ein tröster aller lidender menschen und [51'] der sol dich trösten."
Si kom hin zu im in ein fremdes land und erkande sin antlüt, als
si es vor in dem geist gesehen hate, und bat in, daz er si begnadeti,
und seit, wie es gevarn waz. Und er empfie si milteklich und half
20 ir wider nah allem sinem vermugen, als im du mfiter der erbermde
hat enboten.
XXXVIIL Kapitel.
Ton einem ril jemerlichen lidene, daz im hier inne begegente.
In sölicher wise kom er mengem lidendem menschen ze hilfe.
25 Aber daz tugentlich gut werk mfiste er vil sur erarnen mit marter-
lichem lidene, daz im dar uf viel. Und du selben künftigü liden
zogte im got vorhin in einer gesiht also:
Er kom einest eins abendes an ein herberg, und do es ward gen
tage, do ward er in einer gesiht gefuret an ein stat, da wolt man
30 niess singen und er solt selber mess singen, wan daz loss waz uf
in gevallen. Die senger hüben an die messe von den martrern:
Multae tribulationes justorum etc., daz da sait von menig-
valtigem lidene gotesfründen. Daz horte er ungern und heti es gern
gewendet und sprach also : „ wafen, wes töbeut ir uns mit den martrern?
7 u. au eren M u. an ere SÄ^ 25 tugentlich nach erarnen P, fehlt K
32 Anfang des Introüus einer Messe von mehreren Märtyrern.
118 Leben Seuses. Kap. XXXVm.
War zu singent ir hut von den martrern, und es hüt enkaines martrers
tag ist, den wir begangen?^ Su sahen in an und zögtan mit den
vingem uf in und sprachen: „got der vindet sin martrer hnt an disem
tage, als er sü ie vand. Berait dich nüwan dur zu und sing für
dich!^ Er warf die bleter dez messbfiches, daz vor im lag, hin 5
und her, und heti gern von den bihtern ald icht anders gesungen
denn von den lidenden martrern; waz er warf und umb kerte, do
stand es alles vol von den martrern. Do er sah, daz es nit anders
mohte sin^ do sang er mit in und sin gesang sprach gar trurklich;
über en kleines wili hfib er aber an und sprach: „dis ist ein setzen 10
ding; man möhti asmer singen: Gaudeamus, von fröden, als von
trurenden dingen, den martrern.^ Su sprachen: nS^^^ gesell, da
waist noh nit. Es gat dis gesang von martrern vor an bin, and
dar na neiswen, so es zit wirt, so kunt daz frolich gesang hinna:
Gaudeamus!" 15
Do er wider zu im selben koro, do erzitert im daz herz ab
diser gesiht und sprach: „owe, got, muss ich aber marter liden?*^
Do er uf dem weg hier ab vil trurklich gebarete, do sprach sin
geselle: „ach vater, waz wirt lich, daz ir als recht trurlich ge-
barent?" [51^] Er sprach: „owe lieber geselle, ich mftss hie mess 90
singen von den martrern,^ und meinde, got der heti im kund getan,
daz er marterlich müste liden. Und dez verstund der geselle nit.
Do swiget och er und trukt es in sich.
Do er hin kom in die stat, daz waz zu der zit in den vinstren
tagen vor den winnahten, do ward er na gev/onheit gestehet mit 25
biterm liden als swarlich, daz in duchte, na menschlicher wise ze
redene, daz im sin herz in einem übe s61ti brechen, ob es keinem
lidenden menschen ie weri geschehen; wan du liden baten in do als
swarlich umbgeben, daz im nit anders entwürte denn ein unverzogen
klegliches entsezzen alles dez, daz sin ufenthalt waz nah nuzze und 30
tröste ald eren, daz den menschen in der zit mag trösten. Daz
biter liden waz also geschafen:
1 war z& — mart. fefüt M 4 fiir A 6 icht] etwas ilf iht üt P
11.15 Gadeamu8 A 13 von den mart. M 14 naiswe K 18 hier ab fthlt
AP da her ah M 19 wurt P 22 mart. liden müsd M 23 swaig SM
24 vinstren] jüngsten M 25 wiheuahten M 27 zerbrechen M 28 gesch.]
gebrochen P 28 du liden du haten 3/ 29 nnverzegen P unverzigens M
31 ald] und M
11.15 Anfang des Introitus der Messe im Commune Virginam non Marty*
mm { IJominikantrritns) utid an den meisten Marienfesten.
Ucter nndren menechen, di'i er gern beti zft got gezogen, kom
zft im ein truglichev ablietiger mensch, du trüg ein wulfin herz under
einem gätigen wandel und barg daz als genote, daz es der brfider
in vil langer zit nie koud gemerken. Du waz vor in gross si'inde
ö and laster mit einem man vervallen und merete ir miBsetnt da mite,
daz si die gebiirt einem andern gab deun dem rechtscliuldigen, der
sich selb wol unschnldig seile der saclie. Dia tohter Hess er ire
missetat nit entgelten und horte ir bihte, und ward im dienstberr
mit noturftigen erberen diensten me denn die andern, nah gewonheit
li> geischliclier li'iten dez landes. die termner heissent. Do daz lang
zit geweret, do ward er und ander warhaftigi'i menschen kuntlich
innan, daz si hainlii^b BÖlicbii bßsö werk treib, als ei oeh vor iiate
getan. Dar zfi Bweig er stille nnd wolte si uit gern melden; er
brach sich aber von ir und von ir dienste. Do si des innen ward,
15 do entbot si ime, er sAlti nit also ttln, und brechi er ir ab dep nuzz,
den si von im hate, dez müsti er engelten, und si wölti im ein kiud
geben, daz si bi ainem weltlichen manne bat gewunnen; de/, kindes
vater müsti er sin, und w61ti in also gesehenden mit dem kinde,
daz er allenthalb ze ruf wnrde.
20 Er erschrak ab diser rede und gestund stille uf im selb und
ersfifzet inneklicb und sprach in im selben also: „angst und not
[ö'J'j hein mich allentbalb umbgeben, und waisB nit, wa ich mich
hin Bol keren; wan tiln ich daz, so we mir, tun ich sin nit, so we
mir aber, und bin also mit wc und not allentbalb umbgeben, daz
25 ich dar inne mfihti hesinken." Dez wartet er mit erschrokera herzen,
waz got dem tiifel w61ti über in Verheugen. Er wart ze rate mit
got nnd mit im selben, daz under den zwein jemerlicben geteilten
im weger wen, baidö an sele und an iip, der vonker von dem
S gAleii F 6 (Isz et] nod gal) M 9 ootdArf tigern crberem dienst 3f '
10 tenimer A tcrinner P U wilrhaften M 13get«ii] getribcn S 19 er]
es iU 25 mit eraclir. herz, fehlt M 27 jcmerl. fthll S
10 Jedti- Konttnt bei den BeUelordeti liaUi: ein genau beelimmUs Gebiet
flermini, dtutfeh Itrminie), in den tr allein (lau liecht bctasg, tu predigen und
Almtitm !u xammeln : vgl. die Erklärung ätn JnU. Meyer in neiniin ^Ämtrr-
huch", Freib. Diüt.Archiv XIII (ltifif)),307 f. und Fontana, Constitutionea tte.
leöS, 634 f. Terminiere tind Abnatentiammler , nach Ducange-Faitre VIII,
esf. aber auch Manche, „qui kabrndis per ngros cuique conveittui addietos
ooneionibus deslinanlur." Beides Tar itohl oft vereinigt.
23 f. Vgl. Dan. 3:i,TJ.
±J
120 Leben Seuses. Kap. XXXVni.
bösen menschen, wie es joch umb die zitlichen ere iemer gefure.
Und daz tet er.
Hier umb ward si so grimme über in mit ir freidigem herzen,
daz si lüf hin und her zu geischlichen und weltlichen, und wolte
von ire unmenschlichen bosheit sich selb lasterlich geschenden, dar
umbe daz si den armen man möhti in erbeit bringen, und seite
menlich, si hete ein kind gewunnen, und daz were dez selben brfider.
Dar ab ward vil gross unbilde in allen den menschen, die ire Worten
gelopten, und ward daz unbild so vil dest grösser, so vil sin für-
nemü heilikeit verrer waz erschuUen. Daz trang im dur daz inni- ]
gost gemarg sines herzen und sele, und gie sinkend in im selb mit
jamer und not umbgeben und hate lange tag und streng nehte, und
sin kurzes rftwen waz mit schreken vermischet. Er sah vil kleglich
nf ze gote und sprach mit inneklichen süfzen also: „owe got, min
jemerlichü stunde ist komen! Wie sol ald wie mag ich die eilenden ]
not mins herzen iemer erliden? Owe got, wan weri ich tod, daz
ich den jamer weder sehi noh horti! Herr, herr, nu han ich alle
min tag dinen wirdigen namen geeret und vil wit und breit mengem
menschen geliept und zc erene geben, und du wilt minen namen in
gross unere verwerfen ? Daz ist min grossü klag ! Lüg, der wirdige 2
bredierorden der müss nu von miner person also geswechet werden ;
daz klag ich hüt und iemer me! Owe der not mins herzen! EUü
du reinü menschen, du mich vor baten in eren als einen heiligen
man, da von mir ein guter müt uf stund, we mir, du sehent mich
nu an als einen bösen trieger der weit, dar ab min herz und sele s
durwundet und durschossen wirt!'*
Do der arm lider in der klag waz neiswi lange und im lib
und leben swein, do kom ein fröwlichü person zu ime und sprach also:
„eya, gfiter herr, wes [52^] verderbent ir üch so gar kleglich?
Gehabent üch woll Ich wil raten und helfen, wend ir mir volgen, £
daz üch nit wirt an üwren eren. Dar umb sint kcch!" Er sah nf
und sprach: „owe, wie wilt du daz zu bringen?'' Si sprach: „da wil
icli daz kindli under minen mantel heinlich nemen und wil es nahtes
also lebend begraben ald im ein nadlen in sin hirni rihen, dar ab
9 «0 vil so M 9 f. füriieinü beil.] fürueiiiikeit P 10 waz verrer M
10 f. inrosto mar«,^ S 12 und mit not M 13 mit fehlt M 14 inneclichem K
jemerliclien S 15 [wie] mag: ^^ 16 wan] und M 18 mengen K 21 also
jelilt M 23 [du] reinü K 25 und min sei M 26 durschüssen] durstochen P
28 frolichü AM 29 iich selb M 34 Iiirnli P hirn .1/ rihten M stechen S
Leben Seusea. Kap. XXXVIII. 121
es tnüss sterben; und so daz kind her under kumt, so gelit du bös
red ellü sament^ and blibent an uwren eren.^ Er sprach mit
>vütender stimme: ^owe, du bösü morderin, dines mürdigen herzen!
Woltast du daz unschuldig kindli also töden? Waz mag es, daz
:o sin mfiter ein bös wib ist? Wilt du es also lebend begraben?
Nein, nein, das enwell got nit, daz daz mord iemer von mir bescheh.
Lüga, daz wirst, daz mir dar inne mag beschehen, daz ist ein
berobung miner zitlichen eren; und stundi eins ganzen landes welt-
lichü ere an mir, die wil ich hut alle dem werden got uf geben,
10 e daz ich daz unschuldig blfit well also lassen verderben^. Si
sprach: ^nu ist es doch üwer kind nit, waz band ir denn not dur
mit?*" und zoh us ein scharpfes spizzig messer und sprach: „land
mich es ainend ab von üwren ogen tragen, so riss ich im die kelen
ab, ald ich stich im dis messer in sin herzli, so ist es schier tod
15 und ir koment ze rftwe." Er sprach: „swig, du unreine b6se tüfel!
Sie wes es welle uf ertrich, so ist es doch nah got gebildet und
mit dem kostberen Gristus unschuldigen blfit vil sur erarnet; dar
umb wil ich nit, daz sin junges blutli also vergossen werd.^ Si
sprach mit ungedultigen werten: „wend irs nit lassen t6den, so
20 land es doch heinlich eins morgens frfi in die kilchen tragen, daz
im geschech als andren verworfnen fundnen kinden; ald ir mussent
aber gross kost und unlidkeit dur mit haben, e daz daz knebli werd
erzogen". Er sprach: „ich getrüwen dem riehen got von himel,
der mich bis her alleinen hat beraten, der berat mich och wol selb
25 ander." Und sprach zft ir: „ga hin und bring mir daz kindli vil
heinlich, daz ich es gesehe."
Do er daz kindli uf sin schoss gesaste und es an sah, do
lachet es in an. Do ersufzet aber er als grundlosklich und sprach :
^solti ich ein mich anlachendes hübsches kindli töden? Zwar nein
30 ich! Ich wil e gern liden alles, daz [53'] dar uf mag gevallen".
Und kerte sich zärtlich zfi dem kind und sprach disü wort: „owe,
du eilendes armes kindli, wie bist du so gar ein armes weisli!
Wan din eigne ungetrüwe vater der hat din verlögent, diu mürdigü
mfiter wolt dich hin werfen als ein ungenemes, hingeworfens hündli.
35 Nu hat gotes verhengde dich mir geben, daz ich sol und mftss din
vater sin, und daz wil ich gern tfin; ich wil dich haben von gote
3 du b. m. ASPK 7 wirst] hoste S 14 dis] dz M 17 dem] des M
21 mussent] werdent S 22 mit im S 32 du vil armes eil. k. S [du]
so PKM 33 mürdigü fehlt S 34 hündli] kindelin .S
122 Leben Seuses. Kap. XXXVm.
und von nieman anders^ <nnd wan mir der lieb ist, so mftst ocb
du min Hebs kindli 8iD>. Ach herzenkind mins! Da rizest uf
miner trurigen schösse und sihst mich gütlich an, nnd kangt doch
nit sprechen. Ach, so sich ich dich an mit verwundetem herzen;
mit weinenden ogen nnd mit kössendem munde begiss ich din 5
kintliches antlät mit dem bache miner heissen trehen.*' Do dem
hübschen kneblin des weinenden mannes gross trehen ober sinä
6glü als yast ab runnen, do ward es och herzklich weinende mit
ime, und weineten also beidä mit einander. Do er sah daz kindli
also weinen, do trukt er es lieplich an sin herz und sprach : „swige, 10
gelükd mins! Ach herzenkind mins, sol ich dich t6den, dar nmb
daz du min kind nit bist, und daz ich dich sur erarnen mftss? Ach
schönes, liebes, min zartes kind, Iflg, ich enmag dir reht einkein
leid tön, denn daz du mflst min und gotes kind sin, und die wil
mich got beratet eins einigen muntvols, den wil ich mit dir teilen 15
dem minneklichen got ze lobe, und wil alles daz gedulteklich liden,
daz mir iemer dar uf mag gevallen, zartes min kind!*'
Do dis weinlich zarten sah und horte daz grimm herz dez
wibes, du es vor wolt han ertödet, do ward si als herzklich bewegt
ze grosser erbermde, daz si erbrast an ein weinen und an ein 90
hüwlen, daz er si müste stillen, wan er im vorte, daz etwer kemi
und daz man es innen wurdi. Do si sieh wol erweinete, do bot
er ir wider daz kindli und gesegnet es und sprach also: „nu
gesegen dich der minnekliche got, und die heiligen engel beschirmen
dich vor allem übel!" und hiess es mit siner kost wol versehen 25
«n siner noturft.
Dar na neiswen do gie daz bos wip, dez kindes müter, zft,
und als si den brüder übel hat gemasget, daz tet si noh fürder-
licher, wa es im mohte geschaden, daz er hie von mengem reinen
tugenthaften herzen ward ze erbarmen und ir [öS""] von in dik 90
ward gewünschet, daz si der gerehte got ab der erd nemi. Daz
Iftgte sich ainest, daz siner li[)lichen fründen eine zft im kam und
sprach: „owe, herr, dez grossen mordes, daz daz b6s wip hat an
üch begangen! Waiss got, ich wil uch an ir bederptlieh rechen:
If. und wan — kindli sin M, fthlt ASFKA'afUS' 13 kain SM
15 mnnt vollen M 18 wainklich M 20 enbrast M 21 hüwlen] htiiien S
won er kam in vorbt M 25 m. sinen kost<'ii F versoijjron S BO tugenth.
fehlt 6' 34 brderklich SM
24 !>/. I Mos. 48,16,
a SeDSH. Kap. SXXVm.
12a I
icb wil mich hcinlicli uf die lau^n briigß'e ntelIeD, tili über duz
waEBer get, nnd so si etwa da her über gct, so wil ich die gotes-
niorderiD hin ab stossen und wil si ertrenken, daz daz gross luori
an ire geioeheu werde." Kr sprach: „neina, fründ mine, daz
5 enwell got nit, daz kein lebender menech von minen wegen ertödet
werde. Waiss got, der ellü verborgnü ding walxR, daz si mir mit
dem kinde unreht hat getan; so hevil ich die Sache in sin hand,
daz er si schier töde ald leben lasse nah einem willen, und sagen
dir: w6lti ich min sei an ir tode übersehen, so wÖlti ich doch aller
10 reinen frowen namen an ir eren, und wälti si lassen genesen," Der
man sprach vil übellich: „mir wen ein wip ze tfiden als ein man,
dn mich also w< beschalken." Er sprach: „nein, daz weri ein
unvernünftigü geborschheit und ein übelstendü freidikeit. La dar
von und lass reht her wichen, lass alles äat liden her komen, daz
15 got von mir wil gellten haben!"
Do daz liden vast wai'd wahsende, do überwand in einest sin
krankes gemüte, do siner not als vil waz, daz er gern Im selb in
sinem lidenne etwaz behulfenheit und ergezznng heti gemachet. Und
gie US und söcbte trost, sanderlicb von zwein fründen, die sicli, die
20 wil er dennoch nf dem glükrad sass, gen im baten bcwiset, als ob sü
getrüw gesellen und fründ werin; und da wolt er suchen trost
sinem lidentlen herzen. Ach, do Hess in got innan werden an in
baiden, daz in der creatur nüt gantzheit ist! Wan er ward von den
selben und von ire geselleschaft berlichcr under druket, me denn er
26 vor von gemeinem volg ie ward. Der ein gesell enplie den lidenden
brftder vil faertklich, und kerte sin antliit von im unwertlich und
gebarte mit sinen schnidenden Worten vil schmählich; und under
andren verserenden worten, die er gen im ledde, hless er in, dax
3 bin öher ab Äf 6 verhürgnft fehlt S 9 dir nach ich duriiistr, A
IS eebrtrachiiit M 16 wil von mir .1/ gel wil li. SP 17 f. im selb nach
lidenne M 21 sin getr. fränd imd ges. M 23 [nüt] gaoEhait mit ist (!) M
24 barlioli undergedmkt M 26 vil iiert M 28 versereten SA^ redik] del S
1 WM dit Rheinbrüekt bei Konttaitg. 2 f. gotesniorderin = »acri-
Itga, mtgtn ihrtt an einer goltgtveihtai Pcrton veräbUn J-'nnuiU. 20 g\dk-
rad, das sich lirehemh Rad de» Glückn (Lexer I, 829), ah Bild du Ktehgeln-
dtn Schtekiials. litt Vorslülutig tehoH bei Oriyene», In fit. 76,21 (Pitra, An.
Mcra HI, 109) und Boethius, Cims. phil. 3,3. Zur Literatur: WacherHagtl
in Zfdn VI, IS* ff..- Vogt in Zechr. dte Vertin» f. Volkskunde III, 349 ff.
IV, 195 ff.: Weinhold in Silsungabtr. der Berliner Akademie 11)03: J. Sann;
Symbolik des Kiichti^gehäudea 19()2,S72ff.
1 24 Leben Seuses. Kap. XXXVm.
er im nit me heinlicli were, waii er schamti sich siner geselschaft.
Ach, daz durtrang alles sin herz, und [54'] sprach vil ellendklich
hin zfi inie: „owe, lieber geselle, werist du von gotes verhengde in
<lie trüben lachen geworfen als ich, werlich, ich weri zu dir hin
in gesprungen und heti dir fruntlich her us gehulfen. Owe jamer, 5
nu gnüget dir nit, daz ich tief in der lachen vor dir lige, da
wellest och dur zu uf mich treten! Daz klag ich dem eilenden
herzen Jesu Gristi.^ Der gesell hiess in swigen und sprach zu im
vil schmachlich: ^^es hat hinnan fiir umb uch ein ende; man sei
nüt allein üwer bredien, wan sol och iiwrü bücher, die ir gemacbet lo
heind, verwerfen." Er entwürt vil gnedklich und sah uf ze bimel
und sprach also: ^ich getruw dem gAten got von himelricb, daz
miuü bücher sülin noh werder und lieber werden, denn 8ü ie
getaten, so es nu zit wirt." Sölichen kleglichen trost enpfie er von
sinem besten gesellen. 15
Im waz in der selben stat unz an die selben zit sin noturft
vil wol zfi gevallen von gutherzigen menschen. Und do er also
mit disen falschen meren zfi in vertragen ward, weli disen mer-
sagern wider in gelopten, du zugen ir hilf und früntschaft von im,
unz daz su von der götlichen warheit vermant wurden, daz sä einen 20
bekanten widerker zfi im wider namen.
Eins males do saste er sich in ein stilles rüwli und vergiengen
im nciswi die würkliche sinne und duht in, wie er weri in ein
vernünftigs land gefüret. Da sprach neiswaz in dem grund siner
sele also: „hör, hör ein trostlich wort, daz ich dir wil lesen." Er 25
bot sich dar und loset genote. Do vie es an und las du wort in
latine, und ist daz capitel ze noue an dem heiligen abent ze win-
iiahten: Non vocaberis ultra derelicta etc.; daz sprichet ze
tütsch: „du ensolt nu furbas nüt heissen du gelassen von gote, und
diu ertrich sol nüt heissen daz verwüstet ertrich, du solt heisssen: 30
1 sich] si M 7 icli J'Mt K 10 predie M 13 sülin fehlt M
15 siiKMi Kcc gesellen fehlt S 18 discm v. mär M 18 f. mertagem S
vers;i<rerii ^1* 20 initliclieii M 24 dem] den K 25 daz] was K 27 an
dem h. wincchtabeiit S 28 vociibLs (!) M 29 nit nu haissen fürbaz M
15 Unter den Freunden^ die sich Ini dieser Gelegenheit von Seuse a6-
irandteitj befand sieh uUem nach auch Heinrich mn Nördlingen. Derselbe
schreibt Ende 1H47 oder Anfang 134S von liasd aus an Maryareta Ebner:
„mein hertz haltet nit m'jr zu dem Siisen^ als es et wan ttt; bit got für unsM
leid" (Strauch, Marg. Ebner LJ.i^üf. u. Anm. 6\ 3öSi. 28 ff. Is. 62,4.
Kap. XXXVni.
gotea wille ist in ir, und din ertricb wird gebuwen, wan der bimelsch
vater bat im selb ein wolgevallen in dir." Do es disii wort n»
gelas, do vie ea du selben wort wider an aber und aber ze lesen»
wol ze vier malen. Er epracb von wnnder: „liebe, waz meinest
3 du, daz du mir diso wort als dike vor sprichst?" Er spracb: „daz.
Iftn ich dar umbe. daz ich dich vestne gote ze getrüwen, der siner
fründ ertrich, daz ist [54"] ireu t&demliebea lip och verseben wii
an siner notnrft, und wa es in einend ab gat, da wil er andrent
zfi fügen, dez sü bedürfent; also wil dir got och vaterlich tun."
D Daz geschah alles in der warheit als kuntlicb, daz meng herz voq
fröden ward laehent und got lobend, dero ogen dur vor waren von
mitliden weinende worden.
Dem ltdenden man bescbah do, als so ein totes geschunden
tierli von den wilden tieren zerzerret ist und nob etwaz smakes da
i ist beliben, als denn ze jungst die hungrigen brcmen dar uf vallent
mit ir geselleschaft und daz genagen bein zemal enpU'izent und daz
usgesogen mit in verfürent in den luft: also ward er jemerlich zer-
tragcn in verrü land von derley gttschinenden menschen; und sii
taten daz mit sch&ner rede und mit bedabten klagworten in er-
j z6gung früntschaft, da kein trüwe waz. Hier inue so schose im
etwen ein ungedank in sin herz also: ,acb lieber got, der von JQden
ald von beiden atd offnen snndern allein liddi, dem k6nd man etni
getan; ah schinent disii menschen din göten fründe, di mich da so
swar pingent, und dar umbe ttit es so vil dest wirs." So er aber
y zii im selber kom und es mit rehter bescheidenheit an sah, so gab
er in enkein schulde, denn daz es got dur nü beti gewiirket, und
daz er es also s<i erliden, nnd daz got dik sin fnind dar sin
fründ bereitet zä dem besten.
Snnderlicb einest in sines gemütes lidendem gegenwurf ward
3 also in im gesproclien: „gedenk, daz Cristns nit allaiu wolte sinen
lieben junger Johannes und den getrüwen sant Peter in einer reinen
geselleschaft han, er wolt och den b&sen Judaz bi im liden, und
dn begerest ein nahvolger Cristi sin, und wilt nngern dinen Judaz
liden?" Dez entwürt geswinde ein inschiessender gedank also:
t ir] liir S 6 geapricheat M 6 der] da» er MA^ 1 dolüchen P
8 ainhalb M Bf. nnderhaJb z. L in, dez b. b. M 11 f. dero ogen din und
dur waren mit lideu dem wainent worden (?) .V 13 do er als uin M 14 zer
zersl |!) M smakea] markea M 16 benagten M 17 nsg. bl&t P so
jem. M Ifl f. Worten nnd erzaiguiig M 30 in im fehh S zfl im M daz
fthU M »4 Pez] das K da/ M
126 Leben Seuaes. Kap. XXXVni.
^owe herr, heti ein lidender gotesfründ nöwan einen Jadas, so weri
^B lidig; 80 sint ze disen ziten alle winkel vol Jadaz, nnd wenn
aine ab gat^ so koment vier ald fünf her für.^ Diser red wart
von innen geentwürt also: „einem menschen^ dem reht ist, dem sol
kein Judaz Jndaz sin in einem sinne, er sol im ein gotes nütwärker 6
ein, dur den er sol ns gewürket werden uf sin bestes. Do Judaz
Gristus mit dem kuss verriet, [55'] do namde in Gristos sinen fründ
und sprach: „fründ mine etc.*'
Do sich diser armer man neiswi lang also geleid vil eilend-
klich, do hangete er dennoch an einem vil kleinen trösdin, daz alle 10
sin ufenthalt waz, und daz waz, daz du trnkendü burdi dennoht
nit für die rihter und prelaten dez ordens waz komen. Dis trftstli
zukte im och got ges winde, wan du obrest meist^rschaft über allen
orden und du meisterschaft über tütscbes land kamen mit einander
in die stat, da das bos wip den biderman hate an gelogen. Do 16
der arme man anderswa wonende disü mer erborte, do erstarb im
sin herz ingruntlich und gedahte: „wie die meister dem b&sen wibe
wider dir gelosent, so bist du tod; sü legent dich in ein sölichen
notstal der bfisse, daz dir vil weger weri ein liplicher tod." Daz
pinlich gedrang weret XII tag und naht an einander, daz er der 20
marterlichen büss wartend waz, wenn sü dar kemin.
Elins tages von menschlicher krankheit brach er us mit un-
geberden und mit unsitiger gehabd von den nöten, in den er was,
und in der kleglichen gehabd dez inren und dez nssern mensehen
gie er einend ab von den lüten an ein heimlich stat, da in nieman 25
sehi noch horti, und undenvilent so Hess er die grundlosen erholten
süfzen. Nu waren ime die trehen in den ogen, denn gnssen sü her
US über siuü wangen abc. Er enkond von angstlicher not uf im
selb nicne still hüben: nu sass er geswinde nider, denn so wüst er
2 vol] von K won M 5 mitwürken ÄSP 12 rUiter waz komen
und (die S) prelaten S'P 13 f. allen orden und du rot durchMir,^ aber wieder^
hergefftellt : meisterschaft über (vor tütsch. 1.) am Bande nachgetragen A
15 biderben man SM 20 wol zwelf t. M 23 unsiniger ASPA^ von
— 24: gebabd fehlt PK 26 so f€?tU M erholten grundlosesten S 28 von]
vor M 29 wischt M
8 Matth. 26,50. 13 f. l)er Ordensgeneral und der Provineial von
Deutachland (Provinz Tentonia), 16 In Ulm, wohin er um 1348 versetii
wurde. 19 Über die Bestraf umj der peccata carniSj die besondere etreng
geahndet icurden^ vgl. Konstitutionen I, lö: De graviori culpa (ALKGM /, 209;
K, 647),
Leben Sense». Kap. SXXVm. '
iif uud luf hiu und her in der katner als ein meDBch, mit dem
nngst und not ringet. Denn stiees im ein gedank her dur sin beiz,
und Bpracli mit zitrender, einredender Etimme also: „owe got, waz
meinst da mit mir?" Under dannen, do er in der kleglicben un-
5 geliebd waz, do sprach neiswas von got in ime also: „wa ist na
din gelassenbeit, wa ist glichstan in lieb nnd in leide, daz du dik
hast andren läten f'r6lich geliept, wie man sich gote lidklich sül
lassen und uf niht beliben?" Dez entwürt er vil weinlich hin
wider nlso: „fragest du mich, wa min gelassenheit sie, eya, so sag
10 du mir, wa ist gotes grundiosü erbarmberzikeit über sin frtinde?
Ich gan doch hie wartende, und bin in mir selb verdorben als ein
verteilter man libes und gutes and eren. Ich wände, got weri milt,
ich wände, er weri ein gnediger, tugenthafter herr allen den, die
sich getorstiu an in gelassen; owe mir, [55"] got ist an mir erzaget!
15 Owe, dii milt ader, du nie erseig an erberrode. dft ist an mir armen
ersigen! Owe, daz luilt herz, von dez miltekeit ellü du weit schriet,
bat mich ellendklich gelassen! Er hat sinü sob&nli ogen und sin
gnediges nntlüt von mir gekeret. Owe du gütliches antlüt, owe du
miltes herz, ich heti dir es nie getrüwet, daz du mich so gar hetist
so rerworfenl Owe grundloses abgrönd, kum mir ze staten, wan ich
bin vorhin verdorben! Du weist, daz alle min trost und züversiht
an dir allein Ut und an nieman anderm uf ertrich. Eya, hÖrent
mich bfitc dur got, ellü lidenden herzen! Lügent, es endarf nicman
kein nnbild nemen ab miner nngehabd, wan alle die wile. do mir
25 gelassenbeit allein in dem mund waz mit rede dur von ze sprechen,
do waz mir süss dur von ze redeu; owe, nu hat es alles min herz
durwundet und daz inniges! gemarg aller miner adren und mins
birnis dursofet, daz kein gelid an minem libe niene ist, es sie dur-
martret und durwundet; wie kan ich denne gelassen BinV
30 Do er in diser ungehabt wol einen halben tag waz und sin
hirni verwüstet hate, do gesass er also stille und kerte eich von im
gelb zi^ gotc und cr^ah sich in sinen willen und sprach: „mag es
anders nit sin: fiat voluutas tua!" Do' er also sase in einer
entzogenheit siner sinnen, do duht in in einer gesiht, daz sincr
4 f. ungehttbe SM 5 iin /ihlt M 7 hast trolich a. 1. g. Jf 11 selb
/ehit K 11 f. ein verdorben man der verteilt Ist ä 13 tugenthafter gued.
b. ^ 14 verzogt MÄ' IT f. ogen von mir gekert u. s. g. a. M 24 ua-
gelmb SM 26 h. es lulr MA' 27 inrost S marg SFK 33 nnd do M
33 MuttU. ~'6.42.
1 2S Leben Seuses. Kap. XXXVIII.
heiligen geischliehen töbtran einü fär in kemi 8tan, d6 im, die wi
si dennoh lepte. dik hat geseit, er müsti vil liden, aber got w61t
im dur von helfen; und dA erschein im vor und tröste in gütlich
Daz nam er von ir uf vil unwertlich und sprach ir an ir warheit
Do lachet si und trat hin zA und bot im ir heiligen hand um
sprach also: „nement hin min kristanlichen tr&we an gottcs stat
daz üch got nit wil lassen, er wil uch helfen dis liden und eüi
üwrü liden überwinden." Er sprach: „Iflg, tohter, min gedrang is
als gross, daz ich dir nit me mag globen, du gebest mir denn des
ein gftt Wortzeichen." Si sprach: „do wil uch got in allen gfttei
reinen herzen selb entschuldgen ; den bösen herzen entwurtent di
ding nah ir selbes bosheit. daz einem wisen gotesfrund nit zc ahtei
ist. Und bredierorden, den ir klagent, der sol got und allen be
[56 'Jscheiden menschen von üwren wegen dest gevelliger sin. Disei
warheit nement ein Wortzeichen da mite: lügent, got der wil ücl
schier rechen und wil sin zornlich hand über daz bös herz lasser
gan, daz üch also hat betrübet, und wil ir daz leben ab precber
mit dem tode; dar zu alle, die ir sunderlich in der sach mit bösei
klaf hein gehulfcn, an den mfiss es och also bald gerochen werden,
dez sint sicher!" Der brüder ward hier ab wol getröstet und wartet
vast, wie got die sach wölti enden.
Do gar kurzlich dur na ward, do geschah es alles in der war-
heit, als si hate geseit. Wan der Unmensch, der in also hat ge-
pinget, der starb, und starb eins unbekanten todes; du endrü ire
neiswi vil, von den im aller wirst waz geschehen, die znkte der
tod von hinnen, dero enteil unverstandenlich stürben, etlich ane biht
und ane gotes fronlicham vergiengen. Der selben menseben eins
waz ein prelat gewesen und hat im vil we getan; der erschein im
vor in einr gesiht, do er erstarb, und kunte im, daz im got hier
umbe heti ab gebrochen sin leben und sin wirdekeit, und daz er
etwi lange müsti dur von in der bftsse darbep und torren.
Do die ungew6nlichen rächen und och töde, die got über sin
widersachen als geswind saute, do die sahen ire vil menschen, dien
9 mt- fMt PM dez fehlt SP 10 gfit fehlt K üch] dich iS
ich A^ ich ücli M ^a'iten fehlt 6' 13 der fehlt M 15 nam er ain
w. M 24 und starb fehlt P 27 f. waz ains e. p. M 29 do er erstarb
fehlt M 31 in der wis und in der bus [darbt-n und] torren M 32 gewon-
licbon A^ 33 irej wie K
13 Vffl. oben iL'tKQl.
1 30 Leben Seuses. Kap. XXXIX.
Hier na do half ime der milt got, daz sich daz nngebär weter
dez lidens gar genedklich nider Hess und zergie, nah dem als in
du hailig tohter in der gesiht wol hate getröstet. Er gedahte dike :
„ach herr, wie ist daz wort so war, daz man von dir seit: dem got
wol, dem nieman übel!" 5
Och sin geselle, der im in der sach ungeselleklicb hat getan
und in och got kürzlich dur na hinnen nam, do der erstarb and
alles mitel, daz in der blossen götlichen beschöwde gesumet bäte,
do daz waz ab gevallen, do erschein er im vor in liehtricher gnl-
dinr wat, und umbfieng den diener lieplich und trukte sin antl&t lo
an sin wangen gutlich und bat [56^] in, daz er im vergebi, da er
sich gen im übersehen heti, und daz ain getrüwü himelscbü frunt-
Schaft enzwischen inen zwain eweklich belibe. Daz nam der diener
frolich uf und umbfieng in och früntlich; und also verswand er vor
im und für in die götlichen fröde. 15
Dar na neiswen, do es got zit duchte, do ward der lider von
got ergezzet alles dez lidens, so er hate gehabt, mit inrlichem
herzenfrid und mit stiller rüwe und liehtrichen gnaden. Er lopte
got inneklich umb daz minneklich liden und sprach, daz er nit alle
die weit dur wider heti genomen, er heti es alles erliten. Got gab 20
im wol ze erkennen, daz er von disem niderschlag sin selbs adel-
licher entsezzet ward und in got übersezzet, denn von allen den
mannigvaltigen liden, du er von jugcnt uf unz an daz selb zit ie
hate gewunnen.
XXXIX. Kapitel. 25
[57^] Von inrem lidenne.
Under dannen, do du geischlich tohter daz vorder kleglich
liden las und sich von erberrade wol erweinete, do bat si in, daz
er ir och seiti, wie inrü liden geschafen werin. Er sprach:
1 Hier ua — 15 frode fehlt, dafür folgender Zusatz: Och der prelat
über tusch laut ontschuldget in und sprach, daz er und der meister des ordens
heten da strenklich visitiert, als man sol, und fuuden wider in niht, denn daz
ain bos wib, der nit ze globen waz, hott von dem biderben man bosschlich
geredt, und daz moht noch beschehen, der bösen zungen weit gelosen M 8 gotl.
fMt A"^ 14 früntl.] frolich P 20 die] dis M da wider M 21 schlag M
26 Üher.schrift fehlt K iiiren A 27 di.s M kleglich fehlt SM
24 In AKRWB^a an Bild: Seusc irird von den bösen Geistern und
durch Verleumdung der Menschen gepeinigt {Abb, 5 nach K Bl. S4^).
Von inren liden wil ich dir zwai ding sagen. Eh waz in
einem orden ein fürneiner man, ober den hat got verhenget ein
inreB liden, nnd in dem Hdene waz dem armen brbder ein mbt und
herz also versunken, daz er naht und tag gie weinen und hüwlen
5 nnd sich übel gehaben. Der brfider kam zfl dem diener der wis-
heit mit grossem andabt und klagte im sin not und hegerct, daz er
got über in bete, daz im gehulfen wurde. Eins morgens frft, do
der diener dar über bat nnd also gesass in siner tapell, do waz im
vor in einer gesibt, wie der selb bös geist kemi für in stau, und
10 der waz in sinem angenomen bilde geschafen alB ein ungestalter
raore mit fürinen ogen, und hate einen belachen erscbrokenlichen
anblik und hate einen bogen in der band. Der diener sprach zu
im also: „ich beswer dich bi dem lebenden got, daz du mir sagest,
waz du sießt ald waz du her welliat." Er sprach vil tüfellicb: „ich
15 bin es, spiritue blasphemiae, und du wirst wo) innen, waz ich wil."
Der diener kert sich umbe zu dez kores türe. do kom der
lidende brüder zu der selben türe in gende und wolt in den kor ze
mess gan. Do znkte der bös geist sinen bogen her für und schoss
ein fürin pfil In dez bröder herze, daz er na hinder sieh waz ge-
20 Valien, und moht nit in den kor komen. Daz mute den diener
[50'] und strafte den tüfel hier nmbe herteklich. Dez ward der
hofertig tüfel zornig af in, nnd zukte den bogen in mit einem füri-
neu pfil als och vor, und wolt im es och in sin herz hau geschossen.
Do kert er sit^h geswindc ze unser frowen umb hilf nnd sprach:
25 Nos cnm prole pia benedicat virgo Maria, und der tüfel
verlor ein kraft nnd verswand vor irae. Do mornend ward, do seit
er es dem lidenden brüder, er trost in und seit im, waz da wider
hilfet, und nit anders, als er es screib an siner bredien einer, du
da an vahet: Lectulus noster floridus.
30 Ünder vil andren inren lidenden menschen kora eins males
ein weltlicher man zu ime, der waz von einer fromder gegin, nnd
1 dir och M 4 f. [gie] weinete u. hün-lete .... gehöb A' höwleu]
hfmea S 16 plazlemiuen (!) M 20 mßgt K 21 dar nmb M 22 bogen
[in] M 24 geawind iirab M 2S einer fthll M 30 inren fehll MA'
10 f. Eint »eil alters geläufige Vor»teUung, Schon die lU. Ptripttua (Pa»iio
c. 10) kämpft in der Vigimi mit einem -Aegj/plüi», foedit« gpecie." Vgl. bei
Bartmann eon Aue (MFt. 211,5J uml Wallher: helleinör; Berthnld von Reg.
1,413, 36 ff.; Meehlhüä von Mofidebarg 93. 15 Matth. 12.31.
25 Btnediktio» vor der 3. Lektion der 1. Noiilurn an Marien/tsleii
(Dominikanerbrevier), 29 Erste Prectigt Stu»e$.
132 Leben Seuses. Kap. XL.
der seit im also: „herr, ich han daz aller gröst liden in mir, daz
ie kein mensch gewan; und mir kan nieman gehelfen. Ich hate
nu kurzlich an gote verzwifelt und waz als verzagt, daz ich mich
selb wolt han verderbet von übrigem leide, und wolt mir selb den
tod han an getan an Hb und an sele. So ich iez in der not bin &
und in ein wütiges wasser wil springen, und den anlof genam und
mich selb mQtwilklich wolte ertrenken, do hört ich ein stimme ob
mir, du sprach also: „halt uf, halt uf, tu dir selb nit den schant-
liehen tod an! Such einen bredier!** Und namte im den diener mit
sinem eigen namen, den er nieme hat gehöret nemmen, und sprach : lo
„von dem sol dir gehulfen werden, daz dir reht geschiht** Er waz
fro und Hess sich selb ungetödet, und suchte in mit nafragen, als
er geheissen waz. Do der diener sah, daz sich der mensch als
kleglich geh üb, do kert er sich zu dem lider gütlich und tröste in;
er machete im sin herz als Hht und lerte in, waz im ze tun waz, i&
daz er mit gotes hilf dur na in solich anvehtung nieme kam.
XL. Kapitel.
Welü liden sien dem menschen aller nüzzest nnd got aller
lobllchest.
Du heilig tohter fraget und sprach also: „ich wüsti gern, 20
welü liden under allen liden dem menschen du aller nüzest und
gote aller loblichest sien?" Er entwürt und sprach also: du seit
wüssen, daz man vindet mengerley liden, du den menschen bereitend
und im guten weg gebeut zu siner selikeit, der in reht kan tun.
Got verhenget etwen über einen menschen swerü liden ane 25»
alle sin schulde, in dem Hdene got den menschen eintweder wil
versücheo, wie vast er stände, ald waz er an im selber habe, [58^]
als man vil liset in der alten e. ald aber daz got dar inne allein
meinet sin götliches lob und ere, als daz ewangelium seit von dem
blindgebornen menschen, den Gristus unschuldig seite und in gesehend so»
machte.
Etlich liden ist och gar wol verschuldet, als dez Schachers
liden, der mit Cristo gekrüzget ward uud in Cristus selig machete
von dem getrüwen ker, den er zu im nam in sinem Hdene.
Bf. schamlichen P 16 nimmer me kam M 21 under a. 1. welü.
liden S du fehlt M 29 meinet] niemet A
29 Joh. 9,3, 32 ff. Luk, 23,43,
Etlicb liden hat Bit scbulde in der lideiidea sach, du iine
denne gegenwüitig ist; es hat aber etwas anders gebresthaftiges itf
ime, dar umb got liden über in verhenget, als vil dik beschibt, daz
got übrig hoffirt drnkt und den menschen zfi im selben wieet mit
5 einem sweren undergang siner Äbertragenbeit in einer sölicber sach,
der er vil liht denn zemal gar nnscbuldig ist.
Etlichü liden werdent dem menschen von gote in der trüwe
geben, daz der mensch dur von werd noh grösser liden überhaben,
als den menscheu ges(;hiht, den got bie ir fcgfiir git mit sieehtagen
10 ald mit arniftt ald dez glich, daz aü des nagenden über werden,
ald joh daz er sü lat tüfellichü menschen üben, daz sü an dem tode
dez anblikeg überhept werden.
Etlichü menschen du lident von rehter inbrünstiger minne, als
ilic martrer, die mit ire manigvaltigen sterbene libes oder gemutes
15 dem lieben got gern zogtin ire minne.
Wan vindet och in diser weit meng üpig und trostloses liden,
als die müssen han, die der weit nah weltlichen sachen gnüg wen
sin; sü müssen die helle vil siir erarnen, da bi ein gotlidcnder
mensch im selb wol möhti behelfen in sinem lidene.
20 So sint etlichü menschen, du got inrlicb dik verniant, daz sü
den rehten ker zfl got nemen, wan er in gern heinlich were, die
da widerstrebend mit hinlessifceit. Du zühet got underwilent mit
lidenne: wa sü sich hin kereut und gern got endrnnnin, so ist got
da mit zitlicbem nngeluk diser weit ond behebt sü mit dem bare,
25 daz BÜ im nit mugen endrünnen.
Man vindet och du menschen, du nit üdcns hein, denn so vil,
als sü in selber liden maehent da mite, daz sü daz gross wegend,
duz nit ze wegen ist. Als einest: do gie ein wolgeladenr mensch
in lidene für ein hus, da hört er, daz sich ein frow gar übel gebftb,
30 Er gedahte: , gange hin in und träst [59'] den menscheu in sinem
lidene!" Er gie hin in und sprach: „owe, liebü frowe, waz wirt
ücb, daz ir üch also klagent?" 8i sprach: „da ist mir ein nndel
enpfallen, und die kan ich niene finden." Er kert sich umb und
2 ftndera fe)tlt S gebrieäth. Ä 8 mensoli uorh grÖKZor L da vi
werd aberh. M U mabigvaltigen A IG man SM 18 sinu A 19 g
helfen M 22 undenitrebend .1/ 23 gern [got] .S' 29 in] mit AT g
fthU M 30 den menscheu] si S irem S 31 f. wirt öch] gebriat dir
wirret üch M
28 Wahrgchtinlieh Sense selbst.
J
1S4 Leben Seuses. Kap. XL.
gie US und gedahte: owe, du tobe mensch, hetist du miner burdinen
eine uf dir, du weinetist kein nadlen!*" Also machent etlicbü zartü
menschen in selber ein liden in mengerley Sachen, daz kein
liden ist.
Aber daz edelst und daz best liden, daz ist ein cristf&miig 5
liden, ich mein daz liden, daz der himelsch vater sinem einbornen
snn und noh sinen lieben frunden'git. Daz ist nit also ze verstene,
daz kein mensch zemal ane alle schuld sie, denn allein der liep
Cristns, der nie sund getet. Mer als Cristus sich gedulteklicb erzogte
und sich hielt in sinem lidene als ein senftes lembli ander den lo
Wolfen, also git er etlichen sinen liepsten fruuden och underwilent
gross liden, dar umbe daz wir unlidigü menschen bi den seligen
menschen lernen gedultig sin und alle zit mit einem süssen herzen
übel mit gut überwinden.
Dis alles solt du an sehen, tohter minü, und solt nit ungern 15
liden, wan swannen liden her kumt, so mag es dem menschen nüzz
werden, ob er es reht alles sament kan von got uf nemen und 68
wider in got tragen und mit im überwinden.
Du tohter sprach: ^daz edelst liden, von dem ir hie ze jungst
heiud geseit, da man mit Unschuld lidet, daz hein wenig menschen. 20
Ich horti gern, wie ein verschulter gebresthaftiger mensch sin liden
mit got mug überwinden, wan die hein zwivalt liden: sü hein got
erzürnet und werdent von ussnan gepinget."
Er sprach: daz wil ich dir sagen. Ich wüste einen menschen,
der hate ein gewonheit, so er von menschlicher krankheit hate kainen 25
gebresten geübt, der büsswirdig waz, so tet er als ein gutü wösche-
rin, du mit irem ingedrukten und geweichten wat hin gat zu dem
Intern wasser, und es da alles suber und rein machet mit der woschi,
daz vor unrein waz: also erwand er niemer, e daz im ward dez
unschuldigen nieder trieffenden blütes Cristi, daz er ze hilfe und ze 30
trost mit unsäglicher minne dur alle sünder vergoss, daz ime geisch-
lich dez selben blütes ward ein gnuhsamer usfluss. Und in dem
hizzigen [59^] blute so wusch er sich und sine masen abe, er badet
sich in dem beilsamen blutigen bedlin, als so man ein kindli badet
in eim warmen wasserbad, und tet daz mit herzklichem andaht in 35
3 in selber fehlt M mit meng. s. M 7 lieben] ^äten S 19 am
Bande von anderer Hand: nö von verschultem liden A 27 wat] gewand S
28 wasser] bruunen 31 gemachet M in dem weschen S 31 dur fehlt M
32 influBS S
Leben Seuses. Kap. XLI. 135
einem wol getrüwendem kristnnlichem globen, daz es im alle sin
sünd sölt und wölt ab wescben und in rein machen von allen
scbulden mit siner almogeuden kraft. Und alsns, wie die Sachen
vielen, siner Unschuld ald siner schuld, so endetan su alle zit glich
5 in dem guten gote.
XLI. Kapitel.
Wie er etlichü minnendd herzen von zitllclier minne zA göt-
licher mlnnc zoch.
In den ziten, do der diener mit ernste sich dennoh erbot, du
10 menschen von zitlicher minne hin zti got ziehenne, do markte er,
daz in sumlichen kl&stern etlichä menschen waren, du geischlichen
schin trügen und aber weltlichü herzen dar under baten.
Under dien waz einü, du hat ir herz uf zerganklich minne
vast gekeret, daz da heisset spunzieren, daz da ist ein gift geisch-
15 lieber selikeit. Do seit er ir: wölti si ze einem rüwigem gotlichem
leben komen, daz si denne dur von liessi und die ewigen wisheit
an des iren liebes stat ze einem liep nemi. Daz waz ir swer ze
tüne, wan si jung und frisch waz und mit derlay geselscliaft ver-
kiinbert waz. Er braht si neiswen dar zu, daz si guten willen
20 gewan daz ze tüne, und do ir der gut wille von den iren ward ab
gesprochen, do sprach er zu ire: „tohter, la dur von! Ich sagen
dir, tust du es nit frölich, du wirst es unfr61ich tünde.'^ Do si sich
nit wolt an sin getrüwen red keren, do bat er got ernschlich über
si, daz si got dur von zugi, es weri mit liep ald mit laid. Eins
25 tages gie er uf die canzell under sin gewonlicli cruciiixus und uam
uf sinen blossen ruggen ein stark disciplin, daz im daz blöt dur
na trang, und bat got über si, daz si gezemet wurdi. Und daz
geschah also ; wan do si wider hein kom, do wühs ir geswinde ein
ungeschafenr hover uf dem ruggen, daz si hesslich ward, und müste
30 do von not lassen, daz si dur got nit wolte lassen.
Es waz in dem selben unbeschlossen kloster ein jungü, schönü,
wolgebornü tohter, du mit dez selben tüfels nezze menig jar ir herz
1 wolgetrüwen dem ÄS wol getr. [dem] P 4 schulde . . . unschulde P
7 minn, fehlt M 9 mit ernste fehlt A^ 11 semlicheu SP 14 sponsieren A'
spunzieret M gift] gut (!) K 15 gotl. rüw. M 17 [des] ir 1. st. M
18 f. bekünbert SP 20 iren] inren K 26 f. dur na trang] ab ran P
30 daz si — lassen fefdt A^ 32 nezze fehlt M naiswie menig jar M
136 Leben Seuaes. Kap. XLI.
und ir zit hate äpeklich verzeret mit allerley gesinde, und da waz
80 vast dar inne erblendet, daz si den selben diener der wiBheit
alle zit floh als ein [60'] wildes tier, wan si vorte, daz er ir die
wise, die si fürte, ab spreche. Nu bat in der selben tobter lip-
lichü swöster, daz er sin glükt an ir versuchte, ob er si von der 5
schedlichen wise zu got möhti bringen. Daz duhte in ein nnmag-
lichü bete, und sprach, in duhti m&glicher, daz sich der himel her
ab neigti, denn daz si dur von liessi, der tod der müsti ir es be-
nemen. Si bat vil flehklich und sprach, si weri in dem globen,
wcler sach er an got ernschlich kerne, daz im daz got nit verseiti. lo
Mit sölicher rede überwand si in, daz er es gelopte ze tüne.
Und wan si in alle zit floh und nit moht zu ir rede komen,
do nam er war eins tages umb sant Margareten tag, daz si mit den
andren jungen swöstern waz us gegangen uf einen aker ire werk
liechen. Er schleich hinna und umbgie den aker, daz er mit glimpf 15
zft ir kemi. Do si war nam, daz er ir begond nahen, do kerte si
ime gar schalklich den ruggen mit einem zomlichem f&rinem antl&t,
und rufte vil ungestumklich hin über gen im also: „her muncb,
waz wend ir her zu mir? Gand reht üwer Strasse von mir, daz
rate ich u ! Lftgent, e daz ich ü wolti bihten, ich wölte mir e lassen 20
daz hopt ab schlaheu; e daz ich ü denne wolte volgen und min
spunzieren ab lan, ich wölti e, daz man mich also lebende begrübe.
Dar umbe gand reht uwer Strasse, wan ir schaflFent nüt an mir!"
Du gespil du bi ir aller nehst stund, du stillet si und strafte si und
meinde, er heti es nüwan dur gut getan. Si für mit ir hopte tob- 25
lieh und sprach: „lüg, ich wil in nit triegen, ich wil im mit werten
und wisen zögen, waz ich in minem herzen hau." Ab diser frai-
diger rede und unsitiger geberde erschrak der diener, daz er scham-
rot ward, und gesweig stille, daz er nüt sprechen konde. Dien
andren 8w6stran, die daz geschrei über in horten, waz es leid, und 30
gaben ir ungelimpf. Er gie geswinde einent ab und entweich ir
und sah uf und ward inneklich süfzende, und wolte dur von ban
IB war fehlt M 15 lüchen K glimpf] ereu K 17 gar smähklich M
18 vil zonilich und uncrest. iS 19 ir [her] PA' von mir fehlt S 20 f. d. h.
lassen ab sclil. ^SK 27 und wisen] fünf wis (!) 31 28 unsinniger PA^
31 einenthalben [ab] FA"^
13 S't. Margaretentag wurde in der Diözese Koustane am 15, Juli gt^
feiertj von den Dominikanern am 13, oder 2fJ, Juli, doch fügten sich die Orden
meist dem Diözesangehrauch; vgl. Gmtefend, Zeitrechnung /, llti; II, 2y 35;
FiaJa im Am, f. Schweiz. (Jesch. /, ö — 6.
^cUin, deiine daz als neiswas inrliclis tribens von goi da heleib,
uud daz meinde: wer gen gote ald gen der weit üt wil schalen,
der endarf nlt als bald ab lasBcn. Dis geschah na dem miten tage.
Dar iia do es ward abent, na dem nahtmal, do die awögtran
5 ^emainlich in den hof wurden gende, daz sü daz usgeloehen werli
rifletin. und du [60'] selb tofater mit in gie, und sü für daz gasthus
mftsten gan, da der selb diener inne waz, do bat er Ire gespilen
eine, daz sie die tohter mit etlichen listen bin in rA ime brebti,
und si denn hin wider us giengi. Und daz geschah mit n&teti.
10 Do si hin in kam und under dem laden bi im gesass, do hAb
er an mit inneklichen süfzen eines vollen herzen uud sprach; ,eya,
scb6nü, zartü, gotea nserweltü jungfrow, wie lang wend ir üwem
schönen minneklichen lip und üwer zartes minnekliches herz dem
leiden töfel lassen? Ir sind doch von gote so gar gnadeniieh
15 ;;fstalt in allem üwerm gelesse, daz es ein übel mere ist, daz ein
sölicher engelachlicher, wolgestalter, edelr mensch ieman sol ze teil
werden, denn dem aller hercsten ze einem liebe. Wer sol den
schönen zarten rosen hillicher brechen, denne der, des er da ist?
Neina, trütä, minneklichü jungfrow, tänd üwrii klaren falkenogen
20 uf und gedenkend an daz schön liep, daz hie an vahet und iemer
und iemer weret; und nemcnt oeh her für, waz knrabers und un-
trüwen und laides und lidens an lip, an gut, an sei, an eren der-
ley menschen müssen erliden, es sie in lieb ald laid, die des pfle-
gent, denn daz sü die veraüsstü gift also verblendet, daz sii dez
■Jb grossen schaden itnder dannen vergessent. der in da volget in zit
und in ewikeit. Eva dar umbe, du engelschliches bilde, du minnek-
liebes edels herz, ker umb dinen natürlichen adel uf den ewigeu
adel, und lass dnr von! Ich globen dir daz bi miner trüwe, daz
dich got ze einem lieb wil nemen und dir ganze trüwe und reht
30 liebi hie und dort wil iemer leisten."
Gftt waz du stunde! Disü fürinii wort scbussen ir glich dur
ir herze und erweichten si also gar, daz si geswind irü ogen uf
2 Ötz Af 3 Ifodarl' M 6 mit ir M S hin in fthlt M brphliuf. SA^
14 laidigen K 16 engdscher M 21 nemont — für fehlt M 21 f. un-
tröwe -4'ß unr&wea AS unrögeii P 24 vor blendet M bleudet 5 25 da
^■on A' 27 f. nf — adel fehlt Ä 31 förinft] fruioe P
8 Btsonderrs, vom Hnenllicheu KJoghr getrejmten Gebäude iw Auf-
nahme drr fiäatc. 10 In ihr FeiiH«-Hi»chf , der Schiehtichkeit halbvr
tDiep.' läl).
138 Leben Seuses. Kap. XLI.
hüb, und Hess einen grundlosen süfzen und sprach ingranüich mit
verwegnen getürstigen worten zu im also: „ach herr und vater
mine, ich ergib mich hüte an got und an üch, daz ich minem yer-
lassen upigem lebene nu an diser stunde wil ein fries urlob geben,
und wil na üwerm rate und hilfe mich dem minneklichen gote ze 5
eigen geben, und wil ime allein unz an minen tode dienen." Er
sprach: „daz ist ein frölichü stunde; gelopt sie der milt herr, der
ellü widerkerendü menschen wil frölich enpfahen!"
Under dannen do su [61'] zwei heimlich mit einander also
von gote reddan, do stünden ire verlassen gespilen ussrend an der 10
ture und verdross sä der langen rede, wan sü vorten, daz si nss
ire upigen geselschaft abdrünnig wurde. Die ruften ir, daz si es
ein ende machet]. Si stund ein endrü worden uf und gie mit ime
und sprach zu in also: „min gespilen, got der gesegen üch! und
heind ein fries urlob von mir, baide, ir und alle unser gesellen, mit 15
dien ich leider min zit han üpeklich vertriben, wan ich wil got nn
allein haben und daz ander alles varn lassen.^
Die tohter vie an, alle schedlich geselschaft ze miden und sich
abgescheidenlich ze halten; und wie dik es dar na an si versübt
ward, ob man si möhte hin wider in daz alt leben bringen, do half 20
es nit. Si hielt sich also, daz si mit lobrichen eren und götlichen
tugenden vest und stete an got unz an ir tod bleib.
Der diener gie dur na eins males us, daz er sin nüwen tohter
in gutem lebene gevestneti, und ob si in keinem liden weri, daz er
si gütlich trosti, und tet im selb vil we mit gene in der krankbeit, 25
in der er do waz. So er dur daz tief bor also trat und die hohen
berg uf klamm, do hüb er dik sinü ogen uf ze gote und sprach:
„erbarmherziger got, bis ermant diner eilenden füsstapfen, die du
tet dur menschlich hail, und behalt mirminkind!^ Sin geselle, an
den er sich ie erleinde, der sprach von erbermde: „es zimt wol 30
gotes guti, daz meng sei durch üch behalten werde."
Do er fürbaz gie, unz daz er nüt me mohte und gar erlegen
waz, do sprach aber der geselle: „eya, vater, got der sölti wol au
sehen üwer krankheit und solti üch senden ein rössli, daz ir geritend,
unz ir etwa zft den lüten kemeiul." Er sprach: „nu komen sin baid :-i5
5 und wil — G geben nuch dienen S 5 f. erzaigen und z. e. g. M
10 verlas!>en fthll M ussen 6' ussnen K 13 machetin M ein e. worden]
anderw(.Tt S 21 loblichen S lebrichen P 29 mine kinde P 32 miz]
und M 3:> [der] «reaello K
Hii gnt, so getriiw ich, daz mich got iliner tugeitt lass geniessen nii<)
daz es gescheh." Also lügete der cliener iimb sich, do »ah er zö
der rehten haud d5rt her iis von einem walde gan ein bübgcbee,
wol gezSmtes und gesatletes rÖBsli alleine. Der gesell rfifte mlf
5 fröden; „eya, lieber vater, Ifigent wie ftch got nit wil lasBen!" Er
sprach: „log, snn, omb and umb nf disem braiten veld, ob iemaa
dur mit gange, dez es sie." Er Iftgete verr und nahe, und sah nie-
man denn daz rössli daher zelten und sprach: „vater, werlleb, got
der hat üch daz gesendet; sizent uf und [Öl'] ritendl" Er sprach:
]0 .Iflg, geselle, ist, daz daz rossli still stat, so es zd uns kurat, so
getriiw ich got, der hab es ze unser notdurft her gefüget." Daz
rössli kam senfteklicli und sttlnd stille vor iu. Er sprach: „wol her
iu gotes namenl" und der geselle half im uf und Hess in riten, nnd
gieng er mit ime neiswi verr, auz er gerüwete. Und do so kamen
15 nahe zfi einem dorfe, do sass er abe und leite dem rösslin den zom
wider uf und hiess es stn strass gan, dannan es komen were; war
es do kemi ald wes es weri, daz kond er dur na nie crvarn,
Do der diener kam hin. da er bin wolte, do geschah eins
abendes, daz er also gesass bi sinen geischlichen kinden und inen
HO leidete zerganklich liep und in liepte daz ewig liep. Do sü von im
giengen, do waz sin herz neiswi erhizzet von siner bcgirlichen rede
in gütlicher minne, wao in duhle, daz ein liep, daz er meinde und
andren menschen gab ze miunene, als reht vil besser were denn
ellü lieb dieser weit. Und do im in der betrahtunge die sinne neiswi
25 entsunken, do dubt in in einer geeiht, er wurdi gofüret ufeinschiin,
grünen beide, und gie ein stoltzer himelscber jungling bi ime und
fftrte in an siner band. Also erhfib der selb Jüngling in dez brüder
sele ein lied, und daz erschal als fn'ilich, daz es im alle sin sinne
verflogte von Überkraft des süssen gedönes; und duhte in, daz sin
M herz als refat vol wurdi inbrünstiger minne und jamers na gote, daz
daz herz ward varnd und wütende in di*m übe. als ob es von übriger
not zerbrechen wolle, und mfiste die rihten band legen nf daz herz
im selber ze bilfe, und siuü ogen wurden als vol, daz die trehen
über ab runnen. Do daz lied us kom, do ward im ein bild für
35 geworfen, in dem man in leren wolte daz selb lied, daz er sin nit
1 jn^eQt P 4 wol gezeiutes röäselin mit uiiium satcl daz ktim idlain M
6 snn Ifige PM lU uub zu k. .1/ 11 geetndei .1/ 20 ir zerg. liep M
21 erhitztet SK 25 schön /thU K '2H Kimelscher JthU P ime] in M
28 f. [es] im a. s. »m und mut verdöff M
140 Leben Seuses. Kap. XLL
vergessen möhte. Also Iflgete er dar und sah unser frowen, wie da
ir kind, die ewigen wisheit^ geneiget hate an ire mAterliches herze.
Nu stund der anvang dez liedes dem kindlin ob sinem hobte ge-
schriben mit schönen, wolgefiorierten bfiehstaben, und waz du scrift
als togen, daz si nit menlich gelesen konde; allein du menschen, o
•du es baten erkriegct mit ubiger enpfintlichkeit, du lasen es wol.
Und waz du schrift also: HEBZEXTBUT. Die schrift las der
diener behendeklich, und sah denn uf und blikte in denn lieplich
an und waz im denn neiswi enpfintlich, wie daz als reht war were,
[62''] daz er allein weri daz zart herzentrut^ in dem man liep ane lo
leid heti^ und trukte in denn in den grund sines herzen, nnd büb
denn uf und sang mit dem jungling daz lied us und us. Und in
der inbrünstigen herzklichen minne kam er wider zu im selben und
vaud sin rehten band ob dem herzen ligende, als er si der unge-
stümen bewegung ze hilfe uf daz herz hat geleit. 15
[62^] Eins males waz er verr gegangen, daz er vil müd waz
wordeU; und do er kam ze abent an ein fromd stat zu einer klosen,
da sü woltan herberg nemen die naht, und waz kein win da, weder
in dem dorf noh in der klosen, da gie ein gütü tohter her für nnd
Seite, si heti ein vil kleines fleschli mit wine, wol uf ein halb mass, t^'
und sprach, waz aber daz hulfi under der mengiV Wan ire waren
wol uf XX person guter kinden mit dien, die dar waren komeu,
daz sü gotes wort usser sinem munde bcgertan ze horene. Er biess
daz fleschli her für tragen über tisch, und sü baten in, daz er einen
gütlichen sogen dar über teti. Und er tet es in der hohen kraft dez 25
minncklichen nainen Jesus, und vie es an und trank, wan in turste
nah dem genne, und bot von im, und sü trunken ellü sament. Daz
fleschli ward nider f;esezzet oflfenbarlich, da sü es alle sahen, ane
7 ahwechsdnd rote und hlaue Buchmtahtn AK, am Rande M 8 liepL]
^nitlich P 13 herzkl. fehlt P 15 ze hüte fehlt M 16 ASPKfRUS^
haben hier neue Linie und gross n Anfangsbuchstaben, MA^ keinen Absatz; tmr
aA'ir und darnach Denifle hnbcn eigenes Kapit-^l mit der ÜberschHft : wie got
«las leiplich tranck seintMi freunden nient (N etwas abweichend) vil fehlt M
19 g:ntijL,^e S 21 warrn fehlt M 23 bcj^^erton nach wort M
15 //* AKUWlVa ein Bild: Maria mit dem Jesuskind erscheinen dem
Diener, der Jtsus .Jhrzenlraat^^ nennt (Abb, 6 nach R Bh 64V). 17 klose
-— kleine Beghinenniedcrlassung. Die folgende Erzählung ist ein typisches Sei*
spiel, wie Seuse unier den Gottesfreundinnen ini.>sionierfe. 21 Vgl, Joh. 6,9.
alles wider in gieBsen wassers oder wines, wan kein andre win da ^^^|
waz. Sil trunken aber und aber vast usa dem selben flesclilin, und ^^^|
waren als begirig von im ze hören gotes wort, daz dez gAtlichen ^^^|
wunder» nietnan ahtete. Ze jnngst neiswen, do sü zö in selber kamea ^^^|
J
'
ö und gotes
an sahen
die getat
daz ist n
globen la
1 n
nnd kraft
vermugendcD kraft in der merung dez trankes al
do begonden sü got loben und wollen des dieners
geben. Daz wolt er mit nibtü gestaten und sprach
nt min getat, got der hat der reinen geselscbaft
ssen genieescn, und het si liplicb und geiechllch g
der aus wider korrigiert A wnnder [in] (tiessen (!) K 5
kuntlieb ^^H
heilikeit ^^1
guten ^^H
Termttgent ^^^H
liepllch M ^^H
142 Leben Seuse». Kap. XLII.
XLII. Kapitel.
Ton etlichen lidenden menschen, dd mit sonderlicher trüw
dem diener zä gehorten.
Es wareu in einer stat zwo fürnem personen an heilikeit, die
im heinlich waren. Diser zweier gotesfründen geischlicher zug waz 6
gar ungelich. Du ain waz fümeme vor dem volge und waz begäbet
mit götlicher süssekeit, du ander waz nüt fümeme und got ftpte si
emzklieh mit lidene. Do die baid erstürben, do heti der diener gern
von got gewüsset, wie mi88[63 ']lich ire Ion an enr weit wen, wan
8Ü hie als ungelich wisen fürten. Eins morgens frü do erschein lo
ime du ein vor, dt da als fümeme waz, und seit ime, daz si noh
in dem fegfür were ; und do er fragete, wie daz möhti sin, do meinde
si, daz si nit ander schulden uf ir heti, denn daz von ire fümeme-
keit etwaz geischlicher hofart ir in viel, dem si nit gnü geswinde us
gie; es solt aber schier ir liden ein end haben. Du ander, du ein 15
Terdrukter, lidender mensch was, du für ane mite! ze gote.
Dez dieners liplichü mäter waz och alle ir tage ein vil grossü
liderin. Und daz kom von der widerwertigen unglichheit, so si nnd
ire huswirt baten: si waz vol gotes und heti gern dar nah götlich
gelept, do waz er der weit vol und zoh mit strenger hertikeit da 20
wider, und hier uf viel liden.
Si hat ein gewonheit, daz si alles ir liden in daz biter liden
Cristi warf und da mit ire eigen liden überwand. Si verjah im vor
ir tode, daz si inrent XXX jaren ze keiner mess nie gestund, si
erweinti sich biterlich von herzklichem mitlidene, daz si mit ünsers 25
herren marter hate und siner getrüweu müter, und seit im och, daz
si von der unmessigen minne, die si ze got hate, ainest minnesiech
ward und wol XII wuchen ze bet lag also jamrig und serwende na
gote, daz es die arzet kuntlich innen wurden und gut bild dar ab
uamcn. 30
3 gehorten etc. A' 10 wis M do fehlt M 13 schuld PMÄ^
17 Ez waz des dieners 1. lu. ocli M grosslü A 21 f. vil vil liden. Si hatten M
24 nie] me M 25 bit. von herzen mit lid(.'nt M 27 ainest fehlt M 28 ser
weinde A^
16 ane mitel - ■ ohne Hindernis, d, h. ohne Fajfeuer. 24 ff. K, Schmidt
(Theol. Stud. u. Krit. 1S43, S38) und Böhringcr {Deutsche Mystiker 1S55, 398)
fassten die Stelle so auf als habe sie 30 Jahre lanr/ aus Furcht vor ihrem
Gatten keiner Messe angewohnt !
Si gie einest ze angender vaBten in das münster, da dft ab-
!6snng mit gescbniten bilden uf einen alter stat, und vor den bilden
binderkom si neiswi in enpfintlichcr wise der gross smerz, den du
zart mflter hate uader dem krüze. Und von der nitt gesebah diser
5 gfiten frowen och als we von erbermde, daz ir herz neiswi erkrachete
enpfintlich in ir übe, daz üI von amabt nider seig an die erde und
weder sah nob sprach. Do man ir hein gcbalf, do lag si siech unz
an den stillen fritag ze none, do starb s\, under dannen do man den
paesioD las.
10 In den selben ziten waz ir sun, der diener, ze Gölne ze scbftle;
lind si erscbein im vor in einer gesibt und sprach mit grossen frfiden:
„eya, klnd mins, hab got liep und getrüw im wol, er lat din mit
nütii in kainer [63'] widerwertikeit. Li'ig, ich bin von diser weit
gescbaiden und bin nüt tod, icb sol eweklieh leben vor got"* Si
15 koste in mölerlicb an sinen mund und gesegnet in getrülicb und ver-
swand also. Er vie an ze weinen und rufte ir na: „o-we, geträwu,
beiligCi railter minü, bis mir getrüw gen gotel" Und also mit wei-
nende und säfzende kom er wider zii im selben.
In sinen jungen tagen, do er ze scbi)l ftir, do beriet in got
2ü einest eins lieben götlicheu gesellen. Eins niales in einer beinüchi,
df) SU von got vil baten gekoset, do bat in der geselle durcb ge-
selleklicb tniwe, daz er im zogti und in liessi sehen den minnek-
lieben nameu Jesus uf sinem hiM-zen gezeichenten. Daz tet er un-
gern, und doch, do er sinen grossen audaht an sab, do waz er im
25 der bet gnftg, und zerliess den rok ob dem herzen und liess in daz
berzenkleinet sehen nah aller siner begirde. Dez begnügte den ge-
sellen nit. Do er es wol gesah scbinberlich stan an dem übe en-
miten uf sinem herzen, do für er mit siner band dar und mit sinem
antlüt, und streich es dar an und leit sinen mund dar uf. Er ward
30 herzklich weinende von audabt, daz im die ab walenden trehen über
daz herz ab rannen. Und der diener verbarg den namen dnr na,
dnz er in nie keinen menschen wolt me lassen sehen, denn ebt ein
2 ainem KM 8 neiswaz SA' 6 vor üf 8 sdUen fr.] karfrita« M
10 kSlIe P 17 mit fthlt MÄ' 18 und also süfzent M zi i. b. Trider M
21 liettou ril M 21 f. geselüch M 24 [an] sach K 27 an] in MA'
32 nie wölt SKA^ g'eaehen AP eht] öch P, fthlt MA' ;-i2 I. ein aservi,
gotfisfr. also einigen M
1 f. AblSgHHff CkrUti vom KrtuM (Pietä). 8 Gharffeitag, teo dit
Leidensge^chichtv Jesu nach Joltannes corgtleetn vird. 10.19 Vgl. 103,31.
144 Leben Seuses. Kap. XLin.
einigen userweiten gotesfründ, dem es von got erlobet waz; der ge-
schowte in och mit glicher andaht als och dise.
Do die zwen lieben gesellen neiswi meng jar bi einander mit
götlicher geselschaft waren gewesen und von einander solten vam,
do gesegneten so einander getr&lich und macheten ein geding en- &
zwüschen in^ wedre vor sturbi, daz im der ander geselklich trüwe
na dem tode leisti; und sölte ime ein jar alle wnchen zwo messan
sprechen^ ein an dem mändag Requiem und ein an dem fritag von
ünsers herren marter. Dar na über neiswi meng jar, do starb dem
diener sin gesell vor an, und er hat vergessen umb die gelubde der la
vor genanten messen, und gedaht sin aber ane daz getrulich. Do
er eins morgens also sass ingezogen in sincr kapell, do kam der
geselle in einr gesiht für in stan und sprach vil kleglich: „eya,
geselle, diner grossen untrüwe! Wie hast du min vergessen!" Er
sprach: „ich gedenk din doch alle [64'] tag in minen messen." Der i&
gesell sprach: „es ist dar an nit gnflg, laist mir unser gelübte amb
die messan, daz mir dez unschuldigen blütes hin ab werde, daz mir
daz streng für 16sche, so wird ich schier gelidget von dem fegfür.*
Und daz tet er do mit herzenklichen trüwen und mit grossem laid
siner vergessunge, und im ward schier gehulfen. 20
XLIIl. Kapitel.
Wie im Cristns vor erschein In eins Seraflns bilde und in
lerte liden.
Do sich der diener eins males hate zö got gekeret mit grossem
ernste und in bat, daz er in lerti liden, do erschein im vor in einer 25«
geiscbiiehen gesihte ein giichnüs des gekrüzgeten Cristus in eines
Serafins bilde, und daz selb engelschlich Serapfin hate VI vetcben:
2 «rlicher] begirlicher M diser KM 4 gutlicher S 6 f. enzw. in]
mit enander S 7 ein jar fehlt M im [ein] jar A^ 16 alle tag] all weg M
18 gelediget KM 24 zö got hate SM 25 und — liden fehlt M 26 cristi J^
27 ff. fettachen *S' vettich P vetken .V
8 f. Am Montag eine Totenmesse (Requiem), am Freitag eine Missa dt
passione, 27 ff. Im Leben des hl. Franz von Assist (Vision auf dem Bergt
Alvernia, 14, Sept. 1224, vgl, Lamprecht von Begensburg, St Franzisken Lehen
ed. Weinhold 1880, 3381 ff, 4052 ff. nach Thomas von Celano) kommt woM
zum erstenmal die Erscheinung Christi in Gestalt eines gekreuzigten Seraphs
vor: von da ab uHederholt sie sich öfters, mit und ohne Stigmatisation. Vgl^
auch Is. 6,2 u, Strauch, Marg, Ebner 46,3.
mit zwatD vetcheo bedacht es daz hobt, mit zwein die füsse, und
mit zwein flog es. An den zwein nidresten vetchen stund gescliiibeu:
eiipfah liden willeklicb; an den initlestcn BtCiad also: trag Hdeu ge-
dulteklich; an den obresteu stl^nd: Lern liden cristffirmklicb.
ö Dis niinneklicfa geeiht seit er einem heiligen fründe, der ein
vil beiliger mensch waz. Do sprach si hin wider: „wilasint für war,
daz öch aber näwii liden sint berait von got, daz ir erliden niüssent."
Er fragte, welerley dn liden werin. Si seite: „ir müssent nu erhebt
wi'rdeu ze einem prelaten, daz die äcb dest baz mugen trefen, die
lo Ungunst gen üch hein, and dest tiefer her ab schupfen. Dar umb
sezzont üch uf gedultekeit, als i'ich in dem Serapfin gezßget ist."
Er ersäfzet und lüget uf ein nüwea künftiges ungewiter. Und es
ergieng also in der warheit, als im der beilig mensche hate geseit.
Es fügte Bich in den selben ztten, daz türü jar kamen und daz
lö man sinem konvent, da er do waz, weder brot noh win gab, und
daz der konvent waz komen in gross gülte. Die brflder wurden ze
rate gemeinlich, daz sü in der grossen türi den diener namen ze
priol, wie leid ald widerwertig es im waz, wau er verst&nd wol,
daz im da mit nüwes liden bereit waz.
•20 üez ersten tages hless er lüteti ze capitell und mante eä, daz
81 sanl Dominicus an rüfcin, wan der heti sinen brödern gelopt,
wenn sü in an rüftin an den n6ten, so w61/; er in ze helf komen.
Do Sassen zwen brftder bi einander in dem capitel, und runete eine
dem andern und sprach vil spotlich zu ime: „lAga, waz torohten
1 dakt S 1 f. Iiind] mit M 3 dem mitl. ASSMaS' 4 dein
obr. S cristfonulicli M 5 jfottosfrüuile Ka 7 aber fehlt M 8 fragt*)
sprich M 12 liimlt. fthlt M 18 Bld wie wid. SP 16 f. wau — ber.
\rta fehlt ASP 31 der] er K S4 ime] in M
14 Von Herbtt 1343 bis Juni 13i4 war in Obetileatachimid ein«
gromc Teuerung: der Bischof von KoMtant, Nikolaus noii Ktntingen, aptiste
aMf äfintm Schlotn Kaslcll täglich gegat äO/MJ Arme. Bütge : Joh. Fitod. id.
W)/tt J7Ö, 1S3, ^10 f.; Heinrieh v. DUsseiihnve» bei Böhmer, Fontes IF,39,
46; rnib. Diöz^rehiv lfi/4, 4(i; IMl, 149; Strauch, Ad. Langtmnn 109.
20 capit«! ^ Vtrgantmlung dtr Mönche eineg Kloelerg oder Ort, wo dies«
rtattßndtt (KapiteU»aat) : vgl. Dacange k. t>. 31 f. Vgl. Lacordaire, LAen
du M. Dominikaa, deuUch ' Ih'l, 309 nach ASS Aug. I, Ö18, 640 (vgl. auch
Vinceiu V, Beauvais, Spec. higt. XXX, 113). Dieima tog. Piivihgium dignitattg,
das auch bei i-irlen andern Heiligen rorkommt, int in »ein Officium (nach ßo-
miaikanerritusl übergegangen, vgl. liegp. ad Uct. IX: 0 sjiim miram, quam
dtditti mortis karat te flentibut, dum posi mortem proinisinti tt profuturam
fratribus *le.
H, Stsic, DeadshB SohiirieD. 10
146 Leben Seuses. Kap. XLHI.
mannes ist dise priol, daz er uns heisset, daz wir mit unser not an
got komen! Wenet er, daz got den himel uf tug und uns her ab
trinken und essen [64^] sende?** Der ander sprach hin wider: „er
ist nit allein ein tore, wir sien toren alle sament, daz wir in ze priol
namen^ und wir vorhin wol wästan, daz er unkunnent ist uf zit- i
lichü ding und nüwan ufwert ze himel gaffet.^ Und ward meng
sp6tigA urteil über in geben. Do mornent ward, do hiess er ein
mess singen von sant Dominicus, daz er sü berieti. So er also
in dem kor stat verdahte, do kom der portner und rflfte im hin ns
zö ainem riehen korherren, der sin sunder fränd waz, und der lo
sprach also zä ime: ^lieber herr, ir sind nit kündig uf zitlichü ding,
und bin hinaht von got inrlich ermant, daz ich ü helf an siner stat,
und bring üch hie XX pfund Costenzer zu ainem anvang, und ge-
trüwent gote, der sol üch nit lassen.^ Er waz fro und nam daz
gelt und hiess win und kom kofen. Und got half in und sant 15
Dominions, alle die wil er priol waz, daz alle rat da waz, und
vergalt dur zu, daz sü nihtesnit soltan gelten.
Der selb korherr, von dem geseit ist, do der an sinem todbet
gelag, do besaste er ein vil grosses selgerete hin und her, da er gnad
zft hate. Dar na sant er na dem diener, der do priol waz, und 20
beval dem neiswi vil gnldin, daz er die anderswa under arm gotes-
fründ teilti, die ir kraft mit strenger Übung hetin verzeret Daz
wolt er nit gern tun, wan er vorte nahgend liden, als och geschah.
Ze jungst ward er überkomen, daz er es nam, und für us in daz
land und teilte daz gelt, als er im gelopt hate, hin und her, wa er 25
getrüwete, daz es siner sele aller nüzzest weri; und tet daz mit
gftter gezügnüst und mit widerrecbnung sinen obren. Hier uf viel
im grosses liden.
5 wol feJiU M 8 Dominico K 11 zu im also M 13 pfund] libras
ASFA^ Cost. phenning M 16 prior A" 17 nihtesnit] nit me 8 nütz M
gelten solten M 19 laff SPA^ 21 arm fehlt M 25 hate gelopt S hate
fehlt M 27 siner SMA^ hier us KA"^
13 Zu Costenzer ergänze: phennic, wie M liest. Ein phunt (libra)
= :W Schillimj (solidi) = 240 Pfennige (Silhei'denare), vgl. Lexer II, 238, 267 :
zur weiteren Onentierung vgl. Poinsignon, Kurze Münzgeschichte von Konstanz
1870, und die Notizen iiher Kurs utid Kaufkraft des Geldes zu Konstanz im
14. Jh. in Freih. Dioz. Archiv 1902, 43. 19 selgerete = letzwülige Ker-
fiigung zum Heile der Seele (remedium animae), besonders Stiftung von Seelen"
messen und Almosen an Arme, die dafür beten mussien, dann Testament über^
haupt (Lexer 11,865 f.; vgl. Schönbach, Über Hart mann t^on Aue 44/.),
Leben Seäifia. 'Ißj:
Der hene hat einen angeraten kepsim; der hat verzeret, ilaz
im der Uerr bat geben, und von siner verröebtkeit greif er dft ding
an, du ime scbedlicb waren. Der heti gern daz selb gelt gebabt,
ond do im da?, nit mohte werden, do niderseit er dem diener und
j enbot im mit einem geewornen eide, wa er in an kern, da wölt e
in tSden. Dis sorglich vientaehaft kond nieman understan, wie di
es verGächt ward, er wolt iu nüwan tSden. Der armer man wa
in angEten und in nöten lang zit, und getorate nit wol hin noh h(
5 M
3 geltj g5t M
148 Leben Seuses. Kap. XLIII.
wandlen von vorten eins ermürdens von dem verruchten menschen.
Er hüb sinü ogen dik uf ze gote und sprach mit inrlichen süfzeu:
„ach got, waz jemerlichen todes wilt [6b^] du über mich Verheugen!^
Sin not waz dar umbe dest grösser, viran kürzlich dur vor ward in
einer andren stat ein erbere brüder von semlichen Sachen jemerlicb 5
ermordet. Der arme brüder hat nieman, der im des lidens vor
wölti ald getörsti sin, von dez wilden menschen fraidekeit. Do kom
er sin an den obresten herren, der enband in von im und brach im
ab sin junges starkes leben, und starb.
Zu disem liden kam och do ein anders biter liden. Es waz 10
ein ganzü gemeinde, dien der herr groslich hat geben. Dar an
gnügt sü nit. und die vielen alle ui den brüder mit grossem Ungunst,
daz er in daz selb gelt och nit alles Hess werden. Und ward jemer-
lich hier umb von in durehtet und ward von in getragen für welt-
lich und geischlich, und kam verr in daz land in verkerlicher wise 1.5
siner schulden, und müst undergan vor den lüten in den Sachen, in
den er vor gotes ogen unschuldig waz. Disü lidendü sach, so der
ein wil geswiget ward, so nam man si aber und aber her für, und
triben daz menig jar, unz daz der arm man dar umb wol gesibet ward.
In den selben ziten erschein ime der selb tote korherr vor in 20
einer gesiht und hate ein schön gewand an, daz waz grün und waz
umb und umb vol roter rosen. Und seit im, daz es wol umb in
stünde an enr weit, und bat den diener, daz er gedulteklich liddi
daz gross unrecht^ daz man in zeh, wan got wölti in dez alles wol
ergezzen. Er fragte den herren, waz sinü schönü kleider betutin. 25
Er sprach: „die roten rosen in dem grünen velde, daz ist üwer ge-
dultiges liden, mit dem hend ir mich gekleidet, und got wil üch hier
umb mit im selben eweklich kleiden."
1 und [von] vorhten M 6 bröder] man S 11 der herr] er M
12 den brüder] in M IB nit och M 15 und für g. SP 16 schuld M
18 und aber fehlt M 19 dar umb fehlt M 24 ungereht M zihi K
zoch P
19 Zum Ausdruck vgl. Luk, 22,31. 20 ff. Vgl. daeu Strauch^ Ad.
Langmann t}b.34ff. und B. von der Gnaden Überlast ed. Schröder 41,36 ff,
;.\S In AKRWB^a ein Bild: Christus erscheint dem Diener in Set'a2)?um8^
gistalt (Abb. 7 nach K Bh US^)^
Leben Semea. Kap, XLIV.
XLIV, Kapitel.
[ßü'] Wie vestkllch der lu&ss strlteu, dein der geischlich pris
sol werden.
An der oiiwi eines anvanges do sti'ind der diener uf dem sinne,
5 ilaz er von herzen gerae den ogen des miitnekliclien gotes lieti wol
gevallen mit fürnemer sunderheit, aber ane lideu und ane erbeit.
Des fögte sich, daz ev eins mates us fßr dur brediens willen in daz
land. und do er kora in ein gemein schef uf dem bodensew, da
inne sass under den andren ein weidenlicher kneht, der trag hof-
10 licbü kleidet ane. Zn dem machet er eich und trnget in, waz maunes
er wen. Er sprach; „ich bin ein aventürer und bring die herren
/esamen, daz su hovieren, und da sticht man und turniert und dienet
schönen frowen; und wele es da aller best tflt, dem git man die ere
und im wirt gelonet." Er sprach: „waz ist der Ion?" Der kneht
15 Seite: „dii schönst frowe, dii da ist, dii git im ein guldin vingerli
an sin band." Er fraget aber: „sag mir, lieber, waz ml^ss aine ttin,
daz im du ere werde und daz vingerli?" Er sprach: „wele aller
meist streichen und gedranges erlidet und dar inne nit erzaget, denn
dnz er kecblich und manlich gebaret, der vast sizet und uf sich lat
2u schlahen, dem wirt der pris geben." Er fraget aber: „ach, sag mir;
der DU an dem ersten anriteune kech ist, weri daz genftg?" Er
sprach: „nein, er mitss den turnei us und us herten, und wurdi er
geschlagen, daz im daz für zft deu ogen us wüste und im daz blöt
ze mund und nasen us brechi, daz mi^ss er alles lideti, sol er daz
■2ä lob gewönnen." Er fraget aber: „eya, Heber geselle, getar er iht
weinen ald trurklich gebaren, so er als übel wird geschlagen?" Er
2 vestlich M 8 ul den SK 9 waidellichei" PM trfl^f fehlt M
12 daz sü »tecbent und horierent iiud tumierent S dieaent SP 16 aag
uiir/fAft S lieber gesell« ,4' 18 straich u. gedrang M 31 anritun M
22 torner SK tmne P da» tnmei A' 23 wir«te (!) A 24 e6 muud und 2»
den ogen nud /8 der nasen ns dränge S und ze noaen M
11 aventfirer = a^^' WaijntBSt austiehendtr Süler (Lextr 1, 106}; vgl.
Vita 56,5/. Man igt hier an die Dtfinilio» von „äiinnliure' bei Hartmann
von Aue (Iwein 627 ff.: äventiure, wag iel daz ete.) trinntrt, oder an Ulricht
von JAchtenstän abtnlcuerliche Fahrt, der jtdem Spetrbrec/ter einen galdtntn
Ring versprach (vgl. den geistvollen Äuftatt von Schönbach in: Biographitchc
SläUei; hrsg. von Btttilheim II [1896], 15 ff.). Zur Schildtrung de» Tui-niera
tgl. A. Schultz, Da» höj. Leben 11', 106 und das Büd ebd. 146.
sprach
fr61ich and weidenlich gebaren, anders er wiirdi ze spote nnd vertmi
dar mit die ere ttnd daz TingerU." Ab diser rede ward t
■i der ^h P den glich .V 4 die] nn Jtf
d der ^^H
Leben Seuses. Kap.^
in sich selber geschlagen und ward herzklich und inneklich siifKciide
und sprach: „ach wirdiger herre, mfissen die riter diser weit söliclm
liden enpfahen umb so klainen Ion, der an im eelb tiüt ist, ach got,
XmmCJiifV^*^.
wie ist denn so bilJicb, daz man umb den ewigen pris noh vil mc
erbeten erlide! Owe, zarter herr, wan weri ieh dez wirdig, daz ich
din geiscblicbe riter wen! Eya, sehönü, minneklichü ewigii wisheil,
dero gnacleDTtchkeit nit glich ist in allen landen, wan mfihti minor
5 arbait A' 7 f. mplit i
. l!) ,V
^
sele von dir ein viugerli [66'] weiden, ach dar iimbe wÖlti ich lideD,
waz du iemer wSltist!" Und ward weinende von groBBem ernst, den
er gewan.
Do er kom an die etat, da er hin wolte, da eant got nf in
grSsBä und berlichü liden so vil, daz der arme man na erzaget waz &
an gote, ond daz meng oge nase ward von erbermde über in. Do
vergass er aller verwegenlieber riterschaft und gelübde, die er bäte
in sinem fürsazz gehabt zö got nmb geischlieh riterschaft, und ward
trnrig und widennütig gen got, weg er in zigi und im s&lichü liden
zü Banti. Do mornent der tag uf gti', do kom ein Btilli in ttia sele, lu
und in einer Vergangenheit der sinnen do sprach neiswas in inic
also: „wa nn färnemii riterschaft, waz sol ein strSwine riter und ein
tüchine man? Gross Verwegenheit han in liebe und denn verzagen
in leide, da mit gewunnet man nit daz ewig vingerli, dez du be-
gerest." Er entwürt und sprach; „owe, berr, die turney, da man 15
dir sieh innc mÜBs liden, die sint gar ze langwirig." Dez ward im
hin wider geentivilrt: „do ist och daz lob und ere und vingerli miner
riter, die von mir werdent geeret, stet und ewig." Do ward der
diener in sich selb geschlagen und sprach vil demüteklich: „herr,
ich han unreht, erlob mir allein ze weinen in minem lidene, wan 2ü
min herz ist als reht vol." Er sprach: „we dir, wilt du wainen als
ein wip? Du geschendest dich selb in dem himelscbeu hove! Wusch
dinü ogen und gebar frölich, daz es weder got noch menBch innan
werde, daz du von lidens wegen habest geweinet!" Er vie au ze
lachene und vielen im doch dur mite die trehen über die wangen -^
abe, und enthiess gote, daz er nit me weinen wSlte, nmb daz daz
iin daz geischlieh vingerli von im wurde.
iBsem I
[67''] Do der diener eina males ze Cöln brediete mit grossem
ernst«, do sass ein anvabender mensch an der bredie, der sieh BÜwes
4 Do er kom fehlt S 5 venagen M 7 f. het g'ehept M 9 wider-
wertig S 9 f. im zu s. b. 1. M 16 tumj K duniier F der tiirot-r S der
lumay MÄ' 17 daz vingerli und daz lob u. ere S 26 dEr mite fehlt M
26 er enthieaB M 27 wurd von im üf TS N und Diepenbrock lutben Amt
ein neues Kap. mit der Überschrift : wie seiu aotlit wart gesehen in klorheit
der diener] er M kol P
27 bette. 158,7 in ÄKÜWB'a zwei Bilder: der Diener tmpfangt «od
Engeln himmliselu Tröstung und wird mit Ritterinaignien bekleidet (Abb. 8
nach W Bl. HS', Abb. 9 nach K Bl. 95'-).
zfl got hate gekeret. Do ein der lidender mensch mit flisse war
nam, do sah si niU den inren ögen, daz sin autlAt sich begoud ver-
wandleii in ein- wiinneklich klarheit, und ward ze drin malen glich
der Hechten sunneu nah ire höhsten widerglaete, uml ward im dar
) inTie sin antlüt als Inter, da/, ei Bich selber dar Inne scfaowete. Und
von diser gesibt ward si in ire lidene gar wol getröstet uud ge-
vestnet ia einem beiligeu lehene.
XLV. Kapitel.
Ton dem minneklleheti namea Jesus.
10 Der diener der ewigen wisbeit fflr ainest vnn oberlande ab gen
Ache zft unser frowen. [6'^'] Und do er her wider kom, do erschein
linse frow vor einer vil heiligen persnn und sprach zu ir also: „Iftg,
der diener mines kindeB ist kumen, und hat siuen süssen namen
Jesus vil wit und brait mit begirde unib getragen, aU in och hie
15 vor sin junger umb trügen; und als die hegird baten, daz sii den
naraen allen menschen mit dem globen ze erkennen gebin, also hat
er ganzen fliss, daz er den selben namen Jesus in allen kalten herzen
mit nüwer miune wider enziinde. Dar umbe so gol er nah sinem
tode ewigen Ion mit In enpfahen." Dar ua Iftgete der selb heiliger
2U menscb unser frowen an und sah, daz si in der bant hate ein soh&n
kerzen, du bran als schone, daz si dur alle die weit luhte. und an
der kerzen waz nmb and umb geecbriben der name JESUS. Also
sprach unser frowe zft der persone; „löge, disü briinneudü kerz be-
tütet den namen Jesus, wan er warlich erlühtet ellü herzen, dii einen
2ö namen andehtklieh enpfabent und in erenl und in begirlich bi in
tragent. Und min kint hat sinen diener im selb dar zf\ ob erwellet,
fehU S
oit fliaae felilt P 6 ire] L
22 der name /Ml A'
1 iicli SKM och }•
2 S. Das Ltuchlen dta Antlittes und Dutv/isichligvcrdeii des Leibet
— tint Aiitiiipation der himmltMchen Verklärung — kommt in der myalitchtn
Memoirmlittialw häufig vor, vgl. die Belege bei Erebs a. ii. U, 71 f. und
E. Sehilter, Dru myat. Leben tu TSa» 1903, 19 ff. 11 Dit Wall/alirt nach
Jnchtn faehvarl) tv den dortigen grossen Heiligtümern ist stit dem frühen
Mitldatter sehr im Schuung.- sie tearde im 14. u. 15. Jh. auch als Sohlte für
schicere Virbrechen auferlegt. Vgl. di» Belegt hei Strauch, Ad. Langmann
A. tu 53,öjf.: Staig. Ebner A. ea XLIF, Uff., und bes. Sl. Beissel, Die
Aachenfahrt l^JS. 12 EUbtlh Stogel.
Lt^en Sensca. Kap. XLV.
^^B 154
^^H äa.7. sin niime dur in begjrlicb iu mengem tierzen werd enzündet nnd
^^^1 zb tre ewigen selikcit gefiirdert,"
^^H Do digü vor gcnantü lieiligii tohter hat gemerket meoigralte-
^^^1 klicb, daz Ire gcisclilieh vater so grodRen andalit und gOten j;lobea
Iiate y.6 dem niinneklicben namen Jesus, den er nf sinem herzen h
uiig, do gewan Bi ein sunder ininne dur zt, and in einem gftten
aodabt do nate ei deu selben namen Jesns mit roter sideii nf ein
kleines tächli in diser ^eetalt: IHS, den si ir selben wolte heinlicli
1 80 fthli .V u. HO gSten e- .V 7 oegt SP üä M 8 kleine»
felilt M in - IHS /Ml P IHS rot AK ilis .im Siindt M
traget). Und maehete do dez selben namen glich unzallicben vil
namen und schftf, daz der diener die natnen alle uf sin herz bloss-
leit und sü mit einem g6tticlien segen sinen geischlicbeii kinden
hin und her sante. Und ir ward knnd getan von gote: wer den
5 namen also bi im ti-üge und im teglicb ze eren ein Pater noster
Sprech, dem w6lte got hie gütlich tön und wülti in begnaden od
siner jüngsten hinvart.
Mit sAlicben strengen Übungen und mit gütlichen bilden Jesu
Cristi und siner lieben fründen waz der anvang diser heiligen
10 tohter gebildet.
XL VI. Kapitel.
[84*] Gate nnderschaid enzwäschen warer und falscher rer-
niinftbait iu etlichen menschen.
Sicnt aquila pvovocans ad rolandum pullos buos etc.
15 Do disn beiligü tobter nah der giften 1er ires geischlicben
Taters uf ellü stuk bildricher beilikeit wol waz nab dem nssem
menschen geberret als ein lindes websli bi dem füre, daz der forme
ilcz insigels enpl'enklich ist worden, und och dur daz spiegelich leben
Cristi, der der sicherst weg ist, waz ordeulich lang zit gezogen, do
■20 schreib ir ire geiscbliche vater also:
5 xe t^reu ftlill SA^ 7 M seiet nach lüuvart hiitsu: als uii Htm
iiAwi-n briefbfichin (sic.'_l, das liie ze liindrost och ilet, aigenlich ist geschriben
8 etreugen — mit fthtt MA' 18 [in] etlicher M 14 grosse gemalt» Initial»
ASK 17 menschen fehlt M 18 ingesigBls SP enphänk M 19 [waal
oril. 1. 2. iat gezogen M
10 In AKRWB'a ein Bild: die ewige Weisheit hdU den Diener, seine
geistliche Tochter und andere ir'trelirei- des Namftis Jesu unter ilirsm SchulM-
mantel (Abb. 10 nach K BI. 90. — Hier endet der inähltnde Teil der Vita
Seuses. Die folgenden 8 Kapitel eiilhallen theoretische UnCeiioeisungen übm- die
hficlulen Fragen der Mgstik (die aller überewenksten materien, Prolug des
Exemplars 5,U f.). U V Mos. 32,11. 17 Vgl. AlbeH. M., D* adhatr.
Den c. 3: Forma animae Dens est, cui debet imprimi, eicut eera aigillo et eig-
natum signo Signatur. Ahnlich der», im Prol. summae theologiae, Opp. ed.
Bmrgntt XXXI, 3 und David von Augsburg, De exterioris et interion's hominis
compositione III, 63 n. 8 fed. VnorcccÄi 1899, 346). 18/. Vgl. das Kap.:
„Christus unser Vorbild" bei Denifie, Das geistliche I.rben '1S6II, 14S ff. und
Bdtw Kap. 1.
156 Leben Seuses. Kap. XL VI.
Fro tohter, es weri nu wol zit, daz da fürbaz in ein nebers
giengisty und dich ass dem nest biltlichs trostes eins anvabenden
menschen uf erlupftist. Tu als ein jnnger zitiger adler, da mite daz
du die wolgewahsen vetchen, ich meine diner sele obresten krefte,
erswingest in die höhi dez schöwlichen adels eins seligen volkomen 5
lebens. Waist da nit, daz Cristas sprach zA sinen jungem, die an
«iner biltlicher gegenwartikeit ze vast kleptan: „es ist üch furder-
lich, daz ich von üch var, sond ir dez geistes enpfenklich werden"?
Din vordren Übungen sind gewesen ein gütü bereitange, fürbaz ze
komen dar die wüsti eins vihlichen unbekanten lebens, hin in daz 10
^eheissen land eins lutren rüwigen herzen, in dem hie selikeit an
vahct und an enr weit eweklich blibet. Und daz dir der hob ver-
nünftiger weg dest bekanter sie, so wil ich dir vor lühten mit dem
liebte eins gftten underscheides, wenn du den underscheid wol be-
grifest, daz du mit nihtü mäht verierren, wie höh du iemer mit den 15
«innen flügest. Nu merk eben:
Man vindet zwaierlay wisen ander gütschinenden menschen:
•etlichü fürent ein vernünftig wise und etlichü ein unvernünftig. Du
ersten, daz sind du menschen, du ir Vernunft dar na rihtend, daz
alles ir verstau und ir tOn und ir lau wirt us gewürket mit rehter 20
bescheidenheit nah meinung der heiligen cristenhait, nach gotes lob
und aller andren menschen rüwigen fride, mit besorgunge ire worten
und wisen, daz menlich dar inne irbalb unstössig belibet, er nem
•es denn von sin selbes gebrestlichen gründe, als dik beschiht
S&lichen behüten wandel und selklich wisen ze fürene bewiset du 25
natur und der nam [85'] der vernünftekeit. Und dis ist ein got-
formigü loblichü Vernunft, wan si vviderlühtet in ir selb mit togen-
licher warheit, als der himel tut in sinem liehtrichen gestirne. Aber
du gütschinenden menschen, du ein unvernünftig wise fürent, daz
sind du, du uf ir selbs bilde zilent mit einer unerbrochenr natnre 30
und allein mit ir Vernunft na schowlicher wise du ding scharpflich
au sehent, und dur von übermüteklich vor unwüssenden menseben
kunnen reden in einr verabtunge alles des, daz dar uf möhti ge-
vallen missvalleudes mit rede oder mit geteteu. Der selben ver-
7 [ze] vast M 8 ücli] hinnaii S' 12 enwelt Ä 13 vor lüht.J er-
luhteii M 17 wis M 23 belibe ASP 24 gebrestenlich M 26 selk-
lich] solklich P soliche *S bewisent M 29 vemnnftig 3/ 30 einer
fehlt M 34 f. furnruit'ti^^^ M
7 f. Joh. IG, 7. Vf/L dazu die Predu/t Sctcses: Iterum relinquo tnundum.
Setises. Kap. XLVI.
DÜnFtigea licht ist ns brechende und nüt in brechende als daz ful hnlt?,,
daz dez nahtes eehinet etwaz, und ist doch nüt. Also bewiset sich
discr menschen inres liebt and amet wandel überal dem ungelich,
dem es glich solti jehen.
ö Disü menschen bmft man etwi vil an ire frien und nnbesorgeten
Sprüchen, die bü fürent; und dero nemen wir allein einen sprucb,
bi dem man die andren alle mag schezzen. Ee ist von ire eim ge-
sprochen in einem gediht also: „dem gerehten ist einkein mite! ze
Bchühen." Oise Bpruch und dero glich schinent etwas in etlicbeu
10 äbel geeebenden menseben, sü sind aber den wol gesehenden nüt ze
lobene, die da wol verstand, waz 8Ü inno tragent. Und daz merkt
man eigenlich in dem vordren Spruch, der da seit, daz dem gerehten
kein mitel sie ze miden. Waz ist nu der gereht, ald waz ist daz
mitel? Der gereht, nah gemeiner helinng der rede, daz ist ein ge-
16 rebter mensch, genomen nab siuer geschafenbeit; wan gereht bestat
niit uf im selben, es mbss naiswaz nnderstandes haben, nnd daz ist
hie der gereht mensch. Waz ist denn mitel? Daz ist sände, daz
den menscben schaidet von got. Sei nu ein gerehter mensch kein
mitel, daz ist kein sünd miden nob schuhen? Daz ist later falsch
20 nnd wider alle vemunftikeit. Wol ist daz war, daz der gereht
menscb, als vil er and eilü ding nah ire ewigen ungewordenheit in
der überweslicbcn gotes vernünflkeit daz selb sind in keiner förm-
licher anderbeit, so mühti man im etwi get&n. Aber da in dem
einvaltigen überweslichen gründe ist der gereht mensch nüt der lip-
25 liehe mensch, wan es ist kein liplichkeit in der gotheit; [85''] da
ist och enkein mitel. Aber ein ieklicber mensch bevindet, daz er
dise ald der mensch ist ussreut dem selben gründe, wan er ist hie
t&demlich und dArt nit; und da ist er iez in einer gebresthaftigen
I not] mit K 2 ist fehtt M 9 sprtcl» PM 16 underBcheitz S
18 f. kein mitel iichuchen, dus i. k. ». miden {unii HDliühen] S 24 überweBSn-
liehen .V
8 ..Dem Vollkommtnen tehadtt keine Sänäe mehr," isl rin Säte, dtr
sich bä vergchiedenen pattthtiatinth-quietisttgehett Sekten de» Mittelalterg, (im.
bei den ketzeritchtn BeyharJen und Brüdern des freien Getetes findet : «gl.
Preger I, 461 ff. (Kr. 15, 21, 24 u. a. k.) Weitere Belege bei Bmifle, Der Gottet-
franid im Oberland, Sep.Ahdr. nu» Ui»t.-pi,l. Bl. 76 (18761), 36 f.
20 ff. Alie Dinge sind dtr Idee nach in Gott, und dort nicht teeaetiUieh
Kon einander noch vom Wesen Gott*» unterschieden. Weileres über die aeho-
laaliache Ideenlehre in Kap. .J des Bdtc : rgl. Demfle S2S, 517 f. 27 Ausser
dem GotUsgrundn ; atufährliclier darüber in Kap. 6 des Bäte.
158 Leben Seuses, Kap. XLVn.
^eschafenheit, da er wol bedarf ellü schedlichü mitel ze miden.
Wölti ich DU in miner vemünftekeit ze nihtä werden und amb mich
selb in diser wise nibt wüssen, nnd wölti ane allen nndersoheid min
und gotes ellü liplichü werk würken, als ob es daz nngeschafen
wesen wurkti, daz weri gebrest ob allen gebresten. I
Und alsus mag man merken, daz sölich spr&ch kein reht ver-
Tiünftigkeit inne habent in der warbeit. Hie mite meinet man nit
ab sprechen vemänftig lere ald vemünfdg wolbesorget spräche ald
gdiht, die den menschen entgrobent und in ze vernünftiger warheit
ordenlich wisent, ob sü joch nüt menlich verstat; wan daz ist kmit- k
lieh war, daz grober blintheit und unverwissner vihlichkeit enkan
«ieman gnä eben gereden.
Du tohter sprach: „gelopt sie got dez guten underscheides!
Ich horti gern underscheid zwischen einer rehten vemunft und einer
floierenden vernünftkeit , und enzwischen falscher und warer ge- u
lassenheit/
Der diener sprach:
XLVII. Kapitel.
Underscheid enzwischen ordenlicher und floierender
vernünftikeit. 2C
Na den ersten striten, die da geschehent mit dem untertmk
üeisches und blAtes, so kunt der mensch zft einem tiefen wage, da
menger mensch inne versinket, und daz ist ein floierendü vemünfle-
keit. Waz ist nu daz gesprochen? Ich heiss daz ein floierend ver-
nünftekeit, so dem menschen gerumet wirt von süntlicher grobheit, 25
und geloset wird von haftenden bilden und sich frilich uf erswinget
über zit und über stat, da der mensch vor entfriet waz, daz er sines
natürlichen adels nit konde gebruchen ; so sich denne daz vernünftig
oge beginnet uf tun, und der mensch geliket eins andren bessren
lustes, der da lit an bekennen der warheit, an bruchene götlichera^
selikeit, an dem inblik in daz gegenwärtig nu der ewikeit und dez
glich, und du gescbafen vernüuftekeit beginnet die [86'] ewigen un-
geworden vernunftekeit enteil verstau in im selben und in allen
S wJHe] weit M 11 unwissener aV 14 ieli — underscheid fehlt jy
15 florierenden .S'AM/A>a 191. Überschrift fehlt P 19.28 florierendd KMA^a
24 Waz ist — fl. (florierende KÄ^cc) vern. fehlt ASP 25 von innan ger. w. 3f
32 l)eginnet — 33 Vernunft, fehlt A^ 33 enteil fehlt M
dingen, 8o beschiht dem menschen neiswi wunderlich, so er sich
gelber dez ersten &n siht, waz er vor w»z und waz er nu iet, und
vindet, daz er vor waz als ein armer gotloser dürftig, der zetnal
blind waz und im got ven' waz. Aber nu so dunkt in, daz er vol
5 gotes sie und daz nüt sie, daz got nit sie, mer daz got und ellü
ding ein einig ein sien; uud kripfet die eachen ze geswintlicb in
einer unzitigen wiae, er wirt in sinem gemüte floierende als ein uf
jesender moat, der noh nit 2Ü im selben iet komen, und vallet uf
daz, daz er denn verstat, ald ime ane underscheid für geworfen ist
10 von ieuian, der daz selb ist, dem er denne allein hat ze losene und
keinem andern, und wil denn nah siuen wolgevallenden sinnen lassen
gewerden ellü ding, und eupfallent im du ding, es sie helle ald
himelrich, töfel ald engel, in ire eigenr natur genomeu, <och Cristi
gellten menschheit verahtend 8i>, wan sü nüwan got dar inne ge-
15 kripfet hein, und die sachen sind in noh nit ze grnnde worden ze
erkennen nah underscbetde, nah ire betipnuss und nah Ire Vergangen-
heit, Dien menscben beschiht als den binlin, die daz hong macbent:
80 die zitig werdent und dez ersten us stürment usser den körben,
so fliegent sä in verierter wise hin und her und enwissen nit war;
20 etlichü missfliegent und werdent verlorn, aber etlichn werdent orden-
lich wider in gesezzet. Also geschiht disen menschen : wan sü mit
ungesaster Vernunft got schowent al in al nah ire unvolkomenr Ver-
nunft, so wen sü dis und daz lassen vallen, sü enwüssen wie. Daz
ist wol war, es möss alles ab, dem reht sol geschehen; sü verstand
25 aber noh nit, wie der abval boI gestellet sin, und wen ungelimpflich
die und daz lassen und sich und ellü ding got nemen, und wen dar
US wirken ane underscheid. Und dise gebrest kunt eintweder von
2 [waz er] im M 4 uml — wa/ fehlt SP 5 mer — 6 sien fthll M
6 einig] ewiges K 7 f. uf iereuiler M 8 kumuu ist MA' 11 ainen] aincni A
12 im denne alle die diiig P 13 och — 14 verahtend gi M, fehlt ASPKA'afS'U
14 nöwan] nu K 15 noh nit in S in öch noh nit P 17 byglin S ymlin E
19 [und] 8i enw. M
10 dast selb ä. h. ginnlich und aufgtblaacn. Sense spielt auf da» „sieh einem
£u Grunde lassen"^ an, icie es bei den häretisehm Gollesfreuriden (t. B. bei
Nikolaus von Basel, vgl. Denifie, Der Gottesfreund im Oberland 35 ff.) vorkam.
Die Unterteeifutig anter die Leitung eines andern (auch Laien) findet sieh aber
in korrekter Weise auch bei kirchlichen Golteafreundcn, vgl. Denifli a. a, O. 51 /.
13 f. Die Meinung, da- Gedanke an das Leiden Christi sei ein Hindernis
roUkommener Beschallung, ist ein Irrtum der Begharden, den das Konzil von
Vienne (ISIljW verurteilte (HefeU, Kontiliengesch. VI', 544).
160 Leben Seuses. Kap. XLVm.
angelerter einvaltekeit ald aber von UDerstorbenr ablistekeit. Hie
wenet menger menscb, er hab es alles ergrifen^ so er im selb hie
mag US gan und sich mag gelassen; und daz ist nit also^ wan er
ist erst geschlichen über die vorgraben der unersturmter vesti, hinder
den schirm, hinder den sich der mensch togenlich birget und noh i
nit kan under gan nah sines geistenriches wesens ordenlichen [86 \]
entwordenheit in ein war armüt, der da enpfellet in etlicher wise
aller frömder gegenwurf und du ie wesendü einvaltigü gotheit ir
selb entwürt mit dez menschen unverwerten müssikeit, als hie na
mit gutem underscheid wirt bewiset. U
Lag, dis ist der punct, in dem etlichü menschen verborgenlich
meng jar hangent, daz sA weder us noh in kunnen komen. Aber dir
sol von mir mit underscheid geweget sin, daz du nit kanst verierren.
XLVm. Kapitel.
Guter underscheid under warer und falscher gelassenheit. 15
Es ist ze wässen, daz man vindet drierley Vergangenheit. D&
ein ist ein ganzü Vergangenheit, als so ein ding in im selb vergat,
daz sin nät me ist, als der schat vergat und ze nihtü wirt. Und
alsus vergat nit dez menschen geist in siner usvart, den geist wir
ein vernünftig sele nemmen ; si blibet eweklich von irem vemunf- 20
tigen adel ire gotförmigen kreften, wan got ist ein überweslichu Ver-
nunft, na dem si vernünfklich gebildet ist. Und dar umbe so ist es
unmuglich, daz si also ze nihtü werd, als der tödemlich lip tfit, so
er ze nihtü wirt.
Ein endrü Vergangenheit helsset ein helbü Vergangenheit, du 25
ir eigen stund und zit wil haben, als den menschen beschiht, du
in die blossen gotheit na schowlicher wise werdent verzuket, als
Paulus, ald joch ane daz, so ein mensch in entbildeter wise dik
entwürket wirt und im selb vergat. Dis ist aber unbliplich. Do
Paulus her wider kam, do vand er sich den selben Paulus, einen 30
menschen als ie von erst.
1 imerstorbem K 6 Aalstriches M jj:eistlichens P 8 fromdeii K
9 autwurten M uit wurt (!; P 15 under] und M 16 Du — 17 vergang. /eÄZ* S
Dil — 19 vergat fehlt Ä^ 19 den] dem M 20 nennent P nemet S 28 ald
jochane i= Johannes !) S ainbildeter K 29 wirt] wir M unbeliplich M
9 f. Die Erklärung folgt besonders in Kap. 52. 19 usvart aus dtm
Leibe, d, h. beim Tod. 28 // Kor. 12,2 ff.
Leben Seuses. Kap. XLVm. • 161
So heisset eins ein entlentü Vergangenheit, da der mensch mit
einem ufgebene sines frien willens sich got lasset in einem ieklichen
nu, da er sich vindet, als er umb sieh selb nüt wüsse und got allein
der herr sie. Und disü Vergangenheit mag nit wol ganz bliben, die
5 wil Hb und sei bi einander sind; wan so der mensch sich selb iez
hat gelassen und wenet sin vergangen in gote nah des sinsheit, sich
selber niemer her wider ze nemene, geswind in einem ogenblik so
ist er und sin scbalk her wider komen uf sich selben, und ist der
selb, der er och vor waz, und hat sich aber und aber ze lassen.
10 Der nu uss diser kranken gelassenheit w61ti wtirken, daz weri luter
falsch. Wol ist daz war: als vil sich der mensch entfrömdet im
selben und wirt ingenomcn in die Vergangenheit, als vil bestat er
in rehter warheit.
Fürbaz ist ze [87 '] wüssen, daz man vindet zweierley gelassen-
15 heit: einü heisset du vorgendü gelassenheit, du ander heisset du
nagend gelassenheit. Und des nim war in einer bischaft. Ein diep
hat ein heischen in ime von der bosheit siner natur, daz er stele.
Da wider sprichet sin beschaidenheit: du solt es nit tun, es ist ge-
brest. Giengi nu der diep im selber us und liessi sich der be-
20 schaidenheit, daz weri du vorgend und du edelst gelassenheit, wan
er blibi in siner unschulde. Aber so er sich hier inne nit wil lassen
und wil siner bossheit gnög sin, dar na, so er wirt gevangen und
siht, daz er mfiss erhangen werden, so kunt du nagende gelassen-
heit, daz er sich in den tod gedulteklich git, wan es 'anders nit
25 mag sin. Du gelassenheit ist och gut und machet in selig, du vorder
waz aber ungelich edelr und besser.
Hier umbe ist es nit ze wagene und sich in die gebresten ze
iassene, als etlichä torohtü menschen sprechent, daz man dur alle
gebresten müss waten, der zft volkomenr gelassenheit wil komen.
30 Daz ist falsch, wan der ist ein tore, der sich mAtwilleklich in ein
unsuber lachen wirfet, dar umb daz er dur na dest schöner werde.
Dar umb so hein die aller frumsten gotesfründ daz inne, daz sü
1 entlechneti K 2 f. in [einem] ieglichem nu -ff 4 blibet (!) M
11 entfromendet .1/ 17 blosheit S bolheit P ex fehlt M stelle A 21 [er]
blibi M hier umme AK darumb « 25 f. aber du vorder w. [aber] SM
30 am Rande Thomas AA^^ im Kontext K 31 lachen] wasser S
4 ff. Vf/l. Stuses Fredigt Herum rdinquo. 28 f. Vgl, die heghardi'
sehen Sätze hti Preger I, 461 ff. (Nr, 21, 6ö, bu, 106, 121) und Hefele a, a. O.
30 Das Zitat aus Thomas nicht nachtceisbar.
H. Souse, DeutBcbe Schriften. 11
162 Leben Seuses. Kap. XLVIII.
sich gern zc grund Hessin und in der vorgenden gelassenheit stet
belibin ane alles wider nenien, als vil es menschliehü krankheit er-
zügeu mag; und so daz nit gescbibt, daz ist ir klag. Wol hein sü
eins vor andren menschen, daz sü sieb gericbtklicber kunncn von
dem mitel entschlaben, wan in der selben klag entspringet ein nagendü
gelassenheit, du den menschen geswind wider in sezzet; und daz
ist, da sieb der mensch nob menschen vindet und sieb also got ze
lob lidet. Und disü nagendü gelassenheit wirt och etwen nüzz von
ir selbs erkantbeit; und hie verswiudet du klag als klag, und ge-
birt sich aintalteklicb wider in daz selb und wirt daz selb^ als ie i<
von erst.
Weri nu, daz kein s61icber unganzer mensch im selb ocb hier
inne wolti düplich behelfen und sprechi also: „da sich der meusch
wider nimet nah dem zftval und da mit etwas gebresten übet nah
dem ussern, waz kan im daz geschaden , cht du wesentbeit dez u
menschen glich stat ane alles wider nemen?* — da sprich ich, daz
der sich selb nit verstat und nüt waiss, waz er [Sl""] sait; und dez
hein alle wolgelert meister ein wüssen, ob ebt sü kunnen verstan,
was der nam zftval ist. Wan daz heisset zftval, daz der under-
standen Wesenheit zft und ab vellet ane des understandes zerst6rung, 20
als du varw tut an dem brete. Also ist es nit hie, wan üb und
sei, daz sü von ire unwüssentheit heissent zftval, sind zwai weslichü
stuke, du dem menschen wesen gebent und im nüt in zftvallicber
wisc bi sint. Dar umbe hat ein ioklicher mensch, wie nah er iemer
verstat sich selber ze lassen und wider ze nemen, in dem er tugend 25
und gebresten mage üben; wan dez geistes vernihlkeit, sin Vergangen-
heit in die ainvaltigen gotheit und aller adel und volkomenheit ist
ze nemene nüt na Verwandlung sin selbes geschafenheit in daz, also
daz daz selb, daz er ist, got sie, und es der mensch von siner grob-
beit nit erkenne, ald daz er got werde und in sin selbs wesentbeit 30
ze nihtü werd, mer es lit an der eutgangung und verahtunge sin
2 nemmcfii M 5 entpsprinß-et A entsprichet A^ 7 lueusch fe?üi M
1) als klajJT fehlt P 15 ol) cht M 17 sich der seil» PJ/ 19 atn Rande
Aristotiles AA\ im Koniexi K 2'^ ntit in züv.j mit iiiizuv. A^ 25 Glider
zc ixebeut nemeiit (!) M
191V. An'stoteley Lehre über (im j.ZufaU" mccidens, au|i3sßr,xös, ^Hinzu»
kommendes"') findet sich au mehreren Orten in seinen Schriften: vgl, Index
Ar ist. 740 a :2(^ ß'. Ohiffe Definition gehört eigtntlich Porphyrius an (Deniflt
JÜäT A, :)). VgL Bdw Kap, 4, 24 Zu hat ergänze etwaz.
Leben Seuses. Kap. IL. 163
selbs na angeblikter wise. Und alsus in der entnomenheit verget
sich der geist ordenlich, und im ist erst hie reht besehehen, wan
im ist got ellu ding worden, und ellu ding sind im hie nciswi got
worden; wan im entwüttend ellö ding in der wise, als sü sind in
5 gote^ und hübet doch ein ieklich ding, daz es ist in siner natur-
licher wesentheit, daz ein unverstandnü blintheit ald ein ungeüptü
vernunftikeit nah disem waren underscheid nit kan oder nit wil in
ire wüstes gemerk lassen komen.
Von disem guten underscheide mäht du nu furbaz merken die
10 nagenden vernünftig Sprüche und lere, die den menschen entwisent
von siner grobheit und in wisent zft siner höhsten selikeit.
IL. Kapitel.
Ein vernünftiges Inletten dez ussren menschen zu siner
Inrekeit.
15 Hab einen ingetanen wandel und bis nüt usbrüchig weder an
Worten noh an wandel.
Tft der warheit gnüg ainvalteklich, und swas dar zfi vellet,
da bis dir selben inne unbehulfen, wan swer im selb ze vil behilfet,
dem wirt von der warheit nit behulfen.
20 So du bist bi den menschen, so lass vallen ellü ding, du du
sihst oder h&rst, und halte dich allein zfi dem, daz sieb dir er-
zöget hat.
Flizz dich, daz din Vernunft in dinen [69'] werken hab dez
ersten iren fürbruch, wan swa der sinnelich fürschuz ze schnei ist,
25 dannan kumet alles übel.
Wan sol den lust nüt nemen nah den sinnen, wan sol in nemen
nah der warheit.
Got wil uns nit beroben lustes, er wil uns nah allichkeit
lust geben.
30 In dem kreftigosten underwurf ist du höhst erstandung.
10 den] dem A 13 f. in sin inrekeit M 15 f. an w. noh fehlt K
18 gehilfet M 19 geholfen M 20 dem m. M 24 sinnel.] sumelich A'
1 if. „/n der höchsten Vereinigung mit Gott geht dei' Blick des Geistes ganz
auf Gott über. Er wisiss, weil ohne Beflexion und Diskurs^ von sich selbst
geidssermassen nichts^ nur von Gott.^ Denifle ^38 A. 1,
164 Leben Seuses. Kap. IL.
Wer dem innigosten wil sin, der mfiss sieh aller menigYaltig^-
keit entschüten; wan mfiss sich sezzen in ein verrüchen nf alle»
daz, daz daz einig nit ist.'
Wa du natur wurket uss des sinsheit, da ist erbet; liden nnd
bedekunge der Vernunft I
Wenn ich mich vinde daz ein, daz ich sin sol, und daz al,
daz ich sin sol, waz ist grösser lustes?
Ein mensch sol in siner unbiltlichkeit und in siner UDeDtbalt-
lichkeit stan, dar inne lit der maist lust.
Waz ist eins wolgelassen menschen übunge? Daz .ist ein u
entwerden.
Swa man minnet in bild ald person, da minnet zfival zftval;
dem ist unreht. Doch so liddi ich mich dar inne, unz es abvieli.
Es ist neiswas von innen cinvaltigs, und da minnet der mensch nut
gegenwürtikeit dez bildes, mer, da der mensch und er selbs und ll
ellu ding eins sind, und daz ist got.
Der sich selben liessi an begirlicben usbrüchen der sinnen,
daz weri ein undergang sin selbes; sus ist es ein behelfen der sinnen.
Hab ein inliden in liep und in laid, wan ein inlidender mensch
nimet me zft in einem jare denn ein usbrechender in drin. 2(
Wilt du allen creaturen nfizz sin, so ker dich von allen creaturen«
Ein mensch mag die Sachen nit begrifen: sie müssig, so be-
grifFent in die Sachen.
Fliz dich, daz kein usbruch beschehe, der dem bilde ungelich sie.
Ein mensch sol war nemen der neigunge, du sich ze allen 28
dingen bietend ist in behelfwise wider der ainvaltigen warheit.
Wilt du dich nit liden in einvaltekeit, du wirst dich lidende
in menigvaltekeit.
Leb, als kein creatur me uf ertrich sie denn du. Sprich : „als
2 venfichten M 12 in minnet bild (l) M 14 mit] mit FA^ 29 me]
ni«? K
14 JbJs ist hier {vgl. 109,26) der ^Seeletigrund^'j das ,Mchte Fünklein der
Sceh^ (ape.v mentis, ahditum metitis, intimum et snmmum nientis^ scifUiUa animae)
gemeint j von dem bei den Mystikern so häufig die Rede ist (vgl» Eckhart 113,
33 fi\ und iJenifle in Hist.-pol. Bl, 75, 76.5 und Archiv II, 576), Beseichnungen,
die auf Pseudodionys und weiterhin die Neuplatoniker zurückgehen. Vgl, auch
Orahmann, Die Lehre des h. Thomas von der scintiUa animae in ihrer Be^
deutung für die deutsche Mystik im PredigerorJen, Jahrbuch f, Philos, u. Spekula
TheoL PJ(*(),413—:>7: Prrger II,:Jl2fi'. 19 inliden = Gelassmsein,
29 Spnrh zu dtr Kreatur.
Leben Seuses. Kap. IL. 105
•du mir bist, also mag ich dir nit sin". Natur minnet natur und
meinet sich selben.
Etlicher menschen natur ist ze ungebrochen und der usser
mensch hie ussnan bliben.
s Ein vermägeu sich nf ze enthalten git einem menschen me
vermugens, denn du ding haben.
Ein Unordnung bringet die andren.
Lüg, daz du natur sie ungeladen und [69""] der usser mensch
einförmig mit dem inren.
10 Nim dez inren menschen war, dar an lit usser leben und inr leben.
Der nehsten gelassenheit h6ret zfl, daz man alle zit die natur
in einem zom habe.
Ein mensch sol sich alle zit gegenwürtklich halten, daz sich du
natur nit verlofe.
15 Du klagest, daz du noh siest ze würklich und ungelassen und
unlidig; doch nit verzwifel: ie neher ie besser.
Ein Wurzel aller untugent und ein bedeken aller warheit ist
zerganklichü minne.
Der sinnen undergang ist der warheit ufgang.
^ Swenn die kreft entwürket werdent und du dement gelütert,
die kreft stand neiswi als in irem ewigen sinne, wan sü sich dar
mit irem vermügen gerichtet hein. Alle kreft hein ein sin und ein
werk, daz ist: der ewigen warheit gnfig ze sine.
Es ist nut lustlich, denn daz einförmig ist dem iunigosten
25 gründe götlicher nature.
Wan vindet etlichü menschen, du hein ein nahrftren gehabt
und dem nit gevolget; ire inrestes und ir ussrestes sind verr von
einander, und hier inne gebristet vil menschen.
Du natur stat iez in richlicher wise; ie me usgegangen, ie
30 verrer, und ingegangen, ie neher.
Swer zu siner richheit ist komen, der würket ellü sinnelichü
ding dest baz.
15 [daz] du siest noch M 17 würzelin aller tii^eiit (!) M 20 gelürt A'
21 sinnen P sin « sine AKA^ sinde S 21 f. dar [mit] M 23 daz] als M
dir der e. w. M 24 lustliclis M daz fehlt K 26 nachruren M
5 Das Vermögen sich über den Dingen zu halten d. h. ühei' sie erhaben
zu sein (Denifle :241 A 6), 29 Wohl = die Natur ist jetzt (d. h. infolge
der Erbsünde) ungeordnet und üppig- Denifle 24:2 A. 6: sie unterliegt nnserm
Willen, so dass wir über sie gebieten können.
166 Leben Seuses. Kap. IL.
Swer die natur, die wil si ist in liiterkait, inbegrifet der war-
heit, so wirt si gerihtet, daz si dest besser usrihtunge git in usser-
keit; anders vergct si in die zit und enkan keinem ding reht us-
rihtung geben.
Luterkeit und verstentnüs und tugent machent rieh in der natur ; 5
und in dero underzukung geschiht etwen, daz du menschen entwerdent
vor allen creaturen, und da es wol geratet, werden t neher in gewiset.
Waz ist daz, daz den menschen jaget arg wisen zu suchen?
Daz ist gesüchd einer gnugde ; die vindet man allain in dem lassene,
mit in den argen wisen. 10
Dar umb etlichü menschen als dik in gebrestlieh beträbt vallent,
daz kunt da von, daz sü ir selbs in nahlicher wise nit alle zit war
nement, uf ein ieglich puntlin sich ze hüten vor sträflichen dingen.
Siglos werden ist gotes fründen han gewunnen.
Blib in dir selb; ursach ander dingen zöget sich als ein noturft, 15
es ist aber ein behelfen.
Daz ist bös, vil Sachen anvahen und kein enden. [70'] Man
sol vast haben, unz man merk, ob got oder natur.
Fliz dich, daz du natur usser irem eigen gründe würke ir werk
sunder ursach. 20
Ein reht gelassenr mensch sol sich vier ding flizen: L Er sol
sin gar sitig an dem wandel, daz du ding sunder in uss im fliessen.
II. Sitig und rüwig in den sinnen, nüt hin und her woldenieren —
wan daz ist gar inzügig der bilden — , so wurdi den inren sinnen
ein müssiges spacieren. III. Nüt anhaftig sin; er sol war nemen, 25
daz nüt vermischetes da sie. IV. Nit wortwege, sunder lieplichi
zft dien haben, dur die in got wil ab würken.
Hab ein vestes bliben in dir selb, unz daz du uss dir selb
sunder dich selb gewürket werdest.
Nim war, ob göter lüten heinlichi gange uss gunst ald uss 30
einvaltekeit; des ersten ist ze vil.
Erbütt dich nieman ze vil: da aller maist erbietens ist, da ist
6 dero] der M 7 da] daz M 8 wis .1/ 9 g(!süch M 12 ir]
in M 18 uf eins iekliclieu puntliu ASP 19 gründe] gut M 21 ff. das
erst, das ander, das dritt, das vierd K, I U fehlt M 21 f. er sol och sin [ji^ar]
8. M 23 Avolderun 6' wol demeren P woldernieren .V 26 vermischz M
ücplichen K lieplich M 32 erbütt — vil fehlt A^
6 f. Gelassenheit in der inneren Verlassenheit und Darre bringt um so
weiter in der Vollkommenheit.
Leben Senses. Kap. IL. 167
etwen aller minst gevelles; dir gezirat ein ingetane demütige wandel.
Swenn eins wider sin wesen tfit, daz gezimt ime niemer wol.
Selig ist der mensch, der nüt vil wisen noch Worten füret;
ie me wisen und Worten, ie me züvellen.
5 Hab dich inne und erzog dich dem nüt glich, anders du wirst
lidende.
Etlichü menschen würkent us enpfindene in wol und in we;
aber wan sol sich dar inne nüt an sehen.
In dem undergang werdent ellü ding volbracht. Do Cristus
10 gesprach: In manus tuas, zehand do waz es: Consuramatum est.
Got und der tüfel sind in dem menschen ; der sich selb wil
füren ald sich selb wil lassen, der vindet den underschaid.
Swele mensch w51ti alle zit rüwe haben, der behübi sich selb
dar inne als wol als in andren dingen.
15 Swem inrkait wirt in usserkait, dem wirt inrkait inrlicher,
denn dem inrkait wirt in inrkeit.
Daz ist gut, daz sich der mensch in kainer sach füre, und
dem ist reht, dem du ding der bilden entwürtend in dem obren.
Es ist vil me vernünftiger menschen denne einvaltiger. Du
20 haissent vernünftig, da du vemunft rengniert; aber der ainvaltekeit
von ire müssigkait enpfellet menigvaltikait der dingen nah dez sins-
heit genomen, und hat denn nüt söliches schowens; wan einvalte-
keit ist neiswi sin wesen worden, und er ist ein gez6w [lO""] und
ein kind.
25 Swer wil, daz im ellü ding sien, der sol im selb und allen
dingen nichtesnit werden.
Eya, wie selig der mensch ist, der stet belibet vor manig-
valtikait! Waz enpfindet der hainliches inganges!
Gütü meinung vermitelt dik wäre einunge.
BO Daz oge sol nüt ussehens han, es hab denn ein ustragen der
bilden.
1 getan M 5 ndt fehlt M 15 inriich M 20 fürnünftig M 23 er]
du A^j fehlt P gezüfife A^ 29 manung F
3 wise, entspreche7id dem Taulerschen ufsaz = sich selbst vorgesetzte
Handlungen (Lenifle :i4ö A. 4 und Bvga XXVIII). 5 nüt bei den My-
stikern häufig = Grund ^ Wesen Gottes. Seuse handelt darüber im Bdw Kap. 1
und fJ: vgl. auch Kap. 52 der Vita, 10 Luk. 23,46: Joh. 19,30, 18 In
dem oberen, höheren Teile des Menschen. 23 f. Ein Werkzeug und Kind
Gottes; vgl Eckhart 402, 32; 526, 2 ff.
168 Leben Seuses. Kap. IL.
Der teil; der yod Adam ist, den sol man als gern liden, als
den, mit dem wir selig sien.
Ein gelassener mensch bildet enkein ungelük in sieb.
Daz der menscb noh klaget und leidig ist, daz kunt alles von
gebresten; wan mfis es uss triben. 5
Alle, die unreht friheit fürent, die zilent uf ir selbes bilde.
Einer gerehten unledikeit ledig wellen stan ist du ungewerlichost
ledikeit, die man mag han.
Ein gelassener mensch mliss entbildet werden von der creatur,
gebildet werden mit CristOj und überbildet in der gotheit. lo
Swer sich selben in Cristo nemend ist, der lat allen dingen
ir Ordnung.
Swenn ein mensch ein mensch ist worden in Cristo und ent-
worden im selber, dem ist reht.
So sich ein mensch mit einem inker zu der warheit wil ffigen, 15
so lühtet im in du entgaugenheit sin selbs und merket, daz creatur
noch in im ist, du den vonzug enpfie. Hier inne lidet er sich selben
und merket, daz er noh nüt entwürkt ist. Sich also liden, ist iez
ainvaltig werden. Du entgangunge gebirt ein müdi, in dem vouker
vellet es abe. 20
Waz ist eins reht gelassen menschen gegen wurf in allen dingen?
Daz ist ein entsinken im selb, und mit ime entsinkend im ellü ding.
Waz ist daz minst mitel? Daz ist ein gedank. Waz izt daz
maist mitel V Daz ist, da du scle in ire namhafti ires eigens
willen belibet. 25
Einem gelassen menschen sol enkain stiindli vergan unangesehen.
Ein gelassener mensch sol nüt alle zit Iftgent sin, wes er be-
dürfe, er sol lügend sin, wes er enbern muge.
So sich ein gelassenr mensch fügen wil zu der warheit, so
sol er sich flizzen, daz er nem einen inbriich der sinnen, wan got 30
3 bildet fehlt A^ enbildet S un^relük] iiii.ijlich M 5 ^^ebrestem A
7—8 fchll M 8 man] ein niensrb A^ 9 von — 10 überb. fehlt K 15 [zu
der w. wil] fiii^-ett M IG im [in] M 24 manhafti 3/
1 f. Damit ist jeder ungesunde Si^iritualismus abf/elehnt. 9 f. Kurse
und ireji'tnde Z usammenfassung des mystischen Weges (via purgativa, illumi-
nativa, unitiva)j wie er seit Fseudodionys gewöhnlich gelehrt wird (vgl. H. Kochy
Pseudodiotu/sius 1900, 174 ß'.), 16 ff. Erklär uug s, T)e)ufle :^4ö A. 1.
30 ff. Dir Abschnitt kehrt in Kap. 7 des Jidir ctwtts abgeändert wieder.
Vgl. Joh. 4,24.
Lebeu Seusea. Kap. IL. 169
ist ein geist. II. War nemen, ob er sich iene vermittelt habe,
III. ob er sieb selben iene [71'] für in keinem fürgrif dez sinsheit.
IV. Und 8ol denn in dem lieht merken die gegenwürtikeit dez
allichen gütlichen wesens in ime, und daz er dez selben allein ist
s ein gez&w.
Als vil sich der mensch keret von im selb und von allen
geschafnen dingen, als vil wirt er geainiget und geseligot.
Witt du ein gelassenr mensch sin, so fliz dich, wie dir got ist
mit im selb ald mit sinen creatnren in lieb ald in laid, daz du alle
10 zit standest glich in einem usgene des dinen.
Hab ein beschliessen der sinnen vor allen gegenwürtigen forman.
Bis lidig alles dez, daz du uslfigendü beschaidenhait us erwellet,
daz den willen beheftet und der hügnust wollust in trait.
ßlib uf niht, daz got nut ist.
15 Swenn du bist da, da iemen gebresten übet ald unglichheit,
so gib dez dinen nit dur zfi und hab och nit dur zfi.
Der bi im selben alle zit wonet, der gewinnet gar ein riches
verniügen.
Eins gelassen menschen ergezzung in der natur sol sin ein
20 beschnitnu noturft in unvermisten werken, du in tragen einen lidigen
vonker.
So vil der mensch minr und me gelassen ist, so vil wirt er
minr und me betrübet von den hinziehenden dingen. Und alsus
geschah einem halbgelassen menschen: do er in der empfindung im
25 selb ze nahe lag, do ward gesprochen also: „du söltist min als flissig
sin und din selbs als unehtig, wenne du waist, daz mir wol ist, daz
dich enrftchti, wie es dir giengi".
Ein gelassenr mensch, so sich der in inburgheit sezzet mit
ingefürten sinnen, — so der ie minr ufenthaltes von innan vindet,
30 so im ie wirs von innen geschiht, und ie geswinder stirbet und ie
schnelleklicher hin durch kumet.
Ein wltes ussweifen der sinnen cntsezet den menschen siner
inrkait. Lüg, daz du kain ustragend sach siest fürende; so dich
die Sachen suchen, so la dich nit vinden. Hab einen geswinden
35 inker in dich selben.
Natürliches leben bewiset sich in beweglichkeit und in sinne-
1 — 3 das auder, das drit, das vierd K 2 kaineu A 4 allein fehlt M
14 ist nit M 16 und — dur zu fehlt S 20 uuvermüschoten S liden-
den M 27 gang SV 28 der [in] Sr 36 f. und in sinn, fehlt S
170 Leben Seuses. Kap. L.
lichkeit; der sich selb da lasset und entwirdet, in der stillheit be-
ginnet übernatürliches leben.
Etlichü menschen hein einen ufgang ane hinderniss: sü hein
aber nüt ein stetes bliben.
Sezze dich in ein bloss gelassenheit, wan nnmessigü begerung, 5
so der ze vil ist, hier zft möhti ein [71^] verborgen mitel werden.
Ein gelassenr mensch sölte alle siner sei krefte also gezemmen,
wenn er in sich sehe, daz sich daz al da erzogti.
Ein gelassenr mensch blibet sin selbs massig, als ob er umb
sich selb nüt wüsse; wan in dem, daz got ist, so sind in im ellü 10
ding erlich berihtet.
Hab flizz och zft dinem ussren menschen, daz der geainiget
werd mit dem inren mit underzogenheit aller vihlicher gelüsten.
Ein gelassenr widerker ist gote dik lieber denn ein behangnü steti.
Samen din sei zesamen von den ussren sinnen, da sü sich inne 15
zerstr6wet hein uf die menigvaltekeit der ussren dingen.
Gang wider in, ker aber und och wider in in din ainmüt, und
gebruche gotes.
Hert vast und la dir niemer begnügen, unz daz du erkriegest
in der zit daz gegenwürtig nu der ewikait, als verr es muglich ist 20
menschlicher krankheit.
L. Kapitel.
Von den hohen fragen, die du wolgeüptü tohter fragte iren
geisehlicheu vater.
Nah dem vernünftigen inlaitene des ussren menschen in den 25
inren erhüben sich in der tohter geist höh sinne und meinde, ob si
noh getörsti fragen von den selben hohen sinnen. Er sprach: „ja.
3 etlichü — 8ü fehlt A' G hier us K 7 aller SM 8 [daa] al .1/
11 erlicli fehlt M 12 diiicn MA"^ 13 den inren M 17 armfit P
19 niemer fehlt M heuüjjren M 26 meinde] main Jf
3 nf«i:an^, nämlich zu Gott: vgl, Schwester Katrei hei Ff d ff er 464 j 16.
5 Auch ühennäs.sige Btgehrung des Guten ist schädlich; vgl. a. a. 0. 464^:^0.
7 f. Schw'.'ster Katrei 468,:^(Jf.: Ich hete aller miner scle krefte geeemt;
wennt ich in mich sach, so sach ich got in mir etc. scheint hier Vorlage zu
sein. Vgl. übrigens ohen 166.20 ff, 14 Eine seV>stgtfüUige und deshalb
Gott missfnllige Stetigkeit im Guten. Denijle :Jö2 : hthagliche.
Leben Seuses. Kap. L. 171-
wan du ordenlich dur du rehten mitel bist gezogen^ so ist nu wol
erlobet diner geistenrichen vernünftekeit, von hohen dingen ze fragen.
Frag, waz du wellest." Du tohter sprach : „sagent mir, waz ist got,
ald wa ist got, ald wie ist got? Ich mein, wie er sie einvaltig
5 und doch drivaltig?"
Er sprach: weiss got, daz sind höh fragen. Von der ersten
. frage, waz got sie, solt du wissen, daz alle die meister, die ie wurden,
kunnen daz nit us gerihten, wan er über alle sinne und Vernunft
ist. Und doch so gewinnet ein flissiger mensch mit emzigem sftchene
10 etwaz kundsami von got, aber gar in verrer wise, dar an dez menschen
obrestü selikeit lit. Nah diser wise sftchtan in hie vor etlich tugend-
haft heidenscbe meister, und sunderlich der vernünftig Aristotiles.
Der gniblet na in dem lof der natur, wer der weri, der da ist em
herr der natur. Er suchte in genote [72'] und vand. Er bewert
15 uss der wolgeordneten nature lof, daz von not mfiss sin ein einiger
fürst und herr aller creaturen, und daz heissen wir got.
Von disem got und herren haben wir wol so vil kundsami, daz
er ist ein substanzlich wesen, und daz er ist ewig, ane vor und an&
na, einvaltig, unwandelber, ein unliplicher, weslicher geist, dez wesen
20 sin leben und wurken ist, dez istigu vernunftkeit ellü ding erkennet
in im selb mit im selb, dez wesen grundlose lust und fröd in im
selben ist, der sin selbs und aller der, die daz selb in schöwiicher
wise messen son, ein übernatürlichü, unsprechlichü, wunnenberndü
selikait ist.
25 Du tohter sah uf und sprach: „eya, daz ist gfit ze hören,
wan es daz herz ruret, den geist uf lupfet, sursum, höh über sich
selb. Da von, lieber vater, sagent me dur von!**
2 gaistrichen MA^ 4 ald wa ist got fehlt A^ ald wie ist got fehlt S
9 mensch fehlt M 14 vand in M 19 und unwand. M 20 iUigü (!) A^
22 die — 23 son fehlt S
12 ff. Die Aristotelischen Gottesbeweise, die Thomas^ S, c. Gent, 1,13 und
S. Th. 1 q, X>a. 3 weiter ausführt, finden sich Fhys. VII 241b 24 ff.: VIII 258 b^
10 ff. : Metaph. a 994a 11; 9- 1049b 17 ff. : X 1072a 19, 1073a 14; l. c, 1076a 4
das Homerische Wort (II. B 204) : elg xoipavog Ioxü), auf das auch Seuse an-
spielt. Es ist hier speziell der sogen, physiko-theologische oder teleologische
Gottesbeweis gemeint, dtr weiter unten dargestellt wird. Vgl, Schanz, Apologie
des Christentums I^ (1903), 470 ff. ; Rolf es. Die Gottesbeweise bei Thomas t^on
Aquin und Anstot. 1898, 18 ewig, ane vor und ane na, vgl. Thomas,
S, Th, 1 q. 3 ff. Weitere Erkläning und Belege bei Denifle 254 A. 1 und Bdw
Kap, 5,
172 Leben Seuses. Kap. L.
Er sprach : lug, daz götlich wesen^ von dem geseit ist, daz ist
^in sölichü vernunftigü sabstancie, die daz tödemlich oge nit gesehen
mag in im selb ; wan siht in aber wol in siner getat, als man einen
gfiten meister spürt an sinem werke^ wan als Paulus seit: „die
creaturen sind als ein Spiegel, in dem got widerlühtet." Und dis 5
bekennen heisset ein speculieren.
Nu lass uns ein wili alhie beliben, und las» uns speculieren
den hohen wirdigen meister in siner getat! Lfig über dich und umb
dich in du vier ende der weit, wie wit, wie höh der schön himel
ist in sinem schnellen lof, und wie adelich in sin meister gezieret 10
hat mit den siben ptaneten, der ein ieklicher, ane allein der mane^
vil grösser ist, denne alles ertrich sie, und wie er gepriset ist mit
der unzallichen mengi dez liebten gestirnes. Ach, so du schön sunne
ungewulkt heiterlich uf brichet in dem sumerlichen zit, waz si denn
eblich fruht und gutes dem ertrich git! Wie der anger schon grünet, 15
wie lob und gras uf dringet, die schönen blftmen lachent, der wald
und heid und owen mit der nahtgal und der kleinen fögelin süssem
gesang widerhellent , ellü tierlü, du von dem argen winter ver-
schloflfen waren, sich her für machent und sich fröwent und sich
zweient, wie in der menscheit [72^] jung und alt werdent von wunne- 20
bernder fröd frölich gebarent! Ach zarter got, bist du in diner
creatur als minneklich, owe, wie bist du denn in dir selb so gar
schön und minneklich!
Lüg fürbas, ich bite dich, schow du vier element, ertrich,
wasser, luft und für, und alles daz wunder, daz dar iune ist von 25
mengerlay unglichen menschen, von tieren, von vogelu und vischen
und merwundern; daz dar inne ist, daz rufet allesament: lob und
4 an sincn werken PA^ sant Paulns S 6 haissent wir e. sp. M
11 den] dem M siben fehlt ASP A^ 17 fiogelin A 18 f. verschlofen AA^
20 lö^^ wie ASP 21 ^rebarcnt frolich M 2^ wunklich M 27 daz — ist
fehlt P 27 f. loh u. ore nnd grundlos wunderlich unfern. (!) M
2 Vgl. II Mos. 3o,:J0. 4 liöw. J,'J(K 6 Vgl. Thomas, S. Th,
:i,2 q. IbOa, 3 ad ^ : sjteculatio diciinr a spcculo ..... videre anteui aliquid
j)ir sptcuhdn, est i:idere causam ptr effectum, in quo eins similitudo Völuctt,
futde speculatJo ad meditationtm reduci vid-^iur. Bonaventura, Itiner. c. J2: de
sptcnlatifme I)ei in veMigiis suis in hoc sensibili mundo. AVm^c, Ilor. 61:
omnis creaturae dtcor, quid aliud est, quam qunddam Sjnculuniy in quo summi
opificis relucet magisieiium? Tochter Syon ed. »Schade 3') ff. , ed. Merzdorf
(l)Lr Mönch von Ifeilsbronn 1670), l:J9,llß. 11 Vgl. Bn'thohh von Begens-
hurg Predigt {ed. Pf ei ff er- Sir ohl I, 48 ff. : II :>33ff.): Von den sihen Planeten
(Sonn:, Mond, Mars, Merkur. Juppiter, Venus, Saturn).
Leben Seuses. Kap. L. 173
ere der grundlosen wunderlichen ungemessenheit , du in dir ist!
Herr, wer enthaltet dis alles, wer spiset es alles? Du beratest es
alles, ein iekliches in siner wise, gross und klain, rieh und arm;
du got tust es, du got werlich got bist!
5 Nu dar, fro tohter, nu hast du dinen got funden, den din herz
lang hat gesüchet. Nu sieh ufwert mit spilnden ogen, mit leehlichem
antlüt, mit ufspringendem herzen, und sieh in ane und umbvah in
mit den endlosen armen diner sele und gemütes, und sag im dank
und lob, dem edeln forsten aller creaturen. Sich, von diesem specu-
10 Heren dringet bald uf in einem enpfenklichen menschen ein herzk-
liches jubilieren; wan jubilieren ist ein fröde, daz du zung nit
gesagen kan, und es doch herz und sei krefteklich durgusset.
Ach Iftg, ich merk iez an mir selb, es sie mir lieb ald leid,
daz mir der beschlossen mund miner sele gen dir ist uf gebrochen,
15 und müss dir aber sagen gote ze lob neiswas miner verborgen hein-
lichi, daz ich nie keinem menschen geseit. Lüg, ich wüste einen
bredier, der waz an sinem anvang wol uf zehen jar, daz im sölichü
inswebendü gnade alle tag gemeinlich zwirent von got ward, des
morgens und des abendes, und du werte wol als lang als zwo
20 vigilien. Er versank die wil als gar in gote die ewigen wisheit,
daz er nüt konde dur von gesprechen. Underwilent hat er ein minnek-
lich einreden mit gote, denn ein jamriges süfzen, , denn ein senliches
weinen, etwen ein stilleswigendes lachen. Im waz dik, als ob er
in dem luft swepti, und enzwischen zit und ewikeit in dem tiefen
25 wage gotes grundlosen wundern swummi. Von dem ward sin herz
als vol, daz er underwilent sin band uf daz wütend herz [73'] leite
und sprach: „owe, herz mins, wie wil es dir hüt ergan!"
6 lachidem S liehtlichem M 11 dii feMt K 20 in die ew. w. M
21 nüt da von kond K
11 Die Definition folgt Thomas von Aquin, //* j^j?. 32,3 ; vgl. In ps, 46,1
(Opj), Paris 188V, XVIII, 410, 619 K Weitere Stiege: David von Augsburg,
De compos. III, 67 ; EckhaH ed. Pfeiffer 553,23; Mönch von Ileilsbronn ed.
Merzdorf 58; Strauch, Marg. Ebner XVII, 97 u. A. S. 339 ; Buch von den
fünf Mannen bei K, Schmidt, Nikolaus von Basel 1866, 103 ; Vifen von Kirch-
berg ed. Roth in Alemannia :il, 105 (gnad jubilu«) ; vgl. auch Denifle 257 A.2;
Krebs, Die Mystik in Adel hausen 74 f.; Michael, Gesch. des deutschen Volkes
III, 140. 17 Seuse selbst, 20 Vigilie hiess im Predigerorden das
täglich zu betende 2'oienofficium (eine Xociurn u. Laudes). Vgl. über de^-artige
Zeitljesiimmungen Strauch, Ad. Langmami lo7 (A. zu 57,8) und Marg. Ebner
312 f. (A. SU 127,11).
174 Leben Seuses. Kap. L.
Eins tages waz im, wie daz veterlich herz in geiscbiicher wise .
neiswi nnsaglieh ane alles mite) an sin herz zärtlich geneiget were,
und daz sin herz eben gen dem veterlichen herzen begirlich nfgetan
were, und duht in, wie daz veterlich herz, die ewigen wisheit,
minneklich und formlosklich in sin herz spreche. Er hüb uf und 5
sprach frölich in dem geischlichen jubilieren: ^nu dar, min liepliches
liep, so enblöz ich min herz, und in der cinvaltigen blossheit alier
geschafenheit umbvah ich din bildlosen gotheit. Owe, du über-
trefendes liep alles liebes! Du gröst liebi zitliches liebes mit sinem
liep lit dennoch liebes mit liep zerteilter underscheidenheit; owe aber lo
du, alles liebes grundlosä vollheit^ du zerflüssest in liebes herzen,
du zergüssest dich in der sei wesen, du bloss al in al, daz liebes
ein einig teil nit uss blibet, den daz es lieplich mit lieb vereinet wiit."
Du tohter sprach: „ach got, waz grosser gnaden ist daz, da
der mensch also in jubilierender wise in got verzuket wirt! Nu 15
wösti ich gern, ob daz selb daz nehst sie oder nit?" Er sprach:
nein, es ist allein ein reizlicher vorlof, ze komen in ein weslich in-
genomenheit. Si sprach: „waz heissent ir weslich ald nit weslich?"
Er entwürt und sprach : ich heiss den einen weslichen menschen,
der mit gfiter steter Übung die tugent erstriten hat, daz sü im nah 20
dem höbsten adel lustlich und beliplich sind worden, als der schin
der sunnen in ir ist beliplich. So heiss ich unweslich, dem daz
lieht der tugent in entlenter, unsteter, unvolkomenr wise lühtet, als
der schin in dem mane tot. Der vorder gnadenricher lust verlekert
eins unweslichen menschen geist, daz er daz alle zit gern heti, und 26
als im der gegenwurf fr6d birt, also birt im der under/uk unge-
ordnet trurikeit, und wirt unwillig sich andren Sachen ze geben, als
ich dich bewisen wil.
Es geschah eins males, do gie der diener in dem capitelhuse,
und waz sin herz vol gotliclier jubilierender frSden. Also kom der 30
portner und hiess in gan an die port zu ainer frowen, du wolt bihten.
Er brach sich ungern von dem inrlicheu luste und enpfie den portner
10 f. du aber M 18 ald nit weslicli fehlt A^ 23 (Mitlenter felüt S
entlcchneter K ciitlelienter M vollkomer M 26 also gebirt MA^ 30 gotl.
fehlt ^' frode SA'
5 U. h. ohne Bilder und Fot-men (iJenifle 2ü8 A. 2j. 17 f. Was unter
jngenomeiiheit zu verstehen ist, wird gegen Ende des folg. Kap. erhläri.
19 ff. Vgl. die Lehre des Thomas von Aquin, der auf Aristoteles fusst, über
die hahituelle Tagend, S. Th, 1,'J ij. 49; (j. 51 a. 2. 3.
Leben Seuses. Kap. L. 175
herteklich und sprach, [13^] daz si na eim andern santi, er w6Iti ir
iez kain bibt hören. Si hat ein geladen sündig herz und sprach, si
heti sunder gnad zft im, daz er si trosti, und w6Iti kaim andern
bihten. Und do er nit wolt komen, do vie si an mit einem betrupten
5 herzen ze weinen, und gie ellendeklich enweg in einen winkel sizzen
und erweinet sich da vil wol. Under dannen do zukt im got ge-
swinde die frölichen gnade, und ward im sin herz als bert als ein
kisling. Und do er gern heti gewüsset, waz daz meindi, do ward
in im von got gesprochen also: ^lüg, als du die armen frowen mit
10 einem geladen herzen hast von dir getriben ungetröstet, also han ich
minen gotlichen trost von dir gezuket." Er ersüfzet inneklich und
schlfig an sin herz und lüf bald hin an die port, und do er die
frowen nit vand, do gehüb er sich übel. Der portner lüf umb und
umb suchende; do er si vand dort sizend weinende und si an die
15 port wider kam, do enpfie er si gütlich und tröste ir rüwiges herz
gnedeklich, und gie von ir wider in daz cäpitel, und geswinde in
einem ogenblik do kam der milt herr her wider mit sinem gotlichen
trost, als ie von erst.
Du tohter sprach: „der mensch möhti liden wol erliden, dem
20 er gebi sölich jubilierende frSde." Er sprach: „owe, es müst dar na
alles mit grossem liden wol erarnet werden. ** Aber ze jungst neiswen,
do es sich alles hat erlüfen und es got zit dnhte, do kom du selb
jubilierend gnade her wider und ward im neiswi in beliplicher wise,
er weri da heim oder füri us, bi den lüten ald ane du menschen,
25 dik in dem bad ald ob tische ward im du selb gnade; aber daz
geschah in inbrüchiger wise, nüt in usbrüchiger wise.
8 daz] 68 M 11 süfzet innerklich M 14 do er si vand] und vand
si S sitzcnt dort M und si — 16 wider kam] do nam er si und fort si
wider an die port 4^ 16 wider in in PKa capitellius S 20 müs M
21 werden, als da vor gesait ist M 22 erloffen SKA^ erloffen PM 26 in
bröch. w. M
18 Zu der Erzählung vgl. Meister Eckhati 553,36 ff. : teere der mensche
also in eitne insucke als sanctus Paulus was unde weste einen siechen menschen,
der eins suppelins von inie bedörfte, ich ahte verre beeeer^ daz die liesest von
viinne von dem zucke unde diendest dem dürftigen in merre minne etc. Vgl,
auch Thomas, >S'. Th. 2,2 q. 182 a. 1 ad 3 : Tauler (Basel 1521) /. 95*- , 128*:
20 er = Goii. 26 Ohne dass man äusserlich etwas an ihm merkte.
170 Leben SeuseS. Kap. LI.
LI. Kapitel.
Ein usrihtunge^ wa got ist und wie got ist.
Du gtt tobter sprach: „herr, ich ban nu wol fanden, daz got
ist; aber wa got ist, daz wüsti ich gern. '^ Er sprach: daz solt boren.
Die maister sprechent, got der enhab enkein wa, er sie al in 5
al. Xu tu du inren oren uf diner sele und los eben. Die selben
maister sprechent och in der kunst Loyca, wan kom etwen in ein
kuntsami eins dinges von sines namen wegen. Es sprichet ein lerer,
daz der nam wesen der erst nam sie gotes. Zu dem [74'] wesen
ker dinü ogen in siner luter einvaltekeit, daz du lassest vallen dis 10
und daz teilhaftig wesen. Nim allein wesen an im selb, daz un-
vermischet sie mit nütwesen ; wan als nütwesen logent alles wesens,
also tut wesen an im selb, daz logent alles nütwesens. Ein ding,
daz noh werden sol ald gewesen ist, daz ist iez nit in weslicher
gegenwüitikeit. Xu kan man vermischet wesen oder nütwesen nit 16
3 M hat hier auch daz niciU wa (gegen Denifle 261 A.7) 4 solt du S
soltn PJ.* 6 oren] ogen P 7 an d. k. 3/ 8 am Rande Damasceniis
AMA^^ im Text KS 11 am Rande Anshelmus in prosologio(n) AMA^, im Text
KS 11 f. daz vermüschet sie mit mit wesen P 12.18 löget S IB alles
mit wesen P
•
5 Vgl. Thomas, ^S. Th, 1 q. Sa. 2 ad 3: Deus totus est in omnibus et
singulis entihus (vgl. I Kor. ] 5.28), 6 Bonaventura, Itinerarium mentis
in Deum c. 1,15 (Ausgabe in : Tria opuscula S. Bonav.y td. II Quaracchi 1696,
413 n aperi igitur oculos, aures spirituales admovc etc. Ein Teil dieses Kap.
ist, mitunter tcörilich, dem Itinerarium entnommen. Bilege nach sitietier Atis^
gäbe, genauere Xachtceise bei Denifle 261 ff. 8 f. Itin. 5,2 (p. 453): Damas-
cenus (De fide orthod. /, 9) igitur sequens Moys^n {Exod. 3.14 > dicit, quod .qui
est' est primum nomen Dei. Vgl. dazu Eckhart 108,28: 162,38: 262,39 ff.: 263,10
und im Archiv II, 543,3 : 578,24 : ebd. und II, 436 ff. Belegstellen aus Thomas,
Bonaventura u. s. w. 11 flf. Der Grundgedanke der folgenden Ausführung
findet sich bei Anselm, Monolog, c. 1 und zuvor schon bei Augustin, De trinit.
VIII, 3 n. 4: der Wortlaut selbst ist aber fast ganz Bonaventura, Itin, 5,3.4
('p. 453 ff. ) entlehnt. Doch ist im Texte der A-Gruppe der Frage nach dem
Ersterkannten, das M der idtertn Eranziskanerschnlc (Bonaventura) und Eck-
hart folgend mit Gott rerirechselt, ausgewichen. Viell icht hat Seuse den ur^
sprünglichen Text (M). welcher der offiziell im Dominikanerorden vorgeschrie*
bcnen Doktrin widersprach, gehindert, als er einen Teil der Vita dem Provimial
Bartholomaeus rorUgte : vgl. auch die Einleitung und zur Erklärung Denifle
263 A. 3, ferner ders. in Zfda 21,131 ff\ u. Archiv IL 520 f, öoU, 587, 605.
Leben Seuses. Kap. LI. 177
wol bekennen, denn mit einem gemerke dez allichen wesens. Es
ist nnt ein zerteiltes wesen diser ald der creatar, wan daz geteilt
wesen ist alles vermischet mit etwaz anderheit einer muglicbkeit ilit
ze enpfahen. Dar urab so müss daz namlos götlich wesen in sich
5 selb ein allicbs wesen sin, daz ellü zerteiltü wesen afenthaltend ist
mit siner gegenwürtikait. Es ist ein wunderlichü blintheit mensch-
licher Vernunft, daz si nit mag briifen daz, ane daz si niht mag er-
kennen noh sehen. Ir geschiht als dem ogen: so dem ernst ist ze
lägen die raenigvaltekeit der varwen, so nimt es nit war des lichtes,
10 dar daz es daz ander alles sament siht, oder siht es daz lieht, so
nimt es sin doch nit war. Also ist es umb daz oge ünsers gemütes:
so daz ein sehen hat uf dis und daz wesen, so verahtet es dez
Wesens, daz da Aber al Inter einvaltig wesen ist, dur des kraft es
du endrü in nimet, dez nimt es nit war. Hier umbe so sprichet ein
15 wiser meister, daz sich daz oge unser bekentnüs von siner krank-
heit halte zft dem wesene, daz an im selber aller bekantlichest ist,
als einer fledermus ogen gen dem klaren liebte der sannen; wan du
zerteiitu wesen zerspreitend and blendend daz gemüte, daz es nut
mag sehen die g6tlichen vinsterheit, da da an ir selb ist du aller
20 liehtstü klarheit.
Nu tft dine inren ogen uf und sih an, ob du mäht, daz wesen
in siner einvaltigen Interkeit genomen, so sihst du geswinde, daz es
von nieman ist und nit hat vor noh na, und daz es weder innan
noh von ussnan kein verwandelkeit hat, denn daz es einvaltig wesen
25 ist; so merkst du, daz es ist daz aller würklichest, daz aller gegen-
wärtigest, daz aller volkomenst, [74''] in dem nit gebrest noh ander-
heit ist, denn daz es ein einiges ein ist in ainvaltiger blossheit. Und
disä warheit ist als kuntlich in erlühten vemünften, daz si kein
anders mugen gedenken, wan eins bewiset und bringet daz ander
1 wol felüt M gemerke] bekeiinen M nach wesens Zusatz: won so
man ain ding wil vcrstan, so begegent der vemunft des ersten wesen, und daz
ißt ain aller dingen wirkendes wesen M, fefhU ASPKA^afUS^ 2 zert.] ge-
tautes M wan] wa M 4 namlos — 6 gegenw.] wesen, von dem gesait ist,
sin daz gotlich wesen M 7 daz si nit daz prüft, daz si vor an siht und an
daz M 13 f. nacli ist Zusatz und Änderung : wie es im doch des ersten be-
gegent und durch daz es du andrü in n. M 17 fledramus A 28 von in-
nan M 25 und daz aller g. M 27 einiges [ein] FA^ ist [in] A8K
6 — 20 Fast wörtlich nach Bonav., Itin. 5,4 (p. 456 f.) 12 f. Itin.
l. c: ipsum esse extra omne g&nus .... non advertit. 15 Aristoteles^
Metaph. a 993 b 9. 21 fif. Das Folgende aus Itin, 5,5.6 (p, 457 f.).
H. Sensal DentBohe Schriften. 12
178 Leben Seuses. Kap. LI.
für. Dar umbe, daz es einvaltig wesen ist, dar umb mfiss es von
not daz erst sin und von nieman sin und ewig sin, und wan es daz
erst ist und ewig ist und einvaltig, da von mflss es daz gegen-
würtigest sin. Es stat in der aller hShsten volkomenheit, einvaltekeit,
da nüt mag zfi noh von genomen werden. 5
Mabt du dis verstau, daz ich dir geseit hau von der blossen
gotheit, so wirst du etwi vil gewiset in daz unbegrifenlich liebt der
götlicben verborgnen warheit. Dis einvaltig luter wesen ist du erst
obrest sacb aller sacblieber wesen, und von siner bisinder gegen-
würtikeit so umbscblüsset es alle zitlich gewordenheit als ein anvang lo
und ein ende aller dingen. Es ist allzemal in allen dingen und ist
alzemal uss allen dingen. Dar umb sprichet ein meister: got ist als
ein cirkellicher ring, des ringes mitle punct allenthalb ist und sin
urabswank niene.
Du tohter sprach: »gelopt sie got! Ich bin bewiset, als verr 16
es mir denne muglich ist, daz got ist und wa got ist. Nu wisti ich
gern, wan er als gar ainvaltig ist, wie er da mit mug drivaltig wesen.**
Er hüb aber an und sprach: ein ieklich wesen, so es ie
ainvaltiger ist an im selb, so es ie menigvaltiger ist an siner kref-
tigen vermügentheit ; daz nit hat, daz git nit, daz vil hat, daz 20
mag vil geben. Nu ist da vor geseit von dem infliessenden und
überfliessenden gute, daz got ist in im selb, dez grundlosü über-
natürlichü gütheit zwinget sich selb, daz er daz nüt allein wil
haben, er wil es och frilich in sich und uss sich teilen. Nu niüss
1 dar umb] da von M 2 uiid ewig sin fehlt PMA^ 5 mag fehlt M
9 bi sin der K besinder M bisunder A^ 10 als ein fddt S 1 1 Es — 12
dingen fehlt A"^ 16 mir fehlt M 17 gar fehlt M 18 am Rands In libro
sententiarum AM, im Text K 22 dez — 23 seil) fehlt P 23 zwyget S
24 in sich fehlt M
6 ff. Vgl Hin, 5,6—8 (p. 459—61). 12 Alanus ah Insults (Regulae 7),
d€n auch Bonaventura, liin, 5,8 (p, 461) und Thomas v. Aquin, De rerit, q.
Üa,3 ad 11 zitieren : vgl Eckhart 96,30 und Archiv II, 571, 16 f. Der Gedanke
war geläufig, vgl das mystische Gedicht bei Preger I, 290. 18 ff. Itin. 5,7
(p. 460) : quia enim simplicissimum in essentia, ideo maximum in viriute, quia
virtu.9, quanto 2)lus est unita, tanto plus est infinita : vgl. dazu Lih. de causis,
prop. 17: neuere Belege Denifle 267 A. 2 und Archii: 11,474 A. 1.
21 — 24 Itin, 6,2 (p, 463): summum igitur bonum summe est diffusivum sui
(vgl. Dionys., De dir, nom, 4,1 und Opp. S. Bouav. \', 60 n, 7). Hieher, nicht
nach oben ist die Zitierung des Petrus Lombard us {2 Sint. dist. 1) zu beziehen,
zwingen (Z. 23) ist hier = drängen, wie das folgende: frilicli — teilen zeigt
(Denifle 267 A, 4).
Leben Seuses. Kap. LI. 179
daz sin von not^ daz daz obrest gfit die h6hsten und die nehsten
entgiessung )iab sin selbs, und daz mag uit gin, si sie denn in einr
gegenwürtekeit und sie inrlich, substanzlicb, persönlicb, natürlicb
und in unbezwungenlicher wise noturfklich, und sie endlos und vol-
5 komen. Alle ander entgiessunge, die in der [75'] zit ald in der
creatur sind, du kunt von dem widerblik der ewigen entgiessunge
der grundlosen gotlicfaen giütbeit. Und sprechent die meister, daz
an dem usflusse der creatur uss dem ersten Ursprung sie ein cirkel-
liches widerbSgen des endes nf den begin; wan als daz usfliessen
10 der personen usser got ist ein förmliches bilde des Ursprunges der
creatur, also ist es och ein vorspil des widerfliessens der creatur
in got.
Nu merk den underscheid der entgiessunge der creatur und
gotes. Wan du creatur ein zerteiltes wesen ist, so ist och ir geben
15 und ir entgiessen teilhaftig und gemessen. Der menschliche vater
git sinem sune in der geburt ein teil des wesens, aber nüt zemale
daz, daz er ist, wan er selb ein geteiltes gut ist. Wan nu daz
kuntlich ist, daz du g5tlicb entgiessunge so vil inniger ist und edelr
ist nah der wise der grössi dez gfltes, daz er selb ist, und er
20 grundlosklich äbei*trifet alles ander gfit, so mflss von not sin, daz
oh du entgiessung sie glich dem wesen, und daz mag nit sin ane
entgiessung sines wesens nach persönlicher eigenschaft.
Kanst du nu mit einem gelüterten ogen hin in bliken und
schowen dez obresten gfites lütersten gütekait, du da ist an irem
25 wesen ein gegenwürteklicher würkender anvang, sich selb natürlich
und willeklich ze minnen, so sihst du die überswenken, übernatür-
lichen entgiessunge dez Wortes uss dem vater, von des geberene
und sprechen ellü ding werdent her für gesprochen und gegeben;
und sihst och, daz in dem obresten gfit und in der h6hsten ent-
30 gossenheit von not entspringet du götlich drivaltekeit : vater, sun,
heiliger geist. Und wan du höhst entgossenbeit dringet von der
obresten weslichen gfitheit, so möss in der gerivierten drivaltekait
2 sin selb M 5 aller K 20 ander fehlt S 21 f. ane ain gies-
snng (!) M 22 personlich AÄ^ 24 güthait M 29 sihst och] sicherlich K
32 obresten fehlt M gotheit P
Iff. Das folgende nach Itin. 6,2 (p.463f), 7 flF. Vgl. Thomas, In
1 Seht, d, U a. 2: d, 32 q. 1: Eckhart 165,24 ff. (Denifle 268 Ä. 4). 16 f. Vgl.
Thomas, De verit. q, 4 a, 4. 18 ff. Itin. 6,2 (p. 463 f.). 23 ff. Itin. 6,2
(p. 464 f.).
180 Leben d^eufies. Kap» U.
sin du aller obrest und nebst mitwesentbeit, dt böbste glihbeit und
selbsheit des wesens, daz die personen bein in inneblibender U8-
gossenheit nab ungeteilter substaneie, ungeteilter almehtikeit der
drier personen in der gotbeit.
Du tobter sprach: „wafen, icb swimm in der gotbeit als ein 5
adler in dem lüfte!"
Er spraeb: wie der götlicben personen drivaltekeit [75^] mog
stau in eines wesenes eiuikait, daz kan nieoian mit werten fiur
bringen. Doeb als vil man dnr von mag sprecben, se sprichet sant
Augustinus, daz der vater sie ein Ursprung aller der gotheit des 10
sunes und des geistes, baidu persönlicb und weslieb. Dionysioe
seit, daz in dem vater sie ein usfluss oder ein runs der gotbeit, und
der runs entgüsset sieb naturlicb in dem usgrünendem worte, der
ein naturlicber sun ist. Er entgüsset sieb oeb nab minnericher
miltekait dez willen, daz da ist der beilig geist. U^
Dis verborgen sinne entscblüsset uns und bewiset daz klar
liebt, der lieb sant Tbomas, der lerer, und spricbet also: zft der
entgossenbeit dez wortes uss des vaters berzen und vernunflt mAss
daz sin, daz got mit siner liebtrieben bekentnuss uf sieb selber büke
mit einer widerbögung uf sin götlicb wesen; wan weri an der ver- ao-
niinft dez vater der gegenwurf nit daz götlicb wesen, so enm6bte
daz enphangen wort nit got sin, sunder es weri ein creatnr. Daz
weri falscb; aber in diser wise ist es götlicb wesen uss wesen.
Und der widerblick dez götlicben wesens in der Vernunft des vater
mftss gescbeben mit einer nahbildender wise einer natürlichen glich- 25-
heit, anders daz wort weri nit sun. Hie bat man einikeit dez
1 aller nähst M 10 Aujürustinus auch am Rand A 11 wesenlich M
Diouysius aucfi am Rand AA^ 13 in dem us^And bi dem worte X* grünen-
dem A>SP 16 und bewiset fehlt M 17 Thomas auch am Rand A5iA^
2':i USS wesen fehlt M
7 ft'. Dir ftdy, Funsus hei 6'tU8e ist benutzt in deui Lehraysiem eines «n-
bekannten Myatiker/i, bei Greith VJ2 f 10 Aiuj.j De trinit. IV, HO ii. 29:
iotius diviuitatift, vel si melius dicitur deitalis, principium pater est, Voti dtn
Scholastikern hüufiy zitierte Stelle, rgl. Archiv II, 456 A. 3. 11 Dion,, De
dir. noni, 2, 5.7. 15 Die Ausgabe von li>12 f. 60^ und Diep. ^159 haben
nach willen eine längere Interpolation. 17 Thomas. S. c. Gent, 4,11 ist tm
fügenden frei benützt. Seuse spendet dem Dominikantrtheologen xax' SSoX''^^ auch
Ilorol. li)lf grosse Lobsprüche. 20 ff. Vgl. daziA bei Ff$iffer II, 680,12 ff.
den nicht ron Eckhart (rgl. Archiv II, 676i stammenden Traktat (Glos*) üIhx
das Kvangelium Johannis (Textverbess^rung durch Denifle in Hist,'-poL Bl..
75,'Jjlf. 23 Vgl. die Erklärung bei iJeniJle :J72 A. :J.
Leben Seusec Kap. Li.
IKl
ivescüS mit anderbeit der personen. Und ze eiueni gftlen iirkiind
dez Belheii underseheidee do sprach der hobgetiogen adler saut
JnliniiB: „daz wort waz in dem beginne bi gote."
Aber von entgossenheit dez geistes ist zc wüssene. daz dCi
' 5 subslanci der gfitlicheTi Vernunft ist ein bekentnust, und du rat\ss
oh haben neigung nah der forme, dii in der vernnufl enpfangeu ist.
nah ir ende. Die neigung daz ist wille, dez i)egerung ist lust
sftclien nah dem besten. Nu merk och, daz der gegenwurf dez
geminten ist in dem minner nut na der glichniist der forme der
•LI natur, aU der gegenwurf der vernünltikeit in dem lieht dez bekent-
niis. Und swenn dis wort tlüsset uss dem usblik dez vater nah der
forme der natnr mit persönlichen underscheid, so heisset sin ent-
giesBunge von dem yater ein gebnrt; wan [TU'] aber disfi wise ab
dem usrunse des willen nnd der minne nit also ist, da von du drit
'!& pereon, dii nah der minne flues entgossen ist, baidu von dem rater
und och von dem nsgedrnkten bild nee einem innigosten abgrunde,
dar umb mag es weder aun beissen noch geborn. Und wan dfi
minne vernünfteklich oder geischtich ist in dem willen als ein nei-
gnnge oder ein minneband inwendig in dem minner in daz, daz er
•ao minnet, dar umbe ist zftgehörlich der driten person der Ursprung,
der da ist nah der minnewise dez wjUeu, daz er geiet heisse. Hie
wirt der mensch überbildet von dem gütlichen liebte in der hein-
lichkeit, die niemiin kan gemerken, denn der es bat enpfunden.
Dil tohter epraih: „ach herr, wie ist dis ein so überswenkü
•26 kristanticbu lere! Aber man vindet etlicbü vemünfligu menschen,
du sprei-hent daz alles abe, daz hie von got geseit ist, und meinent,
wer zQ dem nehsten welle komen, dem sie got ein schedlichea mitel;
er mAsB entgi'itet werden, er mflsse och entgeistet sin und alle Vision
ze rnggeo etossen, und sich zfi der inluhtenden warheit allein keren,
30 die er selb selber ist."
Er sprach: diso red ist falsch na gemeiner hellnng. Dar umb
stand ir Itdtg und hör, waz cristanlichu warheit bie von haltet.
Nah gemeiner wise ze redene, so nimet man got als einen herren
8 (der) gegr. M
- 16 ist fthlt M
L'E Ulis e. 1^. M
Sf. Mut Joh. fihll M 4 du] do Jf 6 g^tUcheti M
10 dfa] der Ä" 11 swenii — nah der fehlt 1' 14 da von
IT da] disü M '-'4 did{ daz M -Ja krisU fehlt K 2i
33 minni^t il\ M
3 Job. l.l. 4 ff. Vgl. Thomas, S. c. Gent. 4,W. 11 ff. Vgl. Eck-
l ns,34ff 25ff. Lehrt dtr Kräder dtafrtien Geistes. Einer ihrer Sätie
let: komo nnn est bonu», nisi dimittat deum jiropler deum, vgl, Prtger I, 4$3.
182 Leben Seuscs. Kap. LI.
aller der weit, der kein bossheit lat hin gan nugebüzet, noh kein
gut werk ungelonet. Wer nu sunde tut, dem ist got ein vortlicher
got, als der gut Jop sprach: ^ich ban got alle zit gefürtet als du
schiflüt die grossen wellan." Wer och uf grossen Ion got dienet, der
hat einen grossen got, der im gröslich gelonen mag. Aber ein wol- i
geupter bekanter mensch, der sich gebrestlicher dingen, du got hasset,
hat mit menigvaltigem sterbene entschätet und got von inbrünstiger
minne alle zit dienet, der nimt got in sinem herzen nit got in den
vor geseiten wisen, er ist im wol eutg5tet; er nimt in als ein
herzklich minneklichs lieb, da du knehtlich vorte ab gevallen ist, als l<
Paulus seit. Also blibet dem götlichen menschen got werlich got
und herr, und stat sin doch lidig in diser grober nemunge, wan er
hat ein nehers begrifen.
Wie aber der mensch [76"'] engeistet sül werden, da h&r den
underscheid. So ein mensch in sinem anevang beginnet merken, U
daz er ein creatur von Hb und sele ist, und daz der Üb t6demlich
ist und aber du sele ein ewiger geist ist, so git si dem libe und
aller siner vihlichkait urlob, und haltet sieh zu dem geist und
machet den lip dem geist undertenig, und ist alles sin würken
inwendig mit betrahtuug gerihtet gen dem überweslichen geiste^ 340
wie er den vinde, wie er den begrifife und sinen geist mit dem
geist vereine. Und du menschen heissent geischlichü, beiligü
menschen. Dem nu reht hie beschiht, so er sich hier inne
lange zit geübet, und im der überweslicher geist alle zit vor-
spilt, und im doch des begrifes vorget, so beginnet der crea- 25
türlich geist sin selbes unmugentheit an sehen und mit einer ent-
sunkenheit sin selbheit sich der ewigen götlichen kraft ze grund
lassen, und sich von im selb zft dem keren in einer verahtunge dez
sinsheit in des obresten wesens uugemesseuheit ; und in der inge-
uomenheit kunt der geist neiswi in sin selbes Vergessenheit und 30
verlornheit, als Paulus sprach: „ich leb nüt me ich," und Cristus
sprach: „selig sint die armen des gcistes." Alsus blibet der geist
1 luigeletzet A 3 <^üt lident J. M 7 von] mit M 8 nimt] minnet SP
9 vorsiüten M vor genanten P 12 wan] und M 14 aber fehlt M 16 f. ist
nat'h er .1/ 20 übennesslichen K 25 begriffens M 26 iinmtügiicheit P
3 Job 31,:^H. 11 Hörn. 8, In. 2i» f. inirenomenheit (vgl. obm 161,12 und
J/4jlf fJ =^ Absorbiert wa'dr'H in (ioit in der liövhsien Beschauung (Dentfle 376
A. 3; 01:2 A. ö). 31 Gai, :>,20; Matth. öyi, 32—183,2 In der höcJisttn
Vereinigung mit Citttf rergisst der Geist sich selbst und wird seiner ungewalii^
Stiege aus Richard ron .St, Viktor bei Uenijlt :J7a A. 6" ; rgl. ebd, 266 A. 7,
Leben Seuses. Kap. LI. 183
nah siner wesentheit, und wirt entgeistet nah besizlicher eigenschaft
dez sinsheit.
Den underscheid enzwuschen luter warheit und zwifellichen
Visionen in bekennender materie wil ich dir och sagen. Ein raitel-
5 loses schowen der blossen gotheit, daz ist rehtu lutrü warheit ane
allen zwivel; und ein ieklichü vision, so si ie vernünftiger und bild-
loser ist und der selben blosser schowung ie glicher ist, so si ie
edelr ist. Etlich profeten baten bildrich vision als Jeremias und
die andren. Solich bildrich vision werdent noh dike gotes hein-
10 liehen fründen, etwen wachende, etwen schlafend, in stiller rftw
und abgescheidenheit der ussren sinnen. Und sprichet ein lerer, daz
engelschlichü gegenwürtikeit diker erschinet etlichen menschen in
dem schlaf, rae denn in dem wachen, dar umbe, wan der mensch
in dem schlaf von usser menigvaltiger würklichbeit mer gestillet ist
15 denn in dem wachen.
Wenn aber ein vision, du dem menschen wirt [77'] in dem
schlaf, wenn du mug ald sul heissen ein warsagendü vision, — als
in der alten e dem künig Pfarao' von siben vaissen rindern und
von siben magren tromete, und dez glich vil von trömen, daz du
20 heilig scrift seit, — wie man hie kunne underschaid der warheit
vinden, wan die tr6me gemeinlich triegent und och ane allen zwivel
underwilent war sagent, da solt du wissen, daz sant Augustinus
der Seite daz von siner heiligen mfiter, daz im du saiti, daz si die
gäbe von got heti, wenn ir üt von got in ganzen schlaf ald in
25 halben schlaf wurd, so ward ir dur mitte der underschaid von innen
geben, daz si wol erkande, ob es allain ain gemaine trom waz, der
nüt ze ahten waz, ald ob es waz ein biltlich vision, dar an sich
ze keren waz. Und welem menschen got die selben gäbe git, der
kan sich dest bas hier inne beriliteu. Es kan nieman dem andern
30 wol mit Worten geben, denn der merkt es, der es enpfunden hat.
6 am Baude Thomas in summa ÄÄ^ 6 f. u. ie bildL M 7 f. [ie] edelr
ASA^ 8 profeten] Sprech ent P 18 pharao KMA^ pharao und dez wisaagen
Daniel M 19 daz fehlt M daz daz A^ 22 Augustinus auch am Rande A
23 der seite fehlt M 24 f. ganzem . . . halbem SM
61f. Thomas j S. Th. 2,2 q, 174 a, 2.3; vgl. Eckhart 31^,22 ff. Über die
verschiedenen Arten von Visionen luindelt tiach dem Vorgang von Augustinus
(De Genesi ad lit. XII, 4 ff.) auch David von Augsburg, De compos. III, 66.
11 Thomas, S. Th. 2,2 q. 172 a. 1 ad 2 und De verit. q. 12 a. 3 ad 2.
12 D. h. Engelserscheinung. 18 / Mos. 41,1 ff, 22 Aug., Conf VI, 13.
184 Leben Seuses. Kap. LH.
LH. Kapitel.
Von dem aller höhsten überflug eins gelepten yemlinfligeii
gemütes.
Du wisu tohter sprach: „ich vvüsti nüt als gern uss der schrift,
als den uberswenken sin, wa und wie eins wolgeüpten menschen 5
l»eseheidenbeit in der tiefsten abgründkeit uf sin höhstes zil enden
solte, also daz geleptü enpfindung mit der scrift meinunge ein
gcliches ustragen gewunne." Dez nam er uss der scrift ein ver-
nünftig entwürt, und du hillet nah den verborgnen sinnen in diser-
ley wise also: lo
Ein sülicher edelr mensch, der nimet war mit einvaltiger
müssekeit dez sinnerichen Wortes, daz der ewig sun sprach an dem
ewan<:elio: „wa ich bin, da sol och min diener sin." Wer nu daz
wa, daz der sun nam nah der menschhcit in sterbender wise an
sinem crüze, wer daz streng wa in nahvolg nüt hat geschübet, daz 15
ist wol müglich nah siner gehaiss, daz der daz lustlich wa siner
sünlichen blossen gotheit werde in vernünftiger frödenbernder wise
niesseude in zit und in cwikait, als verr es denn müglich ist, minr
und mc.
Eya, wa ist nu daz wa der blossen götlichen sunheit? Daz 20
ist in dem bildrichen lieht der gütlichen ainikeit, und daz ist na
sinem namlosen namen ein nihtekeit, nah [11"'] dem inscblag ein
weslicbü stilheit, nah dem inneblibendem usschlag ein natur der
driheit, nah eigenschaft ein lieht sin selbsheit, nah ungeschafenr
Sachlichkeit ein aller dingen gcbendü istekeit. Und in der vinstren 25
6 geübten M 8 jjelichos] gotliclies S 15 naclivolguuge SPM
22 nah d. i. — 23 stilheit fefilt 6' 23 inneblil). fehlt M uachlag Ä 25 ge-
bendö fehlt S
7 f. So dasit innere Erfahrung und Lehre der Theologen üherehistimme.
1:J Joh. l:Jy'JfJ. 20 ff". Von hier an bis gegtn Ende des Kapitels hat Seuse
Kckhartm Traktat vom Überschau (Ffdffer 1, 010 ff.) und Stückt aiis dem fälsch-
lich so gc nannten Liber positiitmnn (Ffetß'erJ.dtiS — 71) stark benützt. Genaue
Xarhicr'isi' hei JJcnißc 2b()—92. 21 f. Nähert KrkJäi^ng im 1. Kap. des Bdw.
22 f. Vgl Krkhart 389, :i ; fWS,:j8, f;:(),:J4ff. 24 Vgl. Eckhart 669,18 f.
25 — 185,2 Auf der höchsten Stufe dir Vereinigung mit Gott (contetnplatio
in caligine; vgl, Bonav., Itin, 7p, 47 off, und Xota p. 475: unteti 187,17: dünster-
heit) reflektiert der (ieiftt nicht mehr über sich und über sein Denken, sondern
weiss nichts mein- als Gott (Denifle fJSO A. 7), Vgl. auch oben 183,1 f, und gegen
Schluss des Kapiteh.
wisflnsekeit verget ellii menigvaltekcit, mid der geist verlüret sin
selbsbeit; er vergat na bId eelbs wurklichkeit. Uud dis ist dn/.
h^bRte zil und daz endloB wa, in dem da endet alli?r geisten geiste-
keit, hier inne alle zit sieb verlorn han ist ewigü Belikeit
5 Und daz du dis dest baz merkest, so ist ze wÜBsene, daz iu
dem bildricheii lieht der götlicben einikeit ist ein iuswebendü ent-
spi'iinglicbkeit der persönlichen entgosseuheit uss der almugenden
ewigen ^otbeit; wan dii dribeit der pereonen ist in der einikeit der
natnre, und du einikeit der nature in der driheit der personen.
10 Du einikeit bat ir wurklichkeit an der dribeit und dö driheit hat
ire mngentbeit an der einikeit, als sant Augustinus spricbel
an dein böcb von der drivaltikeJt. Du dribeit der personen hat
beschlossen die einikeit in ir als ire natürlich wesen. dar umbe ist
ein ieklichü penjon got, und na einvallekeit der natur ist es gotbeit.
IS Nu luhtet dA einikeit in der dribeit nab underscbeidenUcber wise,
aber d£t dribeit nah dem inswebenden widerschlage lübtet in der
einikeit einvaltekiich, als si es in ire beschlossen hat einvalteklicb.
Der vater i-^t ein Ursprung dez suues; dez ist der sun ein uawal,
von dem vater eweklicb geflossen na der persone und inneblibende
■80 nah dem wesene. Der vater und der sun entgiessent iren geist.
Und du einikeit, dii da wesen ist des ersten Ursprunges, du ist daz
selb wesen ire aller drier personen. Wie aber du driheit ein sie,
und du dribeit in der einikeit der natur ein sie, und doch ää diiheit
nsser einikeit sie, daz mag man nit gewörteu von dez tiefen grundes
S5 einvaltekeit.
Alhie her iu dis ühervemünftig wa erswinget eich der geist
geistende, und etwen von endloser höhi so wirt er fliegende, denn
von grundloser tiefi so wirt er swimmende von den hohen wundern
der gotbeit. Und dennoh so hübet der geist hie in geistes art iu
3ü der gebrfieblichkeit [78'^] dero glich ewigen, glich gewaltigen, inue-
blibenden und doch uesfliessenden personen, abgeseheiden einde von
3 f. ^ai^hait M
AueiiatinüB K 11 ■
seh eiii eillicher P
8 ff. am Rand; Ängiistinas de Irinitste AA', nur
.1 vermiifrentheit M 15 einikeit] aiiivaltkeii M iin-
23 und — ein sie fehlt S 28 swinende J ' 30 ewigrem M
6ff. Erklärung bei Deniflt 281 A. 1: ri)l. Eckhart 526,3tff. 6}7,3tf.
10—12 Hieher, nicht »ehon J'nihtr, das Augitetintuntat (Da trin. I und \'lll.
Dtr Satt mörllieh auch M Kckhart 517,30—37 (wirken ttalt wiiilekeit su
h»en!); vgl. ebd. 3bS^9f. IB— 17 Kckhart 517.33/. 337,Sff. 18 ff. Eck-
hart il7.3Tff.. Archiv II, 467: Ö6B^ f. 22—35 Eckhart 669,37—39.
186 Leben Seuses. Kap. LII.
allem gewülk und gewerbe der nidren dingen, ansterende du g&t-
lichu wunder. Wan waz mag gr5ssers wanders sin, denn du blössn
einikeit, in die sieh der personen driheit in senket nah einvaltekeit,
und da ellü menigyaltekeit wirt entsezet dez sinsbeit? Und daz ist
also ze verstene, daz dero entgossnen personen nsgeflossenheit alle (
zit ist sieh wider in bietende in des selben wesens einikeit. Und
alle creaturen nah ire inneblibenden nsgeflossenheit sind eweklich in
dem einen nah got lebender, got wüssender, got wesender istekeit,
als daz evangelium seit In principio: daz worden ist, daz ist in ime
eweklich sin daz leben. IC
Disu blossü einikeit ist ein vinster stillheit und ein mussign
müssekeit, die nieman kan verstau wan der, in den da lühtet du
einikeit mit ir selbsheit. Uss der stillen mussikeit lühtet rehtu fri-
heit ane alle bossheit, wan du gebirt sich in entwordenr widergebom-
heit; da lubtet us verborgnü warheit ane alle falschheit, und du 15
gebirt sich in der entekunge der bedahten blossheit. Wan hie wirt
der geist entkleidet von dem tinbern liebte, daz im na menschlicher
wise gevolget hate nah ofiFenbarunge dero Sachen, von dem wirt er
da enplözet, wan er vindet sich da einen andern eigenlicher, denn
er sich vor verstund in des vordren lichtes wise, als Paulus sprach: 'HH
^ich leb, nit me ich^, und wirt alsus entkleidet und entwiset in der
wiselosekeit dez götlicben einvaltigen wesens, Daz lühtet sich ellü
ding in ainvaltiger stillheit, und da wirt der blibender underscheid
der personen nah sunderheit genomen verahtet in einvaltiger wise-
loser wise. Wan als du scrift seit: du person des vaters allein ge- ä
uomen git nit selikeit, noh du persone des sunes allein, noh dez
heiligen geistes allein, nier die drie personen inhangende in einikeit
8 lobender P 9 in pr. erat verbum etc. K 10 siu eweklich M
14 bossheit] blosheit P 17 dimern K timeni M 26 f. nah d. h. g. ASK
9 Joh. 1,3 f,: quod factum est, in ipso vita erat. Die meisten Kirchen^
riitei\ besonders Augustinus {De Gen, ad lit. F, 14: Tract. in Joh. 1), und die
Scholastiker zogen den Schluss von Vers 3 (ö yiyoyey) zu V. 4 herüber, und
sahen darin einen Hauptbeweis für ihre Ideenlehre, vgl. z. B, Thomas^ S, TL
1 (j. 16 (/. 4: S. c. Gent. 4,13. Über die Geschichte der Exegese dieser Steife:
J. Maldonat, Comment. in Kvang. II {Mainz ^ lb03j, 395 ff. : Schanz^ Kom-
mentar zum Kv. dt^ hl. Joh. ]S8i), 70. Bthge aus Kckharts lateinischen
Schriften in Archiv II, 461 f. 11 ft'. Kckhart 618, 13-15. 13 Vgl. ebd,
510,14 f.: f'>66,:i2f. 17 ff. IJvkhart 51b,:^5ff. Das natürliche Licht der Ver-
nunft wird von dein höheren Lichte d^r Kontemplation ahaorhieri ( Denifle 284 A. 5).
19 Vgl. Richard von St. Viktor, De conti mpl. V, 12 (s. unten 188,13).
20 Gal. :>.:J(). 22 ff. Eckhart 068,36 1}'- 25 ff'. Vgl. Eckkart 215,9/.
Leben Seuses. Kap. LII. 187-
dez Wesens ist selikeit. Und dis ist wesen der personen natürlich«
and wesen gebend allen creaturen genedeklich ; und dis hat aller
dingen bild in ime beschlossen einvalteklich und weslich. Wan sich
nu dis bildrich lieht [IS""] haltet wesen, so sind du ding in ime na
5 sin selbes wesentheit, und nüt na inbildender züyallikait; und wan
es sich ellü ding Iahtet, dar umbe haltet es lichtes eigenschaft. Und
alsus so lühtend ellu ding in dem wesene in einer inwesender still-
beit nah des wesens einvaltekeit.
Daz selb vernünftig wa, da von geseit ist, da ein bewerter
10 diener sol dem ewigen sune mitwonend sin, mag man nemmen die
istigen namlosen nihtekeit; und da kamt der geist uf daz niht der
einikeit. Und du einikeit heisset dar umb ein niht, wan der geist
enkan enkein zitlicb wise finden, waz es sie ; mer der geist enpfindet
wol, daz er wirt enthalten von einem andern, denn daz er selber ist*.
15 Dar umb ist daz, daz in da enthaltet, eigenlicher iht denn niht; es
ist dem geiste wol niht an der wise^ waz es sie.
Swenn nu der geist in diser verklerten glanzenrichen dunster-
heit na sin selbs unwüssentheit eigenlichen hie wonhaft wirt, so^
verlüret er ellü mitel und alle sin eigenschaft, als sant Bern hart-
20 sprichet. Und daz beschiht minr und me nah dem, als der geist in
dem libe ald von dem libe uss im selb in daz vergangen ist. Und
du verlornheit sin selbsheit ist von der götlichen art, du im neiswi
ellü ding worden ist, als du scrift seit. In diser entsunkenheit so
1 persönlich (!) M 5 am Rande Augustinus super geuesim A 10 ne-
men SP 11 f. [der] einikeit M 12 und — niht fehlt M dar umb — 14
ist fehlt K 13 kau M zitlich fehlt M 19 und — 20 sprichet fehlt A^
Bernardus auch am Band A 23 so] si M
1 Eckhart 669,2 ff. 16—22, Über die scholastische Ideenlehre vgl. Denifle
285 A, 5; 228 A, 6; 517 ff. und im Archiv II, 460 ff , Das Augustinuszitat (De
Gen. ad lit. II, 12; V, 31) gehört zu 3 ff. 6 f. Eckhart 669,31 f
11 fF. Vgl. Eckhart 519,19 ff. (Z. 19 der su lesen staU danU; emikeit = Gott.
Hier, wie öfters, nennt Setise Gott ein Nicht, vgl. oben 167,5 : Denifle 245 A. 5:
286 A. 5; 511 ff. 17 ff. 7m folg. ist Bernhard, De dil. Deo 10 n. 27 und 28
benutzt: te enim quodammodo perdere, tanguam qui non sis, et omnino non
ftentire ieipsum et a teipso exinaniri, et paene annullari, caelestis est conver*-
sationis, non humanae affectionis toium divinum est, quod sentitur; sie
afficij dtificari est .... alioquin quomodo omnia in omnibus erit Deus (I Kor.
15,28), si in homine de homine quicquam supertrit? Manebit quidem subsiantia,
sed in alia forma, alia gloria aliaque potentia etc. : vgl. Guigo, Ep. ad fraires
de monte Dei l. II c. 3,16 (Opp. S. Bernardi ed. Mabillon, Venedig 1781, III,
204) und Eckhart 519,25 ff. Zu unwüssentheit (Z. 18) vgl. oben 182,32: 184,25
und Denifle 286 A. 7.
188 Leben Seases. Kap. LET.
verget der geist, und doch nit genzlich, er gewinnet wol etliche
eigenschaft der gotbeit, mer er wirt doch naturlieh got nit; daz ime
-gesehiht, daz geschiht von gnaden, wan er ist ein iht, geechaffen
U8S nihf, daz eweklich belibet; denne so vil sie geseit, daz in der
Vergangenheit nah ire selbes ingenomenheit so enget ir daz zwivelich 0
wunder in der yerlornheit, da si entsezzet wirt des irsheit in dez
sinsheit na ir eigen unwüssentheit. Wan na gemeiner red ze sprechen,
so wirt der ^^eist mit dez götliehen liehtrichen wesens kraft geruket
über sine natürlich vermugentheit in diss nihtes blossheit, wan si
ist aller wisen bloss von creaturen, mer in ir selben hat si ir wise 10
eigenlich na ire weslichkeit. Disü wiselos wise ist wesen der per-
sonen; die habent es beschlossen in ainvaltiger wise na rehter dnr-
[79']grüntlichkeit als ir nature. Dis bekentnüs, als geseit ist, ent-
sezet den geist; und daz geschiht in dem niht der einikeit na dez
nihtes nngrüntlicher wüssentheit, darbende siner eigenliehen uemlich- 15
keit; wan da verlürt er sich in ein sin selbs vermissen und in ein
aller ding vergessen. Und daz geschah im do, do sich der geist an
im selber hat gekeret von sin selbs und aller dingen gewordenlicb-
keit in die blossen ungewordenheit der nihtekeit.
In disem wilden gebirge des überg5tlichen wa ist ein enpfint- 20
lichü vorspilendü allen reinen geisten abgrüntlichkeit, und da knnt
6 nah Ire] sin M zwivelich fehlt M 6 da] daz M [in] dez 31
7 am Mande Thomaz AMA^, im Text K 9 nihtes fehlt K 11 weslicbk.]
Wesenheit S wislichkeit A^ 11 f. am liande Paulus A^ 15 durchgrünt-
licher JM darbender K 17 beschiht M 18 verkeret M 19 gewordeu-
heit (!) M
5 f. Seuse unt^schiebt hier den Begriff Seele (statt Geist), 5 — 7 />. A.
y^die Seele verliert gleichsam das Ihrige und geht über in dcis göttliche Smn^
doch ohne Verlust ihres eigenen Wesens^ (Dcnifle 288 A» ti); vgl, Bernhard^ l, c.
10 n. i>7 : 15 n, 39. 7 ff. Thomas, S, Th. 2^:3 g. 176 a, 1. Von hier bis Z, 19
ist auch Eckhart 519,31 — 520,4 benutzt (Z, 36 zu Usen wise, statt wite).
9 si besieht sich auf diss nihtes blosshcit (= das göttliche Wesen), nicht muf
Seele oder Geist des Menschen (so Diep, -166) ; bei Eck hart (Z, 84) gehl si
auf einikeit. 13 ff. Sinn: in der Entrückung vergisst und vermisst der Gtist
gleiciisam sich selbst (nemlichkeit — Begriff', Wesenheit), da er das unergründUehe
Wesen Gottes zu erkennen sucht, mit nndrrn Worten : er wird entsetzt, entglittet
(vgl. oben 162,32 ff. und 188,6). Richard von St. Viktor, De contempL V,12:
cur ntm recte dicatur Spiritus stinetipsum non habere, quando incipii a stmetipso
deficere et a suo Cfise in supermundanum quemdam et vere plus quam huma*
num statum iratisire etc.'^ 20 Das Gleichnis vom Gebirge nach II Mos,
19,3 bei Dionysius, De myst. theol. 1,3. 20 f. Eckhati 618,34 f.
''EMen Seusea. Eap. LII.
»i in die togenlichen nogetiantheit nnd in daz wild enpfr6mdekeit:
ITnd daz ist daz grundlos liefes ftbgiiind allen creaturen nnd im.
selber gräntlicb; daz ist och verborgen allem dem, daz er selber nit
ist, denn allein dien, den er sich wil gemeinden. Und die selben
5 müssen in gelassenlich sftchen und in etlicher wige mit im selben
•'ekeniien, als du schritt seit: „wir Bi'ilen da bekennen, als wir er-
kacjt tuen." Dis bekentnüs hat der geist nit von sin selbsheit, wan^
<lä eiuikeil zühet in in der dribeit un sich, daz ist au sin rebten<
ü beriiatärlicUen wonenden stat, da er wonet über sieh seih in dem,
10 daa- in da gezogen hat. Da stirbet der geist al lebende in den
wmidfm der golheit. Daz sterben dez geistes lit dar an, da/, er
anderecheidea nit war uimt in siner Vergangenheit an der eigenlichen
w-eslichkeit, mer nah dem usschlag haltet er andei-scheid nah der
porsonen dribeit nnd lat ein ieklieh ding underseheidenlich sin, daz
5 6S ist, als der diener underscheidenlich bat us geleit an dem büchlin
der warheit. Und merk noh ainen puncten: daz in der vordren ent-
?^*LX]gcnheit echinet nss der einikeit ein ainvaltiges lieht, und dis wise-
'os«« lieht wirt gelähtet von den dria personen in die luterkeit des
S^istes. Von dem inblike eutsinket der geist im selben nnd aller
siner selbsheit, er entsinket och der würklichkeit siner kreften nndi
w^irt entwürket und entgeistet. Und daz lit an dem inscblag, da er
oms sin selbsheit in daz frömd sinslieit vergangen nnd verlorn ist,
BÄ stiUheit der verklerteu glanzenrichen dünsterheit in der blossen
4 geniendpn Ä 6 als — befeenneni
1 Ttx^t SK 7 ertantQugt M 13 er]
■ k. M 22 Iromd fthlt M 23 glanz-
1 togenl.] aigeniicben |!| MA
/eAB P am Bande Paulus AM,
d«r üf 20 er fthh M aUcr aiu
lichtn .1/ und lin] der M
I si = die SteU. 2— IttO,! na<:h Eckhart 61fi,33 — äiy.iö i51S,H9
r» Jm*.i graiitlii'li, alalt untTontlichJ. 6f. / Kor. 13,12. 10 EckhaH
5I»,6 ai sterbende, Ea ist di« Rede von der sogen, mors myatica.
12 ff. Weil der Geist in der koc/mten Vereinigung nicht Über eich und seine
■AUe refiektiart (Deaiße 231 A. 1: 392 A. 3: ä3SA.4: Ö4i A. 1) : vgl. Bdv
^fi. Wenn »dagegen leieder zu sich selber kommt (:= asachla^ Z. 13) und
wird er seiner eigenen Kmsteiie btwusst und unterscheidet drd
* in Oott. 19 ff. Die Lehrer der Mystik sagen, in der höchsten
« *«i ein Schlaf, ein Schteeigot. eine Masse der Kri^fte (ennmus,
'"^s, lepHtcrum animaej, «eil die -Seele teährtnd dieser Ruite in Gott jeder
''"^p***! leie entrUctt rtnd attem ausier Gott teie abgestorben sei. JJabei sei
** Qeiet und Wille in hSehster Weise und mit grSeater Leichtigkeit tätig in
('*itm Eingehen auf den Zug der Gnade und der Hingabe an Gott. Vgl..
^ifieäHA.6; mi ff. Bonar., Itin. 7,3. H (p. 473,476).
190 Leben Seuses. Kap. Lin.
einvaltigen einikeit. Und in disem entwistem wa lit du [TQ""]
hohstü selikeit.
Du tohter sprach: ^eya, eya, wunder! Wie sol man hier in
komen?" Er sprach: dar zu lan ich entwerten den liebten Dio-
nysius; der sprich et also zu sinem junger: begerest du in die ver- 6
borgen togenheit ze komen, so trite kechlich ufwert, und la vallen
din ussren und diu inren sinne und daz eigen werk diner Vernunft,
•und alles, daz gesihtig ald ungesihtig ist, und alles, daz wesen und
nüt wesen ist, — zu der einvaltigen einikeit, in die solt du dringen
unwüssende, in daz swigen, daz do ob allem wesen ist und ob aller 10
meister kunst ist, mit einem blossen abzuge des grundlosen, einval-
tigen, reinen gemutes, hin in den überweslichen widerglast der g5t-
lichen vinstri. Hie muss alle haft entheftet sin, ellü ding gelassen
sin, wan in der überweslichen drivaltekait der übergegöteten gotheit
in dem togenlichen, überunbekanten, überglestigen, aller höbsten gibel 15
•da hört man mit stillsprechendem swigene wunder, wunder; man
enpfindet da nüwü abgeschaiduü unwandelberü wunder in der iiber-
. liebten dunklen vinsterheit, daz da ein überoflFenbar liehtriebe schiu
ist, in dem da al widerlAhtet, und daz die ungesihtigen Vernunft
.überfüllet mit den unbekanten, ungesihtigen, überglestigen Hechten. 20
LIII. Kapitel.
iDlss bäehes meinnnge ein beschliessen mit kurzen einvaltigen
Worten,
Du tohter sprach : „ach herr, ir redent, baidü uss eigem gründe
und uss der heiligen schrift, als gar kuntlich und cristanlich von der 25
togenheit der blossen gotheit, von des geistes usgeflossenheit und
vwideringeflossenheit; niohtind ir mir die togen sinne nah üwer ver-
4 f. da wil ich zu antwürten lassen den 1. D. M Diouysius auch am
Bande A 5 sineii jungern Sl'M 8 ald] und M 12 widerglast — 14
liberw. fehlt A^ 17 nüwü] nuwent ^S' nö wie P 18 vinstren dunkelhait M
4 — 20 iJionysiuSj Jk myst. theol. 1,1 fVf/l. 1,3), ist hier von Seuse frei
benutzt j wohl auch Bonaventura . Ithi. 7,5.6 (j/, 473 fi\), der ebenfalls Di(h
nysiuit zitiert. 10 unwüssende, vgl. Bonav., Itin. 7,n ip- 473): ad hoc (sei.
ad trant<itum et e.vcc,sifuin mentis) nihil potest natura, modicum potest indu'
Stria etc.: Brevil. 5,7: sjiiritas ... quadavi ignorantia docta supra se ipsum
rapitur tn valiginem vt t.vcetfsum. Balegc ans Augustinus und Richard von
.St. Viktor bei l)miflc 'Jir^ A. :J.
Leben Seuses. Kap. Lin. 191
stentDust etwie entwerfen mit bildgebender glicbnus, daz ich es dest
baz verstünde! Und w61ti och gern, daz ir mir alle die hohen sinne,
die da vor witsweiflich geruret sind, daz ir die mit kurzer bildlicher
rede zesamen vassetind, dar umbe daz sü minen kranken sinnen dest
b beliplicher wurdin.**
Er sprach: wie kan man bildlos gebildeu unde wiselos be-
wisen, daz iiber alle sinne und über menschlich Vernunft ist? Wan
waz man glichnust dem git, so ist es noh tusentvalt ungelicher, denn
es glich sie. Aber doch, daz man bild mit bilden us tribe^ so wil
10 ich dir hie biltlich zögen mit glichnusgebender rede, als verr [80']
es denn müglich ist, von den selben bildlosen sinnen, wie es in der
warheit ze nemen ist, und lang red mit kurzen Worten bescbliessen.
Nu hör: es seit ein wiser meister, daz got nah siner gotheit
genomen sie als ein vil wite ring, des mitle punct sie allenthalb
15 und der umbswank niene. Hie sezz in diner biltlichen betrahtung:
wer mit einem swereu stein enmiten in ein still stendes wasser vast
wurfi, da wurdi ein ring in dem wasser, und der ring von siner
kraft macheti ain andern, und der aber ein andern, und na ver-
mügentbeit dez ersten wurfes werdent och die kreiss wit und breit;
20 daz vermügen dez wurfes möhti als kreftig sin, daz es daz wasser
alles übergiengi. Hie nim biltlich in dem ersten ringe, daz ist in
der vermögenden kraft götlicher nature in dem vater, du grundlos
ist, — du birt ir gelich einen andern ring nah der person, und daz
ist der sun, und die zwo die driten, daz ist ire beider geist, glich
25 ewig, glich almehtig. Daz bezeichnent die drie kreiss: vater, sun,
heiliger geist. In disem tiefen abgründe da ist du götlich nature
in dem vater sprechent und geberend daz wort her us na persön-
lichkeit, inne blibend na weslichkeit, du an sich nam die naturlichen
mensch hei t.
^ Wer nu daz wil bilden, der nem eins menschen forme, uss dez
herzen innigosten gründe entspring ein glichü gestalt, also daz es
alle zit hab ein steren wider in. Disü geischlichü überweslichü
geburt ist ein volkomnü sach aller dingen und geisten her für ze
bringen in ir natürliches wesen. Der obreste überwesliche geist der
1 bildberender M 2 mir — 8 ir die fehlt P 3 bildricher A4.* 5 be-
lipcher A 16 sweren fMt M 22 und [du] grundl. M 31 entspringt S
glichü] gotlichü A^
13 Alanus ab Insulis, vgl. oben 178,12. 30 ff. Vgl, dazu das von
Sense entworfene Bild am Ende dieses Kapitels, 32 ff. Vgl, oben 179.5 ft\
192 Leben Senses. Kap. Lm.
bat den menschen geedelt^ daz er im von siner ewigen gotheit labtet,
und daz ist daz bilde gotes in dem vernünftigen gemüte, daz och
ewig ist. Dar umbe usser dem grossen ringe, der da betütet die
ewigen gotheit, flüssent us nah biltlicher giiehnüst kieinü ringlü, du
och bezeichen mugen den hohen adel ire vernünftikeit 5
Nu sind etlichü menschen, du nement den scbediicben vonker
von disem vernünftigen ade], sü verkleibent daz lühtend bilde und
kerent sich uf liplich lüste diser weit; und so sü wenent die fröd
besizzen^ so kunt der grimme tod und machet sin ein ende. Aber
ein bekanter mensch von dem liebten fünklin der sele kert sich wider lo
uf in daz, [80^] daz ewig ist, usser dem es geflossen ist; er git
allen creaturen ein urlob und haltet sich allein zu der ewigen
warheit,
Nim och nu eben war, wie der widerfluss dez geistes nah
biltlicher wise in rehter ordenhafti geschafen ist. Daz erst bilde 15
ist ein lidiger vonker von der weit lüsten und von süntlichen ge-
bresten, sich vermügentlich ze keren uf ze gote mit emzigem gebete,
mit abgescbeidenheit und mit tugentlicheu bescheiden Übungen, uf
ein undertenig machen den lip dem geiste. Daz ander bild daz
ist: sich willeklich und gedulteklich dar biten ze lidene die unzal- 20
liehen niengi aller der widerwertikeit, so im von got ald von creatur
mag zu gevallen. Daz drit bilde daz ist, daz er daz liden dez
gekrüzgeten Cristus sol in sich bilden und sin süssen lere und
senften wandel und luters leben, daz er uns vor trüg, im nah ze
volgeu, und also dur in fürbas hin in tringen; dar na mit einem 25
enpfallene dez ussern gewerbes sich sezzen in ein stillbeit sins ge-
mütes mit einer kreftigen gelassenheit, als ob der mensch im selber
tod sie, sich selb niene ze füren noh ze meinen, denn allein Cristus
und sins himelsclien vaters lob und ere meinen, gen allen menschen,
baidü fründen und vienden, sich demütklich und früntlich halten. 30
Dar na kunt ein übiger mensch in ein entwürken der ussren
sinnen, die vor in dem usbrucb gar ze würklich waren, und der geist
kunt in ein entsinken siner obresten kreften nah ire floierender
6 schedl.] beschaideiilichen ( !) M 19 dem lip M 19 f. daz ist] ich M
20 dar ze bietent M 21 ald [von] MA"^ 25 [hin in] zu tringon P 31 ein-
würken S 32 [in] dem M 33 flogierender .S' Horierender KMA^a
5 Das Gleichnui von den Hingen^ die der Stein im Wajiser bildet, auch
hei Eckhart 165,16 ff. An Kmanationslehre ist dabei nicht zu denken (Benifle
295 A, 6), 32 ff. Vgl oben 189,19 ff, und Denifle 29S A. 3,
natärlichkcit, in ein li bcmatürlich enpfinüictikeit. Hie dringet der
geiet f&rbaz in mit einer veilornbeit anhaftender creatnrlichkeit, dur
den ring in, der da betület die ewigen gothelt, und kiint da in
geistrich volkomenheit. Du obrest richheit dez geistes in ainer eigen
5 forme lit dar an, daz er BUnder gcbrestlich swarheit sieb uf swinget
mit gStlicber krait in sin liehtrieben vcrnünftkeit, da er eiipfiudet
bimelscbes troBtes enizig ingefloBsenheit. Er kau dö ding Ingenlicb
an Beben und vernunl'teklieh ua ribten nah ire gtjten underHcheide,
und 8tat nrdenlich gefriet dur den sun in [81'] dem sun. Er stat
10 aber nob als in dem usscblag, nab der dingen in ire eigenr natur
warnemender anschowunge. Dis mag beissen dez geisles übervart,
wan er ist bie i^ber zit und Aber stat, und ist mit minnericher
sehowunge in got vergangen.
Der nn im selber hie noh fiirbaz kau rumen, und dem got
15 groslicb mit snnderheit wil helfen mit einem kreftigen abzug. als er
Paulus tet und noh müglicb ist zc beschehen, als sant Bernhart
spricbt, eo wirl der creatürlich geist von dem überwesliehem geist
begrifen iii daz, da er von eigenr kraft nit mobte hin komen. Der
inschlag entschiebt im hild und form und alle menigvaltekeit, und
2« kuot in sin selb» und aller dingen warnemenden unwussentheit, und
wirt d» mit den drin personen wider in daz abgründ nab insweben-
der einvaltekeit in geswungen, da er gebruehet siner selikeit nah der
b&hsten warheit. Hie förbaz ist enkein ringen nob werben, wan
daz begin und ende, als es bie na mit bilden ist entworfen, sind
25 einß worden, und der geist in entgeisteter wise ist eins mit im
worden. Wie aber du Vergangenheit, da si in diser zit einem
menschen wurdi, wie du na be]i|dieber ald unbclipHcher wise sie
geschafen, ald wie der menscb niinr und me in der zit über «it
wirt in begrifeu und sin selbs entsczzet und in daz bildlos ein über-
30 sezet, daz stat da vor mit gutem underseheUl geschribeu.
Fro tohter, nu merk eben, daz disii ellü entworfuii bild und
dtsü negeleiten verbildetö wort sind der bildlosen warheit als verr
5 am Hunds von xpälerer Ua'id Nota A 11 aiiscliow, — 13 echowunKG
fehlt P 12 mit] mir K 18 mhvhU K 20 warutmemier M 24 aU —
entworfen nach 26 worden 3t 26 f. eiuen ui. A 31 dlsü ellü fehU M
9 Joh. 8,36. II Öbütvart = transilut bei Bonartnlura (ryi. oben
190,10 Aiim.). 16 TI Kor. iS^ ff. : Btmardu^, De grad. hum. 6.
24 Am Schluss de» Kaiiitth. 30 In A'ajj. 46 u, yj.
H. S-uie, Deuliohe ScliHrtcB. 13
194 Leben Seuses. Kap. Lin.
and als angelich, als ein swarzer mor der schönen sannen, and
kunt daz von der selben warheit formlosen, anbekanten einvaltekeit.
Du tohter sah nf andehteklich and sprach: „gelopt sie d&
ewig warheit, daz ich von üweren wisen und leblichen werten BO
schon bewiset bin dez ersten beginnes eins anvahenden menschen,
and der ordenlicher mitel midens and lidens and übens eins zft-
nemenden menschen, and mit gAtem anderscheide in togenlicher
mse der aller nehsten blossen warheit. Dar ambe sie got eweklich
gelopt!**
Do disü heiligü tohter von irem [ßl""] geischlichen vater lo
adellich waz gewiset na ganzzer kristanliclier warheit mit gfltem
anderscheid uff alle weg, die da endent in hoher selikeit, and si
daz wol hat ergrifen, als man es denn in der zit mag haben, do
schreib er ir an dem jangsten brief ander andren dingen also: nn
dar, tohter, gib der creatar arlob and la din fragen förbaz sin, los 15
selb, waz got in dir Sprech! Da macht dich wol fröwen, daz dir
worden ist, daz mengem menschen vor belibet, wie sar es dir ist
worden; daz ist nu alles da hin mit der zit. Dir ist na fürbaz nit
me ze tüne, denn götlichen frid in stiller rAw haben^ und fr&lich
ze beiten der stunde diner zitlichen Vergangenheit in die volkomen 20
ewigen selikeit.
Es geschah kürzlich dar na, do starb du heilig tohter and
nam ein selig ende, als och alles ir leben waz selig gewesen. Si
erschein irem geischlichen vater na ir tode vor in einer abgescheidenr
gesiht, und luhte in schnewisser wat wol gezieret mit liehtricher 25
klarheit vol himelscher froden. Si trat hin zu ime und zogte ime,
wie adellich si in die blossen gotheit vergangen were. Daz sah er
und hört es mit lust und mit fröden, und ward sin sele ab diser
gesiht vol götliches trostes. Do er zft im selber kom, do süfzet er
inneklich und gedahte: „ach got, wie selig der mensch ist, der nah so
4 warheit] wyszhait A' wort {\) P liepliclien S 7 menschen fehlt M
14 al^o untler a. d. M 20 f. in — selik. fehlt A^ 24 von hier an sind in
M etwa ö Zeilen grosnentdls venvischt und nur achwer leserlich abgesch.
fehlt M 28 ab] von .1/ 29 ersüfzet S
24 f. D. h. in einer mehr infellektufUenj ah körperlichen oder imaginären
Vision (Deniße 501 A. 1): vgl. oben 183,6 ff.
dir allein werbend ist! Er mag gern liden, den du sines lidens
also ivilt ergez/oTi.^ — Oot helf i'ins, düZ wir diser boiligcn tohter
und aller einer lieben fränden genieeseii, daz wir ewekÜch ein gftl-
lichee antliit werden iiiessende! Amen.
4 In AKRWS'a ein Bäd, darstdhnd dtn mj/*(MCA«« W«g: Ausflug»
und Rückkehr der viriiiinßigen Kreaturen in Gott (Abb. 11 nach A'JBl aS'). J
Zweites Buch.
Büchlein der Ewigen Weisheit
[82""] Hie yahet an daz ander bnchli.
Es stund ein bredier ze einer zit nah einer metti vor einem
kruzifixus and klaget got inneklich, daz er nit konde betrachten nah
siner martter und nah sinem lidenne, und daz ime daz als bitter
waz; wan dar an hatte er bis an die stunde gar grozen gebresten 5
gehabt. Und do er in der klage stünt, do kamen sine inren^ sinne
in ein ungewonlich ufgezogenheit, und luhte im gar geswinde nnd
klarlieh in also: „du solt hundert venjen machen und iedie venje
mit einer sunderlichen betrahtunge mins lidennes und die betrahtunge
mit einer begerunge, und ein ieklichs liden sol dir geistlich in ge- 10
druket werden, daz selb durch mich wider ze lidenne, als verre es
dir muglich ist." Und do er also in dem Hecht stund und sü zellen
wolte, do vant er nit me denne nünzig. Do begerte er ze got also:
„minneklicher herre, du hattest gemeinet von hunderten, und ich
envinde nit me denne nünzig/* Do wart er gewiset dennoch uf 16
zehen, die hate er vor in dem capittel genomen, e daz er nah siner
gewonheit die gelichnüs sius eilenden usfürens in den tot hetti be-
A = Hs. Berlin 4^ 84() : E = Engelberg 141; E^ = Engelberg lö3;
y = Freiburg Univ.Bibl, 474 : F^ und F^ = Freiburg Erzbisch, Archiv (ohne
Signatur); H= Heidelberg Pal gtrm, 446; K= Einsiedeln 710; W= Wolfen-
büttel 76. 5 Aug. : Z = Zürich Siadtbibl. C 172 : a = l, Druck 14S2.
1 Überschrift fehlt E'FF'F-HZ 7 f. und klarl. iu fMt F 9 mit]
inre F 13 vant — l.j do fehlt H 15 vinde E^ denne fehlt K 17 in
dem tod 7''*
2 ff. Vgl. Vita Kap, 13 und 16 : Hör. 1.?, 7 ufj^^zogenheit = Ver-
Zuckung (quasi in extasi positus , Hör. l:JK 12 sü = die 100 Betrach-
tungen. 17 «ins = Christi.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Prolog. 197
gangen und under daz selb krazifixus were komen. Und do vant
er, daz die hundert betrahtunge sinen bittem tod von dem anvang
bis an daz ende gar eigenlich hatten beschlossen. Und do er sich
dar an begonde üben nah dem, als er bewiset waz, do wart im du
6 vorder hertikeit verkeret in ein minneklich süzikeit.
Nu begerte er, ob vil liht ieman me in dem selben gebresten
were, in hertikeit und in bitterkeit der betrahtunge dez minneklichen
lidennes, in dem ellü selikeit lit, daz dem och gehulfen wurdl, und
daz er sich hier an ftbti und nit ab liezi, unz daz er och geheilti.
10 Und dar umb so screib er die betrahtunge an und tet daz ze tütsche,
wan sü im och also von gotte waren worden.
Dar nah gewan er mengen Hechten influz gotlicher warheit,
dero sü im ein ursach waren, und stünt in im uf ein kosen mit der
Ewigen Wisheit; und daz geschah nit mit einem liplichen kosenne
16 noh mit bildricher entwürt, es geschah allein mit betrahtunge in dem
lieht der heiligen schritt, der entwürt bi nüti getriegen mag, also
daz die entwürt genomen sint eintweder von der Ewigen Wisheit
munde, die si selber sprach an dem evangelio, oder aber von dien
hühsten [83'] lerern; und begrifent eintweder du selben wort oder
20 den selben sin oder aber sogtan warheit, du nah dem sinne der
heiligen scrift geriht ist, usser der mund du Ewig Wisheit hat geredet.
Die gesihte, die hie nach Stent, die geschahen och nüt in
liplicher wise, sü sint allein ein usgeleitü bischaft.
Die entwürt von unser vrowen klag hat er genomen von dem
25 sinne der worten sant Bernhard es.
Und die lere git er also vür in vragwise, dar umb daz si dest
begirlicher sie, nüt daz er der si, den es an gehöret, oder daz er es
von im selber hab gesprochen. Er meint dar inne ein gemein lere
geben, da beidü, er und ellü menschen, mugen an vinden, ein iek-
30 lieber daz, daz in an gehöret.
2 daz fehlt F siues b. todes F 4 dar an fehlt F 7 [in] bitt
E^F^Ka 9 daz — geheilti] er daz och der bi lerneti F 10 so] do E^
11 von got also E^ 13 dero] daz F in in ^ 15 bildlicher FH allein
m. betr. fehlt H einem vor betr. rot durchsir, Ä 16 betriegen F^K
18 an] in E^Fa oder aber — 20 sin fehlt K 20 nah] usser F 21 heiL
fehlt F ger. hat F 24 f. von den sinnen F^ 26 als JB» 27 an ge-
höre E' 28 meinde E^ 29 an fehlt E"^ 30 [daz] daz E^ an höret E^
•
22 f. Hör. 10: visiones in aequentibus contentae non sunt omnes accipiendae
secundum literam, licet mültae ad literam contigerint, sed est figurata locutio,
24 Vgl Kap. 17. 19. 20. 26 ff. Vgl. Hör, 10,
198 Büchlein der Ewigen Weisheit. Prolog.
Er nimt an sich, als ein lerer tun sol, aller menschen person:
na redet er in eins sündigen menschen person, denne in eins vol-
komen menschen person, etwenne in der minnenden sele bilde^ dar
nah als du materie ist, in einer gelichnäze eins dieners, mit dem d&
Ewig Wisheit redet. 5
Es ist nahe alles in tögenlicher wise us geleit; yil stat hie in
lerewise, daz ein vliziger mensche im selben us kiesen sol ze an-
dehtigen gebeten.
Die sinne, die hie stant, sint einvaltig; so sint du wort noh
einveltiger, wan sü gant nzzer einer einvaltigen sele und geh&rent lo
zfl einvaltigen menschen, du noh habent gebresten ab ze legen.
Es geschah, do der selb brfider die drie materien: daz liden
und daz nachvolgen und daz ander alles, daz da stet, hate an ge-
yangen ze schribenne und komen waz bis dar von der ruwe: nu
wol uf sei minü etc., do hatte er etwas stozes dar inne. Also hate 15
er sich ze einem mitten tage geneiget uf sinen st&l, und in einem
liebten schlafe waz im vor gar bescheidenlich, wie zwei verschultü
menschen in geischlichem schine vor im sessin, und daz er sä gar
herteklichen strafti, daz so als müssig sazen und sich uit übten. Do
wart im ze versten geben, er s51te inen ein nadlun vedmen, du im 20
in die haut wart gegeben. Nu waz der vadem drivaltig und zwei
teil waren gar klein, aber der dritte teil waz ein wenig grözer.
Und do er du drü teil zesaraen wolt trejen, do wolt es ime nit
wol ze banden gan. So sihet er nebent ime ze der rehten band
vor [83^] im unsern lieben herren stan, als er ab der sul wart ge- 25
nomen, und der stünt vor im als reht gütlich und als vetterlich, daz
er gedaht, ob er sin vater were. Nu nara er war, daz sin zartter
2 deiine] etweime £** 7 f. andehtig:em gebet FF^ 9 hie nach F wort]
sinne F 12 f. liden [und] E* 13 und d. nachv. fehlt AKcc. 23 wolt zes.
AKaZ 24 f. stan nach hand Z 25 wart] was E^ 26 reht vor vetterl. Z
und — vett. fehlt E^
14 f. Kap. 5, 17 liehter schlaf = Vision (Hör. 13: in visione). Vgl,
dazu das Bild am Schluss von Kap. 13. 21 drivaltij;, Anspielung auf die
drei verschieden grossen Teile des Bdeic. 24 ff. Ähnliche Visionen, die an
bildlichen Darstellungen ihre Unterlage haben, finden sich namentlich in den
Dominikanerinnenviten des 14. Jh. öfters ; Beletje bei E. Krebs, Die Mystik in
Adelfiausen 81 f. 25 sul = Geisselsüule,
lip gar ein natürlich varw hatte: er enwaz nüt reht ivii-,. er waz
weiesenvar, (iaz ist wiz und rot wol vermischet onder einander, und
daz ist du aller naturlichest varw. Und nam war, daz alle sin li[)
recht durchwunt was, und die wunden waren vrisdi und blfttig, und
5 etlich waren sinwel nnd etlich eggeht, ettich waren gar lang, als
in die geislen gezerret hatten. Und do er also minneklich vor im
Btfint und in so gütlich an sab, do hftb der brediger sin hende nf
nnd streich eüi an sin bititigen wunden bin und her, und nam denne
di'i drü teil des vadems und träte sü geswind zesamen. Und do
10 wart im gegeben ein verniugen und verstönt es also, daz er es gÖlti
volbringen und daz got mit rösvarwem kleid, daz usser sinen wun-
den wünklich gewürkt ist, die w61te in ewiger Schönheit kleiden,
die nu ir stunden hie mit vertribin.
Ein ding sol man wössen: als unglich ist. der ein süzcs seiten-
15 spil selber horti snzklich erklingen gegen dem, daz man dn von allein
h6rt sprechen, als ungelich sint du wort, du in der lutreu gnade
werdent enpfangen nnd usser einem lebenden herzen dur einen leben-
den munt US Üiezent gegen den »elhen Worten, so »ii an daz tSt
hermit koment, und sunderiiche in tütscber Zungen ; wan so erkalteat
20 sü neiswe und verblichent als die abgebrochnen vosen, wan du lust-
iich wise, du ob allen dingen meusclilich herz riiret, dn erli'tscbet
denne, und in der türri der türren berzen werdent sn denn enpbangen.
Es enwart nie kein selten so süze: der in richtet ul' ein tiirres schit,
er erstumbet. Ein minnerichen zungen ein nnminneriehes herze en-
S6 kan als wenig veretan, als ein tütscber einen walhen. Und dar
2 wejasenwar Ä wis vanc iL 4 reht] gar t" 6 aerzerret £' zerret K
7 80] also F als £' 8 lienne] ^ü ÄKa 10 er [esj f" 11 mit /«ft« AF
\-l wAiiklich] miuuoclicb A' 16 sas ?' 16.1B gen I?FF* Ifi all. da
von FF^ 20 vorblaiclient J'' 20 f. am Bande Gregorius in prologo HW
Jeroiiirous F'Z S.Jö E' luateklich Z 24 am Sande Beniardus snper
Cantica E'F'HWZ £in unminnrichea herge kau v\a minneriche zungen E'
2 vm nnd rot (HoM. 5,10), vgl. Tochter Äyo« td. Weinhold 1934 ff.:
Bim., termo 3i* in Cant. n, 10; Richard, von Sl. Viktor in Cant. e. 36. Weitere
Beltge bei Weitiiiold 617 und von Strauch in Afda VIII flS6'4),6. 19 Kf
itt auffallend, xcie Seuse von der deutschet Spi-aehf, die tr doch atttgttnchntt
handhabte, ao gering denkt. Im Hornlogium igt eein Aufschwung alltrdingt
noch höher. 24 f. Bernardns, icrmo 7ä IR Caitt. n. 1 ; omnino non poleH
caper» ignitum elogaium frigidum pectug. Quomodo enim graece loqutnttm tion
intelligit. qiii graeiitm non »lotx't, nec laliac loquenfem, qui latinus non tsl, et
ila dt caeterit, «ic lingua amoria ei, qui non (imat, horbara er/t, tritqiie gicut
Ott gonans aul ej/mbalum tinnien».
200 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. I.
ambe so sol ein vliziger mensch den usvergangen rängen diser suzen
1er nah ilen^ daz er si lerne an sehen nah dem Ursprünge; do sti in
ir leblichiy in ir wünklicher Schönheit waren; und daz waz der in-
fluz gegenwärtiger gnade, in dem si totä herzen möhtin ban erkicket.
Und swer sä also [88 '] an blicket, der mag eigenlich kumme iemer 5
dis äberlesen, sin herz roüze inneklich bewegt werden, eintweder ze
inbrunstiger minne oder ze näwem liebte oder jamer nah gotte nnd
niissevalien der sänden, oder iemer z& etlicher geistlichen begeniDge,
in der da sele denne wurt ernuwret in gnaden.
Hie hat ein ende der prologus, daz ist da vorrede diss bucblis. 10
Erster Teil.
I. Kapitel.
Wie etlichü menschen von got nnwissentlicli werdent gezogen.
Hanc amavi et exquisivi a iuventute mea, et quae-
sivi mihi spousam assumere. 15
Disü wörtlü stant geschriben an der wisheit buche, und sint
gesprochen von der schönen minnerichen Ewigen Wisheit und spre-
chent ze tutsche also: „dis han ich geminnet und us gesüchet von
minen jungen tagen und han mir si us erkorn ze einer gemahlen.^
Es bäte sich ein wilder müt in sinem ersten usker vergangen 20
in die wege der ungclicbheit. Do begegent im in geistlicher unsäg-
licher bildunge du Ewig Wisheit und zoh in dur süz und sur, unz
daz si in brahte uf daz reht pfad der gotlichen warheit. Und do
er sich reht hinderdahtc uf die wunderlichen züge, do sprach er ze
2 [an] sehen F^ do\ das /'* 3 in ir] mit A 5 enmag JB^'^JP
7 und] oder zö einem F? 3 sünde E^ 9 denne fehlt F' 10 hie —
diss (des A) büchlis fehlt T?FF^HZ ein ende bat die vorrede des büchlins
Wa 13 unwiss. von got F 16 an der — 17 irespr. fehlt F^ 18 also
ze tusche E^ [us] gesüchet E^ 19 und han — gem. fehlt F 21 uf die
weg E^ 22 u. durch snr F^
14 Weish. 6,-2. 21 ungelichheit - dis^simüitudo , v(jL Vita 88,22
und Bern,, sermo 42 de dir, n, J. Seinfe spricht hier von sich ifclbst, rgl, die
ersten Kapitel der Vita^ namentlich das vierte and Hör, 16 ff.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. I. 201
gotte also: „miimeklicher zarter herre, min gemute hat von roinen
kintlichen tagen neiswaz gesüchet mit einem ilenden turste, herr,
und waz daz si^ daz enbab ich noh nit volkomenlich begriffen.
Herre, ich habe im menig jar hitzeklich nah gejaget, und enkonde
6 mir noh nie reht werden, wan ich enweiz nit reht, waz es ist, und
ist doch neiswaz, daz min herz und sele nah im zühet, und ane daz
ich niemer in reht rftwe kan gesetzet werden. Herre, ich wolt es
in den ersten tagen miner kintheit suchen, als ich vor mir sah tun
in dien kreaturen, und so ich ieme suchte, so ich ie minre vand,
10 und 80 ich ie naher gieng, so ich dem selben ieme verret ; wan von
einem ieklichen inblikenden bilde hat ich ein insprechen, e daz ich
*
sin genzlich versftchti, oder mich mit rftwe dar uf ergebi, also : daz
ist nit daz, daz du da suchest. Und dis vontriben ist mir ie und
ie in allen dingen vor gewesen. Herre, nu wütet min herz dar nah,
16 wan es hetti es gerne, und hat wol dik als [SS""] einest enphunden,
waz es mit ist, herr, aber was es ist, dez ist es noh unbewiset, Owe,
geminter herr von bimelrich, was ist es, ald wie ist es geschaffen,
daz so recht togenlich in mir spilt?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Erkennest du es nit? Es
20 hat dich doch minneklich umbevangen und hat dir den weg dik
understanden, unz daz es dich uu im selber allein hat gewunen.
Der dienen Herre, ich gesach sin nie noch gehört sin nie, ich
enweis, waz es ist.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Daz ist nit unbillich, wan
26 der kreaturen heimlich! und sin vrömdi schüfen daz. Aber nu tu uf
dinü inren ougen und lüg, wer ich si. Ich bin es, du Ewig Wis-
heit, du dich in ewikeit ir selber hat uz erwellet mit dem umbvange
miner ewigen vürsichtikeit. Ich han dir den weg als dik under-
standen, als dik du werist von mir gescheiden, ob ich dich hetti
80 gelazen. Du funde in allen dingen icmer etwaz widerstenes ; und
1 also fehlt E' 3 hab A'^ [noh] nit F"^ voUeclich ^? 4 im nu E^
im] uu F koude E^ 6 waiss F^ 7 ges. kan w. E^ 11 inbliken K
12 f. daz ist] icli bin A» 13 [daz] daz F suchtest K 16 es] ich E^
und hab E^ wol nach einest E^ 16 was es aber E^F^a 20 doch dik F
'22 noch] und Ka noch geh. s. nie fehlt AHZ sin] si K^sa ich] und A
24 Entwürt — Wisheit] die ewig wisheit F^ (so stets!) 26 creature FP^
28 dik fehlt F^ 30 widerstants K
1 ff. Im folgenden sind die Confessiones des hl, Augustinus benützt, be»
sonders X, 0.
202 Bttchlein der Ewigen Weisheit. Kap. I.
daz ist daz gewerest zeichen miner uzerwelten, daz ich sü mir selber
wil haben.
Der diener: Zartü miuneklichu wisheit, und bist du daz^ daz
ich so reht lange han gestehet? Bist du daz, nah dem min roftt
ie und ie rang? Owe, got, war umbe erzöigtest du dich mir nit nn 6
yil lang? Wie hast du es so rehte lange gesparet! Wie han ich so
mengen müliehen weg gewatten!
Entwürt der Ewigen Wisheit: Hetti ich daz do getan,
80 erkandist du nit als enphintlich min gut, als du es sus erkennest.
Der diener: Owe, grundloses gut, wie hastu dich nu so lo
süzeklich in mir gegütet! Do ich nit waz, do gebe du mir wesen;
do ich mich von dir hate gescheiden, do enwoltest du nit von mir
scheiden; do ich dir endrinnen wolt, do hattest du mich so süzek-
lich gevangen. Eya, Ewigü Wisheit, wan mt)hti sich nu min herz
in tusent stuk uf brechen, und dich mins herzen wunne umbvahen 16
und mit steter minne und ganzem lobe alle mine tage mit dir ver-
zerren, daz were mins herzen girde! W'an gewerlich der mensch ist
selig, den du also minneklich vurkumist, daz du in niene reht last
gerüwen, unz daz er sin rüwe in dir alleine suchet.
Ach uzerweltü, minueklichü wisheit, [89'] sider ich nu an dir 90
vunden han, den min sei da minnet, so versniahe nit din armen
kreatur; sich an, wie gar min herz erstumbet ist gegen aller diser
weit in lieb und in leide! Herr, sol ipin herz iemer ein stumbe g^gen
dir sin? Gib urlob, gib urlob, geminter herre, miner eilenden sei,
ein wort ze dir ze sprechenne, wan min volles herze mag es nit mer 26
alleine getragen; so hat es in diser witen weit nieman, gegen dem
es sich erküle denne gegen dir, zarter, uzerwelter, geminter herre
und brüder! Herre, du sihest und weist allein die natur eins minn-
riehen herzen und weist, daz nieman mag miunen, daz er in keiner
1 ist] ich (!) K 1 f. sü wil alleine mir s. li. E' 4 reht fehlt E^f
7 gewandelt F 8 am Bande Thomas E^HZ do] vor F^ 11 gutet F
17 begirde FK 18 verkumest Z last reht E^ 19 rQweu F^ alleine
in dir E^FF^ 21 din] min F 22 verstumbet F^ 23 iemer und ienier E^
24 min geminter h. E^ 25 eumag AK 28 und hriidcr fehlt F 29 enmag
AFK
6 f. Vgl. Weiffh. 5,7. 8 Stuse hat wohl Thomaa, S. Th, 3 q, 1 a. 5 be-
nutzt. 18 f. y^gl. Augustinus, Confess. I, 1: quia ftcisti nos ad te, et inquie-
tum est cor nostrum, donec requiescat in ie. 21 i. herre und bräder. Über
die Bezeichnungen, in denen das Venvandtschafts r erhält ?iis zirischen Gott und
der begnadeten Seele zum Ausdruck kommt, vgl. die Zusammenstellungen bei
Weinhold, Lamprechi von Heg. 534 f.: Strauch, Marg. Ebner 316 f.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. I. 203
wise enkan bekennen. Dar umbe^ sider ich dich nu allein sol minnen,
so gib dich mir noh fürbaz ze erkennene, daz ich dich och genzlich
geminnen künne.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Den h6hsten usfluz aller
5 wesen von ir ersten Ursprünge nimet man nach natürlicher ordenunge
durch du edelsten wesen in du nidersten ; aber den widerfluz zfi dem
Ursprünge nimt man durch da nidersten in du höhsten. Dar umb,
wilt du mich schowen in miner ungewordenen gotheit^ so solt du
mich hie lernen erkennen und minnen in miner gelitnen menscheit,
10 wan daz ist der schnellest weg ze ewiger selikeit.
Der diener: Herre, so ermane ich dich hüt der grundlosen
minne, daz du dich neigtest von dem hohen throne, von dem künk-
lichen stCile des vätterlichen herzen in eilend und verschmeht drü
und drizig jar^ und diu minne, die du zfi mir und ze allen menschen
16 hattest, aller meist erz6igtest in dem aller bittersten lidenne dins
grimmen todes; herre, des bis eimant, daz du dich miner sele geist-
lich erzögest in der minneklichsten gestalt, dar zu dich dfi unmezig
minne ie brahte.
Entwürt der Ewigen Wisheit: So ich ie versigner, ie
20 t6tlicher von minnen bin, so ich einem reht geordneten gemüte ie
minneklicher bin. Min grundlosü minne erz6igt sich in der grozen
bitterkeit mins lidennes als du sunne in ir glaste, als der schöne
rose in sinem smacke, und als daz starke vür in siner inbrünstigen
hitze. Dar nmbe so höre mit andahte, wie herzeklichen durch dich
25 gelitten ist.
1 kan E^F erkennen K nu fehlt F 8 kunne gem. E^ 4 am
liande Thomas AE^F^H alle E 6 [wider]fluz E"^ 13 und ia y. F
15 erzeiget F 17 aller minneklichsten AKaEE' du] din E^ 18 be-
trachte (!) K 19 ich [ie] F^ ersigener i'^ 24 so fehU F^
4 Vgl, Thomas j S. Th. 1 q, 44: De processiofie creaturarum a Deo, Seuse
meint hier die Schöpfung (gegen Den. 314 A, 2), vgl. Hör. 25 : processus emO'
nationia creaturarum a summo verum vertice deo secundum ordinem naturae
fU per descetisum ex petfectioribus ad inperfeciiora ; äfmlich Hör. 205, Zur
Erklärung Denifle 205 A. 1 : 519 A, 1. An Fantheismus ist wie hei Kap. 53
der Vita u. Kap. 3 des Bdw nicht eu denken. 8 ff. Ein den Vätern hehr
geläufiger Gedanke (vgl, Rom. 8,17), die via regia (Hör, 25) der Mystik bezeich-
nend; vgl, Aug,, Tract, 13 in Joann, n, 4: per Christum hominem ad Christum
Deum (vgl, Tract. 42 n, 8; sermo 141 n, 4, 261 n. 7); Thomas, Comp, iheol, c. 2:
Christi humanitas via est, qua ad Divinitatem pervenitur (vgl, id, in Joann,
14,6; Quodl, 8 a. 20). Eine Zusammenstellung aus deutschen Mystikeim gibt
Denifle, Das geistliche Leben » 1880, 309 ff.
204 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. II.
II. Kapitel.
[89 '^J Wie es Yor dem krilzgenne ergie.
Nach dem jüngsten nahtmal, do ich mich uf deme berge ergab
in daz liden des grimmen todes^ do ich bevant, daz er mir gegen-
wärtig was, do ward ich von angsten mines zarten herzen und von 5
noten alles mins libes nature hin vliezende von dem blutigen sweis.
Ich wart vientlich gevangen, strenklich gebunden, ellendklich ver-
füret; ich wart der naht mit streichen, mit verspöizenne, mit ver-
bindenne miner ogen lasterlich gehandelt, vrftje vor Cayphas ver-
sprochen und in den tode vür schuldig ergeben. Unsäglich herz- 10
leid sah man an miner reinen müter von dem ersten anblike, in dem
si mich in noten sah, unz daz ich an daz krüze wart erhangen.
Ich wart vür Pylatus schamlicb gestellet, valschlich gerüget, totlich
verdamnet; sü stünden gegen mir mit grüwlichen ogen als die risen
gewegenlich, und ich stund vor in als ein lämbli senftmütklich. Ich, 15
du Ewig Wisheit, ward vor Herodes in wissen kleidern torlich ver-
spottet, min schöne lip wart so gar leitlich von dien ungezogen
geiselschlegen zerfüret und zermüstet, min zartes hobt durgraben und
daz minneklich antlüt mit Speichel und mit blftte verrunnen; und wart
also verteilet ellendklich und schamlich mit minem krüz us gefuret 20
in den tod. 8ü schrüwen uf mich vil grüwlich, daz es in den luft
uf trang: „nu henka, henk den bösen wiht!"
Der diener: Owe herr, der anvang ist als gar bitter, wie
sol es ein ende nemen? Und sehe ich ein wildes tier also vor mir
handien, ich möhte es kume erliden; wie sol mir denne so billich din 25
liden dur min herze und dur min sele gan I
Aber herre, daz ist ein groz wunder in minem herzen: minnek-
licher herr, ich such alles din gotheit, so hütest du mir din menscheit;
ich sfleh din süzigkeit, so hebest du vür din bitterkeit; ich wolt
alles sugen, so lerest du mich striten. Ach herr. waz meinest du 30
hie mitte?
2 kruzi^^ang A" 3 deine] den FF^ 7 t'. gcluret F^ 8 iu der naht F
8 f. und mit verb. F^FF^ 9 schonen ogen F claren durchstrichen 1?
11 reinen] liehen FF^ 12 unz] \m E^ 15 geweg.j g«.'meinlich F 18 zer-
müschet F^ 20 f. us in den tod gef. F 24 vor mir also 7s'/''* 25 f. din
liden 00 b. E^ 28 mir als d. m. F 29 du mir /'
18 durgraben von den Dornen. 22 Hör, :JS : tolle, toUtj crucifige mah'
ficum! 29 f. i. c: petenti mamillas sugere das rohusta certamina decertare.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. II. 205
Entwürt der Ewigen Wisheit: Es mag nieman komen
ze götlicher hocheit noch ze ungewonlicher suzikeit, er werde denn
vor gezogen dur daz bilde miner menschlichen bitterkeit. So man
ane daz durchgan miner menscbeit ie höher uf klimmet, so man ie
5 tieffer vellet. Min menscbeit ist der weg, den man gat, min liden
ist daz tor, durch daz man gan müz, der zft dem wil komen, daz
du da suchest. Dar umbe tu [90'] hin dines herzen kleinheit und
tritte zu mir in den ring ritterlicher vestekeit, wan dem kneht ge-
zimt nit wol Zartheit, da der herre stat in stritberlicher künheit.
10 Ich wil dir minü wafenkleit an legen, wan alles min liden mftz von
dir nah dinem vermugenne werden gelitten.
Setze dich vorhin uf ein Verwegenheit, wan din herz müz dik
ersterben, e daz du din natur überwindest, und von angsten den
blutigen sweis switzen von mengem pinlichem lidenne, in dem ich
15 dich mir wil bereiten ; wan ich wil dinen wurzgartten mit roter blüst
tungen. Du müst wider alt gewonheit gevangen und gebunden
werden; du wirst von minen widersachen dik heimlich gevelschet
und offenlich geschamget; manig valsche urteil der lüten wirt über
dich gände. Min marter solt du emzeklich in dinem herzen mit
20 mflterlicher herzklicher minne tragen. Du gewinnest mengen argen
rihter dins gotlichen lebeus; so wirt din götlichü wise von mensch-
licher wise dik torlich verspottet. Din ungeübter lip wirt gegeiselt
mit dem herten strengen lebenne; du wirst spotlich gekrönet mit
einem vcrtrukenne dins heiligen lebens. Dar nach wirst du mit mir
25 US gefüret den eilenden krüzgaijg, so du dins eigennen willen us
gest, und dich din selbs verzihest und aller kreatur als warlich ledig
stast in dien dingen, die dich dines ewigen heiles mugen ierren, als
ein sterbender mensch, so er hin zühet und mit diser weit nit me
ze schaffen hat.
30 Der diene r: Owe herr, daz ist mir ein müliches spil! Ellü
min natur erkunt sich diser wort, herr, wie sol ich daz iemer alles
erliden? Zarter herr, ich mftss eins sprechen: enkondest du in diner
1 enmag K^J^' 4 [uf] climmet F^ 8 f. zimmet F^ 13 sterben FF^
15 rotem blöt F' 18 vasche (!) A 21 gutlichen F^ 24 heil.] gotlichen F
26 dich fehlt E^ 27 stat F in d. d. — ierren fehlt E^ ewigen] eigenen F
30 diss F^ 31 erküt sich von diser red F alles fehlt AF
5 f. Vgl, Vita Kap. 13 (34,9 ff,). 10 Vgl Vita Kap. 44. 15 rote
blöst = Leiden (angustiae et iribulationes, Hör. !29). IG L, c. : inveteratas
in ie consuetudines vincendo captivaheris et quasi ligaheris.
206 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. IL
ewigen wisbeit kein ander wise vinden, mich ze behaltenne und din
niinne mir ze erz6igenne, daz du dich des grozen lidens und mich
dez bittem mitlidennes hettist überhebt? Wie schinent dinü geriht
80 reht wunderlich!
Entwürt der Ewigen Wisheit: Dem grundlosen abgr&nd 5
miner togni, in der ich ellä ding us riht nah miner ewigen Yursich-
tikeit; sol nieman nah gan, wau sü kau nieman begrifen. Und in
der so waz beidä, dez und menges anders ein vermugen, daz doch
niemer geschiht.
Doch so wissest daz^ daz in der ordnunge nn du [90^] usgefloz- 10
nü wesen sind, daz enkein beh&glicher wise enmoht werden. Der
herr der natur nimet nit war, waz er vermag in der natur, er nimt
war, was einer ieklicher kreatur aller gezemest ist, und dar nah so
würket er.
Wie moht nu der mensch baz erkennen die g6tlichen verhör- I6
genheit, denn in der angenomenen menscheit?
Der von ungeordneter woUust hate vröd verlorn, wie moht der
ordenlicher ewiger vröde bewiset werden?
Wie moht der ungeübt weg eins harten verschmehten lebens
getribenr werden , denne so er von got selb selber getriben 20
wurde?
Legist du denne in dem gerihte des todes: der den totschlag
vür dich enphienge, wie könde er dir mer trüwen und liebi erzöigen,
oder dich hin wider gereizen sich ze minnenne?
Swen denn min grundlosü minne, min unsaglichü erbarmherz- 26
keit, min klarü gotheit, min aller lützeligistü menscheit, brüderlichü
truwe, gemahellichfi vrüntschaft nit beweget ze inneklicher minne,
was sölti denn daz ersteinte herz erweichen?
3 bitteru fehlt F h am Bande Thomas E^ 8 menges feMt F^
10 als im AKa 11 daz fehU E^F^ behagenlicher E"^ moht E^F^
12 am Rande Augustinus E^Z 13 einer fehlt E^ ist] si E* 15 be-
kennen F 20 getriben werden AKaFZ 23 dir der mer E^ tröw F^
24 hin wider fehlt F sich fehlt F dich F^ 27 gemahelte F^
3 Böm. 11^33. 6 ff. Weitere Ausfahruiiy Hör. oO. Das Thomaszitai
bezieht .sich wohl auf S. Th. 3 q. 1 a, 2, 12 Dan Augustinuszitat (De TriniU
Xlllf 10 n. i), wohl aus Thomas h c, entnommen, gehört zu Z. lö. 17 Vgl,
Hör. 31: qualiter ordinatius quam per temporalem iribulationem ainissa (gaudia)
recuperare d'tbuerat ? 19 L, c. : cum tna, quae ducit ad ritam, sit arta et
semitae angustae ei ante incarnationem fuennt minus tritae etc.
Büchlein der Ewigen WeiBheit. Kap. m. 207
Vrag aller kreatur sch6n ordnunge, ob ich in keiner wank-
lieber wise min gerehtkeit m6bti beb alten, min grundlosen erbarm-
herzkeit erzögen, mensehlicb natar geedeln, min g&ti entgiessen, himel-
rieb und ertricb versünen, denn mit minem bittern tode?
6 Derdiener: Herre, gewerlicb, icb beginne eigenlicben merken,
daz es also ist; und swen unverstandenbeit nut bat geblendet und
sieb bier uf rebt hinderdenket, der mflz dir des jehen und die
8cb6nen mineklicben wise ob aller wise rumen. Aber einem tr&gen
libe tfit daz nacbvolgen we.
10 Entwürt der Ewigen Wisheit: Erschrik nät ab deme
nabvolgenne mins lidens; wan swem got als inr wirt, daz ime daz
liden lieht wirt, der bat nüt ze klagenne.
Mich nüzet nieman me nah ungewonlieber s&zikeit, denn die,
die mit mir stant in der bertsten bitterkeit.
15 Es klaget nieman als vil bitterkeit der hulsehen, als der, dem
unkunt ist du inre sfizikeit dez kernen.
Es ist halb erstritten, swer bat einen gtiten gebilfen.
Der diener: Herr, dinü trostliehen wort hein mich als ge-
berz gemacbet, daz mich dnnket, icb vermuge in dir ellü ding tfln
20 und liden. Dar nmbe beger icb, daz du mir den hord dins lidens
genzlich uf scbliessest, und mir noch me da von sagest.
III. Kapitel.
[91'] Wie es an dem krüz nmb in stund nah dem nssren
menschen.
25 Entwürt der Ewigen Wisheit; Do icb an dem hohen
aste des kruzes vür dich und ellü menschen von grundloser minne
erhangen ward, do wart ellü min gestalt vil jemerlich verkert. Minü
klaren ogen erlaschen und wurden verkeret; minü g6tlicben oren
wurden spottes und lasters erfüllet, min edels riechen waz verwan-
1 creaturen F 6 nüt] nü -4 7 bedenket F^ 8 ob aller wiac
feUt F' einen K 18 [herr] disü F 19 ellü d. in dir Z 26 Entw.
— Wisheit fehlt AF^HK 27 f. minü kl. o. — verkeret fehlt F^
1 ff. Die Kongruenzgründe für Chi-isti Menschwerdung und Leiden (nuUus
pulchrior et congruentior modus, Hör. 31) gibt Seuse ganz im AnscMuss
an die Scholastik (Thomas^ S. Th. 3 q. 19 sqq.; Comp, theol verit. IV, 6. 9, 19).
19 Fhil. 4,13.
208 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. III.
delt mit b6sem smak, min suzer mund mit bitterm tränke, min
zartü berürde mit herten schlegen. Do gebrast mir alles ertriches
ze einer kleinen rftwe, wan es waz min g6tlichs hobt von ser and
Ungemach geneiget. Min gemeitü kele waz vil ungezogenlich be-
streichet; min reines antlut mit Speichel gar veranreint, min lutrü 6
yarw erbleichet. Sich, de ertodet min schönü gestalt als gar^ als
ob ich es were ein ussezling, und ich es du schön wisheit nie were
worden.
Der diene r: 0 du so reht Kitzeliger Spiegel aller gnaden,
in dem die himelschen geiste ir ogen eimeient und erwitterent, wan 10
hetti ich din gemintes antlut in der tötlichen wise, unz daz ich es
mit mins herzen trehnen wol durchgusse, unz daz ich du schönen
ogen, die lichten wangen, den zartten mund so erbleichet und er-
todet durschoweti, daz ich min herz mit inneklicher klag ob im wol
erkülti ! « 16
Ach minneklicher berr, din liden gat etlichen lüten als nah ze
herzen, die kunnen dich als iuneklichen klagen und mugen dich als
herzklichen weinen ; ach got, wan könd und ni6ht ich nu ellü min-
nenden herzen mit klag verwesen, wan ni8hte ich aller ogen liebte
trehen gereren und aller zungen kleglichü wort gesprechen, so w51t 20
ich dir hüt erzöigen, wie nahe mir din eilendes liden lit!
Entwürt der Ewigen Wisheit: Es erzöiget nieman baz,
wie nahe im min liden gat, denn der es treit mit mir an erzoigunge
der werke. Mir ist lieber ein lediges unbekümhert herze von aller
zerganklicher minne mit stetem vlize ze ervolgenne daz nehste nah 25
einem uswürkenne mins vorgebildeten lebens, dennc ob du mich
iemer klagtist und als mengen trehen von weinenne miner marter
rertist, als meng tröphli wassers von himcl ie geregnet; wan daz
nahvolgen waz ein sach, dar [91""] unib ich den bittern tod leit,
swie mir die trehen och gar minnklicb und geneni sien. 30
Der dien er: Owe, zarter herr, sid dir denne ein liepliches
nahvolgen dins senftmütigen lebennes und dins minncrichen lidens
2 «»:ebraht i»' 3 [es] min g. höhet waz Jjy 4 waz ftfdt F 7 [es]
weri ein ussozziger mensche /*' were nach iissezlinir E^ ussezig* K 10 er-
witrcnt E^UKZ 11 ffomintes] ircmeites AK minii^klichcs « 14 an scho-
weti F 16 rainncker «!) A 23 mit mir /t/W/ I? erzoo-rn /.^ 30 innec-
lich [und] F 31 zarter /e/J/ F' Ah fehlt AK
6 f. Vgl. Is, 53A. 10 Hör. 33: iocundi.^^simis ohtniihus suos gaadent
ocnlos defigerc felicitate indefessa.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Eap.-r
80 gar minneklich iBt, so wil ich nu vürbaz mineu äiz me legen Bf
ein luinnekliches nabvolgen denn nf ein weinliohes klagen, me ich
fiä beidi'i nah dinen worten büI haben. Und dar nmb so lere, wie
ich mich dir 6ul geliehen an diBem lidenoe.
5 Entwiirt der Ewigen Wisheit: Brich dinen lust an ver-
lasener gesiebt niid üppiger gehörde; laae dir wol schmaken von
minuen und histig sin, daz dir vor wider waz, leg ab dur mich zart-
heil dins libes. Du solt alle diu rfiwe in mir sQchen, liplich nn-
gemach minnen, vrümdes übel willeklich liden, veraehmebt begeren,
10 dinen begirdea erbleichen und allen dinen gelüsten ertoden. Daz
ist der anevang in der schule der wisheit, den man tiset an dem
nfgetanen zertenneten btlcb mines geki'üzgeten libes. Und löge, so
ein mensch geti'it alles sin vermugen, ob mir dennoh ieman in aller
diser weit si, als ich im bin?
jri6 IV. Kapitel.
Wie reht getriiTrUch sin llden wu.
Der diäner: Herre, so ich vergisse diner wirdekeit, diner
gäbe, des nutzes und aller ding, so rüret mich dennoch ein ding ab
reht nahe, daz ist, so ich recht hinderdenk nit allein die wise ansere
20 heiles, och die grundlosen getrüwen wise. Herr, es git menge dem
andern, daz man sin liebi und sin triiwe baz an der wise, denn an
der gäbe verstat: ein kleinü gäbe in getrüwlicher wise tfit dik baz,
denne ein grözü ane die wise. Herr, uu ist nit alleine din gäbe
groz, och du wise dunket mich als reht grundlos getruwlich. Dn
S& hast nit allein den tot vür mich gelitten, du hast och daz aller
hnnderste, daz aller nehste, daz verborgnest aller minne gesüchet, in
dem man liden kiesen kan oder mag. Du hast reht getan, als ob
da sprechist: „Iftgent ellü herzen, ob ie kein herz so vol minnea
1 m. flia fürha« /■' me fthll F 2 intnnericheB E' 3 lere mich F
4 an dia. 1. fehlt F 5 d. lust) diuem lip a.\> F 7 Inatlicb E' 8 1. 1. nng.
minnen fehlt AKaH 11 d.i liaet AKall Vi kratzefcoteii i'" 13 in —
14 weit fehlt F' 14 diaer) der E' im fehlt K 16 getrüwe E' 17 d.
^f,aet fthU AF^H -iämlfthUF 24 duok. mich] iit i'' 85 Tür] durch F'
och dttz — 27 du hast fehlt K 25 [. daz aller h. fthll FU 26 fanud.]
pinlichust A.'' 27 kiesen] soeben /■'■ als [ob] F
9 vromdes übel = mala illaia (Hm: 33). 11 Vgl. l c: hate »unl
inquam prima prineipia.
a. Btuia, Svaliolig SoliHfiBu. 14
210 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IV.
wurde? Sehent, werin eliu minü gelider daz edelste gelid, daz an
mir ist, daz ist daz herz, daz wolt ich lazen durwunden und töten
und uf zerren und in kleinü stuk zermalen, daz nüt in mir nob an
mir belibe nngegeben, daz ir [92'] min minne erkandent.^ Ach
herr, wie waz dir ze mfite, oder wez gedehte du? Du wärest es 5
doch wol noh naher zu komen?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Do begerte nie kein in-
turstiger mand so bitzekiiehen eins kalten brunnen noch kein ster-
bender mensche des vrölichen lebtagen, als ich begerte^ daz ich
allen sündem gehulfe und mich inen geliebti. E hat man die ver- 10
farnen tag her wider braht, e hat man alle ertorreten blümen wider
ergrunet und ellä regentröphlü wider gesamnet, e man min minne
ze dir und ze allen menschen niug gezellen. Und dar umb so bin ich
als gar us gegossen von minnezeicheU; daz man einer nadlen püntli
nit möhti han gesetzet an minem durmarterten Übe ane sin sunder- 15
lieh minnezeichen.
Lüg, min rebtü band waz durnegelt, min linggü band dur-
schlagen, min rechter arm zerspannen und min lingger gar ser zer-
tennet, min rechter vüz durgraben und min lingger gruwlich dur-
höwen. Ich hanget in ungewalte und in grozer müdi Aiiner g6tlichen 20
bein. Ellü min zarten glider wurden unbeweglich gephrenget an den
engen notstal; min liitziges blüt gewan von nöten mengen wilden
uzbruch, von dem min sterbende Hb verrunnen und blAtig waz, daz
ein jemerlich angesiht gab. Sich ein kleglich ding: min junge,
schöne, blüender lip der begonde valwen, torren und darben. Der 25
müde zarte rugge hate an dem ruhen krüz ein hertes lenen, min
swere lib ein nidirsigen; alle min lip waz durwunt und durseret,
— und daz alles trüg min minnendez herze minneklich.
1 wcriii] vor an AKa tlaz ed. glid — 2 ist, daz ftidt /•'* 2 und fMi
AFF"^ 5 [du] Du HK es] sin K"^ 6 noh fehlt E^F noch wol F^
7 f. turstiger F 8 kalten] külen F^ 9 daz] wie F^ 10 mich] ich F 10 f. ver-
variiden E^ 11 ha.t fehlt F 13 zellen K 14 ussaelesen F^ usgesessen (!) K
18 ^^HY fehlt F ser fehlt AKE^ 21 lider E^ 22 notstal des kruzes AKaE^
23 ufliruch AKaFF^Z 25 türreu Z 26 ruhen /f//// AK 28 alles sament E^
mhuiendez fehlt F
14 f. Hnr. 34: quoil non inveniehatur tue spatium unius pnncti in meo
corjtore crucißx'Oj f/uod nou dolore ft amore singiilari rJuceret. 20 f. X. c:
cruni admndam fessa et violenti qnadam tancellatione constricta ; reapice deli"
cata corporis mcmhm, tarn artae inclusioni mancipaiu.
Bücbiein der Ewigen Weisheit. Küf.W.-
V. Kapitel.
ffie dd sele uiiiler dem krilz kuiit ze einem herzklicheii
rdwenne aud ze einem milteii vergebenne.
Der dieiier; Nu wo! uf, sei minü, sameD dich genzlicb von
5 aller nsserkeit in ein etilles swigen rehtcr inrkeit, daz rlu mit ganzer
kraft uf brechest, daz du dicb Terloffest und verwildeet in die wilden
wüsti eins grundlosen herzleideB, uf die bohen velsen dez hinder-
dahten eilendes, und schriest mit dinem versenedem herzen, daz ea
über bcrg und tal hohe dur die lüfte in den himel vur alles himel-
10 scbes her uf tringe, und sprich in diner [92''] kleglichen stimme
also: ,ach ir lebenden stein, ir wilden rein, ir liebten 5wen! wer
git mir, daz daz inbrünstig vür mins vollen herzen und daz beisse
wasaer mincr kleglichen trehen 6ch erweke, daz ir mir bclfent klagen
daz grundlos leid, leid, herzleid, daz min armes herze so tÖgenlich
15 treit! Owe, mich hatte der bimelsche vater über alle liplich kreatur
gezieret und im selber ze einer zarten, minneklichen gemahel ua er-
wellet; nu bin ich im endrunnenl Owe, ich hau in verlorn, ich bau
min einges uzerweltes liep verlorn! 0*ve und owe, und minem eilen-
den herzen iemer we, waz hau ich getan, waz hau ich verlorn! Ich
20 han mich Helber und alles bimelscbes her, — alles, daz wnnne und
vr6d niobt geben, daz ist mir endrunnenl Ich sitze bloz, wan min
valscheu ininner, mine waren trieger, owe mord, hein mich valsch-
lich and ellendklich g<-lazen und ab mir gezerret alles daz gut, da
mit mich min einges liep hate gekleidet. Owe ere, owe rräde, owe
25 alle trost, wie bin ich din so gar berohet! Wan ach und we sol min
trost iemer sin. War sol ich mich keren'r' Mieh hat doch ellü disü
weit gelazeii, wan ich miu einiges liep han gelazen. Owe und owe,
daz ich daz ie getet! Wel ein jemerlichü stunde daz waz! Lügent
an mich speten zitlosen, sebent mich an einen schleehdorn, alle rolen
imeij J-' 6 verköffest !•' 15 krco-
17 in feliH K 171. ich hau m. —
löf. Ich htm — her fehlt Ü 20 and
23 heiu nieh] ich ban /''< 26 din
4 A. diener fehlt F'HK und i
toren AKF^ 16 und mich im a. F
verlorn fehlt /' 18 [und] minem F
ftUes, daz AKa 21 gehen moht F
fthü AF 26 doch fihh K
1 Kap. 5 aVKh in W. Wacktmagth Deulschtm Lttebuelt 1' (1861)
1034 ff., von F. Pfeiffer nach AFZ bforbcittl. 20 Nach her a-yänte ver-
lorn? Vgl.Uor.3ti: mtmttiiitum el*niia amisi tl omne» cetexte» »pirilug offtndi.
21 L. c: sedea nuda, vidua et dtaolata.
k.
212 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. V.
rSsen, wissen lylicD, nnd nement war, wie schier verblieben, erdorret
und erdarbet ist der blfime, den disA weit brichet! Wan ich sol na
iemer me also lebend sterben, also blujend torren, also junge alten
und also gesunder siechen.
Owe, zarter herr^ es ist aber alles klein ze wegenne, daz ich 5
lide, gegen dem allein, daz ich din vätterliches antl&t han erzAmet,
wan daz ist mir ein helle und ein liden ob allem lidenne. Owe,
daz da mich so minneklich hattest vArkomen, so zärtlich mantest and
so lieplich zage, owe, nnd daz ich des alles so gar yergasa! Owe
sterben! Owe, menschliches herze, waz macht da erliden! Owe herz lo
mins, wie bist da so stählin, daz da nit alles von leide zerspringest!
Ich hies doch hie vor sin liebü [93'] gemahel, owe, we und iemer
we, ich bin nät wirdig, daz ich na heisse sin ärmü wöscherin ! Ich
engetar doch minä 5gen vor bittere schäm nieroer me nf erhaben.
Min mand mfiz doch iemer me ein stnmbe gegen im sin in lieb und 16
in leide. Owe, wie ist mir in diser witen weit so enge! Owe got,
wan were ich in einem wilden walde, da mich nieman sehi noch
horti, unz daz ich mich wol erschruwe nah alles mins herzen begirde,
daz joch dem armen herzen so vil dest lichter wurde, wan anders
trostes han ich nit. Owe sAnd, war z& hastu mich bracht ! We, we, 20
valschA weit, dem der dir dienet! Wie hast du mir gelonet, daz ich
mir selben und aller der weit ein burdi bin und iemer mfiz sin!
Owe, gesah got die riehen künginnen, die riehen seien, die mit
vrömdem schaden sint witzig worden, die in ir ersten unschulde und
reinikeit an Hb und an mfit beliben sint; wie sint die so unwüssent 25
selig! Owe, lutrü consciencie, lediges, vries herz, wie ist dir so un-
kunt, wie es umb ein sündig, geladen, sw§.rnmtig herzstat! Owe ich
aimes wip, wie waz mir so wol bi minem gemaheln, und ich daz
do so wenig erkande! Wer git mir des himels breit permit, des
2 ist fehlt AKaFF'Z 3 sterben lebent K 6 allein] allem -E*
7 mir fehlt E^ 8 verkomen Z 13 doch nüt F^Z 14 getar E^F^ 16 so]
ze A'»i^* 17 f. horti n. sehi E^F 18 unz] bis i'^ nah — begirde /«W/ E^
20 han] enhab AK 22 iemer me E^ 23 riehen 8.] reinen s. FA 24 witzig
B. worden E^ unschulde] Ursprung F 25 [an] miit AZ unwissentlich Z
26 so gar JE;^ 27 sündig gel. fehlt F 20 do fehlt F
9 fP. Hör. 37: o motiis infelicis optata praehcniia, ad quid retardas? Cur
me non tolUs? 0 cordis humani fotiitudo praevalida, tjuia tanta patiendo non
deficio! 13 i. c: focaria^ lotricis ofßcio depatnnda. 22 Job 7,20.
29 ff. Hör, 39 : quis mihi det memhranas celi habentes latitudinem, atra*
menium maris excedens quantitatenu et caJamos tot quot arhorum folia et pra^
r Ewigen WeiihEnt.
KrP-
21?
mers tieffi ze tinkten, lob und g^ras ze vedren, daz ich Tolschribe
min berzleid and daz unwiderbrinklieh ungetnacb, daz mir daz leit-
lich scheiden vou minem geniinten hat getan! We mir, daz ich ie
geboren ward! Waz ist mir du me ze tünne, deniie daz ich mich
5 selber verwerfe in daz abgründ der. leitlicfaen verzwiflens?"
Entwiirt der Ewigen Wiaheit: Du soll nit verzwiflen;
ich bin doch dur dich und alle siinder in dis weit komen, daz ich
dich widerbringe minem himclseljen vater in ala grozer gezierde,
klarheit und Interkeit, als du ei ie gewnnne.
10 Derdiener: Owe. waz ist daz, daz da so süzeklich erklinget
in einer erstorbnen, uugenemen, hingeworfneu sele?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Erkennest du mich
nit? Wie bist dn so nider gesigenV Oder ist dir von unmessigem
berzleide geswunden? Min zartes kint, ich bin es doch, du zarte,
15 du erbamiLerzig Wisfaeit, du dn hat daz abgrimde der grundlosen
erbarmherzkeit, du da allen heiligen nah ir abgrmide verborgen ist,
wit uf geschlossen, [ft3'] dich und ellü rüwigen herzen millklicli ze
enphabenne. Ich bin es, dii süsse, du da arm und eilend wart, daz
ich dich zö diner wirdekeil widerbrechti ; ich bin es, du den biltern
20 tod hat gelitten, daz ich dich wider lebent macheti. Ich stin hie
bleich, blätrar und minneklich, als ich stund an dem hoben galgen
des krüzee enzwüscbcnt dem strengen gerichte mins vatters und
dir. Ich bin es, dio brftder, Iftg, ich bin es, diu gemahel! Ich hao
als gar vergessen alles, daz du ie wider mich getet, als ob es nie
S6 were geschehen, ob du dich allein nu genzklich zQ mir kerest und
dich nit me von mir scheidest. Wesche dich in minem minnerichen,
rosevarwem blftte, richte nf diu h6pte, tfl uf dimi ögen. und ge-
winne einen guten müt! Nim hin ze einem Urkunde einer gantzen
B&ne min gemabelvingerlin an din band, din erstes kleid, scliöhe
30 an din füsse iind den minneklicben namen, daz du min gemahel
eweklicb heissest und sieet.
1 timkten Ä ^f. we mir, daz ich daz ie ^etct, ive mir, daz ich ie g.
w. F 4 ward irehoren £' 8 dich] si J-' 10 da f'hlt E'F' so] als ÄKti
15 [du] ^rliannh. y 16 dfi| daz AKa dA/ehll £> 18 suze wieheit, dfl [da] £•
19 iah b. — 20 raacbPti fthlf E' 35 beschehen weri E' 30 miDnericbeu F
tomm gramitut, ut persln'ngere parniem dohirrm gimulqut damnum irrecaperabiU,
quod incurri, ijuia dittetum matm deirliqai! Zu diesen und ähnliehen formel-
hafitn Windungen (»gl. auch Bdeit Kaji. 34 Anfang und Em: 76} reiche Beitge
hei E. Kilhhr, Ekine Sehfiflen III flÜ/iO}, äÜS—SlS iS. 300 Stuge); Mäüen-
hoff und Scherer, Denkmälei- II', t63ff. 29f. I.uk. 15,23.
214 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. V.
Sihe, ich han dich als reht sar erarnet ; dar nmbe, were alles
ertrich ein inbrimstiges vür und legi enmitten dar inne ein handvol
Werkes, daz were von siner naturlichen art nit so geswind enphenk-
lieh der fürinen flammen, als daz abgründ miner grundlosen er-
barmherzkeit einem widerkerenden menschen. 5
Der diener: Owe vater miner, owe brüder miner, owe alles,
daz min herze erfröwen mag, und wilt du mich ungenemen sei noch
begnaden? Owe waz gnaden, waz grundloser erbarmherzkeit! Dez
valle ich vur din y&ze, himelscher vater, und sagen dir dank von
allem gründe mins herzen und bitte dich, daz du an sehest dinen lo
minneklichen einbornen snn, den du von ininnen in den bittem tSd
gebde, und miner grgzen missetat vergessest. Gedenk, himelscher
vatter, daz du hie vor Noe gelübd und spreche: „ich wil minen
bogen zerspannen in die lüfte, den wil ich an sehen, und der sei sin
ein sfinzeichen enzwischen mir und dem ertriche.*' Eya, na sihe in 15
an^ zarter vater, wie zerspannen und zertennet er ist, daz man alles
sin gebein und sin rippe m5hti zelleu! Lüg, wie gerötet, ergrünet
und ergilwet in du minne hat! Nu durschowe, himelscher vater,
dins [94 '] zarten einbornen minneklichen kindes hende und arme
und füze so jemerlich zerdennet, sihe an sinen schönen lip so r5s- 20
varw und durchmartret, und vergis dines zorues gegen mir! Gedenk,
war umb heissest du der erbarmherziger herre, der vatter der er-
barmherzkeit, denne daz du vergebest? Daz ist din name. Wem
hast du din aller liepstes liep gegeben? Den sündem! Herr, er ist
min, herre, er ist reht unser! Ich ujnbschlüz mich hüt mit sinen 25
zertanen blozen armen, mit einem inneklichen umbvang des grundes
mines herzen und miner sele, und enwil von im weder lebent noch
töte niemer me werden gescheiden. Dar umb so ere in hüt an mir
und laze gnedklich varn, wa ich dich ie erzurnde; wan muglicher
dühte mich den tot ze lidenne, denn dich, minen getrüwen himel- 90
sehen vater iemer me swarlich ze erzürnenne. Wan alles liden und
vertruken, noch helle noch vcgfür klage ich nit so vil und tut
3 enwere E^ 3 f. nit als enpfenclich so geswinde E^ 6 einen A
8 owe w. gnaden fehlt AKU 9 ich hüt F gnade and dank E^ 10 allem
fehlt F 14 f. sin nach sänz. AK 16 zarter] milter E"^ 19 hende [und] ^
20 f. rosevarweclich und so durchm. F 22 erbarmh.] uiilte E^ 22 f. der
vatter d. erb. fehlt F erbarmh.] erbermde E^ 32 helle und v. E^ und
tat — 216,1 we fehlt F^
13 ff. IM08, 9,13. 81 f. Ergänze: was ich ah Strafe verdient hübe.
minem herzen ii6t so we, als daz ich dich, minen scbepher, ininen
herren, minen got, ininen löaer, ach, und alle mine TiSde nnd berzen-
wunne, ie erzurnde und dir kein unere ie getet. Owe, m6ht ich
dar uiiibe dur alle himd herzleid schrien, daz min hei-z iti dem libe
5 in tnscnd Btnk zerepninge, daz teti icli gerne. Und so du mir min
miBsetat ie luterlicher vergibeat, so e» mir ie berzleider ißt. daz ich
dinem grozen gfite als undankber bin gesin.
Und du, min einiger trost, zartü nzerweltü Ewigü Wiaheit,
wie kan ich dir iemer voldanken des übergüldens alles gfites, daz
10 du mit dinen wunden, mit dinem ser versünet hast und gefaeilet hast
den bruch, den alle kreaturen nit mohteu widerbringen! Und dar
umbe, min eingü vröde, eo wise mich, wie ich dinö minnezeichen
an allen minem libe getrage, in miner gehägde ze allen ziten habe,
daz ellü disü weit und alles himelsches her sehe, daz ich dankber
16 sie dem grundlosen gut, daz du mir armen verlorneu sele hast getan
allein von diner grundiosen unmezigen güti.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du solt dich und daz
diue mir vrilich geben und niemer wider uemen; alles, daz notdurft
nit ist, daz sol von dir iinberfirt stan: so sint din hende warlich an
20 min krüz genegelt; in gütü werk vrdlich treten und dar inne veste
beliben: so ist din lingger vflz geheftet; din unstetes gemüte und
ungesamneten gedanke in mir steten und vestnen: [94"] so ist din
rehter vüz an min kräz gestecket. Din geistlich und liplich krefte
SOQ nät in lawkeit lomeu, sü son nach glichnüs miner arme in minem
25 dienste sin zertennet und zerapannen. Din kranke Hb sol ze lobe
minen gfitlichen heiu in geistlicher äbunge dik ermüden und in un-
gewalte stan, sin eigen begirde ze erfüllenne. Manig unbekantes liden
pbrenget dich zfl mir an mines krüzea engen notatal, von dem du
wirst nach mir minneklich und blötrar.
30 Diner natur darben sol mich machen wider blüjend ; din willek-
lichea ungemach sol minem mieden ruggen betten ; din kreftiges
i^net [hast] £>£«
16 gnmdloBeui gröaseo J-''H, fehit F
27 erfftU. fthU K SO mich] dich F
2 eriÖaer AKE^ 3 dir kein] dekein FZ kein AKF'
7 als fthU A gewesen E' 9 to] gedankt
12 [bo] bewiae m. E' 13 an]
19 eniat AK 26 minen) K
80 f. williges E'
3 f. Hör, 43: «t poatem »wnc omrte« cotlos replert elamoribitt ■'<
bilibiit elc. 12 Vsl. Gal. 6,17. 18 f. Hör. 1. e. : non aolvm a luperßui»,
ttd tliam inlerdatn a lic'Us abetineaB. 31 Sor. 43: dulce recUnatorium
ad quieeetndiim facia» per incommodorum rnluMaHam perpesaionem.
k.
216 Bttchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VI.
widerstan den sunden sol mir daz gemüte lichteren ; din andehtiges
herz sol alles min ser senften, und din nfflammendes herze min
minnendes herz enzünden.
Der dienen Ewigü Wisheit, na vollebringe minen gflten
willen nah dinem höhsten lobe und nah dime aller liepsten willen, 6
wan gewerlich din joeh ist senfte und din burdi ist lichte; daz wAssen
alle die, die sin hant. enphunden und mit dem sweren laste der
Sünden ie wurden überladen.
VI. Kapitel.
Wie betrogen der weit nodnne ist nnd wie minneklich aber lo
got ist.
Minnekliches göt, swie klein ich einen ker us dir tftn, so be-
schiht mir als einem rehlin, daz siner möter hat vermisset, und daz
in einem starken gejegde ist und mit flühtigen wenken sich uf ent-
haltet, unz daz es hin wider an sin stat endrinnet. Herr, ich vlühe, 16
ich jage ze dir mit hitzigem inbninstigem ernste, als der hirze z&
dem lebenden brnnnen. Herr, ein einiges stündli ane dich ist ein
ganzes jar; ein tag dir vrömd gesin, daz sint tusent jar einem
minnenden herzen. Eya dar umbe, du seldenzwi, du meienris, du
roter rosen blüjendü stude, schlus uf din arme, zertfl und zerspreit 20
die geblümten este diner gStlichen und menschlichen nature! Herr,
din antlüt ist so vol gnaden, din mund so vol der lebenden werten,
aller din wandel ist so gar ein luter Spiegel aller zuht und senft-
mutkeit! 0 du lütseliger anblik aller heiligen, wie reht selig der
ist, der diner süzen gemahelschaft wirdig isti 25
Entwürt der Ewigen Wisheit: Es ist vil menschen dar
zft gerufet, ir ist aber wenig uz erwellet.
Der diener: Zarter herr, weder sint sü denne von dir oder
du von in versprochen?
[95'] Entwürt der Ewigen Wisheit: Dez hab uf dinü 30
inren ogen, und nim war diser gesiht.
2 herze sol min E^FF^ d enzündet AK 4 uu fehlt K 5 hohsten
— dime fehlt AK 8 sÄndo E"^ 10 aber fehlt F 12 Der diener Fa
(Z von apätaer Hand) tüu von dir F 13 hat fehlt Z 20 stunde (!) K
21 blugenden F 22 [der] lebender werten F
6 Matth, 11,30. 16 f. Pmhn 41,2, 19 seldenzwi, wohl Anspielung
auf dm ÖUweig hei der Sintflut. 26 f. Matth. :23,14.
Der diener sah iif and erschrak und sprach gar mit einem
inneklichen siifzen: „owe, geminter herr, daz ich ie geborn ward!
Weder ist mir reht oder troiiiet tnirV Ich sah dich vor in so riUcher
»■chonbeit und in so lieplicher Zartheit; nu sich ich iiit denne einen
fi armen vertribnen eilenden bilgrin, der stat d5rt eibermklich geneiget
uf sinen Stab vor einer alten zergaognen stat. Die graben sint ver-
Valien und daz gemüre riset gar sere, denne daz noch hin und her
die hohen spitze dez alten gezimbers höh af gagent. Und in der
stat ist neiswas grozer raengi, und under dien ist gar vil, die schi-
10 nent als wildü tier in meQschlicheii bilden. Und da gat der eilend
bilgrt nmb und umbe und lieget, ob im ieman die band welle bieten;
owe, BO sihe ich, daz in du meuigi gar unwertlich vertribent und
von unniftz, die Bii hant, kumm an gescheut. Aber ir etlichü und
doch wenig bietent im die baut; so koment du andren wilden tier
15 und widerzuckent daz. Also h6r ich. daz der eilend bilgri von in-
grund ellendklicb ersüfzet und spricbet: „o himeinch und ertricb,
land Qch erbarmen, daz ich dia stat so sur bau erarnet, und es mir
hie als reht Abel wirt erbotten, und daz die. die nie kein arbeit dar
umb gewunnen, so lieplich hie werdent enphangen!" — Herr, dia
20 ist mir vor gesin. Owe, minneklicher got, waz meinet diz? Weder
ist mir reht oder unrecht?"
Entwurt der Ewigen winheit: D6 gesiht ist ein gesiht
der Intren warbeit. Hör ein kleglich ding und laze es din milteg
herz erbarmen. Sihe, ich bin der eilend vertriben bilgri, den da
25 sehe; ich waz etweune in der stat in grozer wirdikeit, du bin iofa
ermkliehe verellendet und vertriben.
Der dienet: Owe, geminter herr, wellti ist dii stat oder daz
Volk in der etat?
1 uf fehlt £'*•*' 2 min gem. h. K 5 armen fthlt £■' 7 die
muren riaent AK U lieiide E^F IS in dO menigi] bQ in f vertribet
AKa 15 widerKÜhent E' 17 so reht snr AKa 18 daz fehlt FF' en-
kein AEE' 23 hör] lierr K 34 vertriben fthll FF' 26 jemerlich AKa
1 £f. Der folgende PasnM itt im Hör. Kap. 6 (43 ff., rgl. äli) btäeutend
erweitert untfr d*r Übersehrift : Planctus auper extincto fertore devolionif kt
divtraU pert&nU utriiigquc ttJ.-us modtrai tevtpon's tte. Sengt echßdert im ein-
gelntn den Verfall der Khetertuc/it und fügt die alhgoriaehe Vition vom Streit
du Widders gegen die Söhne Gotit» (= Kampf Ludwig de» Baiern gegen die
Kurie und ihre Anhänger) an. 10 Hör. 44 : quaedam animalia veluli
moneira marüia in tfßgie huviatia. 20 vor gesin, näniUe/i in der Vision.
218 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VI.
Entwärt der Ewigen Wisheit: Du zergangen stat daz ist
ernsthaftes geistliches leben, in dem man mir hie vor so einberlichen
dienet, und da man inne so heiliklichen und sicherlichen lebte; daz
beginnet nn an menger stat gar ser zergan. Die graben beginnent
yervallen und die muren zerrisen, daz ist: du andehtig [95^] gehör- 6
sami, du willig armüt und abgescheidnü luterkeit in heiliger ein-
valtkeit beginnet vergan, denn so vil man die hohen gezimber etwas
nswendiger haltunge nah eime schine noch spürt. Aber daz groz
Yolk, du wilden tier in menschlichen bilden, daz sint welÜichA herzen
in geistlichem schine, die von üppiger unmüz zergankliches kumbers 10
mich von ir herzen vertribent. Aber daz etlichü, du mir ir hende
butten, von den andern underzucket wurden, daz ist, daz etlicher
menschen gftte wille und anvang von der andren reten und b&sem
bilde wirt verkeret. Der stab, uf dem ich geneiget vor in stftnt,
daz ist daz krüz mins bittern lidens, mit dem ich sü ze allen ziten 16
erman, daz sü dar an gedenken und mit ir herzen minne allein ze
mir keren. Aber daz eilend rufifen, daz du hortest, daz ist, daz min
tSd hie an vahet ze ruffenne, und iemer me schriet über die, da
weder min grundlosü minne noh min bitter t6d so vil vermugen in
ir herzen geschaffen, ich werde von in Verstössen und vertriben. 90
Der diener: Owe, zarter herr, wie schnidet daz durch min
herze und dur min sele, daz du so reht minneklich bist, und in
mengem herzen mit allem dinem erbietenne so reht unehtig bist!
Ach, zarter herr, wie wilt du es aber dien bieten, die dir nu in
diner eilenden forme, in der du von der mengi verworfen bist, ir 25
hende mit rehter trüw und liebi bietentV
Entwürt der Ewigen Wisheit: Sweii durch mich zer-
ganklich minne lassent, und mich mit rehter trüw und minne allein
enphahent und dar an stet belibent, die wil ich hie mit miner gbtr
liehen minne und süzikeit mehellen, und wil in an ir t5de min hende 80
bieten, und wil sü in den tron miner ewigen wirdekeit vor allem
himelschen her erhöhen.
2 emberlichen A 4 gar fehlt F 5 ser risen E^ 9 in mensch-
licliem bilde FF^ 12 widerzucket Fa 13 red F^ 19 [min] grundl. m. A
20 gesch. — von in] daz sü daz ungewürme von ir herzen AKa (von ir fehlt K)
23 herzem A 24 herr zarter AK 31 den] dem A
2 Gemeint ist das Klosterleben (sanciae religionis fih'i ac professarta^
Hör, 45), Vgl, die Schilderung in Mersunns Bilchlein von den neun Felsen,
ed, K. Schmidt 1859, 29 /. 10 in geistlichem Bchine = in habitu reUgioso
(Hör. 4öJ.
' 'S^'cfläi'dM ÄWigen Wwäieil. BMp. TL
; Herr
i vil, die t
a (lieh
811 wellen d
I zerganklicher minne üit lazen. Herr, sü wen
dir gar lieb siti, und wen doch zitlicher liebi nüt deBt minre han.
Entwiirt der Ewigen Wisheit: Üaz ist als unmuglieh, als
5 den himel zesamen trucken und in ein klein nuzschalen beschliezen.
Sil beschönent sich mit schönen werten, sit buweut uf den wint und
zimbrent uf den regenbogen. Wie solt daz [96'] ewig bi denie zit-
liehen beliben, bo ein zitliches daz ander nüt niag erlidenV Ertrüget
BJch selber berlich, der den künig aller klinge wenet setzen in ein
10 gemeines gaethuB oder stossen in ein gesundertes knecbthns. In
blozer abgescheidenheit »Her kreatttre niüz er Bich halten, der den
werden gast reht wil enphahen.
Der dienen Ach süzü wisheit, wie siut sä so gar verz&bert,
daz eü dis nit an sehent!
16 Entwiirt der Ewigen Wisheit; Si'i stant in tieffer blint-
heit, Bii bant menig grozes rechten nach vr&deu, du in doch weder
ze lieb noch ze ganzer vröd nieiner werdent. E in ein liep beschehe,
80 begegent in zehen leid, and ao sü ir begirde le nie nach gant,
80 sü ie ungenüklicher werdent rerwiset. Sih, gotlosü herzen müzent
20 doch ze allen ziten sin in vorhten und in schreken. Daz selb knrz
rr6dli, daz inen wirt, daz wirt in als gar snr, wan es gat in zu mit
arbeiten, und behabent eB mit grozen angsten, ach, and verlierent es
mit grozer bitterkeit. Du weit ist vol untrüwen, valschheit und un-
stetikeit; wan des nutzes ein ende ist och der rrunlscbaft ein ende.
9& Und daz ich dir es kurze: weder reht liep noch ganz vröde noch
sleteu herzenvrid gewan nie kein herz in der kreatuie.
Der dienen Owe, zarter herre, wel ein klegUch ding daz
istl Owe, 80 menig edlü aele, so meng minnendes herz, so menig
8Ch&n wünklich nach got gebildetes bilde, die in diner gemahelschaft
SO kängin und keiBeriu sAltin sin, die himelriches nnd ei-triehs gewaltig
mAhtin sin, daz sich die so torlichen verwerrent und vemidrentl
2 herr — 3 hau fehll K 8 zitlioheit A IG wehten ü'F' doch
fe/at F 32 behaltent BZa 24 wan so F wod wa J-" igt, ist Z ist, so
(da f ) ist FF^Ha 2Ö berz] raennche F in den creaturen F 27 zarter
ftUt AKZ wel] wie F'a 30 [die] himelr. K'
7 zimbrent uf d. r., im SprichKort oft gebrauchtes Bild, t. B. Fyttdank
1,7 •■ vgl. J. V. Zingtrh, Die deuitchen Sprichtoörttr im Mittelalter ISßi, 119 f.
21—23 Vgl. Bern., sfrmo 43 de die. n. 3. 28 Frinrurt an WalAer von
der Vogtlweide: diu wcrlt ist allenihtdbin ungenädtn votftd. Pfeifftr '1880, 306):
triuwe, zuhf und em ist in der weriU 161 (a. a. 0. 303).
220 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VI.
Wafen, wafeii; zarter got, daz sü sich selb so willeklich verlierent^
wau nah dinen waren Worten weger were in d6 grimme schidange
der sei von dem libe^ denn daz du dich, daz ewig leben, von der
sei mftst scheiden, da du enkein stat vindest. Owe, ir tamben toren,
wie wahset üwer groz schade, wie meret üwer gr5z6 verlast, wie 5
lant ir daz schön, daz edel, daz wunneklich zit da hin gan, daz ir
käme oder niemer mugent widerbringen! Und wie gebarent ir hier
inne so vrölich, als ach nät dar umbe si! Owe, miltu wisheit, wan
w6stin sü and befanden ir selbs!
Entwürt der Ewigen Wisheit: Hör wander and jamer: 10
dis wAssent sü, daz bevindent s6 alle stände, and lant doch da von
nit. Sü wüssent [96^] es und wenn es doch nit wussen. S6 be-
schönent alles den nnganzen grand mit liehtem schine, der doch
der blozen warheit ungelich ist, als ir vil ze jüngste bevindent, so es
ze spate wirt. 15
Der diener: Ach zartü wisheit, wie sint su so ansinig, oder
waz meinet es?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Do wen sä angemach
and lidenne von mir endninnen, und vallent enmitten dar in; and
wan sä mich, daz ewig gftt, und min süzes joch nit wen tragen, so 20
werdent sä von der verhengde miner strengen gerehtikeit mit menger
sweren burdi überladen. Sü vürchtent den rifen und vallent in
den sehne.
Der diener: Eya, zartü, erbarm herzigü Wisheit, gedenk, daz
nieman ane din kraft nüt enmag. Ich ensihe kein ander hilfe, S5
denne daz sü ir eilenden ögen uf zfl dir bieten und vür din gne-
digen vüsse vallen mit bitterlichen trechnen ir herzen, daz du sü
erlüchtest und enbindest von den sweren banden, da mit sä ge-
bunden sint.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Ich bin in ze allen ziten 30
bereit ze helfenne, weren echt sü mir bereit; ich gan inen nüt ab,
sü gant mir ab.
Der diener: Herr, es tut we, liep sich von liebe ze scheidenne«
1 wafen nur einmal E^ 2 waren fehlt FF^ grimme feJilt F 3 leben]
gut AK 4 scheiden mÄst E^ 7 enmügent Z 9 sü es AKa 11 daz]
dis F des F^ stunde] samd K 17 waz radiert Z 21 strengen fMt F^
22 am Bande Job E^F^Z 24 eya zartü] zarter herre und ewigü F 25 de-
kein F^Z 33 scheidenne] brechenne Z
2 f. Vgl. Matth, 18 fi, 22 Joh 6,16.
•Üftehlein lier Ewigen WeisbeiL K»p."i%-
Entwürt der Ewigen Wiaheit: Daz ist war, könde und
w61t ich nit iu liebes herzen alles liep lieplich venvesen.
Der diener: Owe herr, so ist mälich alt gewonbeit ze lasBenne,
Entwürt der Ewigen Wisheit: Es wirt aber noch vil
5 mülicber, die künftigen niarter ze lideune.
Der dienerr Herre, bü sint vil lieht als geordnet iu in selber,
ilaz es inen unschediich ist.
Entwürt der Ewigen Wiaheit: Ich waz der bae geord-
netest und doch der lieblosest. Wie ma^ daz geordnet sin, daz von
10 einer natur daz herz entribtet, den müt verwirret, daz von inrkeit
znbet und herzenvrides beröbet? Es brichet du tor uf, hinder dien
gAtlich leben verborgen ist, da/, sint die fünf sinne. Es beruhet
blugkeit und bringet baltfaeit, gnadlosi und gottee vr&mdi, des inren
menscben lavvkeit und des nssern tragkeit.
15 Der diener: Herr, sü dunkel nit, daz sü so vil gehindert
werden, oh echt daz, daz sü da minnent, ist in einem Bchine eins
geistlichen lebennes.
Entwürt der Ewigen Wiaheit: Es wirt etwenoe ein
Inter 5ge als schiere geblendet von wiesem melwe als von bleicher
20 eschen. Sich , wart [97 ■] ie kein bisin dekeines menscben so
UDScbedlich nlse daz min bi minen lieben Jungern'? Da waz nüt
unnützer wort, da waz nüt verlazner geberden, es wart da nit
höh in dem geiste an gevangen und in tieffi unendlicher werten
nider gelassen; da waz nit anders denn rehter ernst und ganzü
as warheit ane alle valscbeit. Und doch so mfiste in min liplichü
gegenwürtikeit enzogen werden, e daz sü des geistes enphenklich
weren. Waz sol da menselilicb bisin hindemüs geben! E daz bü
von einem in gefüret werden, sü werdenl von tusenten ue gefürt; e
sü einest mit lere werden gewiset, aü werdent dike mit b6sem bilde
30 verwiset. Und daz ich es kürze: als der kalt rife in dem meien
die wönklichen blflst tcrret und verSset, also terret zerganklichü
minne allen gütlichen ernst and geistlich zuht. Und zwiflest da
noch üt hier inne. so lüg umb dich in die blüjenden achönen win-
12 verborgen) beeuluzeu £* 14 nsseni menscben J^ 15 f. werden
geh. K' 16 int nach echt daz Fl-'' 22 ^eberde E^F 23 und [iu] F
28 tusenten] vil tnenirem AKH 30 verwraet A 33 achonen bl&genden Aa
25 f. Vffl. Joh. 16,7. Ztenifit 342 Ä. 3 beltgt dm Gedanken ans Augiuitin,
Gregor, Btrtihard, Hugo von St. Viktor und Thomaa; auch Stute» Predigt
Herum felinqun ttt su vergkiehen. 33 f. wiogarten = Klöster, wie nach-
her waragarte. Vgl, rutn Folg. Bern., Mrma 63 in Canl. n. G. 7.
222 Bttchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VI.
garten, die hie vor so wunklich in ir ersten blAst stünden, wie gar
die verblichen und verrisen sint, daz man inbrünstiges ernstes nnd
grozes andachtes wenig me spürt. Aber daz tut den unwiderbrink-
liehen schaden, daz es komen ist in ein gewonheit nnd in ein geist-
lich erberkeit, daz da so verborgenlich verwüstet alle geistlich seli- 6
keit Es ist so vil schedlicher, so vil es nnschedlicher schinet. Wie
ist so menge edle wnrzgarte, der schon gezieret waz mit wünklichen
gaben, und waz ein himelsches paradis, in dem got Instlich waz ze
wonene, der na von zerganklicher liebi ze einem nnkrntgarten wor-
den ist! Und da vor die roseu und die lylien wüchsen^ daz stat lo
nu vol dornen, neslen und tistel, und da hie vor die heiligen engel
phlagen ze wonenne, da wülent nu du swin. We, we, we an der
stunde, so man ellü unnütze wort, alles verlorn zit, alles versumet
gut sol widerrechnen, so man ellü unnützü wort, gesprochnü, ge-
dahtü oder geschribnü, heimlich oder ollenlich, wirt vor gotte und lö
aller der weite ofFenbarlich lesende und ir meinunge ane alles bergen
verstende !
Der diener: Ach herre, disü wort sint als gar scharph, es
müs joch wol ein ersteintes herze sin, daz da von nit bewegt wirt.
Minneklicher [97 '^^J herr, nu sint etlicliü herzen als zarter 20
natur, daz sü schierer von minnen denn von vorhten gezogen wer-
dent; und wan du, der berr der natur, nit bist ein Zerstörer der
natnre — du bist der natur ein volbringer — . da von, minneklicher
herr, so geben diser trurigen rede ein ende, und sag mir, wie
du siest ein niüter der schonen niinne, und wie siize aber din 25
minnc si.
2 und feJilt K 8 tut] bringet AK 5 da fehlt K'F 6 f. am liande
Bemardus Z 7 edle] schone F^ 8 und [waz] A 14 so — wort fehlt F
16 und vor F 10 joch fehlt E^ versteinotes A"^ 21 f. am Rande Augfu-
fltinus Z V. m. gez. werdent denn von v. Z 22 f. zerst. [der nature] 2^
7 Dasselbe Bild vom Wurzffarten bei E. S tag eh Viteu von Töss li}, 16.
16 Beim jünf/sten Gericht (Hinnnus Dies irae von Thnmati ron Celano /"-j- c.
I:?ö5] : Liber scrijßtus profcretur^ in quo totnm continttur, undr tnundus iudi^
eetur). 21 ff. Wohl nicht Auyustinufi iai benutzt, sondern Thomas, 6\ Th.
Iq, 1 n,8 ad 2: cum gratia nou tollat natnrnm sed perjiciat, oportet qund wa-
turalis ratio subserriat fidei, sicut et uaturalifi inclinatio roluntatiff obsequitur
caritati. Übrigens lautet ein scholastisches A.riom : Ijcas nmi desttniit naturam,
8€d perficit eam, 25 1///. Siravh :J4,:Jl.
r
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. Tll.
Vil. Kapitel.
Wie miiiaekliclie got ist.
Der (liener: Herre, ich liinderdenk den ininiiezng, als du
spricbest von dir selben in der wisbeit buch: Transite ad me
5 omnes etc., koment zft mir alle die, die min begerent, von minen
gebarten werdent ir erfüllet. Ich bin ein mftter der schünen minne,
min geist ist süzer denne honig und min erbe über Lonig und bonig-
Beiu. Edle wiu und süz gedöne erfröwt daz herze nnd ob in beiden
der wisbeit minne.
10 Zarter herr, du kanet dich selber ab minneklich nnd als zärt-
lich erbieten, daz ellii herzen din mi^hti gelüsten und einen seneden
jamer nah diner minne haben. Es fliezent du minnewort so leblicb
iiSBer dinem süzen munde, daz sfi menig herze als krefteklieh ver-
wunten in Ir blitjenden tagen, daz in inen ellA zerganklicbü minne
15 geiizklich erlasch. Eya, zarter herr, dar nah jaiiiert min herze, dar
nah ellendet minem mttte, von der hoi-ti ich dich gerne sprechen.
Nu ßpriche, min einiger uzerwelter trost, ein einiges w5rtli ze minei
selc, ze diner armen dirnen, wan under dinem schatten bin ich
süzklicb entschlafTen und min berze daz wachet.
20 Entwürt der Ewi|2:en Wisbeit: Nu hör, min tobler. nnd
sihe, neige ze mir dinü oren, tö einen kreftigen inker nnd vergisse
diu selbes und alter dinge.
Ich bin in mir selben daz unbogritTen gilt, daz ie waz und
iemer ist, daz nie gesprochen wart und niemer gesprochen wirt. Ich
25 mag mich wol dem herzen inrlicb ze enphinden geben, aber enkein
zunge mag mich eigenlich gewfirlen noh gesprecbeu. Und doch,
wau ich mich, duz übernatürüchea, unwandelberes gut, einer ieklichen
kreatui' gib nah ir mngentbeit in der wise, als si min enpheuklich
8 der äienci fehlt Jl 5 omiies, qui coiiciipiBcitia me £'F' etc. fthU
FZ [die] die E*F 7 und m. e. — honii; fiMl F 8 erlrowent K^F'
12 Ueblich ÄFF' 13 suzeii fthU F 16 min F*a minen F 25 den
herEcn Ka 26 enmag Z gewörteu Z am Rande Difoniaiu« K'Z JtXO-
nimna F' 27 äl>erna(., lelien F fi8 nah ir wirdckeit und ir muglioheit F
4 Sirach ■J4,2t>. 34: 40,L>0. 18 Hohil. ä,3: 6,S. 30 Pt. 44,11.
Vgl, ium Folgtnden Kap. 4 H«r Vita, das Seiue auch Mum Teil in die n-weiterle
Dantütung den Ufr. c. H heretntitla. 23 f. Denifie 345 A. 3 dtnkt Mtr Kohl
mit Unrecht an den Irinitariiiehm Proteia: die Erklärung gibt vielmehr der
folgende Sau. 27 ff. Vgl Dionys., De nom. Dti I, I ; De eotl. hier. Jl, 3.
BfichleiD der Ewigen Weisheit. Ksp. ^^^ ^
ist, 80 bewinde ich der BunoeTi glast in ein tficfa und gibe dir g«isi-
lioheD sin in liplicben Worten von mir und miner eüzen minne also:
ich stelle mich [9S'] zärtlich vür ilioes herzen Ögen, nn xier und
kleide mich in geistlicbem sinne und mache mich vinlicb nf nah
wnnsobes gewalt und gib mir alle« daz, daz zfi eunderlicher minne
und liebi und ze ganzem berzluete diu herze bewegen kan: sihe,
daz ist alles und alles, daz du und ellü menschen k6ndin erdenken
von geatall, ron gezierde, von gnaden, in mir nnh wbnklicher. deiia
es ieman geeprechen muge. Und diserley sint du wort, in dien ich
mich mag ze erkennen geben,
Nu htir me: ich bin von hoher geburt, vou edlem gescfalecblp;
ich hin daz minneklich wort dex veterlichen herzen, in dem nah
dem minnerieben Abgründe miner naturlichen eünlichkeit in siner
blozen veterlicheit bein ein wiinklich wolgevallen sinä minneklichen
ogen in der süzen ufflammenden minne dez heiligen geistea. Ich U
bin der wünne thron, ich bin der seiden krön, min ogen sint »o
klar, min mnnd so zart, minü wengel so liehtvar nnd so röeesrit
und ellü min gestalt so seh&ne und so wünklich und als dur wol
gestalt: und sält ein mensch unz an den jongsten tag in eine
glujenden oven sin, daz im nüiwan ein anblik würde, der were den- Jl
noch unverdienet. Sich, ich bin als wünklich gezieret mit listet
wat, ich bin so finlich umbgeben mit gebltmiter missevarw dei
lebenden bltimen, von roten rosen, wizeu lylien, schönen violn und
allerley blftmen, daz aller meien 6ch6nü blüst, aller liebten owen
gnuiü ris, aller schönen beiden zartü blümlü gegen miner gezierdefl
sint als ein ruhe tistel. Ich spil in der gotbeit der vröden «pil,
daz git der engel schar vruden als vil, daz inen tusenljar sint als
ein kleines stündli. Alles himelscbes her von nuwen wundem gebenl
mir ögen und nement min war. Irn 5gen sint in minü gebleukd,
ir herz gegen mir geneiget, ir sei und ir m&t ane underlaz inmickS
K S gnade £> dean — 9 gcffr.
! Wort) gfit F 12 f. nah [den) K
■26 Bchonen fthlt F Sfl gdeikM
1 dir der ». gl Ä" 7 erd. kondi
f*kU ]•' 10 zerkennen «nag g. £'
82 wat] varw i" so] als AKal'''
ÄKa gelilendet F
I2ff. T)it nähert Erklärung gibt Sta»e Vita Kap. öl. I9ff. Htr.«».
fulchritudn quippt mta tania ett, ut ti qiiii mafffis crvciatibtu mtUtU ai^
«f txponertt, at itl ad ieCutn ocuU mt in decore tanto eonapietre po«»ett ai«fW
omni dubio lab'ir proemio miHu« adhuc reipimdtrtt. 26 ümichnibm^ ••
Bor. 6J. 29 irfi ögen dnt in mJnA geblenket =' oculoa iu^iter in meJ^su
habent, tlaiU giupinsU tmltibtu (l, c.K
^^" Biicbleia der Ewigen WeiBbeil. Eap. VU. 225
geböget. Wol im, der daz minnespil, den vvbdenta.nz in himelscber
wuone an miner siten, an miner Bchönen hant in vr61icher eicher-
beit iemer eweklich tretten sol! Ein eiogee w6rtli, daz da so leb-
lich ns klinget von minem süzen munde, übertritfet aller engel san^,
niler bsrphen klang, ellü süzen seitenspil, Eya, hlg, ich bin ale
trnt[98']lich ze minnenne, icb bin als lieplich ze umbvabenne nnd
Bo zärtlich der reinen minnenden sele ze küssenne, ä&z ellü herzen
□ab mir sÖltln brechen. Ich bin kleinfäg und z(\tetig und der lutren
sei ze allen ziten (legenwürtig. Ich wone ir togenltchen bi ze tische,
ze bete, ze wege, ze stege; ich ker mich hin, ich ker mich her.
In mir ist nüt, daz misst^valle; in mir ist alles daz, daz dn wol
gerallet nah berzenwnnscb, nah sei begirde. Sich, ich bin als gar
ein tuter gfit; dem dennoch in zit min ein einges trüphli wirt, dem
wirt ellü vröde und woUust diser weit ein bitterkeit, alles g&t und
ere ein hinwerf und ein unwert. .Sü werdent, die lieben, von miner
süzen minne umbgeben und verswemmet in daz einig ein ane ge-
bildet minne nnd gesprochnü wort, und werdent gefrict und geäüzet
io daz gät, dannan sü geflossen eint. Min minne kann ocb anva-
hendä herzen entladen von dem swcrcn laste der sünden, nnd in
ein vries wolgemQtes luter herze geben und ein rein ungestrafet
conscienci machen. Sag mir, waz ist in alter diser weit, daz dis
1 wan wol ira E der fröden tanz E' himelschlichet Z 8 iemer
fehtt E* 3 f. liepUch FR 4 am Saiitl Bernardns iu Jnbüo E>F'F^Z
6 f. und [bo] K 9 ziten] dingen K ir] in A' 9 f. ze bet ze tisch F
10 re St. ze wege £" 11 [daz] das E'Fß du fehlt F'Za 13 [ein]
einges K 16 yersweinet [in] F 19 sünde E' in fehlt E'F^ 20 rein
fihlt F
1 vrSdenlanz, ryJ. Strauch, Marg, Ebntr XLVIII, 4u und Anm. S. 383.
3 ff. Vgl. Slrojih« 2 aus dem ^Hj/mnus rißhmicu» de Nomine Jesu" (iruer
opp. S. Bemardi, ed. Maiilloit Vtnetiü 1781 III, 797 f.J: nÜ canittr tnaviun,
nä auditw iucandius, nil cogitatur dulciiu, quam Jesus Bei filiue, und Strophe
ZSt Jesus decus angelicum, in aure dulce canticum, in ore tnel tnirifleum, in
tordc nectar eotlicum. Der Byrnnug ist, wenn nicht vom hl. Bernhard selbst,
so doch in seinem Geiste und in seiner Schule gedichtet: vgl. W, Bremme, Der
Hj/mnui J. d. m. 1899. Auch im folgeiuten sind Gedanken aus dem JvbHu«
vermtriet. 9 f. Hm: 62: praesens in ehoro, iiraeaens in thoro, in menta,
im via, in claustro, in forn. Vgl. dazu Vita Eap. 5(J (175,32 ff.) und Strophe 6
des JubiluS: Jesum guaeram in leetulo, clausa cordis eubiculo, privatim et in
pulflico, quaeram amore sedulo. 15 Phil. 3,8. 16 f. daz einig ein ^ Gatt,
Belegt bei SCraacli, Marg. Ebner, Anm, eu Hä, 27. Hör, 62 : ipaos tuo aeterno
eopukU prineipio. — ane gebildet minne = nhne die imagines ei simtUtudinte
iHor. 60), d^en vAr auf Erden sum Verständnis bedürfen.
U. S<Bis. »«BUiibfl SsbHrMB. 16
226 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VII.
allein verwegen muge? Ellü disü weit m&hti ein 8ogtan herz nit
widerwegen, wan der mensch, der mir allein sin herze gibet, der
lebt wänklich und stirbet sicherlich, und hat hie himelrich und dort
eweklich.
Nu lüg, ich han dir vil worte gegeben, und stan von dien 6
allen in miner minneklichen Schönheit als unberuret, als daz firroa-
ment von dinem minsten vingerlin, wau es 5ge nie gesach noch ore
nie gehorte und in kein herze nie komen mohte. Doch so si dir
dis entworfen ze einem underscheide miner süzen minne und der
valschen . zerganklichen minne. 10
Der dienen Ach, du zarter wünklicher veltblftme, du ge-
mintes herztrut in dien umbvangnen armen der reinen minnenden
sele, wie ist daz so kuntlich dem, der din ie rehte enphant, und
wie ist es so selzcn ze h6renne dem menschen, dem du unkunt bist,
des herz und mfit noch liplich ist! Ach herzkliches, unbegriffen- 16
liches gut, dis ist ein liebü stunde, dis ist ein süzes nu, und in dem
müz ich dir uf tön ein verborgen wunden, die min [99'] herze noh
treit von diner suzen minne. Herr, gemeinsami in minne ist als
Wasser in füre: minneklichcr herr, du weist, daz rehtü inbrünstigu
minne nit enmag kein zweiheit erliden. Ach, zarter einger herr 20
mins herzen und miner sele, dar umbe so begert min herz als innek-
lichen, daz du sunderlich liebi und minne zu mir hettist, und daz
dinü götlichen ogen hettin ein sunderlicbes lustlich wolgevallen in
mir. Owe herr, du hast als vil minnender herzen, die dich herzek-
lichen minncnt und die vil mit dir kunnen, owe, zarter truter herr, 25
wa bin ich denn dar au?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Ich bin ein solicher
minner, der in einikeit nit wirt verklemmet noch in der mengi ver-
1 widerwegen faus verwegen korr.) Z eniuohte FZ 7 dinem] minein
AK noch] und AKZ 14 den mensclien den F 17 wunder F 18 [in]
minne AF^ 24 f. herzkl. fehlt F 27 am liande I^>ornardus super Cantica
E'F'F'Z 28 verkleinct F^ noch — 28 f. vermeng.t fehU F
3 Ho7\ 6:2: quodmnmodo in pracstnii r/audia inchoat, quae xur aeferna
saecida durant. 7 f. / Kor, 5,<>. 9 Hör. l. c. ; quasi ax abrupto proiecta
poiius quam dicta. 11 Hohel. 2,1. 20 IIor.f!3: amor iniensus socium
non paiitur. non sustinet pluraUtatem. 27 tV. lUrnarduSy sermn 69 in Cani,
n. 2: pnmo quidem, quod haheat in natura simplicisfiima sj/'tnsi diriniias quasi
unum respicere multos et quasi multos unum. Kec ad mulfiiudintm muüus
eritj nee ad pauvitalem rarus etc. Vgl. Hör. 05 (verklemmet = minoratur).
menget. Ich bio mit dir allein ze nllen ziten als gar bekümbcret
and geflissen, wie ich mich dir allein geliebe und volhringe allen,
daz zfi dir gehöret, als ob ich aller ander dinge ledig stände.
Der diener; Anima mea ligue facta est, iit djlectns
5 locutue est. Waten, wafen, wa bin ich hin verfüretv Wie hin
ich so gar verwiset, wie ist min sei so gar zerHoBsen von des ge-
minten vröntlichen süzen worten! Eyii, ker dinä liechtä 6gen von
mir, wan si hein mich gar verflöget. Wa ward ie her/ so hert,
wa wart ie sei so kalt und so lawe, die dinü siizen lebenden
10 minnendü wort horti, du da so übermesseklich fürin sint, es müz
erweichen und erhitzen in diner süssen minneV Owe, wunder und
wunder ob allem wunder, der dich also mit dien 5gen sins herzen
sehowetj daz sin herz von minnen nit alles zerfliizet! Owe, wie
selig der minner ist, der din gemahel beisset und ist! Wnz mag
15 er eblich snzes trostes und verborgene liches von dir enphahen! Eya,
si'izü, znrtü jungfrow sant Agnes, der Ewigen Wisheit oiinnerin,
wie roohtest du dich dins lieben gemahels so wol gesten, do da
spreche: „sin blftt hat minä wengel rSsvarwklich gezieret!" Owe,
zarter heiT, wan were ich wirdig, daz min aele hiessi din minnerinl
20 Sich, were denn muglich, daz ellÄ wollust, eliü vrAde und minne,
die diBÜ weit gelcisten mag, legi au einem nieuscben, den wült ich
vriliche dar umb uf geben. Ach, [99 'j gesach in got, daz er ie
geborn wart an die weit, der din minner heisset nnd ist! Hetti doch
ein menschi tusent libe. die sölt er dar umb wagen, daz er dich
25 k6nde erwerben. 0 ir alle gottesvründe, alles hinielschcs her. und
du, liebü jungfrow sant Agnes, helfent mir in bitten, wan ich enwiste
nie reht, waz sin minne was! Ach, herze mins, leg abe, tö hine
1 f. am Bande Augustiiii
5 est Mit P ö war AF
Ihtz r 10 mÜKle AKaFF
22 f. au diee w. ie geb. w. fP
18 J'J'F'yZ ze a. z, alieiu Ä" i aninw —
7 liechtä] muten J-' 8 gar fehlt K' ie kuin
' 17 dich] dick K 23 diir umb fehlt AK
28 dn] du h?Z
I ff. Aitgaitinus, Conf. III, 11 : o tu hone oninipoteng, qui m'c curan unum-
quemque nnglrum, laiiquam solam curtf, U nie omnet, taiiguavt singulog.
■i Hofi*i. Sß. 7 A. a. 0. 6,4. 10 es = da* Bert 15 vorborgiMis
liebes cie. ^ quanta duli-edine mbi quideni soli noia, ab oculin auletii catietorum
t!7vtniium ahgeondita pa-fi-aetur (Hör. 6T_I ! 18 Mtl rf \at ex nre tius
tuKipi, et »angvi» eiu» omar-.it gaian meas, Antiphon au» der Malaiin de»
i'ettts der hl. Agnes (31. Jart.l nach dem Ilominikanir' und römischen Bre-
vier. 25 Hör. l. e.: adiuro vo» omneg, o aelernae aapiitUiae ni-dentisHmi
amatorit, huiu« diviniaaimae »j>on»at felirittimi diltrlore».'
228 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VH
alle tragkeit und Ifige, ob du vor dinem tSde dar zu mugest komen,
daz du siner suzen minne enphindest! Wie hastu so traklich und
80 lawklich da her gelebt!
Owe, zartUy schSna, uzerweltü Wisheit, wie kanst du so reht
wol ein minneklicbes liep sin ob allem dem liep diser weltl Wie 5
ist din minne und der kreatur so nngelich! Wie ist es ein so be-
trogen ding; alles, daz in diser weit minneklich schinet und etwas
wenet sin^ so man es mit heinlichi reht beginnet erkennen! Herr,
wa ich minü ögen ie hin gekerte, da vand ich iemer ein ,ni8i^ und
ein ^enwere daz'; wan waz da ein schön bilde, so was es gnadlos, 10
was es schön und minneklich, so gebrast im wise, oder hatte es
daz iohy so vand ich iemer etwas, eintweder von innen oder von
nznen, dem der ganze ker mins herzen widersprach. In heinlichi
und in kantschaft fand ich, daz es sin selbs ein verdriessen uf im
trfig. Owe aber du, du Schönheit mit grandloser lützelikeit, gnad 15
mit gestalt, wort mit wise, edli mit tagenden, richtüm mit gewalte,
inwendigü vriheit und uzwendigA klarheit, und ein ding, daz ich in
zit nie vand, daz ist: ein rehtes widerlegen nah genügde an kunnenne
und vermugenne und einem begirlichen wellenne eins reht minnenden
herzen! So mau dich ie bas erkennet, so man dich ie lieber gewinet; 20
so man dir ie heinlicher ist, so man dich ie minneklicher vindet
Wafen, wafen, wie bist du ein so grundloses, ganzes, luter g^t!
Schöwent ellü herzen, wie die sint betrogen, die ir minne an üt
anders legent! Ach ir valschen minner, vliehent verre von mir,
genahent mir niemer me, wan daz einig liep hau ich minem herzen 25
US erkorn, da herze, sele, begirde und alle mine krefte allein gesattet
werdent von inneklicher liebi, du da niemer zergat. Owe herr,
könd ich dich uf min herz gezeichen, könde ich dich in daz innigoste
mins herzen und miner sele mit guldinen büchstaben gesmelzen,
daz du niemer [100'] in mir vertilget wurdist! Owe jamer und 80
not, daz ich min herz nüt ie und ie da mitte bekumberte! Was
2 siner] diner F 6 f. [so] betrogen FF^ 14 früntscbaft F 18 f. an k.
n. vermug. fehlt F^ 19 und an v. F^ reht minn.] herrlichen F^ 22 ganzes
fehlt E^ 25 in minem h. AFF^ 26 gesattet] gesamnet F^ 28 geziechen A
geziehen F
9 ff. Hör. 68: fateor me . .. invenisse hoc, quod in jn'overbio dicitur: qui
caruere nüti, non sunt oculis mihi visi, . . . nam si aderat pulchrüudo corporis^
deerat formosita^ mentis: subiectum delicatum nonnunquam morum incompo-
ftiiioiie ... peccabat: wise = Art sich zu geben ^ feine Sitte (eulU) im Gegen*
satz zur rusticitas generis (l. c.j. 16 wort mit wise = Text und Melodie,
habe ich von allen minen minnerD, denn verlornes zit, vervarnu wort,
ein 1er band, wenig guter werke und ein geladen gewissen! mit
gebresten? Zarter herr, tide mich e in diner nnnne, wan von
dinen minneklichen vüzen enwil ich nienier me gescbeidenl
S Entwiirt der Ewigen Wisheit: Ich värknm sü. die mich
sftchent nnd enphahe sü mit lieplieher vröd, die rainer minne be-
gerent. Alles, daz du 6ch in zit enphinden mäht miner sGzen minne,
daz ist als ein trfiphlin gegen dem mer gegen der minne der ewikeit.
Viri. Kapitel.
lu Ein nsrichtnnge drier dinge, dii einem luinner aller meist
mohtin an got widerslan. Daz ein ist: wie er so zornlich
luag gescblnen und doch so minnklicli »in.
Der diener: Ach zarter herre, nu wundert mich drier dinge
als inneklichen vastc. Daz ein ist; daz du als überm innekli eh biet
lö an dir selben, und da doch ein als gar strenge richler bist der
missetat. Herr, wenn ich mich hinderdenk an diu grimmen gerehti-
keit, 80 schriet min herz mit senlicher stimme: we, wc allen dien,
die ieuier gesündent, wan wüstin sü die strengen rehtvertikeit, die
du also swigende will ane alle widerred haben von einer ieklichen
20 sünde, dennoch von dinen aller liebsten vriindeii, sft söltin in selber
e die zene und daz har ns zerren, e daz sü dich lemer erzumdin.
Owe, din zomlicbes antiät ist so gar grimme, din unwertliches von-
keren ist so unlidig, we mir, nnd dinn vientlichen wort sint so gar
fürin, daK sü durchschnident durch herz und durch sele. Owe herr,
25 beschirme mich vor dinem zornlichen antlüt, und gespar din räche
gegen mir nit an ene weit. Sich, so ich allein einen arkwan bab,
daz du von mineu verschulten gebresten din antlüt habest unwert-
lich von mir gewendet, berr, daz ist mir so nnlidig, daz mir nüt
in diser witen weit so reht bitter ist. Owe, herre und getrüwe vater
80 mine, wie sSIti denn min herz din grüwlicbes antlüt iemer erliden t
Ach. wenne ich reht gedenk an din entstaltes zomlicbes antlüle, so
wirt min sei als gar ergremmet, ellü min kraft erzittret als gar, daz
6 m. BÜzen minne F' 11 an got fehlt A
diener fehlt E'H 20 f. [in aelber] e die Kene
23 so reht unl. f we mir fthU y
26 nit g. mir E'Z 27 f. Ton m. unw.
an s;. mohtin Ka 13 d.
(1. Iiar in lagseo uz e. /'
id [durch] Fa die sele AK
230 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IX.
ich im enkein gelich kan geben^ denn als so der himel beginnet
tnnklen und swarzen und [lOO""] daz für in dien wulken watet, nnd
ein starke tonre den wölken zerret^ daz daz ertrich erbidemet, nnd
denn du färin strale schüsset gegen einem menschen. Herr, nieman
laze sich an diu swigen, wan gewerlich diu stilles swigen geratet 5
ze jüngste ze einem grimmen tonren. Herr, din zornliches antlüte
dins vetterlichen zornes ist dennoch einem menschen, der dich
vürchtet ze erzürnenne und ze verlierenne, ein helle ob aller hell,
— ich wil geswigen dez grimmen antlütes^ daz die bösen an dem
jüngsten tag mit herzleide müssen sehen. We, we und iemer we lo
dien, die des grozen jamers beitent sint!
Herr, dis ist in minem herzen ein groz wunder, und du doch
spricbest, daz du als minneklicb siest?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Ich bin daz unwandelber
gut und stan gelich und bin gelich. Aber daz ich ungelich schine, 15
daz kumt von ungelicheit dero, die mich ungelich mit sünde und
ane sände sehent. Ich bin minneklicb an niiner nature, und bin
aber doch ein vorhtliche ribter der missetat. Ich wil von minen
yründen kintlich vorbte und lieplich minne haben, daz sü die Yorhte
zc allen ziten uf enthalt vor sünden, und du minne mir vereine mit 20
ganzen trüwen.
IX. Kapitel.
Daz ander : war umbe er sich sinen vriinden dik nah herzlaste
enztihet, und wa bi man sin waren gegenwürtkeit erkennet.
Der diener: Herre, es ist alles nah herzen wünsch denn eins. 25
Gewerlichen, berre, so ein sei recht kreftlos wirt nah dir und nach
dem süzen minnekosen diner süzen gegenvvürtikeit, herr, so swigest
du und sprichest ein einig wort nit, daz man mug gehören. Owe,
min herr, sol daz nit we tftn, so du, zarter herr, bist daz einig
3 daz daz — erbid. fehlt AK 7 din vetterliche zoru AZ 10 sehen]
jehen F iemer me E^ 16 mit sfmdeii FZa 17 und bin fehlt K 24 be-
kennet jP 25 d, diener fehlt H
19 ff. Hör, 72: elecios meos in hoc mundo timorem paritei' et amorem iugittr
habere expedit, ut et timor semper animam aoUicitaiis a nojciis reirahat exces-
sibusj et amor laetificans erigat ad superna, 23 X. c. : suhlractio diUcti
contra votum diligentia. Vgl, zum ganzen Kapitel David von Augsburg, Dt
compos. Uly 69, 23 Hör, 73: nulluni omnino das intelligibile responsumm
CaT^Ü flft*"Effi^üÖ 'iVHBlItat' ''ääPTUC."
Hzerweltes herzliep. nnd du dich denne ah vrßmdeklicli gebarest
und als stille swigest?
Entwürt der Ewigen Wialieit: Micb rfttent doch alle
kreaturen, daz ich es Bi.
5 Der (liener: Owe, herr, es ist einer verseneden sei hier aa
nit genäg.
Entwiirt der Ewigen Wisheit: So ist ein ieklicb wort,
daz Yun mir geeprocheD wiit, ein minneb&tlin zfl ir herzen, und ein
ieklicb wort der heiligen schrift, daz von mir geschriben ist, ein
10 süzer minnebrier, als ob ich in ir selber bete geschriben. Sol si
dar an nit genügen?
Der dienert Owe, zartes, uz[l01 'jerweltes liep, nu weiNt du
doch wol, daz einem minnenden herzen ungenftg ist allfs, daz siu
einig lieb, sin einig trost nit selber ist. Herr, dn bist als gar ein
15 trntlichs, uzerweltes, grundloses liep, sich, und daz dich mir aller
engel zungen sprecfain, so tringet und ringet du grundelos minne
alles nah dem einen, den si da begert. Ein minncndü sele neme
dich doch vur daz himelricb, wan du bist ir bimelrich. Owp herr,
du sAltist, getörste ich es sprechen, dien armen minnenden herzen
so ein klein gel&biger sin. du da nah dir darbeut und torrent, du so
mengen inneklichen grundlosen süfzen naeh dir, ir einigem liebe,
lazent dii so ellendklich nah dir uf scheut nnd mit herzklicher
stimme sprecbent: „revertere, reyertere!" und mit in selber einredent
und Bprcchent: „owe, wenest du, ob du in habest erzfirnet, und ob
95 er dich welle lazeu varnV Weuest du. ob er iemer me dir welle
wider geben sin minnekliehen gegenwnrtikeit, daz du in mit dien
armen dins herzen minneklich umbvaheBt und in diu herz truckest,
daz alles diu leid verswindeV"
Herre, dis hörst dn und weist, und swigestV
8 f. am Jiandr Pauli.» J-^F'F'Z 5 owe, zniler herr AKa 18 wau
— himelr. fehit F 10 gesprechen FZ 20 turrenl nu* tnirent korr. £'
21 gnudloBeo /«A» J" 22 dö do eo /•' 26 f. üb er dir ieiii<^r me nider
welle g. F> 29 du /eAif K
S Vgl. Rom. 1,20. 11,36. Hör. l. c: magnitiido rt /.alchntudo euituliba
ereatvrac polerit pro m» rtspondcre. 9 f. L. e. : guamlibtt paginam (gacrat
»eriplurati pro Ultra amorota . . . auscipial. Vgl. Greg. M., Reg. V, 46 (Man,
Orrm. Ep. I, 34Ö): quid tat aultm scriptwa tacra nui guaedatn epintota omni-
polenlig dei ad erealuram euamy 15 dnz = etiamgi fHor. 74).
23 Hohtl. 0,12; einredent = eectim oiifabiUanlur (Hör. l. c.k
232 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IX.
Entw6rt der Ewigen Wisheit: Ich weiss es and sihe
es mit begirlichem herzlaste.
Du Wisheit vraget: Nu entw&rt mir och einer yrage, sider
du als togenlichen fündlest : waz ist daz, daz dem h&hsten geachaf-
nen geist aller best smacket under allen dingen? 5
Der diener: öwe herr, daz beger ich von dir ze wissenne,
wan da vrage ist mir ze hohe.
Entwürt der Ewigen Wisheit: So wil aber ich dir es
sagen. Dem obresten engel smakt not baz, denn minem willen
gnüg sin in allen dingen; und wästi er, daz min lob gelege an lo
neslan uz brechen und ander unkrut, daz were im daz begirlichest
ze volbringenne.
Der diener: Ach herre, wie schiehest du mich an diser
yrage! Wan du meinest^ daz ich mich halte ledklich und gelazenlich
an luste^ und din lob allein suche in hertikeit als in der sfizikeit. 15
Entwärt der Ewigen Wisheit: Ein gelazenheit ob aller
gelazenheit ist gelazen sin in gelazenheit.
Der diener: Owe herr, es tut aber als gar we.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Wa wirt du tugent be-
weret, denn in der widerwertikeit? Aber doch so [101^] wussest, flo
daz ich dik kum und beger eines inganges in min hus^ so es mir
verseit wirt; dik wird ich enphangen als ein bilgri, und wird un-
wirdeklich gehalten und schiere us getriben. Aber ich kum zft miner
geminten selb selber^ und hab ein minnekliches wonen bi ir; aber
daz geschiht als togenlich, daz es gar verborgen ist allen menschen, 85
denn allein dien, die als gar abgescheiden sint und miner weg war
nement, die ze allen ziten uf der läge stant, daz sü miner gnade
gnüg sien. Wan ich bin nah miner gotheit ein luter wesentlicher
geist, und wirde geistlichen in den luteren geisten enphangen.
Der diener: Zarter herr^ mich dunket, du siest gar ein tSgen- 80
lieber minner; dar umb beger ich, daz du mir etlichü zeichen gebest
diuer waren gegenwürtikeit.
5 smakc E^ 6 daz] des E^ 9 den obersten cngeien F 10 lege JE^
13 diser] diner F 15 herzeleit F der fehlt E'F 21 daz daz FF^
22 und w. — 23 us getr. fehlt K 25 daz — tog. fehlt F 29 in d. 1. geisten
fehlt AK ivL dem 1. geist F
16 f. Dieser Spruch wird in dem Traktat von den drei Fragen (ein lerer
sprichet: ein gdassenheit etc, bei Denifle, Taulers Bekehi'ung 1879, 140) und
darnach in Rulman Mersivins Traktat von den drei Durchbrüchen (Jundt,
Kistoire du panthiisme populaire au moyen^äge 1875, 217) zitiert.
Eotwärt der Ewigen WisLeit; Min waren gegenwArtikeit
bekennest dn in keiner wise als wol als hier inne : ewenne ich mich
birge und daz mine von der seie gezuhe, so wirst du eret inDan,
wer ich bin ald du. Ich bin daz ewig gfit, ane daz gnt nieman
6 DÜt gutes hat; und dar umb, so ich mich, daz ewig göt, als gütlich
nnd als minneklich entgösse, so gület sich alles daz, da ich )iine
käme, da bi man min gegenwürtikeit mag erkennen, als die sunnen
bi ir glaste, die man doch an ir subetanci nät sehen mag. Befunde
du min ie, so gang in dich selber, und lerne die röeen von den
10 dornen scheiden und die blümen von dem grase us lesen.
Der diener: Herr, gewerlich, ich sftch und vinde in mir ein
gar groz unglicheit. Swenne ich etan in gelassenheit, so ist min
sele als ein sieche mensch, dem mit wol smaket, dem ellö ding un-
lustig sint; der lib ist trege, der müt ist swere, inwendigü hertikeit
16 und BBwendigü trurikeit. Mich verdriizet denne alles, daz ich aihe
und h&re und weis, swie gut es ist, vvan mir enphallet alle glimpf.
Ich bin denne geneiget ze gebresteu, krank ze widerstene dien
vienden, kalt und law ze allen guten dingen, Swer mich an kumet,
der vindet ein ödes hus. wan der wirt ist da beime nit, der da
2ü hohon rat git und von dem daz Ingesinde alles wolgemät ist.
Herr, so aber der lichte niorgensterne uf blichet enmttten in
miner sele, so zergat alles leid, es verswindet etlü vinstri und gat
nf die lieht beitri, herr, so lachet min herz, so [102''] hüget sich
min gemüte, so vröwet sich min sele, so ist mir als reht bohzitklicb,
26 und alles, daz in mir und an mir ist, verkert sich in diu lob. Swaz
denne sweres, müliches und unmnglicbes waz, daz wirt alles lihte
und söze: vasten, wachen, betten, liden, miden und ellü strenkeit
wirt genzklicb vernihtet in der gegenwürtikeit. Ich gewinne denn
menig groz vermessen heit. der ich doch ab gan in gelazenheit. Di
80 sei wirt mit klarheit nnd warbeit und s&zekeit durchgossen, daz si
4 wer ich [hin] ald du bist E'FF^ (bist radiml /.'.J 7 miu waren
gegenw. AKaF aU die 9.-8 sehen mag^ fthit AK 9 giüg\ lang K
11 herr fehlt AK 11 f. [ein] gar AK 13 dem nöt «-. smaket fehlt AK
15 allea des, daz AKaF^ 16 wan fehü AK 26 wirt dii' FF'
9 f. Domen und Gras btifeuteii den tnermehlichen, Sosen vnd Blutnen dtn
gBUlkhen Trogt. 14 Hör. 79: cordi» durüia ac Spiritus trigtitia tentitur.
19 ir. c- pattifamiliag omnes domMtieos btn«dietione et hilaritaU repltus
abaeueil. 28 f. Hoi\ SO deutlkher: in ea quoqut kora gmtiae gpiritvatin
vitam tmendare, morts corrigere ac mulla bona facere propoiio, •/uae gratia
recedenie, heu, minimt ad effeetwm perduto.
234 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IX.
aller arbeit vergisset. Daz herz kan siizklieh betrahten, dii zunge
hob spreeheD, der lip ellü ding geriugklich an grifen^ und swer
nüwan gftchet, der vindet denne hohen rat alles, des er begeret
Mir ist denne, wie ich habe übergangen stat und zit, und stände in
dem vorhove ewiger selikeitt Ach herr, wer git mir, daz es nüwan 6
lang werti ! Wan geswind in eime ogenblike wirt es verzucket, und
bin denn bloz und gelazen, etwenn gnü nah, als ob ich es nie hetti
gewunnen, unz daz es aber nach herzklichem jamer wider knmt.
Ach herr, bist du daz, oder bin ich es, oder waz ist es?
Entwurt der Ewigen Wisheit; Du bist und hast von dir lo
nüt denn gebresten; ich bin es, und dis ist der minne spil.
Der dienen Herr, waz ist der minne spil?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Alle die wile liep bi
liebe ist, so enweis liep nit, wie liep liep ist-, swenu aber liep von
liep gescheidet, so enphindet erst liep, wie lieb lieb waz. 15
Der diener: Herr dis ist ein raüliches spil. Ach herr, wirt
du wandelberkeit üt ab geleit an keinem menschen in zit?
Entwürt der Ewigen Wisheit: An vil wenig menschen,
wan du unwandelberkeit gehört zu der ewikeit.
Der diener: Welü sint du menschen? 20
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du aller lutersten und
der ewikeit du aller glichsten.
Der diener: Herr, welü sint du?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Daz sint du menschen,
du alles mittel aller genötest hein ab geleit. 25
Der diener: Zarter herr, lere mich, wie ich mich nach miner
unvolkomenheit hier inne sül halten.
2 beringklich AK 3 des] daz K 5 esj ich (!) iC 11 dis] da« £*
17 unwandeibarkeit FF"^ 18 avi Rande Bernardus E^F'F^Z 26 nach]
in AK
13 ff. L. c; hoc enim proprium amoris esse solet^ utj quanitis stt, jyraesente
amahili lateat, recedente vero magis percipiaiur, 17 wandelberkeit = Weclisel
etvischen fühlbarer Gnade und geistlicher Trockenheit (vicissitudo visitatioms^
Hör. l. c. / ähnlich auch Bernardus, sermo 3:^ in Cant. n. 2). 18 Bernardus^
De dilig. Deo 10 n. 27 : 15 n. 39, Vgl. auch Bdw Kap. 4 gegen iSchhiss. Bor,
l. c. : pauciasimi: nimirum tanta divinorum in homine participatio siabilitatis
est quasi quaedam incitoaiio aeiernitatis. 21 Hör. Sl: hi sunt, qui videlicet
purissimis affectihus ah infimis abstracti et longo tarn usu et exercitio deiformes
quodammodo effecti divinis rebus continue uniuntur, 25 L. c. : qui per
secessum mentis perfectissime omne medium dividens deum et animam tota ala^
critafe deposuerunt. 27 hier inne bezieht sich auf wandelberkeit gurUck'
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IX. 235
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du solt in dien gAten
tagen die bösen an sehen , und in dien bösen der gftten nit ver-
gessen, so enkau dir weder übermutikeit in der gegenwürtikeit, noch
swarmütikeit in gelazenheit geschaden. Enmaht du von diner klein-
5 heit dich noh nit min verzihen nah laste^ so hab [102^] doch min
ein gedultig beiten and ein minnekliches suchen.
Der diene r: Owe herr, langes beiten daz tftt we!
Entwürt der Ewigen Wisheit: Nu müzz er wol und we
tragen, swer in zit kein liep wil haben. Es genüget nit dar au,
10 daz man ein zit des tages mir git, er mAz ein stetes innebliben
han, der gotes inrlich bevinden wil und sinü heimlichi wort gehören
und sin tögen sinne gemerken wil.
Eya, wie last du dinä ogen und din herze so unbedahteklicb
umbe gan, und du daz wünklich, daz ewig bilde, hast vor dir
15 st&nde, daz mit einem ogenblike niemer ab dir gewenket! Wie
lazest du dir dinn oren endrinnen, und ich zu dir so manig minnek-
lich wort spriche! Wie vergissest du din selbes so berlich, und du
mit dem ewigen gute so gegenwärtiklich umbgeben bist! Waz
suchet du sei in keiner usserkeit, da daz himelrich so togenlich in
20 ire treit?
Der diener: Herre, waz ist daz himelrich, daz in der seieist?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Daz ist gerehtikeit und
vrid und vröd in dem heiligen geiste.
Der diener: Herre, ich erkenne an diser red, daz du mengen
26 verborgnen wandel hast in der sele, der ir gar verborgen ist, und
daz du die sele zühest in tögenheit und wisest wol müzklich in die
minne und bekantnüsse diner hohen gotheit, du da vor allein be-
kümbert waz mit diner süzen menscheit.
1 am Rande Salomon E^F^HZ 7 herre rot durchgtr, E^ 8 am
Bande Bemardus E^Z 9 benüget mich nit F 16 so endr. Z 21 herre
fehlt AK [daz] himelr. AK 22 am Rande Paulus E^F'Z 24 rede wol E^
26 togenlicheit Z
1 — 2 Sirach 11,27. Vgl, David von Augsburg 7. c, (ed, Quaracchi 371),
3 f. Hör, l. c. : sie te quidtm nee in praeseniia gratiae ultra modum extoüaSf
nee in ahaentia ultra quam expedit depHmas. 7 Vgl. Sprichw, 13,13,
8 Vgl, Bemardus j sermo 51 in Cant, n, 1, 10 Hör, 82: unam hondam
temporis. 13 f. L, c.: cur inquam vagabundo corde et oculis tremulis ac
in fines orbis terrae rotatis stare coram tanta sponsa praesumis etc, ?
19 Vgl. Luk. 17,21. 22 f. Born. 14,17.
236 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. X.
X. Kapitel.
Daz drite: war nmbe es got slneii yründen als reht übel In
zit gestattet.
Der diener: Herre, so ist ein ding in minem herzen, getfirste
ich daz zu dir gesprechen? Ach, süzer berre, wan getörste ich na 6
mit dinem urlob mit dir disputieren als der heilig Jeremias! Zarter
herr, nu zürn nit, und hör es gedultklich! Herr, sü sprecfaent also:
wie inneklich suze din minne und din vrüntschaft si; so last da si
doch dinen vrAnden uuder standen gar sur werden mit mengem
bitterlichem lidenne, daz du inen zft sendest von versmechte von lo
aller der weit und von menger widerwertikeit^ beidä uzwendig nnd
inwendig. So ein mensch doch erst getrittet in din vrAntscbaft, so
ist der erste trit dar nah^ daz er sich bereite und bewegenlich setze
uf liden. Herr, dar dinü giiti^ waz mugen sü süzikeit hier inne
han, ald wie macht du es alles erliden an [103'] dinen yründen? 15
Oder gerüchest du es nit ze wissenne?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Als mich min vater
minnet; also minne ich mine vründc. Ich tun minen vründen na,
als ich in han getan von angengc der weit bis an disen hütigen tag.
Der diener: Herr, daz ist, daz man klagt, und dar umb so 20
sprechent sü, daz du so wenig vründen hast, wan du inen es so
gar übel in diser weit gestattest. Herr, dar umbe ist ir och vil, so
sü dine vrüntschaft erwerbent und sü in lidenne beweret son werden,
daz sü dir abe gant, owe, und daz ich mit herzklichem leid und
mit bitterlichen trehnen mins herzen müs sprechen, daz sü denne 25
wider hinder sich gant uf daz, daz sü gelazen durch dich hatten.
Herr mine, waz sprichest du hier zu?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Disü klage ist dero men-
4 d. diener fMt F' 5 nu fehlt AK 16 nit fehlt F 17 am
Bande Ewangelium F^Z 19 in fehlt ÄFa disen] den F 20 ist och E^
da kla^ F^ 21 es in Z 22 gest. in d. w. E^ 23 son bew. w. JE*
28 ayn Hand In collacionibus patrum F^F'Z disü] du FF^
1 Kaj). 10—12 auch hei Wackernagel a. a. 0. 1039—52. Kap. 10 ist
im Hör. 83 ff. (c. 9) in titctiterier und grossartiger Weise durchgeführt,
6 Jei-m. 12,1 f. 7 sü = die Menschen. 12 f. Sirach 2,1 f
17 f. Joh. 15,9. Ergänze nach dem Hör. 87 : mein (Christi) Lehen war vM
Leiden^ der Jünger ist aber nicht über dem Meister [Joh. 15,18; Luk. 6y40)»
28—237,2 Joh. Cassianus, Collat. VI, 2 (Hör. 88).
"^chlein der Ewigen WeiaSHf.-
schen, du krankes globen sint nnd kleiner werke, lawes lebenes und
ungeübtes geigtee. Aber da, gemintü, wnl uf mit diiieni mflte osaer
dem horwe und der tiefen lachun liplicher wollnet! EntscblilB diu
inren sinne, tA of dinü geietlichen ogen nnd \üg, nim eben war, waz
6 du biet, wa du bist und war dn hurest; eicb, so mäht du grifen,
daz ich minen vründen daz aller minneklicbest tAn.
Du bist nacb dinem naturliehen wesen ein Spiegel der gotheit,
dn biet ein bilde der drivaltkeit und bist ein esemplar der ewikeit.
Und als ich in miner ewigen ungewordenheit bin daz glüt, daz da
10 ist endlos, also bist du nach diner begirde gruudelos; und als wenig
ein kleines tröpbli erschiiBset in der hohen tiefi des raeres, als wenig
erscbnsse an der erfullange diner begirde alles, daz du weit ge-
leisten mag.
So bitit du in dem eilenden jamertal, in dem liep mit leide,
15 lachen mit weinenne, vrM mit trurkeit vermischet ist, in dem ganz
vr6de nie berz gewan; wan es trüget und lüget, als ich dir sagen
wil, es gefaeisset vil und leistet wenig, es ist kurz, unstet und
wandelber; hut liebes vil, morne leides ein herze vol, sich, daz ist
dis zites spil.
) XI. Kapitel.
Von iemer werendem we der helle.
Eya, min uzerweltü, nu lüg von allem gründe dins herzen
den kleglichen jamer. Wa sint nu alle die, die sich bis her mit
2 mit d. mfite fehlt AK fi wa du b. fehlt F 7 am Bande I Äugu-
BtinuB Z, blfiaa August. y'F' 8 bilder F' 14 am RtMde HZ 16 ein
21 we] not F'
herze leides vol AK
3 f. Hör. l. e. : Jm mUem i» no«tta sptrituaU philotophia aliler ingtiluOts
COHfUrge, .... aurge igitur dt vitcosa obscoettitate iemporalium delectationum .'
7 ff. L.C.: tu namqiu m speeulum dieinitati», eo quod in U prineipaUu»
quam in eeteri» crtaUtris dtiis reluc«at ; tmago IHnäatis, eo guod eiu* imago
in te ngplendeat (nämlieh in den divt obersten Kräften der Serie I : exemptar
aeternitali» , eo quod invialabili ineamtptione gaadeas. Vgl. Aag., He Irin.
IX, 3 ff.; KI, 7 lt. 12; Bern., sermo 46 de div. n. ß: Thomas, S. Th. 1 q. 93 a. 5.
16 es := was in dieaem Jammertal i»t. 21 Auch dieeefi KapHel i*l im
Hör. {69 ff. c. 11) bedeutend ei-weittrt; die Bestrafung der tintelnen Sünden leird
ganz in dantesken Farben geschildert. Vgl. dasu MeehlhUd von Magdeburg,
Flieasendts Licht der Gottheit ed. Gull Morel 1869, S2ff.; Hugo von Langeinlein,
Martina ed. Keller 1S56. 60. 4.'i—73, 90 und deuten t^iullen .- Iimocent., De ron-
temptu minidi III. 4 und Hugo de Argent., Comp, tlieol, veritatia VII, 33.
238 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. XL
rftw und laste nider liczen in diz zit, mit Zartheit und des libes
gemach? Eya jamer, waz hilfet sü [lOS'^] ellü d6 vröde in dem
zite, du so balde mit dem kurzen zit ist vervarn, als ob si nie were
worden ? Wie ist daz lieb so schiere rbr, des leid iemer und iemer
weren m&s! 0 ir tumben toren! Wa nu^ daz ir so vrölieh sprachent: 5
„wol her, ir wolgemftten kinder, wir sülen trurkeit urlob geben und
sülen hoher vr6den phlegen!" Waz hilfet nu ellü du vröd, die ir
ie gewunnent? Ir mugent wol mit jemerlicher stimme rufen: j,we,
we und iemer we, daz wir an dis weit ie geborn wurden! Wie
hat uns daz kurz zit betrogen, wie hat uns der tot so hinderschliohenl 10
Owe, ist ieraan uf ertrich me, der noch betrogen werde, als wir
armen eilenden betrogen sien? Oder ist ieman, der an vrömdem
schaden witze welle nemen ? Hetti doch ein mensche aller menschen
liden tusent jar, daz were gegen disem als ein ogenblick. Owe,
wie ist der so selig, der nie vröde wider got gesuchte, der darch 15
in nie gftten tag in zit gewan! Wir unsinnigen wanden, sä werin
von gote gelazen und vergessen, eya, wie hat er sü nu so trutlich
in siner ewikeit umbvangen und in so grozen eren vor allem himel-
schera herel Waz konde inen geschaden alles daz liden und ver-
smehte, die inen zu so grozen vr6den geraten ist? W^ie ist aber 20
alles unser lieb so gar verswunden! Ach jamer und not, es mfis
doch iemer weren I Owe, iemer und iemer, waz bist du? Owe, end
an alles ende, owe sterben ob allem sterbenne, alle stund sterben
und doch niemer mugen ersterben ! Owe, vatter und m&ter und
alles lieb mit einander, got gnad üch iemer und iemer, wan wir 25
gesehen üch ze keinem liebe niemer me, wir müzen doch iemer me
von uch gescheiden sin! Owe scheiden, owe ieuier werendes scheiden,
wie tftst du so we! Owe hendschlagen . owe grisgramen, sufzen
und weinen! Owe iemer hüwlen und rufen, und niemer erhöret
werden! Unser eilenden ogen mugen doch niemer anders gesehen ao
denn not und an^st, unser oren nicht anders boren denne ach und
we. Owe, ellü herzen, laut üch daz kleglieh iemer und iemer er-
barmen, laut üch daz jemerlich iemer und iemer ze herzen gau!
Owe und owe, ir l)erg und tal, wes beitent ir, wes haltent ir so
5 0 ir] (lio A 13 witze] wis /' in'men wello Jj^ 26 iemer [me]
AKa 2J» u. weinen fthU F 30 eilenden fehlt A 32 f. erb. — und iemer
fthU F'
6 Vf/l Wcish. i>fi. 16 if. Wi'lsh. 5,4 f. 25 ^n)t gfnad i'ich = valete
(Hör. 03), 34 ff. Vgl. Oseas loß : Luh. K>3,30.
lange iif, wes vertragent ir nnsV War nmb beaturzent ir uns nit
vor dem jenierlichen anblicke? Owe, üden enr weit nod liden diser
weit, wie bist du po ungelicb! Owe [104'] gegen wÄrtikeit, wie
blendest du, wie trügeat du! Daz wir dis in unser blüjeiidenjugent,
3 in unsren schonen wünklichen lagen nit versahen, die wir so äppek-
lichen verzarten, owe, die niemer noch nieiner her wider koment!
Ach und owe, wan hcttin wir ein einiges stündli aller der langen
vervarnen jaren, daz uns von gottes gerehtikeit verzigen ist, und
ieraer ane alle züversiht verzigen mAz sinl Eya, leid und not niid
Q jaraer iemer und iemer in disem vergesenen lande, da wir vnn allein
liebe, ane allen trost nnd zTiversicht, iemer ine miizen gescheiden
ein! Owe, wir gertin nit anders, wan were ein mftlistein als breit
als alles ertrich und umb sich als groz, daz er den himel allent-
halben rurti, nnd kemi ein kleines vögelli ie über hundert tusent
5 Jar, und bissi ab dein stein als groz, als der zehende teil ist eins
birskArnlins, nnd aber über hundert tiisent jar so vil, also daz es in
zehent stuut hundert tnsent jaren als vil ab dem stein geklubeti, als
gi'oz ein ganzes hirskSrnii ist, — wir armen begertiu nit anders,
denn, so dez eteines ein ende were, daz och ÜDsrii ewigft matter
0 ein ende bete, — und daz mag nit sinl"
Sieh, daz ist der jamersang, der da nach volget dien vriinden
dis zites.
Der diener: Owe, strenge ricUter, wie ist mio herz so in-
gruntlich ersuhroken! Wie siget min eele so kraftlos da hin von
3 jamer und erbermde über die armen seien 1 Wer ist doch in aller
der weit so Terrftchet, der dis horti, er erzittreti ab diser grimmen
fi minnenclicheu !■' färsohen I'J' 9 iemer me ASa 10 i, u. iiiui^r
lae I? 11 ane] vou F II f. ein geaclj. AK 12 mfilateiii K'F'H miiliii-
alein A 13 ertrirh ist AK 17 kJubeti K 18 grus fehlt F 20 eniuag /,'
26 und von e. >' 26 diser] iler £'
10 Hör. 94: in terra kac oblivionii. 12 ff. Dasselbe Gleichnü cmi
der Ewigkeit mit der Einleitung ; pogita per impoasibile, quod esMl etc. im Hor.
l. e. Et begegnet atm tucret bei Seuge, dann sehr oft com 15. — IS. Jh. im
Kinäemäi-chtn, im Volkilied und in der Kunttdiehtmig (t. E. bei S. Mingwaldt
und Ängelu» Süesiu»), ging in die religiöse Erbauangtliteratiti- über, und lebt
jetst nu<.'A im katholischen und prettstanlisvhen Kirchenlied: «gl. die Belege
hei B. Köhler, Ein Bild der Emgkeil, Gtrmania VIII (7863), 305—307, ei--
ireileH in Kleine Schriften II (J9üO), 37— iT. Die Fastung des Hor. findet
sieh bei Ludolf von Sachsen (f 1377 9), Vita Christi c. 88 und bei Sionysins
Siekcl i\ 14711, Cordiatt de quatuor novingimis, Cöln 14D3 Bl. SO'.
240 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. Xu.
not! Owe und owe^ min einiges liep, laze min nit! Owe, min
einiger uzerwelter trost, scheide dich niht also von mir ! Owe, siUe
ich also iemer und iemer von dir, minem einigen liebe, gescbeiden
sin — ich wil dez andern geswigen — owe, jamer und not, ieh
w61te doch e alle tage tusent stunt gemartert werden. So ich doch 6
nfiwan an die scbidunge gedenk, so möhte mir von angsten gebrestra.
£ya, herr mine, zarter vatter, tb mir hie, wie du wilt, dez habe von
mir ein vries urlob, allein erlaze mich dez jemerlichen scheidemieSi
wan dez möhti ich bi nüti erliden.
Entwurt der Ewigen Wisheit: Erschrik nit! Es belibet lo
in ewikeit ungescheiden, daz in zit ist vereinet.
Der diener: Owe herr, wan hortin dis ellü du menschen,
du ir schönen tag noch so torlich vertribent, daz sä gewitziget
wurdin und ir [104''] leben bessertin, e daz in 5ch also beschehe!
XII. Kapitel. 15
Ton unmessiger vröde des himelrichs.
Du Ewig Wisheit: Nu hab och dinn ogen uf und lüg, war
du hörest. Du hörest in daz vaterlant dez himelschen paradyses;
du bist hie ein vrömder gast, ein eilender bilgri. Und dar umbe,
als ein bilgri ilet wider hin in sin heimüt^ da sin die geminten 90
lieben vrände wartent und mit grozem jamer beitent, also sol din
ilen sin in daz vatterlant^ eya, da man dich so gern sehe, die so
inneklichen ser nach diuer vrölichen gegen wurtikeit belanget, wie
sfi dich minneklich gegruzen, zärtlich enphahen und zu ir vrölichen
geselleschaft eweklich vereinen. Sihe, und wistist du, wie su nach 26
dir türstet, wie sii begerent, daz du frumklichen strittest in lidenne,
9 enmohti FZ 12 [du] menschen F 17 am Rande Jeronimus J^^F^Z
du ewig w.] der diener (!) F, fehlt H hebe ÄKa [och] iif d^, 0. F 20 hin]
hein ÄKaF\ fehlt F 22 hin in d. v. E^K 24 f. zu in vr. [ges. ew.] ver-
einen AK 26 von hier an Schluss des Buches tritt E ein
14 Der U. Druck von 1512 hat hier (Bl 90^) wie auch Diepenbrock
(^212) einige Zeilen Zusatz, der aber sicher unecht ist. 17 Nimmt die
Aufforderung in Kap, 10 (237,4) wieder auf, der jetzt die Erklärung folgt.
Das Zitat bezieht sich auf Hieron,, ep. 98 (Migne, Fair. Lot, 22, 792 f.): feHi-
nemus supemae laetitiae festa celebrare et jüngere nos angelorum choiHs, ubi
coronae et praemia et certa victoria est et desiderata iriumphantibus palma
proponitvr etc.
BUchleiu der Ewigen Weisheit. Kap. Xn.
und dich ritterlich haltest in aller widerwertikeit, die si'i überwunden
bant, und na mit grozer süesikeit äberdenkent die strengen jar, die
BÖ hatten, dir were alles liden (teste lidigur; wan so dn ic bitter-
licher gelitten hast, so du ie wirdeklicher enpliangen wirst. Eya,
5 wie tfit du ere denn so wol, wie dnrcligat die vr6d deune her/, nnd
müt, 80 du sei von mir vor minem vatter und vor allem himelschen
here so erlich geriimet, gelobt und gepriset wirt, dnz si hie in dem
stritlichem zite so vil erlitten, so vil gestritten und überwunden bab,
da« meagem so vr6mde wirt, der ane liden ist gesin! Wie wirt
10 du kröne so wunklicb äberschinent, du hie so sur erarnet ist, wie
werdent die wunden und du zeichen so inbrunstküeh glenzcnde, du
hie von miiier minne enphangen sint! Sich, du bist da in dem
vatterlande als wol gefrünt, daz der vrömdest der unmezigen zal
minnet dich miuneklicher und getrüwlicber, denne kein vater oder
15 kein müter ir einiges herzklicbs kint ie gomint in diser zit.
Der diener; Owe berre, dnr din güti, wan gctörste ich dir
tiu gemüten, daz dn mir noch me von dem vatterlande seitist, daz
mich dest me dar nach jamreti, und alles liden na dest bnz erlitti!
Eya, min herr, wie ist es da in dem lande gesehafen, oder waz tOt
20 man da? Oder ist ire üt vil, oder wiissen bü als wol, wie es hie
nrab ÜDB Btat, als dinü wort lücbtentV
Entwürt der Ewigen Wishcit: Nu mache dich nf mit
mir, ich wil dich [105'] da hin vüren in betrabtuiige, und wil dich
einen verren anblik lazen tun nach einer groben gltchDÜsse.
25 Sihe, oh dem uünden himel, der unzallichen me denn hundert
tusent stunt witer ist denn alles ertrich, da ist erst ein ander himel
ob, der da heisset coelum enpyrenm, der fürin himel, also gebeissen
4 wirst enph. A'' 5 Jai liurz AKa 7 gerumet] t,'egTiizet !■' iinil
^lobt AF'Z dem] dieem F 8 erstritten F hat AKa 9 wie — 10
ist fdtU £■ 10 [über]8chiuent AKaE 12 dum] diaum £ 13 g^iitmlAK
in der n. z. E' 14 ia dekein ß' 15 geniinoBÜn K' 18 doBt) noch /'
19 ea/(Att £' 20 fit da vil K 27 am Äant/e Tliouits EE'IIZ der [diij J"
11 Uor. HB: solt elan'u» ... micatiunl mlnera , livorea et gtigmafa pro
noiitint mto hie recspta. 26 Hör. 9<i nimmt Sewe nw ae/U Sphäi-w an,
nach welcliiii das cotlum empi/rcum kommt. Ühcr ditii: miltttalterlichen Theorien
vgl. R, Wolf, Handbuch der Astronomie, ihrer Orxchiehiv und Literatur I
(1H90), ha^S.; Michael, Oeseh. des dwtieken Volkes 111(1903), SUlff.: Phila-
lethes, Dante» G^itl. Komödie, E.tkura zu Gelang I det ParadiMee (III, 12 ff.).
Zur Beechreibung der Fretdun drg Himmels rgl. Httgo von Langenglein, Mar-
tina U5,61— ^57,78: Comp, theol. rerit. Vll,31. 27 Thoma». In 3 Smt.
di»t. 3 q. 3 a. .'.' und öfter • t. die Btltge bei Dat. STä.
iiioha SBluitUD,
16
McÜMnoerl
.mgen »
mit von dem füre, allein von der nnmessigen durg:len2CDde!i klar
beit, die er an siner nature hat, unbeweglich und nnt&demlich. Und
daz ist der berlicb bof, in dem daz liimelsch ber wonet. to dem
mich mit einander lobet daz mettigeetirne und jubiliereut ellü gölten
kint. Da Btant die ewigen stüle umbgeben mit unbegrifTenlicheni i
Hechte, von dien die bösen Reiste wurden verstosseo, dar die oztr-
welten börenl. Sihe, du wunklich stat glenzet hin von durecfaUgem
golde, fii lühtet hin von edlen margariten, durlcit mit edlem gegteine.
durkleret als ein krigtalle, widersobinent von röten rösen. wissen
lylien und allerley lebenden blQmen. Nu Ifig selber nf die schÖDcn lo
himelscben beide: bey, hie ganzü sitmerwunne, bie dee lieoblen
meien öwe, bie der rebten vr6den tal! Hie sihet man vr6licb ögeii-
blicke von Heb ze liebe gan; bie harpben, gigen, bie singen, springen,
tanzen, reien und ganzer vröde iemer phlegen ; bie Wunsches gewall, i
hie lieb ane leid in iemer werender Sicherheit. Nu Iflg nmb dicb II
die unzallicben mengi, wie sii uz dem lebenden usklingenden bmuneD
trinkent naeb aller ire herzen girde. Lüge, v/ie sü den lutreu klares
Spiegel der blozen goiheit an sterent, in dem in ellü ding kund vai
offenbar sint.
6 dien] ilem i' 7 am Hände Johaimts in apociiljpsi KE^Z 9 wider
achinot E'Fa 10 lebender AKa 11 gumerweide F 14 IroideD K
17 trinket E begirde E^Fa 16 in fehlt F
II. Hör. l. e.: uniforme, irnmobile, luminositatig perfeetM et capaeltdb
immtnaae .* ontÖdemlich ^ irtcoi-ru-pUbile. 4 Job 38,7. 6 Bor. l. e.: A
quäiH* ille infelix »urntrun eptrituum malitfnorum coirums eleclorvm nunmv
r^arandu« erit. Ifack scholwitiechtr Anskhi AÖnnsn durch GoIUm Gnadi lU*
Mengehtit den Enyeln der einMlntn Chüre in der Glorie glHehkammm aarf
sollet» die Zahl der gefallenen Engel »-leiten ; vgl. Thoma», S. Th. 1 q. 61 a. ^
nd 3; q. IVB a. 8: Comp, theol. vtrit. II, 34. 7 ff. Äpok. H.iOß.
11 ff. Hur. 97: hie vemnlis atHoenitas, auiumtiali« fecvndittu, terenüa* ttiH — '
valis, iocunditae nupttalie (vgl. Comp, theol. ver, l. e.) ; hie taüie gauäiofa, tim^
awarMa. Jfi'e eaelestex hartnoniae pereonant, divinae figiBae, rocee itibihia^^
decantant. Hie laetahutida plavdvnt agmina ae latUe se miectitl moditlawa»^
chorie, hie choreae virginum curaitanltt poal dominum, Ate utta ox laeUtnUmm-
et unui ardor cardittm. 14 wniucbeB gcwalt = deleelabiliuui eopta, ajUr-
büium afßuentia iHoi; l, c.t. 16 lubender usklingender bninne, «yl. Vü^
Kap. 3t (9ä,iy}. Hör. l. c: fanialt principium. Di* AuKhauung i*t ir^
mütelallerlichen Symbolik, an Pa. 41,3 anldtnend, sehr geläufig (Dwanättm
national« aß2 n. ^6). Seuea SehUdcung erinnert an das Mittelbild dee GttOtr^
AUarta (Anbetung de» Lamme* I von den Brädem van Epck. 18 Ber.Le^
apecvliim illud divinietimum , in quo omnia relueenl. Nach der XcW« 4>^
Theologen »ehen die Seligen atle» m Golt, vgl. Kirthentei:. XI', 93: I*, 8?8/.
Hör. 176: haec (beatH in ilro perftcle inluenlar.
ä
VerstU dich noch värbaz und \iig, wie du säx känigin des
[ hinielacben landes, die du so herzklich minneet, mit wirdikeit und
I vr6deii obswebct allem himelscbem ber, geiieiget von Zartheit uf ir
geminteD, umbgebeii mit dien blfimen der ruseD und dien lylieD con-
16 vfiUiiim. Lftg, wie ir wiinklicbü scfaonbeit wtinne und vi&d und
waiider pt allem bimelecbem ber. Eya, tö nu ein gesiht, du din
herz und dineii mflt erbüget, und Ifig, wie dii mfiter der erbarm-
beneikeit du ügcn, dil millen orbarmberitigen ögen hat so milleklich
gekeret gegen dir und gegen allen sündern, und wie ge[l Oö'^jwaltklich
rsi schirmt und sünet gegen ir geminten kinde.
Nu kere dich mit den 5gen der iutren verstentnüsse und Kig
'' ocb, wie die hoben Serapbin und die rainnrichen seien des selben
i koreb ein inbrünstiges ufflammen hein aue nnderlaz in mich, wie
die lieehten Cherubin und ir geselscbuft bein einen liecbten influz
und usguz mines ewigen und unbegriffenlichen tiehtcs, wie die hoben
throne und dii schar bein ein niizes röwen in mir und ich in in.
So schowe denue, wie du ilriheit der anderen schar, die heracber,
kreftger und gewaltscber ordeulicbeu volbringeut die wiinklicben
ewigen ordnunge in der allichcit der nature; lag öcb, wie du drit
iBchar der engelscblieben geisten volbringent min hohen botschaft und
rain gesatzd in dien sunderlichen teilen der weit. Ach, nu log,
berz-klicben wünkÜL-h und ungelich di'i gros mengi geordenot
Vel ein sehSne anblik dis ist!
So ker daz Öge hin und lüg, wie min iixcrwelten junger und
■in aller liepsten vn'tnd sitaent in so grozer rflw und ere uf dien
3t. am fiandd BernardUB Al.'Z 6 nu l.ü Al'''tt nii tfi im KK 11 f. am
I *»»■«*! Dyonisius de (in fJ'F') celosü ierarchja EK'^F'Z 12 och fMl F
} lÖ js-vigeu [und| AKKK'H 16 uinl ich in io fthll F' ich io im vJ 17 sei
J^etiS-wtc — 23 anblik dis ist fehlt AK drifaltilteit FF' 18 ordunlicliet F'F
" und in. gcsiiK<l fflUt E 2:2 wfmkliclien Ea
2 ff. Bernardm, «ermo I in Axsumpt. B. V. Mariac und snmo in Nativ.
Äntterdem ist der ViUi Kap. 30 llll,lS) tÜitrU Alitrhäli'jmhymnm
"•****(. 3 Hohe!. tt,ö. 4 Ebd. 3,1 lAnli/ikon btim Magnifikat m drr
f 0««« t poH Mariü Himmt\fahn nach dem Dominilianerbreokr). 8 ^'gl.
B Begina: illos tuog müericordM ovitlor ad ttn» convtffr. 9f. Hör. I. q.:
« imperitm» H p'iltnter omnibiis imprrat, miifros defmdit H rtos mtonciliat,
[ ''s*- Birnardw/, »ermo iii Naiie. B. V. Mariae ii. 7; »trma ä in ftutii Pentec. n. 4.
1 1 ff. Dionynina, De cotl. Ai«c. c. 7 ff. Vgl. Pkilakthct, Dante, Note IM tu
G<**Hijf iW d^ls PaiadiMt» (III, 34Hß.l. 12 Vgl. Anm. eu 343,6.
17 ff. Die iieeitt (Hermehafteit, GtiralUn, M/Itihtt) '■eiic. dritte fFOrtttnlümei;
i^etnytl, Enget) Uierarfhie. 24f. Hör. 96: ajioMoli et amici mti prateipui.
244 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. Xu.
erwirdigen rihtstulen, wie die martrer schineDt in iren risenroten
kleidern, die bihtere iuhtent in grünender Schönheit^ wie die zarten
jungfröwen glenzent in engelscher Interkeit, wie alles bimelsches her
hin vlüsset von götlicber süzikeit. Eya, wel geselBchaft, wel vrftlich
lant! Gesach in got^ daz er ie gebom wart, der iemer hie wonen sei! 6
Sibe, in dis vatterlant vüre ich ze base min lieben gemahel
ander minen armen von dem eilende mit der hohen richeit irre
riiicben morgengabe. Ich zier si inwendig mit der schönen wate
des Hechtes der glorie, daz si uf erbebt ob alle ir natürlichen
mngentbeit. Si wirt uswendig gekleidet mit dem geklerten libe, der 10
siben stant liecbter wirt denn der sannen scbin, schnei, kleinfug und
anlidig. Ich setze ir nf ein wankliche guldin kröne, und dar uf
ein guldin krentzli.
Der diener: Zarter berre, waz ist du morgengabe, und waz
ist da kröne und daz gemeite krenzliV 16
Entwürt der Ewigen Wisbeit: Du morgengabe ist ein
offenbares schöwen des, daz du hie allein gl5best, ein gegenwärtiges
begriffen dez du hie dingest, und ein minneklicb lustliches niessen
des, daz du hie roinnest. So ist da schön kröne wesentlicher Ion,
aber daz gemeit krenzli ist zfivallender Ion. 20
Der diener: Herr, waz ist daz?
1 ewirdigen E^ en^idigen A wirdigen J'' ewigen F^ 4 hin vlüssent AK
wel ein ges. AKaKH 6 daz E^FF^ 7 von dem eUende u. m. armen E^
9 ob] über AKaF^ 10 so wirt ai F gekleid] gekleret AK 12 guldin]
gemeite F^ 16 am Hände Thomas EE^F^Z 18 des das K, das von aii-
derer Hand Z 20 aber — Ion fehlt F
1 f. L. c. : martyres ititilant roseo colortj confessores radiatU igneo ful^
fjore^ virgine^que emicant niveo candore. An den Festen der Bekenner gc^
brauchte m<in im Miiielalier in manchen Diözesen yrüne Paramente, vgl.
Kirchenlex. JF*, 1230. 9 liecht der glorie. lumen gloriae (vgl, Ps. 35, JO)
= übernatürlich verliehene Fähigkeit zur Atischauung Gottes {Kirchenlex. /*,
881 ff.: vgl. iJenifle Bvga XXXIXy 208). 11 Eigenschaften des verkläfien
Leibes sind nach den Theologen: clariias, agilitaSy snbtilitas, impassibilitaa ;
vgl. Comp, iheol. verit. VII, :J6: Kirchenlex. r\ IfJOOf. 12 Vgl II Mos. 26,25.
16 if. Thomas, In 4 Sent. dist. 40 q. 4 a. 5 (vgl 6\ Th,, Suppl q. 95) handelt
von den dotes animae: visii), dilectio (bei Stuse comprehcnsio), fruitio, tcelche
den theologischen Tugenden des Erdenhbens €ntsprech(.n. Vgl auch Comp, iheol.
verit. VII j 24 ff. 19 Uor. l. c: per coronam auream praemium intfllige
essentiaUj per aurtolam vero }/raemium accipe accideniale : vgl. Thomas, In
4 Sent, dist. 49 q. 5 a. 1.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. Xu. 245
Entwart der Ewigen Wisheit: Zftvallender Ion lit an
sonderlicher vröde, die du sei gewinnet von sunderlichen und erwir-
digen werken, mit dien si hie gesiget bat, als die hoben lerer, die
starken martrer und die reinen jungfrowen; aber wesentlicher Ion
5 lit an scfaöwlicher vereinunge der sele mit der blosen gotheit, wan
e gerüwet si niemer, [106'] e si gefüret wirt über alle ir krefte und
magentlieit, und gewiset wirt in der personen natürlich wesentheit
und in des weseus einvaltigen blozheit. Und in dem gegenwurfe
vindet si denne genügde und ewig selikeit; und ie abgescheidner
10 lediger usgang, ie vrier ufgang, und ie vricr ufgang, ie neher ingang
in die wilden wüsti und in daz tief abgründe der wiseloson gotheit,
in die sü versenket, verswemmet und vereinet werdent, daz sü nüt
anders mugen wellen, denn daz got wil, und daz ist daz selb wesen,
daz da got ist, daz ist, daz s6 selig sint von gnaden, als er selig
15 ist von natur.
Eya, nu hab uf vr6Iich din antlüt, vergisse ein wile alles dines
leides, verkül din herz in diser vinstren stilleheit mit der lieben
geselleschaft, die du so t5genlich schöwest, und lüg, wie rosenrot^
wie durwünklich du antlüt schinent, du hie so dik schamrot durch
20 mich wurden. Hab uf ein wolgemütes herze und sprich also: „wa
nu du bitterlieh schäme, die üwer reinen herzen so gar durchtrang?
Wa da geneigten höbt, du nider geworfenen ogen, wa du vertruckten
2 sunderl. froden E^ 2 f. ewirdigeu E^ 3 hohen 1. — 4 und die
fehlt AK 4 Ion — 5 schowl. feMt F 10 und ie v. ufg. fehlt F [und] ie
frier [ufgang] E^ 11 und [in] ÄKE 12 am Bande Bernardns ad fratres
de monte (Dei E) EE^F'F^Z 13 wesen — 14 daz ist fehlt AK 16 din
frolich antlüt £'
Iff. Hör, l, c, wöi'tlich nach Thomas l. c: accidentale pramiium (Thomas:
aureola) est quoddam gaudium de operibus a se factisy quae habent rationem
victoriae excelletitis. Zur Sache vgl. Comp, theol, verit, VII, 29 f.; Blume der
Schauung bei Preger 11,430: Kirchenlex, l'\ 1696 ff. 4 f. Hör. l. c. wie
Thomas: praemium essentiale consistit in perfecta coniunctione animae cum
Deo (Thomas: ad Deum)^ in quantum eo perfecte fruitur ut viso et amato per-
fecte* 10 2/. c; quanto nunc perfectius temporalia cuncta reliquerit, tanto
liberius ad contempkUionem spiritualium consurgit. 11 wilde wüsti der
gotheit, vgl. Strauch, Marg. Ebner 301, A, zu 76,18: Denifle im Archiv II, 456.
12 ff. Guigo Carthusiensis, Epistola ad Fratres de Monte Dei II, 3 n. 16
(inter opp. S. Bern. ed. Mabillon III, 204, Venetiis 1781) : vgl. Bernardus, De
dil. Deo 15 n. 39. Die Lehre von der deificatio ist in Kap. 5 des Bdw aus-
führlicher behandelt. 17 Hör, 99: in hac quietissima pausatione iocundissi-
fiM4 soci$tatis.
246 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. XIL
berzleid^ die inneklichen 8Üfzon und die bitterlichen trehne? Wa du
bleichen antlüt, du groz armut und gebi*esten, wa nn du erbermklich
stimme: „ach herr, owe got, wie ist mir so herzklich wel" Wa alle, die
üch versmaliten und vertrukten? Wan h6rt nit me: „wol her striten,
wol her kcmphcn^ wol her vehten!^ nacht und tag, als der an die 5
heiden vihtet. Wa nu, daz ir inwendklicb ze tusent malen spracbent
in gegen würtikeit der gnade: ,,bist du bereit vesteklicfa ze stenne
in gelasi^enheit?^ Wan b6rt nüt me den kleglichen eilenden rfif,
den ir do tatent: „owe herr^ wie bast du mich gelassen!^ Ich h&re
minneklich erklingen in uweren oren: „koment ber zfi mir, min lo
geminten, besitzent daz ewig rieb, daz üch bereit ist von nngengc
der weite." Wa alles liden, leid und ungemacb, daz ir uf ertrich ie
gewunnentV Owe got, wie ist daz alles als ein trom scbnelleklich da
bin vor gevarn, als ir nie leid gewunnint! Wafen, zarter got, wie
sint dinü gericht so gar verborgen der weit! Eva, ir uzerweltcn, e» 16
ist nüt me in die winkel sich gan verslieffeii und verbergen vor der
andren unsinigen tobiieit. Owe, wcren doch ellü berzen ein herz,
sü könden nit überdenken die grozen ere, die unmessigen wirdikeit,
[100^] daz lob, die günlicbi, die ir iemer und iemer haben sont.
0 ir hinielfürsten, ir edlen küng und keiser, o ir ewige gotteskinder, Sü
wie ßint üwcr iintlütte so wünklich, üwer herzen so vrölicb, wie
haut ir einen so hohen mftt, wie erklinget üwcr stimme so vrölich
diz gesang: ^eya, oya, dank und lob, heil und selde, gnad nnd
wünne und iemer werendü cre si im geseit von ewen ze e>ven von
allem gründe unsers herzen, von des gnaden wir dis alles iemer 25
eweklich besessen haben!-* Sili, hie vatterlant, hie ganzes rftwen,
hie herzeklich jubilieren, hie grundloses, iemer werendes loben!
Der dien er: Owe wunder ob allem wunder! Ach grundlose«
gftt, waz bist duV Eva, zarter, uzerwelter. minneklieher herr, wie ist
hie so gar gut ze siime! Owe, min einiges liep, laze uns albie 30
beliben !
Kntwürt der Ewigen Wisheit: Es ist nit hie blibens
noch ; du müst noch mengen kirnen strit durbrechen. Dise anblik
2 im fv/ili AKI:F' G inwendi^^ Jh? 7 bereitet AK 8 eil. klegl. A*»
13 [als] i'iii AF iü gan vrrs. und fehlt AK 18 verdi-nken A 23 diz
jresang ß'/dt J'' seldi^ fchll K 24 und zc ow. AKF 29 uiinnekl. fehlt ^'
30 alle hit; Fa
9 MattfL 27,46. 10 f. Maüh. :>öjciJ. 14 f. Hörn. llyiS,
23 ff. Apok\ 7\n\ 30 f. Maith. 17,4.
ISfi^em der Swigen WMäheuTK^^m^^^^^^^gi?
igt dir allein gez&iget, daz du dar einen geswinden ker kunnoat tbn
in allem dinem lidenne, — 8ih, so kanat du niemer erzagen, — nnd
vergissest alles dins leides, und ze einer antwurt der klage der nn-
verstandnen menschen, die da sprechent, daz ich ea Abel gestalte
5 minen vntnden. Nu lüg, wel unglicheit ist zwäschent miner und
dia zites vräntscbafc, und wie ungelich wol ich es minen gründen
gestatten nach der warheit ze nemenne, — ich wil geswigen dez
grozen kumbers, der arbeiten and menges sweren lidens, in dem sü
Bwimment und wehtent nacht und tag. denn daz sü also geblendet
10 sint, daz su es nit verstaut. Es ist doch min ewigä ordenunge,
daz ein ungeordnetes gemiit im selber ein marter und ein swerA
bfiz ist. Min vründe heiu liplich nngemacb, und hein aber herzen-
rftwe; aber der weit vrände süclient liplich gemach, und gewinneut
herzen, sele und mfltes nngemach.
15 Der dicner: Herr, sä sint unsinnig und t6big, die din waren
vriintscbaft und der valschen weit iemer zesamen zellent, dar nmb,
daz du wenig vründen hast, — wan daz ist ir grozen Idintheit
schulde, — und die von keinem liden iemer me geklagent. Owe,
wie ist diu vetterlichü rüte so minneklich! .Selig ist der, vor dem
20 du sie nie gespnrtesti Herr, ich sich nu wol, daz liden [lOT] nit
knnt von bertikeit, es kunt von minneklicber Zartheit. Nieman
spreche me, daz du dincr vruiiden habest vergessen! Du hnst dero
vergessen, — wan du hast an in verKwiflet, — an den du hie liden
sparest. Herr, sft son billich niemer gftten tag, niemer liep noch
^5 gemach hie gewinnen, die du dort beschirmen wilt vor der ewigen
not, und dien du geben wilt die iemer werendeu vrMe, Owe herr,
gib mir, daz dis zwen anbüke von den ogen mins herzen niemer
gescheiden, daz ich diu vräntBchaft niemer verliere.
2 yerzagen AKuK 4 f. minen fr. (i, ^'eet. i,'' 5 wel ein E' 6 es
fehlt £' 9 wettent F vechtent AKaF' 10 am Hand ÄugQBtinnB EF'F'F'Z
11 f. ist »ach marter HZ 12 bSz] liurdi F ung.) erbeit E'F 14 ade]
ser F 16 giizellent Z IS kleinem E 2Bf. vran au den hagt du ver-
Evivelt nach Epareat E' 25 wilt beach. E' 26 not] mEtrler E' du dort Z
die feiM AF 28 veri. ameo f '
3f. Ygl. oben Kap. 10. 8 aä = dit f\tHnde düner Zeit. lOf. Aagu-
Btinu», Cotif. I, 13: iustiati eni'rn tt kic esl, ut poena sita tibi sit omnis itiordi-
natiis animita. 19 Vgl. Spriehto. 3,13. 27 snen anbllke , der Hölle
und des Himmelt.
248 Bttchlein der Ewigen Weisheit. Kap. SHI.
XUI. Kapitel.
Ton unm essiger edli zitliches lidennes.
Zarter harre, nn sag mir, weles liden meiDest da, daz da so
inneklich nütze und gut ist? Und wie beger ich so herzklich, das
da mir da von me sagest, ob du mir es zu sendest, daz ich es 6
lieplich and vrölich als von diner vetterlichen band enphahei
Entwärt der Ewigen Wisheit: Ich mein ein ieUiches
liden, es si willeklich angenomen oder unwilleklich zA gevallen, da
echt ein mensche nsser der notdarft ein tugent machet, daz er ein
ane minen willen nit wölte ledig stan, und es ordnet in min ewiges lob lo
mit einer minneklichen demütigen gedultikeit; und so es ie williger
ist, so es ie edler ist und mir ie genemer ist. Sich, von derley
liden so hör me, und schrib es in den grünt dins herzen, und hab
es ze einem zeichen vor dien geistlichen ögen diner sele.
Min vvonunge ist in der reinen sele als in eiroe paradys aller 16
Wollust; dar umb mag ich nit liden, daz si mit liebi oder luste of
kein ding valle. Si ist von natar geneiget uf schedlich wollust,
dar umb verdürne ich ir die straze, ich bestecke ir alle luckan
mit widerwertikeit, es si ir liep oder leid, daz si mir nit endrünne;
ich beströwe ir alle wege mit lidenue. daz si niene den vüz ir herz- 20
lustes kunne gesetzcn, denn in der hoheit miner götlichen natur.
Sihe, weren ellü lierzen ein herze, sü enmöbten nit getragen in zit
den minsten Ion, den ich geben wil in e>vikeit umb daz minste liden,
daz ein mensche von minnen dur mich lidet. Daz ist min ewigü
ordnuuge in aller der nature, der ich nit ab ^an: waz edel und göt 25
ist, daz müz sur erarnet werden; der da belibet, der belibe. Vi!
ist der gerüften, weni^ der uzerwelten.
Der dienen Herr, es mag wol sin, daz liden ein unmessiges
gut ist, da es nit auc niaze ist, und da es nit als gruwlich und als
3 d. diener F^Ka da fehlt E'F' 4 ^Qt u. n. L' 6 frolich u.
1. E' 7 am Rande l^bomas in Scripto KF'F'llZ 10 led. wolle AKEF'
11 f. willijrer ist so es ie fehlt AK 12 und] so es AK 16 oder mit Ir'a
18 und [ich] best. K^ 201*. niene nach licrzl. AKaE^ 21 denue /Mi< K
24 f. am Rande Jeronimus in epistolis EE^F^F-HZ 29 da (eweites)'] daz K
7 Thomas, In 4 Sent. dist. 15 q. 1 a. 4; q. ;> ad J. 13 f. Vgl. V Mos,
6M ß\ 18 V(/L Oseas Hiß. 25 f. V<il. Ifieront/muti, ep, 58 ad Paulin.
(Migne^ Fair. Lat, 22,586) : nihil sine magno lahore vita dedit mortalibus
(Horat., 6'at, /, Uy59). 26 f. Matth. 20,16.
ungehört ief. Herr, du erkeDoest [107"] allein ellü verborgnü ding
Qnd hast eltä ding in zal und in masBC geschaffen; du weist, daz
min liden über alle maese int, es ist ober alle mine kraft. Herr,
ist iciiian in aller diser nelt, der pinliubrü liden die steti hat> denn
5 ich, daz ist mir unenphintUch. Wie sol ich su erliden? Herr, gebist
du mir gemeinii liden, die ni6hti ich erliden; ich ensllie nit, wie
ich dii vrömden liden, dii sn verborgenlicli min sei und roinen mfll
engent, dii du allein ze gründe erkennest, iemer niuge erliden.
Eutwürt der Ewigen Wiebeit: leder siech wenet, daz
10 im aller wirst si, und teder dürftig, daz er der aller crmst Bi. Hetti
ich dir endrü liden gegeben, es were daz selb. Gib dich vrilich iu
oiinen willen in allem lidenne, daz ich von dir wil, ane alle us-
genomenheit ilez oder dez lidennee. Weist du nit, daz ich uAwan
din aller bestes wit als vriintlich als du selb selber? So bin ich du
15 Ewig Wisheit und weis bas, waz din aller bestes ist; so macht du
des enphunden han, daz mintt liden vil naber söcheut und tiefer
gant und balder tribent denne eliü angenoinnü liden, der in rebt t&t.
Wes klagest dn denne? Sprich zu mir also; „min aller getniwster
v;itter, ti'i mir überal, daz du wilt!"
■20 Der diener: (>we herr, es ist als lieht ze sprechenne, aber
du gegenwürtikeit ist als mülich ze lidenne, wan es tQt als rebt we.
Entwürt der Kwigen Wisheit: Teti liden nit we, eo
hicsse CS nit liden. Es ist nüt piulichers denn liden, und ist nüt
vrolicfaers denn gelitten han. Liden ist ein kurzes leid und ein
iJ5 langes liep. Liden tut dem liden liden ist, daz dem liden nit liden
wirt, Hettist du als vi] geistlicher siizikeit und götliches trostes und
Wollust, daz du ze allen ziten hin flussest von dem bimelsciien tfiwe,
\ 4 in a. li, weit fehU AK 8 augoiit 1' 12 wU haben AKa 16 dir
: diu beste £.' 16 enpltnüeu i^' 23 müat uüt piolicber AKK' und [iet]
; AKE 25 liden tht — 26 wirt fehlt F 26 du] doch A''
' 2 Weiih. 11,31. 7 Vgl. Vita K. 21 a. S3. 17 trilent «u Gott: an-
] genomnü 1. = aclbitgeieäldte Leidtn. 18 f. V'nl. Matth. :>e,43. 21 Hör.
I 119: tribulatioHum prettKnlium eaci'a nulntra «unf valde a/ßictiva.
I 23f. i'cAAart 4S3,36 f. gang wit Seust, vgl. 443^5ff.! 434,^} aber tagt
Kekbart: allin ir (der Tugtnd) nilikeil i«t liden dur yot, ntVit geUten Aän,
I Wtittrt AuBiiprüche dir Myatihtr über Wert und Bcdrutung des Leidens bei
Strauch, Marg. Ebnir äS7 /., Veniflt, Da» tieisil. Leben "1860,301 ff.
I 24 f. Hör. l, c: brevem habet amaritudinem tt longam eonsolationem : fre-
', quene Iribvtatio conauetudin* tandtm vincitttr, ut tarn guati non eeae tr^ulaCia
\ aul levis eave ridtatw.
250 Bttchlein der Ewigen Weisheit Kap. XIU.
du were dir nit als loDber an ir selber; wan ich hetti dir von der
aller sament nit so vil ze dankenne, si machti mich nit dinen
Bchnldner als vil, als ein minnriches liden oder ein gelazenheit in
hertikeit, in der du mich von minnen lidest. Es sint e zebnA nmb
geswenket in grozem luste und vrölicber suzikeit, e eins nmb swenke 6
in emzigem lidenne und widerwertikeit. Hettist du als yil kanst
als alle stemseher, köndet du als wol von gotte sprechen als aller
menschen engelslichen zungen und hettist aller meister [108']
kAnstigen richheit, daz enkönd dich niht als vil ze einem gftten
leben gefbrderen, als ob du dich in allem dinem lidenne got kanat lo
geben und lazen; wan daz ist g&ten und bösen gemein, aber dis
ist allein miner uzerwelten. Swer reht könde gewegen zit and
ewikeit, der s<i lieber wellen hundert jar in eime vArin oven ligen,
denn des minsten lones umb daz minst liden wellen enbem in
ewikeit; wan daz hat ein ende, diz ist ane alles ende. 15
Der dien er: Ach suzer, minneklicher herre, wel ein suzes
harphen dis ist einem lidenden menschen! Herr, woltist du mir
also minneklich psalterjen in minem lidenne, so w61t ich gern liden,
so were mir baz mit lidenne denn ane liden.
Entwürt der Ewigen VVisheit: Nu h6re daz süz seilen- 90
spil der zertenneten selten eines gotlidenden menschen, wie rilicb es
d6net und wie süzklich es erklinget.
Liden ist vor der weit ein Verworfenheit, und ist aber vor mir
ein unmessigü wirdekeit. Liden ist mines zornes ein erlöscherin
und miner hulde ein erwerberin. Liden machet mir den menschen 25
minneklich, wan der lidende mensch ist mir anlich. Liden ist ein
verborgen gflt, daz nieman vergelten kan; und daz ein mensch
4 am Bande Bemardus EE^F^F^HZ 5 umbgeswenke A 8 he-
tistu E^ 9 künftigen (!) F 10 kanst got ARE 14 umb] und K
wellen radieH Z 19 denn a. 1. fehlt F 26 angelich E 27 f. am Bande
In vitas patrum EE^F^HZ
4 Von dem got liden spricht Eckhart öfters j so 4,14: 15,24 ff,; 16,3,
Vgl, Har, l. c; totum te deo in omni irihulatinne committere. 4 f. Ber^
nardus, De consid, II, 13; sermo 2 in dorn. Palm. n. 3. 6 ff. Her, h c; «t
in astroloyca disciplina florti'es et omnium liberalhnn artium secreia pene^
(rares, si admirahilis in omni sapientia appareres^ si cunctos rhetores et dialec^
ticos facundia et argutiis praeires etc. 18 psalterjen {Hör. 120: psallere)
= Psalmen singen, auf dem Psalterium (jysalterje, psalteri, eirie Art Harfe, ähn-
lich dem späteren Hackbrett; vgl. Bild 12) spielen; vgl. Lexer II, 304: A, SdmUg,
Hof. Leben I\ 653: H, Faul, Grundriss der german. Philol. III-, 572.
26 Hör, l. c: Christo passo aesimilatur.
BÜcWein d«l
ibeit.
261
Inuuiuit jar vor mir knAweti umhe ein vrtintliclice liiJen, cb wi
nnverdienet. Es machet iizzer einem irdenschen menschen einen
himelschen meneclieD. Lidcn lirioget der weit vr&mdi uad git aber
min emzig hctnlichi. Es mincet vi'ünde und m(^ret gnade. Er totz
5 gen/lieh verloggcnt und gelnzen werden von aller der weit, dez ich
mich vrlintlich underwinde. Es ist der Bicberiitc weg und ist der
kürzest und der nehste weg. Sich, swer reht wüsti, wie nütz liden
ist, er s<t es als ein werde (;abc vnn gotte enphahen. Eya, wie
ist so iiicnig menscli, daz ein kint wnz des ewigen lödes und ent-
lu schlafen waz den tietfen schlaf, daz duz lidcn liat erkicket und er-i
mftndert in ein gut leben! Wie ist so meng wildes tier und unge-
zeintes v&gclti, daz mit emzigem Hdenne in geschlossen ist als in ein
kevi, der im stund und stat lieeai, wie es siner ewigen sellkeit
endrunni! Liden behütet vor aweren vellen, es machet den menschen
15 sich selber erkennen, in im selben bestan, siuem nehsten glfiheu.
Liden behallet die Bcl in demi'itikeit und lerct gedultikeit; si ist
ein hüterin der reinikeit, si bringet die kröne ewiger selikeit. Es
mag kume dekein mensch sin, er euphahe etwaz gülcs von lidenne,
er si in gebresten [lOH'] oder in eime anvange oder zQuemennc oder
^0 in volkomenheit, wan es l'iirbet daz iscn, es lütret daz gold, es
zieret daz edel geeraide. Liden daz leit sünd ab, es minret daz
vcgfür, vertribet beknrunge, verswendet gebresten, ernüwret den
geist; CR bringet war zhversiht, ein Inter gewissen und steten hohen
mßt. Wüssist, es ist ein gesundes trank und ein heilsames krat ob
26 allen krütern des parndyses. Es kestget den IIb, der doch falen
mftz, und spiset aber die edlen sele, dii da eweklich bliben sol.
8 bim. [menselieiil Ali git aber] bringet Z 4 vrundpj sfmde F
G sich.] schieroHt J-'' und [ist] E'I'r^ 7 iiühal« |weg] A reiit. fMi Ah'
14 T. swerem willen A' rtoii] die A 15 inj und AKE'P 22 und vertr.
AE'Z
2 fF. Hör. 131: hfniiitiem vamahin J'aeit »fiiriiuaitm, ... mundi Awi'u«
ipxQ ilritiulatiol gtruirat tknerttinKin, ted liivinam paril familiarifatfin, ,..,
ipaa esl arta via atä ßecura « cowptndioaa dacens ad vilam {vgl. Eckharl 493Ji3).
11 If. Hör. 1. 1. : o quol »unt in mundo eajitim, qui per manun lätigtimi vtlut
animalia imlmmta et aviculae incaeealae tribulationibu» »« jtrrmeHtibiu inchwi
ttntHlur, quibuä ti fricultn» adenget, olifi regoluli a tiatu diffugi:rtnt propriat
aalutinl 15 L. c: humiUler in stipao eotisiattre ac limgre, . . . proximo
patienti eondegccndert. 16 f. si buxieht ticli ,iuj' gedullikeit, 20 f. ieeD
SS die kündige, gold ^ die an/angttide und forlrehreilende, gumide ^ i^i« Volt-
iamtiitHe Stele. 22 vcinwt'odct gebrcBten ^ titinguil carnulünttm fHor. 133).
252 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XTTT.
Sihe, du edel sele trujet von lidenne, als die schönen rosen von dem
süzen meient5we. Liden machet einen wisen mfit und einen ge&bten
menschen. Ein mensch^ der nit gelitten hat, waz weis der? Ljden
ist ein minneröt, ein vetterlicher schlag miner nzerwelten. Liden
zAhet und zwinget den menschen z& gote^ es si im lieb oder leid. 6
Der sich vrölich in lidenne haltet, dem dienet lieb nnd leid, vrftnd
und viende. Wie dik hast du dien anzennenden vienden isninä
gebiss in geschlagen und sü unmechtig gemachet mit dinem vrölichen
lobe und senftmütigen lidenne! Ich schüfe e liden uzzer nAti, e ich
min vründe ane liden liezi; wan in lidenne werdent alle tngent 10
beweret, der mensch gezieret, der nehste gebessert, got gelobt 6e-
dultikeit in lidenne ist ein lebendes opher, es ist ein suzzer smak
dez edlen baisamen vor minem götlichen antlAt, es ist ein nf tringen-
des wunder vor allem himelschen here. Es enwart nie kein so groz
kaphen uf einen wol turnierenden ritter, als alles himelschea her 15
kaphet uf einen wol lidenden menschen. Alle heiligen sint eins
lidenden menschen crcdencier, wan sä hein es vor wol versftchet
und rufent mit gemeinem munde, daz es aller giflt ane ist und ein
heilsames trank ist. Gedultkeit in lidenne ist gr6zer denn toten
machen uf stan oder andrü zeichen tftn; es ist der enge weg, der da 20
rilich tringet hin ze der himelporte. Liden machet der martrer genoz,
es füret hine daz lob, es füret hin den sig wider alle viende. Liden
kleidet die sele mit röslim kleide, mit purpurvar; si treit der r6ten
rosen schapel, dez grünen palmen zepter, si ist ein us glenzender
rubin in eime jungvröwlichen vürspan. Si singet vor in ewikeit 25
mit süsser stirome, mit vricm mfite einen nüwen reien, den aller
cugel schar nie gesingen konden, wan sü dez lidennes nie befunden.
Und daz ich es kürze : die lidenden hcissent von der weit die armen,
und heissent aber von mir die seligen, wan sü sint min nzerwelten.
1 trüget FF^H trugeti Z 2 suzen] liehtcn J'^^F^ 4 ein minner.
fehh AK 6 der — leid feldt F lidenne] dem A 12 ein leb. o. es ist
fehlt A 16 f. eins w(»l lid. E^ 19 am liande Gregorius in dyalogo E^F^F^HZ
29 sint von mir die usenv. E^
1 trfijen (Lt.v. 11^ 1587) = gedeihen {Hör, l. c; saginatur), 3 Sifneh
34y9. 7 If . Vgl. Vita Kap, :29. Hör. /. c; inimicift fremim ftileniii impoauitti,
14 L. V. : totam coelestem curiam in admirationem suftpcndit, 19 Greg.,
Dial. If 'J: tgo itiini virtuiem patitntiae 8ignif< tt miracuUa maiorem credo.
23 f. Die roteti Rosen sind Zeichen des Leidens, der Palmawaig Syntbol den
Sieges (Apok, 7,9),
* °SSoS3ein3flr*fiSigän' WöMÜeitr^figf, .
[lOO'J Der dienen Eya, wie schinet so wol, da/, du du
Ewig Wishelt biet, daz du so inueklichen wol die warheit kanst ze
veide bringen, daz nieman dar an lian uoh mag gezwiäen! Es Ut
nit wunder, daz er lideo mag erliden, dem du Hden also kauet ge-
5 lieben. Herre, du hast mit dinen siizen Worten gemachet, daz mir
I nit allein alles liden iemer deste lidiger und deete vrÖlicher möz
I ein, hcrre mine und getrüwe vatter, ich kniiwen hüt vor dich, acb,
und loben dich inneklichen nmb gegen würtiges liden und ocb nmb
da vcrvarnen unmezigeu liden, da mich do so groz duhten,wan8ä
I lu so vientlicb lubten.
1 Du Ewig Wisheit; Wie dunket dich aber nu?
I Derdiener: Herr, roicli dunket daz eigenlicb: wenn ich dich,
I mins herzen wunklichen Agenweide, mit lieplichen ögen an eihe, daz
du starken grozen liden, mit dien du mich als vetterlich hast geübet,
15 von dero angesiht an mir dennoch diu frunien vründe erschraken,
da/ dii ellö sien geweeen als ein eüzes meientowe.
^^^^ Do der selb bredier bäte an gevangen von lidenne zc schri-
I benne, do waz im vor in der selben wiee, als och vor an geschriben
I etat, wie db selben zwei menschen, du in liden nnd in betrübte
■ 20 waren gesin, vor im sessin, und begert ir einä, dnz man ir pealler-
jeti. Daz enpbieng er unwertlich utid meind, es were ungeistlich.
Do wart geaproeben, daz ir begirliches psalterjen nit ungeistlich
Und do zehant do waz ein jnngling da, der bereite uf ein
2 innekl.] nj inneklichen A, fehlt F.' kanst il. w, Z 8 Am iin nach
mag K'F' 6 lind d. vrSl. fthU AKa 12 d. dieui^r fehlt i? de« FHZ
14 groBseii Btoirkeii S 15 diu) die E' IG gaw. aieii i,"' 18 vor lanj £'
19 und {inj E'F'
2 Hot: 133: vcHtatoK agnitam meilifiun qaodam aapofe et euavittima
eruclatione ad luctm proäucis. 9f. L. c: giiia ex hosläi neveritate prodire
putabantar,
16 In AKJiWB' (in a tum Teil schon nach Vita Kap. 3i) tin Süd:
obrn dvr Diener vor dtiii gekrtusigten Christus und dtm Jtsiuhind ewÜKheu
Bosenheeien. unten der Diener mit dtm Ptalieritim vnr dent g»gei»aelttn Heitand,
recht» die iteei liidmden MtMchen (Abb. 12 nach A Bl. lOÖ"),
17 der seil) bredier = Seilet. 18 In Prolog des Bdtw: vgl. auch Bor.
111 Mnd 13.
254 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XIV.
psalteri, und do er si gereiset, do spieu er die zwen vedem Aber
die Seiten in kräzwis and gab si dem brüder in die band, und do
hüb er an %c spreehenne von lidcnne:
XIV. Kapitel.
[IIO'J Von unsäglicher güti der betrahtniige des götUehen 5
lidens.
Der dieuer: Herre, gewerliclie, es ist vor allen berzen ver-
borgen daz grundelos güt^ da% man in dinem liden vindet, der dem
zit und stat git. Wafen^ wie ist der weg dines lidens so gar ein
geweres pbad dar den weg der warheit hin ufden höbstcn tolden 10
aller volkomenhcit ! Wol dir, edels lieht uuder allem himelschen ge-
stirne, Paule, daz du als hohe werd gezogen und als tief in gefi&ret
in die verborgnen togni der blozen gotheit, da du heilest die tiellisn
worty die nieman gespreehen mag, und dir doch daz selb minnek-
licb liden ob im allem so süzklieh ze herzen gieng, daz du spreche: 16
„ich enkan nit denn Jesum Üristum und den also gekruzgeten.*
Gesegnet siest du 5cli uuder allen lerern, süzer herr sant Bern-
hart, des sei so durluhtet waz mit dez ewigen wortes blozheit,
und daz diu süzu zunge so süzklieh us towet von einem vollen
herzen daz liden siner menseheit, do diu miunendü sei sprach: „daz 90
gebliiinet minenbusehelli des bittren lideiiues mins geminten herren
hnl) ich minneklich gevasset entzwusehent minü brustlu und zärtlich
geiieiget enmitten in min herz. Ich ensficlie nit als du gemabel,
\Va er umb dtMi mitten ta^ rfiwe, den ieh enmitten in minem berzen
umbevahe. Ich enirage nit, wa er umb den mitten tag werde ge- 85
spiset, den min sei so minnklich an dem kruz an blikct. Ena ist
wol hoher, aber dis ist sir/er und bereiter. Usser dem minneklichcn
1 [dir] zwen E J f. über die s. fvhU K 7 der clieiuT dufchstr, £*,
fehlt H 8 f. dem e zit A \) ein so lirnr) 7v'7''" 12 werd] were A
M) am Haiiih P:nilu8 KE'F'F'llZ P.» Aaa fehli K' 11 20 f. am Rande
!>«'iiiardus siiprr eaiitiea AKF^ F' HZ 27 (lriii| di>«'m AKF
1 i»salt«^ri, TV/Z. ohin .?.v>,2.s. 181. Jl Kur. i:jj. lü / Kor. L\:i\
17 tV. Nor. 1:^4: siinHiti.r et tu, roeifstis ß/ft/ln, sntiritatt' scrmoiiin dah'itcr
jteronuitn ntfjuc rtrhi a-.trrni iiirinissimfi imtiestotc il/minnnta. hcnthshne Hetfi'
hanifj tili V(.rhnm inctwuntuni (( nt rnwc sttspcnsmn tnm flulcit.r napiihat etc.
20 11. Jientaniits, ^cnno 4o tu Cuut. ( l.l.'J) ?i. 4 J'rti itcnützt.
lidcnne nim ich ein v&lligee erBetzeo miDs kleinen verdienene. Hier
inne lit min vollkomnü gerechtikcit; di« betrHliten heia ich ewig
Abb. 12.
wieheit, aller kunst volleheit, alles heilee richeit, alles lones ein ganz
gennhtsamkeit. Es truket mich in geliicke und baltet mich in wider*
voll.] vögelli (!) K' i in gel — h. mich fthU F
1 nim |iph] AFZ
L mich nl' ii,' oobbaltet
\
werlikeit; es enthaltet micii eutzwüschen lieb and leid diser well
in rehter glicheit, und behütet mich \ov allem übel in ganzer aieber-
heit. Ich hau dar üb ander stunden enphangcn ein trank siner
bitterkeit, och under wilent ist mir dar us worden ein trank gfitlichee
trostes und geistlicher sunikeit." B
Ach dar umb, süzer herr sant Bernfaart, ßo ist billicb, daz
din zunge hin flüsse von süzikeit. wan din herz mit dem (tÜBseu
iidenne so gar versÜBset vvsz.
Ewigü Wisheit, ich merke hier imie: swer grosses lones nud
ewiges heiles begert, swer hoher kunst und tieft'er wishett begeri, lO
swer glich in iiob und in leid welle stan und ganz Sicherheit vor
allem übel welle han. und ein trank dines bittren lidennes und an-
gewonlicher süzikeit welle enphahen, der sol dich, den gekrnzigeleu
Jesum, ze allen ziten vor den ögen sins herzen tragen.
Entwürt der Kwigen Wisheit; Du enweist nit [110*] IB
recht, waz grozes gutes hier inne lit. Sich, emzigü betrahtnnge
mins minneklichen lidennea machet us einem einveltigen mensclien
einen hoben künstrichen meister.
Es ist doch ein lebendes bftcb, da man ellü ding aa rindet:
wie ist der mensch so reht selig, der es ze allen ziten vor sinen 20
Dgen bat und dar an studieret ! Waz mag der wisheit und gnaden,
troBtes imd süzikeit, ein ablegen aller gebresten nnd mincr emzjgen
gegen würtikeit erwerben! Und hie von so h6r eine:
Es geschah vor vil jaren, do bat ein brcdier in einem anrang
ein bitterliches lidcn von ungeordneter swermütikeit, dn in ze etlichen %
ziten also überladen bäte, daz es enkein herze möbt ergründen, daz
sin nie bevant. Und do er ze einer zit also sas in der zelle nach
dem imbis, da hat in daz liden überwunden, daz er enmoht weder
studieren noch betten noch nüt gtltes getön, denne daz er also
trurige sas in der zelte und sin bende in die scboz leit, als ob er ^
der zelte w6Ue got ze lobe hüten, wan er ze allen andren geistHchtn
dingen unnütz were; und da er also sas trostlos, do waz im, aU zA
im dise sin vernünftiklich gesprochen würde: „wes sitzest da bicV
11 f. welle vor a, i. E' 16 trro'sen A E gfltes) lones F* 23 oms-
gen Ä aS und — eins fMt AK 24 ein] der selb J-' 27 f. nach d. i.
— 30 in d. mUu fthil Ä ai wolte hüten Za hui. wnlM ?."' andren frhtt F
an als] wie AKa 33 diae sin fehlt F
19 Bor. laß: vttitt qaidam Ubtr vita«. 24 ein bredier = 5««*e f^iM.
dam difcipulns sopüntiae. Hur. 12T). 25 Vgl. Fi/a Kap. 21. 33 Bor.
I.e.: facta e»t ad tum detupcr qaani vox inldleclualü dict
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XIV. 257
Stant uf und vergaug dich in min liden, so überwindest du din
liden!** Und er stünt geswinde uf, wan im was, wie daz reht von
himel were erschollen, und nam her vnr daz liden, und in dem lidenne
verlor er alles sin liden, daz er es in sogtaner wise nieme dar nah
5 enphant.
Der diener: Owe, min sftzü Wisheit, nu erkennest du ellö
herzen^ du weist, daz mir ob allen dingen begirlich were, daz mir
din pinliches liden vor allen menschen ze herzen gienge, und daz
es usser minen ogen einen vliezenden brunnen der bitterlichen trehen
10 nacht und tag hetti gemachet Owe, nu hat min sei ein herzekllch
klag, daz es mir nit als ingrüntlich ze herzen gat ze allen ziten,
noh als minneklich dar nah enkan betrahten, als du, zarte, uzer-
weite, wirdig werest. Dar umbe so wise mich, wie ich mich
halten sule.
15 Entwürt der Ewigen Wisheit: Du betrahtuug nach miner
marter sol sin nit mit einem ilenden übervarne, so man zit und stat
mag han, mer si sol sin mit herzklicher minne und mit einem kleg-
liehen übergenne, wan anders daz herz blibet als unberurt mit an-
daht, als der mund mit unzertribnem süzholze. Macht du min liden
20 nit von der bitterlichen not, die ich leid, mit weinenden ogen über-
trahten, so solt du es aber mit lachendem herzen übergan von dem
vrölichen gftt, daz du dar inne vindest. Enmaht du aber weder
lachen noch weinen, so solt du es mir ze lob in der türri dins
herzen ubergan; und hier inne solt du nit minr han getan, denn ob
25 du von trehen und s&zikeit da hin flussist, wan so würkest du von
minnen der tugende ane ansehen din selbs.
Und daz es dir iemer nie deste baz ze herzen gange, so hör me:
1 stant uf und fehlt F 2 uf geswinde AKa 3 liden unsers herren
AK 7 und [du] weist AKaE 11 klagen AE ze allen z. fehlt AKE
15 nach fehlt E^ 25 und] in AKa und von s. E^F 25 f. am Bande
Bemardus EE^F^F^
3 daz liden, nämlich Chnsti, 25 f. Bemardus, sermo 6 in Quadrag.
n, 7: multo vinlius agunt^ si virtutes ipsas non pro delectatione, sed pro vir»
tutihus ipsis et pro solo beneplacito dei tota intentione, etsi non tota affectione
sectantur. 27 ff. Hör. 127 f. führt Seuse genauer aus, dass die Betrachtung
des Leidens Christi besonders nützlieh sei ad poenam purgatarii diminuendam»
Es handelt sich in dem zunächst Folgetidsn nicht um Vergebung der Sünden-
schuld, sondern um Abbüsaung der zeitlichen Sündenstrafen, welche nach
vergebener Schuld auf Erden oder im Fegfeuer zur satisf actio condigna (Hör,)
abzubüssen sind. Weiter unten unterscheidet Seuse deutlich zwischen Schuld und
Strafe (bäze). Ähnlich wie Seuse Nikolaus von Strassburg (Pfeiffer I, 2B2f,),
H. Seuse, Deutsche Sohriften. 17
258 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XIV.
Min ßtrengü ^^erechtikeit lat kein unrcht in aller [111'] der
natur so klein noch 8o grozes, es müze gebüsset und gebessert wer-
den. Wie söit nu ein grozer sänder, der vil liebt me denn hundert
totsünde hat getan^ und unib ieklich totsünde s51te nach der scrift
siben jar büzen, oder die ungeleisten büsse in dem beissen eitoven 3
dez grimmen vcgfnres müstc leisten, eya, wenn sölte du eilend sei
ir büze vol uz gelcisten, wenne solte ir langes ach und wc ein ende
neraenV Wie wurd es ir so gar ze lang! Sih, daz hat si bebendek-
lieh gebüsset und gebessert mit minem unschuldigen wirdigen lidenne:
si mag als wol in den edlen schätz mines verdienten lones kunnen lü
grifen und zft ir ziehen. Und s61te si tuscnt jar in dem vegfür
brinnen, si hat es in kurzer zit nah schuld und bftze ab geleit, daz
si ane alles vegfür in die ewigen vrode vert.
Der dien er: Owe, min zartü Ewigü Wisheit, daz 1er mich
dur din ^ütin; wie künde ich so gern einen sogtanen grif tön! 15
Entwürt der Ewigen Wisheit: Der grif beschiht also:
I. daz ein mensche mit einem rüwigen herzen als dik und als swar-
lichen wiget die gr6zi und die mengi siner grozen missetat, mit dien
er so berlicbe erzürnet hat du ogen sins himelschen vatters ; IL und
dar nach mit einem vernihtenne der werke siner eigenen bessernnge. 20
wan du sint gezellet gegen den süuden als ein trophli gegen dem
tieflfen mer; III. und denn mit einem huglichen wcgenne der numes-
sigen grozheit miner besserungc, wan daz minste trophli niins kost-
beren blütes, daz da unniesseklich allenthalb us minem minneriehen
Übe vloz, daz vermöhte vür tusent weit sünde besseren; und doch 25
so zühet ieder mensch der bessernnge als vil zfi im, als vil er sich
mir mit niitlidenne gclichet. IV. Und dar nach, daz ein mensche
als demütklichcn und als vlohlichen die kleinheit des sinen in die
grozheit miner bessernnge versenke und verhefte.
l iinir»'ivht AKaKF^ 4 solti bnzcn l? G miizi l'J eya radiert E^
10 \v(»l /•.>/■ kunnen h? 14 am Itande Nota Bernhardus F^ 17.19.22.27 am
linmh 1 II III IV A1:E'Z 18 jrruzen fdtU J? di»^n] dem K^F'Ii 21 den]
(liscn AKa 24 allenth. fdiH AKK 25 bin Hos AA* 26 am Ramh
Tliunuis in tenia parte IJ-^F^F-Z der] des AF 28 dennitkliehe A imJ
a. vlirhl. feliK F 29 iiyZ'/a F'
4 f. Ubtr diese t/wolof/isrhe Mtinuiuj vgl. 'Thmnas^ ISu}ipl. q. 8 a, 7 : Z^ecret,
c. 44 J). L.; f. .) D. LXX XII: R<n/mundus df Feimaf.^ Summa (Paris 172;^ t
L, III tit. :J4 p. 43fjf. 25 Hör. l:^U: pro rrdcmj/tioiu et satisf actione tolius
mundi suffecisset. Zur Sache riß, Thomas^ In S Scnt. dist. i}(t a, 3 ad 4; Ä TA.
3 q. 4(i a. ö ad o. 26 Thomas, S. Th. ,V q. 40 (/. J ad .?, im Hör. li}9 f. fant
trürtUch zitiert.
Büchlein der Ewigen Weisheit, Kap. XV. 259
Und (laz ich dir es kürze, so wüssest, daz alle meister von
zal noch von maze enköndin gerechnen daz unmezig gftt, daz ver-
borgen ist in emziger betrahtunge mins lidennes.
Der diener: Eya, zarter herre, dar umb lazze alle rede
5 underwegen, — ich bin gar verfuret, — und tu mir noch me uf
des verborgen hordes dins rainneklichen lidennes.
XV. Kapitel.
Ton dem minnekosen, daz du sei mit got liate gehebt nnder
dem krdze, keret si sieli wider zu slnem lidenne.
10 Der diener: Du hast mir geoffenbaret die unmessigen not,
die din usser mensch hatte an dem hohen galgen des krüzes. wie
diirmartcrt er waz und umbgeben mit dien banden des jemerlichen
todes. Ach herr, wie stünt es aber [111''] under dem krüze, alder
waz ieman da, dem din klegliche tod ze herzen gienge, oder wie
15 hielt du dich in der not zii diner trurigen müter?
Entwfirt der Ewigen Wisheit: Da höre ein kleglich
ding und daz lazze dir ze herzen gan.
Do ich, alse du hast gehöret, in aller der angst und tötlicher
not stünt vor in uf erhenket jemerlich, do stünden sü gegen mir und
20 ruften mich an mit ire stimmen vil spotlich; sü wegten irü höbter
gegen mir gar smachlich, sü vernihteten mich in ir herzen genzklich,
reht als ob ich ein ungenemer wurm were. Aber ich stund hier
inne vestklich und bat minen lieben vatter über sü minneklich.
Sich, ich, daz unschuldig lembli, wart zft dien schuldigen gelichet,
25 ich wart von ir einem verspottet, aber von dem andren an geriifet.
Ich enphieng in geswinde und vergab im alle sin missetat; ich tet
im uf daz himelsche paradys.
Ach hör ein kleglichs ding: ich lüget umb mich, do vant ich
mich ellendklich von allen menschen gelazen, und die selben vründe,
30 die mir nach hatten gevolget, die stünden verre von mir, min lieben
6 hordes] ordens F"^ 9 keret — lid. fehlt F^ 10 d. diener fehlt H
15 zö] gen F^F 16 am Rande rot wie es under dem krüz umb in stünt EE^F^^
von anderer Hand Z 22 ich es ein AKE 26 und [ich] tet E 30 gev.
hatton ^»
1 f. Alle Arithmetiker und Geometer. 5 verfüret = weggeführt, ah'
geschweift (Hör, 130: digressionem fecitnus). 19 ff. Vgl, Matth, 27,39 ff.
25 Von den zwei Schachern; vgl, Luk. 23,39.4^, 30 Luk, 23,49.
260 Büchlein der Ewi^n Weisheit. Kap. XV.
junger waren von mir geflohen. Ich stftnd also nackent and aller
miner kleider berobet. Ich waz do worden der nnmehtig and der
siglos. Sil handleten mich unerbermklicb, aber ich hielt mich als
ein swigendes lembli senftmütklich.
Ich waz mit herzeleide und mit bitter not umbgeben, wa ich 6
mich hin kerte. Es stftnt under mir du trurig m&ter, and leid ir
mAterliches herz ze gründe alles, daz ich an dem libe leid. Min
miites herz wart da von inneklich bewegt, wan ich allein ir grozes
herzleid ze gründe erkande, ir seneden geberde an sah nnd ini
kleglichü wort horte. Ich tröste si vil gütliche in der totlicbea 10
scbidunge, und bevalh si minem geminten junger in mfiterlicb tr&we
und bevalh den junger ir in kintlich triiwe.
Der diener: Ach min milter herr, wer mag hie enbern, er
müze inneklichen süfzen oder bitterlichen weinen? Eya, min scbönu
Wisheit, wie mohten sü gegen dir süzen lemblin so gar unmilt sin, 15
die wütigen lowen, die miirdigen wolfe, daz sü dich also handleten?
Ach, wafen, zarter got, wan were din armer diener da gesin, daz
ich hetti ellü menschen verwesen, daz ich vür minen herren dar
were gestanden, ald aber mit minera eingen liebe in den bittem
tod were gegangen, oder, w61tcn sü mich nüt [112'] mit minem -20
lieb lian getötet, daz ich den hertcn stein diues krüzes heti mit dien
armen mins herzen in jamer und klag umbvangen, do er von mit-
lidcnne zersprang, daz och min eilendes herz mit im nach dem ge-
minten were zersprungen !
Entwürt der Ewigen Wisheit: Es waz min ewigü ord- 25
nunge, daz ich zc der stunde den kclch luiner bitteren marter allein
litte vür ellü menschen. Aber du und alle die, die mir nach wellen
gan, die verloigen ir selbes, nenien nu ir eigen kruz uf und gangen
mir nach! Wan daz sterben ist mir als minueklich, als ob sfi do
mit mir in den bittern tod weren gegangen. 30
Der diener: Zarter herr, nu lere mich, wie ich mit dir er-
6 hin fehlt I? iiiuler] wider K 11 ^em.] lieben J'? 17 ich diu IT
ich uac/igctraf/en KF^ 18 het tVirwesen 1? 22 u. in klae: AaE^F 26 bit-
teren fehlt F 30 do tot mit ni. K^
3 f. Jir, 11,19, 6 Hm: 131: i<tahat innc inxta crucem filii pen dentis
umtir maestissima etc. Seust scheint die Sequenz 'Stahat mater des Jacopone
da Todi (| 1306) (jckmint zu haben. 11 f. Joh, tU,:^ti f. 21 den herten
fltein. den Feh, in den das Kreuz tinr/erammt war (pedcm cruciSf Hör, l, e,).
23 f. Vgl. Matth. :J7\:j1. 27 f. Maiih. 1(U4.
Büchleiu der Ewigen Weisheit. Kap. XV. 261
sterben sül, und weles min eigen krüz si, wan gewerlich, min herr,
ich ensol nit me mir leben, sider da mir tot bist.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Swenne du dich vlizest
daz aller best ze tünne^ daz du dich verstast, und du denn da von
5 von dien menschen spotlichu wort und smahlich geberde enphahest,
und SU dich als gar vernihtent in ir herzen, daz sü dich da vär
hein, daz du dich weder kunnest noh geturrist gerechen, und du nit
allein vestklich und unbeweglich hier inne stest, mer daz du och
den himelschen vatter lieplich über sü bittest und sü minneklich
10 gegen im entschuldigest: sich, als dik du von minnen alsus dir selb
erstirbest, als dike ergrauet und erblüjet sich min tod an din Swenne
du dich haltest luterlich und unschuldklich, und dinü guten werk
also vertrucket werdent, daz man dich mit wolgevallenne dins herzen
zellet zu dien schuldigen, und du gegen dien, die dich pingent oder
15 diner sün begerent, als behend bist von gründe ze vergebenne alles
daz Ungemach, daz dir ie von in beschah, als ob es nie were be-
schehen, und inen dar zft beholfen und diensthaft bist mit Worten
und werken dur die glicheit mins vergebennes minen krüzgern: so
stast du warlich bi dinem liebe gekrüziget. Swenne du dich denne
20 aller menschen liebes, nutzes und trostes verzihest, denn so vil es
din b&rü notdurft ist: so verwiset din lieblosi alle, die mich do ze
der stunde Hessen. Swenne du aller diner vründe als ledig stast
dur mich, als ob sü dich nit an hören, in allen dingen, da ein mittel
mag gevallen: so han ich einen lieben junger und brüder ander
25 dem krüze stende, der mir min liden hilfet tragen. Du ledig vriheit
dins herzen kleidet und zieret mine blozheit. Swenne du denne in
aller widerwertikeit, [112^] du dich von dem nechsten an gat, von
minnen durch mich siglos wirst, und du aller menschen ungestümen
zom, wannan er wejet, wie geswinde er kumet, du habest recht
30 oder unrecht, als senftmütklich enphahest als ein swigentes lembli,
also daz du mit dinem suzmütigem herzen und mit dinen senft-
mutigen worten und gütlichem anllüte der andren übli überwindest:
4 da [von] E^F 8 beweglich E 10 selb dir alsu8 Aa dir s. a. EK
14 gegen fehlt E^ 16 nie] nit E 20 f. ist nach es EK 21 ein barü n.
AKaEE"^ fürwiset E^ 29 weget EFK 31 süzm.] senftmütigen E^
6 f. Hör, 132: ut hoc non virtuti 2>atientiae ascribant ... sed impotentiae
et ignaviae, 21 Hör, 133: desertionetn meam, qua ab omnibus derelictua
fui, lyer hanc recompensas voluntariam abstractionem. 26 f. L, c, : exspoliatio
tuae propriae voluntatis vestimenta sunt nudüatis meae.
262 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVL
sich, so wirt daz war bilde mins todes in dir us gewürket. Eja, da
ich dis gelicheit vinde^ waz hab ich da in dem lustes und wol-
gevallens mir selber und minem himelschen vatter!
Trage minen bittem t5d in dem grnnde dins herzen and in
dinem gebette und in erzöigunge der werke: so yolltürest da daz 5
leid und die truwe miner reinen mflter und mins lieben jangem.
Der diener: Ach minneklicher herre, min sele begert, daz
du US wurkest daz bilde dines eilenden todes an minem Übe and
an rainer sele^ es si mir liep oder leid^ nah dinem höhsten lobe and
dinem aller liebsten willen. 10
Ich beger och sunderliche, daz du noch me ein klein rurest
daz groz herzleid der trurigen müter und mir sagest, wie si sieb
ze der stunde under dem kriize hielte.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Des vrage si selber.
XVI. Kapitel. 15
Yen dem wirdlgen lobe der reinen künigeu von hlmelrich.
Der diener: 0 hohü richeit der götlicheu kunst und wisheit,
wie sint tlinü gericht so unbegriflFenlich und diu wege so unerkant!
Wie hast du so mengen vromden weg, die armen seien wider ze
briugenne! Wes gedecht du, oder wie was dir so wol ze niüt in 20
diner ewigen unwandelberkeit, do du so adellicben schüfde die reinen,
die zarten, die wirdigen kreatur ob allen lutren kreaturen! Herre,
du mochtest wol sprechen: „Ego cogito cogitaciones pacis,
ich gedenk die gedenke des vrides." Herr, du hast uzzer dem ab-
gründe dines wesentlichen giitcs dir selber in ir widerlühtet, in dem du 25
ellü verflossnü wesen hast wider in den Ursprung geleitet. Eya, himel*
scher vatter, wie getorste ein sündiger mensche ze dir komew, es
were deune, daz du iins hettist gegeben din einiges uzerweltes kint,
1 sicli fehlt AKK eya — B h. vatter feJiH AE\ nachgciragen E da]
wii K 2 in dem fehlt E 8 in mir ^^. und in m. h. v. E 14 daz FZ
17 d. diener fehlt II 19 vromden fehlt F
4 f. L. f.: in operatione per imitatiomm affectiiosain. 14 Die Antwort
folgt Kap. 17. Im Hör. (134 — 136) ist Kap. lü mit Kap. 15 vereinigt.
17 f Böm. 11,33. 22 Maria: hitre kreaturen = Eiujil. 23 Jerm, 29,11,
24 f. Sinn: durch Christus, der von Maria geboren ivurdc, hat der Vattr
alhs wieder in sich zuriickgcführt: rgl. Bonaventura, Brevil. IV, 2 (ed. Qua"
racchi IbiKh 17 UJ: id., In 3 Sott. dist. 1 a. :*. q. 3.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVI. 263
die Ewigen Wisheit, ze einem leiter? Eya, Ewigü Wisheit, wie
getörste ein armer sandiger mensche iemer die baltbeit gewinnen,
daz er viir sogtane luterkeit sine nnreinkeit getörste gezöigen, es
were denn, daz er die mftter aller erbarmherzikeit ze einem schirme
5 nemi? Ewigü Wisheit, bist du min bröder, so bist du och min herre;
bist du ein warer mensche, owe, so bist du och wäre got und ein
vil strenge rihter der missetat.
Eya dar umbe, so iinser armen seien [113'] sint in dem engen
notstal grundloses berzleides und wir enkunnen noh hin noh her
10 komen, so blibet uns nit, denn daz wir unser eilenden ogen uf
bieten ze dir^ uzerweltü küuigin von himelrich! Eya dar umbe, du
der ewigen sunnen glastes wid erglenzender Spiegel, du der verborgen
hört der grundlosen gotlichen erbarmherzkeit, bis hüt gegrüzet von
mir und von allen sündigen rüwigen herzen! Ach ir hohen geiste,
15 ir reinen seien, trettent hin vür, rument und prisent, lobent und
gimlichent daz wuneklich paradys aller woUust, die hohen künegin,
wan dez bin ich nit wirdig, si gerftch mir es dennc ze erlobenne
von ir güti!
0 du gottes uzerweltes herztrut, du schöne guldine thron der
20 Ewigen Wisheit, erlobe mir armen sünder joch von mineu gebresten
ein klein sich mit dir ze erkosenne! Min sele vallet vür dich mit
blugen ogen, mit schamlichem antlüte und mit nidergeworfnen ogen.
Ach, ein mftter aller gnaden, mir ist aber als neiswie als weder
min sei noch kein endrü sündigü sei bedürfe keines urlobes noch
25 enkeins mitlers gegen dir; du bist doch daz mittellos mittel aller
sünder. 8o doch ein sele ie sundiger ist, so si ie billicher dunket,
daz si einen zfigang zft dir habe; so si ie missetetiger ist, so si ie
billicher hin vür dich tringet. Dar umb, sei minü, so gang vrilich
hin vür! Vertribet dich din grozü missetat, ach, so ladet dich du
30 grundelos miltekeit.
Eya dar umbe, du einiger trost aller sündigen herzen, du einigü
vluht der verscbulten menschen, zu der manig nasses öge, mani
8
1 leiter] lerer F^ 2 die b. iemer I'? 4 erbermde AKaK 5 min
h. — 6 och fehlt F 19 thron] krön F' 23 gnade E'FHa 24 keines
fthli K' 27 daz si baltliche E^ habe zu dir E' meintetiger F 29 [hin]
vür E^ vertribe E^ 32 zft dir FF'
5 ff . V^(jL Bernardus, senno in Dom. infra (Jet. Assumpt, «. 1.2: sermo
in Nativ. n. 7. Zum Gedankengang des ganzen Abschnittes vgl. Vacandard,
Vie de S. Bernard II (Paris 1895), 93 f.
264 Büchlein der Ewipen Weisheit. Kap. X^^.
verwundet eilendes herze uf geborten wirt, bis ein gnedig& mitlerin
and sünerin entzwusehent mir und der Ewigen Wisheit! Gedeuk,
gedenk, miltü uzerweltü künegin, daz du alle dine wirdikeit von
ans siindigen menschen hast. Waz hat dich gemachet ein mfiter
gottes, einen schrin, in dem die Ewig Wisheit suzeklich gerfiwet 5
hat? Vrowe, daz hein unser armen menschen sünde. Wie wöltest
du heissen du müter der gnaden und der erbarmherzikeit, denn von
unser ärbeitselikeit, die diner gnade und erbarmherzkeit bedarfen?
Unser armftt hat dich rieh gemachet, unser gebresten hein dich über
alle luter kreatur geadelt. 10
Eya dar umbe, ker dinü 5gen der erbarmherzkeit, du din
railtes herz nie gekerte von keinem sünder, von keinem trostlosem
menschen, ze mir armen menschen, nim mich under dinen schirm,
wan min trost und Zuversicht lit an dir. Wie ist so menig eündigu
sei, so si gote ein urlob hate gegeben und allem himelscheni her, 15
[113^] so si flottes verloigent hate, so si an gote verzwiflet bäte
und von im jemerlich gcscheiden waz, du sich au dich hankte,
owe, du so uiilteklich von dir uf enthalten ist, unz daz si von diner
gnade wider ze gnaden kam! Wer ist der sünder, der ie so vil
mordcs und meines begangen hab, so er an dich gedenke, er ge- 20
winne einen mftt? Uzerwelter. einger trost unser armen sünder, du
grundlos giiti gottcs du hat dich als lustlich gemachet allen sündem,
daz uns sin von diner übervliezendcn güti gelüsten müz. Sieh,
wenne min sele sich nach dir recht hinderdenket, so hugt mir der
müt, so düchte mich billieh, ob es muglich were, daz min herz mit 25
weinenden ogen zu dem munde us von vroden Sprunge, so zer-
vlüzet diu iiam in uiiner si»l als ein honigsein. Du hoisscst dorh du
H ^a'taii nach sünde von späfeirr Hand K 7 düj ein AKaK &niade
J:^F^H 9unseri»-cb. -- li) ^oeMt fehlt F^ lü kroatiiren AK 11 ker
her AKa du oiren diner erh. I-? 12 f. von k. s. nie i^rekert noch von k. t.
in. I'? Di ze] jxeiren E ze - menschen Mit AKa n. mich frowe K^
14 und miu z. A* 17 im] y^otte 1? was aesch. K^ du — haukte fthli
AK 19 koni ze ^^ F.^ '22 [du] hat AKFFH 25 ob - were fehlt AKK
2Ü von vroden (frod E) ze d. ni. us spr. AKal-l 27 in minem herzen AKK
1 1*. Bern.y serm<t ii de adrinin Doniini n. ft: per ie accesswn haheamuv
ad filium^ n hutedicta invenln'.r (jratiar, genetn'.r vitae, mater salutis ... domina
nostra, inediatrix nostra. adrocala nostra, iuo ßli'o iiom reconcilia etc. Vgl,
oben :J43,,'ff. 11 \'(jJ. das ISalve regina und Bern., sermo 4 in Assumpt, n. 0.
14 Vgl, Bern.j sermo in Katir. n. 7 : haev (Maria) pcccatornm scala, hate
mva maxima ßdnvia est^ hau- tota ratio tipri wcae.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVI. 265
müter, du künginue der erbarmherzkeit; eya, zartü muter, eya,
miltü küulgin der grundlosen erbarmherzkeit! Owe, wel ein name!
Wie ist daz wesen so grundlos, dez nam so gnadenrich ist! Erklang
ie kein seitenspil so wol in einem wilden herzen, als der reinen nam
^ tftt in unseren rüwigen herzen? Disem hohen namen son billich ellü
höbter nigen und ellü knie sich biegen. Wie dik hast du die vient-
lichen band der bösen geisten von uns vlüchtig gemachet! Wie dik
hast du des strengen richters zornlichen gerehtikeit nntfif standen !
Wie dik hast du uns gnad und trost von im erworben! Eya, wir
10 armen sündigen menschen, waz wellen wir hier zu sprechen, wie
sülen wir ir dez grozen gutes iemer gedanken ? So si alle engelsch-
liclien Zungen, alle luter geiste und seien, himelrich und ertrich und
alles, daz dar inne beschlossen ist, ir wirdikeit, ir wunne, ir gnade
und ir grundlosen ere nit volloben kan, ach, waz sülen wir sündigen
15 herzen denne tun? Tüjen wir unser vermugen, und sagen ir gnade
und dank, wan ir grozü demütikeit siht nit an die kleini der gäbe,
si siht an ricbheit des willen.
Ach, süzü künigin, wie mag sich din so billich vröwlicher nam
gesten! Wa nu: verfluchet si Eva, daz si der vrucht ie enbeiz? Ge-
^20 segnet si Eva, daz si uns die süzen himelschen vrubt ie brahte!
Nieman klage me daz paradys, — wir haben ein paradys verlorn,
und haben zwei paradys gewunnen. Oder ist si nit ein paradys,
in der da wuchs du vruht dez lebenden [114'] bömes, in der ellü
Wollust und vröde mit einander beschlossen waz? Oder ist daz och
25 nit ein paradys ob allen paradysen, in dem die töten wider lebent
werdent, so sü siner vruht versftchent, von dez henden und vüzen
und siten vlussen die lebenden brunnen, die da alles ertrich be-
giessent, unerschöphter erbarmherzikeit, grundloser wisheit, über-
viiessender süzikeit, inbrünstiger minne, und der brunne des ewigen
1 f. [eja] miltü E^ 4 rein(e) K^Fa 8 des zornlichen richters gereht.
AKE 12 erde AKE 16 demut] guti AKaE die fehlt AKE 19 der
vruht — 20 uns fehlt K 20 Eva] Maria von späterer Hand E 22 am
Rande Bernardus AEE'FZ 23 du] der E'F' 24 und vrode fehlt AK
och daz is'i och fehlt FF' 26 vrühte E
1 In dem Gebet: Salve Regina^ mater misericordiae etc, 20 Hier ist
Maria gemeint, die hei den Vätern die zweite Eva genannt und der ersten gegen»
über gestellt wird: vgl. Scheeben^ Dogmati k III (1882), Ö96 ff. 22 Maria
und Christus. In dem Tractaius ad laudem gloriosae virginis matris (inter
opp. S. Bernardi, Migne I*atr. Lat. 182, 1144) wird Maria paradisus deli-
darum genannt. 25 Bezieht sich auf Christus. 27 Vgl, I Mos. 2^10 f.
266 Büchlein der Ewigeu Weisheit. Kap. XVI.
lebens? Geworlich, berr, der diser vruht hat versftchet, der diser
brunnen hat getrunken, der weis, daz disü zwei paradis übertreffent
verre daz irdensch paradys.
Uzerweltü kungln, du bist och der gnaden tor, der erbermde
porte, du nie zft geschlossen wart. Himelrich und ertriche mag 5
zergan, e daz du ieman, der es mit ernste sfichet, lazest ungehiilieo
von dir gan. Sich, dar umb bist du miner sele erster ogenblik, so
ich uf stan, du bist ir jüngster anblik, so ich schlaffen gan. Daz
din rein hende entwürten und ansihtig machen, von dez botten
wirdikeit, daz da an im selber klein ist, wie mag es verworfen 10
werden, daz du, reinü, entwürfest dinem lieben kinde? Dar amb,
zartü uzerweltü, nim die kleinheit miner werke und trag sü vür,
daz sü etwas schinen von dinen henden vor den ogen dez almeli-
tigen gottes. Du bist doch daz rein rotguldin va%, durschinelzet
mit gnaden, durleit mit edlen smaragden und Saphiren und allerley 15
tugenden, des einiger anblik übertriffet in dien ogen des bimelßchen
künges aller luter kreatur anblik. Ach uzerweltü, minneklicbu gotes
gcmahl, ward der küng Aswerus gevangen in sinem herzen von der
sclioni der minneklichen Hester, vaud si ein wolgevallen in sinen
ogen ob allen frowen, vand si gnade vor in allen, daz er tet, waz 20
si begerte: owe, du röter rosen und aller lylitMi übergülden, wie
mag denne der himelsch künig von diner lutren reinikeit, von diner
senftmütigen demütikeit, von der wolriccheuden apotek aller tugen-
den und gnaden so wol gevangen werden! Oder wer hat den wilden
einhorn gevangen denne du ? Waz grundlosen wolgevallennes hat io 25
sinen ogen vor allen inenseben din minueklicbü zartü Schönheit,
ge^en der ellü selionheit erlöschet als ein schinuendes nachtwürmli
4 «loch AKaKF^ 5 cun lUnuk Bonianlus I^hU'^Z G daz feJdt Z
7 iiiiiuT — Mg.] min erster aiihlik AKE 8 irj min AK 14 waz A
\\) l'niwen Hester AKct, 20 ob a. fr. fikli AKK vi.r i. a. fMt F 21 der
rot. r. AKa 24 jrnade /-.'« 2<i din] dii AF
5 f. Bernardus, stnnn 4 in As,s^nnpt. v, s. \) Zu t'ntwürtcn erijunzt:
(tott, 19 1!". Kstlicr :Jj9. 25 einhorn, sa^ßonhaffes Tier mit spitzifftm
Ilom, ila.ss tfirJi nur ron (fiucr Juiif/frau fanfjcn lasfie ( lAiucherij Geach, dt»
jjn ,myn ava j\., -^Tiiinntn uaa .nana imiilii ^.s iJ^ir: iiu oojf,; j±, oc/lucf^,
Die Lef/cnde com J.ebcu der Juwifrau Maria und ihre iJarstcUung in der bild.
Kunst deff MittelaUirs I67b, 05/.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVI. 267
gegen der glenzenden sunnen glaste! Waz übervliezender gnade
hast da vor im vunden dir und uns andren gnadlosen menschen!
Wie sol oder mag dir denne der himelsch künig üt versagen? Du
macht wol sprechen: [114"^] „min geminter mir und ich im**; ach,
5 du gottes und got din, und ir zwei ein ewiges grundloses minne-
spil, daz enkeine zweiheit niemer me gescheiden mag! Gedenkent
und vergessent nit unser armen dürftigen, die so jemerlich noch
wallent in dem sorklichen eilende!
Eya nu, ein vrow himelriches und ertriches, nu stand uf und
10 bis ein mitlerin, ein gnade erwerberin gegen dinem zarten kinde,
gegen der Ewigen Wisheit! Ach, Ewigü Wisheit, wie wilt du mir
nu iites versagen? Als ich dich dem ewigen vatter vür büte, also
büt ich die reinen zarten uzerwelten müter vür dinü milten
ogen; eya, miltü schönü Wisheit, nu sich si an, nu schowe d6
15 milten ogen, du dich so gutlich dik hein an gesehen, erkenne du
sch6nen wengel, du si so dik an din kintliches antlät so lieplich
hat getrucket! Ach, lüg an den süzen mund, der dich dike so zärt-
lich hat durküsset, sich an die reinen hende, die dir so dike hein
gedienet! Ach, du miltü miltekeit, wie macht du der ütes versagen,
20 du dich so minneklich sogte und an ir armen trüg, leit und hüb
und so zärtlich zoch?
Herre, ich ermanen dich alles des liebes, so du in dinen kint-
lielien tagen ie von ir gewunne, do du si uf der müterlichen schoz
so inneklichen zärtlich mit dinen spilenden öglin an lachetest, mit
25 dinen kintlichen armen lieplich umbschlusse mit grundloser minne
und liebi, die du ze ir hattest ob allen kreaturen. Gedenk och an
daz groz herzeleid, daz ir möterlich herze allein mit dir trüg under
dem galgen dines eilenden krüzes, do si dich in sterbender not sah.
3 (leiine dir E^ 6 niemer [me] AKK 14 eya — 16 wengel fehlt A
eya — 15 ogen fehlt Fa schonü miltü E^ 15 dich dik so g. E 16 si
so] sich A si fehlt A» 17 dike fehlt E 23 von ir ie E'F 25 liepi.
fehlt F
4 f. Hohel, 2^16: du gottes und got diu etc. erinnert an ähnliche Wen^
duiKjtn der weltlichen Minnepoesie^ vgl. die Belege hei Strauch, Ad. Langm.
103 f. 12 f. Hör. 142: sicut te (Christum) caelesii patri ac gtnitori tuo ad-
cocatum ej-hibeo, sie tibi dilectam matrem ut meam exhiheo auxüiatricem.
14 ff. Man fühlt sich hier (vgl. auch Hör. 142) an die aus dem Geiste der
Mystik geborenen Mariendarstellangen der alten Kölner Schule (Madonna mit
der Wickenblüte) und des Fra Angelico da Fitsole erinnert.
268 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVII.
und ir herze und ir sele mit dir in jamer und not dik erstarb, daz
du mir gebest von ir gnaden alles mittel ab ze legenne, diu gnade
ze erwerbenne, und die niemer ze verlierenne.
XVII. Kapitel.
Ton Ire uDsaglicliem herzleide. 5
Wer git mineu ogen als mengen trehen als mengen büchstaben,
daz ich mit liebten trehnen geschribe die eilenden trehen des grand-
losen herzleides miner lieben vröwen? Reinü vrow und edlü klingln
himelriches und ertriches, rüre min ersteintes herz mit einem diner
hitzigen trehen, die du vcrgusse von der bitteren not dines zarten 10
kindes under dem eilenden krüze, daz es erweiche und dich ge-
merken kunne; wan herzleit ist der natur, daz es nieman reht er-
kennet, denne den es rüret. Ach, nu rür min herze, uzerweltu vrow.
mit dinen trurigcn Worten, und sag mir mit kurzen sinneriehen
Worten allein ze [115'] einer manunge, wie dir ze müt were und 16
wie du dich gehübist under dem krüze, do du din zartes kint, die
schonen Ewigen Wisheit, sehd als jemcrlichen ersterben.
Entwurt: Daz solt du hören mit jamer und herzleide; wan
swie ich nu alles leides vri si. do ergie es doch ze der zit nit also.
E daz ich under daz krüz kerne, do hat ich menig groz und 20
unsäglich herzleid enphan^en, sunderlich von der stat, da ich den
ersten anblik nam des schlahennes und stossens und übel bandlens
mins kindes, da von ich so kraftlos wart und also kraftlosu wart
dem lieben sun nach gefiiret bis under daz krüz. Aher dem du
nah vragest, wie mir do ze int\t were und wie ich mich gehübi, 25
daz hur. als vil es muglich ist ze wissenne: wan enkein herz, daz
ie geborn wart, mochte es genzlich ergnuiden.
1 und in n. AKccE 3 di«» fehlt 1? G der dienur AKa 13 den]
der F 18 (»ntwürt der ewigen wijshrit V am liandc Y.x sensu verborum
B<Tnardi KI?Z 19 nu fehlt ]? nit ze d. z. als(» AKKF^ 21 und
sunderl. AKKH 23 m. lieben kindes AKK 24 niineni i. sun K^ 27 eu-
molite Z
18 Vgl. Frolofj des Bdeir 197,^4 f. Seuse bezieht m'ch auf die pseudobern-
hardische Schrift Liher de pasnione Christi, de dolorihus et jdanctiftus matris
eius (inter opp. S. Jiernardi, Mi(jne Patr. Lnt. I^:J, 1133 ß\)j die auch in Kap, 19
und :i() benutzt ist. ^fanch*^s in diesen Abschnitten erinnert an die Marien-
klufjrfi des Mittelalters ; vtjL A. E. Schönbach, Über die Marienklagen 1874,
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVII. 269'
Sich, ell& du herzleid; du kein herz ie gewan, du werin als
eiu tröpheli gegen dem niere gegen dem grundlosen herzleide, so
min mäterlich herz do gewan. Und daz verstand da bi: so daz
liep ie lieber ist, so es ie minneklicher und ie süzer ist, so sin ver-
5 lust und sin tod ie unlidiger ist. Owe, wa wart nu uf ertrich ie
zarters geborn, ie minneklichers gesehen, denn min einiges minnek-
Hohes liep waz, an dem und in dem ich hate genzklich besessen'
alles, daz disü weit geleisten mohte? Ich waz mir selber vor tot
und lebt in ime, und do mir min schönes liep ertödet wart, do er-
10 todet ich do erst genzklich. Als min einges liep einiges waz und'
liep was ob allem liebe, also was min einig leid einig und leid ob
allem dem leide, daz ie gesprochen wart. Sin schönü lützeligü
menscheit was mir ein lustliches ansehen, sin wirdigü gotheit waz
minen ögen ein süzes ansteren, an in gedenken waz mins herzeU'
15 vröide, von im sprechen was min kurzwil, sinü süzü wort hören<
was miner sei seitenspil. Er was mines herzen Spiegel, miner sele
wunne; himelrich und ertrich und alles, daz dar inne waz, hatte
ich an siner gegenwürtikeit. Sich, do ich daz liep alles sament
sah also vor mir uf erhenket stau in sterbender not, owe des an-
20 blickes! Owe, wel ein Sgenblik daz was! Wie erstarb in mir min?
herze, wie ertodet min müt! Wie wart ich so kraftlos, und wie
verswunden mir alle min sinne ! Ich l&gete uf, do enmoht ich minem
lieben kinde nit ze staten komen; ich l&get nider, do sach ich die
mit minen ogen, die mir min kint so jemerliche handleten. Wie
25 eng mir do waz uf allem dem ertrich! Ich was herzlos worden,
min stimme was mir engangen, [115^] ich hate min kraft zemal
verlorn. Und doch, do ich zu mir selber kam, do hftb ich uf mine
heiser stimme und sprach zä minem kinde gar in kleglicher wise
diserley wort under andren: ^owe min kint, owe kint mins, owe
30 mins herzen vrödenricher Spiegel, in dem ich mich dik mit vroden
hau ersehen, wie sihe ich dich nu so jemerlich vor minen 5gen!
2 niere — dem fahlt F 4 und [ie] AKaE 5 wa fehlt AKE
6 zartes AE'H 7 genzlich hat E^F^ 9 do mir do KZ 13 mir — goth.
waz fMi AK lustl.] lütseiiges E^ 19 stan nach not AKa?J 23 [nit] ze
keinen staten E^ do] so AKaE 24 mir fehlt E^ m. liebes kint als
jem. AKE 27 f. uf nach stimme AEF 28 gar fehlt FF^ 29 owe m.
kint fehlt AK o. kint mins fehlt E^
21 f. Hör. 144 f. : virtus omnis evanuit, sensus a me recessit . . . defeci
prae dolore, corrui prae maerore. Dies war im Mittelalter weitverbreitete An-
sicht (Den, 416 A, o).
270 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVU.
Ovve, ein hord ob aller diser weit, min mfiter, min vatter und alles^
daz min herze geleisten mag, nime mich mit dir! Oder wem wilt
du din eilenden mftter hinder dir lazenV Owe, kint mins, wer git
mir, daz ich vür dich sterbe, das ich disen bittren tod vür dich
lide? Owe, ellcndü not einer lieblosen militer, wie bin ich beröbet 5
aller vröden, liebes und trostes! Owe, begirlicher t6d, was vcrtreist
du mir? Nim hin, nim hin zu minem kinde die armen müter, der
leben bitterer ist denn kein sterben. Ich sihe doch sterben den, den
min sei da minnet. Owe, kint mins, ach min liebes kint!"
Sich, und do ich mich als jcmerlich gehAb, do trost mich min lo
kint gar gütlich und sprach under andren werten : mensciilich künne
enmöchti anders nit erlöset werden, und er w61te an dem dritten
tage erstan und mir und den jungern erschinen, und sprach: «vrow,
laze din weinen sin, nit weine, min schonü mftter! Ich enwil dich
niemer eweklich gelazen." Und do mich min kint als gütlich ge- 16
tröste und mich dem junger bevalh, den er da minnet und och
vol herzleidcs da stftnt, — du wort wurden so jcmerlich und so
besöftklich in min herze gestecket, daz sü durchschniten min herz und
sei als ein spitziges swert, — do gcwunnen och du herten herzen
gar groz erbermde über mich. Ich httb min hende und arme uf 20
und hetti gerne von jamor mins herzen min lieb umbevangen, und
daz selb enmoht mir nit werden. Und von rechtem überwundem
herzleide do seig ich nider under dem krüze neiswie dik und ge-
leit die spräche; und so ich wider zft mir 8ell)er kam und mir
anders nit moht werden, so kuste ich daz biftt, daz von sincn wun- 25
den da nider flos, also daz min erbleichtü wangcn und mund gar
bliitvar wurden.
Der dien er: Owe, grundlosü miltekeit, waz grundloser marter
und not ist disü not! Wa sol ich mich hin keren, oder zu wem sol
ich minü ogen bieten ? Sich ich die schonen AVisheit an, owe, so 30
sih ich not, da von min herze besinken sölti : wan rufet doch uf in
uzwendig, tötlichü ani^est ring(*t mit im inwendig, [116'] alle sin
adren spanent, alles sin blttt zerrünnet. Da ist ach und we und
1 m. v.'itor m. müter K^ )J o. min kint K^ (\ frotle J'? ver-
trerst A 7 nim hin 3 mal AK 8 dtMi [den] l'?F 10 jom.] kieglich E^
15 alsny [irntlich] F 1(> enphalh K' FF' IIa mich enph. d. j. K^ er
[da] K' 18 heslosson und hcstock^t F 18 f. und min s. AKaKK^ 20 und
a. uf fehlt AF 22 über\>'undnen AK 2!) zwom K 32 totl. — inw. fehlt F
3 Viil II König f 1S,3J.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XML 271
liebloses sterben ane alles genesen. Kere ich denne minü ogen zu
der reinen nifiter, acb, so sihe ich daz zart herze durwunt, als ob
tusent messer dar in stecken, so sihe ich die reinen sele durmar-
teret. Der seneden geberde wart nie gelich gesehen, der mftter-
5 liehen klage wart nie gelich gehöret. Ir kranker lip ist da nider
von leide gesigen, ir schönes antlut mit dem ertöten blute bestrichen.
Owe, hie jamer und not ob aller not! Sines herzen marter lit an
der trurigen möter leide, der trurigen mfiter marter ist an des lieben
kindes unschuldigen tode, der ir vil pinlicher ist denne ir eigen
10 tod. Er sihet si an und tröstet si gutlich, si hütet ir hende kleg-
lich uf gegen im, und wölt gern vür in sterben jemerlich. Ach,
werderm ist hie wirs? Wedrent ist du grözer not? Si ist beident-
halb als grundelos, daz ir nieme gelich wart. Ach des möterlichen
herzen, dez zarten vröwlichen mütes! Wie mohte dis unmessig liden
15 din müterliches herze alles ie getragen? Gesegnet si daz zart herz,
gegen des leide alles, daz ie gesprochen und geschriben wart von
herzleid, ist als ein trom gegen der warheit! Gesegnet sist du, uf-
brechender morgenrot, ob allen kreaturen, und gesegnet si der ge-
blümte roselochter anger dines schönen antlütes, daz da gezieret
20 ist mit dem rubinroten blute der Ewigen Wisheit!
Owe, du lütseliges antlüte der schönen Wisheit, wie todest du !
Owe, du schöne lib, wie hangest du! Owe und owe, du reines blftt,
wie rinnest du her abe so hitzig uf die müter, du dich gebar ! Owe,
alle mütren , lant üch daz leid geklegt sin ! Ellü reinen herzen, laut
25, üch ze herzen gan daz rosvarwe rein blüt, daz die reinen müter
also begüzet! Schowent, ellü herzen, du ie herzleid gewunnen, und
Iftgent, daz disem herzleid nie glich wart! Es ist nit wunder, daz
ünsrü herzen hie von jamer und erberrade zervliessent ; du not
wart doch als groz, daz si die herten steine zerspielt, daz ertrich
30 erbidmet, du sunue erlasch, daz sü ir schöpher mit littin.
4 eiiwart AKKE^ 5 n. g. gesehen noch gehört 1? 5 f. von leide
da nider AK 6 etoten A 8 ist] lit AEE'F 10 f. uf gen im kl. E"^
11 gern und iemer E^ 14 geniütes AK wie — 15 getragen fehlt AK
15 alles fehlt E ie fehlt E'E 16 leide] herze F und] ald AKE
17 alles als E^ 28 zerflussent E
4.27 VgL Klagel. 1,12,
272 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVIIL
XVIII. Kapitel.
Wie es ze der stund nah dem inren menschen umb in stund.
Der diener: Ewigu Wisheit, 80 man dinem nnmezigen
lidenne lerne nah gat, so es ie grandioser ist. Diner not waz alii
gar vil under dem krüze, do waz ir noch me an dem krnze nach ^
dinen nssren kreften, die ze [116"^] der stunde waren in dem enphin-
denne dez smerzen dez bitteren todes. Ach, min zarter herre, wie
stftnt es aber umb den inren menschen, umb die edlen sele? Waz dA
in keinem tröste oder süzikeit ze der zit als ander martrer, daz diu
grimmes liden joch so vil dest senfter were gesin, oder wenne nam lo
es ein ende?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Da h6re ein not ob aller
noty die du noch gehöret hast. Swie daz min sele nach ir obresten
kreften do were in einem schoweune und niessenne der blozen got-
heit als adellich, als si nu ist, sich, do waren doch die nideren i&
krefte des inren und des usseren menschen als gar in selber ge-
lazen uf daz jüngste püntli grundloser bitterkeit in ganzem trost-
losem liden, daz der marter nie gelich wart. Ach h6re : und do ich
genzklichen als gar hilflos und gelazen also stünt mit nider trieflfen-
den wunden, mit weinenden ogen, mit zerspannen armen und zer- ^
zognen adren aller miner gelider in sterbender not, do hüb ich uf
ein jemerlich stimme und rufte ellendklich zu minem vater und
sprach: „min got, min got, wie hast du mich gelazen!" Und doch
so waz min willc mit sinem willen in ewiger ordnunge vereinet
Sieh, und do min blüt und ellü min kraft so gar vergossen und 2^
verrunnen waz, do wart mich von sterbender not bitterlich tärstende,
— aber mich turste noch wirs nach aller menschen heile. Do wart
in dem grimmen turste gallo und essich minem turstigen mnnde
3 der d. J'.hH HZ 13 swie [daz] AK obren AKE 16 am
Baude (Trci^oriiis Nazianzenus (Nazareiuis [!] KF) KK^F^Z und [des] EF^
18 martrer All 28 csslcli u. g. Z galle u. e. nach munde E^
13 ff. Hnr, 134: onima verho perfecte frutbaiur, tt tarnen divinitas p$r-
misit carni agere et paU\ quae proprio siln erant : et quia vires inferiores ifibi
ipsis reh'nquehantur, pastuhiles valde reddehantur Dies ist die Lehre des hl,
Thomas, 6\ Th. 3 q. 46 a. fJ et 8 und öfters; ryl, Kckhart :^9;2,18f Das Zitat zu
Zeile 16 bezieht sich wohl nicht auf Gregor von NazianZj sondern auf die klas^
f<ische .b'tille bei Joh, Damasctnus, De fide orthod. III, 16» 23 MatÜi, 27^46^
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVm. 273
gebotten. Und do ich also menschlich heil hate volbiaht, do sprach
ich: „Consummatum est!** Ich leiste vblkomen gehorsami minem
vatter bis in den t6d; ich bevalh minen geist in sine hende und
sprach: „In manus tuas" etc., und do schied min edlü sei von minem
5 gütlichem libe, du beidü ungescheiden von der gotheit beliben. Dar
nah wart ein scharphes sper dur min rehten siten gestochen: do
wiel her us ein runs des kostberen blütes, und da mit ein brunne
dez lebenden vvassers.
Sich, min kint, mit solicher jemerlicher not han ich dich und
10 die uzer weiten erarnet und mit dem lebenden opher mines unschul-
digen blutes von dem ewigen tode erlöset.
Der diener: Ach, zarter, minnekliclier herre und brftder, wie
hast du mich so jemerlichen sur erarnet! Wie hast du mich so
minneklich geminnet und so vrüntlich erloset! Owe, min schönü
15 Wisheit, wie sol ich dir diner [117'] minue und dines grozen lidens
gedanken ? Sich, herre, hetti ich Sampsons sterki und Absalons
schoni, Salomons wisheit und aller künge richtüm und wirdikeit, die
w61te ich dir ze lobe in dinem dienste verzerren. Hen', nu bin ich
nüt, so enmag ich nüt, so enkan ich nit. Owe herr, wie sol ich
20 dir gedanken?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Hettist du aller engel
Zungen und aller menschen gfttü werk und aller kreatur vermugen,
du enmöhtist mir nit des minsten lidennes gedanken, daz ich dur
dich von minnen ie erleid.
25 Der diener: Zarter herr, so gib und 1er mich, daz ich dir
von dinen gnaden minneklich werde, sider dinen minnezeichen nieman
kan widerlegen.
Entwiirt der Ewigen Wisheit: Du solt min trostloses krüz
vür dinü ogen stellen, und solt dir min bitteren marter ze herzen
30 lazen gan und alles din liden dar nach bilden. Swenne ich dich
lan in trostlosem lidenne, in hertikeit erdarben und ertorren ane
1 also nach heil E^ 3 beval im E^ 14 min fehlt E^ 16 iemer
ged. E sich — 20 gedanken fehlt K sterki [und] E^ 17 und Sal. w.
[und] /;^ 19 kan ... mag E^ 23 nit ged. E' 26 gib] wise F gib du AK
27 wid. kan E'
2 Joh, 19,30: vgl. Phil Qß, 4 Luk, 23,46, 16 f. Samsons Stärke,
Ahsalotis Schönheit und Salomons Weisheit werden oft formelhaft, namentlich
als Beispiel dtr Eitelkeit weltlicher Dinge verwendet: vgl, Tochter Syon ed.
Weinhold 360 ff, und Anm. S. öOl.
H. Seuse, Deattche Schriften. 18
274 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVm.
alle süzikeit, als mich min himelscher vatter lie, 80 solt du enkein
gcsAch vromdes trostes haben. Din eilendes r&fifen sol af sehen zft
dem bimelschen vatter mit einem verzibenne din selbs in laste nah
sinem vetterlichen willen. Sib, so denne din liden uzwendig ie
bitterr ist, und inwendig ie gelazener bist, so du mir ie glieher and 5
dem bimelschen vatter ie minneklicher bist; wan hier inne werdent
die frumsten uf daz aller nechste versuchet. Swenne 5ch din begirde
hat ein turstiges heischen, genügde und last in üte ze sftcbenne,
daz dir gar lustlich were, da solt du dich von minnen lazen, so wirt
mit mir din turstiger munt mit bitterkeit getrenket Dich sol nach lo
aller menschen heil türsten; du solt dinü guten werk uf ein vol-
komcn leben rihten und bis an daz ende volbringen. Du solt haben
einen undertenigen willen in schneller gehorsami diuer meisterschaft,
ein ufergeben sei nah aller eigenschaft in des bimelschen vatters
hende, und einen hinscheidenden geist von zit in ewkeit nach einer 16
nachbildunge dins jüngsten hinzuges. Sih, so ist din krüz nah
minem eilenden krüz gebildet und wirt in ime adellichen volbraht
Du solt dich in min ufgeschlossen situn zft dem minnewunten
herzen minneklich verschliessen, und da ein wonen und beliben
suchen, [117''] so wil ich dich mit dem lebenden wasser reinen 20
und mit minem rSsvarwen blute rosvarwklich zieren, ich wil mich
zö dir verbinden und dich mit mir eweklich vereinen.
Der diener: Herr, es wart nie enkein adamas so kreftig,
daz herte isen an sich ze zieheune, als din vorgebildetes, minnek-
liches liden ellii herzen zu ime ze vereinen. Ach, minneklicher 25
herre, nu zühe mich dur lieb und dur leid von aller diser weit zu
dir an din krüz, volbringe in mir dins krüzes nehsten glicheit, daz
min sele dich werde niessende in diner aller höchsten klarheit.
G 80 werdent F 8 eisclien FF' 10 mit bitt. fehlt F 11 f. vol-
kcmen A 17 und in im wirt es E' 22 Miidrii FJ 23 kein F^Z 24 [ze]
zieli. /'.' 27 aller nehsten AKaK
6 f. llor. 180: per qu(nl milites probatis.simi in ocie Christi co^istituti
stricli.s,sime e.vaminanlur. 13 d. meistersehaft = superioribus fuis ( /. c).
15 L. c: sie (e lihere in omni facto {d-.be.si ttnere <jtiasi homo^ qui in pro^
cinctu mi//ratiirus cüt dv hoc mundo.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XIX. 275
XIX. Kapitel.
Ton der ablosunge.
Der diener: Ach, reinü mfiter und zartü vrowe, wenn nam
din groz und bitter herzleid ein ende, daz du an dinem geminten
5 kinde hattest?
Entwürt: Daz höre mit einer kleglichen erbermde. Do min
zartes kint verscheiden waz und also tote vor mir hanget, und minem
herzen und sinnen so gar aller kraft gebrosten waz, do ich nit an-
ders mochte, do hate ich doch menig eilendes ufsehen nach minem
10 toten kinde. Und do sü kamen und in wolten ab losen, do waz
mir, als ich von dem tode wurde erkicket. Ach, wie mfiterlichen
ich do sin töten arme enphieng, mit welen truwen ich sü an min
blfltvarwen wangen trukte, und do er mir her abe wart, wie grunt-
lieplich ich in mit minen armen also töten umbvieng, zft minem
15 mftterlichen herzen daz einig uzerweltes zartes liep trukte, und sin
blutig vrischen wunden, sin totes antlüte durkuste, daz doch, als
och alle sin lip, gar in ein wünklich Schönheit waz verkeret, daz
enköndin ellu herzen nit betrahten ! Ich nam min zartes kint uf min
schoze und sah in an, — do waz er tot : ich Iftgt in aber und aber
20 an, do enwas da weder sin noch stimme. Sich, do erstarb min
herze aber und möchti von dien tötwunden, so es enphieng, in
tusent stuk sin zersprungen. Do lies es mengen inneklichen grund-
losen süfzen; du ögen rerten mengen eilenden bitterlichen trehen,
ich gewan ein gar trurklich gestalt. So minü kleglichü wort zu
25 dem munde kamen, so wurden sü von we underzucket, daz sü un-
ganz bliben. Ich sprach: „we, we! Wa wart ie kein mensch uf
ertrich so übel gehandlet, als daz unschuldig gemint kint? Owe, min
kint, min trost und min eingü vröde, wie hast du mich gelazen!
Wie bist du mir so gar verkeret in bitterkeit! Wa nu vröde, die
3 d. diener fehlt F^HZ 4 groz [und] E^F 6 am Bande Ex Bern-
hardo EF^Z ex sensu Bemhardi F- 7 vor mir also tote E^ 10 ah l.
wolten AKE 13 war FF"^ 14 und zu E"^ 16 zartes fehlt AKaE
16 totlich AKE 17 och fehlt £•* 20 enwas [da] FF^ 21 dien] der F
22 zerspr. sin E^ gmndl. fehlt F 24 gar ein AKaE 25 würden A
26 f. uf erde ie k. m. E^ 27 so] als E^ als daz] so du E^ 28 min
trost fehlt F wie hast — 29 bitt. fehlt K 29 die vrode AKa
6 Vgl den oben hei Kap. 17 zitietien Traktat. 20 Vgl IV Kön. 4,31,
276 BUchleiu der Ewi^^en Weisheit. Kap. XIX,
ich hate von diner geburt, wa der lust, den ich bäte von diner
minneklichen kiutheit? Wa du ere und wirdikeit, [118'] die ich
hatte von diner gegenwürtikeit? War ist alles daz komen, daz beri
ie gefr6wen mochte? Owe, angest und bitterkeit und herzleid! Es
ist doch nu alles verkeret in ein so grundlos herzleid und in einen 5
t6tlichen smerzen! Owe, kint mins, owe min kint, wie bin ich na
so lieblos! Wie ist min herz so gar trostlos worden!* — Dyserley
und nienig kleglich wort sprach ich ob minem toten kinde.
Der diener: Ach, reinu und schönu m&ter, erl6b mir, laze
mich noch einest min herz mit dinem liebe und mit minem berren, 10
mit der minneklichen Wisheit in disem anblike sich erkülen, e daz
es gange an ein scheiden, daz er uns ze grab verzucket werde.
Reinü mftter, wie grundlos diu herzleid were und wie reht
inueklichen es ellü herzen bewegen muge, so dunket mich doch, daz
du noch neiswaz lustes fundest in den minneklichen umbevengen I5
dines toten kindes. Owe, reinu zartü trowe, nu beger ich, daz du
mir diu zartes kint in der totlichen angesiht bietest uf die schoze
miner sele, daz mir nach minem vermugenne geistlich und in be-
trahtunge werde, daz dir do wart liplicb.
Herre, ich kere minu ogen zu dir in der spilendosten vr6de 20
und herzklichstcn minne, so kein einiges liep ie wart von sinem
genanten an gesehen. Herr, min herze schlösset sich uf dich ze
enphahenne, als der zarte rose gen der klaren sunnen glaste. Herre,
min sei du zertftt wite gegen dir die arme ire grundlosen begirde,
eya, minneklicher herr, und in der inbrünstigen begirde umbvahe 25
ich dich hüte mit dank und lobe, und truk dich in daz innigoste
mins herzen und miner sele und ermanen dich der minneklichen
stunde, daz du die niemer lazest an mir verlorn werden, und beger,
daz Aveder leben noch tot, noch liep noch leid dich von mir niemer
gescheide. Herr, minü ogen durschowent din totlichez antlüt, min 30
sei durküsset alle dine vrischeu blutigen wunden, alle min sinne
werdent gespiset von dieser süzen vruht under disem lebenden bome
des krüzes. Und daz ist billicb: herr, eins tröstet sich sins anschul-
digen lebens, eins grozer übunge und strenges lebens, eins dises,
1 wa nu (1. 1. E 5 so fehlt K gniiidl.] gros F [in] einen FF^
7 trostl.] kraftlos F 8 menig] wenig K 10 mich durchstr, E 11 daz
durchitir, K 15 noch fehlt AKaE^F^H 16 zartü fehlt E^ frowe] mötex
AKa 19 lipl. ward E^ 22 schlisset E 24 du fehlt EE^Ha 26 [dichl
dik in A 28 verl. w. an mir E^ 29 der tut AK 31 dürküsset A
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XX. 277
daz ander des, aber alle min trost und Zuversicht lit genzklieh
an dinem lidenne, an diner besserunge und an dinem verdienten
lone. Und dar umb so sol ich es ze allen [118^] ziten in dem
gründe mins herzen bügelichen tragen, und daz selb bild au worten
5 und werken uswendig nach allem minem vermugen erzögen.
0 wünneklicher glänz des ewigen Hechtes, wie bist du nu
dur mich so gar erlöschen! Erlösche in mir die brinnenden begirde
aller Untugenden. 0 ein luter klarer Spiegel der g&tlichen majestat,
wie bist du nu verunreint! Reine die grozen masen miner missetat.
10 0 ein schönes bilde der v&tterlichen guti, wie bist du so entsübert
und so gar entstellet! Widerbring das entstelt verblichen bilde miner
sele. 0 du unschuldiges lembli, wie bist du so jemerlich gehandlet!
Büz und besser vär min schuldig säntliches leben. 0 du küng aller
künge und ein herre aller herren, wie sihet dich min sei so jemer-
15 lieh und totlichen hie liegen ! Verlihe mir, als dich nu min sele mit
klage und jamer umbvahet in diner Verworfenheit, daz si von dir
umbvangen werde mit vröden in diner ewigen klarheit.
XX. Kapitel.
Ton der jemerllcheu schidange von dem grabe.
*20 Der dien er: Nu, zartü vrowe, nu gib dinem leide und der
rede ein ende, und sag mir, wie daz scheiden were von dinem
geminten.
Entwürt: Es was jamer ze höreune und ze sehen. Ach, es
waz aber alles lidig, die wile ich min kint bi mir hate; wan do sü
25 min totes kint von minem erstorbnen herzen, us minen umbvangnen
armen, von minem getrukten antlüte brachen und es begrüben, wie
kleglich ich mich ze der stunde gehftb, daz möcht man kum glöben.
Und do es gieng an ein scheiden, waz man do jamers und not an
mir sah! Wan do sü mich von minem begrabneu liebe schieden,
30 daz scheiden rang mit minem herzen als der bitter tot. Ich tet
under ire banden, die mich dannan vürten, die eilenden vüzstapfen,
wan ich waz beröbet alles trostes ; min herze waz in einem seneden
4 und durchstr, E^ 5 und an w. AKa 7 so gar d. m. E^ 8 un-
tugende E^EF^a klarer fehlt AK 9 nu fehlt AI'E^ 10 f. so ents. und
fehlt AK 13 schuldig A 15 und verl. F 20 d. diener fehlt HZ 23 ze
sehen u. ze h. Z 28 ergie i*' 30 m. minnenden herzen F
278 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXJ.
jamer hin wider zA minem liebe. Min züversibt waz ganz, ich
leiste im allein ander allen menschen ganz träw and recht rrünt-
schaft unz in daz grab.
Der diener: MinneklicbA zartu vrow, dar nmbe gr&zent dich
ellü herzen und lobent alle zungen^ wan alles daz gut, daz ans daz s
vetterlich herze wolte geben, daz ist dar din hende geflossen. Dn bist
der anvang und daz mittel, du [119'] solt och daz ende sin. Ach,
zartn reinü rnüter, nu bis hüt der eilenden schidunge ermant, gedenke
an daz bitter scheiden, daz du von dinem zarten kinde tet, ond hilf
mir, daz ich von dir noch von sinem vrölichen anblik niemer werde lo
gescheiden. Eya, reinü mAter, und als nu min sei mit erbermklichem
mitlidenne bi dir stat und dich mit inneklicher begirde enphahet,
und in betrahtunge mit herzklicher girde, mit dank und lobe von
dem grabe dur daz tor ze Jerusalem hin wider in daz hns vuret,
also beger ich, daz min sei an miner jüngsten hinvart von dir, 15
reinü zartü mftter und ein ende alles mines trostes, wider zft ir vatter-
lande werde gefüret unde in ewiger selikeit bestetet. Amen.
Daz ander teil.
XXI. Kapitel.
Wie mau sol lernen sterben, und wie ein uuberelter tot 20
geschalTen ist.
Ewigü Wishcit, der mir alles ertrich ze eigen gebe, daz were
mir nit so liep, als du warheit und der nutz, den ich fanden hab
2 rehte trüw 11. ^auze fr. E^ 4 dar u. so ^^rüz. FHZ 5 am liandt
r>erm\rdu8 EE^F'Z 6 ijreh, wolte E^ 8 nu fehlt AK 10 antlüt ÄKa
1:3 begirde EKZ 16 mines fehlt AE 22 der diener AKaE^
1 Die Zuversicht auf Christus und sein Wort^ vgU Bernardus, eermo in
Xaiic. u, 14: nuuifjuid non sperabat continuo resurrecturunii^ Et fidetiter,
5 f. Bernardus^ L c. ti. 7 : rotis omnibus Mariain hanc ceneremur, quin sie est
roluntas fius, quitotum nos habere coluit per Mariavi. 13 f. Vgl, Vita Kap, 13
gegen Schlus.^, 20 JJitscs Kapitel wurde, am Eingang etwas gekürzt. rteJ-
fach separat ah S'terbebüchlcin verbreitet: älteste Druckausgabtn: Venedig 1463,
Augsburg 1496, löOIj Sirassburg lÖuS, KOfn löOf^: vgl. E. Ealk, die deuischtn
Sttrhebiichlcin 1690, ooff, Text auch bei M. Iluttler, Ars moriendi 1878, 46— -59,
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXI. 279
in diner süzen lere. Dar unibe beger ich von allem gründe mins
herzen, daz du, Ewigü Wisheit, mich noch me lerest.
Herr, waz gehöret einem diener der Ewigen Wisheit alier eigCL-
lichest zfi, der dir allein begert ze sinne? Herr, ich horti gern von
5 der vereinunge der blozen Vernunft mit der heiligen drivaltikeit, da
si in dem waren widerglanze der ingeburt des wortes und wider-
geburt ir selbs geistes ir selber wirt benomen und von allem mittel
geblozet.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Der ensol nüt vragen nach
10 den höhsten an lere, der noch stat bi dien nidersten an lebenne. Ich
wil dich leren, daz dir nütze ist.
Der diener: Herr, waz wilt du mich leren?
Entwürt der Ewigen Wisheit: I. Ich wil dich leren sterben,
II. und wil dich leren leben; III. ich wil dich leren mich minneklicb
15 enphahen, IV. und wil dich leren mich inneklichen loben. Sich,
daz gehöret dir eigenlichen zu.
Der diener: Ewigü Wisheit, und hetti ich Wunsches gewalt,
ich cnwiste nit, daz ich in zit icht anders von lere wünschen s61te,
denn daz ich mir und allen dingen könde sterben und dir alleine
20 leben, dich von allem herzen minnen und minneklich enphahen und
wirdeklich loben. Ach got, wie ist der mensch so selig, der dis
wol kau und alles sin leben hie mit verzert! Herre, weder meinest
du aber ein geistliches sterben, daz mich din eilender tot so
minneklich hat bewiset, oder ein lipliches sterben?
25 Entwürt der Ewigen Wisheit: Ich [119''] meine sü
beidü.
Der diener: Herr, was bedarf ich lere des liplichen tödes?
Er leret sich selber wol, so er nu kumt.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Swer die lere unz denne
30 sparet, der ist denn versumet.
Der diener: Owe, herre, nu ist mir noch etwas bitter von
dem tüde ze hörenue.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Sihe, dannan riechent
ietzent die unbereiten, erschrokenlichen tode, dero die stette und
1 80 beger AKa 8 enblozet Z 9 sol FF^Z am Bande Criso-
stomua AEE^HZ 10 den . . . dien] dem . . . dem FHa 11 nutzer AKaE
12 mich denne 1. E^ 13 ff. I— IV rot am Bande AEE^F'Z 18 von lere
üt anders E' 23 dez AKE 24 bew. hat ^Ä' 34 [die] stette E^
13 ff. Dies wird in den folgenden vier Kapiteln behandelt.
280 Bttchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXI.
kloster vol sint. Sich, und der selbe der hate dich dike verborgen-
lieh gezömet, und wolte dich also von hinnan han verfüret^ als er
die unzallichen mengi tat, under dien ich dir iez eins zöigen wil.
Nu t& uf dine inreu sinne und sihe und höre, sih die gesch&phde
des grimmen todes an dime nechsten, nim eben war der kleglichen 5
stimme, die du hörest.
Der diener horte in siner verstantnüs, wie du grimme ge-
schöphde des unbereiten sterbenden menschen schrei, und du sprach
mit gar kleglichen werten also:
Circumdederunt me gemitus mortis. Owe, got von 10
himelriche, daz ich in dis weite ic geborn wart! Nu waz der an-
vang mins lebens mit schrien und weinenne, nu ist min usgang mit
bitterlichem schrienne und weinenne. Ach, mich hein doch umb-
geben die siifzen des tödes, die smerzcn der helle hein mich umb-
geben, Owe tot, owe grimme tot, wie bist du ein so leider gast 15
minem jungen vrölichen herzen! Wie hetti ich mich din noch so
wenig versehen ! Nu bist du hindnan uf mich gevallen, du hast mich
erilet. Owe, du fürest mich in dinen banden, als der einen ver-
damneten menschen gebunden füret an die stat, da mau in töten
wil. Nu schlahe ich min hende ob minem hopt zesamen, ich winde 20
8Ü von leide in einander, wan ich endrunni im gerne. Ich Iflgen
umb mich in ellü ende diser weite, ob mir ieman geraten oder ge-
helfen muge, und es enmag nit sin. Ich hör doch den tod totlich
in mir sprechen also: „noch vründ noch gut noch kunst noch witz
hört da wider, es muz recht sin." Owe, und müz es sin? Ach got. *25
und muz ich doch von hinnan? Gat es iezent an ein scheiden? Daz
ich ie geborn wart! Ach tod, owe tot, waz wilt du an mir beganV
Der diener sprach: Liebe, wie gehebst du dich so recht
übel? Dis ist ein geraein geriht des riehen und des annen, des jungen
[120'] und des alten; ir ist vil nie, die vor ir zite denn in ir zit *»
1 [der] liate A'*/' H iezent /:/'' 8 und dfi — 9 Worten fehlt F
10 me fehlt K 11 in] an Z 12 und mit w. AH nu ist — 13 wein.
feldt K 21 leidrj jamor F^ 22 diser] der I-^ 23 f. in mir totlich Z
20 do(.h| do K' 23 sju-acli fehlt AK recht] pir T? 29 Daz A
1 der selbe = der Tod {m<>rs cjUimdam tibi fjncqu: frequtHtiuif frenuin
vn/nfsurrtit, JJor. löd). 4 f. lior, löi : ridtf tn/o nunc K^imilündinem fiominü
marientis. 10.1)31". Fs. 17, ß f 27 7/or. /. c: o mortis imnicnsa crudelita^^
fi iiiifnutas rt imhynatio miseranda ! 20 tf. Hör. /.Vn; ixrsonam non accipit
nee alicui pan-it, sid f^e ae'/nah'dr omnilms vfmdiridit, .... quinimmo plurea
ante perfcitant romjdetionein annoram snormn de niedio siddati sunt.
Büchlein der Ewigeu Weisheit. Kap. XXI. 281
tod sint. Oder wandest du allein dem tode endrinnen? Daz waz
ein grozü unverstandenheit!
Entwürt des unbereiten sterbenden menschen: Owe
got, wel ein bitters trösten dis ist ! Ich bin nit unverstanden, die sint
5 unverstanden, die ime nit gelebt hant und nit ab dem t5de erschrekent.
Sü sint blint, sü sterbent als du vihe, sä wüssen nit, waz sü vor in
hein. Ich klag nit, daz ich sterben müs, owe, ich klag, daz ich nnbereit
sterben möz. Ich stirbe und bin unbereit ze sterbenne ! Ich weinen
nit allein daz ende mines lebens, ich schrie und weine die wünk-
10 liehen tage^ die so gar verlorn sint und da hine sint ane allen nutz.
Ich bin doch als ein unzitigü, verworfnu geburt, als ein abgerisnu
bläst in dem meien. Min tage sint doch balder verloffen denn daz
phil von dem bogen. Min ist vergessen, ob ich ie wart, als des
weges, den der vogel durch die läfte machet, der sich nach im wider
15 zä schlusset und allen menschen unkund ist. Dar nmb sint minä
wort vol bitterkeit und min rede vol smerzen. Owe, wer git mir
armen menschen, daz ich si, als ich hie vor waz, daz ich daz
wünklich zit vor mir habe und wisse, daz ich nu weis! Owe, do ich
in dem zit waz, do enwag ich sin nit reht, ich lies es äppeklich
20 und torlich vürlofen; nu ist es mir gezuket, ich enmag sin nit her
wider bringen, ich enmag sin nit erlofen. Es enwaz kein ständli so
kurz, ich s61t es kostberlicher han gehebt und dankberlicher denne
ein armer mensche, der im ein kängrich ze eigen gebe. Sich, dar
nmb rerent minä ogen die lichten trehen, wan sä daz nit mugen
25 widerbringen. Owe, got von himelrich, daz ich so mengen tag han
äppeklich versessen, und mich daz nu so wenig hilfet! Owe, war
umbe lernet ich nät daz zit alles sterben? Eya, ir blüjenden rosen,
die äwer tage noch vor ä haut, sehent mich an und lernent witze,
kerent üwer jugent ze gote und yertribent das zit mit im allein,
30 daz äch nit also geschehe. Owe, jugent, wie han ich dich verzeret!
Herr von himelrich, laze dir es iemer geklegt sin. Ich enwolt nieman
globen, min wilde müt enmohte nieman gelosen; ach got, nu bin
ich in die vallun gevallen des bittren todes! Daz zit ist hin, da jugent
5 uit erschr. iV* G und [sü] sterb. FF^ * 7 ich klag — owe fMi F
12 blüt FFF^ verflossen AK 13 ie geborn ward F^ 20 ich — 21
bringen fehlt F 21 waz AKK^ 24 so rerent F^Z 25 von hira. fehlt
AKa 25 f. üpp. han E"^ 28 ü] in AKaEFH
5 ime = der eben ausgesifrochenen Wahrheit. 12 ff. Weiah, 5,1^, 11.
15 f. Job 23/J. 0,3.
282 Büohleiu der Ewigen Weisheit. Kap. XXI.
ist vür; mir were besser gesin, daz mir der mflter Hb ein [120^^]
grab were worden, denn daz ich daz schöne zit alles so nnendlieh
hau vertriben.
Der dieuer: Ker dich ze gote, hab riiw urab din snnde;
ist das cnd gut, so ist es alles gut. 5
Entwurt des unbereiten sterbenden menschen: Owe,
waz rede ist disV Sol ich nu ruwen, sol ich mich keren? Sihest da
nity ich bin doch als ser erschrocken, miner not ist doch als gar
vir? Mir ist beschehen als einem ergremten vögellin, daz under eins
krimvogels klawen lit und von sterbender not sinnelos worden ist. lo
Ich enkan recht nüt, denn daz ich gerne endrnnne und doch nit
endrinnen mag; mich trnket der tot und daz bitter scheiden. Owe,
rüw und vrier ker des wolmiigenden menschen, wie bist da ein so
sicher ding! Der sich din sumct, der mag gesumet werden. Owe,
langes ufschlahen miner besserunge, wie bist du mir ze lang wor- 15
den! Die guten willen ane werk, die guten geheisse ane leisten
hein mich verderbet! Ich hau gote getaget, unz daz ich in die nacht
des tödes bin gevallen. Owe, almehtiger got, ist daz nit ein jamer
ob allem jamer V Sol mir daz nit we tun, daz ich alles min leben,
minü drizig jar also han verlorn? Ich enweis doch nit, daz ich ie 20
keinen tag verzarti nach gottes willen genzklich, als ich von billich
solte, ob ich gotte ie keinen recht genemen dienst getet. Owe,
daz sehnidet mir dur min herze; ach got, wie wird ich so nnerlich
stende vor dir und vor allem himelschen her!
Xu var ich von hinnan, nu vrowti mich me an diser stunde 25
ein einig Ave Maria mit andacht gesproclien, owe, denne der mir
tusent mark goldes in min hende gebe. Ach got, waz han ich
eblich versumet, wie han ich mir selber so übel getan! Daz ich dis
nit an sach, die wiie ich mocht! Waz ist mir der stunden en-
gangen, wie liez ich mich so kleinü ding so grozer selikeit irren! 30
5 rs fihlt AF 7 bekert'ii K^ 8 ist [doclij AKaZ 10 ^immen
vo«r».'ls FF^ 11 nüt nie AKa 13 frigi'i bekerde E^ 17 die hein AF
gute fvhlt F 19 .sol ich daz nit Wf«z-en, sol mir duz n. w. t. F 20 drizen
{ Korrektur t im Te.'t, am Rund', drisri;- K^ 21 von fehlt AKaKH
It'. Jntf lO.lsf, 7 lliir. HjO: dihro jK>rnitc'r€j deheo me conrerürt?
i*t'. L. r.: qutmadmodum ptrdi.r. cum 6tib nni/uihi(.s' accipitrifi mox diacerpenda
cumprimiturj jjrae augastia mortis (/uodammitd» c.iatiimis redditur, nie omnis
scn.sK.t a me nressit ttc, 16 IK llor. Wl : jovintsifum honum sine inchoationty
uohfufas sin operationt, protitistm hoiin sine e.iec'ttiom perdidirunt me, () craf.
vras, f^uaiu lnnf/(un rtsttm ftcisti, tt in Ifum/rnm mortis mc procrasUnandf^
pa'tr(uisti !
Bttchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXI. 283
Mir were nu lieber, es brechti mir me ewiges lones, daz ich mines
lustes in einem anblike mins vründes, der wider gottes willen ge-
schah, von minnen hetti enborn, denn ob der mensch drissig jar nf
sinen knüwen mir an got Ion vordereti. Hörent, hörent, ellu
5 menschen, ein kleglich ding: ich gan umb und nmb, wan mir zites
gebrosten ist, und han gebetlet der kleinen almüsen des verdienten
lones göter lüten vär mich ze besserunge, und mir ist verseit, wan
sü vürchtent, daz inen oleis in dem lampad gebreste. Ach, got von
himelrich, daz laze dich erbarmen, [121'] daz ich so grozen Ion
10 und richeit mochti han verdienet in so mengem tage mit minem
gesunden libe, do ich müzig gieng, und mir nu daz klein almüsen,
ni'iwan ze besserunge not ze lone, ze dank were, und mir sin
nieman git. Ach, daz lazent nch ze herzen gan, jung und alt, und
die wile ir mugent, so samnent in dem lieben zite, daz ir nit wer*
15 dent an der stunde betlere und verschicket als ich.
Der diener: Ach, liebe vrönt, din not gat mir an min herze.
Ich beswer dich bi dem lebenden gotte, daz du mir etwas rates
gebest, daz ich in die not nit kome.
Entwärt des unbereiten sterbenden menschen:
20 Der beste rat, da gr6st wisheit und värsihtikeit, da uf ertrich ist,
daz ist, daz du dich mit gantzer bichte und mit allen dingen, da
du haft weist, bereitest, und dich dar nach haltest ellü zit, als
ob du dez tages oder zu dem lengsten der wnchen von hinnan
sulest scheiden. Setze in din herze iezent, als din sele in dem veg-
25 für si und umb ir missetat zehen jar da sAle sin, und dir allein
dis jar verlihen si ir ze helfen. Sih si also dik an, wie ellendklich
si zu dir raffe und spreche: „owe, min aller liebste vrünt, büt mir
din hand^ erbarm dich über mich, hilf mir, daz ich schier usser
disem grimmen vüre kome, wan ich bin als eilend, daz mir nieman
3 f. uf (an A'*) s. kn. mir dr. jar EE^H uf 8. kn. hundert j. mir AKa
6 gebetten AKa 7 besserenne AKaEE^ 8 oles AKa lones (!) F in
der ampuUeu F in der ampel K 12 sin] sü AF des E^ 14 f. an d. st. werd. Z
26 si] Sil A 28 schier] sicher F^
6 f. Hör, 16:2: pettns deemosynam sterilem et tenuem mihi dari de dbun*
dantia divitiarum spiritualium et bonorum operum suorum in suppletionem
egestatis meae ei in emendam delictorum meorum, 8 Matth, 2ofi,
12 f. Vgl. Luh, 16^1. 17 Matth. 26,63, 21 f. Hör, l, c. ; ut per veram
contritionem et puram ac integralem conftssionem te disponas sanus et fortis
et per satisf actio nem condignam, cuncta quoque noxia a salute aeterna te
retrahentia ac impedientia proicias etc.
284 Bftchlein der Ewigeu Weislüeit. Kap. XXI.
mit tniwen hilfet denne du alleiu. Min ist vergessen von aller der
weit, wan ieder mensche schaffet daz sine."
Der diene r: Dis were ein uzervveltu lere, der es an dem
lierzen hetti in einem gegenwürtigen enphindenne als du. Wie
durchschnidende nu dinii wort sint, so sitzeut su hie und achtent 6
ir wenig; sü hein oren und gehörent nit, su heiu 5gen und gesebent
nit. Es wil nieman sterben, e im du sei us gat.
Entwürt des unbereiten sterbenden menschen: Dar
umb, so su nu och gehangent an dem angel des bittem todes und
rufent von we, so werdent sü nit erh6ret. Sich, als miner Worten lo
under hundert menschen, du geistlichen schin tragent, — ich wil
der andren geswigen, — nit eins achtet ze bekerde und ze besser-
ungc des lebens, also ist es nu dar zu komen, daz under hunderten
nüt eins ist. es valle unbereit in den strik des tödes, als ich. Wol
geschihet dien nu, die nit zemale unbekantlich und unbescheiden- 15
lieh sterbent. t'ppigu ere, des libes gemach, zerganklichu minne
und daz gitig suchen ir iiotdurft blendet die mengi. Wilt aber du
mit der kleinen zal dez jemerlichen unbereiten todes ledig werden,
so volge miner [121''] lere. Sihe, emziger anblik des todes, dii
getrüw hilfe diner armen sele, du da zu dir als ellendklich rufet, 20
bringet dich schier dar zA, daz du nit allein anc vorht stast, mer
daz du sin och beitest mit ganzer begirde (lins herzen. Hinderdenk
echt du mich alle tag dik ze grund, schribe minü wort in diu herze.
Sihe an min bittren not, was dir geswind künftig ist; Iftg, wel ein
nacht disü ist! Gesah in got, daz er ie geborn wart, der wol bereit 25
zft diser stund kunit, wan der vert wol, swie bitter joch sin tod ist,
wan die lichten engel hütent sin, die heiligen beleitent in, der
himelsche hof enphahct in, sin jüngster hinzilg ist ein ingang in
daz ewig vatterland. Owe. got, wa sol aber min sei noch binaeht
herbergen in dem vrönuleni unhekantiu landV Wie wirt min sei so *.^
gar gelazen, ach got, wie wirt si so gar eilend under allen eilenden
seien! Wer ist der, der ir mit ganzen trüwen helfe?
1 ch^iine] Willi Z «> liorent //' 7 r «lüz l? 0 lutterii fMt AKa
12 un.l [zr] Z 14 als ndi i.-li AKa 17 flu fehlt 1? 28 echt fehlt J-F^
21 iiiin.M- AKEIMI 27 lielit.] hriliirni AKa 2i» irot fehlt AKa m im-
kuiidon VJ :V2 [dor] der AKaK^
4 Hur. 1H3: jter 'Jinriaitiam. (> Vijl. I's. U.lJ>.f>. 15t. Hnr, 164:
f/ui ufnt rehit ptcnra ainc nintri rntioue iiiffriuntit.-. 17 L. c: sojficiiudo
niuüa tjintistus ref funHiari.s.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXI. 285-
Nu gib ich ein ende miner jemerlichen klage. Du stunde ist
komeu, owe, nu sih ich, daz es anders nit mag sin. Mir beginnent
die hende töden, daz antlüt bleichen, du 5gen vergan. Ach, des
grimmen todes stösse ringent mit dem armen herzen! Ich beginne
5 den äten vil tief suchen, daz Hecht diser weit beginnet mir ab Valien,
ich beginne an ene weit sehen. Owe, got, wel ein anblik! Es
samnent sich du grüwlichen bilde der swarzeu moren, du heischen
tier hein mich umbgeben; sü lügent der armen sele, ob si in mug
werden. Owe, rechte richter, des strengen gerihtes! Wie wigest du
]0 du aller minsten ding so groz, dero nieroan von kleini ahtet! Mir
tringet der kalt totsweis von angst dur den lib. Owe, zornliche
anblik des strengen richters, wie reht scharph dinü gericht sint!
Nu ker ich mich mit dem gemüte an ene weit, da hin ich^
geswinde verfüret wirde, in daz vegfür; und da sihe ich in dem
15 mai*terlande angst und not. Owe, got, ich sihe die wilden heissen
flammen höh uf schlahen inen ob dem hobte zesamen ; sü varent in
der vinstren flamme uf und ab als die gneiste in dem vüre. Sü
schrient: „we und ach, und groz ist unser ungemach!" Ellü herzen
enm6htin die manigvaltkeit und die bitterkeit unser not nit betrahten.
20 Wan höret mengen eilenden ruf: „helfa, helfe! Owe, wa ist ellü hilf
unser vründen, wa ellü gut geheiss unser valschen vründen? Wie
hant si uns gelazen, wie haut si unser so gar vergessen! Owe, er-
barment üch, erbarment üch über uns, joch ir unser [122'] aller
liebsten vründe! Wie haben wir üch gedienet, waz haben wir ge-
25 minnet, und wie ist uns gelonet! Ach, wie laut ir uns nu in dem
heissen kalchoven brinnen! Owe, daz wir dis selber nit ab uns
rihten, und wir daz mit so kleinen dingen hettin getan! Es ist doch
du minste marter hie mere, denn keines marterers uf ertrich ie
wart. Owe, ein stunde in dem vegffire hundert jar lang! Owe, nu
2 enmag AK 3 bleichen . . . toden AKa 7 der] die AK 11 angsten.
AKF 20 helfa h. fehlt F 22 f. erb. üch nur einmal AH 25 dem] disem
AKEE' 27 so fehlt AH 28 am Rande Augustinus EE'F^F'Z 29 f. am
Rande Crisostomus EE^F^F^Z
3 ff . Hör. 165: en manus invalidae incipiunt rigescere, faciea pallescere,.
visiis obumhrari et oculi profundari ac transverti, .... en pulsus incipit capri^-
sare, halitus deficere et quasi ex profunda se colUgere, 7 f. Z. c. : en cruentae
bestiae, larvales daemonum faciesy nigri aethyopes innumerabiles circumdant
me. 23 Job 19^21. 28 Aug.^ sermo 10 i (in append.) n. ö; in ps, 37 n. 3..
Vgl. auch Thomas^ In 4 Sent, diaU 21 q, 1 a. 1: q. 3. Comp, theol. verit. VII, 3..
286 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXI.
sieden wir^ du braten wir, nu rufen wir umb hilf! Aber ob allen
dingen tut we, daz wir des vrölichen anblikes so lange mfizen en-
beren; daz sweinet herz, sin und mfit." Und also verscheid ich.
Der diener: Ach, Ewigü Wisheit, hast du mich gelazen?
Owe, got, wie ist mir der tot so gegen würtig worden! Ach, sei 5
minü, bist du noch in dem übe? Herr von himelrich^ leben ich
noch ? Ach, herrc, ich loben dich und geloben dir bessemnge bis in
den tot. Wie bin ich so gar erschrocken! Ich enwiste doch nie, daz
mir der tot als nach waz. Gewerlich, herre, dise anblik aol mir
iemer gut sin ; herr, ich wil alle tag gan uf die läge des todes, und 10
wil mich umb sehen, daz er mich nit hinderschliche. Ich wil lernen
sterben, ich wil mich an ene weit richten. Herr, ich sihe, daz es
hie nit belibens ist. Herr, gewerlich, ich sol min rüwe und bftz nüt
bis an den tot sparen. Wafen, ich bin doch erschroken von disem
anblike, daz mich wundert, daz min sele bi dem libe ist! Tfi hin, 16
tfi hin von mir wol ligen, lang schlafen, wol essen und trinken,
zerganklich ere, Zartheit und wollust! Mir tut hie ein klein lideo
als we, owe, wie solti ich denne daz unmezig liden iemer erlidenV
We mir, got, were ich also tot, stürbe ich ietzent, wie s61t es mir
ergan! Wie hau ich noch so vil uf mir! Herre, ich wil hüt einen 20
dürftigen setzen min eilenden sele, und sidcr alle vrunde lazent, so
sol ich ire vrüntlich tun.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Sih, dis solt du emzklich
an sehen, die wile dn noch in diner jugent bist, die wile du noch
gesunt und stark bist, und die wile du es wol gebesseren macht. 25
Aber so du in der warheit an die stunde kumst, und du es nit ge-
besseren macht, so solt du nüt uf ertrich an sehen, denne minen tot
und min grundlosen erbarmherzikcit, daz din Zuversicht gantz belibe.
3 und sin AKaFF^ 8 nie] nit E 9 als nach] so gregen wirtig J**
13 f. nit sparen K^ 21 si nach sider nachf/vfraf/cn F 24 f. noch ges. —
d. wile du fehlt AKa
1 Ein Chnjsostomuüzitat zu :}S5,2*J f. Uisut sich nicht auffinden: Hom, 21
in Act. redet nur im allgnntinen vom Fe(jfca:r. 1 f. Hur. 166: super omnia
cetera tormentorum (jenera laedit nimium illius divinae faciei fclicissimae abseniia.
12 f. Hehr, 13,14, 201t. Vgl oben ;J8o.:^0ff. Hör, 167: dilectam aniviam
meam non sie ptrire permittam, sed ei in transitorio et hrevissimo hoc tempore
per tolerantiam labonim et exercitium rirtntnm pmcidebo, 27 f. Hör. 166:
tt miscricordiae. dei solius connnittas et passionem meam inter ie ti iudicium
meam intcrponas, ne institinm meam ultra tjuam necessc est pertimescens €xcidas
a spt tua.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXI. 287
Der diener: Owe, herre, ich valle dir ze vüz mit bitter-
lichen trehnen und bitte dich, daz du mich hie büzest, 8wie du
Avilt, spar mir es allein nit dorthin. [122^] Owe, herr, des vegfüres,
der grundlosen marter! Wie was ich so unsinnig da her, daz ich daz
h so gar ring wag, und wie vürchte ich es nu so übel!
Entwürt der Ewigen Wisheit: Gehab dich wol! disü
vorht ist ein anvang aller wisheit und ein weg ze aller selikeit.
Oder hast du vergessen, wie ellü du schrift rüflfet, was grozer wis-
heit lig an vorhte und emziger betrahtunge des todes? Du solt got
10 iemer loben, wan under tusent menschen ist es einem nit ze erkennen
geben als dir. H6r jamer: sü hörent dur von reden, sü wüsseu es
vorhin und lant hine gan, s& lazent vür gan, su achtent sin nit,
owe, unz daz su da von verschlunden werdent; und denne rüffent
sü, denne hüwlent und weinent sü, — so ist es ze spate. Tu du
15 ogen uf, zelle an dien vingern, lüg, waz ir eblich bi dinen ziten bi
dir tot sint. Hab ein kosen in dinem herzen mit in, setze dinen
alten menschen, als er tod sie, zu in, vrage sü mit einander, lüg,
mit welen gruntlichen süfzen und bitterlichen trehen sü sprechent:
„ach, gesah in got, daz er ie geborn wart, der dem süzen rate
20 v^olget und an vrömdem schaden gewitzget wirt!" Setze dich recht
uf ein hinevart, wan gewerlich, du sitzest als ein vögelli uf dem
zwie, und als ein mensch, der an deme porte des wassers stat und
lüget des geswinden ab vliezenden schifes, da er in sitze und hin
vare in daz vrömde land, do er niemer me her wider kumet. Da
25 von so rihte reht alles din leben dar nah, wenne er kome, daz du
bereit siest und vr61ich von hinnan varest.
5 [nu] 80 gar F 6 am Bande David EE^F^Z 7 ze aller wish. AKa
9 lit E^Z 10 nit einem AKa 11 gegeben FZ 12 vor in AEE^F^Z
14 hüwelent sü u. vv. [sü] FF^ 17 zö in fehlt F 19 dem] disem FF^
21 reht als e. v. FF^ ^2 [und] als A 23 hinnen AK
7 Sir ach 1,16. 8 Ehd, 7,40. 20 f. Hör. 169: di»pone domui
tuae (Is. 38,1), praepara ie ad viam universae camis, ad horam mortis.
288 Büchloin der Ewigen Weit^heit. Kap. XXII.
XXII. Kapitel.
Wie man inrlicli leben sol.
Der dien er: Hcrre, der übungc ist vil, derieben ist niengez,
eins sust, daz ander so; der wise ist vil und meogerley. Herr, du
Schrift ist grundlos, der lere ist ane alle zal. Ewigü Wisheit, lere 5
mich mit kurzen Worten usser dem abgninde dero aller sament, war
uf ich mich aller meist halten säle in dem wege eins waren lebens.
Entwürt der Ewigen Wisheit:. Du wärest, du nützest,
du behendest 1er, du dir in aller der schrift mag werden, in der da
mit kurzen Worten aller warheit überswcnklich bewiset wirst nach lo
der höhsten volkomenheit eines luteren lebens, ist disii lere : I. halte
dich abgescheidenlich von allen menschen ; 11. halte dich luterlich von
allen ingezognen l)ildeu; III. vric dich von allem dem, daz zft-
val, anhaft und kumber mag bringen ; IV. und rieht din gemute ze
allen ziten [123^] uf in ein togenliehes gütliches schowen, in dem 15
3 «1. dieiier fehlt F^HZ 5 lerer -1 8 am Rundt In collaciouibua
patriim «hi fine ui(maclii Moyses (inoii. al>biis 31. AZ) AKE^F'Z 9 und «lü
beh. AKa 11 ff. I— IV rot am Jiandf AEK^F^HZ 12 von (zweiUtf)] vor
AKccFFF'Z 13 von] vor KaKFUiZ 15 [in] ein AF
2 Hoi'. Ki'J Überavhnft: Fonnula coinj/cndiosa rüae spiritualis.
8 ff. Hör. UVjf, : mundus diversitatt' doctrinnrum nplctus est, Mille sunt modi
rirtndi, aliuH qiiidtm sie, aliu^ vero sie. Tot sunt Codices de vitiis et rirtuiibus
mar/istruliitr tractantes, tot sunt qaaterni (\,KoUegheft€'\) quaestioncs subtili^fAi-
mas et propositiones diversas pcrtractantesj ut prius cita hrevis deficiat, quam
omnia .sfudere, sed ntcdum pevleyere contingat. (Jitifi dinumerare passet omnia
}'(itiotialia, naturalia (Philosophie und Natur ui'ss:HMchaften), historialia, moraJia
ac diiHiia ( Thcoh(jie)j omnia scripta, cuncta comtnaita nova et vciera, elementar
iioneSy compilationes, siiujulosqne tractatns ac summas, quibus universa super*
ficies terrae tanquam ßurio inundante irrigata est? Vgl, auch Hör, 149 f,
8 ff*. Die 1. CoUation Joh. ('assians ist im ganzen Kapitel benutzt, besonders
c, 4, 1 , ti, 12, 13: vgl, Alhcrtus M., De adhntr, Deo c, 5. Scusc scheint übrigens
die ö'd'Ue 2(y^,ll—269M direkt aus Kckhart 49:2,34—498,1 herübergenommen zu
haben. Die ausführlichere Fassung des Hör. (ji. 170 ff.) ist zum Teil in die
Octo puncin perfectionis assequendae übergegangen, welche unter den unechten
]Vfrken des hl. Bernhard { Opp, ed, Mabillon III, 715 f.) stehen.
12 — 15 Hör. 170 f.: cordis ostia aformis sensibilium et imaginationibus terrt'
norum, quantum possibile est, habeas diligenter serata, , . . affectum tuum cum
omni diligentia absolvas ah his omnibus, quae libertatem ipsius impedire possenty
tt ah omni re jtossibilitattm habente aUigandi et ttnendi ipsum affectum ad •«-
hacrendum animum tuum iugitvr sur.sum in contemplatione divinarum e/€-
vatum habeas, ut divinis rebus ac deo mens semptr inhaereat.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXII. 289
du mich ze allen ziten vor dinen ogen tragest mit einem steten
gegenwarf, ab dem din oge reht niemer gewenke. Und swaz ander
übunge ist, es si armüt, vasten, wachen und alle ander kestigunge,
die richte zu disem als uf ir ende, und hab ir als vil, als vil sü
5 dich hier zu gefürderen mugen. Sich, so gewinnest du daz höhste
ende der volkomenheit, daz under tusent menschen nut eins begrifet,
wan sü mit ir ende allein uf andere übunge bestant und dar umbe
du langen jar irre gant.
Der diene r: Herre, wer mag in dem unverwenkten anbüke
10 dins götlichen gegenwurfes ze allen ziten bestan?
Entwört der Ewigen Wisheit: Nieman, der hüt lebt in
zit. Es ist dir allein geseit dar umb, daz du wissest, wa du solt
lenden und war nach du solt stellen und war du din herz und müt
solt tennen. Und wenn dir der aublik wirt underzogen, so sol dir
16 sin, wie dir din ewigü selikeit si benomen, und solt geswinde wider-
keren in daz selb, daz es dir wider werde, und solt din selbs acht
haben ; wan swenne es dir engat, so ist dir als einem schifman, dem
in starkem gewille du rüder sint engangen und nit weis, wa er hin
sol. Enkanst du aber noch nit blibens hier inne haben, so sol dich
20 du mengi dero inkeren und emzigü vluht in daz selb bringen ze
stetikeit, als verre es muglich ist.
H6r, hör, min kint, die getrüwen lere dins getrüwen vatters^
nim ir eben war, schlös si in den grund dines herzen ! Gedenk, wer
der ist, der dich dis leret, und wie gar er daz von gründe meinet.
25 Wellest du iemer türr werden, so nim sü vür dinü ogen; swa da
sitzest, stest oder gest, so si dir, als ob ich dich gegenwürtklich
2 niemer mer E^ 8 daz lang jar E 11 lebte E^ 13 lenden —
du solt fehlt F 17 so ist dir fehlt AF 18 nit enweiz Z 20 fruht F
20 f. ze stet. br. E^ 21 als — ist fehlt AKa verre] vil E^ 22 kint
mins AKa 24 ist] si FF'
3 ff. L, c: puritas cordis inttr omnia exercitia spirituälia ... tanquam
quaedam finalia intcniio sibi vindicat principatum : .... corporis casiigatio,
ieiunium vel vigüiae et similia virtutis exercitia quasi secundaria et inferiora
iudicanda suiU et tantum expedientia^ quanium ad cordis proficiunt puHtatem.
Beli-ge aus Thomas u. a. hei Denifle 447 A. 1 ; ders., Luther und LutJiertum
/» (1904), 365 ff. 9—10 Coli I c. 12. 11 ff. L. c. c. 13, 20 f. Hör.
172: quod frequentia actus similem sibi habitum generare consuevity ein schola-
stischer Gnmdsate. 22 Sprichw. 1,8. 26 türr = tiur, trefflich, ausge^
zeichnet (Denifle: vollkommener j, oder = dürre, trocken, lau? Letgtere Bedeu-
tung ist wahrscheinlicher.
H. SeuBC, Deutsche Schriften. 19
290 Büclileiii der Ewigen Weisheit. Kap. XXHT.
mane und spreche: „min kint, halte dich inrlich, luterlicb, ledklicli
und ufgezogenlichl** Sich, so wirst du schier innan miner Worten,
dir wirt och daz gut bekant, daz dir noch vil verborgen ist.
Der dien er: AcIj, Ewigü Wisheit, gelobt sist du eweklich!
Herre mine und min gctrüwste vrünt, wölte ich es ane daz nftt tun, 5
so zwingest du mich mit dinen süzen worten und mit diner zarten
minneklichen lere dar zu. Herr, ich sol nnd wil allen mineo vliz
dar an legen.
XXIII. Kapitel.
Wie man got miuneklich enphahen sol. 10
Ewigü Wisheit, kondi min sei nu komcn über den heinliehcu
schrin diner götlichen togni, so wölte ich noch me von minnen
vragen, und ist min vrage also: herr, du hast daz abgründ diner
grundlosen minne als gar us ge[123'']gossen in dinem minneklichen
lideune, daz mich wunder nimet, ob du üt me minnezeichen geleisten 15
mugist.
Entvvürt der Ewigen Wisheit: Ja, als daz gestime an
dem himel unzallich ist, also sint du minnezeichen miner grundlosen
minne ungezellet.
Der dienen Ach, süzü minne minü, ach zarter minncklicher 20
uzerwelter herr, lüg, wie min sele nah diner minne kalet! Kere din
minnekliches antlüte gegen mir verworfnen kreatur, lüg, wie ellü
ding in mir verswindent und vergaut unz an den einigen hört diner
inbrünstigen minne, und sag mir etwas me von dem edlen verborg-
nen hoide. Herr, du weist, daz der minne reht ist, daz si von 25
irem geminten nihtes begnüget; so si ieme hat, so si ieme begert,
swie unwirdig si sich dar inne bekennet, wan daz würket dii über-
kraft der minne. Owe, schöuü Wisheit, nu sa^ mir, weles ist daz
gröste und daz lieplichest minnezeiclien, so du ie in diner ange-
1 inrlich fehlt F 5 getn'iwer E^FF^ vi-üiit] vatter F 11 der
diener F^F-, nachgetragen E 14 jji^rundl.] gotlichen AKtx. in] mit E}
13 mizallichen AK 27 erkennet /;' 29 ie fehlt AKE
1 f . Vgl. Hör, 173 die Lehre des Altvaters Arsenius (Vita 104y4ff.):
fuge et face et quiesce. 2 f. Hör, l. c. : in qua (docirtna) si diligenier 8tudueris
et fideliter effectai mancipare ciiraveris, heatns eritt et quodammodo aeternam
feUdtatem in hoc fragili corpore inchoahis.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXm. 291
nomnen menscheit erzöigtest ane das grundlos minnezeichen dins
bittren 4;ode8?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Nu entwirtmir einer vrage:
waz ist daz, daz nnder allen minneklichen dingen einem minnenden
5 herzen von sinem geininten aller minneklichest ist?
Entwürt des dieners: Herre, nach mineni verstenne seist
nüt roinneklichers einem minnenden herzen denne sin geminter selb
selber und sin minneklichü gegenwürtkeit.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Daz ist also. Sich, und
10 dar umb, daz minen geminten nüt ab gienge, daz ze rehter minne
höret, do zwang mich min grundlosü minne dar zu, do ich von
diser weit scheiden wolte mit dem bitteren tode ze minem vatter,
— wan ich vorhin wiste den jamer, den meng minnendes herze
wurde nach mir habent, — daz ich mich do selb selber und min
15 minnekliche gegenwurtikeit ob dem tische des jüngsten nahtmals
minen lieben jungem gap, und noch alle tage minen uzerwelten gibe.
Derdiener: Owe, minneklicher herre, und bist du aber selb
selber eigenlichen da?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du hast mich in dem
20 sacramente vor dir und bi dir als gewerlich und eigenlich got und
menschen, nah sei und libe, mit vleische und blute, als gewerlich
mich min reinü möter trfig an ir arme, und als warlich ich bin in
dem himel in miner volkomenen klarheit.
Der diener: Ach, zarter herr, nu ist ein ding in minem
25 herzen, getörst ich daz mit urlob zu dir gesprechen? Herr, es kunt
nit von ungloben; ich gl5be, waz du wilt, daz du daz vermacht.
Aber, zarter [124'] herre mine, mich wundert, ob ich es getar
sprechen, wie der schöne wünneklich glorifizierte lip mins minnek-
lichen herren in aller siner grözi und ganzheit sich mug verbergen
30 als togenlich under der kleinen forme des brötlins, das diner masse
so ungemessen ist. Zarter herre, nu zürne sin nit! Wan du min
uzerweltü minneklichü Wisheit bist, so w61t ich gerne von dinen
gnaden etwaz da von us dinem süzen munde hören.
13 wan — 14 habent fehU AKa 14 habent wurde E^ do mich AF
16 gib m,VL E 22 als warl. als AKEF 29 f. als tog. mug v. EH
27 ff. Hör, 177: valde mirahile videtur, si fas est dicere, qualiter corpus
domini mei formosum cum suis dehitis dimensionibus et otnnimoda perfectione
contintri possit siU) formis minutis speeierum sacramentalium stbi improportio^
naliler tncomtnensuratarum. Die Erklärung ist Hör. 179 angedeutet.
292 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIII.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Wie min schöne lip nod
sele nach ganzer warheit sie in dem sacramente, daz enkan kein
zunge gesprechen, vvan es cnmag kein sin bcgrifen, es ist ein werk
miner almcchtikeit. Dar umb so solt du es einvalteklich gldben
und solt im nit vil nach gan. Und doch so mflz ich dir ein klein 5
hie von sagen; ich wil dir dis wunder mit einem andern wunder
uz stozen. Sag mir: wie mag daz sin in der natur, daz ein grozes
hus sich erbildet in einem kleinen Spiegel und in iedem stake, ob
er geteilt wirt? Oder wie mag daz sin, daz sich der groz himel als
kleinfügklich truket in daz klein oge, und doch an der grözi ein- 10
ander unglich sintV
Der diener: Herr, gewerlich, des enkan ich nit vinden; e«
ist ein wunderlichs ding, wan das oge ist als ein püntli gegen den
himel.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Sih, swie nu weder 15
dis noch einkein ander ding in der natur dem glich si, doch, und
mag daz du natur getfin, war umbe enmöcht ich denne, der herre
der nature, nit noh vil merü ding übernatürlich getön? Nu sag mir
me: ist das nit ein als groz wunder, himelrich und ertrich und alle
kreatur uzzer nute schephen, alse daz brot in mich ungesihteklich 20
verwandlen ?
Der diener: Herr es ist diu halb als muglich nah minem
verstene üt in üt wandlcn, als üt usser nute scliephen.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Und wundert dich denne
daz und dis nüt? So sag mir: du globest, daz ich vünf tusent 25
menschen usser fünf broten spiste; wa waz du verborgen materie,
du minen worten do dienet?
Der diener: Herr, ich cnweis.
3 iiiatr AKa 4 so fi'hli 1? 8 und] ald AKa 12 d. diener —
'21 vt-rwaiidlen fcidi F fi^ew. hcrre 1? 15 wodiM- filiU E^ 16 kein A'*
19 als fdih EFMIZ winidor] dinir AKaF 20 unges. in m. AKaZ
25 sag: »li'* !»<' AKa
4 t'. //or. /?/.• cavenihnn (tibi i,stf a praesumptnnt<n jterticnitatione.
15 tt'. L.c: et lictt in hoc exemplo simplici malnr ,sU disjiimiUiudo quam
fiinfiliUiilOy fiicut ei guaelibtt res ftaturalis maiorem imp<n'lat in jtroposito dijtsi'
mHitudimm quam similitudin-m^ nihilominua tftmm efr. 19 ff. L.c: qtiare
tarn imiiosftibilifi rideiur hatc tntnsmukUio ? Kt sici- niaior sit actus isie trati^*
8uh)<tantiationi8 ( Wtsenifvtncandlufig) creatione, ftire minor aive aequalis, non
inconsoiium tarnen ralioni est credere, qund hie, qni mundum e.r niltilo pro^
dncere potuit, viHiUem suam nequaquam ad hnnc solum actum limitaveHt.
BBcUein der Bwigeir Wdahdt Kap. XXni.
Du Wisheit: Aid glSbest du, daz du ein sei habest?
Der dieDCr: Herr, daz gl5b ich nit, wan ich weis es, wan
anders enlebte ich nit.
F-ntwi'irtder Ewigen Wisheit: Nu enmacht du doch die
ö sei mit keinen liplichen ägen gesehen: glöbest du denn, üb kein
ander wesen si, dem du man mag gesehen und gehören?
Der dieiier: Herre, ich weis, daz dero weaen vil me int, dl
ungesihtig sint von allen liplichen ögen, denn du man mag gesehen.
Du Wisheit: Nu Iflg, so ist manige mensch als grober sinne,
10 daz [124'] er dennoch kume glöben wil, daz üt si, denne daz er
mit sinen sinnen begriffen mag, dar Aber die gelerten ein wissen hein,
daz da7. nit also igt. Ze glicher wifte ist es hie nach menscblichem
verstenne gegen dem gÖtlichen wüseenne. Hette ich dich nu gefraget
also: wie sint geschaffen die ingange des abgründes, oder wie siiit
15 gestellet du wasser ob dien himelny du sprechest vil licht also: ^es
ist mir ze tief, ich engan im not nach und ich enkam in daz ab-
grfinde nie noh uf den bimcl nie." Nu hau ich dich gevraget irden-
scher dinge, dii dn sihest und hörest, und begriffest ir nit; wie
wütest du denne begrifen daz, daz alles ertricb und hlmel und
20 alle sinne übertriffetV Oder wie wilt du dem nach gefragen? Sihe,
sogtan wandten und schüzzig gedenke koment allein von grobheit
der sinnen, die giitlicbü und übernatürlich ü ding nement nach glich-
nuste irdenscher und natürlicher dinge, und also enist es nit. Gehere
ein vröw ein kint in einem turne, und so es dar inne erzögen wurde
•26 und im du mttter seile von der snnnen und von den Sternen, es
neme daz kint groz wunder und dftchte es nnbilltch und unglÖblich,
daz doch der mfttir gar knnd ist.
Der diener: Herre, gewerlich, ich enkan reht nüt me ge-
2 wan ilaz wti« ich K' 3 lebli £' 5 keinem 1. oge FZ 8 geg.
mag £' 10 wil globen AKaK' 11 mit — niag] mafr geselieD and gehören
ASu dar über daz ft*' hKin e. w. Z 15 dem liimel K^ 18 kom F'Z
21 wuödnitig AKa inatbözzige !■' 28 ial FZ 24 wirrde A
2 Nach Ihomieligeher Lfhre I Di veril, q. 14 a, 9> kann derselbe Vtrfland
ditseibt Sacht aklMll nicht Buglcich glauben und leiaaen. S f. ttor. 178:
alipta cntia invisibilia. 10 f. L. c: t-xptritntta ducet, iiuod multi Ulittrati
pro impo»gibili häbent ea, ds quilmg periti habent dtmongtratianem certüti-
mam, sieul pattl jrrateipue in gtometria et tulrologia. 17ff. l'f/l. Joh. 3,13.
81 Hör. 179: iolw dubilnlionM et conceptioneg errontae. 2ü ff. Ilor. mt:
ixemplum eommttn« sali» dt hoc habta de puero in cnrctre imio '.-4 diu hu-
Irito e
294 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXTTT.
sprechen, wan du hast mir mincn gl5ben erl&htet, daz ich einkeiu
wunder an minem herzen niemer me darf gewinnen. Oder wie wil
ich den höhsten nach gegan, so ich du nidersten nit begrifen kan?
Du bist dö warbeity die nüt geliegen mag; du bist du obreste wis*
heit, dö cllü ding kan ; du bist der almehtig, der ellü ding vermag. 6
Eya^ minneklicher schöner herre, nu han ich dicke von hencü
begerty daz ich dich mit denn gerechten Symeon in deoi tempel
m6hte han enphangen liplich an min arme, owe, minneklicher herr,
und dich mit minen armen in min sei und in min herze möhte han
getrucket, daz mir der geistlich knss diner waren gegenwfirtikeit lo
weri worden als warlich als ime. Herre, nu sihe ich, daz ich dich
als warlich enphahe alse er, und so vil adellicher, als vil din zarter
Hb nu glorifizieret und unlidig ist, der do lidig waz. Ach minnek-
licher herr, dar umb, hetti min herze aller herzen minne, min ge-
wisseni aller engel klarheit und min sei aller seien Schönheit, daz 15
ich es von dinen gnaden wirdig werc, herr, so wölt ich dich hat
alse minneklich cnphahen und in den grund mines herzen und miner
sei versenken, [125'] daz mich von dir weder leben noch t6d niemer
geschiedi. Ach^ süzer minneklicher herre, und hettist du, min uz-
erweltes lieb, mir nüwan dinen hotten gesendet, ich enwüsti in aller dO
diser weite nit, wie ich im es gnü wol solti han erbotten; wie sei
ich mich denne gebaren gegen dem, mit deme selben, den min sele
da minnet? Du bist doch daz einig ein, in dem beschlossen ist alles,
daz min herze in zit und in ewikeit begereu mag. Oder ist noch
üt, daz min sele mit dir, daz du nüt bist, begerV — ich wil ge- 25
swigen des, daz wider dich und anc dich, wan daz were mir ein
Unlust. Du bist doch dien ogen der aller schönste, dem munde der
aller süzeste, der berürde der aller zartest, dem herzen der «Her
minneklichest. Herr, ich ensilie nocli enhörc noch enphindet min
sele nit in allem dem, daz ist, si vindc ein iekliches tusent stunt JO
minneklicher in dir, niineni uzerwelton. Ach, minneklicher herr, wie
so! ich mich gegen dir halten von wunder und von vröden? Din
gegen wiirtikeit erzündet mich, aber din grozheit erschreket mich;
min bescheidenlieit wil ir lierren eren, aber min herze wil sin einiges
1 kein E'F' 2 me fehlt K"^ B giui AKaE'F' 11 als warl. w.
w. AKa 16 hiit fi'hU AK 18 der tod AK IJ» fxoticheide ]'?F 24 und]
ald K^ 26 iuie dich ist AKaJ^? 2Ö beirirde 7-'* 31 in dir — ininnekl.
fehlt F
1 f. L. c: admirationes no.iias iimidattque voqitationes tollis.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIII. 295
liep minnen and minneklich umbvabeD. Da bist min lierre und
min got, 80 bist min bröder, und ob ich es getar gesprechen, min
geminter gemahel. Owe, waz liebes, waz wunne und waz vr6den,
waz wirdikeit han ich an dir einem!
5 Ach, süzer herre, mich dachte daher: und were mir allein du
gnade widervarn, daz ich usser mins geminten oflFen wunden von
sinem herzen ein einig blfttes tr6phli sölte han enpbangen in minen
mund, wie ich Wunsches gewalt heti gehebt. Ach, her/kliches, un-
begriflFenliches wunder, nu han ich nit allein von sinem herzen, noch
10 von henden und vüzen und alb-n sinen zarten wunden enpbangen,
ich han nit allein eins oder zwei tröphlü, ich han 5ch alles sin
rosvarw hitzige blftt dur minen mund zft minem herzen und sele
enpbangen. Ist daz nit ein groz ding? Sol ich daz nit wegen, daz
allen hohen engelen tür ist? Ist daz nit ein minneklichs ding?
15 Herre, ich wölte, daz ellü mini gelider und alles, daz ich bin und
kan, verkeret wurde in ein grundelos niinne umbe dis minnekliche
minnezeichen. Herr, waz ist noch in aller diser weite, daz min
lierze erfröwen oder begeren muge, so du dich mir als minneklich
ze niezenne und ze minnenne gist? Es heisset wol ein sacrament
20 der minne. Wa wart ie minneklichcrs gehöret oder gesehen, denne
die minne selb selber in gnaden werden ? Herr, ich ensihe dekeinen
underscheit, denne [l^ö''] daz dich herr Symeon gesihteklich en-
phieng und ich ungesihteklich. Aber als wenig nu min lipliehes
oge din waren menscheit da mag gesehen, als weni^' mocht sin lip-
25 liebes oge do din gotheit gesehen denn in dem globen, als och ich
nu. Herre, waz lit mir kraft an diser liplichen gesiht? Dem des
geistes ogen sint uf getan, der bat nit vil sehennes uf liplich gesilit,
wan du ogen des geistes gescheut eigenlicher und warlicher. Herr,
2 fj^ot 80 b. m. fehlt AK 4.9 habe AKa 7 minem Aa 9 f. von
sinen wunden, von henden und fuzen und von sinem zarten herzen i'* 19 gi-
best Aa 21 keinen FF^Z 23 f. nu nach oge AK 26 lipl. fehlt r
28 am Randt Bernardus AE\F^Z
13 ff. Hör. ISlf.: nonnc istud est maximum et praecipuum donum et
dignis laudibus extoUendumj ad quod ntque angelica natura audeat aspirare?
Aique ideo utinam omnea artus mei et tota virtus mea et omnia iniei-iora mea
in laudem tuam reffolverentur, ut amori tuo pro passe meo respondere possem!
19 f. Hör. 182: bene itaque appellatur sacramentum hoc sacramentum amoris,
26 L. c. : sed quid mihi de visu corporeo, cum beati dicaniur oculi, qui non
vident secundum carnem (Joh. 20,29) etc, 28 Vgl, Bern., sermo 33 in
Cant, n. 3,
296 Büchlein der Ewigeu Weisheit. Kap. XXTTL
echt ich weis in dem globen, als verre man es wissen mag, daz
ich dich da han. waz wil ich denn nie? — so han ich alles, daz
min herz begert. Herr, mir ist tusent stunt nAzzer, daz ich dich
nit gesehen mag; wie möhte ich daz iemer an minem herzen vindeD,
daz ich dich also gesichtkliche nasse? Aber alsus so blibet daz, 6
daz da minneklich ist, und vellet ab, daz da unmenschlich ist. Herr,
so ich hinderdenk, wie grundlos wol, wie minneklich, wie ordenlich
du cllü ding hast geordenet, so rufet min herz mit luter stirome:
o höhü richheit des abgrundes der götlichen wisheit, waz bist da
in dir selber, so du als recht vil bist in dinen schönen asvlAzzen! lO
Nu, rainneklicher herre, nu sihe an die begirde mins herzen!
Herre, es enwart nie kein kAnig noch keiser so wirdeklichen en-
phaugen, nie kein lieber vrömder gast so minneklich umbvangen, nie
kein gemahel so schone noch so zärtlich ze huse gefnret noch so
erlich gehalten, als min sei begert, dich, minen aller werdesten keiser, 15
mines herzen niler süssesten gast, miner sele aller minnekliehesten
gemahel hüte cnphahen und in füren in daz inwendigest und daz
beste, daz min herz und min sei gelcisten mag, und dir es bieten
als wirdeklich, als es dir ie von keiner kreature erbotten wart. Herr,
dar umb so ler mich, wie ich mich gegen dir halten süle, wie ich 20
dich gnü sclionc und minuekliche cnphahen sül.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du solt mich enphahen
wirdeklich und solt mich niessen demütklich und solt mich behalten
ernstlich, in gemahellicher minne unibsehliezen. in gotlicher wirde-
kcit vor ogen haben ; geistlicher hunger und gegenwürtiger andacht 25
sol dich zu mir triben nie dennc gewonheit. Du sele, du min in
der heinlichen kluse eins abgescheidenen lebens inrlich enphinden
und süzklich niessen wil, du müz vorhin von Untugenden sin ge-
fürbet, mit tagenden gezieret, mit lidikeit umbhenket, mit roten rosen
inbrünstiger minne bestecket, mit schönen violn demütiger verworfen- 3ö
1 mag wissen AKcc B gert X 4 viuden] han AK gehoben a
5 misse (!) Ä 6 [daz] da m. /V* nnd — unin. ist fehlf AK 7 gniudlosc-
lieh /'.* 9 am Bande Paulus A 11 d. innckhchcu bog. AK 12 [herre]
es AK 18 frnmdor lii'l)er 1? 17 f. in daz best u. in d. inw, K 19 von
ie k. I^F^ 20 so fehlt 1^ 2\) sin -irz. /•; 30 sin best. E umh-
steeket F^HZ
41". llnr. W3: f/uvi enini tantae ponsei esst^ff-rocitatis^ ut ipsum pratsunurti
sah forma cartii,s et sanyainis ma-sticarct^ 9 Röin. ILoo. 9 f. Ifor.l,c.:
qualia tu in tjtsa esstnüa, </ui talis es av tantns in rtrain craUarum tffluentia
tarn n'riuofia !
Etacm^ der Ewigen Weüheit. K&p. 3
£111.
297
heit und wiseeu lylien rehter reinikeit hezetet. Si »ol mir betten
mit herzen vri de, ivan in dem vride ist min [liiJß'] stat; si sol mieh
in ir arme umbRChliesBen mit usgeBchloggenheit aller vrämder miune,
wau ich acbübe si und flüb si, als der wilde vogeJ tftt die kevi.
5 Si sol mir singen des gesanges von 8yon, <Ihz ist ein inbrünstiges
minnen mit einem grundlosen lobenne; denne Avil ich si umbvahen,
und si sol sich uf min herze neigen. Werde ir da ein stilles rftwen,
ein blozes seliüwen, ein ungewonlicbg niessen, ein vorsmak ewiger
süzikeit und ein enphinden ewiger selikeit, da» hab ir, bebabe es
10 ir selben, wan der vrfimde enphindet sin not; sprecb also mit einem
grundlosen siifzen: „gewerlich, da bist der verborgen got, du bist
daz heinlich gQt, daz nieman kan wissen, der sin nit hat enphimden."
Der diener: Owe miner grozen blintheit. in der ich bis her
bin gestanden I Ich brach die roten rosen und smakt ir mit; ich gie
15 under den schönen blAmen und sah ir nut; ich wav. als ein ti'irres
zwi in des süzen meien töwe. Owe, mich enkan niemer me ver-
rüwen, daz du mir so manigen tag so nahe bist gewesen, und ich
dir 80 veiTC bin geein, Owe, du süzer gast der reinen sele. wie ban
ich dir es bis her gebotten, wie hau ich dir es so dike missebotten!
30 Wie unbegirlich ich ab der süzen engetspise gebaret! Ich bäte den
edelen baisam in dem mtmde und enphant ein nit. Ach, du vröden-
richi'i Sgenweide aller engel, ich gefröwte mich din doch nie recht!
Und sölt mir ein liplieher vrtint des morgens ein komen, ich het
mich alle die nacht dar nf gefr6wet, Ich bereite mich doch nie
26 gegen dir werden gaste, den himelrich und ertrich eret, als ich bil-
licbe solle. Ach, wie kerte ich mich so geswinde von dir, wie ver-
treib ich dich so balde us dime eigen! Owe, uiinneklicber got, und
bist du selber hie als gegenwärteklich, und ist der enge! schar bie,
und ich dar zfi hIs binlicbe han getan! Herr, ich wil din geswigen,
3u gewerlicb, herr, ich enweis kein stat iilier vil milen, da ich vür war
hette gewisset der heiligen engein gegenwürtikeit, der hohen geisten,
1 rebt rein, fehlt F ein bez. JKEE' beten ARE' 4 wan dö
diih n. flcli. ich K' 9 daz bebabo ir AKat:^ 11 gnindl,] herzkliuhen AKa
19 bevunden K enpli. hat £' 17 ^ew. biet A'' IH bun lieh] Z 26 f. bill.]
K rehte £,"' 28 »elb sell'er AKaK 30 eiikt'iii AK da] duz AF^ 81 ge-
wisBen A
•i Ps. TS^. *b Vgl. fa. I3<i,3. 7 ff. Hm: Jöö: «i eimcet/ia Jua-it
rftdupci- iHtffahilü pauaatio, rapltea guacdata conlemplatio et inasUula fruitio
iiliuit stimmt et veri praegtniis buni, .... gralias rtferat bonorum amnium lar-
gilori nee se vtrbis effundai, sed stcreiun seeftlmn tcntui eh:
298 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XX] IL
die dich schowent ze allen ziten, ich were mit willen dar gegangen,
und mocbt ich 8& joch nit han gesehen, ro hette sich doch min
herze in minem Übe ab inen gefröwet. Ovve, suzer herre, und daz
du selber, aller engel herre. gegen würtkliche hie werd, und bi dir
vil der engel schar, daz ich der stat nit me war nam, daz mäz mir b
iemer leid sin! Ich solte doch der stat han genigen, da ich dich
also hetti gewist, und m6ht mir anders nit sin worden.
[126^] Owe got, wie bin ich dik an der stat, da du vor mir
und bi mir werd in dem sacramente, so recht unbesintklicb und un»
andechtklicb gestanden! Der lip stftnt da, aber daz herze waz anders- lo
wa. Wie han ich dik so mauigen ker da hin vür dich, werden herren,
getan so gar unbedachtklich, daz dir min herz nit einen herzklichen
grftz bot mit einem andechtigen nigenne! Herr, zarter herre mine,
minü ogen söltin dich han an gesehen mit spilender vröde, min herz
sölte dich han gemeinet mit gantzer girde, min mund s61te dich han I5
gelobt mit inbrünstigem herzklichem jubilierenne, alle min krefte
söltin sin zervlozzcn in dinem vrölichen dienste! Waz tet diu knecht
David, der vor der arke, da allein lipliches himelbrot und liplichA
ding inne warent, so vrölich mit allen sinen kreften sprang! Herre,
nu stan ich hie vor dir und vor dien heiligen engein, und valle dir ao
ze vflze mit inneklichen trehen mins herze. Gedenk, gedenk, zarter
herre, daz du hie vor mir bist, min fleisch und min brüder, und
laze varn, vergib mir hut alle die unerc, die ich dir ie erbot, wan
daz ist mir leit und uiüs mir iemer leid sin, wan daz Hecht der
wisheit beginnet mir erst liicliten; und du stat. da du bist, nit allein 25
nach der gotlieit, oeh nach diner schönen ni inneklichen nicnscheit,
sol iemer me von mir vürbaz geeret werden.
Ach, minnekliches gut, vvirdiger herre und süzer gast, min sele
vragti ^ar gerne einer vrage: zarter herre, sag mir, waz bringest
1 ze a. z. dich seh. /'.'* 3 siizer fehlt K' 4 were AKaE^ 5 schare
AK nit] iiio AF 9 wert- Act V> ich dir [min herz] F 13 mine fMt K^
14 spilenden tVodeii E^ 20 vor allen din«*n enjjrelu AKa 21 vüzeii AaK
inneki.J bitterlichen AKa 23 hut fthh AKccE 27 vfirb. v. ni. AKaEF
2i» ein vr. AccK^F^
«)t'. Hör. IS't : nam uhi dominum mcuin jtracsmtem sriri, humiliUr inclinare
(lel'Ui, cum nliitd siynum rererentiae sil»i tJc/iilnre non potni. 11 f. L. c:
fi (/uniiens lorum fnttir, in (/ko ^'ub f<acramn(o /losp'S dulcissijnus prticsfns
fui.vti , iief/li(ff'uUr rt ftstinaitfcr practeni ! 14 (T. llar. ISS: idto tnat
))i'(i€Si'iitiat dihuit cor adc/nudfrcy nniuiHs <iji}ilainlerr. nruli laetanter arridert,
OS iufiil(in\ Inbin te benedicere vi (florifirarv, d siminhi (/anegiie tnembra et artur
tui Offtcnderc siijna nmoriy. 17 fl'. // A'^m. <;,/-/.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXm. 29^'
du diner geminteD mit diner waren gegen würtikeit in dem sacra-
mente^ so si dich minneklich und begirlirh enphahet?
Entwurt der Ewigen Wisheit: Ist dis einem minner ein.
zimlichü vrage? Waz han ich bezzers denn mich selben? Der sin
5 liep selb selber bat, wem bat der nach ze vragenne? Der sich-
selben git, waz hat der verseit? Ich gib mich dir und nime dich
dir und vereine dich mit mir; du verlürest dich und wirst verwandelt
in mich. Waz bringet dt sunne in ir aller schönsten glenzendem
widerglaste dem ungewülkten lüfte V Waz bringet der ufbrechende
10 liechter morgensterne der vinstren nacht? Oder waz bringet du
schön sumerwunne wünklicher gezierde nach dem kalten winterlichen
trurigen zite?
Der diener: Owe, herr, du bringent rilich gaben.
Entwurt der Ewigen Wisheit: Sü dunkent dich rilich,
15 wan s6 dir gesibtklich sint. Sih, du minst« gnade, d6 von mir
vliezent ist in dem sacrament, ist in ewikeit widerglenzender denne
kein der liplichen [127'] sunnenglaste. Si ist lühtender denne kein
morgenstern, si ist in ewiger Schönheit dich wünklicher zierende,
denne kein sumerlichü gezierde daz ertrich ie gezierde. Oder ist
20 min liechtü gotbeit nit glenzender denn kein sunne, min edlü sele
lüchtender denn kein Sterne, min klerter lip wünklicher denn kein
sumerwunne, du du warlich hüt hast enphangen?
Der diener: Owe, herr, war umb sint sü denne nit enphint-
licher?. Herr, ich gan dicke zu in sogtaner hertikeit, daz mir als
25 türe ist alles lieht, gnade und süssekeit nach minem verstenne als
einem menschen, der blint geborn ist und daz Hecht nie gesach. Herr,
getörste ich es sprechen, so gönde ich diner waren gegen würtkeit
wol, daz du diu selbs mer Urkunde hettist gegeben.
Entwurt der Ewigen Wisheit: So der Urkunde ie minr
6 am Rande Augustinus EE^F^Z 6 f. und nime d. d. fehlt F 7 mit
fehlt E 8 am Rande Nota Bemhardus F^ aller glenzendem schönsten (!) E^
10 morgenrot AK 13 bringet AE"^ gäbe E^ 15 gesihtig E^ 21 klerter]
zarter F 25 1. und gn. [und süss.] AKa 26 der] daz AKa 27 ge-
sprechen E^FF^ 29 am Rande Paulus EF^Z
6 ff. Aug., Conf VII, 10: nee tu me in te mutahis, sicut cibum camis
tnae, scd tu mutaheris in me. 15 Hoi\ 169: minima gratia gratum faciens
(heilig machende, im Unterschied von der aktuellen Gnade). 21 i. Hör. 191:
nonne melius esset, ut evidentioribus indiciis et manifestiorihus experimentis
fidem tantof-um ifistaurasses mysteriorum? 29 f. L. c: an ignoras, quia per
fidem ambulamus et non per sptciem (IL Kor, 5,7) ?
300 Büchleiu der Ewigeu Weisheit. Kap. XXIII.
igt, so der globe ie latere ist und din Ion ie mer ist. Es wurket
der herre der natur so togenliehe in mengem schonen bome ein
wunklichs zflnemen, daz doch kein oge noch kein sin die wile
enphinden mag, e daz es vollbracht ist. Ich bin da nit ein uslüh-
tendes Hecht, ich bin nüt ein uzwurkendes gut, ich bin ein inwfir- s
kendes gftt, und daz ist so vil edeler, so vil es geistlicher ist.
Der diencr: Owe, got, wie ist so wenig menschen, die daz
wegen von gründe, daz si da enphahent ! Sü gant zfi als die andern
gemeinlich in einer schichten unbedahten wise, und dar amb, als st
lere dar gant, also gant sü gnadlos dannen; s& zertribent der spise lO
nit, daz su wegen, waz sü da enphahent.
Üü Ewig Wisheit: Ich bin dien wolbereiten daz lebende
brot, dien kleinbcreiten daz trucken brot, aber dien unbereiten ein
zitlicher schlag, ein totlicher val und ein ewiger vlfich.
Der dienen Owe herre, wie ist dis ein so erschrokenlich 15
ding! Ach, zarter herre, weli heissest du die wolbereiten oder die
unbereiten?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Die wolbereiten sind die
geluterten, die kleinbereitcn die vermittelten, aber die unbereiten die
sündigen, die mit willen oder mit werken in totsünden stant. SO
Der diener: Owe, zarter herr, ob denn ze der stunde dem
menschen sine sünde von herzen leit sint und sin vermugen dar
inne tftt, daz er ir nach der kristeuheit reht ledig werde?
Entwürt der Ewigen Wisheit: So ist der mensch ieze
nit nie in sünden. 25
1 «Hu trlobe AKa 1 f. am Rande Nota Uernhardu.s F^ 4 da fehlt
E'F 5 f. ich b. 0. inw. «rüt fehlt F 9 uubt'd. fMt AH 11 da fehlt
K FF'Z 14 lind f. t. val A1':F 15 ilis] daz AKa 16 ach fehlt AKa
21 di'iiij d«Mi AKE 221". dar zii AKa.
4 ff. llur, 1U:J: jiraesentia dirina ilddem cxisicn^- lux est, non quidem
tffh's, (/nue ah oculo cor^torm vidtri jntssif rcl quae k<: ad cj:ieriora diffuntlit,
md t/iiae a solo infelh'itn divino rcl stdtern ah ipso htaiißcato videri poitsit, . . .
nnm tt suhsinnfiai spiri/uahs. qunnto fw rint nohihnrcs, tantn simplivi'ore«.
IUI". /.. <:: lii sunt fdruf animalia nnn ruminantia, 18 ff. Hör. 193:
oninino indlspoHiti .... htut: diftpositi, sicnt p:rft'rti^ .... (juidam media modo
se liahcnt, sivut indevoti. 21 iV. L. c: si hninn .... in jtrocinvtu acvedendi
d'.' pecratis cfniftrifar tf facif mcutidam statuta ecclcsiae hoc quod pott'M, ntiin-
qaid aadilfif dt tna tjratia homo Uir ptrcaiar tutedirc c* Sa }t i cntia ; si vert
t'outiritur et vonsilio spiritualium atitur innliionim id. h. trenn er btreui und
hiichtctK iam proprio loqueiido pevvalnr non t'st.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXTTI. 301
Der diener: Herr, nach minem dunke, es ist der grösten
dingen eins, so alles zit geleisten mag. Herr, wer lebt in zit, der
sich gnü wirdeklich zu dir bereiten muge?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Der [127^] mensch wart
5 nie geborn, und hette ein mensch aller engel naturliche luterkeit^
aller hailigen reinikeit und aller menschen gütü werk, er were min
dennoch unwirdig.
Der diener: Owe, minneklicher herre, mit welem zitter sAlen
denn wir unvervanklich& gnadlosü menschen zu dir gan?
10 Entwürt der Ewigen Wisheit: Swenne der mensch ge-
tüt sin vermugen, so wirt nit me von im gevordert, wan got vol-
bringet daz unvolbrachte. Ein siech sol alle blugkeit hin werfen
und sol dem arzade nahen, des bisin sin genesen ist.
Der diener: Minneklicher herr, weder ist aber besser dik
15 oder selten dich in dem wirdigen sacrament enphahen?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Swelen menschen gnad
und andacht enphintlich da von wahset, dien ist du emzikeit nütze.
Der diener: Herr, da denn ein mensch nach sinem versten
glich stat oder dike in grözer hertikeit ist?
20 Entwürt der Ewigen Wisheit: Der mensch sol sich von
der hertikeit, so echt er daz sin getüt, nit merklich enziehen, wan
daz heil der sele, du von gottes geleze in hertikeit stat, wirt dik
allein in dem lieht des lutren globen als adellich volbracht, als in
grozer süzikeit. Ich bin ein gut, daz gebrucbet wahset und gesparet
8 aus cit nachträglich cittren korr. E 11 mugen AK 15 dich nach
sacr. E^ 16 am Rande Augustinus EE^F^Z 16 f. swelem ... dem FF^
23 volbr. als ad. i'»
1 es bezieht sich nach dem Hör. auf das Sakrament überhaupt, nicht
auf die Vorbereitung dazu, 4 f. Hör, l, c. : inter natos mulierum non sur-
rexiij qui ex sola virtnie et iusiüia operum suorum tanquam ex condigno se
sufficienier praeparare possit. 16 f. Hör. 196: super hac re communem ac
Hotam egregii doctoris Augustini (ep. 64 n. 2. 4) accipe sententiam, qui utrum"
que pro loco et tempore dicit esse commenddbiU, ut et pro reverentia interdum
ahstineatur et ex devotione nihilominus accedatur, Quihus vero ex frequenti
accessu reverentia sacramenti pariier et devotio accrescit, his frequeniatio ipsius
utilis erit. Seuse hat übrigens auch Thomas, Li 4 Sent. diM. 12 q. 3 a. 1: q. 2
benütst. Vgl. Denifle 466 A. 4. 23 Hör. 196: cum solo fidei suhsidio anima
innititur nee aliqua dulcedine spirituali fulcitur. 24 f. Opusc. 68 (inier opp.
S. Thomae) c. 14: corpus Christi dum manducaiur augmentatur.
302 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. XXIU.
swinet. Es ist besser von miimen zft gan, denne von vorchten von
stan ; es ist besser nlle wachen einest zfi gan mit einem tiefen gründe
relitcr demutkeit, denne einest in dem jare mit einem überhebenne
in sin selbes billicheit.
Der diener: Hcrre, ze weler zit beschiht der influs der gnaden 5
von dem sacramentV
Entwürt der Ewigen Wisheit: In dem nu des gegen-
würtklicben niezens.
Der diener: Zarter herr, ob ein mensch nu in grundlosem
jamer nach diner liplichen gegen würtikeit des sacramentes stat, und 10
er din enbern mftz?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Meniger mensch wirt
min nüchterlingen vol, und manigcr gewinnet min ob dem tische
mangel; die küweut mich allein liplich^ aber dise niezent mich
geistlich. 15
Der diener: Zarter herr, hat aber der mensche üt vürb,iz,
der dich liplich und geistlich enphahet, denn der dich allein geist-
lich nüsset?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Weder hat der mensch
me^ der mich und min gnad(^ hat, oder der min gnade allein hat? 20
Der diener: Herr, wie lange blibest du in liplicher gegen-
würtikeit bi dem menschen, so er dich enphahet V
Entwürt der Ewigen Wisheit: Alle die wile daz bilde
und glichnüsse des sacramentes belibet.
1 am Rande In collacionibus patrum abbas Cbrrcmon EK^Z 5 gnade
E^F^ 7 am Rande Thomas EE^F^Z 7 f. gegenwurtigen Z 10 liep-
lichen F 14 [mich] allein tJ 23 am Rande Thomas EE'F^Z
1 — 4 Coli, :?3 c, !21 (abhas Thconas, nicht Chaeremon). Hör, L c: melius
est singulis hebdomadis vcl etiam dicbus acctdere. Vgl. auch David von Aug9^
burgj De comp. III, 10. 7 f. T ho man, S. Th. 3 q. ^(J a. 8 ad 6: in ipsa »ump-
Hone huius sacramenti .... ptrcipitur sacramenti effecius. 12 flf. Seuse
redet von der geistlichen Kommunion {Thomas^ S. Th. 3 q. SO a. 1—3), Zar Er^
klürung Denifle 4^)8 f. Anm. 19 f. Hör. 197: revera ampliorem materiam
dtvntionia et gratiae habet qui nti'umquc suscipity quam qui alter um tantumj
quin aimul habet donantem cum dono, causam cum eß'ectu. 23 f. ThomtUf
S. Th. 3 q. 7(i a. 6 ad 3: corpus Christi remanet in hoc sacramento .... quou^
que Speeres sacramtntales mancnt.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIU. , 303
Dis solt du sprechen, so du zu gast.
[128'] Eya, du lebendü vruht, du suzü gimme, du wuuneklicher
paradisöphel dez ^eblüraten vetterlichen herzen, du süzer truhel von
Cypcr in den wingarten Engaddi, wer git mir, daz ich dich hütte
5 als wirdeklich enphahe, daz dich gelüste zö mir ze komen, bi mir
ze blibenne und von mir niemer ze scheidenne? Eya, grundloses
gtit, daz da himclrich und ertrich erfüllet, neige dich hüt gnedek-
lich zu mir und versmahe nit din armen kreature! Herr, bin ich
din nit wirdig, so bin ich din aber notdürftig. Ach, zarter herr, bist
10 du nit der, der himelrich und ertrich mit eime einigen worte ge-
schephet hat? Herr, mit einem einigen worte macht du min siechen
sele gesunt machen. Owe, zarter herr, tu mir nach diner gnade,
nach diner grundlosen erbermde, und nit nach minem verdienenne.
Du bist doch daz unschuldig osterlembli, daz hüt vür aller menschen
15 sünde wirt geophert. Ach, suzes wolgesmackes himelbrot, daz da
allen süzen smak in im hat nach iedez herzen begirde, mache hüt
lästig in dir den türren munt miner sele; spise und trenke, Sterke
und ziere und vereine dich minneklich mit mir! Ach, Ewigü Wis-
beit, nu kum hüte als krefteklich in min sele, daz du alle mine
20 viende vertribest, alle mine gebresten versmelzest und alle mine sünde
vergebest. Erlühte min verstentnüsse mit dem Hechte dins waren
geloben, enbrenne minen willen mit diner süzen minne, erklere min
hügnisse mit diner vrölichen gegen würtikeit, und gib allen minen
kreften tugent und volkomenheit. Bewar mich an minem tSde, daz
^5 ich dich oflFenbarlich werd niessende in ewiger selikeit. Amen.
1 8olt d. spr.] sprich F 4 dem w. AF 10 f. geschaffen F 15 geoph.
Wirt A^ da fehlt i> 16 in im selbe E^ 17 dir] mir AF 23 gehüg-
nüsse E^F 24 mich gnedecliche F
3 f. Hohel. 1,13. 11 f. Matth, 8,8. 15 f. Weish. 16,20,
304 ^ Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIV.
XXIV. Kapitel.
Wie man got grundlosklich alle stunde loben soL
Laiida anima mea dominum^ landabe dominam in
vita mea. Ovve, got, wer git minera srollen herzen, daz es sin
begirde erfülle vor minem tode in diuem lobe? Wer git mir, daz 5
ich in minen tagen gelobe wirdeklich den geminten hcrren, den min
sei da minnet? Ach, zarter herr, wan giengi als manig schönes ge-
done von mineui herzen, als menig vrörader snzer seitenspil ie
wart und als menig lob und graz ist, und du ellä nf geriebt wereu
hine vür dich in den himelschen hof, daz von minem herzen uf lo
trunge ein so wünneklichs ungehörtes lob, daz es den 5gen dines
herzen gevellig were und allem himelschen here vr6debere ! Minnek-
licher herre, bin ich dins lobes nit [128''] wirdig, so begert doch
min sele, daz der himel dicli lobe, so er in siner aller wunneklichsten
schonlieit mit der sunnen glaste und mit der Hechten Sternen unzal- 15
liehen mengi in siner hohen klarheit widerluhtet, und die schönen
beiden, so sü in sumerlicher wunne, in manigvaltiger geblümter ge-
zierde, nach ire naturlichen adel in lustlicher Schönheit widerglen-
zent, ach, und alle die stizen gedenke und inbrünstige begirde, die
kein rein minnendes herze ie nach dir gewan, so es in heiterlicher 20
suramerwunne dins inlülitenden geistes umh/iceben waz.
Herr, so ich aliein an diu hohes lop gedenke, so möchti miu
herz in minem lip zerfliezen. mir vergent die gedenke, mir gebristet
Worte und ellü wise engat mir. Es lülitet neiswas in dem herzen,
daz nieman gewurten kan, so ich dich, daz wiselose gftt, loben wil: iS
wan ^^an ich in die aller schönsten kreature, in die höhsten geiste,
in du lutersten wosen. daz überpist du alles unsäglich, gan ich
denne in daz tief abgründe dines eigen gutes, herre, da verswindet
alles lop von kleinheit. Herre, so ich hül)schü lebendü bilde, lutzelig
2 >tuii(l«'ii A' <) winl. Lr<'lol»e 7-.* lu von] ii8 7^' 14 dich der
b. /•.' sill.'r h/il/ F 18 1. Avid«-rq]('uzt't /;» 21 wunne t? 25 dich
/VA// UZ
)i P.V. I4.'t,i. 'J4 tt". Jfor. lOH: tiom gtunidam inejß'ahiU de^derium^
qvod omnem natnrae sujiert/redihir /(uultalcm, (e suinmuin bonum laudandi in
mv invi'fiio, fjuod tatnen infnrme relitn/ai sim (\r inj/ossibilitate deploro. Nam
si tff iiifeUitj- ntiis seit inttlhcindlifius crea1nris: coinintran' rolucrOj in infinitum
ff sup.ifjrcdl i.umtas crtaiiiras rerfissime iui'(nio. 20 Jlor. iiOO: pulchrae
spedes (t ad ridtndum dilectabtlcs haftih\**f/ue ad amandum.
BücUein der Ewigen Weisheit Kap. XXIV. 305
kreaturen an blike, so sprechent sä zft minem herzen: „eya, Ifig, wie
reclit 16tzelig der ist, von dem wir geflossen sin, von dem ellü
Schönheit komen ist!^ Ich durchgan himel und ertrich, die weite
und daz abgründ, wald und beiden, berg und tal: du schrieet ellA
5 sament in min6 oren ein rilich gedöne dins grundlosen lobes. So
ich denne sihe, wie grundlose schone und ordenlich du ellü ding
ordnest, beidü Abel und gftt, so wird ich wortlos. Herre, swenne
ich aber gedenke, daz du daz loblich gAt, der bist, den min sele
hat uss erwellet, und den min sei ir selber allein hat us erkorn ze
10 einem einigen geminten liebe, owe, herr, so möchte min herze von
lobe in im selben zerspringen.
Eya, zarter herr, nu sihe an die inneklichen begirde mins
herzen und miner sele und 1er mich dich loben, lere mich, wie ich
dich wirdeklich gelobe, e daz ich von hinnan scheide, wan dar nach
15 türstet min sei in minem libe.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Loptist du mich gerne?
Der diener: Owe, herre, wes reizest du mich? Du erkennest
doch ellü herzen, du weist, daz min herze in minem libe sich möcht
verwandelen von rechter begirde, die ich dar nah han gehebt von
20 minen kindlichen tagen.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Den gerehten gezimt mich
ze lobenne.
Der diener: Owe, herre, ellü min gerehtkeit [129'] lit an
diner grundlosen erbarmherzikeit. Minneklicher herre, nu lobent dich
25 doch die fr6schen in den graben, und mugent sü nit singen, so
gewzent sü aber. Owe, zarter herre, ich weis und erkenne wol, wer
ich bin, herr, ich erkenne wol, daz ich billicher umb mine sünde
sölti vlehen denne dich loben; aber doch, du grundloses gut, ver-
smahe nit von mir ungenemen wurme min girde dines lobes. Herr,
30 so dich nu Seraphin und Cherubin und du groz zal der hohen geisten
alle lobent nach ire aller grösten vermugenne, waz mugen sü denne
1 kreatur EF' 4 beide AKaE^F^ 12 miniieklichen Fa 18 wie]
daz EFE 17 owe] ach EF 18 f. verw. mohte E^ 21 am Rande David
EE^HZ 25 dem AFF^a 26 geuzent F gew&tzend F^ rohlent H 27 f. solti
bin. £^ biU. solti AK 30 engel und geisten F 31 lob. aUe Z allem E^
21 Fs. 32,1. Hör, 201 fügt Sirach 15,9 hinzu. 23 f. Vgl. Aug., Conf.
IX, 13; In ps. 139 n. 18, 144 n. 11. 24 ff. Hör. l. c: nonne et vermes et
ranae immundae ex putredine generatae coaxitantes in paludihus te suum crea-
torem laudare cupiunt prout aciunt et posaunt ?
H. Seuse, Deutsche Schriften. 20
306 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIV.
vürbaz getün gegen der loblosen ungemessen wirdekeit, denn du
aller minste kreatur? Herre, du stest aller kreatnr unnotdürftig, aber
din grundlosen güti küset man so vil mer, so vil du dich unver-
dienter gist.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Swer mich wenet nach 6
wirdikeit voUoben, der tftt, als der dem winde nach jagt and den
schatten ergriffen wil; und doch so ist dir und allen kreatoren er-
I5bet, mich ze lobenne nach allem vermugenne. Wan es enwart nie
kein kreatur so klein noch so groz, noch so gftt noch so bös, noch
enwirt niemer, eintweder si lobe mich^ oder si erz6iget mich loblich; lo
und so si mir ieme vereinet ist, so ich ir ie loblicher bin^ und so
din lob ie glicher ist dem lobe der ewigen gloric, so es mir ie lob-
licher ist. Und daz lob ist so vil glicher, so vil es me von allen
kreaturen nach inbildunge geledget ist und mit mir in rebtem an-
dacht vereinet ist. Es dönet baz in mincn oren ein inrlichs 15
betrahten, denn ein lob allein von Worten, und ein herzklichs süfzen
erklinget baz, denn ein hohes rufen. Ein demütigu Verworfenheit
sin selbs in rehter versmechte undcr got und ellu menschen in eime
nüt wellen sin dönet vor mir ob allen schonen klenken. Ich er-
schein vor minem vatter uf ertrich nie so loblich, als do ich stftnt ä)
an dem krüze aller totlicheste. tätlich lüte lobent mich allein mit
schonen Worten, aber ir herz ist verre von mir; und dez lobes achte
ich wenig. So lobent mich etlich wol, so es in nach wünsch gat,
aber wenne es inen übel beginnet gan, so verget daz lob; und daz
lob ist mir ungenem. Aber daz ist ein werdes lob vor minen göt- 25
liehen ogen, daz du mich mit herzen, mit Worten und mit werken
als inneklichen lobest in leide als in liebe, in aller widerwertikeit,
als so es dir aller best get, wan denne meinest du mich und
nit dich.
1 gviXL'u fe/i/t AH 2 hvTTv - krrat. /<//// 2*' 3 f. unverdienet i»'!^*
0 lolnii I'IFF^ 7 wil (.Tirr. J-^ 8 a. ir venu. AKcc 9 enkeiu AK, fMt
KF so irr<»z noch so klein K^ 11 ieme mir /v* nnd so ich ir AKFF^
14 p'li«li;ost F 15 tun Hände Nütü Hcriihardiis i«'* iniirkliches F^ 20 nie]
mit F 21 f. am lUmde Ysaias FF'F'Z alK-iii fehlt AKa 23 am Handt
Groj^-orius FF'F'Z 24 Im.-. nl»el F' 25 da/.] ilis AKH
2 L. c: honnium mtorum nnn lndi(j*'s t Pa. löy>!K 3 f. L. c: quanto
ma'jis .... gi'iü'mtii (jratis tu: s(dn lih{.r(ditoh- /(irt/iri.'i. 14 nach inhildun^
jLr«dt'(lir«'l = j'' vvr(/fi.'i!if/ta' und reiner ron SimilicIdLit e.s ist. 21 f. I^f. ^tt,i:i,
23 ff. (jirer/. J/., Moral, T, 71.
Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. XXIV. 307
Der diener: Herr, ich begeren nit lidens von dir, ich enwil
och enkein [129^] ursach disen dingen geben; aber ich laze mich
selber nn ze gründe nach begirde mins herzen dinem ewigen lobe,
da ich mich selber von mir selber nie reht konde gelazen. Herr,
6 verhangtist du 6ber mich, daz ich der versmehtest mensch wurde,
den dis ertrich geleisten mag, herr, daz wölte ich von minnen dir
ze lobe liden. Herr, ich ergibe mich hüt an din gnade, und daz
man mich des grösten mordes zige, daz ie kein mensch getet, swer
mich an sehe, daz der min antlüt yersp6zeti: herr, daz wölt ich dir
10 ze lobe gern liden, echt ich vor dinen ogen unschuldig stunde. Were
ich aber schuldig, so w51t ich es aber liden diner wirdigen gerehti-
keit ze lobe, der ere mir tnsent stunt lieber ist denne min eigen ere,
und w<e ze einer ieklichen versmechte dir ein sunderliches lob
geben, und w< mit dem Schacher an dem kruze sprechen: „herr,
15 ich lide es billich, aber waz hattest du getan? Herre, gedenk an
mich in dinem riebe !^ Und wöltist du mich ietzent von hinnan nemen,
und es din lob were, ich enwölte nit hinder mich sehen umb
dekeinen ufschlag; aber ich begerti des: und s61t ich als alt sin
worden als Matusalam, daz ein ieklich jar der langen zit und ein
20 ieklich wuche der jaren, ein iekliche tag dero wuchen, ein ieklich
stundli der tagen und ein ieklicher Sgenblik der st&ndlin dich von
mir lobtin in als wünneklichem lobe, als dich ie kein heilig gelobte
in dem waren widerglanze der heiligen, als unzallich, alse daz ge-
stuppe ist in der sunnen schin, und min guten begirde volbrechtiu,
25 als ob ich es selber alles in zit hetti volbraht.
Herr, des halb nim mich zfi dir über kurz ald über lang, wan
diz ist mins herzen girde. Herr, ich sprich noch me: und daz ich
iezent von hinnan sölte scheiden, und din lop were, daz ich vünfzig
jar in dem vegfür sölte brinnen, herr, ich neige mich iezent dinem
30 lobe under dine vüze und enpbahe es willeklich dir ze einem ewigen
lobe. Gesegnet si daz vegfür, in dem din lob an mir volbraht
wirt! Herr, du und nit ich, du bist daz selb selber, daz ich da mein,
2 kein FF^ 4 von] vor AKa 8 zihe E 9 verspoizet E 9 f. gern
d. ze I. AKa dir. g. ze I. EFF'H 15 [es] billich, waz du wilt F 16 iez F
von fehlt E^ 17 wolti EF 18 begeren 2^ 19 f. jar — u. e. ieklich fehlt AK
20 f. und e. i. tag und e. i. stöndli AKaF 24 ist /cAft E^ girde AK
25 in zit alles AKE^H 28 f. in dem v. s. br. fünfzeg j. E' 30 dir fehlt AF
2 f. Hör. 202: me iotum in holocaustutn voluniati tuae offa'o.
15 f. Luk, 23,41 /. 22 f. Vgl Ps. 109,3.
308 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. XXIV.
daz ich da minne; daz ich da suche, und nit ich. Herr, da weist
ell& ding und erkennest ell6 herzen, du weist, daz mir vesteklich ze
sinne ist: und wnsti ich dennoch, daz ich in deme grande der helle
iemer s61te sin, swie we minem eilenden herzen teti dfi berSbange
[130'] diner wunneklichen beschöwde, so enwölte ich dir dar uinbe 6
nit ab brechen. Und möcht ich aller menschen verlomä zit her
wider bringen, ir missetat gebesseren und alle die unere, du dir ie
widervftr, volleklich mit lob und ere ersetzen, daz wölte ich willek-
liche tftn ; und were es dennoch muglich, so müsti von dem nidersten
gründe der helle ein schönes lob uf brechen von mir, daz durch* lo
trunge helle, ertrich, luft und alle bimel, unz es keme v6r diu gut-
liches antlüt. Aber, wan daz unmuglich were, sich, so wölt ich
dich hie deste me loben, daz ich mich din doch hie dest me
genieti.
Herr, tft mir, diner armen kreaturen, daz din lob ist; wan 15
gange, wie es welle, din lob wil ich sprechen, die wile ein etemlin
in minem munde ist. Und so ich die spräche gelege, so beger ich,
daz ein ufbieten mines vingers si ein besteten und ein beschliessen
alles des lobes, daz ich dir ie gesprach; und dennoh, wenne min
lip verpulvert wirt, so begere ich, daz von einem ieklichen pülverlin 20
ein grundloses lob uf tringe dur den hcrten stein, dur alle bimel
hin vur din götliches antKite untz an den jüngsten tag, daz sich Hb
und sele wider gesamnet in dinera lobe.
Entwürt der Ewigen Wisheit: In diser begirde bis stete
unz in den tod, daz ist mir ein lieplicbes lop. 25
Der diener: Ach, minneklicher herr, sider du nu gerächst
von mir armen sündigen menschen lobes, so beger ich, daz du mich
bewisest diser dingen : herr, ist daz uzzer lob, daz man mit werten
und gelange tut, icht vürderlich V
2 daz mir daz A'i'^* 2 f. ze siinien AKZ 4 eil.] minueuden J*'
berobunüfc A 5 dir fehlt AF 11 himle AK 12 wan aber E^ 13 deste
— hie fefiH F lo]>en] le]»en A doch din K^F^ 14 genieteti E^F^
20 einem fddi E^Z 26 f. gerüchcst nach lobes A'*
3 ff. Hör, id03: «i, quod ahsit, rolimtatis iaac bcneplacitiim et laudis itrae»
coninm in hoc consisterctj quod anima a corpore cxuia auf i^nan purgatorii
aut ccrte inferni supplicium in poenam suorum criminum recipere deberet, nihil
de lande domini mei vettern dinnnutrc. 0 L, c; supposiio per impossibiU,
quod in infernOj uhi tuae laudis nulla est confessio^ anima mea . . . esset po»
Sita etc. 17 L. c. ; cum virtus loquendi mortis hora defecerit. 19 f. L c;
quando corpus meum fuerit in pidceres minutissimos redactum et lapidc clausum.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIV. 309
Entwürt der Ewigen Wisheit: Eis ist wol vürderlich,
und sunderlich, als yil es den inren menschen gereizen mag, der vil
dike da von gereizet wirt, und sanderlich an anvahenden menschen.
Der diener: Zarter berre, so han ich 5ch alles ein heischen
5 in mir, sider man gern in zit an vahet, daz man in ewikeit triben
sol, daz ich ein emziges loben in mir gewänne, und daz daz niemer
80 yil als ein ogenblik underzogen wurde. Herre, ich han dik ge-
sprochen von des selben begirde: „owe, himel, wes ilest du? Wie
lofest du so halde! Ich beger: stand in disem p&ntlin stille, unz daz
10 ich minen einigen uzerwelten zarten herren durlobe nach mins herzen
girde!" Herr, so ich etwenne ein kleines wili bin gesin, daz ich
nit waz in gegenwürtigem inker dines lobes, und so ich zA mir
selben kam, so sprach ich: „owe, herr, es sint tusent jar^ daz ich
an minen geminten nie gedachte!^ Eya nn, minneklicher herre,
16 nu 1er mich, als vil es muglich ist, die wile der lip noh [130^] bi
der sei ist, daz ich ein stetes ungewenktes lob gewunne.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Swer mich in allen dingen
meinet und sich vor sünden hütet und sich tugenden flizet, der lobet
mich ze allen ziten. Aber doch, wan du dem höhsten lob nach
20 gest, so hör noch naher. Dt sele gelichet sich ainer lichten flum-
vedren: so du enkeinen anhang hat, so wirt si gar lihte von ir
natürlichen beweglicheit in die höbi gegen dem himele höh uf ge-
furet; swenn si aber üt geladen ist, so siget si nider. Ze glicher
wise ein gelüterter mfit von gebrestlicher swarheit wirt als von sinem
26 naturlichem adel von lichter hilfe geistlicher betrachtunge in himel-
schü ding uf erhebt; und dar umb, swenne daz beschihet, daz ein
gemüte aller liplicher begirde wirt geledget und in stilleheit wirt
gesetzet, daz ellü sin meinunge dem unwandelberen gute ungescheiden-
lich ze allen ziten an klebt, — der volbringet min lob ze allen ziten.
80 Wan in der luterkeit, als vil man es gewörten mag, so wirt mensch-
6 gern fehlt F 8 Wie] wes AK 11 wüi] stündeli F 16 [nu]
1er F 20 am Rande In coUationibus patrum EE^F^Z noch fehlt E^
20 f. flumwedern Ä 22 f. uf gefloget E' 23 ist] wirt AEE^F 29 der
volbr. — 310,3 würket fehlt F
1 ff. Vgl Thomas, S, Th. 2yü q, 83 a. 12. 8 f. Hör, 204: o primi mobilst
motus velocissimuSj quid festinas? Cur tarn v€locüer pertransis? Quam ob rem
sie properas ? Obsecro te, hoc quod est impossibile fac possibile et sta paulisper!
Morosius age ! 20—26 Coü. IX, 4, auch bei Eckhart 360 fi ff, benützt.
26 ff. Coli IX, 6.
310 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIV.
icher sin als gar versöffet und von irdenscheit ze einer geistlichen
und engelschlichen glicheit verbildet; waz der mensch von nssen
in enphahet, waz er tftt, waz er würket, er esse, er trinke, er
schlaffe, er wache, daz ist nit anders denne daz aller luterste lop.
Der diener: Ach, zarter herre miner, wel ein reht susrA lere 5
dis ist! Minneklichü Wisheit, so wurde ich als reht gern noch vier
dinge von dir bewiset. Daz ein ist: herr, wa vinde ich die meisten
Ursache dich ze lobenne?
Entwärt der Ewigen Wisheit: In dem ersteu Ursprünge
alles gfttes, und dar nach in den usfliezenden rünsen. 10
Der diener: Herre, der Ursprung ist mir ze hohe und ze
unbekant; da s&lnt dich loben die hohen zederbome uf dem Ijban
der liimelschen geisten und engelschlichen gemüten. Und doch so
wil ich als ein ruhe tistel 5ch hin vür tringen mit lobe, dar umbe,
daz sü von einem anschowenne miner begirde volendens unmugent- 15
heit werden ermant ire hohen wirdekeit, daz si in ire lutere klar-
heit geraisset werden, dich inneklich ze lobenne, also daz der goch
der nachtgal ursach gebe eins wünklichen gesanges. Aber der oswal
diuer güti ist mir ze frumen ze lobenne. Herr, so ich mich recht
hiuderdenke, wer ich waz, wa vor und wie dicke du [131'] mich 20
behütet hast, us welen vreisinen, von welen banden, von welen striken
du mich geledget hast, ach, ewiges gut, daz min herze alles sament
nit zerflüzet in dime lobe! Herr, wie lange hast du mir gebeitet,
wie vräntlich hast du mich enphangen, wie süzklich hast du mich
dik verborgenlicb vürkomeo, inrlich ermant! Swie undankbar ich 25
hier inne ie wart, do lieze du doch nie abe, unz daz du mich ze
dir hast gezogen. Sei ich dich hier unib nit loben? Ja gewerlich,
2 waz] wan AE^ 3 in fehlt E' 6 dis] daz AK 7 ein] erst F
10 fliesseiidcn EEH 11 herre fihlt AKa 13 geisten fehlt E 14 her
vür AF 15 des voUendens FF^ ervoUens Z 21 us] von FF^ vreisen
AKa striten A 22 i. nit a. sament E^ 23 zeflüsset A 26 lieze ich
doch AF nie] nit EF
9 f. Hör. ^06: in contcmpJatione illius summae ac divinissimcie et suptr-
e.vcdlcntismmae maicMatiSy in qua sicut in suo fontali itnncipio omnia bona
aimplicisaime ac unifonniter ab aeterno continentur : deinde in rivülis bonorum
particularium ab illo summa bona profluentiunij quae diversimode a Cf^aiuris
participantur secundum plus et minitif, prout ea causa causarum dignatur */»-
(julis communicarf. Vgl. Thomas^ jS. c. Gent. 2.:i, 12 Hör, l, c; hoc cedrü
Libanij viddiai fortioribas relinquo.
Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. XXIV. 311
herre! Min zarter herre, ich beger, daz hier umhe ein riliches lob
vor dinen ogen uf tringo nach dem grozen vrödenrichen lobe, als
die engel hatten in dem ersten anblik, do sü schoweten ir bestan-
denheit und der andern Verworfenheit, und in der vröde, so die
5 eilenden seien hein, so sü koment von dem kercher dez gi'immen
füres hin vür dich und din vrölichs minnekliches antlüte dez ersten
an blickent, und in dem grundlosem lobe, daz in dien hiroelschen
gassen uf brichet nach der jüngsten urteil, so die uzerwelten von
dien b5sen in iemer wemder Sicherheit gescheiden wcrdent.
10 Herr, eins, daz ich och beger ze wissenne von dinem lobe,
daz ist, wie alles min naturlichs gut in din ewiges lob von mir ge-
zogen werde.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Wan nieman in zit dekeinen
eigeniichen underscheit nach kuntlichem wissenne under natur und
15 gnad haben mag, dar umbe, es si von nature, es si von gnaden, so
üt lützeliges, üt vröliches oder hügliches in dinem mute oder libe
uf stet, so hab einen geswinden ker mit einem uftragenne in got,
daz es in minem lobe verzerret werde, wan ich ein herr der nature
und der <:nade bin; und alsus so wirt dir ietzent natur übernatur.
20 Derdiener: Herre, wie gezuhe ich denne och der bösen
geisten inbildunge in din ewiges lob?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Da sprich in des bösen
geistes ingeleze also: „herre, als dicke diser böser geist oder kein
andre sogetan ungeneme gedenke in mich sendent wider minen willen,
25 als dike si dir mit verdachtem willen daz aller schönste lop an siner
2 als] da EF 6 vegfüres AKa 7 himelschen grundl. 1. AKa dien]
die AF 16 oder [üt] vrol. AKaE dinem] dem AKa oder au dinem
libe E"^ 19 so fthlt AEF 20 gezien AKEH 24 anderen E sendet EFa
1 ff. Uor. Üü6: opto et desidero, ut tdlis tamque iocunda laudatio sit tibi
ex mCf qualis fuit beatorum spirüuum laus tunc, cum in primo aspectu tuae
dioinissimae maieslatis gaudebant se aeternaliter in tua laude confirmatos, maloa
vtro a te sine fine detrusos, 2.4.7 Sinn: ähnlich dem Lobe und der Freude.
11 f. L. c. : qualiter affeciiones inierdum in me exurgentes, de qaibus dubito
utrum naturales sint an gratuitae, in laudem tuam possim convertere, "^
14 f. Zicischen Affekten der Natur und der Gnade. 16 ff. Hör, 207:
has pingues et irriguas affectiones staiim ut senseris debes devota quadam eX"
hibitione sursum ad rerum omnium auctorem erigere ad modum acceptabilis
sacrificiij .... et sie gratiae tales, quae ut sie sunt naturales nee meritoriaef
ex fine suo quodammodo possunt fieri supernaturales, id est meritoriae. Zu
Z, 16 j\ vgl, oben 2'.i2,20 f, 20 f. L. c: immissiones malignae, blaspJiemae
suggestiones (ingeleze).
312 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. XXIV.
Btat von mir uf gesendet in iemer wernder ewikeit, in dem dich
der selb bös geist in iemer werender ewikeit heitti gelobet, ob er
bestanden were, daz ich siner yertribenheit ein vürweser 8i in dinem
lobe ; und als dik er daz angeschaffen bös genine in sendet, als dik
si dir daz gut uf gesendet.^ S
Der diener: Herr, ich sihe nu, daz dien guten ell6 ding
koment ze gfite, so inen daz aller böste dez bfisen geistes also ze
gut mag gekeret [131''] werden.
Nu sag mir noch eins: ach, minneklicher herre, wie gekere
ich denne alles daz in din lop, daz ich gesih oder geb&re? lo
Entwürt der Ewigen Wisheit: Als dik da kein groz zal
sihest, als dik du kein usgenomen schöni oder meng! an blickest,
als dik sprich von gründe dins herzen: „herr, als dicke and als
schone müzen dich hütte die tusent stunt tusent engelschlicher geisten,
die dir dienent, minneklich an miner stat gr&zen, and die zehen 15
tusent stunt hundert tusent der geiste, die vor dir stand, dich bat
vär mich loben und alle heilig begirde aller heiligen vür mich
begeren, und aller kreaturen wunklichü Schönheit vür mich eren.*
Der diener: Wafen, minneklicher got, wie hast da minen
mfit ergrünet und ergrüzet mit dinem lobe! ^
Herre, aber dis zitlichs lob hat min herze ermant, es hat min
sele versenet, eya, nach dem ewigen iemer werenden lobe! Owe,
min uzerweltii Wisheit, wenn sol der Hechte tag uf gan, wenne sol
du vr61ich stunde komen eins volkomen bereiten hinscheidennes von
disem eilende hin zu minem geminten, owe, daz ich dich lieplicfa 25
schowe und lobe? Herr, gewerlich, mir beginnet als ser eilenden,
mich beginnet als inneklicheu belangen nach mins einigen herzen
wünne. Owe, wenne sol ich iemer da hin komen? Wie lenget es
sich, wie spetet es sich, daz ich mins herzen ogenweide von antlüt
ze antlüt an sehe, und mich din nach alles mins herzen lust genietel dO
Ach eilend, wie bist du so eilend einem menschen, der sich in der
warheit haltet eilende! Herr, lug, es ist lützcl ieman uf ertriche, er
habe etwen, den er suche, er habe etwas niderlazes, da sin vüz ein
3 si e. vürw. JlF 7 f. mag ze g. gek. w. E^ gek. mag w. AK 14 der
eiigelschlichen g. Z 16 der fehlt K^ 21 aber lierre E^ 26 gew. herre E^
27 f. mins lierzen einigen w. E^ herzen] herreu F 3:3 s&chet F
3 bestanden, nämlich hei der Prüfung. 4 Hör. L c: nefaiida «m-
surriii immissa. G Rom. Syi^ö. 14 ff, Vi)L Dan, 7,10. 24 f. Vgl. Rom.
7.24; Phil 1,23 (Hör. 2f/ö), 28 f. Vgl. Pa. 11U,Ö.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIV. 313
wili gerüwe; owe, min einiges ein, daz min sei da suchet und be-
geret, so weist du^ daz ich der ein bin, der dir allein gelazzen ist.
Herr, swaz ich sihe und höre, da ich dich nit vinde, daz ist mir ein
marter, aller menschen bisin, denne dnr dich, ist mir ein bitterkeit.
5 Herre, waz sol mich ermüten, oder waz sol mich uf enthalten?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Da solt du dich dik ergan
in disen schönen wänneklichen bSngarten mins geblümten lobes. Es
ist in zit nit eigenlicbers vorspiles himelscher wonunge, denne die
got in wolgenifiter vröde lobent; es enist nüt, daz einem menschen
10 also erluphe sinen mftt und erlichtere sin liden, daz die bösen geiste
vertribe, daz swarmütkeit verswende, als vrölich lop. Got der ist
inen [132''] nahe bi, die engel sint in heinlich, sä sint in selber
nätze; es gebessert den nehsten und erfröwet die seien, alles
himelsches her wirt von dem wolgemüten lobe geeret.
16 Derdiener: Minneklicher herr, min zartü Ewigü Wisheit,
ich beger, swenne minü 5gen dez morgens erst uf gant, daz och
nun herz uf gange, und von ime uf breche ein ufflammendä vürinü
minnevackel dins lobes mit der lieplichesten minne des minnendesten
herzen, daz in zit ist, nach der hitzigosten minne des hfihsten geistes
20 von Seraphin in ewikeit, und der grundlosen minne, als du, himel-
scher vatter, din gemintes kint minnest in der usblikenden minne
üwer beider geistes, uud daz lob als süzklich erklinge in dinem
vätterlichen herzen, als in zit in sincr achte kein süz ged5ne aller
minneklichen seitenspil in keinem vrien gemüt ie gedonde, und in
25 der minnevackel uf tringe ein als suzer smak des lobes, als es
usgenomenlich von allen edlen krutern und würzen und allen apo-
tekan aller lügenden in ir hfihsten luterkeit zesamen pülverlich
geröchet weri, und sin anblik als schone in gnaden geblümet si, daz
nie kein meie in siner wünneklichen blflst so schon geblümet wart,
3 dich] din KF 4 daz ist EFH S am Bande In collationibus pa-
trum Et?F^HZ 9 ist FF^Z 10 lihtre E^ am Rande abbas anthonius
EE^F'HZ 21 usclingenden F 27 zesämne A 28 gerochet E werin
ÄKEE'FF'Z
8flf. Coli X, 6, 10 f. Vgl Vita b. Antonii c, 8 u. 9 (Migne, Patr, Lat.
73,13:^). 20 if. Hör, 209: ad exemplar nihilominus iUius supersubstantialis et
miperesscntialis ac ineffahüis caritatiSj in qua tu, o pater coelestiSy ferventissime
diligis tuum unigenitum in Spiriiu sancto. 25 ff. L. c, : odorifera fumi vir-
gula tarn graciosa, ac si esset composita ex omnibus aromaiibus myrrhae et
thuris et universi pulveris pigmentarii.
314 Büchlein der Ewigen Weisheit III. TeiL
daz es dinen götlichen igen und allem himelscheD here werde ein
lustliches ansehen; und beger, daz du minnevackel ze allen siten
inbrünstklieh uf scblahe in allem minem gebette, uz dem munde,
in dem gesange, an gedenken, Worten und werken, daz si alle mine
viende verjage, alle mine gebresten verswende, gnade erbitte und 5
ein heiliges ende erwerbe, daz ein ende dises zitlichen lobes si ein
anvang des iemer werenden ewigen lobes. Amen.
Daz dritte teil
hat die hundert betraehtunge und begerunge mit kurzen werten,
als man sü alle tag mit andacht sprechen sol. 10
8wer begert, kurzlich, eigenlich und begirlich kunnen be-
trachten nah dem miuneklichen lideune unsers berren Jesu Cristi,
an dem alles unser heil lit, und sinem manigvaltigen lidenne begert
dankber sin, der sol dis hundert betrahtunge, die hie nach usgeiiomen-
lich stant, sunder nach den sinnen, die in den kurzen Worten sint 15
begriffen, usnan lernen und andechtklich mit hundert venjen, oder
wie es im aller best vfiget, alle tag übergan, und ze ieder venje ein
Pater noster sprechen, [132''] oder ein Salve regina oder aber ein
Ave Maria, da es üuser vrowen an gehört. Wan also wurden sü
einem bredier von gotte ze einer zit, do er noch metti vor einem 20
kruzifixus stönt und gotte inneklichen klagte, daz er nit konde be-
trachten nach siner marter und daz si im so bitter ze betrachtenne
waz; wan dar an hatte er och bis an die stunde grozen gebresten
gehebt, und der wart do ahe geleit. Die begerunge leite er von im
selben dar nach hin zu in der kürzi, dar umbe daz ieder mensch 2&
im selber ursach vinde ze bcgerenne, als er denne gem&t ist
1 f. iins. werde E^ fi f. ein anv. .si E^ 9 hat] sint -£'* daz hat
AKaZ die] liie Z und bei?, fehlt F' 10 sol] mag jP* 11 eig.
kurzlich K^ 15 f. begr. sint E^ 16 and. sprechen E 17 vöget] kumet F
ze felilt AK 19 an lioret E^ 22 f. waz ze bctraclit. E^
19 Wt'un sich die BetrachUingspunktt: auf Marin beziehen,
20 ft'. Vgl. Prolog des Bdew. Die meisten der hundert Betrachtungen iitind
schon im ersten Teile des Buchleins corg kommen. In das Horologium sind
sie der Kürze halher (cgl, ebd. 1!^) nicht aufgenommen.
Die hundert Betrachtungen. 315*
1. Eya, Ewigü Wisheit, min herze ermanet dich, als du.
nah dem jüngsten nachtmale uf deme berge von angsten dines zarten
herzen ward hinvliezende von dem blfitigen sweize^
II. Und als dn wurde vientlich gevangen, strenklich gebnn-
5 den und ellendklich yerfüret;
III. Herre, als du wurde in der nacht mit herten streichen^
mit verspöizenne und verbindenne diner schönen 5gen lasterlich ge-
handelty
IV. Friije vor Gayphas versprochen und in den t5d vür
10 schuldig ergeben,
V. Von diner zarten müter mit grundlosem herzleide an ge-
sehen.
VI. Du wurd vor Pylato schamlich gestellet, valschlich ge-
ruget, totlich verdampnet,
15 VII. Du, Ewigü Wisheit, wurd vor Herodes in wissen kleidern
torlich verspottet,
VIII. Din schöner lip wart so gar leitlich von dien ungezognen
geiselschlegen zerfüret und zermüstet,
IX. Din zartes höpt mit spitzigen dornen durstochen, da von^
20 din minneklichs antlüte mit blftt waz verrunnen,
X. Du wurd also verteilet ellendklich und schamlich mit
dinem krüze us in den tot gefüret.
Ach, min einigü züversiht^ dez siest du ermanet, daz du mir
vätterlich ze hilf komest in allen minen nöten. Enbinde mich von<
25 minen süntlichen sweren banden, behüt mich vor beinlichen sünden
und offenbarem lasten Beschirme mich vor dez viendes valschen
reten und vor ursach aller sünden; gib mir dins lidens und diner
zarten müter leides ein herzklichs enphinden. Herr, rihte ab mir
an miner jüngsten hinvart erbarmherzklich, lere mich weltlich ere
30 versmahen und dir dienen wislich. Alle mine gebresten werden in
dinen wunden verheilet, min bescheidenheit in dem sere dins höptes
vor aller anvechtunge gesterket und [133'] gezieret, und alles din
liden nach minem vermugenne von mir ervolget.
1 ff. Die Zaiden von hier an bis Schluss rot am Rande AKEE^HZ, im
Kontext JP«, fehlen F^FK In A ist die Verteilung dei- Ziffern nicht immer
richtig, 1 dich hüte E^ 2 zarten fehlt E^ 6 inrent der n. wurde E^
15 Du EH 20 aUes waz E^ 22 usgeföeret in d. t. E^ 23 min ewigÄ
wisheit und z&v. F 27 sünde E^F^ 30 wislich dienen E^ 32 nach an-
vecht. später werde eingefügt A
:S16 Büchlein der Ewigen Weisheit m. Teil.
I. Minneklicher berre, als an dem hohen aste des krüzes
dinü klaren ogen erlaschen und wurden yerkeret,
II. Dinä g5tlichü oren wurden spottes und lästere erfället,
III. Diu edels riechen verwandelt mit bösem smake,
IV. Din süzer munt mit bitterem trank, 6
V. Din zartä berurde mit herten scblegen:
Also beger ich, daz du but minü 5gen behütest vor verlazner
gesibt, minä oren vor üppiger gehorde. Herr, benim mir smakbafti
liplicher dingen, mache mir unlustig ellü zitlichü ding und benime
mir Zartheit mins eigen libes. 10
I. Zarter heiT, als din götliches höbet waz von sere und
•Ungemach geneiget,
II. Din gemeitü kele vil ungezogenliche gestreichet,
III. Din reines antlüte mit speichel und blfit gar verruDnen,
IV. Din lutrü varwe erbleichet, 15
V. Ella din schönü gestalt ertodet:
Also gib mir, min herr, liplich ungemach minnen und alle
min rfiw in dir sflchen, vrömdes übel willeklich liden, veremecbt
begeren. minen begirden erbleichen und allen minen glüsten er-
t5den. jO
I. Minneklicher herre^ als din rechtu band ward dumegelt,
II. Din lingu band durschlagen,
III. Din rechter arm zerspannen
IV. Und din lingger ser zerdennet,
V. Din rehter vüz durgraben 25
VI. Und diu linger grülich durcbhowen;
VII. Du bangetest in ungewalt
VIII. Und in grozer raüdi diner götlichen bein,
IX. EUü dinii zarten lider wurden unbeweglich gephrenget
an den engen notstal dez krüzes, SO
X. Diu lip waz von dem hitzigem blute an menger stat
berunnen :
Ach, minneklicher herre, also beger ich, daz ich in lieb und in
leide unbeweglich zft dir werde genegelt, alles min vermugen libes
1 ast4i] jraliren F 4 waz vrrw. F 11 f. waz f^eneiget E^ 14 be-
runnen K' 29 solider AKaFF' Hl dem fehlt EF 32 vemmnen
AKaEF 34 iiinbewe!?licli A
Die hundert Betrachtungen. 317
uud sele an din kräz zerspennet; min vemanft and min begirde z&.
dir geheftet. Gib mir unmngentbeit liplich Yr6de ze volbringenne^
snellbeit din lob und ere ze süchenne. leb beger, daz kein gelid'
sie an minem libe, es habe dines tödes ein sanderliches tragen und.
5 dines lidens gelicheit ein minneklichs erzeigen.
I. Zarter herre, din blüjender lip hatte an dem kräze eia-
darben und ein dorren,
II. Din m&de zarte ragge an dem ruhen krüze ein bertes
lenen,
10 III. Din swere lip ein nidersigen,
IV. Alle din lip waz durwant und durseret,
V. Herr, und daz alles trftg din herz minneklich.
Herre, din darben si mir ein ewiges widergrunen, din bertes
lenen ein geistliches rüwen, din nidersigen ein kreftiges ufentbalten ;
15 alles din ser müsse daz mine senften und din minneriches herze-
daz mine inbränstklich enzünden.
[133^] I. Minneklicher herre, in der tötlichen not wart din>
gespottet mit spehen werten,
II. Mit spotlicher geberde,
20 III. Und wurde gar vernichtet in ire herzen;
IV. Du stünde hier inne vestekliche,
V. Und bete dinen lieben vatter über sü minneklich;
VI. Du unschuldiges lembli wurd zft den verschulten gelichet,
VII. Von deme linggen verdumet,
25 VIII. Von dem rechten an geruflfet;
IX. Du vergebe ime alle sine sünde,
X. Und tete im uf daz himelsche paradys.
Nu lere, geminter herr, dinen diener ellü spechü wort, spotlich
geberde und alles vernichten vesteklich dur dich liden, und alle
SO mine widersachen minneklich gegen dir entschuldigen. Ach, grund-
losu miltekeit, ich bute h&te dinen unschuldigen tot v6r du ogen
dez himelschen vatters vür min verschultes leben. Herr, ich rufe
zfi dir mit dem Schacher: „gedenke, gedenk min in dinem rieh!**
Verdume mich nit umb mine missetat, vergibe mir alle mine sunde,
35 tfi mir uf din himelsches paradys.
2 [ze] volb. E^ 3 snellekeit AKaE^ lid E^ 4 an m. L me J;
7 dürren Z 23 schuldigen AEF^a 31 hüt« fehlt i« 35 din] daz 1^
318 Büchlein der Ewigen Weisheit HL TeiL
I. Zarter herr, an der stunde wnrde da daroh mich von
allen menschen gelassen,
II. Dine vrände hatten sich din yerzigen,
III. Da stund nackent and aller ere nnd kleider beröbet,
IV. Din kraft erschein do sigelos; S
V. Su handleten dich unerbermklich, und dn litte es alles
stille und senftmutklich.
VI. Ach, dins muten herzen, do du diner zarten müter hera-
leid allein ze grund erkandest,
VII. Ire seneden geberde an sehde, 10
VIII. Und irü kleglichü wort hortest,
IX. Und in der tötlichen schidunge si beveld dinem junger
in mfiterlich tniwe,
X. Und den junger ir in kintlich truwe!
Eya, zartes exemplar aller tugenden, benim mir aller menschen 16
schedlich minne, aller vr&nde ungeordnet trüwe. Enblös mich von
aller unlidekeit, gip mir vestikeit gegen allen bösen geisten and
senftmütkeit gegen allen ungestümen menschen. Milter herre, gip
mir dinen bittem t5t in den grünt mines herzen, in min gebet and
in erzöigunge der werke. Owe, zarter minneklicher herre, ich be- 20
vilhe mich hütte in die stete trüwe und hüte diner zarten reinen
müter und dincs lieben geminten junger.
Salve regina oder Ave Maria.
»
I. Eya, reinü zartü mflter, ich ermanen dich hiitte dez
grundlosen herzleides, daz du enphienge in dem ersten anblik, do 25
du din liebes kint also sehde uf erhenkt in sterbender not stau.
II. Du eiiniochtcst im do uit zc hilf komen,
III. Du hattest dines kindes ertötere ein pinlichs ansehen,
IV. Du klagtest in vil jemerlich,
V. Und er tröste dich gar [134^] gütlich. 30
VI. Siuü gütlichü wort durwunten din herz,
VII. Din kleglichü geberde erweichte du herten herzen,
VIII. Din müterlichen hendc und arme hatten ein eilendes uf-
bieten,
IX. Aber din kranke lip ein kraftloses nidersigen, 35
4 kleider 11. ero /v' 12 bovelli aKF d. i»eminteii junger JP^ 15 zar-
ter Aa 17 unledikeit Act 20 [in] iv crz. Z 26 liebes fehlt A 28 er^
toden A' ersk^rbeii a 31 durwiiten i''
Die hundert BetrachtuDgen. 319
X. Din zarter munt gines abgeruiiDeD bifites eiu minuek-
liches küssen.
Eya nu, ein mfiter aller gnaden, behüte mich mfiterlich in
allem minem lebenne, bewar mich gnedklich au minem t6de. Owe,
5 zartü yr5w, gihe, daz ist du stunde, umb die ich beger alle mine
tage din diener ze sine, daz ist du grulich stunde, ab der herze
und sei erschriket; denn so ist us bitten und rufen, denne so en-
weis ich, zfi weme ich arme mensch keren sol. Eya dar umb,
du grandioses abgründe der götlichen erbarmherzikeit, so valle ich
10 dir liiitte ze vfize mit inneklichen sufzen mines herzen, daz ich
denne wirdig werde diner vrölichen gegenwürtikeit. Wie mag der
verzagen, oder vvaz mag dem geschaden, den du, reinü mfiter, wilt
behüten ?
Ach, einige trost, beschirme mich denne vor der b5sen geisten
16 jemerlichem anblicke, bis mir beholfen und behut mich vor den
vientlichen henden. Min eilendes sfifzen werde von dir getröstet,
min tötlichü kraftlosi von dien ogen diner erbermde gutlich an ge-
sehen, dine milten hende werden mir denne gebotten, mine ellendfi
sele von dir enphangen und mit dinem rosvarwen antlüt vfir den
20 hohen richter gefüret und in ewiger selikeit bestetet.
I. 0 du gemintes wolgevallen dez himelschen vatters, wie
du an der stunde an dem kruze zfi allen dem usseren smerzen dez
bitteren todes och von innen genzklichen wurde von aller süzikeit
und tröste gelazen!
25 II. Du hattest ze dinem vatter ein eilendes rüffen,
III. Dines willen mit dem sinen ein ganzes vereinen;
IV. Herr, dich turste von rechter türri liplich,
V. Dich turste von grozer minne geistlich,
VI. Du wurde bitterliche getrenket,
30 VII. Und do es alles volbracht waz, do Sprech du: Consum-
matum est!
VIII. Du werd dinem geminten vatter gehorsam unz in den tot,
XI. Du bevelhde dinen geist in sine vetterlichen hende,
X. Und do verschied din edlü sele von dinem gStlichen libe.
7 f. weis Z 10 inneklichem KFa, 14 einige] e^vige AKaKF^ denne
fehlt F 22 den uss. sm. AF 32 wero A
21 Vgl Matth. 17,5.
320 Büchlein der Ewigen Weisheit m. Teil.
Ach, minneklicher berr, in der minne beger ich, daz du mir
in allem lidenne milteklicb bi sist^ daz du dinn vetterlichti oreD ze
minem rufenne ze allen ziten uf schliezest, und mir mit dir einen
vereinten willen in allen dingen gebest. Herr, erl&sche in mir allen
tnrst liplicher dinge, maebe mieb durstig nah [134^] geistlieben 5
dingen. Zarter herr, din bitters trank müsse alle mine widerwerti-
keit in süzikeit verkeren. 6ip mir, daz icb in rechten sinnen mid
göten werken stet bis an den tod belibe und usser diner gehorsami
niemer getrette.
Kwigu Wisbeit, min geist si büt in dine hende ergeben, daz 10
er an sinem jüngsten binscheidenne von dir vr61ich werd enphangen.
Herr, gip mir ein leben, daz dir gevellig si, einen t5d, der
wol bereit si, ein ende, daz von dir gesichert si. Herr, din bittere
töd erscbözze minü kleinu werk, daz an der stunde scbnld and bftze
genzklich ab geleit si. l&
I. Ach herr, gedenke, wie daz scharphe sper dnrch din g6t-
lichen siten wart gestochen,
IL Wie daz rösvarw kostber blüt dar us trang,
III. Wie daz lebende wasser dar us ran,
IV. Owe, herr, und wie sure du mich hast erarnet, 20
V. Und wie vrilich du mich hast erlöset!
Minneklicher herre, din tieffü wunde behüte mich vor allen
minen vienden, din lebendes wasser reine mich von allen minen
Sünden, dins rosvarwes blüt ziere mich mit allen gnaden und tagen-
den. Zarter herre, din sures erarnen binde dich zfi mir, din vriliebes 25
erlösen verein mich eweklich mit dir.
I. Ach, uzerwelter trost aller sünder, süzü küngin, bis hüt
ermant, de du under dem krüz stund und din kint waz verscheiden
und also tote vor dir hanget: wie hattest du do so menig eilendes
utsehen, 30
IJ. Wie mftterlichen sin arme von dir wurden enphangen,
III. llit welen trüwen an din blfttvarwcs antlüt getrucket,
7 daz ich fthU AZ 10 ^a'^reben AFF"^ 13 bereitet A 20 herr
fdih F und fMt Z erarnet hast Aa 20 dich ew. m. mir E!^
1 /// da' von Chriaius in seinem Leiden erzeigten Minne, 14 Vgl.
Kai). ^^ Ü^U^'*^ '>'chlu8ü {:iö7,Ü7 ff,).
t)ie hundert Betrachtungeii. 321
IV. Sine vriscben wunden, sin tötlich antlüte von dir dur-
kässet!
V. Wie iiiänig totwanden din herze do enphieng,
VI. Wie nienigen innekliehen grundlosen sufzen du lieze,
6 VII. Wie mengen bitterlichen eilenden trehen du rertest!
VIII. Dinü eilenden wort waren do so gar klaglich,
IX. Din lützeligü gestalt so gar trurklich,
X. Aber din eilendes herz waz von allen menschen un-
tröstlich.
10 Eya, reinü vrow, dez siest du hat ermant, daz du sist alles
mines lebennes ein stetü hüteriu und ein getr&wü wiserin. Ker dinü
ogen, d& milten dgen ze allen ziten gegen mir erbermklich, enphahe
mich in allem sfichene müterlich, behüte mich vor allen minen
vienden under dinen zarten armen getrüwlich. Din trutlichs küssen
16 siner wunden si mir gegen im ein liepliches sünen, din tStlichen
wunden erwerben mir ein herzkliches rüwen, din innekliehen, sufzen
bringen mir ein stetes begeren, und din bitterlichen trehen müssen
min [ISO""] hartes herz erweichen. Dinü kleglichü wort sien mir
aller üppiger rede ein ablegen, din trurklichü geberde aller ver-
20 lazener geberde ein hinwerfen, din trostloses herze aller zergank-
licher minne ein versmahen!
I. 0 wunneklicher glänz dez ewigen Hechtes, wie bist du
nn in disem anblicke, als dich min sele selber under dem krüze uf
der schösse diner trurigen mdter also tSten mit klage und danke
25 umbvahet, so gar erlöschen! ErlAsch in mir die brinnenden begirde
aller untugende!
II. 0 ein luter klarer Spiegel der götlichen majestat, wie
bistn von minnen dur mich vernnreinet! Reine die grozen masen
miner missetat!
30 III. 0 ein schönes lichtes bilde der v&tterlichen guti, wie bist
du so entsübert! Widerbringe daz entstelt bilde miuer sele!
1 von dir fehlt F 6 do fehlt ÄaFH 10 hfit fehlt ÄKaE 11 wserin A
12 ogeii du fehlt FF' enphahe — 13 müt. fehlt F 17 und fehlt F^ und
— 18 erw. feldt FE 26 unmugenden A 28 grozen fehlt E' 29 so] nu Z
22 ff. iJie fünf folgenden Betrachtungen und Begehrungen standen mit
geringer Abweichung schon an Schluss von Kap. 19. Vgl. auch den Prolog
(196,16 ff. K
H. SeusCf Doutdche Schriften. 21
ä22 Büchlein der Ewigen Weisheit III. iTeil.
IV. 0 du iiDschaldiges lembli^ wie bist da so jemerlich ge-
handelt! Busse und besser v\\r min schuldig suntliches leben!
V. 0 du künig aller känige und ein herre aller herren, rer-
lihe mir, als dich nu min sele mit klage und jamer umbvahet in
diner yerworfenheit, daz si von dir umbvangen werde mit vr6den i
in diner ewigen klarheit!
I. Minneklichü reinü mftter^ biz h6te ermant der kleglichen
gehab; die du hattest^ do s& diu totes kint von dinem herzen brachen,
II. Des jemerlichen dannan scheidens,
III. Der eilenden vfizstaphen, 10
IV. Des jamrigen herzen, so du hin wider hattest,
V. Und der geträwen stetikeit, die du ime allein in allen
sinen nöten unz in daz grab leistest,
Und erwirbe mir von dinem zarten kinde, daz ich in dinem
leide und in sinem lidenne alles min leid und liden überwinde, 15
daz ich mich zfi ime in sin grab vor allem zitlichem kumber
verschliesse, daz mir ellü disu weit bringe ein eilenden, daz ich
nach ime allein trage ein grundloses jameren, und daz ich in sinem
lobe und in dime dienst hab unz in daz grab ein stetes bliben.
Amen. 20
Do dis alles bereit waz und an papyr geschriben waz, do
stfint im dennoch usse ein wenig ze machcnne an einem ende, daz
unser lieben vrowen zu gehörte^ und hatte dem selben ein spacium
gelazen, unz es im och von gotte wurde, wan er waz do neiswe
mengen manode gestanden in undergczogenheit, daz es ime nit konde 25
werden. Also kam er sin an unser vrowen, daz si es volbreehte.
Und do wart [135''] an sant Dominicus abent ze nacht, do man
hatte von im metti gesungen, do waz ime vor in dem schlafe, wie
er in einer kamer were; und do er also saz, do kam ein schöne
12 allein im i'' 13 sineii fehlt FA 18 alHn fetdi Z 21 Do —
324,2 fMi F^ 22 ein weu. usse AaK 25 uiulorzotfenh. Z 25 f. werd.
kondü K^
11 hin wider = zu deinem toten Kinde zurück. 22 Besieht sich trohJ
auf Kap. P*. 25 undergezogenheit. = geistige Trockenheit^ Entgiehung der
fühlbaren Gnade. 27 In der Nacht vom 4. — 5. August {F^est des A/. Do*
minikusy früher am 5., jetzt am 4. August).
Nachwort. ä2ä
jungliDg in gande mit einer wünklichen harphen, und mit ime vier
ander junglinge mit scbalmien. Also sas der jungling mit der
harphen zfi dem brfider und begonde sin harphen reisen und schone
uf klenken. Daz waz dem brtder gar lustlicb ze hörenne, und
5 sprach zfi im: „owe, wan kemist du an die stat, da ich wonen,
daz du mir etwenne also hohen mfit mahtist!^ Do vraget der jung-
ling den brfider, ob er noch neiswaz übunge heti, die er neiswe
lange hatte gehabt. Do sprach er: ;,ja!" Do entwörte er und
sprach: „daz ist ein hertes spil.^ Also kerte sich der jungling zu
10 den vieren mit den schalmien und sprach zfi in, daz si uf bliesen.
Do antworte ir eine und meinde, es were gnfig an zwein. Dar an
enwolte dise nit gnüg han und sprach, sä söltin alle sament uf
dSnen, und wiset in uf neiswaz tones, den der selb wol verstfint;
wan der brfider kond sin nit verstau. Und daz geschah also. In
15 den dingen geswinde do ensah noch enhorte er kein seitenspil, denne
daz er sah, daz die junglinge under banden hatten gar ane alle
masse ein lützeliges bilde finserre lieben vrowen, und daz waz ge-
wiirket an ein tficb, und waz des bildes mantel gar in rot und
purpurvar mit beidenschem selzemme werke, daz einen wünneklicben
20 anblik gap, und daz velt daz waz wiss als ein sehne' Also waz der
brfider in einem grozen wunder und hafte lust an der gesibt,
und nam war, daz sü es wolten volbringen; und vollewurkten des
ersten daz velt. Do sprachen sü: „lüg, wie es wachset!** Und do
sah er es us würken, und do nam ir einer die nadlun mit dem
25 vaden und machet vornan uf den mantel enzweres über gar klfig
stricke, und die stfinden als recht finlich und zierten die lieben
vrowen als wünneklich. Und in dem giengen im du ogen uf und
do verstfint er daz, daz er nach enkeinen zwivel dar an wolte haben,
ime were gegeben, daz er daz velt, daz lere spacium und daz geist-
30 lieh bilde volbrecbte, daz im so lange vor beschlossen waz; wan er
waz dez gewennet, daz im daz vorder gnfi nach alles sament wart
1 sclionen wtinkl. h. Z 12 wolt Z dise] er F 16 alle fMi F
17 lieben fehlt AaE waz daz E^ 20 der] ein Z 22 f. von ersten E^Z
25 vor au E^Z den] dem Z 27 do giengen Aa 29 der lere sp. E^
31 waz nach gew. Aa
7 ubunge wohl = Kasteiung, Denifle (501 A, 2) denkt an das leere
Spatium. 19 heidensch = morgenländisch, saragenisch. 81 f. Vgl. Hör, 13:
notandum, quod originale huius operis (= Bdew) certis temporibus et non-
nisi in praesentia magnae gratiae conscripium fuiU Non enim praedictus
§24 Büchlein der Ewigen Weisheit ftegiBtei^.
in eüicber glicheit [136'] der selben wise. Und do zehant monicnt
wart es voUebracht af sin ende.
Dis bücblin, daz da heisset der Ewigen Wisheit
bücbli, dez sin ist, die g5tlicben rainne, du in disem jüngsten zite
beginnet in mengem herzen erlöschen, in etlichen wider enzünden; 6
und dez materie ist von dem anvange bis an daz ende änsers herren
Jesu Gristi minnerichcs liden, und wie ein frumer mensche daz selb
bild nach sinem veniiuiccDiie mfiz ervolgen, und von dem wirdigen
lobe und unsäglichem leide der reinen küngin von himelriche. Und
hier inne sint vermischet in tSgenlicher wise zehen materieD, die lo
usgenomenlich edele und nütze sint:
I. Wie etlichu menschen von gotte unwissentlich werdent
gezogen.
II. Von einem herzklichen rüwenne und einem muten ver-
gebenne. 15
III. Wie minneklich got ist, und wie betrogen der weit
minne ist.
Ein usrichtunge drier dinge, du einem minner aller meist
mochtin an gote widerstan:
3 da fehlt Z B herzen] menschen J*' etlichem E 6 und ist des
materig F 10 hie inne Z 11 nach sint: als ob jj^eschriben stät K (nicht A^
wie Denifle 5(J3 A. 1 angibt!), das folgende fehlt in K 12flF. die Ziffern I ff.
rot am Rande AEZ, felden E^FF^U unwiss. v. got E^HZ 19 au got
moht. E^Z
discipulus .... videbatur ibidem habere modum agentis vel dietarUis (= fihUnj
schriftlich abfassen) , sed modum quetndam divina patientis, Nam .... per
revelationes spirituales habuit ei quando scribere debuü et pene singulas ma"
terias, quas scn'psit. 4 f. L. c. 9: heu modernis temporibus mundo tarn aenes'
cente hie amor divinus in multorum cordibus tantum refriguit (vgl. Matth, 24^12)^
ut pene sit extinctus .... Divina sapientia . . . in pratsenii opere inttndit pi i'n-
cipaliter non quidem informare nescientes . . . sed reaccendere exiinctoe, frigidoe
inflaftimare, movere tepidos etc. Die Ausdrücke finden sich fast wdrtiich in der
Dominikuslegende (Lcct, IV^ der Matutin) des Dominikanerbreviers. Die Klagt
über die Verdtrbtheit der Zeit und Betonung der Nähe des Weltendes kehrt
bei jSeuse öfters wieder (Hör. 50, loö, 1(j8, 1(j4, '^24; Britf Gusiate im Qr Brfb).
Vgl. auch Gertrud, Legatus divinae pietatis IV, 4 (ed. Fl*, Solesmens. /, 316):
ut (nämlich durch die Offenbarung der Liebf Jesu) recalescat tarn senescens et
amore dci (orpescens mundus.
Nachwort der separaten Büchlein der Ewigen Weisheit. 325
IV. Daz eine ist: wie er so zornlieh muge gesebinen und
doch so minneklich sin;
V. Daz ander: war umbe er sieb sinen minnem dicke nach
herxhiste enzühet^ und wa bi man sin waren gegen wärtikeit erkennet;
5 VI. Daz dritte: war umbe es got sinen vrfindcn als reht übel
in zit gestattet. Und dis hat beschlossen in ime:
VII. Von iemer werendem we der helle;
VIII. Von unmessiger vröde des himelriches;
IX. Von unmeziger edeli zitliches lidennes;
10 X. Von unsäglicher giiti der betrachtunge des gStlichen lidens.
Das ander teil dis büchelins:
I. Wie man sei lernen sterben.
II. Wie man inrlich leben sol.
III. Wie man got minneklich enphahen sol.
15 IV. Wie man got grundlosklich alle stund loben sol.
Daz dritte teil hat die hundert betrachtunge mit kurzen
Worten, als man sü alle tage mit andacht sprechen sol.
Swer dis büchli, daz mit fliss geschriben und geriht ist, well
ab schriben, der sol es alles sament eigenlieh au Worten und sinnen
20 schriben, als es hie stat, und nät dar zA noh dur von legen noh
du wort verwandten, und sol es denne einest oder zwirunt hier ab
durnehtklich rihten, und sol nät sunders dar us schriben, denne die
hundert betrahtung ze hindrost; die schrib dar us, ob er well. Wer
im ut anders tut, der sol vürchten gottes räch, wan er berSbet got
25 des wirdigen lobes und da menschen der bessrung und den, der
sich dar zu gearbeit hat, siner arbeit. Und dar umb, wer es hier
umb nit well lassen, das müss gerochen werden von der EWIGEN
WISHEIT.
4 bekennet E^F 10 Von — lid. fehlt F unsagl.] unmeziger AE
11 dis buch, fehlt ÄaE dez b. F^HZ 15 stunden Ä 16 betr. und bege-
mnge La 16 f. mit k. w. fehlt F 23 ob er well] oder F 24 im fehlt F
26 f. nit h. umb F 27 must fälschlich bd Denifle 504 A. 1.
18 ff. Das hier iiach E gegebne Nachwort, dessen Vorschriften von den
Schreibern aber keineswegs immer befolgt wurden (in der Cueser Hs. Nr, 116
Bl. 67^^ polemisiert ein solcher dagegen!), findet sich nur in den separaten
Büchlein der eicigen Weisheit; es fehlt daher in AKa, doch euch in E^ u. F^,
Vgl, dazu noch Wackernagel-Martiny Gesch. der dtschn Lit, V (1879) j 430.
Drittes Buch.
Büchlein der Wahrheit
Hie yaht an daz drit buch:
Yon inrelicher gelazenheite und vou gutem underscheide, der
ze habenne ist In yernunftikelte.
Ecce enim veritatem dilexisti, incerta et occnlta
sapientiae tuae mauifcstasti michi. 5
Es waz ein mensche in Cristo^ der hatte sich in sinen jungen
tagen geübet nach dem ussern menschen uf ellü da stäke, da sich
anvahendä menschen pflegent ze ubcnne, und beleip aber der inr
mensch ungeübt in sin selbs [136^] nehsten gelazenheit und bevand
woly daz im neiswaz gebrast^ er enwiste aber nit waz. Und do er daz lo
langü zit und vil jarcn getreib, do wart im eins males ein inken
in deme er wart getriben zft im selben, und ward in im gesprochen
also : du solt wissen, daz inrlichu gelazenheit bringet den menschen
zA der nehsten warheit.
Nu waz im dis edel wort dennoch wild und unbekant, und 15
hatte doch vil minne dar zi\, und wart uf daz selbe und des glich
gar vcstiklich getriben, ob er vor sime tode iemer dar zft mochte
komen, daz er daz selb bloz erkandi und zc gründe ervolgti. Also
kam er dar zft, daz er wart gewarnet und wart ime für geworfen,
Handschriften: Ä K N S S^ Wf, vgl oben S, H: B = Berlin 4^ 191;
C — Cohnar 2tHi : a— 1. Druck (1482),
1 f. Hie vohot an das diirtt' buch dcö dienere der ewigen wiszhei^ daz er
jremaht liet, und poit von innerlicher ^elossenheit . . 7^, Überschrift fthlt N
drit blich] ander biichclin {Bdew fehlt Ü S 2 inneclicher K 7 da] die ö'
9 nehstes C IG wart] war S 17 mohte dar zu S
4 f. P.S. öOfi. — Im ernien iJruck und bei I)it penbrock ist der Prolog fälsch-
lieh als 1. Kap. gesuhlt. 13 Vgl, die Frag- aSluscs an Kckhart Vita 23,4 ff.
Büchlein der Wahrheit. Prolog. 327
daz in dem schine des selben bildes verborgen legi valscber grünt
ungeordenter friheit und bedecket legi groze schade der heiligen
kristenheit. Und hier abe erschrak er und gewan etlicb zit einen
widerstoz des inren rftfes in im selben.
5 Und eins males do wart im ein kreftiger inschlag in sieh selb
und luhte im in von gütlicher warheit, daz er hier abe kein gedrang
s61te nemen; wan daz ist ie gesin und müz iemer wesen, daz sich
daz böse birget hinder daz gute, und daz man dar umb daz gute
nüt sol verwerfen von des bösen wegen. Und meinde, daz in der
10 alten e, do got durch Moysen sinü waren zeichen tet, do würfen die
zobrer irü falschen dar under; und do Gristus der wäre Messias kam,
do kament etlich andere und erz6gten sich valsohliche, daz sü dor
selb werin. Und also ist es überal in allen dingen, und dar umbc
ist daz gftte nit mit dem bösen ze verwerfenne, mer mit gutem
15 underscheide ze us kiesenne, sam der götlich mund tAt. Und also
meinde es, daz gutu vernünftigü bilde nät werin ze verwerfenne, du
ir klaren vernünftikeit underwurfliche haltent nach meinunge der
heiligen kristenheit, noch vernunftig sinne, die gut warheit inne
tragent eins durnechtigen lebennes, werin nit ze sch&henne; wan s&
20 entgrobent den menschen und zögent im sinen adel und des göt-
lichen wesennes übertreffenlicheit und aller andere dingen nihtikeit,
daz den menschen von billich ob allen dingen reizet zA rehter ge-
lassenheit. Und also kam er wider uf daz vorder getrifte, da er zA
vermant waz, einer warer gelassenheit.
25 Nu begerte er von der ewigen warheit, daz sü im gAten
underscheid gebi, als verre es muglich were, enzvvüschent dien men-
schen, die da zilent uf [137"^] ordenlicher einvaltikeit, und etlichen,
die da zilent, als man seit, uf ungeordenter friheit, und in dar inne
bewisti, weles weri ein rechtö gelazenheit, mit der er kemi, da er
30 hin sölte. Also wart im in liehtricher wise geantwürt, daz dis alles
1 valHcher — 2 legi fehlt KN 5 do fehlt B 6 keinen B 8 ver-
birget under d. g. J9 11 ir valscheit B 13 weri A" 14 den b. K
15 sam] also B 16 du] durch C 17 haltet 8 18 sune (!) A 21 we-
sennes] adels B übertriflicheit S übertriffetilicheit AB 22 dem m. B
23 ul] US S 28 im B 29 keimi A
1 f. Es ist hier die quietisiische Oelassenheit der Be^harden und Brüder des
freien Geistes gemeint (ihre Sätze bei Preger J, 468, besonders Nr, 78, 111, 121),
9.16 Subjekt: Das Einsprechen der göttlichen Wahrheit, 10 f. II Mos,
7,3 ff. 11 ff. Vgl, Matth, 24,5, 11. 15 Jerem, 16,19.
328 Büchlein der Wahrheit Kap. I.
gölte geBchehen nach der wise einer usgeleiten biscbaft, als ob der
junger fragti und du warheit antwärti. Und wart des ersten ge-
wiset zfi dem kernen der heiligen schrifty us der d& ewig warheit
redet; daz er da s&chti und lAgti, waz die aller geiertesten and ge-
leptesten, dien got sine verborgenen wisheit bat nf getan, als da vor 6
stat in latine, dur von liettin gesprochen, ald waz du heilig kristen-
heit dur von hielti, daz er uf sicherre warheit blibi. Und hier ns
luhte im in also:
I. Kapitel.
Wie ein gelazener mensche beginnet und endet in einikeite. lo
Allen den menschen, die wider in gefüret son werden, den ist
fürderlich ze wissennc ir und aller dingen erstes begin, wan in deme
selben ist och ir jüngstes lenden. Und hier umbe sol man wissen,
daz alle die, die von warheit ie gespraehen, die koment des öl)er
ein, daz neiswaz ist, daz liberal daz erste ist und daz einveltigest 15
und vor dem nut enist. Nu hat dis grundelos wesen Dionysius
in siner blozheit an gesehen und sprichet daz und och ander lerer,
daz daz einveltig, von dem geseit ist, mit allen namen blibet alze-
male ungenemmet; wan als da stat an der kunst Lojca, der name
sölti US sprechen die nature und redeiicheit des genemten dinges. Nu 20
ist daz kuntlich, daz des vor genanten einveltigeu wesennes natur
ondelos und ungemessen ist und unbegriflen aller kreatärlicher ver-
nünftikeif. Dar umb so ist kund allen wolgelertcn pfaffen, daz daz
wiselos wesen och namelos ist. Und dar umb sprichet Dionysius
3 geschrift B 4 f. gek-btcu C gelobtesten .S' 6 hetti C hettiii
- 7 (liir von fehlt K 7 erj es 6' 11 die fihlt C in sond gef. K
werdent B 12 f. den selben S 13 hier inne S 14 ie fehlt K 20 ge-
nanten 7^ genemmen C 23 ist es C ist das KX
Bf. Im Vorspruch des Prologs. 16 f. iJe dir, nom. I, 4 — 6: VII, 3.
17 Justin^ Aptd. II c. 6'; Gregor von Naz., Or. theol. ii: Joh, Damaitc.f
De fide nrihod, J, 4; August., In Joann. tr. 13 n. 6: 'Thomas, S. Th, 1 q. 13 a, 1;
Eckhart J1:>,SJ ff. Weitcrc Belege bei K. Krtbs, Meister DiUnch (Theodoricug
Teutonicus de Vriberg), sein Leben, sdn*f Wurke, seine Wissenschaft (= Bei-'
träge zur Geschichte der Phüosophie des Mitte/alters^ hrsg. ron Bätimker und
Hertling V, ö;6) 1900, 6;), :>l(i*f 19 Vgl. Vita 176,7, Thomas, Ä Tiu 1
q. 13 «. 4 (nach Aristoteles, Metaph. 5 lo:24 b 4): ratio, quam significat itomeit,
est conceptio intellectus de re significata per nomen: vgl» auch ib. a,8 ctd 2,
24 f. De dii\ nom. I, h 6; Jh myst. Theol, V.
Büchlein der Wahrheit. Kap. U. 329
in dem buche von den götlicben naraen, daz got si nitwesen oder
ein nihty und daz ist ze verstenne nach allem deme wesenne und
ihte, daz wir ime mugen nach kreaturlicher wise zfi gelegen;
wan waz man ime des in sölicher wise zft leit, daz ist alles in
6 etlicher wise falsch, und ire löggenungc ist war. Und us dem so
m5hte man ime sprechen ein ewiges niht; aber doch, so man von
eime dinge reden sol, wie ubertreffenlich ald äbermerklich es ist,
so mfiz man im etwaz namen schepfen.
Diser stiller einveltikeit wesen ist ir leben und ir [137^] leben
10 ist ir wesen. Es ist ein lebendä, wesendä, istigä yernftnftikeit,
daz sich selber verstat, und ist und lebt selber in im selber und
ist daz selb.
Nu enkan ich es nit me fürbaz her us bringen, und dis heis
ich die ewigen ungeschaffen warheit, wan ellü ding da sint als in
16 ir nüwi und in ir ersti und in ire ewigen beginne. Und hie beginnet
und endet ein gelazener mensche in ordenlicher ingenomenheit, als
hie nach wirt bewiset.
II. Kapitel.
Ob in der höhsten einlkeit kein anderheit muge bestan.
20 Der junger fragte und sprach also:
Mich nimt wunder, sid daz also ist, daz dis eine so gar ein-
veltig ist, wanuen denne kome da manigvaltikeit, die man ime zu
leif. Eine kleidet in mit wisheit und sprichet im du wisheit, eine
mit guti, eine mit gerehtikeit und des glich ; so sagent die pfaffen
25 US dem globen von der götlichen drivaltikeit. War umbe lat man
es nit bcliben in siner einvaltikeit, die es selber ist? Mich dunket
1 von dem g. n. SN 6 von ime C 10 in stetigü (!) C 11 und
— im selber fehlt S 15 nüwi [und] K ewigen] eignem C 21 eine fehlt S
also gar B 22 manigvalkeit A 24 eine mit ger. — glich fehlt S
4 f. Bionysius, De coel. Hier. II, 3, 6 Zu niht vgl Vita 167,5; 184,22:
187,13; Deniflt 511 A. 5 u, ders. im Archiv II, 452, 10—12 Die Stelle
ist aus Eckhart 188,29 f,; istigü vemönftikeit = suhsi stierende Vei-nünftikeit
(Den. 512) ; istikeit = Sein (esse), odtr = Existens (existeniia), von Gott oder
der Kreatur ausgesagt. Beide Ausdrücke, die bei Eckhart häufig sind, gibt
Lextr J, 1460 unrichtig mit essentialis, ess:ntia wieder, wesen kann sowohl
das Sein als die Wesenheit (essentia) bezeichnen. Vgl. Di^iifle im Archiv II,
439 A. 4, 442. 14 f. Alle Dinge haben ihre Ideen in Gott, vgl. Kap. 3 des Bdw,
330 Büchlein der Wahrheit. Kap. ü.
alles, daz dis einig ein ze vil Werkes habe and ze vil anderheite;
ald wie mag es als gar ein blozes ein sin, da so vil meniglieit ist?
Da warb ei t antwürt und sprach: Disü menigheit ellä ist mit
dem gründe und in dem bödme ein einveltigä einikeit.
Der junger sprach : Waz heissest du den grund und den nr- 6
Sprung, ald nit den grünt?
Entwurt der warheit: Ich heisse den grund den usqual
und den Ursprung, us dem die usflüsse entspringent.
Der junger: Herr, waz ist daz?
D6 warheit: Daz ist du natur und daz wesen der gotheit; ]0
und in disem grundelosen abgründe siget du drihcit der personen
in irc einikeit, und ellu mengi wirt da ir selbs entsetzet in etlicher
wise. Da ist och nach discr wise ze nemenne ufit frömdes werkes,
denne ein stillü inswebende dünsterheit.
Der junger sprach: Ey, lieber herrc, sag mir, waz ist denne 16
daz, daz den ersten usblik git disem selben ze werke, und aller
meist zfi sinem eigenen werke, daz da ist geberen?
Du warheit sprach: Daz tftt sin vcrmugendü kraft.
Der junger: Herre, waz ist daz?
Du warheit: Daz ist gütlich natur iy dem vatter; und da 20
in dem selben ogeblicke ist es swauger berhaftikeit und werkes,
wan alda hat sich in der ncmunge ünserrc Vernunft gotheit ze gotte
geswungen.
Der junger: Lieber herre, ist dis nit eins?
Du warheit sprach: Ja, gotheit und got [138'] ist eins, und 25
doch so würket noch gebirt gotheit nit, aber got gebirt und wurket.
Und daz kumt allein von der anderheit, du da ist in der bezeieh-
nunge nach nemlicheit der Vernunft. Aber es ist eins in dem gründe;
;i (lisu| du C 7 am liaudc In libro scntcntianiiii AK 8 ufflüi^se A'
11 singet .y 12 crlichor C IJi nenimenno ABCK 15 eya C 16 disen C
17 ninen ei^^ werken C ^'(^ herben (!) C gehen A' 19 ist [daz] K
3 f. Vgl. Kckhart 781^3.13 (grundj bodi-m, river und tjudU der gotheit);
114.33 f.: (:3:J,:JöJ\ 7 Vgl. Petr. Lomh., 1 S'int. dist. 5. 10 Kckhart 668,30:
daz bildtrichc lieht götUchcr eimkeit daz ist einreltig und ist doch tcesen und
ndtürc. 16 ff. Vgl. Echhart 181^10 — li2: got wirket^ diu gotheit wirket niht,
si enhdi niht ze ivirkeune, in ir ist kein wen- : si geJuogete uf nie kein werc.
20 ff. Vgl. Vita l&ofiff.: Kckhart 67:J,f!ff.: 3SK;2Sff.; 160,15. Thomas y In
1 ö'cnt. dist. 5 7. 1 a. 1: pater gcnerat virtutc tastntiae rel nnturae. 25 ff.- Vgl.
die eben zitierten Stellen bei Kckhart und Thomas, 6\ Th, 1 q. 3V a. 5. Wf^iter$
Belege bei JDenifle 515 A. 3.
Büchlein der Wahrheit Kap. m. 831
wan in der götlicfaen nature ist nit anders denne wesen und die
widertragenden eigenscbefte, und die legent Aberal nibtesnit zfi dem
wesenne, sä sint es alzemale, wie sü undersebeit haben gegen
dem sü sint, daz ist gegen ir gegenwurfe. Wan g6tlicbä nature
5 nach dem selben gründe ze nemenne ist nibteznit einveltiger an ir
selb, denne der vatter in der selben nature genomen, ald kein andrü
persone. Du bist allein in der inbildunge betrogen, du daz an büket
nach der wise, als es in der kreature ist in getragen. Es ist an
im selber einig und bloz.
10 Der junger sprach: Ich merk wol, daz ich bin komen uf
die gruntruri der nehsten einveltikeit, fär die nieman inbaz mag
kommen, der warheit wil füren.
III. Kapitel.
Wie sich der mensche und alle kreaturen ewkllch haben
15 gebalten, und von Irem gewordenllchen usbruche.
Der junger: Ewigü warheit, wie hein sich aber die kreaturen
ewklich in gotte gehalten?
Entwürt: Sü sint da gesin als in irem ewigen exemplar.
Der junger: Waz ist daz exemplar?
20 Du warheit: Es ist sin ewiges wesen in der nemunge, als
es sich in gemeinsamklicher wise der kreature git ze ervolgenne.
Und merke, daz alle kreaturen ewklich in gotte sint got und hein da
enkeinen gruntlichen undersebeit gehebt, denn als gesprochen ist.
2 [und] die leg. A 3 als ze [male] C 14 sich der] sicher (!) C
14 f. [haben] geh. und haben und von 8 16 von irem] uf iren C 16 d.
junger fMi CN 20 meinunge S 23 ist fehü C
Iff. In Gott sind nur das Wesen und die Wechselbegiehungen ( Rela-
tionen) j und diese sind mit dem Wesen eins : vgl, Thomas, S. Th. 1 q. 29 a. 4 ;
q. 28 a, 3: Denifle im Archiv II, 438, 15 usbruch ist Übersetzung von pro»
cessio wie Bdew 203,4 usfluz. 16 fif. Zu der hier vorgelegten scholastischen
Ideenlehre vgl. Vita 157,20; 187,1; Eckhart 281,20 ff,; 324,31 ff,; 378,39 f.;
390,30 ff,; 602,22; Blume der Schauung hei Preger II, 429 f, Erklärung mit
weiteren Belegen bei Denifle 617 A,2u,3; 518 A, 1; ders, in Hist,'pol. Bl,
75, 914 ff, und: im Archiv II, 463 ff,; 530 ff,; Krebs, Meister Dietrich 66, 218*,
Thomas, S, Th, 1 q, 44 a, 3 schreibt in Übereinstimmung mit Seuse: licet (formae
exemplares) multiplicentur sec, respectum ad nos, tarnen non sunt realiter aliud
a divina esseniia, prout eius simHitudo a diversis paHicipari potest diversimode,
Sic igitur ipse Usus est primum exemplar omnium. Vgl, auch l, c. q. 16.
332 Büchlein der Wahrheit Kap. m.
Sü sint daz selb leben, wesen nnd vermügeD, als verre sfi in gotte
sint, und sint daz selb ein und nit minnre. Aber naeh dem ns-
schlage, da sü ir eigen wesen nement, da hat ein ieklichs sin sander
wesen usgescheidenlich mit siner eigenen forme, du im natürlich
wescn gibt; wan forme gibt wesen, gesündert und gescheiden, beidü 6
von dem götlichen wesenne und von allen andren, als du natürlich
forme dez Steines git im, daz er sin eigen wesen hat. Und das ist
nit gottes wesen, wan der stein ist nit got, noch got ist nit der
stein, wie er und alle kreaturen von im sint, daz s6 sint. Und in
disem usfluzse da hant alle kreaturen iren got gewunneu, wan lo
da kreature sich kreature vindet, da ist si vergichtig irs sehephers
[138^ und ir gottes.
Der junger: Lieber herre, weder ist daz wesen der kreature
cdeler nach dem und es in gotte ist, nid nach dem, als es in im
selben ist? 15
Du warheit: Daz wesen der kreature in gotte ist nit krea-
ture, aber die kreaturlicheit einer ieklicher kreature ist ir cdeler
und gebruchlicher, denne daz wesen, daz si in gotte hat. Wan
waz hat der stein dest me oder der mensche oder kein kreature in
Ire kreaturlichem wesenne, daz su ewklich in gotte got sint ge- 20
wesen? Got hat du ding wol und recht geordent, wan ein ieklichs
ding hat ein widerkaplien zft simc ersten Ursprünge in nnder-
wfirliicher wise.
Der junger: Ach herrc, wannen kumet denn sunde, ald boz-
hoit, ald hello, ald vcgfür, ald tüfel und des glich? 25
Entwurt: Da du vernünftig kreature sölte ein entsinkendes
widerinjeheii hau in daz ein, und si da blibet uz gekeret mit un-
rehter angesehner eigcnschaft uf des sinsheit, dannen kumet tüvel
und ellü bozheit.
7 g-esteines B im] in ^S' 9 von f^hlt C 11 verichtij? AS ver-
jchon B 13 creatureu BN IH kreaturen BC 22 widerkaffen BC
24 f. ald] oder (dreimal) B 26 ald helle fehlt B 2« da fehlt S 28 an-
iresehcnder B
5 Nach aristotd'mdi- scholastischer Lehre ist die Form das bestimmende
Prinzip der Materie^ durch das sie erst aktuelles Sein gewinnt (Aristot,, 3/e-
taph, 1017 h 14: 10l>:J a 14; Thomas, S, TL 1 7. 4:> a, 1 ad 1 u. ö.). Vgl. Hert-
linij, Materie und Form 1871. 11 Vgl. Kckhart :3S4,1^ ; 181,5 f. Da dit
Kreatur in Gott (iott selbst ist, so bekennt sie ihren o'chöpfer und Gott erst in-
folge ihres Ausjlusse^, d. h. wenn sie ein wirkliches Geschöpf icird, 16flf. VgL
dagegen Eckhart 630ß: alle creature sind edeUr ingote, denne sie an in seWen sint
^Büchlein der Wahrheit. Kap. lY. 33^
IV. Kapitel.
Von dem waren iukere, den ein gelazsener mensche durch den
elnbornen snn nemen sol.
Der junger: Von der kreaturen gewordenlichem usbrache
6 habe ich die warheit wol verstanden. Ich horti nu gerne von dem
durchbruche, wie der mensch darch Cristum sol wider in komen
und sin selikeit erlangen.
Du warheit: Es ist ze wissenne, daz Cristus, gottes sun,
etwas gemein hatte mit allen menschen, und hatte etwas sunders
10 vor andren menschen. Daz, daz im gemein ist mit allen menschen,
daz ist meuschlichä natnre, daz er 5ch ein wäre mensch waz. Er nam
an sich menschlich nature und nit persone; und daz ist in der wise
ze nemenne, daz Cristus menschlich natur an sich nam in einer
unteillichi der materien, daz der lerer Damascenus heisset in
15 athoroo, und also der angenomennen gemeinen menschlichen nature
entwürte daz rein blütli in der gesegneten Marien Hb, da er liplich
gez6w von nam.
Und dar umbe so hat menschlichü nature an ir selben ge-
nomen kein solich recht, — wan si Cristus hatte an genomen und
20 nit persone, — daz ieder mensche dar umbe s&l und mag in der
selben wise got und mensch sin. Er ist der allein, dem da uner-
völgklicli wirdikeit zA gehört; daz er die nature an sich nam in
der luterkeit, daz im nüt hat gevolget weder von der erbsünde,
noch von keiner [139'] auderre sünde; und dar umb waz er der
25 alleine, der daz verschulte menschlich künne erlösen mohte.
Daz ander: aller anderre menschen verdientü werk, die sü
t&nt in rebter gelazsenheit ir selbes, die ordenent eigenlich den
!^ eingebomen BCN 4 usbruchc fehlt C 7 sin] in K sol er-
langen C 10 [daz] daz K 13 nam fehlt B 14 Damascenus auch am
Rande A 15 achonio (!) C 17 gezügnüsse C 18.26.334,14 am Bande
I 11 III A
14 Joh. Damascenus y De fide orihodoxa III, 11, — in einer unt. der
matenen == eine individuelle menschliche Natur (Den, 531 A, 3). 15 f. Vgl,
Thomas, 8, Th, 3 q, 31 a. 5 und Eckharts Kommentar zu Ekklesiastikus (Archiv
II, 663, 20): Christus secundum hominem ex jmrissimis virginis sanguinibus est
formatwt, ul ait Damascenus (De fide oHh, III, 2), 17 gezow = Organum,
instrumenlum, wie die Theologen die menschliche Natur in Christus nennen
(vgl. Thomas, S. c, Gent, 4,41).
334 Büchlein der Wahrheit Kap. Vf.
raenschen z& der selikeit, du da ein Ion ist der tugende. Und dA
selikeit lit an der voller götUcber gebruebange^ da alles mittel und
anderbeit ist ab geleit. Aber du einunge der infieiscbonge Cristi,
sit daz si ist in einem persönlicben wesenne, so Aberget si und ist
boher, denne da einunge des geuutes der seligen zfl gotte. Wan 6
von dem ersten beginne, do er enpbangen wart der mensch, do
waz er werlicbe gottes sun, also daz er enkein ander selbstandange
hatte, denne gottes sun. Aber ellA andrü menschen dt hant ir na-
turlicb understandunge in irem natärlichen wesenne, und wie genz-
klich s& in selber iemer entgant ald wie luterlich sü sich iemer lo
gelazsent in der warheit, so geschihet daz nit, daz sü in der g&t-
liehen persone understandunge iemer übersetzet werden und die iren
verlieren.
Daz dritte: dirre mensch Cristus hatte daz och ffir eDü
menschen, daz er ist ein höbt der kristeuheit^ nach glicher wise ze 15
redenne dez menschen höbtes gegen sinem libe, als da stat ge-
schriben, daz alle die, die er hat fürsehen, die hat er vor bereit,
daz sü würdin mitförmig mit dem bilde des sunes gottes, daz er
der erstgeborn si under vil andren. Und dar umb, wer einen rehten
wid^ringang welle haben und sun werden in Gristo, der kere sich 20
mit rehter gelazsenheit ze im von im selb, so kumet er, dar er sol.
Der junger: Herre, waz ist rehtü gelazsenheit V
Du warheit: Nim war mit merklichem underscheit diser
zweier werten, du da sprechent: sich lazsen. Und kanst da du
zwei wort eben wegen und ze gründe prüfen uf ir jüngstes ort und 25
mit rehtem underscheide an sehen, so macht du snelleklich der
warheit bewiset werden.
Nu nim des ersten her für daz erste wort, daz da heisset:
sich ald mich, und lüg, waz daz si. Und da ist ze wissenne,
daz ein ieklicher mensch hat fünfley sich. Daz eine sich ist im SO
gemein mit dem steine, und daz ist wesen; ein anders mit dem
krute, und daz ist wahsen; daz dritte mit den tieren, und daz ist
enphinden; daz vierde mit allen menschen, daz ist, daz er ein
1 tugen B 2 lit fehlt S 5 eiiiigun^ B 16 mensch A 18 uit-
forinig (!) C mit tormit K 23 mercklicber K 28 mi] so K 30 fünf C
eine] erst« B BOf. das ist im g. C 32 ist mit d. t. K 33 ist mit a. m. A"
3 inflcischnnge = incarnatio ; v(jh Thomas^ S. TJu 3 q. 2 a, 9. 7.9 selb-
Btandnnge, understandunge = «ufem^cn^*«, rersöulichkeit, 14 f. Vgl, Epht$,
1,22 f, 16 ff. Rom. 8^9: vgl, Thomas, S, Th, 3 q. 8 a, L
Büchlein der Wahrheit. Kap. IV. 335
gemeine menschlich nature an im bat, in dem du andern ellä eins
sint; das fünfte, daz im eigenlich zugehört, daz ist sin [139^] per-
sönlicher mensch, beidä nach deme adel und och nach dem zAval.
Waz ist nu daz, daz den menschen irret und in selikeit be-
5 röbet? Daz ist allein daz jüngste sich, da der mensch den usker
nimet von gotte uf sich selb, da er wider in solte keren, und im
selb nach dem züval ein eigen sich stiftet, daz ist, daz er von
blintheit im selber cigent, daz gottes ist, und zilet da und verfl&sset
mit der zit in gebresten.
10 Der aber dis sich ordenlich wölti lazen, der sölti drie inblike
tftn: den ersten also, daz er mit eime entsinkenden inblike kerti
auf die nihtekeit sins eigenen siches, schowende, daz daz sich und
und aller dingen sich ein nifat ist, us gelazsen und us geschlozsen
von dem ichte, daz da einig würkende kraft ist. Der ander in-
15 blik ist, daz da nit äbersehen werde, daz in dem selben nehsten
gelezse iedoch sin selbs sich alwegent blibet uf siner eigen gezöw-
licher istikeit nach dem usschlage, und da nüt ze male vemihtet
wirt. Der dritte inblik geschiht mit einem entwerdenne und friem
ufgebenne sin selbs in allem dem, da er sich ie gefürte in eigener
20 angesehner kreatärlichkeit, in unlediger manigvaltikeit wider die
götlichen warheit, in liebe ald in leide, in tünne oder in lazenne,
also daz er mit richem vermügenne sich wiseloseklich vergange, und
im selb unwidernemklich entwerde und mit Cristo in einikeit eins
werde, daz er us disem nach einem injehenne all& zit würke, ellü
25 ding enphahe, und in diser einvaltikeit ellü ding an sehe. Und dis
gelassen sich wirt ein kristförmig ich, von dem du schrift seit von
Paulo, der da sprichet: j,ich leb, nit me ich, Cristus lebt in mir."
Und daz heiss ich ein wolgewegen sich.
3 och fehli B 12 sich es schowendes K 14 einig] eine C 17 iti-
keit C nüt] mit S 18 einem fehU C 26 f. von saute P. BN 28 heiss
[ich] B
3 2>. h, sowohl dem Geiste (adel), aU dem Leihe ( züval, accidens; ähnlich
Eckhart 168,12 f.) nach: vgl. dagegen Vita 16:^,19 ff. 13 Die geschaffenen
Dinge im Vergleich mit Gott als Nicht zu bezeichnen ist den Mystikern ge-
läufig; vgl. AugusUy Soliloq. /, 1,3: Deus . . . extra quem nihil; Inps. 134 n. 4;
Conf. VII, 11; Bernardus, De consid. K, 6'/ Thomas, De verit. q. 8 a. 7 ad 2;
8. Th. 2,2 q. 5 a. 1 ad 2; Eckhart 136,23 ff; 222,35 f. Weitere Belege im Archiv
II, 515 /. 14 icht = das göttliche Wesen, 22 wiseloseklich 3= ohne auf
dies oder jenes zu achten (^wise = die Art, sich zu geben). 27 GaL 2,20.
^36 Büchlein der Wahrheit. Kap. tV.
Nu nemen wir daz ander wort her für, daz er spricht: lazsen.
Daz meinde er ufgeben oder verahten, nut also, daz man es m&g
gelazsen, daz es zenial ze nihti werde, denn allein in der verahtonge,
und denn ist im gar reht.
Der junger: Gelobet si da warheit! Lieber herr^ sag mir, 6
blibet eime seligen gelazenen menschen ützet?
Du warheit: Es geschihet ane zwifel, wenne der gftt and
und getruw kneht wirt in gefuret in die fröde sins herren, so wirt
er trunken von dem unmessigen Überflusse des gütlichen hnses; wan
ime [140"^] geschihet in unsprechelicher wise als einem tranken lo
menschen, der sin selb vergisset, daz er sin selbes nit ist, daz er
im selb zemal entworden ist und sich zemal in got vergangen hat
und ein geist mit im worden ist in aller wise, als ein kleines wassers
tröphlin in vil wines gegozsen. Wan als daz im selber entwirdet,
so es den smak und die varwe an sich und in sich zühet, also ge- 15
schiht dien, die in voller besitzungc sint der selikeit, daz dien in
unsprechelicher wise ellü menschlichu begirde entwichet, and in
selber entsinkent und ze male in dem götlichen willen versinken!
Anders möhti du schrift nüt war sin, da da sprichet, daz got sol
werden ellu ding in allen dingen, were daz des menschen in dem ao
menschen üt blibi, daz nit zemal uz im gegozsen wurdi. Da blibet
wol sin wesen, aber in einer anderu forme, in einer anderä glorie
und in cime andern vermugenne. Und daz kumet alles von ir selbs
grundlosen gelazsenheit.
Und sprichet dennc uf den vordem sin also: ob aber kein 85
mensche in disem lebenne als gelassen si, daz er daz volkomenlich
2 maint Ä 7 am Bmide BeriiarduB AS^ hn 'Text K 9 den unm.
überflözen C 10 unussprechenlicher B 12 zemal fehlt S 14 wan] und C
17 uiisprechenlicher B 17 f. im selber A' 18 entsinket C 22 [andertü]
forme C 23 eime] einer S
1 er bezieht sich wohl auf Christus (vgl. Matth, 16^24: si quis vuli po$t
me venire^ abneget semetipsum etc), 7 BernarduSy De dilig, I)eo c. 10 ti. 16
(vgl. Epist. 11 n. 8) ist von hier bis 337 yC* teilweise wörtlich beniUet: vgl, Vita
lti7,17 ff. Dass Bernhard (und Sense) das Kingehen der Seele in Gott nicht
in }tanthtfistischem Sinne fasst, sondern scharf ihre Selbständigkeit wahrt, tPtiit
J. ItieSj Das geistliche Leben in seinen Entwicklungsstufen nach der Lehre des
hl Bernard 1906^ 3(W f gut gegen Harnack nach, 7 f. Matth, 25,23.
9 Vgl. Ps. 3i)M. 13 I Kor. 6,17: tjui adhaeret domino, unus sjnHtus est.
19 f. Ebd. 15y2ti. 25.337,4 Nämlich dir hl. Bernhard, De dil. Deo 15
//. 39 und Ep. 11 n. S.
Büchlein der Wahrheit. Kap. IV. 337
begritfen habe, daz er des sinsheit niemer ane gesehe in lieb noch
in leide, denn daz er alzemal sich selb dar got minne und meine
nach der aller volkomnesten begriflfenheit, des kan ich mich —
sprichet er — nit verstau, ob es ist. Die gangen her für, die im
5 gelebt hein, wan nach minem verstenne zc sprechenne, so danket
es mich nüt muglich.
Usser diser rede aller macht da merken ein antwiirt diner frage,
wan ein rehtü gelazsenheit eins solichen edelen menschen in der
zit du ist nach gebildet und gestellet nach der gelazsenheit der
10 seligen, von den du schrift seit, minr und me nach dem, als denne
du menschen minr und me geeiniget ald eins sint worden. Und
merk sunderlich, daz er sprichet, daz sü da entsetzet werdent dez
iresheit und übersetzet in ein ander forme und in ein ander gün-
lichi und in einen andern gewalt. Waz ist nu du ander frömde
15 forme, denn du götlich nature und daz götliche wesen, in daz sü,
und daz sü in sich verflözent, daz selbe ze sinne? Was ist denne ein
ander glorie, denn verkleret und vergünlichet werden in dem istigen
lichte, daz nit Zuganges hat? Waz ist denne ein anders vermügen,
denn daz von der selbsheit [140^] und der selben einikeit dem
20 menschen wirt gegeben ein götlichü kraft und götliches vermügen
in tünne und in lazsennne alles, daz ir selikeit zft gehöret? Und
also wirt der mensch entmenschet, als geseit ist.
Der junger: Herre, ist dis muglich in der zit?
Du w arbeit: Du selikeit, von der gesprochen ist, mag er-
25 volget weiden in zweierley wise. Ein wise ist nach dem aller vol-
komnesten grade, du über alle müglicheit ist, und daz mag nit gesin
in diser zit ; wan zu des menschen nature höret der lip, des manig-
valtig gedrang widersprichet disem. Aber die selikeit ze nemene
nach teilhafter gemeinsamkeit, also ist es muglich, und dunket doch
30 menigen menschen unmuglich. Und daz ist nit unbillich, wan hie
1 niemer] in ainer K 5 verstände S 10 nach — 11 me fehlt BN
12 sü fehlt B 13 in mit ein a. f. S 13 f. [ein] ander g. B geliche (!) S
14 einem a. g. S 16 sinde S 17 itigen C 21 zu höret S 23 der]
dirre S 26 überal muglich ABKS 29 teilhaftiger S
12 Bernardus l t\ 17 f. I Tim. 6,16, 25 f. V(jh Thomas, 8, Th.
2,2 q. 184 a, 2. 28 ff. Vgl Bdew 234,16 ff. und Beruardus, De dil Beo 10
n. 27: beaium dixerim tt sanctuniy cui tale aliquid in hac moftali vita raro
interdum aut vel scmd, et hoc ipsum raptim aut unitis vix mometUi spatio
experiri donaium est; senno ö5 in Cant. n. 13: dulce commercium, breve mO"
mentum et txpenmenium rarum. Zur Erklärung Ries a, a. 0. 298 ff.
U. Seuse, Deatsche Schriften. 22
338 Büchlein der Wahrheit. Kap. V.
her enmag kein sin noch Vernunft gelangen. Wol sprichet ein Schrift
daz man vindet einer hande menschen, usges&ndertä und geleptü
menschen, da% die sijen so gar ;:elutertes und gotf6rroiges gemütes,
daz die fügenden in in standen nach götlicher glicheit; wan sft sint
entbildet und überbildet in des ersten exemplars einikeit, und koment 6
neiswi in ein volles vergessen zergankliehs und zitliches lebennes,
und sint verwandelt in götliches bilde und sint eins mit im. Aber
es stet dur bi, daz dis zft gehöret allein dien, die diso selikeit in
ir höhsten hein besessen, ald aber etlichen menschen, wenigen nnd
den aller frArasten, die noch mit dem libe in dem zite galid. lo
V. Kapitel.
Ton den hohen und ntitzen fragen^ die ime du warheit lies
werden von der glichnüsse eins gelassen menschen.
Dar nah kam der junger in eine begirde, ob in keinen landen
ein sSlich edeler gelazner mensch weri, der dur Cristum warlich IB
wer in genomen, daz im der von gotte bekant wurde und zft siner
heimlicher rede keme. Und do er in disem ernste waz, do wart er
sinkende in sich selb und in der Vergangenheit siner sinnen dachte
in, er wurde gefüret in ein vernünftiges land. Und da sah er
entzwüschent himel nnd erde sweben ein glicbnüst, als ob es eins 20
menschen glichnüs wcre, bi einem krüze in gütlicher gestalte und
daz zweierley menschen giengen dar umbe und kamen nit hin zu:
und die einerley sahen die glichnus an nüwan von innan und nüt
von ussen, die andern von ussen und nit von innen, und waren
beide gekeret mit schlage und hertikeit gegen der glichnus. Also 25
duchtc [141'] in, daz sich die glichnus her abe liezsi als ein wes-
lieber mensch, und sas zu ime und meinde, daz er fragti, waz er le
fragenne hetti, dez wurdi im geantwürtet.
1 am Rande Thoma-s in summa A gesclirift K 2 hande f^hlt S
die so gar iisges. C 2 f. gelebtü [menschen] S 4 tuirend in in standet S
9 ir] ircm BN drin S 10 mit] nit <V in den zitcn C 23 die sahen C
26 f. wescloser 6'
1 Thomas, S. Th. 1,2 q. fil a. 5, ico er von den virtutes tarn assequentium
dirinam similitudinem handelt. 5 V'gl. Vita 166,9/, und Krth^, M,
Bieirich 129, 221*. 24 f. Beide sträuhttn s^ieh yetjen die richtige Auf-
fanaang und Nachahmung des Vorhildes {Denißes Erklärung 63f) A, 2 ftoM
unrichtig).
BÜctilein der \\'alirheit. tvnp. t
Er Iifib uf und Bprfich mit inrlicben süfKen Ginsberzen: „Ach,
evvigü warheit, waz ist dis, ald waz betütet disü wanderlichü gesiebt?"
Also wart im geantwüitet und sprach daz wort in im also:
Oisä glicbiiÜHt, die du hast geseben, belütet den einbüruen sun
B gottea nab der wise, als er raenseblich nature bat an sich genomeo.
Und daz du cüwan ein blld sehe und duz selb doch unzallich iiiaoig-
valtig waz, daz beti'itet ellii du inenscben, Aü sinä gelider sint, die
öeb süne oder eun worden sint dur in und in ime, als du zaie vil
liplicher gelider an cime libe. Aber daz daz hopt Übertreffelich
10 schein, daz meiaile, daz er der erste und eingeborne sun ist nach
der übertreffenden annemunge in die selbsheit der götlieben persooe,
und aber die andern in die innemunge überffirmiger einikeit des
selben bildes. Daz krüze hettilet, daz ein warer gelazaener mensobe
nach dem ussern nnd inren menschen alle zit so! stan in sin selba
ib ufergebenlicbi in alles daz, daz got wil von im gelitten han. wannen
daz kumt, daz er geneiget st in sterbender wise daz ze enpbabenue
dem bimelsehen vatter ze lohe. Und solichu menseben staut adel-
licb von innen und gewerlich von uasen, Daz du gestalt ala güt-
lich waz hi dem kräze, daz bezeicbent: wie vil sä lidennes hant,
20 des hein sä ein verachten von ir selbs gelazsenheit. Wa sich daz
böpt hin kerte, da kerte sich och der lip hin: daz betiitet die eiu-
mütikeit der getrüwen nachvolge sines reineu sptegellichen lebennes
und göter lere, zfi der ßü sich vermügentlieh kerent und sich dem
glich haltent.
21^ Die einerley menschen, dd in von innen an sahen und nüt
von ussen, bezeiebnent du menschen, die Cristi leben an sebent nii-
wan in der Vernunft nach gch6wlicher wise und mit in abwnrkender
wiee, da sü ir eigen nature söltin durbrechen in nachvolgklicber
übunge des Reiben bildes. Sü zühent es alles nah diser angesiht
30 zu der nature wollust und lediger fribeit in selb ze hilfe, und dunkt
I inrlichem CN 2 geachilil C 4 eingebomen BCtf 10 lueinde]
mein S II anvenutiKe (!) S einimge Nma peraonea BC 12 inveii-
nngre (!) S 13 gewarer S 15 erjrebenlichi K 21 hin das — 22 nachv.
fehU K 22 nachvolgonge CS 29 den 5 28 d»] die 0 nacbvSUik-
lieh« C 80 lebiger S
II Vgl hei Thomas, S. Th. 3 y. 4 a. 3: q. 33 a. 4 die Lthre non ia- a»-
stitapUn humaaae natura» in divinam ptreonam. 12 Die Menschen kSnntn
MUr Vereini^itg mit Gott nicht aufgenommtn, aondtrn nur eingenommen trcr-
dta. Vgl. II Kur. 3, IS: Nos rem ... in eamdem intagintm trimsformamar
(übertonnig).
340 Büchlein der Wahrheit. Kap. V.
8U menglich grob und unverstanden, du inen des selben ntt ge-
bellent.
Etlichu sahen es och an allein nach der ussem wise und nit
nach dem inren, und du schein herte und strenge ; und us dem ubent
sü sich strengklich und lebent behütklich und [Hl""] tragent den 5
lüten vor einen erberen heiligen wandel, und übersehent aber Cristum
von innen. Wan sin leben waz senfte und milte, aber disü menschen
haut vil slahennes und urteilent ander lüte, und dunket sü alleR daz
unreht, daz ir ^vi6e nit füret. Disü menschen haltent sich anglich
dem, den sü doch meinent und daz merket man da bi: der su lo
suchet, sü stant nüt in eime lazsenne ir selbz noch entsinkenne ir
nature und nach Verlust der dingen, du da schirment den willen,
als gern und ungern und des glich. Und hie mit wirt der wille
behalten und beschirmet, daz der mensch nit kumet ze götlichen
tugenden, als gohorsami, lidberi, unbehabenlichi und dero glich: 15
wan sogtan tugende tragent den menschen in daz bilde Cristi.
Der junger vieng an ze fragenne noch me und sprach also:
»Sag mir, in weler benentcn wise kumet ein mensch zfl siner selikeitV
Entwürt: Man mag es nemmcn ein geberlich wis, als da stet
geschriben an sant Johans ewangelio, daz er hat gegeben macht 20
und mügen, gottes sün werden allen den, die von nihti anders denne
von gotte geborn sint. Und daz goschihet in glicher wise, al8 man
gcberunge nach einer intragender gemeiner wise nemmet, Waz nu
daz ander in solicher wise gebirt, daz bildet es nach im und in sich
und git ime glichheit sins wesens und würkungc. Und dar umbe, 25
in einem i;elaz8enen menschen, da got allein vatter ist, in dem sich
nüt zitliches gebirt nach eigenscliaft, dem werdent sinü ogcn uf
getan, daz er sich da verstnt, und nimet da sin selig wesen und
leben und ist eins mit im, wan ellü dinge sint hie eins in eime.
Der junger sprach: Ich sich doch, daz berg und tal ist 30
und wasser und luft und manigerley kreature; waz seist du denne,
daz nüwan eins siV
4 (U'ii iiinern .V scheinen X herti iinil strenffi 6' 5 behütsaiu-
klich y; 10 daz fehlt C 13 und als u. ö' 15 i>-oIi(»r8am ABa 18 be-
nanten Ji 19 nemen AJiCKSS^a, der Konte.rt rvrlanijt ncmmen {vgh Zeile
lö u, !>3i 21 niii^endf B 22 ^xliclior] jirotlicher ,S' 30 ist fehlt B
20 Jnh. 1,1^* f. '27 eigenscliaft := K/iordentliche Anhänglichkeit an
sich ,sflh{>t oder an irdische Dintjc {^dbstitjhdi), das (jegifkieil der Gelassen-
hat; vgl, Krebs, M. Dutrich 147, :J22*.
Büchlein der Wahrheit. Kap. V. 341
Daz luter wort entwürt und sprach also: Ich sagen dir noch
me: es si denn, daz der mensch zwei contraria, daz ist zwei wider-
weiiiigü ding verstände in eime mit einander, — fürwar ane allen
zwifel, so ist nüt gut lihte mit ime ze redenne von sölichen dingen;
6 wan so er dis verstat, so ist er aller erst getretten dez halb uf den
weg des lebennes, daz ich mein.
Ein frage: Weles sint du contraria?
Entwurt: Ein ewiges niht und [142'] sin zitlichü gewor-
denheit.
10 Ein widerwerfunge: Zwei contraria in eime sinde nach
aller wise widerwerfent alle künste.
Entwürt: Ich und du bekomen einander nit uf einem rise
ald uf einem platze; du gast einen weg und ich ein andern. Dine
fragen gand us menschlichen sinnen, und ich antwürt us den sinnen,
15 die da sint über aller menschen gemerke. Du müst sinnelos werden,
wilt du hin zu komen, wan mit unbekennen wirt du warheit bekant.
Es geschah in den selben »iten ein vil grozü endrunge in ime.
Er kam underwilent dar zu, daz er etwie dike zehen wochen, ald
minre ald me, so kreftekliche entwürket wart, daz im mit offenen
20 sinnen, in der lüten biwonunge und ane die lüte, sin sinne also
entgiengen nach eigener würklicher wise, daz im überal in allen
dingen nüwan eins antwurte und ellü ding in eime ane alle nianig-
valtigkeit disses und jenes.
Daz wort hftb an und sprach in im: Wie do, wie ist es nu
25 gcvarn, hab ich reht geseit?
Er sprach: Ja, daz ich vor nit moht glöben, daz ist mir nu
worden ein wissen; aber mich wundert, war umb es vergange.
3 verstanden AB 5 altererst AaS' aber erst C 13 ein pl. AK ein]
den SN 18 ettwen K 23 jenes] enses S 24 wie do fMt K
8 Seine, d. h. des Mtaschcn zeitliche Geivordenheit und das eivige Nicht
(= Gott) sind für den, der auf den Werj den Lebens (zur mystischtn Vtr-
einiijung) gdan(jt ist, eigentlich keine Gegensätze mehr, die Kreaiilrlichkeit fällt
geirissermassen ab und Gott allein bleibt. Nähere Erklärung und Belege bei
Denijle 534 A, 4, Vgl. auch Krebs a. a. 0. 133, 16 August,^ De ord. II, 16
n, 44: iJeus scitur mtlius nesciendo. Vgl, Vita 187,17 : 100,10 und unten 34(J,bff,
17 ff. Vgl. Vita 175,^3 J^, 22 eins = Gott,
342 Büchlein der Wahrheit. Kap, V.
Uaz wort sprach: Da ist es vil liht noch nit gesuuken af
sineii weslichen grünt.
Der junger vieng aber an und fraget also: Wa lendet eins
^elazsenen menschen verstandenheit?
Entvvurt: Der mensch mag in zit dar zA komen, daz ersieh 5
verstat eins in dem, daz da niht ist aller der dingen, die man be-
sinnen alder gewörten mag; und daz niht nemmet man nach ver-
hengter wise got, und ist an im selber ein aller weslichostes iht.
Und hie erkennet sich der mensch eins mit disem nihte, und dis
niht erkennet sich selb ane werk der erkantnisse. Aber es ist bie 10
verborgen neiswaz noch inbaz.
Ein frage: Seit du schrift üt von dem, daz du hast genemmet
niht, nit von sime nutsinde, mer von siner übertreffender unbe-
griffenheit?
Entwürt: Dionysins schribet von eime, daz ist namelos, 15
und daz mag sin daz niht, daz ich meine; wan der im sprichet
gotheit oder wesen, oder waz namen man im git, die eint im nit
eigen nach dem, als die namen sich bildent in der kreature.
Ein frage: Waz ist aber daz verborgen inbaz dis vorgenan-
ten nihtes, daz da in siner betütung nach diner meinnnge alle ge- 20
worden ihtikeite us schliezende [142^] ist? Es ist doch Intru ein-
valtikeit; wie mag daz aller einvaltigest haben inbas ald usbas?
Entwürt: Alle die wile, so der mensche verstat ein einnnge
oder solich ding, daz man mit rede kan bewisen, so bat der mensch
noch inbaz ze gänne ; daz niht mag inbaz in sich selber nite, mer ^
nach dem, so wir verstau mugen, daz ist, so wir ane alle fSrm-
lichü lieht und bilde, die sin mugent, werden verstände, daz doch
5 der mag A 6 in dem] sinden C 9 disem] dem K 18 f. unbe-
^riflicheit D 19 dis] des ^lA^b'^a 22 haben fehlt C 24 ding feMt C
reden Ji 25 inbaz nia^ S
10 ane werk d. erkantu. = in einem blossen /Schauen, 15 De dir,
«om. 1,4—0: VII, 3: vgl. oben 3;^6yl6 ff. und Kap. ä. 26 ff. Alle mysti-
schen Krkenntnishilder sind imiu/ines spcculatoriae ei umbratibiles (Bemardus,
sermo 41 n. 11), welche Gott nicht zeigtn, wie er ist, und was der 3ftnsch da-
von redet, ist dem Geschauten niemals adäquat (Bern., De grad. humil. 6 n, ;?:.':
ibi ridet invisibilia^ audit ineffabilia, quac non licet homini loqui; vgl, sermo bö
in Cant, n. 14 i. Die höchste Stufe der Ekstase aber ist das Schauen der Wesen-
heit Gottes ohne ..Bilder und lormen^" d. h. ohne Phantasiehilder und ohne
geschaffene species intelligibilis. Vgl. lirief X i Estote perfecti) im KlBfh und
Krebs a. a, O. 13^ f. : Thomas, S. Th. ;.^;> q. 174 a. :* sq.
Büchlein der WithrbeiL Kap. ^
eiiikuir) verstentnisse mit formen und bilden mag erlaugen. Und hie
von kan man nit gereden. wan ich aliten, daz Bie geredet vnn einie
dinge, daz man mit der rede kan bewleen; waz man nu hie von
redet, so ivirt doch daz niht nihtesnit bewlset, waz es ist, daz noch
ö als vil lerer und bücher werin. Aber daz diz niht sie selb du Ver-
nunft oder wesen oder nieseen, daz ist och wol war nach ilem, als
man uns dar us reden mag; es ist aber nach warheit dez selben
iils verre und verrer, denn der einer finen berlen eprechi ein hakbank.
Ein frage: Waz ist daz gesprochen: so daz geberlich niht,
10 da/ man got nemmet, in sich selber kumet, so weis der raensehe
sin und des keinen underscheid'?
Entwürt: Oennc^ ist dis niht niät in im selber unser halb, die
wile es soiich ding in uns ist würkende; wenne es aber in sich
selber kumet unser halb, so wissen wir und och es unser halb von
lö discn dingen mit.
Ein frag: Des bewise mich baz!
Entwürt: Verstast du nit, daz der kreftiger entworden liehe
inschlag in daz niht entschiebt in dem gründe allen undcrscheid,
uüt nach wesunge, mer nach nemtinge unser halb, als geseit ist?
■20 Ein frage: Mich rijret noch ein wort, daz da vor gesprochen
ist: daz der mensch dar zä muge komen in zit, daz er sich ver-
stände eins in dem, daz ie ist gewesen. Wie mag daz sin?
Entwürt; Es spricbet ein meister, daz ewikeit ist einleben,
daz über zit ist und alles zit in sich bescblüzset, ane vor und ane
'25 nach. Und wer in penomen wirf in daz ewig niht, der besitzet al
Ü geredent B -1 iiu /ehll C 6 uiJer niewen ffhli K 7 man /eAft
ABS 8 eine f. berlin B hachbank oder ein atill N 11 klaiaen K
12 nsserlialp B U och [es) G 15 diseiu K 16 dia hewisent S 17 eis-
wontenlich B 1!) ■a.ftt] mit S 21 möge dar zä C 23 am Rande Boecius Ä,
im Text S 24 rit [iBt] KS 25 nach /thlt C
12ff. Zur Erklärung vgl. FHa Anin. tu 1S9,}S ff. und Dtnifle 53!, Ä. 4.
18 iiiachla^ ^ ingenomenheit ; tu in dem gmndc ergänn: GolUg.
23 ff. BoethiUi, De coiuol. philo». V,6 (td. Feiper 139,7): aeltmita» ent
interminabüi» vilae tnta eimiil tt ptr/ecia potgtiifio. Vgl, Vila 173,18 und den
gelthilen Kommtutar bei JJeniße 2ö4 Ä. 1 ; 540 A. 1 und im Archiv II, 4öO. —
WtH beim höc/uim Grade dtr Bree/tauvng (Intnsfoi-maiio my«lfca, rgl. oben
339,13 Mnd Vita lil,23) keine äc/wiob »(a(t/tnd«(, «o weiss dit Stele nicht, ob
da» -Eittgetiommengein" kare oder lang dauert, äie ist über Zeit und Maum.
Eekhart ISO, 37 — 39: dar untbr der mtneche, der über Bit erhaben isi in etcikcit,
dtr iciirket mit gott, da: gnt vor tusent undc nach liisenl jären gtvorhl hiil.
344 Büchlein der Wahrheit. Kap. V.
in al und bat da nit vor noch nach. Ja, der nienscb. der hfit wurdi
in ^cnomon. der weri nit kurzer da gesin nach ewikeit ze 6]>rcebeuDe,
denn der vor tuscnt jaren in wart genomen.
Ein widersprcchenne: Di» innemennes ist der mensch
allein wartende nach sime tode, als du schritt seit. 5
Entwurt: Daz ist war nach einer wirigen und volko-[143^]
mener besitzunge. aber nüt nach einem vorversüchennc, niinr und me.
Ein frage: Wie ist es al)cr umb daz mitwurken des men-
schen mit gotte?
Entwurt: Daz da von gesprochen ist, daz ist nit ze verstenne lo
nach Mo/.scr hellunge, als du wort hellent nach gemeiner rede, es
ist ze nemenne nach der ent;:angunge, da der mensch im selber nüt
ist l)lil)en und sich in daz eine hat vergangen und eins ist worden;
und da wurket der mensch nüt als mensch. Und us disem grunde
ist ze vcrstenne. wie dirre mensch in imc hat alle kreatiiren in eini- 15
keite und alle wolluste, ja dennoch, die man hat in liplicben werken,
ane liplichü und geistlichü werk, wan er ist es selber in der vor
gesprochenner einikeit.
Und merk hie einen underscheit. Die alten naturlichen meister
giengen dien natürlichen dingen nach allein in der wise, als sii sint 20
in ir natürlichen Sachen, und also sprachen sü och dar von, und
also smakten sü inen und nit anders, (hieb die götlicb kristan
nuMster nnd gemeinliche die lerer und heilig lüte nement du ding,
alse sü von gotte sint us getlozsen und den menschen nach sinie
natürlichen tode wider in brin^zent mit deme, daz sü hie in sinem 25
willen lebent. Aber disü ingenomnü menschen nement von über-
swenker inneblibendfr einikeite sieh und rllü ding als ie und ewklich.
Ein t'ra^e: Ist kein anderheit da?
Entwurt: Ja, der elit es reht hat, der weis daz und erkennet
)) (Irm [ilorl <' 7 v«'rM'i(li»'iiii«- -V lo da >«»i- S 12 nüt] nü V
Ui vonlrii .1 ^20 jilN'iiiJ aUcm X 25 (Iriiu- /«/<// ^ 20 f. üborswenkigrei IhS
2^ .hl J.iili li 2!» rs .-ht cy
f.innlf/-', .,'t yrfUc'" idf.ijh'iti'yi . vjK Au<i>isi ., de Irin. XJ \\ LS H. :J4.2Ö : Jitt'"
iiftrd-is. JJe dil. l)r il .•■■. ;'> i.sjc cfflci deircnvl i sH : Th'nitns. Jn 3 *Seni. disf, H4
ff. 1 o. 1 : r.^'.lmrt j.'fh'.:'»: :J4n.l': : :-;i.-jnf'.: /»/././''..> //. ö.: rjf. Vita ;.'.;,::,
Aii<t'i'.>rhrln r nh- r di-.'-r J.'/nr hei Jfcuiflt: :'> / 1 A. 1: />/,'' A. :J : (let'A. Itrna
X\\VIIJ.: Xl.y f.: idnr ihr. f' rm/dln,/:/' f>*i Pinnirsius rt}?. li, K'tch,
}'svn'h,di".oisin^ J!jOf. H'O j}'. \{\ imTlivl. lii'"i'<t«'l-, r(jL Si'.fJS,
Büchlein der Wahrheit. Kap. V. 345
sich kreature, uit gebrestlich, mer voreintlich; und do er mit waz,
do waz er daz selbe unvereiDCt.
Ein frage: Waz ist daz gesprochen: do «r nüt waz, do waz
er daz selb?
5 Entwürt: Es ist, daz sant Johans sprichct an sinie ewau-
gclio: „daz geworden oder geschaffen ist, daz waz in im daz leben."
Ein frage: Wie mag nu dis bestan in der warheit, wan es
hillet, als ob du sele zwei iht si, geschaffen und ungeschaffen? Wie
mag daz sin, wie mag der mensch kreature sin und nüt kreature?
10 Entwürt: Der mensch mag nüt kreature und got sin nach
unser rede, mer got ist drivalt und eins; also mag der mensch in
etlicher wise, so er sich in got vergat, eins sin in dem verlierenne
und nach usserlicher [143^] wise schowende niessende sin, und des
gliel). Und des gib ich ein glichnüst. Daz öge verlüret sich in
15 sincm gegenwärtigen sehenne, wan es wirt eins an dem werke der
gesihte mit sinem gegenwurfe, und blibet doch ietweders, daz es ist.
Ein frage: Wer ie die schrift bekande, der weis, daz du sele
in dem nihtc eintweder müz überförmet werden ald aber ze nihte
werden nach dem wesenne; und daz ist hie nüt also.
"20 Entwürt: Dü sele blibet iemer kreature, aber in dem nihte,
so si da ist verlorn, wie si denne kreature si oder daz niht si, oder
ob si kreatur si oder nit, des wirt da nütznüt gedaht, oder ob si
sie vereinet oder nit. Aber da man noch Vernunft hat, da nimet
man es wol, und dis blibet dem menschen mit einander.
25 Ein frage: Hat dirre mensch noch daz beste?
Entwnirt: Ja, nach der wise, daz im daz, daz er hat, nüt
wirt benomen, und ein anders, ein bessers, gegeben. Er wirt daz
selb nie und hiterlicher verstende, und blibet im daz. Aber er kam
9 und nüt k^ sin S 10 kreatur sin und got [sin] 7? 15 wan] und *S
16 ietvveder B 17 le fehlt C der gescbrift A' bekennet C 21 f. oder
ob — gedabt fehlt C 23 vereint sie kS 25 besten A'
1 Vor seiner Erschaffung war er als Idee in Gott Gott seihst und des-
fuilb unvtrtint, 5 f. Joh, 1^3 f. Vgl. Vita 186,9, 11 ft". Die Seth ivird
,.in etlicher Weise'' (dieselbe Limiticrung begegnet öfters auch bei Tauler, vgl,
Deniße JJvga XXXVII f.), d.h. von Gnaden, nicht von Natur, eins mit Gott,
sie verliert ihr Weseyi nicht und ist mit ihren eigenen Kräften tätig (vgl. oben
33G.:Hf. und Vita 166Jff.: 189,10 ff.). Das GlHchnis vom Auge ist nach Ari"
stoteUs, De anima f ^,4'Jö b :J(J : vgl. 431 a 1: 431 b :*ii ; (ihnlich auch Bernar-
dus, s rmo 31 in Cant. n. 2.3 und KcJchari 193,1 ff. 22 Vgl. Vila 189,11 ff.
und Deniße 544 A. 1.
34») Büchlein der Wahrheit. Kap. V.
noch uut dar mit disein allem, da von gesprochen ist, nach dem us-
schlage. Sol er dar komen, so niftz er sin in dem gründe, der ver-
borgen lit in dem vor genemten nihte. Da weis man mit von nute,
da ist nit, da ist och kein da; waz man da von redet, so verhonet
man es. Nochdenn so ist dirre mensche sin nut, in dem im blibet 5
dis alles nach dem, als vor geredet ist.
Ein frage: Des bewise mich bas!
Entwürt: Die lerer sprechen t, daz der sele selikeit lit ze
vorderlichest dar an: so si schowet got bloz, so nimet 81 alles ir
wesen und leben und schepfet alles, daz si ist, als verre si selig ist, 10
von dem gründe dis nilites, und weis, nach disem anblike ze
sprechenne, von wissenne nüt, noch von minne, noch von nute alze-
male. Si gestillet ganz und alleine in dem nihte und weis nit denue
wesen, daz gor oder daz nit ist. So si aber weis und bekennet, daz
si daz niht weis, schowet und bekennet, daz ist ein usscblag und 15
ein widerschlag us disem ersten uf sich nach naturlicher ordenunge.
Und wan disu innemunge us der selben adren getrnngen ist, hier
umb so macht du verstan, wie es sich gruntlich haltende ist.
Ein frage: Ich verstünde es gerne noch baz us der warheit
der Schrift. 20
Entwürt: Es sprechent die lerer: swenne man bekennet die
1 allem] allein C 2 da sin S 5 mensche fehlt S 6 geret B
8 sele fehlt C 9 öchowent C nimet] minnet B 10 u. leben fehlt C
12 minnen C 16 f. und [ein] B 21 Augustinus vor swenne K
1 f. usschlag (v(jl. Vita 169^13) = exitus hei Thomas (De verit. q, J2 a. ;?
ad :j), d. i. das Wiederzusichkommen des Geistes, auf das der widerschlag (Z. 16)
= redituSj die Befle.don folgt. Den Vorgang schildert anschaulich der hl. B^m^
hard, sermo 41 in Cant, n, 3: De dil. Deo 10 n. U7. 5 Der Mensch ist seiner
selbst ungewaltig (vgl. die zu Vita 18tiyl3 ff, zitierte Stelle aus Richard von
St. Viktf/r). 8 ff. /> ist hier die Bede ron der höchsten Kontemplations-
stufe (unio sea mors mystica, matrimoniam spirituals): vgt. darüber die Anm.
zu Vita Ibyjy ff. und besonders Deniße 045 A. 5: 546 A. 2; ders.^ Brga XL VL
Albertus M.y De adhaer. Deo 6 (ed. Sailer Q41): et sie transformatur quo^
dammodo in Dennis quod nee cogitare nee intelligere nee amare nee memorart
potest, nisi Deum juiriter et de JJeo. Eckhart 4U1,7 f.: so diu abegescheidenheii
kumet üf daz höchste, so icirt si ron erkennen kennelös und von minne y/itMiie-
los unde von lichte vinster : ö(hi^5: si (diu sHe) sol so gar ze nihte werden an
ir selben, daz da niht enbllbe dun got; ähnlich auch 500,8; 5(JS,1; 50y,14ff.;
5Vj,.*öff, lüf. Vgl. Bernardus, sermo Ü3 in Cant. n. 16: hie vere quiescitar,
tranquillus Daus tranquillat omnia. 21 ff. Augustinus, De Gen. ad lit, IV.ii2
n. 'jüff.: rgl. Comp. theoL verit. VJI, 'Jfi und Kckharl ;>63ji?:Jff.; die Lehre
Dietrichs ron Vrdbtrg bei Krebs a. a. t>. i/o*.
Büchlein der Wahrheit. Kap. V. 347
kreature [144'] in sich selber, daz heisset und ist ein abcntbe-
kentnisse, wan so siht raan die kreature in bilden etlicher under-
scheide; so man aber bekennet die kreature in gotte, daz heisset
und ist ein mörgenbekentnisse, und so schSwet man die kreature
5 ane allerley underscheit, aller bilden entbildet und entglichet aller
giicheit in dem einen, daz got selber in sich selber ist.
Ein frage: Mag sich der mensch dis nibt verstau in disem
zite?
Entwurt: Nach geistes wise verstau ich nit, daz es mugsin;
10 aber nach der vereinter wise so verstat er sich vereinet in dem, da
sich dis niht nüsset und geberlich ist. Dis ist wol, so der lip uf der
erde ist nach gemeiner rede, aber der mensch ist über zit.
Ein frage: Weder geschiht du vereinunge der sele mit dem
wesen der sele ald mit ir kreften?
15 Entwurt: Daz wesen der sele wirt vereinet mit wesenne des
nihtes, und die krefte der sele mit werken des nihtes, die werk daz
niht hat in im selben.
Ein frage: Ob 5ch dem menschen sin gebresten enphallen,
ald ob er keinen gebresten müge dar nach erzögen, so er sich er-
20 kennet nochdenne kreature, nit in gebrestlicher wise, mer in ver-
einter wise?
Entwurt: Als verre der mensch im selber blibet, als verre
mag er gebresten üben, als sant Johannes sprichet: „nemen wir
uns des an, daz wir mit sünde haben, so triegeu wir Ans selb und
25 ist kein warheit in üns.^ Aber als verre der mensch im selb nut
hübet, als verre würket er nit gebresten, als och sant J oh ans
sprichet an siner epistele, daz der mensch, der us got geborn ist,
2 bilder B 6 ist fehlt B 7 niht f$hlt B 9 ich] iht S daz daz B
15 wirt ver. — 16 sele/e«^ C 16 und — nihtes fehlt S 17 niht] nihtes ABS
19 erzugen A erzügen BC 24 betriegen C 25 nüt] mit C 26 nit] mit C
10 nach der vereinter wise = in der Vereinigung mit GotU Die Mystik^
reden sonst von „überfomUer^ Weise (transformatio mystica), 15 ff. VgL
Eckhart 525,24 ff, : diu Glichen dinc (daz ist ir geschaffenheit an den kreften)
diu blibent üf den persönen, und daz blöze wesen wirt enpfangen von der
blozen einekeit gotes äne widerfliezen. Über die Lehre vom Wesen der Seele
oder Seelengrund (vgl. Vita 164,14) Denifle in Hist.'poL Bl, 75, 785 und Krebs
a. a, 0. 136 ff,, 70* ff,, 219* y 222*. 23 I Joh, 1,8, 26 ff. Joh. 3,9. —
Die mit Gott vereinigte Seele, lehren die Mystiker, wirke non humana simpli-
ciier, sed quodam modo divina (Thomas, In 3 Sent, dist. 34 q, 1 a, 1), und für
den Augenblick der Vereinigung sei ihr die Sünde unmöglich. Weiteres bei
Denifle 548 A. 7 ; 549 A, 2; ders. in Zfda 24, 502 und Bvga XL VII.
348 Büchlein der Wahrheit. Kap. V.
entut nit süude, uoch übet uit gebresten, wan der götlich samc hübet
iu ime. Und dar unib dem nienscheu, dem hie rebt bescbiht, der
würket uiemer werk nie denne ein werk; wan es ist ein geburt und
ein grünt, ja nach vereinange.
Ein wider werfen: Wie mag daz bestan, daz der mensch 5
nit me wiirke denn ein werk? Xu hatte doch Cristus zwivalt werk.
Entwürt: Ich achte, daz der mensch nit me würke denn ein
werk, der nit sehens hat zu keinem werke, n&wan als du ewige
gehurt es würket. Gebere got »inen sun nit ane nuderlaz, Cristus
hette naturlich werk nie gewürket. Da von alite ich es nit wan ein 10
werk, man welle es denne nemen nach menschlicher verstentnüst.
Ein w i d c r w e r f e n : Nu sprechent doch die heidenscheu
mcister, daz enkein ding [144''] entsetzet wirt siner eigener wür-
kungc.
Entwürt: Der mensch wirt nit entsetzet siner eigenen wür- 13
kunge, nier si blibet da unangesehen nach der wise.
Ein frage: Ob du kreatürlichü werk, die dem menschen
blihent ze würkenne, weder er du si würkennde ald wer?
Entwürt: Sol der mensch komen zfi dem vordem, so inözer
tot sin der widergeburt, die in im ist, und du selb widergeburt niAz 20
erstanden sin. Als wie, daz merke. Alles, daz in uns kumet, wan-
uan daz ist, wirt es niit in uns anderwerb geborn, so ist es uns nüt
nütze. l)ü widergcl)urt ist so frömde und hat so wenig me ze tüne
mit dem libe nah ir urstendi, daz du nature würket in dem men-
schen als in eime vernünftigen tiere solichü werk, du zfi dez men- 25
sehen lebenne höreiit, und hat der mensch neiswie nüt me ze timne,
ja in würkonder wise, als er hatte vor siner urstendi; mer in be-
sitzonler wiso so würket es disü werk. Und dez nim ein glichnisse
10 hette] liat K 11 m<Mis<'lii.] njitiirlifhrr C 15 f. Entw. — wörk.
f-hU CN IS si zo wi'irkriKh' C 22 ainh-nvi-it s 25 drz] deui X 26 tre-
h5ri-iit n 28 rs] er .V
12 I". Arisfofvl s. I)c culIu fi .V<so' (f .s, rt/l. Tltomas. S, Th. 1 q. lO't tt. Ct,
15 t. Iiit ]V'trl's(nnl:.H thr S dcuL-vilft i-'^f '^i der höchsten Koittcmithitinn
i.iihi au/tjch"i„ lt. is /intcrfth iht nur dv' Ktjie.iiun (iorüher, VijL iJeiiijle Ctoa
A. :J iiinl Kr.lts a. a. (K /T". ,Vi^- mit liiUiint (tus Tht^nna; u. ü, 19 ft". It^r
fnlijemh: A/isrhuitf }it\tit dmi Wrslündiiis i/ritssi •^chiri^rigkeii. iWjc/* J)inifU
c't.'tl A. 'i' iutiLr,^(h:.id i .s\.ufi<.- t:i',,t. rein nnii'rliclir Wiedinjjnirt, die der ^.leuyvh
ni'tdiiii Ticrt li'.in^in hat. unl eint i/i'^tlicht. nt> runturhchi, die in der uiithattn
Antirnrt trhl-irt nir^l, \\(fi.aKih Prtjr r IL :>:■'>'>. .'J'ji.i f. 25 veni. tier = aui'
iiifil rntiimah. 27 i. in lM;<itz. wi-»!' = /i'if'/f't':h'i:r. 28 es = daz v. tii*r.
Büchlein der Wahrheit. Kap. V. 349
an dem gebranten wine: der hat nit minre materilicheit, ein kref-
tiger und stiller uswürken, denne der win, der in siner ersten ge-
burte ist bliben.
Ein frage: Gib einen underscheit z wüschen t der ewigen ge-
5 biirt und der widergeburt, die in dem menschen ist!
Entwürt: Die ewigen geburt heiss ich die einigen kraft, in
der ellu ding und aller dingen Sachen hein, daz su sint und daz sä
Sachen sint. Aber die widergeburt, du deme menschen allein zu ge-
höret, heis ich ein widerlenken eins ieklichen dinges, daz gevellet,
10 wider in den Ursprung, ze nemenne nach dez Ursprunges wise, ane
alles eigen anesehen.
Ein widerw erfen: Waz würkent denne die wesüchen, natür-
lichen Sachen, von dien die natürlichen meister schribent?
Entwürt: Sü würkent natürlich alles, daz du ewig geburt in
15 dem menschen würket in irem geberenne, aber in dem gründe ist
hie von nüt ze sagenne. .
Ein frage: So du sele in der innemunge vergat nach bekent-
nüsse und aller ir kreatürlichen gebruchunge, waz ist daz, daz denne
her US lüget nach usrichtunge der usseren Sachen?
20 Entwürt: Alle die krefte der sele sint ze krank, daz sü mu-
gin komen in diz niht nach solicher wise, als da vor geseit ist; aber
nochdennc, so man in disem nihte sich also verlorn hat, so würkent
die krefte daz, daz ir Ursprung ist.
Ein frage; [Hö''] Wie ist daz verlieren gestalt, in dem sich
25 der mensche in gotte verlüret?
Entwürt: Hast du mich eben gemerket, so ist es dir vor gar
eigenlich gezoget, wan wenne der mensch im selben also wirt ent-
nomen, daz er weder von sich noch umb nüt niht waiz und ze male
gestillet in dem gründe des ewigen nihtcs, so ist er wol verlorn im
30 selber.
Ein frage: Ob der wille zergange in dem nihte?
Entwürt: Ja, nach sinem wellende, wan wie fri der wille
ist, so ist er alrerst fri worden, wan er bedarf nit me wellen.
8 f. zu gehorent ABC 17 dii] disil C 23 ir fehlt S 26 mich]
mit S 27 erzeiget B 32 wellende] willen C 33 werden C
13 die natürl. meister = die Philosophen, besonders AristoteleSj im Unter-
schied von den Meistern der ^göttlichen Kiinst^, den Theologen; vgl. Denifle
Bcga iiOS, Ib Zu in dem gninde ergänze: des Xichtes.
350 Büchlein der Wahrheit Kap. V.
Ein wider werfen: Wie mag dem menschen sin wille zer-
gan? Cristo beleip sin wille nach wellender wise,
Entwürt: Dem menschen vergat sin wille nach dem wellende,
daz er wil usser eigenschaft würken, uu dis, nn daz; und hie hat
er nit werk soliches wellendes in gebrestlicher wise, als da vor ist 6
geseit, mer sin wille ist fri worden, also daz er nit me denne ein
werk würket, daz er selber ist nach vereinter wise, und ane zit
würket. Mer, der es nimet nach unser rede, so wil er nihteznit
Abels würken und wil ellü gfiten ding; aber eigenlich so ist alles
sin leben und wellen und würken ein stlllü unberürtü friheit^ die lö
sicher ane allen zwifel sin enthalt ist; und denne ist er sich haltende
in geberlicher wise.
Ein wider werfen: Der usbruch dez willen ist nüt in ge-
berlicher wise.
Entwürt: Dirre wille ist vereint mit gütlichem willen nnd ist 16
nut wellende, denne daz er selber ist, als vil daz wellen in gotte
ist. Und daz vor gesprochen ist, daz ist nit ze verstenne nach einer
insetzunge sin selbs in got, als es gemeinlich hillet, es ist ze ne-
raenne nach entsetzunge sin selbs, wan der mensch wirt so ^ar ver-
einet, daz got sin grünt ist. äO
Ein frage: Ob dem menschen blibe sin persönlich ander-
scheiden wescn in dem gründe dez nihtes?
Entwürt: Dis ist alles sament ze verstenne allein nach des
menschen nemunge, in der nach dem inswebenden inblike in ent-
wordenlicher wise diz und daz unangesehen ist, nüt in der wesnnge, 25
in der ein icklichs blihet, daz es ist, als saut Angnstinns sprichet:
la Valien dis und daz gftt in verahtungc, so blibet Iftter gftti in sich
8 webende in siner blozsen witi, und daz ist got.
Ein frage: Der mensch, der sich verstat daz niht, von dem
gesprochen ist, in gebruchl icher wise, blibet diz dem menschen al- 90
wegent?
5 brestenlichcr C 7 ane] alle li^S in « 11 sicher] sich B 12 ber-
licher C trebrnlichcr S i:)f. berlicher C 16 als v. als daz B 17 sprechen Ä"
18 in jj^-ot - 10 selbs fefiU K 25 wes^nutife (!) A' 26 Augustinus auch am
Bande A 27 liiter j^^t li 29 verstat] uer«!) A'
5 f. V(jl oben 347,:>:iff, 11 f. Kr wirkt dann die Werke Gottes, • vgl.
oben 347,Ütiff, 26 De trin. VII L 3 n, 4.
Büchlein der Wahrheit. Kap. V. 351
Entwürt: Nein es in gebruehlicher wise, mer es blibet in
einer [Mö""] behaltlicher, unverlorner wise.
Ein frage: Oder irret daz usser daz inre üt?
Entwürt: Weren wir usser* zite nach dem übe, so w^ere es
5 minre hindrunge verre nach etlicher wise an hunger, erbeite und
och anders; aber die usser geistliche schowunge irret nüt daz inre,
da si in friheite ist. Ouch geschihet es underwilent, so die nature
ie näher getrungen wirt, so dfi götliche warheit ie richlicher stat.
Ein frage: Wannen kumet swarmütikeit?
10 Entwürt: So sölich ding nit kumet wan von natürlichen
Sachen, und der mensch inwendig fri ist, so enahte sin nüt, es zer-
gat mit dem übe. Were aber daz inre da mit vermischet von gründe,
dem were nit rehte.
Ein widerwerfunge: Du schrift der alten e und der nüwen
15 US dem ewangelio lühtet, wie man in zit dar zu nüt mug komen,
daz geseit ist.
Entwürt: Diz ist war nach besitznnge dez selben und voller
bekennunge ; wan daz er hie versuchet, daz ist alles dort volkomen-
lieber, wie es daz selb ist, und für verstände mag es sin uf erden.
20 Ein frage: Ein mensch, der sin ewiges niht beginnet ver-
stau, nüt von übertreffender kraft, mer allein von hören sagenne,
alder ane daz von ingetragnen bilden, waz ist dem ze tünne?
Entwürt: Der mensche, der noch nit so vil verstat, daz er
weis übernatürlich, waz daz vor gesprochen niht ist, da ellü ding
25 werdent inne vernihtet nah ir selbs eigenschaft, der laze ellü ding
sin, als sü sint, waz im für kumet, und halte sich . an die gemeinen
lere der heiligen kristenheit, als man sihet vil guter einvaltiger
5 erbeiten C 6 irrüt A 7 da] das C 19 es] er ACS für ver-
standen B fürverstend S^fa erde AK 20 f. beg. verstan] verstat B 22 [al]
der [ane daz] C 24 wisz K 26 im] m JT 27 guter fehlt K
1 Die Wirkungen der mystischen Vereinigung sind der Seele, wenn sie treu
bleibt, unverlierbar (habitualiter) eigen, aber nicht in geniessender Weise (actua-
littr): vgl. Denifle 651 A. 1 und Ries a. a, 0. 3(X) A. 4, 9 Vgl Vita 62,1 ff.
19 für verstände = über Verständnis, oder = anstatt des Verständnisses.
Denifle (nach B): vorher verstanden, 21 von übertreff. kraft = infolge der
göttlichen Kraß. 23flf. Die Mystiker betonen, dass die Gnade der Be*
schauung nicht durch eigene Bemühung, sondern nur durch Geschenk Gottes
erreichbar sei : nicht alle sind daßu berufen. Vgl. Bemardus, sermo 87 de div,
n,3: sermo 3 in Circumcis, n, 10; Taulers Lehre bei Denifle, Bvga XXVI f,
26 f. Vgl. Eckhart 498,22 f
352 BUchlein der Wahrheit. Kap. VI.
menscben, die in loblicher heiiikeit lendent, dien doch hier zfi n&t
ist gcrüffet. Aber ie näher, ie besser. Ist im aber worden der
sicher punct, da halt er sich an, und ist nf dem rehten wege; wan
der pnnct haltet sich mit der heiligen schrift. Anders dnnket mich
sorgklich ze tunue, wan der sich hier inne versummet, der verget 6
sich eintwcder in unledikeit, ald geratet aber dik in ungeordent
friheit.
VI. Kapitel.
Uff >i'elcu puncten dien menschen gebristet, die valsche
friheit furent. lö
An einem lichten sunncntage do sazz er eins males in gezogen
und verdaht, und in der stilli sins gemüles begegnet ime ein ver-
nünftiges bilde, daz waz subtil an sinen werten und waz aber un-
geübet an sinen werken, und waz usbrüchig in flogierender richheit.
Er hftb an und sprach zft im also: „wannen bist du?" Es sprach: 15
„ich kam nie dannen." Er sprach: „sag mir, waz bist du?" Es
sprach: „ich bin nilit." [146'] Er sprach: „waz wilt du?" Es
antwürtc und sprach: „ich wil nüt." Er sprach aber: „dis ist ein
wunder; sag mir, wie heizsest du?" Es sprach: „ich beisse daz
namelos wilde." 20
Der junger sprach: Du mäht wol heissen daz wilde, wan
diuü wort und antwürtc sint gar wilde. Xu sag mir eins, des ich
dich frage: wa lendet din bescheidenheit?
Es sprach: In lediger friheit.
Der junger sprach: Sag mir, waz heissest du ein ledige
friheit?
Es sprach: Da der mensch nach allem sinem mbtwillen lebet
sunder anderheit, ane allen anblik in vor und in nach.
2 im] in .S' S liiilt] hab C [und] do ist er C 9 VII rot nach
fnront .l.V 12 in [der] stiller (' 14 floriciTde C 15.16 Es] er C 18 ant-
wurtot Ji 22 gar fehlt AJiS des] daz // 23 fragen wil S 25 Der
junger 2(> friheit fthlt KX
9 f. Vgl. Jirga Iti ff. : Unferacheit hu ehr //oilicher friheit und ungt»
onhnttr fn'heii. 27 f. (remeint ist die tibtrtinistische Lehre dtr Bruder de»
freien Geistes. — sunder anderheit = ohne zwischen Gott und der Welt tmem
Untti'schied ::u muchcn.
Büchlein der Wahrheit. Kap. VI. 353
Der junger sprach: Du bist nüt uf dem rehten wege der
warheit, wan sölichä friheit verwiset den menschen von aller seli-
keite und entfriet in siner waren friheit; wan swem underscheides
gebristet, dem gebristet ordenunge, und waz ane reht ordenunge ist,
5 daz ist böse und gebreste, als Cristus sprach : „der sünde tut, der
ist ein kneht der sünde". Aber wer mit einer luteren gewissem
und behütem lebenne in get in Cristum mit rehter gelazsenheit sins
selbs, der kumet zft der rehten friheit, als er selbe sprach: „löset
üch der sun, so werden t ir warlichen fri.*^
10 Daz wilde sprach: Waz heissest du ordenhaft ald nüt ordenhaft?
Der junger sprach: Ich heis daz ordenhaft, wenn alles daz,
daz der sache zügehßrlich ist von innen ald von ussen nüt under-
wegen blibet unangesehen in dem uswürkenne; so heis ich daz un-
ordenhaft, weles under disen vor genanten underwegen blibet.
15 Daz wilde sprach: Ein ledigü friheit sol dem allem sament
undergan und es alles verahten.
Der junger sprach: Du verrftchtekeit were wider aller war-
heit und ist der falschen ledigen friheite gellch, wan si ist wider
die ordenunge, die daz ewig niht in siner berhaftkeit hat gegeben
20 allen dingen.
Daz wild sprach: Der mensche, der in sime ewi«j:en nihte ze
nihte ist worden, der weis von underscheide nüt.
Der junger: Daz ewig niht, daz hie und in allen gerehten
vernünften ist gemeinet, daz es niht si nüt von sime nütsinde, mer
25 von siner übertreffender ihtekeit, daz niht ist in im selber aller
niinste underscheides habende, und von im, als es berhaft ist, kumet
aller ordenlicher underscheit aller dingen. Der mensch wirt niemer
so gar vernihtet in disem nihte, sinen sinnen blibe dennoch under-
scheit ir eigennes Ursprunges und der Vernunft dez selben ir eigen
.30 kiesen, wie daz alles in sinem [146^] ersten gründe unangesehen
blibet.
Daz wild: Ob man es denne ze male nimet niergen denne
in dem selben und us dem selben gründe?
Der junger: Der nemi es uit rehte, wan es enist nit allein
35 in dem gründe, es ist och in im selbe ein kreatürlichs iht hie usse
3 entfiert B 8 sprach selber C 10.11 ordenschafft B ald nüt ord.
fehlt K IB f. unordenschafft B 22 wisz A' 23 gerehten fefüi S 24 mit-
sinde S 32 nieuen K 35 usse fehlt S
5f. Joh. 8,34, 8 f. Joh. 8,36. 35 hie usse = ausser dem Gottesgrunde.
U. Seuse, Deutsche Schriften. 23
354 Büchlein der Wahrheit. Kap. VI.
und blibet, daz es ist, nud nach dem so intiz man es och nemen.
Were, daz ime engienge sin uuderscheid nach der wesunge als nach
der nemungc, so möht es bestan; und des euist nit, als da vor ge-
seit ist. Hie von sol man alweg haben gftten underscheit.
Daz wilde sprach: Ich hau vernomen, daz ein hoher nieister 5
si gewesen, und daz der ab sprechi allen underscheit.
Der junger sprach: Daz du meinest, daz er allen underscheit
ab sprechi, — nimst du daz iu der gotheit, daz moht man ver-
stan, daz er meindi der personen eins ieklichen iu dem g^runde,
da sü inne sint iinunderscheiden, aber uüt gegen dem sü sich wider- 10
heblich haltent; und da ist ze haltenne sicherlich persönlich under-
scheidcnheit.
Nimest du es och von eins vergangnen menschen entworden-
heit, da von ist genüg da vor geseit, wie es ist ze verstenne nacli
der neraunge, nit nach der wesunge. Und merke hie, daz es ein 15
anders ist underschidunge und underscheidenheit, als kuntlich ist,
dnz Hb und sei haut nit imdersehidunge, wan eins ist in dem an-
dern, und kein lid mag leben, daz usgeschidet ist. Aber uuder-
scheiden ist du sele von dem libe, wan du sele ist nit der lib, noch
der lib du sele. Also verstau ich, daz in der warheit nüt ist, daz «jo
underschidunge muge han von deme einveltigen wesenne, wan es
allen wcscnne wesen git, aber nach underscheidenheit, also daz daz
gotlich wesen nit ist des Steines wescn, noch des Steines wesen daz
götlicb wesen, noch kein krcature der andern. Und also meinent
1 oi:li fdih >) 3 (It'sj daz 11 6 fali] sprechi C 9 eius] ainer K
ii'WvY X 10 iindorschi'id»'!! CK du sich A' 13 och] joch K 15 ne-
muujj:] nioiiiuii*r 'V IH.17.21 uiHUTscheidunire .SN 17 iinderscheiduuire B
18 glide li usireschcidcn 7>A 22 und«'rschoiduiige li 23 f. [daz] srot-
liclics wesen li
2 f. T///. oben .'ii'tO,:Jo Jf. 5 Meister Krkhart: vgl. unter stinai vtr^
LirteilUn t^älccn (Archiv IL ii:iS f., (ibSt Xr. :*:; und :J4 ( von Gott), 10 und 13
{rom „rtTf/oftelew^ Mensclun). y /'Jn/äiiiv jiach lueiiidi: unterscheit. —
eins iiiklichen =r-. d(*s Vaicrti, Snhne^ und hl. Otisfes. „Jede Person tW einit
mit dirn Wesen, und bctnichfif man nur das Wesen ah aolchefff 80 sieht man
Utimn Unfirsvhi.d in O'ott: diesir tritt aber ulsbahl zu Tage, sobald man die
dniflnt-n Persontn bdravhttt , die sich durch ihre J{*'laiion*tfi von einander
unt-r.srhcidtn" ( Jjenißc nfJu A..'H: r///, f/hcn :i:;0.'Jö ff. 16 underschidunge
= l'rrnnuutj (.'^rpurulioi, iiiidci'scIieidL-nhcit -.^ Verschiedenheit (distinctio),
20 1V. Seuse irklurt hin' die. Lehre C(tn der Itnnmnen:: und 'Transccnd^nz
(r'iftcs /^au.: l'orrt'kt : die Scholusiihw jit^hcn aen-nhulich dds Verhältnis von Leih
and Serie zur V<rdcu lichnmj bti. Vf/l. iJ-'nij/e itOL A. 1 u. JJ und Archiv II, 497 f.
Büchlein der Wahrheit. Kap. VI. 355
die lerer, daz disü underscheideDheit eigenlich ze sprechenne nit si
in gotte, mer si ist von gotte. Und sprichet über der wisheit bftch:
als nüt innigers ist denn got, also ist nüt underscbeideners. Und
dar umbe so ist du hellunge valscb und disü meinunge gerebt.
6 Daz wilde sprach: Der selb meister hat vil schone geseit von
eiiTie kristmessigen menschen.
Der junger sprach: Der meister sprichet an einer stat also:
Cristus ist der eingeborne sun und wir nit, er ist der natürlich san,
wan sin geburt zilet in der nator, aber wir sien nit der naturlich
10 sun, und unser geberunge [147'] heisset ein widergeburt, wan si
zilet in einförmikeit siner nature; er ist ein bilde des vatters, wir
sien gebildet nach dem bilde der heiligen drivaltikeit. Und sprichet,
daz ime hier inne nieman kan gelich gemessen.
Daz wilde sprach: Ich han vernomen, er sprechi, ein s61icher
15 mensche würke alles, daz Cristus wurkte.
Der junger entwürt: Der selbe meister sprichet an einer
stat also: der gerehte der würket alles, daz du gerehtikeit wirket;
und daz ist war, sprichet er, da der gereht eingeborn ist von der
gerehtikeit, als geschriben stat: „daz von fleische geborn ist, daz ist
20 fleisch, und daz geborn ist von geiste, daz ist geist." Und daz ist
allein war, sprichet er, in Cristo, und an keinem andern menschen,
wan er hat nit wesen denne daz wesen des vatters, noch geberer
1 disse underscheit B si] ist B 2 und er spr. K 4 so ist hie B
nemunge C niemuge S 7 einer andren st. B 8 einbome S 9.12 sint B
15 daz daz K wurkte] würcket B 17 [der] wurket BCSa 19 von dem
fl. B 22 wan] war S hat feldt B denne allein B
2 f. Eckhart in dem von Denifle wieder aufgefundenen Kommentar zum
Liber Sapientiae : Dens est indistinctisaimus ah omni et quolibet creato ....
Omne quod indistinctione distinguitur, quanio est indistinctius, tanto
disii nctius^ distinguitur enim ipsa indisttnctione (Archiv II, 498). Die
Übersetzung von „indintinctius^ mit innigers gibt aber nicht den vollen Begriff
im Sinne Kckharts wieder. Vgl. auch Eckhart 163,3 ff.: ez meinet ouch, das
got ungescheiden ist von allen dingen, wan er ist in inniger dan si in selber
sint. 6 20. Satz Eckhart s: quod bonus homo est unigenitus filius Dei; vgl.
Satz 12 u. 21 (Archiv 11^ 638) und die Ausführungen Eckharts in seinem Kom^
mtntar zu Ecclesiasticus (a. a. 0. 572 ff., vgl. 608, 609 f,) und in Predigt LIX
bei Pfeiffer. 14 f. Vgl. den 13. Satz Eckharts. 16 ff. Seuse lässt Eck-
harts Satz nur von Christus im vollen Sinne gelten, Eckhart selbst aber bezieht
ihn in Konsequenz seiner Lehre von der Gottesgehurt auf jeden Gerechten, vgl.
Äusserungen toie: jusius per essentiam, inquantum huiusmodi, amat solam fu-
stitiam; iustus ut sie per essentiam habet iuste agere (Archiv II, 608; vgl. die
oben zitierten Belege). 19 f. Joh. 3,6.
356 Büchlein der Wahrheit Kap. VI.
denne den himelschen vatter; und dar umb workte er alles, daz der
vattcr wurket. Aber in allen andern menschen, sprichet er, so yelet
dis, daz wir niinr und nie mit im wurken nach dem, als wir minr
und me von im sien geborn. Und disü rede bewiset dich eigen-
liehen der warbeit. 5
Daz wilde sprach: Sin rede lühtet, daz alles, daz Cristo si
gegeben, daz si och mir gegeben.
Der junger: Daz al, daz Cristo ist gegeben, daz ist vol-
komnu besitzunge der weslichen selikeit, als er sprach: ,,omnia
dedit mihi pater, der vattcr hat mir al gegeben^; und daz seih 10
al hat er uns allen gegeben, aber in unglicher wise. Und er sprichet
an vil stetten, daz er daz al hat mit der infleischunge, und wir mit
der gotförmigen vereinunge; und dar umbe hat er daz so vil adel-
licher, so vil er sin adellicher enphenklich waz.
Daz wilde zoh aber für und meinde, daz er ab sprecbi alle l&
glicheit und vereinunge, und daz er uns sazti bloz und entglicbet in
die blozsen einikeit.
Der junger antwurt und sprach: Dir gebristet ane zwivel,
daz dir nit lühtet der underscheit, von dem da vor gcseit ist, wie
ein mensche ein sulle werden in Cristo und doch gesündert bliben, 30
und wa er vereinet ist und sich unvereinet eins nemende ist. Wes-
lich lieht hat dir noch nit gclühtet, wan weslich lieht lidet orde-
nunge und underscheit, entwiset von usbrüchiger manigvaltikeit. Din
scharphes gemerke richset mit günlichi dez lichtes der natore in be-
hender vernünftikeit, daz da vil glich lühtet dem lichte der götlichen 25
warheit.
1 wurkte] würcket B >\iircke C/ '6 mit im — 4 me fehü C 4 und
me fehlt S disor s 7 ^-eboii B 8 al fMf S 9 wesentlichen B
13 ßfeformiijen C 14 adellirhor nach waz C enpl'enlichen B 20 der
mensche S eins XS\f 24 richsfuet B 25 von dem liehte K
6 f. V()L den IL Satz EckU-irtfi: quivquid JJeus Pater dedit Filio suo
nuigenitn in humana Natura^ hoc tntnm dedit mihi: hie nihil excipio, nee unio'
tum, ncc sanctitatem, sed totum dedit mihi stellt ,sibi : ähnlich Pfeiffer 56,lSff.
Of. Joh. ;.9,.V («?/;/• M(ffth. 11, J? : ^bjb), 11 er spr. = EckhaH, vgl
Pfeif.:)' l:j;.40: r>31,31 : G71,o:>J}\ 12 er = Christus, 15 f. Eckhart
aprevlic nicht r<ni Vercini</nnf/, sondern von attsoluter Einheit und hebe jeden
Unterschied auf: rgl, seinen 10 ti. i.V. S'atfs. 26 Zu der vorangehenden
indirekten Verteidigung Evkharts den Btgharden gegenüber vgl, noch Uenijle
561 Ä. 4: dens. in IIist.'))ol. Bl. 75, f^03 f.: Archir II, 013, Seuse nimmt keinen
der inkriminierten Sätze .selbst in Schute, deutet sie auch nicht orthodox (SO
K, Schmidt in Theol. Stud, u. Krit. 1843, üö3f, er lässt sie vielmehr auf sich
Büchlein der Wahrheit. Kap. VIL 357
. Daz wilde gesweig und bat in mit ergebenlicher underteni-
keit, daz er fürbaz rürti den nützen underscheit.
Er entwürte und sprach also: Der meiste gebreste, der dich
und dine glichen entsetzet, der lit dar an, daz üch gebristet [147^]
5 gutes underscheides vernünftiger warheit. Und dar urabe, wer sin
nehstes welle ervolgen und nüt in dise gebresten Valien, der sol diser
togenlieh lere flizsig wesen, so kumet er ungehindert zft eime seligen
lebenne.
VII. Kapitel.
10 Wie adellichen sieli haltet ein reht gelazsener mensch in
allen dingen.
Dar nah do kerte sich der junger aber mit ernste zu der
ewigen warheit und begerte och etwas underscheides nah einem
gemerke des usseren bildes eins menschen, der sich warlich gelazsen
Iß hetti, und fragte also: Ewigü warheit, wie haltet sich ein solicher
mensche in dien gegen würfen eins ieklichen dinges?
Entwürt: Er entsinket im selben und mit im ellü ding.
Ein frage: Wie haltet er sich zu dem zite?
Entwürt: Er stat in einem gegen würtigen nu ane behangnen
20 fürsaz, und nimt sin nehstes in dem minsten als in dem meisten.
Ein frage: Paulus sprichet, daz dem gerehten enkein gesetzde
gegeben ist.
7 togenlicher BCS 11 V rot nach dingen S 12 do fehlt K 13 wis-
heit B 15 wiaheit S 17 am Bande In collacionibue patrum (fratram C) AC,
im Text K 21 gesetz -S' 22 ist] syge BX
beruhen und entwickelt teils seine eigene Lehre dainiber, teils stellt er ihnen
andere richtige Aussprüche des Meisters gegenüber. Auf diese Art weist er die
Berufung des „ Wilden'^ auf Eckhart als unberechtigt zurück, wobei natürlich
die Frage offen bleibt, ob nicht dessen falsches Grundprinzip das esse rerum
betreffend in seiner Konsequenz die Auffassung der Häretiker von selbst nalte-
legte. Eckhart wurde zum Verhängnis, was er im Prolog zum Opus Tri-
partitum (Archiv II, 63ö) schreibt: nonnulla in sequentibus propositionibus,
quaestionibus et exposttionibus primo aspeciu monstruosa, dubia aui falsa
apparebunt, secus autem, si sollerter et studiosius pertractentur. Vgl. auch
Stuses vorsichtige Beurteilung seiner Lehre in Vita 97,10 ff, 17 Collat. X, 7.
19 f. behangner fiirsaz = selbstsüchtiger Vorsatz, Ähnlich ist auch wise
gebraucht ( Vita 167,3). 20 Er profitiert beim Erhabensten sowohl aJs heim
Getvöhnlichsten. 21 I Tim, 1,9.
358 Büchlein der Wahrheit. Kap. VII.
Eütwürt: Ein gerehter mensch haltet sich nach siner ge-
wordenheit underwürflicher denne andrü menschen, wan er veretat
in dem gründe von innen, waz von ussen eime ieklichen gezem ist,
und nimet ellü ding also; aber daz er nit bandes enhat, daz ist da
von, wan er daz selb wurket usser gelazsenheit, daz dii gemeinde 5
würket usser bezwungenheit.
Ein frage: Der in diser inniger gelazenheit übersetzet ist,
ist der nit entlediget von usseren Übungen?
Entwürt: Wan sihet wenig menschen mit unverzerten kreften
dar zft komen, da von du seist, wan daz abwArken ersuchet ir inni- lo
gostes gemarg, dien es wirt in der warheit. Und dar umbe, wenne
sü denne erkennent, waz ze tünne und ze lazsenne ist, so blibent
sü uf gemeinen Übungen, minr und me nach ire vermngentheit alder
nach aiiderre gelegenheit.
Ein frage: Wannen kumet etlicher gütschinender menschen 15
groz gedrauge un<l übrigü engi, du su hein an der gewizseni, und
aber etlicher anderre menschen ungeordentü witi?
Entwürt: Sü zilent noch beidü uf ir selbs bilde, aber misse-
liehe, die ersten geistliche, die andern liplich.
Ein frage: Gat ein solicher mensch alle zit müssig^ alder 20
waz ist sin tun?
Entwürt: Kines wolgelazsenen menschen tun ist sin lazsen,
und sin werk ist sin müssig blihen, wan sines tünnes blibet er
rüwi^ und sins wcrkes blibet er müzsige.
Ein frage: Wie haltet er sich gegen sinem nehsten? 25
Entwürt: Er hat gemeinsami der lüten ane inbildunge und
minlichi ane beheftunge und mitlidunge ane sorge in rehter friheit.
Ein frage: Ist ein solicher mensche [148'] üt schuldig ze
bihtenne?
Entwürt: Du bihte, du da gesebihct von minnen, du ist 30
edeler, denne du von schulden gat.
4 het i>' 5 gemein i? 0 gezwuiiireulieit Jl zwun^cnheit 6' lOf. iu-
rosti's mar^r ^b' 12 orkeimct C 18 vermoircliclieit B 17 anderre fe/dt C
23 l.lil»et Ur] (' 26 f. und an mini. .V und »ün mini. C 31 du da v. seh. -S
15 if. S'.iise ndtt vom skrupalöstu und laxen Gt wissen: vgl, oben 3,MfJf)ß\
22 ff. Du Fruvht dur Veriinitjung mit Gott ist die vollkommene Freüitit des
Gastes in der äusseren Tätigkeit ivit in der Znrihkyezoyenheit. 26 ane
inbilduDirt' = 'dine duss d<ts Irild eines Manschen in ihm Insmiders haften bhiU,
30 t". Weil ohne schwere ^^chnhl ist er an sirh nicht verpflichtet zu beichten^
tut es alter dennoch, um sich von leichten lu'hf.rn zu reiniijen.
Büchlein der Wahrheit. Kap. VII. 359
Ein frage: Wie ist eins solichen menschen betten gestalt, ald
hat er och ze betteune?
Entwurt: Sin gebet ist fruhtber, wan er nimet einen inbruch
der sinnen, wan got ist ein geist und nimet war, ob er sich iergent
5 vermittelt habe, ald ob er sich iergent füre in keinem fürgriffe des
sinsheit. Und da wirt ein lieht erzöget in der obresten kraft mit
einem erzögenne, daz got ist daz wesen und leben und daz wirken
in im und er dez selben alleine ist ein gezöwe.
Ein frage: Wie ist gestalt eins solichen edelen menschen
10 essen und trinken und schlaffen?
Entwurt: Nach usserkeite und nach sinnelicheit isset der usser
mensche, aber nach einem injehenne isset er nit, anders gebruchti
er der spise und rüwe in vichlicheite. Und also ist es och in andren
Sachen, die zft dem menschen hörent.
15 Ein frage: Wie ist geschaffen sin ussere wandel?
Entwurt: Er hat nüt vil wisen noch worten, und du sint
schiebt und einveltig; und hat einen sittigen wandel, daz du ding
sunder in durch in flizsent, und ist rüwig in den sinnen.
Ein frage: Sint sü ellü also?
20 Entwurt: Minr und me nach unglicheit dez züvalles; aber
der weslich punct blibet gelich.
Ein frage: Ist ein sölicher mensche komen ze einem gantzen
wissenne der warheite, ald blibet im noch dünken und wenen?
Entwurt: Da der mensch im selber blibet, da blibet im och
25 daz dünken und wenen ; aber da er ime selber entgangen ist in daz,
daz da ist, da ist ein wizsen aller warheit, wan es ist es selb, und
er stat sin unangenomen.
Und hie mitte si dir genüg geseit; wan kumet dar nüt mit
fragenne, mer mit rehter gelazsenheit kumet man zu diser verborgnen
30 warheit. Amen.
4.5 iergent] ieiian KS 7 ergetzenne B 8 gezoge B 18 ist fehlt S
24 und [da] blibet C 30 Amen fehlt BS
1 flf . Vgl Vita 95,9 ff. 3 — 8 mit geringer Abweichung schon Vita
168,30—169,6; vgl auch Eckhart 36,30 ff. 4 Joh. 4,24, 5 Oh ihn
das eigene Ich hei seinen Handlungen noch leite, 12 nach einem injehenne
= indem der innere Mensch immer auf Gott zurückschaut. 16 ff. Ähnlich
schon Vita 167,3 .• 166,23. 21 Vgl. Bvga 160,5 ff. 26 daz da ist
= Gott. 26 f. Gott ist die Wahrheit selbst, und der Mensch nimmt in der
Vereinigung mit ihm sich selber nicht an, da er sich entgangen (gelassen) ist.
Viertes Buch.
Briefbüchlein.
Hie valiet au daz yierd bächll.
Disü lor ist us gelesen uss den ^ciiieiiuMi brieven,
Jit* der dieiier der ewigen wisheit siner geiscblichen
toliter und andern dineu geiscblichen kinden santte.
Wan eines geiscblichen menschen sin nit mag ze 5
allen ziten in abgescheidenr blosheit spanen and och
seliedlich kurzwil verr sol fliehen, hier umbe ze einer
underlibi dines gemütes so macht du diz brief lesen.
I. Brief.
You eins auvaheurten lueuscheu ledigen vonker von der weit lo
zu got.
[I4.s^] Kengnuni muudi et ouineni ornatum saeruli
contenipsi propter amorem domini mei Jesu Cristi.
Handschriften: A C K X P S i' Wf ( n/l oben S. 3 und 326':
m = Cfjm hilf: a = 1. JJruck (14h:Ji,
1-11 fehlt P (Irit .V 2—4 fehlt m 4 andern fehlt xXCS
geischl.] ireisfhcn A 8 underlibuug St' widrilibi C so so (!) ^ 10 le-
diireii t'rhlt A(\SU
M. s. «rciHchl. tühtcr = der KlsUdlt Star/el, an trthhe der 3, und ^. Bn\f
adrefiyiert ist. Vtfi. auch den Prolofj des Kjemjihtrs (J^ltiß'.) uftd die Kin-
leitunr/. l*Jt'. Worte aus der lienalivtio tt vunsccratio virginum (ftierlicht
Kinsegnunfj drr t/'tttgctriihttn Juniffrauen) narh dtm Pont i fiedle Roman um (ed,
tg/t. Ratishnnae I llf^SSJ, 141 ß.K hrr Prüf ist an ein'- Xonne^ toelvhe tben
die M'elf i^crlasycn hat. (firifhttt.
Briefbüchlein. I. Brief. 361
Disen frölichen reien und jungfrowlichen uszog einer userwelten
gottes gemahel, do ich den ob dir horte singen, do gedahte ich
also: der mag wol frölich liep lassen, der im selber ein liebers hat
umbgangen! Und daz ist dir hüte gewerlich beschehen. Dar umbe
6 solt du diser falschen weit ein fries urlob geben.
Lögent, alle minner, an der weit spil! Ich hatte einen schaten
umbvangen, ich hate einen trom gemehelt, ich hate den wan be-
sessen! Eya, wa nu des wanes bilde, des troraes gelübde? Hetti
ich dich nu, fro weit, tusent jar besessen, wa weri es nu? Als ein
10 ogenblik bald da hin! Diner natur eigen ist ein hinscheiden. Ich
wände dich haben umbvangen, — ach, wie bist du mir verswunden!
Der dich nit vorhin lat, den last aber du. Owe, du morderin ! Dar
urabe adi, ade, got genade dir hüt und ieme me! Trüg, die dich
nit erkennen, du trügst mich niemer me. Rengnum mnndi etc.
15 Kind mins in dem almehtigen gotte, gedenk, daz du alle din
fründe und ere und gut mit besintem müt hast uf geben, und bis
vest an disem willen! Tu nit also etlich toroht megde, die sich
glichend den wilden ingeschlossen tieren: so man den du tor be-
schlüsset, so gugent sü dur die zun us. Die da sind halb usse, halb
20 inne, we mir, waz verlierent die grosser erbeit mit kleinen dingen!
Gote dienen ist in ein kercher, geischlichü zuht ein notstal ; dar
umbe, daz in der epfel nit mag werden, so ginend sü na dem smake.
Für du rosinü schapel legend sü uf floriertü tücher, und für roten
scharlat prisent sü sieh in einen wissen sak, und für die elichen
25 gemahelschaft bekümbrent sü sich mit zitverlierender, herzberoben-
der und alles geiscblichen lebens zerstörerin: üpiger fründschaft.
8ü versendent sich mit wünschen und einredent mit dem irem bild
als ein turstiger mensch, dem von kaltem wasser tromet. Und so
sü es hin und her gekerent, so verswindet es und vindent ein 1er
1 inzog C 8 wa nu] wann KU wan CS 9 wa] wie P was miV
10 ein fehlt C 13 aide aide ^6' 14 Begnum (!) A 20 mir] in U 21 got-
liche zuht KU 23 roten fehlt S 28 und [so] C 29 vindet P
18 Tiei'gärten mit ausländischen Tieren zu halten war im Mitttlalier
Liehhaherei mancher Fürsten und Klösiei\ vgl. Michael, Gesch. d, dtsch. Volkes
III, 418 f. ; Schönbach^ Hartmann v. A. 328 f. 24 wissen sak = das weisse
Ordenskleid der Dominikanerinnen. Hör. 105 f. tadelt Seuse scharf die Mode-
sucht seiner Zeit, die auch in geistliche Kreise eindrang (pannus pretiosissimus,
rugae per scapulas descendentes, plicae centuplicaiae, chyrothecae, calcii stricti
afque rostrati et quasi ad saltandum apti, tunicae dissoluiae, manicae scissae
et adeo sirictae, tahulae eburneae dependentes, zonae sericeae fulgentes).
362 Briefbüchlcin. I. Brief.
band, ein trurig herz und ein gnadlos sele. Inen gesehibt als dem
altvater, dem der tiifel uf die maten sass, die er für einen langen
mantel hate an geleit, und zu ime in spotes wise sprach: „anner
man, m&htist me, du tetist och me!^ Daz ist ein armes eilendes
leben und ein vorhof der helle: die weit nit mugen han und gottes 5
ane sin, weltliches und g&tliches trostes berobet sin, bedenthalb
[149'] verlorn han. Wie werdent die so lasterlich und so kläglich
stendc an dem jüngsten tage vor fründen und iienden! Aber gotte
flizzeklich dienen ist ein sicher fries leben hie und dort, wan sü
gant hie mit dem libe uf ertrich, und ist aber ir wonunge steteklich lo
in dem himelrich. Es ist werlich ein suzzes joch und ein lihtA
bnrdi. Müssent su undcnvilent liden han, daz ist nit ze ahten ; wer
ist in der zit ane liden? Nieman, noch bürg noch stette mugen
lidenne endrünnen, noch rot mentel ald vech gewand mugen lidens
dar nmbe ab komen, wan es schinet dik uswendig ganz, daz in- 15
wendig vast verseret ist. Dar umbe lidet ein mensch och dur ein
fries götliches wartspil; daz ist nit ze ahtcnne. Daz erbrechen daz
tut des ersten we, als billich ist; dar na kumet ze jungst, daz mao
US lust würket, und so vellet ens abe.
Eya, gedenk an die alten tage, nim her für du langen jar und ä)
lüg, wie recht lang du geschlafi'en hast! Oder ist es nüt alles sament
als ein trom ge weisen, da mit dir do na dinem dunk so wol waz?
Stand uf, es beginnet ziten, der iierr, den du so dik hast vertriben,
der wil nüt ab lan. Es ist nüt gut, der sinem fründ ze lang verseit.
Schlüss uf din herze, lass in den geminten, ergezz dich dez langen 25
zites. daz du versumet hasti Der sinem liej) spat uf tflt, der bedarf
wol eins geswinden ilens. Es ist nit unib dich als umb vil ander
menschen, du lawc sint und weder got noh die weit minnend, got
dcM' wil din minneriches herz haben in allen zügen geischlieh, al?
rs vor waz weltlich. Und dar umbe, leg allen dinen tiizz und wizze, 30
die du do verkertfst uf daz zitlich, — daz solt du nu keren uf daz,
dnz da ist wirig und ewig.
1 und |iinj K 2 matzuii FXS 4 mühttst du me SU 5 die] der AT
dis P t) sichtr ein C 11 Es 1l> mii^ss. ßhlt C 14 lideune) liden
^'.V/',V liden CK 1<> vast] gur .V 17 t'. [daz] tut A' 19 iens rS
20 nrnia >i 25 sdiluss .1 2(3 uf stat S '27 wul fehlt P 30 waz vor ACS
1 tf . Jj'nSfUn: Kr Zählung auch Ihn', lüH (Sthhias ehd.: o monavhe, /ti plujt
/^av.s-c.v, ntir/u€ il /f/ns farensf. lUf, T///. PhiL 3j'.0. 11 f. Mnith. lUZO,
17 warlsnil ^— Kmnpf spiel, Juni kr: njl, 1 Kor. 4.H und Bdew J2ö:^yl4i'.:
daz i erstes. t _- u',t.s er leidd. 2^ Vul. If^. ."»^^Z ; liOm. 13,11,
Briefbüchleiu. IL Brief. 363
IL Brief.
You einem dematigen undergang eins g&tlichen menschen.
Habitabit lupus cum agno.
Do der herr der Datare her ab kam und meosch ward, do
5 wolt er würken nüwü wunder, und maebete daz wilde zara, daz
grimme senftmütig, als der wissag Isaias vorhin seite.
Min kint, ich laz einest ein wort in der schrift, daz beginne
ich nu erst verstau, daz ist: liebi gelichet unglichA ding. Dar umbe
malet man fro Venus blind und ogenlos, wan si in liebes o«;en ver-
10 lüret ir eigen rehtes kiesen. Und als daz war ist na zitlicher minne,
vil me ist es och nah geischlicher minne, daz es mengem hohen
vvirdigen menschen alle sin herheit hat ab geleit. Etlich, die hob
fürsten ze Rome waren, die gaben es uf und wurden armer lüten
diener, dar umbe daz sü sich dem götlichen [MQ""] lieb, dem kleinen
15 kindlin gelichetin. Dar umbe, kind mins, gib uf den verborgen
überm&t diner liplichen edli und falschen trost diner früuden, du
unz her betrogenlich waz in dir mit einem geischlichen schine be-
trochen, und neig dich hüte zu dem kindlin in sin kripe, in sin Ver-
worfenheit, daz es dich erhebe in sin ewigen wirdekeit. Der kark-
20 lieh seget, der schuldet och ermlich, aber der rilich seiet, der samnet
och rilich. Tu es recht ze frumen, und neig dich under die füsse
aller menschen, als ob du ire füstöch siest. Daz fftstüch zürnet mit
nieman, wie man im tut, wan es ein fiüstftch ist.
Ein warhafter undergang dez menschen ist ein würz aller
3 Die lat. Vorsprüche fehlen von hier an stets F 6 f. des grimmen C
9 blind] bild S 10 als] alles KU 11 mengem Sm 14 dar u. — 15 gelich.
fehlt KU 19 ewig.] eigen C Paulus vor Der 0 20 seiet] seget CS
21 under] wider C 24 wurtzel Fm
3.6 Is, llyü. 8 Ähnlich auch Vita 92,7, Vgl, die Sentenz: amidtia
aut pares invenit aut facit. 12 f. Seuse denkt wohl an die im Mittelalter'
so beliebte Altxiu^- und Eitstachiuslegende (vgl. Hör. 116 und zu Alexius auch
Hermann von Fritslar ed. Ffeiffer 160 ff.: Schürebrand ed. Strauch 1903, 39.).
16 liplichen edli. In den alemannischen BominikanerinnenJclöstern waren sehr
viele Nonnen von adeliger Abstammung, 19 f. II Kor. 9,6, Vgl. Tauler
(bei K, Schmidt, J. Tauler 1641, 86) : wer sperlichen seiet, der mäs krenglichen
sniden; also du üsmissest, also misset man dir ouch wider in. Ähnlich auch
Tochter Syon ed. Weinhold 1280 ff.; Freidank 3,6. 22 f. Zu füstüch vgl
Vita Kap. UO (58,6 ff.), den Schluss des folgenden Briefes und Abb. 5.
364 BriefbUchleiu. II. Brief.
tugenden und selikeit; hier iis dringet denne ein senftmutigü still-
heit in sin selbes rehten gelasseuheit gen dem minsten als gen dem
meisten, üis tut we: wol kunnen reden und doch swigen, bös un-
red enpfahen und sich nit rechen, ein wolkünnender, vvirdiger mensch
einem unehtigen, gebresthaftigen menschen geswigen. Daz ist nah 5
dem edcln Cristus gebildet werden. Waz mag dem menschen nüzzer
und got loblicher werden? Hier zu ist nüzz swigen und den munt
nit uf tön ze reden ne, da si denn bi rehtü senftmütikeit, ordenlichA
bescheidenheit, also daz da nüt werd geredet, denn ein berü noturft,
du entweder got loblich sie, ald aber dez nehsten nüzz da sie. lo
Lüg, daz ich cnkeiner grossen strankheit dir zu muten: du
solt essen und trinken und schlaffen din noturft, und hab mit urlob,
daz du bedarft ze diner krankheit.
Wellest du selig werden, so solt du dich an den vor gespro-
chenen dingen üben, und erzag nit, ob es nit bald beschiht. Wie 16
werc daz müglich, daz alles daz gerünbel, daz sich zwenzeg jar an
ein stat sein not, daz sich daz als bald lass us stossen? Es wirt von
tag ze tag ns gende, so es siht, daz es sin stat nit vindet. Heilig
betrahtunge, andehtig gebet und geischlichu unmöss, daz wirt hel-
fende. Hast du nit vil süzzekeit, daz solt du dich nit lassen be- 20
sweren, du solt dich sin unwirdig dünken; lig vor sinen milten
füzzen, unz er dich begnade, und lass got würken, wie er welle.
Es mftss noch menig wandelber weter über dich gau, e daz du
himelsch heitri in dir bestetet werde. Gieng es dir hie vor glich
eben wol? Nein es, es waz liep und leid, leid und liep, dar na als 25
es gab der Glükd rad. Daz selb nim och gen dem werden gote.
dem du billich warten solt, des niinneklich zürnen besser ist, denn
falsches liepkosen; übersieh gen ime, [150 "^J zwar, er hat gen dir
och übersehen! Hab reht ein ganz getrüwen zu gotte, wan er lat
din nit. Liig, er ist als reht tugenthaft, daz er es an sinem milten 30
2 in — gelass. fehlt KU 4 volkomonder CNSin 9 als [daz] S
15 wie] wan *S' 16 ^erümel PSÜ 17 samlet KSU 22 begnadet 6^
25 leid u. liep fehlt KU 26 daz glökrad NPSm 29 zö] in .S'
2 f. Sowohl dem Kitclrig.sten als dem Höchbtstehenikn ffCf/f^nüber. Vtfl.
Gr Bfb IV. 12 f. Vpi Beg, S. Augustini (Holsfenius-Brockie, Codex Re-
gidarum I [ITnU], 349): carnem rcstram domate jejnnns et alistincntia escae et
potuSj quanium valetudo pcrmittit. 26 Glükd ist hier personifiziert = Glücks-
göttin (fro Seide, Gr Bfb X) ; vgl. Vita l'JS.QO.
herzen nibt mähti vinden, d&z er den menschen möhti Inn, dev sieh
genzklicli an in mag gelassen.
Es waz ein meuscb, der waz gelaseeii von allem dein, daz im
lieb ald trost niotit geben nacb zitlicliev wise. Eins males dn bat
S er einen fr6liehen gegenwnrf, do gedaht er also: „ach, herz mins,
wes friwat dn ilicli so reht inneklichV" Do entwürt im sin inrkeit
nnd sprach also: „in aller diser weit ist niht, des ich mich frßwe,
weder gfttes noch eren noch friinden noch keins Instes diser weit,
deiiii daz ist min fr6de, daz got alR rebt gftt ist und daz daz min-
neklk'h gAt min fründ ist, des ich ein git zfirersicht han."
Min kiüd, wie daz si, daz lüzzel ieman ist, er kom etwen in
lawekeit einest fürbaz denn andrcst, doch so mfiss ich dir eins sagen:
der berg ist hohe und der weg schlipfrig, es eumag mit einem just
nit ergäbet werden, es heisset aber und aber, unz es ervohteu wirt.
Es ist ein weiche ritcr, der von fiberkraft dez heres einest hinder
sich gewichet, der dar umbe aber nit kechlich hin wider tringet.
Die Btriten ist guter menschen eigen in disem zite.
Ich weiss einen bredier, so der von menger starken wellen waz
hinder sich getriben, nnd nach sincm dunke genzlich entsezet waz dez
rebten ernstes und berzklichea andahtee, so gieng er in sich selb
nnd sprach : „eia, got, wie ist cr mir ergangen, wie bin ich so
rebt unwtissende her ab geschlichen 1 Wol rebt her frilicb, und
werben nmb ein anders gut, daz alt ist gar da hinl" Und vie
deon wider an, im selber ab ze brechene, den lip ze kestigenne,
den lüten ze I'r6inden , ernscMich ze gebarene , sich selber ze
hüten, nüwes gebet ze erdenkene, nüw üimng an sich ze nemene,
und alle die weg, da er vor gescblipfet waz, ze veraezene; und
treib daz tag nnd nacht, unz er in einem götliefaen ernst und berzkli-
chem nndabt wider erhizzcte, und daz nagende dik nl besser wart,
denn daz vorgende ie wurdi. Und mit betrahtnnge sines herzen
80 begrftb er den alten menschen, als ob er nie wurdi, und vand
denn mengen weg, sich ze hüten, daz er vor nie gedahte, und ward
Also ie wiser und ie wiser. Und so er aber her ab kam, so vie er
II iat] t>ie P IT in disen »ten S
28 nacht u. tag NSm dnea CS
4 ald) nnd C 8 ere KU
her recht K 27 daj die 5
ASU
HB, DU fotgejtdt Ereiihtting wie die weiter unten t'O« tinem l'rtdigtr
sieh »ohl auf StMe stlhul. IS Vyl. Tochter Stjon ed. Wtinhold
int hoch und enge gar. 31 \'gt. Ephts. 4,3:3 ff. ; Kol. 3,9/.
ber alt kam ^ lauer wurde.
366 Briefbüchlein. II. Brief.
an, als ie vod erst. Also mag im unzallich dik geschehen sin. Sich^
daz lert du ewig wisheit dar sant Bernhards mund, der sprichet:
daz ist daz einig püntli^ daz da scheidet die userweiten von den nit
userweiten, [150^] daz die abgezelten blibend ligende, da die us-
erweiten iemer me dar wider uf kerent, wan ein alwent stilles tan 5
mag nieman in der zit han.
Ein anvahender mensch, e daz der in got beliplich gevestnet
werde, der majc als reht lihte veriert werden. Ich kan hier zft nit
besserz vinden, denn daz sich ein mensch, als Ten* er mag, orden-
lich allen ustragenden Sachen entsage und in sich selber einen weg lo
mache und in im selber belibe; wan er treit herzenfrid veile, der
sich vil ane groz noturft usserkeit git. Man seit von dem grossen
meister AI brecht, daz der sprechi: ich gan niemer an die port,
ich gange minre her wider in.
Ein mensch sol sich herzklich mit got alle zit vereinen, und n
dar zu höret stille swigen und höh betrahten, wenig wort und vil
strenger werk. Swaz got einem menschen git ze lidene, daz sol er
fr6lich enpfahen, aller menschen gebresten gednlteklich übersehen,
sicli von den anzügigen dingen kercn, nieman vil gelosen, siner
sinnen hüten, lüzel zites ald werten ieman geben, sin selbes flissek- 2C
lieh war uemen, sich under got und under ellü menschen verdruken,
von allen menschen wol sprechen und sich selb vernüten, gote fr6-
lich dienen und den menschen gut bild vor tragen, sich vor dem
minsten als vor dem meisten hüten, got in allen dingen meinen, und
also mit got ze allen ziten umb gan; wan hie mit so mag ein mensch 25
in got gevestnot werden und daz verlorn zit widerbringen und nüwen
hord von got erwerben. Amen.
2 Beriiardus auch am Bande A 12 vil fehlt F 15 alle zit [mit]
got C 17 got git C 21 und [under] C 23 f. den minsten AS 24 den
meisten .V 27 Amen fehlt PS
2 \'gl. BejfiarduSy De graiici et lihtro arhitrio c. !) ; s.-ruio 1 in Septuacf.
n. 1. 13 m. Albrecht = Alhtrtus Magnus, von dem viehy wohl nur aus dem
Lateinischen übersetzten Sprüche bei dtn deutschen Mystikern zitiert werden
(vgl. Pregtr II, 39 f.: Wackernagel, Deutsche Lit.-Gesch. ' lö79, 4'^3f: J. Bach,
M. Eckhart lb64, 4/ A. 19, 49 A. ^4). Der Ausspruch findet sich ähnlich auch
in der Imitat io Christi I, J20 (quoties inter homines fui, minor homo redii), und
ist jenem Senekas in Epist. 7 (ararior redeo, amhitiasior ... inhumanior, quia
inter homines fui) nachgebildet. 23 f. Vor dem kleinsten wie vor dem
grössten Eehler. Vgl. dagegen 364,:^ f
Briefbüchlein. IIT. Brief. 367
111. Brief.
Wie sich ein mensch sol geben niilleküch in liden nach dem
bilde Cristi.
ELsbeten der Stagliu ze Tözz.
5 Nigra sum sed formosa.
AIbo stat geschriben an der miniie böch von der minneuden
sele. Die t6btran von Jerusalem baten ein wundren von herr Salo-
mons des kuniges niler liepsten frowen; du waz ein mörin, und dar
ab namen sü wunder, daz sü so swarz was, und im doch under der
10 grossen zal aller siner frowen du liepst waz.
Waz meinet nu der heilig geist hier inne? Du swerzü lut-
seligü mörin, die got vor andren wol gevellet, ist ein gotlidender
mensch, den got mit emzigem lidene übet und in mit gedultiger ge-
lazsenheit begäbet. Lftg, tohter, es ist liht von lidene ze sprechene
15 und ze hörene, es tut aber vil we ein gegenwurtiges enpfinden. Ein
lidender mensch kumt underwilent von gedrang dar zu, daz er mohti
wenen, daz sin got heti vergessen, und sprichet in sinem sinne: „ach
got, hast du unser vergessen, weist du uns nit lebende? Wes hast
du gedaht über uns? Wie mag din band so [151'] swer sin, und
20 din herz doch so recht milt ist?** Disem lieplichen zürnene entwurt
er und sprichet: „lüg an die grossen zal der heiligen, sib an daz
schön lebend gemüre der himelschen Jerusalem, wie du durlühten
steine der stat vorhin beschniten und gewürket sint mit lidene, die
nu so schon ^lenzend mit klarem lichte! Wie geschah der lieben
25 sant Eisbete nV Paulus waz diser weit ein hinwerf; Job,
Tobias giengen daz selb pfad. Der heilig Atbanasius leid, als
ob ellü disü weit sinen tod heti gesworn. Lüg, wie alle heiligen
4 Elsb. — Tozz fdiU KFm Elizabeth [der] S staiglin ü tüzz C
7 wunder C 9 f. [der gr. zal] allen sinen fr. S 11 gest (!) A 12 frow
die morin aS 13 cmszigen liden K 14 von] us C 24 und mit S
25 Elisabethen PS 26 pfad fihlt S
4 Über die Adrtssaiin dieses und des 6. Briefes vgl, Vita Kap. 33 und
oben 360,3. 5 Uohel. 1,4. 14 f. Vgl. Bdeic ^49,20 f. 22 f. Vgl.
Apok. 21,10 ff . (schon Bdexv 242,7 ff. zitiert) und den alten Kirchioeihhymnus :
ürhs Jerusalem heata, dicta pacis visio, qnae construitiir in coelis viris ex
lapidibus , . . Tunsionibus, ])i'essuris eupoliti lapides suis coaptantur locis etc.
25 ff. Hör. 115 f. zählt Seuse dieselben und noch weitere Vorbilder des
geduldigen Leidens auf. Elisabeth von Thüringen irar bei den deutschen
Mystikern hoch verehrt, vgl. Mechthild von Magd. lOfJ ; Lamprecht von
368 Brief btichlein. III. Brief.
eintvveder herzenblftt, ald aber libes uud herzen blüt hein vergossen!"
Diz s61t ein lidender mensch an sehen und sich fröwen, daz got in
mit lidene sinen aller liepsten fründen vvil gelich machen. Dar nmbe,
so lass töden und martren^ darben und torren, sid uns liden zfi als
grossem gut mag bringen. 5
Ob aber ein mensch zc allen ziten nit glich ergebenliche hier
innc stat, dar umbe hat er got doch nit verlorn, — morgen und
abund ist ein ganzer tag, — eht ein mensch veiderspenklich wider
got nit wil. So einem lidenden menschen sin antlut bleichet, sin
mund torret und sin natürlichu lutselikeit darbet, so seh uf und lo
Sprech: Sicut pellis Salomonis, daz ist der usser mensch des
künges, der da an dem kniz erdarbete, daz er einem menschen un-
glich waz. Der tret her für, der sich ime an jemerlicher Verworfen-
heit mug geliehen! Er sprichet: Ego sum vermis, ich hin ein
wurm. Owe, du lühtender wurm ob der sunnen glänz, der dich an 15
sihet, der sol nit klagen, er sol sich under ein ieklichs liden, daz
im zu vellet, mit fröliehem mute neigen!
Min kind, du gedenkst vil liht, wan dich got als vast an
griffen hat, daz dinü liden du aller gr6sten sien. Daz solt du nit
gedenken. leder mensch lit im selber aller nehst; und hier inne 20
vind ich mich selb och, daz underwilent in mir gedenk uf stünden,
die min liden gar ^noskliehen wa^en. Aber daz sol man got beveln.
Hie von solt ich dir nit han geschriben, denn daz mich du
gütlich minne dar zu zwinget, daz ich min absei hüte under din burdi,
daz si dir dest lichter werde. So arm dürftipen zesameu koment, so 25
machent sü etwen in selber ein kür/wil, daz si ires hungers ver-
gessen. Ich wolte dir han gesendet daz fösstftch, daz ich dem hund
nani und mir es ze einem bilder han behalten, so ist es mir als lieb,
daz ich es nit von mir mag gelan. Nu haben guten mftt und liden
gedulteklich, wan dar nach volget Iröd in dem schonen himelrich! 30
Sabent KSU 10 f. sih ... .sprich P 11 daz] dt^T AKSU 14 f. ein
wurm und nit aiu mensch L 21 in mir fthlt S 28 bilde CjSU 29 habe
. . . lide CXm habent . . . lidont KS 30 cwigu frod CNrn
Itc<jtnsbnr(/, I^yanzifikug In Mi ff,: liüchhm rtm der Gnaden ÜberlaM 1^15 ff. ;
Viien von Tnss 112/J5Jf.: Hermann ron Fritölar :J4:JJf"' Schürehrand 39,13:
yü'. r. Hast! 106 f., 169: Kckhart in Zfda XV ^ 400,74 ff, — Zu Paulus rgj.
I Kor. 4,13. Bei Atltanasiu.s üt an seine fünfmalige Verhöhnung und tcied r-
holte Todesgefahr zu denken, 11 Bohel 1,4. 14 P.v. ^^J,?. 19 ff. Vgl,
Bdetr ^41f/jff. und Hör. 116, 27 ff. Vgl. vorigen Brief 363,'^:^. Die Wurte
sind eigentlich nur im Gr Bfb {XII) verständlich.
|151*] "Wie ein ungelebter nieiiscli Mich zu im selber allein sol
Iceren nnil endrii menschen nuberlchtet sol lassen.
Qaomodo potest caecas caecum ducere?
Under vil andren geigchlichen hindeii, da der diener ztl got
hat gezogen, waz ein tobter, du waz eine weichen, unsteten gemiites.
Si wolte und wolle doch nit, ifi wolle gar selig sin und da mit ir
selben na lust und gemacb d(>s libes ocb gar gn&g sin, und wolt
daz mit gcfaönen glosan zft bringen. Der screib er also:
Liebü, wie last du dich an? Wie wirfest du die getrüwen
lere dines geischlicbeii vatters so ze ruggen, daz du dich hin widur
den dingen beginnest geben, von den ich dich so reht komme hau
gebrochen, die dir sele, lip und ere haind geswechet? Dankt dich
iezent, da/, du sülist gan tfln, waz dir in dinen ein kamt? Bist du
iez besletet, da/, du dir selb ellu ding erlübest? Owe, war umb ge-
denkst du nit hinder dich, waz dir got iiborseben bat, und wie rebl
käme du bier zft bist komen und wie gar du noch nüt bist, und
nemist din selbes war und liessest ellä endrü aienschen underwegenV
Sihst du nit den tüfel, der dir einen sidin vaden umb die kelen hat
I gebunden und dich gern na im fflrti? Du enkondest doch dich selber
nie gelercn, du bist doch krenker denn Eva in dem paradise, und
will ander lul zii got ziehen? Du will stro zfi dem fiirin brand
legen, der nüwan enklein bedcket ist uud noch nie reht erlasch?
Du sprichst, du weilest es nu in ein geiscblicb wiee ziehen,
i — weiss gott! es mag wol in dem geist an vahen. es wirt aber
schier in dem Heisch endende. Bist du nit gnftg gewizget? Danket
dich nit, daz dir got gnög bah vertragen? Gewerlieh, du wilt nit
erwinden, e daz du an de/- ti'ivels sail wirst gebunden. Ich han
dir es dik gcseit; ir wenent als got und die lut höflich triegen, und
> so man es denue umb keret, so sind ir selbe betrogen. Du mfist
vast stan und mCist allen anhang lan, anders du macht niemer
bestan. Lass dich wol begnügen, ob du selb dem tüfel mabt
enpfiteben 1
2—3 fehlt Nm uiigpliebter (!) K nnpeühter U allein fthlt SU 8 na]
tn Ä 10 lieber K lieb docbter U 11 bin /Ml C 13 und lip KSU
14 dinenl den S 16 dich] sich KSU 22 (örbrand ,S' 23 nüt r. erlöschen P
38 e dnz da^ [du] P 32 beuügea KSU 3S entfliegen (!i S
2 ungelebt = uneifahren im gtistlichen Lebtti. 4 Luk. 6,39.
rha SibrlRin.
24
I
370 Briefbüchlein. IV. Brief.
Ich mflss dir eins sagen: Iftg, der diener waz eins tages ns
gegangen und hate hinderstanden einen geischlichen rob, den er dem
tufel wolte nemen und in got wider geben; und der rob waz ein
mensch in geischlichem schine, als du bist. Der mensch hat sin
herz mit üpiger minne verstriket und kond da von nit komen, wan 6
er wolt gefüg suchen, da kein gelinpf noch füg zfi horte. Und do
der mensch von des dieners gftter 1er wegen ein triben gewan, sich
von den Sachen ze keren und sich ze got halten, do begonden sich
die b6sen geiste leichen umb ire verlust und ir den vonker swer
[152'] machen, daz sü duchte, es weri ein swere berg uf ir herz 10
gestossen. Des selben nahtes na der meti waz im vor in einer ge-
siht, wie ein grftssü schar micheU gefögels kemi für sin celle stür-
mend, und die waren gar ungestalt und waz eine nit als der ander.
Also bot er sich zfi dem venster us von wunder und fraget einen
jungling, der stund bi ime, waz frfimdes gesindes daz were. Do 15
sprach er: „lüg, daz wandelber gesinde daz ist ein tüfellichü sam-
nung, und sint zornig und wütig umb den menschen, daz er sich
von in wolte scheiden, und swenkent dar umb hie, wie sü in ierren
in dem gfiten fürsazz und in wider verwisen in daz alt leben."
Momendes frü, do es tag ward, do screib er ir einen brief und 20
enbot ir also:
Viriliter agite etc. So ein ersamcr ritter einen knapen dez
ersten in den ring füret, so spricht er wakerlich zft ime: „eia,
werder held, tu hüt als ein frumer man und gebar kcchlich und
wer dich frischlich! Lass dir din herz nit enpfallen als ein zage; 25
es ist besser erlich sterben, denn unerlich leben. So der erste just
übertruket wirt, so wirt es lihter." Also tut geischlich ze nemene
der heilig David gen aime frumen gotes ritcr, so er sich an sinem
anvang sol und mftss von zitlichen dingen scheiden; so spricht er
also: Viriliter etc., daz sprichet: gebarend kfinlich und manlich 30
ir alle, die got getrüwent!
Des bedarfst du wol, tohter minü, daz du vast standest und
den bösen reten dez tiefeis nit volgest. Du bist iezo in dem bitersten,
1 log fehlt K 13 eins P 14 zu] von /' 18 sweben NUm 19 ver-
wisten P 22 knaben Sü 26 uiierlich] inncrlicb (!) P 30 etc. fehlt AC
33 dem b. rote P
3 f. ein mensch i. g. seh. = eine Klosterfrau. IG wanilelber. ^ach
dem Gr Bfb verwandelten sich die Vögel fortwährend, 22 Fs. 30jQ5. Vgl.
auch Vita Kap, 44.
Brief büohlein. IV. Brief. 371
60 da macht komen ; kämest du über disen schmalen steg, so kamst
da schier färbaz af die witen schönen heide eins ruwigen geisch-
lichen lebens. Wölti got, dass ich in den fässtapfen dines^kanpfes
für dich sölti stan and die herten schleg für dich enpfahen, die din
£ angevohten herz iez enpfaheti Daz weri dir schad, wan wa weri
denne der grün balme, den da als och ander sander gotes riter in
ewiger wirdekeit solt tragen, ob da gesigest? Als manig pfil dir
wirt geschossen, als mengen rnbin wirst da in der kröne tragende.
Ach dar ambe, kind mins, bis veste, stand vast, gebar kün-
10 lieh ! Es ist kurz, daz da lidest, and ist ewig, des da dar ambe
wartest. Tfi, als da weder sehest noch höret, anz da disen ersten
jast dines götlichen anvanges überwindest. Nach den grossen wetern
koment gern die liebten tage. Gedenk, daz menger schöner, janger,
edeler and zerter mensch, denn da bist, dinen [152^] strit heind
15 riterlich überwunden, and die in dem gevehte, in dem da iez stast,
menig zit stünden und och yil bitterlicher wurden an gevohten, and
daz ist nu ire herzen fröde.
Eja, kind mins, dar umbe so büt mir din band und hab dich
vaste, nüt an mich, sunder an den starken herren, dem du nu ze
^ dienst in disen strit bist komen. Wüssist, er lat din nit, ist daz du
dich genzlich an in lassest. Zwei ding sint, du dir ellü ding helfent
überwinden: eins ist, daz du nieman gestandest, noch gesizest, noch
gelosest, es si friend oder vient, der dich keinen abweg wil wisen;
daz ander, daz du nit hoflich klubest, noch mit linsen zügen den
ittS sagenden natren dines herzen na gangest. Folg mir: wilt da nit
morn wider in keren, so zerr im daz höpt us! Tu es geswinde und
bederbklich, wan wilt du sü allein an dem sweif riiren, so kleibent
sü sich dest vester und bissent dest wirs. Enbüt in: fridus, fridus!
die din herz so berlich mit falschheit entfridet band. Flüh ze
^ gote, lass die tumben torren uf dich rufen, swie vil sü wen, lüg bi
nütü hinder dich, — sich, so hast du alle din vient schier über-
wunden und bist von dinen sweren banden behendeklich entbunden.
Nu wil aber ich zft dir noch eins sprechen, und hab es nit für
übel. Ich han gemerket an dir, daz du noch unganzlich in got mit
3b dinen sinnen stast, daz du dich noh nit verwegenlich aller dingen
5 wa fehlt C 9 vast] uf 6' 11 als ob P 13 komeent A 16 bil-
licher P 17 nu] in KU 22 noch gesiz. fehlt C 24 kuplest U lisen CS
26 zerr] kere P 28 sich fehlt C fridus nur einmal P 32 Nm haben
hier einen späteren Zusatz von 3 Zeilen (Preger, Briefe 64) 3Ö dinem sinne AC
372 Briefbüchlein. IV. Brief.
hast ab getan. Gewerlich, du müst eintwedcr haben oder lassen^
anders dir geschiht niemer kein selde. Mag ieman zwein herren
dienen ? Nein es, werlich ! Tft einen frien sprang, so macht da be-
liben. Lass von grande den menschen, — dn merkst mich wol, —
und la alles daz gewerbe, daz in sölicher zerganklicher minne mag &
sin an gegenwürtikeit und an botsehaft, und lass dich dar ab nit
wisen, weder mit tr5wene noch mit liebkosene. Gib ein kuntlichs
nrlob aller der gespilschaft, du dir dis arbeit waz ratende oder
helfende, oder die noch die wise fürent, die du wilt und müst lan,
wan ane alle glose sind sü dir ein gift, und daz weist du vil wol. i(^
Du solt dich aller usverten geloben und aller nebelmentelin, wie du
ursach vindest, von noturft wegen ein usvertli ze erwerben ; got und
du lüt wissen wol, daz hie von nit vil gutes ist komen. Du solt
frfi und spate bekunbert sin, wie du din süntliches leben gebessrest,
wie du diner [153'] manigvaltigen gebresten lidig werdest und wie i&
du dich mit dem grimmen richter versünest. Gewerlich, du hast
dar an nit genüg, daz du an den kle wol hoflich bissest, du mftst
dinen tapfern lip an griffen, dinen geschlifnen zungen binden, dinen
ungesamneten müt wider samnen, daz din herz nit sie als ein ge-
mein gastbus, als ein offen winhus, ein tabern, da ieder man sinen 20
niderlass vindet und da ieder man bestanden ist, wes er erdenken
kan. Eia, trib us, trib us daz uuvolg, oder sicherlich, du enmacht
den zarten herren niemer enpfahen! Gedenk, daz er dich im hat
gevordret ze einer geraahel, und dar umbe so hüt, daz du üt werdest
ein havendirnne! 2&
7 kuntl.] kintliches P friges U 10 vil fehlt C 11 userten AS
nebentment^Iin S 12 ufvertli A 16 hast] gewinnest C 19 uzsamneten C
24 einem PSin nüt P
2 f. VyL Luk, 16,13. 6 Vgl, Hör, 36: dulces liier ae crebraque mu-
nuscula (ähnlich Regula S, August, c. 9). 11 usverten = Ausgänge in die
Stadt; vgl. V^ita 70,21 ff. — nebelmentelin = Bemäntelungen, gleichbedeutend
mit glose. 17 Ks taugt nichts, das geistliche Leben mit weichlicher Selbst*
achonung zu beginnen.
Briefbüchlein. V. Brief. 373
V. Brief.
Ton jubilierender fröde^ die die engel und engelschlichü
menschen enpfahent, so sich ein sünder bekeret.
Exultet iam angelica turba coeloram.
j5 Es sprichet unser herr an dem ewangelio, daz sich engelseh-
lichü natur fr6wet, so sich ein sünder bekeret, und der engel frSde
ist ein himelsches jubilieren.
Es kam einest zä des dieners kundsami ein mensch, dur den
luhte du weit nah grosser gevellikeit, daz von dem reizlicben bilde
iO menig herz entrihtet ward. Daz heti der diener gern understanden
und es zu dem minneklichen got gezogen, daz got weri dur von
gelopt und des selben menschen engel und alle engel mit im ge-
fröwet und du menschen gebesret. Diser bete über den menschen
kam er ernschlich an got und sunderlich an unser frowen, du da
J.5 ist ein lichter morgensteme, und bat si flehklich, daz si dez men-
schen weltlichen mQt und ir yinster herz erluhti und si von sched-
lichen dingen hin zfi got zugi. Des ward er von ir gewert, daz
dem weltlichen herzen du gnad von got ward, in der si sich ge-
swinde von der weit zu got getrülichen kerte. Dar ab entsprang
-QO ein so grossü himelschü fröde in sinem herzen, daz er neiswi in
himelscher, jubilierender wise ir disen brief santte.
Dar na lange, do er uss allen sinen brieffen diz klein ding
zesamen machote und daz ander alles dur kurzrung underwegeu
Hess, und do er disen brief och her fär nam, do gedaht er also:
•25 diser brief ist nüt denn ein jubilierendü rede, und so die tärreii
seien und hertü herzen daz werdent lesende, so wirt es in ungesmak ;
und also verwarf er den selben brief och. Do mornent ward, —
daz waz in der heiligen engel octave, — do kom in einer geisch-
lieben gesiht für in weiswi menger jungling der engelschlichen ge-
ÜO selschaft und straften in, daz [loS""] er den selben brief hate ver-
diiget, und meinden, er müsti in wider scriben. Und daz tet er,
und vie an und screib also:
2 und die e. m. C 23 küzrung A 25 nüt anders denn S 32 an fehlt P
4 Anfang des dem hl, Augustinus zugeschriebenen Hymnusj der am Kar-
samsiag zur Weihe der Osterker ze gesungen wird. 5 f. Luk. 15,10.
8 mensch wie öfters = weibliche Person. 15 raorgensterne , vgl. den
374y5 gitterten Hymnus. 22 diz klein ding = eben dieses dem Exemplar
£inverleihte kleine Briefbüchlein. 28 6\ Okt. (vgl. Uta 20,25).
374 Briefbtichlein. V. Brief.
Exultet iam angelica turba coelorum. Do der liehte
morgenstern Maria heiterlich durprach die leiden vinstri dines tan*
kein herzen, do ward er frölich gegruzet. Ich hftb nf an der lieben
stunde mit schalle ein frödenrich stimme, daz es in der h6hi er-
klang: ^ach, got gruze dich, praeclara maris Stella, got gruze &
dich, ufgender, wünneklicher, zarter morgensterne, von dem grund-
losen grnnde aller minnenden herzen!" Ich reizte die gesellen, daz
sü schallich den glenzenden morgenstemen grüztin, owe, ich mein
die süzzen küngin von himelrich, d& mit ir usbrehenden liehtrichen
glenzen din tinber herz hat erlühtet, nach dem als ich es an si lo
togenlich komen waz. Min hoher m(üt enbot ein fries loben in daz
himelsch land, nnd bat die hohen galander und die süzzen lerchan
der himelschen beide, daz s6 mir hälfin rumen, loben und prisen
den herren. Ich hftb uf minü ogen mit einem vollen herzen und
sprach also: 1&
„Exultet iam angelica turba coelorum!" Wafen, got!
gewan ich ic leid, daz verswand do; die güldin tag baten mich
umbgeben, ich wände, daz ich swebti in dem meiental der himel-
schen fröden. Ich sprach: „fröwent üch, ir werden engelschar der
himelschen owen, jnbilierent, springent und singent umb die lieben 20
botschaft! Lftgent alle mit wunder: der junger sun ist wider komen,
daz verlorn tod kind ist funden, ach, daz tod lieb ist wider lebend
worden! Der naturlich geblümter anger, da daz vih uf geschlagen
waz und verwüstet waz, beginnet in übernatürlicher schöni wider
schinen, daz vih ist us getriben, die schönen blftmen beginnent schon 2&
uf tringen, daz tor ist beschlossen, daz eigen ist wider worden. Dar
umbe, ir himelschen seitenspil, leichent üch, machent uf einen nüwen
reien, daz man es innen werde in dem himelschen hofe, daz da en-
kein gasse sie, sie werd sin vol ! Fröwent üch so vil dest me, wan der
minnegütin fro Venus ist ir herze berobet, ir förnemes sumerliches 30
krenzli ist ir ab gesprochen, ein frfidenberndes spil ist ir erstumbet.
1. 16 Ex. — coel. fehlt P 2 Maria fehlt S 8 glenz. fehlt P 10 tinber]
inner C tunbes P 13 beiden P 20 owe NPm 22 kind — lieb fehlt U
30 minnegottin CNPSm 31 ein] din P frodenbares aS'
5 AvCj praeclara maris Stella, in lucem gtntium^ Maria, diviniius ortaj
erste Strophe eines Hermannus Contr actus zugeschriebenen Marienhymnus (Che'
valier, liepei-t. hymnoL Nr, ^045 I, liiO; Mone, Lat, Hymnen II, 356 ff.); er
wird auch in den Offenbarungen der Christina Ebner zitiert (Afda IX, 136) r
21 f. Vgl Luk. 15,24.
BriefbüchleiD. V. Brief. 375
^Eia, falschü weit, eia^ triegendü, zergaDgklichü minne, tft din
hopt under! Wer wil dich nu prisen? Mit wem wilt du es nu mit
so hof Hoher lütselikeit vorgan? Din gemeiter leitstab ist under ge-
tan^ er ist worden ein ansihtiger, götiieher leitstab. Des fr6wen
5 sich die himel alle, und ellä götlichü minnendü herzen sprechen:
Gloria tibi. Domine, umb die [154'] grossen wunder, die du,
herr, allein würkest in so mengem sündigen, helflosen, verzwifletem
herzen.
„Ach, schöner, gewaltiger herr, wie reht schön und minneklich
10 du siest in allen dinen geteten, so bist du aber neiswi noch tnsent-
valt roinneklicher und loblicher uns armen sündigen menschen, du
du als gar unverdienet gerüchest ze begnadene und zfi dir ze ziehene.
Herr, es gezimt dir ob allen dinen werken als reht wol, es stat
diner güti als reht zimlich. Owe, du minnekliches, grundloses göt,
15 da in dem werke zerspaltet der stehlin berg diner strengen gerehtikeit.
„Nu tretend hüt zft mir, ellü menschen, du got also minneklich
begnadet hat, und land uns schowen, minnen und loben daz gftt,
owe, daz grundlos gut unsers herren und milten vatters! Eya, ge-
minter got, Iflg ein wunder: du herzen, du vor umbfiengen den mist,
20 herr, die minnent und umbvahent dich hüt mit grundloser girde ; die
gester waren verkererin, die sint hüte diner süzzen minne bredierin.
Herr, es ist ein wunder und ein lustlich ding ze hörene: die vor
von Zartheit sich selber kumme getrügen, die brechent in selber abe
und vindent nüw fünde grosser strenkheit und minneklicher Übung
25 in dinem lobe, daz sü sich luterlich mit dir gesüuen. Den ir eigen
lip ze liep waz, den ist er worden ein frömder gast; die sich vor
finlich uf machetan, wie sü der minne gelagetin, die bergent sich
nu, daz sü got wol gevallen ; die vor in zom waren als die grimmen
wolve, die sind nu an übersehene als die swigendü lemblü; owe,
30 die da vor swarlich gelestet und gebunden waren mit stehlinen reifen
in trurkeit und swermfitekeit der strafenden gewüssne, owe, milter
herr, sich, die swingent nu frilich uf über alles, daz ertlich geleisten
2 es fehlt U 3 under — 4 leitet.] dir gezuket C 6 minn. fehlt Kü
15 da] das P 16 also mmn, fehlt C 17 f. daz gut ovfe fehlt C 23 kuDme A
25 dinem] dem S 27 begerent (!) KC sieh fehU KU 32 awigent (!) CS
3 leitstab = leitender Stab^ Anführer (Lexer /, 1874). Jene bekehrte
Person icar vorher gleichsam Vorkämpferin der weltlichen Minne, 6 Ab'
kürzung der Doxologie: Gloria Patri et Filio etc., jetzt noch vor dem Evangelium
in der Messe gebraucht.
376 Briefbüchlein. V. Brief.
mag^ in wolgeroftter entladeDr friheit, sü floierent gefriet in daz
himelsch Vaterland, sü wnndret^ daz sü ie so blind und so sinnelos
gen der vinstren naht der valschen minne mohtan werden. Herr,
daz ich hie vor laz, daz han ich nn enpfunden: so daz liplich zA
dem geischlichen und daz wolgenatürt zu dem ewigen geratet, daz 5
denne ein grosse funk diner gnadenrichen minne dar us wirt. Eya,
ewigü wisheit, daz ist du Wandlung diner rehten hand, zartu frowe
von himelrich, daz sind du werk diner grundlosen miltekeit."
Nu hör och, min kind, waz ich und du und unser glichen gen
dem geminten got tftn son. Wir sülen nu fürbaz also leben, daz lo
uns nieman got [154''] mug uf gehaben, wir sülen tun, als ob ein
edle küng sin kuchidirnen sasti über sin frowen. Ovve, wie dank-
berlich du dirne den herren urabfiengi, wie trutlich si in minneti,
wie herzklich si in lobti, und so si ie unwirdiger weri, so er ie
minneklicher von ir geminnet wurdi ! Wir sülen reht den lutren un- ib
schuldigen menschen fiir gebieten, daz wir sü überschallen. Tfint
sü ime eins, so sülen wir im zwei tön ; minnent sü in einvalteklich,
ach, so sülen wir in tusentvalt minnen. Lügent reht: alle die wise,
als wir hie vor in unsren tunben tagen uns fiissen, daz wir sunder-
bar stundin in aller klükheit, daz wir ellü herzen in wolgevallender 20
wise zö uns zügiu, — also sülin wir nu naht und tag dar nach
studieren, wie wir ellü herzen gebesren und gote usgenomenlich wol
gevallen.
Ach, kind mins, gedenk, in den toben tagen wie tet uns so
reht wol, so man uns sunderlichen rftmde, meiiule und rainnete, daz 25
wir wanden! Ovve, wie recht wol uns wirt, so uns nu daz gemint
lieb wirt sunderlichen minnende und meinende! Ach, kind mins, ge-
denk, wie recht sur daz zitlich liep erarnet wirt, daz wir do etwen
von vort wegen lüzel kein kurzwil da von mohtan gehaben, — ach,
dar umbe ist billicb, ob uns dis och etwen sur wirt. Lftg, kind 30
1 floriereiit CNUm 2 und [so] AKNma 7 gerehten C 8 du
fekU KU 9 du] die K [und] unser C 11 uf geben C 12 versasti C
17 im z. t. — 18 s. wir fehlt C 20 blögbeit C 21 nu — 22 wie wir
fehlt ASPKUfa (Hotnoioteleuton!) 28 daz z. liep so reiit nur S zitl. fehlt C
29 kurwil A kürtzel C 80 och dis P
7 Vgl. Ps. 76^11. 15 f. Sinn wohl: wir sollen die ganze Lauterkeit
und Unschuld unserer Natur zeigen^ dass wir die andern Minner Gottes übertreffen.
Vgl auch Gr Bfb XIV, 27 ff. Vgl, Bdew 2 19, '^0 ff, 30 dis = die
Gewinnung des ewigen Liebes,
Brief liticilleiii.
mins, eins des beger ich: daz du menschen, du ein tiit enpfiniden
hein, daz dii wenent, daz eB vil me kurzwil bringe, denoe es tfit;
Sil wenent, daz nieman wol sie, denne dem mit dem roten asse an
dem ki'umben angel gelfidert ist. Acb, ewi^ii wisheit, miuneklicbes
5 lieb, wan eehin dich eliö sölicbü herzen, als dich min herze siht, so
zerstube in in ellü zerganklißhii liebil Herr, mich kan niemer ver-
wnndren, swie fr&md es mir och hie vor waz^ daz kein grundlos
minnendes herz in üte denn in dir. tiefer wag, grnndloBes mer. tiefes
abgränd aller minneklicher dingen gelenclen mag. Herr mine. min
10 achfines liep, war timbe zögest du dich inen nitV Lfig, ewigü wis-
heit, wie die falschen minner tünd: waz unlütseliges, ntigestattes
und gebreßthaftiges an in ist, daz bergent bi'i genote, berr, hein sä
aber üt düplicher gestifter achöni oder lätselikeit, daz bietent sä her
für und weri in leid, daz üt in lieb were, daz liebes ogen vergiengi;
IB lind so eil es hin und her getribent, owe, so sind sü nit anders, denn
ein sak vol mistes. So gedenk ich: owe, der dir nüwan die obren
hiit ab zugi, wie sieh denn die warbeit in dir erzogt!, wel ein im-
tier man an dir sehi! Owe aber du, gemintes lieb, ewigü [155']
wisheit, du verbirgest din minneklicbes und zögest din leides, du
SO z&gst duz sur und behaltest daz süz. Owe, gemintes zartes lieb, war
umb tost du daz?
Acb, geminter herr, erlöb mir, lass midi sündigen menschen
ein einig wflrtli zfi dir sprechen, gewerlich, berr, ich enmag sin nit
enbern. Owe, gemintes lieb, wan hetist du mich lieb! Ach herr.
26 herr, hast du mich liep"? Wafen, wan weri ich din liep! Owe,
wenet ieman uf ertrich, oh mich der gemint berr lieb habV Min
scle einredet dur uab. owe, min herz ruret sich in ininem Übe, so
ich geding ban, daz du mich lieb habest. So es mir in minen mOt
kunt, ach, so wird ich als reht fr&lich gestalt, daz man es an mir
90 brufen möhtc, der es oemi war; alles, daz in mir ist, daz zerttüsset
von rebten frieden. Lfig, herr, hetli ich wi'inscbes gewalt, so weri
daz aller hSbste uud begirlicbost und lustlichest, so min herz und
3 uMe] also C a,\n S f> aol.j frolicheii P Ijerzo] sei S 7 Joch S
12 Itegetent KU 13 liüpl.l UülBchea P 24f. berr einmal P 2B micli
[Uep] K 27 ftiurot Nvt lUr norh P 30 war neme PU 32f. uud sc\e fehlt C
2 ea btettht gieh wohl atif da» tieigt Li'tb (geytn Dfniflt S90 A, II.
lOff. Vgl. Hör. 2&f., 37 f., Ulf. 16 dir = drm faUchtn, «■iltlichm
Lieb. 26 fr. Da» folgtuät berührt aich mehrfach mit Kap. 7 des Jtdeif
iKgl. nainenilich 337,4 ff., 336,20ff., 224,17 ff.).
378 Briefbtichlein. VI. Brief.
sele erdenken könde^ daz da mich sunderlich lieb hetist, ach, owe,
und daz du^ trater herr, ein sanderlicbes minnekliches iiebsehen af
mich hetist. Lögent, ellü herzen, weri daz nit ein himelrich? Herr,
dinü ogen sind ob der lichten sannen glanz^ owe, din suzer götlicher
mnnd, dem der kant wirt, dinü liehtberndü wengel gfitlicher und &
menschlicher nature, din schönu gestalt ob alles zitliches Wunsches
gewalt! So man dich ie blösklicher von aller materi entwiset, so
man dich ie minneklicher in luter frödenbernder wanne schowet; so
man aller lätselikeit, gezierde^ Schönheit ie grundlosklicher na ge-
denken kaU; so man es ie überswenklicher in dir, zartes lieb, vindet. lo
Liügy ist ut minneriches, wolgevallendes an keinem minneklichen
menschen, daz nit in luter wise tusent stund minneklicher in dir,
gemintes lieb, sie? Nu schowent, ellu herzen, scheut in eben an,
lügent: Talis est dilectus meus, alsus niinneklich gestellet ist
min süsses lieb, und er ist mins HERZEN TRUT! Daz sie üch 15
kunt getan, ir töhtran von Jerusalem! Wafen, zarter got, wie selig
der ist, des lieb du bist und dar inne eweklich bestetet ist!
VI. Brief.
Wie sich ein mensch sol halten nnerschrokenlich^ so es gat
an ein sterben. 20
Absalon, fili mi, quis mihi det, ut ego moriar pro teV
Dem diener lag siner liepsten geischlichen kinden eins au dem
tode, und do er horte, daz es sterben müste und es sich ab dem
tod als übel gehüb, do trost er es und screib im disen brief also:
Kind mins, wer git einem getrüwen vatter, daz ich für min 25
liebes wolgeraten kind sterbe? Stirb ich nit liplich, so stirb ich aber
herzeklich mit dem geminten kinde mins herzen. Ich bin liplich
verr von dir, aber min herz stat vor dinem todbete mit bitren trehen
und getrüwer klage. Büt mir din siechen band, und sie, daz got
[155''] über dich gebiete, so bis vest an kristan globen und stirb 30
6 wirt kuut S wengeliu CS 9 schon, fehlt S 10 übersw.] miii-
nenklicher S 11 minnerichers CS 12 luter] purer C minneklicher fehlt
ASPKUa uft in dir C IB eben] aUe S 14 Talis — meus fehlt P
15 mins] min F 19 e. ieklich mensch S es] er S 23 er] es K und e*
— 24 geh. fehlt C als reht ü. F 26 liebes] selbe ^S^ 30 gehütet P
14f. Hoheh 5,16, Vgl Vita 140,7. 21 // Kön. 18,33,
Briefbüchlein. VI. Brief. 37^
frölicb. Fröwe dich, daz din schönü sele, d& da ist ein Inter, ver-
nÖDftiger; gotfftrmiger geist, daz du uss dem engen jemerlicben
kercber sol erlöset werden, und daz sä nu fürbaz ane alle binder-
nust frölicb mag gebrucben ir selikeit, wan got spricbt selber: kein
5 menscb mag mich sehen und leben.
Ein ding ist, daz mengem unbekanten menschen an dem tode
erzöget und im einen strengen tod machet, daz ist: so er sinü ver-
gangnü jar und sin üpeklich verzeret leben her für nimt, daz er
sich denn einen grossen Schuldner gotes vindet und daz er an siner
10 jüngsten stunde nit waiss, waz im dar zu ze tüne ist. Da wil ich
dir einen sicheren weg geben uss der heiligen scrift und uss der
warheit, wie du dem macht us gan in ganzer Sicherheit.
Hast du bi dinen tagen ie gebrestklich gelebt, als wenig men-
schen dar ane ist, dar ab solt du nit ze vast erschreken an der
15 stunde dines todes. So du dinu kristanlichä reht hast, ob du macht,
ordeulich enpfangen, so tu eins und nim daz cruzifixus für dinä
ogen und sich ez an und truk es an din herz, und neig dich in die
blutgiessenden wunden siner grundlosen erbarmherzekeit und bit in,
daz er mit den blütnassen wunden ab wescb in siner götlichen kraft
20 alle din missetat nach sinem lobe und dincr notnrft, und bis denn
sicher uf mich : nach kristanlichem globen, der mit nütä triegen kan,
maiit du daz vesteklich in dir han, daz du denn von allem mitel
genzlich wirst gelütert und frölicb mäht sterben.
Es ist noh eins, daz du an der stunde solt her fär nemen, daz
25 du den tod dest hast mugist verahten. L&g, es ist ein land, da ist
ein gewonheit, wenn ein mensch wirt geborn, so koment alle sin
frünt zesamen und scrient und weinent und gehabent sich übel, so
er aber stirbet, so lachent sü und habent alle fröde; und meinent
da mite, daz nieman weiss die grossen erbetselikeit, du mengem
30 menschen erahtet ist, und dar umbe weinent sü in der geburt, und
wan du ein ende nimet von dem tode, des fröwent sü sich. Der es
reht hinderdenket, so mag des menschen geburt in dis eilend weit
1 luter fehlt S 2 du] du P 4 f. der mensch mag mich nit s. u. 1. C
6 men^^en CNma 7 erzeget AK erzaget a 20 notuft A 24 her f. solt
n. C 29 wiss K 32 reh A
7 erzogen mit Bat, der Person = sich erweisen , erzeigen; vgl,
Lexer I, 104; JbWB III, 1018 ff, Denifte 602: versagt macht. 15 kristanl.
reht = Sterhsakramente (Schmeller /J*, 27). Vgl. ßum folgenden Bdtw 258,16 ff.,
286,26 ff.
380 Briefbäohlein. VL Brief.
wol heissen ein tod von der not und erbeit, du im bereit ist, so mag
aber der liplich tod wol heissen ein nüwü gebürt von dez sweren
libes abval, von dem frien ingang in die ewigen selikeit.
Swem nu sinu ogen sint uf getan, dis warbeit kuntlich ze be-
kennen, dem wirt sin tod dest lihter; der aber diz nit kan [156'] 6
an gesehen, des klag wirt gross und sin unbekanter tod dest strenger.
Lflg, waz jamers in diser weit ist, was lidens eblich und angst und
not hie ist allentbalb, wa man sich hin keret! Und weri nit anders
me denn vorht libes und sele und du wandelberu unstetekeit diser
weit, uns sölti hinnan belangen. E daz dem menschen ein liep be- 10
scheh, so begegend im zehen leid. Es ist menger mensch, der in
des frageti, er sprechi: „ich gewan nie noch nie guten tag uf ertrich.**
Du weit ist vol striken, falschheit und untruwen, nieman mag sich
an den andern gelan, wan ieder mensch suchet sinen geniess. Der
denn dar umb begeret lang ze lebene durch merung sines lones, daz 15
ist gar zwifelich, ob sin Ion ald sin grossen schulden me werden
zu legende. Er hat lones übrig, der daz minneklich zart antlut des
schönen herren iemer me schowen sol, acb, und bi der lieben himel-
schen geselschaft wonen sol. Tut du stund des todes we und ist
si bitcr, so müss es doch neiswen sin; des todes stunde ward nie 20
kein mensch überhabt. Der denn hüt unbereit ist, der mag mom
noh vil unbereiter sin: ie elter, ie böser. Man vindet vil me, die
sich bösrent, denn die sich besrent. Ist des todes gegenwürtikeit
biter, so machet er doch aller biterkeit ein ende.
Dar umbe, min kind, so riht diu herze imd hend und ogen uf 26
in daz himelsch Vaterland, und grüz es mit begirde dins herzen und
gib dinen willen in gotes willen. Stande der sache lidig; waz er
mit dir tüge, es sie sterben ald leben, daz nim uf von gote für daz
beste, wan es ist och daz beste, ob du es joh nit uf dem puncten
erkennest. Fürt dir nit, die heiligen engel sint bi dir imd umb dich, 30
der milte erbarmherzige got der wil dir vaterlich helfen uss allen
dinen nöten, ob du allein siner gutikeit macht getrüwen. —
Do dise trostliche brief der sterbenden tohter wart geantwürt,
do ward si fro und liiess ir in zwirent vor lesen; und do si horte
5 f. nun nit k. gesellen S 8 wa] war KU 9 unstet.] wustekeit C
13 untr.] untuj^ent S 18 scliow. sol fehlt S 25 [und] ogeu C 29 f. nit
wol erk. S
7 ff. V(fl. Bdew 219,15 ff. 13 Vgl Bdew 2 19 ,.'23 f. 14 Vgl
Phil 2,21.
Briefbüchlein. Vn. Brief. 381
die gnedigen rede, do ward ir ir herz neiswi reht erkicket dar abe
und vergiengen ir die vordren todschreken, und gab sich do frilicb
in gotes willen und nam gar ein beilig ende.
VII. Brief.
5 Wie sich ein mensch in astragenden emptem siil halten.
Cristus factus est pro nobis obediens usque ad
mortem.
Swer da widerstrebet, daz er von gehorsami mflss tfin, der
machet im selb ein sweres leben, wan enklein ding unwilleklich
10 getan tut wirs denn vil getan [156^] mit willen. Dar umbe, sider
dis ampt von gotes ordnunge, von dem alle gewalt kunt, als sant
Paulus sprichet, üch zft gevallen ist ane üwern willen, so ordnent
es och also, daz got da von nit werd enteret und ir berlich entrihtet.
Es tut üch enteil not, daz ir ungern an dem ampt sind; wan
15 da ir hilf un^ rat söltind han, da heind ir betrubde und unrat, da
ir denn söltind han undertenikeit, da heind ir frevel widerspenikeit.
Dar umbe ze diser zit meisterschaft und pflegamt haben und dem
rehte tun, daz ist nit gemaches pflegen, es ist ein marterliches leben.
Dar umbe so nemend dis krüz uf üwern ruggen dur den, der daz
20 eilend krüz dur üch uf sich nam, und land üwern müt nider, die
wil man es von üch well haben, und kla^nt nit üwer unvermügent-
hait und üwer unkünentheit; wenn ir getfind daz beste, daz ir üch
verstand, so sind ir ledig, ob es joh nit daz beste ist.
Ir sond in allen dingen got me an sehen denn liplichen nuzz,
25 und sond nit gestaten, da ir es mugend wenden, daz kein üwer
schefli gekrenket werde an siner sele. Sind gemein in den haltungen,
daz fründ und fient glich daz joch tragen, daz gebirt fride. Die
jungen sond ir in meisterschaft haben, wan übel gezognü Jugend ist
ein zerstorunge geischliches lebens. Einen süssen ernst sond ir haben,
1 ir [ir] CXUm reht feliU C 2 schreken .S^ 12 das üch C 15 da
h. — 16 han fehlt C 16 frevel und wid. PNÜm 18 materieliches (!) C 23 joh]
docli S 25 da] das CN
5 Der Brief ist an eint Klostervarsieherin gerichtet, wohl als Antwort
auf eine vorhergehende Anfrage. 6 Phil. 2ß. 12 Uöm. 13,1,
29 f. Vgl. Reg. S. Augustini c. 21: ipsa (praeposita) non se existimet po*
tcstate dominante, sed charitaie serviente felicem; c. 22: quamvis uirumque sit
necessarium, tarnen plus a vobis amari appetat quam timeri.
382 Briefbüchlein. VH. Brief.
ond me von minnen denn von vorten gebieten. Daz üch ze über-
kreftig sie, daz sond ir uweren obren für legen, und da ir nit ma-
gind bissen, da bellent aber. Mngint ir geisüblich znht nit genzlich
für bringen, so ahtend doch, daz nit ablasses noh sweres inbraches
ander üch geschehe. Der ein zerbrochens altes kleid nit wider 5
bäzzen wil, so ist es schier alles zerschlichen. So daz geischlich
zergat, so ist man schier us an liplichen dingen. Der des niinsten
nit ahten wil, der vallet in du meisten.
Ir sond üwem andertanen gut bild vortragen, and mit werken
me denn mit werten leren. Verwegent üch eins, wan daz müss sin: 10
80 ir üch flissent, daz aller beste ze tüne in den dingen, daz man
daz für daz böst von üch wirt uf nemende; und gen dien, da ir
üch aller meist tagenden flizzent, da wirt üch mit Untugenden ge-
lonet. Es mag nieman glich menlich wol gevallcn; wend ir aber
menlich willen, so heind ir got und der warheit ungewillet. Böser 15
lüten schelten ist giüter lüten lob.
Nement war, daz ir inwendig frevel geselschaft und uswendig
schedlich früntschaft zerdrennent mit kraft. Tünt daz üwer, so sind
ir ledig. We dem kloster, da disü zwei in gebrechent! Wan [157']
daz wirt fridlos und ze jungst erelos. Ir sprechent: grif ich daz 20
an, so gewin ich unfrid. Ich sprich: selig ist der unfrid, wan der
nnfrid gebirt den ewigen frid. We dien, die da land hin gan und
ires herzen frid hier inne süchent! Von den sprichet Isaias: pax,
pax, et non est pax; , daz ist als vil gesprochen: so sagent
frid, frid, und ist doch nit frid. Die suchent ir gemach, so hein 25
gern zerganklich ere, und kofent die mit einem zcrgene aller geisch-
liehen eren. Und we den! wan sü hie iren Ion bein enpfangen.
Aber ir, min kind, ir sond nit also tun. Süchent gotes lob und ere,
als der lieb Cristus suchte sines ewigen vaters ere, und dar umbe
Hess er sich henken. Ir klagent üch ze vaste, — nu rünnet üch 30
daz blüt noch nit uss den enpfangnen wunden daz antlüt abe, als
If. überkrepfig AC 2 und fehlt C G zerslissen CNSma 9 m. den
werken KU 12 bost] best K da fehlt Pü 13 untuj?.] uutruwen P
18 zerdennent S 28 dar inne C 25 hettint K 26 einem fehU 6'
If. überkreftig = zu schwierig oder die Befugnisse überschreitend,
7 f. VgL Sirach 19,1 und oben 366,24. 9 Vgl. lieg, S. Aug. c. 22: circa
omnes seipsam bonorum operum praebeat exempluvi. 23 Nicht Isaias,
sondern Jeremias 6,14: 8,11. 27 Matth. 6,2. 29 Vgl. Joh. 8,49 f.
301 Vgl Mehr. 12,4.
Biiefbüchlein. YII. Brief. 383
€S den martrern tet. Wan nara hie vor die aller verwegenstun zft
solichen emptern, und nit die daz ire suchten.
Ir hetind gern rüwe ze belrahten und schowene, — sant Gre-
gorius sprichet, daz volkomnA meisterschaft ietwederm sol sin ge-
5 nftg nach ordnunge der Sachen. Aber leider, wan ir dar zft noh nit
sind komen, so nement her für üwer kleinheit und hütend uch vor
hofart! Gedenkent, wer ir sient, und wie schier ir verswunden sind.
Dar umbe, wenn ir ieman wend strafen, so strafent üch selber vor.
Ir sond üch flissen, daz ir übel mit gftt überwindent. Ein
10 tüfel tribet den andern nit us. Ir sond uss einem senften herzen
hertü und senftü wort lassen hellen, als es denn geschafen ist.
Gotes dienst fürdren sol üch ob allen dingen bevoln sin.
Ir sond och üwer selbes nit vergessen, dik an dem tage in
üch selber keren, und snnderlich zwirend, daz ist spat und frft, üch
16 selber suchen und ein wile der ding vergessen, und üch uf zft got
haben und alles Viwer leid und liden in im enpfahen, durch in liden,
mit ime überwinden in ergezzlicher wise. Ir mugent in eim stündlin
eins ganzen tages ergezzet werden.
Volkomen leben lit nit an trost habene, es lit an einem uf-
20 gebene sines willen in gotes willen, daz sie sur oder süss, in under-
tenikeit einem menschen an gotes stat in demütiger gehorsami. In
dem sinne weri mir lieber ein truchenheit, denne ane daz ein hin-
fliessendü süssekeit. Und daz bewerte du edel gehorsami dez ewigen
sunes, du in truchenr biterkeit ward volbraht.
26 Dis sprich ich nit dar umbe, daz ir üch dar zft, als ire vil
tünd, erbietent, mer daz ir diz joch gedulteklich lident und daz best
tügent, daz ir vermugent. Weri es daz nit, üch wen vil licht ein
[lö?""] anders, ein bosers ze banden gangen. Der herr, den ir da
meinent. der üch daz hat zft geworfen ane üwer zfttftn, der mag üch
30 wol dar inne nah üwerm besten versehen, nah sinem lobe und üwer
ewigen selikeit.
5 noch dar zö SU 8 selber fehlt S 9 überw.] verdienent S 17 mit
i'Tg. w. C 18 jj^auzen fehlt C 22 truclienkeit A 25 dest e dar zu S
29 ininuent S der [üch] C
3 t'. Gregor ius M., lieg. Fast. 11, ö: ut rector sit aiiigulis compassione
jyroxi'musy prae cunctis contetnplalione suspetisus; vgl. Moral, VI, 57 und August,
De Ciü. Bei VJ,19, — ietwederm = sowohl der äusseren Tätigkeit als dem 6e-
scha ulichen Gebete, 13 ff. Ähnlich hei Mechthild von Magdeburg 174 f
17 in ergezzl. wise mrd erst durch das Gr Bfb recht verständlich.
19 ff. Vgl Bdew 301,20 ff. 25 dar zä = zum Amte der Vorsteherin,
384 Briefbtichlein. VUI. Brief.
Vm. Brief.
Wie sich ein götlicher mensch in götlicher süzzekeit sol haben.
Elsbeth Staglin.
Annunciate dilecto^ qaia amore langueo.
Sessi ein mensch vor einem kelr und weri nach eines herzen &
girde wol getrenket, und ein andre weri uf der türren heide bi einem
ruhen rekolter und iesi also turstige du her her abe, daz er tempfigu
menschen gesunt macheti, — frageti der wol getrenket den mit dem
türren munde, wie er sich gen dem suzen seitenspil leichen sölti,
daz bi dem win ist, er gebi im ze antwürt und sprechi unwertlich : lo
„dise mag wol trunken sin; er wenet, daz allermenlich ze mfit sie.
als ime; mir ist iht anders ze mute, wir sien ungelich gefüret. Uf
dem vollen lip stet daz frölich hopt.**
Min kind, daz mag ich eigenlich zu dir sprechen von der bot-
schaft, die du mir hast getan, und du waz, daz ein inbrünstigü 15^
vakel enbrunnen sie in diuem herzen von rehter begirlicher inhizziger
minne zu der minneklichen ewigen wisheit, und von dem nüwen
lichte und unbekanten wundern, du si in dir würket, und wie diu
herz hat dar inne enpfunden ein süsses we und ein liepliches zer-
fliessen und ein überswenkes enpfinden, da von du nit kanst gesagen; 20
und begerest wisunge, wie du dich ime aller minneklichest hier inne
sülist erzögen und dich gen den wundern halten.
Tohter, es stat ein unmessigü frod uf minem herzen, daz sich
der minneklich got so minneklich erzöget und daz er git ze enpßnden
dir und etlichen me, daz ich mit den worten vil und dik sagen, daz 25-
er als reht minneklich ist; und daz daz ellu herzen als wol hetin
enpfunden, dar umb w61t ich gern turstig beliben. Es ist ein gross
wunder in mir, daz du in so kurzen jaren hier zu bist komen; und
3 Elisabeth staglin S Elsb. staiglin U, fehlt NFS'mf^ 4 dilecto meo C
5 kelr] kali C 6 werij verri C 16 inhizz. fehlt C 17 f. den n. liehten P
18 wi'irkent 6' 25 eüichem A' 26 daz [daz] ACFS 28 f. [undj daz CNm
2 Vgl. JJavid v. Augsburg , De compos. Uly fW: Quomodo in aensibilihus
dulcedinis experientiis st homo habei-e debeat. 4 Hohel. ö,6, 17 £r^
ganze: und die BotscJiaft war auch u,s,w. 19 ff. Vgl. Bdw 336,7 ff. Es
ist die Hede von der geistlichen Trunkenheit da' begnadeten Seele, David von
Augsburg handelt l. c. III, 64 von der ebrieias Spiritus, iueunditas spiritualis und
liqutfactio animae. Vgl. auch Strauch, Ad, Langmann 114 f.; M. Ebner 385 f. ;
Tochter Syon ed. Weinhold 4'JtO ff. und Anm. S. 543 f.
daz hat aber gemachet der ganze ker ze gote und volkomoe vonker
voD allen dingen und der grundlose ernst und lipliclier pin, mit den
du din nltee lebeu gedilget hast und elM ding so gar under die
fiisoe getruket hast.
5 Ein mensch, der des ersten win trinket, dem wirt er yil en-
pÜDtlicb; also versieh ich mich, daz dir geschcbcn sie von der klaren
süzzen minne der ewigen wisheit, du dich also krefteklich hat über-
wunden. Oder es meinet aber daz, daz dich gnt reizen wil und dich
schier hinnan wil nemen ztl dem grundlosen brunnen, uss dem dn
10 nu ein [158'] tröpflin hast versuchet; oder es meinet aber, daz er
sinu wunder hie an <lir wil zögen nah dem iiberlluss siner güti.
Hier inne halte dich also, daz du sines willen lügest ane lust eftchen
dine selbsheit. Du endarft dar inne nit vort haben; es ist alles
sament von gote und ist ein minnelfider gotes in der eele, es gat
15 eben, im sol also sin. Doch solt du diner liplicheii kraft war nemen,
daz du nit ze vil dar inm; verzeret werdest. Es mag sich fiigen.
so der lof für kunt, daz es dir ze göter mass benomen wirt und da/,
du uf ein noh nehers gesezaet wirst.
Du sch6nü gesiht, du dir an dem heiligen tag ze winnaht
■20 ward, in der dn sehd, wie klarlich und minneklich du ewige wisheit
in frädenricber wise mit des dieners sele vereinet were, und enbut
ime, er möhti wol sin ein frSIicher diener der ewigen wisheit, —
dis bat gemachet, daz icb bcrzklicb han gesüfzet, wan ich bin nit
sin minner. Mich dunket^ ich sie sin karrer und var ufgescburvLi?!
2b durch die lachen, wie ich du menschen tiss der tiefen lachen ire
süntlichen lebens an die sch&ni bringe; dar umbe sol mir genügen,
so er mir einen ruggtn leib an min band git. Und doch so mOss
ich dir eins von dem geniinten sagen, dax er neiswi dik in mir hat
gepflegen :
3<i Des liebten morgens, do man daz frfilich gesang von dem
3 [80] lisc C 8 Idazi daa ON«i V.i lUr inuu nach haben A' 15 im|
und S 16 daz] dar C 17 es] er AVPSU 34 kwcher P ckrer K
1 ff. Vgl. Vita 96,9 ff., lOf>,Sß., K/iJff. 9 bninneti, ej/. Sdtm MS,lß.
I5f. Vgl. David «. A. i. c. IllßH: comilium datar hi», qui ex dtnotioni» vehe-
mtntia dehililati »unt. 17 f. Sinn: M teerden dir oielUicht jene Btgiinsti-
SpaigeHi uelche Anfängern im myititchen Lthtn gegeben werden, enttogen, damit
du darauf aertichtend noch höher 9ieigtet. Vgl. Vita 166,6 f. u. Bdeto 301,23^.
27 ruggin leib = Soggenlaib. Stuse meint, er verdiene vim Oatt nicht jtnr
auenerardenUidvm Gnaden, mie die Stagiin.
». Sbiii», DwUsht ttobrllMD. 25
386 -toefbftdiiem. tili fiiief.
veterlichen glänz der ewigen wisheit solt sikigen ze messe: Lux
fulgebit^ do waz der diener des morgens in siner kapell in ein
stilles r&wli siner ussren sinnen komen. Do waz im vor in einer
gesiebt, wie er wurdi gefüret in einen kor, da man mess sang. In
dem kor waz ein grössü schar dez himelschen Ingesindes, von gote 5
dar geschiket, daz sä sungin ein süss melodie dez himelschen ge-
dönes. Daz taten sü und sangen ein nöws frölich gedöne, daz er
nieme hat gehöret, und daz waz als süzz, daz in dachte, da« sin
sei zerflussi von rehten fröden. Aber sanderlieh do wart daz Sanctas
so gar herlich gesungen, und er hfib och an und sang mit in. Do lo
man kam an daz wort: Benedictus qui venit, do erhAben sü
ire stimmen gar hohe, und do hfib och der priester unsem herren nt
Den sah der diener an mit einem demütigen erbietene siner waren
liplichen gegenwärtikeit, und ducht in, daz neiswaz minneklichen ver-
nfinftigen glastes von im trungi gen siner sele, daz unsprechlich ist 15
allen zungen. Und in dem so ward sin herz und sele als yoI nfiwer
inhizziger begirde und inres lichtes, daz es im zemal alle sin kraft
benam; es waz neiswi, als so sich herz mit herzen in blosser ver-
nünftklicher wise vereinet. Und kam also in ein zerflossenheit siner
sele, daz er ime kein [158^] liplich glichnuss kond geben. Do er 90
also kraftlos ward und swachlich gebarete, do lachete der hiraelsch
jungling; der bi im stfind, des er nit erkande. Do sprach der diener
zu ime: „owe, wes lachest du? Sihst du nit, daz mir iez von rebter
amaht und inbrünstiger minne wil gebresten?" Und in den werten
seig er also da nider an die erde als ein mensch, dem von nnkraft 25
gebrosten ist. Und in dem nidersigene kam er wider zfi im selben
und tet du usren ogen uf ; du waren vol trehen, und sin sd waz vol
liehter ^nadeu. Und gieng hin für den alter, da unsers herren *fron-
lichnam waz, und tonde verborgenlich daz gedöne: Benedictus
qui venit, als die geischlichen klenke dennoh in siner sei waren. 30
2 des inorg. fehlt S 12 ir stimme K 16 und sin sele [als vol] ^S"
21 8 warlich C 22 des] das AN Um enkante ANPm 24 und rehter
iubr. m. S 25 sanck K 26 nidersinken KU
1 f. Anfang des Iniroitus der 2. Weihnachtsmesse , die „in aurora^ ge-
sungen wird. 9 ff. Sanctus, Teil der Messe (THsagion) nach Beendigung
der Präfaiion vor Beginn des Kanon; den Ahschluss des Sanctus bildet das
Benedictus (iy. Maith. 31.9). 16 ff. Vgl Vita Kap. 5.
BriefbücUein. IX. Brief. 387
IX. Brief.
Wie ein mensch ze rfiwe sines herzen in got sül komen.
In omnibas requiem quaeBivi.
Also sprichet die ewige wisheit: ich hab mir rüw gesAchet in
5 allen dingen, and leret veriertä menschen^ wie sü in dem mislichen
lofe ire lebens ze frid sülen komen, als verr es denn mAglich ist.
Wie daz sie^ daz da warheit an ir selben bloss und ledig sie,
doch von unser natArlichen eigenschaft so ist Ans angeborn^ daz wir
si in biltlieher glichnAss müssen nemen, unz daz der nidersenkend
10 lip wirt ab geleit und daz gelAtert oge der sele vernAnftikeit in der
ewigen sannen rad blosklicb wirt gesteket; wan unz dar so gangen
wir als die blinden schlichen, und greifen umb Ans and wissen nit
wa ald wie. So wir joch etwen haben die warheit, so enwissen wir
- nit, ob wir die warheit haben, und tagen als der ein ding sAht, daz
15 er in der band hat. Der mensch lept in zit nit, der diss genzlich
lidig Stande, wan es ist ein nahklank der erbsAnde.
Nach minem verstene so weri gar begirlich ze wissene einer
gotsAchender sele, daz si möhti wAssen, waz gotes aller liepster wille
von ir were, uf daz daz si im minneklich und gevellig machet!, daz
20 er sunder liebi und minne and heinlichi zA ir gewänne ; wan ein reht
minnekliches gemüt kant dik dar zA, daz es dar umbe einen tod
wölti liden, daz er des einen liebten underscheid in einer ieklichen
züvallenden Sache möhti gewinnen. DisA begirde machete den ge-
trüwen Abraham us gende von sinem lande und von sinen lieben
25 frunden ; er enwist war und sAchte got verre, daz er in nahe fAndi.
Diz hat gejagt und getriben ellA nserweltA menschen von angeng
der weit unz an disen hAtigen tag und tAt fAr sich iemer me, wan
daz lieb wartspil zAhet me an sich denn kein adamaz daz isen, und
bindet me denn tusent seil. Wol ime, daz er ie geborn [159'] wart,
30 der es vindet und sich niemer dar von keret!
5 f. in den m. loiffen FNm 7 bloss fehlt P 9 nidersinkend Ca
12 grifen -^4^ 23 f. tröwen CNm 24 von (erstes)] uz 8
3 Sir. 24,11. Ober denselben Text mehrere Predigten van Eckhart,
Pfeiffer 149 ff., 152 ff., 324 ff., und eine von Tauler, Leipzig 1498 fol 223r ff.
9 f. Vgl. Weish, 9,15. 22 er. Seuse substituiert den Begriff Mensch. —
des = von Gottes liebstem Willen. 24 / Mos. 12,1. 4. 26 Hebr. 11,8.
28 adamaz, Edelstein, Diamant, hier = Magnet (Lexer I, 2()) ; vgl. Megen-
berg, Bach der Natur 432 f.
'388 Brief bttohlein. DL Brief.
Ach hier umbe so vellet mir iez ein spruch iu, den las ich in
der schale der natürlichen knnst; ich las in und verstund sin aber
do nit. Der höh meister der spricbet also: der alliche f&rst^ ein-
valtig wesende, der bewegt ellü ding und ist er unbeweglich. Er
bewegt als ein begirliches minnekliches lieb sol tftn: er git den 5
herzen ilen und begirden lofen, und ist er stille als ein unbeweglich
zil, dez ell& wesen varent und begerent. Aber der lof und zug ist
ungelich: er machet mit des himels lof die anbeiss kriechen, den
geswinden hirz lofen^ und den wilden falken fliegen. Ire wise ist
ungelich und hein doch e i n ende, daz ist ein ufenthalten ire wesens, 10
daz von dem minnezil d^ ersten wesens us flösset.
Disses gelich vinden wir in der grossen ungelichheit, die man
under gotesfrunden brüfet, die da dez selben gutes enpfeuklich sint;
wan eins lofet mit grosser strenkheit, eins ilet mit luter abgescheiden-
heit, eins flüget mit hoher schöwlichkeit, ieder mensch, als er denne 10
gezogen ist. Waz under den allen daz nehst sie, daz ist un verborgen -
in der scrift; aber waz einem ieklichen menschen sunderlich und
usgescheidenlich daz nahest sie nah siner zftgehörliclikeit, daz kan
man n&t wol gesagen. Allerley versftchen, als Paulus spricht^ und
eigens befinden, als sant Gregorius sprichet, und götlichü erläh< 20
tunge, als Dionysius seit, helfent dem menschen ze rüwe. Lip-
lichü übunge hilfet etwaz, da ir nit ze vil ist; aber rehtü gelassen-
heit uf allen puncten, in allen wüssenden und unwussenden Sachen
in dez obresten aller dingen wüssenden willen, daz hilfet dem men-
schen usser allen den wellan und sezzet in ze fride in allen dingen^ 2d
der sü ordenlich kan nemen.
3 ph XII Metaphysice am Rande A, im Text KNUm [der] sprich.
GNm 8 den a. C die einmeissen P 16 eins H. — schow. fehU S
17 und fehlt SU 19 und — 20 sprichet fehlt P 21 sant Dion. P
22 am Rande Beriiardus AC 23 und unw. fehlt 6' 24 wussenden A
25 wallen P
2 natiiriiche kunst = Philosophie. Vgl. Bdw 349,13. 3 Aristoteles^
Metaph. XII c. 7 X 1072a:>5ff.h3ff. hat die Stelle dem Sinne nach.
12 f. Vgl. Vita 107, 2 J ff,, 142,4 ff. u. Tauler, Jf^ankfurter Ausgabe II (1826),
323 ff., 430. 16 f. Vgl. Luc. 10,42 : Maria optimam 2)artem elegit, und daran
anknüyfend Greg. M., Moral. VI, 18; Bern., sermo 3 in Assumpt. B. M. V,n,3:
Thomas, S. Th. 2, 2 q. 182 a. 1 : Eckhart 328 ß. 19 / Thess. 5,21.
20 Vgl. Greg. M., Moral. VI, Ö7. 21 Dion., Myst. Theol. 1.
22 Sieht' die schon zu Vita 108,11 ff sitierie Stelle des ZU. Bei^hard
Briefbttchlein. X. Brief. 389
E8 waz ein mensch, der hat etwas an gevangen, daz er got ze
lob woltc volbringen. Der ward gefraget, ob er wüsti, daz es gotes
wille weri. Er sprach: pnein^ ich enw61ti sin nit wissen, mir ist
dis lieber; wan heti ich sin ein wissen, dar abe nemi min selbsheit
5 ze vil geischliches gebruchens, aber alsns ist es mir ein undergang.''
Ein wiser mensch sol sin inrkeit in der nsserkeit nit bin werfen,
noh der nsserkeit von der inrkeit nit verlognen, er sol sich selber
in den ussren werken mit heiligen begirden nnmflsgen, daz er ge-
swinde wider in sie kome, und sol in der inrkeit also gelassen sin,
10 daz er der nsserkeit mug gnfig [159^] wesen, so es zit und redlich
ist. Und also gat er us und in und findet sin rüwe in allen dingen
nach der wisheit lere, da von sin sele gespiset wirt, als Gristus
sprach.
Dis scrib ich ü dar umbe, sid ir got verr in daz eilend ge-
15 volget heind, daz ir in nahe und verr kunnint vinden, wan er in
allen dingen hat wonen. Ich weiss einen menschen, der kam sines
eilenden lidens eins males under einem krucifixus an den eilenden
Gristus; do antwurt er ime her ab inrlich und sprach also: „du solt
dar umb lieblos sin, daz du mir ze einem liep werdest, und dar umb
20 verschmeht sin, daz du mir ze einem lob werdest, so solt du dar
umbe unwert sin, daz du mir ze eren werdest."
X. Brief.
Von etlichen stdken^ du ze volkomenhelt börent.
Estüte perfecti!
25 Also sprichet du ewig wisheit zft sinen userwclten jungem, die
nah hohem lebene stalten: „ir sond volkomen wesen!"
3 enw. — 4 wau fehlt S 8 ummfisgen A 9 komen ASPK
14 f. nochgevolget P 15 kunint A vinden /eÄ/< C 18 inneklichen S
6 f. Ähnlich in dm Sprüchen Vita 168 f. und Bß 383,3 ff. Vgl. Denifle,
Das (jeistL Leben 160 f,; Greg, M,, Mor. XXXI, 12: ille (praedicator) ad
fterfectionis culmen erigitur, qui non activa solummodo, sed etiam coniemplativa
vita aolidatur. 9 sie = die Innerkeit (Gr Bfb: in die heimeliche).
11 Sir. 24,11. 12 Joh, 10,9, 14 eilend weist wohl auf Nminen
hin, welche wegen Beobachtung des Interdiktes aus ihrem Kloster vertrieben
wurden, 15 f. Vgl. Ps. 138,7 ff, 18 ff. Vgl. den Spruch der Anna von
Klingnau in Töss : le siecher du bist, ie lieber du mir bist. le verschmächter du
bist, ie necher du mir bist. Ie ermer du bist, ie gelicher du mir bist fViten
von Töss 37,16 ff.)- 28 MaUh. 5,48.
390 Briefbttchlein. X. Brief.
Der lieht ÜioDysius an dem buche von den engelschlichen
Jerarchien sprichet also, daz die nidren engel von den obren werdent
geläterty erlühtet und volbraht; und daz beschiht alles mit dem os-
brehendem glänze der Aberweslichen sännen, mit einer gemeinsam!
dez hohen usflusses in nüwer inlühtender warheit. 5
Dis bildes gelichnuss vinden wir in der zit in yil menschen.
Daz färben lit an usgetribenheit alles des, daz oreatar ald creatär-
lieh ist nach ierreklichem hafte and begirde and kumbre, daz den
menschen in keiner wise vermitlen mag, and weri daz der höhst
geist von Seraphin oder der heilig sant Johans oder waz daz ist, lo
daz creatar ist: dem sol er ns gan. Und es m6htin gutä menschen
hier inne von den Sachen wol verwirret werden, ob sü es in gftter
meinnng tetin; aber gfitü meinnng gnüget nit in allen dingen. Es
gebot unser herr hie vor dar den milten Moyses nnd sprach: „daz
gereht and gut ist, daz solt du reht and ordenlich tftn"; anders daz 15
reht wirt ungereht.
Nah der fürbung gat denn lieht und warheit, wan warheit ist
lieht, daz die tinbern vinstri der nnwüssentheit vertribet. Und daz
lieht wirt etwene mit mitel, etwen sunder mitel enpfangen, daz die
sele in fröd ernüwert und si mit götlichen forman erfüllet. So dez 20
dem menschen in zit ieme werden mag, so im ellü irdeschheit ieme
enpfellet, und daz untödemklich kleit dez künftigen iemcr werenden
lichtes ieme wirt geeigent in einer Verdrossenheit aller zitlichkeit.
Und in dem entspringet warü volkomenheit, du da lit an der
vereinunge der höhsten kreften der sele in den Ursprung der wesent- 25
heit in hohem schowene, iu inbrünstigem minnene und suzzen niessene
dez höhsten gutes, als vil si vor krankheit dez [160'] sweren libes
1 am Rande Dyonishis de celesti Jerarchia ^1 7 fi'irboren (!) C 9 in
keinen wiscn C 11. 13 ^itii A 12 verwerret S verirret PU 16 unger.J
unreht NPSm 18 tunben P 19 daz] die ACPS 23 geeiniget S
1 ff. De eod, Uierarchia 8yt. 7,:^. 3, 4,3 und darnach Thomas, S. Th. 1
q. 106 sq. Die „Läuterung*^ bezeichnet die Befreiung von den Mängeln der un-
vollkommenen ErkefintniSj und int insofern identisch mit der „Erleuchtung^.
überwesliche sunne = Gott. 7 ff. Ln folgenden ist der »Stufengang des
mystischen Lehens: via purgativa (daz furben), via illuminativa (lieht und
warheit Z. 17), via unitiva (vereinunge Z. 2ö) kurz beschrieben. Vgl. Krebs,
Dietrich von Freiherg 128,93 *. 8 Das Haften an den Kreaturen mü Ver-
langen oder Trauer ist ein irreyides und irreführendes und muss daher auf-
gegeben werden. 13 Vgl Vita 167,29, 14 ff. V Mos, 16^,
Brief bttcUein. XI. Brief. 391
mag. Wan aber du sele von dez sweren libes krankheit dem lutern
gfit in entbiltlicher wise nit mag blosseklich alle zit an gehaften, so
mfisse si etwas biltlichs haben; daz si wider in leite. Und daz beste
dar zft; daz ich yerstan, daz ist daz minneklich bilde Jesu Cristi;
5 wan da hat man got und menschen, da hat man den, der alle hei-
ligen hat geheiliget; da vindet man leben, daz ist der höhst 15n
und obrester nuzz. Und so er in daz selb bilde wirt gebildet, so
wirt er denne als von gotes geist in die götlichen gunlichi dez himel-
sehen herren überbildet von klarheit ze klarheit, von klarheit siner
10 zarten menschheit zu der klarheit siner gotheit. Wan so wir in ie
diker mit begirlichen ogen minneklich an büken und alles unser
leben nah im bilden, so wir in ewikeit sin weslich selikeit ie adel*
lieber werden niessend.
XL Brief.
15 Wie sich ein mensch zft dem götlichen namen Jesus sol an-
dehtkllch halten.
Pone me ut signaculum super cor tuum!
Eis begert der ewig got von der reinen sele einer bet und
sprichet also: „leg mich als ein minnezeichen uf diu herze !^
20 Ein bewerter gotesfründ sol alle zit etwas gfiter bilde ald
sprach haben in der sele mund ze küwene, da von sin herz enzändet
werde zft gotc; wan dar an lit daz höhste, daz wir in zit mugen
haU; daz wir dik an daz g6tlich liep gedenken, daz herz dik nah
im versenden, dik von im reden, sinü minneklichü wort in nemen,
25 dur in ellü ding lassen und tügen, nieman denn in allein meinen.
Daz oge sol in minneklich an bliken, daz ore sich zfi siner meinung
1 miigen P 3 mos PS biltlicheit C 5 got — hat man fehlt S
9 verbildet C 10 in fehlt CU 13 [werden] niessen CNm 15 f. in P
nur die Überschrift , der Brief selbst fehlt 16 Zusatz von späterer Hand :
and disz sol man leszen am ingonden nüwen jor C 22 wirt S
1 V^gl. Weish. 9,15 und Bemardus, sermo 3 in Ascens. Dom. n. 1 sqq.,
wo dasselbe Zitat. 2 in entbiltlicher wise = ohne Phantasiebilder, in rein
(jeistigem Schauen, welches das höchste ist (Thomas^ S, Th. 2, 2q. 174 a. 2).
Vgl. Vita 174,5 (formlosklich) ; 193,19 u. Bdw 342,26 ff. 4 ff. Vgl. Bdew 203,8 ff.
und Ries a. a. 0. 290 f. 7 er = der Mensch. 9 Vgl. II Kor. 3,18
u. Bdw 336,7 ff. 17 Hohel. 8,6. 18 bet prägnant = Erfüllung einer
BiUe.
392 Bnefbücbleiii. XI. Brlei
nf bieten, hei*ze und sinne und müt in minneklich umbyahen. So
wir in erzürnen, so sälin wir in flehen ; so er ans übet, so s&len wir
in liden ; so er sich birget, so sülen wir daz gemint lieb suchen und
niemer erwinden, e wir in aber und aber wider vinden; so wir in
vinden, so sülen wir in zärtlich und wirdeklich behalten. Wir 6
standen ald wir gangen, wir essen ald trinken, so sol alwent daz gnl-
din fürspan IHS uf unser herz gezeichent sin. So wir nit anders
mügen, so sülen wir in dur ünsrü ogen in die sele troken; mr
sülen sinen zarten namen lassen in dem mund umbgan, uns sol
wachende als ernst sin, daz uns nahtes dur von trome. Sprechen lo
mit dem wissagen also: „owe, du geminter got, du ewigü wisheit,
wie bist du so g&t der sele, du dich suchet, du din allein begert!"*
Sehent, dis ist du best ubungc, du ir haben mugent; wan ein
kröne aller ubung [160^] ist emziges gebet, und daz ander alles ist
uf daz als uf sin ende ze richtene. Waz tfind su in dem himelschen 15
land anders, denn daz gemint lieb schowen und minnen? minnen
und loben? Dar umb, so wir daz götlich liep ie lieplicher in unsrü
herzen truken, und so wir es ie diker an büken und es trutlich mit
den armen unsers herzen umbschliessen, so wir ie minneklicher hie
und in ewiger selikeit von im werden umb^angen. 2U
Sehen an zfi einem bilder den gotesminner Paulus, wie der
den minneklichen gotes namen Jesus in den tiefen grund sines herzen
hat gevasset. Do man im daz hobt von sinem heiligen libe hat ab
geschlagen, do sprach dennoch daz hobt ze drin malen: „ Jesus, Jesus,
Jesus! ^ Und der hailig Ignatius, do der in sinem grosen lidene 2ß
als Jesus emzklich nannde und er gefraget ward, war umb er daz
tete, do entwürt er und sprach, daz Jesus in sinem herzen gescriben
1 in fehlt C 4 wider fehlt Cü ' 7 ut iinsern herzen S 9 und
8ül uns (' 10 sprechent KNÜm 13 dis] daz KU 14 am Bande In
eollacionibus patrum A 16 schouen .4 17 und dar umb CNm 23 ge-
vasset] gresetzet Sm
2 f. übet mit Leideii : in iiden = uns gegen Gott niciU auflehnen.
11 f. V'gl. Jeremiasy Klaget. 3^25. 14 f. Die ganze erste ColkUio {bes.
c. o, 7, 8) führt aus^ das alle äusseren Übungen auf das Ziel^ die puntas cordvt
und contemplatio divina hin ßu richten seien. Vgl. Bdew Kap. 22 u. die Belegt
bei Denifle, Brga XL VII. 21 ff. Vgl. das Heiligenleben Hermanns von
Fritslar 149; Legenda aurca (ed. Graesse) 383. 25 ff. Legenda aurea 157 :
Vineens von Beauvais, Spec. hist. X.57: Hermann von Fritslar 78 f. Die Sage
ist erst im Mittelalter aus dem Beinamen .Jrottesträger"' entstanden : vgl. Th. Zahn,
Ignaiius üoit Antiochien 1673, 72,
were. Uo niaD in ertote unil sü im von wtinder sin herz nf echniten,
(io l'unden bü mit guldinen bj^chstaben allenthalb dar inne geecttriben :
Jesus, Jesas, Jesae. Der sie och von uns allen iemer eweklicli gelopt,
und dez wünschen mit mir ellft gotminnendii mensebcn von grund-
5 loBem herzen und sprechen frSlich: Amen, Amen.
[Ziuätxe Euni Brferbiichleiii : Erzählung von der Verehriiii;^ des
Nnmens Sesa, Morgen^rass and Sprüche.]
DiBen jüngsten brief sant der diener och siner geistlichen tohter.
lind do die selb gottesminnerin bet gemerket manigvRlliclich, daz
10 ir geistlicher vntler so grosse andaht und guten globen bet zu dem
minuiclichen natnen Jesus, und er ir in gütlicher heimlichi het
verjehen, wie er den selben namen nf sin bloss herze hct ergraben,
(Io gewan si sunder minne dar zfl, und zfi einer reizung ira herzen
du nät si den namen mit roter sidin nf ein kleines wisses tuchlin
16 in diser gestslt also: IHS, den si ir seibor wolt tragen; und machet
5 qirechent KU siirecheot mit trode iha ihs «uu Duvidit erliiuine dich an«
Amen U einmnl ÄmeD C, dreimal S Zutntx am Sehlimt: wer sich dorch
got lidcndcs fröwet der wirt durch ^ut üebex erfiillet in ?Xl und in ewikeit V
G«. HandaehrifU»: N R S' W f {vgl. oben S.3}: h = Heidtiber g SbH^:
m = Cgm 819; »• = SluOgarl Theol. et pliil. 8' 19: a = 1. Druck (1482).
R enthält mtr die Ereähluvg und da» Gebet, «' nur die Sprache. — Die folgenden
Stilekt gehören ttgentlich nicht jntm Exemplar und sind auch in keiner alten He.
entitaltta. Nach Vita 18,11—13 echrieb Stuee dan Moi-geitgtbet Anima mea an
etliche „rttue" d. h.gekürttt Biiefbiichiein (nie Anhang tum letHeii Brief), tmd
eugleieh wold auch die datu gehörigt, aehan in Kap. 46 der Vita kurz gegebene
Ertählitag und die Sprüche; vgl. Denifle, Zfda 21,136ff. und die JürUeitimg.
■i'piiter irurden ditae Stücke auch in die Hm. des Exemplars aufgenommen und als
Briefe behandelt; inS^Wfa stehen die Spräche mit ihrer Einleituftff neisehen /lern
10. und 11. Brief, die Eredhlung und das Gebet folgen am Sehlusa. Ob die Ober-
Mcliriflender Hnielnen Abschnitte alle <eon Seties »tlhet stammen, ist eweifelhaft.
9 selb fehU ES^Wfa
13 FqI. Vita Kap 4
12 .
n JeBua Nm
14 kl. seiditLa \
. IIA
J
394 Zusätze zom Brief btichlein.
do des selben namen glich unzallicb vil namen och also in der selben
wise. Und do der diener der wisheit dar kam, do bat si in mit
grosser andahty daz er die namen alle nf sin herz mit g6tlicher be-
girde striche und si ir denn wider gebe. Und daz tet er. Und si
nam den iren namen m^d haft den an iren anderrock, da in nieman 6
sach, und tet daz in der begirde, daz irs herzen andaht zu got dest
me wüchse und daz ir gelück und seid da von dest me volgete; und
sant die andern namen, die si och also bereit het bi im, allen sinen
geistlichen kinden, die er do het, daz si es bi in trugen och in
diser selben meinung. Und daz teten si. Und si trüg iren namen lo
also heimlich an ir, bis daz er ir in daz grab volgete.
E daz die zit kom, daz got irem heiligen leben ein selig end
wolt geben, do füget sich, daz der diener zu dem jüngsten mal zfl
ir kom. Und si hüb an und sprach also: „ach, lieber herr, ich
han vil gutes von got durch üch enpfangen, dar nmb got ewiclicb 15
gelobet si. Nu han ich noch ein bet zu üwrem tugenthaften herzen,
des gewerent mich, lieber min herre und min geistlicher vatter!
Und s&llent wissen, daz ich der bet an üch von dem minniclichen
got in miner höbsten andaht neiswi dick bin ermant, der es von
üch wil han.^ Er sprach: „liebe tohter, was du in got wilt, daz 90
sol geschehen." Si sprach: „ach hen*e, wer üwer rainnicliches herz
erkennet als wol als got und ich, und wer üwrü hitzigü wort hört
und üwer begirliche geschrift liset, der merket, daz der götlich nam
Jesus, von des lobricher wirdekeit ellü du geschrift seit, daz der
gelückhaftig nam so tief in üwer herz ist gesenket, daz allen 25
menschen neiswi reht ein nüwü kraft dannen enpiintlich möht dringen.
Dar umb ich armer lidender mensch bitt üch an gottes stat durch
des selben edlen namen wirdiges lobes willen, e daz ir vergangent
und es selb nit me mügent getün, daz ir an diser stunde legent
üwer gesegnet band bloss uf den heilsamen namen, der uf üwrem 90
herzen von inbrünstiger götlicher minne ist ergraben, und machent
mit der selben band ein crüz über uns ellü, die von üwer begirde
wegen in ir meinung daz nement, daz si den selben glückhaftigen
4 ir si NUm [und] daz RS' Wfa 6 haftj iiät RS'Wfa da] daz Nm
6 t'. dest me zö got S^f 7 dest me da von S\f da von [dest] me Nhm 9 bi im
S'Wh 10 diser] der .S'^TT/a 12mitirem6'»/ 18 \md stiM fehlt h lOf.wül
von euch RS 'Wfa 21 mynnreichs i^m 24 löblichen Ra du fehlt NS'fhm
25 ist nach tief RS 'Wfa 26 entpfintlicher S'f 33 glückhaiftigen fehlt
RS'Wfa . * •
Zusätze zum Brief büchlein. 39Ö
namen Jesus ocb wellent t&glich einest eren mit dem lobrichen
niorgengrftz, der üch von got in lucht^ in lieplich da mit ze grussen
und alle creatnr in sin wirdiges lob ze reizen, als man hie nach
vindet geschriben, oder aber mit einem Pater noster und Ave Maria
5 mit einer venje dem herren ze lob, dem ell& knie von billich biegen
sAllent in bimelrich und in ertrich, daz si der milt got beschirm
vor aller schedlicher widerwertikeit, und in helf ir liden überwinden
nach sinem lob und irem ewigen nutz.^
Do der diener sach des heiligen menschen ernst und andaht
10 und er verstund gottes willen dar inne, do tet er es mit grosser
andaht, und leit sin band bloss uf sin herz uf den namen Jesus
ein wili und bot si da uf, und in der allmehtigen kraft des selben
namen machet er das heilig cr&z und tet einen begirlichen sogen
über alle die, die mit begirde wellent den vor genanten morgeügrflz
15 dem namen gottes ze eren sprechen, und bat got, daz er in ein
heiliges end verlihe und in ewige selikeit gebe. Und des helf uns
got allen durch sines heiligen namen willen!
Dis ist der vor genant lobrich grftz und gewer
morgensegen, den ein mensch got ze lob für ungelück
20 sol sprechen, der her nach in latin ist geschriben.
0 du aller ^ch6nstü liehtrichü ewigü Wisheit, min sei hat
hinaht nach dir belanget, und nu an disem morgen frü in der herz-
licheit mines geistes bin ich zfi dir, min lieb, erwachet und bit
dich, genediger min herre, daz din begirlichü gegenwertikeit von
25 mir alles übel an lib und an sei vertribe, und die guadlosen winkel
mines herzen mit sinen sundern gnaden rilich durchgiesse, und min
kaltes herz in dem für siner götlichen minne inbrünsticlich enzünde.
Eya, aller süssester Jesu Griste, nu ker din lieplichs antlüt frünt-
lieh her gen mir, wan an disem morgen so keret sich min sei mit
80 allen iren kreften hin zu dir, und gr&sse dich hüt begirlich von dem
innergosten gründe mines herzen und beger och, daz die tusent stund
tusent engel, die dir dienent, dich hüt von mir grussent, und die
17 durch siiieii h. ii. [willen] S'f Amen Rtn 18 Das liS^Wfa
löblich Ha morgengrösz hm 19 f. für ungelfick got ze lob (und er h) sprechen
soll [der — geschr.] hm 27 dem für fehU HS^Wfa 28 f. früntl. fehU hm
31 gründe /eWf hm 32 und [die] ES^Wfha
Iff. Vgl Vita 18,11 ff^ f) f • Phil. 2,10. 21 f. Js, 26,9: Ps. 62,1,
Vgl zum gangm Gehet Bdew 313,15 ff. und Har. 209, .31 ff. Dan, 7,10.
396 Znstttze zum Briet bttchleiu.
zehen tuBent stund hundert tusent himelschen geiste, die hi dir
wonent, dich wirdecHch von mir prisen, und dar zu ellu die wunnec-
lieh schön gezierd aller creatur dich hat von mir loben, eya, und
dinen wirdigen namen, unsern trostlichen schirm, dankberlich hut
gesegnen, nu und in iemer werender ewikeit. Amen. 6
Hie stat der lolirich grüz und segen in latin.
Anima mea desideravit te in nocte, sed et spiritu meo in prae-
cordiis meis de mane evigilavi ad te, o praeclarissima Sapientia,
petens, ut desiderata praesentia tua cuncta nobis adversantia removeat,
penetralia cordis nostri sua multiform! gratia perfnndat et in amore lo
tuo vehementer accendat. Et nunc, dulcissime Jesu Chris te, ad
te dilucnlo consurgo, teque ex intimo cordis affectu saluto. Millia
quoque millium coelestium agminum tibi ministrantium te ex me
salntenf, ac decies millies centena millia tibi assistentium te ex me
glorificent. Universalis etiam harmonia omnium creaturarum te ex 16
me collaudent, ac nomen tuum gloriosum, protectionis nostrae clypeum,
benedicant in saecula. Amen.
Ton heillgeii bilden und gbten .Sprüchen, die einen menschen
reizent nnd wlsent zu got.
Vocatum est nomen eins Jesus. 20
Den minniclichen namen Jesus schflf der diener der ewigen
wisheit entwerfen in sin capell wo! geflorieret und mit guten sprächen
gezieret, ze einer getrüwen reizung aller herzen zfl dem minniclichen
got. Und daz dem lidenden menschen liden dest lidiger werde, do
1 die him. i^^eisto RS^Wfa 2 vou mir fehlt RS^Wfa 2 f. schön
wnnn. hm 0 Hie — 17 Amen fehlt Rhm 14 ox me fehlt a 24 den lid.
m.S'Wfct
18 Die folgenden Sitrüche^ welche sich z. T. mit den den Bildei'n des
Exemplars beigegebenen (a. Einleitung) nahe berühren, sind t^on Seuse ursprüng-
lich lateinisch ahgefasst und von Elsbeth Stagel in deutsche Reime übertragen
worden. Schönbach, Über die Marienklagen 1874, 51 hielt sie nach dem Abdruck
von Mone im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1838, 183 fälschlich
fikr eine Parodie der Marienklagen, 20 Luk. 2,21. 21 ff. Vgl. Vita
Kap ao (60,12 ff.) u. 36 (103,14 ff,).
Zusätee zum Briet büchiem. 397
hie88 er den trostliehen rosbom zitliches lidens in die capell och
entwerfen und noch einen andern bom des underscheides zitlicher
und götiieber minne. Und wie sich die zweierley minne uss der
geschrift widerwertlich bewisent, daz stat da in latin einvalteclioh
5 gescbriben ; aber sin geistlichä tohter braht es ze tütsch und tet daz
in geriinter wise, dar umb daz ein nügiriger mensch^ der nit alle
zit mag in glichem ernst stan, daz der mengerley vinde, daz in zfi
g6tlichen tugenden gereizen mAg.
Uie elagsprüch dez lidenden menschen under dem
10 rosbom vahent an also:
Herzenfir6d han ich verlorn,
ze grossem leid bin ich geborn.
Min grossü clag die lit dar an,
daz ich müss sin ein armer man.
15 Eigenwillen miüss ich lan,
ich mfiss durch got gezomet gan.
Er hat mir min er da hin^
menglichs ffisstüch mftss ich sin.
Die äblen hund hant mich zerkretzet,
20 böse Zungen hant mich geletzet.
Ach^ waz ich erlitten han,
daz nieman wol gesagen kan!
Got zühet mich mit dem har,
daz nim ich von im uf gar swar.
26 Eya, wie ist min vergessen!
min not ist gross und ungemessen.
Wenig Mnde solt got han,
wan er ist in mit liden gran.
4 bewis.] haltent S^ Wfa 4 f. geschr. einv. in lat 6* Wfa 6 gerfimter
Wha geruweiiter S^f 7 vindet Nhm 9f. under d. rosb. fehlt S^ Wfa 10 nach
also Übef8chrift : die klagsprich eines leidenden menschen XII (=cap.) S^Wfa
12 geb.] erkom S^ Wfa 13 am Rande Job Nh die fehlt a^a 16 ge-
zomet] gen mettin S^ Wfa 18 mengl. -- 19 mich fehlt 8^ müss] sei Nhm
1J> am Bande psal N gekretzet S^ Wfa 22 daz ichs s^ 24 von im
fehlt S^f uf fehlt hs^ 27 got sol S^Wfa
1 ff. Über den Rosenbaum vgl. Vita Kap. ^ (69,6 ff.) u. 34 (102^19 ff.),
hie roten Rosen bedeuten Leiden ( Vüa 64^26 ff.). 13 f. Vgl. Job Kap. 3 ff.
18 Vgl. Vita Kap. 20 (66,8 ff.). 19 Vgl. PsJil.W. 23 Vgl Vüa 133,24.
27 f. Vgl. Bdeio 336^ f.
398 ZtaUze ztim Brief bttchlein.
Antwort der ewigen wisheit:
Man sol hnt umb hat geben,
daz wil ich uf min trüwe nemen.
Wer sunder lieb von got wil han,
der sol in leid von billich stan. 5
Lidens sol er tragen vil,
der gottes früntsebaft haben wil.
Rosen wil ich brechen,
and wil lidens uf si trechen.
Schow die martrer unverdrossen, lo
die ir blftt durch got bant vergossen!
Ir frumen ritter, gehabent üch wol,
kein liden &ch erschrecken sol!
Alles liden wenden tftt,
wer ewikeit treit in sinem mfit. 15
Eya, bis frisch und unverzagt,
nie weicher müt kein er bejagt!
Der underscheid zitlicher und götlicher minne.
Der lip spricht:
Man seit uns als von minne vil, 20
minen lip ich selber minnen wil;
was mag dem bessers gesin,
denn gütü mursel und starker win?
1 Die Überschriften fehlen von hier an stets a^ antwurt die ewige
weishait (so stets!) Nhm 6 von] och S^Wfa 6 trafi:en] arnen S^Wfa
8 in brechen S^Wfa 9 wil] vü S^Wfa si] in Wfd 12 gehalten Nhm
17 wan nie Nm 19 desz leibes rede Nhm 20 am Rande Epicorns Nh
als fehlt Nhms' 22 dem] den sinnen S^Wfa »in S^Wfha 23 mutt-
schellen s^
2 Job 2y4, 4 — 9 Dieselben 8i)rüche heim 1:3, Büd 10 f. Beim
Umbau des Konstanger Dominikanerklosters (1874) fand man an der Wand
des nördlichen Seltenschiffes der Kirche zahlreiche Fresken in Form von
Medaillons, welche Märtyrerszenen darstellen und wohl dem 14. Jh. angehörefi
(vgl. Kraus, Kunstdenkmäler des GrossherM. Baden 1 [1887], 'J46f.), Eb, von
Zeppelin in Schriften d^s Vereins für Gesch. des Bodensees VI (1876), 20 f. u.
Peltzet, Deutsche Mystik und deutsche Kunst 1899, 100 f. möchten sie auf den
Einfiuss Seuses suriickführen. 12 f. Vgl Vita yL,H4f 14 f. Derselbe
Spruch aiu:h beim l'J. Bild (aber Jesus statt ewikeit). 16 f. Vgl, Brief 4
(870,22 ff.). 22 f. Vgl Vita 13 Jl.
Ziuktse sum Briefbttchlein. 399
Antwnrt der ewigen wisbeit:
0 da böser lastersack^
din Ion ist bös und nngesmack.
Ein tambes herz hie fröden sucht,
5 der wise der hat dar an verrucht.
Die minne des gfltes und der eren spricht:
Fränd und eren und gAtes ril^
ist der weit seitenspil;
wer daz bat^ der ist vil werd,
10 dar amb es och min sei begert.
Antwurt der ewigen wisbeit:
0 witz und gftt und weltlich er,
wie triegent ir so grimme ser!
Dis zergenklich böses gut,
15 hat verderbet mengen mAt.
Dar umb so wil ich fliehen dich,
zu got so wil ich keren mich.
Die weltlich minne spricht:
Ob allen fröden machet wild,
20 reiner frowen zartes bild;
daz miden ist herzennot,
and ist als streng alsam der tod.
Antwart der ewigen wisbeit:
Ach wipliches bildes inval,
25 du verderbest vil and ane zal;
noch witz noch kraft mag da gesigen,
da hört nit zfl, denn verre fliehen.
Der sich kert an din liebliches erbieten,
aeh got, wes^ mflss sich der genieten !
BO Also zergat der minne pris,
des hntent &ch and werdent wis!
Ach, knrzes lieb and langes leid, >
ist ir beider minner kleid.
Y
2 am Rande Salomon iV lasterachalk S^f 4 hie ir.] die freüde S^fa
6 versucht Nhma^ 7 ert hms^ ■^ 10 sei] herz S^W 12 0 witz — 23 wish.
fehtih 0 wita] unweisse S^Wfd 20 reioer] schöne a^ 22 d. bitter töd S^f
25 und fehlt S^f 26 sigen hs^ 29 was NWhma leides g-en. S^Wfa
30 vergat 6'»TF/Äa 83 minneklaid ^y^TFirA« " '
400 ZuBäUe zum Brief bttchiem.
Von der g6tlichen minne:
Ein ussflaz der wisheit,
ist daz ewig wort in der gotheit;
in anbekanter wiselosekeit,
stat ir natArlich& blossheit. 5
Ellü herzen hant z& ir ein jagen,
und kan doch nieman nit dar nss g^ssagen.
Der sannen bild ist nit so iin,
si &bertriffet der sterne schin.
Si rfiwet in der sele grand, 10
si wirt nmbvangen tasent stund.
Daz herze wil si nieman lan,
si wil es ir selber han.
Nach ir so sol man stellen,
und si zfi einem lieb erwellen. 15
In allen landen ist ir nit glich,
si haben ist daz himelrich.
*
Ach, wie selig ist der und fr6denvol,
der bi ir steteclich wonen sol!
Von dem namen Jesus: 20
Jesus in der sele grnnd,
ist allez zartes ein Überbund;
Jesus, din nani ein starker turn,
den nit zerstöret enkeiner stum.
Kein schönü fürspang so wol gezieren kan, 26
sam tfit, Jesus, din finer nam.
Ein s&ssä harpf uf tringet,
so Jesus nam erklinget.
1 Von — 20 Jesus fehlt s^ 7 dar uss] da von S^ Wfa 8 nit fehlt Nhm
13 es will si selb im (in S^f) selber han S^Wfa 14 ir fehlt Ntn 16 aasz-
erwellen Nm 17 daz ist Nm 18 Ach — 19 sol fefdt S^Wfa 20 dem minnic-
lichen n. J. S^Wfa 21 der] unser S^Wfa 22 überkunt S^f 23 din]
ain Wa 24 erstöret Wa keiner S^Wfa 26 kein] ein S^Wfa [so]
wol zieren S^Wfa 26 din f. nam] den seinen nam (man Wa) 8^ Wfa 27 uf
fehU S' Wfa
6 Vgl. Bdmo Kap. 1. 8 f. Der gleiche Spruch auch beim 1, Bild.
11 Vgl. Vita UySSff.y 15,7 ff. 21 fif. Vgl. den Hymnus Jesus dtOcis memoria
(Bdew 326,3 ff.). 25 fürspang, vgl. 11. Brief 393,7 u. Hör. 126 (moniU
jjretiosum in pectore partatum)
o
Zusätze zum Brief büchlein. 401
Ach Jesus, durch den namen diu,
vergiss der grossen sünden min!
Jesus min herz verwundet hat,
gezeichent da min Jesus stat.
Jesus, vil lieber herre min,
ain schirm müss mir din name sin.
Gesegen mich der Jesus zart,
nu und an der jüngsten binvart!
2 simde Ws^ 4 bezaichnet s^a da min] dar in S^ Wfa 6 schirm]
schrill S^Wfa
3 f. Auch beim 12. Bild, 6 Vgl die Spi-üche beim 10, Bild,
H. Seuse, Deutsche Sehriften. 26
Zweite Abteilung.
Die nicht in das Exemplar
aufgenommenen deutschen
Schriften Seuses.
I.
Das grosse Briefbuch
Wan eines geistlichen menschen sin nüt mag zu
allen ziteu in abgescheidener blossheit spanen und 5ch
schedliche kurtzwil verre sol fliehen, hier umb zö
einer underlibi dines geniütes so mäht du dis götlich
5 brief lesen. Die sante ein diener der ewigen wiszheit
hin und her sinen g&tlichen fründen und meinet, daz er
ein minnebotte gottes si ze dir und ze einem ieklichen
Ha ndschriften des grossen Bri efh uchs im allgemeinen : h = Bei'lin
^%y: C = Colmar 266; c = Cues 116; d = Darmstadt 1847; g = St. Gallen
970: (f = Göttingen Theol 292; h = Heidelberg 358,38; m -^ Cgm 819; N =
Nürnberg VII,9ü; n = Nüi'nberg VI,56; R = Breslau Domkap. Bibh; s =^
:Stutt(jürt Theol. tt phil 4%7 ; s^ = Stuttgart Tlieol. et phil. 8^19; U= Über-
lingen 22: z = Zürich Stadtbibl C 96.
Prolog. Hss.: h c g h R s z.
Rote Überschrift: Das slnt gäti gaistlioh miunbrieffe g Prologus libri
(.pistolaruin s {auch der folg. Prolog rot) 1 geistl.] iegeliclien hs in
mach e 2 gespannen hsc och] all p 3 von billich ver g ßol verre z
öol fdilt bg har umb s hie von g hier u. — 4 gem. fehlt s 4 under-
libunge bgR ufinthalt c gotl.] geistliche R 4 f. disen geistlichen brief h
disen brieff götlich s dis gotlich minnen briefif ze ainer vertribung vnredlicher
bekoruug leszen g 5 ewigen] gotlichn g 6 har s gotl.] gäten gs geist-
lichen R geistl. gäten h fründ.] kinden h daz er dar inn g 6f. si nach
er bcs 7 minneb.] minne b minnebrief s ze dir und fehlt g iekl. — 406,4
uemeu fehlt s (icegcn Defekt des Blattes) 7 flf. iekl. andähtigeii und begirigen
herzen [mit nameu] dz ietz ist . . . ist g
1 ff. Vgl, hier u. künftig die entsprechenden Abschnitte des Kl Bfb und
die dort gegebenen Erläuterungen. 7 minnebotte gottes, vgl, Bdetc 231,8.
406 Grosses Briefbuch. Prolog und I. Brief.
hertzen mit namen, die ietze sint oder noch künftig
siut, die der valschen minne wen urlob geben und die
ewigen wiszheit wellen ze einem einigen geminten lieb
nemen.
I. Brief. 5
Bex David senuerat.
Do der künig David sine jugent in gottes dienste hatte ver-
tribcn, do er begunde alten, do hegunde er kalten. Und daz
sahent sine getruwen diener, und die fftrent durch alles lant und
sühtent ime eine gemeite jungfrowe; und funden ein usgenomen lo
schön me^etin, hies Abisag, und die fügeten sü ime zö, daz sü in
wermete und im dienete.
Wer nu wunder welle schSwen, der sehe nit an daz, daz
beschach in den alten tagen; er sol sehen daz klegliche ding, daz
nüwes beschehen ist, daz der volle mane gebrochen ist, daz die 15
spilnde sunne erloschen ist, der liebe ostertag zu dem stillen fritage
worden ist, ach, und die heisse summerwunne zft dem kalten riffen
geraten ist. Dez sint trurige, ir wolsingenden kleinen v6gelin, die
1 yetzund hRc sint fehlt c oder die noch bc 2 valseh z
minne] liebe hR wen] wellen nach geben g 3 wellen nacJi lieb her/
3 f. ze eygener lieb nemen und behalten /* ze ainem besunder und ainigen fründ
und lieb wennd nemen g gem.] geliebten li^ fehlt b c 4 nement b
I. Brief, Hss,: b c h m N B s ü.
liote Überschrift : bredige b Hie geit au der prologus ader profatio dat
is eync vürrede deses buchelgjns c gar ain hüpschen brieflf wie der diener sine
gaistlichen kind lert wie sy den hymelscheu gespontzen Jesum ob allen andren
lieben sollent in vsser kyesen vnd erwellen won kain soUichs lieb in hy (!)
noch vff erd mag erfunden werden als disser gespontz ist U 6 Rex D. — 8
kalt<?u, 12 im dienete — 16 stillen, 407,2 suunen — 407,6 unwand. fehlt s (wie
oben 4(J5,7) 7 syne jonge dage c 8 zu alten h beg. er und hüb an zu k. /*
9 sah.] sagen c alle mNUc 10 ime fefilt mN gemeite] geminte ü
schöne Rc 11 mait hR die hies htnXc und [die] b 12 und im
dienete fehlt U 13 wer — schowen] ist nun iemand der w. ietz wöl schawen mN
will hc ensech rnNc dat einmal c 14 geschah mXR geschiet is c
ansion c 15 newlich geschehen ist mN daz — gebr. ist fehlt U [daz]
do der v. m. bhs [daz] die hR 16 verleschen e und d(T 1. 0. c lieblich U
stillen fehlt c 18 dez] herum c ir] die R
6 ff. //. Kon. 1,1 ff.
Grosses Briefbuch. I. Brief. 407
den summer in lachender fröde enpfiengent und üch gegen der
schönen sunnen glast erswungent!
Ach, nu merkent, ir werden kint, wen ich meine: min herze
meinet den usglentzenden widerglast des summerlichen lichtes der
5 klaren vätterlichen gotheit, den vollen mane siner lütseligen menscheit,
die sumraerliche gestalt siner unwandelberen ewigen wiszheit, wie
gar daz alles so veraltet und verkaltet ist in den ogen und hertzen
der geistlichen menschen, die bis her sin ingesinde hiessen und sin
gemahelvingerlin trügen.
10 Eya nu dar, ir reinen megde, ir schönen rosen ! Wele wil die
schöne jungfrowe sin, wele wil die künigliche ere besitzen und ein
wörmerin, ein pflegerin des geminneten ewigen küniges wesen?
Die trette her für und lasse sich schowen! Sehe nüt an, waz sü
ist oder waz sü ist gewesen, löge allein, war zu er sü von sime
15 gewalte wil machen.
Ach, zarten kint, nu kerent nwer antlit her zu und losent, waz
ich meine! Min herre, der mich zu uwerm hertzen hat gesendet,
daz ich sine botschaft tüge, der ist ein als minneklicher herre; so
wissent ir wol, daz ein glich minnet sin glich, und dar umb neme
20 ich ein minnendes hertze für tusent ander. Es sint ietzc vil menschen,
die tra^rent geistlichen sehin und haut got nie berlich erzürnet, und
1 enpfieiidend mN enpfachent U üch] auch liB gegen] in mN
2 schonen fehU c glast] glancz mN erswingent ü 3 kinder bmNR
4 den — lichtes] das vssglentzcnd lieht fJ widerglancz mNc sonnerichen c
5 volkomen R mane] namm (!) (J 7 alles so] alles also B allet [so] c
[verjaltet ntN veraldet is und verk. [ist] c und verk. fehlt ü erkaltet b
8 [der] geistlicher m. c [sin] Inges, b hiess.] sint geheyssen s waren c
10 darumb mN wele — 11 sin fehlt s wele] wie b 11 schonest U
und welche c die krön der küniglichen er ü die küniclichen eren m
11 f. ein fehlt ßweimal c 12 wermerin sein R und ein pfleg. bmR ge-
minn.] lieben /* geliebten B [ewigen] küniges [wesen] ü weszens (!) R
13 tretend mN har für /w laszend mN sehe] sehent hsU vnd insiehe c
an fehlt b 13 waz — 14 oder fehlt b 14 waz] wa mN gewesen ist h
\\^ge] seh B seiner mN 15 wöll mN 16 zarten kinder rein h uwere
antlitte b her zu fehlt hmNBs her [zö] c zö mir U losent] haben
lieht h hörend mN 16 f. was ich üch sag und was ich meine ü 17 ewTen
mXB 18 ein als] als ein hU als einer mN ein so c minnekl.] lieplicher iJ
19 glich lieb hat sein glich lieb h minnet] liebt R 19 f. so nement [ich] U
20 ich] he c minnendes] liebhabendes h 21 die fehlt c und — erz.
fehlt U nie] me 8 nit hB berlich] schwerliche hmN groszlich B
4 ff. Im folgenden ist Christus (= die ewige Weisheit) gemeint.
8 geistliche menschen = Klosterfrauen, 19 Vgl, die Änm. zu 363,8.
408 Grosses Briefbuch. I. Brief.
des gestent sü sich und lebeut also an hin lewekliche, minnelos und
gnadelos. So sint ander menschen, die in grossen gebresten sint
gevallen und ir natürlichen adel uf die creature hant gekeret, wan
sü vil lihte des geminneten gutes nie befunden. Ovve, wcnne sü
sich aber unib kerent, so tiint sü als die wilden edeln valken und 6
tönt einen frigen swank. Und wenne die natürlichen edeln hcrtzen
denne inne werdent siner göttelichen heimlichi und siner togen
minne, so werdent sü reht wütende in siner minne und ruwet sü
denne und sprechent: „ach, grundeloses gut, las dir geklaget sin,
daz ich dis nüt nu lange ane vieng, daz ich dis nüt von erste lo
wüste; ich han doch nüt in keiner minne funden denne we und
unstetikeit und valscheit, aber nu han ich funden den, des min sele
begert." Und geschiht dicke, so sü ie vergangner warent in ge-
bresten, daz sü in dem minneklichen umbvange ie herzeklicher
umbvangen werdent. 15
Gewerlich, gewerlich, es ist ein friges leben, gotte minnek-
lichen dienen in der wise, als ich es meine, daz ist, daz ein mensche
nüt gange slewenzen; er sol sich alles liebes und leides mit siner
1 gestent] frewend mNli roement c an hin lew. fehlt h an hin]
für sich mX vort an c lewekl.] sleiflferlichen c minnelos] on liebe h lieb-
losz U und trechelich c 2 grosz mX geprechen 7^ 2 f. gev. sint /tJ{
3 creaturen bcmX 4 des gem. gutes] der liebha])enden gotheit und obersten
gutes /i gutes] gottes binN nie] in in U bef. haben h enpfandend mX
owe] und /* 4 f. si'i sich] solliche b sich die c 5 aber] schon h. fMt li
umb k.] bekerent Uli edeln wilden li edeln fddt U und — 6 swaiik
fehlt U und tfint feJdt c 6 und also w. 7/*^" [und] so w. U und wanne dan c
7 denne fehlt c heiraclykeit mXli und fehlt U tugen] ver])orgeuer »i-.V
heymelicher c tauglichen li gnad reichen h 8 minne] lieb liH 9 denne
fehlt h dan ir gebrechen c grundlose gute inXc sin gekl. h 10 daz
— ane vieng fehlt mX dis] dich hli das .v dit leuen c nüt [nu] 1. es
nun nit vil lange U nu [nit] vil 1. h [nu] vil 1. nit 7i* dis] dich 7i* daz hfi
dit guet c von erste] ee c 11 enwest mX doch] dich *• lu'it] nve c,
fehlt fimX anders dan c we we mX 12 und valsch. felilt U [ich]
funden [den] b den fonden c des] den li srle] hertz U 13 geschieht
es mX vergangen weren hs 13 f. gebrechen Xl( 14 uinbvange] umb-
vangen s unibvaher mX 14 f. ie herz. \\va\)\, fehlt s Iierzekl.] minniclicher mX
15 wurdent b 16 gewerlich nur einmal bs werlich werlich hRc 16 f. got
liebhaben, got mynn. dienen R minneklichen] .yiinenclichen c freilich mX
17 [in] der weise auch wie ich es m. h einj das A 18 schlewenzende /'
slentzen s schlewen U slewszen h slowssen oder schlaffent li [gange] lasz werd
mX I gange] in sal sleiftorlich vnd trege syn c
3 Vgl. Vita 137.rtf. 12 f. Bnhel 3,4.
Grosses Briefbuch. I. Brief. 409
emsigen minne ergetzen, wanne minne und liebe machent al
ding lihte.
Ach, min lieben kint, nu han ich üch in mime hertzen ge-
lichet zft den lutseligen minneklichen rosen. Und wie daz sieb der
6 ros dem himeltowe lange habe vor beschlossen und sich gegen der
vinstern nabt, gegen dem kalten riffen, hab uf getan in siner natür-
lichen lütselikeit, doch so begert der überminnekliche veltblftme,
der lütseiige herre aller herren, daz ir wolstenden rosen werdent,
da mite sin götlich höbet finlich gezieret werde. Und erscbreckent
10 nüt! Wanne so ir ie berlicher entferwet und entstellet siut in
üppigetn lebenne, so man sine ewige wiszheit und sine grossen
erbarmhertzikeit an den wunderlichen zügen ie bas erkennet und
vor allem engelischen her wirt gelobet.
Zarten kint, wer wil das trurig ertrich, den blossen walt, die
15 dürre beide noch hure so lütselklich ergrünen und so minneklich
zieren, die ime ietze in dem winterlichen zit so unglich sint? Wer
mag daz erzügen, denne der minnekliche herre, der ietzent vor
uwerm hertzen stat und gemahelschaft begert? Eya, tfint uf, tönt
uf dem zarten herren uwer hertzen, bietent ime die haut und lögent,
20 obe ir üch uf ertrich ie so hoch gefründeten? Man liset, do der
kneht, der Isaac umb ein frowe warp, do der zfi ir kam, daz die
1 einziger hhs stetigen mN minne, das ist mit got /* minne
(zweites)] die gnade h [minne und] lieb machet U 3 f. gelichet /«/*/< h
4 zu fehlt c lüts. und zu den minn. rosen h und fehU es wie doch das
?imNH wie das sy das sich U der] die hchmNRs 6 d. himelischen
t. Hc vor beslossen habe s h. [vor] verschlossen ü fAcYi fehlt mK gegen]
vor h nach mN 6 gegen] und nach mN und gein e. siner] irer lic
6 f. natürlichen] lewtseligen li 7 die überm, veltblömc Rs überwunic-
lich mN 8 werdent] verdynen h 9 das damit /* gotlich fehlt c
finlich] zirlich h 10 nüt fehlt ü ir] er s berl.] gröszlicher E bloisse-
licher c sint] sin s werdent U 12 barmhertzikeit hR den] dem mN
dison s 13 gelobet] gelost mN 14 wer] wie mN blossen] brossenden U
15 erirrünet h 16 ime] nu sc in m ietze fehlt bcmN in den w. ziten b
17 erzaigen mNU herre fehlt hRs 18 uwern hc gemah.] f renn tschaft mN
soichet vnd begert c tänt uf nur einmal bhRs 19 herren fehlt bcmN
hertze hsU und biedet c hendt R 20 oh er euch ere, der so hoch ge-
freundet ist mN ir] er mNU gef rundete shU do] so /* doch dat c
20 f. der kneht fehlt U 21 Hier fehlt mN der dem I. hR der (sweites)] er R
If. Vgl, Augustinus, De bona vid, c. 21: nullo modo sunt onerosi labores
amaiitiumj nam in eo quod amatur, aut non lahoratur, aut et labor amatur,
3 f. Oben 407,10, 13 Subjekt zu gelobet; seine Weisheit u, Bai-nüierzig-
heit, 16 ime bezieht sich auf herre (Z, 8), 20 ff. I Mos, 24,
410 Grosses Brief buch. II. Brief.
frowe iren willen gar geswinde da zft gab. do sü horte, daz es
gottes getat was; sü sprach balde: ja. Es was ein wunder. Sri
lies balde vatter und mfiter und alle ir frunt und für in ein frörn-
des unbekantes lant, su fürsorgete nüt alle wege, sü bevalch sich
gotte und wägete es; und von der kommen och die heiigen gesiebte.
Nu sint ir ettelich ietze also fürwitzig, daz sü vörhtent, do kein
vorhte ist. Der der ewigen wlszheit wil pflegen, der mfis es wagen,
und mus menschlicher witze ein fries urlop geben.
IL Brief.
Regnnni mnndi et omnem ornatnm saecnli contempsi propter lo
amoreni domiui mei Jesn Christi.
Disen frölichen reigen und jungfrowelichen uszog der uss-
erwelten gottes gemaheln von der valschen weit in ein himelsches
leben, do ich den ob mir horte singen, do gedahte ich also: der
mag wol liep frolich lassen, der ime selber ein liebers hat nnib- 15
gangen. Und daz ist mir gewerlich hüte beschehen. Dar umbe so
sie dir, valsche weit, ein friges urlop von mir gegeben! Lügent,
alle minner, der weite spil! Ich hatt einen schatten nmbvangen,
ich hatt einen trom gemehelt, ich hatt den won besessen. Eya, \va
nu des wones bilde, des trömes gelübede ? Hette ich dich nu tusent 20
1 dar zu UmX 1 f. das es were der wille gottes h 2 getatj orde-
iiuiig mX 3 lies [balde] b 4 fiirsorg.] versorgete I{i> sorget mX für 011 e
sorge h mit fehlt h 5 kam auch daz heilig gesl. mX 6 ir] ewr i»',
fehlt ch ietze fehlt c sü fehlt N 7 vorhte) fürchten mX Der]
Wer cinN ewigen fehlt niN 8 witze] wysen c wetz mX Weisheit h
IL Brief (= Kl BJb I). Hss,: b c d g h n li s s' U z. In bU fehlt
der erste Teil bis 413,17 und der tSclduss von 416,3 an, in g der zweite Teil
(413,10— 416,2(J), in n der Sc?du6'S von 416,2'^ Daz ander an,
10 propter — 11 Christi fehlt ghU 14 hört ob mir g 15 [liep]
frolich sin und lät^sen z 16 werlichen nc geschehen gne so fddt cd
17 [dir] der valsclien hlis^ din-e valschen .<? Ifigent] sehent und bekennent g
18 spil und ir hetrügnüst ! von ir so mag ich wol sprechen: ich hat . . . </
schatten] Schemen d 19 einen trüwen gemachel .v^ gemeh.] gen ime ge-
hebt z den] einen s eya] ach g owe n 19 f. wa ist nun konicn des w.
b. und des tr. g. g 20 gelubte und dez schatten vmfange n
14 ff. Sense sj/richt im erstell Abschnitt drs Brief es in der Person der
Adressatin, welche eben die feierliche Profess abgelegt hat.
Grosses Brief buch. II. Brief. 411
jar besessen, waz wer es nu? Als ein Sgenblik balde da hin!
Diner natur eigen ist ein hinscheiden. Ich wonde dich han umb-
vangen: wie bist du mir verswunden! Der dich nüt lat, den last
aber du; der dir nut git ein willekliches scheiden, dem lonest aber
5 du mit eime leitlichen scheiden. Owe, du mörderin! Dar umb adi,
ade, got ^^nade dir hüt und iemer me! Trüge, die dich not er-
kennen, du trügest mich niemer me. Regnum mundi etc.
Owe, kint mins in dem alraehtigen gotte, nu höre och, waz
ich zu dir spriche! Gedenke, gedenke, daz du alle dine fründe
10 und ere und gfit mit besinnetem mute hast uf gegeben, und bis
veste in disem willen! Tft nüt als etteliche torahten- megde, die
sich glichent den ingeschlossenen wilden tieren in dem tiergarten:
so man den die tor beslüsset, so guggent sü durch die züne us.
Die do sint halb usse, halb inne, we, we, waz verlierent die grosser
15 arbeit mit kleinen Sachen! Got dienen ist in ein kerker, geistlich
zuht ein enge notstal, und dar umb, do in der öpfel nüt mag werden,
do ginont sü gegen dem smaeke. Für die rosinun schappel legent
sü uf gefloriertü tücher, und won sü den roten scharlat nüt mügen
han, so prisent sü sich in einen wissen sack, owe, und für die
20 liplichen gemahelschaft so nement sü die zit verlierenden, die hertze
berobenden, die alles geistlichen lebens zerstörerin: zergengliche
früntschaft. Daz in mit werken verseit ist, daz niessent sü mit
Worten, und daz unmuglich ist ze geschenne, daz habent sü mit ge-
denken. Sü versendent sich mit wünschenc und einredent mit den
25 inren bilden reht als ein türstiger mensche, dem von kalten wasser
1 waz — 2 hinscheiden] daz war alsbald da hin als ein ogenblik won
diiior natur aigen ist vnd zö gehorlich dz hinscheiden g nu nicht anders denn
ein Gg. [balde da hin] n 2 ich w. — 3 verswunden] ich gedacht ich het dich
bt'griffen so bist du mir unter den henden verschwunden n wone 8 wolt kB
4 dir fehlt ss 5 morderin owe du felscherin n 5 f. ade ade dits aide
aide gk 6 f. trüge — erkenn, fehlt ch trüge — niemer me fMt d be-
kennent e 7 niemer] nit gn 10 [und] ere chlta^ uf] und (!) 8 und
— 11 willen fthU n 12 glichnend e dem] den cä* 13 tor] tür *'/*
14 die do sint] und sint also gn halbes . . halbes 8 und halb i. chnRs^
die] solch person n 15 nu merk : got d. g in ft^hlt dh 16 do] so g wa n
(lasz lid w^erden mag gn 17 gegen] nach lis^ rosen cdhnUas^
18 won] wenne hnlUs^ Scharlach nÜ mohtent z 20 lieplichen dghUsz
so fehlt cn verliszen nE 20 f. verlierinen . . . beroberinen <7 21 f. zerst. sind
und zergenglicher fr. z 22 Daz — 23 f. gedenken fehlt cdhl<88^ 23 f. mit
gedenke z mit den gedenken gn 24 versenen nR versehen ch versenkent z
versinnent s* enredent 8 redend n akoisent c
412 Grosses Brief buch. II. Brief.
tromet; und 80 su es hin und her an gelegent, so verswindet es und
vindet nüt me, denne ein lere haut und ein truriges hertze. Sü tünt
als der altvatter, den da glustet eines langen mantels; und do er
ime nüt moht werden, do leite er da für an eine lange matten, die
ime uf der erde nach gie, und Ifigete ie hinder sich, wie wol sü im 5
stünde. Also sas ime der tüfel hinden uf die matten und spottet
sin und sprach: „arm man, mßhtest du me, du tetest och me!"
We, got von himelrich, ist daz nüt ein armes leben, ist daz
nüt ein vorhof der helle, die weit nüt mugen han und gottes ane
sin, aller diser weite tot sin und doch geistliches trostes berobet sin, 10
beidenthalb, gegen gotte und gegen der weite, verlorn han? Wie
werdent die so reht lasterliche stende an enr weit vor iren fründen
und vor aller der weite! Wie werdent sü sich selber vor leide
gnagend, daz sü sich mit so kleinen dingen so grosses unmessiges
gutes lieind berobet! 15
Owe, kint mins, aber gotte frilich und frölich mit einem Intern
hertzen dienen, eya, wie ein wunnekliches leben daz ist! Ach, daz
wunnekliche, minnekliche gftt umbvahen mit eime vollen hertzen,
Avie ein lustlich ding daz ist! Du solt wissen, und enweri kein Ion
nach diser weite, es lonote ime selber. Sich, sü gant uf ertrich und 20
wonent in dem himelrich. Eya reinekeit, wie schön du bist! Niemau
dienen, nieman denne gotte leben, wie fri du bist ! Ach, zarter herre,
minnekliche wiszheit, dich meheln, minne durch minne lassen, wie
1 [und] so z versw. es uud fehlt g 3 altv. von dem man list daz
in ^lust g 4. 6 matzen hufi uatte d 5 der] die dsz 6 hindenau dUft
uff den nacken (!) «* 7 sprach do ss^ [du] so tetest h.s^ och fehlt dhnUs^
8 owe cdlis^ daz (zweites)] dis gz 9 vorloff g 10 aller d. w. — doch fehlt hU.
— her. sin fehlt s^ weltliches und götliches trostes hl< (vgl. Kl Bfb 36:^,6)
sin (zweites)] sint sc 12 lasterl.] schamlich g enrj gyner ä* vor i. fr.
— 13 weite fehlt g 14 nagen s fressen n verzoren und zernagen g 17 wie]
wel z wie gar n wunnekl.] mynneklich nlis 18 wunu. und minnekl. dh
mit — hertzen] mit den armen des hertzens imd der andacht n volkomen h. g
19 wie] wer s wol z weilch d wie gar gn Du s. wissen ./VA?^ .v wwd. fehlt dhh
were gnll,s einkein z 20 es helonte sich uff dem ertrich [selber] g uf
dem ertrich ghuR 21 wonent doch gn 21 f. n. dienen denne got gss^
22 n. leben denn got allein gc n. denn got allein 1. u
2 vindet = viudent (Kl Bfb 361,:^U), 20f. Vgl. Phil. 3,':0. 23 Welt-
liche Minne um der ewigen willen lassen. Vgl. Mtchthild v. Magdcb. 40,6.
Grosses Briefbuch. II. Brief. 413
rehte minneklich daz ist! Dir willeklich dienen, wie ein süsses
joch, wie ein lihtü burdi daz ist!
Herre, sü sprechent, du gebest liden. Eya liden, eya froliclies
liden, daz mich dir mag gelieben, daz dich mir mag vereinen! Herre,
5 min zarter gemahel, der reinen sele ein einiger geistlicher umbvang,
in dem du in eime ogenblicke tusent stunt von der minnenden seien
wirst umbvangeu, verwiget alles liden. Herre, wer ist in zit äne
liden V Gewerlich, nieman uf ertrich! Wie hoch die bürge sint,
wie wit die stette sint, noch rot mentel noch vehe kappun mugen
10 des vor gesin. Lögi*, du sihst es mit reht an: daz glentzent ist in
uswert geslagen, aber daz smertzent ist in inwert geslagen. Eya
dar umb, du zarter herre, sol ein mensche nüt ein klein liden, daz
er dich mug erwerben, daz er in daz schöne wunnekliche leben
muge komen? Und hette sich eime ein vinger erhaben, er müsti
15 liden, untz er im wurdi us gelassen. Herre, von den dingen sich
des ersten brechen, daz tfit we; dar nach wirt es lidig, ach got,
aber hin nach wirt es lustlich ob allen zitlichen dingen.
Min kint, du solt dich fiissen gemeiner haltung dines ordens,
und vor allen dingen solt du dich flissen, daz du zitlich zu kor
20 gangest und zuhteklich da standest mit ernst und mit andaht, und
1 Dir — 2 daz ist tiach 8 bürge sint (!) z willekl.] gewilleklychen ad
miiiiienklicli sUi lieblich h frölichen n wie] wel z 1 f. ein süsses ding,
jocb wel ein 1. b. z 2 und \\ie e. 1. b. [daz ist] hRs^ lihtü] süss gd
4 gelieben — mag fehlt a^ 5 min einiger zarter gem. z einiger fehlt z
7 überwiget ghUs^c Herre — 8 liden fehlt hlias^ 8 wärlich gnc
9 noch rot m. — 10 gesin] wie rot die mentel sint wie vehe die kürsen sint,
noch mügent sie nicht vor sein dem leiden n noh ist liden da, es mugent weder
rot mentel noch guldin da vor gesin g vehe] bunte cd rot 8^ 10 in
fMt hli 11 uswert] us gn aber — geslagen fehlt da schmertzen e
in fehlt ghUs^ 12 du] min e herre] Jesus g 13 wunnekl.] mynnek-
licbe nliac land und leben z 14 einem ettwas we in einem vinger jK
erhaben] gesworen d erb. und weit schweren g erb. daz er swer n 15 es
leiden R sich liden d liden haben g den] disen nc 16 daz fehlt nc
aber dar nach gn 17 hin nach] ze dem lesten so g dingen pis an daz
ende, dammb Regnum mundi et ommem ornatum etc. n 18 rote Uberachrifl:
wie er sy lert zu jeder zitt wie sy sich halten soltend ü dich zu dem ersten
raole 11. b gemeinü z 19 solt — flissen feJilt c 20 zühtekl.] zitlich ba
zierlichen c getzogenlichen n da] zu kor ?iR
6 f. Vgl. Vita 16^7 jß^, 14 f. Seuse illustriert an einem Vorgang de^
t ('f glichen Lebens die Notwendigkeit des Leidens: seibat eine Schwellung am
Finger niuas ertragen ioerdeti, bis der Eiter durch operativen Eingriff entfernt icird.
Ein ähnliches Beispiel gebraucht Eckhart SOO,i:iff.
414 Grosses Brief buch. II. Brief.
nüt dicke us loffest; du solt dich selben negeln iu den stül, voll U8
ze stennC; und sanderlich die messe in der minne, als Cristus voll
as stänt an dem krütze. Du solt under dannen nit anders tun, so
du nit siech bist, denne daz och der covente tut an singen und an
lesen, daz du dinu zit denne mit sprechist, daz du dar nach deste 5
lediger siest, noch kein ander langes gebet tun, daz dich des singens
m6hte ierren.
Das ander, kint mins: du solt dich hüten vor gehem zorn, daz
du nut entwegen werdest mit zornlicher geberde gen dien swestern ;
wan als dicke du dinen willen brichest an zorn, als dicke wil dir 10
got ein sunderlich kröne geben. Und ein nüt rechen, da du dich wol
roöhtist rechen, daz ist reht, als ob du im hundert march opfretist;
verhab dinen munt und lass es in dir ersterben, so wirt es dir liht.
Das dritte, daz du dich stillekliche haltest; daz zieret einen
geistlichen menschen als ein lichter karfunkel daz guldin gesmide. 15
Etlichü menschen sint als unrüwig, daz sü niena gerasten mugen,
und durloffent daz closter mit unrüw und gebrehte, daz man sü
dicke e höret, e man sü sehe. Senftmütig geberde und stille rede
gezimt gar wol eime seligen menschen.
Daz vier de, daz du dinem offenen munt ein sloss an slahest, 20
^az du gewonest, daz du die porte niemer uf getügest, du habest
denne notdurftigü oder nütze sach, und mit urlop etliches guten
menschen, den du in dime hertzen ze hüter solt setzen; und nüt
1 dicke iiüt s^h 3 Du — tftn fehlt hs 5 diner zit bhu dyiie ge-
zyde cd mit] nit dhnRs^Uc, fehlt bs 9 entw.] erwegt Jis^ bewegt uTc
intfredit d dien] dinen dhUc diseu s 11 nüt] mit .v 12 ist im hRs^
im] nu hs 13 munt] mnt U iinmut s in fMt z 14 dritte] ander b
16 geistl.] guten Uz goldgesm. hEss^ü 16 niena] niergend hcd nie-
man sU nymer hRs^ gerasten] gebasten z gebesten U gestan h geruwen
hRss^ mugen] künnen dsc kan ü kunnen noch mugen ß 17 dur loffet z
18 dicke fehlt dz [e] boret bs siht Rna^ 19 selig.] gaistlichen Cc
20 dirte b 21 wonest dns niemant hRs^ 22 denne fehlt da not-
durft Ra^U oder] und Uz aller s 23 zu eime hiiter ss^n setzen solt z
3 f. Vgl, Regula S. August, c,4: in oratorio neun) agat, nisi ad quod
est factum, unde et nomen accepit, 4 f. singen = die kanonischen Hören,
das Offizium (= zit, vgl, 416,1) singen; lesen = rezitieren. Vgl, Grcith 40()ft\;
Viten von Töss 41,78; 61, 1.1.44. 6 lediger. In den Constituiiones Sororum
ord, Fraed, c. 17 (Holstenius-Brockie, Codex Regularum IV [lliW], 134)
toird als levis culpa aufgeführt : si quae designatum sibi legendi vel cantandi
officium nun attente compleverit, 22 ff. Vgl. Vita 38,5 ff.
Grosses Brief buch. 11. Brief. 415
reden, dich duhti denn, und weri er gegenwärtig, er gebe dir urlop,
und solt denne reden, als obe er gegenwürtig were.
Daz fünfte ist, daz du uüt zfi ieder 8 wester loffest und kurtz-
wile und sunder gesellscliaft an sü suchest. Du solt dien holt und
5 heimlich sin, die dich gebessron mugent und die selben götlichen
wiae och begerent zu füren.
Zwei zit des tages sont dir sunderlich kostper sin: nach metti
ein gut vvilli mit gotte vertriben in sunderlichem gebet mit einem
ordnen und fürsaz, wie du den tag wellist vertriben nach gottes
10 willen und dinem geistlichen nutz, und nach complet, wie du dich
des tages in allen dingen habest gehalten; und umb daz gut lobe
^'ot, umb daz sumig und gebresthaft habe ein missevallen mit eime
guten willen zu bessran. Und gang dir dis alles nüt zu allen ziten
wol zu banden, dar umb soltu nüt verzwifleu, lass allein nüt abl
15 Kunstu nüt ze aller höhst uf den berg, so wirstu doch uf dem weg
diner ewigen selde funden.
Zwei ding soltu och han, die dir gar nütz sint, daz ist, daz
du emsklich mit ünsers herren marter umb gangist; und so du un-
bedahteklich umb den krützgang gest oder ob dime werk sitzest,
20 ach so sprich: „min geminnter herre, waz tüstu ietzo, wo bistu ietz?
Zarter min herre, kume zu mir, sitz bi mir, gang mit mir und
gescheide dich niemer von mir!" Daz ander: du solt sunderlichen
unser lieben frowen und unser zarten müter, die himelschen künigin,
1 duiicke hRss^Ud und fehlt cdn ze gegenwürtig s er gebe
— 2 were fehlt h 2 obe] als &, fehlt z 3 daz vierde daz ist h 3 f. und
kiirtzw. fehlt Uz 4 sunderlich hss^ Ucd gespilschaft s^ U an sü such.
fehlt hü dien] disen 8 dem 8^ in allen n 6 füren] sfichent üz suchen
oder ze füren n 7 sint hRs^ dir] ir h88^ U sin fehlt hRs^ 8 ein
zit gfite w. 88^ einem fehlt cU 9 fürbas (!) z nach] in hc mit U
11 in allen dinen dingen h8 gehebt z 13 gang] gat hchn nit alles nUd
zö allen z. nach 14 banden z 16 diner] der rf** selikeit nUs^ 17 die
— sint fehlt U och gar bcd8U daz ist fehlt ch 18 eintzliche 8
marter] leiden hn 19 tisch oder werk hRs^ 20 herre zweimal hhR8U
wo b. ietz fehlt s ietz feJdt C8^ 21 min fehlt hRs^ sitz] siest 8 bi]
zu z gang m. mir fehlt 8h 22 besunder z 23 lieben fehlt bc88^ ü
7 ff. Vgl, Kl Bfb 383,13 ff, 19 werk = die gemein8ame Handarbeit
der Nonnen, das Spinnen im ,werhhti8^\ vgl, Viten von Töss :26,32: 34,16; 61,26:
xcenn man ze tverk lut, u, ebd. 29,2 f.: 59,38 ff., was vo7i Mezzi Sidicibrin und
Sojjhia von Kling nau erzählt wird.
416 Grosses Brief buch. II. Brief.
liep han und ir metti und ellü ir zit ordenlich sprechen. Gewerlich, nim
si zfi einer sunder möter in allen dingen, so kan dir niemer misse-
lingen. Du solt XV Salve Regina sprechen in diser begirde: die ersten
fünfe in der minne ir V sinnen, mit dien sü flisseklich und wirdeklich
und minneklich ir kint gedienet mit ir zarten ogen, mit ir reinen g
munde, denn im ie kein luter creatur gediente; und bitt su, daz sü
dir ab leg, wa du in mit dinen V sinnen ie erzurndest. Die
andern V allein dem leide und sunderlich dem aller bitterlichsten
liden, so sü hat mit ir kind: daz erste der ersten stunt, in der sü
innan wart ir hertzeleides, daz ander dem sehen sines eilenden ic
nssfürens, daz dritt dem anblik sines abziehens under dem krütze
und des annegelns, daz vierde, do si in also toten von dem krütz
enpfie, daz fünfte dem eilenden weg, den sü tet wider hein von ir
toten begrabnen kinde. Die dritte V den V usgenomen frSden:
die ein, als ir die hohen mär wurden gekündet, daz ander, als sü 15
den himelschen keiser gebar, daz dritte, als er ir frölich erschein,
do er von dem tode erstünt, daz vierde, als sü in frölich sach zft
himel varn, daz fünfte, als sü mit lip und mit sele in die himel-
schen fröde enpfangen wart.
1 ellü fMt b 2 nim si] das sü myn sye (!) s myiine si d 3 f. ersti
fiinfi z 4 iren hRszd dien] disen hs 5 dienet zH ged. hat s^c
6 denn — ged. fehlt s^ luter fehlt dhRs 8 allein] cdR sunderlich
fünf dhBs dem] den cdR disem s 9 sü es hat s^R mit] an ,s^It
das erste — 14 kinde fehlt s^ 12 daz vierde — 13 enpfie fehlt cdhRs
13 dem] den da 14 den fehlt s V (zweites) fehlt dhRs^ 15 mär]
botschaft 8^cd verkündet hRss^ 15. 16. 17. 18 daz ander . . . daz dritte . . .
daz vierde ... daz fünfte fehlte dafür viermal und hRss^ 16 keiser]
kunig hRs^ 17 von d. tode fehlt chRss^ sach frolich z 17 f. ze
himel sach hR 19 froiden sh
1 Die TJominikanemonnen haben täglich ausser dem gewöhnlichen Chor-
gebet das Officium de Beata Virgine zu verrichten (Gonsiit, c. 1). 9 if. Vgl.
Vita 35,31 ff.; 36,16 f, Qlf 15 die hohen mär von der Menschwerdung
Christi. 16 Über die Bezeichnung von Gott und Christus als keiser odep-
künec vgl. W, Grimm, Goldene Schmiede JS4(J, XX VI, XL VII.
Grosses Brief buch. III. Brief. 417
III. Brief.
Snrrexi^ nt apeiirem dilecto nieo.
Also stat geschriben an der minne buch : ich stAnt uf, daz ich
minem geminneten uf tet.
5 Eines rehten minners art ist, daz er niemer ab lat, wie dick
man ime verseit, untz daz er sin gemintes liep nach wünsche er-
worben hat. Ach, ewige wisheit, wie bistu ein so hoher meister,
wie spilest du so togenlich der minne spil, wie kanstn so wol tagen !
Gewerlich, alle die minner, die ie wurdent uf ertrich, die sint gegen
10 dir als ein niht. Wer wolte so lange nach gan als du? Weler
wolt als gedulteklich beiten als du? Weler wolt vergüt haben, daz
man in als dik vertribi, als du, zarter, truter, geminter herre und
gemahel aller minnenden seien? Und dar umb so neiget sich dir
min sele, wan du bist daz gut, daz mit siner guti alle verreheit ze
15 im zühet.
///. Brief, Hss.: b c d g h m N n R s U e,
2 Rote Überschrift: wie man sich soll schicken zö der liebi gottes ü
nach meo: Canticorum g caü V n 3 an der minnenden sei böch gmN an
dem b. der lieb hR in dem b. der mjnnc n 5 f. wie dick man im versaget,
daz er noch nymmer ablat n abe gelat gs 6 untz] bis hmNcd daz
fehlt Hz nach w. fehlt d nach wünschen mN nach allem wünsche n 7 wie
— meister fehlt z, dafür nach 8 spil: du hoher meister z [wie] bistu gll
ein so] so ein viNn alszo ein 7* so gar ein g doch so ain U 8 du [so] mN
so gar tog. g togenl.] tugentlich h heimlich mN verporgenlichen n wie
k. s. w. tagen] wie kant it gesagen d so gar wol g tagen] taugen hm
togen N tavgenlich ümb gen R 9 werlich n w&rich (!) g alle [die] n min-
ner] meister bcdhmNRs hie uff disem e. n 9 f. gegen dir ze schätzen reht
als e. n. /* 10 als fehlt g ein fehlt hU wolte einem n also 1. b als
1. mN 10. 11 weler] wellicher hs wer mN 11 als] so h gedult.] ge-
tiiiweliche b als du fehlt bmNnRaU för gut bcgmNs 12 als dich du n
truter] getruwer h, fehlt bdgs 13 minn.] gemynneten hdghs liebhabenden R
und — 14 sele fehlt d neiget] nahet mN ze dir ^ 14 sele] hertze n
daz do mit n verreh.] yerrikait g worheit sU freiheit hR alle weit mN de
werelt d
2 HoheL 5,6. 8 der minne spil, der weltlichen Liebeslyrik entlehnter
Aufdruck, vgl, Strauch, Ad, Langmann 93,^1 u, Anm, S, W4; Bdew ^34,11 ff.
— tagen wohl = tagen, tougen, tugen, angemessen, passend sein (Lex. 11,1569:
Wnnhold^ Alem. Grammatik § 33 u. 38^), schwerlich = tougen, tougenen, heim-
lich tun (Lex. 11,1482).
H. Seuse, Deutsche Sohrifteo. 27
418 Grosses Brief buch. UI. Brief.
Min zartes kint, mich wil niemer gewundern, daz sant Gregorius
sprichet, daz die heiigen in dem himelrich sunderlich fröde dar ab
gewinnent, so ir sunderlich lieben fründ von disem eilende zu gotte
koment, won mine sei hat der fr5de ietzo einen anfang an äch von
der sunderlichen necherunge, in der 6ch got zu ime hat gezogen. 5
Eya^ min kint, gedenkent an die alten tag, nement her für die
alten jar und lügent, wie rehte lange ir geschlaflfen haut! Oder ist
es nüt alles sament als ein trom gewesen, da mit uch do nach
üwerm dunk so wol was? Owe, valscher trSm, wa nü din gflt ge-
heisse? Stant uf, kint mins, staut uf, es beginnet ziten! Din ge- LO
mahel, den du so dicke von dem betrogenen last der tröme vertribe,
der wil nüt ab lau. Gedenk, ob ie kein frowe so lang verseite,
frag din minnendes hertze, waz der minne reht si. Gedenk, waz
da von kumt, der sinen guten fründ zu lange reisset. Tu uf die
tür, schlüss uf din hertze, läss in den geminten, ergetz dich mit 15
1 zBTtCB fehlt n wil mich z verwundern gmNnU daz] als n
daz da ^ 2 in dem] im U sunderl. ftJilt d dar an g da von n her abe h
3 sunderl.] besundem h lieben fehlt g 3 f. zu got und zu in k. n 4 min]
sin 6r 4 f. hat ytzunt der selben fröude ein wenig enpfunden an dir von der
sund. neherung, in der dich got nu hat zu im gezogen n frouden bcgmX
letz gmM ietzent hs 5 nahunge(n) bhs nehung R neigung mNc hevmlicheit d
6 eya] ach g mine b gedenk mNn 6 f. nym . . . lug ... du ?/. .v. w. Singular
fast durchweg bis zum Schluss n 7 alten] aller (!) s rehte] gar mN lange
fehlt U oder] ob mN, fehlt n 7 f. [ist] . . . gewesen sey mX 8 alles
[sament] gmNn recht als n da mit] dasz h do] doh g, fehlt bchmXnll
8 f. nach üw. d. fehlt n 9 dünken bcmXBU bedunken h hie vor so w. mX
so] also n gar g wol fehlt b was] gewesen ist mX Owe — geh. fehlt h
Owe] 0 z owe nun U wa nu wa nu dmX wa ist nu gnJi 9 f. geheiszen
mX verheiszen n 10 ste auf k. m. ste auf Rn uf (zweites) fehlt z 10 f.
wan dein gem. n 11 bis her also dick n von dez lustes wegen dises be-
trogen traumes n v. den betr. lüsten U vertribest R vertriben hast
ghmXncd 12 ie] nye h ie k. frowe] eynich mynner d verseit hRsd
versaity U verseitt hab g habe versaget als du « 13 frage nun selber n
din — si] dyne minne oflf sy recht si d minne] minner g 14 da von
Schadens k. der do n guten] gemynden d reisset] verzieh ett II die]
din gR 14 f. das tor h 15 schlüss — hertze fehlt h und lasz in h den
gem. deiner sele n 15 f. erg. dich mit im in ewiclicher hertzl. m. mX
1 ])ial. IV, 33 (Migne 77, 373 f): boni bonos et mali malos agnoscunt :
. , . in qua videlicet cognitione utriusque partis cumulus relribuUonis cjcrescit,
ut et boni amplius gaudennt, qui secum eos laetari conspiciunt, quos amarerunt etc.
6 ff. Das folgende bis Schluss auszüglich in Brief I (Regnum mundi) des
KlBfb 362,20—32, 9 f. Vgl. oben 410,19 und Bruder Wernhers Lied bei
V. d. Hagen, Minnesinger 11,233. 10 Vgl. Is. 52,1: Rom. 13,11.
inneklicfaer hertzklicher minne des langen zites, daz du versnmet hast!
Der Binem geminten spat uf tftt und hertzklicher minne pflegen wil,
der bedarf wol eins geewmden ilens.
Min kint. es ist nüt umb iicli ala umb vil andrü bertzloee
5 menschen, die weder got noch die weit minnent; der ewige minoer
wil üwer iiertze haben in allen dien zagen geiBtlich, als es muglich
were nach siner naturlichen art sich keiner creatur zfi gebenne.
Ir Ront ndt wennen, daz ir minne ein nrlop süllent geben; sehend,
die da spräcbent, daz sii üch licp bettint, gewerlicb. bü künden nüt
10 ntinnen. Owe, ir sint erst nmbgeben mit dem geminten liebel Und
wer üwer herfze von minnen als daz grandios mer, daz würde alles
von dcB schönen minners minne uss gesogen; nnd daz ir minen
Worten untz her nit woltent geloben, des werdent ir nu selber
enplinden. Cnd dar umb, alle die wise, die ir vor kertent uf daz,
IS daz do zitlich was, die verkerent nu geutzlich in nnwer wise in daz
ewige geminnete gftt!
1 iunekl.] innerlicher U dazl des /imA"»iI die e dn im pis her ver-
saget hast fi 2 le spat » uud doch n 3 tarff mN i<;esvi,] behenden n
i mal' ücii] mit tbs n vi\ fehlt dgni ander vil hHU hertzl.] gotiose et
6 recht luinneut n 6 üwer h.] fre; hertzen mN die hertzcn » dieo] disen «,
fehU n ^iatUeben zügeii n aU es — 7 geheime] er wü »Ih vtJ 8Je ver-
tuilgent nach irer nat. Hit duz sie sich keiner er. gehent ti also vil [es] hmN
7 keiner] einer R 8 du aolt nit w- daa du mjnnen sullest ein u. g. n nftt]
mich (!) e ein fehlt g sftllent ein n. g. s geben gitUent hU a^bent
an j^ 9 die die gn da] etwenn mN sprechen R wfirlich g en-
fcundeD dhic enkännent Ei kunnent g cwcb njt hR nüt] nie g 10 minnen]
lieb haben mN owe] wenne h a sint] dn pist n erat] aller erat mN
ua alre eirst.en A 10 ff. mit dem rechten gem. 1. Tmbgeben, wan wer dem
herta als daz grundlose mer, es wurd von der acbonen mynne diae» mynnera
auBs geaogen ti 11 hertze] minn g von minueD JthH gnU [daz] so
wurd üch all g alles] also b 12 von des schönen und lUBÜicben minnera
minn g minne] lieb mN gegossen (!) mNd und — 14 enpf. /«Alt
bcdhmNRs und fehlt n umb daz daz ^ 12 f. du . . . wollest . . . wirst du n
13 nutz] pis gii nit] nie z geloben /e/ili * des] daz ntf nu] min g
14 enpfindeut i {und] dar umb mein kint it wiae] lieh g [die] du vor-
kert hast n vor kert.] vor keret M verkertent s dar vor kertent U haftend
geleit g daz fehlt liR 15 do] bo », fehlt U 15 f. daz soll dn nn gantz
keren in disea ewig gemjnnt gut Ameu n verker.] kerend U legend g in n.
wiae ffhlt nU nuwer] ewer h in] \ifS gV 16 ewige fihlt U gute mN
12 f. Vgl. Kl Bfl> 384^3 f.
420 Grosses Briefbuch. IV. Brief.
IV. Brief.
Habitabit Inpns cum agno.
Die vvil die natur in irem natarlichem loffe was, do hat ein
iegliches tier daz sin werk; do aber der heiTe der nature her ab
kam, do wolt er würken nüwe wunder, der wunderlich got, und 5
machet daz wilde zam und daz grimme senftmütig, als der lieb
Isaias hat geseit. Der seit, daz ein wolf solte wonen bi eime
schäfflin und ein b&re geweidet werden bi den kelblin, und ein lowe
solti als ein rint fftter essen, und ein vil kleines kindelin sölti ir
huter sin. 10
Hörent nüwe wunder, die hüte und alle tage gesehehent in der
sele, da daz liebe kindeli in kunt: da wirt der wülfin mensch ver-
keret in senftmütikeit und der zornig in stillheit und der grimme
in ein süsse miltekeit; daz da hochfertig was, daz wirt demütig,
und daz da unlidig was, daz wirt gefellig, wan do sich die hohe 15
gotheit als gar hat genidert zu eime kindlin, wer wil sich do uf
biegen ?
Ach, zartes min kint, ich las einest ein wort in der geschrift,
daz beginne ich erst verstau, daz ist: liebi glichet unglichü ding.
Wan liebi bringet sin selbes Vergessenheit, und benimet, als vil es 20
mag, alle zweiheit und schlüsset in einvaltig einberkeit. Dar umb
malet man fro Venus ogenlos, wan sü in liebes 5gen machet ein
gebürin zft einer keiserin und ein keiserin machet zu einer gebürin.
Eya, nu schowent alle, ob daz wunder sie! Mag daz die arm Venus
geleisten, owe, waz sol denn die zart minneklich minne der ge- 25
IV. Brief {= Kl Bfb II). Hss.: b c d g h n U s z.
3 in] an hhs 4 daz fehlt cdghUs seine hli sin uigen w. gc 7 g-e-
sprochen gc eime] dem g den z 8 und — kelb. fehlt hli 9 also ein
rint solti ad vil fehlt hU 11 nüwe] nä wie (!) * 12 liebe fehlt gz
13 in ein stille s 14 ein s. milt.] senftmütikeit bhlts daz da hochf. —
demütig nach 15 daz da unlid. — gefeilig hUs daz [da] hochf. dhlt 16 und
fehlt hnUs da fehlt ghlis do] das z 16 do] dar z denn gc mer n,
fehlt hli 18 in fehlt z schrift b 19 ungelichen dingen b 21 flösset
in zn einvaltikeit einbarkeit b 22 ogenl.] blind g nach ougenlos: die ist
der minnen gottin b 22 f. ein geb. machet zc machet fehlt b 23 machet
fehlt hli 24 dis die z 25 f. geminten /M/^ hcdhlis
2 /.s\ 11,6. 5 Vgl Ps. 67,36, 6 f. Is. 11,6 ff.
s Briofbuch. IV. Bift***
miiiteii ewigen wiesheit schaffen 1 Diser minne trnnckenbeit bat sti
allen ueerwelten meoBcben alle berheit, edelkeit, Zartheit, Mnd und
göt verkeret ia ein Verworfenheit. Die hoch företen von Köm waren,
die wurden arm diener gotteefründen , dar nrnb daz 8Ü sich dem
5 zarten liebe, dem kleinen kindUn gelichetin. Hat aber du minne
ieman me geblendet denn in »elberV Hat ie kein liep dureh lieb
me gelassen denn erV Nein es, gewerlich! Dar umb, kint mins,
so stant hüte nf, und gib nf din herheit und den verborgnen iiber-
mfit diner tiplieben edli und berheit diner friinden, die bis her in
10 dir nuwen mit einem geistlichen schin bedroehen was, und neig dich
zt\ dinem lieb in die kripfen! L(\ge, wie still d6 ewige wissbeit
swiget! Sil enkan niit reden. Der in dem bimel was, der lit in
dem stalle, der bi den engeln was, der lit under dem vihe! Sprich
also: „owe, du herzentrut, du lieber Jesus, ich neig mich hüt ze dir
15 in dine verworfenbeit, daz du mich erhebest in din ewigen ivirdekeit."
iVIinü kint, volgent Äwerm getrüwen vatter, und machent usser einer
notdnrft eine tugent und gent nf von grnnd üwers herzen tiwer zit-
lichen wirdekeit umb die ewigen ieraer werenden wirdekeit!
Qui parce seminat, parce et metet, der karklich seiet,
20 der snidet öch ermklicb. aber der rilich seiet, der samnet och rilicb.
Eya, dar umb tfint es reht ze frumen und neigent uch under die
fÜBse aller ewestran, daz ir mit allein inen begerent glich stau, ir
sont 5ch hinnan für ir fiisstücb sin; daz enzürnt nit, swie man im
tftt, wan es ist ein föestftcb. Sehent, dis ist ein wurtzel, dis ist der
25 giTint aller fiwer selikeit. Hier us get denne ein stillii senftmütikeit,
1 gescliaffen s diso gud diser miunfrin kleioheit 3 die kieinhdt
diMr ^mjQten ri nji] yn cd, fehlt tn 2 aJleu — 422,S bi nltti /Ml wegtn
Au^nll eineii Blattta « Lerschafl gn Iierlicheit hcd 3 von Bom ftfUt g
waren fehlt bd 4 und goltesMod A» der fnind ^ttea gc dar umb
~ 6 gelber fehlt h 5 liebe gelictietiii nnd deiu kl. k. gel. ; T wLrIich guR
8 bäte fehlt tn 9 edelkeit h diues I. utel hUe 10 dir) dirre b n6t
wan t betrogun eR verdckt g bedecket n 11 Ifige] B;h nlt sich an g
ewige fMt g 12 knii dijImR 14 ze dir fehlt b 15 diner f diu] die (m
jiiner h der g 18 iimli — wird, fihlt re Ifl der) wer haed 21 tflnt —
und fthU g ach rebt z 22 allein inen] in allen b 23 hinnau hin fAr £
uit] niemer b uymant Hd nymunta h im] uQ « 24 wan — ffiast. fehh hs
der] ein i
14 Vgl. l'ita 140,7. 19 // Kor. 9.'i. 23 fosstficb, vgl. Kl Jifb
363J2: 3iifi,3i.
422 Grosses Briefbuch. IV. Brief.
nüt allein gen den prelaten, 5ch gegen den minnesten kuchischwestran;
wan es ist billich, daz man ein füsstftch ander die füsse trette, der
minste als der meiste.
Dis tftt we, so es gegen wurtig ist: swigen und unred enpfaheo
und sich bi nüti, weder an Worten noch an werken, rechen; dis 5
wunden gant tiefer denne swertslege an der ersti, e daz man es ge-
wonet. Es ist ob allen h&rinen bemden, es truket ob allen isninen
kettinnen: ein würdiger mentsche eime unwürdigen mentschen ge-
swigen und zfl eime stummen werden und sich nüt rechen. £ya,
gesach in aber got, daz er ie geborn wart! Wan er truket sich in 10
die tiefen götlichen wunden, er vereinet sich mit dem götlichen
hertzen, er glichet sich dem obresten, er liebet sich got und der
weit, er erlöschet allen sinen gebresten. Und als er sinen willen in
zorne und in räche brichet, also machet er, daz im got in allen
dingen willet und sin räch gen dem menschen gentzlicb varn lat, i&
ob er joch hundert tusent totsünden hette getan.
Sihstu nn, min kint, waz dir hie liebes und lones wahset?
Dar umb so setze dich gewegenlich alle zit dar uf und verbisse;
tug es dir we, daz lid, es wirt schier weger. Ob allen dingen hört
hie zu, daz ein mensche swige und den munt besliesse und bi nuti 20
den munt uf tug, es si denne, daz er drie des rätes bi im hab der
götlichen stat, daz ist: rehtü senftmütikeit, ordenliche bescheidenheit
1 sunder och b kuchischw.] vndertan g 2 wan — 3 meiste fehlt g
5 bi] mit gc weder fehlt hch an worten] verantwürteu z noch] und b
6 gat lisd an dem ersten Ba [e] daz s 7 iserin hs 8 ketten hs
8 f. [mentschen] gesw. ghR swigen z 11 tiefen wunden gottes (der got-
hait g Christi n) hgn mit fehlt s 12 glichet [sich] bhBs liebet [sich]
dhRs 13 verlöschet shcd erlost g 16 het er joh . . . getan gn hat z
17 [nu min] liebes kint b 18 verwegenlich gc gewonlich zdn 20 hie] dar
ghE dir n den] sinen znc besl. — 21 miint fthlt li 21 den munt fehlt dh
rätes] tages (!) s 21 f. von der g. stat gn 22 senftmutig lisd in orden-
licher besch. z
1 Mit prelaten sind wohl die Priorin und Subijriorin des Klosters ge-
meint. — kuchischwestran = Laienschwestern, welche die Küche besorgen und
am Chorgebet nicht teilnehmen, 7 f. V^gL Vita 107,5 f. Der Brief ist also
wohl an Elsbeth Stagel gerichtet. 11 Ergänze: Christi, 20 ff. Vgl.
oben 414,20 ff. — drie des rätes. Diejenigen Nonnen, welche die höheren Ämter
in den Dominikanerinnenklöstern bekleiden, bilden zusammen den „Bat'' zur
Unterstiitzung der Friorin bei wichtigen Fragen. Vgl. das Ämterbuch des Joh.
Meyer im Freiburger Diözesanarchiv XIII (IbSO), ^01.
Grosses Brief buch. V. Brief. 423
einer baren notdurft, eintweder got zu lob oder dem raentschen zu
besserunge.
Ach, min kint, nu lüge, daz ich dich zärtlich neig uf daz hertz
dines geminten und daz ich keiner strangheit von dir beger; is und
5 trinke und slaflf din notdurft und hab mit urlop, daz du bedarft zft
diner krankheit. Und wellestu ein usserwelter mensche werden, so
übe dich an disen dingen, so mahtu schier ein usserwelte mentsche
werden. Amen.
V. Brief.
10 Sonet Tox tna in auribos meis, tox enim tua dulcis et facies
tua decora.
Also sprichet die minnende sele von irem geminneten: lasse
din stimme erhellen in minen oren, wan din stimme ist süsse und
din antlit lütselig.
15 Min kint, ich bitte die ewige wiszheit, daz sä in dime hertzen
zu huse vach und alles daz kreftklich dar us stosse, daz ie dar inne
gestüiet. Minü kint, ir enbietent mir^ ir habent noch vil iertümes
von manigvaltikeit. Ist daz ein wunder? Wie were daz muglich,
daz alles daz gerümbel, daz sich zweinzig jar an ein stat samnet,
20 daz sich daz als bald gentzlich lasse us stossen? Es wirt von tag
ze tag uss gende, so es siht, daz es sin stat nät me vindet. An-
dehtig gebet, heilig betrahtunge, dicke nach gotte gedenken, geist-
liche unmfisse, von gotte dicke sprechen und daz edel verlorn zit
dicke mit bittrem hertzen wegen, sond uwer gehilfen sin.
1 baren] waren hnE zu einem lobe z oder] noch 8 oder aber g
mentschen] nehsten ghnRc 3 Ach — 6 krankh. fehlt g 4 deiner hsd
5 des z 6 Und — 8 werden fMi c 8 Amen fehlt cdghR
V. Brief. Es 8,: bcdghmNnlisz,
10 vox enim — 11 decora fehlt hR 14 lüts.] lustlicb mN zirlich hR
16 alles [daz] ?iz 17 gestüiet] gesasz tnNd irrung hmNnR 18 were
[daz] nRs 19 gerümel hgn 20 als fehlt dh bald fehlt 8 21 n. me
in vindet z 23 und fehlt z 24 sond — sin fehlt gmN
3 f. Vgl. Hohel 8,5. 10 f. Hohel. 2,14. IS- ^24,22 entspricht
einem Abschnitt in Bn'ef HdbitahU des Kl Bfh (oben 364,15—29),
424 Grosses Briefbuch. V. Brief.
Ach, liebes min kint, gedenke, wie reht betrogen diser weite
minne ist und wie rebt selig der ist; der sieb da von briebet und
gotte dienet. Sprecbent ir denne: „owe, daz ist war, der es enzit
tut,** — da sond ir wissen, wie dem nüt gelich ist, docb so sibt
got nit an einen guten anvang, er sibt ein gfit ende an. Sant 5
Bern hart spricbet, daz gotte nieman ze jung noch ze alt ist, er
git und tut, waz er wil und swie er wil.
Hant ir nut vil sussikeit, des sont ir nät ahten, ir sont uch
sin unwirdig dünken. Ligent got vor sinen fassen, nutze daz sine
gute überwunden werde, und laut nüt abe ! Ich globe daz eigenlicb, lo
daz er ücb nüt vigentlicb vertribet. Laut ücb nüt wundern, ob es
ücb alles sament nüt eines tages nach wünsche zu banden gat.
Nach der vinsiri gat die heitri, und aber nach dem tage kumet die
naht. Es müss noch menig wandelber wettcr in ücb uf stau, e daz
die blibent heitri in ücb bestetet werde. Gieng es ücb hie vor — 15
ir merckent mich wol — glich eben wol? Nein es, gewerlich! Es
was liep und leit, leit und liep, dar nach als es gap fro Venus
glückrat.
Daz selbe, min kint, nement och gegen dem schönen, zarten,
minneklichen minner, dem ir billich wartent, des minneklicli zürnen 20
besser ist den aller minner liepkosen; übersehent gegen im, zwar,
er hat och gegen ücb übersehen. Nement war siner minnewencke,
siner togen minne. Sehent, er ist als reht gut; ein vil klein ist
von ime besser denn von andern tusentvalt. Lant unverstandnü
bertzen slewezen und swingent ir ücb in ein minnen. Die minnende 25
2 und] nu h^ fehlt mN 3 enzit] in zit hd bei zit hlic yetzeut 8
4 da] daz hcdhRs da — wissen fehlt g wie daz dem hg 9 sin]
im z des dmN 11 er üch] üch got gnz vertribe dhmNnUs nüt alles
sam. hdhn nüt fehlt gmN 13 wan nach gX 14 uf st.] bestan z
[e] daz a 16 ir — wol fehlt dmN 19 gegen den h,s 20 mynniklichen
zürnen s 21 übers. — 22 übers, fehlt d zwar] wanne b 22 minnen
wercke hm umbveng hR 23 siner t. minne ft^hlt gnz kleines hinX
24 tusentvaltig h tusentstunt g 25 slewezen] ßlentzen s slewtzen /* sclilawzen g
schlissen mX trege syn c varen und sagen h gen R
4 dem = der frühzeitigen Bekehrung. 5 f. V'gL Bernardus, Epist.
185 n. :>,3, 13 Vgl, Tob, 3,23 und die bekannte Sentenz: Fast nuhila
Phoebus (schon im Doctrinalc des Alanus ab InsuliSy vgl. Büchmann, Geßügelte
Wotie ^""1900,406). 23 f. Vgl Ps. 83,11, 25 slewezen {iric ohm 4ü\}S
slewenzen), in den Wörterbüchern fehlende Erweiterung von sUwen = trüge,
matt .sein, hezu\ werden (Lexer 11,972; Schmelhr II '-, ö30 : Wacker nagel, AU-
deutsche Predigten 1876,ö08).
Grosses Briefbuch. VI. Brief. 425
«ele getorst einest nüt gemftten, daz er sich ir erzSigte oder daz er
zA ir kerne, si batt in alleine , daz er mit einem don siner Worten
in ir hertz erklankti, nnd do sprach si: Sonet vox tua in auribus
meis etc.
5 VI. Brief.
Vineae florentes odorem dedernnt, et tox tnrturis andita est
in terra nostra.
Also stet geschriben in der minne buch.
Wer ein fruhtlosen winterhalden sähi hin glentzcn von ge-
10 hlümter gezierde in sumerlicher Schönheit, und einen swartzen rappen,
mit fulem ässe erzogen, horti in des lieben turteltüblis art verwandlet
sin, der mShte wol dem schönen herren zarten, der so grossü wunder
allein mag erzügen. Mit welen fröden wennent ir, daz sich der
herre in dem schönen wingarten ergienge, der sich so reht wol ge-
15 stellet hetti, und wie wol och sinen getrüwen knehten ze mute weri,
so der süsse smack als rehte wol trahti, daz er umb sich allen
menschen lust brehti und die leiden slangen von siner kraft v^rtribi?
Ach, ir jungen, schönen, zarten wingarten des himelschen vatters,
ir schönen lutseligen turteltübli des göttelichen gemahels, gedenkend,
20 wie lange ir wüste sint gelegen, wie manigen schönen tag ir müssig
sint gewesen, — und wölte got, daz ir müssig wärint gesin und nüt
mit dornen und mit bramen wärint erfüllet, die ir nu so arbeitseliklich
US rütent! Owe, ir kalten winde üppiger worten, ir starcken riffen
zerganklicher minne, ir tiefen sne böser unreiner geselleschaft, waz
26 hant ir ebenlich versumet und mordes begangen an so manigem
menschen! Wie reht selig der ist, der von üch gelidiget ist und
mit der lichten sumerzit eins tugenthaften lebens durlühtet ist!
1 törst g sich [ir] dRs 3 erkl.] erkante h und fehlt s do
fehlt bgn si] also gn 4 etc. fehlt hdgh
VI. Brief Hss.: bcdghmNnUsUz. In g steht nur der
Anfang bis 4,25,15, das übrige fehlt.
8 also — buch fehlt nü in] an bds 9 wer] schwel mentsch s
9f. gebKimten gezierden b 11 ahsse * 12 herren] hertzen h 13 erzogen ^ CT
erzeigen inN 16 smack] rauch mXd 17 laidigen nBU 18 zarten
schonen Uc schonen fehlt dh zarten fehlt sz 20 geleg. — 21 sint fehlt s
22 und [mit] bmXs bremen chtnXR 25 ebenlich] e>viglich hÜc
6 f. Hohel 2,12 f, 14 wingarten, vgl, Bdew 221,33 f.
426 Grosses Briefbuch. VI. Brief.
Minä zarten kint, waz sol ich 6ch me schriben, denn daz minü
5gen hein manigen frölichen 5genblik getan , so icb gie über die
schönen beide florieren al durch die blümen hin, und ich horte die
himelschen harpfen der lieben vögellin iren zarten, schönen, min-
nenklichen Schöpfer loben, daz es durch den luft uf trang? Aber i
gewerlich, ob in beiden so fröwet sich min hertze, so üwer anevangens
heilig leben in so maniger geblümter gezierde also süssekiicb in
gfltem lämdeu smacket, da von die ewig wissheit wirt gelobet und
die menschen gebessret. Wan ir aber noch nüt erstarcket sint, so
sont ir 6wer selbes dester bas war nemen, und sont üch selber i(
umbzänen als ein junges zwi vor dem vih aller menschen geselle-
Schaft, die dis sinnes nät sint.
Eines dinges sont ir vorhin gewarnet sin : so die schönen win-
garten beginnent blügen, daz 5ch denne die bremen und die leiden
k&fer beginnent stürmen; und da der böse geist mit ime selber ig
nüt kann zfl komen gegen eime gesitten menschen, da reisset er
aber sin gesinde zu mit bittern schalkhaften worten oder mit bösen
raten, mit valschem wissagen in liep oder in leit. Und daz ist nüt
unbillich, wanne wissent für war, daz üch in keinem abbrechende
uwers eigen willen niemer so we geschiht, im beschehe noch vil 20
wirs, so er von siner eigen stat scheiden müs, die er so lange, so
gerüweklich hat besessen.
Und dar umb, mine jungen kint, mine zarten userwelten kint,
stant vast in gotte und heint reht ein gantzes getruwen in got, wan
er lat üwer nüt! Ach, Ifigent, er ist als reht tugenthaft, er ist als 26
reht hertzklich gutig, daz er es an sime muten hertzen nüt möhte
vinden, daz er den menschen möhte lan, der sich gentzlich an in
mag gelan.
Eya, minneklicher ewiger vatter, ich bevilhe dir dine kint in
3 florieren und ns al] als hRUj fehlt mXn 4 himel harpfen hliz
der] die hR 9 noch fehlt b 11 zwi] swin b 13 minü zarten kinder, eines d. j
gewarnet] gemant z 14 f. beginnent fehlt hR bliigen] bluimnen j
und — 15 kafer fehlt U und euch die l. Rmz leidigen mXIi 15 beg.]
werden hR da] daz zd 16 gesitt.] sittigen mXSy fehlt dn 17 ingesinde bmK
18 valschen mnRUzc leid . . . liebe b oder] und nU 20 besebiht b
21 eigen stat] eigenschaft z 22 ruweklich Uz rastlichen mX 23 mine
zarten US. k. /e/i/^ rfm^Vj 24 truwen z zu got ii^c 25 \\\\^r]ixc\\hmXnRd
tugenth. — 26 reht fthlt ns 25 f. och als reht h. g. z 26 mohte — 27 an
in fehlt mN 28 lan bmXaU 29 myn kinder cd
23 — 28 etwas gekärst in Brief Habitabit des Kl Bfb {364,29— 3ti5,2L
diiie gätteliche wUsheit, daz du bii ziibcBt nach dim
willen. Anieo,
VII. Brief.
Trahe tue, po»jt te curremus iu odore luiguentornin taorum!
5 Der einen minnelosen mentscheii welle machen minnend, der
sol im sinen geminteD zbgeo, wan daz geminte dem bertzen züliet
es zh im als der ageBtein daz isen. Nu Bint etlicbü menschen als
blint, wan sii daz ewig Hebt an im selber nüt mögen gesehen, 60
vallent bü mit ir minne uf das geaihtlich, als der sich von der
10 sunnen glnatz keret zft dem kegeibodem, als die fledermuB, da den
tag tlübet und die vinstren naht minnet. Und die mensuhen mfts
got zti im ziehen mit grossem liden oder des glich, als der einen
bäieu von dem bong sieht. Aber die gottes userweiten die nement
es. als SD son, und mugent sü der sunnen glast nut gesehen, so
15 kapfent bü an der sunnen widerglantz uf den hohen bergen; und
heint sü noch mit der süssen apotek des inren gütlichen hertzlostes
enpfunden, so loffcnt bü doch nach dem Bussen smack, der da us
rüchet von sinie heinlichen ingesiude, ala die tier dem siissea
trabt, der da ns trehet von dem pantier. Und in dem smaeke
20 werdent sü dicke hcrtzeklich ernüwret und gewinnent ein jagendes
ilon hin zu dem iemer werenden gftte, und stiint in dem vorhof.
2 Amen fehti UdmSUÜ
VII. .
iff. Has.
1 d h m N n R »
ü z
4 odorein h 6 [dem] hertze buiSii de» hertzen he 7 ime zu Aß
8 lieht] liep bhmNReU im] in £ 10 kesseln bodem giicd keseel hodeu mNn
keUel boden b fledramaa i dd frhll s da da £ 12 gliches cdha
13 Dement] meinend mN minnend Vd 14 so fehlt t 15 gaflend bcmNU
lÖgent z 16 inren fehlt dh götl.] büsbi-u Ud hortzl.] herteen dmN
18 himelischeD nd 19 trabt] rauch cdhniNnE ae trabet be an rächet Ued
ansz rcuchet mNR 20 dicke fehlt z jag.] iu gendea ^ 21 und —
vorhof felilt bcdhmXRU atcut wartend in d. v. n
4 Uohd. 1,3. 6f. Vgl. Taultr, Basti löL'lf. 43-: wan nfa der
agstein nach jtn zeucht dan ej/neii, fUtn zeucht nach jm Jesus alle herften, dh
da Hört Jm berärt icerdm, 13 Vgl. Mtgenbvrg, liuch der Kalur 163,8 ff.
19 pantier, vgl. Vita lUfi «nd Hugo von Langenelein, Martina S6, lll—l')3.i.'i.
20 f. jagendes üen, vgl. Sdcte 301,3 ff", und 3ie,!G.
428 Grosses Brief buch. VII. Brief.
untz 8U och werdent in gelassen. Aristotiles sprichet, daz ein
klein des unbekanten lustlicher ist^ denn vil Sicherheit des bekanten.
Sant Thomas spricht, daz ein vil klein des enpfundnen götes in
schowlicher togni ist besser denne vil anders.
Min kint, ich müss dir sagen ein gewonheit, die ich hott an 6
miner ersti. So ich mich selben als gnadenarm vant and ich von
mime grossen gebresten nüt getorste hin für komen zft dem tisch,
^a liep von liebe sunder mittel gespiset wirt, als die zarte jungfrow
sant Angnes sprach: mel et lac ex ore eins suscepi, so stalt
ich mich in eines dürftigen bilde hin zfi dem tor und wartet, wenn lo
die himelscben gemassen her us giengin, daz ich sü besprech, daz
mir jocli ein süsse traht würdi von ir völli. Und vergich dir eins
gewerlich: es beschach mir etwenn, daz mir von ir volheit ein un-
gewesclinü schüssel wart dar geworffen, daz ich also gespiset wart
und von dem süssen wintraht also getrepket wart, daz ich etwenn 15
miner armöt vergass und wond, ich wer ein richer herre. Ich sprach :
„owe, richer herre, so du mich also trunken hast gemachet nuwen
von winsmack us dinen fründen, waz bist du denn in inen?" Sich,
also sfichte ich daz klein golt in dem sande. Ich grup nach: ich
saste einen priester, einen brediger zu den fassen eines sines fründes 20
und lüget im in den munt, ob kein himelscher rose da her us fieli, daz
ich den gezuckti. Und daz machet mich denn frolich loffent den
andern nach.
1 och feJdt hUs 3 enpf.] unbekanten dmN 5 min kint fehlt h hat
ich hcfuN 6 selben fehlt dmXn an gnaden also arm b und [ich] z
7 mime] meinen mXR nüt hin f. komen mäht z 8 da] das sü mittel
fehlt hU 9 ex eins ore hBz 11 genossen mllV gespreche b an
spreche dmN 12 joch] och hRU doch cdmN nocli b tralit] rauch ncd
trank mN eins fehlt dh 13 geschach bmN 14 dar wart g. }ihHsU
15 wintrank mNRsU winroch c win dh 16 wone s Ich — 17 h&rxe fehlt U
17 nuwen] nu s allein n nit mer dan dhmN 18 winrauch mXd winsnialtze b
in fehlt s 19 sander mN grabete b grebte j 20 sasz jnXnc sach ü
21 [her] us dmN 22 den] die cdhnRs zuckte hnR suchte mN ge-
suchte d
1 ff . AristotekSy JiJth. Nie. X,4 (1174 b 19 sr/q,,-): De part.anim. 1,5 (fiUh
24 sqq. 31 sqq,), — Thomas^ S. Th. 2,2 q. 180 a. 7 : contemplatio divinorum^ quae
habetur in via, eist sit imperfecta, tarnen est delectabilior omni alia contcmplatione.
propier excellentiam rei contemplatae. 7 f. Vgl. Tochter Sion 2424 f. : ich mein
die f/eistlichen weide, da diu sele uirt gespiset. 9 Angnes, vgl. Bdeic 227,1b.
20 Mit priester, brediger meint Seuse sich selbst, sines = (iottes. 22 f. Vgl.
den Vor Spruch.
Grosses Briefbuch. Vm. Brief. 429
Owe, got, waz sol ein mensche loflfen, der weder got noch
sinen heimlichen frinden nie heimlich wart, der nnwen mit usserkeit
ist nmb gegangen? 6at er joch, der gang mag wol treg und
hinkent sin; aber die heimlichi machet I5ffent nach dem geminten.
5 Sich, wenne mir ein gottesfrünt üt seit, eya, so wart ich so wol
gemüt, so was mir reht, ich hetti einen hört funden. Und wissist,
ich gehielt daz so trntlich und sprach: „eya, geminter herre, wie
glust mich din! Sol ich iemer dar zA komen, daz ich Sprech: ,,du
min und ich din?" Und disü begirde sol noch in mir und in dir
10 sten von unser unvolkomenheit.
Min kint, dis han ich dinem versinten mfit vor gesprochen,
daz du rosen us den blümen lesest und dich selb zil dime ewigen
heil mit semlichen dingen reissest.
vm. Brief.
15 Gnstate et yidete^ qaoniam snayis est dominus.
Es sprichet der wissag an dem salter: versflchent und lügent,
wie süsse der herre ist
Lieben minü kint, es sprichet sant Gregorius, daz got dienen
si ein friges leben. Und gewerlich, daz müssent ellü hertzen von
20 gantzer wärheit jehen. Swer uf den tolden eines versmahens aller
zitlicher dinge ist geflogen, in die hoheit des unwandelberen gfttes
ist gesessen, mit den armen des geminten ewigen liebes ist umb-
vangen, ach, lieben kint, wes gebristet dem uf ertrich ? Waz wil
er me? Wie mag der so wol manigen frölichen tag uf ertrich
2 himelischen mNd nnwen] nun e nit denn dmN allein n mit]
in bdmNRs U 3 er] der e 3 f. und hinkent fehU z 4 heimlikeit
mNnKc 5 sich fehlt b üt heimlichi s icht heimliches n 7 hieltmNBs
8 sprach dhs 10 vollkomenheit hmNRsU
VIII, Brief, Hss,: bcdghmNnRss^Uß. In g steht nur
der SchlusB von 431,15 an,
15 quouiam] quam mNn 16 an] in bcdhnRss^ 20 den] dem hss^
tolden] zwyg s^d 22 und mit dmN liebes [ist] hRs 23 wes]
was bdhmRs 24 wol fehlt hn uf ertr. feldt z
8 f. Vgl. HoJiel, 2,16 und die Belege bei Strauch, Ad. Langmann 103 f,
u. Bolte, Zfda 34 (1890), 161 ff, 15 P«. 33,9. 18 Gregorius, Hom. 3
in Eztch. n, 11 (Migne, Patr. Lat,76ßl0): iUe Deo servire appetit, qui ab hoc
saeculo mente tratmre didicerit. Vgl, Expos, in I Reg, V, 2 w. 12 (Migne 79,333),
430 Grosses BriefbucL VIII. Brief.
haben! Gesach in got, daz er ie geborn wart! Wie mag er got
«o wol loben^ so er ander sich siht and in dem stareken gewille des
tiefen meres eins ungötlichen lebens so manig freisinen hertzen, libes
und sele ane siht!
Es was ein mensche einest in einem so frölichem gegenwnrf 5
•der Blassen götlichen gegenw&rtikeit, und was doch so gelassen von
aller creaturlicheit, daz er gedahte: „ach, hertze mins, wes fröwest
da dich so reht inneklich?" Do antwurt ime sin bescheidenheit
and sprach: „in allen disem ertrich ist nat, des ich mich fröwe,
weder an gftt noch an frinden noch keinem last diser weite, denne lo
daz ist min fröde, daz got als rehte gut ist and daz minneklich
^öt min frunt ist, des ich gantz zAversiht ban.^
Lieben minü kint, daz schribe ich üch dar umb, daz ir einen
«eneden jamer hier nach gewinnent nnd einen hertzlichen last dar
nach habent. Trettent frilich in die bant der ewigen wiszbeit, sü 16
werdent üch geswinde verkert in galdin krönen ewiger sälikeit. Lant
:äch nit binderen, daz der zal ietze so wenig ist^ die daz rehte
pfat des engen weges wellen gan, die ir eigen gemach, als vil sü
mngent, sfichent, daz üwer ernst da von nüt geminret werde. Nement
für üwer 5gen die fromen Vorbilder eins heiligen lebens, die da war- 20
lieh hattent versmahet alles daz, daz ertrich geleisten mag, und mit
hertzen and sinnen ze allen ziten in dem himelschen vatterlande
wontent, die in sanderlichem andaht als der morgensterne lachten,
— den volgent nach, den tretent nach!
Lieben kint, die weit beginnent alten, die minne beginnet 26
kalten, die schönen rosen heiliges andahtes beginnent sere risen;
man vindet na vil me scharpfer slehdome denne wisser lylien. Eya,
ir zarten rosen des geblümeten geistlichen lebens, stant vast, ver-
dürnent üch mit nsgeslossenheit aller creataren, schlüssent üch zft
2 gewilde bcdmNRss^U 3 f. und libes [und sele] liRss^U 4 [ane]
fliht 8 8 mynneklich bcRss^ 9 des] das mXz 10 weder fehH s
11 rehte fehlt bs^ 13 schribe] sprich b 14 glust zn 17 verdriessen
hinderen r 17f.den rehten pf. bcdhs 18 engen] trostlichen e 19 süchint z
nüt] iht bcdnsU 20 [die] frome z die fronen h 21 haben versm. climNnli
[daz] daz cdsUz mit] in hRss^U 22 und in sinnen hRss^ und mit s. cii
23 lüchtent bdmNnRss^U 27 wisser] schöner z 28 [stant] und vaste sU
^9 usgelossenheit hfi^ creatur nRs^
5 — 12 ist in Brief Habitabit des Kl Bfb aufgenommen (oben 3(i5,3
bis 306 flu), 18 Die Konstruktion ist sehr hart; man loiirde encarten:
«0 vil aber, die u, s. w. 25 f. Vgl. Bdew 3:i4,4f. u. Gr Bfb 406,6.
GroaneB Briefbiieh. Vm. Brie#'
gegen aller diser weite, acta, nnd tänt üwer hertzen nnd twer girde
uf gegren dem soBeen tneientowe der bimelschen Bunnen, daz ir war
nemeiit, waz er von ücli wil, wenne er ßinen ingang haben wil,
ilaK er kein vertriben von üch gewinne. Gebent ime stund nnd
5 stat, daz er ein werk in ilch gewAiken muge, daz üwer hert/e werde
ein appotccke der gotbeit, üwer munt ein fasz der reinekeit und
nller i'iwer wandel ein bilde bimelscher beilikeit, daz got an üch
gelobet werde, üwer lieben engel gefr&wet und ellü menscben ge-
liesBrot. Heilig betrahtnnge sont üwer kamber sin, mit gotte oder
10 von gotte reden sol zft allen ziten inver ampt Bin, Bwaz ir eehent
oder börent, daz Bol ücb ein ufCragen ze gotte sin.
Einen ewigenden munt tragen machet üwer hertze fridsam und
den lüten minnesam. Tünt üch abe menschlicher beimlicbe. so
werdent ir gewerlieh innen g^ttelicber beimlicbe. Einen abgezaÜen
15 menMchen von diser weite höret nüt zft. knrtzwil und trost bie
aftchen. In aller gehorsami, die uf usserbeit zühet, heint ein inne-
bliben oder aber ein emziges inkeren wider in üch selben, daz ir
üch selber nüt verüerent. Swaz ücb nit bevolben ei, da mit sint
unbekümbert.
SO Vor allen dingen so setzent üch gewegenlich alg alle sunder
gottesfrund uf zitliches liden. wan gewerlicli, daz wissent f6r war:
sol üch üt sunders von gotte werden, daz müs ocb erarnet werden.
Aber eins ist war: git er leit, er git och liep; kan er herzleit geben,
ach, 80 kan er 5ch hertzliep in bertzeliebes bertzen machen. Gangent her
2Ö für, ellfi hertzen, und sagent, wa sie liep ane leil ie fanden ? fieminter
berre, dn bist allein daz gCtt, in dem man stete fr6de, gantzen fride,
und liep ane leit findet, als verre man es in zit haben mag. Es
tut nüt wirB, denn sich gelber überwinden, es tut aber nüt bas,
denne sich selber überwunden han. Und dar umb so gant hüte dis
1 hertee bd/irnNKttH! begrirde mNuR^'c 3 weune — wil /Mt h
7 ein] eime s bilder bkRsU büdner «' bilduuge c 9 HontJ eol chnRim'
12 üwer] dts hliss'U 13 die lüt g'B 13. U beimükeit mJfnSt'
14 gew. innaii] gewar dmlf göttel.] gottee m 16 zS soeben i/hntnU
n einaigcH c 16 bevoUien] beholffeii *s' 19 bekümbyrt s; 20 be-
wegeulich b verwegenlich rICU aiinder fehlt hBtt'üi 22 Aaz — werdeii
fehlt fü 23 er git c leit] liden Ai> auch hertzlett ka 34 ach
fehlt Rs' in liebes herbsen bcmN 27 f. es tit miiir ivirB .' 28 tflt] (rrftf«)]
ist hmN 29 noch böte nHn' dia) des hnH
7 f. Vgl. Matlh. 5,16. 10 f. Vgl. Bdrjc 313,11' ff. 16 Vgl Brief IX
de» Kl Bfb (,36»,tiff.). 27 liep ane leit, vgl. l'ila I40,1'J. 28 f. Gam
Hhnlich BdetB 249,23 f.
J
432 Grosses Briefbuch. IX. Brief.
tages maDigii menscben guggen über den dornigen hag, and umb-
gant den graben ir lange tage und getArrent Bich nüt wagen durch
die dorne einer frier Verwegenheit, daz su kemin hin uf die schönen,
witen, geblümeten beide geistlicher Schönheit. SA lobent die fruht
and hettint su gerne, aber sA verdrusset der arbeit; und die arbeit,
die sü da flübent, die volget in anderswa. Gesach in got, der sin
arbeit hie wol an leit, wan nach diser kurzen zit volget im ewigu
selikeit! Amen.
IX. Brief.
Qnsm dilects tabemsculh tna, domine virtutum! la
Also sprichet der himelsche barpfer David von dem frSlichen
himelscben lande.
Owe, minü lieben kint, wie mugent wir uns selber so wol
erbarmen, daz wir eilenden kempfen nüt anders begerent denue der
kleinen tröpflin, die da vallent von der himelscben Jerusalem, da 15
die reinen megde von Syon messen daz ewige gut an alles mittel
nach alles ir bertzen begird, mit fröden, mit rüwe und mit Sicher-
heit! Owe, wie mugen sü uns so kleine geloben! Wie mag daz
schön rosenzwi des himelscben paradises, daz zft allen ziten eint-
weder bat ein süsses meigentow oder aber der liebten siinneu glantz, 20
geloben eime armen türren tistel, der uf der berten beide wabset!
Ach, minü lieben kint, nu tröstent uns mit der armüt, die wir
haben, bis daz der liebte morgensterne werde uf gende, und ge-
denkent an die schönen roten rosen, die nu versenket sint in daz
wiselose wesen des göttelichen abgründes, da die minneklichen '^5
töbtern von Syon frilicben trettent den frölicben reicu in schalle
1 iiianigü] vil hHs^ 2 nüt sich z gewogen (jn 3 kument h komen ha^
5 erdrns8et h und die arbeit fehlt mNs 6 anderswa nach mXU 7 im]
ain Ud wissheit und selikeit z 9 Amen feldi cdgmXU
IX. Brief. Hss,: b c d g h m X n R ,v s^ U z.
lOixm fehlt s 12 lande /eÄ/f *• 14 kempffer niV«* tT begerten ctMii**'^ j
16 niesscn] gebrucheu cdmX 17 aller hmN froide säg und mit r. ds
18 kleine] lutzel z wenig nlt 19 f. eintw. /t;//Z/ mXU 21 armen fehlt z
türren fehlt Ich ty stelin h,ss^ der] das //.y 22 tr. wir uns viXnJi
23 werde uf g.] wider uff gange s 26 frilich.] froliche h Uy fehlt viN
10 Vs. cS5,4? 23 r^/. IIFet, 1,19. 24 Zu rosen vgl oben 409 Äff.
25 ff. Vgl. Bdew :^42,l()ff.
GroaseB Brief butb. iX. BtilA''
und in fröden, der da heisset ewikeit, und die vor kuitzen siteo
eins tistelB natnr hatten, do bü in disemjamertal bi uns waren. Dea
sond wir uns tr&Bten, wenne wir eint von sinen gnaden des selben
alle tage wartent. Und denne in dem selben ersten aneblik, ach,
5 des süssen minneklichen autlites, so ist vergangen alle die faertekeit
und daz liden, daz wir nu also swarlicb wägen.
Owe, minü lieben kint, wenne sol der früliche tag komen,
(lax uns daz liepliche ewige gdt gekündet werde, an dem tage nnser
eilenden seien nrabvangen werden, daz sü werden gefüret in die
10 einikeit, der sii bie als inneklicbe hegerent, «ne die su alles, da/.
diso weit bat, nüt bertzklicb gefröwen noch getrösten mag? AcIj,
minü lieben kint, senden! unser eilenden bertzen in den minnekliehen
umbvang, bis daz die sele hin nach kome! Lftgent, wie ^'ar ver-
swindet elJö unser hertikeit und unser leit, so wir uns vereilenden
IB in daz abgrönde der götteliehen kinrbeit! Acb, da süUent wir dicke
mit hertzklicher begirde wonen und mit menigem ogenblick dar
keren, so gewinnen wir ein frölich eilend und ein eilende fröde, so
mag öeb der herte tistel mit so oianigem süssen meientowe be-
gossen werden, daz er vergisset, obe er ein tiatel oder ein rose ist,
20 Nu, ir geminneten kint, lant üch üwera lidens, äwer arbeit
nut verdriessen! Habent nf, habent uf liwer hertze in den achfinen,
summerlichen, iemer werenden meien, der üch bereit ist in dem ab-
gründe der g&tlichen klarheit! LJigent an die sch&nen roten rosen
und au die wissen lylieu, die disen langen trtirigen winter also ge-
'2b dultklich gebeitet beint, bis daz sü daz summerliche zit bringe uf ir
schönen natürlichen blugende art, und merkent, daz discn urdrutz
zft vertriben nüt besser ist, denne stellen nach dem süssen meigen-
towe der götlicheu guadcn in eraziger gegenwürtikeit; wau swaz
die sunne verselwet, daz bringet daz tow kreftklieh wider. Doch
30 mugent ir zft allen ziten nüt hier inne stan, dar umbe sont ir nüt
4 selben fthh ghRg^V 5 aublickea nU <lie fMt brdmXnU
7 lieben fehlt dg 10 mjaneklicb vdmSV <Irz dax s 11 gefr. ma^
noch gett. [mag] e 12 kint, aoli minuiciicbeu kiud dinN seiident ^irnmal ba
13 gar] war hR 13 f. f erswindent s 14 bIIü fehlt hliaa^ U 19 ein üstel si
oder ein r. [ist] adn 21 Habent — 2» kJarheit fehlt p bubent nf ein-
mal hnRg'Dc dem 6«' 24 nnd — lylien fehlt g 25 ir] die iiiAV
26 natnrl. fehlt dmN 27 iat ntit besser bhiaNHss'rr 28 gnad gU in
emz. geg. fehlt gmN eiotziger hgz 29 der Ww bcdviNnae'V 30 nit
dar inne gn dar innen nit R»'
434 Grosses ßriefbuch. X. Brief.
verzwifeln, wann also sprichet ein meister von minnen Ovidius:
nee violae sempei'; nee lilia Candida florent, daz sprichet,
daz die viol noch die schönen lylien nut zfi allen ziten blügent, — eht
dis geistlich blügen dicke in üch beschiht, bis daz ir noch naher
as gedringent us üwerme natürlichem wesen. Und waz üch nu
jerlich ist, als sant Bernhart sprichet, daz wirt üch denne tegelicb
und stündlich.
X. Brief.
Revertere, revertere Snnamitis, revertere, revertere, ut
intneamnr te! lO
Dise minnekliche wort stant geschriben an der minne buch.
Der durch die 6den wüste und durch den wilden walt eines
anegevangen gStlichen lebens begert uf die schönen beide eines ge-
blümeten volkomen lebens zfi komene, dem begegent mauigü wildü
Strasse in der vinstri des waldes und manig enger uubekanter weg, 15
da er dur bramen und dorne sich streiflfen rafis; da istetwie maniger
tiefer grabe und kleine stige, da er mit zittrendem hertzen über niüs.
1 von dem gotlichen minnen [OvidiusJ g 2 fiola cbnN 3 schonen
fehlt ghRs^ eht his Schluss fehlt g 5 üwerme fehlt z 6 jerlich]
erlich (!) s seiczen mN 7 Amen ns^ Zusatz {rot): hilff reine maxia s
X. Brief, Hss.: b c d g h m N n 11 a U z. In d sieht nur ein kleiner
Teil dt^i Anfanges und Schlusses, in g fehlt der Schluss; in n weicht d*^ Text
stark ah und ist teilweise umga^iellt,
9 iit fehlt ds 12 öden] toten dmN wnisten ghEszc 13 gutlichen s
heg. — 14 \eheu9 fehlt hü heiden hghüsU 15 enger fehlt hmNliU 16 dur
die bramen s und durch dorne gü s. durchstreiffen hdhnüs nach mäs
Zusatz: untz er ze wege kunt zg bis er wider kumpt au den rechten pfat n
17 Stege gns steg cmN überstig h bricklin h überstigen raus h
1 Ovidius, Ars amntoria 11, 115 f, (Ovidii cannina ed. Biese I [1S71],
lö^) : nee violae semperve hyacinthina lilia florent, et riget amissa spina relicta
rosa, über die Kenntnis Ovids im Mittelalter vgl, K, Bartsch, A Ihrecht von Haiher-
stadt 1861, Einhitung I—CXXVII: über die ars amat, ebd. XXX VII ff.
6 Vgl. sermo 2 in Purif n, 3, 9 f. ll^hel GA2. Vgl, Bdew 231,23.
17 stige = Stic, stig, Inisssteig, oder wahrscheinlicher (vgl. die Varianten!)
= stigel, Voiyichtung zum Übersteigen eines Zaunes oder einer Hecke^ wie noch
jetzt in der Schweiz und im Ällgäu üblich (vgl, Schmeller II-,74o : Martin u. Licn-
hart, Elstfss. Wörterbuch II, ö79f.).
Und daz ist der weg tnauigvHltigen unbekanten lidens. in dem er
des ersten müs vereflchet werden. Man hSret etwa daz süsse ge-
döne der totbringeDden wilden Sirenen, vor dem man die oren
verhaben mfts. So man bin in bas knnt, bo begegent fro Venus
5 mit ir losen blicken, mit den fiirinen Straten; bü hat honig in dem
munde nnd gift in dem bertzen. Und dis hat manigen zieren belt
sigeloa gemaßhet. Da sitzet fro Seide mit irem gläktr.id und zöget
daz wol geziert Oberteil des rades, aber den umbnwanek hat sä
sere verborgen.
10 Eines tiefen wages ban icb da war genomen, da manig stoltze
birtze nach hitzigem ernste eich bat nider gelan und da erweichet
und nnmehtig worden ist, und daz ist läwes leben nach eime hitzigen
anvang. Und usser dem selben vonker wider in einen kreftigen
inker ruffet der gemahel einer sele neiewie dick und spricbet:
16 „Revertere, revertere, ker wider, ker wider, Sunamitis — daz
betutet ein verschenit bertz, — ker wider, daz wir dich an geBehen:
der vatter mit sime gewalte, der dir alle diue unmngentheit beneme,
nnbek. fehlt hll 2 etwan hU
lerenen s dem] der '- deu j/mNU
liegeg. ime b 5 inne 1. blicke b
und mit gs färinenj unreines h
9 Bere ßMl hü 10 weges hmNB
md] nnmehtig m umnehteklicli «Ä
I daz] da a des manigv. yinX
«tn-enn niA'n 9 wilden /Ml hmNE
oreo] (lugeo h 4 man deno h. in ffliB
loBen] lösen e plosseii li anhüaeii nuV
rainn <) 7 irem fehlt es 8 hat [srt] b
li sich — 12 hitzigen /Ml U 12
ist worden j: 13 n'idcr fehlt hchmNltKÜ 14 neiawie] ich enweis wie h
nein wie » etwe hwNR 16 versmehet bcmNU verBehent Im veraeiiiiet R
an sehen gfnNBU 17 henjmt «
3 Sirenen (Har. 38: syrtnai:), mythürht Zviltergesehdpfe ewitclien Menteh
und Tin- mit einem l-'isehschiranz. Vgl. Lauehcrl, Phyaiologm 18, 143, 314;
Mrgtnbtrg, Buch der Natur SiOßff. (eirtnc = merwtip).- Sautr, .'üfftuholik da
Kirehmgebaudt» ISOä, 314 f. 4 f. Venös iX eine der veniiien im deutschen
Mia^atter eingfbüryrrtm mythologischen Mgarm, bei deit Minntsängtm s^ vrou
Minnr, vüehe mit Bogen and Pfeilen (stralen) ausgeslattet erscheint and ton der
Santt nfttrg eo dargt«UUt wurde: vgl. Bartsch a. a. 0. LI f. u. LKIIIf.;
Weinhold, Lamprecht vim Begentbiirg 633. Kl Bfb 374,30/. im Ktim.. dagegen
als VoT»pirlerin btim sommerlichen Tante gedacht. Zu toien blicke «gl, ühiand,
Volksliedtr II,Tfl7: ick ec it an jticen ogen icoi, gi (Frau Vmu») sint ein
dOvelinne. 6 lierer helt, bdMßg gebrauchte Formel bei Bichtern des 13. Jahr-
hunderts, egl. die Belege bei Lexer III, 1106. 7 fro Seide, Per'sanißkation
des Glückes, btew. des Schiekeols (t= Fortuna, cgi. oben 364^6 HlOfcd), mit dtm
nch toOlienden Bad als AOribtit (das aber 424,17 fro Venue beigelegt mrd!),
ao tchon im 13. Jahrhundert viyrtommend; vgl, J. Grimm, Deutsche Mythologie
II* (1H64), 832ff..- Germania VIII,4Uff.; Sense, Vita 123JIÜ.
436 Grosses Briefbnch. X. Brief.
der sfin mit siner wiszheit, der dich bewise sinen aller liebsten
willen, der heilige geist, daz er dich inbrünstlich wider enzünde als
ie von erst."
Min kint, wie daz si, daz lutzel ieman ist, er kum etwenn in
läwekeit einest fürbas denne andrest, doch so müs sich ein mensch 5
reht da zu flissen, so er da zä komet, daz er eine frige ernuwerunge
ime selber an gewinne, als der fenix in dem füre, also der hirtz
und der wis slang, dero einem die hom, dem andern die hat zu
dick wirt, und sich denn mit gezwungenheit ernüwrent. Der berg
ist hoch und der weg schlipfrig, es enmag mit eiuem just nüt er- 10
gäbet werden, es heisset aber und aber, untz daz es ervohten wirt.
Es ist ein weiche ritter, der von kraft des heres einest hinder sich
gewichet, der dar umbe aber nüt kecklich hin wider tringet. Und
erscbricke hier abe n4t, wan dis streiten ist guter luten eigen in
disem eilende. Begerstu aber zfi wissende, wie der ernüwerung 80I 15
sin, daz wil ich dir sagen.
Ich weis einen brediger, so der von maniger starken wellen
was hinder sich getriben und nach sime duncke gentzlich entsetzet
was an rehtem ernst und an hertzklichem andaht, so gieng er in
sich selber und sprach: „eya got, wie ist es mir ergangen, wie bin 20
ich so rehte unwissenklich her abe geslichen ! Wol reht her frilichen,
und werben urab ein nüwes gut, daz alte ist gar da hin!" Und
vieng denne wider an, ime selber abe zu brechenne, den lip zu
kestigenne, den lüten zft frömdenne, ernestlich zu gebarenne, sich
selber zu hütenne, nüwes gebet zu erdenkenne, nüwe Übung zu 25
vindenne und alle wege, da er vor slichen was, zft versetzen nc, und
1 aller fehlt bcghRs U 2 daz er] der b iübrünsteklich bg wider
feMt Üz 4 si] ist gnU 5 denne daz ander nlis 6 so — komet fehlt g
8 dero] so der 8 so dem c do [der] b 9 [denn] nüt ä* ernüwert hchmNsU
10 schlipfrit s just] wünsch hR 11 aber und aber und aber hgmnNsU
daz fehlt hhnEsU 12 von der kraft bchmNBsU 13 nüt aber gz 14 er-
schricket ghmNnBsU dar ab ghmNB, bloss abe sU das str. hm 15 die
em. cmNsU 19 hertzklicher tnNns 21 [her abe] ersuchen b 26 vor
verslichen bchEU versetz.] versüssende b verzünen U
4 bis Schluss aussüglich in Brief Habüabit des Kl Bfb (365,11—366,0).
7 Der Phänix war im Mittelalter beliebtes Sinnbild der Auferstthung und
der Unsterblichkeit der Seele, vgl, Lauchert, Fhysiologus JOff. u, ö,; Konrad
von Megenberg 186 f; Hugo von Langenstein, Martina 87,36 — 88,67 (u. dazu
Germania VIII,;i6ff.); F. Scholl, Vom Vogel Ph. 1890, 8 f. Über die M'eis-
heiten der Schlange vgl, Physiologus 15 f, 174; Martina 15,84 — 47,29.
treip daz naht udiI tag, nntze er in dem gßtlicben ernst nnd hertzk-
licheii andabt wider erhitzet, und daz nacbgende dicke vil besser
wart, deune daz vorgeade ie wurde. Und begröp denne den alten
menschen in sime bertzen, rehf als ob er nie wnrdi, nnd vaut denne
5 manigen weg sieb zfi hütent, daz er vor nie gedahte, und wart
also ie wiser und ie wiser. Und so er aber her abe kam, so vieng
er aber an als ie von erst. Also mag ime nnzallicb dicke be-
schehen sin.
Sich, kint mina, daz leret in die ewigen wissheit durch sant
lüBernhardes munt, der spricbet, daz dis ist daz einige piinctli,
daz da scheidet die usei-welteo von dien nüt usaerwelten, daz die
abegezelten biibent ligecde. do die usserwelten iemer me dar wider
uf kerent, wan ein alwent stillestau mag nieman in zit hau.
XL Brief.
15 Audi, Sli ml, disclpllnain patris tnil
Also «prichet die ewige wiBzheit: bSrent, mine lieben kint,
mit kurtzen worten die getrüwen mannng ilwere vatters, und echribeot
sft in den grünt üwers bertzen 1
Begerent ir luterkeit, gottes beimelichi und warer volkomen-
20 heit, so sont ir wenig ussers gewerbes mit keinem kuniber haben.
Eine sele, e sü in got gefestnet werde, mag als rebt libt verierret
1 tag u. naht Jm den bcz 8 Und big SchlugK fehlt g 4 ob
fchU hmNgü ö und ie wiser fthlt bmN Und — 7 trat fehlt hStU
9 lert« b 10 ein einiges p. hiti' II gescheidot htd daz — 12 aeaerw.
fehU bhE 18 enmag « haben r
XL Brief. Utn.: b e d g h ni X n U » n' U c. In gn: fehU die
ameite Hälfte fvoii 438,13 an).
16 lieben /eW( 6dj7 17 mainnng s'f l» unA fehlt bg 20 usacw]
uwers b kleinem 6 21 gef. wirt mNRd reht fehli i
3 f. Vgl. Eph. 4,22 ff.; Kol. 3,9. KlBfb (365,30 f.) deutlicher: mit be-
trahtnnge sinea herzen ho begrflb er ite. 9 f. De gratia ttUhera arbitrio c.S;
iermo 1 in Sept. n, 1. 15 Spriehtc. 1^. 16 — 438,9 tberseheii hat
S. Merimin Mehl überarbeitet in seinen Tmlitat von den drei Durchbrüchen
fjundt, Hi»toiri du pantheigme popiUaire 1875, 239,4—24) aufgenommen; vgl.
Senißti in Zfda !il,llSf.; Strauch in Zfdph 24,335. 21 öw Schlune ent-
spricht einem Teil des Briefes Habitabit im El Itfb (3tl6,7 bis Schluss, teils
gekilrtt, teils vermehrli.
438 Grosses Briefbach. XI. Brief.
werden. Ich han nach miner wise vil gestudieret und vinde nut
neherS; denne daz sieh ein mensche wislich und ordenlich allen
dingen, als verre er mag, entsage, und in sich selber einen weg
mache und in ime selber blibe, — wan er treit hertzenvride feile,
der sich vil ane grosse notdurft usserkeit git, — und daz sich ein 5
mensch hertzklich mit got zu allen ziten vereine. Und dar zu h6ret
stille swigen und hoch betrahten, wenig wort und vil strenger werk,
swaz got einem menschen zä liden git frSlich enpfahen und aller
menschen gebresten gedultklich übersehen, sich von allen dingen
ziehen, nieman vil gelosen, siner sinne hüten, lützel zites und worte 10
ieman geben, niemans uf ertrich denne sin selbes war nemen, sich
selber under got und nnder alle menschen verdrucken, von allen
menschen wol sprechen und sich selber vernihten, gotte fr61ich
dienen und allen menschen ein gfit bilde vortragen, sinen orden
strenklich halten, sich vor dem minsten als vor dem meisten hüten, 15
guten lüten heimlich sin, heilig gebet, andehtlg betrahtung, himel-
scher wort voll sin, zu allen ziten rehten ernst haben, zu allen stunden
nuwes lichtes oder trostes warten.
Ach, min lieben kint, und als ich üch och nu bat und lerte, do
ich bi üch was, daz sont ir tun, und sont uwer hertz von allen zer- 20
genglichen dingen brechen und sont es uf zu gotte rihten. Lügent, wie
gar alles daz ein nüt ist, daz in zit ist ! Lügent, wie es trüget und
lüget und lat, so man es wenet haben ! Und dar umb, so sendent
uwer hertze uf zu dem iemer werenden ewigen gut, daz da niemer
zergat, so gewinnent ir hie ein rüwiges hertz und dort den iemer 25
werenden Ion.
Legent uwers hertzen minne an in alleine, der do alleine daz
gemint hertzentrut ist, des minne do alleine die sele edelt, wann alle
ander minner sint ir edele berober. Ach, gedenkentj wie die ge-
1 han — und fehlt g 2 f. in allen ^, hU 3 als er verrest ma^ z
[in] sich s. cd 4 [in] ime ss^ 5 zu usserk. mNli 6 vereine zu a. z. hUs^
7 betrahtung cdhmNnRs^ 8 und — 9 übers, fehlt h 10 losen hss^ 12 [under]
got dh und [under] bdhmNRss^U 14 f. sinen — hidtcn fehlt hcdhniNh'ss^U
16 den . . . den dhs 19 Ach — 20 tön fehlt .v^ och fehlt dR 21 es]
üch b Lüg. — 22 zit ist fehlt Rs^ 22 f. und lüg. u. lat fehlt ch 24 hertzen
dhRs.s^ ewigen fehlt hRss^ 25 geruwiges ss^hRc 28 do fehlt cmNs^
29 berobet hmN
12 sich under got und under alle menschen verdrucken, vfjl. Marg, Ehner
20jl0 u, die Stellen aus Tauler bei Denifle, Bvga XXXIII,
Grosses Brief buch. Xu. Brief. 439
minte minnerin, die liebe sant Angnese in so zärtlich minnet und
die gpehen valschen minner vernihtet! Lägent, bettent ir du daz
5ch alle uwer tage getan, wie fro ir nu werent ! Waz nu gesebehen
ist, daz ist do hin. Flissent uch nu, daz ir üch von allen menschen
5 scheident, seleklichen haltent und mit gotte in uwerm hertzen zu
allen ziten umb gangent, wanne hie mit so mügent ir daz verlorne
widerbringen und nuwen bort von gotte erwerben.
Xn. Brief.
Nigra suiii, sed formoss, flliae Jernsaleni, sicnt tabernscnla
10 Cedar, sicnt pellis Salomonis.
Also stat geschriben an der minne bfich von der minnenden scle.
Die töbtren von Jerusalem hatent ein angaffen mit einem wundor
her Salomonis usserwelten frowen, daz sü so swartz was und ime
doch wol under vierzig und hundert frowen die liebste was.
15 Des antwürt sü in togenlich und sprichet also: „Nigra sum
etc., ich bin swartz und bin aber doch lätselig und minneklich'',
reht als ob sü spreche: „mir ist lieber ein gnadrich lütseligü swertzi,
denn ein schin einer gnadlosen wis^i.**
Ach, nu hftrent, ir sch6nen töbtren, waz meinet der heilige geist
20 hier inne? Wer ist disü swartzü lütseligü mörin, die dem himelschen
Salomon so reht minneklich ist? Sehent, daz ist ein gotlidender
mensche, den die ewige sunne mit grossem bitterlichem liden eut-
ferwet und mit eime lebenden sterbenne diser weite entstellet, und
1 Angnese] Katherina b 3 och fehlt bahlis^ U 4 ir [üch] b 7 Ameu Rss^
XIL Brief. (= Kl Bfb III). Hss.: b c d g g^ h n U s s. In g
fehlt ein grosser Teil des Briefes (440,3—441,17 u, 441,:^9 bis Schluss), in h
ist tr zweimal (Bl. 68*' u. 166*') abgeschrieben: die Varianten der ztceiten, un-
vollständigen Abschrift (bis 442ß reichend) werdtn mit b* bezeichnet.
9 filiae — 10 Salom. fehlt gn 12 an kaphen s [an] kapfen c,n 14
vierzig u. h. frowen] sibenzig künginen g 15 gar togenl. sM sprach bdhn
also fehlt hn 16 aber fehlt cg^hMsz doch] da bi z 17 ob fehlt dns:
18 ein schöner schin in einer gn. w. z 20 dar inne hl<s disü] du bh
21 so rehte mynneklich gevellet und ist s 22 f. entv. hat gn
1 f. Vgl, Lectio IV der Matutin vom 21. Januar nach dem Dominikaner-
brevier; Legenda aurea ed. Grösse 113 f.; Hermann von Fritslar 67.
9 f. Hohtl. 1,4. 14 f. Hohtl. 6,7 f
440 Grosses Briefbnch. Xu. Brief.
aber den inneren menschen mit gnadricher minneklicher lütselikeit
kleidet. Wer ufiF der himelschen beide sich ermeijet bat, der ahtet
n4t vil uflf des zitlicben meien wat; oder waz sol ime rosenrot,
vyol, lylien und allerley varwe der blümen, so sin bertz da von
in keiner wise kan gerfiwen? 6
Min kint, min kint, war zu gibe icb dir scb6ne wort, so min ogen
Wassers und min hertze vol füres ist? Und daz macbet daz lieplieb
tSten, in dem uns got in diser weite vor vil andern menseben tötet.
Acb, minneklicber got, es ist libte zfi sprecbenne und libte zu boren,
es tfit aber als gar we ein gegenwfirtiges enpfinden. Kint mins, lo
bat unser got vergessen, weis er uns nut lebent? Owe, scbSner,
zarter, truter berre von bimelricb, wes bastu gedabt über uns ? Wie
mag dine bant so swer sin, und din bertze docb so rebte milte ist !
Acb, zarter berre, so daz manigvaltig sterben mins bertzen
und libes mit mir ringet, so zurnde icb gerne mit dir; owe, so wider- 15
stossest du es mit einem versüsten gedanke, rebt als ob du sprecbest:
„icb tun dir nüt zu zürnen, icb tun dir zfi minnen. Lüg in die
scbSnen allicbeit der weite, Iftg an daz scböne lebent gemüre der
bimelscben Jerusalem, wie die lübtenden klfigen stein der stat vor
geverwet sint mit liden, die nu so glentzent sint! Gedenke ocb an 20
vil diner sunder fründen, an den icb liden sparte, war zfi die worden
sint. Wie gescbacb aber der lieben sant Elisabetben? Paulus
was diser weit ein binwerf, Job, Tobias, David giengen daz
selb pfat. Der beiige Atbanasius leit, als ob alle disü weit
sinen tot gesworen betti. Log, wie alle beiigen eintweder bertzen 25
blut, oder aber libes und bertzen beint gerert!"
Herre, dis stosset micb rebt in mich selber, und so icb gerne
etwenne einen ungedultigen gedank betti, so erscbamen icb mich
berlich und gedenke: „owe, wer bin ich, daz du, geminter alniehtiger
herre, mich geriicbest dinen lieben fründen, dinen zarten heiigen 30
glichen ? Ich bin doch nüt wirdig, daz du an mich armen verschulten
2 sich nac?i Wer bb*n 3 vil fehlt dnz 5 getruwen (!) s ger.
kau hR 6 dir] üch z dirre schone w. ^: 7 so vol f. Jtb*d 9 und
[lihtc] bb*h7i 10 als fehlt s 11 uns] unser bb*dhl{s 16 versussesten hb*
17 Log — 18 weit« fehlt s 18 lebent fehlt bb* 19 vor fehlt bdhlis vor-
hin n 21 [an] den bcdhRs 22 Siber fehlt ?is 23 hinwerffen ds hinwerlfer b
hinvart und hinwerf z David felUt b daz] den bn 24 Anastasius (!) d
leit es als ob z 26 aber fehlt bb*n8 und hertzeublüt hb*c 31 nüt glich
noch wirdig z
18 ff. Vgl. Apok, 21,10 ff. 22 f. Zu Paulus vgl. I Kor. 4,13,
menach<?ii gedenkest. Owe, 8ch6ner herre, m^ht ich aber din minne
unil dine liebe, din zarten süssen heimolicbe erwerben! Eya, herre,
so tode, 80 marter, so vertrag mir mit uff ertricb ! .Sieh, herre, wer
ich denne der zartest, minneklichest mensche, der uff allem ertricb
5 lebet nach aller M'irdekeit, daz müsse an mir erdorren, und so daz
erdorroti, ao wöiti ich, daz dennoht tusent audrü mensebeu uatür-
lichü blügende schön! ir jungen natur in minem hertzen und übe
erdorren solti."
Herre, dis spriche ich, so ich bt mir selber bin, owe, mer, so
10 du, geminter schöner herre, bi mir bist. Uerre, ob ich aber zfi
allen ziten hier inne nibt stan nach dem gegenwärtigen anblicke,
dar umb ban ich dich doch nüt verlorn, — morgent und abent ist
ein gantzer tag. Herre, min verecbuUcs leben oder aber din ge-
niintes usserwelen hat mich vor der weite entstellet. Daz si. Sol
IB ich daz klagen? Nein ich, gewerlich! Herre, din kncLt Paulus
spricbet: „geviele ich noch dien menschen wol, so wer ich nüt Cristi
kneht." Herre, so ich sihe min antlit bleichen, minen munt dorren
und alle min natürlichen lütselikeit darben, eo gihe ich itlT und
lipricbe also : „Sieut pellis Salomonis, daz ist der usser mensch
20 des geminten zarten Salomonis. der da an dem kn'itze erdarbet und
erdorret, daz er einem menschen unglicb wart. Der tret her für,
der sich im an jcmerlicher verworffenheit muge geliehen! Herre,
icb trncke min antlit an daz dine, so ist es als gar ungelich; alles
min liden, versmebt, entstellung, ersterben, verworffenheit verswindet
26 als ein tröpfli in dem mer. Du epnchest doch: Ego sum vermis
et non homo. Owe, du schöner wurm, versmehet von aller diaer
weite, der da mi lübtet ob der snnnen glantz, der dich dicke vor
im hat, wie mag der iht klagen?
„Herre, ich weis, du minnest din glich, daz ist dir catürlicb.
30 Herre, na enweis ich, waz hlmelrich ist denne dine minne. Dar
3 tode] tfiD Ä er natfirUl warlerUchö z 7 in ir .[. n. dz 8 sulü
nach minem eig^ien eopfioden z 9 jner] uir bh'h 10 schöner fehlt e
11 <IaT iune UR 13 morttena und abens s 17 antlit] nasze g 19 um-
erweite s 20 zarten fehl! dy 21 Der — 25 mer ftlüi g 23 als) alles *
aber als 6 24 veratelliiage hlt 25 doch] mich sg, felitt du 30 [en]
weis dh«x
4 ff. Vffi. Bdew 373,16 ff. It Kl lifb 36bfi deutUchir: nit glich er-
gebenliehe.- vgt. Gr Bfb 433,30. 15 f. üal, 1,10. Ifi Hohtl. 1,4.
25 f. 1'*. Sl,7. 29 Vgl. Kl S/h 3SJ,S.
J
442 Grosaes Briefbuch. XII. Brief.
unibe 80 mache mich dir glich, es si sur oder süss, es sie mir liep
oder leit. Herre, min zarter truter herre, bin ich von der weite hin
geworflfen, so bin ich aber von dir enpfangen, wie we mir denne
geschiht; bin ich der weite versmehet, so bin ich aber dir rainnek-
lich. Wel ein wehsei joch daz ist! Gista mir liden, so gistu rair ß
aber dar umbe dine minne. Owe, minnekliches liden, daz mir die
zarte minne mins geminneten herren mag bringen! Under daz so
wil ich mich iemer mit frSlichem mute neigen.**
Min kint, du gedenkest vil lihte, wanne dich got als vast hat
an gegrififen, war umb ich mich dir gliche? Des soltu nüt ge- lo
denken. Liden sint der nature: so sü ie verborgener sint, so sü ie
scbnidender sint; ieder mensche ist ime selber der nehste. Dis
spriche ich dar umb nüt, daz ich ie üt gotte genemes liden habe ge-
habet, wan sol mir üt gfites von gotte widervarn, daz müs von der
grossen erbermde sines lidens geschehen. Doch die selben liden sint 15
mir dicke so nahe gedrungen, so ich sach veltsiechü menschen oder
meniger leyge in grosser versmehte und krankheit, daz ich gedahte :
„owe, herre, wie ist dem menschen so wol wider mir!"
Dich duncket, daz din liden grosz si. Ich spriche: gewerlich,
und wer es gottes wille und solt ich vor mir han, daz ich han er- 20
litten, oder din liden: löge, wie einer nalden spitz si gegen einer
Stange, also lihte wer mir daz din für disü. Und wie sü mich
grosz duhten, so hab ich es doch da für, daz ein einiger tag, in
dem du es willeklich und frSlich lidest, got lobelicher si und ge-
nemer, denne waz ich gelitten han. Doch solt ich dir hie von nüt 26
han geschriben, wan daz mich die götliche minne dar zu zwinget,
daz ich min ahsel biite under dine bürde, daz sü dir dester lidiger
werde.
Kint mins, gehaben uns wol! Wir sint nüt allein die ver-
smehten, der mer teil des himelschen hoves sint da unser gesellen. 30
Sint wir den lüten unnütz: daz widin holtz ist unfruhtber, man
machet aber gar schöne lütseligü bilde dar us, dien nie eren wirt
erbotten, denne den hohen zederbomen. Nemen unser glichen her
4 versmehte nz 5 wel] wol bb* 7 zarte fehlt z herröii] hertzeu hd
9 du fehlt z hat also vaste bs 10 nüt] mir b^ fehlt hU 11 iemer verb. z
13 gotte fehlt dhsz lidens z 16 vil sieche menschen (!) b 18 ho rehte
wol bd 21 nolen s si] ist ?«, fehlt s 22 daz fehlt s 23 duht<» s
24 gfewilleklich bds 24 f. genemer] gemeiner z 26 twang h 27 liliter
shyiK 29 wir uns b sint] sten hR 31 widin] wild g^hR 32ere hns
33 glich nRs
für und eikosen uns, laesen uns reht wol sin! So arme dürftigen, j
die in huDgersnot sint, zu Bamea koment, so gewinnent sü etwenn ,
ein kiirtzewile, daz sü ires huugers vergesBent.
Acb, kint mins, ich mÜB dii- eins sagen, daz du enklein dester I
5 bas dines lidens vergessest, und eolt du es heimlich hau. Lüge,
ea gesehach eins moles, do was icli in grossem versmehtem liden,
nüt von miner persone, es was von auder menschen person. Do
sasz ich in der zelle und saeh einen hunt, der lieff enmitten in dem
krützgang und tans da ein ffistäcfa umbe, und warf es dennc iif
10 und warf es denne nider. Also ereüfzet ich gar innekÜch und B]irach :
„gewerlicb, herre von himelrich, reht also bin ich in der brüder munde
als daz fÖBstöeh." Also gedaht ich: „nu nira eben war: dax ffls-
töeh lat sich handeln deu hunt, wie er wil, er werffe es hoch oder
nider oder er trette dar nff," — gedaht ich: „also soltn och tön;
15 man böte dich hoch oder nider oder man vcrspßzze dich, so solt i
du es in einer biliichi uff nemen als daz tilch, ob es k6nde sprechen."
Und nam daz fiistfich und leite es iu min keppelin nebent minen
stftl, da ich es dick mit ussern und mit innern ögen an siehe, wie .
min hovertig herEze doch nie dar umb teti, als es billicb sfilti. Ich |
20 wolti dir es ban gesendet, daz dir din liden dest lidiger wer gesin, I
so ist es mir als rehte liep, dax ich es nüt von mir mag gelan. I
Na, min kint. hab dinen mät, heud und ögen uff, und lobe den 1
geminteo vattcr getrütich und enpFach sin süssen vetterlichen scbüssel
2 äi« fthh hlt 4 ein kleiuca b» ein wenig Uc 4 f. dester ba« /<A'( a
8 in (eiceitt»)] vnder Rs durch t 9 tantzet i: tausKel fl zauHot s' denste n dn'ig h
da /MÜ cdh denne — 10 ea fihlt k U reljt fuhll U-dit bröderl meu-
achm g'hUs 12 mi fehlt bilhnR 13 oder] er werf es i 14 da ged. ich dÄ I
Kolt öch e Holt oueh du li 15 verspACze b verspnt hli spot du 17 kaplin s I
c&'^QÜt cd;/' hH zene. n 17 1. neh^at m. ntt\ fehlt lU IS ich fehlt b a fehlt s i
19 gedcte .V 21 gelan mag e 22 hant dhHv 23 herren und vatter ne |
Hiuen vetterl. anssen aliisscl (!) n 1
6CF, Vgl, l'ita ÖHfiff. dientVte Erz/Ihluni/ etwas gekam ; Ampirlungtn 1
darauf Kl Bfh 36H^il «. 3Gti,Sr ff.; Gr Bfb iäl^Hf. Du ÄdrcMatin de» Briife» '
Nigra ttum ist alhm nach Eltbelk Slagtl, trflche dif Gnehiehte in die Vita
aufnahm. 9 tans von dintrn, dmnin, tenten, gnraltsam tsiehett, seMeppm
(Lej:rr I, 436 f.). 17 keppelin ist hier Dänin, von kappel = Meine Kapäle,
nicht von kappt (Mantel mit Kapuse), «gl. Schwtierrischea Idiotikon III,3SZ
(Chä}iptU) u. Schmrtter r',12ti9. Ühtr tieusef Kapelle ». Vita 17,JB.- 60,1; 103,14.
19 f. Übi'r die Sitte der Gotttgfrrtinde und -l-'reundinnen, emandfr Gttchmke
la macht», vgl, Strauch, Marg. Eliiter LXIIIf. 23 Bchössel Das Leidiii
vird mit tintm Gerichte der himwliavhen Tafel verglichrn.
iJ
444 Grosses Briefbuch. XTTT. Brief.
frölicb, wan dar nach gat nüt anders, denne sin minne und sin
heirnelichi in zit und iemer werende fröde in iemer werender selikeit.
Amen.
XIII. Brief.
Absalon, Ali mi, Ali ml Absalon, qnls mihi det, ut ego moriar i
pro te!
Owe, kint mins, min hertzliebes kint, wer git mir, daz ich
für dich sterbe? Wer git einem getrüwen vatter, daz ich für min
liebes wolgeratens kint sterbe? Stirbe ich nit liplich, so stirbe ich
aber geistlich mit dem geminten kinde mins hertzen. Ach^ min kint, ic
ich bin liplich verre von dir, aber min hertz daz stat vor dinem
bettlin, da du list in grosser krankheit, und mit vollen ogen und
bitteren trehen klaget dich min sele, wan ellü minü inrekeit ist be-
^veget in bitterkeit von dime liden.
Min kint, min liebes kint, büt mir diu haut, und sie, daz got is
über dich gebiete, so bis veste an dem tode und bis stete nach dem
tode, wan wissist für war, daz ich dir nu erst rehte trüwe wil er-
zögen. Die kint diser weite die hein liep, untz es dar an get, und
denn lant sü. Also get es uns nüt: ich enpfach dich erst zu eime
kinde und trag dich für minen lieben herren und sprich also: „ach, 2C
hcrre, erbarm dich über min kint, tö im gütlich! Herre, gewerlich, es
mag anders nit gesin: herre, eintweder verwirflf mich mit mineni
kinde, oder enpfach aber min kint mit mir, und tu im vetterlich
an diser stund, wan ich neig sü in die tiefen wunden diner grund-
losen erbarmhertzikeit, in der sü von allem mittel gentzlich gelütert 2E
werde. **
1 frolich fMt z 3 Amen felilt chz späterer Zusatz : quod nobis
concedat ille qui pasaus est pro nobis (vgl. Zfcla 21^111) mN
XIIL Brief (= Kl Bfh VI). Hss.: c d h n B s r.
5 fili nii nur einmal cz 7 min (mins c) hertzen kint chB [min] hertzeu-
kint ds daz] da ä 8 git mir dz einen sz 9 liebes und w. r 10 aber
doch ß 12 list] bist cdhBs 13 so klaget z sele] hertz hB innickeit JiB
13 f. bewegen z 15 sie] ist B ist h ist es dn 15 f. daz es got geb. über
dich r 16 und — 17 tode fehlt cns stete] veste z 22 sin z du ver-
wirff dhBs 23 ald du enpf. dz oder aber du e. hB aber — mir] mich mit
minera kind nhB vetterlich] gutlich hB 25 der] dem s
5 // Kön. 18,33. 7 ff . Vgl. die Einleitunfj im Kl Bfh (378,^2).
18 dar an = an das Sterben,
I Briefbuch. XIH. Brfdf
Owe, znrtos min kiot, wan wer die Btnnd komen, daz ieb mit
dir solte varn! Owe, langes beiten, wie tftstu so we! Owe, eilendes
jamertal, wie lang sol icli bi dir ein! Eya, bimelscbei» latit, wonn
will du mir g:nade tun V Geeach üch got, die ietze da siot oder die
5 ietze nff eitne uabec wart8pil sint! Die aol nieman weinen, sü eo!
oiemHü klagen, wan klage denn von jamer, ocli bald dar ze koinen,
Owe, Ifig, waz Jamers in diser weit iet, waz lidens und atigst liie
iet! Uod wer nüt me denne ein einzige vorhte, in der ein menscb
müEs stan, und die jeroerlich wandelberkeit, uns sölti da hin be-
10 langen. Die weit ist also vol atriken worden, daz er es wo] mCts
künuen, der dien mag endrinnen. Nieman sag mir von Icne: e dnz
man ietze einen Ion verdiene, wan ist e in zehen schulden gevallen.
Er bat lones übrig, owe, der daz minneklich zarte antUt des scfaöneu
berren iemer echowen boI und id der lieben geBellschaft sin sol.
In Tat die stunde des lodes we und ist bitter, so müsz es doeh neis-
wenu sin. Oder wart ie kein mensebe so zart oder so here, daz
der stunde über wurdi? Der denn hiit unbereit ist, der mag morne
vil unbereiter ein: ie elter, ie zeber. Man vindet vil me, die sieb
dar nach bösront, denn die sich bessront. Ist sine gegenwürtikeit
■M bitter, so macht er 5ch aller bitterkeit ein ende.
Dar umb, - zartes min kint, so ribt din hertze und bend und
ögen uff bin in daz lieb vatterlant und grüsae es mit begirde dines
hertzen, und welle es got, so welle 5eb du. Sieb, er ist ein als rclit
guter berre: die minste wunde, die er ie erleit, versoffti in ir tiefli
25 und verswaint tusent totsünde als eine, der es an rAwiger girde an
in kan gesftchen. Furcht dir nftt, bis vest an dime gel5ben, so
kau dir mit gescbaden. Got der wil und latis für dich stnn und
alle dine wunden enpfaben.
Min kint, und so du für den ^'eminten };ot erst kumest, so bit
1 f. 8Ölt mit dir i 3 lebtn und lunt e i oder — B sint /rliU hR
4f. oder die jocb ietae * 6 wnu weine und klage r 7 waz lid. — 8 ist f'hlt d
8 emzige] einUige n ringe da 9 f. gelangen s 10 also fthll e II dien]
deone ha äa. d 12 einen loa ietze dliMa ist [e] dliRa schult dhüa
13 owe fehlt HR 14 der] des * 15 f. etwen b«H 16 here] edel hR
17 überig hR unbereit] bereit r 18 ye elter ,ve heiter, je reicher je karger n
Willi man t. * 20 öch wol z ein fehlt Ra 22 girde '/* 23 ala ein g
24 gät bertie s Terkufte * besenfit c llberBoffti c 25 verswant » v«-
Bwendet cdhS girde] bcgerden erfn genad hR genaden a 26 im cdRa
BÖcheti dhRa dir] dich cdRa rebt ntt s 27 für fehlt s
8 Kl Bfb äSO.9: vorbt libes und «ele. 19 sine = des Todes.
= Christas.
A
446 Grosses Briefbuch. XTV. Brief.
für dinen getrüwen lieblosen geistlichen vatter und über dinü geist-
liehu geswistergit. Ich bitt alles himelsch her und die lieben engel,
daz s& din wiser und leiter sien, und ob ich dem geminneten gotte
ie keinen dienst getete, daz es dir ze statten kome. Amen.
XIV. Brief. i
Exultet iani angelica tnrba celorum!
Do der lichte morgensterne heiterlich durchbrach die leiden
Yinstri dins dunckeln hertzen, do wart er frölich ^egrüsset. Ich hüb
uf an der lieben stunde mit schalle eine frödenriche stimme, daz es
in der höhi erklang: „ach, got grusse dich, praeclara marisic
«tella, got grusse dich, ufgender, lichtender, wunnenklicher, zarter
morgensterne, von dem grundelosen gründe aller minnender hertzen ! **
Ich reissete die gesellen, daz sü schallichen den glentzenden morgen-
sternen griiztin, owe, ich meine die süsse küngin von himelrich, die
mit iren usbrechenden fürin blicken din timber hertze hat erlühtet, u
nach dem als ich an sü togenlicb komen was. Min hoher müt
enbot ein fries loben in daz himelsche laut, und bat die hellen cal-
lander, die süssen lerchen der himelschen beide, daz sü mir hulfin
rümen, loben und prisen den herren. Ich hüp uflF min ogen mit einae
vollen hertzen und sprach also: 2(
„Exultet iam angelica turba celorum!" Waffen, got!
gewan ich ie leit, daz verswant do; die guldin tage hattent mich
umbgeben, ich wonde, ich swebti in dem meiental der himelschen
fröden! Ich sprach: „fröwent üch, ir werden engelschar der
himelschen 5we, jubilierent, springent und singent umb die frölichen 2{
mere, umb die lieben botschaft! Lügent alle mit wunder: der junger
sün ist wider komen, daz verlorn tote kint ist funden, ach, daz tote
1 liebl. fehlt s über] für cdhn 2 geswister dhs 3 und din 1. cds
4 es] er z Amen fehlt cz
XIV, Brief (= Kl Bfh V). Uss.: c d h n s z.
9 frodenr.] ffoliche h 11 [lücht.] mynnenklicher s zsiTter fehlt hnz
13 reysze zh 16 irem nz blikkende zd timber] tumbes dhs 17 f. die
i. call, fehlt hs 18 süsse leriche hs hulflFe hs 19 und loben s prisen]
eren z mit] in s 20 also fehlt cdz 22 ie fehlt ds 23 ich w. — 24 froden
fehlt d 24 engelscharen z 25 umb — 26 mere fehlt cdhs 27 ach und s
6 Anfang des hei der Weihe der Osterkerze gesungenen Hymnus,
7 ff. Vgl die Einleitung im Kl Bfh (373,6 ff.). 26 f. Vgl. Luk. 15,24.
Bsse« Briefbueh. XIV, Brit
liep ist wider lebent worden ! Der aller natürlicheBt jB^eblümt iiDger,
da daz vich uff gesla^'CD was und verwüstet wbr, begionet in über-
natürlicher BcboDheit wider schinen, daz rieh ist ds getriben, die
schönen blömen beginnest schon ufT triiigen, daz tor ist beelogsen,
5 daz eigen ist üch wider worden. Dar umb, ir himelschil eeitenspil,
teichent ücb, macheut uff einen iiuwen reven, daz man es inuan
werde in dem hinielscben hofe, daz da kein gaese si, si werde ain
vol! Fröwent üch so vil dest nie, wau der minnegätin fro Venus
ist ir hertze berSbet, ir fi!irneaies Bumerliches krentzli ist ir ab ge-
lü sprnclien, ein frodeberendes epil ist ir erstumbet.
„Eya, valscbe weit, eya, triegendu zergenglicbü minne, ^aug in
tniren, tfi din hopt nnder! Wer wil dich nu prisen? Mit wem
wiliu es nn in so hofenlicher lütselikeit vorganV Din gemeiter
leitslap ist dir nnder getan, er ist worden ein ansihtiger g5tlicher
15 leitstap. Des fr&wen sich die himel alle und alle gdtliehü minnendä
bertzen sprechen: Gloria tibi, Domtne, umb du grossen wunder,
die du, herre, allein winkest in so manigen sündigen, helfflosen,
verzwifleten herzen.
„Ach, schöner, gewaltiger herre, wie rehte Bchoo nnd tninneclich
211 du siest in allen dinen geteten, so bistu doch aber neiawie tusentvalt
miiinekliclier und lobelicber in uns armen sündigen menschen, die
du also gar nnverdienet gerfichest zu begnaden nnd zu dir zh
ziehende, Herre, es gezinit dir ob allen dinen werken als reht wol,
es stal diner grossen güti also rebt zimlich. Owe, du minnekliches
2ö grundeloses gQt, da in dem werk spaltet der stählin berg diner
strengen gerehtikeit, da zertät sich uff wite din grundelosü rer-
borgnu erbarmhertzikeit,
^Tretent hüt zä mir. ellü menschen, die got also minneclich
begnadet hat, und lant uns minnen, scboweu und loben daz gut,
30 owe, daz grundelose gut ansers berren und niilten vatters ! Eya,
geminter got, lüge ein wunder: die hertzen, die vor nmbviengen den
mist, herre, die minnent und nmbvahent dich hüte mit grnnde-
loser begirde; die gester waren verkererin, die sint hüte diner süssen
2 der beginnet hn 8 frowent — 10 erstumbet ffhlt d 9 Jiertze]
hört ' 10 frödebrinnoudes s 11 Eja t, weit fehJl dhs II f, g&ag in
tniren/«Mf tdli* I^-IB liechtatal n 17 sündigen /eUt »s 20 giost] sitzest t
neiswie fehJt dh» 26 da] das s 26 f. verborgnö] göttliche ctüw 29 das
g6t /Ml !
8 f. Vgl. oben 435.4.
J
448 Grosses Briefbuch. XIV. Brief.
minne wise bredierin. Herre, es ist ein wunder und ein lustlicb
ding zu hören: die vor von Zartheit sich selber kum getragen, die
brechent nu in selber ab und vindent nuwe fünde grosser stren^heit
und minneklicher übnnge in dime lobe^ daz sü sich Interlich mit
dir gesünen. Den ir eigen lip ze liep was, den ist er worden ein i
frömder gast; die sich vor vinlich uflF mahtent, wie sü der roinne
gelagetin, die bergent sich nu, daz sü gotte wol gevallen; die vor
in zorne warent als die grimmen wolfe, die sint nu an übersehen
als die swigenden lembeli. Owe, die da vor bwarlich gelestet und
gebunden waren mit stehelinen reiflfen in trurekeit und in swer- k
mütikeit, owe, milter herre, sich, die swingent sich nu frilich und
frölich ob alles, daz ertrich geleisten mag, in wolgemflter friheit, sü
floierent frilich gefriet in daz himelsche vatterland; sü wundret, daz
sü ie so blint, so sinnelos gegen der vinstern naht der valschen
minne mohtend werden. IC
„Herre, daz ich hie vor läss, daz han ich nu enpfunden: so daz
liplich zft dem ^geistlichen, daz natürlich ze dem ewigen geratet
daz ein grosser funk diner gnadrichen minne dar us wirt. Eya
ewigü wissheit, dis ist die Wandlung diner rehten haut, zartü frow
von himelrich, daz sint die werk diner grundlosen miltekeit!'* 2(
Nu höre och, min kint, waz ich und du und unser glichen
gegen dem geminten gotte tun sond. Wir sollin hinnan für also
leben, daz uns uieman got muge uflF gehaben; wir söllin tön, als
ob ein edel künig sine küchidirnen satte über sin efrowen: owe,
wie dankberlich die dirne den herren umbvienge, wie trutlich sü 2c
in minnete, wie hertzklich sü in lobete, und so sü sin ie un-
wirdiger were, so er ie wirdeclicher von ir geminnet wurde! Wir
söllint reht den Intern unschuldigen gottes gemahlen für bieten.
Tünt sü ime eins, so süln wir ime zwey tön, minnent sü in ein-
valtklicb, ach, so süln wir in tusentvaltklich minnen. Lügent, reht 30
alle die wise, als wir hie vor in unsern tumben tagen uns flissen,
daz wir sunderbar stunden in aller klükheit, daz wir ellü hertzen
1 lustig hz 5 versünen sc 6 uff felilt s 7 gekla^eten s 8 als
— 10 stehe], fehlt d grimmen] üblen z 8 f. an übers, nadi lembeli z 9 [da]
vor hns 11 swigent [sich nu] z 11 f. und frolich fehlt cds 12 allem h
allein s 13 florierent chz lant dh 22 gotte fehlt z Wir — 23 ge-
haben fehlt hs 23 och tun z 24 sine] ein nz satte — 25 herren fehlt z
25 trureklich (!) s 27 von ir fehlt 8 dur minnet z 28 vor bieten es
32 sunderberlich s
17 f. Vgl Benifle, Bas geistl. Lehen 468. 19 Vgl Ps, 76,11 u. Bernardus,
EpisU 109 n. 1.
artNMoa Briefbncti. XIV. Brief.
zd uns ziigin, also sSUint wir nu naht und tag dar uaiih studieren,
wie wir ellü hertzea gehessern und got nsgenomeDlich vor andern
menschen wot gevallent.
Ach, kint mins, gedenke, in dien toben tagen wie tet uns so
6 reht wol, so man uns sunderlich mtnaete und meinde. des wir wanden,
— owe wie rebte wol uns wirt, so uns na daz gemint liep wirt
sundertieh minnende und meinende!
Ach, kint mins, gedenke, wie rebte aur es erarnet wirt, daz
wir etwenn von rebter vorhte lützel kein kurtzwil da von mohtin ge-
10 haben! Acb, dar nmb ist billieh, ob uns dis och etwenne vil sur wirt.
Lbge, kint niina, eines dings de?, beger ich: daz du Inte, die sin
nät enpfunden hant, daz die wennent, daz es vil nie kurtzwile bringe.
denne es tllt. Owe, kurtzea üep uud litnges leit! Owe, got, wan
hettin eü din nuwen ein vil klein enpfunden, wan hettin sü nuwen
15 ein vil klein an gebissen 1 Gedeucke, min kint, wie reht tobe bü
sint; SU wennent, daz nieman wol so, denne der mit dem roten
ftsse an dem krumben nngel gelAdert ist. Aeh, ewigü wiszheil,
minnekliches liep ob allem liebe, wan sebin dich ellü solichu
liertzen, als dich min hertz siht, so zerstubi in in ellü zergeng-
20 lichü liebi! Herre, mich kan niemer verwundren, swie frömde es
mir öeh hie vor was, daz kein grundelos minnendes hertze in icht
denne in dir, tieffe wag, grundeloses mer, tieffes abgründe aller
minneklichen dinge gelenden mag. Herre min , min schönes liep,
war umb zögeelu dich inen nüt? Löge, ewige wiszheit, wie die
25 valsehen minnerin tfind: swaz uniütseliges, ungestaltes and gebrest-
hafk'a an in ist, daz bergent eü genote, herre, heint sü aber icht
düplicher gestifter Bch&no oder lütselikeit, daz bütent sü her für.
Denn tönt bh läse Sgenblicke, denn r5tent sü den bleichen munt.
1 uch ulso h» dur uff r 2 gebosBregint s und — 3 gefall, ff litt tl
5 wanea « 61. aunderücb wirt f 0 kein frhlt line 10 nucli dis 'i Hwie s
11 eio ding cdh« 13 ^ot frhlt eilhs 14 nuwtn] iiütwati (ziftimal) z ein
vil eiu kleiü t enpf. — 15 klein ffhU » IB lil du klein 2 16 f, der
r. am g 17 den kr. a. cht 18 ob a.. liebe ffhlt cdhx 19 «erstnbi] ver-
ging dh in in feMi z 20 enkan cdg erwiiudern n 21 ocb fehll e
•2b valsche m. ifit «A 26 f. und unge bresthaftes « "iß axt [in] i begerent bA
licli gen. M üS Denn *- 460,3 vergiengi fehlt h» denn rot — munt fehlt cd
2B Kl Bfb (377,11) gehreiht Stase: minner, und littst das DfUitl (Z.i^ff.)
wtg. 28 f. Sehon BerthiAd von Uegemburg (I,4t4,2mi tadelt die SilU
dcM Sehminkena, noeh melir apälera Prediger, vgl. L. Kotdmann , Oegundheitf
pßrgr im Miltdalltr. kulturgvch. Studien nach I'i-edigttii des 13.— 16. Jnhrh.
i8S'i, mff.
450 Grosses Briefbuch. XIV. Brief.
denn färwent 8u die uDgestalten wengel, denne sussrent sä die
kruroben wort, den bietent sü ber für die gezwagnen hende, und
were in leit, daz lebt an lieb were, daz liebes ogen vergiengi; und
so sü es bin und her getribent, owe, so sint su nüt anders denne
ein sak vol mistes. So gedenk ieb: owe, der dir nuwan die obern
hui ab zugi; wie sich denne die warheit in dir erzogti; wel ein
Untier man an dir sehi! Owe, aber du, gemintes liep, ewigü wisz-
heit, du verbirgest din gemintes und zögest din leides, du zögest
daz sure und behaltest daz süsse. Owe, gemintes zartes liep, war
umbe tüstu daz? ]
Ach, geminter herre, erl5be mir, lasse mieh sündigen menschen
ein einig wörteli zu dir sprechen, gewerlich, herre, ich enmag sin
nüt enbern. Owe, gemintes liep, wanne hettist du mich liep! Ach
herre, hastu mich liep? WaflFen, wan were ich din liep! Owe,
wennet ieman uff allem ertrich, ob mich der geminte herre liep habe? ]
Min sele einredet dar nach, owe, min hertze ruret sich in mime
libe, so ich gedinge habe, daz du mich liep habest. So es mir
in minen mAt knnt, ach, so wirde ich so rehte frölich gestalt, alles
daz in mir ist, zerflüsset von rehten f roden, Lüge, herre, hetti ich
Wunsches gewalt, so were daz aller höhste und begirlichest und s
lüstlicbest, so min hertze und sele erdenken köndi, daz du mich
snnderlich liep hettist, ach, owe, und daz du, truter herre, ein sonder-
lich minnekliches liebsehen uff mich hettist. Ach, wie wol mir denn
were! Lügent, ellü hertzen, were daz nüt ein himelrichV Herre,
dinü ogen sint lühtender denne der liebten sunnen glantz , owe, din s
süsser reiner munt, dem der liepliche wirt kunt, dinü lieht-
berenden wengel, dinü schöne gestalt ob alles zitliches Wunsches
gewalt! So man dich ie bloszlicher von aller materi enblösset,
so man dich ie minneclicher in lutrer frödenbernder wunne schowet;
so man alle lütselikeit, gezierde, hofelich gestalt ie luterlicher von «
iedem menschen us gesamnet, so man es ie ei^enlicher in dir, zartes
2 getwagen n geweschen c 3 icht — were] iet liefliches an in were c
ir lieb die wil icht bi in were 8 5 die] din cz 6 in] an cd zogti z
wel] wie hs wel — 7 sehi fehlt d 7 owe fehlt hn 9 zartes gem. £
13 owe — liep fehlt d 14 wan fehlt ce wanne hs 17 es] er ftz 18 mime hs
munt /* 19 rehter froiden scdh 21 künden 8 22 ach und owe [und] dhs
23 Ach — 24 were (erstes) fehlt cdha 26 reiner fehlt cdhs
2 gezwagnen, Partie. Prnet, von twahen^ zwahen = waschen.
Grosses Brief bach. XV. Brief. 451
liep; vindet. Lüge, ist üt minneclicheS; wolgevallendes an keinem
minneklichen menschen, daz mit in purer wise tusent stunt minnek-
licher in dir, gemintes liep, si?
Na schowent, ellü hertzen, sehent in an, ach gent in ogen
5 minem geminten, lägent: Talis est dilectus mens, et ipse
est amicns mens, filiae Jerusalem, alsus minneklicb ge-
stellet ist min süsses liep, und er ist mines hertzen trat; daz si
üch kunt, ir tohtren von Jerusalem! Waffen, zarter got, wie selig
der ist, des liep du bist, und dar an eweklich bestetet ist!
10 XV. Brief.
Sarge aquilo et yeni auster^ perfla hortam meum^ et flaant
aromata Ullas I
Also stet geschriben an der minne b&ch. Die heilig cristen«
heit singet von einer Sünderin, mer von einer götlichen minnerin
15 also: Flavit auster et fugavit aquilonem, quando lavit
cor Mariae poenitentis imber spiritus sancti etc.
Nach dem als uns die meister von natur schribent, so sint
I mynneclichers hsz wolgevallenders ^ 2 f. minneklichers z 4f. [ach
— ogen] minen cdhs 5 et fehlt dhs 6 f. gestellet fehlt ha 7 und [er]
ist och z 9 ist der z ist (zweites) fehlt s nach ist Zufügung (rot) : min
lieber herr begnade z
XV. Brief. Hss.: hCcdhmNnRsUz.
II fluent bCnU 13 — 16 fehlt n geschriben fehlt hRsü 14 mer
denne von bC 16 umbra bC
5 f. Höhet. Oyl6. 11 f. HoheL 4,16. 15 f. Flavit auster imber sancti
iSpiritus: liquefecit et refecit solutam in lamentiSj Verbum missumcoelitus = 6. Be-
sponsorium der Matutin von Maria Magdalena (22. Juli) nach dem Dominikaner-
brevier. 17 flf. Vgl. Konrad von Megenberg, Buch der Natur 7 9,26 ff. : der wind
sint vier, die fürsten sint aUer anderr wind. Der erst haizt der sudenwint oder der
sudener, dar umb, daz er von sudem fleugt, daz ist von mitiem tag her gegen
norden .... Der toint haizt ee latein auster und ist fäuht und warm, dar umb
ist er fruhtpaer und den frühten nütz. Der ander haizet der nordenwint . . .
der wint ist kalt und fäuht . . . Der wint haizt ee latein aquilo . . . Der wifU iegleicher
hat zwen gesellen . . . Also hab wir über al vier stunt drei wind, daz sint zwelif. — In der
mittelalterlichen Symbolik (vgl. Sauer a. a. 0. 88 ff.) gilt der Norden als Ausgang alles
Unheils, Sitz des Bösen, der Süden mit seiner Lichtfülle als Sinnbild Gottes, besonders
des hl. Geistes und seiner Gnade. Vgl. Gregor M., hom. 2 in Ezech. n. 9 ( Migne76,799 ):
4r)2 Grosses Briefbuch. XV. Brief.
vier widerwertig winde an dem liplieben himel, und iekliche hat
zwen gesellen, daz ir also zwelff werdent, mit den der harre der
natur sin ertrich ernüwret. Under dien ist einer, lieisset aquilo
und ist grimmer denne die andern; der ist kalt und truehen und
bringet sne und beslüsset daz ertrich. Wider den ist ein ander, der
heisset auster, der ist warm und uasz und bringet den schönen owen
süssen regen ; er machet die wissen blujeiit, die grünen sät wahsent,
daz ertrich berhaft, er priset schone die beiden mit blflmen, den
walt mit lobe, den anger mit süssem smack, und allem ertrich git
er lust und fröde. ii
Eya, kint mins, nu verstaut balde, wa min hertze hin wil,
wan ich mein den süssen himelschen wint der gnade des heiligen
geistes, der da kunt von der hohen mittli des himels und ein
kalt, sündiges, rüwiges hertze durweget. Ach, ellü minnendü rüwigen
hertzen, enpfundent ir des himelschen vvindes ie, so mugent ir n
mich wol gemerken! Er brichet isinü hertzen, er zerflösset gefrornes
is süntlicher gebresten, er ernüwert die sele, er machet alle die krefte
der sele schon widerglenzent in ir zarten lutselikeit, und der vor
als ein fules ass von dem kalten wind smakte, der wirt als ein
pantier sinen süssen smak wite zerspreiten. 2i
Also geschach 6ch der minneklichen rüwcrin, der süntlich
leben ir den eigen namen hat verlorn, do su zu den milten, zarten,
usserwelten fassen der geminten wiszheit knüwet und mit disem
süssen wind was durchweget, ach, und ime sin götlichü fasse mit
3 der heisset chmN 5 wider — 6 heisset /e/iZ/ C wider] uuder b den]
dem dz denne hRs ander wind [der] e 6 owen fehlt bC 7 bliij.] blnmel s
8 heide CctiU 9 gesmack hCdhRs 10 froiden sdviN 11 mine b nu
fehlt z wa hin x: 13 [der] hohem b 14 rüwiges fehlt s 15 des] die bcnsü
16 merken Cchs iserinne bCc 19 ass] waz s 20 süssen fehlt CdUs
22 zarten fehlt bs
non incongrue Äquilonis nomine torpor maligni spiritus designatur ; hom. 6 tu 24
(Migne 76,1011): per Aquilonem rede peccatores accipimus : suptr Cant. c, 4 n. 21
(Migne79f516): per Austrum vero, calidum seil, ventum, Spiritus sanctu^ figuratur,
Hugo von St. Viktor, De bestiis 1,12: Austtr Spiritus sancti gi'atiam designat,
flatus Austri benignitatem SpiHtus sancti, calor amorem, Auster igitur vtnit,
quoties gratia Spiritus sancti mentem cuiuslibet accendit. In der deutschen
asketischen Literatur tritt an Stelle des Auster^ wohl wegen des Gleichklangs,
öfters der Ostmnd (ostenvint), vgl. Wackernagel, Altdeutsche Predigten und
Gebete 1876, LXVIII,24üff. u, 634,111 ff.; Strauch, M. Ebner XXXIV,3Sf'
21 ff. Vgl. Luk. 7,37 f.: Et ecce mulier, quae erat in civitatc peccatrix etc.
ir hertzkliehen trelien durcbgoaz. Die gosz ubs ein edel salbe, daz
alles hus crfülte mit sime gßtcn smake,
Oive, rüwe, wel ein edel diog du bist! Wie selig der ist,
dem der wäre grünt einer reliten rüwe wirt! Waii dem werdent
5 sine Bünde luterlich vergeben, und were ir als vil, aU grienea in
dem mer ist, nnd ua einer asgenoraen Sünderin wirt ein usgenomnil
minoerin.
Wiltö aber ein rehti'i rüwerin echowen, die sol liaben dis: bü
8ol hertzleit ob allem hertdeid tragen, owe, daz aü daz milte hertzo
10 ie erzuruete. Und daz erzÖgent die grossen abvallenden hitzigen
tretien, die inbrünstigen liitzigen süfzen, daz eilend ufsehen, die
fürin stralen bitterlicher schäm, die bleich varw, die geswullnen
dgen, die verücbte usser gezierde und daz klegelich einreden mit
dem geminten, daz heutilahen, daz hertzklopfen und sin selbes von
15 bitterui hertzletd vergessen. Sü sol och ein gutes getruwen zfi gölte
haben, daz er der milte berre ist, der mag nnd wil ir alle ir sünde
vergeben. Daz er es müge, daz ist kiint; aber daz er es welle,
daz hat der gesprochen, der nüt liegen mag: Nolo mortem pecca-
''oris. Sil sol ocb haben eines, daz sü einen gantzen vesten willen
20 nnd müt habe, nüt allein die sünde, Üich ursacb der süude iemer
me fliehen. 8u sol nut zwifelhaft sin als Eva, die do sprach: „vil
liht ist es", sü sol nüt sin weich und unstet, als die da veste sint,
untz man in nrsach gibet.
Owe, got, vil ist der sünder, aber wenig rehter ruwer! Sich,
25 were in reht: e sü widerkertin mit der minsten sünde, — und
läge ir eigen vatter und müter da und alle ir fründe an der stat
des todes, und bette man ietze blossü swert ob ir kelen erzogen
und möhten sÜ die fründ mit eime einigen widerker von dem tode
erl&sen, den s<in sü nüt lün, daz sü got erzumdin. Sant Thomas
80 sprichet: und möbte ein mensche alle seien von dem fegfür erlösen
2 i^Bmacke Cdl>li/i H wel] wol t'C wie edhmNR 4 Wan ime bcänNn
8 irilt aha du bcilh» 9 f. sä ftol haben h. kRs 9 i>b) vor » bcrtze] gSt U
13 einrede b 14 ilea b 15 vergeaaen fMt b 16 f. haben k'i g. b 17 daz
idrilten)] oh 3 16 lint er ^espr. hmNHz der fehlt bCc 20 urs. der afinde
imd alle (aller O) «ände xUi 21 kS Hieben C'dmKn 24 weni^] weint t
der rrhter r. dmN rüme e 26 reht] rehter h.it 26 da fehU bGdn
27 gpzogen CcmN 28 abker dn ker bCmNRsU 29 den] des cd er-
i-.amen dhn» <K) erlösen fMt »U
18 f. KKch. 33,11. 21 f. Vyi. I Mon. 3,3. 29 ff. S. Th. 3,3 q. 110 o. 3
ad 1 ist obiger Gtdankf im ailgevieintn iiuagtHpTochen.
454 Grosses Briefbucli. XVI. Brief.
nnd alle sünder bekeVen zfi eirne gAten leben, dar umbe sölte er
nät ein einig sünde tän.
Wa von wenestn, daz es ietzo kome, daz so vil an yahent
und 80 wenig blibent? Owe, da ist der angel nut vast in geslagen,
er ist in nut vernietet. S& heint ein zipfel räwe, daz ist: su wen 5
g&t sin, untz daz es in we tfit. Also spriebet es nüt, es sprichet
also: Neque mors neque vita neque creatura alia etc.
Herre, mich rüwet h&te min sünde und ist mir als leit, daz ich
einen so getanen mflt gentzlich habe in mime hertzen, daz mich
weder liep noch leit, noch leben noch tot niemer von dir gescheidet; 10
des habe ich gantzen willen und vesten müt.
WaflFen, got, waz würket ebenlich so getan inbrünstiger erüst!
Ime werdent ellü ding muglich und ist ime nüt mulich noch un-
muglich. Ein ubergülden dis alles ist, daz es nüt kome von ge-
zwungenheit, es sol komen von einer kintlichen hertzeklichen minne, 15
als eime tugenthaften kinde ist leit, daz es sinen getrüwen vatter
ie erzumde.
XVI. Brief.
In exitu Israhel de Egypto etc.
Wir lesen, do unser herre daz volk von Israhel füren wolt von 20
Egypto in daz geheissen laut, do fürt er sü umb wol XL jar, e daz
sü da hin kemin. Und daz tet er dar umb, daz er sü versücbti
1 und fehlt bCdhUsU 4 ist in der chmNnHU der] ein b
nagel bCcdhmNRsü 6 ist [in] hCcdhmNRsU daz ist die rüwe zcdhsU
wenet hsd 6 sin göt s 6 f. es spr. also fehlt z 8 rüwent scähtuKnü
Sünden cd 10 [noch] leben hü n. der tot bU 11 vesten] guten z
13 In z [ime] nichtes z mul. noch fehlt dhmNK mulich] mtige-
lich bCs 14 kerne s 14 f. Ungezwungenheit e 15 hertzekl. /eA/< *•
16 als ein tugenthaft kind dem ist leit z es fehlt dU
XVI. Brief Hss.: b c d h m N n B s ü z.
21 geheissen] gelopt ctnNn 22 koment bn
7 Böm. 6,56»'/. 16 f. Stuse folgt hitr der Lehre Autjustins und der
Scholastik, tvotmch die Reue, welche ex timore simpliciter seiriHy d, h. au^ d&r
Furcht vor der göttlichen Strafe hervorgeht und die Abwendung von der Sünde
in sich schliesst, zwar lobenswert und nützlich ist (vgl. Sirach 7,16), aber an
Wert von der Reue ex mera caritate weit übertroffen wird. Vgl. Thomas,
S. Th.U,2q. 19a. 2 sqq.: Schanz, Sakramentenlehrt' 1893, 561 f. u. die treffenden
Bemerkungen Denißes in Zfda 21,99 f gegen Bregcr, ebd. :.0,3t>2f.
19 Ps. 113,1.
(trosfleB Brietliudi. XVI. Brief
tiiid daz ineu kuot wurdi, wa?. sä in ir bertzen triigeD, and sunder-
lieh dar umb, daz eu von tag ze tag ein vergeseen hettin dcB alten
InndeB und daz nüwe in der begirde. Und wie er daz alles wol
in eimo ögenblick hetti gewürkct, doch enwolt er des mit tfin, wan
5 der herre der natur git sieb einem ieglichen diogo dar nach, als es
Bin enpl'engklich ist, als sant Dionysins spriehet. Daz sehen wir
teglich an nianigem menschen, den got hat us gefiiret, daz er eü
dick tat worgen, e daz er sü volbringe nach dem b&hsten.
Eines soltu wissen für war: got ist nüt ein gäher, weder an
10 natürlichen noch an übernatürlichen werken. Üis schrib ich dir dar
umbe, daz du dich in keinen dinen werken vergäbest. Sanctus
Oregorius sprichst, dax got dicke sine gäbe aß zübet, daz eins
inenseheu begirde dest ine gereisset werde; aber lat er von dem
nffzug abe, do was es kein rehte begirde. So der grünt ie luter
15 Wirt, so es ie luterlicher wirt enpfangen, daz dar in gegossen wirt.
Min kint, ich ban dich daz dicke gebeJssen und dunket mich
der besten eins, so ich weiss, daz du dich selber in allen dingen
reiss^st, got ze minnenne. Sihstu es reht an, so ist kein creaturli
so kleines, es si dir ein stapf, got z(l neben. Nn lüge, min kint,
JO wie bertzeklicb gut got ist, und ellü trüwe an in allein ze legen;
wan andrü minne vabet au mit liebe und nimt ein ende mit leide,
aber du süsse minne vahet an underwilen mit leide und wirt aber
1 ircu ril ki Mfa fehlt hRa 4 eincB ogenblicki^ä t U f. es sin]
ime h 7 manijGu cdhe eime s 8 dick lang w, lat h» daz frlUt dknlisU
10 naturl. noeli an fehlt b Das äh dir fehlt j 11 vergahen BOlt bctIhMNIisU
12 Gerge B dick--- fehlt b<:ilnHUi liesfthUb tmkmabhmXtU iutcr
- 15 ie fehü s lautrer m^iliV 15 t^ffUt hnUa 16 daz/cAii dhmünhn
19 sUffcl bhRs Stab rniV neheu] minaende b 20 allein ftUt bdmNnU
'til mit leide oiu endi' b 2^ aber —leide fthll a underw. an limNnBU
5f, Denom.lHil.S. Vffl. Bdeie 306,12 f.: 333r3ff f. u. Thomas, S.Th 7,3q.lJ3
a. 3: Dfits movet omnia gecuniliim modam uniuscuiuKque , »icut in naluralUmii
videmug, quod aliler miwetttui- ab ipto gravia et oKf«' levia, propter diveivam j
nataram uniiuieuiuiKiu«. Unde et hominent a4 iustitiant movet gteundum coti'
ditionem italarae humanae. 12 Moral. XXVI,W (Migng 76,S'iS aq.i : «aep« '
niitira dtsidrria, quia celeriter non ßu»t, exaiuiiHiitiir , et qund iinpltri concite
petimua, tt ipia melius larditate protperatnr, . . . taepe vox noilra eo perfieitur,
quo differtar . . . Sun« rrgn Dominna cum velocütr non exaudit, quo repeltire
cnditur, Irahit. 19 VgL Bdeiii Kap. 24; Bonaoinlura, IUnerarinm minti» in
Deumc.2 {De specalalione ßei in i>e»tigiia miin in hoc teitsibiU manil'i)^ Dtniße,
Da» geittl. Leben 417 ff.
456 Oroases Briefbuch. XVI. Brief.
lieb und liebet sich zu allen ziten^ bis daz lieb mit liebe in lieb-
licher art in ewikeit vereinet wirt.
Owe, lieben min kint, wie sint die lüte, die tumben toren, so
billich ze klagen , den da trömet, sä essen nnd trincken, und so sA
irü 5gen uff tftnt, so vindent sü l&re hant und ein hungerig rüwig 5
sele! Wie werin s& so billich ze weinen, den die gewonheit ze
einer billichi und die billichi zä einer erberkeit worden ist! Owe,
zit verlieren, üppeklich reden, got vertriben, wie bist du ein so ver-
borgner schaden mengen menschen!
Min kint, ich rede zwüschen mir und dir alleine: lass ell& 10
valschen mentellü ! Ist es nüt also? Es ist gewerlich also, daz der
sele swarlich möbte tromen, die ein so klein stundeli in keinem kumber
vertribet; da got nit inne ist. Dar umb so bis mir nät dest minr
in gotte! Lieber weri mir, daz ich dich sehe gebäret uff ligen,
deune keinen abwank in so getaner wise von gotte nemen. Min 15
kint, es weri gut zfi verklagen, so ist es also : natürlich neigung und
alte gewonheit ist mülich zfi lassen , wau leider gemeinlich so lat
sü; e daz sü gelassen werde. Dis schribe ich dir dar umbe^ daz
du mit frömdem schaden gewitzigot werdest.
Nu lassen wir daz dien, die in den striken sint, und keren ao
wir unser ogen wider in daz minnekliche liep, und büken daz dicke
an mit minnendem hertzen! Und Iftge, wie zart, wie minneklicb,
wie süsse und wie grundloselich gfit es ist zfi minnende! Ach; ellu
hertzen ; war umb minnen wir nüt daz minneklich liep, daz da nut
anders kan wan leit verswenden, herzen frien, fröde bringen? Wer 25
den kalten riffen hat erkant und diner süssen minne ie bevant,
0 aller süssestes meient5w, der weis, wie wirdeclich er dich haben
sol. Selig, selig ist die sele, die du, zarter herre, hast uss ervvelt,
1 mit liebe fehlt s 3 min lieben k. sz mein liebs k. mN 5 rüwig]
trawrig m^d 8 so ein hmNnU 9 mangera mNR 10 dir und mir hdhns
12 ein] kein hRsU kumber — 13 nit fehlt s 13 Und dar u. hcdmN dar
nrab] da von hcdhmyRsU so fehlt dz 14 in gotte — mii fehlt 8 ge-
betet hhs 15 in sollicher w. bc 18 dir fehlt nli 19 witzig hdhmNsü
20 in disem stricke z 21 wir fehlt cdU wider fehlt z 23 und wie
süsse all gruntlich nz es] er hcdhmNIisU 24 wir [nüt] h da fehlt hÜ
25 daz leit b 26 bekant cdtnNs dinü siisse m. z nie hhRs bevint 2
27 0] owe bcniN
6 f. V(fl Bdeir 2^2,nf
(irosses Briefbuch. XVII. Brief. 457
bi ir und in ir ze rüwen! Waz vindet die in zit hertzeofrides, zu hofe
eren in der bimelschen pfallentz, ewiges lobes^ als sanetus Paulus
spricbet: Gloria et bonor, pax omni operanti bonnm! Amen.
XVII. Brief.
5 QuoDiodo potest cecns cecum ducere!
Owe, min liebü N., wie lastu dicb an? Wie wirffestu die ge-
truwe lere dines vatters so zu rücken, daz du dicb wider den dingen
beginnest geben, von den icb dicb so rebte kume ban gebrocben,
die dir sele, lip und ere bant geswecbet? Duncket dicb ietzent,
10 daz du sullest gan tän, wie dir in dinen sin kummet? Bistn letze
bestetet, daz du dir selber alle ding erlobest? Owe, war umb ge-
denckest du nüt binder dicb, waz dir got uberseben bat, und wie
rebte kume du ber zfi bist kommen und wie gar du nocb nnt bist,
und nimest din selbes war und last alle ander menseben underwegen?
15 Sibstu nüt den tüfel, der dir einen sidin vaden umb die kelen bat
gebunden und dich gerne nach ime fftrte? Du enkundest doch dicb
selber nie geleren, waz wiltu denne ander lüte leren? Du bist doch
krenker denne Eva in dem paradise, und wilt ander lüte zu gotte
ziehen? Du wilt stro zfi dem brande legen, der nuwen ein kleines
20 mit der wissen eschen ist betrochen und noch niergent erloschen ist?
Du sprichest, du wellest in ein geistliche wise ziehen, daz vor
liplicb was, — weis got! es mag wol in dem geiste ane vaben, es
1 bi dir und in dir b und feJiU z inj mit dmN vindent hmNBsU
1 f. zu hoffiren Rc ze hoch eren U [zö] hofnen und eren mN 2 palast mNn
palais cd 8 [et] honor et pax mNB pax fehlt ds Amen fehlt bcdhmNlis
XVIL Brief (= Kl Bfh IV). Hss,: C c d n s e, Xur in s voU-
ständig überliefert, in Ccd steht allein der erste Teil (bis döSß), in ne der Bweiie,
6 min 1. N.] myn Hoff c min lieben penschen .y kint min d 9 und
fehlt Ä und ere fehlt C 10 din sinne C 13 hie zö C noch fehU ds
15 die kelen] dyne kele d dich s 17 nie] neit d lute — 18 ander fehU s
20 berochen cd nierg.] neit d neit gar c 21 zft ziehen s 22 geiste fehlt C
2 pfallentz = PfalM, Königsburg; vgl, Wackernagel a. a. 0. 111, 113 ff.:
die phallinze, da niemir nivwit vnschonis in chvmit ; VII, 32: in die sehonin
phalnze des ewigin riches so bewart ivch; Strauch, Marg, Ebner XXV, 16 und
Anm. S. 347. 3 Böm, 2,10. 5 Luk. 6,89. Vgl. die historische Ein-
leitung Kl Bfb 369,6 ff. 22 f. Vgl dal. 3,3.
458 GroBBca Brief buch. XVII. Brief.
wurt aber schier in dem fleische lendende. Bistu nut genüg gewitziget?
Duncket dich niit, daz dir got gnftg habe vertragen? Gewerlich^
du wilt Dut erwinden, e daz da in des tufels sprung warst gegeben.
Ich han dir es dicke geseit: ir wenent alles got und die lute höfelich
triegen, und so ir es denne umb kerent, so sint ir selbes betrogen.
Du mfist yaste stan und müst allen anhang lan, anders du mabt
niemer best an. Lassedich wol benagen, obe du selber dem tüfel
mäht enpfliehen!
Er was eines tages ns gegangen und hat einen rob, den er i
dem tiefel wolte nemen^ hinderstanden, und der rop was also. Es
was ein mensch in geistlichem schine an einer stat , der hat sin
hertze so gar mit zergenglicher minne verstricket, daz er manigen
trehen rerte, und kond doch da von nüt komen, wan er wolt geföge
suchen, da keine zu horte. Und do er zül irae kam, do gewan der i
mensche ein triben, daz er daz valsch liep wolt lan und die zarten
ewigen wiszheit an siner stat wolte han. Do er us kam, do be-
gunden sich die tiefel leichen und sA ane vehten und alles daz gegen
ir uff leinen, daz sü duhte, daz ie geflog, und was ir, als ein swere
berg uff ir lege alle die naht, daz sü nie entslieff. -2
Des selben nahtes, do er sich nach metti nach sime gebet
hat nider gesetzet, do was im vor in dem slafl'e, wie vor siner
Celle eine grossü mengi gefügeis kemi. Also nam er war, daz eine
nüt als der ander was: etlich waren als die withopfen, etlich als
die spehten, etlich als die hoch reyger und manigerleye, und ver- i
1 schier] sicher d genng: fehlt C 3 enwilt Cc in] mit *• 4 alles]
alse C, fehlt d got und fehlt C 6 Du — und fehlt d 6 f. enmaht niein.
gestan C 8 entpfl. Amen Cd 10 Vberschnft: Viriliter agite et confortetur
cor vestrum ttc, n und den er z 12 schine] schome s 13 so gar]
ze vil n, fehlt z mit so zerg. m. s daz [er] 6- 18 alles [daz] z 19 af
lenen s 22 in fehlt s 22 f. wie er vor . . . über ein grossü m. z 25 hoch
reyger] hochrcn * heher n [und] gar manig. z 25 f. verwandlet z
3 des tufels spruug = Vahrt in die Höller Vgl Kl Bfh 36.%2b': an
dez tüvels sail wirst gebunden. 10 Er = der diener (Kl Bfh 370,1). Vgl.
s^um folgenden die Erzählungen in Kap. 41 der Vita. 17 er = der Mensch
(die Nonne): us kam = *icÄ ron der weltlichen Min tu freimachte. 18 alles
daz bezieht sich auf daz ie geflog. 22 slaf ist ron dem risintiären Schauen
gemeint; vgl. Kl Bfh 370,11 (in einer gesiht). 23 ff. Vgl. Vita 115,14 Jf
Das klassische Vorbild derartiger Dämonenerscheinungen ist \'i(a Äntonii c. a.
Ähnliches auch bei Cäsarii^s ron lleistcrhavh , vgl. Hoskoff'. Geschichte des
Teufels I (1869), :i77f.
Grosses Briefbuch. XVII. Brief. 459
wandelten sich dicke ^or im. Einer ander den andern , der was
grüne, der nam einen swank, als ob er gegen der celle wölti; aber
ir keine kam dar. Also tet er sich zft der celle us mit wunder
und sprach: „ach, waflfen! waz gesindes ist dis?" Do wart ge-
5 sprochen diser sin: „hie ist ein tiefellichu samnung, und ist in
zorn und sint mügig umb den menschen, der sich von in wolte
scheiden, und swenkent dar umb hie, wie s& in ierren und wider-
wisint.^ Also do es tag ward, do schreib er ir ein tavel und enbot
ir also:
10 Viriliter agite, et confortetur cor vestrum, omnes^
qui speratis in domino! So ein frumer ritter ein lereknappen
bi der haut also geweffenten in den ring stritberlicher Übung des
ersten in fiiret, so weget er sin h5bt und sprichet zu im: „neina,
zier helt, nu tfl hüte als ein frumer man und gebar kechlich und
15 strit frilich! Las dir din hertze nüt enpfallen: es ist besser erlich
sterben, denn unerlich leben. So der erste just übertruket wirt, so
wirt es lihter." Alsus geistlich ermütet der küne ritter David einen
ieglichen erst anevahenden menschen, und füret in in den ring des
geistlichen strites, der da lit an einem frien urlob geben zergank-
20 lieber minne und zitlicher dinge, und sprichet also: „Viriliter
agite" etc., daz sprichet: künlich und manlich werbent, und heint
ein keches hertze ir alle, die gotte getrüwent!
Owe, kint mins, daz selbe spriche ich hüte zu dir in dime
anvang, daz du vast standest und den bösen raten der tiefel nut
25 volgest. Du bist ietze in dem bittresten liden, so du iemer mäht
komen. Körnest du über disen engen steg, so kumestu uff die schönen
beide eins götlichen tugenthaften lebens, da du hertzenrüwe wirst
habent. Zartes min kint, wolte got, daz ich in dien fäszstapfen
dins kampfes für dich sölti stan, und für dich sölte die herten siege
1 vor ime dicke s Einer fehlt *• [der] was g 2 ob fehU s 3 ir
fehlt z 4 do wart do -r 5 ist hie s 6 muygi e gemüet n 7 swenk.]
fich weben t nz 8 do es] daz es s ein tavel] einen brieff * 10 convertetur *
11 lereknaben z 12 stritberlichen 8 14 zierder heylt s 16 leben] sterben jf
17 ermüyet z ermanet /* küne] künig iis 18 erst fehlt s 21 kunlich]
Inniglich .V 25 iemer fehlt a 28 wenne wolte got z in fehlt z
S Kl Bfb 370jl4 deutlicher: zö dem venster us. 4 f. Ncu;h dem
Kl Bfb gab ihm ein Engel Antwort. 10 f. F,s. 30,25, 18 neina, hier
aufmunternder Zuruf ohne negative Bedeutung (Lex, 11^ 61). 17 ermüten
— gemahnen, aufmuntern; vgl, Schweiz, Idiotikon IV,öS(i; DWB Ill/Jiti,
Das Wort fehlt bei Lexer. 26 f. Vgl Brief X Bevertere 434,12 ff.
460 Grosses Briefbuch. XVII. Brief.
enpfahen^ die din hertz und mfit ietz enpfahet! Wa were denne
din kröne, wa were denne din grünes zepter, daz da in ewiger
wirdekeit dar nmb tragen solt, ob du gesigest? Als manig pfil dir
geschossen wirt, als manigen rabin wirsta in diner kröne tragent.
Ach, neina, kint mins nnd ein gemabel des himelschen küoges, 5
bis vest, stant vast, gebar rehte künlich ! Es ist knrz, daz dn lidest
und ist ewig, des du dar umb wartest. Tfi nu rehte, als ob da
weder gesehest noch gehortest, nutz du disen ersten just dines g6t-
liehen anvanges überwindest. Nach den grossen wettern koment
gerne die liebten tage. Gedenk, daz maniger junger, schöner, lät- lo
seliger, edler und zarter mensche dinen strit hat ritterlich über-
wunden, und in dem gevehte, in dem dn ietze stast, manig zit
stAndeu und noch vil bitterlicher wnrdent allenthalp an gevohten,
und daz ist nu ire hertzenfrAde.
Eya, eya, kint mins, dar umb so büt mir din hant und hap 1.5
dich vast, n&t an mich, sander an den starcken geminten herren,
dem du nu zu dienst in disen strit bist komen. Gewerlich, er
enlat dich nüt, lastu dich ehte gentzlich an in. Zwey ding helfent
dir ellü ding äberwinden. Eins ist, daz du nieman gestandest noch
gesitzest noch gelosest, es si frünt oder vient, der dich keinen abweg 20
wil wisen; daz ander, daz du nut hofelich klubest, noch mit linsen
zügen dien sugenden natren dines hertzen nach gangest. Volge mir;
wiltu nüt morn wider in keren, so zerre in daz höbet us! Tu es
geswinde und bederbekiich, wan wiltu sü allein an dem sweiflF
ruren, so kleibent sü sich deste vaster und bissent dest wirs. Enbüt 25
in: fridus, fridus! die din hertze und sele so berlich mit valscher
minne entfrident heint. Fluch zfi der ewigen wiszheit, las die tumben
toren uff dich rüffen, swie vil sü wend, lüge bi nüti hinder dich?
sich, so hastu alle dine viende schiere überwunden, und bist von
dinen swären banden behendeklich entbunden! 30
2 die kröne .v 3 an gesigest z 5 ein fehlt s 7 ob fehlt s 8 uutz
daz z 11 ritt, hat z 12 du fehlt s 13 bitterl.] berlicher z 14 ire]
mins 2 16 sunder fehlt z 17 disem b 18 lass echt du dich z 19 fje-
stast z 21 wil] muge z iisen »w 23 [in] keren z 24 bederplich *
not allein s dem] den z 25 wirser s 26 frides einmal s 20 bist du z
30 8 wären fehlt s Amen n
1 Kl Bfh :i71jö deutlicher: daz wen dir scliad. wan wa weri etc.
9 Vgl oben 424,13.
■Brierbucli, XVUl. Brief''
XVllI. Hrief.
Nemo potest daoboä domiais servire.
JMiii iiebe N., i<^'h lian eins gemerket an dir. iav. du nocb un-
gentzlich gegen got in dime sinne stest, und daz du dich noch nut
5 bewegeiilich aller dingen hast verwegen, Oewerlich, liu raftst eint-
wedei' haben oder lassen, anders dir geschibt niemer kein eelde.
Mag ienian zwein berren dienen? Nein es, gewerlich! Tft einen
frien sprang, so raahtu bliben. Lasse von gründe den menschen
und alles daz gewerb, daz in swllcher /.ergengUdber minne mag ein
10 an gegenwurtikeit nnd an botschaft, und las dich dar ab nüt wiaen
weder mit trSwen noch mit liebkosen. Gii> ein kuntliches nrlop
aller der gespilschaft, die dir dis arbeit was ratent oder helfent,
oder die nocb die wise fürent, die dn witt und mäst lan, wan an alle
glose so sint sü dir ein gift, und daz weistu vil wol. Daz dritte:
15 daz du dich aller usverten gel5best, und alle ursaeb und nebel-
mentelli bin werffest. Daz vierde: daz du frü und spate bekümbert
aiest, wie du din sündiges leben gebesserst, wie du diner manig-
valtigen gebresten lidig werdist, ach, und wie du dich mit dem
grimmen rihter versünest. Gewerlich, dn hast dar an nut genfig,
20 daz du an den kle wol bofetich bissest, du mfist dinen tapfern lip an
griffen, din gesUfTnen zungeu binden, dinen nngesamneten mllt wider
samnen, daz din nifit nüt si also ein gemeines winhus. tabern, do
sieb ieder man nider lat und da ieder man bestanden ist. wes er
erdenken kan. Eya, trib ns, trib us daz unvolk! Oder sicherlich,
2& du mäht den zarten berren niemer enpfalicn. Gedenke, daz er dich
im hat gevordret 2b einer gemahlen, und dar uinb so hüte, daz dti
nüt werdest ein hafendime!
XVJIJ.Britf(=KlBfbIV,ol,e7i371,33~3?ä^ö). H«s.; h C c d n 3 e.
3 ininä liebt kiut tä mein kint n min lieben meDBcheo » ftemrrket
eins b 5 bewe^^.] verwegen lieh Ccn genschlichen ä allen « ^werlicb
raensclie » 7 gedianen bedn 11 kintlichea # kunlichen n 12 was)
etwas I. fihll s 14 bö fehll i eine gifl 6 eine vergit't C 15 dich ftbU «
iieverteo] iiBserkeit n 15 f. tiebeutuieuteliii b neuenmentel c duRteriu enteile d
IT din] e;u cd gelieesregiet £ und wie äi dinex sz W dar [an] £
24 erdeukeuj erdrucken b uib ue tinmat w« volk Cdn 26 im] nfl w
hüte dich bcdn 27 duppendime d roter ZunaU: hilff maria ;
2.7 Vgl. Luk. 16,13. 8 mtoscbai ^ iceltliehen Litbhaber. 16 urwieli
4= Vtranlasaung su Auggiingm. 16 f. nebelnientelli wit Kl Bfb 373,tl ^
ßesehöuiyangfn, Vonrändt < cgi. Schweiz Idiol. IV.SiS. tl3] f.: DWB VII,47üL
A
462 Grosses Briefbuch. XIX. Brief.
XIX. Brief.
Christas factus est pro nobis obediens usqne ad mortem.
Zartu min meisterin suppriorin!
Swer da widerstrebet, daz er von gehorsami mos tön, der
machet ime selben ein sweres leben, wan ein klein ding mit wider- ^
spenigem willen getan tftt wirs, denn ein vil grosses mit geneigtem
Willen. Und dar umb, sider nu dis von gottes ordennng, von dem
ellü meisterscbaft geteilet wirt, als sant Paulus spricbet, üch zu
gevallen ist an äwerm willen, so ordnent es oeb also, daz got da
von nit werde enteret, und ir als berlich me entrilitet werdent, als 1(
ir da her dicke sint, daz uch da von nut schulde wahse, da von
grosser Ion sol wabsen, ob ir im reht tCint.
LiebA min meisterin und min liebes kint, es beginnet übel
stan in geistlichem leben; und dar umb so tut es äch not, daz ir
ungern an dem ampt sint. Wan da ir helff und rat soltent han, da U
hant ir betrübete und unrat, getörste ich es aber sprechen, so Sprech
ich: berliches durehten und heimliches verraten und offenbaren
widersatz. Da ir den s61tin han undertenikeit, da hant ir frävel
widerspenikeit. Und dar umb so sprich ich werlich, daz ietze
meisterschaftampt haben und dem reht tftn daz ist nüt gemaches 2(
pflegen, es ist marterleben. Und dar umb vor allen dingen so
nement dis krütz willeclich uflf üweren rug^^en durch den, der daz
jemerlich krutz durch üch trflg, und laut uwern sin und mftt nider,
die wile es got und üwer obren von üch wellen han. Ir hant mir
mit bittern trehen geklegt, ir enhabent weder künnen noch vermugen 2J
XIX. Brief (= KlBfh VII K Hss.: c h n U 8 5^ z.
2 pro nobis fehlt chRz 3 zartti — suppr. fehlt hJiss^ suppriorin
fehlt cn 6 wirt getan tut w. r 7 sider] sit ir z syd s so n dis nä s
nu das Iis^ 8 sit üch ss^hli 10 mc fehlt cn entriht. me r 11 siut
worden cR 11 f. da gr. Ion sol von w. z 12 seit i/«* 15 ambaht *•
zu solt han z 16 betrübtnisz w7^ gesprechen s 19 ^o fehlt A/^v* 20 daz]
dis z 21 martrer leben lis^ 22 dis] das hs^ 25 bitterlichem z clagt lia^
habent hnUss^ mügen s
2 Phih 3j8. 3 l'ber das Ami der Suppriorin ( (iehilfin und Stell-
Vertreterin der Priorin) vgl. die Constitutiones Sororum Ord, J^raed. c. 25 ( Hol-
st enius-Brockie I\\137)y und das Ämterbuch des Joh. Met/er in Freih. IHör,-
Archiv XIII, 198, 7 f. Rom. 11,1. 13 f. Vgl Seuses Klagen über den
Verfall der Klosterzucht in Bdeir Kap. 6 (217,1 Jf.) und besonders Hör. 43 ß.
Weitere Belege bei Denijle, Das geistl. Leben Soff.
dar zQ: swcnne ir getbnt duz beet, duz ii- ücli ver^^taut, so eint ii*
lidig, ob es jocli iiüt daz beste ist.
Ir pond in alleu dingen got vor ögeu han, me deone keinen
lipliehen nutz. K ir wultin gestatten, daz üwer scbeiTelin eins ge
5 krenket wurdi an siuer sele, da ir es m&htint verkomen, ir süllent
e hundert marck verlnet ftwera kloster^ verklagen. Ir sönd gemein
sin in den baltungen, da« frünt und vient glicb daz joch tragent,
daz gebirt fride. Ir efind die jugent in nieisteracbaft haben, won
übel gezognü jngent isl aller meist ein zerBtärung geisllicbeg lebens.
lu Jr sond einen süssen ernst haben, und me von minnen den von vorbten
gebieten. Daz Äch zfl kreftig si, daz legenl üwern obren für, und
iedoch, da ir nüt tnügent hissen, da bellent aber! Mügent ir nüt
f^eistlich züht gentzlich widerbringen, so ahtent ienier, daz nät ab-
lasses noch swäres inbruches ander üch gesi^hehe. Der ein zer-
15 brachen s altes kleit nüt wider büseen ^vit, so ist es acbier alles
zerschlichen. Swenn ir zergant an geistlichen dingen, so sint ir
Öch US an lipliehen dingen. Der der minsten nibt abtet, der vellet
in die meisten,
Ir sond den frowen göt bilde vor tragen und mit werken me
20 denn mit Worten leren. Verwegent ücb, so ir üch flissent, daz aller
best zfi tünde in allen dingen, daz daz dicke für daz b5ste wirt
enpfangen; er mfts es wol kunneu, der allen menschen wil wol ge-
vallen. Went ir aber menlich willen, so hant ir gotle und der war-
heit ungewillet. Der bösen schelten ist der guten loben.
25 Innewendig frevel gespilschaft, usseweudig schedlicb frönt-
scbaft sond ir zertrennen mit kraft. Tflnt daz üwer. so sint ir
lidig. We, we dem kloster, da dise zwei in gebrechent! Wan daz
wirt frideloB und ze jungst erlös. Es were üch besser alle tage ein
wunden enpfachen, denne dis under üch lassen wahsen. Nu
1 tfiut ent' Ö dit] duz rc färkomen a'chnR ir srill. ~ 6 rerki.
ftftU e 6 mnroken « 7 liem haltunge A« der haltuuge nH U Das —
■i fehU h zä] so hx üwerme « 12 bissen] wiszeu Im' bellent]
wellenb kt' 13 f, uät gentzlich g. zuht t 14 nocli fthll UH»^ under
fich fehlt hRs'z IB aller z 16 zeraliBsen ncn zerriaseti Aää' bo sint —
IT dingen fehlt g 17 uch fehlt ch vervoliet hRt 19 frowen] br&dern «>
andern i- 20 fi'irkereu und leren e lernen hR 24 lob nR 35 sehend'
Uch £ 26 eint] stant £ 27 in] inne « daz) ilis a es >t 28 alle Ugt
fthli 1 29 enpfangvn schnR
17 f. Vgl. Sir. ]0,1. 22 ff. Vyt. diti-j/riehwrllk-lif'i Reilenaarl
■. Ziiiyerlt n.a. 0. 11 r.
J^
464 Grosses Briefbuch. XTX. Brief.
sprechent ir: „owe, herre, griflf ich daz au, so gewinn ich unfride."
Ich spriche: selig si der unfride, wan der unfrid gebirt den ewigen
frid. We, wo den, die da lant hin gan und ires hertzen fride hier
inne süchent! Von den spricbet Isnias: pax, P^^? ^^ i^^n est
pax, dazsprichet: sü sprechent: frid, frid, und ist doch nüt fride.
Die sflchent ir eigen gemach, sä hant gern zergenglich ere, und
kSffent die mit eime zergenne aller geistlicher ere. Und we dien!
wan sü hant hie Iren Ion enpfangen.
Aber, kint ' mins, ir sfichent gottes ere, als der liebe Cristos
suchet sin es ewigen vatters ere, und dar umb liess er sich heocken
an den galgen des krutzes. Kint mins, du olagest dich gar vaste,
waz du lidest; dir rinnet noch nät daz blüt daz autlit abe! Man
nam hie vor zu solichen emptem nüt die, die gern ere hattent^
wan nam die, die von minnen die verwegensten in den tot warent.
Nu sprechent ir: „owe, herre, hier inne vihtet min hertze,
owe, wa aber andehtiges gebet, wa hertzenrftwe, wa luters schowen?"
Los, kint mins, waz sant Gregorius sprichet: ein meisterschaft
solt als volkomen sin in einer geistlichen wise, daz sü von aller
usser unmüssikeit nüt wurdi gezogen von clarer schowlicher voUe-
komenheit, daz sü allen ireu nndertanen eigenlich gnfig si, und ir
selben in keinen weg nüt dest minre sie. Aber leider da zö sint
ir noch nüt komen. So sond ir nach üwer cleinheit also tftn:
hütent ücli vor hochfart, gedenkent, wer ir sient, und wie schiere
ir verswunden sint. Und dar umbe, wenn ir ieman went straffen,
so straffent üch selber vor. Und daz ir mit gftt übel üherwindent:
ein tüfel fribet den andern nüt us. Ir sond us eime senften hertzen
hertc und senfte wort lassen hellen, als es denn geschaifen ist.
2 wan — 3 frid fehlt hnRss^ den ewigen fehlt z 3 aber we we hnlis
da fehlt 8 4 den] disen s 5 sü .sprechent fehli ns 8 liie fehlt z den
Ion hie z 9 niinü z ir fehlt cs^z 10 ewigen] lieben hsn^ 11 an —
kn'izes fehlt z [gar] vaste und gar vaste s 12 abe über din a. *r 13 nam
fehlt sz KOgtanen z nüt — 14 nam fehlt hlts^ 14 nam fehlt z von
minnen fMt chlias^ die verwegen vest hh's^ varen ha^ 16 [wa] aber r
lüterst a 18 sol chlUs^ 18 f. aller ir usser ns 20 daz — 21 sie fehlt h
eigenlich fehlt cnJiss^ si] sien e und — 21 sie fehlt l{s^ 21 selbes s
23 und — 24 sint fehlt hs^z 24 geswunden s 25 vor selber /<a* s. vor an r
27 seuftc und herte chnUs^ denn fehlt s
4 Jeremias 6,14j nicht Isaias. 8 Matth. (J.f?. 9 söchent ist
Imoetatir, v(ß. Kl Bfh S8Q,28. 9 f. Vgl. Joh. S,40f 12 Vgl. Hehr. 12,4.
17 Vgl. die zu Kl Bfh 383,3 u. 389,6 zitierten Stellen. 20 ]'gl. Lnk. 11,17.
Grosses Briefbuch. XIX. Brief. 465
Gottes dienst sol üch ob allen dingen bevolben sin.
Ir sond üwer selbs nüt vergessen, ir sond dicke an dem tage
in lieh selber keren und ie zwo gut stunden üch selber nemen bi
tage und naht, in den ir üch für üch selber stellent und ab üch
5 selben rihtent und ein wil der ding vergessent, daz ir üwer gemüte
frilich uflF habent, daz ir einen jamer nach dem geminten habent,
daz ir eins mit im werdent, daz ir ime alles üwer leit und liden
klagent und daz in ime enpfahent, durch in lident, mit ime über-
windent. Sprechent also: „ach, herre min, ergetze mich in dir alles
10 leides!" Ir mugent inrent einer guten stunde eines gantzen tages
ergetzet werden.
Ein usgenomen volkomen leben lit nüt an trost alle stunde
haben, es lit an eime uffgeben willen in gottes willen, daz si sur
oder süsse, in einer undertenikeit einem menschen an gottes stat in
15 diemütiger gehorsami. In dem sinne wer mir lieber ein truchenheit,
denne ane daz ein hinfliessende süssekeit; und daz beweret die
edel gehorsami des ewigen sunes, die in trukner bitterkeit volbraht wart.
Dis sprich ich nüt dar umb, daz ir üch dar zfl, als ir yil
tünt, erbietent, me daz ir dis joch gedulteklicb lident und daz best,
20 daz ir mugent, tugent. Wer es daz nüt, üch weri vil liht ein an-
ders, ein bösers zu gevallen. Der herre, den ir da meinent, der
üch daz liht hat zfi geworffen an üwer zfitün, der mag üch wol
dar inne nach üwerme besten versehen. Und des bit ich in von
hertzen, daz ir im sin lop also dar inne volbringent, daz ir und
25 üwer undertanen niemer von im gescheident. Amen.
1 ob] vor chsz 3 ie] iemer chsz gut zwo *• 4 ab] über na^
6 frolich hs^ ein bejamem s 8 [in] ime hR enpfahen . . . liden . . .
über winden s und durch hlia^ 9 ach fehlt z ergetzen s 10 leidens mä
12 stunden z 13 in g. wiUen fehlt az daz] es Bs^ 15 lieber fehlt a
17 in] mit s 18 dis] das hUs^ dar umb fehlt s daz — 19 me fehlt z
19 enibietent a dis] daz hHa^z 20 vil liht] billich z 21 denn der h. z
22 daz] es z liht] lieht a villicht a^n üwer] uch a 23 dar inne] da mit hUa^
24 im] nun hnRa^ also volbr. hRa^ 25 Amen fehlt c
3 ff. Vgl GrBfh 415,7 ff, 7 f. Vgl Bdew 250,24 ff.
H. Souse, Deutsche Schriften. 30
466 Grosses Brief buch. XX. Brief.
XX. Brief.
Annnnciate dilecto, quia amore langueo.
Es schinet wol, daz die minne truucken machet, daz ein mensche
nüt weiS; waz er schaffet. Sesse ein mensche vor eime kelre in
eime sumcrlichen tage, schone bedecket mit des gelobeten waldes 5
schöne wat, bezettet mit der bifimen manigvaltiger Schönheit, und
man im do her us eines kiperwines in den durchlühtenden glesem
für trüge und in nach sines hertzen girde trenckete, — und ein
ander mensche uflF der dürren beide under einem ruhen rekolter sesse
und die ber abe lese, daz er temptige menschen gesunt mähte: 10
enbütte iemen disem, wie er sich gegen dem süssen seitenspile halten
und leichen und gebaren solte, er spreche: „er mag wol truneken
sin, er wenet, daz aliermenglich si also ime, mir ist üt anders zu
mute, wir sint unglich gefüret."
Min kint, daz mag ich eigenlich zfi dir sprechen von der bot- !.=>
Schaft, die du mir hast getan : wie ein inbrünstige vackel enbrennet
si in dime hertzen von rehter, begirlicher, inhitziger minne zö der
minneklichen ewigen wiszheit, und von dem nuwen lichte und un-
bekanten wundern, die sü in dir wurcket, und wie din hertze hat
dar inne enpfunden ein süsses we und ein liepliches zerfliesseu und 20
ein überswenkes enpfinden, do von du nüt gesagen kanst; und
begerest, wie du dich ime aller minneklichest hier inne süllest er-
zoigen und dich gegen den wundern halten.
Min kint, es stat ein unmessige fröide uflf in miuem hertzen,
daz sich der minnekliche got so minnekliche erzöiget und daz er 25
git zu enpfindende, daz ich mit den worten sage, daz er bewert, daz
XX. Brief f= Kl Bfb VIII). Hss.: h c d s. In hcd fehlt der Teil
von 467,27 (in, auch s ist gegen Schluss unvollständig.
2 dilecto meo d 4 kele s 6 simderlicben s schone] sehen (!) s
7 erluhtenden s durchlühteten h gleseliu b 8 und in — 12 solte fehlt d
9 Wacholder c 10 [die] ber // gelese h 11 enbiete ^«f iomen] einer h
11 f. ge^en dez s. seitenspiles leichen solte gebaren h dem s. seitenspiles sc
13 üt] nüt s vil c, fehlt d 15 sprechen zu dir .v 19 wirckent s 20 und
[ein] 1. ds erfliessen s 21 überswenckiges h 22 ime fehlt ds
2 Hohel. 5ß, Vgl, Taulcr, Frankf. Ausg. 1,160 ff. 7 JJcr ,Cg2)eru'cin'
wird oft bildlich hei Schilderung der mystischen Trunkenheit genannt, vgl, die
Belege bei Strauch, Ad. Langmann 114 u. Marg. Ebner 3öö.
Grosses Brief buch. XX. Brief. 467
ich nüt ein lieger bin, wanne ich als reht vil von siner minneklicben
minne minnenden bertzen nabt und tag sagen. Und dar nmb^ daz
alle min kint^ die zergenglicbe minne bant gelassen und aber nocb
mit iren wunden umb gant, wie sü die gebeilent, daz die oueb
5 bettent getruncken, dar umb wolte icb gerne turstig bliben.
Min kint, es ist ein gross wunder, daz du in so kurtzen jaren
hie zft bist komen. Und daz bat aber gemacbet der gantze ker zft
gotte und volkomener vonker von allen dingen und der grundelose
ernst und liplicber pin, mit dem du din altes leben gedilget hast
10 und die valscbe minne so gar under die füsse getrucket hast. Min
kint, ein mensebe, der nie zfi dem wine kam, so der des ersten
beginnet trincken, so wurt ime der win enpfintlieber denne dem, der
es dicke bat getan ; und gedencke, daz dir also geschehen sie von
der claren süssen minne der ewigen wiszheit, die dich als uber-
15 krefteklich hat überwunden. Oder es meinet aber, daz dich got
reissen wil und dich schiere binnan wil nemen zfi dem grundlosen
burnen, us dem du nfi ein trßpfelin hast versuchet; oder es meinet
aber, daz er sine wunder hie an dir wil erz6igen und den übei*flusz
siner gute. Und solt dich also halten: du solt dich ime zu male
20 neigen under sine füsse mit din selbes verworflfenbeit in einem lügen
sines willen an lustsficben din selbes. Du endarft dar zfi nit vorbte
ban: es ist alles sament ein minnenlfider ^ottes in der sele, es gat
eben, ime sol also sin. Doch soltu diner liplicben kraft war nemen,
daz du nüt zfi vil dar inne verzert werdest. Es mag sich fügen^
25 so der loflf für kumet, daz es dir zfi gfiter masse benomen wurt und
daz du ufF ein nocb nebers gesetzet wurst.
Ach, min kint, die schöne gesibt, die dir an dem heiligen tag
zft winaht wart, in der du sehe, wie clarlicb die minnecliche ewige
wiszheit in frßidenricher wise mit miner sele vereinet wer, und en-
30 hütest mir, icb müge ein fröidenricb diener sin der ewigen wiszheit,
dis hat gemachet, daz icb ban hertzklicb gesüftzet, wanne icb bin
nüt sin minner. Mich dunket, ich si sin karrer und watte mit den
grossen Schüben uflFgeschürlzet durch daz ror, wie ich die menschen
1 y'ii fehlt 8 2 minnende 8 3 [und] aber und noch s 7 Und — 8 dingen
fehlt d 8 vonker] ker b affkere c 10 hast fehlt hs 12 enpfinglicher ad
dem fehlt hcd 21 f. han vorhte s 23 doch so soltu 8d 24 dar inne zä
vil s j^efugen b 25 es] er ds 32 karter (!) a
4 wunden bezieht 8ich auf die verkehrten Neigungen, die nach der Be-
kehrung noch in der Seele sind, 28 f. Vgl. Vita 20,13 ff. u. AbUldung 2.
468 Grosses Briefbuch. XXI. Brief.
US der tiefifeu lachen ires süntlichen lebens bringe; und dar um b sol
mich genügen, so er mir einen rucken ieip an mine haut git. Und
doch so mos ich dir eines von mime geminten sagen, des er kürtz-
lich neisvvie dicke hat in mir gepflegen [hier bricht auch s ab; den
Schluss siehe Kl Bfb 385,30 --886,30].
XXL Brief.
In Omnibus reqniem qnesivi.
Also sprichet die ewige wiszheit: ich habe mir in allen dingen
rfiwe gesüchet, und leret verirte menschen, wie sü in dem loflFe ires
lebens zft fride süUent komen. 10
Wie daz si, daz die warheit an ir selbes blos und lidig si,
doch von unser naturlichen eigenschaft so ist uns anegeborn, daz
wir sü in bildlicher glicheit nemen, untz daz der swere nidertragende
lip wurt abe geleit und daz gelüterte 5ge in der ewigen sunnen rad
frilich wurt gestecket; wan untz dar so gangen wir also die blinden 16
suchen und griffen umb uns und enwissent nüt wo oder wie. Und
so wir joch ettewenne haben die warheit, so enwissent wir nüt, obe
wir die warheit haben, und tügent als der ein ding suchet, daz er
in der haut hat. Und der mensche lebet in zit nüt, der dises gentz-
lich lidig Stande, wanne es ist ein nachklang der erbesünde. 20
Aber under allen dingen nach mime verstene so wer nüt also
rehte begirlich zu wissende einer gotsüchenden sele, als daz sü
möhte wissen, waz gottes liebester wille in ir wer, daz sü ime
minneclich und gevellig mähte, daz er sunder liep und minne und
heimeliche zu ir gewinne; wanne ein reht geordenter mftt kunt dicke 25
dar zu, des mich duncket, daz er dar umb einen tot wolte liden
daz er des einen lichten underscheit gewinne in allen dingen. Dise
begirde mähte den getruwen Abraham us gende von sime lande
XXL Brief i= Kl Bfb IX), Hss.: c d h R .v. In d fehlt der Sdtfus.s^
von 470.8 wer an.
8 Also — wiszh. fehlt h mir fehlt d 12 [unser] natürlicher 1\
13 bilderj'cher s 15 [die] blindslichen h [die] plintloszcn H 17 so enw. —
18 haben fehlt h 19 dises] des hli 23 wer in ir R 24 siinderlich cdÄ/V
und minne fehlt hR 26 des] als c 27 in allen d. irewynne .v
7 Str. ^4,n. 24 er = der Mensch. 27 des — von Gottes Wilhn,
28 ff. / 3I0S. 12,1, 4.
Grosses Briefbuch. XXI. Brief. 469
und lüten und fründen; er enwuste war und süchete got verre, daz
er in nach vinde. I)is hat gejaget und getriben alle usserwelte
menschen von anegenge der weite untze an disen hütigen tag und
tut iemer me, wanne daz liep wartspil zühet me denne der adamast
5 und bindet lue denne tusent seil. Wol ime, daz er ie gehorn wart,
der es vindet und ergriflFet und sich nieiner do von gekeret!
Ach, har umb vellet mir ein spruch in, den las ich in der
schule der nature; ich las in und verstaut sin aber do nüt. Er
sprichet also: er beweget unbewegenlich also ein geniintes liep. er
10 git hertzen ilen und begirden ISffen und stet er also ein unbewegeu-
licbes zil, des alle wesen varent und begerent. Aber der loiF und
zug ist unglich: der liehte himel machet die anbeis kriechen und
den geswinden hirtz ISflfen und den wilden valken fliegen. Ir wise
ist ungelich und haut doch ein ende, daz ist ein ufenthalten ires
15 Wesens, daz von dem minnezil us flösset.
Dis glichen vindent wir in der grossen unglichelt, die man
under gottesfrunden vindet, die do des gutes enpfenglich sint; wanne
eins loffet mit grosser strengheit, eins ilet mit luter abgescheidenheit,
eins flöget mit schSwelicher hoeheit, ieder mensche, also ime gezem
20 ist. Waz do an ime selber daz nehste sie, daz wene ich, daz daz
keinem besinten menschen verborgen si, aber waz einem ieklichen
menschen sunderlich daz aller nützest si, daz wen ich, daz daz nie-
man dem andern künne gesagen; eigenes befinden und götteliche
erlühtunge müs des einen menschen bewisen. Denne eines spriche
25 ich wol: liplich strenkeit git zft den dingen vil gevellikeit, der es
4 adamas ch 5 daz er] der s 6 begryffet cd keret B 7 las
nach 8 schäle s 8 aber do fehlt c 10 er stet hR er fehlt s 11 warent s
wartten R wardit d wartende synt c 12 gar ungl. cd die — und fehlt h
ameiszen Red 14 ufenthaltens s 15 daz — flüsset fehlt h uf flüsset (!) 8c
1(3 Des c 17 gueden cd 18 stargheit s kranckheit c mit (zweites)] iu hR
20 daz daz — 22 wen ich fehlt s 21 besinten] besonnenen c verstendigen d
22 [daz] aller n. dR 23 eig. — 24 bewisen fehlt h 25 gevellecliche s es] sy c
1 Vgl. Hehr, 11,6. 7 f. in der schöle der nature = im j/hilosophischen
Unterricht. 8 ff . Aristoteles y Metaph. XII c. 7 (1072a 25 ff. hSff.) ist frei
zitiert. 20 ff. Das beschauliche Leben ist an u. für sich das höchste, aber
nicht alle sind dazu berufen; vgl, die Anm. eu Kl Bfb 3ö8,10 und Denifle, Das
gcitill. Lehen 263 ff. Zitate aus Gregor (eigenes befinden) a. Dionysius (gottel.
erlühtunge) siehe Kl Bfb 388,20f.
470 Grosses Briefbuch. XXII. Brief.
t&t mit bescbeidenbeit. Es ist käntlich, daz nieman zu allen zitten
in sime I5ff uff eime püntelin mag bestan; dar umb sol man den
dingen gar sitlich nach gan. Uff den sinn sprichet der wise
Salomon: alle ding babent ir zit. Wanne also der luter inker an
eime frummen menseben sin zit wil baben, also wil 5ch der örden- 5
lieb usker naeb gottes lop sines zittes nüt verbalten werden. Wer
sieb alleine setzet uff inrekeit, der wurt entribtet, so in got zähet
zu usserkeit; wer sieb ocb nuwen bebencket in usserkeit, der ist
ungeb6gig zu innerkeit. Ein wiser menscbe sol sin innerkeit in der
usserkeit nüt verwerffen, noeb der usserkeit von der innerkeit nüt 10
verl6ickeuen, sunder da es ane triffet die werk der geborsame. Er
sol sieb selber in den wereken mit beiligeu begirden unmüssigen,
daz er geswinde wider in die beimeliche müge komen, und sol sieh
selber in der innerkeit also in gottes baut geben, daz er der gehor-
same siner obern müge gnüg wesen. Und also get er us und in 15
und vindet, do von er gespiset wurt, wanne er vindet rfiwe naeh
der wiszbeit lere in allen dingen.
Dis schribe ich üch dar umb, sit ir got verre in daz eilende
gevolget baut, daz ir in nahe und verre kunnent vinden, den, der
do in allen dingen hat sin wonen. leb weis einen menschen, der 20
kam sines lidenden eilendes eins males under einem crucifix au den
eilenden Cristum; do antwurtet er ime her abe innerlich also: „du
solt dar umb lieblos sin, daz du mir zfi eime liep werdest, und solt
dar umb versmebet sin, daz du mir zu eime lobe werdest, so solt
du dar umb unwert sin, daz du mir zu eren werdest." 2b
2 gfBstan hlt 4 inker] kerm (I) *• 6 vorschalten a' verschiffet c
7 eutriht.] intfredet c 8 wer — 9 innerkeit /c/J/ h 10 noch — 11 gehors.
fehlt h noch die usserk. s 15 sine* chs gnufj; mnge w. s 19 haut
gevolg. hR 21 males fehlt s ein cruc. chs 23 und — werdest fehlt c
1 boscheidenheit = Diskretion. Ähnliche Aufisj)rih:he Vita 108,lljf.:
Kl Bfh 364,11 ff. 388,22. Weitere Belege hei Dcnijle , Luther und Luthertum
I-y'jayff. 2 f. Vgl. Vita 166,21 f. 4 Fred. 3,1. 4 ff. inker = hc
schauung; usker = Beschäftigung mit äusseren Dingeti. 6 ff. Ahnlicht CrV-
danken in den Sprüchen Vita 165,8 f, ltj7,15f., 16,sJf.u. Kl Bf h 383,3 jK
Taulers Lehre hei Denijle, Bvga XXXI f. 8 beheucket mit der Anhimff-
lichkfit an die sinnlichen Dinge. 16 f. Joh. 10^9; Sir. 24,11.
20 Vgl. Fs. 13h,7ff.
Grosses Brief buch. XXII. Brief. 471
XXII. Brief.
Estote perfectll
Also sprichet die ewige wiszheit Jesus Cristiis zft sinen uss-
erwelten Jüngern, die nach hohem leben stalten: „ir sent volkomen
5 wesen!"
Der lieht Dionysius an dem buche von den engelsliclien
Jerarchien sprichet also, daz die nidern von den öbern werdent ge-
furbet, erlühtet und volbraht; und das geschiht alles mit dem us-
brechenden glantz der überwesentlichen sunnen, mit einer geraein-
10 same dez hohen usflusses, mit nuwer inlüh^ender warheit.
Dis bildes glichnisse vindent wir ettewie vil in zit in maniger
leye wise in vil menschen. Doch also mich duncket, daz es dir zu
gehöre: daz fürben lit an usgetribenheit alles des, daz creature oder
creaturlich ist nach hafte und begirde und kumber, daz dich in
15 keiner wise vennitlen mag, und wer daz der höheste geist von
Seraphin oder der heilig sant Johannes oder waz daz ist, daz ge-
schaffen ist, — dem soltu us gan. Du weist vil wol, wie rehte
kundig der satan ist und wie gröszlich maniger ^heilger mensche hie
verwirret ist. Lüge, kint mins, ich gibe dir den, der alle heiigen
20 geheilget bat, die ewigen wiszheit; und den ungeordenten kumber,
den du vor an sin getat leitest, den leg nü an den geminten zarten
herren. Ich weis wol, daz du es in guter meinunge tete; aber die
gute meinunge ist in allen dingen nüt genfig. Es gebot unser herre
hie vor durch Moyses und sprach: „daz reht und gut ist, daz soltu
25 reht und ördenlich tun" ; anders daz reht wurt unreht.
Aber nach den claren inflüssen der göttelichen warheit do soltu
naht und tag nach kalen nach nuwem lieht, nach nuwer warheit,
wanne die warheit ist ein lieht, daz die timbern vinster der un-
XXII. Brief (= Kl Ufb X). II ss.: c d h li s,
3 sprach R 4 die — stalten fehlt hBs 6 lieht] leue d 7 ueder-
steii . . oversten cd 7 f. gefarbet] gereyniget c, fehlt dh 8 als cdR dem]
eyine sdh 10 mit n. inl. warb, fehlt d 11 Des cd 13 uffftrben * reynigen c
aller [des daz] creature s des fehlt dhli 14 haste dhs 18 sataii] viant d
19 verirret s myn kint cd 21 getet s 22 die] dein hH 24 und
sprach fehlt hR 25 unreht] vurcht 8 26 dem cl. inliusse cd 27 quelen chR
nüwor liebten (!) s 28 timbern] tumben s dode d, fehlt ch vinsternusse dh
diiysternisse c
2 Matth, 6j4ö. 6 flf . De coel. Hierarchia 6,7.- 7jä.3; 4,3, Zu nidem
uud obren ergänze icie KlBfb 390,2 engel. 24 f. V Mos, 16,20,
472 Grosses ßriefbuch. XXIH. Brief.
wissenheit vertribet; und daz lieht wurt ettewenne in mittel, etwenne
sunder mittel enpfangen, daz die sele in fröide ernuwert und si mit
gSltelichen formen erfüllet. So dir des in zit ieme werden mag, so
dir alle irdenscheit ieme enpfellet, und daz untodemlieh kleit des
künftigen iemer werenden lichtes ieme wurt geeigent in einer ver- 5
drossenheit aller zitlieheit.
Und in dem enspringet denne daz dirte, daz ist wäre vol-
komenheit, die do lit an der waren vereinunge der hohen kreften
der sele mit dem Ursprünge in hohem schowene, in inbrünstigem
minnene und in süssem niessenne des hohen gutes, also vil sü vor 10
krangheit des sweren libes vermag, untze sü och abe geleit des libes
swerheit und frilich nach ilet irem geminten in vollekomener selikeit.
Sich, min kint, disem pfat gang nach und kumme dar ab nüt,
so wurstu vollekomenliche bewiset der höhsten warheit und vahest
hie in zit an einen vorsmak ewiger selikeit. Und so du den vinger 15
göttelicher lere ie girlicher sugest, so du ie lüterlicher wurst gewiset
und ie hertzeklicher mit dem trancke der ewigen wiszheit getrencket.
XXIII. Brief.
Exiivi a patre et veni iu mundum; iterum relinquo munduni
et vado ad patrem. 20
Also sprach der ewige sun an dem jüngsten nahtmale, do er
von sinen jungern hin zu sinem vatter scheiden wolte: „ich bin
komen von minem vatter in die weit; nu wil ich die weit lassen
und varen wider zu minem vatter."
Der wise man sprichet: „dru ding sint mir unmügelich zu er- 25
kennende: daz erste ist des adelers flug in dem luft, daz ander ist
1 vertr. der imw. hU in] ein hs etw. — 2 mittel fehlt h '2 vreuden cd
3 So — 4 enpfellet fehlt h 6 geneyget cd 9 seien .«? 16 begrirlicher Jf
17 Amen hU
XXIII. Brief Hss.: b c d h m X U.
19 patre meo chnX 21 f. nabtmal, das er zu lezst mitt sinen jungem ass
und er von s. j. U 24 var hU 25 dn'i] die U unmngel.] miilich U
26 jiren hmX den lüften hcU
8 f. Vgl Bdw 347jl3ß\ 19 f. Joh. 1Ü,'J^. 25 ff. Spn'chw. 30,18 f.
Grosses Briefbuch. XXm. Brief. 473
des Schiffes weg uf dem mer, daz dirte ist des slangen slichen uf
dem herten stein."
Diser adelar ist daz wort in der gotheit. Wie daz us fliesseude
ist und wider in fliessende ist, daz ist allen geisten verborgen, als
5 es ime ist in ime selber offenbar; aber daz ander als sin geburt ist
ein Sache aller creaturen geberens. Daz lan ich nu zu mole ligen
und nim daz dirte stucke, daz ist ein ende sines herkomens, daz
sint alle die guten gemüte, die in gotte eweclich gestanden sint, daz
er die lere, wie s6 wider zfi ime kummen süllent. Exivi a patre.
10 Es wart gefraget, ob der mensche dar zu möhte kummen, daz
er lidig wurde stonde aller usser Übungen, und ob usser übunge
besser were oder lidig «ton von innan und von ussenan in einem
schowende. Do wart geantwurtet also: anevohenden menschen, die
noch mit den snecken in dem horwe irs eigenen gebresten kriechent,
15 den gehört nit zft, daz su sich dem adeler in sime flug glichent,
mer sü süllent flis han, daz si gangent in sich selber und Ifigent,
wa sü haftent, daz sü sich da entlidigent. Wer mit sweren bürden
wil fliegen, daz gat ime übel zfi banden. Da von so sol sich der
mensche scheiden von allen creaturen in dem anevange, obe er zu
20 vollekomenheit wil komen. Daz ander stücke ist, sinen lip an griffen
mit kestigunge in einem abbrechende an slaffende, an essende und
an trinckende und alles, daz ime lustlich si; wan sin lip ist der
nehste vigent, den er gehaben mag, wan er müs in alle zit bi ime
tragen und sin doch lidig stan.
1 des Schiffes weg] daz schiff hdhmNÜ uf] in ch schlingen hmN
2 dem h. steinen h 3 ar dhmN d. ewige wort c 4 und wider in fl.
ft'hU cd 4 f. als ime selber offenbar ist mN als nu offenbar ist h 5 selben h
aber fehlt dhmX als] ist hmN 6 f. die ein sach ist hmN 6 geberen U
nu] yetz U 7 daz ist daz bü 9 die] si hU 11 aller — 12 ston fehlt h
nbuufi^en] ubung Uc 12 und v. nsaenan fehlt bü 12 f. in ein. schow.] und
ob ir sin recht gedenckent ü 14 ir mN 15 noch nit U aren dhmX
16 mer] aber b in gangent in s. s. hmN 17 wa] wie U da] da van d
dez mN wan wer hmN swerer ch 18 fliegen wil hmN 21 kestigen
und im abbrechen hmN 21 f. [und an trinck.] und an andern dingen und an
allem dem daz ime lustlich ist hmN
3 ff. Vgl, Vita 178^1 ff. y 179^23 ff. und die dort gegebenen Erläuteruiigeti,
ferner Eckhart 165,24 ff. 7 ein ende sines herkomens = das Ziel des
Kommens auf die Erde, der Menschwerdung. 8 Vgl. Bdw 331,16 ff..
334,16 ff. : Vita 23,4. 10 f. Vgl. Bdw 358,7 ff. 20 ff. Vgl Kl Bfb 372,18 ff.
Zu ergänzen ist hier die Mahnung zur Diskretion in der Askese, vgl. oben 470,1.
22 f. Vgl. Vita 106,1 f. u. Eckhart 29,12 ff.
474 Grosses Brief buch. XXIU. Brief.
Ich frage drier fragen. Eine ist: weles daz höbeste si an be-
kentnisse, die ander: weles daz beste si an lebende, daz dritte ist:
weles daz nehste si nach inren Übungen. Disen fragen si kurtzlich
geantwnrtet also. Daz erst: got sander mittel schowen; daz ander:
einen vereineten willen in liebe and in leide mit ime haben; daz 5
dirte: in einem ieglichen nu ein widerinfliessen haben.
Aber zfi der frag, obe der mensche dar zu müge komen, daz
ime alle übunge werdent enpfallende, süllent ir wissen, daz es ge-
schiht under stunden, daz ein mensche in schowelicher als in ge-
bruchlicher wise einer lidiger friheit in ime enpfindet, die in uf inre 10
lidikeit und uf usser friheit zühet und ein vereint einunge mit der
h6hsten warheit erzöuget, daz er der sülle genüg sin und enkeiner
wise me sülle ahten. Und wan die menschen noch nit zö gründe
durch sich selber sint erstorben, noch die wise nit wesenliche in in
ist gestillet, denne alleine nach einer eilenden unzitlicheit zu gevallen, 16
so geschiht dicke, daz si do von werdent gehindert und nit klein-
liche gesumet, wan es noch nüt sinen vollekonienen durchbruch hat
genomen. Dar umb duncket mich fürderlich, wie hoch sä iemer
koment, daz sü doch dise vier Übungen habent und in die niemer
lasscnt abe gesprechen, wanne sü sint nach minem verstende zft der 20
höhesten vollekonienheit die aller nehsten.
Die erste ist, daz sich der mensche alle zit samene von aller
raanigvaltikeit in ein einvaltig stilheit; daz ander ist, in ime selber
ein emzig unverwenckete wonunge haben; daz dritteist, dez ussern
1 Die eyiie c(/ daz] die b an] in cU 2 daz ander mXcd die
drit ü ist feMt cd 3 inren] ingender liinN 4 sunder] on hinN 6 einem
fddt hmX 7 fragen hc 8 do sönd ir w. hmN ir fehlt h 9 als in]
oder bc 9 f. gebrucbl.] niesseclicher b niesalicber r 10 in ime fehlt rf/*w^V
die — 11 lidik. fehlt dhinX 11 und [uf] uuszer l'rili. h)nX ein] im dUmN
IB ^\ MX fehlt dhmX 14 wise] wite bU 15 ;Li:est\ilet bX gestuelet c denne
— govallen fehlt m nach — unzitl.] den menschen // nach] in cdN eilenden]
entlehten U entlenden X nutzychicheit d 16 f. nit kleinl. fehlt h 17 ver-
sumot dhmX 19 diser bhU in fehlt inX in die fthll dh niemer] in
einer stillen (!j b 21 vollek. komen die aller meist ist b 24 emziir] stete dhwX"
2.5 V(jl. Vita i\j.lf;jr. 5 f. Vgl ohen47(Kl:Jff. 91". in gebruch-
licher wise = nctunlitcr, vijL Kl lifb SöOy'iOß'. und die Anin. ebd. 13 f. wise,
vgl. Vita lb7,3. 14 f. ^Sinn wohl: noch das Streben, ihrem eigenen Sinne
(statt (iott) zu folgen, volUtändig in ihnen zur Ruhe gekommen 2.s7, nur allein
einer elenden Ungehörigktit zu G (fallen u.i<.n\ 22 ff. Vgl. Vita 104 Jß\^
170,15 jr.
Grosses Brief buch. XXIV. Brief. 475
menschen stetecliche war nemen in einer wurklichen nachvolgnnge
des hohen bildes unsers herren Jesu Cristi nach der höhesten volle-
komenheit^ als es ime denne mügelich ist z& tünde in demütikeit^
in williger gehorsame, in senftmutiger armiüt; und als der himelsche
5 vatter sich selber minnet durch sich selber^ also sol der mensche
sich selber und alle creaturen alleine durch in minnen. Die vierde
übunge ist: wa er sich selber iemer vindet, daz er sich selber da
zu gründe lasse nach zit und ewikeit, daz ist an ansehen keines
lones. Dis bewert sich ein teil do mit, obe der böste mensche den
10 aller edelsten handelte, so er iemer wurst möhte, daz er sich da
nnder den menschen neigete, als ob er dot were; und zu glicher
wise: da gat eine hin und vindet einen guldin pfennig oder nit, —
als seltzen daz ist, daz man einen guldin vindet, als seltzen solte '
daz sin, daz der mensche sich selber iemer me füude. Geschiht
15 aber, daz er sich selben vindet, so sol er sich selber da lassen und
sich mit dem sune wider in daz vetterliche hertze neigen. Daz wir
um hie also vinden, daz wir uns eweklichen niemer verlierent, dess
helf uns gott der vatter, gott der sun und gott der heilig geist.
Amen.
20 XXIV. Brief.
Xos antem revelata facie gloriam domini specnlantes in eandeni
imaginem transforiiiamnr a claritate in claritatem, tamqnam
a domini spiritn.
Min liebü kint, ich han üch dicke geleret luterlich leben, nu
1 wörkl.] volkomener d waren mN 2 uds. herren fehlt hmX nach
— voUek. fehlt d 3 [es] in dan c [es] denne im dh in demüt. fehlt h
4 will.] gewilliger h vil hmN 5 also — 6 minnen fehlt dhmN 8 kleines h
9 do mit fehlt U obe] daz hdmN 10 edelsten] besten menschen hmX
da] dan d, fehlt hmX 12 da — hin] alsz ein mensch der do gett hmN vindet
nach pfennig hmX oder nit fehlt c 13 selten (zweimal) hmN mau]
eynre c guidein hmN guldin pfenning hc 14 sich selber durch sich
selber bc selber fehlt d me fehlt dhmX 15 vindet — lassen fehlt h
16 Daz — 19 Amen fehlt hcdhmN
XXIV. Brief, llstt.: b c d h m N B s IJ z.
22 in — 23 spiritu/eÄ/f hB 22 f. [tanquam] a deo spiritu s 24 luterlich /cA/^ Bs
7 f. Vgl, Seiises Predigt Iterum relitiquo u. Deniffe, Das geistliche Leben
■iböff. 12.13 guldin (pfennig) = Goldmimze^ Gulden. 16 ff. Dieser nur
in U überlieferte Schluss seigt, dass der Brief eigentlich eine Predigt ist, loas
auch aus seinem Tenor hervorgeht. Vgl. Zfda 19,360; 20,364. 21 ff. // Kor. 3, 16.
476 Grosses Briefbuch. XXIV. Brief.
wil ich üch 6ch leren andehteklich betten, swie ich leider entwederm
nie genüg were rait dem minsten puntelin. Daz höhste ende an-
dlbtiges gebettes daz ist ein raittelosü vereinunge der sele, so si mit
allen ireu kreften gesamnet in daz bloss abgründ des ewigen gutes
mit lutrcm schowen, inbrünstigen minnen nnd süssen niessen versöffet 5
Wirt, daz sü ir selbes und aller ding untz an daz luter gut ein ver-
gessen gewint. Wan aber die sele von des armen libes swarheit
emzklich wirt nider gezogen, daz sü dem gut nüt luterlich mag an
haften, so müss sü etwaz behelfens ir selber han, daz sü dike wider
in leite. Nu vindet man manigerley gebet und misslich andaht, 10
dar nach als denn ein mensch gemüt ist oder als denn sin loff ist.
Aber mich dunkt, daz daz ein übergülden alles andahtes und ein
liebt alles gebettes sie, daz da gät uflf daz minueklich bilde Jesu
Gristi und uff sin minnekliches liden; wan da hat man got, da hat
man menschen, da hat man den, der alle heiligen heiligot, da vindet 15
man leben, da ist der höchst Ion und der obrest nutz. Und da sol
ein mensch mit entblSstera gemiite von allen creatürlichen dingen
die gotlichen g&nlichi des himelschen herren, die ewige wiszheit,
schowen, und sol sich in daz selb bild verbilden von klarheit ze
klärheit, von klarheit siner zarten menscheit ze der klarheit siner 20
ewigen gotheit; wan so wir in nu ie dicker mit spilenden ogen
minneklichen an bllken und alles unser leben nach im bilden, so
wir eweklich ie neher und ie höher in den himelschen Ion werdent
geset/et. Aber wan der geminete herre, ein exemplar unser geist-
lichen ogen, got und mensch ist, so höret etwaz die gotheit an, etwaz 25
1 üch fehlt b och fehlt dR 2 nie] ie z mit — pünt. fehlt z hoch hs
3 Vereinigung hmXsU 4 daz fehlt b 6 mit einem liit. seh. r versöffet]
versenkt hl{ 7 aher] als z swachheit z 8 eintzklich sz 8 f. luterlich
mit mag haben und an haften z 10 man fehlt h »^ebi^ttc zc raisslicheii üz
11 oder — ist fehlt sü 12 daz [daz] zcdmN 14 hat] vindet (zweimal) z
16 daz ist d. h. Ion b aller höchst z 17 mit einem entbl. ju:. zc 19 f. von
klSrh. ze klärh. fehlt bhlis 21 nu in hlls nu fehlt z 2:3 lioher] neher b
den] dem RU Ion] tron inN 25 ist fehlt z
2 ff. Seuse beschreibt hier treffend das Ziel der Kontemidation. Zur Kr-
khirung vgl, Thomas , S, Th, 3,2 q. 179 sq,: Deuiße , Das gelstL Leben 523 ß\;
Ries a. a, 0. 280 ff. 5 Dieselben Ausdrücke in Brief Estote 472,9 f.
6 f. Vgl. Bdw 346,8 Anrn. 7 — 24 ist in Brief X Estote perfecti des
KlBfb 391,1 — 13 auszüglich wiedergegeben. 15 der alle heilic^en heili/ofot,
ebenso schon 471,19 f, 19 Vgl, Vita 168,9 f. 24 ff. Vgl. Bdw Kap. 5 u. (i.
wo Seuse die falsche, einseitig innerliche bezw. üusserliche Auffassung des Vor-
bildes Christi ausführlich zurückweist.
Grosses Brief buch. XXV. Brief. 477
die raeuschheit, etwaz sü beide ; an etlichen sinen werken ist er uns
ze volgen, an etlichen ist er allein zu schowen und zu wundren mit
einer diemütiger undergeworffenheit ane alles vrävels nachgreben
siner überswenken Verborgenheit. Und also wirt ein mensch von
5 der gotheit gespiset und von der menscheit gewiset und von in
beiden emzklich ze andaht gereisset.
XXV. Brief.
Hilil antem adhaerere deo bonnm est.
Das edel seitenspil des heiigen geistes, der wissage David, der
10 was eins males besoffet in der stille des götlichen schowens und
sprach daz edel wörteli: Mihi autem etc., daz sprichet: mir ist
gät, daz ich got an hafte.
Owe, min zarten kinder, daz min munt äch dicke hat girlich
geseit, do ich bi äch was, daz ruffet nu min hertze mit luter stimme:
15 daz ist gut und ist besser und ist daz aller best, dem gut allein
leben, im wesen und mit minneclicher begirde z& allen ziten alleine
an haften und alles anders knmbers und unröwe vergessen; wanne
in dem anhafte da wirt die sele verswemmet in daz einig ein und
wirt widergeflösset in daz gflt, dannan sü geflossen ist, und als
20 sant Paulus sprichet: ,,der anhaft machet die sele einen geist
mit got."
Ach, und daz begert der clare widerglast des ewigen lichtes,
der luter Spiegel der göttelichen majestat, eya, und daz schöne bilde
1 f. ist er und ist uns zu volgen (!) hs ist er — 2 etlichen fehlt dmN
3 ane — 4 verborg, fehlt s nachgeben (!) hE 4 überswenkenden bcU über-
swenkigen sR 5 in] den b 6 Amen z
XXV, Brief. Hss.: hcdghmNnItaUz. In mN fehlt der
Schluss von 478,19 Selig «6, wofür ein Teil der Predigt Lectulus angefügt ist.
9 f. [der] was s 10 besloffet 8 11 daz — sprich, fehlt dli daz
sprich, fehlt b 12 an hafte bin z 13 zarten — 14 stimme fehlt g zir-
lich s 13 f. geseit giriich b 15 göt (ztceite^)] got z guten mX 16 leben]
geben b im] in hU myn 8 17 und alles — 18 anhafte fehlt hz anders
fehlt bs 18 anhaften b da fehU bcg 19 als fetdt bc 22 und fehlt z
clare] wäre b 23 majestat] herkraft g
4 f. Vgl Joh. 10,9. 8 Fs. 72,28, 18 Vgl. Bdew 225,10 u. Bdw 336,7 ff.
20 f. / Kor. 6,17. Zur Erklärung vgl. Mies a. a. 0. 298, 305 ff.
478 Grosses Brief buch. XXV. Brief.
der götlichen gute an dem jüngsten nahtmal, daz er hat mit sioen
lieben jungern und sprach: „heiliger vatter, ich beger, daz sü eins
mit uns sin, als ich und du eines sint.^ Und welle alsos ein mit
ein in einikeit worden sint, der hertze und geist wirt ernüwert mit
dem infliessen sins selbes geistes mit nuwer warheit, mit yerborgem 5
liebte, mit ungewonlicher süssikeit, mit eime ablegen aller unglicheit,
mit eime waren inblick der göttelichen clarheit. Alle ir sinne koment
in sogtan ingezogenheit und ir verstantnisse in ein schowen der
blossen warheit, daz kein schöner blflm in disem wunneklichen zit
sich nie so schone natürlich gefärwet noch geziert, als ir hertze und 10
müt in dem hohen Ursprünge alles gutes übernatürlich wirt mit gnaden
und mit tugenden geziert.
Ach, habent uflF üwerü ogen, lügent, wes fröwet sich ietze berg
und tal, lob und gras, wes lachent ietze die schönen beiden? Niht
anders denne von der ciaren sunnen nacheit. 0 rainü lieben kint, 15
dem nÄ die gewere sunne inlühteude ist, dem sü inwonende ist, von
dem alles gewülken und timber nebelheit vertriben ist und mit dem
götlichen glaste durchglestet ist, wie mag der so rehte wol ein sum-
merliche wunue haben! Selig ist der, der es hat! Ist es nüt zu
allen zitten, daz er sin doch underwilent ein bevinden hat. 20
Ach, und dar umb, minü zarten kint, so erswingent üch in
die stillen, wilden, wüsten gotheit und verheftent üch dar iune, daz
üch in zit nieman , begriffen kunne, daz ir sprechent mit sant Paulus:
„ich leben, nüt me ich**. Hier uff hat üch got dicke dur mine wort
gezogen; ich beger och, daz er üch nu sin volkomenlich durch minü 25
werk bewise. Minü usserwelten kint, lident, lident, und wissent, daz
ein kraucker lip und ein vestes gemute mügeut ellü ding in got über-
winden. Nement war: wer der schonen rosen ogen weide tSgenlich
3 als da icli z eines und eines sint hksz eines und einig s. 22 5 den
inflüssen h dem influss g 7 sinne — 8 ir fehlt d 9 diser schmX wuDne-
zit hs 10 sich fe?ilt b noch] und tiHs 11 niut] munt h hohen fehlt s
ussprunge hs natürlich z 13 frovvent bf/mNJiU 14 lachet hdhns schone
heide sdhn 15 von fehlt z nacheit] nehunir hli, felih hc liehen fehlt z
16 n^ fehlt sU gewere] war dghnR 17 gewülke sdghU tumber und
nebel z 18 rehte /eA/^ s so wol ein rehte sum. w. zn 21 Ach — 26 \Lmt fehlt g
22 wilden stillen b 24 me fehlt .s me [ich] dRi^ hie her uf b tich
fehlt z 25 och fehlt b volkomenheit /w/,'r 26 \u\ent einmal dU 27 und
[ein] z muiJT z 28 togenlich fehlt hJis
2 f. Joh, 17,11.21. 4 f. Vgl, oben 471,'J6ff. 23 f. Gal. 'ri,20.
Grosses Brief buch. XXVI. Brief. 479
haben wil und der wunneclichen fruht des baisamen niessen wil, der
niüss ir natürlichen art volwarten in gemach und in ungemach, bis
daz der frölich tag kunt, daz er sü in spilender wunne frölich nies-
send wirt nach alles sines hertzen lust.
5 Ach, ir minnenden hertzen, nfi hörent, wie min hertze die rede
beslüsset! Ir sond also werden, daz ir mugent sprechen mit sant
Paulus: „hinnan für so lasse mich ieder man schaffen daz min, wann
ich trage die fünff zeichen Jesu Cristi an minem übe."
XXVI. Brief.
10 Pone me ut signacalam snper cor tanm!
Es begert der ewige got von siner gemahlen einer bette und
sprichet also: „lege mich als ein minnezeichen uff din hertze!"
Minü lieben kint, ich sende üch hie die briefe, daz ir alle zit
etwaz habent in den munt der sele ze legen, da von üwer hertz und
15 niflt ernüwret und enzündet werdent in der süssen minne der zarten,
niinneclichen ewigen wiszheit; wan dar an lit daz höhste, daz wir
in zit mägent han, die wile uns der blosse anblick, der mittel-
lose umbvang, ach, und der iemer werend ingang verseit ist, daz
wir dicke an daz liep, ja gewerlich an daz einige usserwelte liep
20 dike gedenken, daz hertze nach ime verseneden, dicke von ime reden,
sinü minneklichü wort lesen, durch in ellu unserä werk tugen, nieman
uff ertrich denne in allein meinen. Daz 5ge sol in minnecliche ane
büken, daz ore zfi sinen Worten sich uff bieten, hertze, sin und m&t
in umbvahen. So wir in erzürnen, so söllin wir in flehen; so er
25 uns übet, so s611in wir in liden; so er sich birget, so süln wir daz
gerainte liep suchen und niemer erwinden, e wir in aber und aber
1 fruht — 2 naturl. fehlt h 2 müsse [ir] « wol warten gz uud
in Ungemach fehlt 8 bis fehlt b 5 Ach — 6 beslüsset fehlt g die]
disze hdn 7 so fehlt z 8 Amen hnR
XKVL Brief (= Kl Bfb XI). Hss.: c d n R 8 z.
13 disen prieffe n [die] bryefe 8 14 hab. etwaz 8cR den] dem dnEz
20 versenen cB 21 werk] wort cdR8 ding n tügen] sprechen d tragen R
23 sich fehlt ds 24 im flehen cds 26 durch in liden z 26 och niemer s
e daz s
7 f. Gal 6,17. 10 Hohel, 8,6, 13 die briefe wei8t wohl darauf
hin, das8 Seuse den Brief Pone me zugleich mit einem oder mehreren andern
an dieselbe Adresse (Kloster Töss?) gesandt hat. Vgl. Denifle in Zfda !il,93.
482 Grosses Briefl)uch. XXVÜ. Brief.
ein svort gen, das mir misznel; du sprecht also: „waflFen, durch de
marter willen!" Vor dem wortt und semlichen der geliehen hi
dich, das du nszer dinem geistlichen mund iemer mer laszt kamei
[IV.] Din lachen solt du ordnen, wann es ist zft lutbrecht und z
torlich und stet unfröwlich. [V.] Din gän und stan und sitzen ud
aller din wandel sol also zuchtig sin^ das das lob diner zaht ver
und nach mug komen. [VI.] Flisz dich, das dine fücher und dii
gewant nach gemeiner wis siecht und einfeltig si, das niemant di
von hab zfi reden. Es ist ein grosse schant in der warheit eine
gaistlichen fr5wen, das man von ir möcht sprechen: sie ist ein klug«
nun. Da vor beschirm dich gotl
[VII.] Du beginst nu wachsen, du bist nit mer ein kint, di
bist zitig zft der lieb gottes. Ervvel dir selber ein lieb, den minnec
liehen zarten got von himelrich, an dem vindest du allein rehte riiv
und warheit und lieb anc leid und nerges nie. [VIIL] Spann <in>
für dine ögen zfi einem Spiegel und bisz danekber bisz an dinei
tod des minniclichen liebes und gfttes, das er dir gemeinsamt hat
und lasz dich genügen. [IX.] Hinderdenck dich zu grund, wie gai
zertlich er dich sunder fürkomen hat und gezogen hat, und geaU
dich desz und verschmeh all ander liebhaber. Zartes min kint, das
1 sprachst Ji 2 soml. der gl.] sölichen R 4 masseii und ordnen .v
5 iinfrowl.] iinji:clich s^ gaii [uudj stan [und] *' G allen deinen \v. H n\h
ding deines wandel h 7 nach] weit nahent I\ dine tucher und ß/tft s-
8 sy nach schlecht .v* 8 f. hah da von .s* 9 g^rosse /V//// h 9 f. [einer
gaistl. schwestren .v* 10 sie] daz .v* 14 irot und sin raine mäter Mariaii
von himelrich, an den s^ allein fehlt a* 15 nyndert me H nyer me suiist .y
in] sy ,v^ fehlt hU, wird alter vom Zuanmmenhany verlangt 17 liebes] lydes *•
18 ü:eniinjrcn 1\ 19 irezogen [hat] «' und - 20 desz] uym diszeu an /
goste] frew // 20 ander fehlt s^
2 uiarter = Leiden Christi^ als Schirurfortnel gdtraucht. 4 Alft Jeris
culpa' wird bcz*'ichnet : si tfuae vn-hia otiosi-s cavarerit, rel dittsalute riö'vrit, rei
alias ad ridendum c.nncitartrit ( ('unf<fit. c. 17 1. 5 f. IVy/. Ihy. S. Aug. c. 7:
in inc.'Sisu, in .statu, in habitu, in onwibus motihns rcsfris nihil fiat. fjutnl iUiciat
alicuiU'S libidin^:m, scd quod nstrani dectt fianctitatem. 7 f. /.. c, c, (i : nnn
.Sit ntdabilis hahitus vesttr, nie aj/'ecferis rrsfihns pla< ert. std moribus^ neo sitil
oolas tarn tcn'.ra rajiifnm terjniina, m rctiola sni'trr ajßjmrtant. Constit. c, W:
restcs hnieaa homstas et non nofabilittr jtractinstis d flrnnt sororcs, et in man-
telHs vilitas ]>ntin.s' nb.serretur. 11 nun --^ nunnr, ynnnc. 12 f. l'gl.
Hör. lü: o tfiiani bcatns esses, ,si hanc t Üapieufiam aitirnam) in spon.sam habcr
pit.ssesf Jurfni.s tfuipj'e es tf ainnri apfu-s. rt ncffUftt/nam cor tarn ciridum po-
terit t'.y.v.. solUnrium ei ununr priratum. 15 lieb ane leid, n//. \'ita J40,lOt\
n, (rr an, -j:;!.?;.
Grosses Briefbuch. XXVH. Brief. 483
ininniclich lieb gemahel ich dir büt und gib uch zwei zu samen,
und büt sin hant in din bant und din bant in sin bant, und vertrAw
iicb zu samen in gantzer^ steter gemebellicber trüw. Und das dn
aber die trüw nntz uff den tod baltest, so bit icb got, das er zu allen
5 ziten bi dir si und dir alles gel&ck und beil yolg. Weitest du aber
alles des gftts vergessen von got und niemer getrüwen, er enbieten
und lidens, so solt du furchten gottes räch und ungelück an sei und
an lib und an eren.
[X.] Magst du nit grosser andabt gepflegen und zu hoher vol-
le kumenbeit kumen, so tu doch das dinem ewigen lieb zfl eren und
zft lob, das du weder in schimpf noch in ernst kein zu lieb nemest
und dich vor sünden hütest. [XL] Well kein t5ber liebhaber in einer
üppikeit sinen zek und schimpf an dich werffen, dem solt du nit ge-
losen, weder im noch siner botschaft. Es vacht vil klein an und
15 wirt dick ein unmessige bördi dar usz, die man vil kum ab leit, so
man dar hinder kumt. Von einem ganaisten brint ein bus. Dar umb
büt dich und flüh! Da gehört nit anders zA denn flühen und nie-
roants nitzit gelosen. Wilt du aber lichtiglichen dar zu gebaren, als
etlich t5rin tun, die da mit reitzlichen wincken vergifften, so bist du
20 tod; du solt dich sin entslahen mit einem unwertlichen frilichen
vouker, so lassen sie dich das din schaffen. Du bist ansihtiger denn
ein ander mensch, dar umb bedarft du vil g&tes flisz zu dir selber;
der sin selber nit wil hüten, der ist versumet.
[XII.] Hut dich vor den, die da heissen gut gespilen, die da
25 solicher ding pflegen, wann die weren frJ, das sie dich in ir wis
1 eiipfilch und gib 8^ 2 und büt — in din hant fehlt s^ vertrüw] ver-
trewt U gem&hel 8^ 3 Und — 4 trüw fehlt hü 4 uff] in Ä behaltest 8^
4 f. zu aller zeit hB 6 des fehlt «* von — 7 lidens] das du von got hast
enpfangen «* enbieten] pieten R 7 und ungel. fehlt s^ 9 grosse Rs^
pflegen «* 10 ewigen] eigen R 11 ze lob und eren s^ 12 weit 8^ kein
tob. liebh.] aber yement «* 13 sinen zek] seine lieb h sinen [zek und] torochten
schimpf 5* 14 weder — botsch. fehlt h 16 abgeleit hR 16 dar] da hR
geniszt hR verbrint dich ain h. 8^ 17 und n. — 18 gelosen fehlt h 17 f. nie-
ment s^ 18 nichtz R 19 toren s^ vergifften] verstinckent /?* verfeigend h
20 unwercklichen frewlichen hR 21 schaffen] schicken hR Du — 22 mensch
fehlt fi^ 24 gesellen s^ 26 soL] semlicher h 25 f. wan ir ainer war fro
daz er dich in sin wysz züg s^
7 f. Vgl, ähnliche Ausdrücke in Vita 137^^2, 13 zek (zic) = scher 8-
hafter Stoss oder Schlag, namentlich im Kinderspiel , dann = Lieb es necker ei
(minnezic, v. d. Hagen, Minnesinger 11,299 a); vgl. Lex. 1,1037, 1100: Schmeller
II ',1080 f. 14 botschaft, vgl. Kl Bfb 372,6.
484 Grosses Briefbuch. XXVII. Brief.
zügeu, die dir vergünnen dines heiles durch ires eigen geümpfs
willeu. Dar umb solt du weder bi in sten noch sitzen^ nnd sie
schlichen als dinen ewigen tod. [XIII.] Du magst von diner jugent
wegen nocli nit an trost sin ; dar umb so erwel dir selber etlich erber
und götlich frowen, die din gehilfen sient, beide nach eren und nach 5
sei, und die din Zuflucht und nfenthalt sien, ob ieman weltliches liebs
oder sins kom, der der gegenwürtikeit diner jugent nit fögt; wann
da mit behütest du dich vor schulden und gest och usz allem dem,
das man dir von argwon möht zft legen.
[XIV.] Güte gebet, gut sprüch und gftte tütsche büehlin sint 10
dines g6tlichen liebes liebbriefi'; da mit lasz dir wol sin und hab da
mit kurtzwil. [XV.] Bis nit als ein selloser, hinlesziger mensch, dem
weder disz noch das zu hertzen get und nit verstet gut noch übel.
[XVL] Bis bereit und merck vil eben, was dir gfit und schad mug
sin. Lft^% werst du in der weit, es gieng dir nit nach wünsch, din 15
blünde jugent müst dick gedruckt werden mit willenbrechen, das es
dir in der sei we tat, und müst dick ein gruntlos trurigs hertz bergen
mit frölichen worten durch eren willen, und ein durchlidendes leben
mit der weit trüglichem schin, als der einem, der in dem stock ge-
vangen lit, mit schönen kleidern die gefangen bain bedecket. 20
[XVI 1.] Dar umb so tu es och nu in dinem geistlichen leben durch
dines ewigen heiles willen, und truck din wilde jugent und bab sie
in liiit und in meisterschaft. Eya, wie wirt dir das hin nach so lieb
und so nütz an sei und an eren!
Belib in dinem kloster und var nit vil usz, wann da von ist 25
menger grosser schad komen; so es aber nit anders mag gesin. so
1 vergiiiHien] iiüt günden 6^ 2 bi in weder sten .s* 4 erber] enve^; ///?
5 gotl. frowen] gntlieh gespileii ** sient] sein hR beide fehlt *•* 6 uff
enthalt uiig a* sein hli ob — 7 fügt fehlt s^ libs // 8 iilleu hJR
9 ergeni won ^^ 10 sin a^ 11 dines gotl. lebens lieb ])rieff .v* deinem gr»tl.
gesponsx lieb [brieff] h 12 geselloszer J{ hinlesz.] sinloszer h 13 ubelsz h
14 Bis — eben] och solt du vil eben mercken *•* bereit] parmherczig R vil]
gar A' mag .v* 15 lüg] syh R 16 möst h 18 frol. worten] frölikeit 7/
durehleidens hR leben] willen h 19 trügl. scbinj tnigenlichen stan ,v*
19 f. ainen [der] in den stock gef. leit und mit seh. kl. s* 20 die pein die
gevangen sindt bed. hR 21 nu fehlt s^ 23 dir das] es dir .v* her nach .y*
25 Belib - da von fehlt h 26 dick meuger a* anders nit a*
1 ff. V(fl. Kl Bfh 3U,2^f, : 31 2,7 ff. 11 Vcjl Bdexr 23h9f. .- Gr Bfb 405 J,
13 Bis bereit. Hier i,st der Text riellricht rerdorhai i vgl, die Varianten K
15 f. Vf/l. Kl Bfb 364,:Hff', 25 ff. Vgl Kl Bfh 312,11 ff.
Grosses Briefbucb. XXVH. Brief. 485
hüt dich dest basz alle zit and an allen steten nit allein vor dem
bösen, och vor allem dem, das einem erberen, züchtigen gaistlichen
menschen unzimlich wer. So da zu guten lüten komst, so heisz dir
ein güts wort von got sagen, da von du dich gebessern mugest; so
5 du zfi dinen weltlichen fründen kamst, so bis behüt din selbs, das
du nit gedenckest also: „es schadet nit, was ich hie tun." So dich
(lin fründ ie lieber haben, so sie ie me fröd dar ab nemen, das sie
so ein zfichtigen tohter haben, des sie sich gegen got und gegen der
weit gefr6wen mugen; und die dir dines unzuchtigen Schimpfes ander
10 dine ogen gelimpfen, die geben dir dar nach in irer bescheidenheit
uugelimpf und getruwen dir dest minder. Es sprichet ein wiser man,
das ein unwiser mensch sich da mit lidet, da mit er sich meint.
Lieben kint mins, lasz dinen jungen müt und frölichen sin
nider und ergib dich von innen, als du von uszen ergeben bist. Lft^,
15 wie lützel es den zu lieb wirr, die in gaistlichem schin weltliche
fröd süchent, wie mengen schrecken sie müssen nemen, und wie gar
sur sie das kurtz lieb m&ssen erarnen an hertzen und sei und eren,
und werdeut verhertt, das sie weder gen got noch gen der weit nütz
sint, und habent ein arbeitselig, swermütig, verirrtes leben!
20 Ich bit got, das er din jung hertz uf tu, das zft mercken und
zfi crvolgen nach dinem nutz und sinem liebsten willen. Amen.
l zu allen ziten .v* 1 f. [dem] bösen ** 2 allen hH erwergen hR
«reistl. züchtigen li 3 ungezem /* 7 da von «* 8 [so] ainen zücht.
mentscben .v' des] das hR gegen fehlt swcimal h 9 frewen R gedresten /*
10 dine] deiner R denne dar nach «* 12 er vermeint sich zö lieben h
13 und dinen fr. s. «* 14 [von] innen «* 14 f. sih vrie wenig R 15 geist-
liclien hR 17 sor] schwär «* emeren /* 18 werd. verhertt] wol den
verhtTtten /* wöll denn verherten R 20 f. und zfi erv. fehlt s^
3 f. Vgl Gr Bfb 128,19 ff, 13 f. Vgl. Gr Bf b 462,22. 14 von
iiszon ^ durch die klösterliche Zucht.
486 Grosses Brief buch. XXVIII. Brief. Testament der Minne.
XXVIII. Brief.
Testament der Minne oder Minneregel.
[248'] Geheiliget werde der nanime gottes in üch, uf daz ir
8eh5ppfen mügent wasser in fröuden usser den wunden Cristi ! Göt-
liche minne, gewaren friden und tieffe demütikeit U8 dem getrawen 5
herzen Jhesu, und alle durehtunge lidenden leides, ein fröudenricbes
vergessen mit dem vil wirdigen sune gottes und der junckfrowen.
Dis und min Pater noster zu grussende uch in Cristo Jhesn.
Mine herzelieben kinder alle gemeine, von innan und von ussan
eine minem herzen, und eine stimme glüstliche zu hörende! Mir ist, 10
als ich verneme von üch eine gemeine minne und ein demütigen
undergang, fridesamen wandel und eine veste haltunge aller der
dinge, die üch von mir armen sünder gegeben [248''] und gelassen
sint, beide an der minnen, ein iegliches an dem sinen. Des bitten
und gebieten ich üch, und ich getruwe und gelobe üch allen mit 15
enander, das ir dis rehte gerne tünt. Ich habe uch reht in minem
hertzen, sit üch got mir bevolhen und gegeben hat. Dez sprich ich
zft mime zarten geminneten herren Jhesu Cristo:
^Ach, getruwer vatter, und du, götlicher minnendiep,
tti uf, herre, der minnen schrin, 20
Jhesus liep, das hertze din,
und behüte sü vor aller valscheu minnen schin,
und trencke sü mit süssikeit dez willen,
und nim in alles, daz sü habent wider dich!"
Und her umbe, mine lieben kinder, verd6rnent üch mit uzg-e- 25
slossenheit aller creaturen, besliessent üch zu gegen aller der [249^]
weit, und hebent uf hertze, möt und alle sinne gegen dem süssen
meigendowe der himelschen sunnen, daz ir war nement, wenne und
wie er sinen ingang haben wil. In süssen gaben vörhtent üch, habent
XX y III. Brief, Hier zum ersUmmal publiziert. Einzige Hs.: b.
3 f. Vgl. Matth. 6jü; Is. 12,3. 14 Text korrumpiert'^ 19 minneu-
(liep, der weltlichen Liebespoesie entlehnter Ausdruck' = Liebesdieb, verstohlener
Ljiebhaber (Ljejc. Iy214S). Vgl. togen minne {GrBfb40t>,7f.). 25 verdoment
— 29 haben wil fast wörtlich ebenso in Brief Gustafe (Or Bfh 430,28—431,3).
29 vörhtent üch = habet Misstrauen gegen euch seihst: vgl. Predigt Exivi
und David von Augsburg, De compos. 111,2 n. fi : Denijh-, Das geistl, Leben
444ff.
iethaeb. XXVUI. Brief. Testani«!
kiiitliche fi&ude und ernathaftige dangberkeit, uaä machent uwei*
hertze ein appotecke der gotfaett. Des sol heiige betrahtuage uwer
bekeutnisse sin; alle uwer werg in gölte wircken, dnz boI zfl alleu
ziten uwer nmbaht sin. Uwer muut si ein vas der reJnikeit, mit
5 gotte und vom gotte reden, und alle uwer wandelange ein bilde
iiinielschei' beilikeit.
leb gebi'ite ücb in dem bände der minnen und bi dem bände
der gütlichen truwen, das uwer [249'] eine der andern mit willen
drüglicbe wort und ^pötliche geberde mit nute bewise, sunder ein
10 iegliches neme dez andern friden war, als es beste kan, mit miunen
in alle wise und uf allen stetten. Ir süUent manigveltig sin in den
werken nach notdurft der gemeinde, ir süUent aber einfältig blilien
von innan in der raeinonge. Ir süllent arbeiten lumpen und läppen
in gotmiunender meinsamkeit, als ir Cristo Jhesn sine zarten wunden
15 biindent und kiindeut; und wissent, mine lieben, rebte also die
meinunge ist in guten dingen, also ist daz werg vor gotte. Dar
umbe habent anderheit der werke und einikeit der meinunge. Und
alstis wolte ich mit gflter concienzien einem [2h0 '] daz beiige sacra-
meiite geben nach allen notdürftigen minnewercken, also uoch vasten,
■20 venjen und betten, ja ob die wercke usser gelasaenbeit getan werdent.
Gnade in zit und ere in ewikeit antwurtet me der meinunge in ge-
lasaenbeit, wanne dem gewürcketen wercke von ussan, ja wie gros
und wie heilig daz si sohinent.
Alle tagende, die ir vermiigent, sällent ir wirken, aber ir en-
2ö süllent dar in nit getruwen, eunder in Cristo alleine. Ir süllent uwer
hertze zft ime keren in daz bimelsche vatterlant, und iu diseme leben
machent iich ein süsse» eilende, nit nach grossem hevinden, suiider
in inniger begirde, beiteude dez willen gottes, kammende nach sinre
eren. Liep, leit, (iiöO'] we, wol, ere, fröude, schände, laster nement
1 aod machent — 6 heilikeit ir«»* fihnlieh in Gr Bfh 43}.-i—T. h Bei
reden tri/finze zfl. IS gemeinde = KlQsttrgtmeinde, Konvent. 121'. I'hrr
dit tin/ättige, d. h. nur auf Gatt gerUhtett Mtinung fgl. Dcniße , IJax gei»U.
Leben, SM f. 14 uieinsamkeic _ gemcinflauikeit oder rmt meiiieu ~ Wohl-
»■ollen, Lübey ISS. /ieute will aaffett, daga beruft' und iiflirhlinitii»ige Ltcbia-
werke, die nas GtUiMenhril d. ft. in goUirgebtiitr Geginiiung ge«clth*n. ebnuo
lum Empfange der Kommunion befähigen , wie freiwillige Kasteiungen. Vgl,
T'Kil^x Lehre bei Denifie, Bvga XXXIV'ff. «. Dag geistU Lehm SöffjT.
21 f, Vgl. Dmiße, J'a» geigtl. Leben JlöO-7: Brga 131.311 ff. 25 ff. Vgl.
(Ir Bfh 433,16 ff. 28 kuniineu, kflmeri = Iraacr^i. ii-chklogtn, sich ängillich
um tiiraa bemühen, vgl. Lex. 1,1769.
488 Grosses Briefbach. XXVIU. Brief. Testament der Minne.
alles von sinre bant; ir süUent üch ime neigen %ü male under sine
fasse mit uwer selbes verworflFenbeit zu gründe gantz und gar, daz
ueh nieman me verwerfen enkan. Der eren unsers berren sullent
ir lieb frowen, in meinende, minnende ane Instsftchen uwer selbes;
in in sullent wol getruwen^ iedocb nit lassen, daz ir bekennent' 5
ime liep.
Ach, mine lieben, nement dis zu ücb von gotte und von mir
armen sünder, uwerm gantzen frönde. Wellent ir uwer s&nden be-
kennen? Ir sprecbent: Jo, gerne, min lieber brüder." Mine lieben
swestern, so bekennent ander lüte sände nit, und weme ir nit en- 10
wellent nacb volgen, den [251'] sullent ir nit urteilen, sunder alre
menschen urteil vindent nacb vernünftiger demütekeit in ücb selbes.
Wellent ir gotz bevinden, so lerent ücb selber beimlich sin. Wellent
ir nuwes lieht und nuwe gnade von gotte haben, so lerent sin gaben
bekennen und ime dangneme zft sinde für alles daz gAt, daz ir von 15
ime bant enpfangen. Wellent ir in gölte leben und got in üch in
zit und in ewikeit, so lerent uwer selbes sterben, wan daz böhste
leben der seien lit verborgen in dem sterbende tode dez natürlichen
willen. Diser dot stet in liebe und in leide und in aller ufgesatter
wisen, da wir inne ein usserkiesen haben mShtent liebes [25 P] und 20
leides, sunder nacket und blos volgent wir dem nackenden blossen
Cristo.
Dis verstont nach eigenschaft des willen und nit nach züwurtte
der jLrnadenricben gaben gottes, sunder als Cristus in dem vatter he-
stönt nach willen und nach werken, also och unser wille und unser 25
wer^ nach Cristo in dem vatter bestan süUent. Wir habent den sun
von dem vatter, zu eren ime, zu tröste uns, und uns unbekant ein
w^esenlich bestan des vatter in dem sune; aber wir bant durch den
sun einen weg zu dem vatter, und in ime, dem ewigen sune, ein
bekennen des vatters, also er selber sprach Philippo: „globest du 3o
nit, daz ich in dem vatter bin und der vatter [252'] in mir ist?"
und an einre andern stat: „der vatter in mir blibende tftt die werg,"
und wir blibent in Cristus, in sinern finen bilde, des ewigen sunes.
1 f. KheitA'O Gr Bfh 467,19 f,: vgl. Kl Bf b :i63,21f.: 36fi,:*L 4 ane
lustsücluMi, GrBfb 407,'Jl. 5 f. Sinn: jedoch nicht ablassen, ihm Liebe ch
bezeig'-n, 11 f. Sinn: haltet euch für den geringsten aller Menschen,
13f!'. lorent = lernent {vgl. Leu:. 1,1886). 14 nuwes lieht, cgi. GrBfb 471^7.
II) f. iifgesatte wiae = selbst gewählte Weise zu handeln: vgl. Vita 167,3.
Gr Bfb 474,13 f. u. die Anm. dazu. 23 eigenschaft, vgl. Anui. zu Bdic 340^7 .
28 f. Vgl. Joh. 14,tß. 30 f. Joh. 14,10. 32 Joh. a. a. O.
Grosses Brief buch. XXVIII. Brief. Testament der Mlnue. 489
werdent wir von clarbeit in elarheit geformet in daz selbe bilde.
Und her umb, wer nach valscher eigenschaft keiner gefüllicher dinge
Cristura Jhesura, den wirdigen sun <gotte8> und der junckfroweu,
verkleinet und in valschem liebte verlüret, der enknmmet zu dem
5 vatter nit. Dis prufent eben alle genügede, alle bevindunge, alle
verstentnisse und alles lieht und aller underscheit. Der uns Cristum
verkleinet, daz ist alles valsch, wie gros und wie vernünftig daz ist,
wan durch hohe, verborgene, subtile, bebende sinne so ist züküuf-
[252'']tig der nnbekante, vigentliche, vergiftige dot cristenlicher orde-
10 nunge und gewares lebens. Es ist aber ein eigenschaft götliches
lichtes und ein erzeugen warer gnaden, das es den wirdigen sun
gottes und sine ordenunge erhebet und grösset in unserme gemüte.
Daz kummet her von: wan durch in so werdent fruhtber gemäht
unser wercke, und mit ime und in ime so bestet unsere ewige selikeit.
15 Und her umb, mine herzelieben kinder, die ich mir vor allen
andern uz erkorn habe und in den dienst mins armfttes dem muten
getruwen herzen Jhesu vertruwet habe, ob ir wellent volgen, ach,
mine vil lieben, so [253'] gebent urlop, eya, gebent urlop der ander-
lieit von innan und von ussan, und böugent uwer schultern under
20 die bürde Jhesu in liebe und in leide ! Kan die getruwe haut trug,
leit und liden verhengen, ach, so kan och daz milte hertze süssen
trost und wunnencliche minne geben. Gesegent si trug in liden und
versmehenisse , und daz uns daz geminnete liep Jhesum Cristum,
gottes und der junckfrowen sun, bekant und eigen machen kan!
25 Habent wir uns die zit genomen mit Petro, und werdent wir von
der weit hin gewortfen mit Lasaro, und < werent wir> dem tüfel eine
bürg worden, die er stürmen wil also Job, und werent wir gute
6 gottes fehlt b 26 werent wir fehlt h
1 Vgl. GrBfh 476,19 f; II Kor, 3,18. 2 gefülllche (^ gevüelliche)
iWr^r = sinnliche Dinge. 4 flf. Vgl. I Joh. 2,22 f. : 4,3. 5 f. Sinn : dies
h'iireisen alle Erscheinungen und Erkenntnisse der echten Mt/stik\
8 f. Seiise meint hier die gefährlichen Lehren (sinne = Aussprüche) der
Begharden, die er auch an anderen Orten bekämpft; vgl. Vita Kap, 47: Bdw
Kap. 5 u. 6; Gr Bfb 477,3 f, 18 f. anderheit ist gleichbedeutend mit un-
ixelichheit (Bdew 200,21) = alles, was Gott nicht ist und iras von ihm toegfiihrt,
20 f. Vgl, Gr Brfb 431,23 f.: 440,12 f, 23 und ist ivohl pleonustisch.
25 zit zum Sündigen und dann zur Bekehrung (Mark, 14,66 ff.).
26 Luk. 16,20 f. 27 Joh 1,11, 2,6.
490 Grosses Briefbach. XXVIII. Brief. Testament der Minne.
menschen, ein usgekert gemuUe worden, [253 ""J ob es got verhengete,
als er det Paulo, do in die apostelu flabent, do sü in <[nit> rer-
stundent, — woltent wir uns betrüben des? Nein, mine lieben, nein!
Nein wir, werlich! Job, Thobias und David gingent alle disen pfat;
der heiige Athanasius leit, als alle die weit sinen dot bette geswom. 5
Dis sebribe ich äch dar umbe nit, daz ich in gotte ^nemes
lidendes habe gehaben, denne daz mich die götlicbe minne getwangen
und gewiset hat, daz ich mine absei bieten sol under uwer bürde,
die ir habent oder üch noch werden möhtent, uf daz sü üeh deste
lihter werdent, kundent wir ez wol getragen. Got gebe ans niemer 10
guten dag oder stunde, den [254'] sinen, die er glichf6rmelich haben
wil dem bilde sines sunes. Kinder gottes und mine lieben, gehabent
wir uns zu mole von herzen wol! Als es kummet, so ensiDt wir
es nit alleine, das meiste teil dez himelschen hofes die sint do unser
mittegesellen. Hebent uf, hebent uf uwer gemüte in die schöne wunnec- 15
liehe stat, die himelsche Jherusalem, ach, wie sü mit herzeliebe go
gar rehte fr&lich umbvangen sint, die hie in lidende warent! Sint
wir von der weite hin geworffen, so sint wir aber von gotte frünt-
lich enpfangen; sint wir der lüte spot, so sint wir aber der eugel
fröude; habent wir von minnen zu eren und zu lobe [254''] Cristo in 20
diser zit niht eigentftm, so ist aber der himel unser eigen gar; kau
uns der tüfel bekoren und betrüben, so kan uns daz gotliche ewige
liep Jhesus Cristus heimliche bi ston. Wissent, lieben, ie betrübter
hie unib got, ie frölicher dort mit gotte; ie verrcr hie in liden von
tröste, ie naher dort in ewiger fröuden von allem leide. 25
Es vvaz ein mensch einest in einem also frölichen gegenwurfFe
der minneclicher, ewiger götlicher gegenvvertikeit, und waz docli ge-
lassen von aller creatürlicheit, also in duhte; des tredohte er, sam
er spreche: „eya, hertze min, so wes fröwest du dich?" Do antwuite
ime sin beschei[255'']denheit: uf allem disem ertriche so enist niht, 30
dez ich mich frowen, denne daz ist min fröude, daz got also rehte
^n"it ist und lidenden menschen also nahe bi ist und also in >vunder-
2 nit fehlt b 5 Athanasius] anastasius (I) h
1 V'<jl. I Kor. 4,13, 21. Bezieht sich wohl auf Ap;j. 9,:>6.
41". Ehi'nso Gr Bfh 410,^1— :J5, (> 10 \'</i. Gr lifh 44:2:13 f., :*a f.
ht in Z. Ü nicht ie stuft in eu leseUy wie in der Vorltif/eF 11 f. Jiihn, t>.29.
12 — 19 Vrjl Gr Bfb 442,^9 f: 44(J,19: 442,'2f — ee^ in Z, 13 = das
L.iflen. 25 von --- ftrn, jetrennt von: oder ist vri hezw. verre zu er-
(jumenif 26 — 491,2 V(jl. Gr Bfh 430,5—1:2.
Grosses Brief buch. XXVUI. Brief. Testament der Minne. 4ü 1
lieben dingen verborgen ist, und daz das minneeliehe ewig gut min
frünt ist. des ich eine ganze züversibt babe. Des viel irae dis in
sinen miit. Und ir, mine lieben , sullent och also gedencken und
sprechen: „owe, zartes min liep, ewige sch6ne wisbeit, wie vol
5 gantzer fröuden ist min senendes hertzc, so ich gedencken dich minen
frünt, und mich ger&cbesty dinen uzerwelten fründen zu ze abtende
und den weg diner heben mich ziü f&rende! Ich enbin doch nit
[2f)5^] wirdig, daz du an mich armen gedenckest. 0 grundeloses
ewiges gut, barmherziger got und getruwer vatter, han ich guade
10 funden an dir, und mag ich nu diu minne, dine liebe, din truwe,
dine zarte süsse heimlicheit erwerben? Eya, herre, so töte, so
martele, .... alle versmehenisse und verworffenheit mines herzen,
einiges, uzerweltes trut, so vertrag mir nibt uf ertriche, so gip und
verhenge alles, das du wilt, und tu, waz du wilt! Sich, herre, were
15 ich nu der zarteste, minneciicheste mensch, der uf allem disem ertriche
lebet nach aller zitlicher wirdekeit, daz muste an mir erdorren zu
liebe dir; also dis erdorrete, so wolte ich, das [256'] dannoch tusent
andere meuschen natärliche blugende Schönheit in mime herzen und
übe erdorren solte, zu eren dime zarten erdorreten libe, der an dem
20 crütze dorrete alsam eine griebe."
Ach, geminter got und schöner herre, dis sprechent wir, alse
wir bi dir und bi uns selber sint. Drettent hüte zu mir, alle men-
schen , die got also roinneclich begnadet hat, und lossent uns minnen,
schüwen und loben daz ewige göt, daz mit so süsseme tone und mit
25 hoher fröuden alles leit vertriben kan. Dez frowent sich die himele
alle, und alle götliche menschen sprechent: Gloria tibi, Do mine!
Ach, aber alse du, gemintes liep, dich uns verbirgest, und so der
füs unsers [256''] eilenden herzen keine rastende stat vindeii enkan,
so wurt uns die wite weit zu enge ; so du den gümen unsere seien
30 gereisset hast mit den bröckelin dines küniglichen tisches, daz nüme
zii habende machet den kurtzen tag eins jors lang. Owe, so wurt
min frölicbe geberde so gar verdrossen, aller lüte gelos der trenget
mich, herte wort und unminnesame geberde ppüret man danne an
19 solte» t b der] dar h
5 — 19 findet sich wenig verändert in Gr Bfb 440^29 — 441,8,
♦3 Ergänze nach und: daz du. 12 Hier scheint etwas nusgefallen zu sein,
22 — 26 Vgl. Gr Bfb 447^S—30, 15 f. 29 Vgl. Bdew 212,16, 31 ff. Vgl
Bdi'w 233,12 ff.
492 Grosses Brief buch. XXYIII. Brief. Testament der Minne.
mir; mine werg dünckent mich danne vegefür, und der fröliche
z&gang wurt zu male verdornet mir.
Mine lieben alle^ danne setzen! wir uns mit dem turteltöbelin
uf den uns verborgenen dürren esten in gnoden von gnaden ^node-
los, in minnen [257'] von minnen minnelos; nach unserm sehetzende 5
so werdent wir in gotte gottes von gölte quit, und durch ungel6ben
mussent wir cristen werden. Ach, denne us der tieffen grandeloses
eilendes rüffent wir mit verborgener stimmen:
^Eya, weis ieman, wo Jhesus si,
dem min hertze wonet bi? 1ü
In minnen hat er mich gerürt,
und daz hertze mit ime gefürt. **
Woffen, got von himelrich ! so wurt dicke sraertze zu geworffen
nnserm smertzen und wurt alsus geantwurtet uns:
„Du solt von minnen in minnen beiten, 15
Jhesus wil dich bas bereiten,
daz er dich lustlich müge kleiden,
und dich frölich mit ime leiten,
und dich in [257''] sinre gotheit weiden,
in reiner ewiger selikeit." jo
Denne so gedenkent wir: „owe, han ich verlorn gefülen und
smacken? Owe und 0 ach, wer git dpra trostelosen herzen min,
daz ich doch möhte wissen, ob mich daz geminte liep minne und
liep habe? Owe, habe ich es nu verlorn? Min liep, weitest du
doch an mich gedenken, daz duhte mich nu ein paradis. Owe, daz 2n
minnenlüder ist hinweg!"
Kinder, hie mussent ir in globen und in hofl'enunge beiten,
und üch mit Jhesum umbklciden, und dicke wol uf dürrer beiden
weiden, und üch von allem tröste scheiden, in minnen und in
gelassenheit. Werdent ir gelassen nach [258'] bevintlichera, tröst- 30
liehen, underscheidenlicheni understande, so süllent ir aber mit lassen
2 Zugang zu Gott. 3 Über die Turteltaube in der Tieraymbolik vgl.
Lauchert, Fhysiologua 26,194^; Konrnd von Megenberg 225^:^0 ff. Nach der Sag*
seist sie sichj wenn sie ihren Gatten verloren^ auf einen dürren Ast und trauert
um ihn. 4: ff. Ähnliche scheinbar paradoxe Ausdrücke finden sich bei vielen
Mystikern, vgl, Bdw 346^bff\ und die Anm. ebd. — von miunende minuelos,
wohl in anderem Sinn auch bei Eckhart 504,36 f,: 491,8. 6 ungelobe
bezeichnet hier wohl die geistliche Dürre und Trostlosigkeit , von der — nicht
non dßm Zustand der Beschauung — auch im vorhergehenden die Rede ist.
23 f. Vgl Gr Bfb 4.i0,13f.: Bdew 231,Uff. 234,10 ff.
Grosses Brief buch. XXVIII. Brief. TestAment der Minne. 493
beiige Übungen, wan niht alleine die blügenden rosen von gotte sint
sunder och die ruhen tisteln.
(lOttes kinder und raine vil lieben! Zu allen ziten, als ir
mügent und künnent, so süllent ir daz güldin furspang Cristum
5 Jhesum, gottes und der junckfrowen sun, für uwer hertze setzen, daz
es lieh keine kreature gestelen und genemen müge; und haltent in
für die ogen uwer Vernunft als einen lutern claren Spiegel, do ir
üch iiine beschowen süllent, v^ie glich oder wie unglich ir sint sinem
bilde. Sin liden ist die Schatzkammer sinre armen. 0, wie [258'']
10 wurt manigem hie so richer schätz gegeben! Kumment, ir lieben,
alle her, die do gestecket und gevangen sint umb alte schulde der
fulen Sünden, wenne in zit wol zu bezalende so ist diser schätz
wite offen ! Hie zö sol sin unser wettelof , wer dis zil begriffet, wol
ime! Wan es ist der Ion, wan dar an lit daz höhste, daz sicherste
15 und daz nutzeste, daz wir in zit haben mügent, die wile uns der
blosse aneblig und der mittelose umbvang, ach, und der iemer
werende ingang versaget ist: daz wir dicke an daz liep, jo gewer-
lich an daz einige uzerwelte liep Jhesum dicke gedencken, daz herze
nach ime verlangen, dicke von ime reden, [259'] sine minnenclichen
20 wort hören und lesen, durch in alle unser wort sprechen, niemanne
uf ertrich danne in, oder durch in oder in ime minnen und meinen.
Daz oge sol in minneclichen an blicken, daz ore zu sinen worten
wite uf bieten, hertze, sinne und müt sol in umbvohen; und also
wir ime uns erzöugent, so süllent wir ime flehen, und also er uns
25 übet, so süllent wir in früntlich liden, also er sich verbirget, so
süllent wir in, daz geminte liep, lieplich suchen in gelassenre ge-
lazzenheit und niemer uf gehören, bitz wir uns aber und aber in
ime vindent, und also wir in vindent, so süllent wir alles unsers
leides vergessen [259^] mit ime. Wir stont oder wir gont, essent
HO oder trinckent, so sol alles der süsse wintrübel Jhesus des blügenden
garten Engadi, dez vetterlichen herzen, in dem gftmen unser seien
ein begirlich stat haben; und also wir nit anders mügent, so süllent
wir sin bilde durch unser herze drucken. Wir süllent sinen süssen
10 rieben h
2 Vgl, Gr Bfb 43:3,19 ff, 4 f. Vyl. Gr Bfh 4W,3. 9 Ö'. Vgl. Bdeic
Kap. 14 (bes. ^ö5,lff. 208,10)- 13 Vgl, I Kor. 9,24. 14 - 494,1 1 Grossen-
fpils wtyrtlich nach Brief Pone me im Gr Bfb 479,16—4^0,9: 4^0,14—17.
19 Gr Bfb 479,20 vcrseneden statt verlangen. 2'6 f. Vielleicht ist statt
also wir — erzöugent die Lesart des Gr Bfb 479,24: [aljso wir in erzürnen
einzusdzeii. 30 f. Hier ist wohl Bdew 303,3 f. (vgl. Hohel. 1,13) benütßt.
494 Grosses Brief buch. XXVIII. Brief. Testament der Minne.
zarten namen lassen in dem munde umb gan, uns soi dez tages also
rehte ernst sin^ daz uns nahtes dar von troume. Spreehent mit dem
wissagen mit eime innigen ernste, mit herzeclichem süfzen: ^owe,
geminter got, du zarte, uzerwelte, schone ewige wisheit, wie bista
so rehte gut der seien, die dich suchet, din [260'] alleine begert!** 6
und anderswa: „ich slaflFe, aber min hertze wachet."
Und hie mitte, so wir ieme und ieme daz götliche liebe liep
Jhesum, daz minnenfingerlin der reinen herzen, ie lieplicher in unser
herzen truckent, und so wir es ie dicker an blickent und es ie trut-
lieber mit den armen unsere seien zertlichen zu uns sliessent, so wir lo
ie minneclicber in ewiger selikeit von ime werdent umbvangen. Dis
geschehe uns allen sament in gottes namen! Amen.
Disen brief han ich armer sünder üch ^eschriben zu eime
testamente der minnen, und sü sül och heissen der minnen
regel, wanne sü uz minnen ist kummen her. Daz erbeteil Jhesn 15
Cristi daz erbe ich üch: [260 '^j mine lieben kinder, habent minne,
eins zu dem andern, und künnent ir nit bas getün, so tünt, daz ich
hie begert habe! Eine kurtze regel: wirckent üch abe von zitlichen
dingen noch sorgveltikeit, lüterent üch von creatürlichen bilden mit
wisheit, hebent üch zu himel wert mit Cristo sunder valscheit, 20
druckent uwer natnre drüglich in redelicheit, sint senftmütig in
demütikeit, und üch sol werden alre warheit underscheit. Nu nit
me zu diser zit! Varent wol!
14 süllent h
3 ff. Vgl. Klagtl. Jeremiä 3,Q5. 6 Uohel. 5,L\ 8 minneu fiugerlin,
vgl Vita 15:^,07: Gr Bfh 407,9, 15 ff. Erinnert an das Vermächtnis
der Liebe j das der Apostel Johannes nach der Erzählung des HiiTonj/mus
fComment. in ep, ad Gal.6,10) den Seinen hinferliess: Jiliolij diligite alter utr um!
Vgl, auch das „Seelgeräthe'^ des hl, Dominikus nach einer deutschen Legetide des
U. Jh. im Freib, J)iöz -Archiv VIII,347f. 18 ff. Vgl. Bdew :JSti,bJK
21 drüijlicli ist wohl Substantiv = trüj^liclie, trü^elicliheit.
IL
Predigten.
I. Predigt.
Lectulus noster floridus.
Dise wörtelin stnnt geBchriben an der minuen buch und siut
gesprochen zu eime lobe einre lutem gewissen und sprechent zft
5 tusche also: unser bettelin daz ist geblumet.
Als ungelich ist ein wunnencliches bette, daz schöne mit rosen
und mit lylien und roaniger leige blümen geblumet ist, do man ane
süssecliche rüwet und slaffet, einem ungerüteten acker, der vol stocke
und uukrures stat, alse ungelich ist es umbe eins seligen menschen
10 selc und eins ungeordenten menschen gewissen, wan es ist gottes
hertzenlust, in der geblümeten stat zu rüwende. Und dez gaste sich
I.Predigt. Hss.: b C c g m N 8 (vgl. oben S. 406); b^ z= B sei BX1,23:
n ' = Nürnberg VI,43*. T = Druck in Taulera Predigten, Cöln 1543 f, 17*'f'—20^.
In mN ist nur der Schluss (vofi 606,16 an) überliefert, — Die Predigt ist
nach b^ bei W, Wackemagel - Rieger , Altdeutsche Predigten und Gebete 1676,
ö.'tjj — 61 gedruckt.
1 Rote l Überschrift : dis ist ein gar gute bredige det der SCise ein brediger
von einre hande lüten liden b dise bredie tet er durch einer haude liden durch
des menschen willen b^ dise predie tet der Sewse prediger ordens der daz puch
der ewigen weiszheit gemacht hat durch eynerley leidender menschen \villen n^
rtoribus (!) s 2 dise mynnencliche w. c wort n^ an] in c der minnenden
8cle buch b^ 3 einer rainen lüttem gn^ gewiss.] conciencien (so stets!) c
und ~ 4 also fehlt // sprichet n* 4 also — gebl. fehlt C daz fehlt b'Cc
o schone bs 6 und [mit] b'^Cgn^ und mit manig. cg geblum.] geziert g
8 ist] stat g stet n^s 9 gewissen] wissen s ungewissen ¥C 10 und in der s
stat] wissen s gewissny g gewiszen w* gesteto h frowete 5- roemde c
1 Hohel 1,i\\m
49(5 I. Predig:!.
die niinnende sele zu einer zit, do sn belangete nach dem minnencli-
chen umbevange irs gemahels, und sprach also zA irem geminneten:
„Lectulus noster floridns, unser bettelin daz ist geblüinet,"
rehte alz obe sä spreche: „daz gedemelin unserre heimliche daz ist
beslossen, daz bettelin unserre minne daz ist geblümet, kum, min- 5
nenkliches liep! Do hört nüt me zu, denne daz du mich under den
armen diner grundelosen minne süssecliche entslaffen lassest."
Nu sint etteliche menschen, der gewissene ist nüt mit blümen
bestecket, mer ir herze ist mit miste bezettet. Wan es sint etteliche
menschen, der gebresten sint uswert geslagen ; so sint etteliche men- 10
sehen, aller der gebreste ist hin inwert geraten, und den ist gar ane
alle masse müliche zu helffende, zu glicher wise also den lüten,
der liplich wunden inwert geratent. Der selben inren gebresten ist
gar vil; aber sünderlich sint ir drie, die also gar swer sint, daz
man in kume dekeinen andern gebresten geliehen mag, wan su also 15
rehte vaste engent. Der eine ist unbescheidene trurekeit, der ander
ungeordente swermutikeit, der dritte ungestüme zwifelheit.
Von dem ersten soUent ir wissen, daz do heisset unbescheiden
trurikeit, daz ein mensche also rehte trurig ist, daz er nüt gutes naag
getön und doch nüt weis, waz ime gebristet; und fragete er sich 20
selber dar umbe, er en wüste bi nute, waz ime were. Diser trurekeit
enpfant der minnencliche David, do er sprach: „Quare tristis
es, anima mea, sele mine, war umbe bistu so rehte trurig, und
waz betrubestu mich?'* — reht als obe er spreche: „dir ist neiswaz,
du en weist aber nüt waz. Hab ein getruwen in got, es wirt w^e^er; 05
du wurst noch dicke in sirae lobe erfrowet."^ Dise trurekeit ist der
nature, daz sü tusent menschen von irem guten anevange wider
2 vrabvängen // also fehlt h'^s 3 [daz] ist irCn^ 4 geclem.]
kemeriryn c heimelichcit h^cn^ 5 daz bett. — g-eblüm. fMt n* 5 f. miim.
liepl min ^eminoter ^emaliel (j 7 lassest fehlt h- 10 gebrechen (so stets!) c
11 iiWer fehlt hb'^f/s hin fehlt aj 11 f. ane a. masse] al zii mole 6, fehlt g
12 mdl.] misslich (j 13 hin inwert h'-C inne wendig geroten siiit /) 16
eine] erst g d. ander is c ist w* 17 zwifelkeit lir verzwifelheit C 18 do]
d.Mz [pi^s heisset] ist h 19 daz (eysteH)\ da ^ so c 20 gebrist gs brist h^
gebricht c 21 bi nute fehlt frcn^ dise Ccs 22 minneucL] sälig- g
23 mea etc. bs so rehte fehlt b- und — 24 reht fehlt .«? 24 dir] dis s
2r> du - wsLZ fehlt s ii<\t fehlt bCe in] an Cg^^'l' 27 tusent] so man ige </
27 f. hat nach menschen yn^s
10 f. Vgl. Gr Bfb 4l3,l(ff. 16 f. Seust: spricht hier aus eigener Kr-
fahrung, rgl. Vita Kap, 21. 19 daz (trstcsi =z da. 22 f. Ps. 42,5,
25 Vgl, ebd.: spsra hi JJeo.
hinder sich hat getriben: wanne uiider allen menschen, die in zit
siüt, bedarf nieman also wol g&tee gemfites, also der mensehe, der
ritterliche durchbrechen sol die herteo strite sinre eigenen gebresteu.
Waz mag einem menschen uf ertriche swer sin liplietier strangheit,
5 der ionewendig einen hohen möt hatV Oder waz mag dem usse-
wendig lüstliche sin, der zft allen ziten mit bösen mftte i'tberladen
istV Dar nmbe so sol sich ein mensche dis gebresten weren, als
vil er mag. Aber wie man dis gebrestcn lidig werde, daz merkent
under andern Sachen do bi, wie zQ einem male dem bredier geschach,
lü der disen gebreaten so gar lange unlideliche bette und got so dicke
dar über hette gebetten, wie zfi ime in der überwundenheit, do er
in der zelle also sas, gesprochen wart: „wes sitzeatu hie? Stant
uf und vergang dich in min liden, so verlürestu alles din liden!"
Und daz geschach also, und enging ime do.
15 Der ander inre gebreste daz ist ungeordente swermfitikeit,
nnd ist underscheiden von dem ersten; wanne der disen gebreeten
hat, der hat wol so vil bescheidenheit, daz er weis, waz ime ist,
aber er het es uüt reht nach gottes willen geordent, und dar umbe
heisset es ungeordente ewennütikeit. Und kummet die do von, daz
20 antweder ein mensche ime selben git zu lidende dar an, daz er
wiget, daz not z& wegende ist, oder aber von deme lidende, daz
got einem menschen git, nnd ennderliche, die uf innerkeit treffent.
1 hinder ftldt ?.-'n' 2 wol — alao ffhlt g wol fthlt s ({fitca fthlt li
:^ strioie n' 4 awerer bC liplich Cc 5 der] den der C so er g inda-
weodig '.' liohen] swereii C götcn h 6 «in] wesen Cg» 7 ist ffhlt C«
so fehl! ga ein] der j?«' dieer gn^c als] bo fc't'n's 8 discr go
D dem] eime h'g dem N c 10 [bo| gar h' 11 iar über « dar iiml) Cg do
för b 1» ergang 6« so — liden ftMt n' din fthli yg 14 al*o frMt Cs
dö alles sin liden bb' 16 inre fthll t 16 nnd — 19 aweruiül. /Mt g
17 weis — 18 er J'elilt g 19 e« och b'g die] daz Ob', fehlt gn 20 ein]
der b-CeT dar umbe 6 da mit y 31 aber /cAif hC den liden cg dwi]
du g» 22 einem] dem h'' die] daa C, fehlt b' irrekeit b- triffct b*C
3 Vgl. Viti, Kap. 4* «. Kl Sfb 370,22 ff. 9 S. Der Prediget- (= Do-
minikaner) igt State gelbgt. Ditadbe EriäUang auch Bdaw 26li,34ff. n. Hör. IST.
16 ff. int folgmden redet Seute iciedtrhnlt von Zuatänden dta ghrupulögeH
Getaigieng. Vgl. A. Koch, Lehrbuch der Moraltheologü IMSfiäf.; Denijle, Da»
geiatl. Lehm SOS ff. 21 f. Vgl. die latetnitcht: Übersetgang von SiuiMg (H.
Sugunia opera laline tranglata, Coloniae 1655, 1H7J : «pecintm afflietionan, quitm
Deo permiUmle quin mMu patitur. Ea igt hier wohl die Ilede von der gog.
pagatiren Reiitigang der SttU (Vgl. Kirchenle.r. VIIJ',ä09i: Searamf2U, An-
Imtung in der mt/«t. Theologie, drutgch II flSOSl, 34uff. : D. Sehram, Iiutituticmex
Theologiae mgfticae, nova ed. I (tbG8i,:i9'Jff.).
498 I. Predigt.
■
Nu vindet man usgescheidenliche vier liden, die die aller
sweresten liden sint, die menschlich hertze uf erden getragen mag,
so vil daz den eilenden hertzen nieman wol gel5ben möhte, denne
der ir selber het empfunden, oder dem es von gotte gegeben were;
wanne ir liden entwichet in niemer, und dar inne ir liden g^libtert 5
solte werden, daz ist, so sü sich zfi gotte kerent, do hant sA daz
aller pinlichste liden. Und die sweri diser liden sol man verstan
n&twan an dem emzigen we, daz su bringent, und not von keinem
schaden, den sü der sele bringent. Und die liden daz sint dise
viere: zwifel an dem gl5ben, zwifel an gottes erbarmherzikeit, in- 10
schiessende gedenke wider got und sine heiligen, und anevehtunge
ime selben daz leben zu nemende.
Nu nimme ich daz ander liden des ersten sünderliche her für,
und danne sü alle gemeinliche. Und von dem lidende, daz ist, daz
ein mensche beginnet zwifeln an gottes erbermede und obe sin iemer 15
rat werde, daz kummet sünderliche von drien Sachen under andern,
und die sint, daz sü nüt künnent wegen, waz got ist, waz sünde ist
und waz ruwe ist.
Sehent, got ist ein also unersch6pfeter brunne grundeloser
erbarmherzikeit und natürlicher gute, daz nie kein getruwe müter 20
irme einigen kinde, daz sü bi irme herzen trüg, so gerne die hant
gebot, obe sü es sehe in eime starken füre, also got tut einem
ruwigen menschen, und were joch mügelich, daz er aller menschen
Sünde alleine uf ime hette und er die alle tage tusent stant
tete. Ach, minnenclicher herre, war umbe bistu manigem herzen 25
also rehte minnenclich, war umbe hüget manige sele abe dir, war
umbe gestet sich diu maniger müt? Ist daz alleine von irem un-
schuldigem lebende? Nein es, gewerlich! Es ist dar umbe, so sü
gedenkent, wer sü sint, wie rehte sündig, wie gebresthaft, wie rehte
3 wol fehlt Cg 4 der ir] daz er h das ir C der it c der [ir| />- 5 f. solt«
geliht. n'^ii 6 kerteii bcgn^s 7 aller /c/t// />//-Cc dis lideiis ItCn^ also
verstan //*' 8 nütwau fehlt hg einzigen h'-s und fehlt h'C 9 bringet gn^
die] diae .-? 10 zwifel — ^dolx'n fehlt c 10 f. infiicssent s 13 des ersten
— 14 Und fehlt c 14 daz ist fehlt h 17 die] daz Jth- 19 also ein hg
burne hCcs 20 so iretrnwe hg 21 eygen .v bi] an IrT 22 stÄrken]
grossen //- 23 joch] ja c ez n^ es joch gs 24 alleine /i^/c// bette h- 25 Ach
— 499,1(3 minnencl. fehlt g war 11. — 26 rainn. fihlt h 26 hiig:et] hungert c
11 f. Vgl. Vita 110,27 u. 'Jauler (Frankfurt Ib^G) III,:,HL 16 f. Gant
ähnlich Vita 62,7.
I. Predigt 499
anwirdig sü din sint, ach, und du, miltes herze, du, frier herre, dich
inen so friliche erbätest Herre, daz machet dich in den herzen so
rehte gros, daz du menschliches gfites alles unnotdurftig bist. Dir
sint doch tusent marg als ein pfenning zfi lassende und tnsent tot-
6 Sünden als eine zft vergebende. Herre, daz ist ein wirdikeit obe
aller wirdikeit, herre, soliche menschen k&nnent dir niemer volle
gedanken, ir herze flösset hin von dirae lobe. Wanne nach der ge-
schrift so ist es dir vil lobelicher, denne obe sü in nie keine sünde
werent gevallen und in lewekeit lebetent und 5ch nüt so vil minne
10 zu dir hettent, wan nach sante Bernhartz lere so sibestu nät an,
waz ein mensche ist gewesen, du sihst an, wer er sin wil nach be-
girde sins herzen. Und dar umbe, wer dir abe sprechen wil sünde
vergeben joch also dicke manigen ogenblik, der wil dich grosser
eren berSben. Die sünde het dich doch von himel uf ertrich braht.
15 Selig si die sünde, also santus Gregorius sprichet, die uns einen
so geminneten zarten eriöser brahte, der uns so minnencliche alle
stunde wil enpfahen! Und also wer gewegen kan, waz got ist,
also David sprichet, der enmag bi nute gotte missetruwen.
Daz ander ist, daz sü nüt künnent wegen, waz sünde ist.
20 Kebte sünde lit alleine dar an, daz ein mensche mit eime verdahten
bescheiden willen wissentliche und gerne ane widersprechen der be-
scheidenheit sich von gotte uf daz gebrestbafte ding kert. Wanne
were, daz ein mensche also manigen infal bette also manigen 5gen-
blig, und die also reht ungeschaffen und also böse werent, also es
25 mügelich ist keinem hertzen zfi gedenkende oder keinre zungen zfi
1 und fehlt Cc 2 den] dem h^cn^s so] also hn^ 3 rebte feMt 6*
alles] also bCn^ 5 ein] din sn^ 5 f. obe a. wird, fehlt n* 6 sogetane bCc
7 danken cn^s 7 f. schryft sc 8 denne] wanne bc totsünde 8 9 so]
zö sc minne fehlt bb*Ccn^8 liebd T 10 ensihstu Cc 11 sin welle 6*
wil ain b 11 f. begirden Cc 12 abe wil spr. 6- wil abe spr. bC 14 von
bimel nach brabt 6*, fehlt C 16 zaxten fehlt b^^n^s 19 gewegen 6-c 20 lit —
dar an] ist g 21 mute und willen b- 23 were] wie b- also — bette fehlt s
B Vgl. Ps. 15j'^. 7 ff. Vgl. Luk, 15,7 und Gr Bfb 407,20 ff.
10 Vgl. sermo 134 de div. n. 1; sermo 83 in Cant. n. 4. Ganz ähnlicher Gc"
danke Gr Bfb 407,13 f.; 424,6 f. 15 f. 0 fdix culpa, quae ialem ac tantum
meruit Juibere redemptorem! Zitat aus dem Praeconium paschale (vgl. Kl Bfb
373,4), das sonst dem hl. Augustinus zugeschrieben wird. 18 Ps. 9,11.
20 ff. Vgl. bei Thomas, S. Th. 1,2 q. 88 u. Ä. Koch a. a. 0. 135 ff. die KHterien
der Tod' bezw. lässUchen Sünde gan$ übereinstimmend mit Seuse angegeben.
Surius l. c. 169: si quis deliberata ac certa voluntate sciens atque voletis absque
rationis reluctatione a Deo se avertat et ad iniquitatem transferat.
500 I. Predigt
sprechende, and von wem bü jocb werent, es were joch got oder
die creature, und daz dennoch der mensche in deme stunde ein
gantz jar oder zwey oder wie lange es were nach dem zit, — ehte
die bescheidenheit alleine ein ringen da wider hat und ein misse-
fallen, also von nataren in solichen Sachen ist, also daz s& nAt gentz- s
lieh mit fürdahtem mfite und mit gantzem willen dar nf vellet, so
enist keine totsünde do geschehen. Und dis ist also gewerlieh wor
nach der heiligen geschrift und nach der heiligen lere, us deu der
heilige geist redet, also daz got in dem himel ist.
Nu ist ein verborgens dringen hie beslossen, und daz ist daz lo
aller kleinfugest und scharpfeste bant, daz in diser materie ist, und
daz ist also. So der ungeschaffen b6se inval geschiht, und ein
mensche geswinde mit ettewaz lustes vil lihte dar uf gevellet und
sin selbes vermisset, daz er nüt hat geswinde do von gekeret, so
wenent sü denne, sä sint mit willen und bescheidenheit dar uf ge- 15
Valien und habent also ir selbes vermisset und totsände getan. Und
daz ist nut also. Wanne nach der heiligen lere so wnrt die be-
scheidenheit dicke färkummen, beide mit sogetanen invellen und mit
lüsten eine gute wile und ein langes zit, e daz die bescheidenheit
ir selbes rehte innen werde ; und so sä denne ir selbes reht innan 20
wurt mit gfiter bedehtikeit, so mag sä denne enpfahen und laasen
und sänden und nät sänden. Und dar umb so soUent die menschen
keinen schrecken haben in den Sachen von keinre totsände, ob sä
2 die fehlt b^g creaturen hc deme] der C den 8 3 oder zwej
feJUt 6*^ werde cn^ der zit Cc den ziten s ehte] und g weile n* ockert
dat c 5 nature nh in fehlt ft- sogetanen n^s 6 verdohtem bgs und
[mit] b-gn^8 7 keine — ist fehlt s 8 lerer b'^cn^ den] dem b 11 [und]
scharpf. bc 13 vil lihte vor geswinde t», vor lustes sn^ 14 vergisset g
16 denne fehlt b' und mitb. Cc 18 solichen gs 19 luste b lange b-Ccn^
ddLZ fehlt b-g 20 rehte fehlt b^ innen] gewar 66- innan] gewar b 21 denne
fehlt n^s 23 enkeinen bC keinen totsönden b^c
1 von wem = über wen. Rieger bei Wackfrnagel a. a, 0. 655 tcill tüfel
etat got lesen; mit Unrecht^ denn es sind blasphemische Gedanken gemeint,
8 Surius l. c: sacris literis et ecclesiae catholicae sententiis, 8 f. us den —
redet, vgl, Bdw 328,3, 17 ff. Surius l, c: est namque multorum sanctorutn
Patrum Concors senteniiaf rationem saepenumero importunis cogitationibus in
animum irruentibus atque etiam delectatione quadam praevcniri. Es ist die Bede
von deti der klaren Erkenntnis vorausgehenden, nicht frei getcollten Affekten (motus
primo primij, vgl. Thomas, S. Th, 1,2 q, 22 sqq.; A, Koch o. a. 0, 40 f.
21 Vgl. Jak. 1,15,
I. Predigt 501
cristenre lere wellent gl5ben. Es spricht sanctus Augustinus, daz
die sünde mfis also rehte willeclicb geschebeu^ waune gescbiht su
nüt rehte willeclich, so ist sü keine sünde. Es wellent die lerer:
und hette Eva alleine die fruht in dem paradise gessen und Adam
5 nüt, es hette nüt geschadet. Zft gelicher wise, waz insprechendes
die sinnelicheit hat one gantzen lust der bescheidenheit^ die entriffet
nüt uf keine totsünde.
Daz dritte, daz den schaden tut, daz ist, daz sü nüt künnent
wegen, waz ruwe ist. Ruwe ist eine tugent, die einem menschen
10 sine sünde abe nymet, so sü mit bescheidenheit ist. Sant Bern-
hart sprichet, daz unbescheiden ruwe gotte missevellet. Der böse
Kayn der ruwete och, aber ane wise, wanne er sprach: ^mine bos-
heit ist merre, denne gottes erbarmherzikeit." Judaz der ruwete
och, aber dez leit was zfi unfirdenlich. Also kumment sogetane
15 menschen ettewenne in ungeordentes leit, daz sä in in selber spre-
chent: „es ist ein übel mere, daz ich lebe, herre, war zfi wart ich
ie gebom? Ach herre, wanne stürbe ich!" und des gelich manigerley,
und erzüment got dicke me bar an denne an der sünde, obe joch
keine sünde an den vor genanten Sachen were. Aber nach der
20 heiligen geschrift so ist do keine sünde. Und dar umbe, der rehte
ruwen wil, der sol haben demutikeit in ime selben und ein misse-
vallen der sünden und ein gantzes getrüwen gegen gotte. Es sprichet
1 cristen n^s daz fehlt gn^a 3 nüt [rehte] gc rehte will.] mit
gautzem willen h sü] es ^«, fehlt h keine] kleine b nit gs totsünde b^cn^
wellent] mainent g 4 [und] hette gn^s in d. parad. die fruht gnH 4 f. und
uit Adam bc 6 lust] gunst n^sT gnnst g entrisset b^ triff et bg 8 dritte]
auder bb^C 9 einem] dem gn^ 10 sü] er bc mt fehlt b^ 12 kaym
bb'-C [der] ruw. cgs minre C miner gn^ 13 denne] wanne 66' der
fehlt b^Cn^s 14 dez] das Ccs zu] gar g gar ze n^s solliche bs 15 in
[in] b'8 zö in 6n* 17 ie fehlt bCg Ach — ich fehlt g maniger hande 6*/*^
18 erzürnet es hie mitte 6n* mit der s. bn^ obe — 20 sünde fehlt gs
22 getrüwen] ruwen 6'C gegen] z& bgn^T
1 I)e Vera relig, 14 n. 27: usque adeo peccatum voluntarium est maJum^
ut nullo modo sU peccatum, st non sit voluntarium. Vgl, auch In ep. ad Born,
prop. 13 — 18; De actis cum Feiice Manich, 11,3. 4. 3 ff. Vgl, Thomas,
S, Th. 1,2 q. 81 a, 5 : peccatum originale non contrahitur a matre , sed a patre.
Et secundum hoc, si Adam non peccante Eva peccasset, fHii originale peccatum
non contraherent, 4 ff. und Adam nüt, vgl, Surius l, c, 170: nee hoc in scelere
consensum ei (Evae) praebuisset Adam, Die Sinnlichkeit im folgenden bedeutet
Eva, die Vernunft (bescheidenheit) Adam. 10 f. Vgl, sermo 38 in Cant, n. 1,
11 unbescheiden r. ^ indiacreta contritio (Surius l, c), 12 f. I Mos. 4,13*
13 f. Matth,27,3ff.
502 I. Predigt
die ewige and die minneDcliche wisheit: „kint mines, in dime liden
so Boltu dich selber nüt versmaben! Eum sin an got, der hilffet
dir es überwinden!^ Er ist ein rehter tor, der an eime Ögen n6t
gesiht und ime selber dar nrabe daz ander oge och wil ns brechea.
Von disen gebresten allen sol man wissen dise sehs din^: 6
Eins ist, daz sogetane menschen gar unusrihtig sint, daz sA
wenig ieman her inne gI5ben wellent, den sü doch glouben söllent,
und sünderliche, der in üt tröstliches seit, vil minre, den der in un-
tröstliche ding Seite. Und daz kummet von dem emzigen herzec-
lichem we, in dem sü gemeinliche one allen anderlas ' stant. Und lo
hant daz, daz sü iren gebresten gerne vil lüten klagent, dar umbe
ob in ieman künde zft helffe kämmen; and daz söllent sü nüt also
witbreht tun, wanne ir ist wenig, die hie zfi geraten künnent, und
so sü ie me do von geredent, so ir gebreste ie mer wart. Sü söllent
as kiesen einen lerer, der es wol habe von der heiligen geschrift, 16
and dem söllent sü gloaben ane allen zwifel, wanne got wil es an
dem jangesten tage an in vordem und nüt an sü, wenne sü daz ire
getiünt.
Daz ander ist, daz sü hant vil unrehter vorhte. Su dancket
nüt, daz sü iemer reht gebihtent, wie flissig und wie wol gelert der 20
bihter ist, oder wie gentzlich sü ir vermügen hant getan, und ge-
winnent do von niemer gerüwig hertze. Und daz kummet do von:
sü enwissent nüt, waz sü schuldig sint usgescheidenliche zä bihtende
und waz nüt. Nach der geschrift so ist ein mensche alleine schuldig
die totsünden usgescheidenliche zu bihtende, ob er es kan getftn, und 25
1 und die minn. fehlt gs liden] leben hC 2 so fehlt h-n^ 4 dar
umbe fehlt hn^ oge fehlt gn^s us wil brechen hh- 5 von] und Cc allen
Samen gs 6 solliche h 7 nieman IrC flohen — doch fehlt .v deu —
soll, fehlt c sollen b 8 minre — in fehlt cv 8 f. untröstliches [ding] Ccn^
9 einzigen hb-s 11 ir b-g lütes Irn' 12 künne bC soltent C 13 wit-
breht] witbreit bCa wyt mere c, fehlt g 16 soll, sü] liant sü zö sn^ 19 [daz]
sü gn^ vorhten bc 20 gebiht.] getönt b- und [wie] Cv 23 daz sü hC
want si c nit enwissent bc nüt fehlt C 24 und — 25 biht. fehlt C
1 f. Sir, 3Sy9. 13 witbreht von brehten = rufen j lärmni, wie lutbreht
(Gr Bf b 482 j4) gebildet. Das Wort fehlt in den Wörterbüchern. 15 StiHus
l. c. 171: vir um in divinis literis eruditum ac expertum, 24 ff. iSurius l, c. 171/,:
sola peccata vwrtifera, quantum fitri potestj distincte et expressc confiteri obli-
gamur, leviores vero et quotidianas culpas generali quadem enarratione exposuisse
satis ist. Vgl, dazu Thomas, S. Th. 3 q. 84 a. 2 ad 3; In 4 >Sent, d, 10 q,2a, 2:
A, Koch a. a, (). 197 f.; P. A. Kirsch, Zur Geschichte der katholischen Beichte
1902, 186 ff.
I. Predigt. 503
die tegeliche sünde alleine nach einre gemeinen uslegunge. Und
wanne nu die menschen in den vordem Bachen keinre totsünden
schuldig sint, so endürffent sü noch ens511ent nüt die invelle also
usgescheidenliche alle sagen, denne nach einer gemeinen uslegunge
5 nach eins göttelichen bescheiden bihters rate. Der t&fel verwirret
alleine hie mitte herzenrfiwe, und dar umbe so sol man ime hie
widerstan ; wanne so man ime ie me henget, so die gewissene ie me
verwirret wurt.
Daz dritte ist: sä sAchent ein wissen in den Sachen, do man
10 nüt Wissens mag haben, s6 gant deme nach, daz sü wissent, daz
sü ane totsünde standent. Es enist kein mensche uf ertriche noch
so gut, noch so selig, noch so wol gelert nach der heiligen lere, der
ein wissen müge haben, obe er in der gnaden si oder nüt, denne
von gottes sunderlicher offenbarunge. Es ist hier inne genüge so
15 sich ein mensche wol ersuchet, daz er denne ein nütwissen dar umbe
habe. Und alsus so kummet daz wellen wissen von unbekantheit,
also ob ein kint mutete zfi wissende, waz ein keiser in sime bertzen
hat verborgen. Und dar umbe, ßlso der lipliche sieche hat sime
arzatte zu glSbende, der die nature dez siechtagen bas erkennet
20 denne er selber, also hat ein mensche einem bescheiden geistlichen
arzate zu gloubende.
Daz vi erde ist: sü sint zu ungestüme gegen gotte. Und daz
kummet euch von dem emzigen bitterlichen lidende, in dem sü zu
allen ziten stant. Sil ensint nüt vil geübet in anderem lidende ge-
•25 meinlich; inen geschiht also der einen jungen volen in einen karren
I tcgelichen sünden Cc 2 totsünde sn^ 3 sü nach ensoUent gn^s
3 f. also usgesch. fehlt ga 6 aliein sich b sich alieine c [so] sol gn^s hie
fehlt bC 7 verhenget bCg ie [me] n^s 8 verirret b-sT 10 wissens]
wissen w'« haben mag bg 11 noch fehlt bb-sT 13 ein fehlt b^s
14 sunderlichen otfenbarungen bb-c 16 dar an h dar inne fr- 16 so fehlt bgn^
komet uns bC daz si wellen w. gc unbedehtikeit bC 17 müt hette bC
18 verb. hette cg lipl. sieche fehlt C lipl. — sime fehlt s 18 f. s. arzatte
hat bb'C 20 einen Cc 22 ungestündig bb-Cga 23 einzigen bb- 24 sint bg
andern iiden es 25 erst in ein. k. gs karrich bhi^s
II ff. Vgl. Fred. 9,1 ; I Kor. 4,3 f; Thomas, S. Th. 1,2 q, 112 a. 6; Pohle,
Lehrbuch der Dogmatik II (19()3), 541 ff. 14 f. Surius l. c. 172 gibt den
Sinn treffend wieder: sufßcit in hoc parte, si diligenter cxplorata conscientia
nullum certum mortiferum peccatum in ea comptriatur, 20 f. Vgl, Horol. 193:
spiritualis medicus (Surius l. c: confessarius).
504 I. Predigt.
spannet: so sich der vermuget und venrihtet, daz er mager wart, so
er siht zu jungest, daz es anders n&t mag sin, so lat er sinen m&t
nider und beginnet zemmelicbe gebaren. Also geschiht disen men-
schen : alle die wiie s& noch ein vehten do wider bant und sich nüt
gentzlichen bant geböuget under gottes willen, daz sä es wellent 6
durch in liden, so geschiht inen gar we, und müssent es doch liden,
untze daz der erbarmherzige got wurt ane sehende ir arbeit nnd ire
getultikeit; und er weis, wenne es in nütze ist, daz er sA do Fon
entbinde. Und dar umbe so hört nät dar zu, danne sich demutek-
liehe in daz liden ergeben, wie lang es got wil, und getalteklicfae lo
helffe von ime vordem und gebet von guten lüten.
Daz fünfte ist: dieselben menschen irret nüt uf ertriche also
vaste, also daz sü deme ungeschaffen gerüne went gelosen und ime
went antwnrten und mit der bescheidenheit ime wellent widerstan
und da wider disputieren. Und do vor süllent sü sich hüten also 15
vor dem tode, wanne von dem widerstonde so sinkent sü dar in one
alle helffe. Und dar umbe, also balde es den geistlichen oren wort
in gerunet, so süllent sü rehte geswinde ane alles widerkriegen sich
do von nebent sich keren uf daz neheste, daz sü sehent, hörent oder
wissent, rehte alz obe sü zu ime sprechent: ^hab din gerüne dir ao
selben, es engat mich nüt an, du bist joch zft böse dar zu, daz ich
dir hie zu welle antwurten." Sehent, und daz geschiht eigentliche:
so sü sin ie minre ahtent, so sü ie schierer do von kumment. Und
daz tügent aber und aber, untze daz sü einen gewönlichen abeker
gewinnent. Und dise rede kan nieman wol verstau denne die selben 25
menschen.
Daz sehste ist: so die zit ie heiliger ist und sich der mensche
ie gerner zft gotte kerte, so daz selbe liden ie mer ist und so sü
1 vermudet bh-n^ 1 f, und so er siht gn^ 2 er denne siht bff nit
anders Cn^ sin enmaj^ sc 3 gezeraraeclichen C gezeralich n* gezamlich g
diseni h- 8 f. menschen allen b- 4 ein widervehten hant do \%ider 6-
7 und [ire] es 8 und] won g wenne «' 9 danne daz sü sich 6* 10 und
get. — 11 Ifiten fe?iU h 12 ist fehlt cn^s 12 f. nüt also vaste uf e. &* also
lehto vast rgn\s 13 t. ime -went fehlt s 16 dispitieren b-s sich — 16 st
fehlt v 18 Widerreden .v 19 der von 6-«* nebent sich fehlt bb- horent
sehent b- 20 ime] eime bb- 21 gat gs 22 her zfi w*c 24 bis cp
25 enkan (V 26 die] daz b-gn' 28 rihtetent und kerten (!) b-
2 f. lat s. mät nider, vgl KlBfb 361,'M: Gr Bfb 4(i2,'J3: 486^13.
13 ungeschaffen gerüne, vgl. Bdew 312,4, Zu Z. 20 ff. sind die Vitae patrum
td. JiO.siregde (s. oben 104 AnmJ 111,07 : VII. l,i'> (vgl. auch Palm, Väterhuch
1,'^off.f benütet. 27 zit = FestztiU
I. Predigt, 505
ein einig Pater noster noch Ave Maria nüt mngent lidekliche ge-
sprechen one daz veige ger&ne. So kumment sü etteweune in einen
uumut und werflFent daz gebet hin und sprechent zu in selber: „waz
wenestu, daz dich daz gebet helffe, daz so verunreinet wurt?" und
5 ttint hier inne gar unreht; wanne wenne sü daz tünt, so willent su
deme tüfel gentzliche, wanne der sfichet nüt anders, denne daz er
eim menschen erwere geistliche übunge. Sü enwissent nüt, daz ir
gebet mit allen den invellen, die in leit sint, so rehte wol smekent
und so rehte geneme ist vor gottes ogen, wan es sprichet sanctus
10 Gre^rorius, daz menschlich gemüte dicke kummet in solliche timber-
heit. daz es ime selber nüt gehelffen kan, danne daz es ist in gegen-
wertikeit leides und lidens. Und die selbe widerwertikeit ruflfet vor
gotte innencliche für sü, und die bitterkeit irs lidens wurt vor sinen
ogen verkeret in ein lüstliches gebet und tringet neher denne ane
15 die wise, und neiget in geswinder. Und dar umbe so sol enkein
mensche enkein gut werk, noch kein gebet, noch kilchgang, der dem
seihen b6sen geiste sanderliche wider ist, niemer gelossen; wan waz
dem menschen an lütri des gebettes abe gat, daz gat ime uf an
widerwertikeit des lidendes, von der wegen es gar geneme ist vor
20 gottes ogen, als einen siechen, der kurae redet, den h6ret man dick e
denne einen gesunden starken menschen. Und so man ie me von
gebette Hesse, so man dem selben bösen geist ie me weget.
Sider nu also bewert ist von der heiligen geschrift, daz an disen
Sachen nüt sünde lit, so ist ein frage, war umbe der erbarmeherzige got
25 also rehte swer liden verhenge über sogetane menschen, wanne ge-
1 noch] oder n^s noch ein b-cff uüt fehlt bCc lidekl. mugent h-
lidelich s ledlich </ 5 tfit (erstes) Cs hie mit n* har mit * hieran C daran//
wanne — 6 gentzl. fehlt g mötwillent g 6 der] er cg denue] wanne h'-C
7 eim] dem g einen es geistlicher h^cs 8 smacket gc 9 ist] sint h^Cn^s
vor — sanctus fehlt b^s 10 kume />*« sogetane b-Cn^s 10 f. tompheit bg
tümeheit C hlyntheit c swermtttigkeit n^ 14 ein fehlt b^n\s 16 geswinder
in ^enedigkeit nh ensol bc 15 enkein] ein n^s 16 noch k. ge-
bet fMt c kilchen gan b^n^s 17 hosen fehlt h-s niemer fehlt b^s
wan] lind bb^c 18 luterkeit bcn^ in gs 19 widerw.] wirdikeit C von
— geneme fehlt g des wegen b 19 f. vor g. ogen fehlt b 20 einem Cg
siechen] menschen bb-c reden (gereden n*) mag gn^s erhöret b-nKs 21 denne
fehlt b^ Und — 24 frage fehlt g sich yeme n '* 22 den bb- ie me
feJUt ft- 23 Schrift b^c daz fehlt Ccs 25 rehte feldt hg verhenget bCcT
solliche bc menschen] lüte bn^ wanne — 506,4 leb. fehlt g
9 ff. Vgl, Moral VIII^2 n. HS; XXV 1,46 n, 82; XXVII.U n. 26.
25 f. Vgl. Or Bfb 442,9 ff.
506 I. Predigt
meioliche zft nemende man enmöbte in kein liplicbes liden genem-
men, sü nement es zfi lidende für dis liden. Die selben menscben
und etteliche einvaltige menscben, die es n&t babent an kAnsten
noch an lebende, die sint in dem wane, daz es alleine kämme von
schulden. Und daz enist nüt war, wanne manig beilig mensche 5
der wnrt berlicbe dar inne versuchet, daz wir alle tage sebent nnd
in der heiligen geschrift vindent, nnd dicke böse, unlntre menschen
stant ir lidig; oach ettelichen begegent es in irre kintheit, so sie
dennoch ane grosse schulde stant. Do aber dis liden und disü strenge
büsse einem menschen were kummen nach sinem wane oder nach 10
der warheit von schulden, der mensche solte got innencliche dar
umbe loben, wanne under allen andern dingen nach der schrift ist
daz ein also gar gros minnezeichen von gotte, so er geswinde die
s&nde hie mit zügesanten liden busset. Aber war umbe sä got furbas
mit dem liden zwinge denne mit andern, daz ist verborgen in gottes 15
togene; wanne daz soUent sn von gotte also uf nemen, wanne got
aller menschen herze und müt und wise innan und usnan aller hast
erkennet, daz er 5ch alz ein wiser arzat und also ein getruwer
vatter einem iegelichen zft füget, daz er alleine erkennet, daz ir
aller bestes ist. 20
Nu möhte ein mensche vil übte fragen, waz gutes hier inne
einem menschen möhte geligen. Dez antwurte ich nach der schrift
und spriche, daz grosses unsageliches gut einem menschen hier an
mag geligen. Daz eine ist: es sint etteliche menschen von natura
eins hochmütigen sinnes, und die möhtent niemer bas noch ver- 25
börgenlicher geböuget werden in demütikeit, die do ist aller tügeude
ein rehter anevang. Wanne sü wenent, daz nach ungeschaffenheit
1 (lekein 6-,v 3 kunst s 5 wanne fehlt h-s wanne — 7 dicke fthlt g
7 schrift h'-c vindet hr 8 die stont gn^ irre] einer sn^ sie] er //-/*»x
9 ane alle grosse Irn^ stant] stet 6-ä ist n^ sint g Do — 14 busset ffklt g
disü fehlt Cg 11 der m. der solte h- 12 so ist hc 13 ^ar feldt gn^ g:ar
reht h-8 14 Aber bis Schluss stark gekürzt g 15 zwinget bCc andenue
hCn^ 17 aUer — müt] alle ir stege und weg h^ hertzen Cm Na inne-
wendig n. ussewendig binN ussen Cs 18 bekennet btnX alz — und
feJilt b-s 21 hier inne nach menschen btnN 22 geschrift inNs 23 hier
an] hier inne Cc, fehlt gs hier — 24 gelig.] der enmag (mag s) liden h-s
24 von naturen Cc 27 rehter fehlt b
iif. Vgl. Surtus l, v, 175: nonnuüi ,simpUces, qui mqu^i scientia nequr
experifutia isla noverunt. 6 ff. Z. B, Job; vgl, Grvyori a.s M., Moral. XV^ÖfJ
n. 67. 12 f. Vgl, Sir. S,ö u. Bdew 260^^3 ff.
1. Predigt 507
der inyelle si 5ch UDgeschaffenheit der sände, und des enist nüt;
ein mensche in eime einigen wolgevallen sin selbes mfthte säntliche
ungescbaffener werden vor gotte, danne obe der aller bösten invelle
tusent werent gesin. Und daz ist kunt an dem höhesten engel^ der
5 do viel und doch nüt sollicher invelle bette. Und also geschibt hie,
daz der mensche, der sich selben nüt wolte erkennen in eime hoch-
vertigen gedanke, der wart sich selber denne erkennende in deme
lidende; und der vor ander lüte versmahete, den duhte denne billich,
daz in allermengelich versmahete. Waz mag nn einem menschen
10 nützer gesin oder me weges machen zfl gotte denne dis? Es ist
doch unmügelich, daz kein demütiger mensche verlorn werde.*
Und dar nmbe gewerliche nach der schrift und nach der war-
heit; so soltent sogtane menschen uf ire knü vallen, und soltent die
ungeschaffenen liden übergulden do mitte, daz sü gotte innenkliche
15 danketent der liden^ die sü zu einre sogtanen tugent mügent bringen.
Und daz selbe liden nimet sü von der hellen und setzet sü in daz
himelrich; so sint sü dar zu gut, daz sü die menschen behütent
vor liplichen vellen und vor vil sünden, wanne sü gewinnent also
vil do mitte zu schaffende, daz sü aller üppikeit nach vergessent,
20 und daz ist ein edel nutz. So sint sü och fürderlich zu allen tügenden,
wanne den menschen ist also rehte we do mitte, daz sü alle wege
süchent und in alle ding mügelich sint zu tdnde, nütwan daz sü dis
alleine abe kumment. Und wie ernest in ist, so lat sü doch got
dicke also stan^ untze daz nach vil guter werke samenunge der
25 mensche ein volles vas wurt aller tügende und gnaden.
Nu merkent, lieben kint, wie rehte minnenklich die ewige wis-
1 süuden b^c 2 einigeu fehlt hb-Cc süntlicher gn^scT 3 und un-
geschaff. gn^T 4 gewesen b^c engel lucifer g 5 sogetÄner b^Ccn^
8 den — 9 yersmah. fehlt mN 9 alle menschen h-s alle die lüte C 10 denn
disy Bach g denne dise ursach der demutikeit b 12 nach — und fehlt C
geschrift bs 13 sollent ¥Ccn^ solliche bcs 15 dankent b^C der]
des Ch die] so b^s sollichen bs 16 Und] wan gn^sT nimet] bringet 6*
17 die] den bcn^ 18 f. da mit also vil ^*^ 19 daz] dar i^- nach] gnath mN,
fehlt bs 20 fürderl.] sunderlich n^s 22 sint mügel. n^c uüwenn n^ nuwent *
23 mügen abe kummen b^ 24 dicke fehlt bb-n^s nach sam. vil g. werke 6*
25 wirt nach mensche n^s gnade cn^
17 f. Vgl. Bdew 251,14,21. 21 if. Vgl. Sunus l c. 177: tarn misere
vexantur, ut virtutes seu retnedii loco sectentur, nee quicquam eis impossibile
videtur, quo suam posaint crucem evadere et oblivisci. 26 f. Vgl, Weish, 8,1.
508 I. Predigt
heit alle ding kan ordenen, daz die menschen wenent, daz bu also
grossen verlust dar an habent, und es got inen zu also grossem nutze
verkeret. Es minret och ir vegefär und bringet in grossen Ion; sA
wenent, su sient böse, und sint gut; sä wenent, sä sint dar ambe
grosse sänder, so sint su vor gottes ögen hohe marteler, wanne es 5
tut tusent stunt wirs, alle stunde also gemartelt werden, danne mit
einem slage daz höbet verlieren. Und daz ich es kurze > nach der
heiligen schrift und nach der warheit so ist es ein gewer minne-
zeichen unmessiger gnaden und grosser heimeliche, die in der nach
künftig ist. Und dar umbe so söllent sü es frftlich und willeclich 10
liden, wanne in get sicherliche nach der bitterkeit die ewige selikeit
Also geschach einest. Es was ein frowe in eime kloster, die hat
ouch diser liden eins. Do da erstarp, do kam su her wider und
Seite, daz es ir vegefur hie was, und daz su on alles mittel von
gotte in ewikeit enpfangen wart Des helffe uns ouch nnser 15
minnenclicher herre Jhesus Cristus. Amen.
1 geordeiien h-c ordiniren C 3 keret h- in och ir v. m^c 3 sü
— 4 gut fehlt n* 4 [und] so sind si gut gs dar umbe fehlt Cg 5 hohe]
grosse h-g marterer s 6 wurst hh^ gemartert hmNs 7 es fdhlt h^C
8 f. bloss zeichen gn^s 9 gnade gs heimelicheit h'cmN in] ime bh^C
10 ist] wart b' Und fehlt bC so fehlt cmN gcwillecliche bCc U in]
es mXs 12 geschach es b'^ es gesch. s die] und Ccs und die b- IB starp
bCgmN 14 daz — was fehlt m' hie fMt bmNs was] were C were
gewesen b-T 15 wart] were b-C des — 16 Amen fehlt mN des] das bs
16 J.Christus und Maria sein werde muter Amen ;«' nach Amen: Explicit
über Deo gracias Amen s
8 minret — vegefür, tbeuso Bde^r 351^:^1. 9-11 ViJ. Gr Bfh 444,1 f
12 ft". V(ß. Vita 14:2,7,15 f.
IL Predigt. 509
IL Predigt.
Hlserimt Judaei ab Jerosolymls sacerdotes et leyltas ad
Johannem, ut interrogarent eum: Tu quis est
Die Judden und die phariseyen die santen zu Johannes und
5 frageten yne, wer er were, abe er were Helyas? Er bekante und
leugnete nit und sprach: Non sum. „Bistu dann Cristus?'* Non sum.
„Ader eyn prophete?'' Non sum.
Kynder, dieser phariseyen fint man noch viel, die ockem geen
mit üppigen fragen umb. Die eynen fragent nach wemtlichen
10 dingen ; was die und die thun^ was meren yn den steden und yn
den landen und under den herren sy, was under den luden, geist-
lichen und wemtlichen, geschee, von diesen und von dem, und yn
ist wol mit nuwen meren. Phy der groszen schänden under geist-
lichen luden ! Des solde sich ein geistlich mensch ummer geschemen
15 zu sagen und zu wissen eynige nuwe mere. Was geet eynen geist-
lichen menschen an alles, das diese wemt geleysten mag? Die
andern fragen von vorwitzikeyt, das sie gern viel wissten und von
hoen dingen verstünden und konden sagen; do enwirt auch nit me
usz. Die dritte fragen uff eyn versuchen, das sie wissen, was yn
20 den luden sy, und koment und smeychent, als die Judden sprachen:
//. Predigt. Hss.: 6* = Berlin 8^^339; g^^Giessen 850; r = Rostock
Gymnasialhibliothek, T = TauUrdruch 1543 f, 22^» — 23^. Zur Grundlage
ist g^ genommen, — Die Echtheit dieser und der folgenden Predigt steht nicht
fest, vgl. Einleitung. Erster e ist nach r von K. E. H. Krause im Jahrbuch des
Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 11(1876), 11 — 18 publigiert,
2 — 3 fehlt b^g*, dafür Überschrift: eyn sermoen van nun sum b^ wie
die judden und die phariseyen zu Johanne santen g^ 5 yne fehlt rT Er —
6 nit fehlt g^ bekante] go r geyde 6* 6 und er sprach g'^ Non sum (erstes)]
ich enbyn syn nit g*, fehlt b^ 6 f. Non sum (zweites u, drittes)'] neyn g^
8 Kynder fehlt T fint man] sint b^T noch] nach g\ fehlt r ockem]
ecker 5' schlechts T, fehlt r 10 dingen] Sachen 6* 11 sy — Inden felüt g^
sy — den] und T 12 und wat geschey van r dusem r 13 Phy]
och r poch g^ schände rT ander] von g^ 14 solden sie sich [ein geistl.
mensch] g^ 15 wissen und zu fragen g^ 16 diese] die g^ geleysten mag]
ist g^T 18 do — 19 usz fehU r nit me] namme b^T 19 wollen t wissen g*
2 f. Joh. 1,19. 8 ockem, ockert, Adv. = nur, bloss (Lex. 11,140;
1,515); hd. = cht, bezw. nüwan. 11t. Vgl. Vita 98,2 ff. 18 f. Vgl. Surius
l. c. 179: nee ii un^am ad altiora proßciunt nee profectus illorum spes ulla
superest, quandiu tales permanent.
510 11. Predigt.
^meyster, wir wissen ^ das da warhafftig bist.^ Also thnn diese.
Fyndent sie dann ir wyse yn den laden, so ist isz alles got^ nnd
fyndent sie der nit, so endaug alle ir thun nit. So geent sie aber
ander fragen, und geent also ummer fragen, das sie ir verkerte wyse
beschirmen, und enwollent sich ye dar ane nit laszen, waz man yn 6
auch gesinge oder gesage. Die vi er den das sint gude frager, der
bertze und sele qwelet nach dem aller liebesten willen gottes ; essent
sie, slaffent sie, werkent sie, gent sie, Stent sie, so ist yn in: „ach,
wie gerachen wir den aller liebsten willen des gemyntten gottes?''
Die fufften die enfragent nit, das synt volkomen lüde, die synt lo
über fragen komen. Aber wa fynt man sy? In diesen luden ynist
keyn wonder, wanne Augustinus und Aristotiles sprechent,
das fragen kome von wonder. In diesen enist keyn wonder, wanne
die warheit hat sie durchgangen.
Diese boden frageten Johannem, wer er were. Was antworte 15
der himelfurste, der morgensterne , der erdesche engel Jobannes?
Er sprach: Non sum. Er bekante und leugnet nit: Non sum, als
alle menschen wolden des namen verleugnen und geet aller menschen
thun dar uff, wie sie ockert den namen verleugnen und verbergen:
Non sum ; sie woUent alle etwas syn ader schy nen, isz sy in geyste 20
ader in nature.
Vil lieben kynder, der diesen grünt allein gerachen künde, der
bette gerachet den aller nehisten, kurtzesten, siechsten, sichersten weg
zu der höchsten nehisten warheit, die man yn der zyt ervolgen mag.
Zu diesem enist nyemant zu alt nach zu kranck, nach zu dnmp 25
nach zu jung, nach zu arme nach zu riebe, das were: Non sum, ich
inbyn nicbt. Ach, was lyt unsprechelich wesen an diesem Non sum!
1 Also — diese fefdt g- 4 und — fraireii fefiU //' bekerte (!) g-
6 auch ftfdt h^g- sjnget off söget rT das vierde //- 7 lieb, ind göitsten h^
1. und göten T 8 werkent sie] schrybcn sie, lesen sie, spynen sie 1\ fehlt g-
so — in fehlt hh- 9 aller fehlt g- 10 die volnkommende 1. g- die synt
- - 11 sy] ach da die sint g- 11 diesen luden fehlt g- 12 wanne fehlt g-
13 komet rT In diesen lieben menscheu g- 16 der ertzenp^el g-'T 17 Non
sum] ich bin syn nit g- [Er — 18 verl. und] ach nu ^eent alle m. dar uflf g^
18. 19 verleugnen] vcrloneu /> V 19 ockert fehlt g'-T den namen] das wort g-'T
20 alles g- 22 Vil fehlt rT e^erachenj treffen T 23 jrerachet] funden T
24 die] den g-r 26 nach zu jun«i^ fehlt g'-T 27 so unsprech. />*r wesen]
Seligkeit g-
1 Matth. :2:2,U), 3 ir bezieht sich auf lüde. 5 f. Surius L c: quio
quid cum Ulis agas, 7 Vgl. Kl Bfb 3iS7,t7ff, 10 f. IVy/. Vita 134,15 f.
12 Anstoteles, Meiaph. 1,2 (982 b W; August., J)e ord. 1,3 n.S.
n. Predigt. 51 1
Ach, diesen weg enwil nyemant wanderen, man kere war man ummer
kere! Got segen mich, entruwen, wir syn und wollen und wolden
ye syn, ye einer über den andern. Hie myt synt alle menschen
also gefangen und gebunden, das sich nyemant lassen enwil; ime
6 were lichter zehen wercke dann eyn gruntlich lassen. Her umb ist
alle stryt, alle arbeyt: die werntlichen wollent her umb gut und
fninde und mage han und wagent sele und iyp, ockert das sy etwas
syn, das sie grosz, rieh, hohe und geweidig syn. Wie vil die geyst-
lichen dar umb dunt und laszeut, leydent und wirckent, da pruffe
10 eyn ieglicher sich selber an. Des sint closter und clusen volle, das
eyn ieglich wil ye etwas syn und schynen.
Lucifer yn dem hyemel der hup sich uflF und wolde syn. Das
zoch yne her nyeder in das aller dieffeste, in den grünt des nichtes,
arger dann alle nicht. Disz zoch unszern vatter und unszer mutter
15 und treib sie usz dem wonneclichen paradise, und hat uns alle yn
not und yn arbeyt bracht. Hie von komet alle jamer und alle
clnge, das man fyndet, das wir syn gotloisz und gnadenloisz und
mynneloisz und aller tugende nacket und bloisz, her umb fynden wir
nit freude von ynnen noch von ussen, her umb ist allein alles, das
20 uns gebrichet an gode und an den luden. Das dut alleyn, das wir
wollen etwas syn. Ach, dis nichtsyn, das bette yn allen wysen, in
allen steden, mit allen luden gantzen, waren, weselichen, ewigen
frieden, und were das seligiste, das sicherste und das edelste, das
diesse wernt hat, und nyemant wil dar an, riebe nach arm, jung
25 nach alt!
Wir lesen yn Sant Lucas ewangelio, das eyn riebe man, eyn
phariseus, der hatte geladen nnsern hern Jesum Gristum in syn husze.
Das was eyn harte grosze gut wercke, Cristum spysen mit allen
synen jungern. Und do was vil volckes. Diesz meynte er gar
1 wanderen fehlt h^g- wand. — 2 kere fehlt g- 2 Got segen mich]
gützan h^ gotsene r, fehlt g^T entruwen fehlt g-T 3 ye einer — andern
fehlt r 8 das sie — 9 wirck. fehlt r 12 der fehlt g-T irhoif h' erhub T
15 und treib sie fehlt g- 16 und [alle] g-T 17 und [das] man fynd. bie
mit Jin uns ^^ 21 etwas fehlt g^T das selige nichtsyn g- 22 wesel.
ewigen feldt g- 24 hat und hernach ewigliche freude und weseliche freude g^
und] leyder g- aber T, fehlt h^ 27 der fehlt g-T husze mit allen synen
jungern g- 29 Und — volckes fehlt r er] id h^ es T
12 ff. Is 14,12 ff. 14 Adam und Eva, 171 Vgl Gr Bfb 49:2,4 f:
gnodelos . . . minnelos; ehd, 488,21: nacket und blos. 26 ff. Luk. 7,36 ff.
512 n. Predigt
wol; sunder yme gebrach des edelen Non snm. Dar qwam epi
sunderynne^ die fiele dar njder und sprach in yrme grande: Nod
süm. Des ist sie erhaben aber alle hymmel, aber manichen köre
der engele. Diese fiele yn das aller nyderste vor Cristas fnsze, und
asz gantzem ynneckliehem hertzen sprach sie: Non som. Usz dem 5
gründe so wachs eyn ewig, ammer wemde Ego snm; Cristas det
ir alles, das sie wolde. Alda sas der wirthe, der yn dieser gwszeü
abungen was und yn allen za essen and za tryncken gap, dem ver-
smebete disz and meynte, das sich Cristas za ir kerte, sie were eyn
sonderynne. Ach , isz was in yme das leidige Ego sam nnd nit 10
Non sam; yn dachte, er were der jener ^ za dem man sich keren
solde and hören and mit yme reden solde, and das wyp nit
Ach, lieben kynder, was fyndet man dieser pharisejen alle
ander geistlichen and wemtlichen laden! Die wemt ist ir vol,
Yol, Yol: swartz and rot, gra and bla, die amb ir gat and umb ir 15
mage ader amb ir wyszheit ader ir kanst ader amb ir vemnfiftikeit
ader amb almasen ader amb yren scbyne, das sie sich heiliger
dauckent and dieser glich, meinen, das man sich mit achtnnge za
yn solle keren, man solle mit yne sprechen, man solle ir worte
hören, man solle darch yren willen etwas thnn, and denckent zahant: 20
„insolde man mir disz nit than? Ich han yn disz and das gethan,
ich byn der und der/ und were yn harte unwert, man inhielde
1 edelen fehlt g- 2 suiulerse (so stein!) h^rT dar nyder] vor die fusze
Gristi g- 4 vor — und] mit rechter demudigkeyt und g- 6 so fehlt g-T
ewig fehlt g^ 8 ubungen] werschap r und zu tryncken fehlt g^ dem]
de h^ dey r 10 leid.] heiige (!) ^- und — 11 B\xm fehlt h^ 11 yn] eme 6V
jener /e/t/^ h^T sich billich k. g- 12 und hören — solde fehlt g^ 14 luden
fehlt rl' 14 f. volle einmal g- 15 swartz — bla] in allem State g- rot]
wyt r und [umb] 6V 16 ma^e] macht T ader (erstes)] und h^g- Ter-
nufft g- vorwitzicheyt b^ 17 almusen die sie gebeut g- das — 18 donckeDt]
die wemtlichen umb yren riehen schyne, die geistlichen umb yren heiligen
schyne g- 18 meinen fehlt Vghr 20 thun und lassen g- 21 yn fehU h^g*
1 ff. Vgl. Gr Bfh X V Surge aquilo, 9 das = waz oder war umb.
14 f. J'Js sind hier unter den ^.geistlichen Leuten'* wohl besonders die Beghinen
gemeifit^ welche „in den verschiedenen Konventen und zu verschiedenen Zeiten
bald graue j bald braune y schwarze oder blaue Kleider trugen** (H, Haupt in
Realenzyhloptidic für protest. Theol, 11^,619), 16 vernufftikeit bedeutet wohl
das Streben nach mystischer Erkenntnis ; vgl, Vita Kap. 40' u. 47 j bes. 156,26 fT.
18 Ohne meinen, das allerdings nur in T steht, w^re die Konstruktion des
Satzes unerträglich hart.
rechte lue von yne dann von andern, au den sie diese ding rit
inkennen. Got segen micli . wer sint sie, wann koniment gie, wie
torrcnt sie disz gedencken, daa wir innsaen tliun, und vcremphen
ander ladt;? AlsuB det der phariseus, der sich erhaj) über den
& publicanus, und er hleip ungerecht, wann yne duchte, er were etwas,
und der nrme piiblicanus, der Non Hum fipiäcb, der sieb nit enduchte
und syn äugen nyeder alng und sprach: „berre, erbarme dich niyner,
wann ich bin nit, ich bin eyn sunder, oiynner dann nit," — dieser
gieug gerecht in gyn husz. Disz sprach der cdele munt gottes selber:
10 „int;ulicb sehe vor sieh und erhebe sich über nyeraant, er sy, wer
er sy."
Diese selig sunderynae, die in des mannes husz ging, sie det
dru ding wirklich in der nbung: sie wiederkcrte zti, ab sie abe
gekert was; also als sie ir äugen zu der werude gekeret hatte, also
iö her wieder umb begosz sie die fnsze Cristi mit heyszen trehen, und
inyt yrme hare truckete sie yme syne fuszc in besserunge, das sie
der wernde da mit gebrucbet hatte, yreu lycham mit der venigen,
ir gut mit der salben. Dws ander, das sie det: sie liesz sich an
Gristum zuhant alzumale; das dritte: ir hertze was vid leydea.
2u Kynder, uff alle die gelaszenheit, die nit us/. geubet enist. engebe
ich nit eyn boue, sie werde erfulget mit den wercken und in der
wnriieit usser der schalckhafiligen nature, die me dann dusent lyste
und winckel hat, da sie sich .vnne eutheldet. Es enwerde usz ge-
I aa deu — 3 inkeniien fehlt g- 2 inkenten h 'r Qot s. mich] gotEsane b '
gnUeue r sie meyiiten gut sya (!) g- 3 thuo — 4 lüde] sjn wir lauge hie
gi;we«t. Ach wereo sio reclit wol gewest, sie enwereu nit alsua herlicli imd sie
miyüranitilieten iiyeiniuil daiinu siob selber in der warheit mit hejtzeu uod mit
muude g'' 4 AUua det] uuu thun Hie als g^ S public] offen sunder g-
vue] eme i'i- 6 public] Blinder g' 9 gerech tverdiget r Der ed. mnnt
ilur wuheic Criatua sprach selber g'' 13 wiricl. — ubimg fthlt g' lö luul
jthli g-T die f. CriBti] a.v b' die T 16 in beaaer. fihU g- 19 zulituit
iil fehU g-T 20 K.vnder J'ehtt g' alle [tÜe] rT 21 erfüllet tf= 21 f. |und i.
d. wart), iisaer] wana die »challmfrijge nature bat nie g' 23 eutheldet und ver-
birget </' 23f. aie enw. yn uni" !f. von düf^endeu g' ntgeToret r usagewerteelt T
4 a. Luh. ]S,]0_ff-: 9 f. Vgl. Lak. 16,14 : 1 Kur. 10,1^. 16 ff. iwA. 7,3«.
17 f. Empaasfndts Vtrbum, etira ,buten' (büecenl, ist aw dfm vnrhfgelitnden
«u trgäaetH. Vgl. dit Paraphrate dt* Surmg (l. c 103): eorpH» «uum prins
liixui addielutn crebru aäculü . . . alünqitt afßielinnihtiit dffm-tt, faeullatufiiat
auaa «n^iwiiff infitsiont ohtulü. venige hcMithl sich auf diu NiedcrfalUn
{.'il2,3): vgl. Vita W,i4. 20 ß". Vgl. Dcnißt, Da» gti»ll Lthtn 4S6ß. und
die 4. Predigt. 22 Bebiilokbiiin. nature, fgt. ViU, iej.8 laiji seliallt).
11. scu... Di^iiudH' s-ihiifi.... m
J
514 D. Predig
wircket, so were mir recht dar umb, als das mir eyn dnfel ersdiieiie
in engelischer waet. Uff der lade wort ist recht zu bawen, ab abe
eyu halme eyn brücke were aber den groszen Rjne and eyner dar
über wente gan, — also sicher ist man diesses wesens und dies^
gelaszenheit. Disz synt gestififte gelaszenheit. B
So komment sie dann and sprechent: „eya, herrOy sage ans
von der nehisten warheyt!^ Waffen, dem werte byn ich so rechte
anholt! Pylatus fragete anszem hem Jesum Cristam, wellich die
warheyt were, and Cristns sweyg. Als wenig mag man gesagen,
was die warheyt sy, als was got sy. 6ot ist die warheit und 10
luterkeyt and eynfeldigkeit, das ist eyn and eyn wesen. Diese Inde,
wann man sie an kommet mit werten ader mit wercken, allznliant
so wischent sie her vor vil balde mit widerbissen and ist jn so an-
wert, das man disz gethan hait, and clagent. Und dann wirt man
wol geware, wo die gelaszenheit was an werten and an wercken; 16
ir grant der läget da her asz.
Kynder, enbetrieget ach selber nit! Isz enschadet mir nit,
betriegent ir mich, entrawen, ir syt die, die betrogen blyben; der
schade blybet ach, and myr nit. Ich zwyfel nit dar an eyn bare,
isz ensy manig dasent mensche, die sich vil heilig nnd vil sanderlich 90
2 waetj fonnen 6' wyse r 8 groszen fehlt g^ 4 rechte also g*
5 Di8z — gelaez. /eÄ/^ ^* 6 dann/eWt&V und Sprech. /eÄif h^T 8 grame
und unholt g- wellich] was g^ 10 als — sy fehlt T 13 so fehlt g*T
wiszent g- vil — widerbissen] mit also vil bösen worten und zoment,
wyszet das gut und böse, das riebe das armut das gluck die ere die schände die
frunde die mage und urteylent recht den menschen in dem gründe der hellen g^
14 das — hait] haint sie mir das gethan &V clagent und sagent und liegent g^
16 und fehlt h^g- 16 luchtet 6*^* nach her usz Zusatz: so sprechen sie,
liesze man sie in frieden und holte sie nit alsus boszlich über, so enweren sie
nit yn alsus gemercklich entgangen. Ach, disz ist alles eyn falsche hose be-
ment^ln, der grünt die wort die wercke das leben ist falsche g- 18 betriegent
— blyben] ir wenet mich und die lüde betriegen, ach, ir betrieget uch selber
und ir blybet betrogen ummer me g*
1 f. Vgl, II Kor, 11,14. 3 den groszen Eyne (vgl. unten 517,8) weist
wohl auf Köln als Ort der Predigt hin. 5 gestiffte gelaszenheit, vgL Gr
BJb 449,27: gestifte schone. Surius I.e. 184: resignatio ficta ac fucaia,
6 ff. Vgl. Vita 97,10 ff. 8 f. Joh, 18,38. 9 f. Vgl. Kl Bfh 387,13 f.
10 f. In Gott fallen Wesen und Eigenschaften gusammen: vgl. Thomas, S. Th,
lq.l3; Bdw 331,1 ff. 12 Sinn: wenn man etwas, das ihnen unangenehm
ist, sagt oder tut. 13 her vor wischen = rasch auffahren. Surius L c. 184 :
repente jirosiliunt^ erumpunt et velut canes oblatrant ac remordent.
17 Vgl. Kl Bfh 369,29 f
bewyBen und yu geiBtUohem leben sind gewest alle ir tage und ir
heubt vil eere njeder geelahen, nnd eollen also sterben, daB yn wäre
gelassenfaeyt nie iu geblickde eynen augenblick. Eynen verstendigen
menselien mag isit jamern nnd mag laz auch von wonder lachen
5 nnd Bpotlen, dag die lüde also gar sieb Belber betriegent. Wisze in
der waiheit, also lange du nach eynen treppen blades unverzeret
hast in dyme fleyscUe und eynen traben marckes in dynen beynen,
do enbabest iez verzeret nmb rechte gelaszenheit, 80 ennym dich
nammer mer an, das da syest eyn gelaszen mensche, nnd wysze:
10 alle die wyle, das dir das aller leste punt rechter gelsssenheit ge-
brichet an eyme waren erfulgen, die wyle muBz dir got ewiglichen
entblieben, die nehisle und die hoeste selikeit zu befynden in zyt
und in ewigkeyt.
Kinder, das weyssenkom musz von noit sterben, sal isz frncbt
15 brengen, sunder stirbet isz, so brenget isz vil und grosze fruchte.
Kinder, isz muaz eyn sterben und eyo verwerden und eyn vernichten
hie gescheen, isz muBZ syn Non sum. Werlich by gode, der die
warheit igt, isz engeet nit mit wünschen noch mit begerden noch
mit bidden zu, myn kynd, Isz musz erfulget werden, isz musz en-
30 trnwen kosten; das nit enkostet, das engildet auch nit. Mochte man
isz mit hegerungen und mit beden und myt wunecheu erkriegen
Sander kost und sunder arbeyt, das isz nit we endede noch nit
snwer enworde, so were isz eyn harte cleyne ding; entruwen, kynt,
des enmag nit syn. Sant Aitgustinns sprichet: got hat dich ge-
25 macht sunder dich, er machet dich nummer gerecht sunder dich.
Dn entdarffs des nit wenen nach gedencken, das dich got von zeictiene
2 Blähen g'T nach [gc]Biahen Zusatt: wes sie (die enberen durch got
imd verzieg'eu baben und wol liesitzen mögen , do sageot sie groBEe mere tob,
und »a« sie du \jAea maseen nnd nie gelasgen «ie eynt g'' und] seh sie g'
3 nie in gebt,] numiner enblibet g' 10 leate] beste b'g" minneBte r 14 blost
körn 3* 15 iai (tmU«)] dos hoffertige boae gemute iu nch g' 17 Wcriich
— 18 ist] Torwar T 18 nuch mit heg. — 19 za fehlt g' 19 myn] nein 6'T
25 nier er g' euer er 6' gerecht) aelich b' wiedder g'r nach dich Zxttalt:
dar iimb pruffe dichji' 26 von zeichene] ran zeigene V van tckeneu rzehenen g*
U f. Joh. 12,U4f. 20 Dasselbe SpHchwort bei Tanler, vgl. K. Sehmidt,
Taulv 1841, 86 (Fvankf. Autg. 111,131). Vgl. auch Or Bfb 431,23.
24 f. Stniio 169 e. 11 n. 13: eise pottnl jaititin Dei »int voluntale tua, seil
in le esse «oti potest praeter oolwiaatefn tuam . , . Qui ergn fteit te sine le, non
tt juslißcat »ine te. Vgl. lieniße, Luthtr I', 610, &80. 26 von zeichene =
durch Wunderlun. Stiriiu l. c. 186: Deum no» miraculo quodam ad tubUmiora
..^^
516 n. Predigt
•
machen wolle, als ob ans got na liesz eyne schone rose uff geen.
Das vermochte er gar wol, mer er endut isz nit, mer er wil, das
isz mit ordenunge geschee zu may darch ryffe, durch taw nnd dnreh
maniche wyse und wedder^ das dartzu geordent und gefaget ist
Ach, kynder, das ist werlich eyn bermeclich und ein clegelieli 5
ding yn der warheit, das eyn geistlieh mensche lebet drissig ader
viertzig jare und get alsus vriesen und clagen, und hat eyn zamal
ydel leben und enweysz nach hude disz tages nit, wie er dran sy.
Er mochte sich gerne eynes jares getrosten und sterben und ver-
werden und snyden das garn ent^wey, ach und ach, als der dot 10
kommet, und er syne langen jare versumet und verlorn nnd ver-
qwetzet hat: wellich eyn we, wellich eyn unwiedderbrengelicher
schaden dar geschiht, das ewige hinderbliben und ewig enberen!
Ach, das ist merer ja mer, dann man in der zyt gesp reeben mag!
Eyn geistlich und eyn geordent mensche das solde also leben 15
yn flysz und in stedem ernst, fürt zu gan und me gudes zu erkriegen,
das nummer dag enwere, er enfuude sich also ferre farte gegangen,
das er kume wieder in das aide gesehen konde. Das ist jamer,
das wcrntlicbe lüde flyssiger synt umb also snode doitliche dii)ge,
dann die gottes usze^welten umb das luter gut, das got heyszet 20
1 uns fehlt T under uns uff g. g- 2 gar] harte h^g^ 3 zu maj
fehlt g- durch Uw] uud snee durch hagel durch regen g- 4 und gefuget
fehlt g- 6 leuffet b^g- 7 vriesen] muimurerende r vriesen und fehlt g-
uud hat — 8 leben] und mochte zu male wol eyn edel leben haben, wolde er
selber g- 10 garn] alles g- entzwey und abo, das yn doch ayner ewigren
eren hyndert uud beraubet g- und ach] lieben kynder g- 11 er] der (eyn r)
mensche g'r 11 f. verqwetzet] verquist h^ venjuetert r verzert 'T 12 well.
eyn we fehlt g-T well, eyn unwiedd. — 13 enberen] und siebet den un-
wiedderbrengflichen schaden und das ewiglich unwiedder brenge und sieliet sich
ewiger eren und ewiger freude enberen g- 15 kynder eyn geistl. g- mensche
in closter in clusen g- 16 ernst und also fürt und fürte gaii und mo und me
gudes erkr. g- 17 enfunde sich] solde syn g- 18 aide leben g- Das ist
jamer] und auch gedencken und Schemen sich g- 11) f. dinge und bokommert
yn stediger sorgen, ja vil me dann g- 20 gottes uszervv.| geistlichen schyuent ^-
luter] ewige g- höchste T
7 vriesen = vrescnen {hd. mischen)^ ausforschen, nachfragen (vgl. den
Anfang der l*redigt), 9 sich getrosten mit Gcnet. — seine Hoffnung auf
etwas setzten. 10 Vgl, Ps. 123^7. 11 f. verijwetzeii {vgl. die Varianten !)
= vergt'uden. 16 fürt zu gan = sich selbst zu lasse/i.
n. Predigt. 517
und ist. Eyn geordent geistlich mensche sohle also wyllenlos syn,
das man nummer an yme gewar enworde dan Non sum.
So komment vil lüde und denckent uff maniche wyse: so
wollcnt sy eyn jare wasser und brot eszen, ader eynen weg lauffen,
5 so ist isz disz ader das. Ich sagen dir den siechtesten knrtzten
weg: gang in dynen grünt und prüfe, was das sy, das dich aller
meiste hyndeit, das dich enthelt, dem läge und den steyn wirff in
des liynos grünt; anders lauff die wernt usz und thu alle ding^
isz inhilffet dir nit. Das scharmesser das snydet das fleysch von
10 den beyuen, das ist sterben syns eygen willen und begerden. Viel
lüde dodent die nature und laszent die gebreche leben ; da enwirt
nummer nicht usz.
Ach, kynder, keret uch yn uch selber und sehet, wie ferro
und wie unglich das ir syt dem mynneclichen bylde unsers herrcn
15 Jesu Gristi, des laszeu mer und gruntlieher was dan alles das laszen
zu Samen were, das alle menschen in der zyt sieh ye gelieszen ader
ummer mer sollen. Nu diese frauwe liesz sich Cristo alieyne, das
sol man also versten: wann man sich durch got leszet, das ist alles
got gelan. Vil lüde laszen sich got wol und enwollent sich nit den
20 luden laszen, das sie got trucke und nit die lüde. Neyn, man sol
sich laszen, wie isz got wil gelaszeu hau; und wer dich yn dyn
1 wyszelosz g^ 2 an yme — N. 8uni] eygens willens noch gut dunckeii-
heit vor eymc andern geware worde, das alles usz hoflfertigkeyt komet, und disz
kydc wippein clagen sagen liegen triegen kriegen, das man des nummer geware
wurde. Ach leyder, nu sint der dye geistlichen sehynent also vil, das sie gottes
und ewiger ercii vergeszen g^ 3 vil lüde] sie g- 4 ader — lauffen] oder
cyu ander stat süechen T so keyn fleysch eszen ader keynen wyn txincken ^-
5 so ist isz] ader ^- dir] uch g-T 6 und ßhU WT 7 das dich enthclt]
:»<lor krodet in dirre zyt, das dich alsus jemerlich heraubet eyns sunderlichen
seligen lebens in dirre zyt und hernach des ewigen lebens g- 7 f. dem läge
mit liysze und wirff den steyn ferre von dir in des meres grünt g^ 9 scharrys W
scharsas g- scharraes r 10 das ist — begerden] dem stirp h^g'W 12 nicht]
»Tc />' etwas göts T 17 gelaszen sollen^** 18 f. [alles] got allein g"*- 19 lieszen 6'^-
20 da« — lüde] und lydent wol, das sie got trucke, und enwellcnt nit, das sie
die lüde trucken g^ truckde h^T Neyn fthli g- 21 f. sich yn syn nicht //-'
1 wyllenlos, vgl. Eckhart 69 1,1 i: in disem nnergrunillchen liehie des ge-
loubcn machet uns der geloube von vil irizsen toizzenlos unde von vil fcillen Wille-
Ins unde von vil bilden bildelos. 4 eynen weg lauifen wohl = eine Wall-
fahrt machen (vgl. Z. 8). 7 lagen mit Dat. = nachstellen, sein Äugenmerk
auf etwas nchten (Lex. 1,1814; Schilltr-Lübben, Mnd. Wtbch. 11,61:2).
17 Maria Magdalena (vgl 513,1 ff.).
518 in. Predigt.
nicht wil wysen, den entpbang mit groszer danckbarkeit und fliit
mynnen, das du in der warheyt werdest gemant, das du bial:
Non Burn.
Das wir nn alle in diese verniebtikeit komen, das wir yn das
gotliche ieht da mit versincken; des hel£fe ans got allen. Amen. I
m. Predigt.
BxItI a patre et yeni in mnndnm, Iternm relinqao mmidii«.
Unser lieblichster herr Jesus Christus sprach: ^ich byn
ausz gangen von dem vatter und kommen in die weit, wider umb
verlasz ich die weit und gee zu dem vatter. '^ Und S. Paulas 10
spricht: ^Christus ist uff erstanden von den todten durch die gloiy
des vatterS; uff das wyr wanderen sollen in der neuwigkeit des
lebens. Dan ist es sach, das wyr Christo in seynem todt gelelch
werden, so sftllen wyr auch seyner ufferstentnisz gleich sejn.^
E inder , disz ist die lauterste y wareste und bloszte leer , die 15
man haben mag, es ist der rechste^ der kfirtzte, sicherste und
schlechste weg, man keer es, wie man wftll. All glosen ab! Disen
weg müsz man geen, den der lieber herr selb gangen hat, willen
wyr kommen, dar er ist, willen wyr im volkomlich vereinigt werden.
Er kam ausz dem v&tterlichen hertzen, usz des vatters schois, und 20
2 das — gemant] und lobe got darumb siiuderlich, das dich yemant in
dyn nicht wil wysen und dich ermanet g- gemant] genant b^T 4 ver-
nichtigunge komen also gewerliche g- das — 6 versincken fehlt r 5 helffe]
gunne r got] der vatter under sone und der heiige geiste g- allen] alsameu b\
fehU gW
III. Fredigt nach T = Tauler lö43f.85rb __ ^«,. 8ie berührt sich
inhaltlich mit der Predigt Ego vox clamantis von Tauler f,23^ — 2&^ (J^rtMnkf,
Ausg. 1^84 ff.),
6 Überschrift (vom Herausgeber): Vflf das hochzeit Ostern die erste predig:
wie wyr mit Christo sollen sterben und in uns todten alle sinligkeit, begerligkeit,
natürliche kreiftenn und bildungen, und in Christo vfferstehen und überbiltet
werden. Euangelium: Jesus ist viferstanden vom todt. Marci XVI T
5 icht = Wesen, vgl Vita 187, 16 f. 7 Joh, 10,28. 8 lieblichster
= minneklichster. 10 ff. Hörn, 6,4 f. 16 f. Vgl. IL Predigt 610,23;
511,1 f. ' 517,6. 20 Vgl GrBfb473,3f.
m. Preaifi*.' '
kam in die weit und leyt über alle masz in der weit alle seyne
tag, und gewann nye gemach noch luet und wart verderbt, getodt
und begraben. Dar nach erstund! er in gantzer, warer nnleydligkeit,
in klarbeit und untodligkeit, und voer wider in das T&tterlich hcrtz
ü in gantzer, narer, gleicher Seligkeit.
So welcher mensch disen weg noch geen wölte und erstorben
und verdorben were an im selber in Christo, der mächt und müst
on allen zweivel auch mit im uff ersteen. Werdestu mit im begraben,
so Rteestu sicherlich mit im äff, wie S. Paulus epricht: „ir seyt
10 todt und euwer leben ist verborgen mit Christo in got." In der
warheit, dieser mensch würt etlicher massen unleidlich, nntodlich,
und fyrt mit im zn hymel, in gantzer, warer vereynung mit dem
snn, in den vatter, ia das vätterlich hertz, in gantzer, warer, gleicher,
eynbarlicher Seligkeit, in g«ntzer besitzungen. Was got hat von
lönaturen, das hastn von gnaden. Disz mnsz aber erfolgt werden.
Diser mensch, der disen weg geet, ist über ander gemeyo leut
erhaben, wie ein edel mensch über eyn beest. Der nun mit Christo
nit will verwerden, wie sol er mit im gewerden? Der nit wil sterben,
wie sol der uff erstehen? Sant Paulus spricht r „syt ir mit Christo
20 äff erstanden, so smcckt die dyngen, die hier oben seind, uit die uff
der erden seind." Men fynd lent, als sie von grossen dyngen hören
sagen, 80 weren sie es gern, und heben schön an und wollen dem
geist und got leben, und nls es in zuhants nit woü zu banden geet,
so lassen sie sich bald nider in die iiatur. Die seind recht als
25 die scböler: sie weren alle gern grosse pt'affen, und etzliche leeren
kaum krunck latein und bÖs grammaticam. Die andere volherdeu
und werden grosse meister. Also seind etzliche liebe menschen,
den geet es also wol zu banden und seind gar steet und fleisig,
aber usz den anderen will nit werden.
30 Wer nun will zu hoher volkommenheit kommen, der mAsü
9f. Kol.3,3. 11 Vgl. Vita 163,2ff. 14f. Efieiwo Sdtw 2^,l4f..-
vgl. Bäiv 344,13ff. Anm. Der Attsdniek itt übrigeu» dtn Myglikem gel/lußg,
vgl. §. B. den Traktat von der ..wirkenden Vernunft"-, hmg. von Prtger in den
SitBungsbtriehtBn der Münchener Äkademit 1671, 165 und dit Belege ait» Tauier
hei Dttiijle, Bega XXXVIJf.; der».. Das geistl. Leben Ö23ff. IB Disz —
erfolgt werden, vgl. II. Predigt 513,31; 516,19. 16 f. Vgl. Bdw 3S0,!/ß'.
17 beest 5= vihe. 19 verwerden, vgl. IL Predigt 615,16; 516,9 f.
19 ff. KqI. 3,1)-. 21 ff. Vgl. Vita 98,2 f. mid Ka/i. 47. Zu geigt vgl.
Vita 83,liff. 28 Vgl. Gr B/b 415,13 f. 25 leeren = lernen.
2fl Vgl II. Predigt g09:16f.; 617,11.
520 in. r»redif?t
auch über grosse (lynge kommen. Er niflsz über IX dyng kommen,
der wir nur IV die minderste und niderste hie ansz lagen. Er
inAsz zum ersten kommen über die sinn und sinligkeit and flUe
sienlich dyng übertreden; das ander: du mflsz kommen über deyn
leibliche und natürliche kreiTten; zum dritten: über alle heg^erong; 5
zum vierten: über alle bilt und bildunge.
Zum ersten sagen wyr über alle sinn, liier meinen wyr nit
die leut, die nach sinlicher genüecht leben willig in todt8nndeD,
sonder die mit Christo willen uflF ersteen und zu hjinel varen. Man
fyndet leut, die von grossen dyngen künden sagen, und wissen doch 10
nit, dan von hören sagen oder von lesen, das alles mit den sinnen
in gedragen ist. Man fyndt ridder von dreüwen und leüt von Worten.
Des sinnlichen florirens und auszbrechens müstu sterben und über*
geen, solt du volkomen werden.
Eyn mensch begerte seer von got zu wissen, was gots liebste 15
will were. Do erscheyn im unser herr und sprach: „du solt deyn
sinn twyngen und deyn zung bynden und dein hertz überwinden
und alle widerwertigkeit frölich durch mich leiden, das ist meyn
liebster will." Keer dich von sinnlichen bilden in deyn inwendig
bilde, dar ist: Signatum est super nos lumen vultns tni, 20
domine, her, du hast das liecht deynes antlitz über uns gezeichnet.
Etlich menschen haben gar vil sinlichs gewerbs in guter
njcinung und gewinnen kaum ymmer rast. Was sollen sie thfmV
Als sie doch eyn stund müssig werden, so sollen sie sich so tieff
in got sencken und also vill, das sy in eyner stund XL jar zytz 25
durch die sinn verloren geweldich her wider rucken, und thftn dan
dester mee zu froraen. Nit als etliche, die nit enköunen mit gott
(ian in sinnlichen bilden oder mit gelerten oder gelesen oder gedicliten
Worten, sonder sie sollen usz dem grund, usz dem innersten, usz
dem gc ist gots geist süechen, geist mit gcist, liertz zu hertz, als der 30
lieber herr sprach: „got ist eyn geist, und die waren anbetter an-
hetten in in dem geist und in der warheit." Got versteet hortzen
sprach und seelen meinung, eyn gruntlich, innerlich und wesenlieh
19 licster T 21 antlatz T
11 lesen. Kin Ikispict ist Ehhdh Stüfjcl, vffL Viln ir/\Wff.: *Jt)ylojf\
13 tloriren, rgl. Vita Kap. 4}, 15 f. »rots liei»ste will, r<//. Kl htb Hh7,ltiJ\;
IL Pnffi(/t 510,^. IG ff. V(jl.KlBfb37^J!^jr. 20 f. iV. 4,7.
•23 V(jl. (ir Bjh 414,lfi. 26 verloren ist Partir. Praet. 31 f. Jo?i, 4^4,
32 f. \\f/l Dtnifle, Das r/fistl Lehen 4fifif.
luisitrccheii, Marien sinn nmi iiv tf^fnwortigkoit iiettot lieiliger und
tielTei' in den oren Christi, dan alles, das Martha gesageu oder ge-
klagen inoclit.
Zum anderen mal soll man Überknnimeii alle natiirlicfac
5 kreft, inwendig und uszwemli^. So wHcli nienecb hie mit ordentlich
künde gewircken, das er disz Wgritle und doch bei seinen krefftcn
nnd natnriicher etärckheit blih, das wer eyn wunder, der engeeach
ich nye keinen; der das ist, der trcdt her für und lasz sich sehen!
SanctiiR Hernardus enhat des nit, wan er beklagte, das er aeyneu
10 leicham — den kiiecht gottes — verderbt hat; auch S.Oregoriiis,
der cyn liecht was der Christenheit. Dar unib, niemant betriege
sich selber und lasz sich duncken, das er das sey oder hab, das
im ferr und frembdt ist, want es m!is7, kosten! Da» nit enkost,
das engilt auch nit; der lieb wdl haben, der mftsz liebe lassen.
15 Eyn junger fracht seynen meigter: „liebe meister, wir essen und
drincken, und es enseheynt uns nit." Da sprach der meister: „liebe
sun, das ist kein wunder, wir vertzereut alles mit inwendigen Übungen
08 geet alles eynen anderen weg." Alle uazwendige kralTt ist her
zll zfi kleine, disz zQ gewinnen, dan got mach wol eyn ncuwe kruft
•20 geben. Als das weyssenkorn stirbt, so bringet es neuwe körn und
vil fruchc, cntrauwen, stirbt es nit, so blibt es altein, es müsK erst
sterben des seynen,
Eyn ander kraft tatisr, man auch übcrgan, nnd faeist der ge-
mein siune. Das tint eyn mensch, wan er noch eusehet noch cn-
2!} h&rt uszwendicb, so lint er aller leye biite in im, so ist des vill,
das in im ist, und keert das eyn her, das ander dar, tift snsz, no
1 ff. Vi/I. luk. 10.30. ■ Kl Bfh 3t<8,tUf. 4 ff. Vgl. Biltc HUfiff.: 347, 16 ff.
6f. \!ii.Bdu)S5fi,yff.;KlhJbXiö,löf. 8 Vyl. Kl ßft. 368.13/.
d Vita 1 S. Sernardi auclore Guilitmo l. I c. S (Mü/nt 105,3611: mm eim-
undilur ( Brfnardua) anque hodit hk tJ^cusart, '/und »treitin Dei rl fratfum
ihtiulrn't corjiUK auum, dum ittdinerrUi ftreore inibicilte illuil reddid'rii ae penf
'naIiU. Vgl Vacartdard, Vir de S.Hernard I (JS95), 45 »s. it. SruSM V'ila UJÜ,J7f.
10 Vgl. Griff. M.. Begiftr. Ep. X,3ö; Mural. XXX,1S n.63: Joh. TJiacimut,
Viia Gttij. 1.7. 13 f. DanMt Sprichteort II. Prtdigl 616,30. 14 der
ill haben etc., vgl. Or Bfb 412,23t minno duruli miime lanflen, und Irnüatia
Chrigli 1 1,7 n, I; np'iiUt äüectum jirn dilertn rtlinqurit. 17f. Vpl.oben ÖW,Wf.
201. ./•>/>. 13,34/. Vgl. II. I'i-fdigt 616,14/- 23 f. der gemein Honc =
iciufug emnmimü, Xoim*| xal ItXa. aTo*T|oi; bei AHslotelM, der Siun der Stiutition.
Vgl. Thoma», S. e, Gtni. 11,74: »mga» communis apprv/itHdü ttnuiila tiiHUium
stnsuam proprinnim; .V, Th. I q. lÄn. 4: }le jmt.an.4: I.. Sehüit, Thiimagltxik"n
'lSHr>, 741.
lieb
522 ni. Predigt
so, und ist da vil gerumpels in. Disz sol man altzflmal keren in
eyn einfeldicheyt, in das lauter gftt, das got ist Eyn meister «üdi
eyn grob block leygen und sprach: „ach, wie ist da so sehoneB
wunnigiicb bilt, inweren die spene aileyn ab gebanwen nod ge-
scheit 1*^ Unser here sprach: ^scheidestu das gftte von dem bAsen, s
so werdestu recht als nieyn munt.*^ Ach, der alles ab scheide ond
schelte und sunderte, der funde got bloisz lauterlich in sich !
Die dritte kraft ist vernünftige kraft. Über die kraft mfln
der mensch komen. Man fint leute, die haben vil vemanftichs im-
wirckens und floreren mit ire vemunft, recht als ob sie die faymd lo
weiten durchfaren, und steent alles uff ire blosse natur als Aristoteles
und Plato, die wunder verstonden und auch gar tugentlich lebten,
und was doch nature. Dysse leute müssen mit grossem fleysz ire
natur schweerlich underducken und sich fleyssich (ttr sich selber
hüten. Man fint auch ander leute , die seyn gar eynfeldicfa und 15
lassen sich eynfeltlich, und entfangen auch also alle dinck nnd geet
in inniglich woll zu banden als eyn wek was, da eyn bilt des segek
lichtlich in gedruckt wurt, und wurt auch halte zu samen gedruckt
und vergeet wider. Aber in eynen steyn kömpt das bildt mit grosser
arbeit und blybt euch hart und vast dar inn und vergeet nit balt 90
Also ist euch mit disen vernunftigen leuten.
Zum dritten mal mfisz man kommen überall begerung und
über die begerliche kraft. Hie in meinen wir nit die leüt, die ver-
gengliche dyng begeren — den ist disz hundert tausent meylen ferr
und frembt, wann sie begeren gfit, eer und ander zeitlich dyng — 25
wir meynen etzliche gfite leüt, die vil begerungen haben mit eygen-
4 beut T 6 dem] den T 12 lebten] liebenn T 17 wek] weg T
1 gerampel, vgl. Kl Bfh 364^6: gerünbel. 2 das lauter gut, das got
ist — //. Predigt 616,20/. 6 f. Jerem. 15,19, 8 vernünftige kraft =
virttts rationalis, die dem vernünftigen SetUnteih ungehörige Kraft (vgl, Thomas,
S, Th. 1 q, 62 a. 8 ad 2; Schütz a, a, 0. 856), oder = virius inielleetiva (inteüec
tualis, intellegibilis) , die Übersinnlich erkennende Kraft (vgl. Thomas, S* Th.
Iq. 12 a, 2 c : Schütz a. a. (). 856), 12 f. Vgl die Lehre des Thomas von Aquin,
S. Th. 2,2 q, 10 a. 4. 17 wek was = weicJies WacJin: aegel = Siegel. Diep.^
591: icie eine ^yoge, worin ein Bild des Schiffes leicht eingedrückt wird. Obige
Lesart ist durch den Zusammenhang gefordert und liegt auch der Vhersetsung
bei Surius (l, c, 194) zu Grunde. 23 begerliche kraft = concupiscibilis
(sc, vis oder potentia), das Vermögen des sinnlichen Begehrens oder Strd)eHs,
welches mit der vis irascibilis zusammen den appetitus sensitiviM ausmacht.
Vgl Thomas, S, Th, 1 q, 81 a.2c; Schütz a. a. 0. 150.
Schaft und leben wuDBChens von detit morgeu xu der uaoht: „ai^b,
wiilte myr got dis und das tbfln, und gebe myr diae gnad und die
Offenbarung/ oder: „were myr als dem, wer ich sns, wer icb so!"
Neyo, nit also! Man boI sich got alznmal lasBcn und tretiwelicb
6 in alleyn begeren und im alle dyng^n f^entzlich und treüwlich be-
fellien und sprechen mit Christo: „vatter, nit als ich will, sonder
wie du wilt, fiat voluutas tua," nit mit dem m und, sonder ausz
des hertzen grund, usz hertalicher andacbt und innerlicher meynnng.
Ach, daB were eyn wünnigklich dyng, in allem leydeu, in aller
10 gelassenbeit, in aller weisen sich zu gründe kunnen lasBen, wie der
lieber berr sich so grundlöszlich lieszl Cr was allzumal gelassen,
mee dan sieb eyniehe creatur ye gelieez. Er rief: „meyn got, raeyn
got, war umb bastu mich gelaeseuV' Kr lies sich, bisz es alles
volbracbt was, und sprach: „Consnmmatum est." Recht also
15 sol sich der mensch got zumal lassen in allem leyden, in allem
untrost.
Nit meine, das dir lyden nit wee solte thAn. Thet es nit wee,
wa mit verdiente man dan? Hette unser herr Jesus Christus seyoeu
fynger in eyn feiiwr gestecfaeo, das hette im wee gethan. Also in
2ü all deynem leyden und begernngen lasz dich got! Der yet hegert,
das aussen im ist, oder den yet rerdreust, das in im ist, der ist
noch in disem nit, der hat sich nit gelassen.
Eynem menschen wart eyns offenbart, wie er sich lassen solt.
Er solt recht thön, als ob er seesse in dem tieffen raeer uff seinem
Sfi mantel, und eyner meylen umb solt kein lant seyn bey noch ua.
Was wolt er thün? Er mÖcht noch rtiffen noch swimmen noch waden,
dann er mftst sich got lassen. Also solt sich der mensch allzeit
gott lassen, ob er in der warheyt eyn gelassen mensch wil sein.
NQn sagen ich, man sol nit begeren. Nit andere solt du begeren,
äo dann das der liebe gott dir alle mittel ab neme, und dich sonder
21 den) der T
6tManh.Se,39.42. llf. Vgl. Il.Prtdigläl7.15ff. 12S. Maitk.S7,4Sc
.loh. 19,30. ygl. Vila ISJ.IO; Bdew 273^. 17 f. Vgl. Bdtii- 249Ji2f.
20 yet ^ ilt. 2a ejus = einest. 24 ff. Für die ffoAi ditttn B«-
»liiüs war wohl von Einfluas die Legende der Dominikantrhtiligtn Byaemth
von Polen (f 12ö7) und Uaimitnd eun Ptnnaforfe (f l^'TÖ), wonach diese auf
ihren Mänteln äb*r Mtere und FliUtt gefahren wären (Acta Stincliirum lli. Aug.
111,3111; 7. Jan. 1,411 f.). Weiierf Belege für diesen Legoideniug bei (fUniir,
Legtndemtudien 1906. 16$ f. :« f. Vgl. Vita Kap. 63.
524 HI. Predigt..
mittel allzftmal mit im vereyni^e. In dem fallen alle Banden ah
und kumpt alle gfit und alle seligkeyt in.
Zfim vierten mal mftst du kommen über alle bifdnng. Nftn
meynen wir nit die leute, die mit mAtwillen eyniger sterblicher
creatur bildt in sieb nemen oder dragen; sie seyn wie sie seyn, 5
oder sie beissen wie mau will, die geent misten mit dem vebe, sie
seyn disen zumal ferr und frembt. Man fint aueh leut^ die disz
nit betten und gut leute seyn, doch habeu sie vil infel und inbildang.
Derer mAsz der mensch entfallen mit dem, das er alle die bildang
trage eynfeldig in gott und im seyn gebrech erkenne und klage; lo
und wilt es im dan nit vergehen, so leydc er sich gott bie in und
lasse sieb.
Auch tint man leute, die haben vil fantasien und drome: sie*
sehen so schonen dingk und zfikunftige dinge in dem slaff, so
sehen sie die heyligen oder die seelen. Disz Sprech ich nit ab, 15
wann der engel erschien Joseph in dem slaff, und ich Sprechens auch
nit zu, wann solche dingen seyn auch von naturen, als Beet ins
spricht: der mit reynen dingen umb gehet, der drommet von reynen
dingen ausz der natur, der mit aifenheyt umb gehet, der dromet
von dorheyt. 20
So fint man auch solche leute, die haben vill vision und ofTen-
l>arungen. Ob es zehen jar gut werc, so mach sich der engel desz
falschen Hechts eyns dar under mengen und dar mit driegen und
verleiden. In dissen Offenbarungen soll all deyn thun dar auf geben.
8 nit] nodt T
3 bildiin^' = Bilder. Zur KrkWunfj vgl Bdw:U'r>,2fiff.; Kl Bjb S91,;2.
Thetdogia deutsch (ed. V/nffer 1861,14): iran aol die sele dahin ( zur Oott/tchauuii4/ >
komeUj »0 w«.v si ganz lüter^ ledig und hUws sin von allen bilden. 4 f. Ge-
meint tat unerlaubte weltliche Liebe, die Seuse auch anderwärts (Kl Bfh 372,4 JT.:
382,17 ff.) scharf tadelt. 7 f. Diej). ':^Ü3 folgt der Lesart von T: die ddvon
Not haben. Vgl. dagegen richtig Surius l. c. 196: qui bis non consentiunt.
11 Vgl. Vita 168,15 ff, 15 die seelen im Fvgfeutr. 16.f. Matth, 1^0:
2,13. 19. 17 ff. Bei Boethius nic/U nachzuweisen, dem Sinne nach bei Thonias,
S. Th. 2,2 q. 95 a. 6; q. 154 a. 5. 21 ff. Vgl. Vita 183,3 ß'. Seuses niichtef't^eft
Urteil über die Visionen und Offenbarungen deckt sich mit dem bei David von
Augsburg, De compos. 111,2 n.6 ; II f, 66— 67 (vgl. dazu Michael a. a. 0. 111,141 f,:
149 fj: Lamprecht von Begensburg , Tochter Syon 2827 ff.: Kckhart 240,21 ff'.:
Bvgn 19,39 ff.: 165,25 ff.: 185,5,5 ff. u, ö. Dies ist auch die Ansicht der Kirchr,
vgl. Benedictua XIV, De sirvorutn Dei beatijicatione et beatorum canoniz,^
Venedig 1764 l. II L c. 50 sqq.: Schanz im Kirchenlex. XJJ-, 1016: D, Schräm
l. c. 11,185 8qq. 22 f. Vgl II Kor. 1 i, 14. 24 verleiden = verleiten, irref {ihren.
(las dn der lieyli^or oclirift ge7.eiigniis» in allen dingen findest. Lauö'
an das heilige eiiangeliam und an die lerer der heiiger kirclien;
Ündestu, das cb da mit vertracht, so laBZ es gM sein, thCit es des nit,
so tred es dar neder, also lieb dir got und deine ewige sciycheyt
r> ist. Volge uoc.Ii acht es nit, schlacli e« von dir!
Disen weg soitu aleuB in dir Überkommen, das du deyn gemüt
nit setzes nITeynige weyse oder offeiibarunge gotz noch der heylige»,
dan läge dich in den g6tliehen wyllen in allen dyngen, in haben,
in derben, in yot, in nit, in trost, in untrost, nnch dem aller lieh-
lij lichteten esempel ühiisti. Den lasz dir in deynes hertzen und Helen
grünt altzeyt offenbar seyn, das du den in dieh bildee and in dir
an sehest od undei'laisz, wie hoger volkomenhelt seyn leben, seyn
Wandel, seyn gemüd was, wie gelassen, wie eynfeldicb, wie zuchticb,
ötmüdich, gediildieh and aller lugenten voll das er was. Dem lasz
l.'i dich, auch neme in zö dir in zft eyueni gesellen iu allen dingen,
Essestu eynen munt vol, denck. deyne geliebater herr sitzet entgein
dir und isset eynen mit dir, sitzstu, er sitzet bey dir und sehet dieh
an, geestu, nummer ganck allein, lasz in deynen gesellen seyn,
schlüfstu, läge dich in im, und also in allen steden, iu allen wyscn,
-20 bei allen leuten. leb weisz eynen mensch , der umb volkomen
gleycheyt unsz berren nnd seiner wege gynge von einem wiuekel
z& dem anderen, als der umb seyn ablasz geet, überdenckente die
wercken Christi. -S. Bernart acbrybt dem anhebenden meuseben,
das sie einen woU geordenten menschen sich Tur augeo sollen setzen
25 und dencken in ire thän and lassen: „woltu und getärstu disz sprechen
oder ihfin, wann disz der göte mensch segeV" Vil eigenlicher sol
man das lieblieh bilt unsz heiTen in sich drucken, das doch wärliob
und weselicb unsz in und naere ist, dan wyr uns selben seyn; wann
3 \aaz ea] luaer T 1] dir] rticli 7' 22 iler] die T 23 utihekendcn (!t T
lt. Vgl. Bdw ä,Jfi,8ff. 9 ff. Vffl. Kl Bfb 331,4 ff. iSff.: Gr S/h
475,3ff..- 476,13ff. 10 exerapel. Im Original stand jeätufall» eiemplw
(vgl. Or B/h476JS4). U ötmüdich = ntiiniietec, demütig, lanft.
Ifjff. V;il Vita 3i,}lff. u. Gr Bfb 415,20g.; Taulm- lM3f.2i'*.
17 eynen = iena, ieueu, irgtnd, jrvmls. 20 S. Wohl Seuse tetb»!, vgl.
l'ila Kap. m, bat. 34,19. 22 Wü der, weleher um äntn Ablass ivr/l, ndtf
357,37 ff.) tu gaoiimm, etwa in einer Kirche von Altnr gu Altar geht. Vgl.
Sehmrller I^lSOi. 23 wercken riirisli = Leiden Chrixti. 23 ff, Vt/l.
a-ich Vita ,W..i/l,- G,- Bfh il4:J-^ff. 27 VgL Kl B/b 3y3fi. 28 narr«
526 ni. Predigt
in im ist alle trost, alle gät, alle freude, plenam gratiae et
Verität ig, alle ^ade und warheyt ist in im.
Dyn geistlich mensch so] im nummer aagenblick disz lassen
en^&n, er solte der stunden eyn vemanftich wissen und inwendieb
mircken haben, und warden, wye im zft got da in sie. Das wlten s
von nAten die haben, die got von der böser falscher weit hat erlöst
und nit zft sorgen noch zft dencken habent f8r haasz noch für kioder,
dan allein, wie sie got behagen und im allein geleben m Achten.
Dis ist schwerlig den zft raten und zft thftn, die der weit sorge zft
dmgen haben, want man kum geseyn mag in der müUen anbestoboi lO
und in dem feure unverbrant. Doch solt ir wyssen, das ich der
lefite funden haben in allen iren bekummernissen in also hohe lanter-
heyt und volkomenheit, das sich geystliche leiite wol schämen mAgen.
Das liebliche bilt uns heren nempt man und mag es nemeo
in biltlicher weysen und auch in lebendiger wysen. In biltlicher 16
wysen sol mans adelich, götlich, vernunftlich nemen, nit creatarlich
oder sinlich, wie etliche lefite, als sie von gott sollen dencken, so
dencken sie an in creaturlich als an eynem lieben mensch , der in
vil gftts gethan hat und ffir sie geleden hat, und haben zft im natar-
licbe barmhertzieheit und mitleyden. Nein , nit also ! Eyn mensch so
sol eyn gAtlicbe inbildunge von dem lieplichen menschen Jesu Christo
leren haben als von dem gotts sune und von got-meusch und mensch-
got, nit creaturliche inbildunge, dann götliche, nbernaturliche in-
bildunge, also das er das aller lieblichste bilt Christi nummer gedencke
dan als von got. Alsns gedacht und genomen so ist man nummer 35
on got. Jet gotz, dar ist got zftmal. In disser wysen mach man
nummer das aller beste versümen.
Man nempt auch bilden in lebenticher wysen, das ist, das der
mensch nit geraste, er werde dem bilde gelich in gelichformigkeyt
na seiner wysen, als im mßglich ist. Im sol eyn klein dinck dancken, so
1 f. Joh. 1,14, 6 Vgl. Surius l c. 199: düigenter explorabii^ ut m
Ulis (horta) suus erga Deum animus äfftet us sit et constitutus. 11 ff. Bei-
apidt dßfür fühH Tauler auf, Frankfurter Ausg. II, 326, 394. Vgl auch Mönch
von Heilsbronn, Sieben Grade 1529 ff. 16 bilüich als Objekt der Beschanung^
lebendig aU Vorbild zur Nachfolge. 21 ff. Surius l. c. 199: divinam quandam
et supernaturalem, non purae cuiusdam creaturae imaginem de amabilisnmo
homine Christo Jesu tanquam de Dei filio et Deo homine et homine Deo mtus
assumsnt, 26 L. c. 200: übt namque aliquid Dei est, ibi totum est.
dag er die gebot halte, sonder alle die rate uns heren sollen im
luBtlich, begerlicb and wonniglich sein. Unse here hat gesprochen :
„ir Bolt lieb haben ure fiante." Das ist der lieben so lieblich, das
ir nit genücht, das sie die fiande gütlich an spreche, sonder man
5 mag wol und soll sie von gantzeni hertzcn lieb haben nnd ausz
hertzlicher gunst alles güts nnd eren weil giinnen, und in wol zb
sprechen und sie aller schnlt gunstlicb enschuldi^en. Aber nit meine,
das der mensch also nngefüglich seyn solte, er m6ge wol bekennen
gunst und Ungunst, dann er sols nit achten noch wissen na dem
10 bilde Christi, das er dem gantz gelich werde.
Nu haben wir bie vor gesprochen, der mensch solte und mfisz
über alle bilden komen. Sollen wir dan das liebliche bilt ans heren
ab sprechen, von dem wir vil gesprochen haben/ Das were eyn
sorglich dinck. Neyn wir, in trenwen ! Dan geen wir zu im selber
16 nnd fragen seyn eygen wort, so spricht er: „Expedit vobie, es
ist euch nutz, das ich von euch fare; fare ich nit von euch, so kumpt
der heilige geist nit ziü euch." Ist dan disz bilt ab gesprochen? Es
ist ab gesprochen in crea tarlicher, sinlicher, biltlicber wysen, als im
die jüngeren hatten und also mOsten sie in lassen, sonder in lieb-
20 lieber, gütlicher, übernatürlicher wysen geliessen sie in nie; want
do er leiplicb und tegenwordiglicb von in ioer, du fort er mit sich
alle ire gemüte, alle ire sinne und alle ire Hehlen. Also sollen wir
onch thfin. Er ist zft hymmel gefaren in das v<erliche hertz, in
des vatters schoi>)t, wir willen recht mit faren, da er hin gefaren ist,
26 mit alle unsern sinnen, liebe nnd meinung zfimal in das vatterliohe
hertz, da er ist. Er ist da eyn leben, eyn wesen, eyn Inohtende
20 in] im r
1 r&te ntnnt dit Theologie gewü»« im EeangtHum empföhlest, aher wicht
lißichltaäfniff gebotene MilUl der TugendÜbuTtg (eontilia mangeliea), betondert
/itiiciüige Armut, Kriuehhfit, Gehorsam. Vgl. Thomat, S.Th. 1,3 q. lOBa.4:
A. Koeh a. a. 0. 100 ff.; Dtnifte, Luther V, 140 ff. 3 Matth. 5,44.
i ff. Beiapitle aiu Seuget Leben Vita Kap. 39. B ungefUglich = iiiAeho\fen,
plump, (SuriuB l. c: ttupiditate praeditutj. Der abhangige Satt hat negoHvm
Sinn. 11 Oben 534,3. 13 f. Vgl Vita 109,13/.; Ries a. a. 0.3SiA.l.
16 ff. J'ih 16,7. Vgl. Vita Utififf.: Bdeip 231,30ff. und dit IV. Predigt .
22 liebten = minne. 26 f. Hebr. 1,3. Suriw l c.201: una cum /latre
exinteiig Vita et e*»tntia, »plmdor gloriae et ßgara &ubHanliae eius, »peciäum
lucidissimum daritatir illius et imagn paterni vultiu eiut, non eolum imagi'nit
ratione, »td ctKini tMentialiter in perfecta ptrsonar Dei patrii gimilitudint, m
divina Hin artemae generttioyiif emanatione, unwn omtiino ejiettna cum eodtm.
528 ni. Predigt
spiele! seyner klarheyt nad eyn bilt seins vätterlichen angeflichts,
Dit allein in bilts weisen^ sonder in weselicher weisen, in volkommeD
gleicbeyt der vätterlicben personen, in dem göüicben aaszbruch der
ewiger geburt, eyn mit dem vatter. Da hin sollen wir mit allem
unserm gemüt und liebe, und da mit im vereinicbt werden and eyo 5
luebtende spiegel werden. Da sollen wir in den drye personen woneD
und wandelen, und mügeu dann allzeit sprechen mit S. Paulo: «aose
Wandelung ist in den bymmeln^, das ist in den drey personen.
Hier naeb sol der nienscbe mit allen seynen begerungen, sinnen
und kreften stellen, das im disz werde. Wirt es im dann nit in 10
seynem leben, so gibt es im got an seyra ende. Wurd es im da
nit und er behalt yet gebrechen, so fort er die gebrechen ins fege-
feür und werden da ab geschuert. Und als er dan in den himmel
kumpt, so sol er es da eweglich gebrauchen also vil myn and mee,
als er es hie myn oder me hat geliebt und begert von gantzem 15
hertzen. Dar umb solte eyn mensch den bogen seyner begerungen off
das aller höchste spannen, das er vil güts gewunne in eyner yege-
lieber zeyt, waut der begerungen soll got in ewicheit antworten, die
weil er es in der zeit nummer erfolchte, und sol alle seyn laeuwc
kalt leben und begerungen na den höchsten ordelen , da er ye in t^
kam in alle seyn tage. Dar umb soll der mensch nit ab lassen ; ob
er sich nit fint in eynem hohen graet der volkomenheit, so sol er
doch ye da na arbeiten mit allen kraften. Wilt es im nit gewerden,
so sol er es doch von hertzen lieben und bcgeren.
Das uns allen disz werde, des gunnc uns got der vatter, der 25
sun und gott der heiliger geist! Amen.
10 stellen] stehen T 19 weil] wol 2'
7 f. Phil, 3,:^. 14 myn nnd mee = miure und incr. 18 Surin-s
l, V, 2<)'l: veris namque animi desideriis J)eus pen^nnem reddvt vicem,
20 f. L. c: iiurta supremuvi illud iudirahit, ad fjuod unf/uam pf'rtigeHt in
vita 8ua.
IV. Predigt.
Iternm relinquo mandani et vado ad patrem.
Unses minneklichen herren Jesus Cristus alle siu vliz, aiDe lere,
sine bilde gingen d»r uf, daz he sine geminte vrunt Icrte nnd ei
5 brehte inwert in den Interen grünt, in den dinst der warheit. Und
daz sach he, da?, si so sere gekei-t waren uf sine uzweudige inenscheit,
daz 81 niet daz wäre gut errolgen inknnden, und dar nmbe m&ate
he si lazen.
Kinder, alle gelosen abe und alle mentel! Sint sich der son
10 des bimelHehen vadere, die ewi{;e wisheit, niet sich inkunde gebalden,
he inwere in eyn bindernisse, so iniz keine kreature, si inbindere,
ai heize oder schine, wi du will; si niAzent zft gründe abe und uz,
suUen wir daz inwendige gut intfan, daz got iz.
Nt) vindet man drier leie lüde : die eyne geint abe und die anderen
15 zä, die dritte gieot in, daz sint anhebende und zfineniende and volle-
komen lüde. Alse der mensche ane hebet, so sal he digerlicben dnrch-
varen und durchsehen alle die winkil sinre seien, obe he yt da inne
?inde, daz he bit lust besezzen habe, obe eyniche kreature in eyniehme
winkil wane; die drief uz altzAmale! Daz müz van not daz erste
30 sin vor allen dingen, alse man die kinder z& deme ersten leret daz
IV. Pridigt nach V = Wim, Hofbihlhthtk 3739 Bl. ST"*
Abschnft von J. Haupt in Ha. lö 379 ( Suppl. 2779) Bl. 347' — 3.W. l
nach T = TauUr lö43f. lOS"* — 107".
1 Über schliß: diaeii Bermon preiiigete brfiier henricli der BuBse \' 3 Diise
minnekliche herre 1' 6 den «Jinst] daa liecht T U uff erden keine er. T
13 iDweod.] liebliche T 16 dapCferlioh 7' 18 einiche vergenckliolie crcötlir T
19 drief] jag T
2 Joh. WM. Vgl. zu der Ausführung des ThtnutH Vita 156,6 ff. : III. Predigt
f.37,11 ff.: Berttardiu, ttrmo 3 »n Aaixns. n. 4: Tauter, Frank/. Aasg. 11,132 f.
6 daz [erMeal = At.. 9 Vgl. III. Fredigt 518,19: Or Bfh *W,W/.
11 f. VglKlBfb 3110,7 ff. IS Vgl. III. Pr*digt 523^. US. geint
abe der Welt und der Sünde; bei eQ und io »rgänte got. Die Einteilung in
incipienteg, jiroßcientei , perfecti iet die gewöhnliche. Sie trifft mit der Unter-
MCheidung einer via purgativa, iüuminaiiiM u. unitiva tiuammen. Vgl. Vita IIS^:
im,af.: Kl Bfb 3S0,lff. Stiegt aue den Vätern und Myftihem bH Erebs
1. a. 0. 138 f.; Müa a. a. 0. 316 f. 16 digerlicben = degerlicbe, sehr, gBnilitli.
18 bit = mit (vgl. J. Grimm, Deultehe Ornmm. 111,3581.
U. »■■•■>, DnUabi Bahrlfleii. M
530 rv. Predigt
ABG. Wer ingeit dit niet alliz zühant zu, des inervere dich niet)
inlaiz ocker niet abe ! Man liset den kinden so dicke eyn wort vor,
biz si iz vil wol kunnent, aber und aber; also laiz aber nnd aber,
iterum, also heizit iz uns, dan lazeu ich die werlt, aber lasen ich
die werilt, daz iz alle dink. Des morgens an deme ersten nfslage S
dinre ougen: ,,och, minnecliche Inter gut, sich, nfi wil ich aber an
heben, mich zu lazen und alle dink,^ und also dusent stunt an deme
dage; obe du dich alse dicke vindes, alse dicke saltü dich lazeiL
Da liget iz allis ane, man kere iz, wie man wille, so inwirt niet
drnz sunder dit. 10
Man vindet lüde, alse si gode gedinent XL jar, und abint sich
und wirkent vil guder werke, und iz an deme lesten alse im na alse
an deme aller ersten, rechte alse den kinden van Israel gescbag,
do 81 XL jar gegingen durch die wustenunge bit manicher grozer
arbeit und manicher not; do si zfl deme ende wanden sin kfimen, 16
do vunden si sich an deme selven punte, da si zfi deme ersten uz
gingen. Och, waz wii*t grozer arbeit und kost und zit ih manichen
menschen verloren, die des dunket selber und ouch ander lade van
in, daz si rechte wol dran sin, und dunkent, daz iz rechte alle gedan
si, und sint noch an dem ersten punte, der si iz alreerst begnnden! 20
Dit lazen iz daz alre swerste in deme ersten und wert is bit in
daz leste. So inleizit man sich nnmmer so vil, man invinde sich
aber und me und neuwelicher zA lazeu. Da wirt manicher vellich,
alse in indunket, he indurfes numme ; so man edelre wirt, so klein-
licher hat man zu lazen. S5
1 Dan ob disz alles zu hant nit also zu g:eet T inerv. dich] erschreck T
2 ocker] nur T 4 lazeu — werlt] iterum T 5 f. am ersten schlag
uflF deyu ougen T 6 luter] höchste T 7 alle dyug umb deynen will T
8 obe] vvan T 11. 14 XI (!) V und üb. sieb fchU T 12 ist mit in T
14 wüsten T 16 f. [do] giengenn sie wider zu dem punct dar sie erst anfieng'ennjT
18 die] der V 21 swerste] noitste T 28 und me fehlt T zu lassen vnd
sterben T Hie feiet mancher an T 24 f. ao kleynl. und scharpflfer hat er
sich zu lassen T 25 hat man fehlt V
1 Wer = were daz. 1 f. Vgl, Gr Bfb 424, 12 j 10. — erveren = ervaeren,
erschrecken , ausser Fassung bringen (Lex, 1,688). 6 Es ist wohl sprach
odei' ein ähnliches Wort zu ergänzen (Surius l. c. 204: sie Deum alloquens),
9 f. Vgl. III. Predigt 518,19; 519,29. 11. 14 XL jare, vgl IL Prtdigt
516,7 : III. Predigt 520,25. 12 unna = unnahe, nicht nahe, entfernt,
13 ff. Vgl. IV Mos. 33. 17 f. Vgl. Kl Bfb 361.20. 20 der = dar,
relttt. T hat da. 21 bit = bis. 23 vellich = hinfidluf, schwach (Schiller-
Lubben V,228).
\& rindet man lüde, alse si sich gelazent. bo tiemeut Bie sich
wider, die eyne in eynre schalkechiger wiseoj die ander in eynre
vilieher wiseu, die dritten in eynre luciferlicher wisen. Nu verateit
die Bchntkeohtige wiaen: die naturc iz ake rechte schalkechtig und
5 suchet da?, ire aUe befaendücben, gntaene, si nemet iz wol und kan
aicb so wol intscbuldigen, und maehent so vil mentil, si willent
wiser sin dan got. Wizzit, der eyne plate goldes uf sine ougen
lechte oder eyn swartze plate iserinz, be sehe atee wenicb durch
daz golt alse durcb daz ysen. Dit edit blendit in alse wol alse daz
10 ander, du sehe» alse vil durch das eyoe alse durch daz ander. Alse
laze vai'en, wie edil die kreaturen ein, oder wie du iz meine», und
behilf dir, wie dfl wilt. Maniche lüde sint alse ungelazen, sint si
in eynre samenunge, durch eynre spillen willen oder umb eyn alse
kleine dink gebareut si alse rasende bunde und bellcnt und scheldent.
15 Eyu geistelich mensche sulde alse gelazen sin, sluge man in an eyneii
backen, be sulde den anderen dar bieden; waz man itne dede, des
sulde he in vriden bliben. Ueme minclicheme esemplar, unseme
herren Jesus Ciistus, deme sprach tnau. he were eyn verleider und
eyn verreder und eyn vraz und were bit deme duvel besezzen. He
20 sweich und verdrnch und leit iz gütlichen.
Man liset in vitis palrum, daz eyn junger vragede den sinen
nieister, wie he sulde vollenkomcn werden. Do heiz be in gan, da
die doden lagen, daz he si eyne wile sere lobete und ander wile
sere schulde. Daz waz in alliz gelieh. „Also sal dir sin," sprach
3 die dritt«n — wiseu fchil V Lucifer T 5 Oot sepen midi T ai
nem. — kau] ich mejn es doch woll sie kttnnen T Dement V 8 jaen T
9 dit tidil] duz ein T daz] dan V 10 du — ander fehlt T 11 vuen]
Fiehin V olle vergenckljche Creatoren, wie edel sie «ein T 13 durch —
willen] vmb e.TBB bBcha willen T 15 eyn edel geystlich m. T 19 deraej
lue V 21 Man — patr. fthli T daz eyn junger] eyner T Trage V
■23 ander wile] damdeh T 24 dir] vne onch T 21 f. sprach he ft/,ll T
2 schalkechig = schulkhaftig. 5 gotMne = AbJeSreanff für got aegen
mich (vgl. Vor. tu der SteSe nnd *« 511,2 in der II. Predigt). 8 iserins,
GeiiH, von iaerin, isem, iser, Sitbat. Neutr. = Kiecn, begonder» dat verarbeltitt
< Lex. 1,1459). 13 samenuög ^ klSeltrtiche Vannigung, Konvent. —
Spillen = spinnel, spindel, Spiadd (Lex. 11,1096: Sch\llei--I.übhm 17,3361;
ri/l. Gr Jifb 415,t9. Die Predigt ist demnach an Nonnen gerichtet.
löf. y'gl. Mattii. 6,33. 18t, Matth. tl,19: Joh. 7,13: S,4f*. 21 ff, yUae
PaIntH' ed. RoMoryde Vlilfi3: Vättrhueh 81, 34 f.
532 IV- Predig.
he. Unse mineklicb meister Cristas sprichit: „in der werilde sollit
ir not liden und arbeit, aber in mir sullet ir haben vride.''
Zft deme anderen male nement sich sulcbe lade wider io
eynre viücher wisen. Hie inmeinen ich niet viliche lade, ich meioen
die des minneklichen gades, daz got heizit and ist, daz si iz be- 9
gerent in eynre natürlicher wisen. Der mensche insal niet sin werk
dün unvernunftlichen alse van natarlicher neignnge oder begeronge
alse daz yihe, daz die nature dribet, aber uz willen and az wizwn
vernanftlicben gode zfl dienen und zft leben, man ezze, man slafe,
man spreche , man swige , iz si , waz iz si in ertriche oder waz he 10
da; und verdrucke die viliche neigunge und wirke uz vemunfi also
beden, denken und leben: „lieber herr, dir, niet mir ezzen ich, slafen
ich, sprechen ich, leben, liden und lazen ich alle dink.*^
Eyn geistlich man begerte ser eynis grozen lebens ; also dachte
in, wie he wurde gevurit vur eyne groze schole, da waren vil 15
Studenten inne, die waren vil vlizich und studerten vil sere. Do
sprach der bruder zu ime: „alre minneklichiste geselle, dit ig eyn
hohe schole, van der ich wunder han gehört, sage mir, waz stadyerine
lerit ir?** Do sprach der jene: „niet anders, dan eyn grantlich
lazen sines selves in allen dingen.^ n^^Y^y ^^^ wil ich bliben ane, ^
sulde ich dar umbe dasent dode sterben, und wil rechte eyne celle
hie buwen!** „Nein", sprach der jene, „vare vil schone und ge-
mechlichen! So dA ie minre dftiz, so du ie me gedan hais.''
3 sulche] die T 4 vehliche williche suiider 7' 5 daz g:ot h. u. ist
fehlt V 6 naturl.] vrnntlicher V 7 naturl. fthU V 9 dienen . . lebcu]
lobeu . . lieben T 11 also — 12 leben] und liebe alfliis bittende und denckende T
12 lieber h. fMt V 13 sprechen ich fMi T lazen ich fehlt V 14 ser
fehlt T 17 f. diser bröder zö in: allerliebste gesellen .... sagt mir T 18 vor
sage ist sagen durchstrichen V Studium T 19 do — jene] er antwort T
20 sines] unsz T 22 der jene] ehr T vil] hin T 23 thues und mer dich
lasses T
1 f. Joh. 16,d3 frei zitiert. 4 viliche lüde, vgL Surius l. c. 2</6 : qui
tanquam iumenta sponte volutantur in stercoribus vitiorum suorum. 14 if. Seusr
berichtet das folgende als selbsterlebte Vision in Vita Kap. 19 u. Horol, 14^ ff,,
doch jedesmal im Detail ettoas verschieden. 14 grozen = hohen. 17 zö
ime = zu dem, der ihn geführt (Vüa o3,l(): ein stoltzer jungling = Engel),
18 f. studyerine. Vita 53,31 hat dafür kunst. — lerit = lernet. 21 Vr/l.
Kl Bfb 387,21 f. 21 f. Vgl. Matth. 17,4. 23 Zum volhn Verständnis ist der
Zusatz in Vita 54,14 f. bei zu zielten: und meinde ein solich tön, in dem der mensch
sich selb vermitelt und nit luter gotos lob meinet. Vgl auch die Lesart von T.
Predijft.
Ö8S
Die lüde sint rechte verblent und willent ho vil ilöij und be-
^innent so maniches, alse si got irv^chten wollen, alliz bit in Belver
in irme eygeiien willen, vol gfitdnnkenB in Ire eygenre naturen.
Nein, uiet bid dime vechten, snnder ocker bit lazen, mit sterben
6 önd verwerden nnd mit lazen I Alae lange ein drope bhides in dir
iz nngedodet und unaberwnnden, bo gebricbel dir. Dis spricfaet der
minneklicbe gente Panlus: „viro ego, iam non ego, ich leben,
niet ich, sunder Christus lebet in mir." Wizze, die wile it in dir
lebet, da niet got inist, du sihee iz ane, waz daz ei, so inlebet got
10 niet noch nummer in dir.
Die dritten nement sich wider in eynre luciferlicher wisen.
Alse wie, daz vcreteit. Lueifer den hatte got wunneclich gesehafTen
und edelich gezierit. Waz deit hei He kerte wider mit behahunge
uf sich selver, bit eygenre behahunge, he wnide it sin. Altzfihant
iö US deme selven punte, do he sin wolde, do wart he niet und verviel.
Dis gelichcB rinden wir in unseme vader und niuder — wir indorfen
niet vort vragen, — die got wunderlich edeliche gezierit hatte. Der
duvel sagete ir und verbot vronwe Even den appel, — nein, truwen,
des inwalde sä niet, daz si niet insturbe und niet zu niede inwurde.
20 „Nein", sprach he, „ir sullit gewerden, ir sult iz sin, eritis!" Daz
worl waz ir so geneme und schal so in iris hertzen oren und waz
so geminnet ire naturen und ir ingewurtzilt. daz si snellieben uud
unberadelichen den appil nani und az, und wurden wir alle zti nyedc
und verwurden bis an den testen menschen, kindcr und kindskinder.
■_'5 Wer gewerden wll, der mftz van not entwerden.
üit iz der grünt und daz fundament unee selikeit, eyn ver-
werden und eyn verniden eines selvee. Wer wil gewerden, des he
2 irvechtenl ertaiehen T 4 crt'eclit*ii T orkur J'elilt T 5 verw.
— lazen] verdprljtn und mit veraien 7' 6 ungetödt iineintorben und nnuber-
wonnen T B [die] wile V 9 das oit got ist T da oiet i;et (Ij iuue inüt V du
!<e;eiit du Külber oder was dos ist T 10 nimmer riilkommlich T IS AJsc —
verateit. fehlt T IS behah.] wolgefallen T IG iia] in T 17 und ädelich T
18 flftgotc ir und ft/iH T bot T vrouwej verF 20 iz fthU T eriti«]
es ir ii ezzit (1) f 24 bis - 26 verwerdeu fehlt r 27 sines] \tim T
27, 634,1 he] hie V
4 f. Vgl. II. Predigt 615,16. 5 f. Vgl. a. a. Ü. 516ßf. 7 f. Gal. 3,S0.
Vi S. Seid» folg. SeitpUli, ttüietitc in gtmt ähnlicher Aunführuni/ , in dtr
II. I'redigt öll,Llff. 16 Adatn uud Eva. 18 verbieten = vorbeden,
anbietttt (SeltiOer-Labhni V.3I3). 20 / A/w, 3,4/. 27 verniden =
vernihlen.
534 IV. Predigt
niet inis, der verwerde des, daz he ist; daz rnüz oach van not sio.
Daz luter wannekliche gut, daz got heizit und \z, daz iz in ime
selver, in sime istigen wesen inne blibend, eyn weselich, stille stände
wesen, ime selver wesende und sinde. Deme sullent alle dink sin,
niet in selver , sunder ime, durch in. He ist wesen, wirken und 6
leben und all dink, und wir niet dan in ime.
Dfi mfist haben eyn grundelois lazen. Wie grandelois ? Were
eyn stein und viel in eyn grundeloiz wazzer, der mfiste ammer yalleD,
wan he inhelte niet gruudes. Also snlde der mensche haben eyn
grundeloiz versinken und vervallen in den grundelosen got and in 10
in gegründet sin, wie swere eynich dink uf in vile, daz were inne-
wendich ader nzwendieh lyden oder ouch sin eygen gebrech, der
got dicke umbe din groz gut verhenget. Dit sulde allez den menschen
ye difer in got senken, und insulde sines grundes nammer da an
gewar werden noch ruren noch bedruben , noch insal oucb niet 15
suchen noch meynen yme, he sal got meynen, in den he versanken
ist. Der yt suchet, der insuchet got niet. Alle des menschen ganst
und grünt und meinunge sal sin yme, yme glorie, yme der wille,
die truwe, nummer unse nutz noch Inst oder alsulche naheit oder
Ion. Suche in alleine, Sprech bit deme üben sfine: „ich ensnchen SO
niet mine glorie, sunder des vaders." Wisse, suchistu yt anders, so
1 verziehe und verwerde 7' 2 iz und heizit V 5 ime] alme V 5 f. und
leheu und fMl T 6 [in] ime V 7 f. lassen und verzihen deyns selbs. Wie
gruntlosz mösz disz nun seyn? Mirckent, wann eyn stein fiele in eyn gfr. w. T
10 in got der gruntlosz ist T 11 daz were fehlt T 13 umbe — g-fit] vmb
vns eigens nutz willen T 16 ouch sich selb* T 16 yme fehlt T meynen]
Stichen T den] de V 18 sol got seyn T der fMt V 19 unse
fehlt V oder als. naheit] noch einige nahet T 20 sucht . . sprecht T
21 Wisset T
2 Vgl oben 532,5; IL Predigt 516,30; Hl. Pr. 522,2. 3 1. Ganz ähnlich
Rdw 329,9 — 12; vgl. die dortige Anm, Surius l. c. 208: solam illud purissimum
ac ftlicissimum bonum . . . in seipso est, intus manens in existenti tssentia sua,
estque e^sentialis, immota, tranquilla essentia, existens sibi ipsi. Die Theologie
lehrt die Astität (a se esse) als Grundeigetischaft Gottes, welche die Begriffe, des
esse simjfliciter, esse subsistens und actus ißurussimus einschliesst Vgl. I'homas,
S. Th. Iq. 18 a. 3; Fohle, Lehrbuch dei' Dogmatik I (1902). 8 Iß. 5 f. Vgl.
Apg. 17,20'; Vita 176,8 ff. 7 ff . iJas Beispiel vom Stein ähnlich auch
Bvga 99,28 ff. Vgl. IL Predigt 517,7 f. 14f. Surius I.e. :i09: nee aliquid
sentiat, moveatur aut contristeiur in fundo suo. IG yme = für sich selbst.
— versunken, rgl. den Schluss der IL Predigt 518.5, 19 alsulche naheit, rer-
derbte Stelle? Surius l c: nostri exaltatio. 20 f. J oh, 8,49 f.
iz dir unrecht und dir gebrichet. Kyii glax, wie scliout; dai ix, h»t
iz eyo lochelin aa vnn eynre naiden spitze , so inist iz tiiet gantz;
wie kleine der bruch si, iz iet doch yc niet gantz nocb vollenkomea.
Inerveret uch her nmbe niet, liebe kiiider, ir kumint docb wol
B KÜ! Man vindet groze und kleine Jude in hymelrieh, also man vindet
gToze maD und riaen und auch kranke raenBcheu, man mochte si
mit eynie vinger dar nider gtozen, und sint doch alles lüde. Also
iz id an diaetne, under dusent nienBchen vindet man niet oder k£me
eynen vollenkomen menseben. Etliche haut sich gelazen und vindent
10 sieb zu deme jare eynes in uugelasacnbeit: „owi uud owe, ich han dich
Doch vnnden, icb wände, leb bette dich begraben, leider lebietu
noch!" Die anderen vindent sieh zfi deme mande cynis, die dritten
zfi der weehen, andeien des dages eynie, anderen manicb werbe des
dages. Die sullent mit weinendem bertzen onch sprechen: „owi
15 und ummer owe, mineklicher got, wa bin ich arme drane, nnd
och, wie sal iz mir ergane, daz icb arme mich so dicke vindenV
Zware, ich sal mich ummer aber lazen, iterum relinqno mundum,
ich aal iz aber beginnen." DA salt sterben und verwinden und Tcr-
werden alse dicke aber und aber, biz iz gewirt. Eyns swalven
20 vlucb inkundegit uns den sümer nit, aber wan si alse dicke koment
nnd ir alse vi! komet, dan weiz mau, daz der sflmer hie iz. Daz
sich der mensche eynis oder twigea oder XX werbe leizit, dar umbe
iniz he niet vollenk&men; aber in truwen, alae dicke und aber und
aber, da mak yt uz gewerdeii. Man yerstet eyne lezze alse lange
25 und alae dicke, daz man ei vil wol kan. Also laze eyn mensche
sich aber und aber, so kan he iz und geloist iz alliz. Nn iugebricbet
uns niet dan vlizez und achtsainecbeit. So kument elltche lüde und
sagent van der groster vollenkunienheit, und begundea des ueisten
3 kleine /eA/f T 4 inerv.] erschreckt T liebe kiniei fehll V 7 Inde]
luenschen T 8 an düeme] ouch hie 7' niet oder fehlt T 10 ejnec V
in uDgelaBB. fehlt V 12 die dritten] eÜioLe T 14 oucli fthlt T 16 armer
raeosch T 18 und verwiuden fehlt T 23 twigea] gwerins V iv/ey mal 7'
X werff 7' 24 verateul. V faaset 7' 26 und wurde von ullc? geloist T
27 und vuuchteii aller djug T 2S aagunt van] fragen ulles nach T de»
netsUn] das myttst T
9fr. Vgl. Gr B/b 47ä,7ß: 12 mfuide = mftned, mäüftt, Motmi.
16 och := ach. 18 verwinden =s verwenden, umkehren, ndtr ~ ver-
winnen, äbtrieindtn iSehäler-LiOtbea V, 500,5061. 24 leBze = Lehtion.
27 f. Vgl. oben 509,17 f.: ^I9,aiff.
586 IV. Prediirt
noch nye; si inkunden sich an eyme kleinen wortichen nye gb-
lazen, noch si inhant die kreatnre noch die werilt noch sich aelTcr
gelazen.
Daz wir also alle gelazen, alse iz got von anz wil , dcz mftie
he unz helven. Amen. &
1 wortieyn T 4 — 5 fekU T, dafür längerer (Bl 106^—lO7rm) 2Su9aU
über die Armut des GeisieSy der vielleicM von TaüUr^ jedenfalls fitcAl oo» 8mK
herrührU
III.
Das Minnebüchlein.
I.
[63 'J Hie rahet an <Uk erst vaplttel des Diinnebiichellns.
0 sapiencia eterna! 0 ewig'ä wisheit, du bist der agglantz
nnd eio gebrech des vetterlichen weeens, der ellü ding von nüti
geecliaffen bSt, und dar umb, daz dn den veretoeaen tnentachen ze
B der frflde des paradiacB widerkerteet nnd im den weg dee widerkeres
mit dinem aller eüsseEten wandel crz6gteBt, do wotteat du ber ab in
die jamertal komen, und xe gantzer efln und ze beBsrung als ain
süsses lembli wolteBt dich dem vatter opfren. EntschlÜB dur dinee
koetbern blütes willen min hertze, daz ich dich, künig aller ki'inigen
10 nnd lierre aller herren, mit den ögen luterB glöben etätenklich mag
an sehen. Lege alle min kanst an din wanden nnd min wislieit an
din wandtmül, daz ich fürbas in dir allein, wiree minnebäch,
and dinem lode zfi neme und allen zergangklichen dingen ab neme,
also daz ielze ich mit ich, sunder daz du in mir und ich in dir mit
15 restem band der minne vereinbert ewedicfaen beüben.
MinHthächltia, Nach der einngea Ha. i = Zürich, Stadtbibliothek
C96 erttmatK voh Prigrr unttr dem Titel: „Eine noch unbekanale Schrift Suw»"
•n dm Abhandlungen der bayer. Akademie der Wi>a. III Kl. 21. Bd. IL Alil.
mm, i26ff. reröffenltieht. Aaseäge (nhd.i bei Denijh, Da» geittl. Leben SUlff.
Die Echtheit ixt nicht sieher, abtr sehr wahrscheinlich, e. Eint.
6 widerlertest s 7 jamerteil r 8 enUchÖs : 13 aller ;
2 — 16 Das Gebet ßndet »ich in lateinitcHer Übertragung als Leetio prima
der Matutin in dem von Sease verfassten Curtus de aetema eapientia. — us-
g'lanl« nnd ein gebrech ete. = aplendor gloriae et ßgura mbutantiae patrie
lUebr. 1,3). 7 jamertal, vgl. im Salve Regina: in hae laerimaram palh.
II f. CufJW«.- pone meam m tut» vulneribiu philosophiam, in tui» gligaiatibui'
eapiinliam. Vgl. Bemardus, tei-mo 43 in Cant. n.4! haee mea eublimior interim
pUlosophia, acire Jteutn et Au»c cracißrum. 14 Vgl. Gr Bfb 429,8 f.
538 Hioucbüchlein. Kap. I.
Des gemütes ein ermandrung.
Oanimamea! 0 sele min, gang ein wüli in dich, in die
heimlikeit dines hertzen und gedenk, daz du die ewig6 wisbeit des
birneischen vatters dir selb ze gemabel und ze einem einigen liep
bäst US erweit, und gedenk, daz du ze einem nrkänd der lieplieben 5
gemabelscbaft sinen namen dinem bertzeu unzerdilklich bist in ge-
truekt, und binderdenk [04'] ze gründe die muten wise, wie er dich
mit sinem tode erlöset bit, ker wider ze dir selben, min geminte
sele, und e wir erdurren, so kröne uns mit dem rubinroten rosen toii
dem bopte unser zarten wisbeit entsprangen. N&t gescbebe ans, 10
daz die sumerlicben blümen des liebten angers siner süssen werten
und verwürtzten wereben, die so rebte süsseklieb alle tngent und
miltekeit smakent, nns vergangen, daz der geminte, den wir leider
in liplicber gestalt nie gesaben, in unserm bertzen bab ein wonang,
und daz der, den wir den böbsten wissent, der dur nns der nidrost l.i
ist worden, daz wir den nit versmäben, mer daz wir nns an sin«
crütz negelen, daz wir durcb in sam dur ein kuniglicb Strasse hin
ze der ewigen sälikeit komen.
0 spes mea! 0 einigü zftversiht von minen jungen tagen
einer trost mines bertzen, du fröden bringerin, du leit vertriberin 20
und alles mins urdrutzes verswenderin mit dinem süssen trost,
ewigü wisbeit, aller süssester Jesu Christe, in dem da sint aller
wisbeit und kunst tieffen borde verborgen, du zarter herre, do
du mit dinem süssen wandel gftt bilde der weit hattest vor ge-
tragen und unmassiger arbeit erlitten , und die götlicb kraft mit 25
manigem grossem zeichen ze erkennen gebde, und dir kunt was
die stund dines binscheidens . do woltest dfl das jungst nabtmal
mit dinen liben jungern haben und inen dins heiligen libes und
2 in ein willi z 3 heimlik.] heiligkeit -: 15 wissent wüssen e 22 f. alle
wisheit z
5 f. Vgl. Vita KatK 4 u,Hor.221J\ 7 Vgl. Bdeir 209,19/,: so ich
recht hinderdenk . . die wise unsere heiles. 9—11 Vgl, Bdew 271,18 — 2tj:
gesegnet si der geblümte roselochter anger dines schonen autlutes, daz da ge-
zieret ist mit dem rubinroten blute der Ewigen Wisheit ! Vgl. auch Kl Bfh 374,23.
17 kuni^lich Strasse, vgl. Hör, 26: si nd dirinitaiis cngnitionem perrenire
dvsideras, restat ut per assumptam hwnanitatrm et humanitaiis passionem iatiquam
per vi am re.giam gradatim asctndere ad altiora discas. 19 f. Vila 7 3,12 f.:
owe, kind mins, owe, einigti frod mins herzoii und miner sei von minen kint^
liehen tagen. 20 f. Vgl, Bdeic 2öO,23JlK 24 «rrit bihle vor tragen, vgl.
Kl Bfh 382,9.
l)lötes sacrainent gcbde, und dar nach, da du iucii deuiiiteklicii
ii' füsse wiiste und mtsseklich bredietest, und do uff den filbergf64')
keimd und din junger schließe», do koüwetost du nidcr und mit
groBBeai eroBle rüftost dn dinem vatter an und sprecht: „pater, vatter,
5 xi es muglicb, so uberbab mich diser marter, aber doch nüt als ich
wil, sunder als du," und vod grundlosen angsten dins hertzcD von
der gegen würtigen marter, die dln zarter lip, von kuniglich geschlecbt
geborn, liden weit von den aller böeten mentschen, mit den blfitigen
abrinnenden sweisstropfen wurd begoBsen, — Bich an die unorden-
10 haftet) augBt und trurekeit mins hertzen nnd Balb es mit den selben
r&selechten tropfen, daz es in aller trurekeit und wider wertikeit von
dir werde gesterket und in dir, wäre fröde, stateklioh werde erfrftwet,
0 ealutare menm! 0 heil und sülde min und min günliche
ure, aller sÖRsester Jeeus ChriBtue, do du von dem engel in diner
lä angNl wurd getröstet nnd zfi dinen jnngern kemd und sie Rcbliltleiit
runde und inen von gefangnusB Beitest, do wurt du von der murdigen
sßhar umbhalbot, und do sie von dinen krefligen worten hlnder sich
geüelen, dar nach mit aineni valschen küsse, dinem süssen munt
geholten, wart dn verriten und strengklich gevangen, und diner
20 erbermd in dem widerheilen des ab ffesch lagen oren hattest unver-
gessen, und also do din junger von dir geflnhen, o alle miu zflversiht,
do wnrd du allein den grölichen benden gelassen, 0 min einiges
heil, enbind die bant miner nele, läss min nät noob verläss mich
niemer von dir gescheiden werden I Amen.
■26 [6ö'] 0 fortitndo mea etc. 0 himelschii sterke und vestikeit
miner sele, aller eüssester Jesu Cbriste, do du von der gevangiiuss
ze dem ersten wurd in her Annas hus unmilteklich gefdrt, do wurd
du von den unmilten Juden, die umb daz für sassen, nnd von dem
selben Annas von diner lere gefräget, und do du des senfleklichen
;-to antwurtost, do wnrd dO herteklich nff dinen nak geschlagen. 0 ein
glantz des ewigen lichtes und ein spiegel sunder mäsen, wie schamlioh
23 bant] huot s
2 nöate ^= l'rofl. roii wischen, wüschen, reiniijeu. Iroi-kiit".
4ff. Matth. :i6,39. 19 Bdew 30i,7 ; 316,4: vientlich geTnDgeD, stretiklich
i^oliunden. 2% Bdew !i]5,34f.: eabinde mich vun miues siintliuben sweren
baudcn. 28 die umb daz für sasBen igt anrichlig, vgl. Joh. l8,lSß'.
30 f. y'ffl. Capiluliim der iSext im Cursatr »apienlia candor eti tMcig aeUmue
ti epeculum nine macala liii-initt Mawtatis ( Weüth. 7^}. Ähnlich aueh Bdetv
377,6 ff..- 321,U3,i7ff
540 Minuebüchleiu. Kap. I.
wurden dinen liebten 5gen verbanden, din minnenklich lütselig anüit
mit anreinen speicbellen vermasgot, din wisser naok, noch schöner
denn der scbönen lylien scbin, mit spottlicher frage so dike g^eschlageo!
Sag 5ch, geminnter berre miner sele, wie din sant Peter dristoot
vor hankritten ziten verlSgnet, und wie da in mit dem erbarmhertzigen 5
anblik diner minnsamen 5gen widerbreht ze bittern trehen, und gib
minem bertzen dicb, Spiegel der ewikeit, ze scbowen, also das ich
alle zitlicb wollust durch dich m&ge versmaben, und daz ich mit
den ogen diner erbarmhertzikeit in aller bekomng milteklich werde
yersehen. 10
0 copiosissima etc. 0 aller genuhtsamnü der weit erlftsnng,
aller süssester Jesu Ghriste, nach der grossen marter, so da dnrch
die naht untz ze tage in des fursten Annas bus hattest erlitten, dar
umb daz din marter und din minne aller der weit offen ward, in
den bof Caypfa wurd du fruy als ein senftes swigendes lembli 15
verfnrt und Ton den grimmen scharen des unfolks als ein schicher
umbgeben, min geminter erl6ser, und do du stunt vor dem richter
so [65"'] gar demüteklicb, do wurd du valschlich gerüget, nnd wie
du gottes sun wärist, do schrüwent su mit grülichen stimmen, das
du schuldig des todes werest. Gib mir, gemintter berre, ein senft- jo
mutig demütikeit, also daz ich mich nach dir, dem obresten bilder.
müg gebilden und alle widerwertekeit dis lebens dur dicb, minnericber
Jhesus, gedulteklicb müge liden.
0 känig aller kunigen und berre aller herren, du wurd vor
den richter Pilatus gestellet und vor im fälschlich geruget nnd von 25
im von dinem künigrich gefräget; do sprecht du: „min küngrich
ist nit von dirre welt,^ und dar umb, das unser erlösung nit wnrde
gewendet, do enwoltest du im ze vil fragen nät entwürt geben.
Und do dicb Pilatus unschuldig gab vor den Juden, do schrüwen
su uff dich, aller dingen schöpfer, daz du werest ein verkerer, und 90
f&rtent dich zA Herodes, und do du dem zfi aller siner fragen swigt,
do spotot er din und alles sin gesinde, und zu rechter smacheit do
wart dir ein wisses kleit an geleit und wurd wider zfi Pylato ge-
schicket und wurd vor im mit löwinen stimmen, du süsses lembli,
13 hu8 Annas s 15 den] dem s 18 f. und do wie du gottes sun w. z
16 swigendes lembli = Bdeiv 2ti(),4 {Jn\ 11,19 L 16 anvolk auch
Kl lifb 312^2, 18. 25 valschlich geruget, Mew 204,13. 19 Bdeir 204,11:
sü schrüwen uf mich vil grölich. 26 f. Joh. ISySfi, 34 Bdeir 260,16:
die wutigen lowen. — süsses lembli ebd. 260,1b,
■1% marterea tiDd ze crUtzgon geben an Barrabas statt gebeieohet.
Ernüwe in minem hertzen alle die gmäcbett, die du durcb minen
willen hast erlitten, also daz es keines irdenscben dinges ine acbte
hab, niere daz es alles sio sehen babe zii dir und ander dirre zit-
5 liehen wandelberkeit da, da allein rechte fr6de iBt unib, eweklioh
mng beliben. Amen.
0 solas princeps etc. 0 einiger fürste und erater anvang
aller wesen und ein bertzog [66'] aller scharen, aller süssester
Jbeeu Christe, du wurd mit dinen ariiien grimme zerteunet, an die
10 ungefügen sul nackent gebunden und mit grimmen geislen geschlagen,
mit pfeller gekleidet, mit einer d&rninen kröne gekronnet und in
Spottes wise gegrüsset und wurd ulf dinen heiligen tiack mit nn-
miltten henden geschlagen ; du wurd also mit blfttigem antlit mit der
durnin kröne und mit dem pfeilerlichen gewant zfi den unmilten
15 U9S gefiirt und mit ir vientlichen stimmen zfi dem tode ze töden begert,
und also, do ir stimmen für gebrächen, da ward des todes urteil
von einem tödmigen riehler über dich, ein ortfaaber des lebens, <ge-
8prochen>. Verlih mir sünder, daz ich die cleider miner nntngent,
die ich hau enlreinet mit der unflat der sönden, an dinem frucht-
20 bereu blAt gewesche, und daz ich dins crutzea glicheit stäteklicb an
minem libe getrage, also daz ich die jüngsten urteil von dir, ewigen
ricbter, mit frÖden gebeite. Amen.
Ein erwecken des hertzen.
25 £,va, bertze mins, halt stille ein stündli und nim eben war
diner gemiunteo userwelten wisheit, wie si von usgetrukten blätes
tropfen von den hertten geiselschlegen allenthalb ist beschlossen
und begossen, Iflge, wie di blätigen runsen durch den zarten lip
allenthalb an die erd lüften. We mir din, süsse siissekeit miner
:-)0 sei! wie mochten sü dich als grnlicb geschlahen, do sü diuen Hp
als wul geordnet und dine glider als gerad und als dur wolstend
an sahen, daz si von erbermd dir nit vertrftgen, daz sie dich liber
allen dinen lip so gar durchwundeteo! Aber eins wil ich wissen
für war, daz da das alles lieste zu gaii mit einem wisen [66^] uff
8 hertzog] herti i 17 f. gesprochen fahU z [9 f. bloaa friicht r
11 pfeller ivgl. ttnlen Z. 14 pfellerlich^ = phellel, phellt^l, ftinen, hottbare
.'uWtnrimjf, Purpurgtttand (Lex. II,2S5). aOf. Bdnt ;i74^: volbrin^ ii
lir ilins krfljios nuhsten glicheit.
542 MinnebüchleiB. Kap. I.
da/, daz du mich zeniil in dine minne zügest, wenn da dich don,
aller bester, den aller bitrosten streichen zem&l durch mich gIbesL
Nn dar, sele min, nn nmbvahe din wisheit, die ir Schönheit vm
grosser minne dir hat vergessen! Da solt ir billich von minnenab
menigen lieplichen kuss bieten, als menigen bittern si darcb didl
hat erlitten. Nu dursehow 5ch, daz beger ich, sin minnendicheB
antlit; in im habent aller gnaden volheit, wie daz von den röseleehleB
tropfen rötet , die da Aussen von dem himelschen paradis, sinen
wolgestalten, lutseligem hSpt, von dem da ns wielen die blfttgiessendes '
brunnen von den grimmen dornstieben, die im wurden in gerigen! K
0 mine minne, mit disen blutränsen, die da din schAnes antlit tb
runnen nnd dine wangen blfttig machten, soltu daz hopt miner sele
und des libes begiessen, daz von iro kraft der lip der bescheidenheit
undertenig sye und du bescheidenheit dinem aller liebsten willeo
iemer genug sye. Amen. li
0 sancto sancta etc. 0 aller heiligestes, des ewigen vatters
danknemstes opffer, aller süssester Jhesu Christe, dar nach, da do
wurd von dem richter in den schamlichen tod des crutzes vernrteilt und
das künglich rieh dinen achslen ward uff geleit, do wurd dn schamlich
US gefürt und berlicb gespottet und von den kinden mit horwe ander ^'
din antlüt geworfifen und mit den meintetigen schachern nntz an die
statt des todes gefüret, do wurd du ugs gezogen und [67 ''J uflF daz
nidergeleit crütz zertennet; ach, din arme und füsse wurden mit
seilen zerzogen und also mit den nageln an den galgen des crutzes
grimmenclich geheft und also mit ufferbabem crütz entzwuschend ^
himel <und erde> scbamlicb erhenket. Nu gib dinem kneht^ küng
miner, mit dir ein usvolgen dins lidens, ein tragen, daz ich mit dir
hie also werde gekrutzgot, daz ich ewenklich mit dir werde richsend!
Amen.
0 lux etc. 0 Cläres lieht des mittentages und der sunnen ^
loffes höchstes zil, aller süssester Jhesu Christe, gedenk, wie du für
die, (He dich crützgetent, die din gewant teiltent und ein loss uff
dinen rok wurffen, und die dich, kung ob allen künigen, in dinen
2 aller best z 7 deo] dem z 26 und erde fehlt z
5 lai nach bittern ku88, oder etwa smertzen zu ergänzen? 10 in gerigen.
Pari, Praet. von in T]hen=^ durchbohrend stechen. 19 das künglich rieh =
das Kreug. Vgl. im Hymnus Vexilla Regh von Venaniius Portunaius: regnahii
a ligno Veus, u. ZöckUr, Das Kreuz Christi 187 0,220 ff. 19 f. schamÜch üb
^^cfnrt auch Bdnv 204y20.
Miiinehüclilein. RspTTl
i angstlichen nAteo mit scfaftmlicliein spott ecfaultten, dinen vatter so
niinneuclich au röftest, und wie du den riiwenden ecbächer yon dieer
grundloBeu erbcrmd so BÜsseclicfa begnadetest, und dar nach, do des
bimelü <liehl> von mitiiden von aext nntz ze nonzit erlöscben
6 was, mit einer grossen stimme ze dinem vatter rfiftost; o unerschepfler
brunne des lebenden wasaerB, gedenk, wie du an dem cmtz ereigde
und von übriger dürre also tiiratiger wurd, wurd du mit essicb und
galten getrenitet und do gespreeht: „Coneummatum est", wie du
dinem vatter din heiligen sele befiilchte, o ein kinig himelrichs und
10 ertricitB, von des todes wegen alle elment und die himelschen ge-
etirne mit nngewonlichen sacben battent ein mitiiden i.^ erz&geu»
dines gewaltes. Herre, und nacb dinem bittein tode nlsn uff erhenkte
do liest dft dir din siten mit einem wessen eper uf tfin, diir umb
daz du mit dem blöt und wasser, [67'] so dar us ran, alles, daz
15 tot und dürre was, wider erkiktest und mit dir, dem lebenden
brnnnen , alle tiirsti^'en hertzen trenktest. Dar naeh wurd du von
dem crötz genomen und begraben, du bist an dem dritten tag er-
standen und an der site dines vatters als ein herre aller dingen
gesessen, und hast alsus alle ding mit dinem tod tb. dir gezogen.
20 Zfihe mich zO dir, gemintter herre, und empfach mieh in diner gnäd
durch din grundlosen erbermd und verübe mir, daz daz kostber bißt,
daz du sam ein unschaldig lembli fi'ir aller der weit vergusde, vor
den ügen dins geberers für mich bitte und zil mir gnediclieh neige
und ffir alle min sünd als ein lobliches opfer gantz bessrung volleiete.
'J5 0 min flncbt, min schirm nnd min erl5ger, bis ermanet diner grand-
lusen minne, die dich betwang ze dem aller bittrosten tod an dem
galgen des erutzes dur mich ze liden, daz du min missetät, die ich
unreiner sünder han begangen, milteklich vergebest und mich vor
känftigen Sünden und vor allem äbcl in diner minnewtinden diner
3ü siten behütest, min genge in den wilden freisinen »ff ein heiligende
richtest and mir die bc8ch6wede diner ewigen fröd verlihesti Amen.
1 aud du dinen \
eifte] negesl i
4 lieht fehlt c 5 nnd du mit einer gr. at. j
4 V'in der G. bis eur 9. Stunde i l.u/i. 23,441. 6 brunne des lebenden
waHflera, Bdem 273,7/.: rgl 3H6,^Tf. 8 Joh. 19,3i/. 13 weisen von
was, wasse, weue ^= scharf. 17 f. Vgl. S^mliolam Apoflolorum: Urtia dir
resurrtxit a nujrlui* . . . sedtt ad äextfram De* Palrim ommpotcntis.
23 Zu neige ergängf in (den himmligc/ieit Fnl«r). 25 — 31 Lateinüth ah
Ltctio III im Cureua. — flucht = zflvlnht (rifugium,!. 90 Curgus: grtnsas
mtos in Aui'us vilae JluHHius (^^ Iroiiiiiien) ad sandittn Jintm dirigas.
544 Minnebüchlein. Kap. ü.
IL
<Hie yahet an daz ander capittel des mlnneb&eheliii8.>
0 aller sÜBseBte himelsche magt Maria, du uss allen schAneo
sam die gilyen der telre von dem abgrand der götlichen konat and
wisheit bist us erweit, daz da den begerten aller der weit mit dinem
megtlich lip enpfiengest and als susseclicb erzagest. O reine frow, 6
do dir die janger mit [68'] weinenden ogen die gevangnAas dines
kindes kant titent, do wardent alle die mftterlicben adem bewegt
von grimmen schrecken , do giengt da zu der tür her Annas bos,
ob da din kint ieno möhtest gesehen; do ward da dannen berlieh
vertriben noch enmohtest nat hin in komen , and dar nmb weinetest lo
bitterlich und sprecht: ,,0 min aller liepstes kint and ein Spiegel
miner ogen, wer git miuem hopt wasser and miiien 5gen einen
brannen der trehen, daz ich geweine daz aller gröste mort, daz an
minem zarten kind dirre naht geschehen ist?*' Und dar nach do
giengt da and Maria Magdalena amb daz hus hin and her, ob ir 15
vil lichte üwern gern inten meister ienont möhtent gesehen in so
grossen angstlichen nöten; and do da erhortest Sant Petem, der
zwelübotten fürsten, sin bi dem eide verlognen, frowe min, and alle
die andern berliche, die sie im an tatent, daz dir do von dem grossen
hertzleit nach waz gebresten , nnd do sant Peter gegen dir as dem 90
hase gieug and dir seite, wie dines kindes antlät so jemerlich wer
entreinet, da von gewand da an dinem hertzen anmessig hertzleid,
0 röslechter blflm; dar nach mornent frfi, do din kint von her
Annas hus in Cayphas hof ward gefiirt^ do ersucht du in an dem
weg und och sin minnencliches, lütseliges antlüt, daz din hertz dike ^
hat erfröwet, so jemerlich verspötzet, und do da mit kleglichen
Worten zu im giengde und in weitest han umbvangen, do ward da
von in mit ir unroilten worten und banden unwertlich von im Ver-
stössen. Aber nu sihest du in eweklich [68^] in siner glorie richsen.
Enpfach mich, reinü frowe, in dinen sundern schirm und erwirb mir, 90
daz din einborn sun mich vor allem ungeordneten leben nnd minne
1 Überschrift aus der des 1. und 3. Kapitels ergänzt, 15 hin] hie r
2 ff. Vgl. Bdew 262,20 ff. — gilyen der telre = Hohel. 2,1. Vgl, Bdew 243,4,
12 f. Vgl. Bdew 268,6 ff'. 19 berliche, SubsU = Unfreundlichkeit, remd'
Seligkeit: von berlieh Adj. = offenbar, stet^ mit ungünstiger Nebenbedeutung
(vgl. Schwab. Wtbch. 1,647 f ).
Minnebüchlein. Kap. II. 545
und scbädlicber heimlicbi behüte und mir gnedeclicb verlibe, daz
sin liden in mir gewinne ein süsses zänemen^ also daz alle andre
süssekeit in mir ab neme. Amen.
Immediatum refuginm etc. 0 mittellosü flncbt aller
5 sunder ^ aller milteste magt Maria, do man din kint uss fürte ze
töden, do enmobtest du zfi im nit komen vor der grossen mengi des
Volkes, aber mit bertzleide du und Maria Magdalena furluffeut in
ein andern weg; do begegent er dir vil jemerlicb entseböpfet und
neigt sin bopt gen dir gütlicb und sprach: „ach, müter!^, als ob er
10 sprach: dir si gedanket alles des^ du mir ie getet, und sunderbar
der jüngsten trüwe, daz du im mit truwen bi stündt, do in alle die
weit hat gelan, und im nach iltest mit grosser bitterkeit bis under
den galgen des crützes, und in da abgezogen bedaktest mit eim t&ch
dins hSptes, — o gemintter blfime aller gnaden, wie din hertz do
15 von dem grimmen klecken der egstlichen hamerschlege des anneglens
dines kindes, do er ward durschlagen, <erzitret>, wie din gewant
von dem kostbern blftt, daz da ran von den wunden dins einbornes
kindes, wart begossen! Din hertz was do vol jamers und bitterkeit,
dar umb wan du din kint, daz dich, sin zarten müter, dicke in
20 siner kintheit so lieplich hat an gelachet, secbt vor dinen 5gen in so
grosser angst und bitterkeit so schamlich bangen und im alle uneren
erbieten, und du im in [69'] keinen sinen n5ten ze statten mohtest
komen; dannan von wart din sele mit dem swert hem Symeones
manigvalteklich wunt, und do wurd du von dinem kinde dem lieben
25 junger Johannes bevolhen. Dar nach , do du in secbt mit dem
wessen spiess stechen in sin siten, do was dir nach von uumaht
gebrosten, und alsus, ein mfiter aller gnaden, do wart dir aller trost
benomen durch mentschliches heiles willen. Eya, dar umb, du unser
geminte fursprecherin , kera din 5gen der erbarmhertzigkeit zu mir
30 und erman din kint aller der Wortzeichen, des jamers und des leides,
so du an siner marter hattost, daz er von diner miltter bet wegen
16 erzitret fehlt z 28 dar umb do du z
4 f. Bdew 263^25: du bist doch daz mittellos mittel aller sünder. Vgl, die
Anm. ebd. 15 klecken, schiv, Verb, == tönend schlagen j treffen (Lex. 1,1610).
eg8tlich=ege8lich,/?cÄr«c«w?Ä. 19f. Vgl Bdew 267,23 ff. 22f.Bdew 269,22/.:
ich liigete uf, do enmoht ich minem kinde nit ze staten komen. 23 f. Vgl,
Luk. 2,36, 26 f. Nach Bdw 270,22 ff, trat die Ohnmacht wirklich ein. —
ein müter aller gnaden = Bdew 263,23. 28 f. Salve Begina: eya ergo,
advocata nostra, ülos tuos misericordes oeulos ad nos converte. Vgl. Bdew 264,11.
H. S e u 1 e, Daatsohe SohrifUn. 35
54(3 MinnebUchlein. Kap. IL
mich der weit leren sterben und usser mir ein erwünschten mentscheD
mache, und daz antlüt siner erbermd niemer zornlich von mir kere,
und mir stätikeit untz an min tod in sinem liepsten willen gebe.
0 virgo etc. 0 aller schönstü magt, der kleglicfaen geberd
menig bertze ze erberm bewagde, als ob du ir eigen mfiter werist s
gesin, die dir erbunnen, do sü Sachen den grossen jämer und leit,
so du von dinem geminnten kinde hattost in dinem reinen bertzen.
wer git den ogen mins bertzen, daz sü dich sehen vor dem erütz
stan und als erbennclicb uff sehen und dins einbornen kindes arme
so trutlich enpfahen, so gütlich durchküssen und an din minnencliches 10
hertz so lie|)lich truken, do sü von dem crütz gelediget worden!
Ach, herre got, wan hetti ich gesehen daz heil mins antlüttes, do
er von dem crütz wart gelöset, wie kläglich er do in diner müter-
liehen schoss lag geneiget, [69^] und hetti ich och gesehen din bitter-
liches weinen und din jamerliches clagen und den wüff, so da dar IB
umb hattest, daz din süsses kint als gremlich was ertödet und da
alles trostes do wurd berobet! Ach, zarter gott, wan hetti ich ge-
sehen ze der kläglichen stunden den geminten sant Johans uff sines
geminnten bertzen ciaglich vallen, sant Petern loffen und bitterlichen
weinen, Marien Magdalenen ab iro toten meister so cläglich vor in 80
allen gebären, wie sant Jacob sinen bröder, daz heilig antlüt, daz
im als glich was, do weinet und claget, und wie die andern junger
alle ir lieben meister klageten und bitterlich weineten! O reinu
magt, ach, wie was der bitter schmertz dins reinen bertzen do so
gar unmässig, wie waz dins bertzen angst do so unlidig! Ach, S5
aller süsseste magt, nu bit ich dich, daz du mit dinem leit niin hertz
alle zit in der minne dins eingeborncn kindes enzündest, und mich
so, einiger schilt aller sünder, vor aller anvechtung behütest. Amen.
0 fons etc. 0 voller brnnne aller wolluste, süsse und himel-
sche junckfrow, do der grimme tod dir nlso din gcmintes kint, einen 30
24 riin'ii .:
4 t. u. r)47,'JUl. V(/L lUU'w :Jl(f,Wi.: ;:jiJ,L*iJ. G erbunnen = erbundeü,
l'rmf.roH (Tbunnen, misst/öntun. Sinn: sutjar soUhe lUrzvn, welche dir (auf angst
(hinen .Jammer missgönntenj wurden zu Mitleid gerührt. 9 f. Bdeir ^7ö,lljf,:
wi<' nnitcrlichcn ich do sin toten anne enphi(;n^^ . . . zu ininom miiterlichen herzen
ilaz einic: uzerweltes zartes liep trukte und sin blnti^r vrischen >\'unden , sin
tot»'s antlüto durkuste! 15 wilff = danunrrgesc/trci, Klage: ^\'ufen, wüten
(Ö5f),:j(j} — laut jammern, klagen. 21 fiemtinf iH Jakohus d. Jüng.^ der
..Brudrr drs Herrn" (Gal. IJfiK 29 Jidtir :2(}o,Ui: paradys aller woUust.
Minnebttchlein. Kap. n. 547
behalter aller mentschen, hat benomen, und er dich, eiu magt ob
allen creaturen, eines tages des friintlichen trostes und des süssen
liebes, so du manig jär mit im gehebt hattest, hat berobet, do be-
wertest du weinendlich mit müterlichen umbvengen, das man dir din
5 erst erstorben kint liessi joch also toten und allermenlich widerzem,
den SU dir lebenden und vor allen mentschen lätseligen nut enlassen
wolten; und do man dir daz [70"*] verseite, do begertest du, daz
man dich mit dem dinen geminten vergrübe, und do dir daz och
verzigen ward, do vielt du von wetündem leide uflF daz grab, und
10 do dich din pfleger Johannes dannen füren wolte, do schrüwd du in
an jemerlich, daz er dir nüt die berlichi und daz unliep tete, daz
er dich also von dinem aller süssesten kind schiede, und b&te in,
daz er dich da dine^ endes gebeiten Hesse, und also, o du bildriches
exemplar aller reinekeit, von dinen so kleglich worten do wurden
15 alle, die da stünden, ze erbermclichen weinen gereisset. Dar nach,
do dich der geminte junger dines ungedankes von dem grab gebracht
und dich in die statt fürte, o aller wunneclichste magt, wel ein
jemerlich gesiebt do wurd dem volk, do es dich ingän sach mit
blutigem gewand, als da under dem crütz ward gestanden, do daz
20 heilig hitzig blüt nff dich gerannen was, dannan von 5ch die steininü
hertzen ze erbermd wurden erwecket! Aber dar nach, als du von
dines kindes marter wurd jemerclich verwundet, also wurde von
siner urstende, do er dir so wunnenclich erschein, hertzeklich erfrowt,
und bist nü so wurdeclich in der himelschen pfallentz sam ein edlü
25 gemahel des obresten künges ob all himelschhait von dinem geminten
kint erhöhet, da du ein sunderbare fürsprecherin biöt aller sünder,
von gottes wegen du also gewürdiget; und dar umb, du mfiter der
erbermd, spreit über mich den blütfarwen mantel, der von dines ein-
gebornen kindes blüt ward übergössen, und beschirm mich [70 "^J dar
30 under, beidü in liep und in leid und in dis zites widerwertikeit,
erwirbe mir ein volkoraen ende mit rehter bescheiden h e i t und mit
gantzer Zuversicht und gStlichen tröste, also daz ich din gemintes
kint ze der rechten haut sines valters frölich werd niessent in siner
ewigen günlicheit. Amen.
6 labenden z
3 ff. ^>Z. Bdew Kap. 2(). 18 ff. Vita 37,4—6: wie ellendeklich si kom
iiii^ende also blätrüsig des hizzigen blfites, daz uf si hate ^etropfet.
23 Vgl Gr Bfh 416,16. 24 himelsche pfallentz = Gr Bfh 457,2.
25 f. Vgl. Bdetr 243,2 ff. 21 i. Salve Begina: mater misericordiae.
548 Minnebüchlein. Kap. in.
III.
Hie yahet an der dritte teil des bächelins.
Ein liepliches kosen der sele under dem erätze mit irem
gemahel, dem abgelösten Christo.
Quid, dilecte ml, was, min geminter, was, ein erfülli aller
miner begirde, was sol leb, geminter berre, ze dir sprechen, mid &
ich von minnen bin erstummet? Min hertz ist voll minneworten.
k6nde sie die zang für bringen! Es ist grundlos, daz ich bevinde,
es ist endlos, daz ich minne, und dar umb ist wortlos, daz ich meine.
Hier umb du bist min kunig, du bist min herr, da bist min liep,
du bist min fröd, du bist min gute stund, du bist min frdlicher tag, 10
du bist alles, daz sich mime hertzen fruntlichen gelieben mag, und
dar umb, waz, min gemintter, was ist der rede üt me? Da bist
min, so bin ich din, und daz muss iemer st&te sin! Wie lang
sol min zung ungeredet sin, so alle min inrekeit also r&ffet? Aid
sol ich dar umb schwigen , daz ich den geminnten nit liplicb bi 1&
mir gehaben mag? Nein ich, bi nute! Der, den min sei da minnet
so togen, sehent den mit mins hertzen 5gen, Iftgent sin, nement
war! Ich sich minen geminten under eim wilden öpfelbome rfiwen,
er ist lass von minnewunden worden [71 "^J noch emmag sich selber
nit enhalten; er hat sin hopt geneiget uff sin geminten, er ist under- 20
stützet mit den blümen der gotheit und umbsetzet mit dem senat der
jungerlichen würdekeit. Nu vach ich an mit urlob ze reden, wan
ich ein äsche und ein gestüppe bin von eigner verworllenheit, und
wil reden ze minera herren, gen miner gemahlen, der clären und
zarten ewikeit und wisheit. nieman mag mich gewenden. Ich will 25
mit minem geminten kosen, wan das beger ich von hertzen, e daz
er minen ogen werd undergezogen und e daz er in daz grab mit
salbe werd verborgen.
Nu sag mir, min gemintter, waz das meine, daz dich min sele so
11 alle xr
4 f. VglBdew 304,4 f. It Vgl. Bdeic 305,6 f, 12 f. Vgl, Uohel, ;2,16;
Bdeic Q67,4:f. u. oben 537,14, 16 f. Gr Bfb 451,4 f.: nu schowent, eUü
hertzen, sehent in an, ach gent in ogen minem geminten, lögent etc,
18 Vgl Hohel 6,5. 20 Hohel. a. a. O, 22 f. Vgl I Mos. 18,27.
26 f. Vgl. Bdew 276,9 ff. 29 if. Vgl Vita Kap. 1 u. 3: Bdew Kap. 1 und
Hör, 39 ff.
Minnebttchlein. Kap. III. 549
lang und so inbrünstlich lieste suchen und ich dich nie künde vinden?
Ich suchte dich durch die naht in der wollust dirre weit, und do
envand ich nüt denn grosse hertzklich bitterkeit, in menschlichen
bilden emzigen betrübt und trurekeit; in der schule der uppekeit
5 lernet ich von allen den dingen zwifelen, noch envand ich dich niena
dar inne, du lutei*ü warheit, und dar umb so volgte ich miuem eigen
willen und ffir also über gebirg und über gevild unsinneclich als
ein rosS; so es ist ungezömet, daz mit ungestümkeit sins Unheiles
zft dem strit ilet, und was min ermü sei in der tieflfen vinstVi ver-
10 ieret, sü was mit dem schmertzen des todes und der helle dick um-
geben, mit den wütenden giessen der ungedankheit jemerlich besoffet
und mit den stricken des ewigen todes umbhalbet. In allen dingen
erzogtest du mir [71^] manig übellich widerwertekeit; aber do du
weitest und es dir geyiel, do santtost du in mich din lieht und din
15 wärheit, daz mir vor zemal was unerkant, du kertest dich und
erkicktest mich, und von dem abgründ der erde widerbrachtest du
mich. Dar nach do hübtu mich wider ufif erbarmhertzclich, do ich
gefallen was, du wisetost mich, do ich verieret was, do ruftest du
mir süsseclich wider, so ich dir endrunnen was, und erz5gtest ge-
20 werlich in allen Sachen, daz du gewarlich bist der erbarmhertzig
got und daz billicb ist, daz ich mich nu aller diser weit sol benemen
und von grund mins hertzen mich dir sol geben.
Und dar umb, adi, ade der valschen weit, hüt und iemer me!
Urlob hab die valsche weit, die minne, verderben mfiss die gesell-
25 Schaft, die früntschaft, die ich der weit bis her an allen dank han
geleistet, wan ich mich wil zemal dem geben, der mich hat behalten
und als mengen und solich, die als l&se waren, hat iertes lan ge-
gangen und in den blümen der jugent lan erstorben, und mich zu
im so erbarmhertzklich hat gezogen. Da von, sele min, so soitu
30 loben und gesegnen heissen von dines hertzen grünt dem, der din
jugent hat ernerret und ernuwret als ein adlers; lob in, segen in
und erheb in iemer me eweclich, und vergiss nit des manigvaltigen
gutes, daz er dir hat erzögt!
4 einzigen z 6 statt du ist vielleicht du zu leisen
2 Vgl, Hohel. 3,1. 5 von allen den dingen zwifeln, vgl. zum Ver-
ständnis Bdew 201,7 ff. 8 f. Vgl. Job 39,19 ff, 10 f. Vgl. Fs. 17,5.
Uff. Vgl. Fs. 4j2,3; 70,20. 19 Bdew 2o2,13f,: do ich dir endrinnen wolt,
d«» hattest du mich so suzeklich gevangen. 2B Gr Bfb 411,5 J\: dar umb
adi, ade, got gnade dir hüt und iemer me ! Vgl. auch 410,17. 24 Vor minne
ist vielleicht ein Adjektiv ausgefallen. 30 f. Vgl, Ps. 102,6.
550 Minnebüchlein. Kap. HI.
Nanc igitur, dilecte mi, nu dar, gemintter min, ich bitt
dich, zöge mir^ bist da es, die obrest [72''] selikeit, die min sde so
begirlich hat gesAchet? Aber ich weisB für war an zwifel, daxdi
es bist: du naturlich kanst hat dich gen mir Termeldet, dA götlidi
kunst hat dich gen mir gnüg erzögt , und dar zA alle creatur heinl \
mich gewiset, daz du es bist ! Und bist du der, des antlAt alle dk
weit begert, wie vind ich <dich> denn so gar erbermclieh ligen onder
dem schamlichen holtz des crutzes? Ich sfichte din gotbeit, ich
vinde din mentscheit; ich sfichte din günlicheit und da erzögest
mir din erbeitsälikeit; ich begerte sussekeit und vinde bitterkeitii
Waz sol ich nu sprechen? Herre, du hast mich verwiset und bin
verwiset. Jedoch weis ich wol an zwifel, daz du alle dine ding
ordenlich hast gewürket in rechter wissheit, und du enlat nit beruren
daz, bessrost denn du mir daz mittel. Er enschowet dich nit in
diner hohen wirdikeit, der dich vermähet hie ligent in diner ver-l*
worifenheit. Sid ich nü funden han den, den min sei da minnet,
wie möht ich mich denn vor weinen enthalten, so ich dich so er-
bermclieh vor den ögen mins hertzen sich ligen V Und so ich dich
so mit cleglicher stimme höre weinen und clagen, waz ist mir ze
tüne, denne dich, lebender brunne, mit wüffendem hertzen und mit 9
weinenden ogen under die arme mins hertzen so trutlich umbsehliessen
und zt^ mir trucken und süsseclich mit bitterlichem hertzen dur-
küssen V Mir sint nüt widerzem die bleichen leftzen dines uiundes
noch widerstendijr die l)lfitig:en arme dins libes, me si liebent dich
mir minnenclich und eignent mich dir gentzlich; won so ich dich ää
vor mir li^cn <sieh> als einen toten mentschcn, so tim ich als
ein listiges [72''] tübeli, daz da haltet bi dem vollen wäge, und ker
uff min rehtes og ze der hohen magenkraft diner gotheit, und also
vind ich dich, der seiden hört, den da got und natur vor allen dingen
hat geziert. -^y
7 dicli fehlt j~ 19 cle«^liclien z 20 deimo] und r 2(5 sicli ftJdt :
2 f. Oa7K ähnlidi Bdeir :J0:,\3 ff, 4 f. du natürlich kunst = P/<i7„.voy7<f>
(lidtr :)4[Kl3: KlBjb 3Si>,:J); du ».rötlich kunst = TheoJoyic 8 ff . Jidor
<OL:jSf.: ich such alles din gotheit, so hütest du mir din nienscheit; ich such
din süzigkeit, so liehest du vur din hitterkeit. 131". iSinn: du htsst dof
(die (roit/uit. Herrlichkeit^ S'üünifjkeit) nicht bernJutn. ^eror du mir das Hindtr-
i(if< (rt'fjschaffist. \'(jl. Ihhw 'M)5,lff. IG Vgl. Vita n:i,of.: Hohtl, :i^4.'
18 f. dich = (Christus, nicht Maria, wie l^rKjer (tnftimnil : wemen u. fla»^»en
sind transitir gebraucht (rgl. 540,15 ff, 27 Vgl. K. v. Megenberg IbOMti.
n. JJffhel. 5,1^.
Minuebtichlein. Kap. III. 551
0 sydera errancia, o ir irregenden Sternen, ich meine
üch, unsteten gedenke, ich beswer uch bi den geblümten rosen und
den gylien der telre, ich mein alle geblümten heiligen mit tugenden,
daz ir mich ungemüiget lassen! Scheident von mir ein wil, länt
5 mir bi im werden joch ein einiges stfindelin, länt mich dem geminten
be^rechen, länt mir ein gfit bi im geschehen! 0 alle min inren
sinne, ir s611ent sin war nemen, hertz und ogen sond ir im geben,
wan dirre ist min gemintter, wiss und rot ist er und usserwelt von
allen mentschen diser weit! 0 aller süssester Jhesu Christe, wie
10 selig die 5gen sint, die dich lebenden in dem libc sahent und dinü
aller süsesten wort horten! Wan du bist der minnenclich, den allein
ane glich disü weit hat für bräht; din hopt von siner sinwelen
lütselikeit gelichet sich des himels gestalt in siner hohen Schönheit,
wol wirdig ist es, daz es sy ein hopt der weit, und des höbtes
15 glider sint alle die usserwelten. Die falwen locke des schönen h5ptes
sint gedrungen sam die wunneuclich beide, die wol geziert ist mit
blüygenden studen und mit den grünen zwygen; aber ietzent ist es
von den wessen [73'] dornen jemerlich zerzert allenthalb und ist
vol blutiges towes und der nahttropfen. Ach mir! sine ogen, die
20 als clär wärent, daz su der sunnen glast sam des adlers sahent an
alles wenken und sam der clär karfunkelstain lüchten, eya, die sich
ich nu erlöschen und umbbekert als eins andern toten; sin bräwen,
die da warent sam die schwartzen wölkeli, die da swebent ob dem
glast der sunnen und den schon beschetwent, sin nase, die da was
25 gemeit sam ein pfiler einer schönen mnr, sin röselechten wangen,
die da brunnen als die rosen, sint ufi von unfletikeit entschöpfet
und erbleichet und gar magerlich gestellet. 0 min geminter, wie
bist du dir selben so gar ungelich worden ! Wan din zarten lefft/en,
die da sint gewesen als die roten röseli, die noch nüt us geschloffen
27 m ärgerlich z
1 irregenden Sternen, vgl. Jud. 13. 7 Vgl. oben 048,16/. Anin.
8 wis und rot, vgl. Hohel. 6,10; Bdeto 199,'^. 14 f. Vgl. Ephes. U'J:*. 4,15/.
16 ff. JJie folgenden Ausführungen (vgl. schon oben 541,30 f.) luibcn als Grund-
lagt — neben mehrfacher Benützung des Hohcliedcs - das Schönheitsideal des
Mittelalters, besonders der höfischen Kreise. Vgl. darüber A. Schultz., Quid de
perfecta corporis humani fmlchritudine Germani saev. XU et XIII saisen'nt,
Habil.-Schrift 1860. ■ Ders., Bas höfische Leben I,H)nf. 19 Vgl. Hohel. ö,^>.
20 f. Megenberg 166,8 ff,: der Adler hat so scharfen Blick, dass er die Sonnt
,(ln wankeV ansehen kann, und anerkennt nur die Jungei% als die Seinen,
welche dazu im stände sind. Ebenso schon Augustinus^ iract. 30 in Joann.
n. 5 u. im Physiologas,
552 Minnebttchlein. Kap. m.
sint^ din mant, der da waz ein schul aller tugent und kunaten,
uss dem er schankte alle kunst und liste, wan er ein tabem wiB
der süssekeit, der milch und des honges von den süssen , l>licheD
Worten, die dar uss flussent, die da trunken machten die andechtigen
hertzen, — der mant ist nu gar verdorret, daz du käsch znng dem i
rächen an haftet von dörre: din wolstendes kinne, geschickt als
ein gefüges telli zwüschent den bühelen, ist schamlich entreinet, und
din aller süsseste käl, von der die aller süsseste rede us schal, dsz
alle die, die sü horten, von der süssen minne stral geschossen wurden,
du wart mit essich und mit bittren gallen verbittert. Ach mir, we! lo
wie ist verdorben din wunnencliches antlüt, zemal lötselig^es als ein
[73^] paradis aller wunne, an dem alle ogen süsseclich geweidet
wurdent! Ich sich doch, daz du mit hast <8chonheit> noch gezierde!
Din lütseligen hend, sinwel und eben und schön, als ob sü getreyet
sigint, und wol geziert mit edelm gesteine, und din gebein, sam die 15
marmelsülen, die gevestnet sint uff guldin stocke, sint craftlos worden
von dem unmessigen spannen, daz sü hein erlitten; din zarter lip,
als ein uff'erhobtes gefüges bühelin wol gestellet, daz mit den lyiien
ist wol umbhalbet, der ist nu mit bliit begossen und als tünne von
dem engeschlichen spannen worden, daz man kuntlich alles sin ge- 20
bein möbte zellen.
Was sol ich me sagen, min gemintterV Alle din glider snnder-
lieh und überal, die sam ein voller huff* der gnaden die sinne aller
mentschen trunken machten und von begirden ze im zugen, die sint
nfi von tStlicher gestalt dar zu worden , daz si alle sinne der, die S5
dich minnent, von bitterm leide hertzclich verwundent. O heissen
trehen , nü giessent us an underläss von dem grünt mins hertzen
und begiessent alle die wunden mins geminten! Wan weles hertz
muhte sin als isenin oder als steinin, daz nüt erweichen mohte so
vil angstlicher wunden, die so nüwlich dir. süsser, behalt sint worden? 80
Eva, min aller süssester, wer git mir, daz ich für dich sterben
mügeV Ich beger, daz alle min kraft mit dir ersterbe und alles
i:) Schönheit fehU z 17 daz diu zarter 1. :
H T///. Hahel. 5,16: f/uttur illiu*< ffit(in\sMiinuni. 9 der süssen iiiinue
stral. rr/l. Gr Bfh 43,'* J» u. die Anm. ebd. l-i Slatt Schönheit ist rielUichi
pstalt :u ergänzen : rrjl. Is. iVJfL^: non est si)('rie.*< ei hh/ih difor. 14 f. Hohel. i'*.14:
vuuius llliits tornatllcfi j nunfu, p]:naf' lnjavinthift. 151'. Khd. Ct,15: crura
ilJins lofumnar marmoreae, f/uae fundatae snni .sttpvr bases (lureas.
IS f. Vgl. chd, 'i,'^>. 20t'. V(jLPs.:UJh. 2Si. VijL Udctr :>:}o^iy
:n // Knn. iSyiö. Vgl Kl Bf'b .77.s,;.Vi./.
Minnebüchlein. Kap. III. 553
min gebein mit dir ertödet werd, min sei mit dir uflF gehenket werd.
Owe, wie gar seleclich der stirbet, der mit dir uflF den plan als ein
starcher kempfer in den strit [74'] der tagenden trittet, der weder
von leid entwichet noch von liep wenket, wan daz er vesteklich
6 strittet und durch willeclieh alle tag stirbet! Wirt der nüt sussciich
verwundet, der emsclich nach dinen wunden trabtet und von der be-
trahtung wegen von aller widerwertekeit wird erlöset?
Consurge, consurge, wol uff, wol uff, hertz mins, stand
uff und bekleid dich mit gottes sterki, gebar manlich, bis frum und
10 hab dich kecklich, furcht dir nüt, gang nit me wider hinder dich!
Du solt niemer me gefliehen, hab vor dinen ogen dinen künig und
dinen leiter, der für dich so kreftenklich hat gestritten, der so
t&tlich wunden so gedulteklich hat erlitten, und der den tod mit
sinem bittern tod hit überwunden und der dir sin zeswe haut hat
15 gebotten ze hilf. Und da^ umb solt du fr&lich striten gottes strit
wider Golyat, ich mein den bösen vieut. Lüge, hast du schirm den
aller sterkensten, die tieffen wunden sines hertzen ; swer zu der flucht,
der wirt behalten. Dia ist die aller sichrest statt von Engadi, die
allem ungesind ist vor beschlossen, und allein den reinen geisten
20 ist sü kunt und offen. Hie her solt du in aller diner widerwertekeit
fliehen, so wirst du wider alle din vient behalten.
Sich also, geminter minr, die wil ich leben, so wil ich din
wunden mit bitterkeit mins hertzen betrahten, ich wil in virren (?)
und wil an dir allein, du zartens minnebüch, studieren, wan ich
25 an dir, voller brunne alles des, daz begirlich ist, vind gnad und
apIas alles, daz gebrestlich ist. Du behütest mich doch vor be-
korung und alle widerwertekeit, so vind ich an dir den aller edlesten
[74^] bilder ze lebene und ze komen zu dir, hosten vollkomenheit.
Ach und dar umb, was such ich me von dir uff dirre erde? Min
30 lip und min hertz daz müss gewinnen ein abnemen gen aller zer-
genklicheit, wan du bist der got mins hertzen und min teil in zit
und in ewikeit. Gemintes liep, ich vind an dir alleine alle min
benügde, und dar umb, so ich din minne allein han erworben, so ist
mir, ich <hett> alle dise weit besessen. Din niinne, geminter min,
3 den] dem z 34 hett fehlt z
9 f. Kl Bfh 370^24/.: tö hüt als ein frumer man und gebar kechlich
fv(jl. Ps. 30^5) und wer dich frischlich ! Vgl 365,15 f, 18 Vgl, I Kim, 24,1,
— ungesind = die hosen Geister, 23 Verderbte Stelle: es scheint etwas
aasgefallen, virren =. verren, fern sein '^ 31 f. Fs, 72,26,
554 Minnebüchlein. Kap. HI.
Übertrift in mir aller froweu minneDclichen seh in , wan alle ge-
bildeten geschaffeubeit ist kam ein kleines worzeicheu ond UDzallieh
fürwesend vpn diner hohen ungemessenheit und eigenlich erzögende
dich^ die ersten sache und einen Ursprung aller gennhtsamkeit
Eya, nu dar^ sele min, ich bitt dich, daz du dis in din hertz \
schribest und emsklich dar an gedenkest, daz dich der betrogen
glantz keins bildes icht betriege und dekein fr6mde minuerin diu
hertz verkere, und daz du icht tr&we brechest an diner aller schönsten
gemahlen, der ewigen wisheit. Neina, sele min, du ensolt n6t me
hinder dich sehen, du ensolt nit me under daz swere joch dis^io
weit dich verwetten. Gedenk, daz allenthalben und- in allen dingen
ist arbeit und liden des geistes; und wan du doch in dirre weh
niht mäht an liden wesen, so schaff, daz dir din liden nüttz werde,
daz du dar inne als ein frumer gottesritter [75 ""j werdest, und <tü>
dem also, daz du umb dise kurtzen arbeit erwerbest die iemer 15
werenden selikeit. Amen.
0 Jhesu, min aller süssester, min aller selegestu wisheit, ein
wort des vatter, ein ende und ein anevang aller dinge, sich an mit
diuen muten ogen, daz ich armer mentsch bin ein ungenemes ge-
stuppe und ein krankes fleisch, und daz des menschen heil nit litao
an sinem verwalten, es lit an dinem muten begnaden. Ach herr,
gedenk an den bittren tod, den du für mich unwirdigen sünder hast
gelitten, und behalt minen guten willen, den du in mir hast an ge-
vangen. 0 min erbarmhertzikeit, nu enlass mich nüt, o min schirm,
scheide dich nüt von mir, 0 min erlöser, bis mir behulffen, gib mir ä5
der weit ein sterben und mit dir in dinem grab vor den vientlichen
lägen ein sicher vergraben, daz mich von dir weder tot noch
leben noch keines gelückes gelesse niemer niug gescheiden. Unserü
minn müss von ir kraft den tod überwinden, und dis minnebant,
ach gemintter min, müsse iemer me von ewen ze ewen z wuschen 30
uns beiden also stäte beliben. Amen.
1-4 tö J'Mt z
2 f. unzalliclw ylrf?\ ) fürwesend de, = unsä<jUch rtrf/vJwnd, zu nictite fCft-deud,
cor iircyt'it) (iii/ier hohen Un[/emt'8,stitheit. 11 verwetten = vvrjijVüidfn.
11 f. Pred. 1,14: eva' universa ranitns t/ nUlictio sjtiriiu.s. 12 f. IV//.
Kl Bfh o6L\l3f. 17 — 31 Lectio II im Cnrsus, 1«> If. Cursus: quia ptdris
sum et curo, et (/uia intn ftunt i'oIentij< neque curnntis sid (ul int'seniUis ( Hrnn. 9.1ii).
27 f. Cnrsus: ui nu (i te ttec vitn iifc mors nee ulld forfunae .'<ors i<ejjar*(
irr/l. h'öm. S,.^.'). o^i. 28 f. llohel. 8,6: fortis est ii( mors dilutio.
Berichtigungen und Nachträge.
.S'. 14*, Über die Gothaer Hs, vgl Ukert, Beiträge 2, 113.
S. 16*. Eine Ol mutz er Ha, des Bdew ist Germania 20,265 zitiert,
S. 21* Z, 23 V, 0, lies 19 Briefe staU 18, — Herr Professor Ph, Strauch
in Halle, dessen Güte ich die vorangehenden tne auch einige der folgenden Notizen
verdanke, hat mich mit gewohnter Liebenstvürdigkeit auf die Hs. der Harn*
bürg er Stadtbibliothek Cod, theol, 1866 4^ aufmerksam gemacht, welche in
Abschrift des 17, Jh, verschiedene Mystika, u. a, auch 18 (19?) Seuse- Briefe,
die Fredigt Leciulus und das Testament der Minne enthält. Ich konnte die Hs.
nicfU mehr einsehen, zweifle aber nicht daran, dass wir in den genannten Stücken
derselben nur Kopien aus Cod. Berol, genn. od, 69 (s, S, 21* f), wohl von
Sudermamis Hand, vor uns haben. Die Beihenfolge der Briefe stimmt genau
mit der Tabelle auf S, 26* und eine Randbemerkung zu Brief IV verweist auf
die Sudermantische Ausgabe von 1622.
S, 28*, Predigt II findet sich uni er Taulerischen auch in Hildes heim,
Beverinsche Bibliothek Nr, 724^ Bl, 73^,
S. 126* und 161*, In einer demnächst im Afda erscheinenden Besjrrechung
von Vetters Edition des Tösser Schwestembuchs nimmt Prof. Strauch an,
dass Klsbeth Stagel die Viten vor 1336 verfasst hat, und tut dar, dass das
Leben der Klsbeth von Ungarn nicht von ihr stammt. Zu dein Ausdruck
jFusstuch'' vgl. auch Ch, Schmidt, Hist. Wörierb. (s. S, 481) 116; Grimm
I) W I V, 1, 1066,
S, 166* Anm, 4 lies 1892 statt 1902. — S. 166* Anm. 3 Diel-Duhr
statt Diel — Vita 28,29 zu statt zu. — 97,21 ledoCh statt Jedoch. — 139,24
diser statt dieser. — ^S'. 2(Xj unterste Zeile des Kommentars lies dritte statt
vierte, — Bdew 309 Z, 6 v, u. mobilis statt mobilst. — 310,1 -licher (mensch-
licher) statt 'icher, — Gr Bfb 436,14 striten statt streiten. - -6'. 437 Z. 3 v. u,
Zfdph 34,236 statt 24,
Vita 32,29 ff, Predigten Geilers über den Baum des hl, Kreuzes, von
Passion^sonntag bis Ostei'n 149Ö gehalten, befinden sich in seinem Predigtwerk
über den Tod, gedruckt Strassburg 1604. Vgl. A. Hoch, Geilers Ars moriendi
(Strassb. Theol. Studien IV, 2) 1901, 8 f.
Vita 92,7; Kl Bfb 363,8; Gr Bfb 420,19. Vgl. einen dknlichtn Sat:
im Bvga ed. Denifie 7,17. 46,36. Grandlage ibt wohl Aristoteles, Kthic. Xicom.
1165 b 17.
556 Berichtigungeu und Nachträge.
Vita 99,24. Vgl II Kor. 12,2,
Vita 131,25. Über die Benediktion Nos cum prole pia etc. vgl. A, Nägele
im Katholik 1903 J, 341 ff., der ihr Aufkommen im 14. Jh. nachweist.
Vita 173,11 Anm. lies David von Augsburg, De compos. III, 64 statt 67.
Bdew 202,18 f. Eine ähnliche Stelle bei Bern., De dil. Deo 7 w. J6.-
vgl. Kies a. a, 0. 160 A. 1.
Bdtc 355,5. Der Gedanke des 20. und 21. Satzes Eckharts findet sieh
in seinen deutschen Schriften bei Pfeiffer 70,12 f 16; 137,16. 21; 147,38 ff. u. ö..-
Jostes 1 1,19 ff. Vgl. dazu Pahncke a. a. O. (s. oben S. 151* Anm. 4) 64.
Minneregel 488,30. Statt Philippo ist vielleicht Philippe zu l€sen und
in die Anrede einzubeziehen.
M inner. 492,3. Über die Symbolik der Turteltaube vgl. Strauchs Anm,
zu Knikels Weltchronik (Mon. Germ. Deutsche Chroniken IV 1900) Vers 2695.
Minner. 494,21 drüglich ist wohl eher ah Adv. zu fassen = (Iruclich
fest ( Vermutung Strauchs).
I. Predigt 501,10 f. nichtiger wäre zu zitieren Bern, sermo 3 in Cant.
n. 4: paulatim proficere volo. Quantum displicet Deo impudetUia peccatoris,
tantum poenilentis verecundia placet.
III. Predigt 5'J5,23ff. Vgl. Bern., sermo 76 in Cant. n. 9: parvulus
tanquam agniculis adhortationis lae potius datur, non esca. Ad haec honi
sollicitique pastores impinguare pecus non cessant bonis laetisque. exemplis et
suis magis quam alienis. — I^^ür Nachweis dieses und des vorigen Zitats bin ich
Herrn Dr. Eies in St. Peter bei Freiburg zu Dank verpflichtet.
Kollation') zur III. Predigt ,Exivi a patre' S. 518—28 nach Cod.
Vindob. 2739 Bl. 79^»— 87^^ (vgl. oben S. 28* f.).
Überschrift (rot): dit ist bräder Johannes den taulers predigate am
Bande: des vnnfften sondages na paischen 518,8 licbl.] aller ininklichste
gprichet 9 und bin 9 f. wider u. — vatter] und wil wider iran zu luynem
vader 10 Und — 14 seyn fehlt 16 man in der zit h. m. 18 selb] vnr
19 dar kumen
519,1 über] aue in der weit fehlt 2 noch lust fehlt und] Le
6 noch] na 7 1. on allen z wi fei na cä Christo 9 sicherlich /e/r/f vne fehlt
11 dieser] der ersteit und wirt 15 oher fehlt 16 diser] der 17 beest]
vihe nun fehlt Christo] yme 20 hier fhlt 22 vil schone 23 nit vil
wol 24 bald] zö haut 24 Die sint alse der mertz recht alse • . 25 und
— 26 grammat. fehlt 26 Die andere] aber etlichen 27 meister, mer
etliche werdent kome gelerit krank latin und hose grammatika. Also . . liebe]
mincliche 28 herzlichen wol alse gar stede vlizich 29 usz] van uz
ge werden
520,1 [über] gr. d. über komen Er — 2 aiisz lagen] iz sint IX dink
über die der mensche van not komen möz, der wir ocker vier uz legen, die
minsten und die nydersten 2 Er] so wer her zi^ komen wil der 3 und
') Herr Adolf Spamer in Giesnen, der die Wiener lls. eben dorthin entliehen hatte, trar .fo
ytttifff die KoUntioniemnrf für mich zu besorgen. Die rein lUitlektischrn oder sn'hlich f'tdeutnngHoaen
Ahweichunncn sind weggehmsen.
Berichti^ngen und Nachträge. 557
alle — 4 übertr.] alle sinliche dink mustu iiber komen 4 kommen über] über
komen deyn fehlt 5 natärl. kreiften] geistliche dink zu deme dritten
male saltu über komen 6 daz vierte alle b. . . 7, Zum — über] nö nemen
wir daz ersten Hie inne 8 willig in todts. fehlt 9 sonder] aber die
meinen wir nS fehlt 10 die alse von künden] hören t 11 oder — das]
iz si van lesen oder van sagen iz ist 12 ist feJilt 13 und auszbr. fehlt
überkämen 14 solt du] von not saltu 19 dich dan bilden in dich selver in
20 dar ist fehlt 20 f. tui domine feJdt 21 du haiz din licht gezeichent
daz licht dines antlitzis über uns 22 alse etliche gar] alse 25 sencken}
keren 26 f. zytz — verloren] verlorenre [ze] zit bit den sinnen 26 dan dfin si
31 f. spricht: got ist eyn geist und die in ane sollent beden die wäre anebeder die
sollent beden 33 seien und meinunge eyn inreliche eyn weselich
621,1 tegenw.] in gegen worticheit beten 6 doch fefilt 7 stÄrckh.]
blöt 8 tredt] ge 9 Der liebe sente Bemhart des] iz 9 f. seynen
leich. fehlt 10 auch] und 12 selver und ouch ander lüde und laz 16 vil
übe 17 iz allit inwend. üb.] inwendicheit 18 wek uz 19 zd [zfi]
gew.] erkrigen dan] sunder 21 entr.] aber zu deme ersten 23 über-
kämen 24 wan er noch] alse he 25 so vil
522,1 gerumpeis] grubelins 3 da eyn so schone 4 bilt — gescheit]
bild inne, der die spene alleine abe schelte und abe hibe 5 sprach durch eynen
Propheten 7 luterlichen got bloz in yme 8 über fehlt {) über kämen
11 f. alse die heidenen aristoteles und boecius [und Plato] 13 mit gr. fleysz]
vil grozen vliz haben und 17 innigl. wol] vil minclich wek was] weich
waiiz des seg.] eynis ingesigelz 19 Aber komit iz in eynen sten dar ia
komet iz bit gr. a. 21 ouch mit feJilt 22 über kämen 25 ander fehlt
26 mit eyg. fehlt
523.1 und — nacht] der lüde vindet man die lebent aUes Wunsches von
morgen biz zu nacht 2 dis und fehlt 2 f. gebe — offenb.] so vil genaden
geben und so vil Offenbarungen geben 6 in alleyn] sin 9 eyn altzä w. d.
13 war umb] wie 14 und sprach] biz an 17 meine] inwene 19 in eyn
— das] gestochen dar in he nie in quam iz 19 f. Also — leyden und] Also
inwere niet lidens waz were dan verdynens? In alle dinen 25 mantel] scha-
pelier 29 Nön — heg.] nä in sal man begeren Nit — heg.] ja waz saltu
begerin? Niet anders dann . . 30 ab lege
524,3 über kämen 4 in meinen ich sterbl. fehlt 5 oder in in
dragent 7 disen] diseme 8 nit] node seyn fehlt 10 im fehlt erk.]
lide 15 sehen sie] sint iz 22 Ob — 23 eyns] ist daz X jar gät und der
engil des v. 1. mak sich eynis
526.2 die lerer — kirchen] der heiligen lere 3 das — vertracht] daz
iz mit der über eyn dret 4 so tred — neder] und dret iz da myde ungelicheit
5 ist — nit] si, in volge ime niet dir und inacht es niet 6 Dise dink saltu
alsus in der wisen über kämen 9 nach dem — Christi] aber das alre mink-
lichste exemplar 12 hoger volk.] vollenkomen 13 zuchtich] gezogen 14 und
aller — das er] in alre gelazenheit he 15 zu dir in fe?ilt 16 geliebster]
geminter 17 mit dir] dar intgein 19 steden] dingen 21 der bilde uns
herren [und] 22 f. überd. — Christi fehlt 23 also schribet der minekliche
sente B. 26 gäte fehlt 27 unsz herren fehlt drucken] bilden 28 in
und] van in binnen
558 Berichtigungen und Nachträge.
52(3,3 Dyn] eyn 8 gel. mochten] geleuhen und lehen 12 leute fehlt
17 oder] alse 19 und hahen — 20 mitl.] und dar zu eine alse natürliche barm-
herzicheit hahen und eyne mydelidunge 23 dan] sunder übemat. —
24 Hehl, fehlt 26 dar ist] daz 28 das ist] alse wie iz daz der] eyn
527,3 lieh h.] minen der minen so mineklich 4 man] he 5 lieb h.]
minnen 6 zu fehlt 7 Aher] mer nit inweinit 9 dann] aber 10 gantz
feidt werde] inhilde 12 Sollen] wie sulden 14 dan] aber 16 so] wie
16 so — 17 euch] so in moget ir niet den heiligen geist intfan 17 Ist — 18 ist]
daz hilde ist recht abe gesprochen, hie yersteit daz bilde ist 18 im] in
21 gegenwortklich 22 liebten] minne 26 [mit] alle unse minne und meinnnge
und sinne zämale
528,1 seins] des antlitziz 5 liebe] minne 8 in deme himel 9 nnd
allen sinnen 10 stellen] dar na stan und gienen(!) 12 nit und] niet nnd
inlebet he niet also 14 minre 15 minner oder] und geliebt und]
gemeinet und so he iz min und me hat gantzem] alme 16 f. uff daz a. h.] ho
17 gäts] groz 18 f. die weü] obe 19 iz ouch in 20 orteilen 23 ar-
beiten] krigen mit alre kraft 26 der yatter — 26 geist fehlt 26 amen,
bidet vor den schriber.
Glossar'^.
A.
ab brechen Abbrach tun, verkürzenSOSfi,
365,24. 448,3 ; subst Inf. 46,12. 426,19.
478,21.
abdnmnig 138,12.
abe = aber 79,35.
abeiideii Abend werden 47,12.
abeiitbekentnisse 847,1.
ab(t) gaii mit Dat. abgehen, verlassen
25,20. 233,29. 236,24. 605,18.
abü:escheiden Part, getrennt, abgeschei-
den (von dem Irdischen) 4,24. 16,6.
59.31. 185,31. 190,17. 194,24. 218,6.
232,26. 245,9. 296,27. 360,6. 405,2.
ab^-escheidenheit 59,29. 183,11. 192,18.
219,11. 388,14. 469,18; abgescheiden-
lich 138,19. 288,12.
abe geSprechen 474,20.
ab(e)gezelt, abgezalt Fart. verurteilt
366,4. 431,14. 437,12.
abgründ(e), abgrund Abgrund (des gött-
lichen Wesens ustr.) 52*. 21,28. 26,18.
90.32. 127,20. 181,16. 189,2. 191,26.
193.21. 206,5. 213,15. 16. 214,4.
224.13. 245,11. 262,23. 288,6. 290,18.
293.14. 16. 296,9. 304,28. 305,4. 319,9.
330,11. 377,9. 432,25. 433,15. 22.
449.22. 476,4. 544,3.
abgründkeit 23,7. 184,6; abgruntlich-
keit, abgrundl. 88,15. 188,21.
Abisag 400,11.
ab(e)ker Abkehr ung von Sünde und
Welt 8,18. 29,3. 62,3. 89,26. 504,24.
ab kommen, — kummen mit Genet.
losiverden 58,23. 362,15. 607,23.
ablass, aplas(8) Ablassen, Nachlass (der
Zucht) 382,4. 463,13; Absolution
100,14. 101,3; indulgentia 525,22.
ablegen subst. Inf. 256,22. 321,19. 478,6.
ablistig verschlagen 119,2; ablistekeit
160,1.
ab losen ablösen (vom Kreuze) 275,10;
ablosung^&Zö^un^, Pietä 143,1.275,2.
Abraham 387,24. 468,28.
ab rinnen 319,1.
ab risen abfallen 281,11.
Absalon 273,16. 378,21. 444,6.
ab schriben 326,19.
ab schuem P. abscheuem 528,14.
ab sprechen leugnen 354,6. 356,15.
abe tön, sich entsagen 431,13.
abval Abfall, Loslösung vom Irdischen
159,25. 380,3; ab Valien 162,20. 164,13.
168,20. 182,10. 296.6. 453,10.
ab walen niederf Hessen 26,16. 84,9.
143,30.
abwank Abwendung (von Gott) 456,15.
ab weg 371,23. 460,20.
ab weschen 135,2.
ab wnrken vom Irdiscfien trennen 166,27 ;
subst. Inf. 358,10; sich ab wirckeu
494,18; in abwürkender wise 339,27.
*) Fettdnick einer Zahl bedeutet, dass zu der betreffenden Stelle im
Kommentar eine Erklärung gegeben ist ; P zeigt Wolter an, welche aus den in
mittel- bezw. niederdeutschem Dialekt gescliriebenen Predigten II — IV^ stammen.
560
Glossar.
abziehen suhst, Inf. Abziehen (der
Kleider) 36,16. 416,11.
abzug Ekstase 10,10. 190,11. 193,16.
Ache Aachen 153,11 (Aachenfahrt).
acht, in siner achte in seinem' Art %1%'2^.
achtsamecheit P. 536,27; achtunge P.
512,18.
Adam 168,1. 601,4.
adamas, — z, — st Magnet 274,23.
387,28. 469,4.
adel 26,19. 90,20. 137,27. 28. 166,6.
158,28. 160,21. 162,27. 174,21. 192,6.
7. 304,18. 309,26. 327,20. 335,3. 408,3.
adel(l)ich 69,28. 130,21. 172,10. 194,11.
27. 272,14. 294,12. 301,23. 339,18.
356,13. 14. 391,12; adellichen Adv.
262,20. 274,17. 357,10.
ader, ader Ader^ das Innere 40,26. 44,8.
51,1. 59,14. 92,18. 110,6. 127,15. 27.
270,33. 346,17. 544,7.
adi, ade 361,13. 411,5. 6. 549,23.
adler, adelar, adeler 156,3. 180,6. 181,2.
47'>,26. 473,3. 15. 649,31. 551,20.
äffe 49*; affenheyt P. Torheit 524,19.
Agathon Altvaler 106,15.
agestein Magnetstein 427,7.
Agnes, Angnes(e), sant 10,12. 71,14. 30.
227,16. 26. 428,9. 439,1.
ahzen ächzen 91,2.
eil • • A» d • ■
al Aal 9,16.
al, daz 164,6. 170,8; al in al 159,22.
174,12. 175,5 ; allich allgemein 169,4.
177,1. 388,3; allich(k)eit 163,28.
243,19. 440,18.
Albrecht, der grosse meister 366>1B.
alleluja legen 80,19.
allermeQ(ge)lich 384,11. 466,13, 507,9.
alme(c)htikeit 180,3. 292,4.
almugend 135,3. 185,7.
almösen 283,6. 11. 512,17.
alrerst eben erst 349,33.
altar, alter 22,4. 47,6. 9. 50,25. 143,2.
386,28.
alten altem 212,3. 406,8. 430,25.
altvat(t)er, die altveter, — alten veter
Anachoreten der Wüste 60,12. 16. 21.
24. 28. 104,1. 105,32. 106,19. 107,1.
3. 13. 21. 362,2, 412,3; der altreter
bfich 17,2. 104,7. 28.
alwegent überall, immer 335,16. 350.30;
alwent .366,5. 392,6. 437,13.
amaht Ohnmacht 87,20. 143,6. 386,24.
ampt Plur. empter Klosteramt, Auf-
gabe 381,6. 11. 14. 383,2. 431,10.
462.16. 464,13; ambaht 487,4.
anbeisCs) Ameise 388,8. 469,12; an-
beshufen 39,22.
an bissen anbtissen 449,16.
an(e)blik, - g 216,24. 224,20. 352,28.
416,11. 433,4. 441,11. 479,17. 49a 17.
an(e)bliken476,22. 479,22.480,15.493,22.
494,9; na angeblikter wise 163,1.
andaht Masc. 27,23. 97,5. 7. 100,19.
102,5. 103,15. 109,29. 110,3. 111,19.
115,14. 131,6. 134,36 usw.
andehtig 198,7. 216,1. 218,5. 364,19.
423,21. 438,16. 476,3; andeht(e)klich
153,25. 194,3. 314,16. 391,16. 476,1.
anderheit(e) Anderheit, Gegensatz zum
eigenen Ich 157,23. 177,3. 26. 181,1.
• 329,19. 330,1. 27. 334,3. 344,28. 352,28.
487.17. 489,18.
anderwerb wiederum, zum zweiten Mal
348,22.
andrent auf der anderen Seite 125,8.
and(e)re8t zweimal, zum zweiten Mal
35,28. 41,21. 436,5.
an gaffen s. an kapfen.
angebom 387,8. 468,12.
an gehaften 391,2.
angel Angel 284,9. 377,4. 449,17. 454,4.
an gelegen 412,1.
an genemen, sich mit Genet. sich ab"
geben 47*.
angeng(e^ der weit Anfang der TF.
246,11. 387,26. 469,3.
anger 33,15. 172,15. 271,19. 374,23.
447,1. 452,9. 538,11.
SLügemht Aussehen 210,24. 276,17. 339,211.
Angnes .v. Agnes.
angrif(f)en 234,2. 368,19. 372,18. 442,10
461,20. 473,20.
angst 219,22; angstlich 23,23. 116,26.
126,28. 552,30; engeschlich 552,20;
angschlichi 39,22.
Glossar.
561
anhaft das Anhaften 288,14. 477,18. 20;
anhaftig 166,25.
an haften 193,2. 476,9. 477,12. 17.
au hang Beschwernis , Anhänglichkeit
(an das Irdische) 88,13. 309,21.
369,31. 468,6.
an kapfen 427,15; an gaffen 439,12.
au kleben 309,29.
an komen über einen kommen 66,18.
233.18. 614,12.
au lachen 86,11. 121,29. 645,20.
anlich ähnlich 260,26.
an liegen verleumden 126,16.
anlof Anlauf 132,6.
Anna, sant 37,15.
Anna Gottesfreundin 44,14. 63,14. 102,2.
115,14.
Annas, her 639,27. 29. 544,8. 24 ; fürst
A. 640,13.
annegeln suhst, Inf, 36,16. 416,12.
an nemen, sich P. 516,8; angenomen
131.10. 290,29. 333,16; annemunge
339,11.
an rennen 82,30.
anriten subst, Inf. 149,21.
anschowen, — schowen subst, Inf. 36,16.
310,16; anschowunge 193,11.
an screiben 197,10.
an sehen unpersönl, 46,8; sich ans.
167,8; ansehen suhst. Inf, 77,21.
257,26. 269,13. 318,28. 332,28. 336,20.
349.11. 476,8.
ansihtig ansehnlich 266,9. 375,4. 447,14.
483,21.
an slahen durch Schlagen befestigen
414,20.
an spozen anspeien 58,20.
an Bteren atwtorren 186,1. 242,18. 269,14.
Antonius Altvater 105,1. 30. 106,28.
ane treffen betreffen 470,11.
anvah ender mensch 3,4. 8,20. 17,14.
59,29. 113,20. 162,29. 156,2. 194,6.
309,3. 326,8. 360,10. 366,7. 469,18.
473,13; anvahendes leben 3,3.
an(e)vang 97,10. 182,15. 261,19. 460,9.
473.19. 496,27. 603,27.
an(e)vehten 371,6. 16. 468,18. 460,13.
H. Seuse, Dentiohe Schriften.
anvehtung 61,7. 28. 62,6. 11. 23. 106,24.
116,27. 132,16. 316,32. 498,11.546,28.
au zenneu anßttschcfi 252,7.
anzügig verführerisch 866,19. •
aplass s. ablass.
ApoUonius Altvater 106,13.
apostel 490,2.
apotek, appotcck(e) 266,23. 313,26.
427,16. 431,6. 487,2.
aquilo Nordwind 451,15. 462,3.
arbeit, erbeit, erbet Arbeit, Mühsal
39,18. 81,27. 82,12. 120,6. 149,6.
151,6. 164,4. 217,18. 219,22. 234,1.
247,8. 326,26 usw.] sich arbeiten
s. abmühen 325,26.
arbeitselig, erbetselig mühselig, leidend
7,5. 62,21. 90,16. 91,8. 485,19; arbeit-
seliklich, erbetselklich 48,18. 425,22.
Sj-beitselikcit, erbetselik. 82,18. 84,12.
264,8. 379,29. 660,10.
argwon 484,9; arkwan 229,26.
Aristotiles 171,12. 428,1. 510,12. 522,11.
Vgl. 177,15 flf.
arke Arche 298,18.
armüt 46,7. 160,7. 218,6. 246,2. 428,16.
432,22. 476,4. 489,16.
Arsenius, sant 38,9. 104,4. 105,32. 106,17.
arzet, arzat, -d 142,29. 301,13. 503,19.
21. 506,18; arznen heilen 51,21. 62,3.
äsche, esche 221,20. 467,20. 548.23.
as mer = als mer 82,13. 118,11.
ass Aas 377,3. 449,17. 462,19.
Assumptio Himmelfahrt Maria 112,6.
Aswerus, küng 266,18.
aten 285,5; etemlin 308,16.
Athanasius, der heilig 367,26. 440,24.
490,4.
athomo, in 333,15.
Augustinus, sant 180,10. 183,22. 185,11.
350,26. 601,1. 610,12. 515,24.
auster Südwind 451,11. 452,6.
Ave Maria 282,26. 314,10. 318,23. 395,4.
505,1.
Ave praeclara maris st-ella 374,5.
aventöre ritterliches Abenteuer, wunder-
bares Ereignis 48,26; aventürer der
auf ritterliche Wagnisse auszieht
149,11.
36
562
(rlossar.
bad 46,2.
bahne, pal nie Pahnzweig ((tls Sief/es-
zeichen) 262,24. 371,6.
balsam 13,29. 252,13. 297,21. 479,1.
baltheit Kühnheit 92 8. 221,13. 263,2.
band der minne(n) 487,7. 637,15.
bann Batin 42,16.
pantier Panther 12,6. 427,19. 452,50.
Paphnuciu8 Altroter 106,30.
papyr 322,21.
paradis, -dys 222,8. 240,18. 248,16.
251,26. 269,26. 263,16. 266,19. 23.
266,23. 317,27. 35. 369,21. 432,19.
457.18. 492,25. 501,4. 511,15. 537,6.
542,8. 652,12; paradisophel 303,3.
bare, blrü, berü notdurft blosse, reine
X, 261,21. 364,9. 423,1.
bare Sahst. Bahre 88,8; baren auf die
Bahre legen 466,14.
bare, ber Bär 40,22. 427,13.
Barrabas 541,1.
Bartholomaeus, maister von Bolsenheim
5,18.
passion Masc. Leidensgeschichte Christi
143,9.
Pastor AUvater 105,6. 25.
Pater noster 155,6. 314,18. 396,4. 486,8.
505,1.
Paulus, sant 85,18. 106,24. 160,28. 30.
172,4. 182,11. 31. 186,20. 193,16.
251,12. 335,27. 367,21. 367,26. 881,12.
388.19. 392,21. 440,22. 441,15.457,2.
462,8. 477,20. 478,23. 479,6. 480,20.
490,2. 518,10. 519,9. 19. 528,7. 633,7.
becher 113,16.
bedc(c)ken 484,20; suh.st. Inf. 165,17;
bodabt Part. 186,16. 125,19; be-
dokun^e 1(>4,5.
bedebtikeit 500,21.
bederptlicb, bederb(e)klich Adr, ordent-
lich^ kräftig 122,34. 371,27. 460,24.
bedli l:U,:i4.
beest P. Vieh 619,17.
beirabet Part, ausgestattet 5,16. 367,14.
bei^an m.v ]Verl' setzen 280,27; sieb b.
.V. nttgchcn 30.13.
bejfrerlicbe kraft P. 522,23.
be^erung(e) 170,5. 181,7, 196,10. 200,8.
314,9. 24.
begirde 209,10. 219,18. 237,10. 416^
432,17. 433,16. 445,22. 447,33. 455,13.
468,28. 470,12. 471,14. 487,28. 499,12.
begirlich 27,22. 31,20. 32,3. 41,3. 50,29.
99,9. 139,21. 141,3. 163,25. 164,1 usu^,
begnaden, begnaden 117,18. 156,6.214,6.
364.22. 376,12. 17. 447,22. 29. 491,2a
543,3. 654,21.
begnügen, be(g)nügen unpers. genUgeti
170,19. 290,26. 369,32. 458,7.
begrif Begriff 182,26. Vgl Denifle im
Archiv 11,463 A,3; begriflfenheit 337,3.
begrif(f)en ergreifen, umfassen^ erfassen
14,16. 36,12. 164,22. 182,13.21. 193,18.
197,19. 201,3. 206,7. 289,6. 292,3.
293,11. 18. 19. 294,3. 314,16. a37,l.
478.23. 493,13.
behaben behalten 219,22. 297,9.
behagen P. 526,8.
behaglich wohlgefällig, passend 206,11.
bebahung P. Behagen 533,13. 14.
behalten 62,9. 81,2. 206,1. 207,2. 340,14.
653,18. 21 ; behalter AWö*er(^CÄrwr/i«*;
647,1; behaltlich habitualis 351,2.
behangen Part, selbstsüchtig 170,14.
357,19.
heheheu fest halten 133,24; sich b. 167,13.
beheften festhalten, verstricken 169,13;
beheftunge 358,27.
behelfen subst. Inf. Behelf, Schutz,
Vonrand 7,13. 164,18. 166,16. 476,9;
sieb b. 162,13. 163,18; behulf(f)en,
bcholfeu sin 36,8. 40,18. 261,17. 319,15.
554,25; in bebelfwise 164,26.
bchencken 470,8.
bebend 288,9. 356,24. 489,8; behende-
lich 44,11; bcbendeklich 140,8. 258,8.
371,32. 460,31.
behulfenbeit 6,14. 44,28. 63,8. 64,20.
123,18.
behusen f/eherbergen 78,2.
behöt rorsichtig,sich?intend7A,S. 156,25.
353,7; behfit 485,5; behiitklich 340,5;
bebütkeit 47.*
bt'bnten 481,1. 486,22. 507,17; behuter
89,18.
(Glossar.
563
beideiithftlb, bedenthalp 64,29. 412,11.
beinoht heinig 41,23.
beit<j;* mit Genet. warten, envarien 74,23.
78,m 93,21. 194,20. 230,11. 236,6. 7.
238,34. 246,21 usv\
bejacren 398.17.
bekantniist, -nösse, bekentnus, -nüs,
-nu88, -nösse Erkenntnüfy Verständnis
5.9. 89,14. 177,15. 180,19. 181,5. 10.
188,13. 189,7. 235,27. 349,17. 474,2.
487,3.
bekennen erkennen 158,30. 172,6. 177,1.
189,6. 233,2. 290,27. 346,21. 347,8.
488,5. 9. 10. 15 ; in bekennender materie
183,4; bekant bekannt, erkannt, ver-
ständig 124,21. 129,4. 156,13. 182,6.
192,10. 177,16. 290,3. 489,24.
>>ekennunge Erkenntnis 351,18.
bekerde Bekehrung 284,12.
bekeren 373,3. 6. 464,1.
bekomen mit Dat. begegnen 49,12.
bekoren versuchen 490,22; bekorung
540,9. 653,26.
bektimberen, -bren, bekünbem 227,1.
228,31. 235,28. 361,26. 372,14. 461,16;
bekummemiss P. 626,12.
belangen unpers, gelösten 240,23.312,27.
380,10. 395,22. 446,9. 496,1 ; belangung
6.10. 25,9.
beleiten geleiten 284,27; beleiter 89,19;
beleiterin 37,19.
beliplich hUihend, dauernd 174,21. 22.
175.23. 191,6. 193,27. 366,7.
belipnuss, blipnust 60,11. 159,16.
beUen 61,11. 382,3. 463,12.
pellieanus 99,2.
Benedictus, sant 44,4.
benemeu 279,7. 436,17. 467,25.
benent, in benenter wise 340,18.
benfi^de Genügen 553,33.
ber Beere 384,7. 466,10. Vgl, b&re.
beraten ausrüsten^ unterhalten 25,14.
121.24. 122,15. 146,8. 173,2.
bereit dienstfertig, bereit 254,27. 312,24.
320,13.
bereiten suhereiien 125,28. 492,16; be-
reitiin^e 156,9.
bergen 222,16. 449,26. 484,17.
\itT\i2Ätfruchttragend,schwatiger^b%2Q,
452,8; berhaftikeit 3.30,21. 363,19.
berihten aasrichten 170,11; sich b. sich
versehen 183,29.
berinnen 316,32.
berlich offenbar (mit Nebenbedeutung
des Ungünstigen) 57,4. 57,21. 60,7.
85,29, 86,8.19.28.29. 114,19. 116,24.
123.24. 152,5. 219,9. 235,17. 343,8
usn\; berliche Ädv, 258,19. 606,6.
berliche, -i Subst, 544,19. 547,11.
bermeclich P. 516,5.
bermit, permit Per^am«n^ 103,17. 199,19.
212,29.
bern gebären 191,23.
Bemhart, sant 38,9. 187,19. 193,16.
197.25. 254,17. 256,6. 366,2. 424,6.
434.6. 437,10. 499,10. 501,10. 521,9.
526,23.
beroben 211,25. 221,11. 447,9. 499,14;
berober 439,29 ; berobung, berobonge
121,8. 306,4.
berren kneten 156,17.
personlich 179,3. 22. 180,11. 181,12.
185.7. 334,4. 335,2. 360,21. 354,11;
Persönlichkeit 191,27.
berurde Tastsinn, Berührung 208,2.
294,28. 816,6.
beschalken in Verruf bringen 115,23.
123,12.
bescheiden Part, Adj. klug, verständig,
klar bewusst 89,18. 108,12. 128,13.
192,18. 499,21. 503,5. 20.
bescheidenheit Verständigkeit, Einsicht,
Diskretion 4,33. 68,6. 94,22. 103,3,
125,25. 156,21. 161,18. 19. 169,12.
184,6. 294,34. 315,31 usw, : beschei-
denlich 198,17.
beschetwen beschatten 551,24.
beschirmen 229,25. 315,26. 319,14. 340,14.
395,6. 482,11. 510,5.
beschlahen 43,5.
beschliessen , -zen, besliessen 169,11.
190,22. 191,12. 219,6. 308,18. 323,30.
326,6. 343,24. 452,5. 479,6 usw. ; be-
schlossenes kloster unter Klausur
stehendes Kl. 96,7.
564
Glossar.
beschuiten Part, 169,20.
beschonen schön machen, beschönigen
220,12; sich b. 219,6.
beschowen 493,8; be8chow(e)de 72,5.
308,5. 543,31.
besinkeu untersinken 119,25. 270,31.
besinnen ausdenken 842,6; besinnet,
besint besonnen 74,16. 361,16. 411,10.
469,21.
besitzen, in besitzender wise 348,28;
besiziich 183,1.
besitzunge 336,16. 344,7. 351,17. 356,9.
besoffen, besoffen ertränken 477,10.
549,11; besoftkeit 69,23; besoftklich
270,18.
besorgnnge 156,22.
besprechen anreden 428,11. 551,6.
be88erung(e) Entschädigung, Busse,
Besserung 258,20. 23. 26. 29. 277,2.
282.15. 283,7. 12. 284,12.286,7.325,25.
432,2. 513,16.
bestan 458,7. 488,24. 26. 28. 489,14;
in im selben b. 251,15; bestanden sin
Zugeständnis, Erlaubnis haben372y2l,
461,23; bestandenheit das Bestehen
(in der Prüfung) 311,3.
bestecken 248,18. 296,30. 496,9.
besteten 21,5. 278,17. 308,18. 319,20.
364,24. 369,15. 378,17. 424,15. 451,9.
bestrowen 248,20.
besturzen im Sturz bedecken 239,1.
besweren 84,28. 131,13. 283,17. 364,21.
bet(e), bette Bitte 373,13. 391,18. 394,16.
18. 479,11.
bett(e)lin 444,12. 495,5. 496,3. 5; bet-
gewand 44,28. 45,3; betstat 44,27.
45,27; betstuol 55,18.
Peter, sant 107,30. 125,31. 489,25. 540,4.
544,17. 20. 546,10.
betler 283,15.
betrahtung 24,11. 25,24. 29,16. 31,2.
35,12. 36,22. 26. 38,6. 10. 41,32 usw.
betrechen, bedrechen Part, betrochen
bedfcktn 363,17. 421,10. 457,20.
betrogen trügerisch 216,10. 228,7. 23.
824.16. 418,11. 424,1; betrogenlich
363,17.
betrubt(e), -bete, -bde 84,26. 94,29.
31. 95,20. 166,11. 253,19. 381,15.
462,16. 490,22. 23. 496,24.
betten 215,31. 297,1.
betüten 192,3. 193,3. 339,2. 4. 7. LS.
342,20. 435,16.
bevinden erfahren, empfinden 15,1. 29.
39,4. 204,4. 220,11. 14. 235,11. 326,9.
388,20. 408,4. 456,26. 469,23. 478,20.
487,27. 488,13; bevindunge 489,5;
bevintlich 492,30.
bewegde, -te Bewegung 15,12. 88,6.
200,6. 224,6. 260,8. 276,14. 444,13.
bewegenlicli Adv. entschlossen 236,13.
461.5. Vgl. gewegenlich.
beweglich(k)eit 169,36. 309,22.
beweren 187,9. 236,23. 391,20. 465,16.
466,26. 475,9. 505,23.
bewindeu umwindeji 224,1.
bewiseu 174,28. 177,29. 178,15. 180,16.
191.6. 194,5. 197,4. 206,18. 288,10.
308,28 usw.; bewisunge 105,29.
bezeichnung 330,27.
bezeten, bezetten bestreuen 297,1. 466,6.
496,9.
bezw'ungenheit 358,6.
pfad, -t, phad 200,23. 254,10. 367,26.
430,18. 440,24. 472,13. 490,4.
pfaffe 328,23. 329,24. 519,25; pt'alen-
vasnaht 48,29.
pfallentz, die himelsche Königsburg
457,2. 547,24.
Pfarao 183,18.
phariseus P. 509,4. 8. 511,27. 512,13.
513,4.
pfeUer 541,11; pfeUerlich 541,18.
pfenni(n)g 25,15. 16. 46,7. 77,7. 475,12.
499,4.
pfil, phil 131,19. 23. 281,13. 371,7. 460,3.
ptiler 551,25.
Philippus Apostel 488,30.
pfingstag 40,28.
pflegamt 381,17.
pfleger 66,15. 547,10; pflegerin 407,12;
pfiegnüs 48*.
phrengen jtressen, drängen 210,21.
215,28. 316,29.
phy P. 2^fui 509,13.
biderraan 126,15.
liilit<e) 6:^,24. 79,12. 80,10. 89,22. 99,26.
100,7, 8. 10. 102,8 ustr. ; ganze biht
43,14- 90,26. 283,21 ; bthttaTel 100,14.
lii(c)liteii 79,12. 26. 28. 29. 80,4. 9.
1(12,16, 116,17. 136,20. 174,81.358,29.
ri02,2:). 25.
Ijjliter Beiehtvattr 99,27. 28. 102,10.
11B,G. 244,2, 502^21. 503,5,
riliitua, PjlatuB 34,22. 315,13. 514,8.
.->40,25. 33,
liildeu bilden, gettalten, einprdgen 35,26.
101,30. 273,30. 274,17. 364,6. 391,7.
12. 476,22; gebUdet ^&,17. 534,1;
sich h. 342,18; in sich b. 16S,S. 192,23.
340,14.
bildw Vorbitd 368,28. 392,21. 540,21,
r>S3,28.
liUdgebend 3,3. 191,1.
liildlich, biltlicli 156,7. 183,27. 191,3.
10. 15. 21. 192,4. 15. 387,9. 391,8.
468,13. 526,14. 527,18.
bildlos 174,8. 183,6. 191,6. 11. 193,29.
32; bildloBekeit 97,13.
bitdrich 24,7. 108,15. 165,16. 183,8, 9.
184,21. 185,8. 187,4. 197,15.
bildunfrte) 200,22. 520,6. 524,3. 9.
InlgrifDl Pilfftr 217,5. U, 15. 24. 2.'J2,22.
a40,19, 20.
Iiillichi Billigkeit, Gemöanheit 443,16.
456,7; billicheit 302,4.
|>iri Maxe. 385,2, 467,9; pinlich 205,14.
4H8.7,
birili 96,15. 159,17.
litschaft Beispiel, Ghielmi» 14,9, 161,16.
I!'7,L>.3. :i28,l.
bi!;iii ȟbst. Inf. 221,20. 27. 313,4; bi-
«ind 178,9.
Iii-prech üble Xachrede 481,12-
bi:iseTi :1S2,3. 460,25. 461,20. 463,12,
bi woiieii 492,10; biwoimnge 341,20.
bla i: 512,15; blawvar 44,la.
plan 553,2.
planeteu, die niben 172,11.
Plato P. 522,12.
platz 341,13.
Iduiciien bltMi icerikn 285,3. 368,9.
Ul,17.
lar, 565
blenden 177,18. 207,6. 221,19. 239,4.
247,9. 421,6.
blenken hin und her bewegen 224,29.
bletlin 64,26.
blick 435,5.
bliiiilgeliorcri 132,30.
blindsliche rtur. blinden slicben :^7,12.
468,15.
blintheit 168,11. 163,6, 177,6. 219,15.
247.17. 297,13. 335,8.
bloch nioek 45,10.
bloaa, bloB, blnz, bloza 3,17. 14,31. 23,3.
34,12. 45,16, 54,27. 31. 89,27, 97,11,
130,8, 156,2. 160,27, 170,5. 174,12 us>r.
uaui.; blozen 279,8.
blos(8)heit, blozbeit 174,7. 177,27, 186,16.
188,9. 245,8. 254,18. 261,26. 328,17.
360,6. 400,6, 406,2.
blÖBkJicb, blo.-(sfijklich, blosziich 378,7.
387,11, 391,2. 450,28.
hing schachttm,eoghtffl26S,22. 481,10;
Uuklich 42,20. 49,31.
bln(g)keit 221,13. 301,12. 481,4.
blüjen, blügen, blfin 210,26. 212,8.
215,30,216,20. 221,33, 223,14.239,4.
426,14 MIC.
biaiD(e) 96,16. 233,10. 478,9; bl&mli
lO.jr i'24,-J5.
Ijüimin, ijeblumt 110,29, 216,21, 264,21.
272.18. 803,3. 304,17. 313,7. 29.
374,23 unc.
bliiHt ß;,f/fi'05,15, 221,31. 222,1. 224,24.
sei 1-2, 313.*2!i.
biat^esaend 379,18. 642,9.
blBtig 199,4. t99,& 204,6. 205,14, 210,23.
blütU 121,18, 333,16.
biatnass 379,19.
blutruns Blutßu!'» 542,11.
bluträaig btulig tound 37,5.
blfltvar6i«(/ar6i9213,21. 216,29, 270,27.
276,13. 320,32. 547,28,
bodeuspfw) 48,8. 149,8.
böge Bogen (Waße) 131,12. 18. 22.
281,13. 528,17; Regenbogtn 214,14,
bone, mit e.vn b. P, 513,21.
boD5,'arteu Baamgarten 313,7.
port Keuti: Band 80,2, 11, 81,19.
566
Glossar.
port(e) Fem. Pfofie 29,17. 38,18. 60,2.
102,15. 103,9. 10. 174,31. 176,12, 15.
266,5. 366,13. 414,21.
portner 146,9. 174,32. 175,13.
bos(s)heit, bozheit 120,5. 128,12. 161,17.
22. 182,1. 186,14. 332,24. 29. 501,12.
bosren 84,31 ; sich b. 380,23. 445,19.
boswibt 66,18.
bot(t)e 101,4. 102,8. 266,9. 294,20.
botschaft 7,19. 102,17. 243,20. 372,6.
374,21. 384,15. 407,18. 446,26. 461,10.
466,15. 483,14.
bougen 489,19. 506,26; sich b. 504,5.
brame Dornstrauch 425,22. 434,16.
brawe Braue 551,22.
brechen 225,8. 322,8. 406,15, 438,21;
sich br. 413,16. 424,2. 457,8.
brechten lünnen 481,11.
bredie 131,28. 152,29.
bredien 112,24. 25. 29. 124.10. 152,28.
149,7. 539,2.
bredier, brediger Prediger, Dominikaner
7,2. 132,9. 173,17. 196,2. 199,7. 253,17.
256,24. 314,20. 365,18. 428,20. 436,17.
497,9 ; bredier orden 5,18. 96,6. 120,21.
128,13; bredierin (bildlich) 375,21.
448,1.
prefation 27,19.
breiti 41,7.
prelat Klostervorsteher (Prior) 5,18.
84,31. 126,12. 128,28. 145,9. 422,1.
breme Bremse 125,15. 426,14.
brief 68,10. 194,14. 360,2. 8. 370,20.
373,21—30. 378,24. 380,33. 393,9.
405,5. 479,13. 494,13; brief büchli
4,18. 18,12.
priester 78,16. 80,8. 386,12. 428,20;
priesterlich 63,21.
priol I'rior 145,18. 146,1. 4. 16. 20.
pris 149,2. 20. 151,4. 399,30.
prisen verhetTlichtn^ schmücken 172,12.
241,7. 374,13. 375,2. 396,2. 446,19.
447,12. 452,8; sich pr. 361,24. 411,19.
brockelin 491,30.
profet, propbete 183,8. 509,7.
prologus 3,1. 200,10.
brotli 291,30.
bruch Bruchj Miss 215,11.
brüder Ordensbruder, Mönch 31,32.
32,2. 51,13. 64,6. 66,23. 198,12. 213,23.
214,6 usw.
bruderlich 206,26.
brufen, prüfen 101,26. 157,6. 177,7.
334,25. 377,30. 888,13. 489,5.
brugge 123,1; brücke 514,3.
briinne 75,15. 21. 92,19. 210,8. 257,9.
266,2. 385,9. 498,19; burne 467,17;
der lebende bninne 216,17. 242,16.
265,27. 543,15. 550,20; br. des leben-
den Wassers 273,7. 543,6; br. de«
ewigen lebens 265,29.
Prüsceu, ein ritter von P. Deutsch-
ordensritter 81,11.
brüstli 254,22.
psalteri 254,1 ; psalterjen 25(M8.
253.21. 22.
höh Trossknecht 77,3.
publicanus F. 613,6. G.
buch, daz lebende liber vitae 7,3. 256,19.
buch von den engel8(ch)lichen Jerar-
chien (des Dionysius) 390,1. 471,6;
b. von den gotlichen namen 329,1.
büchli, büch(e)ün 196,1. 200,10. 324,3.
4. 325,11. 18. 360,1. 484,10. 548,1;
b. der warheit 4,9. 189,15; b. der
wisheit 11,25.
buchsak 76,2.
büchstab 140,4. 228,29. 268,5. 393,2.
büchs, büchs 51,20. 23. 66,13.
bühel Hügel 552,7; buhelin .552,18.
büle (Christus) 92,17.
pülverlin 308,20; pülverlich 313,27.
blinden = binden 487,15.
punct 87,17. 160,11. 178,13. 189,16.
191,14. 352,3. 4. 9. 3.59.21. 380,29.
388,23.
puutlin, püntli(n), pünctli 166,13. 210,14.
272,16. 292,13. 309,9. 366,3. 437,10.
470,2. 476,2.
pur 451,2.
burdi, bürdi, bürde 72,25. 126,11. 1:^4,1.
212.22. 216,6. 220,22. 362,12. 368,24.
413,2. 442,27. 473,17. 483,15. 489,20.
490,8.
bürg 44,15. 83,4. 102,2. 362,13. 413,8.
489,27.
Glossar.
567
burj^'er 66,15. 22. 67,26; bnrgeriu 68,7.
bume s. bruiine.
purpurvar 252,23. :i23,19.
busch 54,23.
bäaen 40,21. 80,15.
bÖB8(e), buz(e) Busse, Besserung^ Ab-
hilfe 25,29. 39,6. 126,9. 21. 128,31.
247,12. 258,5. 7. 12. 286,13. 506,10.
büzeu, buzzen, busseii hassen, bessern,
befrei m 46,22. 55,9. 61,9. 73,27.
258.5. 277,13. 287,2. 322,2. 382,6.
463,15. 506,14.
busswirdig 92,14. 134,26.
buwen wohnen, bauen 54,11. 125,1.
219.6. 514,2.
Pyor Altvater 105,11.
C siehe K und Z.
D. T.
tiibern Schenke 372,20. 461,22. 552,2.
tagen = tougen 417,8.
tagen dieTage (unnütz) zubringen 282,17.
taglich, tegelich 395,1. 434,6. 603,1.
t-ala =: talanc, tagelanc den ganten 2'ag
77,6.
Damascenus, der lerer ( Johannes) 3S3,14
Vgl. 176,8. 272,16 Kommentar.
dank, wider sinen d. tptder Willen 11,6;
dankbarkeit 74,9; -berkeit 487,1.
dan(c)kber 215,14. 314,14. 482,16; dank-
berlich 25,18. 281,22. 376,12. 396,4.
448,25; danknem angenehm, willkom-
men 542,17.
tanz 21,17; tanzen 21,16, 242,14.
tapfer 372,18. 461,20.
darben 57,20. 128,31. 188,15. 210,26.
231,20. 317,7. 13. 368,4. 10. 441,18.
tavel Schreibtafel 100,13. 459,8.
David 36,6. 107,27. 298,18. 370,28.
406.7. 432,11. 440,23. 459,17. 490,4.
496,22. 499, IH.
teilhaft 337,29; teilhaftig 176,11. 179,15.
telli Tölchen 552,7.
tempiig engbrüstig 384,7. 466,10.
demdt 85,34; demütikeit, dieniütikeit,
-ekeit 29,11. 475,3. 486,6. 488,12.
494,22. 501,21. 506,26.
demutig, dienmtig 33,12. 85,33. «6,14.
167,1. 420,14. 465,15. 477,3. 4H6,11.
507,11: demütekUch 49,16. 111,1.
152,19. 296,23. 504,9.
tennen dehnen, spannen 289,14.
tensen Prot, tans ziehen 443,9.
termner Almosensammler 119,10.
terren dörren 221,31.
testamcnt der minncn 494,14.
Theodoru» Altvater 104,10.
Thomas, sant von Aquin 1S0,17. 428.3.
453,29.
thron, tron203,12. 218,31. 224,16.263,19;
die hohen throne Engelchor thron i
243,16.
dieb, diep 66,12. 161,16. 19; düpiich
verstohlen, heimlich 162,13. 377,13.
449,27.
tief(f)i 186,28. 213,1. 221,22. 237,11.
445,24.
dienst 112,31. 119,9. 14. 282,22. 298,17.
322,19. 371,20. 406,7. 446,4. 460,17.
489,16.
dienstbcrr 119,8; diensthaft 261,17.
tiergarten 411,12. Vgl. 361,18.
tierli 85,13. 103,12. 125,14. 172,18.
tievel s. tüvel.
digerlicheu P. Adv. sehr, gänslich 529,16.
timber, tinber dunkel finster 186,17.
374,10. 390,18. 446,15. 471,28, 478,17;
timberheit 506,10.
tinkte Tinte 213,1.
Dionysius der Areopagite 180,11. 328,16.
24. 342,15. 388,21; sant D. 455,6;
der lieht(e) D. 190,4. 390,1. 471,6.
dirne Mädchen, Dienerin 223,18. 376.13.
448,25.
tischsegen 48,14.
tischsizen 25,32.
disciplin Kasteiung, Geissdung 36,17.
41,28. 32. 42.5. 21. 22. 43,11. 44,16.
1 35,26.
disputieren 236,6. 504,15.
tistel Distel 222,11. 224,26. 310,14.
432,21. 433,2. IH. 19. 493,2.
5G8
Glossar.
tob, tob tfiuhj stumpfsinnig, unsinnig,
nichtig 27,11. 134,1, 376,24. 449,4.
15. 481.9. 483,12; tobheit 246,17;
tobig 247,15; toblich Adi\ in un-
sinniger^ heftiger Weise b7,2ß. 136,25.
troben, toben toben, rasen 76,5. 8. 117,34.
T(h":iobias 367,26. 440,23. 490,4.
tod — .s". tot —
tocen, to^en Adj, Adv. heimlich, ver-
borgen, geheimnisvoll 140,5. 190,27.
408,7. 424,23. 548,17 ; togeulich, togen-
licb3,4.5,21. 41,31. 156,27. 160,5. 189,1.
HK),15. 193,7. 194,7. 198,6.201,18 us\c.
togenlieit, tos?. 21,28. 94.7. 190,6. 26.
235,26.
to^ü, togiii, to^^eue- 101.9. 206,6. 254,13.
290,12. 428,4. 506,16.
tobtcrli 66,11.
tolde Wipfel 254,10. 429,20.
Doiuiiiicus, sant 38,8. 145,21. 146,8. 15.
322,27.
doli, ton 323,13. 425,2. 491,24; donen,
tonen 306,15. 19. 386,29.
tonre Donner 230.3; tonren subst. Inf,
230,6.
dorf 139;ir>. 140,19; dorfbrunno 75,19.
toriii 483,19.
torlic'h(en) Ade, wie ein Tor, in törichter
Weise 204,16. 205,22. 219,31. 240,13.
281,20. 31.-), 16. 482,5.
dorn 222, 1 1 . 425,22. 432,8. 434,16; dorn-
stieb 542,10.
dorniir 432,1 ; dornin, durnin 541,11. 14.
toroht, torabt 145,24. 161,28. 361,17.
411,11.
tonvn. <1 Olren dürr icerden, rerdorrtn
57,20. 128,31. 210,25. 212,3. 231,20.
317,7. 36H.4. 10. 441.17. 41)1,20.
todbot 146,18. 378,28.
totbliit«'n Totenffer/cfn 44,21.
totbriiiiicnd 435,3.
tbdtnilicb sterblich 03,24. 112,4. 125,7.
i:>7.28. 160,2;i. 172,;{. 182,16.
toten, toden 368,4. 440,8. 491,11; toden
n-sfrrhrn 271,21. 285,3.
totlicli. t .tlicb. totlich 36,30. 69,12.
203,jn. L^04.13. JOH.M. 259,17. 260,10.
270.32. 277.15 iisic.
todmiff sterblich 31,4. 641,17.
totschlag 80,5. 206,22.
todschreke Schrecken vor dem Tode
381,2.
totsiuide, tots. 258,4. 300,20. 422,16,
445,26. 499,4. 500,7. 16. 23. 501.7.
502,26. 503,2. 11. 620,8.
totsweis, totsw. 80,14. 285,11.
totwunde 275,21. 321,3.
tow, tow Tau 28,9. 249,26. 297,16.
433,29; towen 22,6.
Tozz(e) 96,7. 367,4.
trä^ 207,8; traklich 228,2.
tragkeit, trakheit 34,19. 221,14. 228,1.
trabt Masc. Duft 427,19.
trabt Fem. Gepicht, Speise 24,20. 428,12.
trabten nacb achten, erwögen 5.53,6.
trecben ziehen 54*. 115,23. 398,9.
trecken Prät. trabte ziehen (vom Duftf
425,16.
trejen, treyen Prüt, träte drehen 198,23.
199.9. 662,14.
trencken 466,8. 472,17.
trengen bedrängen 491,32.
triben subst. Inf. Treiben, Hinneigung
37,24. 64,2. 137,1. 370,7. 458,16.
triefen 81,28.
trieger Betrügn- 49*. 211,22: tr. der
weit 120,25.
dribeit 184,24. 186,8. 23. 186,3. 189,8.
14. 24^3,17. 330,11.
dringen dringtm, bedrängen, heimsucht n
53,3. 60,8. 179,31. 351,8. 442,16.
500.10. 506,14. 651,16.
trink vas 51,8.
drispizig 43,8.
trit 236,13.
drivalt 345,11; drivaltig 171,5. 178,17.
108,21.
drivalt(c)keit, -tikeit 25,20. 179,:30. 32.
180,7. 185,12. 190,14. 237,8. 329,25.
355.12.
trom, troni 246,13. 418,8.9.11. 524,13.
tnumn, tromen 456,4. 12. 524,18. 19.
tron v. tbron.
tropfen tropfen 37,6; treppe I*. 516,6.
Glossar.
569
tr6pf(e)ü(n), tr6ph(e)li(n) 28,8. 208,28.
225,13. 229,8. 237,11. 268,21. 23.
269.2. 295,7.11. 336,14. 385,10. 432,15.
441,25. 467,17.
trösten, sich 433,3; trostli 114,13. 126,
10. 12.
trostlich, troBtlicli 74,2. 87,30. 124,25.
207.18. 380,33. 396,4. 397,1. 492,30.
602.8.
trostre)los 36,9. 133,16. 256,32. 264,12.
272,16. 273,28. 31. 276,7. 321,20.
492,22.
troM'en suhat. Inf. Drohuiuj 372,7.
461,11.
tnibel Traahi' :K)3,3.
truchen, tniken trocken 383,24. 462,4.
465,17; truchenheit 383,22. 465,16.
dnieken, tnicken drücJceii 480,5. 16.
484, 16. 22. 493,33. 494,9. 21.
tnig 489,20. 22; truglich, trüglich, drüg-
lich beirügeriffch 119,2. 484,19. 487,9.
drüglich Adr. von drucken fest 494,21.
trujen gesättigt werdtn^ gedeihen 252,1.
tninken minnetrunken (im mystischen
Sinne) 336,9. 10. 384,11. 428,17.
466.3. 12. 562,4. 24; trunckenheit
421,1.
trurig 222,24. 412,2. 484,17. 496,19.23;
tnir(e)klich 36,1. 69,20. 109,19. 118,
9. 18. 149,26. 275,24. 321,7. 19; trur-
lich 118,19.
tnir(i)kcit, trurekeit 36,23. 30. 62,1.
95,20. 174,27. 233,15. 237,15. 238,6.
448,10 usir,
trut Adj. geliebt, traut 27,14. 92,16.
137.19. 378,2. 417,12. 440,12. 442,2.
450,22; Subst, Xeutr, Gemahl, Ge-
liebter 451,7. 491,13; trutlich 226,6.
231,15. 238,17. 321,14. 376,13. 392,18.
429,7 us^r.
truwen P. Adr. in Treuen 533,18; in
tniwen 536,23.
tübeli 650,27.
töchin rmi Tuch 152,13.
tuchüm) 154,8. 393,15.
tugent, -d Tüchtigkeit, Tufjend 27,6.
174.20. 303,24. 421 J7. 478,12. 487,24.
501,9. 507,15. 25.
tugenthaft tüchtig, fdeh tugendhaft
79,13. 84,17. 86,14. 100,24. 122,30.
127,13. 171,11. 364,30. 394,16. 425,27.
426,25. 464,16. 459,27; tugentUch
117,25. 192,18.
tumb, tuub einfältig, töricht 238,5. 371,30.
376,10. 399,4. 448,31. 456,3. 460,27.
tungen düngen 206,16.
dunk Subst, Masc. Bedünken 301,1.
362,22. 365,19. 418,9. 436,18.
dünken, sich 424,9 ; subst, Inf 359,23. 25.
dunkel 190,18; tunkelu dunkel werden
230,2.
tünn 552,19.
dtinsterheit DunkeUieit, Finsternis t das
göttliche Wese^O 187,17. 189,24.
330,14.
düplich s. dieb.
dur(ch)brechen, dur]>rechen durchfechten
63,2. 246,33. 339,28. 446,7. 497,3.
durchbruch, durpruch DurcJibruch^ via
purgativa 84*. 52*. 3,11. 34,11. 94,10.
97,8. 333,6. 474,17.
durehten verfolgen 57,22. 148,14. 462,17 ;
durehtunge 486,6.
durchgan 205,4. 305,3. 510,14.
durgemint 37,6.
dnrglenzen 242,1.
durglesten ganjg erleuchten 69,24. 478,18.
dur(ch)gie88en 173,12. 208,12. 233,30.
453,1.
durgraben durchbohren 204,18. 210,19.
316,26.
duigTtLnt\ichkeitJJurchgrü7idung,gründ'
liehe Kenntnis 188,12.
durhowen 210,19. 316,26.
durkleren 242,9.
durküssen 267,18. 275,16. 276,31. 321,1.
546.10. 550,22.
duriegen Part, durleit besetzt 242,8.
266,15.
durchlidend 484,18.
durloben 309,10.
durlüffen 414,17.
(lurchluhten 22,5. 254,18. 367,22. 425,27.
466,7.
durmartern 127,20. 210,15. 214,21.
259.11. 271,3.
570
(Tlossar.
durnechti^ vollkommtn, treu 327,19;
(lumehtklicL Adr. ganz mid gar 326,22.
(lurnegreln 210,17. 816,21.
durschiessen 120,26.
durschlafi:en 210,17. 316,22. 545,16; dur-
sclilagencs gold 242,7.
durschmelzen 266,14.
durchschuiden 229,24. 284.5.
durschowen 208,14. 214,18.
dursehen 30,10. 529,17.
durseren gane in Schmers versenken
210,27. 317,11.
dursofen ganz ertränken 127,28.
durstechen 315,19.
durchvaren P. 529,16.
durflosseuheit 15,15.
dur(ch)wegeu durchirehen 452,14. 24.
durchwiileclich Adr, ganz mit freiefn
Willen 553,6.
dur(ch)wunden 41,17. 69,8. 120,26. 127,
27. 29. 199,4. 210,2. 27. 271,2. 317,11.
318,31. 541,33.
durwünklich 245,19.
dürftig bedürftig, arm 72,26. 30. 91,4.
159,3. 249,10. 267,7. 286,21. 368,25.
428,10. 443,1.
turn Turm, Verlies 76,25. 293,24. 400,23.
tuniei, -ey Turnier 149,22. 152,15; tur-
nieren 149,12. 252,15.
tur teuer, selten 295,14. 299,25.
dürr, tiirr darr, trocken 91,5. 199,22. 23.
289,25. 297,15. 303,17. 373,25. 384,
6.0. 409,15. 432,21. 466,9. 492,4.28.
dürre, dürre, türri, türi Dürre 92,20.
145,17. 1911,22. 257,23. 319,27. 543,7.
552,6.
turst 95,5. 201,2.
türst^n nach 240,26. 272,26. 274,11.
305,15.
tur8tig,tür8tig91,5. 92,18.99,5.14.272,28.
274,8. 10. 361,28. 384,27. 41 1,25. 467,5.
turteltüb(c)li(n) 425,11. 19. 492,3.
tusontvalt 191,8. 376,18. 424,14. 447,20;
tusnitvaltklich 448,30.
tütsch, tusch deutsch 7,2. 104,3. 124,29.
126,14. 197,10. 199,19. 200,18. 397,5.
4K),20. 484,10. 495,5; tütscher Deut-
sehn- 199,25.
tüvel,üefel 114^5. 115,6. 119,26. 121,15.
131,21. 22. 25. 135,82. 187,14. 159,13.
167,11. 332,25. 2a 362,2. 369,19.28.
32. 370,3. 33. 383,10. 412,6. 457,15.
458,3. 7. 11. 18. 459,27. 464,26. 489,26.
490.22. 503,6. 505,6.
tüfellich, tiefellich 115,15. 131,14. 133.11.
370,16. 459,5.
twiges P. zweimal 635,22.
twingen s. zwingen.
e, die alte (und nüwe) alter (und neuer)
Bund 132,28. 183,18. 327,10. 351,14.
ebenleugi gleiche Länge 67,8.
eblich, ebenlich Adv. a%rf gleiche Weist
65,6. 63,11. 27. 74,17. 98,14. 116,20.
172,15. 227,15. 282,28 usw.
echt, eht(e) Adv, Conj» bloss, nur, eben,
/re/i/j nur 47,11. 143,32. 162,18. 220,31.
221,16. 248,9. 296,1 . 301 ,21. 344,29 «A'*r.
ed(e)li, edele 228,16. 248,2. 325,9. 3ai,16.
421,9. 438,29; edelkeit 421,2.
edelu 192,1. 438,28.
efrowe 448,24.
eggeht eckig 199,5.
Eghart, der selig meister 22,28 ; der lieiliir
meister Egghart (Eghard) 63,4. 99,20.
egstlich schrecklich 546.15.
Egjptus 454,21.
eig(e)ueu zuteilen, zu eigen mach>:n
390.23. 472,5. 550,25.
eigenschaft Eigenschaft, Anhänglkh-
keit an das Irdische {Gegensatz zu
gelassenheit) 101,11. 179,22. 183,1.
184.24. 187,7.19. 188,2. 274,14. .331,2.
332,28. 340,27. 350,4. 351,25. 387.S.
486,12. 488,23. 489,2. 10.
eigen tum 490,21.
eigen willen 397,15.
ein, eins = Gott 164,6. 193,29. 340,29.
341,22. 344,13. 345,11. 347.6. 478,4.
eiuberkcit Einheit 420,21.
einberlichen Adv. übereinstimmen d^lH^'J;
eynbarlich Ai(i. 519,14.
einboru dugehoren 70,11. 91,11. 19. 24.
134,6. 214,11. 19. 333,3. 339,4: eiii-
geborn 339,10. 355,8. 18.
Glossar.
571
einförmig 166,9.24; einformikeit 355,11.
einhom J^tVi^om 266,25.
einig, daz (ein) eiuig(e8) ein = Gott
93,20. 106,35. 156,6. 164,3. 177,27.
225.16. 294,23. 313,1. 330,1. 477,18.
einigen, ainigen vereinigen 169,7. 170,12.
337,11.
einikeit, -kait Alleinsein, Einheit, das
göttliche Wesen 60,6. 88,12. 104,9.
180,8.26. 184,21. 185,6 24. 186,3. 13.
187,12. 188,14. 189,8. 17. 190,1. 9.
226,28. 328,10. 329,19. 330,12 usxc.
einkein = enkein, nehein 122,13. 157,8.
einkosen im Innern vertraulich reden
88,14.
ainmüt innere Einmütigkeit 170,17; ein-
mutikeit Übereinstimmung 339,22.
einreden mit sich selbst reden 54,19.
89,29. 127,3. 173,22. 231,23. 361,27.
377.27. 411,24. 450,16. 453,13.
einung(e) Einigung 167,29. 334,8. 5.
342.23. 474,11.
cinvaltig, -veitig, ainvaltig 4,16. 97,16.
157.24. 160,8. 162,27. 164,14. 27.
167,19. 171,4. 19. 174,7. 177,13, 22.24.
178.1. 3. 17. 19. 184,12 usw.; eiu-
valt(e)klich , ainvalteklich 17,23.
162,10. 163,17. 185,17. 187,3. 292,4.
376.17. 397,4. 448,30.
einvalt(e)keit, -tikeit, -veltikeit, ain-
valtikeit 160,1. 164,27. 166,31.167,20.
22. 176,10. 178,4. 185,14. 25. 186,3.
187,8. 193,22. 194,2. 218,6. 327,27 usw,
eitoven Feuerofen 258,6.
el(e)ment 28,4. 165.20. 172,24. 543,10.
elich ehlich 361,24.
Elisabeth v. Klsbet.
eilende 6' übst. Fremde, Verbannung,
Trübsal 203,13. 211,8. 244,7. 267,8.
312.25. 418,3. 436,15 usw,
eilende Adj, fremd, verbannt, beklagetis-
wert 202,24. 208,21. 211,18. 213,18.
217.5. 10. 15. 24. 218.25. 220,26.
237,14 usw. : ellend(e)klich 69,4. 79,25.
124.2. 126,9. 127,17. 175,5. 204.7. 20.
211.28. 217,16 usiv.
eilenden unpers, elend machen, quälen
223,16. 312,26; suhsU Inf. 322,17.
Elsas 75,16.
Elsbet Staglin .v. Staglin.
Elsbet, Elisabeth, die liebe sant 367,25.
440,22.
em(t)zig, emsig beharrlich, beständig
171,9. 192,17. 193,7. 409,1. 431,17.
433,28. 445,8 ustc; emz(e)klich, ems-
klich 205,19. 392,26. 415,18. 476,8.
477,6; emzikeit 301,17.
empf — s. enpf —
cnbissen essend oder trinkend geniessen
10,12. 24,13. 25,9. 76,20. 265,19.
enblozen, enblo8(8)en, entblosen, ent-
plozen 95,21. 125,16. 174,7. 186,19.
318,16. 450,28. 476,17.
enbrennen 303,22. 466,16.
enbresten Frät, enbrast hervorbrechen
50,15. 69,31.
endrunge 341,17.
ener, enr = jener 58,29. 77,22. 91,21.
142,9. 148,23. 229,26. 254,26 M*tr.
Engad(d)i 303,4. 493,11. 553,18.
engel, der e. naht 20,25; der e. hohzit
59,6 ; in der heiligen e. octave 373,28.
engels(ch)lich englisch 20,26. 64,23.
96,8. 101,10. 13. 17. 109,16. 137,16.26.
144,27. 183,12. 243,20. 250,8 usw.
eugelschar 446,24; engelspise (Eucha-
ristie) 297,20.
cngelten 119,16.
engen entgehn 188,5.
engen engen 249,8. 496,16; engi 358,16.
enklein ein wenig 18,21. 41,20. 46,24.
49,17. 113,19 ustc.
enpfaUen 159,12. 192,26. 472,4. 477,8.
enpfen(gjklich, enphenklich 99,8. 156,18.
156,8. 173,10. 214,3. 221,26. 223,28.
356,14. 388,13. 456,6. 469,17.
enpfinden, enph — , empf — 94,23.
167,7. 'JH. 223,25. 228,2. 229,7. 234,15.
272.5. 284,4. 296,27 usw.
enpftndung, i'rapfindung 56,25. 169,24.
184,7.
enpfintlich, enplj— 22,22. 41,4. 140,9.
143,3. 6. 188,20. 202,9. 299,23. 301,17.
385.6. 394,26. 467,12.
enpfintlichkeit 34,20. 140,6. 193,1.
572
Glossar.
entbilden von Phantasiebildern hefreien
160,28. 168,9. 338,5. 347,5. 391,2.
entbUtlich 391,2.
entbinden, enbinden, befreien, lösen
220,28. 315,24. 460,30. 504,9. 539,?3.
enteü 49,3. 52,7. 128,26. 168,33. 381,14.
€nt.ekunge 186,16.
enteren 381,13. 462,10.
eutgan 334,10. 341,21. 354,2. 359,25.
entgaugenheit Entrückung, Ekstase
94,27. 113,13. 168,16. 189,16; ent-
gangung(e) 162,31. 168,19. 344,12.
entgeisten den Geist in der höchsten Be-
schau ang absorbieren 181,28. 182,14.
183,1. 189,21. 193,25.
«ntgiesseu 181,16. 186,20. 186,6. 207,3;
sich e. 180,13. 14. 233,6.
i}ntgie8sung(e) (von der TrinÜät) 179,2 ff.
181,12.
«ntglichen transfonnare (in mystischem
Sinne) 347,5. 366,16.
entgossenheit (von der TrinitM) 179,29.
31. 180,18. 181,4. 185,7.
«ntgoten 181,28. 182,9.
entgroben von der Sinnlichkeit befreien
94,24. 168,9. 327,20.
enthalt Stütze, Schutz 350,11.
«nthalt^n unterfialien, erhalten 173,2.
187,14. 16. 266,1. 264,18. 613,23;
sich nit e. 73,29. 84,16. 548,20.
entheftcn losmachen, lösen 190,13.
entheissen geloben 152,26.
entkleiden 186,17. 21.
entladen befreien 225,19. 376,1.
entledigen 358,8; sich cntlid. 473,17.
entlenen, in entlenter wise 174,23.
entmenschen 337,22.
entuemen verzücken 349,28; entnomen-
heit 163,1.
entroincu verunreinigen 541,19. 544,22.
552.7.
entrihtcn in Unordnung bringen 221,10.
373,10. 381,13. 462,10. 470,7; ent-
rihtiiujre 109,20.
entriiwen in Treuen, füruahr 511,2.
514,18. 515,19. 23. .521,21. Vgl
triiwon.
<'nt.«<ugon. sich 438.3.
ents(ch)laffen einschlummern 223,19.
458,20. 496,7.
entschlahen befreien 343,18; sich ent-
8(ch)Iahen 162,6. 483,20.
entschopfen entstellen 646,8. 561,26.
entschüten, sich s, losmachen 164,2. 182,7.
ent8ez(z)en berauben 106,32. 118,30.
130,22. 169,32. 186,4. 188,6. 13. 193,29.
330,12. 337,12. 348,13. 16 usw.; ent-
setzange sin selbs 360,19.
entsinken 17,3. 23,10. 94,11. 139,25.
168.22. 189,19. 20. 192,33. 332,26.
336,11. 336,18. 340,11. 357,17.
entsprunglichkeit Hervorgehen 185,7.
entsübem verunreinigen 277,10. .32131.
entsunkenheit Verzückung 90,19. 93,8.
182,26. 187,23.
entvarwen, entferwen 54,26. 409,10.
439,23.
entfriden des Friedens berauben 371,29.
460,27.
entfrien frei machen 168,27. 353,3.
entfremden, sich 161,11: entfromdekeit
189,1.
entwegen aus der Fassung bringen4\4,9.
ent werden zu nichte werden (mgsttsch)
164,11. 166,6. 168,13. 170,1. 186,14.
335,18. 23. 336,12. 14.
entwerfen 191,1. 226,8. 396,22. 397,2.
entwisen wegweisen 163,10, 186,21. 190,1.
356.23. 378,7.
entwordenheit 54,4. 160,7. 354,13.
entwordenlich 343,17. 350,25.
entwürken vom Irdischen losmachen
160,29. 165,20. 168,18. 189,21. 102,31.
341,19.
entzogenheit Verzückung 127,34.
enzit bei Zeiten 62,13. 424,3.
enzweres hin und her 323,26.
epfcl, opfel 361,22. 411,16; epfelli 25,21 ;
opfelbom 548,18.
epistel 36.9. 347,27.
erarnen einernten, encerben, erretten
42,23. 50,7. 72,30. 87,23. 117,25,
121,17. 122,12. 133,18. 176,21. 214,1.
217,17 Ui<tr.
erbalden, sich .s. erkühnen, Mut fassen
5,12. 117,2.
Glo88ar.
573
erbarmherzig 71,10. 72,9. 213,15. 214,22.
220,24. 504,7. 506,24 ; erbannherzklich
315,29.
erbarmher(t)z(i)keit 206,25. 207,3. 214,4.
8.22. 409,12. 444,25. 447,27. 498,20.
501,13.
erbeit, erbet s, arbeit,
erber 25,27. 49,12. 15. 68,7. 76,11. 79,18.
80,8. 119,9. 148,5. 340,6. 484,4. 485,2.
erberkeit 222,5. 456,7.
erbennklich 72,9. 88,3. 217,5. 246,2.
278.11. 321,12.
erb(e)8ünde 333,23. 387,16. 468,20.
erbeteil 494,15.
erbid(e)meii erbeben 230,3. 271,30.
erbilden, sich s. abbilden 292,8.
erbleichen 80,13. 88,6. 208,6. 13. 209,10.
270,26. 316,15. 19. 551,27.
erblenden verblenden 136,2.
erblujen 261,11.
erbrechen subst. Inf. Abbrechen, Ent-
haltung 9,26. 362,17; sich erbr. *. Zo^
reisscn 77,1.
erbresten Frät. erbrast hervorbrechen
122,20. Vgl. enbresten.
erbunnen missgönnen 546,6.
erdarben hinschwinden 212,2. 273,31.
368.12. 441,20.
erdber 31,31.
erdorren, ertorren 35,17. 210,11. 212,1.
273,31. 441,5. 6. 8. 21. 491,16. 17.
10; erdürren 538,8.
er(e)lo8 49 ♦. 382,20. 463,27.
erenrob 14,1.
erenwirdig 49,21.
ererbeiten 98,20.
ergaben ereilen 365,14. 436,11.
ergebenlich ergeben, untertänig 357,1 ;
Adv, 368,6.
ergilwen gelb machen 214,18.
ergraben eingraben 393,13. 394,31.
ergremmen in Gram versetzen 229,32.
ergremt mit den Klauen gefasst (von
erkrimmen) 282,9.
ergründen 256,26. 268,26.
ergrunen grün, frisch machen, grün
werden 210,12. 214,17. 261,11. 312,20.
409,15.
ergTHzen begrüssen, anspr'.chen 312,20.
erhaben Part. Adj, erhaben, angesehen
57,8.
erhaben Part, erhangen erhängen 161,
23. 207,27.
erheben, sich geschwelten 413,14.
erhellen Prät. erhal erschallen 18,1.
93,28. 423,13.
erhenken 542,26.
erhizzen, — tzen 139,21. 227,11. 365,29.
437,2.
erhohen 218,32.
erholter süfze tiefer Seufzer 77,24.
126,26.
erhügen erfreuen 48,23. 243,7.
erkalten 199,19; erkelten 40,27.
erkantheit Erkenntnis, Einsicht 162,9.
erkantniss 342,10.
erkennen, sich 342,9. 10.
erki(c)ken erfrischen 200,4. 251,10.
275,11. 381,1. 543,15. 549,16.
erklenken erklingen lassen 425,8.
erkleren erkuchten 303,22.
erklingen 199,15. 213,10. 246,10. 22.
306,17. 313,22.
erkoseu subst. Inf. trauliche Unier»
haltung 113,11; sich erk. 263,21.
443,1.
erkrachen 143,5.
erkriegen 140,6. 170,19. 515,21. 516,16.
erkulen, erkulen 46,17. 84,22. 85,23.
202,27. 208,15. 276,11.
erkunt (sich) von erkomen erschrecken,
oder von erkumen krank, elend
werden (Lex. I, 645) 205,31.
erleinen, sich s. anlehne^i 138,30.
erlich trefflich, herrlich 170,11. 241,7.
296,15. 370,26. 459,15.
erlofen durch Laufen ereilen 79,23.
281,21 ; sieh e. s. zutragen, ablaufen
175,22.
erloscherin 250,24.
erloser 499,16. 540,17. 554,25; erlosung
540,11. 27.
erlühten 177,28. 220,28. 204,1. 303,21.
390,3. 446,15. 471,8.
erlühtung(e) 61,31. 388,20. 469,24.
erluphen, erlupfen 3,7. 114,11. 313,10.
574
Glossar.
«rmeien ergötzen 208,10 ; sich ermeijen
440,2.
ermlich B6l3,20 ; ermklich 217,26. 421,20.
ermorden 78,29. 148,6; ermorden 148,1.
ermüden 215,26.
eniiündem 251,10; ermundning 538,1-
ermüten einmütigen 818,5. 459,17«
ernassen noss werden 35,19.
emschlich 90,17. 365,25. 373,14; ernst-
haft 218,2; ernsthaftig 487,1.
emüwren, sieh 486,9; emüwerdng(e)
436,6. 15.
ersam 870,22.
erschamon, sich 25,8. 27. 440,28.
erschellen Pr^t. erschal, Part, er-
schollen, erschallen erschallen 31,26.
67,20. 68,2. 112,3. 120,10. 139,28.
257,3.
erschiessen erschiessen^ fi'uchten 74,26.
237,11. 12.
erschozzen gedeihen machen 320,14.
erschrien aufschreien 30,1 1 . 73, 17.21 2,18.
erschro(c)kenlich erschre^iklich 181,11.
279,34. 300,15.
ersehen 67,12.
ersetzen subst, Inf, Ersatz 255,1.
ersigen Prät. erseig und ersigde ver-
siegen 127,15. 16. 543,6.
ersitzen Part, ersessen missraten (vom
Obst) 25,10.
erstan auferstehen 93,13; erstehtUy
erwerbeti 848,21.
erstSLudung Auferstehung i mi/st. ) 168,30.
erstarcken 426,9.
ersteinen zu Stein werden 70,27. 206,28.
222,19. 268,8.
ersterben 40,1. 70,28. 78,13. 80,6. 92,12.
126,16. 180,7. 142,8. 205,18. 213,11.
288,24. 260,81. 268,1. 275,20 usw.
erstgebor n 884,19.
ersti Anfang 58,22. 84,7. 829,15. 422,6.
428,6.
erstumben 80,15. 199,24. 202.22. 374,31.
447,10.
ersuchen heimsuchen 87,16. 858,10;
sich e. sich erforschen 503,15.
^rsüfzen 85,20. 58,10. 65,1. 85,15. 119.21 .
121.28. 175,11. 217,16. 448,10.
erswarzen 88,7.
erswcm Präf, erswar zu eitern an-
fangen 40,28.
ertoden, ertoden sterben 35,18. 80,13.
208,6. 14. 209,10. 269,21. 816,16. 19.
ertoden töten 77,6. 123,5. 269.9. 271,6.
393,1. 553,1; sich selber e. 110,27.
ertoter Mörder 318,28.
ertrenken 77,9.
ertrinken 78,12.
ertruchnen trocken werden 76,20.
ervehten 365,14. 436,11.
erveren, sich P. erschrecken 590,1. 535,4.
ervolgen erreichen, erfüllen, zu Ende
führen 3,14. 86,5. 98,7. 23. 27.
107,13. 208,25. 315,33. 324,8. 326,18.
331,21 usw.
erfülli Erfüllung, Befriedigung 548,4;
erföllunge 237,12.
erwarmen, sich 82,5.
erwe{c)ken 211,18. 547,21; subst, Inf
541,24.
erweichen icdch werden, w, machen
73,31. 137,32. 206,28. 227,11. 268,10.
318,32. 321,18. 435,11. 552,29.
erweinen, ^ichs, ausweinen 122,22. 175,6.
erwerberin 250,25. 267,10.
erwer(r)en mit Vat, abwehren, verhin*
dem; sich e. 73,3.
er winden aufhören, ablassen 45,1.
134,29. 369,28. 892,4. 458,3. 479,26.
crwirdig 244,1. 245,2.
erwischen Prät, erwuste 77,12.
erwisstro Erhsenstroh 45,2. 6.
erwitteren ausspüren 208,10.
erwünscht PaH. ganz nach Wunsch^
rollkommen 546,1.
crzagen t^erzagen 56,29. 70,30. 80,15.
91,85. 98,25. 127,14. 149,18. 152,5.
247,2.
erziehen herausziehen, zücken 453,27.
erzittrcn 229,32. 239,26.
erzogen, erzoigen, erzeugen 23,6. 207,3.
208,21. 444,17. 453,10. 467,18. 474,12.
489,12; unpers. 879,7; sich e. 163,21.
167,6. 170,8. 493,24.
erzogung, erzoigung(e) 125,19. 20H.23.
262,5. 818,20.
( 1 lo88ar.
575
eizujren erzeugen, fertig bringen 54,7.
107,15. 24. 162,2. 409,17. 425,13.
erzünden 294,38.
csche s. äsche.
«strich 44,10.
etlich. in e. er wiae guodammodo 345,12;
nach c. er w. 351,5.
Eva 369,21. 453,21. 457,18. 533,18; Eva-
Maria 265,17. 18.
evan^elium, ewan^ — 48,11. 132,29.
184.13. 186,9. 197,18. 340,20. 345,5.
351,15. 373,5. 511,26. 525,2.
ewig (Definition) 171,18. 343,23.
exemplar Vorbüd, Muster 3,2. 4,6.
237,8. 318,15. 331,18. 1 9. 338,5. 476,24.
531,17. 547,14.
aya, eia 127,9. 137,11. 143,12. 167,27.
171,25. 184,20. 190,3 uew,
ezzich, essich 44,1. 46,24. 272,27. 543,7.
P siefie V.
G.
gaden Verschlag 76,16.
gaffelatim freches Weibshüd 481,8.
gafifen s» kapfen.
galander Haubenlerche 374,12; callan-
der 446,17.
galge (Kreuz) 34,25. 87,7. 213,21. 259,10.
267,28.464,11. 542,24. 543,27. 545,18.
galle 46,24. 272,27.
ganaist, gneist Furike 285,17. 483,16.
gan(t)zheit 12)5,23. 291,29.
gani P. 516,10.
ga8thu8 Abteilung des Klosters für
Fremde 86,22. 137,6. 219,10. 372,20.
geamen ernten 83,20.
gebaren sich benehmen 123,27. 149,19.
26. 150,3. 152,23. 172,21.220,7. 297,20.
365,25 usw.; sich g. 231,1. 294,22.
gebein 45,13. 214,17.
geberde 80,13. 186,28. 221,22. 260,9.
321,19. 20. 414,9. 18. 481,14. 487,9.
491,32. 38.
geberen gebären 191,27. 293,23. 330,26.
340,24. 27. 348,9 ; sitbst. Inf. 179,27.
330,17. 849,15. 473,«; sich g. 162,10.
186.14. 16.
geberer 355,22. 543,23 ; gebeninge 840,23.
856,10.
geberlich 340,19. 343,9. 347,11. 350,12.
gebe88er(e)n, gebesren 286,25. 26. 308,7.
313,13. 372,14. 373,13. 426,9. 449,2.
461.17. 485,4.
gebeüi(n) 18,11. 36,26.
gebihten 602,20.
gebUden 168,10. 191,6.
gebirge 188,20.
gebiss 252,8.
geblnmt s. blnmen.
gebrech Glanz 537,3.
gebreht Lärm 75,7. 414,17.
gebre8t(e) Gebrechen ^ Fehler 87,20.
94,30. 115,8. 116,24. 169,27. 161,18.
177,26. 246,2. 256,22 usw.
gebresten mangeln 11,7. 91,4. 240,6.
283,8. 386,24. 429,33 usw.
gebresthaft 416,12. 449,25. 488,29.
499,22; gebresthaftig 92,22. 133,2.
134,21. 157,28. 364,5. 877,12; ge-
brest(k)lich 5,11. 156,24. 166,11.182,6.
193,6. 309,24 usw.
gebruchen 28,21. 96,25. 168,28. 30.
170.18. 193,22. 301,24. 369,12. 379,4.
389,6.
gebruchlich 332,18. 350,30. 361,1. 474,10.
gebrüchlichkeit 186,30.
gebruchung 334,2. 349,18.
gebur Bauer 31,1. 77,12. 82,16; ge-
bürin 420,23.
^eburschheit Rohheit 123,13.
gehurt 117,9. 119,6. 168,5. 179,16. 181,13.
191,33.228,6.224,11.276,1.281,11 M«r.
gedenielin Kämmeriein 496,4.
gediht, gdiht schriftli<:he Aufzeichnung
in Poesie oder Prosa 26,6. 90,27.
157,8. 158,9.
geding Neutr. Vertrag 144,5.
geding(e) Xeutr. Hoffnung 47,19.377,28.
450,17.
gedone 17,24. 18,27. 20,26. 26,12. 29,22.
31,17. 20. 189,29. 223,8 usw.
gedonen 813,24.
gedrani»:, gedrentre 10,14. 56,4. 62,4.
68,26. 69,1. 116,3. 126,20. 128,8.
149.1H. .827,6. 337,28. 358,16. 367,16.
576
(Tlossar.
^edult(e)keit, jj:edultik-, getultik- :i3.11.
60,14. G4,10. 91,28. 98,9. 108,25.
248.11. 251,16. 252,19. 504,8.
gedult(e)klich 85,30. 86,9. 90,15. 102,26.
184,9. 145,3. 161,24. 192,20. 236,7 usw.
gecdeln adebi 207,8.
gegen wurf Vorwurf, Objekt, Antwort
29,5. 81,1. 88,10. 103,26. 125,29. 160,8.
168,21. 174,26. 180,21. 181,8. 10 usir.
gegenwärtig 95,16. 133,2. 158,31. 169,11.
170,20. 177,25. 178,3. 200,4. 204,4
asu\; gegen wnrt(e)klich 73,1. 95,22.
165,13. 179,25. 236,18. 297,28 utm\
gegen würt(i)keit, -wertikeit 24.16.
164.15. 169,3. 176,15. 177,6. 178,10.
- 179,8. 188,12. 221,26. 230,24. 27.
281,26. 232,82 lufic.
gegin Gegend 67,6. 131,31.
geh jdfi, ungestüm 414,8; gah 455,9.
gehabd, gehab Benehmen 126,28. 24.
822,8.
gehaben suhst. Inf. 7.3,30; sieb g. sich
hcnehmen, heJindenS6,^2. 37,10.48,22.
57,82. 69,28. 83,22. 91,32. 92,1. 112,17.
120,30. 131,5. 132,14 usw.
gebeilen Jieil werden, heilen 197,9. 467,4.
gebeissfe), gehaiss IWsjn-echung 184,16.
282.16. 285,21. 418,9.
gebeissen mit Dal. versprechenj in Aus-
sicht stellen 69,2. 287,17; daz g. land
150,11. 4.54,21.
gehelleu zustimmen 840,1.
geborz beherzt 207,18.
gebilfe 207,17. 423,24. 484.5.
geborde Gehör 209,6. 316,8.
geborsanii, -e Gehorsam, Klosterzucht
70,19. 78,82. Hl, 14. 218,6. 273,2.
274,13. 820,8. 340,15. 381,8 usw,
gebiigde Gedächtnis 215,18.
geierren 54,11.
geil muitnlliij 105,21.
geisel 48,5. 9. 16. 19. 21. 44,6. 22. 199,6.
geiselseblag 204,18. 815,18. 541,27.
geislcii 42,1. 48,25. 206,22.
geistekeit 185,3.
geisten spirare 185,27.
gei.stenricb, geistricli 160,6. 171,2. 193,4.
gei.ster und geisterin 83,14. 15.
gejegde Jagd 103,12. 216,14.
gekeren 361,29.
geladen Part, beschwert 175,2. 212.27.
809,28.
gelagen auflauem 376,27. 448,7.
gelassen, -z(z)en, -zsen verlassen 79,80.
124,29. 238,17. 251,5. 270,15. 272,18
ustc; Part, gottergeben 37,7. 54.32.
93,9. 127,29. 166,21. 168,3. 9. 21. 26.
27. 29. 169,8. 19. 22. 28. 170,7. 9.
14. 232,17 US1P.; sich gelan 880,14.
gelassenheit, -z-, -zs- 53*. 23,5. 10. 19.
63,7. 64,3. 97,13. 127,6. 9. 25. 15S,I5.
161,10. 14. 16. 20. 23. 25. 29. 162.1.
6. 8. 166,11. 170,5 usw. usw.
gelassenlich, -z- 34,16. 189,5. 23244.
geleben erleben 73,14; gelept im geist-
lichen Lebeti e? fahren 184,2. 7. 828,4.
888,2.
gelegen die spräche verlieren 270.28.
308,17.
gelegenbeit SacJdage 93,24. 368,14.
geleiehen, sich s. rühren 45,10.
geleisten 72,7. 227,21. 287,13. 269,8.
270,2. 290,15. 296,18. 301,2. 375,82.
420,25. 430,21. 448,12. 609,16.
gelenden landen 377,9. 449,23.
gelert Part. Adj. 298,11. 828,4. .502.2^).
508,12.
gele8s(e), -ze,-z8e Gebahrcn66fi, 187.15.
301,22. 336,16. 554,28.
g(e)liebeu 209,4. 259,24. 863,8. 409,3.
440,31. 496,16; sich g. 209,4. 258,27.
361,18. 363,15. 411,12. 421,5. 422,2.
441,22. 442,10. 47.8,16.
glich(b)eit 92,6. 180,1. 25. 256,2. 261,18.
262,2. 274,27. 293,22. 310,2. 317,5.
338,4 usw.
gelicbnüze, glichnÜ8(se), -uusfs), -nöst,
-nust, -nisse 144,26. 181,9. 191,1. 8.
192,4. 196,17. 198,4. 214,24. 241,24.
;302,24. 3:38,13. 20—26. 339,4 tunc.
glicbnusgebend 8,8. 191,10.
glicbstan 127,6. 256,11.
glicbformelich 490,11 ; gelichformigkeyt
P. .526,29.
gelid, glid 91,28. 210,1. 21. 317,3.
889,7. 9.
Glossar.
577
gclieben lieh machen 114/23. 258,4.
413,4; sich g. 210,15. 548,11.
^eliegen lügen 294,4.
geliger Lagerstfttte 44,25. 45,5.
g(e)limpf, -npf Schicklichkeil j ange^
messenes Benehmen 136,15. 233,16.
370,6.
gelimpfen Kacimcht üben, verzeihen
4a5,10.
glob(e), gelobe 79,29. 80,33. 89,16. 100,26.
101,1. 141,9. 154,4. 393,10. 492,27.
498,10.
i;(e)loben, g(e)loben glaubeti, geloben,
/mcAÄicÄ^«^i^mi 137,28. 251,15. 419,13.
424,10. 432,18.21. 486,15. 498,3. 502,
7. 16. 503,19; sich g. abstehen 372,11.
461,15.
gelobet belaubt 466,5.
gelobig treu {fidelis) 231,20.
gelcts = geless 491,32.
gelosen 126,18. 281,32. 366,19. 371,23.
438,10. 14. 18. 460,20. 504,13.
gelt Bezahlung, Geld 67,28. 79,16.
146,15. 25. 147,3. 148,13.
gelten zurückzahkn 146,17.
geinb;e)de, -bte 144,10. 16. 152,7. 361,8.
410,20.
gehiben geloben 214,13.
gelükd, .ck(e), glük((l) 15,22. 23. 122,11.
255,4. 394,7. 483,5; glük(t)rad 123,20.
424,18. 435,7; der Glfikd rad 364,26.
g(e)lückhaftig 394,25. 33.
geludem reizen, verlocken 377.4.
g(e)irist« 170,13. 209,10. 316,19.
g(e)luäten 223,11. 264,23. 303,5. 412,3.
429,8.
ghistliche Adr, 486,10.
gemach Bequemlichkeit 35,15. 46,27.
55,11. 29. 56,7. 238,2. 247,13. 284,16
KfttC.
gemahel 211,16. 212,12. 28. 213,23. 30.
227,14. 17. 244,6. 254,23. 266,18.
295,3. 296,14 u.sw.
gemahellich 206,27. 296,24; gemchel-
lich 4H3,3.
gemaheln, gemeheln rcrmähUn 15,16.
361,'^. 483,1.
II. Scusc, Deutsche Schriften.
gemahelschjiit 11,20. 216,25. 219,29.
361.25. 409,18. 411,20. 538,6.
gemahelviugerlin Verlohungsring 213,
29. 407,9.
gemarg Mark 120,11. 127,27. 358,11.
gemasse Tischgenosse 24,18. 22. 25,28.
428,11.
gemechli kleine Bequemlichkeit 84,5.
gemein, der g. sinne P. sensus commu-
nis (vgl, Denifle im Archiv II, ö5S)
521,24.
gemeind(e) Kloster- und Dorf- bezw,
Stadtgemeinde 42,9. 148,11. 358,5.
487,12.
gemeinden, sich s. mitteilen 189,4.
gemeinlich(e) Adv. gewöhnlich, für die
Hegel 98,20. 137,5. 173,18. 183,21.
300,9. 344,23. 350,18. 456,17 us^c.
gemeinsamen mitteilen 482,17.
gemeinsami, -e Gemeinschaft 73,3.
226,18. 358,26. 390,4. 471,9; ge-
meinsamkeit 337,29: gemeinsumklich
331,21.
gemeistern 38,5.
gemeit stattlich, t^chön 208,4. 244,15.
316,13. 375,3. 406,10. 447,13; des
gemeiten biten 26,5. 9.
gemerk(e) Augenmerk, Ziel 34,14. 163,8.
177,1. 341,15. 356,24. 357,14.
gemerken 181,23. 235,12. 452,16.
gemesse angemessen 98,9.
gemessen 355,13.
gemi'dle Staub, Kehricht 490,1.
gemiirc 217,7. 367,22. 440,18.
gemüt gestimmt, wohlgemut 97,18.
314.26. 429,6.
gemäten begehren 241,17. 426,1.
gemut(e)klich, gemüt. 21,12.93,9. 112,3.
genade s, gnade.
g(e)nagen 40,18. 125,16. 412,14.
genatürt Part, von Natur ausgestattet,
begabt 108,4.
genemen = nemen 493,0.
genemmen nennen 606,1.
generen, sich s. rettin, am Leben er-
halten 82,5.
genesen am Leben bleiben, errettet
wcrdm 123,10. 271,1. 301,13.
37
578
(rlossar.
geniess Vorteil 380,14.
geniessen 27,4. 80,23. 33. 10Ü,2o. 139,1.
141,9. 195.3.
♦j^enieten, sich geniesscnj sich erfreuen
308,14. 312,30. 399,29.
g(;e)DOt(e), ^enot Adj. Adv, eifrig^ be-
ßissen .54,19. 87,17. 115,24. 116,14.
119,3. 124,26. 171,14. 234,25. 377,12.
449,26.
^euoz 252,21.
genüg(e)de, gnugd 48,19. 49,26. 111,20.
166,9. 228,18. 245,9. 274,8. 489,5.
genfigen 231,11. 468,2. 482,18.
genuhtsam, gnuhsam reichlich 134,32.
.540,11.
genuhtaamkeit, gnubsamkeit Fiille,
Beichium 14,13. 255,4. 554,4.
geracheii P. erreichen 510,9. 22. 23.
ge ragen sich ausstrecken, erstarren
71,26.
gerasten 415,16. 526,29.
geraten 166,7. 406,18. 448,17.496,11. 13.
.502,13.
gerechnen berechnen, aufzählen 259,2.
gereden 502,14.
gercizeu 206,24. 309,2. 397,8.
gereu begehren 239,12.
gereren vergic^sen 208,20.
gerichtklich in Ordnung, gewandte 1(02^4.
ircringklich leicht, schnell 234,2.
gerßchen gewähren, genehmigen 236,16.
26^,17. 308,26. 375,12. 440,30. 447,22.
49 1 .(>.
gerünbel, gerömbcl, gerumpel Unruhe,
Gerümpd 364,16. 423,19. 522,1.
gtrüne Gerauuc, Tymßüsterung 312,4.
504,13. 20. 505,2.
gerüwen Prät. gerow unpers. reuen
41,21. 42,11. 58,20. 106,17.
«rerüwen 55,13. 202,19. 440,5.
gernwig 502,22; gei-uwoklicb 426,22.
gesacli in got gesegnet, beatusl 31,25.
227,22. 244,5. 284,25. 287,19. 422,10.
432,6.
^esc'haden 445,27.
geschaffen dusrichUn 218,20.
gesell af(f)en l'arf. xidj, gischdß'en, he-
schajnn i:)8,.i2. 201,17. 232,5.241,19.
278.21. 293,14. 345,8. 3.59,15. 3a3,ll.
464.27. 471,17.
ge8chaf(f)enheit 53*. 157,15. 1.58,1.
162.28. 174,8. 554,2.
gescbeiden 229,4. 415,22. 454,10. 465,25.
ge8chell(e) Lärm 43,32. 67,5. 75,6.
geschenden in Schande bringen 119,18.
120,5.
geschezzen 93,14.
geschickt Part, Adj, gesialietj passend
552,6.
geschiht, von g. von ungefähr 81, lu.
geschlichter halm geglätteter 16,25.
ges(ch)lifne(r) zunge 372,18. 461,21.
geschophde Geschöpf, Gestalt 280,4. 7.
geschowde Anblick 43,24.
geschrei 136,30.
geschrift (die heiüge) 394,23. 24. 397,4.
420,18. 499,8. 500,8. 501,20. 502,15.
24. 505,23. 506,7. Vgl. schritt,
gesegnen 32,24. 122,23. 24. 138.14.
143,15. 144,5. 396,5. 549,30.
geseU(e) 16,30. 31,33. 53,30. 64,31.
66,10. 69,3. 71,7. 74,14. 21. 24. 75,14.
76,15. 23. 78,23 usw.
ge8el(le)klich 143,22. 144,6.
gesengeli 21,18.
gesetzde, gesatzd 243,21. 357.21.
gesigen 245,3. 460,3.
gesi(c)ht Gesicht, Vision 6,7. 19,2.
20,12. 25. 22,3. 23,13. 24,5. 25,4. 31.
31,14. 32,25. 40,27. 44,16 usw. usw.
gesihtig sichtbar 190,8; gesiht(ek)lich
295.22. 296 5. 299,15. 427.9.
gesind(e) 32,7.40,28. 74,25. 76,4. 101,17.
136,1. 370,15. 16. 426,17. 459,4.
gesingen oder gesagen P. 510,6.
gesitt geart^J 481,5.
gesitzen 460,20.
gesnielzen 228,29.
gesmide 251,21. 414,15.
gespannrn P?'(lt. gespien .<f/)anwfn 41,18.
42,29.
ges]>il(e) Gespielin, Genossin, Mit-
schwester 80,28. 137,7. 138,10. 14.
483,24.
gespilschalt die Klitsterfreundinnen
372,8. 461,12. 463,25.
(iFaprechen aansprfchen 2Si),36.
pealalt Part. Adj. gtstahel, gestimmt
55,22. 377,29.
^standen mit Dat. hei einem stektn
hlribrn 460,19.
trettelen 493,6.
gesleii, sieh Pr/it. gaste ai.iik, freudig
.1-in 15,lü. :i2,6. 92,12. 227,17. 40S,I.
495,10. 498,27
geedllen tiirUuht bringen 80,20 ; ruhig
terrdm 346, 3. 349,39.
ge«tim 156,28. 172,13. 254.11. 290,17.
(!«>iti)ICD »ich niederloMen 42.^.17.
jrt-ätiippe iS'iaub 307,23. ft48,2:-(. 654,19;
OT^tuptach 28,7.
g^söch(d\ jesfiehe Verlangen AT.
166,9. 274,2.
gesüht 45,18.
geaiVndcn 229,18.
^esiinen 375,26. 448,5.
geswellen 46,18. 47,6.
geawer 68,28. 69,14. 32.
geHtrigea 422,8.
geswintlicli(pni Ade. 25,26. 159,6.
^fswrtsterfriil, -t, geswistergid, -t Ge-
lehunttrr, Schwester 22,11. 31,33.
71,28. 72,28. 29. 73,16. 44ß,2.
getflt 141,8. 172,3. 8. 410,2. 471,21.
geteilte Neatr. dag tu W/ihlmde, I.oo»
119,27.
getriben Part, tritas 206,20.
getricgcD lti7,l(i.
j-etrifU- Treiben, Lebensweixe 327,23.
getrosten 433,11.
getruw(e), gPtniw 444,8. 468,28. 486,5.
19. 489,17. 491,9. 498,20. 506,18;
getrA(weilich 10li,7. 209,16. 22. 24.
241,14. .321,14. 373,19. 443,23.
grtniweii. getniH-eii 100.26, ;164,29.
426,24. 453,15. 459,22. 483,6. 485,11.
48Ü,16 iixw.
getürstekeit Ki'iluiheit, l'rnregenheii
9,24. 101,21.
getürstig 29,2. i:JB,2.
gCtl'llTen, sich .». unniuen, iragen 432,2.
gfvallen 122,17.
sjtar. 579
I gevangnfist, -nüaa, -iiuss 60,1Ü. 112,17.
I 113,3. 539,16. 26. 644,6.
j geveht 9,2:1. 371,15. 460,12.
I gevelle Gefallen 167,1.
■ gesellig 115.18. 128,14. :304,12. 320,12.
;(87,19. 420,15. 468,24.
I gevelükeit 373,9. 469,25.
I i;<'^^:v fiH.lsrli<, 81,8.
. geverde, ane böse g. ohne Hinlerhall,
j ohne büee Nebenabsicht 42,10.
; gevild 549,7.
■ geflissen Part, be.ßissen 227,2.
' gevolgen 186,18.
j gefröwcn 27fi,4. 4;«,11.
1 gefrändea, sich sich htfrtanden, «.
I freunde machen 409,20 ; gefrftiit
I 241,13.
I geffig artig, zierlich 552,7. 18.
I gefBgfe} J-Vijf, Schiekliehkmt 370,6.
I 468,14.
gefögel OefiSgel, Vögü 370,12. 458,23.
gefületi »übst. Inf. Gefühl 492,21.
tfi'fiillii'U 4S9,2.
gefär Nullen, Gewinn 12,23.
gelürd(e)ren 96,14. 164,2. 250,10, 289,5.
gewaltklich 243,9.
gewaltscher EngelchorpoleMatea 243,18.
gewa.rsiiitikeil Vorgieht, Zuriiehhahung
67,17.
gcwegen icügen 260,12. 499,17.
gewegen Part. Adj. gewichtig, getoogcn
116,4. 129,4; gcwegetilich 204,16.
422,18. 431,20.
I gewetidcn 548,25.
\ gewenkeu gick iibioendeii 235,15. 289,2.
; gewemieii S2,22.
gewer lanerlagsig 202,1. 254,10.
gcv/er^v'S Brschiißiga»g.TreUieuV&&,\.
192,26. 372,5. 437,20. 461,9. 520,22.
gewille Oewoge 289,18. 430,2.
genirbig tätig 96,15. 99,17.
geworieii geicohnt urerden 422,6.
gewonlich, gewoniich 100,12. 604,24.
geivordonheit 17H.10. 341,B, 368,2.
geuordi'nlieh .131,15. 333,4; gewordcii-
liclikeif 1KM,1M.
5H0
Glossar.
g:e Worten durch Worte ausdrücken 23,7.
94,7. 101,13. 185,24. 223,26. 304,26.
309.30. 342,7.
gewülk, gewülkeu GcirOlk 59,11. 186,1.
478,17.
j^fewülkter tliroii aus W'olkfn ijehildet
UM.
gewundern 418,1.
gevn'irken 431,5.
gewürm, gewürmme Insekteti 39,19. 23.
40,19.
gewürsen, sich s, schlimmer machen
40,25.
gew üsui, gewüssüe, gewisscn(i) Gewissen
99,25. 229,2. 251,23. 2i>4,14. 358,16.
375.31. 456,8. 495,39. 503,7.
gewzen {vgL Var.j (/uackcn 305,26.
gezellen 210,13.
gezem geziemend, gemäss 206,13. 358,3.
469,19.
gezemen 167,1. 2.
gezemmen zähmen YJO^l.
gezierdle) 22,4. 33,3. 10. 20. 213,8.
224,8. 25. 209,11. 19. 304,17. 378,9
usu\
gezimber Bau 217,8. 218,7.
gezog Schar 29,19. 20.
gezow Werkzeug 167,23. 16l),5. 383,17.
351).8.
gezowlich instramentalis 335,16.
gezugnüst Abrechnung, Zeugnis 146,27.
525.1.
gezwiflcn 253,3.
gezwimgeiiheit 10,8. 436,9. 454,14.
gibol 190,15.
giesse schmahr tiefer Flusi<arm 81,7.
549,11.
gut Fem, u. Xvulr. (iift 75.6. 17. 135,14.
137,24. 252,18. 372,10. 435,6. 461,14.
giftig 77,16.
giftsekli 75,15. 76,2.
git'ttrager 75,5. 77,3. 5. 17.
giireii gdgt.'n 242,13.
giiüiu«.' L'delsfn'n 303,2.
giMenr/ä7</i(// 47,18. 92,18. 361,22. 411, 17.
irinW 2(V2,17. 1142.17. 278,13. 307,27.
:-)<)lMl. 375,20. 3S4,6. 431.1. 445.25.
466.8.
girlich 472,16. 477,13.
gitekeit Geiz^ Habsucht 67,24; gitiir
284,17.
glaiizenrich 10,22. 187,17. 189,24.
glast 59,12. 13. 23. 2B. 203,22. 224,1.
233.8. 263,12. 267,1. 276,23 usir.
glid s. gelid.
glich .V. gelich.
glinipf s. gelimpf.
gloria tibi, Doinine 375,6. 447,16.
glorie 306,12. 336,22. 337,17. 518.11.
534,18. 21 ; liecht der gl. 244,9.
glorifiziert 291,28. 294,13.
glose Auslegung j Umschneif 369,9.
372,10. 461,14. 529,9.
glük s. gelük.
gliijen 224,20.
glust s, gelust.
glöt 47,6.
gnad(e) 228,15. 232,27. 245,14. 216.7.
23. 25. 251,4. 256,21. 263,23. 264,7. 19.
265.9. 13. 266,4. 20. 24 usiv.
gen a den gnädig sein 238,25. 361,13;
subst. Inf, danken 37,16.
gnad(e)los von Gott rerlasstn, ungltnk-
Vich, ungefällig 5,6. 228,10. 267,2.
300.10. 301,9. 362,1. 395,25. 408,2.
439,18. 4i)2.4. 511,17; gnadlosi 221,13.
gnaden arm 428,6.
gnji(Ken)rich 32,8. 92,19. 101,25. 137.14.
174,24. 265,3. 376,6. 439,17. 440,1.
US,\H. 488.24.
gnadenrichkeit 151,7.
g(e)nedig 381,1.395,24; g(e)ned(e)klich
58,1. 124,11. 130,2. 175,16. 187,2.
214,29. 303,7. 319,4.
gnagon .v. geuagen.
gneist s. ganaist.
gnot(f) .y. genot.
gniigd .<. geniigde.
gnuhsain .v. genuhtsani.
goch Kuckuck 310,17.
gold, -t 251,20. 282,27. 428,19.
Kolyat - der böse vient 553,16.
gotte's dienst 405,1.
gott«\'<kind 246,20.
got(es niinnend 29,19. 393,4. 487,14.
Glossar.
581
gotesniinner 392,21 ; gottesminnerin
393,10.
erotesmorderin aacrilega 123,2.
gottesritter 554,14.
gotesMjid 48*. 34,10. 51.19. .59,4. 63,13.
64,14. 70,1. 85,4. 91,7. 98,12. 117,33.
126,1. 128,12. 142,5. 144,1. 146,21.
161,32. 166,14. 183,9.227,25.388,13.
391,20. 421,4. 429,6. 431,21. 469,17.
gütformig 156,26. 33S,3. 356,13. 379,2.
gütlich gottseligj fromm 4,25. 16,.30.
102,1. 17. 110,1. 2. 143,20. 144,4.
182,11. 205,21 ustr.
gotlidend 50*. 133,18. 250,21. 367,12.
439,21.
^otlos nm Gott verlassen 169,3. 219,19.
511,17.
got-mensch P. 626,22.
gotseiie P. 531,5.
gotsöchend 387,18. 468,22.
gra P. 512,15.
grad 337,26; graet P. 528,22.
giammatica 619,26.
giaii gram 397,28.
gras, -z 233,10. 304,9. 478,14.
Gregorius, sant 383,3. 388,20. 418,1.
429,18. 456,11. 464,17. 499,5. 505,9.
521,10.
y:reifen tasten 387,12.
gremlich grimmig 68,6. 546,16.
fXriehQ geschmelzter Fett würfele Schwarte
491,20.
gi'ien Safid 28,7. 463,5.
grif 268,15. 16.
grifel 16,6. 9. 43,6.
grifeu. griffen 237,5. 468,16.
grimme 69,5. 452,4; grimmkeit 85,19.
grineu Prät. grein weinen 39,19.
grisgramen tnit den Zähtien knirschen
39,20. 238,28.
grob 182,12. 293,9. 340,1.
grobheit 5,4. 158,25. 162,29. 163,11.
293,21.
grossen 489,12.
grozheit 268,23. 29. 294,33.
grossi, grozi 179,19. 258,18. 291,29.
292,10.
grosslicb, gro8lich(en) Adr, sehr, be-
deutend 47,7. 115,22. 148,11. 193,15.
471,18.
gnibli 39,15.
grün 148,21. 26; grünen 244,2.
grund, -t 4,13. 14,24. 16,8. 20. 64,22.
72,30. 114,26. 140,11. 156,24.157,24.27
usir. : von grnnde, ze gründe gründ-
lich, ganz u.gar 169,15. 162,1. 182,27.
249,8. 260,7. 9. 318,9. 326,18. 334,25
grundboswicht 77,23.
grüntlich,gmntlich 189,3. 287,18. 331,23.
346,18. 511,5.
gnmtlieplich 275,13.
grundlos 11,5. 13,31. 14,32. 15,8.29,11.
33,19. 31. 90,24. 26. 32. 100,27. 126,26.
127,10. 20. 138,1. 171,21 usw, usw.:
grundlosklich, -loselich 121,28. 179,20.
304,2. 326,16. 378,9. 466,23. 623,11.
gnintruri der tiefste Grund 331,11.
grusen Subst, Grausen 9,10.
grüwel Greuel 107,23.
gn'iwlich, grülich 79,2. 80,6. 89,11.
107,6, 204,14. 21. 210,19. 229,30.
248,29. 285,7. 316,26. 319,6.
gugen, guggen 361,19. 411,13. 432,1.
guldin, göldin ^r/j. 64,11. 130,9. 149,16.
228,29. 244,12. 13. 263,19. 374,17 ttÄ?r. .
Subst. 72,6. 146,21. 475,13.
gülte Schuld, Zins 145,16.
gömen Gaumen 491,29. 493,31.
günlich Ac{j, herrlich 593,13.
günlichen verherrlichen 363,16.
gunlichi Herrlichkeit, GiitUchkeit 23,2.
95,7. 246,19. 337,13. 3.56,24. 391,8.
476,18; gunlicheit 647,.S4. 650,9.
gunnen P. 528,26.
gunst 166,30; günstig 129,1.
gi'irtel 40,4.
güs Schirall, Überschwemmung 71,15.
g&t dünken P. subst. Inf. 533,3.
gütekait, -ikeit 179,24. 380,32.
guten, sich s. freundlich erweise7i202,\l,
233,6.
gutgewünner Händler 74,25.
gütheit 178,23. 170,7. 32.
gut herzig 6,9. 14. 78,1. 87,22. 97,5.
124.17.
582
Glossar.
giiti, gute, gfiti 215,16. 236,14. 241,16.
254,5. 258,15. 263,18. 350,27. 417,14.
447,24. 467,19. 478,1. 498,20.
gütig: 119,3. 426,26.
gutlich 24,18. 32,12. 86,24. 102,9. 113,4.
116,28. 117,6. 122,3. 127,18 usir,
gätschinend 125,18. 156,17.29. 385,15.
götwiUig 28,31.
gylie .V. lylie.
ha])eii, sich s. JuHterij betragen 553,10.
haft Fessel, das Haften 190,13. 283,22.
390,S. 471,14.
haften 158,26. 473,17.
hag 432,1.
hakbank 343,8.
halbgelansen 169,24.
halm 1(),25. 514,3.
halten, sich 187,4. 352,4.
haltungie;) 218,8. 381,26. 418,18. 463,7.
486,12.
hamerschlag 545,15.
handeln, handien behandeln 46,7. 57,4.
oS,13. 68,23. 8"),29. 99,13. 110,28.
204,25 usw.
handvol 214,2.
hankrat, vor h.tten ziton vor dem
Krähen des Hahns 540,5.
hantel (vgL Var,) ei fw Art Handschuhe
(rgl Lex, I, 117 S) 40,13.
liarpfie), harph(e) 31,18. 225,5. 323,1.
3. 400,27. 426,4.
harphen 242.13. 250,17; harpfer 432,11.
harscher Kriegsknecht 75,4. 83,7.
havendirn(n)e Küchenmagd 372,25.
4(;i,27.
heirgli 43,19.
heide 125,22. 139,26. 224,25. 242,11.
24<;.G. 304,17. 305,4. 323,19. 371,2.
374.13 usw.
heidenscli heidnisch, (lusländisch 171,12.
:i2:U9. 348,12.
licidinii 1(K).27.
heil 2.V),3. 314.1 3. 429,13. 4S:^,5. 484,1 . 22.
heilant 21),30.
hoiliiiren 47(5,15. 4S(),3.
heilikeit 120,10. 141,6. 142,4. 165,16.
431J. 487,6.
heilklich(en) Adr, auf fromme Weist
101,21. 218,3.
heUsam 251,24. 252,19. 394,30.
heimlich, heinlich heimlich, vertraut
7,9. 42,13. 43,14. 74,7. 79,27. S5.4.
103,14. 113,24. 120,33 usw.
heimlichi (e), heinlichi Vertrautheit,
heimlicher Ort 6,12. 7,11. 15.30.
16,29. 42,26. 84,16. 115,6. 143.20.
166,30. 173,15. 201,25 usw.
heinlich(k)eit Vertraulichkeit, rertran-
tes Gemach 181,22. 491,11. 53S.3.
heimüt Heimat 240,20.
hein = habent oder von hahen, hängm Y
29,1.
heischen J61,17. 274,8. 309,4.
heiser 269,28; heiserlich Adw 71,22.
heiterlich 172,14. 304,20. 374,2. 446,7.
heitri 233,23. 364,24. 424,13. 15.
held, helt 370,24. 435,6. 459,14.
helfif(e) Hilfe 462,15. 504,11. 17.
helf(f)los 375,7. 447,17; hilflos 272,1\
Helias Altvater 105,19.
Helyas P. Prophet 509,5.
helle Hölle 22,2:1 62,16. (>3,5. V»5.2o.
133.18. 159,12. 212,7. 214,32. 23().s
237,21 u.^ü.
hellen hallen, lauttn, nberdastimintn
184,9. 344,11. 345,8. 350,18. 38,3.11.
464,27.
hellung das Hallen, Übtreinstimmumj
17,28. 27,20. 157,14. 181,31. :U4,11.
3.5.5,4.
heisch höllisch 61,10. 131,11. 285,7.
hemde 39,7. 107,5. 422,7.
hendü 30,9.
hendschlagen, hentslahen Sahst. 238.28.
453,14.
hengen nachgehen 503,7.
hen(c)ken Pnit. haikte 2(^,22. 3S2.:^o.
464,10; sich h. 264,17.
her 72,1. 138,17. 211,9. 20. 227.25.
238.19. 241,7. 243,3. 6. 244,3. 252,15.
2<>4,15 ns^w.
her ah komen :M)5,a:l 437,(i.
herberg66,m.76,2Ü.82,il. 117,28.140,1«.
herbergen 78,1. 284,30.
herbeit Htrrlichkeä. Wäidt 8*,2(l.
363,12. 421,2. 8. 9.
herin, hSrin hären 39,7. 39,9. 4(1,17.
43,i:>. 45,». 20. 107,5. 422,7.
herkomen subst. Inf. 473,7.
herU 71,5.
Herodea 204,16. 315,15. 540,31.
herschafr Hoheit 108,3.
berechei Engelchor dominalimien243,n .
hertckeit, hertikeit 9H,15. 106,1. 142,20.
197,5.7.2*2,15.233,14.247,21.273,31.
29!t,24 u*w.
h*;rt(e)klich 78,1. 83,5. 123,26. 131,21.
175,1. 19S,19. 472,17.
her wicheil htrbeitithen 123,14.
hertzog .M1,H.
hRrxberobenil 361,52.
herz(e)klich, hertz(e)klich 11,9. 14,24.
22,15- .36,17. 37,». 43,26. 48,6. .■>0,1&.
84,26. 90,26. 100,19 usw. usw.
herzen an r lullt 1(15,1.
herzen begird 30,2.
herzenblöt 36K,1. 440,25.
herzeakiml 122,2. 11.
hej'zciililejiit't' 143,2!).
herlzklopfuii SiAft. 453,14.
heiz(e)leid, — t 35,31. 41,l.->. 72,17.
73,12. &5,10. 91,2. 116,2«. 204,10.
211,7. 14. 213,2 «««■.
herzlitleu 48,17.
her(t)zle)lieb, — p 26,17. 444,7. 48ö,9.
4«9,15; .SubaU Xeutr. 231,1. 431,24.
herzeliebc SuM. Kern. 490,16.
her(tlzl«9 2ti9,25. 419,4.
her(t)zlii8t, hertzenluBt 14,29. 224,6.
2311,23. 232,2. 248,21). 325,4. 427.16.
49.-1,1(1.
hcTzfunot 48,18. 399,21.
herzuiirfiwe 247,12. 4.^i9,27. :m,iS.
herzt u^^af llerzmfl 16,3-").
hortzen-s'iirach P. 52(1,32.
herzen ttiit fiaiiK!. yenlr. }Ur:ens-
-/i/.-W«r27,4. 1411,7. in. 378,1.'). 421, 14.
4:W,^8; heratnit 226,12. 263,19.
>ar. 583
herzenfrid 130,18. 219,26. 221,11, 297,2.
3(«i,ll. 4:18.4. 457,1.
herzeufroiH^) 397,11. 460,14.
IierzenHiinne 215,2.
herzenwunsch 225,12. 2311,25.
her/li 121,14.
herzliche! t 395,22.
heeli 54,23.
lios.«lich t3ö,29.
HeBter 2ii6,19.
her unilpr komen sterben 121,1.
Hilarion 10-'>,21'
himel, der niinde h. 241,35; der füriD
h. 241,27.
himelhrot (Manna, Euchariatiei 50,14.
29H,18. 31)3,15.
himelport 252,21.
hiiiielrich 22,23. 28,4. 30,12. 49,19. 89,12.
21. 95,29. 124,12. 159,13. 201.17.
412,8. 5()7,17.
himelsang 69,22.
himelsch 101,14. 192,29. 214,9. 222,8.
415,23. 416,18. 44(),1S. 447,5. 452,12;
hjmelschlich 21,16-
hiraelachar 69,17.
hiriiel8chhaitrfrt-/ii.«»«iiWi''ff»/54T.2.'>-
biiueUuiak 11,10.
himeliuw 409,5.
himelM'ager ^,11.
liim-.'lfnrst 20,12 240,20.510,16; himel-
^rstin iMarial IIR,^.
hinuht hralr Nackt oder Abend 51,7.
88,1. 80,6. 113,28. 146,12. 2^,29.
395,22.
himlerhiiben P. 516,13.
hinderdenken (flieh) ». mit Gedanken
/» etiras rertifffn 28,20. .">5,B. 74,17.
W,9. 200,24. 207,7. 209,19. 211,7.
223,3. 229,1« K.™-.
hindergan iiberfnlhn 87,19.
hiüderklafen rerUumden 1(K>,U).
htQdcrniss, -iii'is, -I1U8 170,3. 221,27.
379,3.
hiiiderKclilicheii mn hinten hesclihiehen
238,10. 286,11.
hiuderalaii a^h^ierii 370,2. 4r>8,ll.
hindiian v.n hinten 2!SII,17.
hiiidruniie 3.') 1,5.
584
Glossar.
hin glentzen 425,9.
hiuken 429,4.
hinlessig fahrlässig j lau 28,28. 484,12;
hinlessikelt 188,22.
hinlicLe Adv, nachlässig 297,29.
hinnen, hinnan = binden 41,14.20.28;
von hinnan von hier fort 287,26;
hinnan für hinfort 51,14. 55,7. 12. 29.
hinscheiden71,26.274,15;«w2>«M»/.89,23.
812.24. 320,11.361,10. 411,2.538,27.
hin trieffen 92,25.
hin(e)vart, jüngste Tod 37,19. 73,24.
80,25. 88,17.27. 155,7. 278,15. 287,21.
815,29. 401,8.
hin vliezen, -fliessen 204,6. 244,4. 249,27.
315,3. 383,23. 465,16. 499,7.
hinwerf Auswurf 85,11. 18. 225,15.
367.25. 440,23.
hin werfen 49*. 72,10. 121,34. 821,20.
889,6. 442,3. 489,26. 505,3.
hinziehende ding res transitoriae 169,23.
hinzug, jüngster Tod 274,16. 284,28.
himi Hirn 120,34. 127,28.
hirskornli 239,16. 18.
hir(t)z216,16.388,9. 435,11.436,7.469,13.
hizzig, hitzig 18,15. 87,5. 134,33. 210,22.
216,16. 268,9. 271,28. 295,12. 813,19
usw.; hitzeklich 201,4. 210,8.
ho(c)heit 205,2. 248,21. 429,21. 469,19.
hochgemut 28,12.
hohgeflügen 181,2.
hochmütig 50(5,25.
hochtragent hochgetragen 481,8.
hochfart, hofart 133,4. 142,14. 883,7.
464,23,
hochfertig, hofertig 181,22. 420,14.
443,19. 507,6.
h5hi 27,21. 156,5. 185,27. 309,22. 374,4.
446,10.
holizit hohes kirchliches Fest 21,6. 59,6.
112,24; hühzitklich 238,24.
holt holdy gewogen 415,4.
holtz 442,81.
hong, honio; 96,1(). 159,17. 223,7. 427,13.
485,5. 552,8.
hoiügst'iii Ifoiiigsiiui 22.'», 7. 264,27.
lior (icnci. horwes ScUmaiz 188,26.
287,8. 478,14. 542.21).
hord, -t Schatz 29,17. 30,10. 50,6.
207,20. 259,6. 263,13. 270,1. 290,25.
366.27. 429,6. 439,7. 538,23.
hören aufhören 44,1. 69,10.
hörn 436,8.
hof 111,8. 112,7. 137,5. 152,22. 242,3.
284.28. 304,10. 374,28. 442,80. 447,7.
457,1. 490,14.
hof(e)lich fein, artig, zart 12,24. 26,7.
149,9. 369,29. 871,24. 372,17. 375,3.
447,13. 450,30. 458,4. 460,21. 461,20.
hover Höcker 135,29.
hovieren in festlicher Geselligkeit sich
erfreuen 149,12.
hoftür 74,27.
hübsch 30,8. 121,29. 122,7. 139,3. 304,29.
hufe, huff Haufen 68,26. 552,23.
huffen, die Hüften 45,9. 20.
hugen sinnen, verlangeyi 498,26; un-
pers. 264,24 ; sich h. s. freuen 233,23.
hiiglich freudig, froh 18,3. 28,13. 93,5.
258,22. 277,4. 311,16.
hugnüst, -niss Gedächtnis 169,13.303,23.
huld(e) 73,9. 250,25.
hnlden, sich s, geneigt machen 92,7.
hi'ilsche Hülse 207,15.
hiilzin, hnltcziu hölzern 41,6. 50,24. 66,4.
hund 58,6. 368,27. 397,19. 443,8. 18;
hündli 100,22. 121,34.
hündeni = hindern 474,16.
hunderste, daz aller = hinderste das
Alleräusserste 209,26.
hunger 29(i,25 ; bungermal Hunger 18,9.
hungersnot Bedrängnis durch Hunger
443,2.
hung(e;rig 91,5. 121,15. 456,5.
hiire heuer 409,15.
hüsli 66,4. 71,19.
hüswirt, husw. 24,21. 142,19.
hüt 38,2. 484,28.
hüter 414,28. 420,10; huteriu 251,17.
821,11.
hütig 286,19. 469,3.
hütnust liehiitung 103,10.
hüwlen heulen 57,27. 86,17. 122.21.
181,4. 238,29. 287,14.
hymmis 83,7.
Glossar.
585
iene irgendwo, irgendwann 5,14. 113,9,
169,1. 2.
iergang Irrgang 98,5.
iergent 859,4^.
ierren, irren 2():),27. 282,30. 835,4.
351,3.6. 370,18. 414,7. 459,7. 504,12;
iertes lan gangen 549,27.
irregenden Sternen Kometen 551,1.
ierreklich 390,8.
iertum 423,17.
ieso ahbdld 71,22.
ietwedrent auf beiden Seiten 40,8. 43,7;
-halp 42,21.
iewesentheit 52*.
iezo, ietzo gerade jetzt 370,33. 454,3.
igelhut 41,24..
Ignatius, der heilig S92,25.
iht, icht etwa.<t 188,3. 345,8. 353,35;
= Gott 187,15. 329,3. 335,14. 342,8.
518,5; ihtikeit 342,21. 353,25.
inbaz, -s weiter hinein 331,11. 342,11.
19. 22. 25.
inbegrifeu 166,1. 193,29.
in bieten, sich 186,6.
inbildend mit Phantnsiebildern vermischt
187,5.
inbildunge Eintragung der Phantasie-
bilder, immissio 306,14. 311,21. 381,7.
858,26. 524,8. 526,21. 23.
inbiss, imbiss Mahlzeit 44,5. 86,27.
256,28; fn'iger i. 74,19; rastender i.
76.18.
inblik 20,15. 158,31. 189,19. 835,10. 11.
14. 18. 350,24. 478,7.
in büken 201,11.
in brechen 157,1.
inbnurh Einbruch 382,4. 463,14 ; i. der
sinnen Eineiehutig der Sinne 168,80.
859,3; inbrüchig innerlich 175,26.
inbnuistig 15,28. 16,4. 18,16. 29. 107,
24.26. l()S,ls. ia3,13. 139,30. 140,18.
182,7 u-'ifr.; iiibriinst(k)lich, inbrünstic-
lich 241, 11. 814,8.317,16.895,27.435,2.
inburgheit St'dengrund 169,28.
In lUilci jubilo 21,19.
in dringen, in tringen 11)2,25. 198,1.
indruk 8,21; in druken 134,27. 196,10.
ingang Eingang, Versenkung in Gott
4,2(;. 167,28. 232,21. 245,10. 284,28.
293,14. 880,3. 431.3. 479,18. 486,29.
493,17.
in geblicken P. 515,3.
in gebrechen 382,19. 463,27.
ingebart des wortes Zeugung des Sohnes
aus dem Vatei- (in der Trinität) 279.6.
ingeleze Einflüsterung 311,23.
ingend eingehend, beginnend 26,2. 4.
27,7. 82,29. 111,17.
ingenonienheit Versenkung in Gott,
Beschauung, Verzückung 23,6. 174,17.
182,29. 188,5. 329,16.
ingesclilossen Part. 361,18.
ingesind(e) 20,11. 42,17. 69,16. 111,8. 15.
112,1. 238,20. 368,5. 407,8. 427,18.
ingetan Part, eingezogen 163,15. 167,1.
ingeflossenheit Einfliessung 193,7.
ingezogen in die Beschauung versunken
144,12. 352,11; ingezogenheit 478,8.
ingrund(e), von aus dem innersten
Grunde 48,7. 217,14.
ingruntlich Adv. von Grund aus 11,7.
13,27. 126,17. 138,1. 239,23. 257,11.
in hangen einwohnen 186,27.
iühitzig, inhiz(z)ig /«aW^ 24,81. 386,17.
466,17. 484,16.
injehen subst, Inf. Zuri'ickbeziehung
835,24. 359,12.
inker Einkehr, Versenkung (in sich
selbst, in Gott) 168,15. 169,35. 228,21.
289,20. 309,12. 326,11. 332,2. 435,14.
470,4.
in keren 335,6. 431,17.
in leiten einführen 168,13. 170,25. 391,8.
476,10.
inliden subst, Inf, Gelassetisein 164,19.
inluhten,inliihten4,7. 28,1. 85,24. 101,9.
168.16. 181,29. 196,7. 304,21. 327,6.
828,8. 890,5. 395,2. 471,10. 478,16.
inne bliben 180,2. 1S4,28. 185,19. 31.
186,7. 191,28. 285,10. 344,27. 431,16.
innewendig, inwendig 181, 11>. 182,20.
296.17. 468,25. 497,5.
innewoudokcit, inwendekcit 17,26. 27,24.
48,20. 92.80.
586
Glossar.
innen werden 500,20.
in nemen in Gott versenken 106,35.
161.12. 338,16. 343,25. 344,2. 3. 4. 26.
innemung 339,12. 346,17. Vgl. inge-
nomenheit.
innerkeit, inr(e)keit 11,13. 33,7. 63,9.
163,14. 167,15. 16. 169,33. 211,5.
221,10. 365,6. 389,6. 7. 9. 444,13.
470,7. 9. 10. 14. 497,22.
innerlich, inrlich 24,11. 36,20. 48,26.
95,26. 133,20. 146,12. 148,2. 167,15.
174,32. 179,3 usw,
innig innerlich, innig, indistinctus
92,30. 164,1. 165,24. 179,18. 181,16.
191,31. 355,3. 358,7.
In principio 186,9.
in rihen Part, gerigen einstechen 542,10.
in runen einßihtn'n 504,18.
inschiessender gedank 8,26. 125,34.
498,11.
in schlag Entrückung (myst. ) 54*. 184,22.
189,21. 193,19. 327,5. 343,18.
in Hchliefen Prät, schlofte hinein-
stecken 40,5.
in senken, sieh 186,3.
in sezzen 159,21. 162,6; insetzunge
350,18.
insigel Siegel 68,10. 155,18.
insprechen sahst. Inf. Eingehung, Ein-
sprechen 13,20. 87,8. 201,11. 501,5.
in Sweben 88,12. 173,18. 185,6. 16.
193,21. 330,14. 350,24.
in swingen in Gottes Wesen versenken
53*. 193,22.
in tra^xen eintragen, heibringen 97,10.
169.13. 331,8. 340,23. 351,22.
intur.stig sehr durstig 210,7.
inval(l) 41,3. ()1,25. 399,24. 499,23.
r)()0,12. 18. 503,3. 505,8. 507,1. 3. 5.
inileischung(e) incarnatio SS^,S. 356,12.
in tiiessen 178,21. 473,4. 478,5.
inrtiiz, -SS Einjluss, Eivfliessung 197,12.
2(1(1,:^. 243,14. 302,5. 471,26.
in timu 169,29. 221,28. 328,11.
inwert Adv. einwätis 413,11. 496,11. 13.
inwt'soiul darin existierend 187,7.
in wiscn 1()3,11. 16<;.7.
in wollen 47S,1<;.
in wurtzeln P. 533,22.
inzügig mit Genet. Iiereinsiehend 166,24.
Ipericius AUvater 105,9. 106,11.
irdensch 251,2. 266,3. 293,17. 28.
irde(n)8cheit irdisches, unvollkommenes
Sein 310,1. 390,21. 472,4.
irren s, ierren.
ir(e)8heit Neutr, ihr eigenes Sein 188,6.
337,13.
is 452,17.
Isaac 409,21.
Isaias 36,10. 363,6. 382,23. 420,7. 464,4.
isen 427,7.
isenhaite eiserne Fessel 14,1.
isnin, isin, isenin eisei-n 39,7. 41,7.
107,6. 252,7. 422,7. 452,16. 552,29:
iserin P. 531,8.
Isidorus AUvater 105,7.
I8ra(h)el 454,20. 530,13.
istig existens, subsistens 171,20. I.s7,ll.
329,10. 337,17. 534,3.
istekeit, istik. esse^ exist^ntia ls4,25.
186,8. 335,17.
J.
Jacob, sant 546,21.
jagen 16(),8. 4(K),6. 427,20. 469,2.
janier 27,27. 111,16. 139,30. 200.7.
220,10. 223,12, 234,8. 268,17. 270.21.
28 us^c.
jamern, jamren 223,15. 241,18.
jamersang 69,25. 239,11.
janicrtal 91 ,21 . 237, 1 4. 433,2. 445,3. 5.37,7.
jamrig 82,2. 95,5. 142,28. 173,22. .322,11.
jariuarkt 74,20. 26. 76,10.
jeficn zugestehai, entsprechen 84,29.
157,4. 429,20.
Jeremia^ 183,8. 236,6.
jerlich 434,6.
Jerusalem 37,3. 278,14. 367,7.22. 378,16.
432,15. 439,9. 12. 440,19. 451,6. S.
490,16.
Jesus 15,26. 21,18. 24,14. 25,21. 49,5.
50,(). 58,24. 102,20. 140,26. 153,9.
14. 17. 22. 24. 154,5 usw.: der name
IHS 16,11. 2.3. 41,27. 154,S. 3V>2.7.
393. KJ; Jesus dulcis memoria 2^,3 ff.
.lob 55,19. 71,9. 1S2,3. 367,25. 440.23.
4S9.27. 490,4.
Glossar.
587
jo(c)h Adv, auch, sowie, füinccüir 79,30.
92,4. 160,28. 222,19. 285,23. 380,29.
387,13. 422,16 usw,
joch Suhst. Joch 56,7. 212,19. 216,6.
220.20. 362,11. 881,27. 883,26. 418,2.
4()8,7.
JohannesAbbas/Ittra^cr 104,15. 106,8.27.
Johannes, Johans der Apostel 102,8.
107,30. 125,31. 840,20. 315,5.847,23.
26. 890,10. 471,16. 545,25. 546,18.
547,10.
Johannes Chrysostomus 50,22.
Johannes P. der Täuftrb09,i. 510,15. 16.
Joseph 524,10.
Jube (lomine benediccre 38,11-
jwhilieTen jubilieren, in gdxtliche Freude
versenkt sein 15,21. 21,24. 173,11.
174,6. 15. 30. 175,20. 28. 242,4. 246,27.
2I)vS,16. 378,2. 7. 21. 25. 374,20. 446,25.
Judaz, — 8 125,32. 126,1. 2. 5. 6.
Juden, die 76,3. 125,21. 509,4. 20. 539,28.
540,29.
junger 53,23. 106,19. 125,31. 190,5.
221.21. 248,24. 2()0,1. 11. 12. 261,24.
262,6. 270,18. 16. 291,14 usw.: junker-
lich 548,22.
jungherr(e) 14,19. 116,9.
jungling 18,28. 21,8. 69,20.
junfiffrowe, — frowe 4(K),1(). 407,11.
428,8.
jungrfrowlich, — frowelich 29,11. 252,25.
361,1. 410,12. 481,6.
jüngster tag 21,3. 224,19. 280,10. 308,22;
daz jüngste zit 824,4.
jnst = tjost ritterlicher Zweikampf,
Specrstoss 365,18. 370,26. 871,12.
486,10. 459,16. 460,8.
K.
kalen = quellen innrrlich hewe(ji sein,
aiictuare 15,29. 290,21.
callander .v. galander,
kalten kalt wn-den 406,8. 480,26.
kamer 69,11. 127,1. 822,24.
canceli, canzell 16,16. 86,18. 135,25.
kape, kappe mnnulartitjvs Khid, Kutfr
17,7. 110,21. 418,10.
capell, kapeil 42,12. 44,5. 48,15. (50,1.
11. 16. 93,28. 108,7. 14. 28. 104,2.
109,15. 16. 116,3. 5. 131,8. 144,12.
386,2. 396,22. 397,1; keppelin 448,17.
kaphen verwundert, scfmuen^ gaffen
252.15. 16; gaf(f)en 75,1. 146,6.
capitel(I) Versammlung der Mf'mche und
Ort dasu, Ordenskapitel 34,17. 85,1.
88,3. 42,16. 25. 124,27. 145,20. 23.
175.16. 196,16. 537,1 ; capitelhus
174,29.
kaplan 117,12.
karfunkel 414,15; -stain 551,21.
karklich 363,19. 421,19.
karre Masc. Karren 503,25.
karrer K/Irmer 885,24. 467,82.
karwäche Kanroche 36,10.
Casöianos (Johannes) 105,28. 106,84.
Ka>ii 501,12.
Cayphas 204,9. 815,9. 540,15. 544,24.
kech 56,5. 120,31. 4.59,22; kechUch,
kecklich 105,4. 149,19. 190,6. 36,5,16.
370,24. 436,18. 459,14. 5.58,10.
Öedar 489,10.
keiser 246,20. 296,12. 15. 416,16. 508,17;
keiserin 219,80. 420,23; keiserlich
9i,;u.
kelblin 420,8.
kelch 260,26.
kele, kal 208,4. 869,19. 453,27. 4.57,15.
5.52,8.
kelr(e) Kelln- 384,5. 466,4.
kelti 82,1.
kempfe Kämpfer 432,14; kenipfer .5.58,8.
kemplien 246,5.
kepsun unehelicher Sohn 147,1.
ker Ahkehrung, Bekehrung 8,14. 18,24.
28,29. 96,9. 110,6. 132,34. 188,21.
216,12. 228,18. 247,1. 282,13. 298,11.
811.17. 885,1. 467,7.
kereher, kerker 311,5. .861,21. .879,8.
411,1.5.
kem(e) 207,16. 21^,3.
kerze 22,7. 158,21. 22. 28; kerzwihi
Kvrzenwiihc an Lichtmess 29,24.
kes Kiisr 75,2.
kesselin 4S,5.
kessibodem Krsselhodcn 427,10.
588
Glossar.
kest(i)geii kasteien lü8,22. 251,25.365,24.
436,24; kefit(i)gUDg 39,2. 105,1. 107,4.
289.3. 473,2L
keteii, kettin Kelle 39,7. 422,8.
kevi Käfig 251,14. 297,4.
kezzer 77,14; kezzerlich 68.23.
Cherubin 243,74. 305,30.
Christus, Cristus 43,25. 54,8. 18. 67,9.
69.12. 85,26. 86,2. 87,6. 89,22. 92,3.
98.13. 99,24 usw.
kiesen 209,27. 306,3. 353,30. 363,10.
kilche Kirche 121,20 ; kilchgfang 505,16.
kindbeterin (Maria) 29,9. 16. 30. 80,3.
kind(e)li(n) 25,21. 22. 102,20. 22. 23. 33.
121.4. 25. 27. 29. 32. 122,2. 9. 23.
134,34. 140,3. 363,15. 18. 420,9. 12. 16.
421,5.
kindskinder P. 533,24.
kintheit 93,29. 1 10,26. 201,8. 276,2. 506,8.
kintlich 30,9. 85,24. 109,29. 110,3. 122,6.
201,2. 231,19. 260,12. 267,16. 22. 25
usw.; kintsch = kindisch kindlich
30,12.
kinne 552,6; kinnbein 61,19.
kiperwin s, Cyper.
kisling Kieselstein 175,8.
klaf Fem. verleumderisches (ieschwfftz
128,19.
clagspruch 397,9.
klagr^vort 125,19.
klank 306,19. 386,30.
klapern 82,2.
klarheit 153,3. 177,20. 194,26. 213,9.
228,17. 233,30. 242,1. 274,28. 277,17.
291,23 usw.
khirlich (flänzend 59,24. 385,20. 467,28;
evidenter 196,8.
klawe 40,23. 282,10.
kle 372,17. 461,20.
kleben 156,7.
klecken sahst. Inf. das tönende Schlafjen
515,1 •">.
kh'iben, sich s.festheissin 371,27. 460,25.
kleiden 224,4. 329,23. 440,2. 492,17.
kleinhrreit 300,13. 19.
kleiih'd Kh'inod 5X^14.
kh.'iiilirit Khinhf'if, tSchwäche, (itrinn'
jrujigkrit 205.7. 234.4. 25s,2.s. 266,12.
304,29. 383,6. 464,22; kleini 265,14.
285.10.
kleinliche Adv. (jerinfj 474,16.
kleiniäg, -füg klein, zart, subtilis 225,8.
244,11. 500,11; kleinitigklich 292,10.
Clemens, sant 43,13.
klert = geklert verklärt 299,21 ; geklert
244,10.
klinglen plätschern 48,4.
klose, kluse Klause, kleine Beyinen-
niederlassung 76,9. 140,17. 19. 511,10:
bildlich 296,27.
kloster 59,30. 67,7. 83,8. 97,1. 102,14.
103,9. 104,16. 115,1.4. 135,11.280,1.
382,19. 414,17. 463,27. 484,25. 508,12.
511,10.
kluben klauben^ abpicken 2!^\),\1 . 371,24.
460,21.
klag hübsch, zierlich 55,23. 323,2:>.
440,19; klug, weise 98,22. 482,10;
klü kheit /c/n^Ä Benehmen, Schicklich-
keit 376,20. 448,32.
knape 370,22.
knebli 121,22. 122,7.
kneht Knappe 149,9. 205,8; knehthus
219,10; knehtliche vort iimor serrilis
182,10 (vgl. 454,15 Anm.J.
knolleli kleiwr Knollen 50,13 ; knolloht
knollig 45,0.
kole Kohle 60,16.
coelum enpyreum 241,27.
collacion Abendmahlzeit 47,21.
Coln 143,10. 152,28.
conplet, complet 31,9. 36,21. 45,30. 47,S.
17. 48,27. 415,10.
con8cieuci(e) 212,26. 225,21. 487,18.
contrarium 341,2. 7. 10.
convent, covent,konventjK'/o«fC7-^^mftiif/r
10,12. 25,10. 13. 15. 43,80. 145,15. 16.
414,4; Kloster überhaupt 45,31. 69,4.
87,18.
convers Laienbruder 86,12.
köpf Becher 24,25; kopfli 46,15.
kor, chor Chorraum, Chorgebet, himm-
lischer Chor 10,12. 14. 36,12. 43,10.
6-2,10. 71,4. 5. 103,7. 110,33. 111,23.
112,1. 113,8. 116,6. 131,16.20. 14<>,1».
243,13. 38ii,4. 5. 413,19. 512,3.
Glossar.
589
korb 159,18; korbli 32,3.
korherr Stiftsherry canonicus 14(),10. 18.
148,20.
kom 146,15.
corpel Körper j Leichnam 77,19.
kosen 113,28. 143,21. 197,13. 14. 548,2. 26.
kost Kostenaufwand 73,33. 121,22.
122,25.
kostber, kostper 88,24. 121,17. 258,23.
273,7. 320,18. 415,7; kostberlich
281,22.
Costenzer, XX pfund C. (phennic) 146,13.
kraftlos, kreftlos 113,18. 230,26. 268,22,
269,21. 318,35. 386,21 ; kraftlos! 45,23.
71,15. 87,19. 319,17.
krank schwach, hinfällig, krank 18,27.
69,7. 78,25. 84,5. 89,18. 90,3. 97,2.
98,26. 107,15. 161,10. 191,4. 215,25
nsn\ .• krankheit 54,6. 91,29. 107,10.
109,32. 116,23. 126,22. 134,25. 138,
25. 34. 162,2 usw.
kraz Flur, krezze die durch Kratzen
entstandene Wunde 40,22.
krazen 46,9.
creatürli, creaturli 85,13. 455,18 ; krea-
turlich, creatürlich 193,17. 328,22.
329,3. 832,20. 348,17. 349,18. 353,a5.
Smj. 471,14. 476,17. 494,19; kreatur-
lichCkjeit, creatürlicLeit 19H,2. :^32,17.
335,20. 430,7. 490,28.
credencier VorkoMter, Mundschenk
252,17.
kreft(e)klich 78,27. 1 78,12. 223,18. 308,19.
:^1,19. 385,7. 423,16. 433,29.
kreftger Kngelchor principatus 243,18.
kreiss 103,5. 7. 11. 191,19. 25.
krenken schädigen 881,26. 468,5.
ki'en(t)zli Kräneldv^ aureohi 244,13. 15.
874,31. 447,9.
kriechen 388,8. 4<)9,12. 478,14.
krimvogel Bauhvoytl 282,10.
kripe, kripfe Krippe 868,18. 421,11.
kripfen = fjripfen greif dn, erfassen 68,2.
76,6. 80,21. .S1.25. 112,9. 156,6. 15.
kristall 20,17. 242,9.
kihtSLU, Qrhten Ad j. christlich 52*. <S9,U.
344,22. 378,80. 501,1: kristanlich,
cristenlich 4,16. 115,11. 128,6. 185,1.
18J,25.82. 190,25. 194,11. 879,15.21.
489,9.
cristen Suhst. Christ 492,7.
krist«nhait 156,21. 800,28. 327,8. 18.
328,6. 334,15. 851,27. 451,18.
cristformignacA Christi Vorbild gestaltet
84,17. 134,5. 335,26; cristformklich
50*. 145,4; kristmessig 855,6.
kron(e) 224,16. 241,10. 244,12. 15. 251,17.
871,8. 892,14. 414,11. 480,16. 460,2.4.
480,11 ; krönen 205,23.
krot Kröte 77,16.
cnicifixus, crucifix Neutr, 16,16. 66,4. 8.
67,8. 22. 185,25. 196,3. 197,1. 314,21.
879,16. 389,17. 470,21.
krugU 49,6. 7. 8. 30.
krumb krumm 112,13. 377,4. 449,17;
vei' dreht, listig 450,2.
krut 813,26. 334,32.
krüz 17,5. 38,2. 85,29. 86,14. 16. 18.
41,2. 6. 9. 79,7. 87,13; krü(t)zgang
Kreuztragung Christi, Kreusgang im
Kloster 34,2. 24. 25. 35,5. 36,20. 58,7.
205,25. 415,19. 448,9; in krnzwi8(e>
57,26. 59,13. 254,2.
krüzgen 87,11 ; krüzger 261,18.
kuchidirn, küchidirne 376,12. 448,24.
kuchischwester 422,1.
kumber Mühsal, Bedrängnis, Belastung
137,21. 218,10. 247,8. 288,14. 322,16.
390,8. 481,9. 487,20.456,12. 471,14. 20.
477,17.
kumnien = kümen sich ängstlich be-
mühen 487,28.
künden 416,15. 438,8. 487,15.
kündig, kundig geschickt, listig 146,11.
471,8.
kundsami .v. kuiits.
künftig 284,24. 406,1. 472,5. 508,10.
küng, künig 188,18. 219,9. 246,2(). 26(),
17. 22. 207,8. 273,17. 277,13. 14.
296,12. 822,3. 867,8. 868,12. 376,12
usw,; kün(i)gin 17,20. 87,1. 111,14.
212,23. 219,30. 248,1. 262,15. 263,11.
16. 264,3. 265,2. 16 usw.
küna)«ri"ich 36,ö. 281,23. 540,26. 29.
590
Glossar.
krmklich, küuij:lich 203,12. 4()7,11.
491,80. 588,17. 589,7; daz k. rieh ==
Kreuz 542,19.
kfinheit 205,9; kuulich, knnlich 370,80.
871,9. 459,21. 460,6.
ki'iniie Geschlecht 270,11. 883,25.
kunnen, künnen suhst. Inf. 228,18.
4(i2,25.
küiisch, kusch keusch 105,22. 552,5;
kunschklich 100,11 ; künschkeit 105,2.
kunst Wissen j Kenntnis, Geschicklich-
keit 5,16. 14,8. 53,6.15.20.23.27.31.
54,2. 10. 12. 9S,31. 104,10. 176,7.
190,11. 250,6. 255,8. 256,10. 262,16.
280,24. 328,19. 341,11. 388,2. 506,3.
512,16. 537,11. 538,28. 541,3. 552,1. 2;
du götlich k. Theologie^ du naturlich k.
Philosophie 388,2. 550,4.
künstig klug, gelehrt 250,9; künstrich
256,18.
kunt 450,26. 453,17. 455,1; kuntlich
119,11. 125,10. 141,15. 142,29. 158,10.
177.28. 179,18. 190,25 «i«r.
kuntsami, kundsami Kenntnis, Bekannt-
schaff 7,5. 22,22. 97,6. 171,10. 17.
176,8. .373,8; kunti^chaft 228,14.
kürzen 508,7.
kürzi 314,25; kur(t)zwil, kürzwil 9,80.
14,1. 101,14. 2(>9,15. 860,7. 368,26.
876.29. 877,2. 405,8. 415,8. 481,15.
448,8. 449,9. 12. 482,12.
kurzlieh, kür(t)zlich Adr. 88,8. 99,10.
116,18. 128,22. 180,7. 132,8. 148,4.
814,11. 46S,8. 474,8; kürzeklich 48,27.
kürzninjiC Kürzung 378,23.
kusch ,v. künsch.
kuss 126,7. 294,10. 542,5; küssen 225,7.
819,2. 821,14.
küssi, küssin Kissen 17,8.45,1; küsseli
45,2.
küwen kauen 802,14. 391,21.
i'yinT 808.4; kiperwin 466.7.
L..
Incli.- Ffützr 71,8. 124,4. 6. 1(11,81.
287.8. 8S:),2:). 46.S.1.
lacli«Mi 172. IC). 407 J. 4S2,1.
la.le 118.25. 2s. l>9.
laden Fensterladen 137,10.
läge f Unterhalt 232,26. 2H(>,10. 554,27.
lagen P. 517,7.
lämbli s. lembli.
lampad Neutr. Lampe 288,8.
langvi'irig lang dauernd 56,17. 90,8.
109,2. 152,16.
läppe Lappen 487,13.
Lasarus 489,26.
lass ermattet 548,18 ; laszheit Trägheit,
Sichgehenlassen 481,9.
lassen, laszen, sich auf den eigenen
Willen verzichten, sich Gott ergehen
161,2.6.9.19.21.28. 162,1.25. 164,17.
167,12. 170,1. 807,2. 884,24. 871,21.
475.8. 15 usw.
laster Schmähung, Schimpf, Makel.
Fehler 72,16. 119,5. 207,29. 815,26.
316,8. 487,29 ; last^rberend 73,6 ; laster-
lieh schimpflich 77,14. 21. 120,5.
204.9. 815,7. 862,7. 412,12; lastersack
(der Leih) 399,2.
latin 124,27. 328,6. 895,20. 896,6. .897.4.
519,26.
latwerge 11,15.
law, law lau 227,9. 233,18. 237,1. 3t)2,2S.
485,12; lawklich, leweklich 22H,8.
468,1; law(e)keit, lawekeit, lewekeit
2S/28. 215,24. 221,14. 365,12. 486,5.
499,9.
le])lich lebendig, frisch 89,3. 62,4. iX),8.
9S,7. 194,4. 228,12. 225,8; leblichi
HS,7, 200,3.
lebtag Lfh'mszeit 210,9.
leeh(e)lich lachend, freundlich 14,22.
15,18. 178,6.
Loctidus noster floridus 131,29. 495,2.
496,8.
ledigen, lidigen frei machen 306,14.
809,27. 810,22. 425,2().
ledii»-, lidig Udig.frci, unbehindert 24,8.
2S,29. 54,18. S9,2(i. 94,15. 16S,7.
169,12. 20. l.sl,82. 182,12. 196,16
usw.: ledkiich, lidklich 127,7. 232,14.
290,1 ; ledikcit, lidikeit das Losgtlnst-
siin KJs.s. 296,29. 474,11.
Irftzr 550,28. 551,18.
Glossar.
591
loiclien, sich s. rühren 370,9. 874,27.
HS4,a 446,6. 458,18. 466,12.
leid, der l.e tiivel 137,14; leidig be-
trübt, betrübend 168,4. 512,10.
leiden verleiden 139,20.
leiten 492,18; leiter 263,1. 446,3. 553,12.
leitlich schmerzlich 204,17. 213,2. 5.
315,17. 411,5.
leitstab, -stap Anführer 375,3. 4.
447,14. 15.
leit-vcrtriberin 53S,2().
lembli, l&mbli 134,10. 204,15. 259.23.
260,4. 15. 261,30. 277,12. 317,23.
322,1. 375,29. 448,9. 537,8. ,540,15. 34.
543,22.
lendeu landen 289,13. 328,13. 342,3.
3,52,1. 23. 458,1.
lenen aubst. Inf. 210,26. 317,9. 14.
lenjgri 41,6.
lerche 374,12. 446,18.
ler(e) Lehre^ Untenceisung 63,24. 163,10.
181,25. 192,23. 197,26. 28. 200,2.
221,29. 288,9. 351,27. 357,7 usw,; in
lerewise 198,7; lereknappe 459,11.
leren ^ lernen 488,13 ff. 519,25. 532,19.
lerer 176,8. 180,17. 183,11. 197,19.
198,1. 245,3. 254,17. 328,17. 333,14.
343,5 usxo,
lesen rezitieren (die Hören) 414,5.
le.<»ser Aderlasser 39,18.
lesten belasten 375,30. 448,9.
lezze P. Lektion 535,24.
lezzen, letzen schfidigtn, verletzen 85,3.
109,6. 397,20.
leybrfider 74,16. 86,7.
liban, lyban Libanon 310,12; Weih-
rauch 13,28.
lichter{e)n 216,1. 498,5.
lichtiglichen Adr. leichtfertig 48i^,18.
lid Glied 354,18.
lidberi Verträglichkeit 340,15,
lideu, sich s. in Geduld schicken 162,8.
164,13.27. 168,18. 485,12. 524,11;
s:ot liden 250,4. 392,3. 479,25. 493,25.
lider Leider, Dulder 7S,3. 91,,2S. 92,11.
120,27. 316,2!); liderin 142.1S.
drin ledern 40,5. 13.
Udiglädend, ertrlf glich Ai,26. 43,3. 78,72.
126,2. 253,6. 277,24. 294,13. 396,24.
413,1() US1C. Vgl. ledig; lidekliche
Adi\ 505,1.
liebbrieff Liebesbrief 484,11.
lieben lieb machen 120,19, 127,7. 550,24;
sich 1. 422,12. 456,1.
liepkosen subst. Lif 364,28. 372,7.
424,21. 461,11.
lieplich freundlich, angenehm 103,18.
113,11. 122,10. 130,10. 174,6. 13.
208,31. 212,9. 217,19. 221,2. 225,6
. usw.; liepUchi 14,30. 166,26.
lieblos ohne Liebe 10,7. 221,9. 270,5.
271.1. 276,7. 389,19. 446,1. 47(),23;
lieblosi Verlassenheit 261,21.
liebsehen 378,2. 450,23.
liebsöchend 57,12.
liechen, daz werk 1. Flachs rupfen
136,14.
lied Gesangsstrophe, Lied 26,5. 31,27.
139,28. 34, 35. 140,3. 12.
lieger Ijügner 49*. 467,1.
lieht Subst, 115,11. 157,1. 169,3. 196,12.
242,6. 254,11. 438,18. 466,18. 471,27.
28 usw.; liehtbringerin('iHanVi^ 17/-2;
liehtmiss Maria Lichtmess 29,7. 8.
58,25.
lieht AdJ. hell, strahlend 468,27. 469,12;
l.er schlaf Verzückung 198,17; lieht-
ber(e)nd gUhizend 378,5. 450,2<).
liehtrich 64,28. 95,26. 130,9. 18. 15(),28.
180,19. 18S,8. 190,18. 193,16. 194,23
tisu\: liehtvar hellfarbig, strahlend
224,17.
liken mit Oenet. etwas ausspüren, er-
pich t sein 97,21 . 1 58,29. l/y/. Schweiz.
Idiot. 111, 1250.
lilie, lylie 33,13. 212,1. 222,10. 224,23.
242,10. 243,4. 266,21. 297,1. 430,27.
433,24. 434,3. 440,4. 495,6. 540.3.
552,18; gilye, gylie 544,3. 551,3.
lind 155,17.
linpfig angenehm 25,1.
lins = lis sanft 371,24. 460,21.
lipüch 70,17. 19. 73,18. 12(),19. 192,8.
197,23. 209,8. 211.15. 215,23. 221,25.
224.2. 293,5. 8 usw,; liplichkeit 157,25.
/
592
Glossar.
list J\lugheiif Kunst, List 14,8. 89,5.
108,18. lirvi"). 187,8; listip; riö2:2.
lob Laub 452,9. 478,14.
lob(e)ücli 132,19.22. 156,27.806,10.11.
12.20. 352,1. 864,10. 875,11. 442,24.
447,2. 548,24; lobrich 18,11. 27,25.
90,6. 21. ia8,21. 394.24. 895,1. 18.
896,6.
loblied 15,8.
loc l'lur, locke Locke 551,15.
loch el in P. 585^2.
lof, loff Lauf, Gang {der Natur, Ge-
stirne. der Zeit, des Lebens) 171,13. 15.
172,10. 8S5,17. 888,7.8. 420,8. 467,25.
468,9. 469,11. 470,2. 476,11; einen
lof machen einen Zulauf des Volkes
Itewirken 67,28.
logenen leuf/nrn 176,13; lo^genuuge
829,5.
lonber lohnbringend 250,1.
los, los locker, hie hf fertig 435,5. 449,27.
549,27.
losen 853,8.
loser Erlöser (Christus) 215,2.
losen hören 159,10. 176,6. 194,15.
loss Laos 542,82.
lowe 260,16. 420,8; luwin .4J;. 540,34.
Lovicii, die kunst L. aristotelische Logik
17(),7, 828,19.
Lucjis, sant 1\ 511,26.
Lncifer P. 511,12. 588,12; luciferlich
581,8. 583,11.
lucke Lücke 248,18.
ludern reizen, rerlocken 449,17; sahst.
Inf. 12,8.
h'Kohten 18(;,12. 18.22. 187,6.7. 18!)48.
192,1. 241.21. 242,20. 244,2. 258,10.
29.S.25. 299,21 usw.
li'imde, lünde Leumund 8,7. 66,23. 426,8.
liimiu' 487,18.
lusT 209.5. 425,17. 480,10. 14. 479,4.
5«M).18. 501,6; lustsuclien dins selbs-
heit, din nwer) selbes 885,12. 4(>7,21.
4S8,4.
l1lstiL^ lusTii: licf'lich, angenehm 209,7.
M08.17: histlich. lüstlich .50,30.110.28.
!)5.s. [){],U, iKio. l()5.24. 174.21.
1S4.16. 199.20 usw.
lutbrecht lärmend 482,4.
luter 341,1. 416,6. 4(J9,18. 470,4; luter-
lich 38,18. 72,18. 73,25. 86,10. 104,lo.
115,12. 215,6. 261,12. 288,12. 21>o.l
usw,
Interkeit 51*. 29,11. 46,8. .50,9. 64.9.
104,14. 166,1. 5. 177,22. 189.18. 218,9.
218,6. 244,3. 268,8 usw.: hitri 5()5,l.s.
Ititern 165,20. 179,23. 809,24. H:iS;^.
390.3. 444,25. 4()8,14. 494,19.
Ititselig, lützselig wohlgefällig, anmutig
22,7. 206,26. 208,9. 216,24. 269,12.
271,21. 304,29. 305,2. 811,16. 328,17
usw,
lütselikeit, liitzel. 14,29. 228,15. 868,10.
875,8. 377,13. 878,9. 409,7. 15. 444a.
441,18. 447,13. 449,27. 450,30. 452.1N
lützel. liizzel Adj, Adr. klein, icenig.
gering 312,82. 365,11. 866,20. 876,29.
486.4. 488,10. 449,9. 485,15.
91.
Macharius Altvater 106,1.
magfd, niagt Plur, megfde Jungt raa
110,80. 361,17. 40(),10. 432,16. 544,2.
545.5. 546,4.26. 547,1. 17; niegtlicli
544,5.
mage P. Verwandter 511,7. 512,1H.
magenkraft Majestät 550,28.
inagerlich 551,27.
Magnificat. Masc, 29,14. 111,24.
mal . . A'. mei . .
majestat 277,8. 821,27. 477,23.
malen 108,16. KU.l ; maier 60,12. 15.
19. 23.
man(e) Mond 112,16. 172,11. 174.24.
4< 16,15. 407,5.
mändag Montag 144,8.
mangel 91,5; manglen 94,4.
manigvaltig, menigv. 96,1(). 102,11.
109.24. 178,19. 182,7. 183,14. 337,2s.
889.6. 372,15 usw. : manigvalticlicb.
nienigvalteklich Adr. auf mannigfal-
tige ireAsT 98,7. 154,8. 898,9.
manigvaltiijkeit, menigvaltikeit Menge,
zerstreuende Vielheit 64,14. 1(>4,1. 2^.
167,21. 27. 170,16. 177,9. 18.5,1.
186,8. 193,19. 285,19 usw.
Glossar.
593
manuell männlich oo,22. 149,19. 370,30.
459,21.
inanod Monat 822,25.
mantel Mantel 323,18. 3(>2,U. 412,3.
413,9.
mantel P. Vonvand 529,9. 531,(>.
maniing(e) 2()8,15. 437,17.
march, mar(c)k, marg Mark, halbes
Pfund (Silber oder Gold) 282,27.
414,12, 403,<). 499,4.
Margareta, sant M.en tag 136,13.
margarite Perle 242,8.
inarhenschloss VorhängesMotuf 40,(i.
3raria Mutter Je^u 89,2. 333,16. 374,2.
544,2. 545,5.
Maria Magdalena 100,1. 451,10. 544,15.
545,7. 546,20.
Maria Schicester des Lazarus 521,1.
markt 75,20.
marmelsul 552,16.
marter (Christi usw,) 3,20. 34,6. 35,4.
4(),.3. 87,5. 118,17. 142,26. 144,8.205,19.
208,27. 221,5 ii&ic.: beim Schirören
(jebraucht 482,2; marterland (Feg-
/euer) 285,15; marterleben 462,21.
mart«r(e)n, "marteln 240,5. 368,4. 441,3.
491,12. 508,6. 541,1; raarteler 508,5 ;
mart(e)rer 91,6. 117,31. 34. 11H,1. 3.
7. S. 12. 13. 21. 133,14. 244,1. 245,4.
252,21 usir.
marterlich 40,26. 45 23. 117,25. 118,22.
126,21. 381,18.
Martha .521,2.
mase Flecken, Makel 134,33. 277,9.
291,30. .321.28; ma^gen beflecken,
verleumden 122,28.
ma88(e), maze Mass, Ausdehnung 46,14.
16. 106,28. 140,20. 249,2; ane (alle)
masse 248,29. 323,17. 496,12; über
alle masse 249,3; ze guter mass
ziemlich .385,17. 467,25; massen mas-
sigen 481,11.
masölosi masslose »"^irengc 45,22.
materitei 5,14. 60,13. 183,4. 198,4. 12.
292,26. 324,(». 10. 333,14. 378,7.
4.50,28. 500,11 ; uuitrrilicheit :U9,1.
mat(t)e 3()2,2. 412,4. 0.
Matusalam 3ü7,l9.
H. Sense, Dcutscho Schriften.
mediana Mittelader 44,8.
megetin Jungfrau 406,11.
nieheln, mehelleii vermählen 218,.30.
410,19. 412,23.
meie, meige, mey(e) Mai, Maibamn
32,28. 29. 30. 33,1. 3. 4. 5. 16. 20. 25.
111,17.221,30. 224,24. 242,12. 281,12.
297,16.813,29. 433,22. 440,3; meien-
ris 33,19. 216,19; meiental 374,18.
446,23; meientow, meigentow 252,2.
253,1(>. 431,2. 432,20. 433,18. 27.
456,27. 486,28.
mein Frevel, Missetat 264,20; meinte-
tig r)42,21.
meinen, in tcohlw ollen der Gesinnung
an einen denken, bezwecken 31,24.
32,14. 57,16. 59,22. 63,25. 110,30.
165,2. 175,8. 192,28. 298,15. 306,28.
309,18. 339,10 usio,
meinsamkeit = gemeinsamkeit 487,14.
meinung(e) 28,15. 41,8. 103,24. 1.56,21.
167,29. 309,28. 342,20. 390,13.471,22.
23. 487,13-21.
meist höchst, grösst 422,3. 4:^,15. 463,18.
meister, raaister Meister, Philosoph,
magister theologiae 5,15. 17. (),2. 7.
23,1. 38,7. 53,22. 60,25. 98,30. 99,14.
126,17. 162,18. 171,7. 12. 172,4. 8.
10. 177,15. 178,12. 179,7. 190,11.
191,13 u.^?r. .- meisterin 14,20. 462,3. 13.
meisterschaft Vorstandschaft im Kloster
112,2.5. 126,13. 274,13. 381,17. 28.
383,4. 462,8. 463,8. 4()4,17. 484,23;
meisterschaftsampt 462,20.
mel Genet. melwes Mehl 221,19.
melodie 386,6.
mengi, meuigi 140,21. 172,13. 217,9. 12.
218,25. 226,28. 242,16. 258,18. 2S0,3.
284,17. 304,16 usiv,; menigheit Man-
nigfaltigkeit, Vielheit 330,2. 3.
menig s. manig.
mensch Frauensperson 11.5,2(). 119,2.
120,1. 133,30. 145,6. 153,20. 162,24.
370,4. 373,8; geistlicher mensch Nonne
407,8. 481,13.
men8ch(h)eit .34,12. 85,12. 93,24. 159,14.
184,14. 191,29. 203,9. 204,28.205,4.5.
201), 16. 26 usw,
. 38
594
Glossar.
mentelli BemänUiiüig 45(5,11.
mcr(Oj Nnchrichi. G^ri'tchf ()(),14. (>S,2.
70,2(). 7(s2l. m;2i), 24. 88,1. ^)H,2{).
124,18. 12i;,1G ub'ir. : mersagfer 124,18.
raeren sich rergrösfurn 87,1.'>; raerung
141,.'). 380.1').
merklicli irohl zu hcachtend^ hedeuiend
801,21. H84,23.
merstern (Maria) 18,1.
merwninder seltsames Meertier 172,27.
nu.'ss(e) 27,18. :)8,8. 80,18. 1 17,31. 131,18.
142,24. 144,7. 11. 15. 17. 386,1.
414,2; stille messe 27,19; m. singen
117.30. 146,8. 118,20. 386,4; m. spre-
chen 22,4. 63,16; messbuch 118,5.
messcr 79,3. 80,10. 8.i,34. 121,12. 14.
Messias 327,11.
raeti, raetti Mette, officium matutinuvi
17.1. 1"). 31,16. 40,7. 42,16. 25. 43,0.
47.2. 4. 8. 53,8. 59,6. 106,2. 314,20.
322,2S usw,: mettigcstirne Morgen-
stern 242,4.
metli kleine Matte 44,20.
michel gross 370,12.
miden und liden 3,1 1.
mil«e) MeiJe 70,3. 78,26. ss,0. 297,30.
milch 552,3.
mWt freu ndlichy gütig, harmherzig 27,5.
70,8. 71,2. 73,34. 78,9. 10. 84,25.
85,16. 17. 21. 80,1. 100,25. 27. 20.
117,1 usw.: milt(e)klich 24,15. 51,9.
84,2. 117,19. 213,17. 243,8. 264,18.
320.2.
miltekeit 37,16. 78,9. 85,17. 100,27.29.
127,16. 180,15. 263,30. 267,19.270,28.
317.31. 376,8. 420,14. 448,20.
minuo, der ni. buch das Hohelied 367,5.
417,3. 425,8. 434,11. 430,11. 451,13.
495,2; minnebikh Christus 537,12.
5,~)3.24 : minuobuchelin 537,1 ; der m.
pris 300,30; niiuiiebaud, -t 181,19.
554,20: niinnebotte 405,7; niinnebot-
lin 231,8: uiiiinebrief 231,10; minnen-
diq) 48<),19: minnearotin, -gütin 374,30.
447,8; mniiK'kos(Mi .Suhst. 12,10. 16,33.
230,27. 259.7; minnekosend 24,24;
niinnelos 40N.1. 427,5. 402,5.511.18;
niinnehider Liehcsreizang 385,14.
467,22. 492,26; der minnen resrel
494,14 ; minnerich 18,14. 18. 24,22. 3*».
26,8. 28,14. 59,24. 100,17. 1«0,U.
193,12. 199,24 usw,; minnerut 252,4;
minnesam 431,13. 540,6; miunesiech
142,27; minnespU 20,16. 225,1. 2<J7,.5.
417,8; der niinne stral 552,9; minne-
süchend 14,27; minnevackel 313,18.
25. 314,2; minneufingerlin T'erm«/»-
lungsring 494,8; minnewanck Liebes-
wendung, -spiel: minneweinend 15,7:
minnewerck 487,19 ;minnewise 181,21 :
minnewort 223,12. 548,6 ; miunewund
Adj, 16.22. 25,1. 274,18; minuewunde
543,20. 548,19; minnezeichen Litbrs-
zeicUen, fünf Wunden Christi 16,1.
31. 41,9. 110,19. 210,14. IH. 215.12.
273,26. 290,15. 18. 29. 291,1. 295,17.
391,19. 479,12. 506,13. 508,8; minne-
zil 388,11. 469,15; rainnezug 223,3.
minnen und meinen 27,3. 337,2. 449,5. 7.
minner 181,9. 19. 211,22. 226,28.227,23.
228,24. 229,1. 10. 232,31. 324,18.
325,3 usw, ; rainncrin 12.1. 13. 14,21.
227,16. 19. 446,25. 451,14. 453,7. 5.->4.7.
minlichi ZunJgang 358,27.
minren verringern 251.21. 430.19. .508.3.
minst kleinst j geringst 16,26. 357.20.
3(;4,2. 366.24. 3S2,7. 422,3. 438.15.
46.3,17.
mirrenbüschelli 2.54,21.
Miserere Psalm 50 30,24.
missieibieten ungehührliches zufügen
86.8. 22, 29. 297,19.
misshiiten, sich schlecht auf sich acht
haben 42,8.
misslich, miss(e dich, mislich verschiedin-
artig 99.22. 142,9. .358,18. 387.5.
476,10.
misslingen 70.23. 416,2.
missetat 42,13. 15. 19. 66,19. 73,26.
76.25. 92.2(>. 99,27. 112,12. 115.7.
119.5. 8. 214,12. 215,6 usn\ : misse-
teti«.^ 2()3.27.
misset ru wen 400,18.
miss(e)vallen 156,34. 200,8. 22.5,11.
415.12. 482,1. 500,4. 501,11. 21 ; miss-
vt'lliüf missfalhnd 105.7.
Glossar.
095
misse varw Fem. Buntheit 224,22.
in issfliegen beim Fliegen das Ziel ver~
fehlen 159,20.
mitel. mittel was hindernd im Wege
steht, Hindernis 18,25. 20,2. 142,16.
157.8. 13. U. 17. 19. 158,1. 162,5.
I<y8,23.24. 170,6. 171,1. 174,2. 181,27.
187,19. 2:U,25 usw.; Hilfsmittel,
Vermittlung 108,13. 194,6. 263,25;
Mitte 278,7.
init(t)el(l)os ohne Hindernis, unmittel-
hariHS.i. 263,25. 476,3. 479,17. 493,16.
545,4.
mit(t)er tag Mittag 137,3. 542,30.
mitler Vermittler 263,25; mitlerin
(Maria/ 264,1. 267,10.
mitliden Mitleid 34,17. 41,4. 84,26.
125,12. 142,25. 206,3. 258,27. 260,22.
278,12; mitlidun^e 358,27.
mittegeselle 490,15.
mittli Mittelpunkt 452,13.
mitformig gleichförmig 334,18.
mitwesentheit consubstantialitas 180,1.
mitwoneri 187,10.
mitwürken suhst. Inf. 344,8 ; mitwürker
126,5.
mord, -t Mord, Missetat 66,16. 72,19.
75,18. 76,4. 14. 80,5. 6. 115,16. 17.
121,6. 122,33. 123,3. 211,22. 264,20.
307,8. 425,25. 544,13; mordax Streit-
a.ct 76,7.
morden 79,15.
morder 39,26. 76,6. 77,4. 11.20. 78,21.
79,15. 22. 33. 34. 80,2. 4. 13. 25. 27;
morderin,morderinl21,3.361,12.411,5.
more 49*. 194.1; Teufel 131,11. 285,7;
morin 367,8. 12. 489,20.
morgenbekentnisse cognitio matutina
(A ugustinus)iUl,i; morgengabe 244,8.
14. 16; morgengröz 18,10. 19. 1(19,12.
395,2. 14; morgenrot 271,18; morgen-
.segen 395,19; morgensteni 14,11.
17,28. 18,9. 22. 233,21. 299,10. IS.
430.23. 432,23. 446,7. 510,16; = Ma-
ria 17.19. 373,15. 374,2. 6. 8. 446,12. 13.
morn Adv. morgen .371.26. .'^21.
460,23; in. des tage« 60,25; mornend
25.14. 5H.3. 6(L26. 7.S.18. 102.13.
116.7. 131,26. 146,7. 152,10. 324.1.
373.27; mornendes 12,18. 370,20.
moschin Adj. von Me.tsing 39,11. 40,15.
43,().
most 159,8.
Moyses 327,10. 390,14. 471,24.
Moyses abbas Altrater 104,12. 106,32.
mud elend, unglücklich 72,23.
miidi 168,19. 210,20. 316,28.
raugent, rafigen Macht, Vermögen,
Kraft 12,22. 340,21; mugeutheit
185.11. 223,28. 244,10. 245,7.
mügig = miijig hekilmmert 459,().
müglich(k)eit 177,3. 337,26.
müjen Prfit. möte unpers. beunruhigen,
verdriessen 114,26. 131,20.
muH Mühle 81,24. 526,10; raulistein
539,12.
mülich beschwerlich, lästig 86,4. 202,7.
205,30. 221,3. 5. 233,26. 2!H,16. 249,21.
454,13. 456,17. 496,12.
mfincb 61,12. 75,5. 104,16. 115,17. 136,18.
rnfmdli 30,9.
münster 143,1.
muntvol 24,29. 122,15.
mfirdig mördei-iscK blutgierig 121,3.
260,16. 539,1().
murralen 70,26.
mursel Bissen 13,11. 398,23.
raü88ekeit,mussikeit 54,13. 160,9. 167,21.
184.12. 186,12. 13.
muten verlangen, begehren 503,17.
mötcrlich 3(5,22. 50,25. 85,9. 113,6.
140,2. 143,15. 205,20. 2()0,7. 11.
267,23. 27. 269,3 us^o,
rantli 114,14.
mütwillen 352,27 ; raötwil(le)klich 108,21.
132,7. 161,30.
müzklich Adi\ mit Müsse 235,26.
'S.
na, nach, nahe Adv. nahe, beinahe
131,19. 234,7. 286,8. 470,19. 507,19.
nah bilden 180,25.337,9; uachbildunge
274,16.
nach gan 292,5. 470,3; na(ch)gend/o/^cwrf
25,10. 133,10. 14(>,23. .161,16. 23.
1(>2,5. 8. 16:i,10. 365,29. 437,2.
596
Glossar.
iiahgebur Nachhar 114,li>.
uachirreben sahst, Inf, Nachgrübeln
477,M; na gniblen 171,13.
nach ilen 472,12.
nach kalen 471,27. Vgl, kalen.
nahklank, -klang 387,1(). 408,20.
nahlich, in n.er wise genau 166,12.
nahruren sahst. Inf. innerlicher Antrieb
16r>,26.
nah tringeu 41,15.
na(c)hvolg(c)84.7. 184,15. 33i),22; nach-
volger 91,35. 125,33. 208,29. 32. 209,2;
uachlolgklich 339,28 ; nachvolgunge
475,1.
nach volgen 198,13. 207,9. 11. 488,11.
nafragen sahst. Inf. 132,12.
nahten Nacht werden 77,30.
nahtgal 172,17. 310,18.
nahtnial Abendmahl 34,21. 137,4. 204,3.
291,15. 315,2. 472,21. 478,1. 538,27.
iiahttropfe 551,19.
uachtwiirmli 266,27.
na(cjk 539,30. 540,2. 541,12.
nackeut, nacket 260,1. 318,4. 488,21.
511,18; nekent 77,17.
nadel 39,21. 41,12. 14. 120,34. 133,32.
134,2. 198,20. 210,14. 323,24; nalde
442,21. 535,2.
nagel 39,11. 39,14. 41,8. 20.
nagend .v. nachgend.
najen 393,15.
uam(e)los ohne Namen 177,4. 184,22.
187,11. 328,24. 342,15. 352,20.
nanihafti aucton'tas (I)enijle: Hand-
halningi 16S,24.
nater Natter 371,25. 460,22.
natiir, uioister von ii. Philosoph 451,17;
schule der n. 4öl),8; die alten natür-
lichen meister 344,19. :U9,13; sehnle
der natürlichen kunst 388,2.
natiirlichkeit 193,1.
nebelheit Nihd 478,17.
iiehelmentelin, -mentelli Voncand, Bt-
innntdung 372,11. 461,15.
ne-l)er Jio/im- 61,14. 16. IS.
ne-elii 414.1. 538,17.
neher, nelist hoher, höchst 3,111 23,5.
9S.1S. 115,29. 174.16. 179,1. 1S(I,1.
181.27. 182,13. 209.26. 3S5,1S. 43-V2
nsw,
nechcrunge 418,5; nachheit 478.15.
534,19.
nelitind in vergangentr Nacht, gtsttrn
Ahtnd 66,20.
neigen, sich *. untertrerfen, zum Zeifhtn
da- Ehrfurcht sich vemeigm .S6S.17.
417,13. 467,20. 475,16. 488,1.
neigiing(e) Zuneigung, Oeliisfc 164.25.
181,6. 7. 18. 456,16.
neina 128,4. 459,13. 46(),5.
neiss = ich enweiss 10,17. 29. 44,8. 7.5.3.
111,26; neiswa = ich enweiss wa
irgendwo U,l.2i\. 71,19. 81,17. 112.13.
1 1 3,24 ; neiswannen irgcndiroht r
111,29; ueiswar irgendwohin 19.2;
neiswer ir^«'wrfM7<'r 31,16. 97,10; neis-
waz irgendeticas H,ll. 15,27. 17,4. 2i\
48,20. 26. 50,12. 5.3,18. 57,31. .58,5.
87,4 usw,: nei8wen(n) irgendwann
6,6. 7,14. 16,23. 48,18. 61,30. 86,13.
90,2. 114,14. 122,27 ««r..- neiswi.
neiswie, neiswe irgendwie 3,7. 8,9.
9,23. 11,5. 14,34. 21,9. 199,20. 263,23.
270,23. 322,24 usw.
nemlich(k)eit Begnff 188,15. 330,2s.
nemiuen nennen 76,12. 114,1. 132, In.
187,10. 340, 1 9.23. 'Mrl.l. 1 2. 343, 1 0 </*/'-.
uemung(e) 4,16. 182,12. 330,22. 331,2U.
343,19. 3.50,24. 354,3. 15.
nerges Adv. nirgend 482,15.
nesel Nessel 222,11. 232,11.
Xestordus) Altvater 105,1.5. 1U(),25.
nezz 135,32.
Niclaus, sant 88,29.
nider giessen 87,27.
niderkleid Untirkleid, feinoralia 39,9.
40,17. 43,15. 4.5,8. 21.
nider körnen schlafen gehen 49,27.
nider lan, sich 4:^5,11. 462,23; niderlaz.
-SS Huhepunhl 312,33. 372,21.
Xiderland Land am Nicderrh-in 1?S.17.
78,22.
nidern, sich .v. trniedrigui 420,16.
niderschlag Ihimsuchung 130,21.
nider senken sinken machen, heschn-cnn
3S7/,).
Glossar.
597
nider sijsren Prät. aeiix niedersinken 71 ,IU.
S0,'21. 113,18. UVl 210,27. 218,18.
270,2S. 271,r>. 8()9,2;i. 317,10. 14.
318,3.-). 38G,25. 26.
nider trafen sinken machen 468,13.
nieder trieften 134,30. 272,18.
nid er Valien fiubst. Inf. 42,31. 43,1.
nider walen niederßiessen ()2,19.
nider werften niederschlagen (die Augen)
2()3,22. 481,4.
nider ziehen 4,27. 476,8.
niene Adv. durchaus nichfj nirgendwo
11,1. 12(;,29. 127,28. 133,33. 178,14.
191,17). 192,28. 202,18. 248,20; nienr
74,22 ; niergen 353,32 ; niergent 457,20.
niessen, niezen 93,23. 171,23. 184,18.
195,4.207,13. 274,28. 295,18. 296,28.
297,8. 302,8. 14. 18. 303,25 usw,
nigen einem JPrät. neig sich zum Zeichen
dt'fi GnisseSj der Ehrerbietung ver-
neigen 26,17. 29,23. 32,24. 36,28.
265,6. 298,6. 13.
niht = Gott 187,12. 15. 16. 188,4. 9.
14. 15. 329,2. 6. 335,13. 341,8. 842,6.
9. 16. 20. 25. 343,5—25 usw,: niht =
die geschaffenen Dinge 335,18. Vgl,
mit.
nihtesnit Vtrsifirkung von nit 114,10.
146,17. 167,26. 331,2. 5. .343,4. 350,8;
nntznöt, nutzit 345,22. 483,18.
nihtkeit, nihtekeit = das göttliche Wesen
97.12. 184,22. 187,11. 188,19; Nichtig-
keit der irdischen Dinge 327,2 1 . 335, 12.
Xilu8 Altvater 106,7.
nisi 228,9.
nitwesen s. nütwesen.
nochdenn(e) = dennoch ./eZ-^f noch 346,5.
347,20. 349,22.
Noe 214,13.
non Höre des Breviers und Zeit dtr-
silhen 124,27. 143,8; nonzit 543,4.
Xo8 cnm prole pia 131,25. Vgh die
Nachträge 6'. ÖÖO.
nothelfer 117,15.
notstal geiüaltsame enge Kinsrhränkung
53,2S. 126,19. 210.22. 215,28. 263,9.
316,30. 361,21. 411,16.
noturfü, notdurft Not, Bedürfnis, das
zum Lehen Notwendige 88,24. 122,26.
124,16. 125,8. 139,11. 166,15. 169,20.
215,18. 248,9. 261,21. 284,17. 364,9.
12. 366,12. 372,12. 379,20. 421,17.
423.1. 5. 438,5. 487,12.
noturftig, notnrtklich, notdürftig not-
wendig, hedilrftig 97,16. 119,9. 179,4.
303,9. 414,22. 487,19.
nu Augenblick 158,31. 161,3. 170,20.
226,16. 302,7. 357,19. 474,6.
nuchterlingen Adv, nüchtern 302,13.
nügirig neugierig 397,6.
nun Nonne 482,11.
not = Gott 167,5. VgL niht.
nöt«in non esse .342,13.
nütwesen, nitwesen non esse 176,12. 15.
329,1.
nütwissen 503,15.
nüwan, nuwan, nuwen, nütwan nichts
als, nur 25,16. 27,10. 43,2. 45,4. 46,17.
62,12. 13. 72,28. 78,4. 83,19. 85,10.
«9,7. 91,26. 116,21. 117,4. 186,25.
147,7. 159,14. 224,20 usw.
nüwes Adv. neulich 152,29. 406,15.
nüwi Neuheit, Frische 16,28. 149,4.
329,15.
I nuzschal 219,5.
nuzzherlich 50*.
O.
Oberland Oberdeutschland ^ Gegend am
Oberrhein 153,10.
Oberteil (des Rades) 435,8.
obren , die Vorgesetzten 4,35. 14(),27.
obsweben 111,14. 243,3.
ocker(n), ockert P. 509,8. 510,19. 511,7.
530.2. 5,33,4.
octave achter Tag eines Festes 373,28.
ode öd, gebrechlich, schwach 45,21.
112,14. 434,12.
offenbar 85,20. 88,19. 242,19. 244,17.
4()2,17. 473.5; oftenbarlieh 140,28.
222.16. 303.25.
oftVnbarun«r 6,3,10. 186,18. 503,14. 523.3.
524.21. 21. 525.7.
oft'enlicli Adv. öffentlich, vor aller Welt
42,9. 67,15. 205,18. 222,15.
598
Glossar.
ot'iOuen bekannt machen 4,85; 'sich o.
H, offenbaren 4,32.
ogen einem geben ansehen 224,29. 451,4.
551,7.
ogciiblik, ogenbli(c)k Blick der Augen,
Zeitmoment 82,20. 93,22. 95,18. 98,19.
1()1,7. 175,17. 234,6. 235,15. 238,14.
242,12. 260,7. 269,20. 307,21 usw.
ogenlüs i Venus) 3()3,9. 420,22.
ugenweide 253,13. 297,22.812,29.478,28.
ogli 30,8. 122,8. 2()7,24.
olberg 539,2.
olei Ol 2S8,8.
opfel .V. epfel.
opher 252,12. 273,10; opfren 414,12.
ops Obst 25,3.
ordeien P. 528,21.
orden Alositrordenlb^lo. 76,3. 115,2.3.
12(>,12. 131,2. 413,18. 438,14. Vgl
bredier.
ord(o)neD 415,9. 482,4. 508,1; ord(e)-
nung(e; 168,12. 203,5. 489,9. 12.
ordenbaft geordnet 353,10. 11; orden-
bafti Ordnung 3,4. 17. 192,15.
ordenlicb, ördenlicb 158,19. 163,2. 171,1.
193,9. 194,6. 206,18. 243,18. 327,27.
32946. 416,1. 422,22. 438,2. 470,5.
471,25.
ort Funkt, Ende, Spitze 43,8. 334,25;
ortbaber Urheber 26,25. 541,17.
osterlembli (Christus) 303,14.
ostertag 27,1. 46.19. 93,4. 4(M),16.
ütmüdich I*. 525.14.
oven 45,31. 224,20. 250,13.
0 vernalis rosula 111,26.
owe. owc Au 172,17. 224,24. 211,11.
242,12. 374,20. 446,25. 452,(J.
P siehe B.
(luatern JMge von vier Bogen 4,29.
quit AdJ. ledig, frei 492,(5.
«iwclcii P. = kalen 510,7.
R.
racli»' Mn.sc. Rachm 552J).
ratlii ci, rachf /V;//. /i'//r//r 128.32. 32r>.24.
422.14. 15. 4S3.7.
rappe Habe 425,10.
rast P. 520,23; rasten 491,28.
rat Ratschlag 2^3,20. 283,17. 20. 426,ia
462,15. 503,5; rat die BatsBchirt^tern
422,21 ; rate conailia etangelicabtlA :
ze rat werden beschliessen 78,11.
119,26. 145,17; Abhilfe, Befreiung
62,7. 13. 17. 20. 85,7. 498,16; Ter.
mögen, Mittel 146,16.
rechen 325,27. 414,11; sich r. 414,12.
422,5. 9.
re(c)hnung A6recÄ/ii<»^ 69,6. 84,2. 85,25.
redlich geziemend, gehiirig 98,23. iiS9,l0;
redelicheit Begriff 328,20; Ange-
messenheit, Vernünftigkeit 494,21.
regel 494,18.
regen 452,7; regenboge 219,7: regen-
trophli 210,12; regenweter 81,1b.
rehlin 216,13.
reht, kristaulichü Sierbsakramtntt
379,15.
reebtschuldig der wirklich Schuldigt,
Überführte 119,6.
rehtvertikeit richterliche Entscheidung.
Gericht 229,18.
reie, reye, reige Tanz, Beigen, TanzUnl
btzw. 'Melodie 69.18. 30. 114.2. 252,*i<;.
3(11,1. 374,28. 410,12. 432,26. 447 .(»
reien 242,14.
reif lieifen 375,30. 44«. 10.
rein Bain 211,11.
reinen rein machen27i,2il 277,9. 32(^.23.
321,28.
reinikoit, reinekeit 212,25. 251,17. 297,1.
301,6. 412,21. 431,(). 487,4.
reisen bereiten, ftrtig machen, anschlagen
(ein Saiteninstrument) 28,11, 254.1.
323,3.
reizen, reisten, raissen reizen, rerlockm
17,14. 305,17. 310,17. 327,22. 374.7.
3S:),s. 395,3. 396,19. 41.s,14. 426.16.
429,13. 446.13. 455,13. 18. 467.1().
477,(). 491,30.
reizlich, raizzlicli, reiwlich verletckrnd.
verfiihnriseh 47*. 4,28. 97.5. 1U,2.
174.17. 373,9. 483,19; reizung 393.1.3.
29(),23.
rekolter Wacholder 384,7. 466,9.
(Tlossar.
599
rengnieren regieren 107,20.
repetitio *21,25.
Requiem Trauermesse 144,S.
reren vtryiessen 208,28. 275,28. 281,24.
321,:). 440,20. 458,14.
respoüs = respoiisorium 18,24.
reyger, die hoch r. Reiher 458,25.
rich(h)eit 100,23. 1(>5,B1. 193,4. 244,7.
250,9. 255,3. 262,16. 265,15. 283,10.
296,9. 352,14.
richlich, rilich rtichlich 165,29. 217,3.
25(K21. 252,21. 299,13. 14. 305,5.
311,1. 351,8. 363,20. 21. 395,26. 421,20.
richöcn h.rrschen 356,24. 542,28. 544.29.
richtum 228,16. 273,17.
riechen Xfuir. Geruchnsinn 207,29.
316,4.
riechen = riehen sich mehren 279,33.
rife, riffe Reif 220,22. 221,30. 40'>,17.
409,6. 425,23. 456,26. 516,3.
riflen durchhecheln, verwunden 41,22.
137,().
rihen stecken, npiessen 77,16. 17. 120,34.
rihten ab einem urteilen 285,27. 315,28.
4(>5,5; ri(c)hter 70,5. 12(),12. 205,21.
229,15. 239,23. 263,7. 265,8. 285,9.
12. 319,20. 372,16. 461,19; rihthus
praetorium 34,24; rihtstfil Richter-
stuhl 244,1.
richti Fem. (ferada Richtung 16,10.
rilich s. richlich.
rimen, in gerimter wise 397,6.
Rin 48.S. 77,9. 78,22. 80,1. 12. 81,8.
514,3. 517,8.
ring Ring, Kreis von Mensch, Kampf-
phitz 77,26. 92,16. 17. 178,13. 191,14.
1(). 21. 23. 192,3. 193,3. 205,8. 370,23.
459,12. 18; ringli 192,4.
ring Adv, leicht, gering 287,5.
ringen sich abmühen, heftig Mrchfu
202,5. 231,16. 440,15; suh.f. Inf.
193,23. .500.4.
rint 420,9.
rippe 214,17.
ris Reis, Zu^eig 224,25. 341,12.
rise P. Ries: .535,6.
ri>en ZirfaUcn, ahfaUen 217,7. 4H0,2().
rite Fieber (>>\28. 8(>,'^0.
riter, ritter 36,7. 55,24- 31. 91,35. 151,2.
6. 152,12. 18. 252,15. 365,15. 370,22.
28. 371,6. 398,12. 436,12. 459,11. 17.
520,12; ritterkleit 55,24; ritterscliaft
51*. 55,20. 56,2. 3. 152,7. 8. 12; riter-
schüh 55,23. 27.
rit(t)erlich 51*. 64,15. 205,8. 241,1.
371,15. 460,11. 497,3.
rivicren ausßiessen 179,32.
rob, rop Raub 83,18. 370,2. 3. 458,10. 11.
robobli Taschengeige 114,1.
rochen räuchern 313,28.
rok Kutte 110,21. 143,25.
Rom, Rom 363,13. 421,3.
ror 467,33.
rbsclilich Adr. rasch 79,1.
rose, rose Masc 58,31. 59,10. ()4,8. 9.
10. 26. 33. 102,19. 22. 23. 24. 110,16.
137,18. 148,22. 26. 252,24. 281,27
usir.; roseli 111,27. 551,29; rosbom
13.28. 59,8. 15. 26. 102,19. 20. 21.
397,1. 10; roseuschapelin Kränzlein
ron Rosen 102,21; rosenstude 58,31;
rosenzwi 432,19.
rosiu, rosin Adj. von Rosen 64,9. 361,23.
411,17; roslin rosenrot 252,23; rGs(e)-
loht, ro8(e)lecht 48*. 64,13. 17. 110,16.
29. 271,19. 539,11. 542,7. 544,23.
551,25; rosenrot, rosenrot 224.17.
244,1. 245,18. 440,3; rosvarvv, ros-
varw 199,11. 213,27. 214,20. 271,25.
274,21. 295,12. 319,19. 320,l>s. 24;
rosvarwklich 227,18. 274,21.
rossli Rössleiu 138,34. 139,4.8.10.12.15.
roten 214,17. 449,28.
rotguldin 266,14.
rubin 2.52.25. 371.8. 460.4; rubinrot
271,20. 538,8.
rfichen unpers. kümmtrn 169,27.
rÖder 289,18.
ruf des gebetes .37,13; ze r. werden
ins Gerede kommen 119,19.
rnffen 21S.17. 274,2. 319.25. 460.2S.
riigen anklagen 204.13. 315,13. 540,18. 25.
rujrire. ze r.n stosseu 181,2!); ze n'icken
wrrrtVn 457,7.
iiiggin, rucken leib Roggenlaib 385,27.
46S.2.
600
Glossar.
rüglingen Adr. rücklings 77,1^.
rukcn 188,8.
rumen räumen^ freien Baum schaffen
99,25. ir)8,2r). 193, U.
rumen 874,13. \MiS,2\ 440,19.
riinen Jliistcrn 79,31. 145,23.
runs AusflusSj I^luss, Quell 44,10.
180,12. 13. 200,1. 273,7. 541,28.
riiren rühren, berühren, in Bewegung
setzen^ ein Instrumtnt spielen 8,16.
14,10. 21,23. 31,13. 171,26. 191,3,
199,21. 209,18. 202,11. 268,8. 12.
343.20.357,2.371,27. 460,25. 492,11;
sich r. 377,27. 450,1 (>.
rüssig russig, schmutzig 77,12.
röte Zuchtrute 247,19.
Y\v\\(\ ruwe Beue 198,14. 453,3. 4. 454,5.
498,18. 501,9. 11.
riiweii bereuen, Beue empfinden 282,7.
408,8. 454,8. 501,12. 13. 21. 543,2;
subst. Inf. 211,3. 321,16- 324,14.
n\wer Bfisser 453,24; niwerin 453,8. 21.
rüwig, niwig bereuend, bussfei-tig 100,1.
175,15. 213.17. 258,17. 265,.5. 445,25.
452,14. 450,5.498,28;ruweklichll6,17.
röwe Buhe, Beschauung 17,25. 18,23.
1(>7.13. 183,10. 198,19.482,14; rriw(e)li
17,10. 82,21. 93,5. 101,8. 124,22. 380,3.
rüweu 495,7; subst. Inf 243,16. 297,7.
317.14.
röwig, niwig, niwig ^-uhig 13,2. 85,33.
135,15. 156,11. 22. 166,23. 358,24.
359,18. 371,2. 438,25; r(lw(e)klich
13.2. 20,18.
Sache Ursache, firund 95,15. 178.9.
191.33. 208.29. 344,21. 349,7. 8. 13.
351.11. 473,0. 554,4; sachlich ur-
sächlich 178,9; Sachlichkeit 184,25.
sacnnneiit 113,9. 291,20. 292,2. 295,19. ,
29S.1». 299,1. ir,. 301,15. 302.0. 10.24.
isT.is. :>:v.)A. j
saiicii t'f/l. .singrti.
sat'^'r;///. saftV.N .SV/// 28.11; sapf 48.1. •
sak 377. U». |r)(i.."); wisstT s. irri,ssfs
OrdnisHi'itl mirl^. 411,19.
salbe 453,1. 513,18.
s&ldc s. selde.
salin Psalm 35,4. 87,5. 6 ; salter Psalter
429,16.
Saloinon 12,19. 273,17. 307,7. 439,10.
13. 21. 441,20. 470,4.
saltz 44,2.
Salve regina 36,2. 21. 27. 314, la 318,23.
410,3.
sam Conj. so irie 327,15.
samneu sammeln 372,19. 421,21). 470,4;
8am(e)nung Versammlung^ Schar,
Konvent (ron Nonnen) 70,24. 110.2.
370,16. 459,5. 507,24. 531,13.
Sampson 273,16.
Sanctus Teil der Messe 386,9.
sandunge Sendung 32,4.
Saphir 266,15.
sat Plur. sät 4.52,7.
satan 471,18.
satlen 139,4.
satten sättigen 228,20.
Schacher, Schacher Schocker 132,32.
307,14. 317,33. 540,16. 542,21. 543,2.
schaffen 74,21. 130,23. 137,2. 2>i4,2.
421,1. 466,4. 479,7. 483,21. 507,19.
schal 49*. 374,4. 482,26. 440,9; schal-
lich(en) Adr. schallend, laut 374,8.
440,13.
Schalk böser, arglistiger Mensch 161.><;
schalkheit 86,1 ; schalkhaft hinter^
listig, boshaft 86,19. 426,17 ; schalck-
hafftig, .schalkechtig P. 513,22. 531,
2. 4; schalklich 86,23. 136,17.
schalmie 323,2. 10.
8cham(e) 71,3. 453,12; schamgen /«•
schäinen 205,18; schamlich rersch/imt,
schimpflich 204,13. 20. 203,22. 315.
13. 21. 539,31. 542,18. 19. 20. 543,1.
545.21. 550,8. 552,7; schamrot S^.^l
i:»,0,28. 245,19.
schantlicli 132,H.
schap(p)el Kranz 20.7. 14. 27,5. 12.
i;4.9. 1 10,32. 1 1 1 ,2. 18. 252,24. 361,23.
411.17.
sdiapren Mose. scapulare, Schultvrkleid,
Shfipulivr 10.5.
scharlat ^^charlach 301.24. 411.18.
Glossar.
601
schannesser V. Schermesser 517,9.
scharp flieh Adv, acriter 156,B1.
schatte) 160,18. 228,18. 306,7. 361,().
schätz 258,10. 493,10. 12; Schatzkammer
493,9.
sehet* s, schif.
scherti. schefl'(e»lin 73,34. 8G,3. 381,20.
420.8. 463,4.
Hchelm 49*.
schelten sahst Inf, 68,3. 463,24.
sehenden 86,28. 152,22.
schenken ausschenken 552,2.
schepheu, schepfen schöpfen 329,»S.
34(),10. 486,4; erschaffen 292,20. 23.
3()3.11; schepfer, schopfer 215,1.
271.30. 332,11. 426,5.
scheni scheren^ die Tonsur erneuem
11(K13.
schezzen, schätzen 157,7. 492,5.
schidnuge separatio, Tod 220,2. 240,6.
260,11. 277,19. 278,8. 318,12.
schif 38,4. 149,8. 287,23. 473,1; schiflüt
182,4; schif man 289,17.
schilt 546,28.
schimpf Schere y Kurzweil 483,11. 13.
485.9.
schin, geischlicher habiius religiosus,
klösterliches Gewand 8,5. 198,18.
218,10. 284,11. 363,17. 370,4. 407,21.
421,10. 458,12. 485,15.
schinberlich Adv. sichtbar, glänzend
143,27.
schinden 125,13.
schirm 89,3. 117,14. ir»0,5. 263,4. 264,13.
396,4.401,6. 554,24; schirmen 89,11.
243,10. 340,12; schirmerin 37,20.
schit Scheit 199,23.
schl — vgl. sl — .
schlaf erlich Adv, schläfrig 45,11.
Kchlcht, siecht gerade, schlicht, auf-
richtig :{00,9. 359,17. 482,8. 510,23.
517.5. 518,17.
schlipfeii rU)5.27 : schlipfrig 365,13.
436. 1(».
schm — , sehn — vgl. sm — , sn — .
schnat«' Strieme 45,20.
sehne s. sne.
sclionheit 199,12. 217,4. 266,2(). 275,17.
378.9. 425,10. 432,4. 447,3. 466,6.
491.18; schoni 266,19. 273,17. 312,12.
374,24. 377,13. 385,26. 441,7. 449,27.
schop(p)e 3Iasc, Jacke 77,12. 79,3.
schoss, schoz 121,27. 122,3. 256,30.
267,23. 275,19. 276,17. 321,24; schois
P. 518,30.
schowen, schowen 167,22. 183,5. 244,17.
288,15. 383,3. 390,26. 464,16. 472,9.
473.13. 474,4 usir.; 8chow(e)lich,
schowlich afischauetid, beschaulich,
contemjflaiivus 156,5. 31. 160,27.
171,22. 245,5. 339,27. 428,4. 464,19.
469.19. 474,9; schowlichkeit 388,15;
schowung, schowung 21,7. 183,7.
193,13. 351,6.
schrepfen 43,18.
schriber 4,3; schriberin 4,3.
Schrift, scrift, heilige 107,20. 4,14. 5,21.
11,28. 183,20. 190,25. 197,16.21. 231,9.
328.3. 379,11. 508,8. Vgl geschrift.
schrin 264,5. 290,12. 486,20.
schö 467,33.
schuhen, schlichen verscheuchen^ Scheu
haben vor etwas 157,9. 19. 184,15.
297.4. 327,19. 484,3.
schuld und büze 320,14; Schuldner 250,3.
379,9.
8chül(e) 53,6. 12. 14. 31. 54,1. 29. 103,21.
143.10. 19. 209,11; schuler 32,22. 50,
23. 26; scholer P. 519,25; schülerli
31,19. 98,29; schulpfaf gelehrter Kle-
riker 53,26.
Schlüter 489,19.
schupfen stossen 145,10.
Schüssel 428,14. 433,23.
sehnten schütteln 80,30.
schuzzig = inschiessend 293,21.
se(c)kli 45,2. 75,19.
segel P. »Siegel 522,17.
segine sagena, Netz 13,32.
seien säen 363,20. 421,19. 20.
seil 107,5. 387,29. 469,5.
Seite Saite 199,23. 250,21. 254,2; seiten-
spil 1.5,4. 112.3. 113,29. 199,14. 225,5.
250.20. 2(55,4. 2(59,16. 304,8. 313,24.
323.15. 374,27. 384,9. 399,8. 447,5.
4()(),11. 477,11.
602
Glossar.
selbsheit, selbhcit Fem. Neutr. Selbst-
heit, (las eigene Sein 23,10. 180,2.
1S2,27. 184,24, 185,2. 186,13. 187,22.
189,7. 20.22. 337,1U. 339,11. 385,13.
389,4.
selbstanduuge suhsistentia, Persönlich'
keit 334,7.
selde, sälde 224,1(). 240,23. 372,2. 394,7.
415,16. 461,0. 539,13; fro Seide 435,7;
seldeuzwi GUicksreis 216,19.
seien, die die Seelen im ¥egf<:uer, armen
Seelen 313,13. 453,30. 524,15.
selgoreti; 146,19.
seligeu beseligen 169,7.
selklich 156,25; Adr. 97,4. 439,5.
seilos 484,12.
selzen seltsam, unhekannty fremdartig
90,30. 1 18,10. 226,14. 323,19. 475,13.
seinlich Adj. ebenso beschaffen, der*
gleichen 108,24. 148,5. 482,2.
Senat 548,21.
senend, sened, send Fart. sehnsüchtig,
roll Liebi'sschmerz 13,3. 223,11. 260,9.
271,4. 277,32. 318,10. 430,14. 491,5;
senlich 173,22. 229,17; senung 20,20.
Senex unbekannter Altvater 105,17. 23.
1(H).5. 9. 19.
senftcn 216,2. 317,15; 8enfteklich(en)
Adr. 139,12. 539,29; senftmütig 85,4.
208,32. 252,9. 363,6. 364,1. 414,18
420,6. 475,4. 494,21; senftmütklich
Adr. 204,15. 26t),4. 261,30. 318,7;
senftmfit(i)keit 216,23. 318,18. 364,8.
420,13. 421,25, 422,22.
seqiienci 26,13. 111,12.
ser Masc. Neutr. Schmerz 35,16. 208,3.
215,10. 216,2. 315,31. 316,11. 317,15.
Seraphin, .Serafin 18,14. 24,32. 144,22.
27. 145,11. 243,12. 305.30. 313,20.
'MHKIO. 471,16.
sorwcn cntkn'iftet trtrdcn, dahinwelken
142.28.
sfs>.| i;!K13.
öt'xt Unrr und Zvit derselbui 543,4.
hilH'ii (l'trchsifbrii 14S.1!).
siehoiiieit 103.^. 225.2. 242.15. 25(>.2. 11.
311.i>. 37!M2. 42S.2. 432.17.
8icherlich(en) Adv, 218,3. 226,3. 354,11.
872,22. 461,24. 508,11.
sider Conj. da, weil 202,20. 203,1. 232,3.
261,2. 286,21. 381,10.
sidin 369,19. 393,15. 457.15.
siech 414,4. 503,18.505,20; sieche dürftig
109,3; siechen 212,4; siechhas ,^6-
ieilung des Klosters für Kranke,
infirmariam 84,4. 86,11. 12; siech-
stube 31,15; siech tag Krankhtit.
Siechtum 56,17. 68,27. 69,5. 109,2. 22.
133,9. .503,19.
sieden 286,1.
sig(e)los 166,14. 260,3. 2()L2.S. 318,5.
435,7.
sigen sinken 239,24. 330,11..
Simeon 30,3.
sin Plur. sinne Ausspruch, 'These 4,1 1. 15.
5,13. 97,11. 13. 23. 99,11. 180,16.
190.27. 191,2. 11. 197,20. :^25.n».
327,18; Zweck, Bedeutung 165,21.22:
der gemein sinne P. 521,24.
singen und (ald) sagen (lyrisch) dichten
und vortragen 15,4. 26,21. 56.().
sinken 342,1; in sich selb s. 338,1S.
sinnelich, sinlich 163,24. 165,31. 526.17.
527,18; sinnelich|^k)eit sensualitni<
169,36.359,11. 501,6. 520,r»; «nnie»-
los besinnungslos, frei von den ASinnm,
unvtrständig 70,28. 282,10. 341.15.
376,2. 448,14; .sinne(n)rich verständig,
klug, scharfsinnig -^,29. 184.12. 268.13.
sinslieit Fem. Neutr. das eigene Sein
95,12. 161,6. 164,4. 167,21. 169.2.
182.29. 183,2. 18f),4. 188,7. 1.S9.22.
382.28. 337,1. 359,6.
sinwel rund 64,11. 199,5. 551,12. 552.14.
Sirenen 435,3,
Sitte 480.21; sit(t)ig 166,22. 23. 359.17:
sitlich Adv. ruhig, anstüudig 470.3.
slan«:.'. »«chlange 106,13. 425,17. 473.1:
der wis sl. 436,8.
s(ch)le(hdorn 211,29. 430,27.
slew»'(n)zen trdge sdn 408.18. 424.25.
s(c'li,ilichen ( hirab)gkiten 436,21. 2<>:
■suhst. Inf. 473,1.
sloss 414.20.
Glossar.
603
smak Geschmuckj Geruch 111,16. 125,14.
208,1. 208,23. 308,1(). 313,25. 316,4.
3()1,22. 411,17. 425,16. 427,17. 19.
452,9.20. 453,2; 8(cli)ma(c)ken 209,6.
232.5. 9. 233,13. 426,8. 452,19. 492,22.
smakhafti Wohlgeschmack 316,8.
s(ch)iiia(ch)lich Ädi\ mit Verachtung^
auf beschimpfende Weise 123,27.
124,9. 259,21.
Smaragde 266,15.
smelzen 16,8.
smeitzen 413, 11.
Miieychen P. 509,20.
sue, sehne 220,23. 323,20. 425,24. 452,5;
sclinewiss 194,25.
siiecke 473,14.
s(ch)nelleklich 169,31. 334,26; sneUheit
317,3.
snod P. 516,19.
sogen 267,20.
sog(*^ )tan FaH, Adj. so beschaßen 197,20.
226,1. 257,4. 258,15. 263,3. 293,21.
299,24. 340,16. 454,9. 12. 456,15 usw.
solich 464,13.
sorglich, 8orklich Besorgnis erregend^
bedenklich 68,28. 78,28. 147,6. 267,8.
■ 352,5. 527,14.
sorgveltikeit 494,19.
spacicren subst. Inf. 166,25; spacium
322,23. 323,29.
si)alten sich spalten 447,25.
spang = spanne palma 41,6.
spannten 482,15. 504,1; gespannt sein
360.6. 405,2.
speculieren 172,6. 7. 173,9.
8peeiilum Viucentii (v. Beauvais) 51,4.
«pehe, ^^(tQ\\ spöttisch, übermütig 317,18.
28. 439,2.
fipeht 458,25.
Speichel 204,19. 208,5. 316,14. 540,2.
spengler KUmpner, Flaschner 40,15.
si)er 273,6. 320,16.
speton, sich 312,29.
spiogel ( t'if/enth und bildlich von Christus
/'v/r.y 92.2. 97,1. 172,5.208,9.216.23.
237.7. 242,18. 263,12. 269,16. 30.
277.S. 292,8. 321,27. 477,23. 482,16.
493,7. 528,1.6. 539,31. 540,7. 544,11;
spiegelich 155,18.
spiess 76,7. 77,13. 15. 17. 78,13. 79,2.34.
spü 205,30. 224,26. 234,16. 237,19. 323,9.
361,6. 374,31. 410,18. 447,10; der
minne sp. 2iU,ll. 12.
spilen spielen, sich lebhaft bewegen,
fröhlich sein 31,4. 82,23. 201,18.
224,26. 276,20. 298,14. 417,8. 476,21.
479,3; Spill e)ud leuchtend, blinkend
14,12. 173,6. 267,24. 406,16.
spüle P. Spindel 531,13.
spilman, himelscher 21,8; spilwip salta^
trix 481,14.
Spiritus blasphemiae 131,15.
spisli 84,13; spislos 81,15.
spissen aufspiessen 77,16.
spot 490,19; spotred 84,6; spotig 146,7;
8p<)t(t)lich , spotlich 145,24. 205,23.
259,19. 261,5. 317,19. 28. 487,9. 540,3.
8pr(?chen, einem zusprechen, beilegen
329,23.
spreiten 547,28.
spreng wadel Asperg il 47,19.
Spruch 60,13. 104,1. 157,6. 9. 12. 158,6. 8.
163,10. 391,21. 396,18. 22. 469,7.
484,10.
Sprung 21,23. 372,3. 458,3. 461,8.
spunzieren = sponsieren subst. Inf,
LiebesgeU'indel treiben, buhlen 135,14.
136,22.
spüren 172,4. 491,33.
Staglin, Elsbeth (die) St. 124* if. 96,7.
36t,4. 384,3.
stahlin, steh(e)lin 212,11. 875,15. 30.
447,25. 448,10.
Stange 442,22.
stapf vestigium 455,19.
stärckheit P. 521,7.
stecken 46S,15. 493,11.
steft 40,19. 43,(). 19; steftli 40,15.
Steg Mnsc. schmaler Weg 225,10. 371,1.
459,26.
Stege i'>7;j. Trcpjjc 3(>.13.
stehlin .y. stahlin.
steinin 67,7. 547,20. 552,29.
Stella Maria niaris etc. 17.29.
604
Glossar.
stellen nach Prät. stalte streben, trachten
96,11. 289,13. 389,25. 400,14. 433,27.
451,7. 471,4. 52f^,10; st. uf einen
nachstellen 115,20; sich st. sich ge-
stalten 425,14; bestellet Part, ge-
staltet, nussehend^m.Xh, 337,9. 378,14.
451,7.
steren =: staren snbst, Inf, Starren,
Stieren 10,21, 191,32.
sterki 273,10. 553,9.
Sternseher Astronom 250,7.
st-eten befestigen 215,22; steteklich(e)
Adv. 362,10. 400,19. 475,1; steti Be-
ständigkeit 170,14; die steti dauernd
249,4; stetikeit 219,24. 2S9,21. 322,12.
stetli (>6,3. 67,4.
stiften hinstellen, amichten 75,18. 335,7;
gestift Pari, erdichtet, erkünsttU
377,13. 449,27. 514,4.
stig Fusssteig 49,11 ; =: stigel? 4^,17.
still haben 29,20; stillsprechend 190,16;
stillestan 366,5. 437,13; stillstend
191,16; 8tiUe(s) swigen 211,5. 438,7;
stilleswigend 173,23.
stille, -i 152,10. 352,12. 477,10; stülen
zum Schipeigen bringen, beruhigen
122,21. 136,24. 183,14. 474,15; 8tU(l)-
heit 104,13. 170,1. 184,23. 186,11,23.
187,7. 189,23. 192,26. 245,17. 309,27.
364,1. 420,13. 474,23; stilleklich Adv.
414,14.
stock Unkraut im Acker 495,7; Unter-
satz^ Basis bb2^\^\ Gefängnis^S^^Vd.
stolz, ein st.er juugling = Kngd 21,10.
31.22. .53,10. 139,2(>.
stoss, stoz Stoss. Streit, Widerstreben
95,13. 198.15. 285,4; atossen 268,21.
440,27; stossig in Streit befangen,
uneins (mit sich) 95,14.
straflich 1()(),13.
Strange 29,10.
stral Pfeil 230,4. 435,5. 453,12; der
rainne str. 552.9.
strangheit s. strengheit.
Straslmrg 23.1. 81.6.
Strasse 434.15.
streich 14!>.1S; streichen hrriihren 2(l.s.5.
.316,13.
streiflfen, sich 434,16.
8trenk(h)eit, strengh., strangh. 4().21.
53,1. 107,9. 13. 29. 108,6. 12. 233,27.
H64,ll. 375,24. 388,14. 423,4. 44S.3.
469,18.25.497,4; stren(g)klich 42,29.
204,7. 315,4. 340,5. 438,15. .'>39.19.
strichen 394,4.
strik 72,23. 284,14. 310,21.328,26 3^0,13.
445,10. 456,20.
strit 459,19. 460,11. 17. 497,3; wider
strit um die Wette .39,24; strititieu
24(),2(>. 365,17; stritberlich 205,9.
459,12; stritlich 241,8.
stro 76,10. 369,22. 457,19 ; süosak 55,1(»:
strowin strohern 152,12.
stübli 31,9.
stuche Fem, Schleier 83,18.
Stade 216,20. 551,17.
stndent P. 532,16.
Studieren 104,11. 256,21. 29. 376.'22.
438,1. 449,1. 552,16. 18. 553,^4.
stül 70,5. 414,1.
stunde, min liebü (göte) st. 27,2. 548,H>;
stundli(n) 93,22. 168,26.216,17.224,28.
239,7. 281,21. 307,21. 383,17. 4.56,12,
551,5; stündlich 434,7.
sturn 4(KV24; stürmen 370,12. 426.15.
489,27; stürmig 81,12. 92,21.
suber rein, hübsch 55,22. 79.1. 134,28.
substanci(e) 172,2. 180,3. 181,5. 23:^.S:
substanzlich 171,18. 179,3.
subtil 352,13. 489,8.
suchen, einen ze gründe s. gründlich
durchsuchen, heimsuchen 56,19.
snfze Masc. Seufzer 27,24. 36,1. 45,13.
54,30. 62,19. 66,28. 77,24. 79,31.
80.32. 34. 90,10. 91,3 usw.: süfzen
31,14. 48,(J. 72,3. 84,11. 110,8. 120.14.
319,16 usu\
sugen 15,10. 39,24. 61,21. 204,30. 371.25.
460,22. 472.16; suger 57,17.
suht 47,15.
sul 42.1. 198,25.
sumliehe etliche 135,11.
sumen /</>?Ärt//r/? 282,14. 474.17: sich s.
mit (iinct. vtrsdumen 282,14; sumig
415.12.
Glossar.
605
sunum)erlich 111,27. 172,14. 299,19.
:mA7. 374,30. 407,4. 6. 425,10.
433,22. 25. 447,9. 466,5. 478,19.
sum(mjerwunne 27,2. 111,3. 242,11.
299,11. 22. 304,21. 406,17; sumerzit
425,27.
srtii Siihne 213,29. 261,15; simzeichen
(Hvyenhogen) 214,lo.
Siinamitiß 435,15.
siuiden sündigen 500,22.
si'inder 125,22. 453,24. 486,13. 4S8,8.
508,5 ; sünderill 72,10. 18. 73,8. 451,14.
453,16. 512,2. 10. 513,20; gemeine
snnderinn 116,19; sündig 79,29. 116,20.
175,2. 198,2. 212,27. 447,17. 21. 450,11.
452,14. 461,17. 498,29.
suuder Adj. besonder 416,2. 468,24;
sunderbar Adv, vorzüglich 376,19.
448,32; sundern, sündem 219,10.
332.5. 356,20; Sonderheit 25,12. 149,6.
1S().24. 193,15; 8underlich(en) 72,32.
196.9. 199,19. 210,15. 224,5. 307,13.
:*,76.25. 27. 414,2 usw,
simen 243,10. 321,15; sunerin 264,2.
sunheit 184,20; sünlich 184,17; sün-
lichkeit 224,13 ; sünlin 25,25.
sunne. der ewigen s.n rad 387,11.
468.14; sinmenglast 299,17; sunneu-
tag Sonntag 48,12. 352,11.
süutiicli 116,24. 158,25. 192,16. 322,2.
385,26. 452.17. 21. 468,1. 507,2.
siippriorin 462,3.
*Sursuui 27,21. 171,26; Sursum corda
27,17. 19. 25. 28,18. 30. 29,5.
Süse 7,1.
süsen sausen 27,21.
sCissekeit, siissik., siizik. 27,8. 37,2. 17.
98,15. 142,7. 197,5. 205,2. 207,13. KJ.
241,2. 244,4. 249,26 usw.] suz(e)k-
lich, süssekl, 69,18. 86,29. 90,19.
111.10. 112,3. 202,11. 13. 213,10.
223,19. 234,1 usw,; süzmfitig 261,31.
süssen Part, gesüst 14,1 ; süssren 450,1.
suter Schuster 86.8.
Swahe 7,2; Swaben 2(),3.
swach schlecht^ ancdd 6(5,24; swacben
schiraeh werden 88,13; swachbeit
.S9.30: swacblicb Ädv. 386,21.
swalve P. 535,19.
swanger 330,21.
swank«S'cÄ?raf?^,J^a/*c7#u?w/i(/4Ü8,6.459,2.
swarbeit, swerbeit Last, Beschwernis
95,1. 193,5. 309,24. 476,7; sweri
498,7 ; swarlicb(en)60,8. 214,31. 258,17.
375,30. 433,6. 448,9. 456,12.
swärmütig, swerm. 212,27. 485,19; swar-
miitikeit, swerm. 235,4. 256,25.313,11.
351,9.375,31.448,10.496,17.497,15.19.
swarzen schvcars werden 230,2.
Sweben 44,11. 338,20. 350,28. 446,23.
swecben erniedrigen, beschimpfen 120,21.
369,13. 4^7,9.
8weit\f) 371,27. 460,24.
s weinen schwächen, vernichten 286,3.
sweis, -z 204,6. 205,14. 315,3; sweisbad
Schwitzbad 46,3; sweisstropfe 539,9.
swelle 35,1.
8 wellen JPart. geswuUen 453,12.
swcnken schweifen, schweben 370,18.
459,7.
swerbeit, sweri s, swarbeit.
swert 76,10. as,6. 85,34. 270,19. 453,27;
sw^ertslag 422,6.
swertzi 439,17.
swimmen 180.5. 185,28. 247,9.
swin 222,12.
s winden unpers. ohnmächtig icerden
79,19. 213,14.
swinen PrdU swein abnehmen, dahin-
schicinden 120,28. 302,1.
swingen, sich 424,25. 448,11.
Symeon (her) 294,7. 295,22. 545,23.
svmonia 62,25.
Syncletices, sancta 106,21.
Syon 297,5; die megde (tohter) von S.
432,16. 26.
T siehe D. .
u.
übellich 549,13; Ädü, boshaft 123,11.
übelstem! 123,13.
üben asketische Übungen pflegen 3,11;
geübt erfahren im geistlichen Leben
252,2; sich üb. 51,13; einen üb. heim-
suchen 51,13. 493,25; übig 9,14. 52,6.
98.11. 140.6. 192.31.
606
Glossar.
fibcrbildcu tran^^formarö 1()8,10. 181,22.
388,:). 891,9.
Überbund Aushund 40(),22.
überdenken 24«). IS. .')25,22.
über^an, -pen itberdmken^ übertreffen^
überschreiten 234,4. 257,18. 21. 24.
:m,27. 314,17. 334,4.
Miber£»:e^otet übe rg ottlich 190,14; über-
j?otlich 188,20.
überglestet hell (jlänzend 49,7; über-
glcatiar 190,15. 20.
übergülden libtrt reffen 507,14; subst
Inf. 215,9. 266,21. 454,14. 476,12.
überheben, -haben 133,8. ''2(H),3. B02,3.
380,21.
überkomen überreden^ vermögen 146,24;
darüber hinauskommen 521,4. 525,6.
Überkraft Übei-macht 139,29. 290,27.
365,1.-); überkreftig 382,2; überkref-
teklich Adr. 467,15.
überladen Part. AdJ. überbürdet, be-
drängt 39,4. 69,7. 72,8. 216,8. 220,22.
256.26. 497.6.
überlast 51,18.
überlesen 200,6.
überliebt 190,17.
über) oben sehr loben 51,1.
übermerklich überaus wichtig 329,7.
übermessi^klich Adv. 227,10.
übermiiinoklich 229.14. 409,7.
Übermut 3()3A(>. 421,8; übermfitikeit
235.!*,: übermütklich 8(),8. 156,32.
übornatur 311,19; übernatürlich, -na-
türlich 10.10. 18,1. 17(),2. 171,23.
178,22. 189.9. 193,1. 223,27. 292,18
usir.
überottVnbar 190.18.
überschal höchste Freude 112,4; über-
schallcn 376.16.
überschincn 106.25. 241.10.
überH«'ben mit Dat. oder iren übersehen ,
narhfiehni, rtrztihen 123.9. .•■40.6.
H()4.28. 29. .3()().18. 369.16. 424,21.22.
438,!». 457.12: sahst. Inf. 375.29.
448.8: sich üb. n. rrrsehen, versäumen
130.12. 340.6.
übcrs«'tzen. -sczzeu fransformare 94,26.
130.22. 19:5.29. 334.12. .337.13. 358.7.
übers wenk überschicetiglich 52*. 5,14.
10,28. 23,2. 97, 11. 99,1 1 . 1 79,26. 181,24.
1S4,5. 344,26. 384,20. 466,21. 477,4:
überswenklich 2aS,10. 378.10.
übertragenheit hochfahrendes Wesen
1 33,5.
übertrahten überdenken 2.57.20.
übertref(f)end 174,8. a39,ll. 842,13.
352,21. 353,25; übertreflfe(naich 329,7.
339,9; übertreflfenlicheit 327,21.
übertrnken aushalten 370,27. 459,16.
überunbekant ltK),15.
übervaren subsi. Inf. oberflitchlich be-
trachten 257,16.
übervart transitus 193,11.
übervernünftig 185,26.
überHiessend 178,22. 2()4,23. 2«)5.2s.
267,1 ; überfluss 336,9. 385,1 1. 467.18 :
überflüssig überfliessend 101,15.
Überflug — übervart 184,2.
übervoll 52*.
überformeu iransformare 389,12. 845. IS.
überfüllen 190,20.
über werden enthoben irerden 445,17.
übenveslich s uperstant ialis, überschtreng-
lich 52*. 95,15. 157,22. 24. 160.21.
182.20. 24. 190,12. 14. 191,32, .34.
193,17. 390,4; überwesentlich 471.»».
überwinden Part, überwunden übtr-
frältigt 48,6. 15. 270,22; überwunden-
heit 497,11.
überwürken 53*.
überzinen inrz innen 4S,5.
übli 261,32.
übrig üljennässig 107,9. 1<32,4. I:.i3.4.
139,31. 358,16. 543,7.
Übung Übung (asketische) 11,22. 2:^,16.
30,14. 40,26. 41,3. 43,4. 45,25. 46.13.
27. 215,2(>. 448,4. 505,7 ustr,
uf bieten 493/23; sahst. Inf, r^lS.lS.
31S,33; sich uff b. 479.23.
uf blasen anfangen zu blasen 823,10.
uf brechen aufgehen, sich aufmachen
17,19. 90.29. 172,14. 173,14. 211,6.
233.21. 271,17. 299,9. 313,17.
uf (h'.nen .323.13.
uf driui^-en.-tnngen 28,10. 172,10.211,10.
252.13. .374,26. 426,5. 447,4.
Ulossar.
607
ufontlialten aufrecht halteriyUnterhalten,
stützen 95,28. 165,5. 177,5. 23l),20.
•n.%o. 317,14.388,10. 469,14; sichuf e.
216,14; ufenthalt Stütze, Schutz 24,7.
64,19. 118,30. 126,11. 169,29. 484,6.
iif erhaben 212,14.
uf erbeiiken 259,19. 269,19. 543,12.
uf erlupfen 156,3.
iifTerstentnisz P. 518,14.
uf erswingen, sich 158,26.
uf ga^ren aufragen 217,8.
uf ixan zunehmen 505,18; uigang 165,19.
24'), 10.
uffireben Part, ergeben iQh.Vi; ufergeben
274,14; ufergebenliche 339,15.
ut'ir«*zogenheit Ekstase 196,7 ; ufgezogen-
lich 290,2.
ufir^'zunt schön gerötet 110,14.
uf haben in die Höhe halten 77,18; uf
iieliaben zurückhalten 376,11. 448,23.
utf heben, sich P. 511,13.
utf henken 553,1.
uf jesen gären 159,8.
uf klenken aufs^Men 28,12. 323,4.
uf klimmen 138,27. 205,4.
ufi^' leinen auflehnen^ in Bewegung
bringen 458,19.
uf lupfen 171,26.
uf machen, sich 448.6.
ufschlag Aufschlag 530,5; Aufschub
307,1 H; uf schlahen aufschlagen, auf'
schieben 225,15. 314,3; zur Weide
wohin treiben 374,23. 447,2.
uf schliessen 207.21. 320,3.
uf schürzen 385,24. 467,33.
uf senden 438,23.
uf setzen, ufgesatte wise 488.19.
uf .springen 173,7.
uf swenken 27,.30.
uf swingen, sich 193,5.
uf tragen auftragen, darbringen 27,29.
90,(). 16.22. 91,16. 311,17. 431,11.
uf flammen 18,15. 216,22. 224,15. 243,13.
313.17.
uf wischen Prät, wüst auffahren 57,26.
127,29.
uf zerren 210,3.
u\' zortiin. sich 447.26.
uft' ziehen hinhalten 455,12; uifzug
455,14.
umbgan einen zu schaffen haben, sich
abgehen mit 116,15. .361,4. 410,15.
umbhalben 539,17. 549,12. 552,19.
umbhenken 296,29.
umb keren mutare 551,22.
umbkleiden 492,28.
umbmachen 66,5.
umbschliessen 20,1. 178,10.296,24.297,3.
392,19.
umbswank Umfang, Umschwung 178,14.
191,15. 435,8; umb swenken 250,5.
umbvang 14,13. 18,4. 201,27. 214,26.
276,15. 413,5. 433,13. 479,18. 493,16.
496,2.
umbzünen 426,11.
unandechtklich Adv, 298,9.
unangenomen stan gelassen sein 359,27.
unangesehen 168,26. 348,16. 350,25.
353,13. 30.
unbedaht unbesonnen 300,9; iinbedah-
t(e)klich Adv. 235,13. 298,12. 415,18.
unbegirlich 297,20.
unbegrifFen incomprehefisibilis 223,23.
.328,22 : unbegrif(f)enlich 178,7. 226^5.
242,5. 243,15. 262,17. 295,9; unbe-
grilfenheit 342,13.
unbehabenlichi Nachgiebigkeit? (vgl.
Benifle 633 A. 2) 340,15.
unbehangen 47* ; unbehenket ohne An-
hänglichkeit an die Kreatur 38,21.
unbehulfen 163,18; unbehulfenlich 81,9.
unbehfitekeit 42,10.
unbekant unbekannt, unerkennbar, un-
vorhergesehen, unverständig 128,24.
1.56,10. liK),20. 194,2. 215,27. 284,30.
.310,12. 32(>,15. 379,6. 380,6. 400,4.
410,4. 428,2. 434,15 usw.; unbekant-
heit Unverständigkeit 503,16; unbe-
kantüch Adv. unvorhergesehen : un-
bckennen subst. Inf. 341,16.
unbekumbert 208,24. 431,19.
unbioliplich vorühergeheud 160.29.
193,27.
unberadelichen P. inconsulte 533,23.
unberichtet nicht untvnriescn^ unbe-
helligt .3()9,.3.
Ü08
Glosaar.
unberurt 215,19. 226,«. 257,18. 850,10.
uubeschcideu indlscretus 108,12. 490,
1<). 18. 501,11 ; unbesclieidentlich Ädr,
ohn: Tiewusststin 284,15.
unbescblosseiies kloster ohne Klausur
185,31.
imbescbniteii 25,22.
unbesiutklicli Adv. 298,9.
imbesorget 157,5.
unbes toben P. 526,10.
«übeweg(en)lich 105,17. 210,21. 242,2.
261.8. 816,29.33. 388,4.6. 469,9.10.
unbewiset 201,16.
unbezwung^enlich, in u.er wise 179,4.
unbild(e) EiUrüstung 120,8. 9. 127,24.
unbillich 201,24. 293,26. 337,30. 426,19.
unbiltlichkeit 164,8.
Undank, sine» u.es gegen seinen Willen
81,24; undankbar, -ber 215,7. 310,25.
underdruken 5,11. 123,24.
underducken P. 522,14.
undergan, -gen 44,19. 55,2. 68,7. 85,30.
105,26. 148,16. 353,16; undergang
48*. 57,4. 67,3. 133,5. 164,18. 165,19.
167.9. 863,2. 24. 389,5. 486,12.
undergeworfifenlieit 477,3.
undergczogenbeit Entziehung der filhU
baren Gnadi' 322,25.
undergründen 13.1.
undorlaz, -ss^, aue 82,24. 224.30. 243,13.
848.9. 502,10. 552,27.
undeilibi ztitir eilige Ix'iihej Erholung
r)0*. 4,28. 40.8. 360,8. 405,4.
underrock Unterkleid 394,5.
underschaid. -scbeid 3,14. 16. 4,15. 97,17.
118.20. 155,12. 156,14. 158,8. 18. 14.
19. 159,16. 27. 160,10. 18. 15. 168,7. 9.
167.12 uüir.: underscbeiden rerschie-
den Ädj. 350,21. 354,18. 855,8. 497,16;
nnderscheidenlicb verschieden^ deut-
lich 185,15. 1S9,14. 15. 492,81 ; under-
sclieidenheit distinctio 174,10. 354,11.
K;. 22. 855,1.
under.Nchidunge .separatio 354,16. 17. 21.
under scliialien unterdrücken 57,9.
under.stan nhirchrtn, verhindern 7,18.
147,<). 201.21. 2s. 21)5,8. 878,10; un-
dt'istand suhjeclum^ Stütze 157,16.
162,20. 492,81 ; underet an dünge sah-
sisientia, Persönlichkeit 334,9. 12.
iinderstützen 548,20.
undertan, Untertan 22,aS. 382,9. 4<>4,2o.
465,25; undertenig 39,6. 182,19. 192,
19. 274,13 ; undertenikeit .357,1 . 865,14.
381,16. 3a3,21. 462,18.
undertragen subst, Inf. daziHschm
tragen 62,25.
under tun 447,14.
under^'cgen lassen, bliben unbehelligt
lassen, übtrgthen, unterbleiben 97.22.
98,8.353,12. 14. 369,18. 373,28. 457.14.
underwilen(t) 367,16. 455,22.
underwinden, sich sich freundlich unter-
sie.han, s. annehmen 251,6.
underwurf Unttrtverfung 1(>8,3() ; under-
würflich(e) 827,17. 332,22. 858,2.
underzieheu entziehen 289,14. 30*.».7.
548,27.
underzuk Entstehung, Verlust 174.26:
underzucken unterdrücken 218.12.
275,25; uuderzukung 166,6.
unehtig von geringem Ansehen^ nicht
achtend 169,26. 218,23. 864,5.
unendlich zwi:cklos, unnütz 221,28. 282.2.
uneuphiutlicli unerfindlich 249,5.
unenthaltlicbkeit = ohne enthalt 1(U.>>.
unerberraklich Ade. 260,3. 318,6.
unorbrochen ungebrochen 156,80.
uuere 80,25. 69,8. 120,20. 215,8. 29S.28.
808,7.
uuorkant unerkannt, unerkennbar^liS2. 1 7.
549,15.
unerlicb schimpflich, schmählich 67.1.
115,28. 282,23. 870,2(). 459,16.
uuer8ch6pf(e)t 2()5,26. 498,19. .548.5.
uneröchrokenlich Adv. 378, IIK
uuerstorben 3,12. 160,1.
unerstürmt 160,4.
unertekeit Unbill 74,17.
uuervolgklich unerreichbar 383,21.
uiiganz 162,12. 275,25; ungaii(t)/.licli,
un«ientzlicb 4,8. 871,34. 4(>1,8.
ungeberde unziemliches Benehmen
12(5.22.
ungebogig unbeweglich, schwerfflUg
470,9.
nngelrütben r>3,'2. Hi.'),3,
UM gebunden 55,10.
niLirehiiztt 182,1.
uiieedank iibltr (iedaukr 125,21; dines
,u:i iridei- milett MT.lß; uiige-
ilankheit Gtdaiikeniosiijlieit 549,11.
iiiigciliiitig 44(1,28.
ungcgcben 21(1,4.
iin^ebabd, -t, -hebil ühlea Brnehnun,
Ungestüm 127,4. ■24. ;*); uugehabt-
keit 94,2(i.
unjreliiiidert 357,7.
«iii:.'hÖri;i(i4,ll. .
iingehulfen 26ii,6.
UHgeLiir ungehr.uer, aehrecklieh 61,10.
77,ia. 81,7. 87,14. l.HO.l.
nngi-iatlicb 2.58/21. 22.
niiue]iii]eD frei von Anhänglichieit 1^,8.
im(relas(B)en nicht Gott ergehtn, unge-
iluldiy 28,;t2. -t4,22. I(!5,16. 531,12;
UDgetaseenheit 535,10.
iiugelebt unerproltt 369,2.
uugeleiBten 258,5.
iingelert 4,10. IBO,].
ung(e)licli 112,10. 108,1. 4. 142,6. 10.
157,:i. 161,26. 164,24. 172,26. Ull,8.
1114,1. XmM- 18. 220,14. 228,6 u,w.;
iiiig(eili<:h(h)eit ÜHgleicIiheit, Äbwen-
iluiiij KOn Glitt (dh/iimilitiidii, ini-
HuiUts) 88.22. 92,28. 142,18. 16it,lö.
200.21. 2:i0,16. 233,12. 247,5. 3511,20.
:i8S,12. 46!l,16. 478,6.
uiigelimpf geben (niiei'i 136^1. 48.5,11;
iingelimpfljcb Adv. unangemeesen
1.^9,25.
img(.e)lobe 2!)1,2I>. 492,6; ung(e}loblich
107.22. 2!i3,26.
angelonet 182,2.
tingelii(c)k .■>1*. 133,24. 168,3. 395,19.
unKcniftcli Sab^. 46,3- ''7,14. 70,23.
2ift,4. 209,8. 213,2. 215,31. 220,18.
246,12. 247,12. U utw.
iingemessen 54'. 291,31. 306,1. 328,22.
397,26 ; ungern essenheit 173,1. 182,29.
.V.4,H.
iingemiiigct aitbelästigt .'äl,4.
Hiigenftiitheit h'nnennbarkeit {Gölte»)
1H9,1.
iingeDeia anaagenehm, wtdtrviärtig, ab-
slos»endm;il. 12J,3i. 213,11. 214,7.
259,21. 305,29. 306,215. 311,24. 554,19.
ungenemmet ungenannt 323,19.
nngenög 231,13; ungcnügde 8,9; un-
genuklicb 2111,19.
angeordnet, -dent +2,6. U. 62,1. 23.
174.26. 206. 7 247,U. 256,26. 818,16.
327,2. 26. 352,6 vm.
ungeraten 147,1.
uiigeredet sprackhis 548,14.
ungereht Siih/il. da» Verkehrte, Unrecht
39u,16.
nogern Adv. ungern, ackKtriieh 76,14.
462,15.
ungerütet ungerndet 495,7.
ungcBamnet 8,6. 215,22. 372,19. 461,21.
ungesuit angesetzt, unruhig 159,22.
DDgeachat'(f|eii unersvhaffen, ungettalt,
köstlich 135,29. 158,4. 1S4,24. ;112,4.
329,14. ;i45,8. 499,24. im^i'i. 004,13.
507,3.14 UQgeBchaffeuh eil d«/orm lins
506.27. 507,1.
LIngeRcbeid(^n 273,5; uDgeacheideulich
Adv. :i(l9,ä8.
ungeselleklicb Adt. anfreandtieh 13Ü,6.
uneeaihtig ..»mVA ((.«<■ 190,8. 19. 20.
2933; nngesibuklicb Äih: 292,20.
295,2:^.
nngesind ncblechtte Gesindel ( böse
Gtüttr) 553,19.
ungeemak unschmackhafl , iridrrlich
373,26. 399,3.
ungeslalt deformis 79,4. 131,10. 370,13.
377,11. 449,2.5. 450,1.
iiDgeBtrafet 225,20.
uugeatreket 45,17.
ungestüm Adj. 140,15. 261,28. 318,18.
VM). 7 rii):t.22;iingeMtun]klioh 136,18;
Miiu'cairimk^ir .549,8.
ungetan laset' ii 68,16.
ongeWilt 1HÜ,3.
un^etodet 1*2.12. 5:i:f,6.
ungetrostet 175,10.
uugciri'iwc trtato» 121,33.
39
610
Glossar.
ungeript, -nbt unerproht (im ffHstUchen
Lehen)^ wenig begangen 56,25. 98,9.
1()3,6. 205,22. 206,19. 237,2. 826,9.
352,14.
un^efüglich P. unbeholfen 527,8.
unffewalt 210,20. 215,26. 316,27.
ungewenkt unerschütterlich 309,16.
UDSfeweret 27,15.
nngewerlich gefährlich 168,7.
ungeweschen 428,14.
ungewillet nicht nach M^illen getan
382,15. 463,24.
ungewiter 145,12.
ungewonlich, -wonlich 128,32. 196,7.
205,2. 207,13. 256,12. 297,8. 478,6.
ungeworden 158,32. 208,8; iingewordeii-
heit 157,21. 188,19. 287,9.
iingewiilkt unbetvölkt 172,14. 299,9.
uiigezellet 290,19.
ungezemt 251,11.
ungezogen unartig, zuchtlos 204,17.
315,17 ; ungezogenlich(e ) 208,4. 316,13.
ungezomet ungeeäumt 549,8.
ungotlich 480,3.
nngri'intlicli unergründlich 18H,15.
Ungunst 5,11. 145,10. 148,12. 527,9.
Unheil, sines u.es zu seinem Verderben
549,8.
unholt P. 314,8.
iiukraft Kraftlosigkeit 386,25.
unkrut 282,11. 495,8; unkrutgarte 222,9.
unkunnend unerfahren, ungeschickt -^M.
146,5; unkunentheit :^1,22.
unkuut unbekannt 207,16. 212,26. 226,14.
281,15.
unledig unfrei 335,20; unledikeit, un-
lidkeit Unfreiheit , Beschäftigung
38,14. 121.22. 1().S,7. 352.6.
unlidig unleidlich^ unertröglich, unge-
duldig 9,81. 76,2.5. 184,12. 165,16.
229,28. 28. 269,5. 420.15. 546,25; frei
von Li'idai 244,12. 294,18; unlide-
lichr Adv. unirträglich 497,10; un-
h'idlicli 1*. frei ron Leiden 519,11.
iinlidekcit l^ngeduld 31S,17. Vgl. un-
ledikeit; unleydiiy-keit P. f.cidens-
freiUcii 519,8.
unliep S'uhst. Xeuir. Lieblosigkeit, Härte
547,11.
unliplich incorporalis 171,19.
Unlust 294,27; unlustig unangenehm,
zuwider 9,30. 283,14. 316,9.
unluter 506,7.
unlütselig abstossend 877,11. 449,25.
unmaht Schwäche , Ohnmacht 71,26.
545,26.
unmanlich 41,20.
uniuaterilich unkörperlich 18,6.
unmehtig kraftlos, machtlos H6,\. 252,8.
260,2. 435,12.
Unmensch Masc. 128,23; unmeuHchlicIi
107,22. 120,5. 296,6.
uuraessig, -zig 15,27. 63,23. 73,25. 84,21.
142.27. 170,5. 213,13. 21.5,16. 241,13.
242,1 usw. : unmesseklich 18,25.
258,24.
unmilt unbarmherzig 260,15. 589,28.
.541 ,18. 14. 544,28 ; unmilteklich .■)89,27.
unminnerich 199,24.
unminnesam 491,33.
unmugentheit Unvennögen, Schwächt
182,26. 810,15. 817,2. 485,17.
unmiiglich, -muglich 107,2<). 1.86.6.
160.28. 219,4. 233,26. 808,12. .887.30.
411,28. 454,18 usw.
unuiuss(e), -z Beschäftigung, Geschäftig-
keit 217,13. 218,10. 864,19. 423,28;
unniüssig 54,11. 68,19; unmussikeit
464,19; uumusgen, -mü.ssigen, sich
389,8. 470,12.
unmüt 109,18. 50,5,3.
unna P. Adv. nicht nahe 580,12.
unnot(d)rirftig 35.1.5. 806,2. 499,8.
unnutz Adj. 221,22. 222,13. 14. 442,81 ;
unnuzherlich Adv. 5,8.
unordenhaft 353,18. .5,89,9; unordeulich
42,24. 108,15. 16. 109.20. .501J4.
Unordnung 165,7.
unrat Gegensatz von rat, schlechter Bat,
Hilflosigkeit .881.15. 462,16.
unred biise Bede .864,8. 422.4.
unrein 77,11. 19. 121,1.5. 1.84.29, 425,24.
54o.L>. 54,8,2S; unreinkeit 268,8.
unriiw(e) 2.S,28. 109,14. 414.17. 477,17;
unriiwijr s.l2. 9.8.21. 414.16.
Glossar.
611
unsäglich unsagbar 15,9. 18,4. 22,16.
2H,15. 73,33. 116,20. 134,31. 174,2.
200,21. 204,10 usw,
unschedlich 221,7. 21. 222,6.
nnschemlieh Adv, impudenter 481,8.
uiischulde 161,21. 212,24; unschuldig
133,6. 448,28. 498,28; unschuldklich
2t)l,l2.
unsm(n ng 220,16. 238,16. 246,17. 247,15.
287,4; unsinneclich 549,7.
unsitig 126,23. 136,28.
unsprech(,e)lich 10,18. 15,2. 171,23.
336,10. 17. 386,15. 510,27.
unstet 174,23. 215,21. 237,17. 369,6.
453,22; unst^tekeit 380,9. 408,12.
unstossig ohne Streit 156,23.
unsuber 49*. 161,31.
uuteillichi individuitas 383,14.
untertruk Unterjochung 158,21.
untier 49*. 377,18. 450,7.
untodemlich incorruptibilia 242,2. 472,4 ;
untodemklich 390,22.
untodlich P. immoHalis 519,11; untod-
ligkeit P. 519,4.
untrost P. 523,16. 525,9; untröstlich
821,8. 502,9.
unti-ü^e) 57,14. 137,21. 144,14. 219,23.
aS(),13.
Untugend 107,16. 165,17. 277,8. 296,28.
321,26. 382,13. 541,18.
unüberwunden P. 533,6.
ununderscheiden 354,10.
unusrihtig mit dem nichts auszurichten
ist 502,6.
unverborgen 388,16.
unverbrennet 8,1; unverbrant P. 526,11.
uhverdien(e)t 224,21 . 251,2. 306,3. 375,12.
447,22.
unverdrossen 398,10.
un vereinet unvereint (mit Gott) 345,2.
356,21.
unvergessen 539^20.
un vermischet 176,11 ; unvermist von ver-
missen nicht fehlerhaft? 169,20.
unvermugenthait 381,21.
unvernunftig 123,13. 156,18. 29; un-
vernunftlichen P. 532,7.
unverstanden unverständig 5,1. 163,6.
247,3. 281,4. 5. 340,1. 424,24; un-
verstandenheit 207,(). 281,2; unver-
standenlich Ädv. ohne Besinnung
128,26.
unvervanklich unnütz 301,9.
unverwenck(e)t ununterbrochen 289,9.
474,24.
unverwenet unvermutet 41,25.
unverwert ungehindert 160,9.
unverwüsen, -wissen unverständig, dumm
84,7. 158,11.
unverzagt 51*. 398,16; unverzageklich
Adv, 56,3.
unverzert 358,9.
unverzogen nicht hingehaUen, unauf-
geschoben 118,29.
Unflat 68,23. 541,19; uufletikeit 551,26.
imvolbracht 301,12.
unvolg, -k schlechtes Volk, Gesindel
372,22. 461,24. 540,16.
unvolkomen 159,22. 174,23; unvol(I)-
komenheit 284,27. 429,10.
unfnd(e) 382,21. 22. 464,1. 2.
unfroUch Adv, 135,22.
unfrowlich unweiblich 482,5.
unfmhtber 442,31.
unwandelber 171,19. 190,17. 223,27.
230,14. 309,28. 407,6. 429,21; un-
wandelberkeit 262,20.
unwerd, -t Subst, verächtliches Ding
72,13. 225,15; Adj. verachtet, unli^
89,21. 470,25. 512,22; unwertlich
Adj. Adv. geringschätzig, unwillig
58,17. 71,8. 123,26. 128,4. 217,12.
229,22. 27. 253,21. 384,10. 483,20.
unweslich nicht wesenhaft, unvollkom^
men 174,22. 25.
unwiderbrinklich 213,2. 222,3. 516,12.
unwidernemklich Adv. ohne den eigenen
Willen wieder anzunehmen 335,23.
unwillig 174,27; unwilleklich Adv. 248,8.
381,9.
unwirdig 26,26. 301,7. 364,21. 376,14.
422,8. 424,9. 448,26. 499,1 ; unwirdek-
lich 112,8. 232,23.
\ unwis untierständig, töricht, ungelehrt
i 30,20. 75,13. 485,12; unwisheit 26,5.
612
Glossar.
iinwiissentheitjWissenheit 162,22. 187,1^-
18SJ. 198,20. 390,18. 472,1; un-
wüssend, -t unwissend ^ unbeicusst,
unvermutet, unbekannt 72,13. 156,32.
190,10. 212,25. 365,22. 388,23; un-
\ii88euklich, -tlich Ädv, 200.13, 324.12.
436,21.
unzallich 21,29. 24,6. 28,7. 56,22. 29.
61,3. 63,16. 155,1. 172,13. 241,25 mäit.
unzerdilklich 5itö,6.
imzertriben ungekaut 257,19.
unzimlich unschicklich 485,3.
unzint bis 75,16. 81,15.
unzitig unpassend, unreif 159,7. 281,11.
unzitlicheit intempestivitas 474,15.
unzüchtig ausgelassen 485,0.
üpipjig leer, eittl, leichtfertig 96,10.
106.5. 114,7. 23. 138,16. 138,4. 12.
209.6. 218,10. 284,16 usw,; üp(p)ek-
lich 136,1. 138,16. 239,5. 281,19.
379,8. 456,8; üp(p)ikeit 105,3. 483,13.
507,19. 549,4.
iirdruzz, -tz Missbehagen, Unlust 13,30,
433.26. 538,21.
Urkunde Neuir. Kennseichen, Beweis
50,15. 28. 76,1. 181,1. 213,28. 299,28.
29. 538,5.
urlüb Erlaubnis, Abschied 4,35. 38,7.
10. 13. 15. 46,8. 60,18. 138,4. 15.
182,18. 192,12. 194,15 usw.: urloben
erlauben 51,15. 115,8.
ursach ürsache,Aniass92Al''^^' 115,24.
1()(;,15. 20. 197,13. 307,2. 314,26.
315.27. 372,12 usw.
Ursprung 14,30. 89,27. 94,14. 104,8.
179,8. 10. 180,10. 181,20. 185,18. 21.
200.2. 203,5. 7 ustr. : urspniufj^lich
fontalis 14,34.
urstendi, -c Auferstehung, mystische
Wiedergeburt 348,24. 27. 547,23.
urteilfii .340.8. 488.11.
Uijbas Adr. weiter hinaus 342,22.
usblik 181,11. 330.1(;; uj^blikcnd 313,21.
usbrechen ausbrechen, ausreissen, her-
rorhrnchen 10,24. 58.15. 59,18. 70,21.
10:>.(>. 167,1. 163.20. 232,11. 446,15.
471.9.502.4; usbruch 88.21. ir,4,17.
24. 192,32. 210,23. 381,15. 333,4;
usbrüchig 38,6. 163,15. 175,26. 3.52,14.
356,23.
u8brehendaM.v,vfraÄ/fiid 17,8.374,9.390,4.
US drucken 181,16.
US erkiesen 47*; subst. Inf, 488.20.
U8erwel(l)en 70,10. 153,26. 169,12. 201 ,27.
211,16. 216,27. 305,9. 441,14; us(8)er-
welt, uzerwelt 21,2. 31 ,2. 63,13. 137,12.
144,i. 202,1. 20. 27. 211,18. 215,5.
223,17 ustc. usic,
US gan, US gen mit Dat. entgehen, auf-
geben 142,14. 471,17. 484,8; sich selber
US gan den eigenen Willen aufgeben,
sich lassen 2S,19.di,9S. 161,19; subst,
Inf. 54,6. 95,12. 169,10; usgan^r 4,2«.
245.10. 280,12.
US gedriugen 434,5.
usgelochen vgl. liecheu 137,5.
usgenomen Part. Adj. vornehmlich, aus-
gezeichnet 312,12. 406,10. 453,6.
465,12; usgenomenlich 313,26. 314,14.
324.11. 376,22. 449,2; usgenomenheit
exceptio 249,12.
US gerichten auseinander setzen, rrklären
108,1. 171,8.
US gesamnen 450,31.
usge8cheidenlich(e) Adj. Adv, unttr-
schieden, deutlich, ganz besonders
24,1. 332,4. 388,18. 498,1. 502,23. 25.
503,4; usgescheidenheit distinctio
101,12.
usgesichjlossenheit 297,3. 430,28. 486.25.
usgesiindert 338,2.
usgetribenheit Läuterung 390,7. 471.13.
usgeflossenheit emanatio 52*. 186..'). 7.
190,26.
us^lantz 537,2; us glen(t)zen 254,24.
407,4.
usgossenheit 180,2.
usgrünend hervorspriessend 180,13.
uyguz 243,15. '
US herten ausdauern 149,22.
usker Auskehr, Beschäftigung mit
äusseren Dingen 63,8. 200,20. 335,5.
470,6; usgekert gomülle 490,1.
US kiesen auswählen 198,7. 327, 1 5. .">02. \ 5.
US klinjiren 225,4; U8kling(l)ender bruune
hervorrau.schend 92,19. 242,16.
Glossar.
613
HS legen Part, usgfcleit explanare 197,28.
108,6. .-^28,1; iisle^nge 503,1.4.
U8 lesen 3H0,2.
US loffen Ausgänge, machen 4-14,1.
118 Ifisrcn 1()9,12.
US lullten 3(K),4.
usqual Masc, He rror quellen, QuellSSO^l ;
US quellen 14,30.
U8 riechen ausduften 427,18.
«s rihten erklären^ beantworten j ab-
fertigen 23,15. 38,20. 193,8; us-
rihtungi 6) Besorgung , Schlichtung,
ErkUi-ung 16«,2. 3. 170,2. 229,10.
324,18. 349,19.
usruns Ausfluss 181,14.
US ruten ausroden 425,23.
US schiden trennen 354,18.
usschlag exitus, das Wied$r£usichkofn'
mtn des Geistes bei der Beschauung
184,23. 189,13. 193,10. 332,2. 335,17.
346,1. 15.
US schliefen ausschUkpfen, aufbrechtn
(Von Hosen) 551,29.
US schliezen 342,21.
ussehen subfit. Inf, 167,30.
usserkeit, -heitÄusserlichkeity die äussere
Welt (Gegens. : innerkeit) 166,2. 167,15.
211,5. 235.19. 359,11. 366,12. 389,6.
7. 10. 429,2. 431,16. 438,5. 470,8. 10.
usserlich 345,13.
ussrenthalb 31,16.
usse stan übrig sein 322,22.
U8( seiwendig 218,8. 463,25. 497,5.
ussezling" Aussätziger 208,7.
US singen zu Ende singen 26,1().
US stossen, -zen eliminnre 292,7. 364,17.
US strichen nusstreich^nj malen 60,17.
US stürmen 159,18.
US suchen 47*.
US sugen Part, gesogen aussaugen
12r),17. 419,12.
ussweifen subst. Inf 169,32.
US towen 254,19.
ustrageu subst. Inf Austreiben 167,30;
zum Austrag j zur Übereinstimmung
bringen 184,8; UBtTeigeud nach aussen
führend, zerstreuend 169,38. 366,10.
381,5.
US trehen ausduften 427,19.
us(8) triben 168,5. 191,9.
usz varen aus dem Kloster auslaufen
484,25; usvart aus dem Leibe, Tod
160,19; Ausgang aus dem Kloster
372,11. 461,1.'); iisvertli 372,12.
usvergangen Part. hervorgefloftsen2i)0,l.
US fliesseu, -zen 51,1. 179,9. 185,31.
199,18. 206,10. 310,10. 344,24. 3aS,ll.
469,15. 473,3; usfluss, -z(z) 52**. 14,34.
134,32. 179,8. 180,12. 203,4. 296,10.
330,8. 332,10. 390,5. 400,2. 471,10.
uflvolgen subst. Inf. Nachleben 542,27.
usfuren subst. Inf. Ausführen 36,12.
196,17. 416,11; von Gott wegfiüiren
221,28.
uswal emanatio 21,27. 185,18. 310,18;
US wallen Prät. wiel 273,7. 542,9.
uswert Adv. nach aussen 413,11. 496,10.
US wischen Prät. wüste herausfahren
149,23.
US würken auswürken, ins Werk setzen,
zubereiten (mystisch) 94,16. 99,8.
126,6. 156,20. 262,1. 8. 328,24. 514,1;
subst. Inf. 208,26. 349,2. 353,13.
US zerren ausreissen 229,21. 371,26.
460,28.
US zerspreiten weit auf tun (das Herz)
15,8.
uszog Auszug (aus der Welt ins Kloster)
361,1. 410,12.
ntzet = ihtesiht irgend etwas 3J^6,6.
V. F.
va(c)kel (bildlich) 384,16. 466,16.
vadem, -n Faden 198,21. 199,9. 254,1.
323,25. 869,19. 457,15.
vahen, zu huse v. einziehen 428,16.
vaht = vach Stück, Teil 107,15.
vaiss feist 188,18.
fal Genet. falwes gelb .551,15; valweu
sich entfärben 210,25.
valke 388,9. 408,5. 4()9,13; falkenoge
137,19.
valle 281,33.
falsch Subst. Mose. Falschheit, Irrtum
23,5. 161,11. 489,7; Adl fnrfcri.srh,
irrig 410,13. 17. 439.2. 447.11. 44S.14.
614
Glossar.
467,10. 486,22. 489,2. 4; val8ch(h)eit
Betrug, 2'reulosigkeit, Irrtum 67,26.
186,15. 219,23. 221,25. 371,29. 880,13.
408,12. 494,20; valschUch 204,13.
211,22. 315,18. 327,12.
fautasie P. 524,13.
varen mit iJat, d, Pers. u. Genet. d,
ISnche streben, abzielen 106,14. 388,7.
469,1 1 ; genot v. eifrig streben ; va-
rent vol = valete 494,23.
varwe 71,5. 440,4. 453,12; ^wen, ver-
wen 440,20. 450,1. 478,1.
vas. fasz Gefäss (bildlich) 266,14.
431.G. 487,4. 507,25.
vasnaht 18,20. 30,18. 19. 21. 31,8. 32,26.
113,12. 16; der geburen v. 31,1.
vaste Sahst. Fem. quadragesima 143,1 ;
vasten 106,23; subst. Inf. 46,5. 106,22.
233,27. 487,19.
vater Ehremmme des Priesters 86,14.
138,33; Altvaier 105,23; geistlicher
Vater 107,14. 138,2. 155,20; vlitter-
lich, vaterlich 125,9. 174,1. 3. 4.
198,26. 203,13. 212,6. 224,12. 230,7.
247,19. 248,6. 277,10. 313,23 usw.\
voterlicbeit paternitas 224,14.
vat(t)erlant, -d das himmlische K., der
Himmel 240,18.22. 241,13. 17. 244,6.
24(k26. 278,10. 284,29. 376,2. 380,26.
430.22. 445,22. 448,13. 487,26.
vech, voll bunt 362,14. 413,9.
ve(C)hten kämpf en^ ringen 246,5. 6;
sahst. Inf. 219,16. 504,4.
vedraeu einfädeln 198,21.
vegfür 22,24. 23,23. 133,9. 142,12. 144,18.
214.32. 251,22. 258,11. 13. 283,24.
2sr).U. 29. 287,3. 307.29. 31. 332,25.
453,31). 492.1. 508,3. 14. 528.13.
feigt' zum Unglück bestimmt^ unselig,
rnheil bringend 11. 22. 505,2.
veil ./r?7, preisgegeben 366,11. 438,4.
veUic'li V. hinfäWg 531 ».23.
vels 211,7.
vf'lschuii für schlecht erklären, ver-
Jtumden 205,17.
vdt I\U1 nn,s irc/yy;;r;i.v 323,20. 23. 29 ;
ze vt'lde bringen rnrbringen 353,3.
vdtlilume Masr. 22(i.ll. 409.7.
veltsiech Aussätziger 442,16.
fenix Phönix 436,7.
veiye Prostratio (als BusBÜbung) 18^11-
14. 33,4. 86,26. 37,8. 14. 42,27. 28. 31.
196,8. 314,16. 17. 895,5. 4«7,2*>.
513,17; gestxachte v. 42,26: knü-
wende v. 42,27.
venster 83,2. 21. 370,14; venst erlin
31,29. 32,20.
Venus, fro (fro) 368,9. 374,80. 420,22. 24.
424,17. 435,4; minnegotin fro V.
447,8.
verahten geringschätzen, nicht achten
177,12. 186,24. 336,2. 339,20. ;i53.1<i.
879,25; veralitung(e) ir)6,33. 162.31.
182,28. 336,3. 350,27.
veralten 407,7.
verbilden im Bilde entwerfen, zum Bild
gestalten (myst.) 193,82. 810,2: :^ich
V. 476,19.
verbinden, sieb 274,22.
verbissen verbeissen 422,18.
verblenden 137,24.
verblichen verbleichen, vencelken 199,20.
212,1. 222,2. 277,11.
verborgen Pari. Adj. 170,6. 20lK2«J.
226,17. 227,15. 421,8. 489,8. 492,4. s.
500.10. 5(M),15; Verborgenheit 2(H>.1."S.
474,4; verborgenlich 95,27. 97.s.
160.11. 222,5. 249,7. 280,1. 5o(>.2«>.
verbrennen verbrennen 11 AI ; verbrannt
werden 78,12.
verbrieven, sich (zur iSichcrhviti sich
eine [Urkunde ausstellen lassen (»S.14.
verdaht Part. Adj. in Gedanken rtr-
sunken, nachdenklich, besonnen 14.26.
58,4. (>2,18. 14(),9. 311.25. 352.12.
499,20; fiirdaht 50(M); verdahtek.it
53,9.
verdamipinen 204,14. 280,18. 315.14.
verderben zugrunde richten, tiUni
121,10. 282,17.
verdienen sahst. Inf. 255.1.
verdornen, verdümen mit Dornt n in-
stcckcn, absperren 248,18. 492,2 ; sich
verdornen 486,25.
verdorren 552,5.
Glossar.
615
verdriesseii, -zen unpers. 233,15. 432,5 ;
sahst. Inf. 228,14 ; sich nit v. lassen
ol*. 433,21; verdrossen 491,32; Ver-
drossenheit 390,23. 472,6.
verdru(c)ken, vertru(c)ken niederdrückest,
unterdrücken 245,22. 246,4. 261,13;
sahst. Inf. 205,24. 214,32 ; sich ander
got V. 366,21. 438,12; vertrukt he-
drängt 91,3. 142,16.
verdnmen = vertumen verurteilen, ver-
dammen 317,24. 34.
vereinen vereinigen (mit Gott) 174,13.
182.22. 230,20. 240,11. 25. 245,12.
299,7. 319,26. 320,26. 345,24. 347,10
a^w.; sich v. 303,18. 422,11. 438,6;
vereinüich 345,1; vereinunge unio
245,5. 279,5. 347,13. 348,4. 356,13. 16.
390.25. 472,8. 476,3.
verellenden in die Verhannung treihen
217,26; sich v. in die Fremde gehen
433,14.
vergahen, sich s. itherstürzen 455,11.
vergan, -gen vergehen, verschwinden,
entgehen 160,17—19. 185,1. 218,7.
2H5,3. 290,3. 341,27. 377,14. 379,7.
450,3. 538,13; schwach, hewusstlos
tcvrden 88,10. 17; sterhen 87,21. 90,1.
97,3. 128,27. 394,28; vergan and sich
v. (in got) in Be.schaaung versinken,
nfriickt werden, s. in Gott verlieren
54*. 94,12. 29. 95,1. 160,29. 161,6.
163,1. 185,2. 189,22. 193,13. 194,27.
335,22. 336,12. 1^44,13. 345,12 usw.;
sich V. mit Betrachtung verweilen
257,1. 497,13; sich v. s. verlaufen
78,25. 200,20.
Vergangenheit (der ussren sinnen) das
Versinken in die Beschauung, Ver-
zückung 64,21. 90,23. 101,8. 152,11.
159,16. 160,16. 17. 25. 161,1. 4. 12.
162.26. 188,5. 189,12. 193,26. 338,18;
zitliche v. Tod 194,20.
vergeben sahst. Inf, Verzeihung 211,3.
2(;i,18.
vergehen s. verjehen.
vergelten vergelten 250,27; bezahlest
14(;,17.
Vergessenheit 182,30. 420,20 ; vergessung
144,20.
vergichtig zugestehend, hekennend
332,11.
vergifften ins Verderben Jrringen 483,19 ;
vergiftiger dot Tod durch Vergiftung
(durch das Gift der Irrhhre) 489,9.
vergütet deificatus(vgl.Anm. zu 344,13ff.)
23,3.
vergünUchen verherrlichen 337,17.
vergnnnen mit Genet. d. Sachi miss-
gönneti 484,1.
vergnt haben = viir gut h. 417,11.
verhüben 414,13. 435,4.
verhalten zurückhalten 470,6.
verheften einheften, versenken 258,29;
sich V. 478,22.
verheilen 315,31.
verhengde Verhäng ung^ Zulassung
57,11. 70,6. 114,19. 121,35. 124,3.
220,21; verhengnus 115,29.
Verheugen gestatten, verhängen 42,6.
68,13. 95,8. 109,23. 115,29. 119,26.
131,2. 132,25. 133,3. 148,3.489,21 usic;
in verhengter wise nach allgemeiner
Übereinstimmung (Denifli^) 342,8.
verhert^n Part, verhertt 485,18.
verhonen herabsetzen 346,4.
verier(r)en in die Irre fuhren, sich
verirrest 3,15. 8,23. 61,27. 94,4. 156,15.
159,19. 160,13. 366,8.
verjagen 314,5.
verjamert in Jammer versunken 45,10.
verjehen, vergehen bekennen 66,18.
75,10. 116,25. 393,13. 428,12.
verkalten 407,7.
verkeren verkehren, verwandeln, eine
falsche Richtustg geben 83,13. 197,5.
218,14. 275,17.29. 276,5. 295,16. 316,2.
320,7. 362,31 usw. : verkerlich ver-
kehrt 4,12. 5,2. 148,15; verkerer
Verführer 540,30 ; verkererin 375,21.
447,33.
verklagen verschmerzen 456,16. 463,6.
verkleiben verkleben 115,5. 192,7.
verkleinen erniedrigen 489,4. 7.
verklemmen verkleinern 226,28.
verkleren 23,14. 1H7,17. 189,23. 337,17.
616
Glossar.
verkomen s. vürkomen.
verkülen refrigerare 245,17.
verkiinbern verstricheyi 135,1B.
verlassen, -zen Pari. Adj. ausgelassen^
unansmidig 80,20. 25. 138,3. 10.
209,5. 221,22. 816,7. 321,11). 481,12.
verleiden P. = verleiten irreführen
524,24; verlcider Verführer 531,18.
verlekeru lüstern machen 174,24.
verlihen Par/. verliiwen 89,14. 2(>. 283,26.
verliket Part, erpicht^ lüstern 34,5.
verlof(fjen verlaufen 281,12; sieb v.
165,14. 211,6.
verlo(i)gen, verlog^ien, verloggeu ver-
leugnen, verneinen 121,33. 251,5.
260,28.264,16.389,7.470,11. 510,18.19.
verlorn heit Verlust, Vergessenheit^ my-
stische Versenkung 95,4. 182,31.
187,22. 188,6. 193,2; verlust 220,5.
340,12. 463,6. 508,2.
vermas^en he^schmutzen 540,2.
vermelden kund tun 550,4.
vermengen 226,28.
vermessen Part. Adj. verwegen, kühn
55,13; vermessenheit 233,2f*.
vermischen 177,3. 351,12; vermischtes
(vermischet) wesen ens pennixtum cum
potent ia^ das Kreatürliche (im Gegen-
sat- zu Gott) 166,26. 176,15.
vermissen verfehlen, nicht tpahrnehmen
216,13; suhst. Inf 188,16: sin selbes
V. einen Fehler begehen 500,14. 16.
vermit( t)eln. -tlen hindernd dazwischen
treten, hindern 167,29.390,9.471,15;
sich V. sich ein Hindernis (dir
Vereinigung mit Gott) schaffen 54,15.
169,1. 359.5; vermittelt am Irdischen
haftend 300,19.
vennuiTOu. vermugen suhst. Inf. und
Suhst. Vermögen, Kraft, Macht
117,20. 165.5. 6. 22. 199.10. 205,11.
206.8. 209.13. 228.19. 273,22. 276.18.
300.22. 301.11 usir,: vennuofendu
(vcnnüircndu) kraft 141,0. 191,22.
330.18; vcrmni^entheit. verinüir. 92,28.
178.20. 18S.9. 191.18. 35843; ver-
mn<»:enrli(h Adr. kräftig 9,24. 192.17.
339.23.
vermugen, sich = vennfijeu s. afh-
mühen 504,1; vermugt entkräftet
55,4.
vemi(c)hten zu nicht e machen, für
nichts achten 233,28. 258,20. 259,21.
261,6. 317,20. 29. 335,17. 351,25.
353,28. 439,2; vemiiten 366,22; ver-
nihtikeit anwiVii/afio (mystisch ) 162,26.
518,4.
vemidren 219,31.
vernieten vernieten 454,5.
Vernunft 156,19. 27. 31. 158,14. 159,22.
160,21. 163,23. 164,5. 167.20. 171.8.
177,7.28. 180,18.21.24. 181,5. li>0.7.
19. 191,7. 317,1. 330,22. 28. 33S,1.
339,27 usw.
vemünftekeit, -ikeit 3,16. 94.5. 155,12.
156,21. 158,2 flf. 171,2. 20. 181,10.
191,5. 193,6. 326,3. 327.17. 328,22.
329,10. 512,16 usw.
vernünftig vernünftig, verstündig, über-
sinnlich 4,10. 6,15. 53,6. 18. 97,11.
124,24. 156,12 ff. 158,8 ff. 160,20.
163,10.13. 167,19.20. 170,25. 171.12.
172,2. 181,25. 183,6. 184,2. 8. 17.
187,9. 192,2. 7. 327,16. 18. 832.26.
338,19 us^w.: vernünfteklich 160.22.
181,18. 193,8. 256,33. 386,19.
verosen venvüsten, verruchten 221,31.
verpfuhzen mit Abscheu zurückweisen
72,14.
verpulvern 808,21.
verqwetzen P. vergeuden 516.11.
verraten subst. Inf. 462,17.
verredeu solange voti etwas reden. hi.\
7nan der Sache müde wird 67,4.
verreder P. 531,19.
verreheit das Entfernte 417.14.
verren sich entfernen 201,10.
verrinnen üherrinnen (mit Blut) 204,19.
210,28. 815,20. 316,14.
verriseu abfallen 222,2.
verröcht'n verzichten, entsagen 46.26.
899,5: subst. Inf. 164.2; verröchle >t
achthhs, sorglos, ruchlos 75,4. 14s,l-.
289,26. 453,13 ; verrüchtCe ikeit Uuch-
losigkeit, Sorglosigkeit 147,2. 353,17.
verriimte beiden berühmt 56.5.
Glossar.
617
vemiwen unpers. aufhören Schmerz zu
bereiten 297,16.
vers 111,26.
versagen verweigern 493,17 ; spröde
Silin 418,12.
verschemt Part, verschämt 435,16.
verschicken relegare 283,15.
verschliefen Pari, verschloffen sich
verkriechen 172,19; sich verslieffen
246.16.
verschli essen, sich 274,19. 322,17.
verschlinden verscMingen 287,13.
verschlissen ahnätzen, zerreissen (voti
Khidern usw.) 58,7. 110,25.
vers(ch)mehen, versmahen 111,4. 202,21.
206.19. 246,4. 307,5. 389,20. 430,21.
441, 2(). 442,4. 482,20 asic; suhst.
Inf. 321,21. 429,20.
ver8( ch )meht Beschimpf ung, Verach-
Uuifi 85,12. 36,30. 69,9. 91,4. 105,13.
203,13. 209,9. 236,10. 238,19. 306,18
usw.: versmehenisse 489,23. 491,12.
verschiilt Part, verschuldet^ schuldvoll,
verwirkt 134,21. 198,17.229,27.263,32.
317,28. 32. 338,25. 440,31. 441,13.
versehen versorgen, beschützen 125,7.
358.20. 465,23. 540,10; sich v. rech-
nen auf, encartm 289,5. 280,17.
885,6,
versehven trieben, verdunkeln 483,29.
versenden, verseneden (daz herz) in
Seelmschmerz vertiefen 391,24.479,20 ;
sich versenden s. nhhäi*men 361,27.
411.24.
versenen in Seelenschmerz versenken
812,22; Part, versened abgehärmt
211,8. 231,5.
versenken 245,12. 258,29. 294,18. 432,24.
verseren verletzen, renrunden 16,15.
41,28. 25. 4r>,20. 128,28. 862,16.
verse(t)zen versperren 865,27. 436,26.
versichern befestige^i 77,18.
versigen Part, von versihen versiegen,
austrocknen 203,19.
versinken 181,4. 150,1. 158,28. 386,18.
r)is.5.
versint Part, in Gedanken versunken^
besonnen 429,11.
versmahen, versmeheu s. verschmehen.
versmelzen 308,20.
versoffen, versof(f)eu ertränken, ver-
senken 20,22. 310,1. 445,24. 476,5.
ver8po(i)zzeu, verspotzen anspeien 20^ß,
807,9. 315,7. 448,15. 544,26.
versprechen absagen, aufgeben, verur-
teilen 204,10. 216,29. 815,9; sich v.
s. verteidigen 4,86.
verstan, sich verstehen, einsehen, sich
bewusst sein 186,20. 261,4. 842,6.
350,29. 463,1.
verstan denheit 342,4 ; ver8t€ntnü8(s),
-nisse, -nust 166,5. 191,1. 243,11.
280,7. 808,21. 843,1. 348,11. 478,8.
489,6.
versten subst. Inf. Verstehen 291,6.
292,28. 298,18. 299,25. 301,18. 837,5.
468.21. 474,20.
versteln stefUen 66,18. 75,2; sich v.
unbemerkt wohin gehen 243,1.
Verstössen 218,20.
verstri(c)ken 370,5. 458,13.
versuchen versuchen, prüfen, auf die
Probe stellen 274,7. 388,19. 485,2.
454.22. 467,17. 506,6.
versumen versäumen, durch Saumselig-
keit in Nachteil bringen, im Stiche
lassen 222,13. 279,30. 282,28. 862,26.
419,1. 425,25. 483,28; sich v. 352,5.
versunen sühnen, gut machen 113,1.
207,4. 215,10. 372,16; sich v. 42,19.
461,19.
versüssen 137,24. 256,8. 440,16.
verswainen verschwinden machen 445,25.
verswemmen versenken (in Gott) 225,16.
245,12. 477,18.
verswenden beseitigen, vertreiben 251,22.
818,11. 814,5. 456,25; verswenderin
588,21.
verswinden 290,28. 804,28. 433,13. 464,24.
verswullen Part. verschwoUen 78,6.
verteilen verurteilen, verlustig erklären
84,23. 85,2. 127,12. 204,20. 815,21.
YeTtragon forttragen 124,18; mit Dat.
Nachsicht haben, verschonen 289,1.
270,6. 369,27. 441.8. 458,2. 491,18.
541.82.
618 Glo
Tertriben dW.lS. 2SI,29. 4Ü6,7. 416,8.9.
417,12. 418,11. 424,11. 425,17. 431,4.
438,27 atir.; vertribenbeit exjiutsio
3i2,a.
Tf rtruckcii *. verdrucken,
vertrtiwtn rtiiol/eii. i-erm/lhleit 483,2.
48i),17.
veniureiiien 68,'il. 75,17. 77,11. 2(W,r).
277,il. H21,2H. 50ri,4.
YerviiUeii zerfallm, in Sunde fallen
70,2:i. 72,18. 116,24. lin,5.217,e. 2 18,5.
r>3:!.ir). ri:i4,lit.
verfurcu Part, rergangen, verloren
210.10. 229,1. 28»,H. 253,9.
veireliWn, eich ». abniillieii 504,1.
TcrfliesKun :t35,8.
verHügcD aasser «ich bringen 13,2. 27,2S.
139,29. 227,8.
verlloHHeii, -zeu Jtirssen machtn 262,26.
:tH7,16.
vurJiücheii 26r>,19.
verfüren fortführm, in die Irrr führen
12."i,17. 204,7.227,5. 259,6.280,2. ;tl6..5.
ri40,16.
Tera-alten nulist. Inf. Macht haben
r.54.21.
vemuu.ili-ii, -dein 69.19. 207,29. 292,21.
299,7. 3i):i,19, 316,4. :i2.j.21. 338,7.
42."),11 ; viTwainlelkeil. Viränderlich-
brii 177.24; Verwandlung l(i2,28.
verwejrfB 'mfirügni 226,1. 413,7; »ich
V. a. rHUchliegHeii, gtfatut sein, auf
.■!iCflM-«-«iWi(f« 382,10. «1,5.463,20;
Part. AilJ. verwesjen tntschlosäm
IV&U. 413,7.
TpnveKi'nlifit J'.'nlxi.-blo/igKHlicil 152,13.
2ori.l2.4;i2,3; verwebe nlicb rerme^Hen
152.7; Adr. '-lUschlo^iHni 371,35.
enriihiii
34.4 ;
vurwerdcii P. --« »idite. irerdeu 515,16.
.■>l«.9. 519,18. 53.3.24.21;. 5;U.l. 535.18.
T,'r«ri iVn 72.14. Hi8.9, [2U.20. 218,25.
.3-_'7.9. 14. Hi. 444,22. 47u,lü. 488,3.
v.-rwfiTpii. veiivirrun l„ Vnrah; Ver-
verweseu vertreten, enuchädigen 208,19,
221,2. 260,18. 261,21.
verwetten, sich *. verpfänden 634,11.
verwilden, sich s, in die Wildnis rer-
taufen 2U,6.
verwinden P. »uba. Inf. 535,18.
verwisen irreführen 3.15. 2 9,1S. 221.3*'.
227,6. 353.2, 370.111. &50,11. l->.
verworfen Part. Adj. vertt<i»te», ana-
gteetet, ungelig 72,8. 121.21. 2bl,ll.
290,22; -i-erw(irf(f)et]heit Irra-rrfuni;.
A!>Hcl.eu, KntfieUuuy 260,23. 277.16.
296,80. 306,17. 811,4. 322,6. 363.19.
.308,13. 421,3. 15 «wr.
verwunden 41,14. 110,7. 122,4. 223,13.
264,1.
verwuiidren unpera. 877,7. 449,2(1.
venviirkeii einfa*»eu 17,6; anhtiiiifi
103,23.
verwiirtzen coiidire 63M,12.
verwüsten 40,27. 52,H. 222,5. 374.24.
447,2.
verzagen 132,3. 162,13. 319,12.
verzei<r)eii 51,15. 105.19. 136,1. 14(1,22.
202,16. 273,1K. 279,23. 281,:«. 3ll,l?S.
379,H. 385,16. 467.24.
verziehen Pari, verzojfen vertuest 2i i,22.
verzibeii Part, verzigeu versagen 239,
8. 9. 547,9; sich v. x. lussagrtt, rtr-
eii-htcn 205,26. 235,5. 2111,20. 274.3.
318,3.
verzohem fancinnre 219,13.
verzu(c)ken rojich irtgnehmrit 234,ti.
27(1.12; rer-äcken, in der M'-sth""-
uii'j entrilfken lü,16. (i;i,15. 64,3. 90.18.
102,6. 160,27. 174,15.
verzH-ifeln, -Heu 165,16. 213,5. 6. 247.23.
264.16. 376,7. 4ir>,14. 434,1. 447.18.
vesperait Vexpmeit (l> Uhr abends i 77.2.
ve8t(elklich, vcstikl. Adr. 149.2. 24C.7.
259,22. 261,8. 308,2. 317,21.29. 326,17.
379,22; vestikcit. v.-tik, ill-Sl. 205.S.
318.17. 539.25: vesti Vestanii, Burg
il,ildl.l\mA: ventuen 215.22. ;-Hi6.7.
211. 437,21.
vetedi Plar. vftcheii 144,27. 145.1. 2.
vätk'rlich.
Tient, der bÖs Teuftl 81,8; die bösen
viende 37,20; die viende 89,9. 12.
vientlieh, TigenUich 116,2. 2W,7. 2.>3,10.
265.6. 315,4. 319,16. 424,11. 489,9;
vientadiiift. 147,6.
Tlgilie iih Zi-itUslimmiai'i 173,20.
vm(el, Tich 281,6. 374,2;-}. 25. 421,13.
426,11. 447,2.3; vihlieh, viHch tu-
riifh, ginnl^chf Gegensatz -.l^ioA DfÜg)
lö6,10. 170,13. 531,3. 532,4. 11; Ti(c)h-
lichkeit das unabgelSMf, sinnlie/ie
irw«»48'.3,12. 158,11. 182,18. 359,18.
vile Ke.le 41,22; vileti 39,11.
Tilrede da» Vitlredt-n 1Ü5,26.
fin 488,33: vinljch 224,4. 22. 323,26.
375,27. 4(19,9. 448,6.
viniien, sich ». als taigHaisen i-rfinden
MhJ. 14. 15.
viTiger 472, lo- viogerliii kleiner Hnger
226,7; Tingerii Hing (ah TurnUr-
,-rf,«)149,l5.J7 150,4.152,1.14.17.27.
ym}i\.VT finster, unbegreiflich (cum WeeOi
Gottr») 184,25. 186,1 245,17 285,17
471,28; Tinsterheit ealigo {myat. von
(lutt) m 19. 190,18 vinstri hunkel-
keil (ngmtl. u. mgst.) 190,13. 233,22.
374.2. 890,18. 424,13. 434,15. 446,8.
549,9.
viol, vyol Vtikhen 33,12. 224,23. 296,30.
434.3. 440,4.
tiruianient 226,6.
virreii ? 553,23.
Vision 181,28. 183,4 ff. 524,21.
virae patrum P. 531,21.
Hnlermua 177,17. 427,10.
viehi-n 305,28. 392,2. 479,24. 493,24;
Tleih^licli i:tij,9. 258,28. 373,15.
flmbli 140,20. 24. 28. 141,12.
aifffeii 185,27.
Iliz[z) 99,a6. 290,7. 362,30. 473,16. 481,1.
483.22; liiawig, vlizifr 169,25. 171,9.
198.7. 2IH),1. 357,7. 502,20; fliuseklich
3ii2,9. 366,20. 416,4.
floiereii Jlattern 376,1. 448,13; lloiercnd
hin- lt. htrscIiKaitkeittl, aafgeblaneii,
h-'diiiUiiig 158,15. 19. 23. 24. 159,7.
192.33; flügiureiid prankenil 352,14.
Vul. floriertu.
lar. 619-
florieren s. mit Blumen schmücken (9)
426,3; j>ru«i-en 520,18. 522,10;floriert,
meliorieret hunt geschmückt, geeitrt
361,23. 396,22. 411,18.
TlSch 300,14; ABcheu sahst. I»f. 68,3.
flug 472,26.
vluht <ias Flitheit 289,20; flucht Zu-
fluciu 543,2.5. 545,4; äähtig 216,14.
. 265,7.
flumveder Flaumfeder 809,20.
äuHS Fluss 92,21; Ergase 181,15.
vofe'el 281,14. 297,4; vogcl(l)i 33,18.
85,13. 172,17. 21(9,14. 251,18. 282,9.
287,21. 406,18. 426,4.
vogt 76,16. 24. 77,2. 7.
vole FoMen 503,26.
VoU Ä<h'. voUends 79,32.
■vol(lelbringen perfictrt 216,4, 890,3.
455,S. 47 ,8; volbringer 222,23.
voldauken 216,9; volle gedanken 499,6.
Tollcn sich füllen 69,30; völli 90,24.
428,12; voUeklich, Tolleclith 24,32.
308,8.
volgan big «um Ziele gelten 80,31,
Tolllejbeit, volheit 174,11. 255,3. 428,13.
542,7.
TolherteriousdfluerH 13,21. 98,25.519,26.
TOlkomen 177,26. 179,4. 198,2. 344,6.
434,14. 464,18. 465.12. 467,8 usir..-
volkomenlioh 201,3. 336,26. 351,18.
472,14.478,25 volilcikom-^rilieil 106,
34. I62,'i7. 178,4.193,4.254,11.288,11.
■2t(H,e. :«J3,24. 389,22. 390,24 usir.
voUeiHlen jff««tf tun 643,24.
Tollobeii 306,6.
volccliriljen 2l3,l.
voUfnren 262,5.
vulwarteii mit Genn. bin zur Keife
«■a.-(™ 479,2.
Tollewiirken fertiy machen 323,22.
\onker Abirendung 8,24. 119,2a 168,19.
169.21. 192,6, 16. 360,10, 370,9. .385,1.
435,13. 467,8. 48;!,21; vonkeren jiu6»*.
Inf 259,23.
Vüntriben subsl. Inf. 201,13.
vonziig Abnehied 1(18,17.
vor bi'lilien rorenthalten 'rei'den 194,17.
620
(rlossar.
vorbUd 430,20; vorbilden 208,26. 274,24.
vorder(e)n 283,4. 502,17. 504,11.
vor erschinen erscheinen 6,7. 22,24. 28.
23,22. 40.27. 50,18. 51,19. 58,24. 1 17,11.
128,3.28. 130,9. 142,10.143,11.144,22.
25. 148,20. 194,24.
vor pan = viir gan voranr/ehen, unter-
nehmen 375,3. 447,13; unpers. ent-
gehen 182,25; vorgend praevius
161,15.20. 162,1.346,9.365,30. 437,3;
vor^enjT^er 91,35.
vor j^esin mit Genct, schützen 413,10.
vorgrabe Vorgrahen (der Ji^stung) 160,4.
vorhof 234,5. 362,5. 412,9. 427,21.
vorlof praeambulum 174,17; vorlofer
26,23.
vor lüht^n 15(5,13.
fonn(e) 10,19. 169,11. 181,6. 9. 12.
191,30. 193,5. 19. 218,25. 291,30.
332,4. 5. 336,21. 337,15 usw.: formen
489,1; form(i)lich 101,10. 157,22.
179,10. 342,26; formlos 10,18. 19:1,2;
formlosklieh Adv, ohne Phantasie-
hilder 174,5.
vorrede 2(K),10.
vorsenger 21,23. 25. 28,17.
vorsmak 297,8. 472,15.
vorspil 17,13. 31,2. 179,11. 313,8; vor-
spilen 182,24. 188,21.
vorstrit erster Streit 8,20. 22.
vort = vorht Furcht 78,6. 89,15. 182,10.
382.1. 385,13 U8u\\ vortlich, vor(ch)t-
\\c\i furchtbar 79.4. 182,2. 230,18.
vortragen, gut bild(e) v. 3S2,9. 43H,14.
463,19. 538.24.
vorversuchen tmhst. Inf. 344,7.
vorwitzikoyt P. 509,17.
frager P. 510,6.
vragwise. in 197,26.
vravel. frevel mutwilli/j, frech 3S1,16.
382.17. 462,1S. 463.25. 477.3.
vraz r. Fresser 531,19; frasslieit 105,4.
freidiir. fraidiy: irild^ trotzig, ausgelassen,
srhru'klivh {\:\A. 68.4. 77.29. S3,7. 16.
115.19. 116.15. 120.:;. 136.27: frcidii)-
keit Wildheit, Üherwut ()1.4. 123.i:i.
1 48.7 ; freideklitli Adv. iibtrmi'itig 75,3.
treischlich = vreislich Adv. schrecklich^
grausam 48,25.
vreisi Gefahr, Drangsal 810,21. 480.:«.
543,30.
frid(e)l08 382,20.463,27; fridsain 431,12.
486,12; fridus Inierj. es sei aus mit
dem Frieden! 371,28. 460,26.
frien 288,13. 448,13. 456,25 ; friheit 26,20.
186,18. 228,17. 261,25. 827,2. 2s.
a39,30. 351,7 usw.: friUch 158,26.
178.24. 215,18. 227,22. 249,11. 26.8,28
ilSW.
vriescn P. 516,7.
frisch 135,18; frischlich 370,25.
fritag 144,8; der stille fr. Karfreitag
143.S. 406,16.
frodenbernd freudebringend 1.S4.17.
374,31.378,8. 447,10. 450,29; vrode-
bere 304,12; fro(u)denrich 2«)9.30.
297.21. 311,2. 374,4. 385.21. 446.9.
467,29. 30. 486,6 ; vrftdentanz 225.1 ;
vrodenvol 400,18; vrodli kleine Freude
219,21.
vrolich 215,20. 220,8. 280,1(». 298,17.
410,12. 15. 412,16. 426,2. 429,24 usw.
fromd fremd, unbekannt, seltsam KU^.s.
189.22. 209,9. 212,24. 216.18. 240,19.
241,9. 13, 249,7 usir..- fromdekUch
Adr. 231,1; iromden sich fern halten
365.25. 436,24; vromdi Entfremdung,
Unbekanntheit 20l,25. 221.13.251,3.
fronaltar Hochaltar 29,15. 47,2.
fronlicham, -lichnam Eucharistie^ Hostie
43,10. 89.17. 128,27. 38(),29.
frosch 305,25.
frostig 81,26. 82,7.
frowe Nonne 484,5.- nnse (liebe) frnw
(vrmve) Maria 49.4.8. 50,18. 111.9.
117.11.131,24.140,1.153,11.13.20.23.
197.24. 322,23. 323.17. 415.23 w>.^r..-
unser frowen tag 29.13. 58.24. 112,6;
n. fr. kapeil 110,33.
frowenkloster 82,26.
frowli jungt' Frau niederen Standes
80,20; frowlioh weiblich 107,10,271,14.
481.4. 9: fr.es bilde mibUche Ptrson
12,2. 49.28. 116,22; fr.eperson 12n.2s;
vr.er nam 265. Is.
Glossar.
621
fniht in der Anrede (lebendü, reinü fr.)
Wesen, GeschO})/ 33,23. 50,1. 303,2.
tnihtber 359,3. 489,13; fruhtlos 425,9.
vruje, vrüje Ädv. frühe 204,9. 315,9.
fr um Adj, Inchiig, tapfer, trefflich 36,7.
48,22. 53,26. 76,14. 91,34. 258,15.
274,7. 324,7. 398,12 usw,: Suhst. ze
frumen (sin, tön) tum Nutzen, From-
men 310,19. 363,21. 421,21; frumen
vorwärts schaffen, bestellen 9,23.
60,12; fnimklichen Adv, 240,26.
fn'ind Venrandter 79,18. 83,7. 361,16.
;n9,27. 387,25. 410,3. 485,5.-7 usw.;
liplicher vrünt 122,32. 297,23; frünt-
lich 102,25. 109,11.26. 130,14. 192,30.
227,7. 249,14. 273,14 us^v. : früntlicheit
24,22; frftntschaft 124,19. 125,20.
130,12. 206,27. 219,24. 236,8. 12. 23.
247,6 usxc.
friitig eifrig, munter 28,16.
f lig: 870,6 ; vögen (sich) passen, schicken
314,17. 484,7.
ful faul, stinkend 425,11. 493,12; fulen
S8,2.
fluid 375,24. 448,3.
fundanient P. 533,26.
fnndleii forschend finden, erforschen
'232,4.
funke 376,6. 448,18; daz liebte ffmklin
der sele scintilla animae 192,10.
furbaz, -8 vorwärts, weiter 161,14. 172,24.
fürben, furben reinigen, purgare (myst)
251,20. 296,29. 390,7. 471,8. 13.
für bieten vorbieten, zur Schau stellen
448/28.
für bringen 33,16. 180,8. 382,4.
fürbrnch ^3,24.
fürbung purgatio 390,17.
fnrderlich, furderl. 23,9. 122,28. 156,7.
308,29. 309,1. 328,12. 474,18. 507,20.
turen, sich seinem eigenen Willen folgen
167,12. 17. 169,2. 192,28. 335,19.
fnren speisen, nähren 99,6. 384,12.
für geben vorgehen 67,21.
für grebrecben 541,16.
fürgrif dez sinsheit Vorgreifen des
tigenen Ich 169,2. 359,5.
fürin 18,15. 131,11. 19. 32. 136,17.
137,31. 214,14. 227,10. 229,24. 230,4.
250.13 usn\
vürkomen, -kamen vonrUrts kommen
385,17. 467,25; zuvorkommen bQO,\%:i
erscheinen, sich einstellen 51,7.351,26;
sorgend behüten 202,18. 212,8. 229,5.
310,25. 482,19; verkoraen verhüten
4()3,5.-
vürlofen = verlofen vergehen 281,20;
fürloffen laufend überholen 29,17.
545,7.
fürnem 59,5. 68,18. 70,7. 114,20. 120,9.
131,2. 142,4 ff. 149,6. 152,12. 374,30.
447,9; fümemekeit57,2. 115,22. 142,13.
för8az(z) Vorsatz, ForÄatw 35,10. 59,1.
152.8. 357,20. 370,19. 415,9.
fürschuz das Vorschiessen 163,24.
försehen praevidere, praedestinare
334,17 ; vürsichtikeit Vorsehung
(göttl.), Vorsicht 201,28. 206,6. 283,20.
fürsorgen sich kümmern 410,4.
Türspan, -spang das Gewand zusammen-
haltende Spange, monile 252,25. 392,7.
400,25. 480,3. 493,4.
fursprechin, fürsprecherin advocata,
pntrona 37,10. 545,29. 547,26.
fürst 363,13. 421,3; f. aller kreaturen,
der alliche f. (Gott) 171,16. 173,9.
388,3; du obrest fürstin von himel-
rich (Maria) 112,20; fürstengel 21,12.
fürten = vürhten 82,12. 28. 83,1. 116,2
umr.
fürtreten einen entgegen treten 37,3.
für werfen 326,19.
fürwesen = verwesen zu nichte werden
554,3.
fürweser = verweser St€llvertreter91,lb.
312,3.
fürvvitzig curiosus 410,6.
für ziehen vorbringen 356,15.
fusstapfe 35,2. 36,2. 138,28. 277,31.
322,10. 371,3. 459,28.
fu8(s)tüch 49* 58,7. 8. 12. 14. 363,22.
23. 368,27. 397,18. 421,23. 24. 422,2.
443.9. 12. 17.
Ffitrer, der heilig brnder Johans der F.
w.
wacLt:n mibsi. Inf. 23;i,27: walitor 17.17.
18.21.
w&fen, wafffn Ausruf drr Freude,
Uherrasrhaitg, EfmuHlffuag umr.
10,3. I4,a- i»5,27. 82,8. 86,17. 180,5.
220.1. 227,5. 2-28,22. •246.1-1. 254,9.
260.17. 286,14. 312,19. 37-1,1«. 377,25.
37H,I6. 44ii,21. +50,14. 451.8. 4r>4,12.
459.2. 482,1. 492,i;i. 514,7.
wafcnklcit 205,10.
w«g,wugM«inc.lKfHi>,irojr*81,25.ir(8,22,
173,2-1. ;i77,8. 435,10. 449,22. 550,27.
wabs 08.7. 13. 522,17.
wakerlich Adr. frixc/i, lehha/l :i70,23.
walhe IK-IfacÄrr, Knmanr 199,2ri.
walt, wald 409,14. 434,12. 15. 452,9.
Mmfii waMeshalb 80,3.
W8l{l)en Pmi. wiel aufirallrn, hen-or-
gchie/>srn ll!,12; *(r. VtrI,. 18,8.
wallen ivaiidem 267,8.
wan, woii iVu'wf. Mavc. ungetrh»e Hoff-
nung. Erwartung, JiHnkeu 8lil,7. 8.
410,19. 20. 506,4. 10.
wan = wandt: uliitam 260,17.
wandol l.ehenmrandrl 74,;t. 9ü,8. 119,3.
169.15. 16. 166,22. 167,1. 192,24.
216.23. 340.6. 359.15. 17. +31,7. 482,(1.
486.12; WaiidluiKj, W,-ch*el "^i.-Si.
wandPlber rrrilnih-rlieli, uiisM :i37,18.
364,23. 370,16. :«0.9. 424,14; waiidd-
Iterkeit 2»4.17. 19. 445.9. r>41.5.
wanderen 1'. 511. 1.
wnodli'n grhni, reiben 148,1; reriniii-
delii ■292,'2:i; wondlniiir OmirantUaug
376.7. 418.19; l..hv„xi>-<,n,U] 487,5.
r.2S.8.
wank Fl'ir. wcnki-. wiiii'ke Winduiii;
216.14. 48:1,19.
wailmft :arerl'--«xig ;W3,24 : wiirliaftiL:
tnih-l-HlUhend 119.11. 510.1.
war nfiiieii 193.11. 20.
wanipii 426.13,
war su-t-ii ./rV Wahrheit "ngri, 1811,17. 22.
wiirtvn .:.il />„,. .i„t.r.,.U„ ».in, ,lin,.,>
:W4.27. 424.211; „,// <i,.i.i. erwiirlni.
I warUpil Sehaunpifl, A'a»i;/»jt(V/ 363,17-
887,28. 445,6. 469,4.
wasüerbad 46,3. 134,:«.
■ wasserslialb 8Ö,3.
waBsemot fitfahr durch W'aKger 81.5.
waaBcrsAhti^ 40,19.
wat Kleidung. Otiea-ut 111,7. 130,10.
: 134.27. 194,25. 224,22. 244,8. 440.:!
' 466,6. riI4,2.
waten, walten iraitn 161,2». 2Ü2.7.
I 467,32. 523,26.
I weffenen beirtiffnen 459,12.
weg, eynen w. lanft'en l'. eine W'allftthrt
j marhfit äl7,4.
weKcn, wägen Pr/It. wag wiigeu. ait-
I scldagm i:-ö,27. 28. 212,5. •ITiS,-':!.
! 285,9.287,5. 29r.,13. 300,8. 11. ;-CH.2.>.
368,22 umr. : briregen 259,2(1.
weger Ü'miji. ron waege gut, rortril-
I /in/i',rt«/;"nc«^«56,28. 11)8,14. 119.28,
126,19. 220,2. 422,19. 406,2:>.
wehsei 442,.->. ,
. wchsin lUl.e. 100,13.
webali 155,17.
I wehten = wel^ji traten 247,9.
weich wirk, l'urrhlnaui 365,15. 36y,6.
i 436,12, 453,23.
weiden 492,19. 29. 552,12.
weidenlich /i-MCÄ, «lntllich,afhim 14,20,
149,9. 150,3.
weinen weinen, hetcrinen .30,14. 208.18.
27. 281.8. 9. 445,.').
weitilicli kl/tglich, treina-UcI, 122,18.
127,8. liOg.S weinendlifh .l</f. 547,4.
weise Waise 91.4; weisli 121,32.
, weiss ^fiit ii-ahrlich\ 93,29. 122,:H.
128,6. 369,25.
j weiBsenvar jrei:enfarl,, gelblich 199.2:
I wejBsenkorn 1', M-Mi. 521,20.
wpjen »•then 261,29.
I welle :«15,18. 436,17.
I weit, d,T w. killt 23,21; fro w. 361,9;
weltlii^b 1 1H,12, 218,9. 484,6. 485.5. 15;
iveltniiiiiicr t;i,19,
wenden nl;:-. h<U ,. ;-181.2.-.. 398,14.
, wengel S,iiir. Wange 224.17. 227,IM.
I 267,16. 378,5. 4äÜ,l. 27.
Glossar.
623
wonen, wenoen Prät, wände, woude
meinen, glauben 281,1. 359,23. 25.
;^r)7,17. 411,2. 419,8. 425,13. 438,23.
449,12. 16. 454,3. 4ri8,4 usw,
wennen gewöhnen 323,31.*
wetiken wankest, weichen 558,4; sahst
Inf, 551,21.
werben sich bemühen, tätig sein 195,1.
365.23. 436,22. 459,21; suhst. Inf.
lt):<,23; um eine Braut werben 409,21.
worbcr Bewerber 13,16.
weren, sich 497,7.
werend bleibend 73,5.
werk Flachs, Werg 137,5. 214,3; die
bestimmte Handarbeit der Ncmn^n
{beim Spinneyi) 415,19.
werken P. 510,8.
wermen 406,12; wormerin 407,12.
wernt, werntlich P. = weit, weltlich
011.24. 513,14. 17; 509,9. 12. 511,6.
512,14. 516,19.
werren mit Dat. stören^ hindern 14,32;
waz Wirt Ach? 118,19. 133,31.
wesen esse, ens, e^sentia 94,28, 158,5,
160,6. 162,23. 167,2.23. 169,4. 171,18ff.
172.1. 174,12. 176,9—13. 177,1—24.
178,1—18 usn\; we8en(t)heit 162,15.
20. 30. 163,6. 183,1. 187,5. 245,7.
:W0,25; weslichkeit 188,11. 189,13.
191,28: wcsunge 343,19. 350,25.
854.2. 15.
weslich, \ve8en(t)licli essentialis, trirk-
lich, dauerhaft 52*. 162,22. 171,19.
174,17. 18. 19. 176,14. 179,32. 180,11.
184,23. 187,3. 232,28. 262,24. 342,2.
s usw.
wesse scharf 543,13. 545,26. 551,18.
wettelof 493,13.
wet(t)er 364,23. 371,12. 424,14. 460,9.
516,4.
wetiind, wetünd 23,18. 46,13. 55,2.60,23.
72,15. 91,1. 7. 116,26. 547,9.
wicliwasser Weihwasser 47,17.
widerbissen sahst. Inf Widerstand
8,13. r)14,13.
widerblik 179,6. 180,24.
widerbogen subst, Inf. reßectere 179,9 ;
widerbogung 180,20.
widerbriugen zurückbringen, ersetzen
erlösen 74,1. 85,9. 100,17. 116,15
213,8.19. 215,11. 220,7.277,11.281,25
321,31. 366,26. 439,7. 463,13. 540,6.
549,16; widerbringer 72,4.
widergebomheit 186,14 ; widergeburt
279.7. 348,20. 23. 349,5. 8. 355,10.
widerglanz 279,6. 307,23. 427,15; wider-
glast 10,22. 153,4. 190,12. 299,9.
407,4. 477,22.
widerglenzen 263,12. 299,16. 304,18.
452,18.
widergrnneu subst, Inf, 317,13.
widerheb lieh gegensätzlich, unterschie-
den 354,10.
widerheilen subst. Inf, 539,20.
widerhellen widerhallen 172,18.
wideringang Bückkehr in Gott 334,20.
widerinjehen subst. Inf, das Sichzuriick-
beziehen, Zurückschauen 332,27.
widerinfliessen 474,6 ; wideringeflossen-
heit 52*. 190,27.
widerin wal Zurückwallen 21,28.
widerkaphen subst. Inf, Zurückschauen
332,22.
widerker Bückkehr, Umwandlung,
Sinnes i^nderung {ZU u. von Gott weg)
124,21. 170,14. 453,28.537,5; wider-
keren zurückkehren, sich abwenden
138.8. 214,5. 289,15. 453,25. 537,5.
widerkomen sich erholen, meder mu
Kräfttn kommen 80,31.
widerkriegen subst. Inf, reluctaribOi,\H,
widerlegen umbiegen 41,19; vergelten
273,27 ; subst. Inf, für das in die Ehe
Mitgebrachte ein Äquivalent zusichern
(recompensatio ) 22H, 1 8.
widerlenken suhst. Inf, 349,9.
widerlühten 1.56,27. 172,5. 190,19. 262,24.
304,16.
widermütig trübselig, ungehalten 152,9.
wider nemen, sich auf den eigenen
Willen zurückfallen 161,7. 162,14.
25; subst, Inf. 162,2. IG.
widerrechnen Bechenschaft ablegen
222,14; widerrechnung 146,27.
widerred 229,19.
widerruf das Wiedersprechen 8,28.
U24 Bk
iviilersache Ofi/ari; Friiid 54,26. H5,31.
'2H,33- 205, 7 317,30.
wiJerBagen J-'chAe ankündigen 147,4.
widenatE 462,18.
widerechin r»S,24 widerschineii 242,9.
wiilerschtag rtditits, Rfflexion nach dfr
Btgchaitmij 18546. 346,16.
Viderspenig wldergpmslig 9,W. 10? ,20.
4H2.5 widerdpenklioli Adv. üüSfi;
wiflerspenikeit 381 6. 462,1».
widersprechen 228,ia. 337,28. 4Ü9,21.
widerstaii, -ateii 229,11. 324,19. 503,7.
504,U; suhlt. Inf. 201,30. ."304,16;
wider§t*ndig tavider 550,24.
wi(leratozGrjenji/ö*»,WWo"«(«nt( 327.4;
wideretoSBen 440,1 r^.
widerstreben 133,22. 3S1,6. 462,4.
widerstribe um die Wrilr 112,'>.
widertragen sich eurückhtzirheii ; die
w.deii eigenschefte reiationen 331,2.
widerrani 295,6. 442,14 ; widervart
Hiicknise 68,27.
w)dcrflies8en 179,11; widerfluss 19->,U.
•j(i;i.H.
widiTwegcit aujmegrn 226,2.
widerwerlen anfechtm, umeivssm 9,li\
tinfi. 341,11; suhst. Inf. 348,5. 12.
349,12. 3r>0,1.13;widerwerfuiig341,10.
aM,i4.
widt-rwertig 9rvi2. 142,1M. 341,2. 452,1;
widerwertikeit 54,22. 60,14. Sl,13.
91,29. 9M,3.'J. 143,13. 192,21. 282,20.
236,11. 341,1 uKir widerwertlich
Adr. geyemlttzUch 897,4.
widerwisen zurückireisen 459,8.
widerzem iilistosnend, minafiillig .'i47,5.
55l),23.
widerzii'hi'ii 13,5.
widi'rziukeiL iiirüct/il'isseii, rei-liinilern
-.217,15.
widiii rill iVeidoihniz 442.31.
ivilit- der hSse w. 204,22.
ivilil "Uli. "n,ilet. unlrigrriflich, irander-
h,„- 4.12. 8,11. 9.26. 12,14. 21,28.
110.14. 188,20. 1S9,1. 2tX).2<l. 211,6.
212.17. 245,11. 26.V u«ir.; Ata. na-
inelos wiide die heghardischt Irrlthrt
.%2,20; wildicklichen Adr. 481.2.
wilerli Ideinta Gehöft 82,a
wili, wUli ;«9,11. 395,12. 415,8.
willeklicb 145,3. 179,26. 192,20. 2ii9,9.
215,30. 220,1. 248,8. .S(»7,30. 3(18.8.
316.18. 367,2 utrr.
willen mit hat. nachgr.beii, noch dtm
Willen tun 382,15. 422,15. Dlf5,5.
willeiibrechen sultgt. Inf. 91,6. 484,16.
willig 248,11. 475,4; wyllenlos P. 517,1.
'n\Dd,l\irtv(iinWintltausg'ii-o>:h'Lm,\9.
wingarte 221.33.3(13,4. 425,i;>. 18.426.13.
winlms caupfiaa ;172,20 46 ,22.
Winkel 126,2. 175,5. 395,25. 513.23
525,21, 52?,17. 19.
winnaht Wtihnachten 46.26. 1 1S.25.
124,27. 3B5,19. 467,28; ' winnahttag
25.2.3.
winsiuak 428,18.
Winter 433,24; winterbalde clürre HViWe
425,9; winterlich 299,11. 409,16.
wintraht Mose. Wtinduft 428,15.
wintnibel Wäniraube 493,30.
wiplich 399,24.
wirdekeit. wirdikeit 26,20. 88,26. 2ii».i7.
213.19. 217.25. 218,16. 243,2. 273.17.
421,15 usir.
wirdig 91.:-t5. 172.8. ;i63,r2. 364,4. 440,31.
448.27. 486,7. 489.11.491.8; «iraek-
lieh 112,29. 241.4. 279,21.296,12. 19.
23. 301.3. M3.5. 304,6. 30.1.14. ;-l92,5
wirijj limgdaiienid, daufrhaft 4^1*.
107,17. 344.6. 362.32.
wira Adr. Kamp, schlimmer, iihhr 57.6.
62.17. 125.24. 169.*). 271.12. 272,26.
371.28. 381,10. 426,21 mir. . SuperL
wirst, wurat 23.17. 67,3. 121.7. 128.25.
249.10. 475. m.
Wirt 233,19. 512.7.
wise Art 'i. Il'me, Art »ich zu f/ihm,
Ik.-^chiiftiiiii";/ ■ Kr.''chcinat>g.\fiirm
10.19. 12.7. :>:i.l. 83.14. 142.10. 156.
17.29.31. 166.8. lii. 188.111. 11. 2U5,21.
228.11. 2äS.4 'ixir..- wi.rt uml wise
65.26. 2il. 167.3. 4: wise Mrloiii,
199.21 : Wfirt mit wise 7V.t( «. Melodie
228,16.
Glossar.
625
wi8^e)]08 ohne wise, ohne genauere Be-
Stimmung 52*. 10,18. 23,7. 87,30.
186.24. 188,11. 189,17. 191,6. 245,11.
804.25. 328,24. 432,25; wiseloaekeit
185,1. 186,22. 400,4; wiselosekUch
Adv. 335,22.
wiser Leitet' 446,3; wiserin 321,11.
wislich Adv, mit Weisheit 315,30. 438,2.
wi88ag(e) Prophet 36,10. 363,6. 392,11.
429,16. 477,9. 480,7. 494,3.
wiasagen^üfeÄ*. Jw/. Propheteiung 426,18.
wi88e = wise Wiese 452,7.
wissentliche Adv, 499,21.
wissi weisse Farbe 439,18.
wisunge 384,21.
witbreht Adv, lärmend 502,13*
withopf Wiedehopf 458,24.
witi 350,28. 358,17.
witswei flieh Adv. iceiiläufig 191,3.
witwe 91.4.
wiz und rot 199,2. 551,8.
wizze, witz Klugheit, Einsicht 99,16.
280,24. 281,28. 399,12. 26. 410,8;
witzig 212,24; witz(i)gen weise
machen, witzigen 240,13. 287,20.
369.26. 456,19. 458,1.
wolanvahend 47*.
wolbedaht 94,21.
wolhcreit hene dispositus 300,12. 16. 18.
wolbescheiden verstandig 99,27.
wolbesorget 158,8.
woldenieren sich hin- und her bewegen
166,23.
wolf 8G,3. 134,11. 260,16. 375,29. 420,7.
488,8.
wolgebom 135,32.
wolgefloriert wohlvtrziert 140,4.
wolgeladen mit Leiden stark heimge-
sucht 133,28.
wolgelassen 164,10. 358,22.
wolgelert 162,18. 328,28.
wolgemut 28,16. 33,18. 225,20. 233,20.
238,6. 245,20. 313,9. 14. 376,1. 448,12.
wolgenaturt wohlbegabt 376,5.
wolgeordnet 171,15.
wolgeraten 378,26. 444,9,
wolgesehend 5,22. 157,10.
wolgesmack 303,15. %
U. Sense, Deutsche Schriften.
wolgeatalt 137,16. 542,9.
wolgetan 83,24.
wolgetrüwend 100,19. 135,1.
wolgeupt erfahren (im geistlichen Leben)
170,23. 182,5. 184,5.
wolgevallen Subst, 94,14. 125,2. 226,23.
261,13. 262,2. 266,19.25. 319,21. 507,2.
woIgevaUend 95,23. 159,11. 376,20.
378.11. 451,1.
wolgewahsen 156,4.
wolgewegen wohlgewogeti , vollwichtig
335,28.
wölke, wulke Masc, 230,2. 3; wolkeli
551,23.
wolkunnend geschickt, angesehen 75,14.
364,4.
Wollust Vergnügen, Lust, Freude 169,13.
206,17. 225,14. 227,20. 237,3. 248,16.
17. 249,26. 263,16. 265,22. 286,17.
339,30. 344,16. 540,8. 546,29. 549,2.
wolmugend kräftig, gesund 282,13.
wolriechend 266,23.
wolsingend 31,23. 28. 406,18.
wolsmekent 505,8.
wolstcnd 409,8. 541,31. 552,6.
wolzöneraend 48*.
won s. wan.
wonhaft 187,18; wonunge 474,24.
worgen würgen (bildl.J 455,8.
wormerin .v. wermen.
wort Verbum, Logos 179,27. 180,18. 22.
26. 181,3. 11. 191,27. 224,12. 279,6.
473,3; in den Worten unter dieser
Bedingung 25,26; wortli, wortelin
100,30. 200,16. 223,17. 226,3. 377,23.
450.12. 477,11. 495,2; wortlos 305,7.
548,8; wortwege kritisierend, zänkisch
166,26.
Wortzeichen Kennzeichen, Merkmal,
Beweit! 44,22. 128,10. lo. 545,30; wor-
zeichen 554,2.
woschi Wäsche 1.34,28; woscherin 134,26.
212,13.
wfiff Klagegeschrei 546,15; wüfFen
550,20.
willen 222,12.
wtiliin wölfisch 23,12. 119,2. 420,12.
40
626
Glonar.
wunder Verwunderung^ unenoarteUs
Ereignia, Wunder 8,15. 11,12. 22,16.
30,11. 55,27. 64,30. 67,12. 68,a 86,16.
18. 90,9. 92,20. 97,4 usw, ; wunderlich
seltsam, ir änderbar 58,8. 65,3. 159,1.
173.1. 177,6. 200,24. 206,4. 292,ia
339.2. 409,12. 420,5. 490,32.
wundern, wundren bewundem 477,2;
unpers. 229,13. 291,27. 341,27. 376,2.
424,11.448,13;«aö*Mfi/.293,21.367,7.
wundrer der Wunderbares tut, mirabüis
(Gott) 108,2.
wundtmal 537,12.
wunne, wunne 94,3. 211,20. 225,2. 243,5.
246,24. 265,13. 269,17. 295,3. 304,17.
312,28 usu\; wunnenbernd 171,23.
172,20; wunneklich, wunneklich, wü-
n(i)klich 23,14. 31,34. 33,1. 59,10.
(J4,29. 153,3. 199,12. 200,3. 207,1.
219,29. 221,31 usic, usw,
Wunsches (wunsches) gewalt optio om^
nium 93,15. 94,3. 17. 224,5. 242,14.
279,17. 295,8. 377,31. 378,6. 450,20.27.
würdig, 422,8; wArdigen 547,27.
wurf 191,19.
würken irirken y tälig fiein, be(irheiten2iy-i.
171,20. 182,19. 335,14. 367,23 u.sir.;
in wirkender wise actualiter 348,27.
würklich aciivusy aciuiüis 105,15. 177,25.
192,32. 341,21. 47."),1; ^vurklicIlbeit,
-kcit activitas, nctuaUUia 183,14.
18.-),2. 10. 189,20; würkunge 340,25.
.SI8,13. 1.^.
wurm Wurm, Insekt 85,18. 39,21. 27.
259,22. 805.29. 368,15. 441,26.
würz 313,2r>. 803.24; wur(t)zel 105.17.
421.24; wurzgart(t)e 205,ir). 222,7.
wnsclieu = wischen Prät. wfisto trocknen
0O«7,Mt.
wüssend brwus.st 888,28. 24; wüssent-
lieit Beirussisein 188,15.
wüst H'ii.st, h'-r 103,8. 425,20; wüste
gotbcat das blosse Wesen Gottes (vgl,
Strauch, M. Ebner 301 f,: Denifle
im Archiv II, 455): wusti, wiiste
79,24. l.")0,l(). 211,7. 434,12; wilde
wiisti der gotbeit 245,11 ; wustenunge
r. 530,14.
waten 301,14; wütend 45,17. ISIA
189,81. 178,26. 408,8; wütig 85^2.
182,6. 260,ia 370,17.
Zacharias Altvater 105,13.
zage 8 übst, feiger Mensch 870,25;
heit 41,20.
zam 363,5. 420,6.
zarten liebkosen j schmeicheln 15,12;
subst, Inf, 122,18.
Zartheit Feinheit, Schönheit^ Weichlich-
keit^!*, 51*. 26,19. 35,16. 42,6. 94,24.
205,9. 209,7. 217,4. 238,1. 243,3.
247.21. 286,17 usw,
zärtlich, zertlich Adv. liebevoll^ wohl'
wollend, £reyr//icÄ 99,13. 121,31. 174,2.
212,8. 223,10. 224,3. 225,7. 240,24.
254.22. 482,19 ustr.
zartsüchender lip das Wohlleben suchend
40,3.
zederbom 310,12. 442,33.
zeh zäh 44.5,18.
zeichen Zeichen, Wunder 41,4. 66,6.
105.8. 248,14. 252,10. 827,10; Wund-
mal 67,10. 241,11; die fünf zeicheu
Christi 52,1. 479,8.
zeichen P. = zei ebenen Wandt' r tun
515,26.
zeine Korb 31,31; zeinli 81,30.
zek = zic Liebesneckerei 483,13.
cell(e), zelle 40,10. 48,15. 30. 44,27.
.58,8. 5. 103,7. 21. 104,12. 100,10.
110,32. 113,7 usw.; ceUeü 45,27.
zemiueliche Adv. wohl = zemliche sahm
.504,3.
Zellen zählen 214,17. 247,16. 481,18.
zeltt'n im Passgang gehen, traben 189,8-
zepter 2.52,24. 460,2.
zerbrechen zerbrechen, cerreissen 69,32.
139,82. 882,5. 463,15.
zerdenneu, zertennen 209,12. 210,18.
214,16. 20. 215,25. 250,21. 816,24.
541.9. .542,23.
zergan, ztTgen 218,4. 266,6. 849,31.
850,1. 351,11. 438,25. 403,16. 464,7;
zergangen Part, verfallen 217.6. 218,1.
GlMstr.
627
s«rgaii(g)klieh, zeigenglieh 28^. 26.
85^. 11. 185,18. 139,20. 165,18. 206,25.
218,10. 27. 219,2. 411,21. 438,20 uawr,
sergenklicheit 553,30.
zergiessen, sich 174,12.
zerkrawen zerkratzen 40,23.
zerkretzen 397,19.
zermaln 210,3.
zermdsten , zermüsten zerquetscfien
204,18. 815,18.
zerren zerrcissen 230,3.
zerrisen zei'f allen 218,5.
zerrannen 270,33.
zerschlichen auseinandergehen, zergehen
382,6. 463,16.
zerschrinden Prät. zerschrant Risse 6c-
kommen, aufsjtringen 47,15. 92,20.
zerspalten Prät. zerspielt zerspalten
trans. 271,29.
zerspannen , zerspennen auseinander
spannen, dehnen 210,18. 214,14. 15.
215,25. 272,20. 316,23.
zerspreiten 22,8. 30,6. 92,18. 177,18.
216,20. 452,20; sich z. 28,14. 90,24.
zerspringen 212,11. 305,11.
zerstieben zerstieben, virschwinden
377,6. 449,19.
Zerstörer 222,22; zerstorerin 361,26.
411,21; Zerstörung 162,20. 381,29.
463,9.
zerstrowen 29,2. 170,16.
zerteilt Part, getrennt 174,10; zerteiltes
wesen ens pariiculare 177,2. 5. 18.
179,14.
zerteunen s. zcrdenoen.
zertling verzärtelter Mensch 57,18.
zertrageu zugrunde richt'iii (durch Ver-
leumdung) 125,17.
zertrennen, zerdrenuen 382,18. 463,26.
zertriben zerkauen, wiederkäuen (hild-
lich) 300,10.
zertun aM*6rei7en 216,20. 276,24; sich z.
28,14.
zerfliesHen 27,26. 74,9. 227,6. 18. 264,26.
271.28. 298,17. 304,23. 310,23. 384,20.
386,9. 450,9. 466,20; zerflossenheit
Uquefactio 386,19.
zerflossen zerfliesse» wwchen, $chiMUm
111.11. 452,16.
zerfuren verwüsten, verderben 204,18.
315,18.
zerzerren zerreissen 49*. 125,14.
zerziehen Part, zerzogen 272,20.
zesamen — s. züsamen — .
zeswe hant linke H. 558,14.
zieren 224,3. 409,16.
zierer helt herrlich, schmuck 435,6.
459,14.
zihen zeihen, beschuldigen 66,24. 307,8.
zil 184,6. 185,3. 469,11; zilen 156,30.
168,6. 327,27. 28. 355,9. 11. 358,18.
zirabren 219,7.
zimlich passend 299,4. 375,14. 447,23.
zipfel Zipfel, kleines Stück 454,5.
cirkellich kreisrund 178,13. 179,8.
zit officium, horae canonicae 414,5.
416,1.
ziten Zeit sein 362,23. 418,10; zitig
reif, ausgewachsen 31,30. 156,3.
159,18. 482,13.
zitlich zeitlich, weltlichlU,20, 135,7. 10.
174,9. 178,10. 187,18. 194,20. 219,7. 8.
300,14. 413,17. 19 usw.; zitlich(k)eit
390,23. 472,6.
zitlose weisse oder gelbe Frühlingsblume
(Krokus oder Narzisse , vgl. Lex. III,
1138) 211,29.
zitter Subst. Masc. Zittern, BebenS01,S;
zittrend 484,17.
zitverlierend die Zeit unnütz vertuend
361,25. 411,21.
zobrer 327,11.
zora 139,15. 165,12; zomen, zomen auf-
zdumen, gefangen fortführen 139,4.
280,2. 897,16.
zorulich 128,16. 136,17. 229,11. 22. 25.
81. 230,6. 265,8. 285,11. 825,1. 414,9.
zug Zug, Kunstgriff, Art und Weise
142,5. 200,24. 862,29. 371,24. 888,7.
409.12. 419,6. 460,22. 469,12.
zügeii itezeugen 84.28.
zuht Zucht, Höflichkeit, Anstand, Dis-
ziplin 216,23. 221,32. 361,21. 382,3.
411,16. 463,13. 481,9. 482,6; z. und
ere bieten 49,18.
628
Glossar.
luken, zacken wetjnehmen, enireissen,
anlegen (den Bogen) 57,19. 78,17.
128,25. 131,18. 22. 175,6. 11. 281,20.
428,22.
züchtig eingezogen 482,6. 485,2. 8;
ztihteklich Ad%\ 413,20.
zun Zaun 17,18, 78,5. 411,18.
zunge Zunge, Sprache 199,24. 228,26.
372,18. 461,21. 499,25.
zu ahtcn zurechnen 491,6.
zu besliessen, sich 486,26.
zu bringen zustande bringen 26,6.
120,32.
zficrang Zutritt 263,27. 337,18. 492,2.
zfigchorlich 181,20. 353,12; zfigcborlich-
kcit 388,18.
zu gevallen 192,22.
zä komen zum Ziel kommen 426,16.
zukünftig 489,8.
zu legen heimessen 484,9.
zölof 67,14.
zft muten 364,11.
zönemen sahst. Inf. 52*. 3O0,3; zü-
nemender mensch fortschreitender
3,10. 194,6.
zu sumen geben (ehlich) 483,1.
zesamen rihen Part, gerigen zusammen-
ziehen 39,13.
zfi schliessen, sich 430,29.
zutctig sich anschmiegend 225,8.
zutun Zutun, Beihilfe 383,29. 465,22.
zuval(^l) Zufall, accidtns, unbesonnene
Handlung 162,19. 22. 164,12. 167,4.
288,14. ;5:tt,n. 7. 359,20.
zfivallen eufaUen 462,8; züvaliend rw
fäüig, accidentdlis 54^. 244,20. 245,1.
387,28.
zfivallich aecidentalis 162,28; zuTalli-
kait 187,5.
zftversiht 87,2. 127,21. 239,9. 251,23.
264,14. 277,1. 278,1. 286,28. 31.5,28.
365,10. 430,12. 491,2. 538,19. 589,21.
547,32.
Zuflucht 484,6.
zu fugen zugesellen, heschertfi 406,11.
506,19.
zu werffen 465,22. 492,13; zuwurff
488,23.
zürnen sahst. Inf. 424,20.
zwahen Part, gez wagen waschen 450,2.
zweien, sich *. paaren 172,20.
zweiheit 226,20. 267,6. 420,21.
zweinzig, zwenzig 364,16. 423,19.
zwelft'botto Apostel 544,18.
zweltjerig 31,19.
zwi Zweig 32,31. 287,22. 297,16. 426,11.
zwivel 81,2. 89,15. iaS,6. 21. 323,28.
498,10. 502,16; zwifellieitZtrei/f /^iicä<
496,17; zwifeln 498,15. 549,5; zwifel-
haft amhiguus 4.'S3,21; zwit'elj ich
unsicher, ziaifelhaft 183,3. 1SS,.\
380,16.
zwingen, twingen drangen, heimsuchten
178,23. 442,26. 490,7. 506,1.">.
zwireut, zwirunt 71,22. 173,18. 32r:>.21.
380,34. 383,14.
zwivalt Adj. 348,6.
..(JCs-